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Benutzername: KimVi
Wohnort: Niedersachsen
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Danksagungen: 47 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 465 Bewertungen
Bewertung vom 22.01.2019
Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein
Fossum, Karin

Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein


gut

Tommy, der 16 Monate alte Sohn von Carmen und Nicolai, hat gerade laufen gelernt. Nur einen kurzen Moment ist er unbeaufsichtigt, und schon passiert der Albtraum aller Eltern, denn Tommy wird ertrunken am nur wenige Meter entfernten See aufgefunden. Die Eltern werden getrennt voneinander befragt und Nicolai, der Vater des kleinen Jungen, scheint vor Trauer außer sich zu sein. Er macht sich schwere Vorwürfe, nicht besser aufgepasst zu haben. Das Verhalten der Mutter gibt dem erfahrenen Kommissar Sejer allerdings Anlass zu Spekulationen. Könnte es sein, dass etwas an der Geschichte der Mutter nicht stimmt, und dass der Tod des kleinen Jungen mit dem Down-Syndrom doch kein Unfall war?


"Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein" ist ein weiterer Fall für Kommissar Konrad Sejer. Um den aktuellen Ermittlungen zu folgen, ist es nicht notwendig die anderen Bände zu kennen, da die Fälle in sich abgeschlossen sind. Kommissar Sejer hat bei diesem tragischen Unglück den Verdacht, dass sich nicht alles so zugetragen haben könnte, wie die Mutter bei der Polizei angibt. Dieses Misstrauen überträgt sich schnell auf den Leser und schon bald betrachtet man die junge Frau argwöhnisch. Doch genau wie Kommissar Sejer auch, tappt man im Dunkeln und kann sich nicht genau erklären, was sich an dem Unglückstag zugetragen hat.

Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Man kann sich die beschriebenen Szenen gut vorstellen und der Handlung dadurch mühelos folgen. Manchmal ist die Atmosphäre in skandinavischen Romanen recht düster und schwermütig. Das ist hier allerdings nicht der Fall. Obwohl Tommys Schicksal natürlich dramatisch ist, schwebt keine drückende Atmosphäre zwischen den Zeilen.

Die Handlung ist zwar durchgehend interessant , doch leider baut sich beim Lesen keine echte Spannung auf. Man nimmt die Informationen, die man häppchenweise sammelt, interessiert auf und ist gespannt auf die Auflösung. Doch dabei kommt keine große Spannung auf. Die Handlung plätschert ohne Höhen und Tiefen vor sich hin. Die Protagonisten sind allerdings gut ausgearbeitet und wirken sehr lebendig.

Insgesamt gesehen habe ich mich bei diesem Roman recht gut unterhalten. Nicht weniger - doch leider auch nicht mehr! Da ich auf einen spannenden Kriminalfall gehofft hatte, wurde ich leider etwas enttäuscht. Die Schlussszene wirkte auf mich dann auch noch extrem unglaubwürdig. Der flüssige Schreibstil und die lebendigen Protagonisten sorgten aber dennoch dafür, dass ich das Buch schnell durchlesen konnte, sodass ich eine schwache drei Sterne Bewertung vergebe.

Bewertung vom 22.01.2019
Madison Mayfield - Die Augen des Bösen
Schröder, Rainer M.

Madison Mayfield - Die Augen des Bösen


sehr gut

London, 1890

Die 17-jährige Madison Mayfield ist Waise. Sie lebt bei ihrem reichen Onkel und seiner Familie in einem exclusiven Stadtpalais. Familienanschluss hat Madison allerdings nicht, denn ständig bekommt sie zu spüren, dass sie nur ein unerwünschtes Mündel ist. Zu allem Übel wird Madison von anfallartigen Visionen heimgesucht, in denen sie einen Mörder bei seinem Handwerk beobachtet. Diese Anfälle liefern Madisons Familie einen guten Grund sie in die Nervenheilanstalt einweisen zu lassen. Blake Scarboro, ein ehemaliger Polizeibeamte von Scotland Yard, erfährt von Madisons Visionen. Er ist der Meinung, dass sie diese Gabe dazu nutzen kann, um den Mörder zu überführen. Plötzlich zeigen auch andere Gestalten ein reges Interesse an Madisons Visionen....


