Benutzername: Nina
Wohnort: Sankt Augustin
Über mich: www.eseloehrchen.de
Danksagungen: 432 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 102 Bewertungen
Bewertung vom 13.11.2017
Antonias Tochter
Elias, Nora

Antonias Tochter


ausgezeichnet

Die bewegende Geschichte über die illustre Hausgemeinschaft ist im Nachkriegsköln angesiedelt und thematisiert den hungrigen Alltag und den Versuch, wieder ein bisschen Normalität in diesen zu bringen. Schon nach wenigen Zeilen habe ich mich zu Hause gefühlt und das nicht nur, weil dieser historische Roman mich in das benachbarte Köln führt. Nora Elias hat mich sofort mit ihrem lebendigen Schreibstil bezaubert, der so viel Wärme ausstrahlt aber gleichzeitig schon die Dinge beim Namen nennt. „Der Trümmerhaufen Köln wurde dem Feind überlassen“ - so wird der erste Teil übertitelt und genau das hatte ich beim Lesen vor Augen und es tat mir in der Seele weh. In diesem Trümmerhaufen treffen sich die jungen Leute, die unterschiedlicher nicht sein können bei Antonia und finden sich zu einer Wohngemeinschaft zusammen. Jeder hat sein Päckchen zu tragen und jeden mag ich auf seine Art, selbst Antonias intriganten Schwager Richard.

Nora Elias hat sich einiges einfallen lassen für die bunt zusammengewürfelte Truppe und spannt einen feinen Bogen von Spannung und Tragik. Einige unvorhergesehene Wendungen und auch Erinnerungen an die Vergangenheit ließen mich das eine und andere Mal staunen und gleichzeitig habe ich sehr viel über die ersten Nachkriegsjahre in Köln erfahren. Das hat mich besonders berührt, einfach weil es eben so nah ist.
Aber Nora Elias erzählt mit einer behutsamen Leichtigkeit und macht dieses Buch trotz des ernsten Hintergrundes zu einem sehr angenehmen Leseerlebnis. Natürlich bietet Antonias Haus ein einigermaßen passables Zuhause, das viele andere in dieser Zeit nicht hatten. Aber es war schon eine Kunst, aus nichts etwas zu essen zu zaubern und das Organisieren (der Kölner nannte es „Fringsen) wurde sehr anschaulich dargestellt. Auch wenn manches zu glatt lief, sich trotz des Männermangels die eine oder andere Liebesgeschichte anbahnte, war es streckenweise sehr dramatisch und auch fesselnd. Mit dem Ende hat Nora Elias mich dann noch mal richtig überrascht.

Fazit: Ich fand „Antonias Tochter“ einfach nur schön, sehr informativ und trotz des ernsten Hintergrundes war es für mich ein Wohlfühlbuch, das mich für einige Stunden abtauchen ließ.

Bewertung vom 13.11.2017
TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?
Miranda, Megan

TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?


weniger gut

Die beiden beworbenen Bücher habe ich nicht gelesen, aber die Vorstellung, einen Thriller rückwärts zu lesen, fand ich äußerst interessant. Schon sehr bald habe ich gemerkt, dass mir der Schreibstil nicht wirklich zusagt. Ich fand ihn von Anfang etwas verworren. Da wurde mir schon etwas mulmig, denn wie sollte das dann mit der Rückwärts-Erzählung klappen? Megan Miranda hält sich mit Kleinigkeiten auf, springt immer wieder in der Zeit. Ihre Hauptfigur Nic wollte mir einfach nicht näher kommen und auch die anderen Charaktere blieben mir fremd.

Tick Tack ist in 3 Teile gegliedert: Heimkommen, Zurückkommen und Weiterkommen. Das ergibt im Nachhinein Sinn und es beschreibt, wie sich alles für Nic entwickelt. Durch die Ich-Form sollte man auch ziemlich nah dran sein, aber das hat bei mir eben nicht funktioniert.

