Benutzername: Havers
Danksagungen: 413 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 654 Bewertungen
Bewertung vom 20.09.2017
Der Sympathisant
Nguyen, Viet Thanh

Der Sympathisant


ausgezeichnet

Üblicherweise werden historische Ereignisse aus der Sicht des Siegers geschildert. Anders verhält es sich mit dem Vietnamkrieg, an dem sich die Vereinigten Staaten aktiv seit Beginn der sechziger Jahre (und der Präsidentschaft JFKs) im großen Stil bis zum bitteren Ende beteiligten. Und entgegen der festen Überzeugung der Amerikaner gingen sie aus diesem Krieg nicht als Sieger sondern als Verlierer hervor. Ein Trauma, das bis heute nicht wirklich verarbeitet wurde. Was die Amerikaner aber nicht davon abhielt, die westliche Welt mit ihre Sichtweise dieses Krieges zu fluten. Man denke nur an die unzähligen Blockbuster, TV-Serien und B-Movies zur Vietnam-Thematik, mit denen Hollywood phasenweise den Markt überschwemmt hat, aber auch die unterschiedlichsten Romane und Sachbücher.

Viet Thanh Nguyen, geboren in Vietnam und als Vierjähriger 1975 mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten geflohen, hat nun mit „Der Sympathisant“ einen Polit-Thriller geschrieben, in welchem er die Sichtweise umkehrt. Und offenbar hat er damit einen Nerv getroffen, denn für diesen Roman wurde er 2016 sowohl mit dem Pulitzer Preis als auch mit dem Edgar Award ausgezeichnet.

Der titelgebende „Sympathisant ist ein namenloser halbvietnamesischer Ich-Erzähler, der nach dem Fall Saigons in die USA eingeschleust wird. Angeheuert wird er nicht nur von den Amerikanern sondern auch von den Vietnamesen. Und so lebt er sein Leben als Undercover-Doppelagent mit zwei Dienstherren und zwei Seelen.

Es ist diese Dualität, die die Schilderung seiner Vergangenheit und Gegenwart so interessant macht. Die Reflexionen über den Vietnamkrieg und dessen Folgen für die amerikanische Gesellschaft. Aber auch seine Rolle als Maulwurf in dem Land der Verlierer, das noch immer die Strippen ziehen will. Von daher geht es dem Autor nicht nur um Vietnam, sondern ebenso um all die anderen Kriege, in die sich die Vereinigten Staaten einmischen und eingemischt haben. Um die USA als moralische Instanz, die entscheidet, wer oder was gut oder böse ist.

Vernetzt ist der Namenlose nach allen Seiten und in alle Richtungen, kann aber doch nicht immer unter dem Radar durchschlüpfen. Und so gerät er in ein Umerziehungslager, wo er diese seine Geschichte, sein Geständnis, niederschreibt.

Mich hat diese anspruchsvolle Story voller Querverweise sehr gut unterhalten. Viet Thanh Nguyen gibt dem Leser jede Menge Denkanstöße. Sei es die Thematik der medialen Verwertung des Krieges wie in Coppolas „Apocalypse Now“, die Integration, die in der neuen Heimat nicht gelingen will, weil trotz Anpassung die Akzeptanz des Fremden fehlt, die Suche nach der eigenen Identität, die unter einer Vielzahl von Maskierungen verborgen ist.

Spannend und ironisch, politisch und dennoch höchst unterhaltsam – eine klare Leseempfehlung!

Bewertung vom 17.09.2017
Low Carb - Das große Backbuch
Peters, Anne

Low Carb - Das große Backbuch


ausgezeichnet

Kaum ein Ernährungstrend wird momentan von Allesessern so propagiert wie Low Carb, die Reduzierung bzw. der Verzicht auf Kohlenhydrate in der täglichen Ernährung. Nicht weiter verwunderlich, vereint diese Art des Essens doch einige Vorteile, die nicht von der Hand zu weisen sind. Zum einen eignet es sich zur Gewichtsreduktion, zum anderen ist es auch für Menschen mit Diabetes eine sinnvolle Alternative (oder Unterstützung) bei der medikamentösen Behandlung dieser Krankheit. Mittlerweile gibt es auch viele Backbücher der unterschiedlichsten Qualität, die diesem Trend Rechnung tragen, wobei das vorliegende „Low Carb. Das große Backbuch“ von Anne Peters zweifelsfrei für Einsteiger zu den Besten gehört, da hier das gesamte Spektrum dessen abgebildet wird, was kohlenhydratreduziertes Backen ausmacht.

