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Benutzername: solveig
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Bewertungen

Insgesamt 349 Bewertungen
Bewertung vom 13.10.2019
Ernte mich im Winter
Palme, Wolfgang

Ernte mich im Winter


sehr gut

Mehr Frische im Winter


Umweltbewusstsein - so lautet das Schlagwort unserer Zeit. Eine der Möglichkeiten, achtsam und ressourcenschonend zu leben, bietet der Anbau von Wintergemüse in Garten oder auf dem Balkon. In seinem neuen Buch „Ernte mich im Winter“ ermuntert Wolfgang Palme seine Leser dazu, anstatt weitgereistes oder im Treibhaus angebautes Gemüse im Supermarkt zu kaufen, auf heimische Sorten zurückzugreifen und diese - wo es möglich ist - selbst anzubauen. Dabei berichtet er von den Ergebnissen langjähriger Forschungen auf der Versuchsstation Zinsenhof in Niederösterreich, die belegen, dass viele unserer Gemüsearten widerstandsfähiger sind als bisher angenommen. Eine Reihe von Pflanzensteckbriefen stellt neben einigen der wichtigsten Vertreter von Wintergemüse auch eher unbekannte Arten wie etwa den Butterkohl oder die Winterheckenzwiebel in Wort und Bild vor. Da Anbau bzw. Aussaat für viele Gemüsesorten sowohl im Garten als auch in Balkonkästen oder –töpfen möglich sind, richtet sich Palme ebenfalls an „Stadtgärtner“. Sein Schreibstil ist dabei überraschend narrativ, „blumig“ und humorvoll, was man in einem Ratgeber so nicht unbedingt erwartet.
„Ernte mich im Winter“ ist, denke ich, als Motivation für und Einführung in die Wintergärtnerei gedacht, wie auch die zahlreichen Illustrationen belegen. Interessierte, die sich intensiver mit diesem Thema beschäftigen wollen, finden im Literaturverzeichnis weiterführende Publikationen und Links. Ein Glossar der Fachbegriffe, ein Stichwortregister und ein Verzeichnis der Bezugsquellen vervollständigen das Buch. Mein Fazit: Palmes Buch ist ein engagiertes Plädoyer für die Verlängerung der aktiven Arbeits- und Erntezeit über die übliche Gartenperiode hinaus und ein Ratgeber für Gartenneulinge.

Bewertung vom 06.10.2019
Mino und die Kinderräuber
Supino, Franco

Mino und die Kinderräuber


sehr gut

Brücke zwischen Generationen

Im Rahmen einer Schulaufgabe soll eine Abenteuergeschichte geschrieben werden. Chiara, die noch um den Verlust ihres kürzlich verstorbenen Großvaters trauert, schlägt ihren Freunden Selma und Drago vor, ein Abenteuer ihres Opas aufzuschreiben, das er selbst als Kind während des Zweiten Weltkriegs erlebt hat. Mit Feuereifer machen sich die drei an eine spannende Erzählung um die Entführung zweier Jungen. Die Kinder schreiben sich selbst als Akteure mit in Nonnos Erlebnis. Wie ihr Abenteuer wohl ausgehen mag?
In kurzen Kapiteln und kindgerechter Sprache erzählt der Autor eine spannende Geschichte mit historischem Bezug. Der Zweite Weltkrieg und seine massiven Einschränkungen und Gefahren, denen speziell die Kinder ausgesetzt waren, werden in - für Leser ab acht Jahren - verständlicher Weise thematisiert. Supino schildert das Geschehen auf sensible Art, so dass es gut eingeordnet und verarbeitet werden kann.
Abgerundet wird der Roman durch zahlreiche, dezente Schwarz-Weiß-Zeichnungen der Illustratorin Iris Wolfermann. Sie begleiten und verbildlichen den Text.
Supinos Buch bietet reichlich Anknüpfungspunkte, um mit den jungen Lesern auch nach Beendigung der Lektüre ins Gespräch zu kommen. Kein Zweifel: Der Austausch zwischen Jung und Alt kann eine hervorragende Brücke zwischen den Generationen bilden.

