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Benutzername: Angela.Bücherwurm
Wohnort: Wülfrath
Über mich:
Danksagungen: 100 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 227 Bewertungen
Bewertung vom 09.12.2018
Mein Ein und Alles
Tallent, Gabriel

Mein Ein und Alles


sehr gut

Schon die Inhaltsangabe und der Klappentext haben mich dieses Buch sehr zögerlich beginnen lassen. Nach nur wenigen Seiten habe ich mich dann gefragt:"Willst du das lesen? Hältst du das aus?" Die Gewalt und Grausamkeit erschüttern, schockieren, machen fassungslos. Doch andererseits bedient sich der Autor einer brillanten Sprache. In seinen unglaublichen Beschreibungen seziert er schon beinahe sämtliche Beobachtungen. Die Wildnis der rauen Natur wird mit detailreichem Blick grandios beschrieben. Aber ebenso bildhaft werden eben auch die brutalen Szenen dargestellt. Etwas, was ich im Grunde nicht aushalten konnte. Immer wieder musste ich das Buch aus der Hand legen, um selbst innerlich erst mal wieder zur Ruhe zu kommen.
Bei all dem entwickelt die Geschichte aber auch einen unglaublichen Sog, der mich immer wieder dazu gedrängt hat, doch weiter zu lesen. Letztendlich wollte ich eben doch wissen, was mit Turtle geschieht, ob sie eine Chance hat, dieser schier aussichtslosen Situation zu entkommen und sich frei zu kämpfen.
Turtle ist auf der einen Seite psychisch sicher völlig zerstört, auf der anderen Seite hat ihr Vater sie durch sein unbeugsames Verhalten zu einer unfassbar starken Kämpferin gemacht.

Ich könnte zu diesem außergewöhnlichen Buch noch eine Menge schreiben und versuchen, meine Gedanken und Gefühle auszudrücken. Aber vieles ist für mich einfach nicht in Worte zu fassen. Außerdem müsste ich dann wohl zu viel spoilern.

Dieses Buch hat zwar sehr zwiespältige Gefühle bei mir hinterlassen, aber dennoch ist es auf seine Art schier überwältigend. Ich werde es so schnell sicher nicht vergessen. Es ist trotz allem unbedingt lesenswert, aber jeder der es liest, sollte sich darüber im Klaren sein, dass es kein leichtes Buch ist, dass es den Leser fordert, dass es schockiert und sehr aufwühlend ist. Man muss sich darauf einlassen können.

Bewertung vom 15.08.2018
Schwestern für einen Sommer
Lyra, Cecilia

Schwestern für einen Sommer


ausgezeichnet

Zwei ungleiche Schwestern

Cassie und Julie sind Halbschwestern, annähernd gleich alt. Sie haben denselben Vater. Cassie ist die eheliche Tochter, während Julie das Kind seiner Geliebten ist. Die beiden lernen sich im Alter von neun Jahren im Haus ihrer Großmutter kennen. Aus anfänglicher Skepsis erwächst zunächst eine tiefe Verbundenheit und Freundschaft. Einige Jahre lang verbringen sie regelmäßig gemeinsam den Sommer im Strandhaus der Großmutter. Doch eine Tragödie führt zu einem Zerwürfnis, dass scheinbar nicht mehr zu kitten ist. Erst 15 Jahre später, nach dem Tod der geliebten Großmutter, treffen sie wieder aufeinander und sind gezwungen sich mit Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen.

In 75 Kapiteln wird die Geschichte abwechselnd aus der jeweiligen Sicht der ungleichen Schwestern erzählt. Dabei gibt es auch immer wieder Rückblenden in die Vergangenheit. Auf diese Weise erfährt man sehr anschaulich viel über das Schicksal, die Gedanken und Gefühle jeder einzelnen von ihnen. Man kann sich so gut in sie hineinversetzen und nachempfinden, was sie bewegt und beschäftigt. Auf jeweils ganz andere Art hatten es beide nicht immer leicht im Leben, einem Leben, das sie sehr geprägt hat.
Ich fand es sehr interessant die ganz unterschiedlichen Sichtweisen auf dieselbe Sache bzw. Situation zu erfahren. Wie man so schön sagt, jede Medaille hat eben zwei Seiten.

