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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Nina
Wohnort: Sankt Augustin
Über mich: www.eseloehrchen.de
Danksagungen: 441 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 107 Bewertungen
Bewertung vom 15.07.2018
Der Kreidemann
Tudor, C. J.

Der Kreidemann


ausgezeichnet

Die Vorschusslorbeeren waren hochkarätig, allen voran lobte der Meister himself Stephen King das Erstlingswerk von C. J. Tudor. Solche Bücher haben es bei mir meistens schwer, sind die Erwartungen doch extrem hoch.

Der Einstieg war ein bisschen gruselig und machte vor allem eins: neugierig!

Und dann fühlte ich mich tatsächlich in die Stephen King Verfilmung „Stand by me“ versetzt. Aber das war nur die Atmosphäre und die Gefühle, die ich beim Lesen hatte. Der Kreidemann kam mir seltsam vertraut vor und gleichzeitig aber auch neu. C.J.Tudor hat einfach die Stimmung wunderbar eingefangen.

Sie erzählt auf 2 Zeitebenen und gibt dabei Eddie eine Stimme. Der Kreidemann setzt da ein, wo er und Eddie das erste Mal aufeinandertreffen und 30 Jahre später erinnert sich Eddie an das, was damals geschah. In beiden Zeitebenen erzählt Eddie in der Ich-Form, so erfahre ich alles nur aus seiner kindlichen und aus seiner erwachsenen Sicht. Das macht für mich einen besonderen Reiz aus, denn der 12-jährige Eddie sieht ja vieles total anders als sein erwachsenes Ich.

Der Kreidemann entwickelt eine ganz besondere Dynamik, aber dennoch würde ich ihn nicht wirklich als Thriller bezeichnen. Es ist eine Geschichte von Freundschaft, Schuld und Sühne und das erzählt C.J. Tudor ungeheuer spannend. Ich mag ihren Schreibstil sehr, er ist leicht und dennoch anspruchsvoll und sehr lebendig.

Die Pointe am Schluss ist absolut genial! Alles löst sich auf wunderbare Weise und lässt mich mit einem leichten Schauer zurück. Wie auch oft bei King. Und so passt es Mr. King. Ich mag Ihre Bücher und auch dieses hier habe ich verschlungen!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 22.04.2018
Summ, wenn du das Lied nicht kennst
Marais, Bianca

Summ, wenn du das Lied nicht kennst


ausgezeichnet

Die Wege von Robin und Beauty treffen unweigerlich zusammen, nachdem Robin auf tragische Weise ihre Eltern verloren hat und Beauty verzweifelt ihre Tochter sucht, die nach dem Aufstand von Soweto spurlos verschwunden ist. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg und ich lerne zunächst beide sehr intensiv kennen. Die Geschichten von beiden haben mich sofort eingefangen, die eine aufgeweckt und intelligent und immer auf der Suche nach einem Abenteuer und die andere weise und besonnen. Von Anfang war mir klar, dass die beiden sich nur gut tun können und so war es dann auch. Beauty gibt dem kleinen Mädchen Halt und viele Denkanstöße und Robin gibt ihr eine Aufgabe.

Ich mochte das Buch von der ersten Seite an und das ist dem wunderschönen, fast schon poetisch anmutenden und gleichzeitig klugen Schreibstil geschuldet. Erst als ich Robin und Beauty ausgiebig kennen gelernt habe, treffen sie auf einander und dieses Treffen hatte ich schon herbei gesehnt. Ich habe mich so sehr zu Hause gefühlt in dieser Geschichte und konnte mich verlieren in dieser kleinen Kostbarkeit. Ganz besonders berührt haben mich die Abschnitte über die Trauer und so hat nicht nur Robin von Beauty gelernt sondern ich auch. Es gab viele Abschnitte, die ich am liebsten gekennzeichnet hätte und ganz viele Sätze, die ich aufgeschrieben habe, um sie nicht mehr zu vergessen. Und trotz des ernsten und traurigen Themas ist die Geschichte von Beauty und Robin leicht wie eine Feder und das ist schon eine große Kunst.

