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Benutzername: solveig
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Bewertungen

Insgesamt 332 Bewertungen
Bewertung vom 07.03.2019
Schwarz wie Erde / Vanitas Bd.1
Poznanski, Ursula

Schwarz wie Erde / Vanitas Bd.1


sehr gut

Packender Serienstart

Im wahren Sinn des Wortes kommuniziert Caro mit Robert, ihrem Verbindungsmann beim LKA, durch die Blume. Lebenswichtige Botschaften oder Warnungen erreichen sie per Blumensprache. Nur ungern gibt sie auf Roberts Drängen hin ihr zurückgezogenes Leben in Wien auf, um in München eine Undercoverrolle anzunehmen.Was zunächst recht harmloser Natur zu sein scheint, erweist sich jedoch sehr bald als todbringend und gefährlich…
Sehr eindringlich versteht es Ursula Poznanski, die allgegenwärtige Angst ihrer Protagonistin wiederzugeben. Da die Autorin Caro selbst erzählen lässt, ist der Leser gewissermaßen dicht am Geschehen und hautnah mit Caro verbunden, obwohl er zunächst nicht viel über sie erfährt, nicht einmal ihren wirklichen Namen. Packend schildert Poznanski die Situationen und Gefahren, in denen sich ihre Heldin bewähren muss. Das Thema „Vanitas“, das bereits effektvoll das Buchcover ziert, durchzieht den Roman in vielen Facetten: Lüge, Vergänglichkeit, leerer Schein, Tod.
Nach und nach hebt Poznanski ein wenig den Schleier an, der über Caros Vergangenheit liegt, gestattet dem Leser einen kurzen Blick - nur um weitere drängende Fragen offen zu lassen. Kein Wunder, denn „Vanitas“ ist als Serie angelegt. Und so endet dieser Roman denn auch konsequenterweise mit einer mysteriösen Blumenbotschaft, und der Leser muss einstweilen seine eigenen Schlüsse ziehen…

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Bewertung vom 05.03.2019
Frau im Dunkeln
Ferrante, Elena

Frau im Dunkeln


sehr gut

Konflikte

Ein Autounfall und eine mysteriöse Stichwunde bilden den Auftakt zu Elena Ferrantes neu aufgelegtem Roman „Frau im Dunkeln“. Die Erklärung der Protagonistin, ihre Verletzung durch eine unsinnige Tat selbst provoziert zu haben, wirft einige Fragen auf.
Wir lernen Leda während eines Urlaubsaufenthaltes an der kalabrischen Küste kennen; eine beruflich erfolgreiche Frau im mittleren Alter, geschieden, deren zwei Töchter im Ausland studieren. Sie macht den Eindruck einer selbstbewussten, zufriedenen Frau. Am Strand hat Leda die Möglichkeit, täglich eine neapolitanische Großfamilie zu beobachten, wobei sie besondere Sympathie für eine blutjunge Mutter und deren kleine Tochter entwickelt, die einen sehr intensiven Kontakt zueinander pflegen. Dabei werden in Leda zahlreiche Erinnerungen an ihre eigene Vergangenheit geweckt.
In schlichter, aber sehr bildhafter Sprache beschreibt Ferrante den Zwiespalt in Ledas Empfindungen: auf der einen Seite das wunderbare Gefühl der innigen Verbindung zu solch einem kleinen Wesen, auf der anderen jedoch der weitgehende Verzicht auf eigene Wünsche und das schreckliche Gefühl, die Situation werde sich nie ändern. Durchaus stimmig und gänzlich ungeschönt schildert die Autorin den Anspruch an das vorbildliche Ausfüllen der Mutterrolle und dem Scheitern an der banalen Realität, dem Überfordertsein. Der Konflikt Ledas, sich für Karriere oder Kinder entscheiden zu müssen, ist recht eindrücklich dargestellt und gut nachvollziehbar; denn noch immer ist es für viele Frauen problematisch, Beruf und Familie zu vereinen. Schöne, aber auch viele negative Erinnerungen bestürmen Leda, Gewissensbisse lösen sich mit trotziger Selbstbehauptung ab, und schließlich lässt sie sich zu einer Tat hinreißen, die sie am Ende selbst als sinnlos bezeichnet.
Obwohl das Buch bereits im Jahr 2006 erstmalig erschienen ist, wird ihm erst heute mehr Beachtung geschenkt, nach dem großen Erfolg der später geschriebenen „Neapel-Saga“. Viele Themen, die in diesem Roman in knapper Form und stark verdichtet behandelt werden, greift Ferrante in ihrer Tetralogie wieder auf und gibt ihnen mehr Raum.
„Frau im Dunkeln“ geht unter die Haut; es ist ein sehr empfehlenswertes Buch: anspruchsvoll, gut nachvollziehbar und abolut ehrlich!