Schreib- und Sprachstil sind angenehm flüssig, lebendig und abwechslungsreich. Mit dazu beigetragen haben die in Klammern angefügten Randnotizen und auch das kleine "Märchen", welches sich Julie zwischendurch ausdenkt und immer wieder fortsetzt. Das verleiht der Geschichte einen ganz besonderen Charme.

Die Geschichte beinhaltet für mich eine gelungene Mischung aus allem, was einen leichten, unterhaltsamen, aber dennoch spannenden und aussagekräftigen Roman für einige schöne Lesestunden ausmacht.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.05.2018
Jede Sekunde zählt / Ocean City Bd.1
Acron, R. T.

Jede Sekunde zählt / Ocean City Bd.1


sehr gut

Jede Sekunde zählt

"Ocean City" ist, wie der Name schon sagt eine auf dem Meer schwimmende vollkommen autarke Megastadt. Wichtigstes Gut ist hier die Zeit. Jeder Bürger trägt einen sogenannten Decoder, auf dem er jede einzige Sekunde, Minute und Stunde ansammelt. Die Zeit ist hier die Währung in der alles bezahlt wird.

Jackson hat zusammen mit ein paar Freunden einen Transponder entwickelt, mit dessen Hilfe die Decoder sozusagen aufgeladen werden können. Doch das missfällt nicht nur der totalitären Regierung . Auch andere möchten in den Besitz dieses Gerätes kommen. Denn Zeit ist unendlich kostbar. Und so geraten Jackson und seine Freunde zwischen die Fronten. Wem können sie noch trauen ?

Der Auftakt dieser für junge Leser zwischen 11 und 13 Jahren konzipierten Dystopie ist recht spannend, wenn es auch zunächst ein wenig braucht, bis richtig Fahrt aufgenommen wird. Einige Dinge erscheinen am Anfang vielleicht ein wenig verwirrend, aber im Laufe der Geschichte werden die Zusammenhänge immer deutlicher.

Die Charaktere sind im Allgemeinen gut herausgearbeitet und man kann sich gut in sie hineinversetzen. Dabei gibt es allerdings einen noch etwas geheimnisvollen Protagonisten, bei dem erst ganz allmählich klar wird, um wen es sich handelt. Auch seine konkreten Absichten und was dahinter steckt bleiben zunächst im Dunkeln.

Die Schreibweise ist angepasst an die angesprochene jüngere Leserschaft. Das Buch lässt sich daher leicht und flott lesen. Ich habe es quasi in einem Rutsch gelesen.

Dennoch hat die Geschichte auch mir als schon ältere Erwachsene einige Stunden spannende Unterhaltung geboten. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung, die im Juli erscheint.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 19.04.2018
Libellenschwestern
Wingate, Lisa

Libellenschwestern


ausgezeichnet

Grandiose Familiengeschichte vor realem Hintergrund

Avery Stafford ist 30 Jahre alt, erfolgreiche Anwältin und Senatorentochter, die in die Fußstapfen ihres kranken Vaters treten soll. Zahlreiche offizielle Termine stehen auf ihrem Programm, so auch der Besuch eines Altenheims. Hier begegnet ihr die leicht verwirrte, 90jährige May Crandall. Die alte Dame erkennt offenbar das Armband mit Libellen, welches Avery trägt, wieder. Avery ist darüber sehr verwundert, denn das Armband stammt von ihrer Großmutter. Kennen die beiden sich vielleicht? Avery begibt sich auf Spurensuche und wird fündig.

