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"Die Geschichte ist wie ein Kaleidoskop. Man dreht ein wenig, und alles sieht anders aus." Juli Zeh
Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick darauf wirft, ist bezaubert von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtige aus Berlin gerne kaufen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange…mehr

Produktbeschreibung
"Die Geschichte ist wie ein Kaleidoskop. Man dreht ein wenig, und alles sieht anders aus." Juli Zeh

Manchmal kann die Idylle auch die Hölle sein. Wie das Dorf "Unterleuten" irgendwo in Brandenburg. Wer nur einen flüchtigen Blick darauf wirft, ist bezaubert von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten, von den kleinen Häusern, die sich Stadtflüchtige aus Berlin gerne kaufen. Doch als eine Investmentfirma einen Windpark in unmittelbarer Nähe der Ortschaft errichten will, brechen Streitigkeiten wieder auf, die lange Zeit unterdrückt wurden. Kein Wunder, dass schon wenige Tage später im Dorf die Hölle los ist ...

Mit "Unterleuten" hat Juli Zeh einen großen Gesellschaftsroman über die wichtigen Fragen unserer Zeit geschrieben, der hochspannend wie ein Thriller ist. Gibt es im 21. Jahrhundert noch eine Moral jenseits des Eigeninteresses? Woran glauben wir? Und wie kommt es, dass immer alle nur das Beste wollen, und am Ende trotzdem Schreckliches passiert?

(2 mp3-CDs, Laufzeit: 15h 23)
  • Produktdetails
  • Verlag: Dhv Der Hörverlag
  • ISBN-13: 9783844521337
  • Artikeltyp: Hörbuch
  • ISBN-10: 384452133X
  • Best.Nr.: 44123560
  • Laufzeit: 923 Min.
  • Erscheinungstermin: 11.03.2016
Autorenporträt
Helene Grass, geboren 1974, hatte nach ihrer Schauspielausbildung an der Otto Falckenberg Schule die ersten Engagements an Theater in München, Braunschweig und Zürich. Sie ist immer wieder um Kino ("3/4", "Bach in Brazil") und im TV ("Rentnercops" und "Polizeiruf 110") zu sehen. Außerdem spricht sie regemäßig in Hörspiel- und Hörbuchproduktionen.
Juli Zeh
Trackliste
MP3 CD 1
1Teil 1 - Geliebte Babys: Fließ
2Teil 1 - Geliebte Babys: Fließ
3Teil 1 - Geliebte Babys: Fließ
4Teil 1 - Geliebte Babys: Fließ
5Teil 1 - Geliebte Babys: Fließ
6Teil 1 - Geliebte Babys: Fließ
7Teil 1 - Geliebte Babys: Fließ
8Teil 1 - Geliebte Babys: Fließ
9Teil 1 - Geliebte Babys: Franzen
10Teil 1 - Geliebte Babys: Franzen
11Teil 1 - Geliebte Babys: Franzen
12Teil 1 - Geliebte Babys: Franzen
13Teil 1 - Geliebte Babys: Franzen
14Teil 1 - Geliebte Babys: Franzen
15Teil 1 - Geliebte Babys: Franzen
16Teil 1 - Geliebte Babys: Meiler
17Teil 1 - Geliebte Babys: Meiler
18Teil 1 - Geliebte Babys: Meiler
19Teil 1 - Geliebte Babys: Meiler
20Teil 1 - Geliebte Babys: Meiler
Weitere 111 Tracks anzeigen
MP3 CD 2
1Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Kron-Hübschke
2Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Kron-Hübschke
3Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Fließ
4Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Fließ
5Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Schaller
6Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Fließ-Weiland
7Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Fließ-Weiland
8Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Fließ-Weiland
9Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Fließ-Weiland
10Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Seidel
11Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Seidel
12Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Seidel
13Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Seidel
14Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Seidel
15Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Kron
16Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Kron
17Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Gombrowski, geb. Niehaus
18Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Gombrowski, geb. Niehaus
19Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Gombrowski, geb. Niehaus
20Teil 4 - Nachts sind das Tiere: Gombrowski, geb. Niehaus
Weitere 112 Tracks anzeigen
Rezensionen
Besprechung von 04.12.2016
Buch-Tipps der F.A.S.-Redaktion

Der richtige Fonds.