Der Einstieg in Madison Mayfields Geschichte gelingt mühelos. Denn gleich am Anfang beobachtet man eine ihrer Visionen. Da dort ein skrupelloser Mörder seinem Handwerk nachgeht, ist das Interesse an den Morden und Madisons Visionen sofort geweckt. Ohne großes Vorgeplänkel befindet man sich also mitten im interessanten Geschehen.

Obwohl Madison Mayfields Familie das Klischee der reichen Verwandtschaft, die ihr armes Mündel drangsaliert, perfekt erfüllt, wirkt das familiäre Umfeld nicht allzu überzogen. Die Sticheleien und Intrigen der Cousinen, und das selbstherrliche Verhalten der Tante sorgen dafür, dass man regelrecht mit Madison mitfühlt und wütend die Ungerechtigkeiten beobachtet. Madison wirkt sehr sympathisch, sodass man sich gut mit ihr identifizieren kann. Doch auch die anderen Charaktere der Handlung wirken sehr lebendig, sodass man sich beim Lesen gut in die Geschichte hineinversetzen kann.

Der Schreibstil von Rainer M. Schröder ist perfekt auf die damalige Zeit abgestimmt. Er ist außerdem flüssig und sehr angenehm lesbar. Durch detaillierte, aber keinesfalls ausufernde Beschreibungen hat man Madisons Umgebung beim Lesen mühelos vor Augen und folgt gebannt dem Handlungsverlauf. Dieser ist durchgehend interessant und gipfelt in einem spannenden Finale, in dem sich die Ereignisse geradezu überschlagen.

Ich habe mich beim Lesen dieses Romans sehr gut unterhalten. Die komplexe Erzählung konnte mich durch die durchgehend interessante Handlung, überraschende Wendungen und die lebendigen Charaktere überzeugen. Ich vergebe deshalb vier Bewertungssterne und eine klare Leseempfehlung. Das eine Sternchen ziehe ich ab, da mir das große Finale schon fast zu actionreich war und das Ende auf mich einen Hauch zu rund wirkte.

Bewertung vom 22.01.2019
Der Klang der Hoffnung (eBook, ePUB)
Zail, Suzy

Der Klang der Hoffnung (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Die 15-jährige Hanna ist eine begabte Pianistin. Die Zusage für die Aufnahme ins Konservatorium ist bereits eingetroffen. Doch bevor sie dort unterrichtet werden kann, ändert sich Hannas gesamtes Leben. Denn Hanna stammt aus einer jüdischen Familie. Die ungarischen Juden werden zunächst in Ghettos zusammengepfercht, bevor sie Mitte 1944 in Lager abtransportiert werden. Hanna und ihre Familie landen in Auschwitz. Bereits beim Betreten des Lagers wird der Vater vom Rest der Familie getrennt. Er bittet Hanna, ihre Schwester und seine Frau darum, dass sie aufeinander achten und wohlbehalten wieder nach Hause kommen. Zu dem Zeitpunkt ahnt von der Familie niemand, was sich im Lager abspielen wird. Harte Arbeit, Hunger, Kälte, Erniedrigung und ständig spürbare Todesangst gehören bald zum Alltag der Frauen. In dieser Ausweglosigkeit bekommt Hanna plötzlich eine Chance zu überleben, denn der Kommandant des Lagers Birkenau bestimmt sie zu seiner persönlichen Pianistin..........


In "Der Klang der Hoffnung" wird die fiktive Geschichte der Jüdin Hanna in Romanform erzählt. Es handelt sich also nicht um ein wahres Schicksal, doch es hätte sich durchaus so zutragen können. Im Vorwort geht die Autorin darauf ein, wie sie dazu kam dieses Buch zu schreiben und wo sich in der Erzählung Realität und Fiktion mischen.

Hannas Geschichte wird in der Ich-Form, aus ihrer Sicht, geschildert. Dadurch taucht man also quasi in die Haut der jungen Hauptprotagonistin ein und teilt Gedanken und Gefühle mit ihr. Da man natürlich weiß, welche schrecklichen Dinge sich in den Konzentrationslagern zugetragen haben, ist man Hanna einen Schritt voraus, und beobachtet ihre anfängliche Naivität mit einem sehr beklemmenden Gefühl.

