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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Nina
Wohnort: Sankt Augustin
Über mich: www.eseloehrchen.de
Danksagungen: 471 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 122 Bewertungen
Bewertung vom 15.09.2019
Der Sprung
Lappert, Simone

Der Sprung


sehr gut

Das Buch startet heftig, der titelgebende Sprung wird fast schon viel zu schön beschrieben. Das ging mir total unter die Haut, hat mich etwas verwirrt und vor allen Dingen neugierig gemacht. Intensiv ist das Wort, das mir schon nach wenigen Seiten im Kopf herumging und das sollte sich auch bis zum Ende nicht ändern.

Durch den Klappeninnentext weiß ich ja, wer auf dem Dach steht. Aber das nimmt dem Buch nicht die Spannung, ganz im Gegenteil, ich will unbedingt wissen, was diese junge Frau dazu bewegt hat, diesen Schritt zu gehen. Ich lerne Manu kennen und noch einige andere Mitmenschen aus der Kleinstadt, in der sie als Gärtnerin arbeitet. Aber wie das auch in kleinen Orten so ist, man kennt sich vielleicht vom Sehen und manchmal noch nicht mal das. Die einzelnen Reaktionen auf die junge Frau auf dem Dach sind so gut nachvollziehbar, obwohl sie mich teilweise unglaublich wütend und auch traurig gemacht haben.

Sprachlich ist „Der Sprung“ ein kleiner Leckerbissen. Simone Lappert hat eine sehr gute Beobachtungsgabe und sie schafft es, diese Beobachtungen sehr interessant und authentisch an den Leser weiter zu geben. Jedes Kapitel ist einer anderen Person gewidmet, die ich beobachte und manche Handlungen sind ganz zaghaft miteinander verzahnt. Ich mag diese stilistischen Mittel sehr. Insgesamt verweile ich nur 3 Tage in dem kleinen Örtchen und in dieser Zeit finden auffallend viele Veränderungen statt. Simone Lappert verdeutlicht hier, wie sehr unser aller Leben zusammenhängt und welche Auswirkungen die Entscheidungen haben, die wir ganz spontan treffen. Allein schon dafür finde ich das Buch besonders. Es hält uns einen Spiegel vor und manch einer wird sich wieder finden in einer der Persönlichkeiten.
Die einzelnen Charaktere wurden sehr authentisch dargestellt. Leider wurden hier auch einige Klischees bedient, aber das ist der Authentizität geschuldet und daher verzeihlich. Einige Personen mochte ich sehr, andere fand ich nichtssagend und wieder andere mochte ich überhaupt nicht. Aber das ist ganz individuell. Ich würde fast sagen, da ist für jeden jemand dabei, den er mögen oder nicht mögen kann.

„Der Sprung“ regt definitiv zum Nachdenken an, es ist so intensiv geschrieben, dass man es noch ein paar Mal lesen kann und immer wieder wird man Neues finden. Ich bin äußerst froh, dass ich diese besondere kleine Geschichte, die ich nicht so schnell vergessen werde, für mich entdeckt habe.

Bewertung vom 05.09.2019
Die letzte Witwe / Georgia Bd.7
Slaughter, Karin

Die letzte Witwe / Georgia Bd.7


ausgezeichnet

Ich habe es mal wieder geschafft, mitten in eine Serie zu stolpern. Es handelt sich hier bereits um den siebten Teil der Georgia Serie. Aber das macht überhaupt nichts. Ich hatte zu keiner Zeit, das Gefühl, irgendetwas nicht zu wissen oder zu verstehen.

Karin Slaughter erzählt von Anfang an in 2 verschiedenen Strängen, einmal Sara und einmal Will. Als sie noch zusammen sind, finde ich das etwas überflüssig und langatmig, denn mir wird die Handlung einfach nur aus 2 Perspektiven erzählt. Aber das ändert sich schnell, denn als Sara gezwungen wird, mit den Entführern mitzufahren, über die ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts weiß, trennen sich ihre Wege. Und von da an wird es richtig spannend.

Der Plot ist sehr komplex und verdammt gut aufbaut. Es ist wie ein Puzzle, von dem so nach und nach die Teile aufgedeckt werden. Je mehr ich erfahre, um so ungeheuerlicher finde ich das Vorhaben des militanten Netzwerks. Dadurch, dass ich alles durch die Augen von Sara und Will entdecke, nähere ich mich von 2 Seiten, was ich sehr faszinierend finde.

