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Benutzername: solveig
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Bewertungen

Insgesamt 366 Bewertungen
Bewertung vom 24.05.2020
Ich bleibe hier
Balzano, Marco

Ich bleibe hier


ausgezeichnet

Eindringlich

Überaus prägnant gibt bereits das Buchcover einen Eindruck zum Romaninhalt: es zeigt den Kirchturm des ehemaligen Dorfes Graun, der aus dem Wasser des Reschensees ragt. Marco Balzano erzählt die Geschichte dieses Südtiroler Ortes und wie es dazu kam, dass er gegen den Willen seiner Bewohner geflutet wurde und in einem Stausee versank. Hierbei mischt er Fiktion und Tatsachen auf unterhaltsame Weise. Die historischen Fakten von Planung und Ausführung des Stauvorhabens verwebt er gekonnt mit der ganz persönlichen Lebensgeschichte von Trina und ihrer Familie. Aus ihrer Sicht erlebt der Leser ein halbes Jahrhundert Südtiroler Geschichte mit und spürt, wie sie sich auf das Schicksal der Einwohner ausgewirkt hat. Unaufdringlich, aber durchaus eindrucksvoll lässt Balzano uns an Trinas Seite die einschneidenden Konsequenzen miterleben, welche die häufigen politischen Veränderungen und neuen Grenzziehungen für die Bevölkerung des Vinschgau mit sich brachten.
Während Trina und ihr Ehemann Erich sich mit dem Dorf Graun und seinem Los verbunden fühlen und für seinen Fortbestand kämpfen, ziehen andere Einwohner entmutigt fort. Auch Trinas geliebte Tochter sieht keine Zukunft in ihrer Heimat und verlässt heimlich ihre Familie. So gestaltet der Autor Trinas Erzählung als Bericht an Marica, eine Art Erbe an ihre verschollene Tochter, wobei er sich einer bodenständigen, schlichten Sprache bedient, wie sie zu den Dorfbewohnern passt.
Obwohl die Unterdrückung und Missachtung von Rechten der Südtiroler Bevölkerung zugunsten politischer und wirtschaftlicher Interessen einzelner Gruppen Thema des Romans ist, verfällt der Autor weder in einen klagenden noch kämpferischen Ton. Sein Stil bleibt ruhig, authentisch, und vielleicht gerade darum wirkt seine Geschichte so eindringlich.

Bewertung vom 30.04.2020
Alles über Bio-Gemüse
Grieb, Ortrud

Alles über Bio-Gemüse


ausgezeichnet

Ein Fünf-Sterne-Gartenbuch

Vom Ackersalat bis zur Zwiebel - in diesem Gartenratgeber sind Informationen zu (fast) allen Gemüsesorten zu finden, die der Hobbygärtner sich wünscht. So schwergewichtig das Buch in der Hand wiegt, so umfangreich gestaltet sich auch der Inhalt. Ortrud Grieb erteilt fachgerechte Ratschläge zu Planung und Anlage eines Gemüsegartens, stellt die wichtigsten Gerätschaften vor und gibt einen Überblick über die Ansprüche von Gemüsepflanzen. Zum Basiswissen über richtige Pflege und Düngung kommen viele Tipps zum Erkennen und Behandeln von Krankheiten. Das alles erklärt die Gartenfachfrau - sowohl für den Neuling als auch für „alte Hasen“ - sehr ausführlich und gut verständlich.
Ein ausgedehntes Register enthält Beschreibungen von bekannten, aber auch ungewöhnlichen Gemüsepflanzen und speziellen Hinweisen zum Anbau. Zahlreiche Illustrationen begleiten den Text. Die Zeichnungen und Fotos, die zumeist von der Autorin selbst stammen, verdeutlichen ihre Erklärungen und motivieren zum Gärtnern in Eigenregie.
Über den üblichen Gartenratgeber hinausgehend gibt Grieb auch Hinweise zum Haltbarmachen der Ernte und sogar zur Saatgewinnung. Zusätzliche Gemüsetabellen für schnelle Infos zwischendurch und Bezugsquellenangaben ergänzen dieses voluminöse Werk.
Der Titel des Buches übertreibt keineswegs, wenn er „Alles über Bio-Gemüse“ verspricht. Neben Ortrud Griebs profundem Wissen und der großen Erfahrung, die sie in ihren praxis-orientierten Gartenratgeber einbringt, ist ganz deutlich ihre Liebe zum Gärtnern zu spüren. Ein wirklich gelungenes Gartenbuch, das fünf Sterne verdient!