Parallel zu dieser Geschichte wird in einem zweiten Erzählstrang rückblickend das Schicksal von Rill und ihren Geschwistern erzählt. Die fünf Kinder leben zusammen mit ihren Eltern als Flussnomaden auf einem Hausboot. Als das 6. Kind viel zu früh auf die Welt kommen will und die Mutter ins Krankenhaus muss, werden die Kinder von der Polizei eingesammelt und in ein Heim verfrachtet. Die Geschwister glauben zunächst an eine kurzfristige, vorübergehende Situation, aber schnell wird klar, was hier wirklich vor sich geht.

Mehr möchte ich vom Inhalt nicht verraten, nur noch so viel, dass die beiden Erzählstränge am Ende natürlich zusammen führen und eine unfassbare Geschichte preisgeben.

Besonders unglaublich ist das Erzählte, wenn man weiß, dass wahre Begebenheiten dahinter stecken. An so mancher Stelle hatte ich einen richtig dicken Kloß im Hals und musste schlucken.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Einerseits konnte ich es kaum aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht, andererseits musste ich zwischendurch auch mal verschnaufen und mich sammeln, so ungeheuerlich und schockierend war das Schicksal der Kinder.

Das Buch hat einen angenehmen, bildhaften Schreibstil, der sich gut und flüssig lesen lässt. Der Autorin gelingt es dabei mit eher leisen Tönen, ohne große Effekthascherei auszukommen, um Spannung zu erzeugen und Neugier zu erwecken.
Die Charaktere werden dabei überzeugend und nachvollziehbar dargestellt. Man kann sich gut in ihre Lebenssituation hinein fühlen.

Ich kann diese bewegende Familiengeschichte vor realem Hintergrund nur jedem ans Herz legen.

5 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.12.2017
Dann schlaf auch du
Slimani, Leïla

Dann schlaf auch du


sehr gut

Beklemmend

Myriam und Paul, stolze Eltern zweier Kinder, führen in Paris ein glückliches, ausgefülltes Leben. Um Beruf bzw. Karriere und Kinder unter einen Hut bringen zu können, engagieren sie die fünfzigjährige Louise als Nanny. Sie scheinen einen wahren Glücksgriff mit ihr getan zu haben. Die Kinder lieben ihre Nanny und Louise macht sich sehr schnell unentbehrlich. Immer mehr steigert sie sich in ihre Rolle hinein und so schleicht sich still und leise das Unglück ins Haus.

Die Geschichte beginnt mit dem Ende: Die beiden kleinen Kinder wurden von Louise umgebracht. Schon der allererste Satz ist schockierend und ein wenig verstörend: " Das Baby ist tot " . Im Anschluss an die kurze Einleitung wird die ganze Geschichte nach und nach aufgerollt. Es wird erzählt, warum und wie die Eltern eine Kinderfrau suchen, wie sie sie einstellen und wie sich sehr schnell ein Vertrauensverhältnis aufbaut. Man erfährt aber auch Schritt für Schritt mehr über Louises bisheriges Leben und ihre Sorgen und Nöte und erhält schließlich Einblicke in die Abgründe, die in ihr lauern.

Dabei wirkt die Erzählweise in meinen Augen recht distanziert und beinahe schon emotionslos. Daher ist es mir nicht gelungen, für irgendeinen der Protagonisten Sympathie oder Verständnis aufzubringen. Besonders auch die Eltern sind mir seltsam fremd geblieben.

Dennoch entwickelt die Geschichte einen ganz eigenen Sog und sie bleibt bis zum Schluss interessant und auf ihre Art spannend. Als Leser/in möchte man unbedingt verstehen, was diese scheinbar so perfekte Nanny zu ihrer Tat getrieben hat. Allerdings hat mich das Ende nicht wirklich zufrieden gestellt. Zu viele Aspekte sind für mich offen geblieben.

Während der Erzählung selbst springen zeitliche Abläufe und Blickwinkel häufiger hin und her, was in dieser Hinsicht schon ein konzentrierteres Lesen erforderlich macht.

