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Benutzername: Angela.Bücherwurm
Wohnort: Wülfrath
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Danksagungen: 113 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 233 Bewertungen
Bewertung vom 15.04.2021
Denn Familie sind wir trotzdem
Duken, Heike

Denn Familie sind wir trotzdem


ausgezeichnet

Generationenübergreifende Familiengeschichte mit realem Hintergrund

Inhalt

Ina reist als junge Frau nach Israel. Sie verliebt sich und wird schwanger. Sie will das Kind kriegen und geht davon aus, dass ihr Freund zu ihr steht und im Kreis seiner Familie willkommen geheißen zu werden. Doch es kommt völlig anders als gedacht. Letztendlich kehrt sie in ihre Heimat nach Deutschland zurück und zieht ihre Tochter Floriane alleine groß. Auch ihre eigenen Eltern reagieren nicht gerade überschwänglich. Trotz vieler Schwierigkeiten kämpft Ina sich durch und Floriane wächst zu einer sehr selbstbewussten jungen Frau mit eigenen Ansichten und Vorstellungen heran. Zu ihrem Großvater Paul entwickelt sie eine besondere Bindung und so erfährt sie letztendlich auch seine bewegende Geschichte.

Meine Meinung

Der Klappentext zu diesem Buch klingt interessant und hat mich zunächst eine typische Familiengeschichte erwarten lassen. Doch hier hatte ich mich getäuscht. Es ist soviel mehr. Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten aus der Familiengeschichte der Autorin. Dieser Hintergrund hat sie für mich besonders bewegend gemacht. Einfühlsam gelingt es Heike Duken hier nicht nur ihre persönliche Familiengeschichte aufzuarbeiten, sondern sie bringt auch dem Leser/der Leserin ein Stück weit die deutsche Geschichte zu Zeiten des zweiten Weltkrieges nahe und zeigt die Nachwirkungen bis in die heutige Zeit auf.
Die Geschichte wird dabei aus unterschiedlichen Perspektiven in Ich-Form erzählt. Das lässt uns die Protagonisten sehr intensiv erleben. Besonders gut gefallen haben mir die „Briefe“, die Floriane von klein auf ihrem Tagebuch anvertraut. Diese „Briefe“ richten sich an ihren unbekannten Vater, den sie nie kennen gelernt hat, aber offensichtlich sehr vermisst. Durch diese Einträge bekommt man recht tiefe Einblicke in das Seelenleben des Mädchens.
Außer diesen häufigen Wechseln der Sichtweise gibt es ebenfalls einige zum Teil recht große Zeitsprünge. Beides zusammen wirkt zwischendurch etwas bruchstückhaft und erfordert ein konzentriertes Lesen. Ich musste mich an diesen Schreibstil erst gewöhnen, aber letztendlich ergab sich ein rundes Ganzes und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Die meisten Figuren durchlaufen während der Geschichte eine starke Entwicklung und bieten sicher viel Diskussionsstoff. Sie haben alle ihre Ecken und Kanten. Nicht mit allen ihrer Handlungen ist man unbedingt einverstanden, aber man kann sie meistens nachvollziehen. Das macht sie insgesamt sehr authentisch.

Fazit

Das Buch ist sicher sowohl stilistisch als auch inhaltlich keine ganz leichte Kost, aber absolut lesenswert. Trotz der Schwere des Themas wird man als Leser/in nicht erdrückt. Für mich ist es ein ganz besonderes Buch welches sich aus der Masse der vielen tollen Familiengeschichten hervorhebt.

Bewertung vom 10.01.2021
Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
Schröder, Alena

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid


ausgezeichnet

Bewegende, vielschichtige Familiengeschichte, feinfühlig erzählt

Inhalt

Hannah, eine junge Frau von 27 Jahren, studiert und lebt in Berlin. Die pulsierende Großstadt gibt ihr die Möglichkeit, sich unauffällig in der Menge zu verstecken. Sie pflegt nur wenige soziale Kontakte. Lediglich um ihre 95jährige Großmutter, die in einer Seniorenresidenz wohnt, kümmert sie sich aus Pflichtgefühl. Und dann ist da noch ihr charismatischer Doktorvater, deutlich älter und verheiratet, für den sie schwärmt.