Bewertung vom 03.04.2020
99 x Harz wie Sie ihn noch nicht kennen
Fuchs, Miriam; Sobotta, Stefan

99 x Harz wie Sie ihn noch nicht kennen


ausgezeichnet

Originelle Harzreise

Weinanbau im höchsten Gebirge Norddeutschlands? Schokoladenfestival und Schach als Schulfach? Das alles (und noch mehr) gibt es tatsächlich - im Harz.
Miriam Fuchs und Stefan Sobotta stellen in ihrem Reiseführer bekannte und weniger bekannte Urlaubsziele vor. Im Unterschied zu anderen „Guides“ erteilen die gebürtigen Harzer Autoren nicht nur Auskunft zu touristischen Highlights, sondern lenken die Aufmerksamkeit vor allem auf originelle Stationen, etwas abseits ausgetretener Touristenpfade. Ihre vielfältigen Anregungen umfassen sowohl Natur als auch Kultur der Harzregion. Neben Informationen zu idyllischen Wanderungen haben sie auch tolle Ideen für Unternehmungen mit Kindern parat, beschreiben besondere Museen und Handwerkskunst. Zusätzlich finden sich Empfehlungen zu einigen ungewöhnlichen Ferienquartieren und gemütlichen Gasthäusern. Alle Vorschläge sind kurz gehalten, gut erklärt und zusätzlich mit den entsprechenden Adressen versehen. Zum schnellen Auffinden sind sie (numeriert) auf einer Landkarte im Innenteil des Buchcovers eingetragen. Natürlich gehören auch anschauliche Illustrationen zu einem guten Reiseführer. Stefan Sobottas zahlreiche attraktive Fotografien begleiten den Text und geben eindrucksvoll Ortstypisches wieder. „99 x Harz“ verlockt zum Ausprobieren und gibt Harzneulingen, aber auch Kennern dieser Urlaubregion einen Führer an die Hand, um neue, lohnenswerte Ziele und Nebenschauplätze zu entdecken.

Bewertung vom 26.03.2020
Florence Nightingale
Herold-Schmidt, Hedwig

Florence Nightingale


sehr gut

Eine ausführliche und kritische Biografie

In Verbindung mit dem Namen Florence Nightingale kommt vielen Menschen als erstes das Bild der „Lady with the Lamp“ in den Sinn, mit dem sie international berühmt geworden ist. Doch allein der Ruf einer engagierten Krankenschwester im Krimkrieg wird ihrem Werk absolut nicht gerecht. Wie die Historikerin Dr. Hedwig Herold-Schmidt in ihrer sorgfältig recherchierten Biografie darlegt, war es Nightingale, die den Anstoß zu vielerlei Reformen des Gesundheitswesens im 19. Jahrhundert gab. Sowohl im militärischen als auch im zivilen Krankenpflegebereich gilt sie als respektierte Reformerin von Organisation und Pflege, wobei sie ganz klar den Stellenwert von Hygiene hervorhebt. Auch bei dem Bau eines Modellkrankenhauses in London wurde ein Großteil ihrer Vorstellungen berücksichtigt. Sie gründete eine Pflegeschule und war ihr Leben lang in beratender Funktion tätig. Dabei propagierte sie stets einen ganzheitlichen Ansatz im medizinischen und pflegerischen Bereich: physisches, psychisches und emotionales Wohlbefinden sah sie als wesentlichen Bestandteil an.
Doch wie konnte sich die Tochter einer wohlsituierten „Upper class“-Familie entgegen den Gepflogenheiten des viktorianischen Lebensstils zu einer geachteten und gefragten „Fachfrau“ in Fragen zu Krankenhaus- und Pflegereformen entwickeln und auch durchsetzen? Herold-Schmidt berichtet ausführlich, welche Kämpfe Nightingale mit sich selbst ausfocht, aber auch, welcher Art die Widerstände in der viktorianischen Gesellschaft waren, gegen die sie ankämpfen musste. In chronologischer Reihenfolge schildert die Autorin sehr sachlich und unvoreingenommen Nightingales Lebenslauf und ihre Arbeit, immer im Kontext zur historischen Situation. Dabei bleibt sie kritisch, bezieht sich auch auf frühere Biografen und setzt sich mit diversen Wertungen zu Nightingales Lebenswerk auseinander.
Wer sich anlässlich Florence Nightingales diesjährigem 200. Geburtstag intensiver mit Leben und Werk des „Angel of Mercy“ befassen möchte, ist mit Herold-Schmidts detaillierten Ausführungen bestens informiert.