In der Einleitung werden die Grundzutaten im Detail erläutert, die Herkömmliches ersetzen: Erythrit, Birkenzucker und Stevia anstatt üblichem Haushaltszucker, aber auch die Alternativen zu gemahlenem Getreide, wie Kokos-, Süßlupinen-, Soja- sowie diverse Nuss- und Samenmehle. Bei den Rezepten wird das verwendete Mehl durch einen farbigen Merker entsprechend kenntlich gemacht. So sieht man bei der Rezeptsuche auf den ersten Blick, ob man die benötigte Zutat im Haus hat.

Die Rezepte sind in vier Rubriken gegliedert und stellen im Wesentlichen süße Backwaren vor: Kuchen & Torten, Muffins, Cupcakes & Co. Und Waffeln & Pancakes. Die vierte Rubrik widmet sich Brot, Brötchen & Herzhaftem. Hier findet man neben Baguettes auch Quiches und Tartes mit verschiedenem Belag. Alle Rezepte sind kinderleicht nachzubacken und fordern keine besondere Erfahrung. Und die Ergebnisse können sich nicht nur sehen lassen, sondern sind auch im Geschmack den kohlenhydratreichen Vorbildern zumindest ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen. Für Einsteiger sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 17.09.2017
Meine Rezepte für die ganze Familie
Lindholm, Leila

Meine Rezepte für die ganze Familie


ausgezeichnet

Leila Lindholm ist, obwohl in ihrem Heimatland Schweden eine der populärsten Fernsehköchinnen (wie mir schwedische Freunde versicherten), hierzulande weitgehend unbekannt. Eigentlich schade, denn wenn man sich ihr neues Kochbuch „Meine Rezepte für die ganze Familie“ anschaut, stellt man fest, dass sie eine Alltagsküche propagiert, die sämtliche Kriterien gesunder Ernährung erfüllt und dennoch schmackhaft und praktikabel ist. Das Credo ist „einfach, schnell und frisch“, und genau darum geht es, wenn man täglich ein ausgewogenes Essen auf den Tisch bringen möchte.

Ein weiterer Punkt fällt positiv auf. Da heutzutage viele Menschen unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten und/oder Allergien leiden, sind Kochbücher hilfreich, die dies bei den Rezepten berücksichtigen. Leila Lindholm hat dafür Kategorien mit Hinweisfähnchen eingeführt, die bei jedem Rezept zu finden sind. Sie unterscheidet glutenfrei, laktosefrei, Rohkost, kein weißer Zucker, ohne Nüsse, Veggie, ohne Ei und vegan. So weiß man auf den ersten Blick, ob ein Nachkochen Sinn macht. Vorbildlich!

Die Gerichte sind im Wesentlichen mediterran und asiatisch geprägt, bieten aber auch einen bunten Querschnitt durch verschiedene Länderküchen. Allen gemeinsam sind die frischen Zutaten, ganz gleich, ob Früchte, Gemüse oder Salate, die ausnahmslos ohne Schwierigkeiten zu beschaffen sind. Frühstück, Zwischenmahlzeiten, Fisch und Fleisch, Gemüse und Salate, Unkompliziertes und Schnelles für unter der Woche, Aufwendigeres für die Wochenenden und Dessert – hier findet man für jeden Anlass das Richtige!

Bewertung vom 17.09.2017
Magic Cakes
Peters, Anne

Magic Cakes


ausgezeichnet

Mit den Rezepten aus dem Backbuch „Magic Cakes“ von Anne Peters gelingen außergewöhnliche Kuchenkreationen, die jeden Kaffeetisch aufwerten. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff? Was macht die Magie aus?

Das Besondere an diesem neuen Trend aus Frankreich ist die Art des Backens mit dem entsprechenden Endergebnis: ein knuspriger Boden, darüber eine saftige Puddingschicht, abgeschlossen von einem feinen Biskuit – und das alles mit nur einem Teig aus der Rührschüssel. Das Zauberwort ist einerseits Geduld, andererseits zügiges Arbeiten, denn alle Zutaten müssen gründlich gerührt und auf Stand gebracht werden, wobei dem sehr steif geschlagenen Eischnee die tragende Rolle zukommt. Aber keine Angst, den Rezepten ist eine ausführliche Anleitung vorangestellt, und wenn man sich minutiös an diese hält, wir man mit einem wunderbaren Ergebnis belohnt.