Hanna ist eine sehr sympathische Hauptprotagonistin. Deshalb fällt es leicht, sich in Hanna hineinzuversetzen. Natürlich kann man beim Lesen nicht mal ansatzweise das nachempfinden, was sie im Lager durchmachen muss, dennoch leidet man mit ihr mit. Hannas Geschichte berührt und regt zum Nachdenken an. Sie wird so fesselnd erzählt, dass man ganz in die Handlung eintaucht und entsetzt beobachtet, was geschieht. Ihre zwiegespaltenen Gefühle, ob es gerecht ist, dass sie im Haus des Kommandanten im Warmen sitzt und Klavier spielt, während ihre Schwester hart arbeiten und immer frieren muss, werden glaubhaft vermittelt. Auch die aufkeimenden Gefühle für den Sohn des Lagerkommandanten wirken authentisch und nachvollziehbar. Man fiebert mit Hanna mit und wartet ständig auf ein kleines Wunder.

Obwohl das Buch bereits jungen Lesern ab 12 Jahren empfohlen wird, und ich diese Altersempfehlung ja schon "etwas" überschreite, habe ich mich beim Lesen nicht einen Moment gelangweilt oder unterfordert gefühlt. Hannas Geschichte hat mich vom ersten Moment an in ihren Bann gezogen und bis zum Schluss nicht losgelassen. Ich empfehle diese berührende Geschichte, die mit dazu beitragen kann, dass die damaligen Geschehnisse niemals vergessen werden, uneingeschränkt weiter und vergebe eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 22.01.2019
eXXXit / Reeperbahn Bd.1 (eBook, ePUB)
Tornow, Svea

eXXXit / Reeperbahn Bd.1 (eBook, ePUB)


sehr gut

Im Hamburger Bordell "Pretty Woman" wird die Leiche der jungen Thailänderin Fleur Sutha gefunden. Sie weist keine auffälligen Verletzungen auf, dennoch deutet einiges darauf hin, dass bei ihrem letzten Kunden etwas nicht nach Plan verlaufen ist. Gordon, der Leiter des Etablissements, will den Todesfall vertuschen, da so ein Vorfall denkbar schlecht für das Geschäft ist. Doch Michelle, Kollegin und beste Freundin der Toten, lässt sich nicht abweisen. Sie drängt hartnäckig darauf, die Polizei zu informieren. Paul Hinnerken und seine Kollegin nehmen schließlich die Ermittlungen auf. Paul gerät dabei in arge Bedrängnis, da er selbst in seiner Freizeit oft als Michelles Kunde im "Pretty Woman" ist und nun alles daran setzt, dass diese Verbindung nicht ans Tageslicht kommt. Michelle geht das Schicksal ihrer Freundin sehr nahe und deshalb setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um den Mord aufzuklären. Sie ahnt nicht, dass sie dabei selbst in große Gefahr gerät......


Der Einstieg in diesen Thriller gelingt mühelos. Denn die Hauptprotagonistin, die Prostituierte Michelle, wirkt von Anfang an sehr sympathisch, sodass man ihr gerne über die Schulter schaut. Sie hat schon einiges erlebt, scheint aber ihr Herz auf dem rechten Fleck zu haben. Man merkt beim Lesen sofort, wie nahe ihr der Tod ihrer Kollegin und besten Freundin Fleur geht. Sie ist fest entschlossen, den Mord aufzuklären. Und deshalb macht man sich gemeinsam mit ihr auf die Suche nach der Wahrheit. Da Michelle sehr lebendig und warmherzig dargestellt wird, kann man sich, trotz ihrer Berufswahl, mit ihr identifizieren und die spannende Handlung auf sich wirken lassen.

Die Handlung ist in recht kurze Kapitel unterteilt, die häufig an entscheidenen Stellen enden und zur nächsten Perspektive wechseln. Dadurch wird man förmlich durch das Buch getrieben, um endlich mehr über die Zusammenhänge zu erfahren. Michelle fördert dabei Unglaubliches ans Tageslicht, sodass die Handlung durchgehend spannend und kaum vorhersehbar ist. Die gesamte Erzählung erstreckt sich über einen Zeitraum von 48 Stunden. Und diese 48 Stunden haben es wirklich in sich.