Das Buch wird oft mit „Gute Geister“ verglichen, dem kann ich nicht zustimmen. „Summ, wenn du das Lied nicht kennst“ ist so viel schöner und berührender und besser!

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.03.2018
Hologrammatica
Hillenbrand, Tom

Hologrammatica


gut

Ein ungewöhnlicher Titel in Verbindung mit einem sensationellen Cover und einer Spannung versprechenden Story – das kann doch eigentlich nur gut werden. Oder?

Tom Hillenbrands Zukunftsvision sehe ich durch die Augen von Galahad Singh, einem Quästor, der seine Suche nach der verschwundenen Computerexpertin Juliette Perotte in der Ich-Form erzählt. Singhs saloppe Sprache hat mir von Anfang an gefallen, sein Humor auch, aber Hillenbrands Affinität zu selbstkreierten (Fremd-)Wörtern hat mich immer wieder stocken lassen. Wäre das nicht auch einfacher möglich gewesen? Immer wieder stoppen, um zu googeln finde ich nicht gerade förderlich beim Lesen.

Das futuristische Szenario scheint gar nicht so weit weg, manches wie der gesprengte Eiffelturm ließ mich frösteln. Allerdings habe ich schnell festgestellt, dass ich diese „neue“ Welt überhaupt nicht mag und die Vorstellung von digitalen Gehirnen und Hüllen ließ mich noch mehr frösteln. Das schafft so mancher Thriller nicht.

Hologrammatica ist ohne Zweifel sehr spannend, allerdings fand ich es zunehmend schwierig und auch anstrengend zu lesen. Anfangs dachte ich noch, ich gewöhne mich an all die „neuen“ Begriffe, aber dem war nicht so. Ich mag Dystopien, sie sind für mich ein Nervenkitzel der besonderen Art. Aber auch wenn der Aufbau und die Zukunftsvision schlüssig sind, konnte ich mich nicht mit Hologrammatica anfreunden, was hauptsächlich am Schreibstil und an den vielen Begriffen lag. Ich musste immer wieder Pausen einlegen und habe nur zu Ende gelesen, weil ich neugierig auf die Auflösung war.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.12.2017
One to go - Auf Leben und Tod
Pace, Mike

One to go - Auf Leben und Tod


sehr gut

Manchmal entdeckt man so ganz nebenbei einen neuen Autor. So erging es mir mit Mike Pace. One to go war für den Kindle reduziert und da mich der Klappentext angesprochen hatte, war es ruckzuck auf meinem Reader. Ich war schon von den ersten Zeilen gefesselt und das setzte sich dann auch so fort bis zum Schluss.
Mike Pace hat One to go mit einem Augenzwinkern geschrieben und mit Tom Booker einen Hauptcharakter geschaffen, den ich einfach cool und sehr authentisch fand. Ich wusste ja von Anfang an, dass es sich um einen Mystery Thriller handelt und war deshalb natürlich auf ein paar surreale Elemente eingestellt. Was für eine verlockende Vorstellung, die Zeit anzuhalten, einen Fehler auszumerzen und dann so weiter machen wie bisher.
So einfach ist das aber nicht, denn alles hat seinen Preis. Diese schmerzliche Erfahrung muss Tom machen. Er versucht es auf seine Art zu regeln und obwohl One to go in der dritten Person erzählt wird, kann ich immer wieder Toms Gedanken in Kursiv-Schrift lesen. Er hat schon einen schrägen Humor, über den ich mich immer wieder köstlich amüsiert habe. Das Pikante an der Sache ist, dass der Anwalt sich nun auf die andere Seite schlagen muss und dann doch mehr Skrupel entwickelt als erwartet. Aber das diabolische Pärchen Brit und Chad sind erbarmungslos und fordern den Tribut.
Der Countdown läuft … und ich konnte das Ebook nicht mehr weglegen!
Fazit: Super spannend, schräger Humor und ein cooler Hauptakteur!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 21.11.2017
DREAM ON - Tödliche Träume (Thriller)
Stoltz, Nikolas