Die Einteilung der Rezepte steigert sich mit der Backerfahrung dieser besonderen Kuchen: „Einfache Magics“, „Frucht- und Nuss-Magics“, „Magics mit Alkohol“ und „Besondere Magics“. Hier finden sich die verschiedensten Kreationen von Erdnuss-Karamell, über Cassata, Cupcakes sowie diverse Rezepte mit den unterschiedlichsten Frucht- und Likörsorten – mein Favorit ist der Schokokuchen mit Baileys.

Doppelseiten mit ansprechenden Fotos, Zutatenliste, exakte Zeit- und Nährwertangaben sowie ausführliche Anleitungen sorgen dafür, dass das Ergebnis dieser auf den ersten Blick ungewöhnlicher Art des Backens zum Highlight auf der Kaffeetafel wird.

Bewertung vom 17.09.2017
Neues vom Muffinblech
Peters, Anne

Neues vom Muffinblech


ausgezeichnet

Schokomuffins, Blaubeermuffins, Vanillemuffins – die Reihe mit den süßen Kleinigkeiten für Zwischendurch ließe sich beliebig fortsetzen. Aber die Backform mit den zwölf Mulden bietet weit mehr Einsatzmöglichkeiten, die in dem Koch- und Backbuch „Neues vom Muffinblech“ ansprechend in Szene gesetzt werden.

Es gibt zwei Unterteilungen: „Himmlisch lecker“ und „Höllisch gut“. Erstere listet die süßen, die zweite die herzhaften Varianten auf. Himmlisch lecker - das reicht von Peanutbuttercups auf der Basis dunkler Schokolade, über Salzkaramell-Cheesecakes, bis hin zu den Klassikern am Kaffetisch wie Franzbrötchen und die portugiesischen Pasteis de Nata. Und natürlich dürfen auch die hoch dekorativen Mangotörtchen, die Schokokörbchen mit Sazbrezeln, die Blütentartes sowie die Blätterteig-Apfelröschen nicht fehlen. Höllisch gut – hier werden Rezepte für Pizzen, Quiches und Tartes im Miniformat vorgestellt, aber auch Spaghetti- und Specknester, Tortillas und Zwiebelküchlein sowie diverse Eierspeisen, die sich problemlos im Muffinblech zubereiten lassen.

Die Rezepte werden auf Doppelseiten präsentiert, wobei bereits die dazugehörigen Bilder, die das Endergebnis ansprechend in Szene setzen, dem Hobbykoch das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Eine Schritt-für-Schritt Anleitung macht das Nachkochen und –backen einfach, und selbstverständlich fehlen auch die entsprechenden Nährwertangaben nicht.

Alles in allem eine empfehlenswerte Ergänzung für die Kochbuch-Sammlung.

Bewertung vom 13.09.2017
Dann schlaf auch du
Slimani, Leïla

Dann schlaf auch du


ausgezeichnet

Der Tod eines Kindes – für alle Eltern DIE Katastrophe schlechthin. Rund um diesee Thematik hat die französisch-marokkanische Autorin Leila Slimani ihren Roman „Dann schlaf auch du“ (im Original „Chanson douce“) angelegt, der 2016 mit dem renommierten Literaturpreis Prix Goncourt ausgezeichnet wurde.

Vater, Mutter, Kinder - eine Bilderbuchfamilie in gesicherten Verhältnissen, bei der alles passt. Paul, der Vater, Musikproduzent und beruflich stark engagiert, Myriam, die Mutter, ausgebildete Juristin, zunehmend unzufrieden mit ihrer Lebenssituation, erschöpft von dem täglichen Einerlei mit den Kindern, möchte wieder in den Beruf zurück. Also suchen und finden sie eine Kinderfrau. Kein junges Ding, sondern Louise, eine gestandene Frau, alleinstehend mit einer erwachsenen Tochter. Die Kinder lieben sie, aber auch Paul und Myriam sind restlos begeistert, denn nebenher nimmt ihnen Louise auch noch jede Menge alltägliche Verrichtungen ab, weshalb sie auch schnell zum unverzichtbaren Bestandteil der Familie wird. Aber genau so, wie die Familie sich in Abhängigkeit von Louise begibt, vereinnahmt auch diese nach und nach deren Alltag. Es ist ein langsamer, schleichender Prozess, und bis sich Paul und Myriam darüber bewusst werden, dass ihre Kinderfrau massive Probleme – nicht nur psychischer Art – hat, ist es bereits zu spät und das Unglück geschehen.