Karin Slaughter glänzt durch interessantes Hintergrundwissen und mit einem Schreibstil, der mich sofort abholt. Sie erklärt alles sehr verständlich, lässt immer wieder ein paar Informationen über die Beziehung von Sara und Will einfließen und auch über alles andere, was ich hier wissen muss.

Ich kannte Sara und Will bisher noch nicht, kann mir aber gut ein Bild machen, wobei mir Will ein bisschen besser gefällt als Sara. Ich kann mich so gut in seine Situation hineinversetzen, vor allem als er hilflos mit ansehen muss, wie seine Liebste entführt wird. Sara ist ziemlich taff, ich hätte in so einer Situation viel früher kapituliert, aber sie meistert ihre Misere mit Bravour, was mich sehr beeindruckt hat. Die Beziehung zwischen Will und Sara wird ebenfalls thematisiert, dadurch wird die ganze Story ziemlich emotional und ich habe die ganze Zeit gehofft und mitgefiebert.

Der Gegenpart Dash ist eine ziemlich charismatische Persönlichkeit und ich musste mich anfangs zwingen, ihn nicht zu mögen. Da hat Karin Slaughter mit mir gespielt, aber je mehr über ich über Dash und seine Ziele erfahren habe, umso mehr konnte ich ihn verabscheuen. Es ist schon krass, wie manipulierbar Menschen sind und genau so krass ist es, wozu Menschen in der Lage sind.

Die Thematik Neofaschismus ist natürlich nicht neu, aber Karin Slaughter hat dem Terror hier ein neues Gesicht gegeben und ihren Thriller raffiniert aufgebaut und die Spannung immer weiter gesteigert. Dabei ist erstaunlich wenig Blut geflossen, was ich immer sehr begrüße. Sie erzeugt den Grusel hier auf eine viel effektivere und intelligentere Art.

Fazit: Schon lange habe ich keinen so intelligenten und mitreißenden Thriller mehr gelesen. Sehr interessante Thematik, beeindruckende Figuren und ein Plot, der noch lange Gänsehaut bereiten wird!

Bewertung vom 13.08.2019
Perfectly Broken
Stankewitz, Sarah

Perfectly Broken


gut

Das Schlimmste, was passieren kann, ereignet sich an Brooklyns Geburtstag. Ihre große Liebe Thomas wird ihr durch einen Autounfall genommen. Mir standen beim Lesen des Prologs die Tränen in den Augen und ich habe auf eine tragische und kitschfreie Liebesgeschichte gehofft. Mein Maßstab in diesem Genre ist schon seit vielen Jahren „P.S. Ich liebe Dich“, aber seitdem hat es kaum ein Buch geschafft, mich genau so zu begeistern.

Ein Jahr später geht es Brooklyn immer noch nicht viel besser und daher beschließt sie einen Ortswechsel. Ein neuer Job soll ihr helfen, gefühlsmäßig wieder auf die Beine zu kommen. Ein neuer Nachbar vielleicht auch?
Die Häuser in England sind schon etwas anders gestaltet als hier und so konnte ich mir die Altbauwohnung mit der Tür zwischen den beiden Wohnungen gut vorstellen. Die Idee, jemanden durch die geschlossene Tür und zunächst nur durch Gespräche kennen zu lernen, hat was und ich fand die ersten Annäherungsversuche durchaus gelungen.

Sarah Stankewitz lässt hauptsächlich Brooklyn in der Ich-Form erzählen, aber hin und wieder kommt auch Chase zu Wort. Es fällt schwer, die beiden jungen Leute nicht zu mögen, der sanfte fast schon liebevolle Schreibstil ist daran nicht ganz unschuldig.

Warum mir das Buch dann letztendlich doch nicht so gut gefallen hat?
Der Prolog war glaubwürdig und ging unter die tränennasse Haut. Aber die Tränen von Brooklyn auf gefühlt jeder zweiten Seite fand ich irgendwann nur noch nervig. Sie hat sich ein bisschen zu viel angestellt, obwohl ich ihre Intention ja sogar verstehen konnte. Chase war mir einfach zu viel der nette Junge von nebenan. Damit er nicht zu langweilig wird, hat Sarah Stankewitz dann noch ein bisschen mehr Dramatik eingebaut, aber das war mir schon zu viel des Guten.

Ich mag zwischendurch auch gerne mal eine Liebesgeschichte lesen und ich mag es auch mit ganz viel Gefühl. Aber hier war mir irgendwann einfach alles zu viel: zu viele Tränen, zu viele Klischees und zu viel Kitsch. Und zu wenig Inhalt! Das konnte mich nicht dauerhaft fesseln.