Fonds sind eine tolle Geldanlage für Privatanleger, weil sie Risiken reduzieren und die ganze Welt in ein Produkt packen können. Doch Anleger machen beim Kauf regelmäßig einiges falsch. Michael Ritzau spießt das auf und warnt vor versteckten Kosten, schlechten Mischfonds und Indexfonds, die eigentlich gar keine sind. Und er geißelt die Ratings, die Fonds in gut und schlecht einteilen wollen. Zum Glück schreibt er auch, wie wir Anleger es richtig machen. Das macht das Buch zu einem nützlichen Ratgeber auf der Suche nach dem besten Fonds.

Michael Ritzau: Die große Fondslüge. Tectum Verlag 2016, 19,95 Euro.

Alles über Blockchain.

Alle reden von Blockchain, aber keiner versteht die Technologie, die als größte Innovation seit dem Internet gilt. Banker, Versicherer und andere grübeln, wie sie die Datenkette, die hinter der Digitalwährung Bitcoin steht, für sich nutzen können. Heißer Tipp für alle Vorausdenker: das Buch von Don und Alex Tapscott lesen! Vorzüglich erklären sie, wie Blockchain funktioniert, wo die Chancen liegen und wo die bisherigen Grenzen. Ein Buch mit viel Zukunft.

Don Tapscott, Alex Tapscott: Die Blockchain-Revolution. Plaassen Verlag 2016, 24,99 Euro.

Kampf der Ideen.

Warum ist der Euro in Schwierigkeiten geraten? Dieser Frage gehen der deutsche Ökonom Markus K. Brunnermeier, der englische Historiker Harold James und der ehemalige französische Zentralbanker Jean-Pierre Landau auf den Grund. Ihr Fazit: Die Wurzel des Übels liegt in den unterschiedlichen ökonomischen Philosophien - vor allem zwischen Deutschen und Franzosen.

Markus K. Brunnermeier, Harold James, Jean-Pierre Landau: The Euro and the Battle of Ideas. Princeton University Press 2016, 35 Dollar.

Windkraft ohne uns!

Das brandenburgische Dorf Unterleuten wird kräftig aufgemischt - nicht nur durch einen Ansturm alternativer Wessis, die mit ihrer selbstgekochten Marmelade in alte DDR-Strukturen stoßen, sondern durch ein Zukunftsprojekt: Riesige Windkraftanlagen sollen die Einkünfte der klammen Gemeinde sichern. Die Bewohner sind in Aufruhr, sie fürchten eine Verschandelung ihres Landesstrichs, spinnen Intrigen und sähen Hass. Sehr vergnüglich.

Juli Zeh: Unterleuten. Luchterhand Verlag 2016, 24,99 Euro.

Wie Trump tickt.

Es hilft ja alles nichts, die Welt muss sich mit Donald Trump auseinandersetzen. Das ist kein Spaß, weiß Michael D'Antonio, der tief im Leben des Immobilien-Tycoons gebuddelt und so manche schmuddelige Affäre zutage gefördert hat. Als Geschäftsmann ist Trump gewieft bis windig, dazu unbeherrscht und nachtragend. Kaum zu glauben, dass er sich als amerikanischer Präsident ändert. Wer mag, kann diese Biographie als Schauerroman lesen.

Michael D'Antonio: Die Wahrheit über Donald Trump. Ullstein Verlag 2016, 24 Euro.

Der liebe Wolf.

Kapitalisten sind schlimm, Raubtierkapitalisten sind die Schlimmsten. Und das schlimmste Raubtier in unseren Breiten, das ist seit Rotkäppchens Zeiten der Wolf. Dumm nur, dass nicht der böse Wolf den lieben Menschen beinahe ausgerottet hat, sondern umgekehrt. Viele Wolfspaare leben in unverbrüchlicher Treue ein ganzes Leben zusammen, im Wolfsrudel kümmern sich Tanten und Onkel um den Nachwuchs, die Tiere heulen sich über viele Kilometer hinweg Botschaften zu. Höchste Zeit also für ein elegantes kleines Wolfsbuch, das unser Unwissen lindert.

Petra Ahne: Wölfe. Ein Porträt. Matthes & Seitz 2016, 18 Euro.

Armut ohne Getöse.