Die Geschichte, die Slimani erzählt, ist bitter. Denn gerade die Kleinkindbetreuung ist auch in Deutschland für viele Berufstätige ein Thema. Das Kind jemandem anzuvertrauen, von dem man eigentlich nichts weiß, dürfte, wie bei dieser französischen Familie, auch hier die Regel sein. Zu erwarten, dass die Nanny das fremde Kind wie ihr eigenes liebt, scheint illusorisch, denn trotz allem macht Louise diesen Job zum einen, um ihrer Einsamkeit, ihrem tristen Alltag zu entfliehen, zum anderen ist sie hoffnungslos verschuldet und auf den Verdienst angewiesen. Die Arbeitgeber wissen das nicht, für sie ist diese Frau ein Dienstbote, sie als Person interessiert sie nicht, entscheidend ist nur das Resultat ihrer Beschäftigung. Selbstverwirklichung und Bequemlichkeit, auf diesem Altar wird letztendlich das Leben der Kinder geopfert. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen – bis es zu spät ist.

Slimani rollt den Fall von hinten auf. Sie schreibt nüchtern und klar, emotionslos und als distanzierter Beobachter. Damit schildert sie umso eindringlicher den Weg in die Katastrophe. Gleichzeitig hält sie der französischen Gesellschaft, noch immer eine Klassengesellschaft und im Standesdenken verhaftet, damit einen Spiegel vor. Oben und unten, Herren und Diener, wobei die Herren keine Veranlassung sehen, sich für das Schicksal und die Befindlichkeiten der Diener zu interessieren.

Bewertung vom 12.09.2017
Vegional - Mit Liebe gekocht
Spiegelberg, Stina

Vegional - Mit Liebe gekocht


sehr gut

Dass die vegane und vegetarische Küche sehr viele verschiedene Facetten hat, haben die verschiedensten Kochbuchautoren mittlerweile hinreichend bewiesen. Was mich allerdings bei vielen Rezepten in diesem Ernährungsbereich gestört hat, war die Verwendung von „exotischen“ Zutaten, die zum einen nachweislich wegen des Transportes von weit her eine sehr schlechte Energiebilanz haben, zum anderen das Vertrauen des Verbrauchers in ein Ökosiegel voraussetzen, ohne dass man im konkreten Fall die Anbaumethoden bzw. die Arbeitsbedingungen der damit betrauten Feldarbeiter kontrollieren kann (siehe z.B. Avocado). Hinzu kommt, dass die von weit her eingeflogenen sogenannten Superfoods, was die Inhaltsstoffe angeht, ohne weiteres durch heimische Erzeugnisse ersetzt werden könnten (z.B. Chia vs. Leinsamen).

Von daher ist Stina Spiegelbergs neues Kochbuch „Vegional - Mit Liebe gekocht: vegan, regional, genial“ längst überfällig, denn bei den Zutaten für ihre veganen Rezepte beschränkt sie sich auf heimische Erzeugnisse; die eigentlich nur Vorteile bieten: die Transportwege sind kurz, Frische ist dadurch garantiert, im günstigsten Fall kennt man den Erzeuger persönlich (beim Einkauf im Hofladen) und preiswerter als die Exoten sind sie allemal. Kurz und gut, eine win-win Situation für Verbraucher und Erzeuger.

Dem Rezeptteil ist ein Saisonkalender vorangestellt, hilfreiche Einkaufshilfe für all diejenigen, die nicht wissen, was wann geerntet wird. Die Gliederung an sich orientiert sich am Tagesablauf und startet mit Frühstück, Snacks für die Zwischenmahlzeiten, Mittag, Abend und einem süßen Abschluss. Die Zubereitungszeiten variieren zwischen 10 und maximal 30 Minuten, sind also überschaubar und somit auch für Berufstätige spielend leicht zu realisieren. Besondere Fähigkeiten werden nicht vorausgesetzt, alles ist einfach zuzubereiten.