Eines Tages erhält die Großmutter einen Brief aus Israel, in dem es um Familienangelegenheiten aus der Vergangenheit geht. Doch die alte Dame schweigt dazu, zu schmerzlich sind offenbar ihre Erinnerungen. Hannah wird neugierig und möchte mehr darüber herausfinden. Welche Geheimnisse gibt es in ihrer Familie?

Meine Meinung

Der Titel des Buches liest sich zunächst recht sperrig, aber der Klappentext konnte meine Neugier wecken, da ich Familiengeschichten, in denen es Geheimnisse zu lüften gilt, sehr mag. Also habe ich mit dem Buch begonnen und rasch erfreut festgestellt, dass es sprachlich deutlich angenehmer zu lesen ist, als der Titel. Und schon bald ( auf Seite 90 ) erschloss sich mir auch, was es mit dem Titel auf sich hat. Es handelt sich nämlich um die Beschreibung eines Gemäldes, welches im weiteren Verlauf der Geschichte eine zentrale Rolle spielt.

Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt. Zum einen spiet die Handlung in der Gegenwart, in der wir Hannahs Recherchen verfolgen und so auch ein Stück weit an ihrem Leben teilhaben. Zum anderen tauchen wir ein in die Vergangenheit vor und nach dem zweiten Weltkrieg. So erfahren wir die Geschichte von vier unterschiedlichen Frauen aus vier Generationen, die alle ihr Päckchen zu tragen hatten bzw. haben. Dabei erfährt man als Leser*in mehr, als die Protagonistin Hannah letztendlich herausfindet.

Der Schreibstil ist dabei eher ruhig und kommt ohne große Effekthaschereien und ohne große Dramatik aus. Dennoch wird auf sehr feinfühlige, intensive Weise eine Art Spannung mit Sogwirkung erzeugt. Die wechselnden Perspektiven unterstützen dies gekonnt.

Man kann sich perfekt in die jeweilige Lage und Situation der Protagonisten hineinversetzen und ihre Gefühle, Gedanken und Handlungen nachvollziehen. Alle haben durchaus ihre Ecken und Kanten, kaum einer ist einfach nur gut oder schlecht, keiner ist perfekt. Aber gerade das macht sie so lebendig und authentisch. Ich habe jedenfalls bis zum Schluss mit ihnen gehofft und gebangt.
Das Ende, d.h. die Auflösung des Ganzen war ebenfalls sehr stimmig und hat mich das Buch mit einem guten Gefühl zuschlagen lassen.

Fazit

Dieses Buch ist für mich ein wunderbar gelungener Debütroman, der mich sehr gut unterhalten hat, sprachlich ansprechend, thematisch sehr feinfühlig, mit authentischen Persönlichkeiten. Ich würde mich freuen, in Zukunft noch mehr von der Autorin lesen zu können.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.07.2020
Die nach den Sternen greifen / Das Grand Hotel Bd.1
Benedikt, Caren

Die nach den Sternen greifen / Das Grand Hotel Bd.1


ausgezeichnet

Ein Blick hinter die Fassade

Inhalt

Bernadette von Plesow hat zusammen mit ihrem Mann das mondäne Grand Hotel in Binz auf Rügen aufgebaut. Nach dem Tod ihres Mannes führt sie es mit eiserner Hand sehr erfolgreich allein weiter. Das Hotel ist ihr ganzer Lebensinhalt. Anfang der 1920er Jahre hat sie ihr Ziel erreicht, ihr Hotel ist das erste am Platz. Alles könnte so schön sein, doch unter der glatten Oberfläche brodelt es und es gibt immer neue Probleme zu bewältigen. Die Fassade scheint Risse zu bekommen, Geheimnisse wollen ans Licht. Ist das Unheil noch aufzuhalten? Bernadette ist bereit, alles für den Erhalt und vor allem für den guten Ruf ihres Hotels zu tun.
Ihre beiden Söhne stehen ihr dabei jeder auf seine Art hilfreich zur Seite. Alexander unterstützt sie als Geschäftsführer und Constantin, Besitzer des berühmten Berliner Hotels Astor, nutzt seine Kontakte und seinen Einfluss, wann immer es nötig wird. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht. Doch ihre Taten haben Konsequenzen.