Bewertung vom 02.03.2019
Biedermeiern
Klingl, Livia

Biedermeiern


ausgezeichnet

Protest in Tagebuchform

Biedermeiern : Ein hübsch aufgemachtes Büchlein mit gesellschaftspolitisch brisantem Inhalt erwartet den Leser: dekoriert mit einem typischen Tapetenmuster der Biedermeierzeit, ganz passend zum Titel, der sich (im historischen Kontext gesehen) auf den Rückzug des enttäuschten Bürgers aus dem politischen Geschehen ins Privatleben bezieht. Doch so vollständig abgeschottet ist er wiederum nicht; denn ein - wenn auch kleines - Guckloch bleibt als „Spion“ und Verbindung mit der Außenwelt bestehen…
Livia Klingl beschäftigt sich intensiv mit Themen der aktuellen österreichischen Politik seit der Wahl im Oktober 2017. In sozialen Medien wie „fezbuk“, Twitter & Co. reagiert sie auf die täglichen Ereignisse, bezieht Position, protestiert. Mit ihrem neuen Buch „Biedermeiern“ ist nun ein Teil dieser Kommentare in gebundener (Tagebuch-)Form erschienen, es umfasst etwa ein Jahr ihrer Beobachtungen. Wie man es von der „passionierten Realistin“, wie sie sich selbst bezeichnet, gewohnt ist, spart sie nicht an Sarkasmus, wenn sie Seitenhiebe in alle Richtungen austeilt. Recht ironisch lesen sich ihre Reaktionen auf Äußerungen des „Bubenkanzlers“ oder anderer Regierungsmitglieder. Ein zusätzliches Highlight bieten zahlreiche Karikaturen, die den Text begleiten und mit wenigen Ausnahmen von Klingl selbst angefertigt wurden.
Doch nicht nur Politiker nimmt sie kritisch unter die Lupe. Sie macht sich Gedanken über Kontroversen und Ereignisse, welche die Bürger spalten, beschreibt ihre alltäglichen Erfahrungen mit Menschen, denen sie begegnet und teilt ihre Erkenntnisse mit den „fezbuk“-Lesern - manchmal verständnisvoll, manchmal bitterböse, immer kritisch.
In täglichen Twitter-Kommentaren führt die Journalistin und Autorin, die im Jahr 2000 den Österreichischen Staatspreis für „publizistische Leistungen im Interesse der Geistigen Landesverteidigung“ erhalten hat, das „Biedermeiern“ unverdrossen weiter und ermuntert ihre Leser auf unterhaltsame und intelligente Art zum Mit- und Weiterdenken.

Bewertung vom 28.02.2019
Worauf wir hoffen
Mirza, Fatima Farheen

Worauf wir hoffen


gut

Etwas unscharf


Welche elterlichen Erwartungen und Wünsche kann oder muss ein Kind erfüllen? Und was erhoffen sich die Kinder selbst? Das sind nur zwei von vielen Fragen, die Fatima Farheen Mirza in ihrem Debutroman aufwirft.
Zum Inhalt: Laila folgt dem Wunsch ihrer Eltern und verlässt ihre indische Heimat, um mit Rafik, dem Ehemann, den ihre Eltern für sie bestimmt haben, in Amerika zu leben. Beide gehen in ihrem muslimischen Glauben auf und erziehen die drei Kinder in traditioneller, gottesfürchtiger Weise, wie sie es gelernt haben. Während die Töchter Hadia und Huda sich den Regeln der Gemeinschaft fügen, hat der jüngste Spross der Familie, Amar, Probleme: er zweifelt an seiner Gläubigkeit und der Religion, die das Leben seiner Familie bestimmt, stellt Verbote in Frage und bricht mit Konventionen. Das Unverständnis und die Strenge seiner Eltern entfernen ihn innerlich immer weiter von ihnen; er versucht, wenigstens zeitweise der Realität durch den Rausch von Alkohol und Drogen zu enfliehen…
Es sind vielerlei recht schwierige Themen, die Fatima Farheen Mirza in ihrem Debutroman aufgreift. Da ist einmal der Generationenkonflikt, der in fast jeder Familie entsteht, in einer konservativ muslimischen jedoch unterdrückt wird. Die problematischen Beziehungen der Familienmitglieder untereinander werden thematisiert. Wie schwierig es für die drei (in Amerika geborenen) Kinder ist, sich in die westliche Gesellschaft zu integrieren und ihren Klassenkameraden/innen anzupassen, wird nur kurz angedeutet; eine große Kluft besteht zwischen Elternhaus und Umwelt. Inwieweit lassen sich die Traditionen und Regeln der ursprünglichen Herkunft mit den Erfordernissen eines erfolgreichen Lebens in Amerika vereinbaren? Im Mittelpunkt jedoch scheint der Glaubenskonflikt zu stehen.
All diese Probleme will die Autorin aus unterschiedlichen Sichtweisen beleuchten. Aus diversen Szenen setzt sie ihre Geschichte zusammen, Gegenwart, vergangene Episoden und Erinnerungen einzelner Familienmitglieder ergänzen sich für den Leser zu einem deutlicher werdenden Bild. Hadia, Amar und ihre Mutter Laila kommen zu Wort. Was mir fehlte, ist ein Statement des „Sandwichkindes“ Huda; ihr Charakter erscheint nur am Rande in den Äußerungen der übrigen und bleibt recht schemenhaft. Nach etwa zwei Dritteln des Romans
gibt es eine deutliche Zäsur: nun endlich erwartet uns die Schilderung der Gedanken des Familienoberhauptes - und überraschende Erkenntnisse. Es wird deutlich: jedes Familienmitglied hat seine eigenen Hoffnungen und Vorstellungen vom Leben. Aber wie sind sie untereinander vereinbar?
Die 27jährige Mirza, die eigenen Aussagen zufolge acht Jahre an ihrem ersten Buch schrieb, hat sich meiner Meinung nach zuvielen komplizierten Problemen zugleich gewidmet, jedoch nicht alle gleichermaßen konsequent und überzeugend dargestellt. Vieles blieb mir leider zu vage und unbestimmt.