DREAM ON - Tödliche Träume (Thriller)


ausgezeichnet

Eine virtuelle Traumwelt, die man selbst gestalten kann – diese geniale Idee passt perfekt zu unserer Generation, die viel zu viel online ist und oftmals virtuelle Abenteuer mehr genießt als das reale Leben. Die Grundidee erinnerte mich zunächst an Second Life. Auch dort konnte man mittels selbst gestaltetem Avatar in eine völlig andere Rolle schlüpfen, sich ein zweites Leben aufbauen. Aber Dream on geht noch weiter, denn es ermöglicht den Zugang zum Unterbewusstsein des Träumenden, um den perfekten Traum zu kreieren. Die Vorstellung, sich jede Nacht an einen Wunschort zu träumen, ist natürlich sehr verlockend, aber die Gefahren hat Nikolas Stoltz sehr anschaulich dargestellt. Was passiert, wenn man die Kontrolle verliert? Wenn mein Unterbewusstsein wie ein offenes Buch lesbar ist und wie angreifbar und schwach mich das macht. Alleine diese grausige Vorstellung hat mir schon eine heftige Gänsehaut beschert.
Dream On hat mich von Anfang an fasziniert, woran der lebendige Schreibstil von Nikolas Stoltz nicht ganz unschuldig war. In der Dreamsphere schwelgt er förmlich in fantasievollen Beschreibungen, die sofort eine farbenprächtige Bilderflut in meinem Kopf ausgelöst haben. Neben diesem Overload an Luxus darf natürlich auch das gewisse Etwas an Erotik nicht fehlen und dann wiederum werde ich knallhart mit rasanten Actionszenen konfrontiert, die Nikolas Stoltz ebenfalls exzellent beherrscht. Eine perfekte Mischung, die mich an meinem Reader kleben ließ.
Nick Quentin ist so ein bisschen der Antiheld mit dem Herz auf dem rechten Fleck, den ich gerade wegen seiner Unvollkommenheit so mochte. Ihm zur Seite stehen ein paar schrullige Nerds und ich war sehr gespannt, ob und wie sie den Kampf gegen die skrupellosen Gegner aufnehmen. Die sind natürlich richtig fies und undurchsichtig, so dass ich zwischendurch gar nicht mehr wusste, wer nun mit falschen Karten spielt und wer auf welcher Seite steht.
Der Spannungsbogen war bis zum Ende straff gespannt und ich bin jetzt schon neugierig auf die Fortsetzung!

Fazit: Gnadenlose Spannung, brillant beschriebene Actionszenen und eigenwillige Charaktere in einem außergewöhnlichen Plot machen Dream On zu einem spannenden Lesevergnügen und zu einem meiner Highlights in diesem Lesejahr.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.11.2017
Antonias Tochter
Elias, Nora

Antonias Tochter


ausgezeichnet

Die bewegende Geschichte über die illustre Hausgemeinschaft ist im Nachkriegsköln angesiedelt und thematisiert den hungrigen Alltag und den Versuch, wieder ein bisschen Normalität in diesen zu bringen. Schon nach wenigen Zeilen habe ich mich zu Hause gefühlt und das nicht nur, weil dieser historische Roman mich in das benachbarte Köln führt. Nora Elias hat mich sofort mit ihrem lebendigen Schreibstil bezaubert, der so viel Wärme ausstrahlt aber gleichzeitig schon die Dinge beim Namen nennt. „Der Trümmerhaufen Köln wurde dem Feind überlassen“ - so wird der erste Teil übertitelt und genau das hatte ich beim Lesen vor Augen und es tat mir in der Seele weh. In diesem Trümmerhaufen treffen sich die jungen Leute, die unterschiedlicher nicht sein können bei Antonia und finden sich zu einer Wohngemeinschaft zusammen. Jeder hat sein Päckchen zu tragen und jeden mag ich auf seine Art, selbst Antonias intriganten Schwager Richard.