Wer einfach mal mit einer gefühlvollen Geschichte abschalten will, ist hier richtig. Ich brauche schon ein bisschen mehr, um ein Buch in diesem Genre wirklich gut zu finden.

Bewertung vom 27.07.2019
Something in the Water - Im Sog des Verbrechens
Steadman, Catherine

Something in the Water - Im Sog des Verbrechens


gut

Ob es so eine gute Idee ist, ganz am Anfang schon über das Ende zu schreiben? In diesem Fall hat es mich auf jeden Fall sehr neugierig gemacht.

Ich mag gar nicht verraten, was da am Anfang / Ende passiert (wer jetzt neugierig ist, findet die Antwort in der Leseprobe), aber es hat mich einerseits überrascht und auch schockiert und ich wollte unbedingt wissen, wie es dazu kommt, dass Erin ein Grab ausheben muss.

Dann geht Catherine Steadman drei Monate zurück, es ist der Jahrestag von Erin und ihrem Mark und ich erfahre dann in allen Einzelheiten, wie die beiden sich kennengelernt haben, ich werde Zeuge ihrer Hochzeitsvorbereitungen, ich lerne Erins Job kennen und denke so bei mir, wann passiert denn nun endlich mal etwas. Viel zu ausschweifend und detailliert erzählt Catherine Steadman. Ich habe alles aufmerksam gelesen, man weiß ja nie, ob solche Details, nicht irgendwann vielleicht eine Rolle spielen, aber am Ende wurde ich dann eines Besseren belehrt.

Leider ist mir Erin auch noch sehr unsympathisch und durch die Ich-Form bin ich dann ganz nah dran an ihr und ihren Gedanken. Ich kann so vieles nicht nachvollziehen und verstehen. Viele Gedanken wiederholen sich, sie verzettelt sich. Das zieht sich durch das ganze Buch und es ist klar, dass die Spannung dabei auf der Strecke bleibt. Außerdem werde ich als Leser sehr oft persönlich angesprochen. Das muss man mögen, ich mag es nicht!

So hat sich dieser viel beworbene Thriller für mich als ziemlicher Reinfall erwiesen, den ich weder spannend noch gut geschrieben fand.

Bewertung vom 16.07.2019
Verrückt nach Karten

Verrückt nach Karten


ausgezeichnet

Mit seinen wunderschönen, detaillierten Karten und den fantastischen Hintergrundgeschichten dazu richtet sich dieses einzigartige Buch in erster Linie an alle, die ein Faible für Fantasy, Abenteuer und neue Welten in sich tragen. Das großformatige Buch ist sehr hochwertig verarbeitet und mit viel Liebe gestaltet. Auf über 250 Seiten erfahren wir in den insgesamt vier Kapiteln

• Täuschend echt
• Literarische Karten
• Karten erstellen
• Karten lesen

und einem Prolog und Epilog viele interessante Details über die Welt der Literatur und wie Autoren von Land und Seekarten zu ihren Geschichten inspiriert wurden.

Die zumeist farbigen Karten werden von fantasievollen Geschichten begleitet. Die einzelnen Autoren beschreiben sehr schön, wie sie anhand von Karten ihre Figuren und Abenteuer entwickelt haben. Mit dabei sind beispielsweise J.R.R. Tolkien, Jules Verne oder J.K. Rowling, die einzigartige Einblicke in die Entstehungsgeschichte ihrer Werke geben.

Ein extrem liebevoll gestaltetes Buch, welche sich vor allem als Geschenk für lesefreudige Kinder jeden Alters eignet. Man kann es übrigens auch hervorragend in Häppchen lesen und es macht sich im Bücherregal als optisches Highlight sehr sehr gut.

Ein wunderschöner Ausflug in die Welt der fantastischen Literatur und der zugehörigen Welten.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 27.06.2019
Der Zopf meiner Großmutter
Bronsky, Alina

Der Zopf meiner Großmutter


weniger gut

Nicht mein Humor

Scheinbar hat Alina Bronsky in Faible für etwas skurrile Großmütter und Margarita Iwanowna ist ein besonders „nettes“ Exemplar. Sie hat mit ihrem Zopf nicht nur für den Titel gesorgt, nein sie hat es schon nach wenigen Seiten geschafft, nicht nur ihren Enkel zur Witzfigur zu machen, sondern auch mich vom Lesen abzuhalten. Dabei klang der Klappentext ja durchaus interessant und humorvoll.