Für mich ist das Buch kein Thriller, auch wenn es mit einigen Thrillerelementen aufwartet. Aber die Spannung habe ich vergeblich gesucht und musste mich teilweise zwingen, weiter zu lesen, weil es mich streckenweise enorm gelangweilt hat. Aber ich wollte natürlich wissen, wie es aus geht. Das Ende fand ich dann auch eher so na ja und ich musste feststellen, dass diese Form der Erzählung nichts für mich ist.

Die großangelegte Werbekampagne hätte mich schon stutzig machen sollen, denn ein richtig gutes Buch hat das doch gar nicht nötig …

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.09.2017
Targa - Der Moment, bevor du stirbst / Targa Hendricks Bd.1
Schiller, B. C.

Targa - Der Moment, bevor du stirbst / Targa Hendricks Bd.1


ausgezeichnet

Targa ist der ungewöhnliche Name einer ungewöhnlichen jungen Frau, deren trauriger Start ins Leben im Prolog geschildert wird. Sofort überkam mich eine Welle von Mitleid. Gerade weil sie so anders ist, mochte ich sie von Anfang an.

Falk Sandmann war mir vom ersten Satz an total unsympathisch. Arrogant, sehr von sich eingenommen und mit einem abartigen Hobby, das er auf seinem Blog zelebriert. Die letzten Worte eines Menschen, bevor er stirbt. Dafür setzt er sich natürlich nicht in ein Hospiz, sondern er hilft lieber ein bisschen nach. Als Thrillerleserin habe ich ja schon in einige Abgründe geschaut, dieser hat mir eine ganz besondere Gänsehaut beschert.

Es gibt neben dem Strang von Targa und dem von Falk noch einen weiteren Strang, der in einem Hochsicherheitsgefängnis auf einer abgelegenen Insel angesiedelt ist. Das ist besonders spannend, da ich mit Carlos Schmidt einen ungewöhnlichen Häftling a la Hannibal Lecter kennen lerne. Ich habe hin und her überlegt, wie das mit Targa und Falk zusammen hänge könnte. Das ist schon ziemlich genial konstruiert und wird erst ganz am Ende schlüssig aufgelöst.

Ungewöhnlich ist auch der Aufbau, denn ich weiß ja von Anfang an, dass Falk der Täter ist. Ich darf ihm ja sogar bei seinen bösen Spielchen über die Schulter gucken, was allerdings weniger schlimm ist als befürchtet. Denn die Wortwahl von B.C. Schiller bleibt ästhetisch und sie beschreiben nur so viel wie nötig ist, um meine Nerven zu kitzeln und verzichten auf jegliche Effekthascherei. Der Kern der Geschichte ist der Kampf zwischen Targa und Falk, der zunächst gar nicht ahnt, welches Spiel Targa mit ihm treibt. Da bleibt die Spannung auf konstant hohem Level und es knistert ohne Ende.

Fazit: Für mich ist Targa die Überraschung des Jahres. Ungewöhnlich und anders und genau damit haben mich B. C. Schiller eingefangen und gefesselt.

Bewertung vom 03.09.2017
Das Opfer Null
Inverni, Federico

Das Opfer Null


sehr gut

Aufmerksam und neugierig auf „Das Opfer Null“ wurde ich durch eine Besprechung meines Lieblingsradiosenders. Ein Thriller aus Italien war für mich literarisches Neuland, aber das betrete ich ja gerne. Ohne langes Vorgeplänkel geht es dann auch schon auf den ersten Seiten richtig zur Sache mit einer wilden Schießerei und einem Wettlauf mit der Zeit. Dieses Actionspektakel hat Federico Inverni brillant in Szene gesetzt und damit die perfekte Bühne für seine beiden Hauptfiguren geschaffen. Denn direkt danach geht es schon zum nächsten Vorfall bei dem Lucas und Anna zusammen arbeiten werden.

