Niemals - Pflüger, Andreas
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Jenny Aaron ist eine Polizistin mit überragenden Fähigkeiten. Und sie ist blind. Man drängt sie zur Rückkehr in die geheime Sondereinheit, in der sie früher war. Es wäre wieder ein Leben aus purem Adrenalin. Doch will sie das? Da erfährt sie, dass ihr Todfeind ihr ein gigantisches Vermögen hinterlassen hat. Aaron muss nach Marrakesch. Dort wird sie mit ihrer größten Angst konfrontiert. Und die Hölle bricht los ...…mehr

Produktbeschreibung
Jenny Aaron ist eine Polizistin mit überragenden Fähigkeiten. Und sie ist blind. Man drängt sie zur Rückkehr in die geheime Sondereinheit, in der sie früher war. Es wäre wieder ein Leben aus purem Adrenalin. Doch will sie das? Da erfährt sie, dass ihr Todfeind ihr ein gigantisches Vermögen hinterlassen hat. Aaron muss nach Marrakesch. Dort wird sie mit ihrer größten Angst konfrontiert.
Und die Hölle bricht los ...
  • Produktdetails
  • Suhrkamp Taschenbücher .4940
  • Verlag: Suhrkamp
  • Seitenzahl: 472
  • Erscheinungstermin: 11. Februar 2019
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 116mm x 38mm
  • Gewicht: 436g
  • ISBN-13: 9783518469408
  • ISBN-10: 3518469401
  • Artikelnr.: 52361058
Autorenporträt
Pflüger, Andreas
Andreas Pflüger wurde 1957 in Thüringen geboren. Er wuchs im Saarland auf und lebt seit vielen Jahren in Berlin. Zu seinen Werken gehören Theaterstücke, Drehbücher für Kino- und Fernsehfilme, Hörspiele und Romane. Niemals ist der zweite Band seiner Trilogie um die blinde Polizistin Jenny Aaron.
Autoreninterview
Interview mit Andreas Pflüger zu "Niemals"

Herr Pflüger, Ihr Publikum wartet gespannt auf die Fortsetzung von "Endgültig". Was hat Sie selbst daran gereizt, einen weiteren Roman über Jenny Aaron zu schreiben?

Andreas Pflüger: Ich habe die Romanemit Jenny Aaron von Anfang an als Trilogie geplant. Jeder der drei Teile ist so geschrieben, dass man problemlos hineinkommt und mit einer befriedigenden Auflösung aus dem Buch entlassen wird. Deshalb wäre es durchaus denkbar, mit dem zweiten Band zu beginnen und darauf den ersten folgen zu lassen (auch wenn ich es mir anders wünsche). Darüber hinaus gibt es jedoch immer etwas, das fortgeschrieben wird: Aarons Geschichte. Am Ende wird alles sich zu einem großen Ganzen fügen.

Der Hirnforscher Bernhard Sabel, der Ihr fachlicher Berater ist, hat "Endgültig" als "ein Lehrbuch fürden Umgang mit Sehverlust" bezeichnet. Was lernen wir in "Niemals" über Sehen und Blindheit dazu? Was haben Sie selbst bei der weiteren Recherche gelernt?

Andreas Pflüger: Die Recherchearbeit zu der Trilogie war naturgemäß immens. Ein Buch aus der Perspektive einer blinden Frau zu schreiben ist in etwa so, als würde ein Geburtsblinder versuchen, die Welt mit den Augen einer sehenden Heldin zu erzählen. Es war die größte Herausforderung meines künstlerischen Lebens. In den letzten drei Jahren habe ich so viel über Blinde erfahren, dass es unmöglich wäre, auch nur einenBruchteil davon hier aufzuzählen. Das wichtigste ist wohl der tiefe Respekt vor jedem Menschen, der einen solchen Schicksalsschlag erleidet. Jeder, der das meistert, ist ein Held. Und am Ende habe ich gelernt, wie reich die Welt der Blinden sein kann, dass die meisten von ihnen in keiner Weise hilflos sind, auch wenn wir Sehenden uns das meist vorstellen. Nicht zuletzt ist das der Grund, warum Jenny Aaron solch herausragende Fähigkeiten besitzt und gegen vermeintlich übermächtige Gegner kämpfen muss - es ist ein Sinnbild, ein Gleichnis. Mich erreichen viele Stimmen von Leser*innen, die das sofort verstanden haben. Darüber freue ich mich ganz ungemein.