Ein schönes Kochbuch, das Anstöße gibt. Gleichermaßen für Veganer, aber auch für die ganz normalen Esser geeignet ist, die sich bewusst ernähren und Wert darauf legen, ihren ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten.

Bewertung vom 10.09.2017
Power-Morgen
Ferreira, Coralie

Power-Morgen


sehr gut

Morgens ist die Zeit meist knapp. Sei es, weil man zur Arbeit oder den Kindern gesunde Pausenmahlzeiten für die Schule zubereiten muss. Oft bleibt es dann bei der Tasse Kaffee bzw. Tee. Aber fast alle Ernährungsexperten sind sich darin einig, dass gerade das Frühstück eine wichtige Funktion hat. Es soll den Körper mit gesunden Nährstoffen versorgen und damit sicherstellen, dass die Herausforderungen des Tages gemeistert werden können. Hier kommt Coralie Ferreira ins Spiel. Die französische Kochbuchautorin liefert in „Power Morgen“. 30 unkomplizierte Frühstücksideen, die sich sowohl für die Tage, an denen es schnell gehen muss, als auch das Wochenende, wenn man sich für die Zubereitung mehr Zeit nehmen kann, taugen.

Und genau nach diesen beiden Kriterien sind die Rezepte auch unterteilt: zum einen gibt es den „Kickstart in den Tag“, zum anderen das „Verwöhnfrühstück“. Smoothies, Obst-Bowls, Flockenzubereitungen, die bereits am Vorabend vorbereitet und in den Kühlschrank gestellt werden, Energieriegel, warme Gerichte, Muffins, Waffeln, Eiergerichte – hier ist für jeden Geschmack, von süß bis herzhaft, etwas dabei.

Besonderen Wert legt Ferreira auf vollwertige Zutaten aka Superfood wie Obst, Gemüse, Samen, Kerne und Nüsse, die gut schmecken, für langanhaltende Sättigung sorgen und den Körper mit den Nährstoffen versorgen, die er für einen guten Start in den Tag benötigt. Die Zutaten sind überall erhältlich, ganz gleich, ob Supermarkt, Bioladen oder Reformhaus, die Zubereitung auf für Ungeübte kein Hexenwerk. Ansprechende Fotos der zubereiteten Gerichte machen Appetit und runden den positiven Eindruck ab, den dieses Kochbuch hinterlässt.

Bewertung vom 05.09.2017
Offshore
Markaris, Petros

Offshore


ausgezeichnet

Petros Markaris Kriminalromane um den Athener Kommissar Kostas Charitos in einen Topf mit denen von Bannalec, Walker sowie den üblichen Verdächtigen in Sachen Urlaubskrimi zu werfen, wäre gefrevelt. Warum? Weil der Autor mit seinen Romanen ein populäres Genre nutzt, um die gesellschaftlichen und politischen Zustände und Veränderungen der griechischen Gesellschaft im Zuge der Globalisierung auf den Punkt genau zu analysieren und zu beschreiben. Ihm geht es nicht nur um Unterhaltung, er will informieren und Denkanstöße geben.

Am Beispiel von Kommissar Charitos und dessen nächstem Umfeld zeigt und kommentiert Markaris den griechischen Alltag sehr eindringlich. Sehr informativ und empfehlenswert dazu ist seine Trilogie der Krise, bestehend aus den Bänden „Faule Kredite“, „Zahltag“ und „Abrechnung“. Und jeder Leser, der in diesem oder den vergangenen Jahren in Griechenland unterwegs war, konnte sich in Gesprächen mit Einheimischen davon überzeugen, wie detailliert der Autor die Stimmung im Land wiedergibt.

In „Offshore“, dem neuesten Kriminalroman der Reihe, ist die Krise zumindest vordergründig bewältigt. Die Situation für die Bevölkerung hat sich entspannt, der absolute Sparkurs der Regierung ist vorbei, und selbst den Staatsbediensteten werden Lohnerhöhungen in Aussicht gestellt. Kredite sind wieder leichter zu haben, und im Zuge dessen geben die Menschen bereits wieder Geld aus, das sie (noch) nicht haben. Auch Charitos macht hier keine Ausnahme und holt sein stillgelegtes Auto aus der Garage, den erhobenen Zeigefinger seiner skeptischen Gattin Adriani übersieht er geflissentlich. Gedanken darüber, wo das leicht verfügbare Geld so plötzlich herkommt, machen sich weder Charitos noch der Großteil seiner Landsleute. Und dass der Mord an einem Regierungsbeamten und einem Reeder damit in Zusammenhang stehen könnte, dämmert ihm leider erst im Laufe der Ermittlungen.