Bewertung vom 16.09.2019
Der Sprung
Lappert, Simone

Der Sprung


gut

Ein Sprung und seine Folgen

Die kleine Stadt Thalbach hat ihre Sensation: auf dem Dach eines Hauses, gleich gegenüber von Roswithas Café, steht eine junge Frau, wütet und - springt schließlich tatsächlich hinunter, wie der Leser gleich zu Beginn des Romans erfährt. Das Motiv, aus welchem sie hier oben steht, scheint die zahlreichen Zuschauer kaum zu interessieren, wichtig ist ihnen das Ereignis selbst, das kommentiert, fotografiert und gefilmt wird.
Geschickt hat die Autorin dieses Ereignis als Anlass gewählt, um das herum sich zehn weitere Schicksale entwickeln. Sie gewährt dem Leser kurze Einblicke in den Alltag unterschiedlicher Personen und schildert in szenischen Ausschnitten, welche Auswirkungen das Agieren der Frau auf dem Dach auf das weitere Leben der anderen geschilderten Charaktere hat. Dazu bedient sie sich einer schönen, bildreichen Sprache, die dennoch unkompliziert und schnörkellos ist. Die anfänglich leicht depressiv wirkende Grundstimmung des Romans schwenkt im Laufe der Erzählung um, wird versöhnlicher und positiver.
Die Frage nach dem Grund für den Sprung wird zum Schluss doch noch beantwortet. Ob uns das Ende nachvollziehbar oder eher banal vorkommt, scheint der Autorin nicht so wichtig zu sein angesichts der Tatsache, dass der Sprung als Auslöser für wesentliche Veränderungen im Leben anderer dient. Doch - ehrlich gesagt - ich hätte mir für das Buch einen „runderen“ Abschluss gewünscht.

Bewertung vom 04.09.2019
Ein anderer Takt
Kelley, William Melvin

Ein anderer Takt


ausgezeichnet

Jeder kann seine Fesseln lösen...

"Warum zerstört Tucker sein Eigentum?" fragen sich die Einwohner von Sutton, einem fiktiven Ort in einem fiktiven Südstaatenland der USA, entgeistert. Der afroamerikanische Farmer Tucker Caliban, Abkömmling ehemaliger Sklaven, ruiniert eines Tages sein Ackerland, indem er eine Fuhre Salz „sät“, er erschießt sein Vieh, brennt sein Haus nieder und zieht mit seiner Familie und nur wenig Gepäck auf und davon. Der schwarze Teil der Bevölkerung Suttons scheint - nach dem ersten Erstaunen - Tuckers Beweggründe begriffen zu haben und folgt seinem Beispiel, so dass nach und nach zunächst die Stadt und dann der Bundesstaat seine farbigen Arbeitskräfte verliert.
Eine direkte Antwort auf das "Warum" gibt der Autor in seinem Roman nicht. Er nähert sich der Rassenproblematik schrittweise, indem er sie aus den Perspektiven unterschiedlicher (allerdings nur weißer) Personen aus Tuckers Umgebung beleuchtet. Durch die differenzierten Gedanken und Erinnerungen der einzelnen erzählenden Charaktere erstellt Kelley nicht nur ein Porträt Tuckers, sondern setzt ihn und sein folgenreiches Handeln zugleich in den großen Kontext von Rassentrennung und Bürgerrechtsbewegung der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Sein schlicht gehaltener Schreibstil - verständlich für alle Leserschichten - passt sich dabei dem Ton der Bevölkerung an und lässt die Figuren authentisch erscheinen.
Obwohl Tucker selbst gar nicht zu Wort kommt, ist er es, der den Rhythmus des Romans bestimmt; mit seinem für die Weißen unbegreiflichen Akt, der Vernichtung seiner bisherigen Lebensgrundlage, ändert er den Takt, nach dem das Leben in Sutton jahrzehntelang ablief, in einer Art gewaltlosem Widerstand.
Kelleys Roman, bereits 1962 in New York erschienen, aber jetzt zum erstenmal ins Deutsche übersetzt, hat nicht an Aktualität eingebüßt - rassistisches Gedankengut wird wohl immer einen Nährboden haben. Umso wichtiger ist es, dass Autoren wie William Melvin Kelley Gehör verschafft wird!