Insgesamt hat mir die Geschichte gut gefallen. Sie sticht meines Erachtens durch ihren Stil und die Erzählweise aus der Menge heraus und macht das Buch dadurch zu etwas Besonderem. Allerdings wirkt die ganze Atmosphäre recht bedrückend und beklemmend.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.08.2017
Das Vermächtnis der Familie Palmisano
Nadal, Rafel

Das Vermächtnis der Familie Palmisano


weniger gut

Konnte mich nicht überzeugen

In einem süditalienischen Dorf lebt die Familie Palmisano. Während des ersten Weltkriegs sterben 21 Mitglieder dieser Familie. Ein Fluch scheint auf ihr zu lasten. Zum Kriegsende wird Vitantonio Palmisano geboren, Sohn der Witwe Donata. Um ihren Sohn vor dem Fluch zu schützen, gibt die Witwe ihr Baby in die Obhut ihrer Cousine, die zur gleichen Zeit eine Tochter zur Welt bringt. Die Kinder wachsen fortan als Zwillinge auf. Als der zweite Weltkrieg ausbricht, soll auch der inzwischen erwachsene Vitantonio mit an die Front. Wird auch ihn der Fluch heimsuchen?

Als ich dieses Rezensionsexemplar in den Händen hielt, habe ich mich auf eine tolle Familiensaga gefreut. Der Klappentext hörte sich sehr vielversprechend an. Doch schon die ersten Seiten machten mir das Lesen schwer. Das Buch beginnt nämlich sozusagen mit einer Aufzählung der 21 Todesfälle in der Familie Palmisano, d.h. es wird berichtet wer wann unter welchen Umständen umgekommen ist. Die Familienverhältnisse waren dabei recht verwirrend und man verliert rasch den Überblick. Eventuell wäre hier ein entsprechendes Personenregister hilfreich gewesen, welches es aber leider nicht gibt.

Soweit so gut dachte ich und arbeitete mich durch diese ersten Seiten durch, in der Hoffnung dann auf die erwartete spannende Familiengeschichte zu stoßen. Aber auch im weiteren Verlauf bin ich leider nicht richtig mit der Geschichte und ihren Protagonisten warm geworden. Es wurde zwar ein ganz klein wenig besser als zu Anfang, dennoch blieb der Sprachstil bis zum Schluss gewöhnungsbedürftig für mich. Er erschien mir über große Strecken hinweg sehr emotionslos. Es kam mir dann so vor, als würde ich einen sachlichen, nüchternen Bericht lesen.

Mich konnte das Buch leider nicht überzeugen. Hätte ich es nicht als Rezensionsexemplar bekommen, hätte ich es vermutlich nicht zu Ende gelesen.

5 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.07.2017
Immer wieder im Sommer
Herzog, Katharina

Immer wieder im Sommer


ausgezeichnet

Toller Wohlfühlroman für den Sommer

Anna hat seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter Frieda, als sie unerwartet einen Brief von ihr bekommt. Ihre Mutter will dringend mit ihr sprechen. Irritiert und besorgt zugleich beschließt Anna, auf dem Weg zum Urlaub auf Amrum, wo sie hofft, ihre Jugendliebe wieder zu treffen, bei Frieda vorbei zu schauen. Ihre beiden Töchter Sophie und Nelly will sie derweil wie verabredet bei ihrem Ex-Mann Max lassen. Doch alles kommt anders als geplant. Sowohl die Kinder als auch Max begleiten sie schließlich. Anna ist zwar wenig davon angetan, aber es bleibt ihr wohl nichts anderes übrig. Bei Frieda angekommen, erwartet sie eine erschütternde Nachricht, die sie zwingt sich nochmal mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinander zu setzen. Das hat zur Folge, dass sich auch ihre Weiterfahrt nach Amrum anders gestaltet als gedacht.