Lucas machte auf mich sofort den Einruck „einsamer, kaputter Wolf“, nichts Neues in der Thrillerwelt, denn hier finden sich selten ganz normale Kerle in der Hauptrolle. Nun gut dachte ich mir, das kann ja dennoch ganz interessant werden. Ich muss direkt ein „aber“ hinterher schicken. Denn Lucas ist die Kälte in Person und während ich ihn begleite, habe ich mich mehr als einmal gefragt, wie ein Mensch so überleben kann. Er blieb mir fremd, die ganze Zeit und nachdem ich dann mehr über seine Vorgeschichte und das daraus resultierende Krankheitsbild erfahren habe, empfand ich neben meiner Bewunderung für seine ermittlerischen Fähigkeiten allerdings auch Mitleid. Aber Nähe konnte ich keine aufbauen.

Ihm zur Seite steht Anna, die ebenfalls einige Leichen in ihrem persönlichen Keller beherbergt, aber hier geizt Federico Inverni zunächst mit Informationen. Dafür erfahre ich umso mehr über Annas Gefühlsleben, denn sie erzählt in der Ich-Form während Lucas Part in der 3. Person erzählt wird. Diese Struktur fand ich sehr geschickt und im Nachhinein machte das auch Sinn so wie vieles mir am Ende klar wird.

Der Täter wurde schon recht früh gefunden, was mich erstaunte, hatte ich doch noch fast die Hälfte des Thrillers vor mir. Und das ist auch mein einziger Kritikpunkt. Bis zu diesem Zeitpunkt fand ich „Das Opfer Null“ sehr spannend und perfekt konstruiert. Aber dann gab es eine Wendung, die mir nicht gefallen hat, ja ich habe mich zunächst sogar richtig geärgert und mich gefragt, was das sollte. Seiten füllen? Den Leser auf eine falsche Fährte führen? Das letzte ist Federico Inverni sehr gut gelungen, er ließ mich zweifeln und in psychische Abgründe blicken. Mehr und mehr wird klar, wie alles zusammen gehört. Es ist schon eine Kunst für sich, so viele Fäden zu spinnen und keinen davon ins Leere laufen zu lassen. Das Ganze gipfelt dann in einem Ende, das nahezu perfekt erdacht ist. Der Weg dahin ist sehr spannend und enthält unzählige Wendungen und Aha-Effekte.

Fazit: Beeindruckendes und geheimnisvolles Verwirrspiel, das am Ende perfekt aufgelöst wird.

Bewertung vom 20.08.2017
The Girl Before
Delaney, J. P.

The Girl Before


ausgezeichnet

Die eigentliche Hauptperson in diesem Thriller ist ein Haus und auf den ersten Blick fand ich es einfach genial. Ich bin zwar kein absoluter Technikfreak, aber finde Innovationen auf diesem Gebiet faszinierend. Wenn da nicht all die Regeln wären … Aber die haben weder Emma noch Jane gestört. Beide sind zunächst begeistert von dem Haus und das ist nicht das einzige, was die Beiden beiden verbindet. Es ist schon fast makaber wie ähnlich sich die beiden sind. Beide mussten etwas Schreckliches erleben und brauchen dringend eine Veränderung. Da kommt ihnen das ungewöhnliche Mietangebot über das Haus Folgate Street Nr. 1 sehr gelegen. Angeschaut hätte ich mir dieses Haus gerne einmal, aber nie und nimmer hätte ich darin wohnen wollen geschweige denn, mich diesem Haus ausgeliefert. Denn genau das war es, was beide getan haben. Durch die Ich-Form war ich dann auch sehr nah dran.

Zwei Erzählstränge auf zwei Zeitebenen sind ja an sich nichts Neues, aber hier wird das, was Emma und Jane erleben, fortlaufend erzählt und so wird es fast zu einer Geschichte. Durch den ständigen Wechsel der Perspektiven in Form von sehr kurzen Kapiteln ging es flott voran. Faszinierend war, dass auch die Erlebnisse von Emma und Jane sehr ähnlich waren, so dass JP Delaney kontinuierlich weiter erzählen konnte, indem sie die Zeiten wechselte. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen verwirrend, war es aber nicht. Der einzige (Stil-) Unterschied war, dass in Janes Part Anführungszeichen benutzt wurden und in Emmas Part nicht. Außerdem waren die einzelnen kurzen Kapitel auch immer mit dem jeweiligen Namen übertitelt. Das hatte schon etwas Unheimliches und ich ahnte Böses beim Lesen.