Bewertung vom 11.08.2019
Tierische Jobs
Ludwig, Mario

Tierische Jobs


ausgezeichnet

Anregendes Sachbuch

Jeder weiß, wie unersetzlich Hunde als Helfer des Menschen sind; ihre vielfältigen Aufgaben als Jagd-, Wach-, Such- oder Rettungshunde sind hoch geschätzt; ebenso wichtig ist ihr Einsatz als Blindenführer. In Mario Ludwigs neuem Buch erfahren wir, dass sie auch als Diabetikerwarnhunde tätig sein können, die in der Lage sind, „ihrem“ Menschen im Ernstfall das Leben zu retten.
Sehr unterhaltsam und unkompliziert schildert der Biologe interessante und erstaunliche Fakten aus dem Einsatz von Tieren für menschliche Belange. Dabei erwähnt er nicht nur Säugetiere. Seine (gut gelungene) Auswahl erstreckt sich weiter über Amphibien, Fische und Vögel bis hin zu Insekten. So erfahren wir etwa, dass Bienen am Hamburger Flughafen zur Aufdeckung von Luftverschmutzung durch den Flugverkehr beitragen, Adler als Drohnenabwehrjäger eingesetzt werden, Kangalfische als „Fußpfleger“ tätig sind oder eine Milbe namens Tyroglyphus casei an der Herstellung einer speziellen Käsesorte beteiligt ist. Doch bei allen kuriosen Details lässt Ludwig auch die negativen Seiten einzelner „Jobs“ nicht unerwähnt: die Ausbeutung und Gefährdung von Tierbeständen. Abgerundet wird das handliche Buch von einem umfangreichen Literaturverzeichnis, das den Leser zu weiteren Recherche-Streifzügen ermutigt.
Mein Fazit: Ein rundum gelungenes Sachbuch, anregend und informativ, aber nicht mit Fachwissen überfrachtet.

Bewertung vom 28.06.2019
Das Leben ist ein Rechenfehler / Die Unausstehlichen & ich Bd.1
Walder, Vanessa

Das Leben ist ein Rechenfehler / Die Unausstehlichen & ich Bd.1


ausgezeichnet

Mit Herz und Verstand

„Ich kann nicht die Wahrheit sagen und dabei nicht fluchen.“ Enni Alser, elf Jahre jung, hat keine Familie. Wer kann ihr verdenken, dass sie ihre Hochs und Tiefs mit (unkontrollierten) Wutanfällen und Fluchen kommentiert, bei dem, was sie schon alles erlebt hat? Doch als ihre aktuellen Pflegeeltern mit ihrem leiblichen Sohn Noah von Berlin in die Schweiz umziehen und Enni nicht mitnehmen können oder wollen, trifft es nicht nur sie selbst, auch ihr Pflegebruder Noah will das nicht akzeptieren. Noahs Vorhaben, mit Enni auszureißen, geht allerdings schief, und Enni landet in einem Halbinternat, weit ab von jeder Ortschaft. Natürlich feilt die pfiffige Enni an einem neuen Plan, wieder zu Noah zu gelangen. Doch das funktioniert nicht ohne Hilfe…
Mit Enni Alser hat Vanessa Walder eine Figur geschaffen, die keinen Leser kalt lässt. Auf sich allein gestellt, immer wieder einmal von Pflegeeltern abgewiesen, muss das Kind mit seinen Gefühlen allein zurechtkommen. Doch Enni ist stark und kämpft, ihre Intelligenz und Einfallsreichtum helfen ihr weiter. Nur nicht aufgeben - das können Leser ab 10 Jahren von ihr lernen. Aber auch von anderen Mitspielern des Romans können sie sich positives Verhalten abgucken, etwa, wie sich Kinder mit Behinderungen durchsetzen. Freundschaft und Zusammenhalt spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle in Walders Roman. Wie wir es von der Autorin gewohnt sind, schreibt sie lebendig, jugendlich-flott und sehr anschaulich. Die (häufig vorkommenden) Schimpf- und Fluchwörter sind dabei unleserlich gemacht.
Der zeitgerechte Schreibstil wird unterstützt von zahlreichen Illustrationen aus Barbara Korthues´ Feder. Knapp, beinahe minimalistisch anmutend, geben ihre Zeichnungen den Romanfiguren ihr Gesicht und treffen dargestellte Situationen in ihrem Kern.
Kurz: „Die Unausstehlichen & ich“ bietet nicht nur gute, spannende Unterhaltung, sondern transportiert gleichzeitig wichtige Botschaften an die jungen Leser, ohne zu moralisieren. Wir freuen uns schon auf das nächste Abenteuer von Enni, dem Mädchen mit Herz und Verstand!