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Sie schreiben viel für audiovisuelle Medien - Hörspiel, Kino, Fernsehen. Wie, glauben Sie, beeinflusst das Ihr Schreiben von Kriminalromanen?

Andreas Pflüger: Ein guter Drehbuchautor ist nicht automatisch auch ein Romancier. Um Literatur zu schreiben, genügt es nicht, spannend zu plotten oder dialogstark zu sein. Ich habe das Glück, dass mir die Lust am Fabulieren, am Erzählen schon immer zu eigen war. Erst damit kommt alles zusammen. Drehbuchschreiben hat nicht unwesentlich mitMathematik zu tun. Es gibt strenge Regeln, die für jeden Film gelten und eingehalten werden müssen. Beim Schreiben von Romanen hat man viel größere Freiheiten. Auch arbeite ich hier ganz anders. Ich gehe ohne einen festen Plan an ein Buch heran, liebe es, wenn meine Figuren mich überraschen und an der Hand nehmen. Oft tun sie Dinge,die ich nicht verstehe, auchnicht erklären kann. Aber es ist ja ihr Leben, ihre Geschichte, und ich bin nur eine Art Chronist.

In "Niemals" gibt es viele Schauplatzwechsel, auch wenn ein Großteil der Handlung in Marrakesch spielt. Reisen Sie selbstgern, auch gedanklich beim Schreiben?

Andreas Pflüger: Reisen ist meine große Leidenschaft, die ich wunderbarerweise mit meiner Frau teile. Ich kann überall schreiben - wie vor zwei Jahren, als ich lange in Rom war und dort "Endgültig" fertigstellte, oder letztes Jahr, wo wir viel Zeit in Marrakesch verbracht haben. Die Stadt kenne ich von etlichen Besuchen mittlerweile so gut, dass ich dort wahrscheinlich als Taxifahrer arbeiten könnte. Es ist eine Stadt für Blinde, allein die Geräusche, die Gerüche, alles ist betörend. Darum hat es mich kein bisschen gewundert, dassAaron dort hin wollte. Und ich bin ihr mit großer Begeisterung gefolgt.

In einer langen Romanpassage werden Briefe vorgelesen, ein trotz der Spannung nostalgischer, romantischer Abschnitt. Schreiben Sie selbst noch Briefe per Hand?

Andreas Pflüger: Das würdich sehr gern, aber leider ist meine Handschrift eine einzige Katastrophe; ich kann sie selbst kaum lesen. Irgendetwas muss auf der Schule grob verkehrt gelaufen sein. Es ist so schlimm, dass ich meinen Lesern, nachdem ich Bücher signiert und eine Widmung hineingeschrieben habe, erklären muss, was das Gekritzel bedeutet. Und was das Nostalgische angeht: In jedem Autor von harten Thrillern schlummert doch im Grunde ein Romantiker.

In "Endgültig" und "Niemals" gibt es viele Verweise zum "Bushido?" und zu japanischer Kampfkunst. Konnten Sie eine Samurai-Weisheit oder ein Motto für das eigene Leben mitnehmen?

Andreas Pflüger: Der Bushido? sagt: "Lerne alles und dann vergiss alles." So sehen wir die Welt immer wieder neu.

Zuletzt müssen wir natürlich fragen: Wann wird es ein Wiedersehen mit Jenny Aaron geben?

Andreas Pflüger: Der letzte Teil wird vermutlich Mitte 2019 erscheinen.

Interview: Literaturtest
Rezensionen
"Andreas Pflüger lässt die amerikanischen und englischen Stars seiner Generation weit hinter sich."
Joachim Scholl, Deutschlandfunk
Besprechung von 04.12.2017
Die Fährte der Kriegerin