Meine Meinung

Das Buch ist der gelungene Auftakt einer opulenten Familien-Saga. In tollen Bildern und lebendiger Sprache werden die Geschicke der Familie von Plesow geschildert, aber ganz besonders auch das Flair dieser Zeit. Ich habe mich regelrecht in die 1920er Jahre zurück versetzt gefühlt. Dabei kommt der Kontrast zwischen dem mondänen, eher beschaulichen Binz und der turbulenten, zum Teil verruchten Hauptstadt Berlin wunderbar zur Geltung.
Es gibt eine Vielzahl von Protagonisten, aus deren Blickwinkel die Geschichte erzählt wird. Man lernt die einzelnen Personen dabei recht gut kennen und kann ihre Gedanken und Handlungen größtenteils nachvollziehen. Ihre Persönlichkeiten entwickeln sich im Laufe der Handlung und vermitteln eine starke Authentizität. Dreh- und Angelpunkt ist dabei natürlich die Hotelinhaberin Bernadette. Sie wirkt auf den ersten Blick unnahbar, berechnend und kaltherzig. Erst im Laufe der Geschichte blickt man auch hinter ihre Fassade und erkennt, warum sie so ist, wie sie ist. Aber auch andere Charaktere zeigen erst nach und nach ihr wahres Gesicht.
Das Ganze ist dadurch sehr abwechslungsreich und spannend. Stellenweise wähnte ich mich schon fast in einem Krimi.

Fazit

„Das Grand Hotel“ ist ein sehr unterhaltsamer, vielschichtiger Schmöker. Er vereint gekonnt verschiedene Genres, wie Gesellschaftsroman, Familiengeschichte, historischer Roman und auch Krimielemente. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und freue mich schon auf die Fortsetzung.

Bewertung vom 31.01.2020
Die Schokoladenvilla - Goldene Jahre / Schokoladen-Saga Bd.2
Nikolai, Maria

Die Schokoladenvilla - Goldene Jahre / Schokoladen-Saga Bd.2


ausgezeichnet

Sehr unterhaltsamer Schmöker zum Genießen

" Die Schokoladenvilla - Goldene Jahre" ist der zweite Teil einer als Trilogie angelegten Familiensaga rund um die fiktive Stuttgarter Fabrikanten-Familie Rothmann.

Während der erste Band in den Jahren 1903/1904 spielt, liegt die Handlung des Folgebandes im Jahr 1926. Es liegen also über 20 Jahre dazwischen und die nächste Generation wächst heran. Es gibt ein Wiedersehen mit bereits bekannten Protagonisten, die sich im Laufe der Zeit weiter entwickelt haben und es treten neue Charaktere auf die Bühne.

Eine große Rolle spielt in diesem Buch u.a. die 20jährige und damit zu dieser Zeit noch nicht mündige Serafina. Serafina ist die Halbschwester von Victor Rheinberger, dem Ehemann von Judith ehemals Rothmann. Die junge Frau zieht nach dem Tod des Vaters zu ihrem Bruder in die Schokoladenvilla. Sie wird dort herzlich aufgenommen, aber ein Geheimnis belastet die lebenshungrige und abenteuerlustige junge Frau. Auch in der Schokoladenfabrik gibt es Probleme. Und so beginnt für alle eine aufregende Zeit.