Da der Thriller im Rotlichtmilieu von Hamburg spielt, kommt auch der Blick in die Arbeitwelt von Michelle und Fleur nicht zu kurz. Man darf nicht zu zartbesaitet sein, wenn man einige Szenen liest, da es manchmal hart zur Sache geht. Einblicke in menschliche Abgründe, Hass, Gier und Neid, machen den Thriller, der zunächst eher gemächlich startet, beinahe unbemerkt zu einem wahren Pageturner.

Ich habe mich beim Lesen dieses Thriller sehr gut unterhalten und konnte ihn, durch die relativ kurzen Kapitel, die mich ständig zum Weiterlesen animiert haben, kaum aus der Hand legen. Ich vergebe deshalb vier von fünf Bewertungssternchen und eine klare Leseempfehlung. Das eine Sternchen ziehe ich ab, da mir die Handlung am Anfang etwas zu gemächlich startete. Da die Spannungskurve dann aber steil nach oben stieg, entwickelte der Thriller sich für mich doch noch zu einem echten Pageturner.

Bewertung vom 22.01.2019
Kalte Fährte
Mischke, Susanne

Kalte Fährte


ausgezeichnet

In einem Brunnen wird ein Mann gefunden, der auf äußerst bestialische Art ermordet wurde. Oberkommissarin Francesca Dante und ihr Vorgesetzter Hauptkommissar Jessen nehmen die Ermittlungen auf. Schon bald stoßen sie auf Spuren, die sie zu einem alten Fall führen. Denn das Mordopfer war vor Jahren in eine Geiselnahme verwickelt, bei der es Tote gab. Bei der Sichtung der alten Vernehmungsprotokolle decken Francesca und Jessen einige Ungereimtheiten auf. Damals scheint jemand großen Wert darauf gelegt zu haben, dass die ganze Wahrheit nicht ans Tageslicht kommt. Doch jemand scheint sie ganz genau zu kennen und dieser Jemand befindet sich jetzt auf einem gnadenlosen Rachefeldzug....


Der Einstieg in die Handlung gelingt mühelos. Denn Susanne Mischke versteht es hervorragend, ihre Geschichte so aufzurollen, dass man vom ersten Moment an gefesselt ist und unbedingt erfahren möchte, wie die einzelnen Handlungsfäden zusammenlaufen. Dabei ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Denn überraschende, aber völlig glaubhafte Wendungen sorgen dafür, dass man die eigenen Ermittlungen, die man beim Lesen anstellt, einige Male komplett über den Haufen werfen und neu ansetzen muss. Dadurch ist die Spannung durchgehend vorhanden und flacht nicht einen Moment ab. Selbst erfahrene Krimileser werden hier auf ihre Kosten kommen und einige Überraschungen erleben. Immer wenn man denkt, dass man der Auflösung nun einen großen Schritt näher gekommen ist, gewährt die Autorin Einblicke hinter gutbürgerliche Fassaden, und lüftet dabei schier unglaubliche Geheimnisse, die man so nicht einmal im Ansatz vermutet hätte. Gänsehautmomente und knisternde Spannung sind bei diesem Krimi garantiert.

Kurze Atempausen bekommt man bei der Beobachtung des Ermittlerteams. Denn die quirlige Neopolitanerin Francesca Dante lockert die Handlung so erfrischend auf, dass sie einem von Seite zu Seite mehr ans Herz wächst. Kleine Kabbeleien im Team sorgen außerdem dafür, dass auch der Humor nicht zu kurz kommt. Im gesamten Handlungsverlauf trifft man auf unterschiedliche Charaktere, die glaubhaft und sehr lebendig dargestellt werden. Es macht einfach Spaß, zu verfolgen, wie die Handlungsstränge sich langsam miteinander verknüpfen, um dann in einem grandiosen Finale zusammenzulaufen.