Bewertung vom 26.02.2019
Das Wunschbüro der Lilith Faramay
Ehmke, Jutta

Das Wunschbüro der Lilith Faramay


sehr gut

Ein Wunsch und seine Folgen

Der mächtige, aber etwas undurchsichtige Dschinnenfürst Samir Abadin Hanadi der Dritte höchstpersönlich erzählt die Geschichte einer „Kollegin“, der Dschinna Lilith. Die Magierin hat ihr Wunschbüro für Zauberei, mit der sie eine „schnelle Lösung Ihrer Probleme“ verspricht, derzeit in dem Ort Hintermondheim, in dem auch der 14jährige Rupert mit seinem Vormund lebt. Da Hartmut von Klauberstein seinem Schützling allerdings das Leben zur Hölle macht, beschließt Rupert eines Tages, die Dschinna aufzusuchen. Ob sie ihn von dem bösen Vormund befreien kann? Doch jeder Mensch hat nur einen einzigen Wunsch frei und der hat seinen Preis…
Spannend und humorvoll zugleich präsentiert Jutta Ehmke diese phantasievolle Geschichte für Kinder ab 10 Jahren. Ihr Stil ist dem Lesealter angepasst; sie bedient sich einer gepflegten Sprache, die sich frisch und zeitgemäß liest. Geschickt verpackt die Autorin die Themen Eigennutz und Gemeinwohl in eine zauberhafte Erzählung. Warmherzig behandelt sie das Problem unbedachter Wünsche und deren möglicher Folgen. Immer wieder gibt es auch unerwartete Wendungen in der Geschichte, die den jungen Leser überraschen.
Wer auf der Suche nach einem spannenden, magischen Kinderbuch ist, trifft mit dem „Wunschbüro der Lilith Faramay“ sicher eine gute Wahl.