Der Roman ist recht komplex und abwechslungsreich. Auch wenn die Familie selbst wie schon erwähnt fiktiv ist, so ist das "Drumherum" doch gut recherchiert und spiegelt die damalige Zeit, die goldenen 1920er Jahre, gut wieder. Immer wieder treten auch Personen auf, die tatsächlich gelebt haben. Trotz des mit 700 Seiten recht umfangreichen Romans kommt an keiner Stelle Langeweile auf und die Seiten fliegen nur so dahin.

Etwas überrascht war ich über den schon angemerkten Zeitsprung. Auch wenn man zwischendurch immer mal wieder kurze Einblicke bekommt, was in der Zwischenzeit passiert ist, so wäre hier sicher noch genug Stoff für einen weiteren Roman vorhanden gewesen. Allerdings lässt sich dadurch der zweite Teil auch gut eigenständig lesen. Ich denke, man muss den Vorgänger nicht zwingend kennen, um auch die Fortsetzung genießen zu können. Beide Teile wirken jeweils in sich abgeschlossen. Ich bin gespannt, wie es dann im dritten Teil weiter geht.

Auch dieses Buch wird durch ein Personenregister, ein Glossar und durch Anmerkungen zur Historie im Anhang von der Autorin wunderbar abgerundet. Und für alle Naschkatzen gibt es in der Klappe ein leckeres Rezept für Himbeer-Trüffel.

Mir hat dieser Roman wieder ausgesprochen gut gefallen und ich empfehle ihn sehr gerne weiter.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.08.2019
Gott wohnt im Wedding
Scheer, Regina

Gott wohnt im Wedding


weniger gut

Stimmige Grundidee, aber zu schwerfällig

In diesem Buch sind die Hauptakteure ein altes, inzwischen sehr herunter gekommenes Haus und seine Bewohner. Erzählt wird ihre Geschichte aus Vergangenheit und Gegenwart. Dabei wechselt die Perspektive oft und zum Teil recht sprunghaft. Sogar das Haus selbst kommt zu Wort. Diese Idee fand ich recht originell, da das Haus doch alle Bewohner, alte wie neue, kennt und viel zwischen seinen Wänden gehört hat und somit viele Schicksale von Vertriebenen und anderen Personen jedweder Herkunft quasi miterlebt hat.

Obwohl mir die Grundidee des Buches wirklich gut gefallen hat, habe ich mich damit sehr schwer getan . Die Geschichte ist sehr vielschichtig und komplex angelegt und springt dabei häufig hin und her. Es bedarf eines sehr aufmerksamen Lesens, um nicht den Faden zu verlieren. Es gibt zahlreiche Personen und manchmal ist es nicht leicht gewesen, dabei den Überblick zu behalten, wer wer ist, trotz des Personenregisters im Anhang.

Auch die Sprache als solches war mir einerseits häufig zu schwerfällig und langatmig, andererseits dann wieder zu emotionslos.

Ich habe tatsächlich mehrere Anläufe gebraucht, um doch noch irgendwie in die Geschichte hineinzufinden und habe mich bis zum Schluss schwer damit getan. Schade, ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut.

4 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.04.2019
Schönheit regiert / The Belles Bd.1
Clayton, Dhonielle

Schönheit regiert / The Belles Bd.1


sehr gut

Fantasy-Roman mit dystopischen Ansätzen

Im Königreich von Orléans sind die Menschen von Natur aus hässlich. Nur die sogenannten Belles können ihnen durch ihre Fähigkeiten zumindest vorübergehend zu einem schöneren Aussehen verhelfen. Daher sind Termine bei ihnen begehrt. Aber solch eine Behandlung ist teuer und nicht für jeden bezahlbar.
Auch Camelia ist eine dieser Belles. Ihr einziges Ziel ist es, als Belle zur Favoritin der Königin gewählt zu werden. Als sie ihr Ziel schließlich erreicht, ist sie überglücklich und bereit, alles dafür zu tun. Doch nach und nach nagen Zweifel an ihr. Was genau geht am Hofe vor sich? Immer abwegigere Dinge werden von ihr verlangt. Nicht alle am Hof sind ihr gut gesonnen. Wem kann sie vertrauen? Und wem nicht? Warum hat man ihr eine Wache zur Seite gestellt, die sie auf Schritt und Tritt begleitet?