Krimis und Thriller sind meine absoluten Favoriten und deshalb habe ich in diesem Bereich schon einiges gelesen. "Kalte Fährte" von Susanne Mischke ist einer der besten Kriminalromane, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Die Handlung konnte mich durchgehend fesseln, einige Male in die Irre leiten und mit einem Finale überraschen, das seinesgleichen sucht! Von mir gibt es deshalb die volle Punktzahl und eine ganz klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 22.01.2019
Killerjagd (eBook, ePUB)
Drews, Christine

Killerjagd (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Sir Ian MacKenzie, ein pensioniertes, hochrangiges Mitglied des Geheimdienstes, wird brutal ermordet aufgefunden. Scotland Yard betraut Rachel Hyatt mit den Ermittlungen, denn die alleinerziehende Profilerin zählt zur Elite ihres Berufsstandes. Bereits am Tatort stellt sie fest, dass sie es mit einem eiskalten Profi zu tun hat. Rache scheint ihn anzutreiben. Rachel ahnt nicht, dass der Täter jeden ihrer Schritte beobachtet und bereit ist zuzuschlagen, falls sie ihm zu nahe kommen sollte.....


Der Thriller startet bereits mit hohem Tempo. Ohne langatmiges Vorgeplänkel befindet man sich mitten im Geschehen und beobachtet im Prolog eine Frau, die offensichtlich brutal gefoltert wurde. Sie scheint die Hoffnung auf Rettung aufzugeben. Das Interesse an der Handlung ist sofort geweckt, denn man stellt sich die Frage, wie sich die Ereignisse aus dem Prolog wohl mit dem aktuellen Geschehen verknüpfen werden.

Die Spannung ist von Anfang an da und wird durchgehend gehalten. Eine unterschwellige Anspannung schwebt ständig zwischen den Zeilen, sodass man regelrecht durch das Buch getrieben wird. Dass die Identität des Täters bereits früh bekannt ist, unterscheidet diesen Thriller von anderen Genrevertretern. Dies geht aber keinesfalls zu Lasten der Spannung, da man unbedingt erfahren möchte, was den Täter antreibt und welches Motiv hinter den Morden steckt. Die Handlung wird aus wechselnden Perspektiven betrachtet, wobei Rachel Hyatts Ermittlungen im Zentrum stehen. Allerdings gibt es auch Szenen, bei denen man dem Killer über die Schulter schaut und beobachtet, wie brutal und präzise er vorgeht. Dass er dabei auch die alleinerziehende Mutter Rachel Hyatt und ihren Sohn ausspioniert, betrachtet man mit einem äußerst mulmigen Gefühl.

Die Charaktere wirken lebendig und authentisch. Dadurch fiebert man regelrecht mit ihnen mit. Die Autorin versteht es außerdem hervorragend, die Handlungsorte und Protagonisten so eindrucksvoll zu beschreiben, dass man die entsprechenden Szenen beim Lesen vor Augen hat und sich so ganz auf die spannende Handlung einlassen kann. Auch der finale Showdown überzeugt und das Ende gibt Anlass zu weiteren Spekulationen.

Thriller sind ja meine absoluten Favoriten und dieses Exemplar konnte mich durchgehend überzeugen, da die unterschwellige Anspannung ständig zwischen den Zeilen schwebte und zum Mitfiebern anregte. Ich vergebe deshalb begeisterte fünf Bewertungssterne und eine klare Leseempfehlung für Thrillerfans!

Bewertung vom 18.01.2019
Der gestohlene Engel
Kornbichler, Sabine

Der gestohlene Engel


gut

Dies war mein erster Roman von Sabine Kornbichler. Aufgrund des dunklen Covers und der Zusammenfassung des Inhalts, hatte ich mir ein spannendes Lesevergnügen erhofft. Denn auf der Buchrückseite wird psychologische Spannung von höchster Raffinesse angekündigt.