Sie ist ein heikles Thema, die Armut, auch in einem verhältnismäßig reichen Land wie Deutschland. Wann immer ein neuer Armutsbericht erscheint, gibt es Personen, die lautstark ein Drama heraufbeschwören - auch, weil sie und ihre Geschäfte davon profitieren. Nicht nur Sex sells, auch Armut. Gegen die Skandalisierung des Themas setzt sich Caritas-Generalsekretär Georg Cremer zur Wehr. Er plädiert für eine ruhige, faktenbasierte Diskussion, die konkrete Lösungsvorschläge im Auge hat. Wie diese aussehen könnten, zeigt Cremer in seinem Buch. Denn dass Armut auch in Deutschland ein Problem ist, das bestreitet er nicht.

Georg Cremer: Armut in Deutschland. Wer ist arm? Was läuft schief? Wie können wir handeln? C.H.Beck 2016, 16,95 Euro.

Alan Greenspans Welt.

18 Jahre lang war Alan Greenspan der mächtigste Notenbanker der Welt: Von 1987 bis Anfang 2006 leitete er Amerikas Zentralbank Fed und wurde an den Börsen wie ein Magier verehrt. Weniger bekannt ist, dass Greenspan auch ein toller Musiker war und ein Frauenheld obendrein. Solch liebevolle Details erfährt man in der vom Journalisten Sebastian Mallaby glänzend geschriebenen Biographie. Leider ist sie bisher nur auf Englisch erschienen.

Sebastian Mallaby: The Man Who Knew. The Life and Times of Alan Greenspan. Penguin Press 2016, 40 Dollar.

Ungleichheit ist nötig.

Bücher über Ungleichheit haben Konjunktur. Angus Deatons große Globalisierungsgeschichte ist eines der besten: Im Januar kommt es endlich auf Deutsch heraus. Die These des Nobelpreisträgers: Ungleichheit ist der Preis des Fortschritts. Wer das nicht in Kauf nehmen will, muss auch auf Fortschritt und Wohlstand verzichten. Das wäre zu schade.