Das Buch ist optisch ein wahrer Blickfang und auch der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht. Ich war gespannt, was mich in dieser ungewöhnlichen Welt erwartet.

Besonders zu Anfang fand ich einiges recht verwirrend und es hat eine Weile gedauert, bis ich mich zurecht gefunden habe und ganz in die Geschichte eintauchen konnte. Trotz ausführlicher Beschreibungen blieben manche Zusammenhänge zunächst recht undeutlich. Erst später im Laufe der Geschichte kam schrittweise mehr Klarheit. Auch wenn mich das zuerst ein wenig gestört hat, blieb die Geschichte dadurch auf ihre Weise spannend, da ich einfach erfahren wollte, was nun dahinter steckt.

Die Geschichte beginnt dann auch eher gemächlich, manchmal schon fast an der Grenze zur Langatmigkeit. Doch durchhalten lohnt sich, denn im weiteren Verlauf kommt immer mehr Tempo in die Geschichte, es wird spannender bis zu einem Showdown am Ende. Wobei das Ende eigentlich keins ist, denn die Geschichte ist definitiv nicht zu Ende erzählt und schreit förmlich nach einer Fortsetzung, die es hoffentlich geben wird.

Die Charaktere sind zum Teil schwer einzuschätzen, als Leser/in weiß man häufig nicht genau, wer zu den "Guten" gehört und wer eher dunkle Absichten hegt. Camelia selbst ist mir zu Beginn auch nicht direkt sympathisch. Stellenweise wirkt sie zunächst einfach nur eitel und sehr egoistisch. Das Bild von ihr ändert sich aber mit dem Fortschreiten der Handlung und am Ende entpuppt sie sich doch als starke, mutige junge Frau, die bereit ist, auch für das Wohl anderer zu kämpfen.

Eine Anmerkung zum Titel möchte ich gerne noch machen, da ich ihn hinsichtlich der Sprache etwas seltsam finde. Der englische Artikel "the" und das französische Wort " Belles" passen für mich nicht zusammen. Ich hätte es besser gefunden, wenn man hier bei einer einheitlichen Sprache geblieben wäre.

Insgesamt hat mich dieser Fantasy-Roman mit dystopischen Ansätzen trotz kleinerer Schwächen gut unterhalten. Es gibt aber noch reichlich Steigerungsmöglichkeiten, die hoffentlich in einer Fortsetzung erreicht werden.

Bewertung vom 09.12.2018
Mein Ein und Alles
Tallent, Gabriel

Mein Ein und Alles


sehr gut

Schon die Inhaltsangabe und der Klappentext haben mich dieses Buch sehr zögerlich beginnen lassen. Nach nur wenigen Seiten habe ich mich dann gefragt:"Willst du das lesen? Hältst du das aus?" Die Gewalt und Grausamkeit erschüttern, schockieren, machen fassungslos. Doch andererseits bedient sich der Autor einer brillanten Sprache. In seinen unglaublichen Beschreibungen seziert er schon beinahe sämtliche Beobachtungen. Die Wildnis der rauen Natur wird mit detailreichem Blick grandios beschrieben. Aber ebenso bildhaft werden eben auch die brutalen Szenen dargestellt. Etwas, was ich im Grunde nicht aushalten konnte. Immer wieder musste ich das Buch aus der Hand legen, um selbst innerlich erst mal wieder zur Ruhe zu kommen.
Bei all dem entwickelt die Geschichte aber auch einen unglaublichen Sog, der mich immer wieder dazu gedrängt hat, doch weiter zu lesen. Letztendlich wollte ich eben doch wissen, was mit Turtle geschieht, ob sie eine Chance hat, dieser schier aussichtslosen Situation zu entkommen und sich frei zu kämpfen.
Turtle ist auf der einen Seite psychisch sicher völlig zerstört, auf der anderen Seite hat ihr Vater sie durch sein unbeugsames Verhalten zu einer unfassbar starken Kämpferin gemacht.