Bewertung vom 17.03.2020
Haarmann
Kurbjuweit, Dirk

Haarmann


sehr gut

Fesselnde Mischung aus Fiktion und Realität

Hannover zu Beginn der 1920er Jahre, in einer Zeit politischen Umschwungs und großer wirtschaftlicher Not: Schauplatz brutaler Morde an Knaben und sehr jungen Männern. Mehrere Jahre lang konnte Fritz Haarmann relativ ungestört seine Verbrechen an Jungen begehen, die auf der Durchreise in Hannover Station machten. Wie war das möglich?
Der Journalist und Buchautor Dirk Kurbjuweit versucht diese Frage in seinem „true crime“-Roman zu beantworten. Der historische Hintergrund, sehr eindrücklich vom Autor geschildert, beleuchtet bereits einen Teil der Probleme, politische wie auch gesellschaftliche: es gibt aufgrund des Versailler Vertrages nach dem verlorenen Krieg zu wenig Personal bei der Polizei, die noch junge Republik ist noch lange nicht etabliert, sondern - im Gegenteil - wird von anderen Parteien unter Druck gesetzt, für die Menschen stehen das tägliche Brot und das Bedürfnis nach Sicherheit an erster Stelle. Kurbjuweit stellt die langwierige, oft frustrierende Ermittlungsarbeit Robert Lahnsteins in den Mittelpunkt, der mit der Vorgabe ins Kommissariat Hannover geholt worden ist, die Mordserie endlich aufzuklären. Erschwert wird seine Arbeit nicht nur durch Anfeindungen aus dem „Milieu“ und der Presse, sondern auch durch Vorurteile und Neid einiger Kollegen. Im Wechsel mit Lahnsteins Suche nach dem „Werwolf“ erfahren wir private Erlebnisse aus seiner Vergangenheit, die ihn geprägt und zu einem Verfechter der Demokratie gemacht haben. Obwohl der Autor hauptsächlich aus Lahnsteins Sicht erzählt, bettet er ebenso Passagen ein, die Haarmanns Perspektive und auch die eines seiner Opfer wiedergeben. Wie es schließlich doch gelingt, Haarmann zu überführen und zu verurteilen, schildert Kurbjuweit auf fesselnde Weise in einer gelungenen Mischung aus Fiktion und Realität. Eine wesentliche Frage allerdings bleibt am Schluss offen und dem Leser überlassen: Welche Mittel sind in einem Rechtsstaat erlaubt, um das Geständnis eines Täters zu erhalten?

Bewertung vom 12.03.2020
Rosie
Tremain, Rose

Rosie


sehr gut

Der Blick zurück

„Erst jetzt, wo ich älter bin, sehe ich, wie schnell das Leben an einem vorüberzieht und wie leicht es passieren kann, dass man seine Zeit leichtfertig verschwendet“ stellt Rose Tremain in einem Interview fest. Dafür, dass sie die Zeit keineswegs verschwendet hat, zeugen ihre zahlreichen Romane, die ihr etliche Literaturpreise beschert haben.
In der vorliegenden Autobiografie erzählt sie in ihrer leichten, beschwingten Schreibweise, wie sich das Kind Rosie zu der jungen Frau Rose entwickelt hat. Tremains Kindheit war sicher geprägt von Wohlstand auf der einen Seite, jedoch fehlten ihr Geborgenheit und Liebe auf der anderen. Dennoch spürt man in ihren Erinnerungen keine Bitterkeit, im Gegenteil: in der Rückschau versucht sie, das Verhalten ihrer Eltern zu verstehen. Bisweilen verweist die Autorin auch auf eigene ausgewählte Romane, in denen sie einige der Erlebnisse oder Personen aus ihrem Umkreis „verarbeitet“ hat. Ihre wunderbaren, aber oft auch schmerzhaften bildreichen Schilderungen machen Roses Erzählungen lebendig. Wie eindrucksvolle Szenen aus einem Film lassen sie den Leser ihre Kinder- und Jugendjahre nachempfinden. Ein schönes Plus: etliche in den Text eingefügte Fotografien dokumentieren zusätzlich das Leben von Rose und ihrer Familie.