Aber was im Klappentext so witzig klingt, ist es in dem Buch gar nicht. Mir blieb beim Lesen oft selbst das Lächeln im Hals stecken. Alina Bronsky hat ihre Figuren etwas überzeichnet, Max und vor allen Dingen auch seine Großmutter. Die anderen Figuren sind eigentlich nur Statisten, die mal mehr, mal weniger wichtig sind.

Die ganze Geschichte wird aus der Sicht von Max erzählt, also folge ich seinen Gedanken und seinen Wahrnehmungen. Er navigiert virtuos durch die Gefühlsausbrüche seiner Großmutter, nimmt alles scheinbar gelassen hin, auch dass sie ihn ständig als Schwachkopf bezeichnet und versucht, ihn vor allen westlichen Widrigkeiten zu beschützen. Dabei wirkt er so viel reifer als man es in seinem Alter vermuten könnte und das ist dann auch mein erster Kritikpunkt. Anfangs ist Max gerade mal sechs Jahre alt und so viel Weisheit und Gelassenheit legt ein Sechsjähriger einfach nicht an den Tag.

Das Verhalten der Großmutter hat mich von Anfang an sehr genervt. Zum einen fand ich ihre Aktionen total übertrieben und gemein und dann wiederholten sich ihre Boshaftigkeiten auch noch ständig. Der Humor von Alina Bronsky ist sehr speziell und konnte mich nicht erreichen.
Die Handlung fand ich sehr konstruiert und unglaubwürdig. Wenn man etwas unbedingt erzählen möchte, dann biegt man sich die Geschehnisse schon mal ein wenig zurecht. Aber hier verstehe ich den Sinn und Zweck einfach nicht, was ja durchaus auch an mir liegen kann. Denn ich habe die Message zwischen den Zeilen nicht verstanden! Falls es denn eine gibt …

Anfangs wurde vieles sehr breit getreten, aber dann zieht Alina Bronsky das Tempo enorm an und ich haste eher durch die Geschichte bis zu einem Ende, das mich kopfschüttelnd zurück lässt.

Auch dieses Buch mag seine Liebhaber finden, aber für mich war es eine herbe Enttäuschung. Ich konnte weder mit den Figuren noch mit der Geschichte warm werden …

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.06.2019
Marina, Marina
Landau, Grit

Marina, Marina


ausgezeichnet

Es ist das Jahr 1960. Aus den Transistorradios erklingt der Ohrwurm „Marina Marina“ und Nino Lanteri, gerade mal 13 Jahre alt, verliebt sich in die Mutter seines besten Freundes, in Marina.

Damit beginnt die Geschichte von Sant’Amato, einem kleinen Dorf an der italienischen Riviera. Ich bin schon nach wenigen Seiten verliebt in Sant’Amato und in den wunderschönen Schreibstil von Grit Landau, der mich sofort nach Italien bringt. Und das liegt nicht nur an den vielen italienischen Worten und den italienischen Nummerierungen der einzelnen Kapitel. Nein, es ist Grit Landaus Liebe zu Italien, die immerfort durchblitzt und auf mich überspringt wie ein Funke. Ich habe Sant’Amato natürlich sofort gegoogelt und musste dann feststellen, dass es nur fiktiv ist. Aber ich bin sicher, dass es für viele ähnliche Dörfer in Italien steht.

Wer hier einen locker leichten Urlaubsschmöker erwartet, wird enttäuscht sein. Ich war begeistert! Denn Marina Marina ist alles andere und so viel mehr als das! Was so schön leicht beginnt, wird nämlich ganz schön ernst. Neben viel Amore gibt es auch Besinnliches und Historisches.

Marina Marina ist die Geschichte von Sant’Amato und seinen Bewohnern, die Grit Landau in vielen Abschnitten und Zeiträumen erzählt. Jedem Jahr ist eine Begebenheit gewidmet, die wechselnde Hauptpersonen hat, die ich über einen langen Zeitraum begleite. Untermalt von den jeweiligen italienischen Hits, die ich bis auf wenige Ausnahmen alle kenne und die mich beim Lesen in meinem Kopf nicht verlassen. Eine sehr schöne Idee! Ich konnte fast alle mitsingen, aber es ist Marinas Lied, was mich seitdem begleitet, obwohl ich das Buch schon längst ausgelesen habe. Und so oft ich Marinas Lied summe, klingen auch die Geschichten nach.