Wenn ich mir die aktuellen Entwicklungen in Griechenland anschaue, beschleicht mich ein komisches Gefühl, denn das, was Markaris in „Offshore“ beschreibt, erscheint mir nicht weit hergeholt. Die Sahnestücke des Staatseigentums werden an ausländische Investoren verkauft, eine gute Gelegenheit der Geldwäsche für dubiose Firmen, deren Kapital außerhalb der Eurozone zwischengelagert ist. Und diese Offshore-Banken pumpen nun Kapital ins Land. Den „einfachen Leuten“ wird es deshalb nicht besser gehen. Aber wer sind die Gewinner bei diesen Transaktionen? Stellt sich wirklich jemand diese Frage?

Seine Themen sind politisch, und Markaris verpackt sie in einer spannenden Krimihandlung, sodass sich jeder seinen eigenen Reim darauf machen kann. Er paart sie mit einer gehörigen Portion Sarkasmus, gibt einen Schuss „Family affair“ dazu und kreiert so eine unterhaltsame Lektüre mit Substanz, die dem einen oder anderen Leser mit Sicherheit die Augen öffnet. Lesenswert!

Bewertung vom 31.08.2017
Lazare und der tote Mann am Strand / Kommissar Lazare Bd.1
Hültner, Robert

Lazare und der tote Mann am Strand / Kommissar Lazare Bd.1


ausgezeichnet

Robert Hültner, Krimilesern bestens bekannt durch seine mehrfach ausgezeichneten Inspektor-Kajetan-Romane, hat mit seinem neuesten Roman „Lazare und der tote Mann am Strand“ zwar nicht das Genre, aber sowohl die Hauptfigur als auch Region gewechselt. Südfrankreich an Stelle von Bayern - aber keine Angst, den Leser erwartet keiner dieser üblichen Urlaubskrimis, die sich mehr um Land, Leute und Kulinarik als um einen ausfeilten Plot kümmern. Doch dafür ist Hültner viel zu politisch, als dass er in diese Falle tappen würde.

Narciso Lazare, der Commissaire aus Montpellier, ermittelt in Sète, der Hafenstadt im französischen Midi und der umliegenden Region. Vordergründig zur Verstärkung entsandt, um die Kollegen vor Ort zu unterstützen. Diese sind etwas konsterniert, denn ein ertrunkener Roma erfordert ihrer Meinung nach nicht den Einsatz der Kavallerie. Kommt in dieser Gegend öfter vor, ist halt Routine. In Wirklichkeit ist Lazare aber einer viel größeren Sache auf der Spur, und dort eingesetzt, weil er die Gegend wie seine Westentasche kennt. Glücklicherweise ist er für Ermittlungen vor Ort, denn der tote Gitan wird nicht die einzige Leiche bleiben.

Wie so oft geht es um Geld, um Besitz, aber auch um rechtspopulistische Umtriebe, um Fremdenfeindlichkeit, Prostitution, um politisch höchst Brisantes aus der jüngsten deutsch-französischen Vergangenheit und Gegenwart. Jedenfalls sind die örtlichen Saubermänner eifrig bemüht, ihre schmutzigen Geheimnisse für sich zu behalten, denn sie wollen mit aller Macht verhindern, dass ihre betrügerischen Mauscheleien publik werden.

Verpackt in eine spannende Story und mit Blick fürs Detail zeigt uns Robert Hültner anhand dieser südfranzösischen Region, welchen Einfluss scheinbar kleine Veränderungen auf eine Gesellschaft nehmen. Dazu gehören neben den politischen natürlich auch die ökonomischen Faktoren, die sich auf den direkten Umgang der Menschen mit- und gegeneinander auswirken. Und das nicht nur in Frankreich, sondern ebenso bei uns. Der Autor beobachtet genau, was sich nicht nur in seinen Milieuschilderungen sondern auch in seinen Personencharakterisierungen zeigt. Sachlich exakt, oft ironisch und sprachlich immer sehr elegant – Hültner schreibt auf einem Niveau, das seinesgleichen sucht. Ein stimmiger, fein komponierter Kriminalroman, dem ich viele Leser wünsche!