Nora Elias hat sich einiges einfallen lassen für die bunt zusammengewürfelte Truppe und spannt einen feinen Bogen von Spannung und Tragik. Einige unvorhergesehene Wendungen und auch Erinnerungen an die Vergangenheit ließen mich das eine und andere Mal staunen und gleichzeitig habe ich sehr viel über die ersten Nachkriegsjahre in Köln erfahren. Das hat mich besonders berührt, einfach weil es eben so nah ist.
Aber Nora Elias erzählt mit einer behutsamen Leichtigkeit und macht dieses Buch trotz des ernsten Hintergrundes zu einem sehr angenehmen Leseerlebnis. Natürlich bietet Antonias Haus ein einigermaßen passables Zuhause, das viele andere in dieser Zeit nicht hatten. Aber es war schon eine Kunst, aus nichts etwas zu essen zu zaubern und das Organisieren (der Kölner nannte es „Fringsen) wurde sehr anschaulich dargestellt. Auch wenn manches zu glatt lief, sich trotz des Männermangels die eine oder andere Liebesgeschichte anbahnte, war es streckenweise sehr dramatisch und auch fesselnd. Mit dem Ende hat Nora Elias mich dann noch mal richtig überrascht.

Fazit: Ich fand „Antonias Tochter“ einfach nur schön, sehr informativ und trotz des ernsten Hintergrundes war es für mich ein Wohlfühlbuch, das mich für einige Stunden abtauchen ließ.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.11.2017
TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?
Miranda, Megan

TICK TACK - Wie lange kannst Du lügen?


weniger gut

Die beiden beworbenen Bücher habe ich nicht gelesen, aber die Vorstellung, einen Thriller rückwärts zu lesen, fand ich äußerst interessant. Schon sehr bald habe ich gemerkt, dass mir der Schreibstil nicht wirklich zusagt. Ich fand ihn von Anfang etwas verworren. Da wurde mir schon etwas mulmig, denn wie sollte das dann mit der Rückwärts-Erzählung klappen? Megan Miranda hält sich mit Kleinigkeiten auf, springt immer wieder in der Zeit. Ihre Hauptfigur Nic wollte mir einfach nicht näher kommen und auch die anderen Charaktere blieben mir fremd.

Tick Tack ist in 3 Teile gegliedert: Heimkommen, Zurückkommen und Weiterkommen. Das ergibt im Nachhinein Sinn und es beschreibt, wie sich alles für Nic entwickelt. Durch die Ich-Form sollte man auch ziemlich nah dran sein, aber das hat bei mir eben nicht funktioniert.

Für mich ist das Buch kein Thriller, auch wenn es mit einigen Thrillerelementen aufwartet. Aber die Spannung habe ich vergeblich gesucht und musste mich teilweise zwingen, weiter zu lesen, weil es mich streckenweise enorm gelangweilt hat. Aber ich wollte natürlich wissen, wie es aus geht. Das Ende fand ich dann auch eher so na ja und ich musste feststellen, dass diese Form der Erzählung nichts für mich ist.

Die großangelegte Werbekampagne hätte mich schon stutzig machen sollen, denn ein richtig gutes Buch hat das doch gar nicht nötig …

1 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.09.2017
Targa - Der Moment, bevor du stirbst / Targa Hendricks Bd.1
Schiller, B. C.

Targa - Der Moment, bevor du stirbst / Targa Hendricks Bd.1


ausgezeichnet

Targa ist der ungewöhnliche Name einer ungewöhnlichen jungen Frau, deren trauriger Start ins Leben im Prolog geschildert wird. Sofort überkam mich eine Welle von Mitleid. Gerade weil sie so anders ist, mochte ich sie von Anfang an.