Ich habe Sant’Amato viele Jahre begleitet und in meinem Geburtsjahr musste ich das erste Mal heftig schlucken beim Lesen und konnte dann meine Tränen nicht zurückhalten, denn es passieren auch traurige Sachen in Sant’Amato. In jeder Geschichte stecken sehr viele Emotionen und schon bald lebt ein Teil von mir in dem kleinen Dorf an der italienischen Riviera. Deshalb treffen mich die Schicksalsschläge mit voller Wucht. Und dann geht Grit Landau viele Jahre zurück in die Vergangenheit und ich verstehe die Zusammenhänge und Hintergründe noch besser. Italien war für mich bisher Sommer, Sonne, Spaß und vielleicht noch Fußball. Aber die politischen Ereignisse des letzten Jahrhunderts waren mir nie so bewusst. Ich habe sehr viel über die italienische Geschichte im zweiten Weltkrieg und auch danach erfahren und sehe dieses wunderschöne Land und seine Bewohner nun mit anderen, noch liebevolleren Augen.

Ja, ich habe für einige Zeit in Sant’Amato „gewohnt“ und war sehr traurig, als ich die letzte Seite gelesen habe und ich mich verabschieden musste von Marina.

Fazit: Ein wunderschönes, tiefgründiges und liebevolles Buch, dessen Geschichten noch lange in meinem Kopf nachklingen werden.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.04.2019
Kaschmirgefühl
Aichner, Bernhard

Kaschmirgefühl


gut

Ganz nett
Als ich die Ankündigung zu dem neuen Roman von Bernhard Aichner gesehen habe, konnte ich es kaum glauben. Ein Roman über Liebe? Da war ich natürlich sehr neugierig und mächtig gespannt.

Aichners Vorliebe für authentische Dialoge sind mir hinreichend bekannt, haben sie doch schon in der Totenfrautrilogie und in Bösland für das gewisse Etwas gesorgt. In Kaschmirgefühl lebt er diese Vorliebe exzessiv aus. Denn das gesamte Buch ist ein einziger Dialog, der sich in einer Nacht abspielt. Ich werde Zeuge, wie Gottlieb immer weiter bei Marie anruft. Denn die Zeiten für solche Anrufe sind begrenzt, wenn ich Aichner Glauben schenken darf, um die ohnehin schon hohen Verbindungskosten nicht in schwindelnde Höhen zu treiben, was ja durchaus passieren kann, wenn man vor lauter Entspannung das Auflegen vergisst. Aber ich schweife ab.

Anfangs fand ich das Gespräch von Gottlieb und Marie sehr interessant. Ich habe die ganze Zeit auf den Megaknaller gewartet, auf die alles verändernde Wendung. So wie ich es von Bernhard Aichner aus seinen bisherigen Büchern gewohnt war. Denn hier schreibt doch ein Thriller Autor. Dachte ich!

Aber das Gespräch zwischen Marie und Gottfried plätschert weiter vor sich hin. Die beiden haben von Anfang an gelogen, dass sich die Balken biegen. Erst fand ich das witzig und dann aber immer weniger. Denn ich verabscheue Lügen und wenn ein ganzer Roman aus Lügen besteht …

Die Dialoge sind sehr authentisch, ich habe tatsächlich das Gefühl, ich belausche ein Telefongespräch, was ja schon seinen gewissen Reiz hat. Aber so wie ich das trotz meiner angeborenen Neugier keine ganze Nacht aushalten würde, wurde es mir auch hier zwischendurch ein bisschen langweilig. Obwohl das Buch nur 188 Seiten hat. Es passiert einfach nicht viel, die Lügen sind haarsträubend, aber das lutscht sich ganz schnell aus.
Das Ende ist dann zwar schon sehr süß, genau wie die Idee, die dahinter steckt. Und Kachmirgefühl ist mit Sicherheit eine der kitschfreiesten Liebesgeschichten, die ich jemals gelesen habe.