Ich könnte zu diesem außergewöhnlichen Buch noch eine Menge schreiben und versuchen, meine Gedanken und Gefühle auszudrücken. Aber vieles ist für mich einfach nicht in Worte zu fassen. Außerdem müsste ich dann wohl zu viel spoilern.

Dieses Buch hat zwar sehr zwiespältige Gefühle bei mir hinterlassen, aber dennoch ist es auf seine Art schier überwältigend. Ich werde es so schnell sicher nicht vergessen. Es ist trotz allem unbedingt lesenswert, aber jeder der es liest, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es kein leichtes Buch ist, dass es den Leser fordert, dass es schockiert und sehr aufwühlend ist. Man muss sich darauf einlassen können.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.08.2018
Schwestern für einen Sommer
Lyra, Cecilia

Schwestern für einen Sommer


ausgezeichnet

Zwei ungleiche Schwestern

Cassie und Julie sind Halbschwestern, annähernd gleich alt. Sie haben denselben Vater. Cassie ist die eheliche Tochter, während Julie das Kind seiner Geliebten ist. Die beiden lernen sich im Alter von neun Jahren im Haus ihrer Großmutter kennen. Aus anfänglicher Skepsis erwächst zunächst eine tiefe Verbundenheit und Freundschaft. Einige Jahre lang verbringen sie regelmäßig gemeinsam den Sommer im Strandhaus der Großmutter. Doch eine Tragödie führt zu einem Zerwürfnis, dass scheinbar nicht mehr zu kitten ist. Erst 15 Jahre später, nach dem Tod der geliebten Großmutter, treffen sie wieder aufeinander und sind gezwungen sich mit Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen.

In 75 Kapiteln wird die Geschichte abwechselnd aus der jeweiligen Sicht der ungleichen Schwestern erzählt. Dabei gibt es auch immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit. Auf diese Weise erfährt man sehr anschaulich viel über das Schicksal, die Gedanken und Gefühle jeder einzelnen von ihnen. Man kann sich so gut in sie hineinversetzen und nachempfinden, was sie bewegt und beschäftigt. Auf jeweils ganz andere Art hatten es beide nicht immer leicht im Leben, einem Leben, das sie sehr geprägt hat.
Ich fand es sehr interessant die ganz unterschiedlichen Sichtweisen auf dieselbe Sache bzw. Situation zu erfahren. Wie man so schön sagt, jede Medaille hat eben zwei Seiten.

Schreib- und Sprachstil sind angenehm flüssig, lebendig und abwechslungsreich. Mit dazu beigetragen haben die in Klammern angefügten Randnotizen und auch das kleine "Märchen", welches sich Julie zwischendurch ausdenkt und immer wieder fortsetzt. Das verleiht der Geschichte einen ganz besonderen Charme.

Die Geschichte beinhaltet für mich eine gelungene Mischung aus allem, was einen leichten, unterhaltsamen, aber dennoch spannenden und aussagekräftigen Roman für einige schöne Lesestunden ausmacht.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.05.2018
Jede Sekunde zählt / Ocean City Bd.1
Acron, R. T.

Jede Sekunde zählt / Ocean City Bd.1


sehr gut

Jede Sekunde zählt

"Ocean City" ist, wie der Name schon sagt eine auf dem Meer schwimmende vollkommen autarke Megastadt. Wichtigstes Gut ist hier die Zeit. Jeder Bürger trägt einen sogenannten Decoder, auf dem er jede einzige Sekunde, Minute und Stunde ansammelt. Die Zeit ist hier die Währung in der alles bezahlt wird.