Falk Sandmann war mir vom ersten Satz an total unsympathisch. Arrogant, sehr von sich eingenommen und mit einem abartigen Hobby, das er auf seinem Blog zelebriert. Die letzten Worte eines Menschen, bevor er stirbt. Dafür setzt er sich natürlich nicht in ein Hospiz, sondern er hilft lieber ein bisschen nach. Als Thrillerleserin habe ich ja schon in einige Abgründe geschaut, dieser hat mir eine ganz besondere Gänsehaut beschert.

Es gibt neben dem Strang von Targa und dem von Falk noch einen weiteren Strang, der in einem Hochsicherheitsgefängnis auf einer abgelegenen Insel angesiedelt ist. Das ist besonders spannend, da ich mit Carlos Schmidt einen ungewöhnlichen Häftling a la Hannibal Lecter kennen lerne. Ich habe hin und her überlegt, wie das mit Targa und Falk zusammen hänge könnte. Das ist schon ziemlich genial konstruiert und wird erst ganz am Ende schlüssig aufgelöst.

Ungewöhnlich ist auch der Aufbau, denn ich weiß ja von Anfang an, dass Falk der Täter ist. Ich darf ihm ja sogar bei seinen bösen Spielchen über die Schulter gucken, was allerdings weniger schlimm ist als befürchtet. Denn die Wortwahl von B.C. Schiller bleibt ästhetisch und sie beschreiben nur so viel wie nötig ist, um meine Nerven zu kitzeln und verzichten auf jegliche Effekthascherei. Der Kern der Geschichte ist der Kampf zwischen Targa und Falk, der zunächst gar nicht ahnt, welches Spiel Targa mit ihm treibt. Da bleibt die Spannung auf konstant hohem Level und es knistert ohne Ende.

Fazit: Für mich ist Targa die Überraschung des Jahres. Ungewöhnlich und anders und genau damit haben mich B. C. Schiller eingefangen und gefesselt.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 03.09.2017
Das Opfer Null
Inverni, Federico

Das Opfer Null


sehr gut

Aufmerksam und neugierig auf „Das Opfer Null“ wurde ich durch eine Besprechung meines Lieblingsradiosenders. Ein Thriller aus Italien war für mich literarisches Neuland, aber das betrete ich ja gerne. Ohne langes Vorgeplänkel geht es dann auch schon auf den ersten Seiten richtig zur Sache mit einer wilden Schießerei und einem Wettlauf mit der Zeit. Dieses Actionspektakel hat Federico Inverni brillant in Szene gesetzt und damit die perfekte Bühne für seine beiden Hauptfiguren geschaffen. Denn direkt danach geht es schon zum nächsten Vorfall bei dem Lucas und Anna zusammen arbeiten werden.

Lucas machte auf mich sofort den Einruck „einsamer, kaputter Wolf“, nichts Neues in der Thrillerwelt, denn hier finden sich selten ganz normale Kerle in der Hauptrolle. Nun gut dachte ich mir, das kann ja dennoch ganz interessant werden. Ich muss direkt ein „aber“ hinterher schicken. Denn Lucas ist die Kälte in Person und während ich ihn begleite, habe ich mich mehr als einmal gefragt, wie ein Mensch so überleben kann. Er blieb mir fremd, die ganze Zeit und nachdem ich dann mehr über seine Vorgeschichte und das daraus resultierende Krankheitsbild erfahren habe, empfand ich neben meiner Bewunderung für seine ermittlerischen Fähigkeiten allerdings auch Mitleid. Aber Nähe konnte ich keine aufbauen.

Ihm zur Seite steht Anna, die ebenfalls einige Leichen in ihrem persönlichen Keller beherbergt, aber hier geizt Federico Inverni zunächst mit Informationen. Dafür erfahre ich umso mehr über Annas Gefühlsleben, denn sie erzählt in der Ich-Form während Lucas Part in der 3. Person erzählt wird. Diese Struktur fand ich sehr geschickt und im Nachhinein machte das auch Sinn so wie vieles mir am Ende klar wird.