Schon durch den Klappentext erfahre ich, dass Emma in diesem Haus gestorben ist und das steigert die Spannung noch mehr. Denn das Wie versuche ich dann zusammen mit Jane herauszufinden. Das gab mir viel Raum für Spekulationen und dennoch hat das Ende mich total überrascht!

Der Schreibstil ist gut zu lesen, der Spannungsbogen hält sich kontinuierlich und zwischendurch prickelt es auch ganz schön. Denn beide Frauen sind dem mysteriösen Architekten mit Haut und Haaren verfallen.

Fazit: Ungewöhnlicher Thriller mit einigen Überraschungen und einem besonderen Prickeln zwischen den Zeilen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 11.08.2017
Eine allgemeine Theorie des Vergessens
Agualusa, Jose E.

Eine allgemeine Theorie des Vergessens


gut

Eine wahre Geschichte über 30 Jahre Einsamkeit in einer zugemauerten Wohnung, in der Ludovica fantasievoll ihr Überleben organisiert … das klang für mich nach einer interessanten und lesenswerten Geschichte. Die ersten Seiten waren ein Genuss. José Eduardo Agualusa versteht es hervorragend, mit wenigen Worten viel zu erzählen. Ich mochte Ludo von Anfang an, gerade weil sie etwas „anders“ ist. Und ich war megagespannt, wie sie diese 30 Jahre ausfüllen wird.

Aber … leider wurde ich so nach und nach enttäuscht.

Nach einer sehr stimmigen und emotionalen Einleitung war Ludo von der Außenwelt abgetrennt und ich verlor den Zugang zu ihr. Denn ihr „Überleben“ wurde nur in Fragmenten geschildert und ich habe immer mehr Distanz zu ihr aufgebaut. Zwischen die einzelnen Kapitel wurden Tagebucheinträge von Ludo platziert, aber diese fand ich teilweise sehr verworren und habe sie manchmal einfach überlesen. Gleichzeit hat José Eduardo Agualusa viele weitere Schauplätze und Personen ins Rennen geschickt, dass ich kurz davor war, den Überblick zu verlieren. Der Schreibstil, den ich anfangs sehr gemocht habe, hat mich mehr und mehr an ein Drehbuch erinnert. Und als Film hätte mir die Geschichte auch viel besser gefallen. Aber so musste ich mich durch viele Ereignisse kämpfen, was meinen Lesefluss gestört hat. Es hatte schon etwas von einem Tarantino Drehbuch inklusive des makaberen Humors. Das waren dann meine Lichtblicke, genau wie die wunderschönen und fast schon poetischen Sätze, die José Eduardo Agualusa zwischendurch eingestreut hat ( S. 175 - Das Paradies ist unser Platz im Herzen der anderen).

Uns so hat mich das Buch mit gemischten Gefühlen zurück gelassen. Einerseits mochte ich die Sprache und die vielen Handlungsstränge, die sich am Ende alle wunderbar ineinander gefügt haben. Selbst Ludos Geheimnis wurde am Ende aufgeklärt. Aber das hat mich gleichzeitig auch gestört. Ich habe keinen Zugang zu Land und Leuten gefunden und letztendlich auch nicht zu Ludo und ihrem Schicksal.

Fazit: Eine außergewöhnliche Geschichte, die mich allerdings nicht so fesseln konnte wie anfangs erhofft.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.07.2017
Die Galerie der Düfte
Fischer, Julia