Wer war Kiddo, na? Ach was, wer ist Aaron! Sie ist die dunkle Schwester von Tarantinos undomestizierter blonder Braut aus "Kill Bill". Auch Aaron ist ein Samurai. Sie folgt dem Bushidô, dem Weg des Kriegers, die Rache glüht in ihr. Nur dass Jenny Aaron blind ist, ihr Augenlicht weggeschossen im Auftrag ihres schlimmsten Feindes, bei einem Einsatz in Barcelona, das ist jetzt fünf Jahre her. "Niemals" heißt der Thriller von Andreas Pflüger, nach "Endgültig" der zweite Teil einer Trilogie, in deren Zentrum die Elitepolizistin Aaron steht. Sie ist zurückgekehrt zu ihrer einstigen Truppe, die spezialisiert ist auf Terrorbekämpfung und Personenschutz; sie operiert so geheim, dass sie nur "die Einheit" heißt. Aaron ist eine Töterin, auch wenn sie nicht mehr sehen kann. Sie hat ihre anderen Sinne aufs Äußerste geschärft. Inzwischen sendet ihr Cortex verschwommene Schemen zurück, manchmal. Verrückt genug, ihr Quäler hat ihr zwei Milliarden Dollar vererbt - Bedingung: Aaron muss dafür nach Marrakesch. Ihr Kollege Pawlik begleitet sie; denn es geht um mehr als die rasende Wut in ihr, es geht um den Kopf eines weltweit agierenden Terrornetzes. "Niemals" ist ein Buch für alle, die statt zu schlafen lieber lesen, bis der Arzt kommt. Dabei immer schön aufs Adrenalin achten; das heißt, von Aaron lernen. Und der dritte Teil soll bitte bald kommen. Pflüger schreibt in seiner eigenen Liga, gewalttätig, wortgewaltig - und da ist eine ganz große Zartheit. Einsame Spitze, suchterzeugend.

rmg

Andreas Pflüger: "Niemals". Thriller.

Suhrkamp Verlag,

Berlin 2017.