Bewertung vom 23.02.2019
Wühl dich glücklich
Heistinger, Andrea

Wühl dich glücklich


ausgezeichnet

Gärtnern im Wohlfühlmodus

„Ich gärtnere, also bin ich“ lautet Andrea Heistingers Gartenphilosophie, und so bringt sie auch das Thema Gartenwelt ihren Lesern nahe. Denn vor allem sollte der Garten dem Lebensgefühl seines Besitzers entsprechen und ihm als Rückzugsort Möglichkeiten zur Entfaltung seiner Kreativität bieten. Er soll in erster Linie als Oase für Ruhe, Entspannung und Abschalten sorgen, erst an zweiter Stelle steht der Ertrag. Dass beide Arten der Nutzung bestens vereinbar sind und gleichermaßen hervorragend funktionieren können, erklärt die Autorin in ihrem Buch.
Wunderschön gestaltet, mit fröhlichen und informativen Illustrationen versehen, macht es Lust darauf, sich sofort an die Arbeit zu begeben. Die zahlreichen Fotografien und Zeichnungen verdeutlichen und ergänzen Heistingers Erläuterungen.
Gut strukturiert bietet das Buch einen Überblick über verschiedene Themen, wobei der Fokus auf dem Nutzgarten liegt. Den Einstieg bieten Kapitel zu grundsätzlichen Fragen der Beetgestaltung und –Bepflanzung. Auf gut verständliche und doch humorvolle Weise erklärt die Autorin die effektive Bodenbearbeitung, naturbelassenes Düngen, richtiges Gießen und beschreibt gute und schlechte Pflanzennachbarschaften. Auch ein kurzes Kapitel über Nützlinge im Garten und ein Ausflug in die Welt der Stauden und Blumen erwarten uns. Zusätzliche „grüne“ Extratipps, speziell hervorgehoben auf farbigem Untergrund, geben weiterführende Anregungen und Informationen. Ein alphabethisches Register, ein Glossar der verwendeten gärtnerischen Fachbegriffe und eine Liste von Bezugsquellen runden das Buch ab.
Vor allem ermuntert die Autorin ihre Leser immer wieder, den Garten nicht nur als Speisekammer zu betrachten, sondern ihn mit allen Sinnen zu genießen. Gärtnern im Wohlfühlmodus!

Bewertung vom 18.02.2019
Die Leben danach
Pierce, Thomas

Die Leben danach


sehr gut

Auf der Suche

Buchcover und auch Titel des Debütromans von Thomas Pierce erscheinen zunächst sehr rätselhaft - geometrische Formen, die wie Fenster Ausblicke auf Auschnitte einer Landschaft gewähren; Rahmen, die weder Anfang noch Ende aufweisen und nur Teilspekte eines Hundes zeigen. Doch während des Lesens wird die Intention deutlich: der Autor beschäftigt sich mit der Thematik von Tod und der Möglichkeit einer Existenz nach dem Ableben.
Pierces Protagonist Jim Byrd ist nach einem Herzstillstand reanimiert worden und sucht nun nach mehr Sinn in seinem Leben. Sein Job in der kleinstädtischen Bank in Shula erscheint ihm ebenso belanglos und überflüssig wie viele Gewohnheiten der Menschen seiner Umgebung. Jim bemüht sich, sein Leben nicht zu vertrödeln, und als er seine ehemalige Schulfreundin Annie trifft, scheint es ihm endlich zu gelingen, sein zweites Leben als Chance für einen gemeinsamen Neuanfang zu nutzen. Zur gleichen Zeit hört er von Clara Lennox, die (obwohl sie bereits lange tot ist) mit ihrem Hund die Treppe des Restaurants Su Casa Siempre unsicher machen soll. Jim will es wissen: Gibt es ein Leben nach dem Tod? Und wenn, wie mag es aussehen?
Mit viel Empathie und Humor beschreibt der Autor aus der Sicht seines 33jährigen Protagonisten dessen Suche nach Antworten. Neben physikalischen Fragen wie der nach der Einheit von Raum und Zeit, Technik und (medizinischem) Fortschritt spielen auch die Themen Glaube und Religiosität eine Rolle. Dabei setzt Pierce auch schon einmal Stilmittel wie Ironie ein. Womöglich wird Jesus eines Tages als künstliche Intelligenz in Form eines Hologramms wieder erschaffen, als ReJesus?
Die Leben danach - ein Roman, des warmherzig erzählt wird, aber auch bissig ist, in jedem Fall durchaus lesenswert!