Angus Deaton: Der große Ausbruch. Von Armut und Wohlstand der Nationen. Klett-Cotta Januar 2017, 26 Euro.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 15.04.2016
Der Fischeintopf ist
wieder erhältlich!
Hat Juli Zeh für ihren aktuellen Roman abgeschrieben?
Und wenn ja, von wem? Eine Recherche
TOBIAS LEHMKUHL
Juli Zeh hat ihrem neuen Roman
„Unterleuten“ (SZ vom 21. März) ein Motto vorangestellt: „Alles ist Wille“. Der Satz könnte von Schopenhauer oder von Nietzsche stammen, aber ein weit weniger klingender Name steht unter dem Zitat: Manfred Gortz.
  Manfred Gortz? Der Name fällt in Zehs Roman noch häufiger. Eine der Hauptfiguren nämlich, Linda Franzen, hat ein Buch von diesem Gortz gelesen, das sie ständig zitiert. „Dein Erfolg“ heißt es, eine Art neodarwinistischer Lebensratgeber, in dem so schauderhafte Dinge stehen wie: „Leistung ist das wichtigste Kriterium für die Eröffnung von Erfolgs- und Lebenschancen. Leistung muss deshalb gemessen und immer verglichen werden. Wir brauchen Benotung, Bewertung, Ranking und Ratings. Das allerdings schmeckt den Gutmenschen nicht, die sonst bei jeder Gelegenheit Demokratie und Chancengleichheit für alle fordern.“
  Gortz trifft auch die Unterscheidung zwischen „Movern“ und „Killjoys“. Unter „Killjoys“ fallen besagte Gutmenschen, „große Teile der intellektuellen Elite unseres Landes“, mithin die sogenannte Lügenpresse. Ein Killjoy aber ist, in den Augen von Linda Franzen, auch der gescheiterte Akademiker Gerhard Fließ, der in Unterleuten den örtlichen Vogelschutzbund leitet und Franzen daran hindern will, einen Stall für ihr geliebtes Pferd zu bauen.
  Linda Franzen sieht sich selbst entsprechend als „Moverin“. Sie ist es, die Dinge, das heißt vor allem Menschen bewegt: „Denn Macht ist die Antwort auf die Frage, wer wen bewegt“, heißt es bei Gortz. Will sie anderen diese Regel erläutern, greift Franzen auf ihre Erfahrung mit Pferden zurück: Obwohl Pferde doch viel größer seien als Menschen und auch viel stärker, würden sie sich doch von ihnen führen lassen, zumindest von jenen, die zu führen verstehen, die sich also mit Selbstsicherheit und Ruhe bewegen.
  Körpersprache ist entscheidend. Darin unterscheide sich der Mensch nicht vom Tier. Und einige der schönsten Szenen in „Unterleuten“ sind denn auch jene, in denen Linda Franzen ihre Gegenüber wie am Zaumzeug durchs Dorf führt, zum Beispiel den Ingolstädter Unternehmensberater Konrad Meiler, der in Brandenburg riesige Landflächen gekauft hat, und darum nun mitspielt im Spiel um die Windkrafträder, die in Unterleuten gebaut werden, und deren Bau dazu führt, dass in diesem beschaulichen Dörfchen das Unterste zuoberst gekehrt wird.
  Juli Zeh ist mit „Unterleuten“ ein spannender, höchst unterhaltsamer und zuweilen ziemlich witziger Roman gelungen, den man trotz seiner Länge in kürzester Zeit wegliest. Und nach der Lektüre normalerweise weglegen würde. Stünde nicht die Begegnung mit der Autorin auf einem Podium an, bei der Juli Zeh über ihr Buch spricht. Also geht dem Treffen eine kurze Recherche im Internet voraus. Und dort taucht dann plötzlich Manfred Gortz und sein Buch „Dein Erfolg“ auf. Gibt es das Buch also wirklich? Zuerst ist es 2015 in einem ominösen „Portobello Verlag“, dann bei Goldmann erschienen, gut hundert Seiten umfasst das Werk, das einige begeisterte, einige entsetzte Kritiken auf Amazon bekommen hat.
  Im Jahr 2015 erschienen? Aber wenn Juli Zeh zehn Jahre an „Unterleuten“ gearbeitet hat, wie zu hören war, wie hat sie es dann geschafft, in so kurzer Zeit auch noch dieses Machwerk einzuarbeiten? Zum Überlegen bleibt nicht viel Zeit. Frage an Juli Zeh im Rahmen der Veranstaltung, wie ihr das gelungen ist. Zuvor hat sie bereits erzählt, wie schnell sie schreiben kann. Also sagt sie bloß: „Wissen Sie, ich kann sogar in der Zeit rückwärts schreiben.“
  Mit diesem Scherz ist die Sache zunächst vergessen, bis einige Zeit später die Mail einer gewissen Gloria Frank eintrifft. Diese behauptet, ebenfalls bei der Veranstaltung gewesen zu sein. Daraufhin habe sie das Buch von Frau Zeh und auch das von Herrn Gortz gelesen, und da gäbe es doch erstaunliche Überschneidungen, ja ganze Figurenkonstellationen wären praktisch identisch, im Grunde habe Frau Zeh die Beispielgeschichten aus „Dein Erfolg“ genommen und daraus ihr eigenes Buch gestrickt. Warum sind jetzt alle so wild darauf, irgendwo irgendwelche Plagiate zu entdecken? Dann aber schickt Frau Frank einige Passagen aus Gortz’ Buch, und diese Passagen sind tatsächlich erstaunlich.