Der Roman erzählt das Geschehen in der Ich-Form, aus der Sicht von Sophie Hartloff. Also der Freundin, die der Spur des goldenen Schutzengels folgt. Die gewählte Erzählperspektive gefällt mir gut, da man so die Suche nach dem ehemaligen Besitzer aus erster Hand verfolgen kann. Ausserdem ermöglicht diese Perspektive den Einblick in die Gedanken der Hauptprotagonistin und ihr besonders stark ausgeprägtes Rechtsempfinden. Denn für die Juristin Sophie sind Gesetze dazu da, immer und überall befolgt zu werden, eine Ausdehnung oder gar eine winzige Übertretung ist für sie undenkbar. Deshalb ist sie auch enttäuscht von der Untreue ihres Ehemannes, zieht ihre Konsequenzen und will nichts über seine Beweggründe hören. Durch die Ich-Form kann man ausserdem die besonders intensive Freundschaft der drei Frauen verstehen und erfährt dadurch, wie betroffen alle Freundinnen von der unheilbaren Krankheit Arianes sind. Obwohl sie ihr auf ihrem letzten Weg beistehen wollen, müssen sie doch erst lernen, mit der schrecklichen Wahrheit umzugehen. Deshalb verrennt Sophie sich auch in die Idee, unbedingt den leiblichen Vater von Arianes Tochter zu finden. Sie hat das Gefühl der Freundin unbedingt diesen letzten Dienst erweisen zu müssen.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und gut lesbar. Besonders die Krebserkrankung Arianes und ihr Abschiednehmen wird mit großem Einfühlungsvermögen beschrieben und regt zum Nachdenken an. Doch bei der Suche nach dem ehemaligen Besitzer des goldenen Schutzengels gibt es zu viele Zufälle. Die hohe Anzahl macht die Geschichte sehr unglaubwürdig. Auch das Ende wirkt, gerade durch eine überraschende Wendung kurz nach der vermeintlichen Auflösung, zu konstruiert.

In Sachen psychologischer Spannung von höchster Raffinesse, bin ich zwar etwas enttäuscht, doch insgesamt lässt sich der Roman gut lesen und ist somit für unterhaltsame Stunden auf der Couch geeignet.

Bewertung vom 18.01.2019
Das Limonenhaus
Gerstenberger, Stefanie

Das Limonenhaus


sehr gut

Die Aufmachung des Taschenbuchs wirkte auf mich zunächst recht unscheinbar. Denn die kahlen braun-grauen Steinwände eines Hauses, deren Eintönigkeit nur durch das intensive Leuchten einiger Limonen und einen eher tristen Fensterausblick auf das Meer unterbrochen werden, hätten meine Aufmerksamkeit in der Buchhandlung wahrscheinlich nicht erregt. Die Lektüre des Klappentextes, der italinienisches Lebensgefühl, ein altes Geheimnis und die Geschichte um ein Haus voller Trauer und Zitronenduft verspricht, weckten schon eher meine Aufmerksamkeit. Deshalb betrachtete ich den wolkenverhangenen Meerblick auch plötzlich mit ganz anderen Augen. Im Nachhinein kann ich nun sagen, dass dieses Cover ausgezeichnet zur Erzählung passt.

Dieser Roman wird in der Ich-Form erzählt. Allerdings wechselt diese Form der Erzählung zwischen den beiden Hauptprotagonisten Lella und Phil. Die Handlung beginnt auf dem Flug nach Italien. Lella schnallt sich an und denkt über ihren verstorbenen Zwillingsbruder und ihr Familienleben nach. Schnell wird klar, dass mit dieser Familie etwas nicht stimmen kann, da Lella den Flug nach Sizilien vor ihren Eltern geheim hält. Besonders der Vater wirkt in Lellas Gedanken sehr dominant. Durch die gewählte Erzählperspektive kann man in Lellas Gedankenwelt eintauchen und bekommt so auch ihr ganz spontanes Interesse für ihren Sitznachbarn Phil mit. Dieser schwärmt allerdings in den höchsten Tönen von seiner Freundin Brigida, sodass Lella gleich alle Hoffnungen begräbt.


Nun wechselt die Erzählperspektive zu Phil, auch hier wird die Ich-Form verwendet. Dadurch kann man Lella mit seinen Augen betrachten und erhält ausserdem einen Einblick in seine Gedanken und Gefühle. So erfährt man auch, dass der Anblick seiner Sitznachbarin Lella, ihn keineswegs kalt lässt. Im Gegenteil, sie wirkt auf ihn äusserst attraktiv und sympathisch. Obwohl sich ihre Wege nach der Landung trennen, führt ein verwechseltes Gepäckstück sie bald wieder zusammen.


Die beiden Hauptprotagonisten wirken lebendig und sympathisch. Durch die gewählte Erzählperspektive kann man einen Blick in ihr Innerstes werfen, bekommt allerdings auch gleich einen Eindruck, wie sie auf andere Menschen wirken. Auch die zahlreichen Nebenakteure der Handlung erscheinen authentisch und füllen die Handlung mit Leben.Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und beschreibt Land und Leute detailliert. Dadurch erhält der Leser ein Gefühl für die sizilianische Mentalität und die Handlungsorte erwachen zum Leben.