Die Galerie der Düfte


ausgezeichnet

An diesem Buch ist alles blumig und berauschend: Der Schreibstil, die Story und sogar die Aufmachung. Ich bin eigentlich kein Fan von Liebesromanen und heiler Welt, aber dieses Buch hat mich dann doch mitgenommen auf eine Reise nach Italien in den Sommer und in eine Welt der Wohlgerüche.
Der Schreibstil von Julia Fischer ist sehr ausschweifend, blumig und poetisch mit vielen detaillierten Beschreibungen, ich konnte gar nicht anders als mich treiben zu lassen und zu genießen. Ich bin ein großer Fan von allem, was gut riecht und die Officina Profumo di Santa Maria Novella – die es tatsächlich gibt - wäre ein Ort, wo ich mich unendlich lange aufhalten könnte. Und dank der intensiven Beschreibungen von Julia Fischer hatte ich tatsächlich das Gefühl, dort zu sein und der Wunsch, Florenz zu besuchen, ist gerade sehr stark. So haben mir auch die Abschnitte, die in Italien angesiedelt waren, am besten gefallen.
Aber auch in München hat Julia Fischer einen wunderbaren Ort kreiert, an dem Johanna mit ihren Eltern und Nachbarn in einer fast perfekten Gemeinschaft lebt. Alles ist harmonisch, Probleme werden gemeinsam gelöst.
Alles ist angenehm und schön, fast zu schön? Ja, es war mir persönlich zwischendurch einfach zu perfekt und zu viel heile Welt. Auch wenn es immer mal wieder dramatisch wird, auch das unterlegt Julia Fischer mit ihrer ganz eigenen Poesie und Sanftheit. Davon lebt dieses Buch, wunderschöne Beschreibungen und Sätze, die ein Lächeln ins Gesicht zaubern und die man einfach ein paar mal lesen muss, um sie zu genießen wie ein zart schmelzendes Stück Schokolade oder eben wie einen Duft, von dem man nicht genug bekommt und die Augen schließt und träumt.
Genauso empfinge ich „Die Galerie der Düfte“: eine Auszeit vom Alltag und weg träumen in eine heile duftende Welt.
Fazit: Sehr schönes und sinnliches Sommerbuch, wenn man den opulenten Schreibstil mit vielen Aufzählungen mag.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.07.2017
Dark Matter - Der Zeitenläufer
Crouch, Blake

Dark Matter - Der Zeitenläufer


sehr gut

Eine Reise in die eigene Vergangenheit hat sich bestimmt jeder schon mal gewünscht. Wie faszinierend ist es, zu erfahren, was passiert wäre, wenn ich mich an einem oder vielleicht sogar mehreren Punkten anders entschieden hätte. Blake Crouch hat in Dark Matter genau dieses Szenario geschaffen. Allerdings ist es nicht nur ein kurzer Trip in das „andere“ Leben, sondern ein Tausch und das gefällt dem Titelhelden Jason Dessen überhaupt nicht. Ich stelle es mir enorm schrecklich vor, aus meinem Leben gerissen zu werden und dann nicht zu wissen, wie ich wieder zurück gehen kann. Darum geht es hauptsächlich in Dark Matter. Jason Dessen versucht mit allen Mitteln sein bisheriges Leben, das er nun sehr viel mehr zu schätzen weiß, zurück zu bekommen und diese Reise ist gefährlich und abenteuerlich.

Ich mochte diese interessante Mischung aus Thriller und Science Fiction, wobei die Spannungselemente definitiv dominierend waren. Blake Crouch hat den Spannungsbogen von Anfang an sehr hoch gehalten und am Ende noch mal richtig Gas gegeben. Gerade bei Zeitreise-Geschichten bleibt oftmals die Logik auf der Strecke. Hier handelt es sich auch nicht wirklich um einen Zeitreiseroman sondern eher um den Einblick in ein Multiversum und das hat Blake Crouch sehr anschaulich und gut verständlich beschrieben, so dass ich mir das sehr gut vorstellen konnte. Und am Ende war ich froh, dass es so etwas nicht gibt, denn ich fand es schon sehr unheimlich und beängstigend.

Blake Crouch lässt seinen Hauptcharakter in der Ich-Form erzählen, verwendet sehr viele kurze Sätze und konzentriert sich auf das Wesentliche. Gerade diese minimalistische Art zu schreiben ist sehr eindringlich. Jasons Verzweiflung geht unter die Haut und ich habe mit ihm gehofft und gezittert. Somit wird seine Geschichte sehr persönlich.