Dieser ansprechende Sommerroman wird abwechselnd aus der Perspektive von Anna, Frieda und Sophie erzählt. Der Blickwinkel aus drei verschiedenen Generationen sorgt für immer neue Sichtweisen und lässt den Leser/die Leserin intensiv an der Geschichte teilhaben. Man lernt diese drei so unterschiedlichen Frauen recht gut kennen und verstehen. Auf ihre Art waren sie mir alle sympathisch.
Es gibt viele komische Momente, die mich zum Schmunzeln und Lachen gebracht haben, aber auch ernstere, die zum Innehalten und Nachdenken anregen können.
Der Schreibstil als solches ist angenehm frisch und locker und ermöglicht damit ein leichtes und rasches Lesen. Es gibt immer wieder unvorhersehbare Wendungen, so dass an keiner Stelle Langeweile aufkommt. Ich mochte das Buch zum Teil gar nicht mehr aus der Hand legen.
Dabei geht die Autorin sehr einfühlsam mit dem Thema Demenz um, eine Diagnose, die viele Menschen direkt oder indirekt betrifft. Auch wenn dies sicher ein ernstes Thema ist, so verliert der Roman dennoch dabei nichts von seiner Leichtigkeit.

Dies war mein erstes Buch von Katharina Herzog, die bereits als Katrin Koppold einige Bücher veröffentlicht hat. Und es war sicher nicht mein letztes. Ich habe mich sehr gut unterhalten gefühlt und empfehle diesen wunderbaren Roman sehr gerne weiter. Alle, die eine leichte, aber gehaltvolle Lektüre suchen, werden dieses Buch bestimmt genauso lieben wie ich.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 09.06.2017
Selkie
Neumayer, Antonia

Selkie


sehr gut

Gelungener Debütroman mit Entwicklungspotential

Kate ist 17 Jahre alt, als ihr älterer Bruder Gabriel von einer seltsamen, leicht bedrohlich wirkenden kleinen Gruppe fremder Männer aus ihrem Heimatort auf den schottischen Orkney-Inseln abgeholt wird. Kate hat den Eindruck, dass er nicht so ganz freiwillig mitgeht und wähnt ihn in Gefahr. Heimlich folgt sie ihm und schleicht sich als blinder Passagier auf das Schiff der Fremden. Sie würde alles tun, um Gabriel zu helfen. Doch dann entwickelt sich die Sache vollkommen anders, als sie gedacht hat. An Bord des Schiffes kommt es zu einem Kampf zwischen der Besatzung und einer offenbar feindlich gesinnten anderen Gruppe und Kate gerät in ernsthafte Gefahr. Sie wird unverhofft von dem mysteriösen Ian gerettet, der sich ebenfalls verbotenerweise an Bord befindet. Kate folgt Ian, ohne zu wissen, wer oder besser gesagt was er ist. Er bietet ihr sogar an, ihr bei der Rettung ihres Bruders zu helfen. Er scheint vertrauenswürdig zu sein, doch ist er das wirklich? Oder benutzt er sie nur für seine eigenen Zwecke? Kate bleibt schließlich nichts anderes übrig, als auf Ians Vorschläge einzugehen und lässt sich auf das Abenteuer ihres Lebens ein. Dabei findet sie nach und nach Erstaunliches heraus.

Selkie ist ein durchaus gelungener Debütroman mit Entwicklungspotential für Folgebände.
Mir war die Spezies der Selkies bisher vollkommen fremd und von daher übte dieser Fantasyroman einen großen Reiz auf mich aus. Er war im Großen und Ganzen, von kleineren Längen abgesehen, auch spannend für mich. Allerdings verrät der Titel selbst meiner Ansicht nach schon zu viel. Denn dadurch war für den Leser - im Gegensatz zu Kate - schnell klar, um welche Wesen es sich bei Ian und seiner Gruppe handelt. Die Überraschung und damit die Spannung für Leser wie mich, die diese Wesen bisher nicht kannten, wäre bei einer anderen Titelwahl wohl größer gewesen.