475 S., geb., 20,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 16.11.2017
Was aus Licht ist
Andreas Pflüger schickt eine blinde Geheimagentin in den Kampf
gegen die Kosten-Nutzen-Mentalität des Spätkapitalismus
VON NICOLAS FREUND
Der Blick des Ermittlers ist immer gespalten: Er muss die konkreten Fakten erkennen, die Beweisstücke, den Tatort, die Verdächtigen. Er muss aber auch hinter diese Dinge und ihre Beziehungen blicken können und das erkennen, was sonst verborgen bleiben würde. In einem Urtext der Kriminalliteratur, „Der verlegte Brief“ von Edgar Allan Poe, liegt die Lösung des Rätsels, der gesuchte Brief, für alle gut sichtbar auf dem Schreibtisch des Verdächtigen. Aber niemand sieht ihn, diesen verlegten Brief, nicht die Gesandten des Staates, für den das Schriftstück eine nicht weiter definierte, aber eminente Bedrohung darstellt, und auch nicht die für die Sicherheit in diesem Staat zuständige Polizei. Die Organe des Staates versagen, sie sind blind für das Offensichtliche. Weil ihn alle anderen selbst in den abwegigsten Verstecken nicht finden konnten, folgert nur der Privatermittler Auguste Dupin, dass der Brief sich da befinden muss, wo ihn nie jemand vermuten würde: offen für jeden sichtbar. Dupin kommt nur als Beobachter zweiter Ordnung auf die richtige Lösung. Weil er andere beim Beobachten beobachtet.
Jenny Aaron, die Heldin in Andreas Pflügers Agenten-Thriller „Niemals“, hätte den versteckten Brief wahrscheinlich auch gefunden, denn Jenny ist blind. Streifschuss am Kopf während eines Einsatzes in Barcelona vor vielen Jahren. Eine blinde Geheimagentin, wie nutzlos ist das denn! Eine Agentin, die nichts sieht, kann niemanden beschatten, kann keiner Spur folgen, kann nicht schießen und auch keine versteckten Briefe entdecken. Denkt man. Aber Aaron, wie sie in dem Roman konsequent beim Nachnamen genannt wird, macht das alles. Sie folgt dabei den Strukturen ihrer eigenen Welt, und wie Dupin ist sie eine Beobachterin zweiter Ordnung, in vielem auf die Beschreibungen ihrer Kollegen angewiesen. Das Verborgene rückt in ihrer Wahrnehmung an die Stelle des Konkreten.
Andreas Pflüger ist seit mehr als 25 Jahren „Tatort“-Autor und hat sich mit der Reihe über die Agentin Jenny Aaron eine Pause vom Schreiben für Fernsehbilder verordnet. Die Prämissen einer blinden Protagonistin nimmt er so ernst, dass sie sich, für einen Thriller fast provokant literarisch, bis ins Erzählen niederschlagen: Im ersten Kapitel, einer Rückblende, heißt es schon, Aaron liebe die Stadt Rom, wie „alles, was aus Licht ist“. In kleinen Details – Filmtiteln, dem Wechsel von Tag und Nacht, einem lauernden Scharfschützen, einem Gemälde von Cranach dem Älteren – baut Pflüger eine Welt der visuellen Eindrücke, um sie verschwinden zu lassen und mit ihr die trügerische Sicherheit, die sie vorgaukelt. Der Roman fordert zum ständigen Realitätscheck heraus.
Aarons Lebenswelt besteht nicht mehr aus Licht, sondern aus Schritten. Wenn sie morgens aus Träumen erwacht, wird es dunkel. So und so viele Schritte sind es vom Bett zum Schrank, so viele Schritte bis zur Biegung auf dem Joggingpfad. Die Größe und Beschaffenheit unbekannter Räume echolotet sie mit dem Klappern ihres Blindenstocks und dem Schnalzen ihrer Zunge aus. An der Stimme kann sie erkennen, in welche Richtung jemand blickt und welche Statur er hat. Ein Blumenkübel oder ein abgebrochener Ast auf dem Feldweg ist für sie aber völlig unsichtbar und wird zur unberechenbaren Falle. Selbst das Anzünden einer Zigarette kann zur Herausforderung voller Untiefen werden – und dabei Details offenbaren, die sonst nie aufgefallen wären. Was ein Mann am anderen Ende der Restaurantterrasse in sein Telefon flüstert, versteht sie, aber die Geräuschkulisse der Festnahme eines Verdächtigen am Flughafen kann in ihrer geschärften Wahrnehmung zum vermeintlichen Terroranschlag werden.
Aaron liebt Georg Büchner und Samurai, Kinder und Listen, die für Ordnung sorgen. Pflüger hat diese eigentlich ans Superheldenhafte grenzende Figur mit Vorlieben und Abneigungen, Ängsten und Sorgen, Träumen und Verfehlungen gestaltet, wie es im Krimi selten getan wird. Auch ein Teil von Aarons lichtloser Welt sind aber nach wie vor die sexistischen Sprüche der Kollegen. Dialogzeilen funktionieren beim Drehbuchautor Pflüger wie Wurfmesser, mit denen sich die immer kampfbereiten Agenten beharken. Rau, prollig und rasant ist auch die Sprache, wenn Adrenalin „per Express in ihre Blutbahn eincheckt“ und der „Cortex auf Betriebstemperatur“ gebracht werden muss.
„Niemals“ ist aber keine Charakterstudie Aarons, sondern ein beinharter Agententhriller, der aus den grauen Amtsstuben der Bundesrepublik in das Herz des Spätkapitalismus führt. Eine obszöne Geldsumme wurde Aaron von einem alten Feind vermacht, zwei Milliarden Dollar, verdient mit der Industrialisierung des Terrorismus. Rund um den Globus stellt eine geheime Organisation die Logistik für Anschläge bereit und verdient dann selbst an Spekulationen auf die nach den Detonationen und Schüssen durchdrehenden Aktienkurse und Währungen. Der einfache, für die verborgenen Geldströme und Machtzentren blinde Mensch wurde aus diesem Geschäftsmodell endgültig herausgerechnet, er taucht nur noch als Opfer auf. Auch die Bundesrepublik ist in dieser Agentenwelt zur leeren Hülse geworden, bestehend aus einem BKA, mehr oder weniger autonomen Agenten und einem Bundeskanzleramt, aus dem anonym endgültige Befehle erteilt werden.
Ist es eine Falle, dieses Geld für Aaron auf einem Konto in Marrakesch? Wie viele Blumenkübel hat ihr der alte Feind in den Weg gestellt? Natürlich macht sie sich auf nach Marokko, um genau das herauszufinden. Die Einsätze ihrer Gruppe führen immer an Orte, wo andere Urlaub machen: In Barcelona, Südfrankreich, Italien, Nordafrika taucht sie hinter die Touristenfassade in die verborgene Welt, in der reine Kosten-Nutzen-Rechnungen über Menschenleben entscheiden und wo niemand mit einer blinden, nutzlosen Agentin gerechnet hätte.
Unbekannte
Räume
echolotet sie
mit dem
Klappern
ihres
Blindenstocks
und dem
Schnalzen
ihrer Zunge aus
Andreas Pflüger: Niemals. Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin 2017. 475 Seiten, 20 Euro. E-Book 16,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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»Selten schlug in einem Hardcore-Thriller so ein feines Herz.«
Elmar Krekeler, DIE WELT 09.12.2017
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