"Das Limonenhaus" ist genau das richtige Buch, um dem grauen Alltag zu entfliehen. Man findet sich im eindrucksvoll beschriebenen Sizilien wieder und vermeint schon fast das Rauschen des Meeres zu hören. Land und Leute erwachen zum Leben und die unterschiedlichsten Gerüche liegen in der Luft. Ein altes Familiengeheimnis und das Schicksal eines kleinen Mädchens, das unschuldig zwischen die Fronten der Familienfeindschaft gerät, machen dieses Buch zu einem spannenden und kurzweiligen Lesegenuss

Bewertung vom 18.01.2019
Der scharlachrote Löwe
Chadwick, Elizabeth

Der scharlachrote Löwe


sehr gut

Nach "Der Ritter der Königin" ist dieses Buch der zweite Teil der Lebensgeschichte des englischen Ritters William Marshal. Der Forsetzungsband nimmt seine Geschichte im Jahre 1197 wieder auf. William Marshal genießt das uneingeschränkte Vertrauen des Königs und ist durch seine Heirat mit der Erbin Richard de Clares, von einem einfachen Ritter ohne Landbesitz, zu einem der mächtigsten Adeligen des Königreichs aufgestiegen.

Doch dann stirbt Richard Löwenherz an den Folgen einer Verwundung und sein Bruder Johann Ohneland folgt ihm , als jüngster Sohn von König Heinrich und Eleonore von Aquitanien, auf den Thron. Ein Konflikt aus Johanns Jugendjahren schwelt noch immer bedrohlich zwischen William Marshal und dem neuen König...

Bereits im ersten Band gelang es der Autorin, das Mittelalter zum Leben zu erwecken und das Wirken und Handeln der historisch belegten Persönlichkeiten zu beschreiben. Auch in diesem zweiten Teil, der sich mit den letzten Lebensjahren des eindrucksvollen und königstreuen Ritters befasst, wurde ich in dieser Hinsicht nicht enttäuscht.

Das Leben eines Adligen, dessen Existenz durch Neid und Missgunst bedroht wird und auch sein umsichtiges und loyales Verhalten wurden eindrucksvoll beschrieben. Denn obwohl König Johann ihn ungerecht behandelt und ständig versucht ihn in die Enge zu treiben, hält Marshal an seinem geleisteten Treueeid fest. Er wird hier aber auch keinesfalls als Ritter ohne Fehl und Tadel dargestellt, denn natürlich stehen auch seine Interessen und die seiner Familie für ihn im Vordergrund.

Obwohl dieser Roman mit seinen 600 Seiten nicht gerade dünn ist, wurde er von mir an wenigen Abenden verschlungen. Denn der flüssige Schreibstil und die eindrucksvoll beschriebenen Handlungen und Gebräuche entführten mich zurück ins Mittelalter. Ob nun alle Gebräuche, Sitten, Kleidungstücke oder Kriegsgeräte, historisch korrekt beschrieben wurden, kann ich leider nicht beurteilen. Wie man im Nachwort lesen kann, hat sich die Autorin jedenfalls sehr darum bemüht. Mich stört ein wenig schriftstellerische Freiheit jedenfalls nicht, da ich ja einen historischen Roman und keine wissenschaftliche Abhandlung lesen wollte.

Dieser historische Roman beschreibt das Leben des Ritters, auch Kriegszüge, Belagerungen oder politische Gratwanderungen werden thematisiert. Sehr angenehm empfand ich, dass hier keine Herz-Schmerz-Liebesgeschichte eingeflochten wurde. William Marshal und seine Ehefrau lieben und achten sich, doch die Beschreibung ihrer Beziehung nimmt keinesfalls Überhand. Trotzdem ist die Handlung, meiner Meinung nach, durchgehend fesselnd. Da in diesem Teil die letzten Lebensjahre des Ritters beschrieben werden, kommen die Gefühle am Ende des Buchs dennoch nicht zu kurz.