Bewertung vom 12.03.2020
Tagesschau und Co. - Wie Sender und Redaktionen Nachrichten machen
Welk, Sarah

Tagesschau und Co. - Wie Sender und Redaktionen Nachrichten machen


ausgezeichnet

So erfahren wir, was täglich in der Welt passiert

Für Kinder ist es verwirrend: es gibt viele verschiedene Nachrichtenkanäle, auch im Fernsehen können wir zwischen mehreren wählen. Was unterscheidet denn etwa die Tagesschau von RTL Aktuell? Und wie erhält der Redakteur oder der Nachrichtensprecher seine Informationen?
Diesen und zahlreichen anderen Fragen geht Sarah Welk in ihrem neuen Buch nach. Ihre Antworten sind klar und verständlich, gehen aber nicht zu sehr ins Detail - also genau passend für Kinder ab 10 Jahren. Am Beispiel der alltäglichen Arbeit der (fiktiven) Redakteurin Nina erläutert die Autorin die wichtigsten Abläufe in der Nachrichtenredaktion sehr eingängig; sachlich, aber in lockerem Ton, wobei auch ein Schuss Humor nicht fehlt. Unterstützt wird sie dabei von Dunja Schnabel, die (ebenso humorvoll) den Text mit erläuternden Illustrationen begleitet. Die Vielfalt der Beiträge spiegelt sich auch in den Bildern; Sachbeiträge wechseln sich mit Interviews der bekannten Nachrichtenredakteure ab, es gibt „Rätselkästen“, in denen der kleine Leser sein Wissen selbst testen kann. Die zahlreichen Fotos und Zeichnungen ergänzen die Informationen und geben dem gut strukturierten Buch ein unverwechselbares Gesicht. Vervollständigt wird die Lektüre durch das übersichtliche Inhaltsverzeichnis sowie Quellenangaben.
Und wer nun erfahren möchte, wie es aktuelle Neuigkeiten in Tagesschau und logo!-Sendung schaffen oder wie man Fake News entlarven kann, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen.

Bewertung vom 09.03.2020
Dankbarkeiten
Vigan, Delphine de

Dankbarkeiten


sehr gut

Intensives Leseerlebnis

Es passiert ohne Ankündigung. Michèle Seld, eine „alte Dame mit dem Habitus eines jungen Mädchens“, kann nicht mehr selbständig in ihrer Wohnung leben und bezieht ein Zimmer im Altenheim. Zum Glück ist da Marie, die ihr zur Seite steht und sie regelmäßig besucht. Doch Michka wird immer unsicherer, es fällt ihr zunehmend schwerer, sich auszudrücken, die Wörter „flüchten“, sie werden verwechselt oder fehlen ganz. Von den Übungen des engagierten Logopäden Jérôme, die ihre Aphasie so lange wie möglich aufhalten sollen, ist Michka nicht immer angetan, doch sie fasst Vertrauen zu dem jungen Mann und verrät ihm ihren Herzenswunsch: sie möchte das junge Ehepaar, das sie als Kind vor Verfolgung gerettet hat, finden und ihm dafür danken, wozu sie bis jetzt keine Gelegenheit hatte. Und Jérôme hat eine Idee…
Sehr ruhig und behutsam erzählt Delphine de Vigan die Geschichte eines langsamen, aber unaufhaltsamen Abschiednehmens. Voll Empathie schildert sie die Beziehungen, die zwischen Michka und den jungen Leuten Marie und Jérôme entstanden sind. Viel Verständnis und warmherziges Zugewandtsein bestimmt ihr Verhältnis - dabei spielt nicht nur Maries Dankbarkeit Michka gegenüber eine Rolle, die ihr während ihrer problematischen Kindheit die Liebe und Fürsorge hat zukommen lassen, die sie brauchte. Das Thema, Michkas Lebensretter Nicole und Henri endlich zu finden und ihnen für ihre Selbstlosigkeit danken zu können, ehe es für sie zu spät ist, zieht sich durch den ganzen Roman.
„Dankbarkeiten“ ist ein Roman der leisen Töne, dennoch ausdrucksstark und intensiv, der lange nachklingt.