Die einzelnen Charaktere selbst sind meines Erachtens nicht immer völlig klar gezeichnet. Manches in ihrem Verhalten erschien mir fraglich und zum Teil wenig nachvollziehbar. Daher fehlte mir der direkte Zugang zu ihnen. Ich möchte an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, da ich sonst zu viel vom Inhalt verraten würde. Denn insgesamt ist es dennoch eine recht spannende, gut lesbare Geschichte mit viel Potential für eine Fortsetzung. Vielleicht entwickeln sich hier dann ja auch die Protagonisten weiter, so dass sie greifbarer werden. ich würde einen weiteren Band auf jeden Fall wieder lesen.

Bei der Vergabe der Sterne schwanke ich zwischen 3 und 4. Da es sich aber in meinen Augen um ein gelungenes Debüt mit reichlich Entwicklungspotential handelt, entscheide ich mich für 4.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 21.03.2017
Das letzte Bild der Sara de Vos
Smith, Dominic

Das letzte Bild der Sara de Vos


gut

Ansprechende Thematik, anstrengender Schreibstil

Wie der Titel schon vermuten lässt, ist der "Hauptakteur" in diesem Roman ein Bild, genauer gesagt das vermeintlich letzte Gemälde der im 17. Jahrhundert lebenden, holländischen ( fiktiven ) Malerin Sara de Vos mit dem Titel "Am Saum eines Waldes".

In drei Erzählsträngen zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten verfolgt man als Leser/in seine Entstehungsgeschichte, die Anfertigung einer Fälschung, sowie die Konsequenzen, die diese für die Beteiligten nach sich zieht.

Im 17. Jahrhundert begleiten wir zunächst die Künstlerin Sara ein Stück ihres Weges, lernen sie und ihr damaliges Leben ein wenig kennen und erleben, wie das Bild entsteht.

Das Bild bleibt Jahrhunderte lang in Familienbesitz bis es Ende der 1950er Jahre gestohlen und durch eine beinahe perfekte Kopie ersetzt wird. Auch die Entstehung dieses Duplikates verfolgt man mit und lernt die Kopistin, eine junge Studentin namens Ellie Shipley kennen, genauso wie den Eigentümer des Originals, Marty de Groot, der durch einen Privatdetektiv auf ihre Spur kommt. Er nimmt unter falschem Namen Kontakt zu ihr auf, um herauszufinden, inwieweit sie in den eigentlichen Diebstahl verwickelt ist.

Jahrzehnte später, im Jahr 2000 findet in Sydney eine Ausstellung statt, in der unter anderem auch Bilder von Sara de Vos gezeigt werden. Ellie ist eine der Verantwortlichen dieser Ausstellung und sie muss sich erneut der Vergangenheit stellen.

Die Thematik des Buches hat mich auf Anhieb angesprochen und ich habe mit Freude begonnen es zu lesen. Doch leider habe ich mehrere Anläufe gebraucht, bis ich es beendet habe. Das lag in allererster Linie an dem sehr gewöhnungsbedürftigen Schreibstil. Die Geschichte wird überwiegend in längeren Passagen von einem außenstehenden Erzähler betrachtet. Lebendige Dialoge gibt es nicht so viele. Dadurch wirkte das Ganze recht distanziert auf mich und es fiel mir schwer, richtigen Zugang zu den Protagonisten zu bekommen. Andererseits gibt es viele sehr anschauliche, aber auch detailverliebte Beschreibungen, die mir häufig einfach zu langatmig und ausschweifend waren, insbesondere wenn es um Mal- bzw. Fälschungstechniken ging.