Bewertung vom 17.01.2019
Die Konfektmacherin (eBook, ePUB)
Schützhofer, Kirsten

Die Konfektmacherin (eBook, ePUB)


sehr gut

Frankreich im Jahre 1685

Die zehnjährige Cathérine eilt mit ihren Schwestern Mariette und Julie an das Krankenbett der Mutter. Diese hat nach ihren Kinder geschickt, um Abschied von ihnen zu nehmen. Ihren wertvollsten Besitz, ein handgeschriebenes Rezeptbuch, das Süßspeisen, Desserts und Konfektrezepte enthält, übergibt sie Cathérine. Vom alten Nougatmacher Pierre, lässt sich Cathérine, nach dem Tod der Mutter, in die Geheimnisse der Süßspeisenherstellung einweihen.

Einige Jahre später bringt der Edikt von Fontainebleau Cathérines Familie in große Bedrängnis, denn sie gehören der, nun verbotenen, reformierten Glaubensrichtung an. Die Anhänger dieser Religion werden aufgespürt und verraten, wobei den Frauen Gefängnisaufenthalt droht und die Männer auf Galeeren Dienst leisten müssen. Bevor Cathérines Familie fliehen kann, stürmen Dragoner das Haus und führen die ältere Schwester und ihren Ehemann ab. Cathérine, ihr Verlobter Mathieu und die jüngere Schwester Julie, entgehen den Häschern, da sie sich zum Zeitpunkt des Zugriffs auf dem Rückweg vom alten Nougatmacher befinden. Aus einem Versteck im Garten beobachten sie die Verhaftung der Verwandten und verlassen danach heimlich die Stadt. Schon bald werden die Schwestern von Mathieu getrennt und müssen sich alleine durchschlagen. Das wertvolle Rezeptbuch verhilft Cathérine schon bald zu einer angesehenen Stelle, doch es führt auch alte Neider auf die Spur der Schwestern....

Ich muss gleich zu Beginn gestehen, dass ich aufgrund des Klappentextes, des Buchtitels und der Gestaltung des Covers, kein besonders anspruchsvolles Buch erwartet hatte, sondern eher einen netten historischen Schmöker mit der üblichen Portion Herzschmerz und Romantik. Doch das trifft auf diesen Roman definitiv nicht zu, denn hier wird viel mehr geboten.

Die Folgen des Edikts von Fontainebleau, seine Bedeutung für die Bevölkerung, die Flucht der reformierten Glaubensanhänger, ihre Verfolgung und Bestrafung, der Kampf der Aufständischen und die Stimmung innerhalb des Reiches, bilden den historischen Hintergrund dieses Romans. In dieser wenig romantisch wirkenden Zeit, beobachtet man die Hauptprotagonistin Cathérine bei ihrem verzweifelten Versuch unentdeckt zu bleiben. Der Autorin gelingt es, die düstere und gefährliche Stimmung der damaligen Zeit zu vermitteln. Cathérines ständige Angst vor der Entdeckung wirkt glaubhaft und nachvollziehbar. Deshalb fällt es leicht, in diesen historischen Roman einzutauchen. Aber keine Angst, trotz der historischen Fakten und der düsteren Kulisse, lässt sich die Handlung angenehm und flüssig lesen.

Die unterschiedlichen Protagonisten wirken vielschichtig und lebendig. Durch die Beschreibungen der Autorin kann man sich die jeweiligen Personen gut vorstellen und ihre Handlungen nachvollziehen. Ausserdem bekommt man einen Eindruck von den verschiedenen Bevölkerungsschichten und ihrem Leben. Selbstverständlich kommt auch in diesem Roman die Liebe nicht zu kurz, doch sie ist eher als wohldosierte Nebenhandlung anzusehen und drängt sich nicht in den Vordergrund der Erzählung. Sie wirkt keinesfalls überladen oder zu romantisch.

Cathérines wertvolles Rezeptbuch und ihre Begeisterung für die Herstellung der Süßspeisen, nimmt einen weitaus geringeren Teil der Handlung ein, als ich erwartet hatte. Denn in diesem Buch geht es um viel mehr. So erfährt man, wie unterschiedlich sich das Leben der drei Schwestern, trotz des gleichen familiären Hintergrundes, entwickelt.

Insgesamt hat mich dieser historische Roman positiv überrascht, da er sich wohltuend von anderen Vertretern des Genres abhebt und einen spannenden und interessanten Einblick in die damalige Zeit ermöglicht.