Der „Was wäre wenn – Aspekt“ kommt ein bisschen zu kurz, Dark Matter lebt von der verzweifelten Suche nach dem Zurück. Der Klappentext hat mir etwas anderes suggeriert, aber dennoch hat mir Dark Matter gut gefallen.

Fazit: Eine spannende Mischung aus Thriller und Science Fiction mit einem erstaunlichen und nicht vorhersehbarem Ende.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.06.2017
Der Brief
Hagebölling, Carolin

Der Brief


gut

Die Frage „Was wäre wenn …“ hat sich bestimmt schon jeder gestellt und wäre es nicht total faszinierend, sich auch mal die andere Seite anzuschauen? Das Thema ist nicht neu und wurde schon in diversen Romanen und auch Filmen verarbeitet.

Hier ist ein verwirrender Brief der Auslöser und Marie macht sich auf die Suche nach ihrem anderen Leben. Das ist zunächst super spannend und der flüssige Schreibstil von … lässt mich erstmal ungeduldig durch die Seiten fliegen. Schnell wird klar, dass es da noch ein anderes Leben gibt und ich war so gespannt auf das Wie und das Warum. Kann es für all das eine vernünftige Erklärung geben?

Der Brief ist in 3 Teile gegliedert, aber schon in Teil 2 lässt für mich die Spannung merklich nach und es macht sich eher Enttäuschung breit. Nach dem geheimnisvollen Anfang hatte ich erwartet, dass es so spannend und mysteriös weiter geht. Der Lichtblick in diesem Teil sind die äußerst gelungenen Beschreibungen von Paris. Ich habe die wunderschöne Stadt an der Seine vor vielen Jahren besucht und mich sofort wieder heimisch gefühlt. Aber ansonsten fand ich Maries Besuch dort eher unspektakulär und es brachte mich nicht weiter.

Der letzte Teil plätscherte dann so vor sich hin und das Ende war überraschend unbefriedigend. Es ist rund, keine Frage, aber lässt mich mit zu vielen Fragen zurück.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.06.2017
Geständnisse
Minato, Kanae

Geständnisse


ausgezeichnet

Als ich das Buch zugeklappt habe, musste ich erst einmal tief durchatmen. Wow, was für eine Geschichte!
Die Idee, etwas aus verschiedenen Perspektiven fortlaufend zu erzählen, ist nicht neu und seit „Die Sünden meiner Väter“ bin ich ein großer Fan dieser Art zu erzählen. Aber „Geständnisse“ ist in jeder Hinsicht anders. Und für mich neu!

Der Titel könnte nicht passender gewählt sein, denn nach der Lehrerin Moriguchi kommen noch weitere Personen zu Wort und Wahrheiten an die Oberfläche, die mir teilweise den Atem nahmen. Jedem dieser Personen ist ein eigenes Kapitel gewidmet und jeder bis auf Moriguchi kommt nur einmal zu Wort. Das letzte Kapitel gehört noch einmal Moriguchi und das macht Geständnisse auf eine besondere Art „rund“.

Der Klappentext gibt nur wenig vom Inhalt preis und das ist auch gut so. „Geständnisse“ ist absolut nicht vorhersehbar und eine überraschende Wende folgte der nächsten. Das war teilweise ganz schön harter Tobak, denn Kanae Minato lässt mich in menschliche Abgründe blicken, die ich nicht erwartet habe. Einiges ist der japanischen Kultur geschuldet, die sich schon ein wenig von unserer Kultur unterscheidet. Aber vieles hätte hier genau so passieren können.

Das alles hat Kanae Minato in einem Schreibstil verfasst, den ich als zurückhaltend bezeichnen würde. Es gibt keine brutalen Szenen und auch keine wirklichen Cliffhanger, auch wenn der letzte Satz der jeweiligen Kapitel mich frösteln ließen. Sie erzeugt Spannung - ohne Frage – aber eben auf eine ganz andere Art als ich es gewohnt bin.

Fazit: Geständnisse lebt von den Geheimnissen, die so nach und nach an die Oberfläche schwappen, bringt mir die japanische Kultur etwas näher und lässt mich in menschliche Abgründe blicken.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.