  Auf der Internetseite von Manfred Gortz findet sich seine E-Mail-Adresse. Kurze Bitte um ein Interview. Telefonieren mag Herr Gortz nicht, aber auf die Frage, ob er denn Frau Zehs Buch gelesen habe, kommt die Antwort: keineswegs, aber da sie erfolgreich zu sein scheine (und das ist sie – Platz drei der Spiegel-Bestsellerliste), „vermute ich, dass ich sie mögen würde. Grundsätzlich macht es mir nichts aus, zitiert zu werden, im Gegenteil, mir ist alles willkommen, was den Bekanntheitsgrad meiner Arbeit erhöht.“ Ein Ellenbogenmensch offenbar, aber immerhin kein missgünstiger, so der Eindruck. Dann folgt allerdings noch ein Nachsatz. Er wolle sich mit einer Literaturempfehlung revanchieren: „Cybris“ von Carol Felt: „Derzeit mein absolutes Lieblingsbuch.“
  Das Problem ist nur: Dieses Buch gibt es gar nicht, es ist ein Fake, eine Nebelkerze, im letzten Herbst von den beiden Journalisten Sascha Lobo und Volker Weidermann entzündet. Und da geht einem dann endlich ein Licht auf: Diesen Manfred Gortz gibt es ebenso wenig. Er selbst ist, auch wenn es sein Buch wirklich gibt, ebenso ein Fake wie diese Carol Felt. Was steht da in seiner Kurzvita? Unternehmensberater, hat in Ingolstadt studiert? Genau wie dieser Konrad Meiler im Roman? Gehört Goldmann nicht ebenso wie Juli Zehs Verlag zu Random House? Und dann die Fotos: Auf der Startseite schaut er aus wie ein ganz harter Hund, zu hundert Prozent auf Erfolg getrimmt. Auf der Kontakt-Seite wiederum lacht er auf eine Weise in die Kamera, die den Verdacht nahelegt: Der lacht einen doch aus. Das ist doch ein Schauspieler.
  Lieber Herr Gortz, gibt es Sie überhaupt oder sind Sie ein Fake, gut erfunden von Frau Zeh? Das finde er nun ein wenig befremdlich, lautet die Antwort. Außerdem: Die anderen gebe es doch auch. Und dann folgt der Link zur „Reiterrevue“, einem Internetorgan, das in „Unterleuten“ ebenfalls eine Rolle spielt. Auf der Seite ein Eintrag von Frederik Wachs – dem Freund von Linda Franzen.
  Das Spiel lässt sich locker noch viel weiter treiben. Nur ein paar Klicks entfernt findet sich die Seite des „Vogelschutzvereins Unterleuten“, Motto: „Bei uns piept’s“. Daneben ein Foto des Ersten Vorsitzenden Gerhard Fließ (des Killjoys aus dem Roman). Ein Link führt zur Seite des Märkischen Landmanns, das ist der Gasthof im (fiktiven!) Unterleuten. Nächste Gemeinderatssitzung am 12.6.2013, steht da. Und: Der Fischeintopf ist übrigens wieder erhältlich . . . Etwas später, bei der schließlich unvermeidlichen Lektüre von „Dein Erfolg“, ist sogar das spektakuläre Ende von „Unterleuten“ zu entdecken. Wie Gerhard Fließ seinen Nachbarn krankenhausreif schlägt. Nicht einmal alle Namen sind verändert.
  Höchste Zeit also für einen Anruf: „Liebe Frau Zeh, wie verkauft sich denn ,Dein Erfolg‘?“ – „Ich glaube, nicht so gut, aber da müssten Sie mal beim Portobello Verlag nachfragen.“ – „Aber den Portobello Verlag gibt es doch gar nicht, liebe Frau Zeh.“ – „Nein?“ – „Anders gefragt, wer ist denn der Mann, unter dessen Foto auf der Internetseite des Vogelschutzbundes der Name ,Gerhard Fließ‘ steht?“ – „Ist das nicht Gerhard Fließ? Ich dachte immer, das wäre der Gerhard.“ – „Hmm . . .“ – „Ich fürchte, Sie werden von mir nicht die Informationen bekommen, die Sie gerne hätten.“
  Schade eigentlich. Oder auch nicht. Wie hieß noch Juli Zehs zweiter Roman? Richtig, „Spieltrieb“!
„Wissen Sie“, sagt die Autorin
auf Nachfrage, „ich kann sogar in
der Zeit rückwärts schreiben.“
Foto: Alamy/Mauritius Images
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Sieglinde Geisel findet Lesevergngen mit Juli Zehs Roman über eine Dorfgemeinschaft in Brandenburg. Auch wenn der Plot nur Mittel zum Zweck ist, wie Geisel von der Autorin erfährt, und die Frage nach dem eigenen Lebensmodus und der eigenen Identität im Zentrum des Textes steht, findet Geisel Gefallen an dem Roman, den sie mit Texten von Balzac und Thomas Mann vergleicht, weil auch in ihnen Epochenwenden und der Untergang einer Solidargesellschaft verhandelt werden. Die Dorfwelt bei Zeh funktioniert als exemplarisches Epochenbild, meint sie.

© Perlentaucher Medien GmbH
„Juli Zehs furchtlos vor jedem Klischee ins Herz der bundesrepublikanischen Wirklichkeit zielender Gesellschaftsroman ist ein literarischer Triumph.“