Bewertung vom 22.01.2019
Erbsünde
Nuzzi, Gianluigi

Erbsünde


ausgezeichnet

Erschreckende Erkenntnisse

Wenn gläubige Christen der Meinung sind, im „Schoß der katholischen Kirche“ an einem Ort der Sicherheit und des Friedens zu verweilen, befinden sie sich in einem großen Irrtum. Ausgerechnet im Vatikan, dem Sitz des „Stellvertreters Gottes auf Erden“, konzentrieren sich düstere Geheimnisse: Machtstreben und Geldgier, Geldwäsche und Verbindungen zur Mafia, rätselhafte Tode und sogar Kindesmissbrauch.
Es handelt sich keineswegs um Verschwörungstheorien - der Journalist Gianluigi Nuzzi fordert bereits seit Jahren mehr Transparenz im Kirchenstaat und enthüllt in seinem Buch „Erbsünde“ neue Fakten, die er auch fundiert belegt. Dokumente, die ihm vertraulich zugespielt wurden, sind im Anhang einzusehen.
Unbequeme Fragen, die er stellt, gelten u. a. den Umständen zu dem rätselhaften Verschwinden des Mädchens Emanuela Orlandi im Vatikan in den achtziger Jahren. Ebenfalls ungeklärt ist bis heute die Frage, ob Papst Johannes Paul I tatsächlich ermordet wurde. Und warum ist Papst Benedikt XVI von seinem Amt zurückgetreten? Wieviele seiner Reformpläne konnte er durchsetzen, und welche Widerstände muss Franziskus bekämpfen, um sein „Erbe“ zu reformieren?
Nuzzi spart nicht mit Kritik am Vatikan und seinem Deckmantel der Verschwiegenheit. Er geht der Frage nach, aus welchen Gründen sich so wenig und so langsam im Vatikan ändert. Seine Vision ist düster: „Alle Reformmaßnahmen des Papstes werden unter einem dicht gewebten Netz aus Tod, Geld und Sex unweigerlich im Keim erstickt. Solange es nicht gelingt, sich von dem erpresserischen Sumpf der düsteren, ungeklärten Geschichten zu befreien, wird jeder Veränderungswille, unter welchem Papst auch immer, zum Scheitern verurteilt sein.“
Mein Fazit: „Erbsünde“ ist ein kritisches, akribisch recherchiertes Buch, das sich eingehend mit unbequemen Wahrheiten befasst.

Bewertung vom 26.12.2018
Klopf! Klopf! Komm herein, keiner bleibt heut Nacht allein!
Ashman, Linda

Klopf! Klopf! Komm herein, keiner bleibt heut Nacht allein!


ausgezeichnet

Herzerwärmend

„Ein kleiner Junge namens Till“ verfügt über ein gemütliches warmes Bett, in dem er sich zum Schlafen legt. Doch in dieser kalten Winternacht kommt er nicht so recht zur Ruhe; denn nach und nach finden sich einige Tiere ein, die der Kälte entfliehen wollen. Sie alle bitten nicht umsonst um Einlass, und so ist Tills Bett bald angefüllt mit unterschiedlichen tierischen Bettgenossen, die sich zusammen kuscheln und gegenseitig wärmen.
Es ist eine entzückende kleine Geschichte, in der Linda Ashman zeigt, dass sich bei gutem Willen auch Platz in der kleinsten Hütte - sprich: Bett - findet. Niemand wird in der Kälte stehen gelassen, bereitwillig teilen alle den Platz. Die gefälligen Reime in kindgerechter Sprache können recht schnell und begeistert von den kleinen Zuhörern mitgesprochen werden. Und so ganz nebenbei und unauffällig lernt das Kind zählen, während sich die Tierschar sukzessive vermehrt.
Chuck Groenink hat die bezaubernden Illustrationen zu dem Buch geschaffen, die sich in ruhigen, gedeckten Farbtönen präsentieren. Die großformatigen Bilder sind nicht zu detailliert ausgearbeitet, sondern konzentrieren sich auf das Wesentliche.
Unser Fazit: ein liebevoll gestaltetes, schön stabiles Pappbilderbuch, das auch (noch) ungeschickte Kleinkinderhände aushält.

Bewertung vom 19.12.2018
Meine Mutter, ihre Liebhaber und mein einsames Herz
Karrer, Cristina

Meine Mutter, ihre Liebhaber und mein einsames Herz


sehr gut

Eine komplizierte Mutter-Tochter-Beziehung

Ihre ganze Kindheit und Jugend hindurch ist Christina auf der Suche nach Liebe und Geborgenheit. Sie wächst in unterschiedlichen Familien auf: bei der Großmutter, bei Vater und Stiefmutter, im Heim, endlich auch bei ihrer geschiedenen Mutter. Diese ist nicht in der Lage, ihrem Kind Nähe und Wärme zu vermitteln; sie geht ganz in ihrem eigenen Leben auf. Trotz der Kühle ihrer Mutter versucht Christina eine gute Beziehung zu ihr herzustellen - was ihr ironischerweise am besten gelingt, als die Mutter nach ihrer Alzheimer-Diagnose selbst wieder zum Kind wird.
Die Journalistin und Reporterin Karrer berichtet in zwei Zeitebenen aus ihrem Leben. Aktuell stehen die Pflege und Sorge um ihre Mutter im Vordergrund. Doch immer wieder erzählt sie Erlebnisse aus der Vergangenheit und erinnert sich mit Wehmut, ohne nachtragend zu sein.
Dieses Buch ist die sensible Geschichte einer Tochter, die als Kind den Beistand ihrer Mutter schmerzlich vermisst, als Erwachsene jedoch Verständnis für sie entwickelt und einen Zugang zu der mittlerweile dementen Frau findet. Mein Fazit: Christina Karrer hat eine sehr ehrliche Erzählung verfasst, ohne Bitterkeit und stets optimistisch.