Bewertung vom 27.06.2019
All die unbewohnten Zimmer
Ani, Friedrich

All die unbewohnten Zimmer


sehr gut

Milieustudie

Was wäre passiert, wenn … Am Ende des Romans stellt sich Ermittlerin Fariza Nasri die Frage, wie die aktuelle Situation für die Akteure aussehen könnte, wenn manche Dinge auf andere Weise oder gar nicht geschehen wären. Wäre vieles besser?
Nasri, erst seit kurzem aus der beruflichen „Verbannung“ aufs Land nach München zurückgeholt, und Polonius Fischer, ein ehemaliger Mönch, sollen gemeinsam mit ihrem Team zwei Morde aufdecken. Im ersten Fall erschießt jemand von einem Fenster aus eine Frau und verletzt einen Polizisten schwer; bei dem zweiten Mord wird ein Polizist erschlagen. Während die „Zwölf Apostel“, wie Fischers Mitarbeiter scherzhaft genannt werden, den ersten Täter relativ schnell fassen, zieht sich die Suche nach dem Polizistenmörder in die Länge. Tabor Süden, ein alternder Privatdetektiv, und der ehemalige Kommissar Jakob Franck, eigentlich schon Pensionär, schalten sich ein, wobei jeder seine eigene, besondere Ermittlungsmethode verfolgt. Heldenrollen spielen sie alle nicht, sie scheinen eher belastet, beladen mit ihren Vergangenheitsproblemen, bedrängt von Einsamkeit. Eigentlich erscheint jeder Charakter, den Autor Friedrich Ani agieren lässt, problembeladen zu sein; es sind oft Menschen, die sich aus Herkunfts-, Gesinnungs- oder Altersgründen „aussortiert“ vorkommen und mit sich und ihrer Umwelt hadern.
Überhaupt ist dieser Kriminalroman ganz anders gestrickt, als „normale“ Krimis. Man hat den Eindruck, ein Ermittlungsergebnis ist zwar von Bedeutung, doch die Hintergründe, Motive, Zufälle, die bei den Taten eine Rolle spielten, sind wichtiger. Das Milieu, der Blick auf (aktuelle) gesellschaftliche Zusammenhänge selbst ist packender als das Geschehen im Buch. Dabei ist der Roman relativ kompliziert konstruiert, erzählt wird in Rückblenden und Vorschau, aus unterschiedlichen Sichtweisen. Ein anspruchsvolles Buch, das einige Konzentration vom Leser verlangt.

Bewertung vom 26.05.2019
Storm und die Fußballgötter / Storm oder die Erfindung des Fußballs Bd.2
Birck, Jan

Storm und die Fußballgötter / Storm oder die Erfindung des Fußballs Bd.2


ausgezeichnet

Wem die Götter gewogen sind

„Ich will Seefahrer werden. Wie die Wikinger.“ Zwar fristet der junge Ex-Klosterschüler Storm noch sein Leben als Sklave im wikingischen Reydarfjordurthoft, doch er hat die Chance erhalten, an der großen Wikingerprüfung teilzunehmen und als vollwertiges Mitglied in die Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden. Denn als pfiffiger Erfinder des Fußballspiels hat er zur Befriedung des ehemals zweigeteilten Ortes beigetragen und sich auf diese Weise Verdienste erworben (genauer nachzulesen im ersten Band „Storm oder die Erfindung des Fußballs“). Allerdings sind die Prüfungsaufgaben nicht so einfach zu bewältigen, und Storm hofft auf etwas Hilfe von Seiten der fußballbegeisterten Götter unter Thors Leitung. Doch dann wird Vigdis, die Tochter des Häuptlings Holgar des Haarigen, von Ulverborgs Kriegern entführt und Storm bekommt wieder einmal Gelegenheit, Mut und Erfindungsreichtum zu beweisen…
Bild und Text dieses fantasievollen Buches sind optimal aufeinander abgestimmt. Teils in den Text integriert, teils über eine ganze Seite angelegt, geben die witzigen farbigen Illustrationen wunderbar die Stimmung der Geschichte wieder. Überaus lebendig erzählt Jan Birck, wie erfolgreich Storm, dem es vielleicht an Körperkraft mangelt, seine Ziele mit Kreativität, Mut und Entschlossenheit verfolgt. Dabei geht es wikingermäßig wild und ungestüm zu, spannend, aber immer mit reichlich Humor versetzt. Der Leser kann sich ein Lachen nicht verkneifen, wenn hier von dem schlitzäugigen Schamanen so ganz nebenbei neue Fußballregeln erfunden werden. Oder handelt es sich etwa um göttliche Eingebungen?
Nicht nur fußballbegeisterte Leser werden dieses fröhlich-turbulente Wiedersehen mit dem liebenswerten Storm genießen!