Der Täter wurde schon recht früh gefunden, was mich erstaunte, hatte ich doch noch fast die Hälfte des Thrillers vor mir. Und das ist auch mein einziger Kritikpunkt. Bis zu diesem Zeitpunkt fand ich „Das Opfer Null“ sehr spannend und perfekt konstruiert. Aber dann gab es eine Wendung, die mir nicht gefallen hat, ja ich habe mich zunächst sogar richtig geärgert und mich gefragt, was das sollte. Seiten füllen? Den Leser auf eine falsche Fährte führen? Das letzte ist Federico Inverni sehr gut gelungen, er ließ mich zweifeln und in psychische Abgründe blicken. Mehr und mehr wird klar, wie alles zusammen gehört. Es ist schon eine Kunst für sich, so viele Fäden zu spinnen und keinen davon ins Leere laufen zu lassen. Das Ganze gipfelt dann in einem Ende, das nahezu perfekt erdacht ist. Der Weg dahin ist sehr spannend und enthält unzählige Wendungen und Aha-Effekte.

Fazit: Beeindruckendes und geheimnisvolles Verwirrspiel, das am Ende perfekt aufgelöst wird.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.08.2017
The Girl Before
Delaney, J. P.

The Girl Before


ausgezeichnet

Die eigentliche Hauptperson in diesem Thriller ist ein Haus und auf den ersten Blick fand ich es einfach genial. Ich bin zwar kein absoluter Technikfreak, aber finde Innovationen auf diesem Gebiet faszinierend. Wenn da nicht all die Regeln wären … Aber die haben weder Emma noch Jane gestört. Beide sind zunächst begeistert von dem Haus und das ist nicht das einzige, was die Beiden beiden verbindet. Es ist schon fast makaber wie ähnlich sich die beiden sind. Beide mussten etwas Schreckliches erleben und brauchen dringend eine Veränderung. Da kommt ihnen das ungewöhnliche Mietangebot über das Haus Folgate Street Nr. 1 sehr gelegen. Angeschaut hätte ich mir dieses Haus gerne einmal, aber nie und nimmer hätte ich darin wohnen wollen geschweige denn, mich diesem Haus ausgeliefert. Denn genau das war es, was beide getan haben. Durch die Ich-Form war ich dann auch sehr nah dran.

Zwei Erzählstränge auf zwei Zeitebenen sind ja an sich nichts Neues, aber hier wird das, was Emma und Jane erleben, fortlaufend erzählt und so wird es fast zu einer Geschichte. Durch den ständigen Wechsel der Perspektiven in Form von sehr kurzen Kapiteln ging es flott voran. Faszinierend war, dass auch die Erlebnisse von Emma und Jane sehr ähnlich waren, so dass JP Delaney kontinuierlich weiter erzählen konnte, indem sie die Zeiten wechselte. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen verwirrend, war es aber nicht. Der einzige (Stil-) Unterschied war, dass in Janes Part Anführungszeichen benutzt wurden und in Emmas Part nicht. Außerdem waren die einzelnen kurzen Kapitel auch immer mit dem jeweiligen Namen übertitelt. Das hatte schon etwas Unheimliches und ich ahnte Böses beim Lesen.

Schon durch den Klappentext erfahre ich, dass Emma in diesem Haus gestorben ist und das steigert die Spannung noch mehr. Denn das Wie versuche ich dann zusammen mit Jane herauszufinden. Das gab mir viel Raum für Spekulationen und dennoch hat das Ende mich total überrascht!

Der Schreibstil ist gut zu lesen, der Spannungsbogen hält sich kontinuierlich und zwischendurch prickelt es auch ganz schön. Denn beide Frauen sind dem mysteriösen Architekten mit Haut und Haaren verfallen.

Fazit: Ungewöhnlicher Thriller mit einigen Überraschungen und einem besonderen Prickeln zwischen den Zeilen.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.