Aber dennoch stellte sich bei mir am Ende kein wohliges Gefühl ein. Ich habe vielleicht zu viel erwartet und mehr als ein „ganz nett“ kann ich dieser ungewöhnlichen Geschichte leider nicht geben.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.04.2019
The Hurting
Smit, Lucy van

The Hurting


sehr gut

Die ersten Seiten haben mich so dermaßen fasziniert, ich musste dieses Buch unbedingt lesen. Denn ich konnte mich gar nicht mehr losreißen. Zunächst dachte ich zwar, das ist eine von diesen vielen herzzerreißenden Stories über den Krebs, der ein junges Mädchen heimsucht und die ganze Familie muss darunter leiden. Aber so war es hier nicht, obwohl das wohl der Grund ist, warum Nell sich mit Haut und Haaren auf Lukas einlässt und alle Warnsignale ignoriert. Denn wenn man immer nur die zweite Geige spielt, weil die ältere Schwester sehr krank ist, ja dann ist man sehr empfänglich für ungeteilte Aufmerksamkeit und die große Liebe. Nell hat kein leichtes Leben, mit ihrer Schwester verbindet sie eine Art Hassliebe, ihre Mutter hat vor vielen Jahren die Familie verlassen und der Vater ist seitdem dem Alkohol verfallen. Also beste Voraussetzungen, sich blind auf jemanden einzulassen, der ihr die dringend nötige Aufmerksamkeit gibt.
Die meiste Zeit erzählt Nell, der Schreibstil ist dementsprechend altersgemäß locker, witzig und modern. Ganz wenige Kapitel sind allerdings Lukas gewidmet und die haben mir teilweise richtig Gänsehaut beschert. Er erzählt zwar nicht selbst und durch die Erzählform habe ich ein wenig Abstand, aber seine Gedanken sind extrem düster. Was für eine arme Seele, dessen Leben zwar anders aber nicht weniger schmerzvoll als das von Nell verlaufen ist. Er hat meine Sympathie sehr oft, aber manchmal hat es mich sehr gegruselt, weil seine Abgründe extrem tief sind.
The Hurting ist in drei Teile gegliedert: Liebe, Rettung, Opfer. Den Anfang fand ich total faszinierend und ich konnte mich dem Sog, den The Hurting auf mich ausübte, kaum entziehen. Aber dann wurde es zwar immer dramatischer, aber auch übertrieben und ein bisschen detailverliebt. Das war mir etwas zu viel und hat mir zwischendurch ein bisschen die Leselust genommen. Der Spannungsbogen wurde dennoch konstant gehalten und einige Erkenntnisse haben mir den Atem geraubt. Besonders der innere Konflikt von Nell wurde sehr glaubhaft dargestellt.
Ich mag das Buch, aber es ist nicht einfach und keineswegs ein Wohlfühlbuch, obwohl es sehr intensiv und emotional geschrieben ist. Es führt mich an Abgründe, die ich in meinem eigenen Leben nicht haben möchte.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 27.03.2019
Der Wal und das Ende der Welt
Ironmonger, John

Der Wal und das Ende der Welt


ausgezeichnet

Die Geschichte hat mich von Anfang an berührt, obwohl ich gar nicht genau wusste, auf was ich mich hier einlasse. Der Klappentext ist eher geheimnisvoll und hat mich sofort angesprochen.

Ich kann sofort eintauchen in die Geschichte von Joe und dem Wal. Dachte ich zunächst, dass es sich hier um einen gut erzählten Wohlfühlroman handelt, werde ich schnell eines Besseren belehrt. Joes bisheriges Leben wird so nach und nach aufgerollt und mir wurde richtig mulmig, als klar war, was er vorher gemacht hat. Kann man wirklich Katastrophen im voraus berechnen? Das ist nur eine der vielen Fragen, denen er nachgegangen ist. Ganz ehrlich, bei einigen Szenarien wurde mir angst und bange. Was zum Beispiel ein Stromausfall in kurzer Zeit bewirken kann, wissen alle, die Blackout gelesen haben. So viele Wahrheiten verpackt in einem wunderschön zu lesenden Roman. Es geht um den Sinn und Unsinn von Kriegen, es geht um Ressourcen und Katastrophen. Es geht um den Glauben und die Menschen.

„Die Menschheit ist nur drei volle Mahlzeiten von der Anarchie entfernt“

Das ist einer von vielen Sätzen, die mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Und dann bin ich wieder im beschaulichen St. Piran, das Joe dann auf seine Art rettet und sich dabei selbst von den Dämonen seiner Vergangenheit befreit. Der Wal spielt auch noch eine sehr wichtige Rolle, aber das verrate ich nicht. Nur so viel, dass ich an der Stelle meine Tränen nicht mehr zurück halten konnte.

Ich habe mich in St. Piran und seine Bewohner verliebt. So ein wunderschönes und dabei auch noch so ein kluges Buch. Der Wal und das Ende der Welt ist jetzt schon ein Highlight in meinem noch jungen Lesejahr!