Trotz dieser für mich etwas anstrengenden Schreibweise, hat mich die Geschichte aber dennoch irgendwie fasziniert und ich war neugierig, wie es wohl weiter geht. Daher habe ich die Lektüre auch nicht aufgegeben und denke, es hat sich gelohnt. Mit ein wenig Geduld, Konzentration und Durchhaltevermögen wird man letztendlich mit einer ansprechenden, durchaus interessanten Geschichte belohnt.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 02.03.2017
Und jetzt lass uns tanzen
Lambert, Karine

Und jetzt lass uns tanzen


sehr gut

Charmante Geschichte

In diesem anrührenden kleinen Buch wird die Geschichte von Marguerite und Marcel erzählt.

Marguerite, 78 Jahre alt, ist nach dem Tod ihres Mannes nach langjähriger Ehe zunächst etwas hilflos und verunsichert. Ihr ganzes Leben richtete sich bisher ohne Ausnahme nach seinen Regeln und Gewohnheiten. Tiefere Gefühle füreinander gab es wohl zwischen den Eheleuten nicht, allerdings auch keine nennenswerten Differenzen. Also funktioniert die alte Dame zunächst einfach so weiter, wie man es von ihr kennt und erwartet.

Auch Marcel hat nach Jahrzehnte langer Ehe seine große Jugendliebe durch einen Badeunfall verloren. Er vermisst seine Frau schmerzlich und seine Trauer ist groß. Sie waren einfach füreinander bestimmt und er hat keine Ahnung, wie es ohne sie weiter gehen soll.

Die beiden entschließen sich unabhängig voneinander, eine Kur zu machen und begegnen sich dort zum ersten Mal. Zaghaft nehmen sie Kontakt auf und lernen sich allmählich kennen. Auf den ersten Blick scheint es ein eher ungleiches Paar zu sein, aber schon bald finden sie auch einige Gemeinsamkeiten und fühlen sich immer stärker zueinander hingezogen. Allerdings sind insbesondere ihre jeweiligen Kinder zunächst wenig begeistert von dieser Entwicklung und dem Verhalten ihrer Eltern. Aber nicht nur sie fragen sich, ob eine neue Liebe in so hohem Alter überhaupt noch möglich ist? Auch die älteren Herrschaften selbst fragen sich, ob sie sich nochmal auf einen neuen Partner einlassen können? Oder ist ihr Leben doch zu stark durch ihre bisherigen Erfahrungen geprägt ?

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sicht der beiden Protagonisten erzählt. Dabei erfährt man einiges aus ihrem bisherigen Leben und lernt sie schrittweise kennen. So entwickelt sich ein ungefähres Bild davon , was diese beiden sympathischen Personen jeweils zu dem Menschen hat werden lassen, der er nun im Alter ist.

Die Begegnung der beiden findet erst nach knapp der Hälfte dieses eher kurz gehaltenen Buches statt. Das darauffolgende erste Beschnuppern und die zunächst sehr behutsamen Annäherungen erlebt man als Leser/in dann relativ ausführlich mit. Leider wird die darauf folgende Zeit dann nur noch in einigen kurzen Sequenzen angerissen. Hier hätte ich mir doch noch ein paar mehr Einblicke gewünscht. Da das Buch wie bereits erwähnt, mit seinen gerade mal 220 Seiten (die auch noch recht großzügig bedruckt sind) nicht besonders umfangreich ist, hätte mir hier eventuell eine etwas tiefergehende Betrachtung gefallen.

Der Schreibstil selbst ist leicht und ohne große Schnörkel, wodurch diese liebenswerte Geschichte rasch gelesen ist.

Das Cover mit seinem etwas antiquiert angehauchten Charme und den beiden auf einem Hochseil balancierenden Personen passt in meinen Augen hervorragend zu dieser charmanten Geschichte.

Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen und ich habe hier durchaus auch einige Ansätze, die zum Nachdenken anregen, gefunden. Am besten fasst dieses Buch ein Zitat des Autors Grégoire Delacourt aus dem Klappentext zusammen: " Ein Roman, der zeigt, dass das Herz keine Falten hat und Liebe immer möglich ist."

5 von 5 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.