Bewertung vom 17.05.2019
Düsternbrook
Milberg, Axel

Düsternbrook


sehr gut

Spaß am Fabulieren

Mit dem Wahlspruch seiner Mutter „Wir sind was Besseres“ wird Axel in Düsternbrook, einem vornehmen Villenviertel Kiels, groß. Er wächst behütet als Sohn eines Anwalts und einer Ärztin auf und genießt das Privileg, die Gelehrtenschule besuchen zu dürfen, natürlich gehören auch Klavier- und Tennisunterricht mit zur standesgemäßen Erziehung. Doch je älter er wird, desto enger erscheint ihm „das überschaubare Karussell“ der Kieler Idylle. Er packt seine Sachen und zieht möglichst weit fort, nach München, wo sein Leben schließlich ganz neue Impulse erfährt.
Düsternbrook ist konzipiert als Roman mit autobiografischen Zügen. In kurzen Kapiteln und leicht zu lesender Sprache schildert Milberg Ereignisse aus Kindheit und Jugend seines Alter Ego Axel, beginnend in den 1960er Jahren. Wirken seine Schilderungen zu Beginn der Geschichte wie die aus einem größeren Zusammenhang entnommenen Erinnerungsdetails eines kleinen Kindes, erscheinen sie später mit zunehmendem Alter des Jungen ausführlicher und intellektueller. Mit reichlich trockenem Humor und Ironie kommentiert Axel Milberg Familienmitglieder, Lehrer und Mitschüler und lässt entsprechend zeitgenössisches Flair mit einfließen. Dass die Stadt seiner Kindheit jedoch nicht nur Schauplatz idyllischen Lebens ist, sondern versteckt auch hier Böses lauert, klingt in vereinzelten Kapiteln an, die der Autor - für mein Empfinden - präziser hätte ausführen können.
Locker und lebendig geschrieben, ist Düsternbrook eine unterhaltsame Lektüre für „zwischendurch“ , bei der dem Autor und Schauspieler die Lust am Fabulieren durchaus anzumerken ist.

Bewertung vom 16.05.2019
Bell und Harry
Gardam, Jane

Bell und Harry


sehr gut

Ein Roman der leisen Töne

Zwei ganz unterschiedliche Familien lernen sich in den Yorkshire Dales kennen und achten. Die Teesdales leben schon seit Generationen hier als Farmer und vermieten der Londoner Großstadtfamilie Bateman für die Ferien Light House, ein altes Bauernhaus. Farmerssohn Bell ist gerade acht Jahre alt, als er den jüngsten Sohn der Batemans kennenlernt. Harry geht zu dieser Zeit noch nicht zur Schule, doch nach und nach freunden sich die beiden Jungen an.
In ihrer ruhigen, gleichmäßigen Art schildert Jane Gardam die Ereignisse während der Ferienzeit, die manchmal in recht riskante Unternehmungen der Freunde münden.
Sie gibt die friedliche Urlaubsstimmung wieder, und es gelingt ihr mühelos, die Atmosphäre der stillen Landschaft der Yorkshire Dales zu beschwören, in der natürlich auch während der Sommerzeit die landwirtschaftlichen Arbeiten der Ortsansässigen nicht ruhen. Warmherzig und mit viel Humor erzählt sie, wie sich von Jahr zu Jahr die Freundschaft zwischen Bell und Harry vertieft, obwohl sie unter völlig unterschiedlichen familiären und sozialen Bedingungen aufwachsen. Ganz sachte wird der Leser mit dem Fortschreiten der Zeit konfrontiert; am Ende des Romans zeigt sich, wie sehr beide Protagonisten einander auch als Erwachsene noch verbunden sind. Gardam versteht es einmalig, alltägliche Vorkommnisse in eine bildhafte Sprache zu fassen und Stimmungen sehr eindrücklich weiter zu geben. „Bell und Harry“ ist ein stiller, unprätentiöser Roman, sehr empfehlenswert für Leser, welche die leisen Töne zu schätzen wissen.