Jackson hat zusammen mit ein paar Freunden einen Transponder entwickelt, mit dessen Hilfe die Decoder sozusagen aufgeladen werden können. Doch das missfällt nicht nur der totalitären Regierung . Auch andere möchten in den Besitz dieses Gerätes kommen. Denn Zeit ist unendlich kostbar. Und so geraten Jackson und seine Freunde zwischen die Fronten. Wem können sie noch trauen ?

Der Auftakt dieser für junge Leser zwischen 11 und 13 Jahren konzipierten Dystopie ist recht spannend, wenn es auch zunächst ein wenig braucht, bis richtig Fahrt aufgenommen wird. Einige Dinge erscheinen am Anfang vielleicht ein wenig verwirrend, aber im Laufe der Geschichte werden die Zusammenhänge immer deutlicher.

Die Charaktere sind im Allgemeinen gut herausgearbeitet und man kann sich gut in sie hineinversetzen. Dabei gibt es allerdings einen noch etwas geheimnisvollen Protagonisten, bei dem erst ganz allmählich klar wird, um wen es sich handelt. Auch seine konkreten Absichten und was dahinter steckt bleiben zunächst im Dunkeln.

Die Schreibweise ist angepasst an die angesprochene jüngere Leserschaft. Das Buch lässt sich daher leicht und flott lesen. Ich habe es quasi in einem Rutsch gelesen.

Dennoch hat die Geschichte auch mir als schon ältere Erwachsene einige Stunden spannende Unterhaltung geboten. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung, die im Juli erscheint.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.04.2018
Libellenschwestern
Wingate, Lisa

Libellenschwestern


ausgezeichnet

Grandiose Familiengeschichte vor realem Hintergrund

Avery Stafford ist 30 Jahre alt, erfolgreiche Anwältin und Senatorentochter, die in die Fußstapfen ihres kranken Vaters treten soll. Zahlreiche offizielle Termine stehen auf ihrem Programm, so auch der Besuch eines Altenheims. Hier begegnet ihr die leicht verwirrte, 90jährige May Crandall. Die alte Dame erkennt offenbar das Armband mit Libellen, welches Avery trägt, wieder. Avery ist darüber sehr verwundert, denn das Armband stammt von ihrer Großmutter. Kennen die beiden sich vielleicht? Avery begibt sich auf Spurensuche und wird fündig.

Parallel zu dieser Geschichte wird in einem zweiten Erzählstrang rückblickend das Schicksal von Rill und ihren Geschwistern erzählt. Die fünf Kinder leben zusammen mit ihren Eltern als Flussnomaden auf einem Hausboot. Als das 6. Kind viel zu früh auf die Welt kommen will und die Mutter ins Krankenhaus muss, werden die Kinder von der Polizei eingesammelt und in ein Heim verfrachtet. Die Geschwister glauben zunächst an eine kurzfristige, vorübergehende Situation, aber schnell wird klar, was hier wirklich vor sich geht.

Mehr möchte ich vom Inhalt nicht verraten, nur noch so viel, dass die beiden Erzählstränge am Ende natürlich zusammen führen und eine unfassbare Geschichte preisgeben.

Besonders unglaublich ist das Erzählte, wenn man weiß, dass wahre Begebenheiten dahinter stecken. An so mancher Stelle hatte ich einen richtig dicken Kloß im Hals und musste schlucken.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Einerseits konnte ich es kaum aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht, andererseits musste ich zwischendurch auch mal verschnaufen und mich sammeln, so ungeheuerlich und schockierend war das Schicksal der Kinder.

Das Buch hat einen angenehmen, bildhaften Schreibstil, der sich gut und flüssig lesen lässt. Der Autorin gelingt es dabei mit eher leisen Tönen, ohne große Effekthascherei auszukommen, um Spannung zu erzeugen und Neugier zu erwecken.
Die Charaktere werden dabei überzeugend und nachvollziehbar dargestellt. Man kann sich gut in ihre Lebenssituation hinein fühlen.

Ich kann diese bewegende Familiengeschichte vor realem Hintergrund nur jedem ans Herz legen.

10 von 10 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.