Bewertung vom 04.03.2020
Die wichtigsten Fragen zum Intervallfasten
Thuile, Christian

Die wichtigsten Fragen zum Intervallfasten


ausgezeichnet

Geschärfter Blick auf gesunden Lebensstil

Das zur Zeit „moderne“ Intervallfasten bietet keine Zauberformel für eine schnelle Gewichtsabnahme, sondern Hilfestellung für eine gesündere Lebensführung mit einer zwar langsameren, dafür aber schonenderen und anhaltenden Gewichtsreduzierung. Dabei ist diese Art des Fastens absolut nicht neu, wie der Autor in seinem Ratgeber erklärt.
Der Arzt und Ernährungsberater Dr. Christian Thuile präsentiert hier die gängigsten Formen des intermittierenden Fastens. Um zu verstehen, was während der Nahrungsaufnahme in unserem Körper passiert und wie sich der Organismus in den Essenspausen verhält, schildert er, seriös und auch für Laien sehr gut verständlich, die entsprechenden Vorgänge. Nach der Theorie folgen Erläuterungen zu den unterschiedlichen Methoden des Intervallfastens und eine Abgrenzung zu herkömmlichen Diäten: ganz klar hat hier das intermittierende Fasten die positiveren Auswirkungen auf Körper und Psyche - wenn es richtig angewandt wird. Dazu gibt Thuile viele Tipps, wobei er den Fokus im wesentlichen auf den gesundheitlichen Aspekt legt. Zu dem gesunden Lebensstil, den er propagiert, gehören neben dem Fasten ebenso eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung. Das ist natürlich nicht neu, kann aber nicht oft genug wiederholt werden. Aus medizinischer Sicht beschreibt Thuile die zahlreichen positiven Auswirkungen der „Light Variante“ des Fastens, u.a. auch neue Erkenntnisse über ihre Wirkung auf spezielle Krankheiten. Aber er warnt auch davor, damit zu experimentieren; denn es ist nicht für jedermann uneingeschränkt zu empfehlen. Seine Erläuterungen sind klar und gut nachvollziehbar. In die einzelnen Abschnitte eingeschobene, farblich abgesetzte Wissens“kästen“ informieren darüber hinaus und jedes Kapitel endet mit einer sehr kurzen Zusammenfassung der wichtigsten Gedanken, sozusagen als Gedächtnisstütze.
Wer sich näher mit dem Thema Intervallfasten und einem damit verbundenen gesunden Lebensstil auseinandersetzen möchte, findet in Thuiles Buch sicher viele Anregungen.

Bewertung vom 25.02.2020
Die Angezählten
Dowideit, Anette

Die Angezählten


ausgezeichnet

Wertschätzung von Arbeit

Mittlerweile ist es zum „Dauerbrenner“ und ein oft beschworenes Wahlthema geworden: die unverhältnismäßig schlechte Entlohnung von Pflegepersonal und der damit einhergehende Mangel an Arbeitskräften. Doch nicht nur im Bereich Kranken- und Altenpflege sind die Löhne ungerecht - auch in vielen anderen Bereichen des Arbeitsmarktes haben Arbeitnehmer zunehmend Mühe, die steigenden Lebenshaltungskosten zu bewältigen oder sind gar zum „Aufstocken“ ihres Gehaltes gezwungen. Das Problem betrifft nicht nur untere soziale Schichten, sondern auch immer mehr Mittelstandsberufe rutschen ab.
Die Wirtschaftsjournalistin Anette Dowideit gibt hierzu zahlreiche Beispiele aus unterschiedlichen Berufssparten. Sie lässt einige ihrere Gesprächspartner selbst von ihrem täglichen Arbeitsleben und ihren (Existenz-)Ängsten berichten. Wie kommt es dazu, dass viele Menschen von dem Erlös ihrer Arbeit nicht mehr leben können? Natürlich liegen die Hauptursachen in dem enormen Einfluss der Wirtschaft auf die Politik. Doch auch wir als Konsumenten müssen umdenken und das „Geiz ist geil“-Prinzip in Frage stellen. Denn wer zahlt letzten Endes die Zeche, wenn wir alles möglichst billig erwerben wollen …?
Was ist Arbeit noch wert? Dieser Frage geht Dowideit nach und zeigt ungeschminkt auf, wie die aktuelle Situation heute aussieht. Sie reflektiert aber auch mögliche Lösungsansätze, die (in anderen Ländern bereits Realität) sicher durchführbar wären - wenn sich die Arbeitsmarktpolitik weniger von der Wirtschaft beeinflussen ließe.
„Die Angezählten“ ist ein gut strukturiertes, eingehend recherchiertes Buch. Deutlich, auf verständliche Weise lässt Anette Dowideit ihren Lesern, auch wenn sie über keine Vorbildung in Wirtschaftswissenschaften verfügen, detaillierte Informationen zukommen. Eine klare Leseempfehlung!