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Benutzername: 
Angela.Bücherwurm
Wohnort: 
Wülfrath
Buchflüsterer: 

Bewertungen

Insgesamt 237 Bewertungen
Bewertung vom 01.06.2022
Man kann Müttern nicht trauen
Roedig, Andrea

Man kann Müttern nicht trauen


gut

Mutter-Tochter-Beziehung

Inhalt

In diesem Buch schildert die Autorin ihr Leben als Kind und als junge Frau, welches ganz besonders durch eine schwierige Beziehung zur Mutter geprägt ist. Ihre Mutter Lilo hatte selbst eine schwierige Kindheit und ist in ihrer Mutterrolle meist überfordert. Im Job steht diese zwar ihre „Frau“ - denn nach außen hin, muss der Schein gewahrt werden -, aber ansonsten bestimmen Alkoholsucht, Tablettenabhängigkeit und Depressionen ihren Tag. Für die Kinder bleibt da wenig übrig.

Meine Meinung

Titel, Cover und Klappentext hätten mich wohl eher nicht zu diesem Buch greifen lassen. Tatsächlich hatte ich damit dann auch ziemliche Startschwierigkeiten. Thematisch wie auch stilmäßig fiel es mir zunächst sehr schwer, mich auf dieses Buch einzulassen. Erst bei einem zweiten Anlauf ist es mir gelungen, dran zu bleiben. Insgesamt ist das Buch geprägt von einer eher trostlosen Atmosphäre mit fast gar keinen Lichtpunkten. Es gibt wenig Hoffnung und ich musste vor lauter Fassungslosigkeit oft den Kopf schütteln und das Buch immer wieder zur Seite legen.
Beeindruckend dabei ist jedoch, wie offen und ehrlich die Autorin versucht ihre Situation, Gedanken und Gefühle zu hinterfragen und zu analysieren. Anhand von Fotos, Tagebucheinträgen ihrer Mutter und eigenen, teils sehr subjektiven Erinnerungen versucht sie ihrer Mutter irgendwie ein kleines Stückchen näher zu kommen und eine Art Verständnis aufzubauen. Und dennoch bleibt sie ihr bis zum Ende fremd. Oft vermischen sich Fakten mit kindlichen Erinnerungen und Vorstellungen, vieles ist nicht greifbar oder nachvollziehbar.
Es fällt mir schwer, dieses Buch zu bewerten und einzuordnen. Weder ist es eine Biographie , noch eine Autobiographie, beinhaltet aber wohl von beiden Elemente. Vielleicht kann man es als Erfahrungsbericht bezeichnen.
Auch die Sternevergabe ist schwierig. Ich kann nicht sagen, dass mir das Buch gefallen hat, aber es hat sicherlich viel Mut seitens der Autorin gebraucht, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen und so offen darüber zu schreiben. Ich hoffe, sie konnte sich damit viel von ihren Problemen und Sorgen von der Seele schreiben und sich damit ein stückweit befreien. Allein dafür hat sie die Sterne meines Erachtens bereits verdient. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja andere Personen, die ähnliches erlebt haben und denen dieses Buch ebenfalls ein klein wenig hilft.

Fazit

Dieses sehr persönliche Buch der Autorin ist in vieler Hinsicht nicht ganz einfach zu lesen und daher vermutlich nicht für jeden geeignet. Man sollte hier wissen, worauf man sich einlässt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.10.2021
Wildtriebe
Mank, Ute

Wildtriebe


sehr gut

Drei Frauen im Wandel der Zeit

Inhalt

In diesem Roman geht es um den Bethches-Hof, einem Bauernhof in einem kleinen Dorf in Hessen und seine Bewohner, insbesondere um die Frauen, die hier leben. Wie es die Tradition vorsieht, wurde der Hof schon immer von Generation zu Generation weiter gegeben und damit einhergehend Verpflichtung und Verantwortung.
So übernimmt ihn eines Tages notgedrungen die noch junge Lisbeth. Sie fügt sich in ihr Schicksal und hält stur am Althergebrachten fest. Als ihr Sohn Konrad schließlich eine Frau mit auf den Hof bringt, ist sie wenig begeistert, denn Marlies ist keine Bäuerin. Die beiden Frauen begegnen sich voller Skepsis und Vorurteile. Stille, unausgesprochene Kämpfe stehen auf der Tagesordnung. Obwohl Marlies sich auf ihre Weise sehr bemüht, bleibt ihr Verhältnis distanziert. Mit ihrem - in Lisbeths Augen - oft unkonventionellen Verhalten eckt Marlies immer wieder an.
Als schließlich Joanna, Marlies Tochter, zur Welt kommt, gibt es neue Komplikationen. Denn auch Joanna entwickelt ganz eigene Lebensvorstellungen.

Meine Meinung

Der Roman beginnt mit Joannas Weggang vom Hof. Rückblickend wird dann die Geschichte aus Lisbeths und Marlies Perspektive erzählt. Die Erzählweise ist dabei recht bildhaft und anschaulich, aber auch sehr ruhig und unaufgeregt. Man bekommt einen guten Einblick vom Leben auf dem Hof und seinen Bewohnern.
Zwar ist alles gut nachvollziehbar, aber manches bleibt dennoch in gewisser Weise unverständlich. Insbesondere Marlies hätte ich oft gerne genommen und geschüttelt, um sie endlich aufzuwecken. Sie erschien mir häufig viel zu unentschlossen und zu nachgiebig.
Im Vergleich zu den anderen Protagonisten bleibt Joanna leider etwas blass. In ihre Persönlichkeit konnte ich mich nicht so gut hineinversetzen. Das mag u.a. daran liegen, dass ihr Verhältnis zur Mutter nicht so ganz klar zum Ausdruck kommt. Hier hätte ich es gut gefunden, einen Teil der Geschichte auch aus ihrer Sicht zu erfahren.
Das Buch lässt sich insgesamt leicht weg lesen. Allerdings gibt es eine sprachliche Eigenheit, die vermutlich nicht jedermann gefällt und über die auch ich zunächst gestolpert bin. Es gibt immer mal wieder Sätze oder besser Satzfragmente, die nicht zu Ende geführt werden – wie nicht zu Ende gedachte Gedanken.

Fazit

Die Geschichte liefert schöne Einblicke in alte Traditionen im Hinblick auf das frühere Dorfleben bzw. im Hinblick auf das Leben auf einem Bauernhof und den Wandel, vor dem die Zeit letztendlich auch hier nicht anhält. Ich hatte einige entspannte Lesestunden und empfehle es gerne allen weiter, die Freude an eher unaufgeregten Familiengeschichten haben.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 17.10.2021
Lautlos wie dein Verschwinden
Lüthi, Monika

Lautlos wie dein Verschwinden


ausgezeichnet

Spannender Debütroman

Inhalt
Als Isabel ungeplant schwanger wird, ändert sich ihr ganzes Leben. Die vormals karriereorientierte junge Frau findet sich schnell in ihre Mutterrolle hinein. Sie liebt ihre kleine Tochter Leonie abgöttisch, alles andere tritt dabei völlig in den Hintergrund. Ehe, Freundschaften , Job … einfach alles erscheint ihr unwichtig. Und dann passiert etwas Unfassbares: Leonie wird entführt. Isabels Angst um sie wächst ins Unermessliche. Wer tut so etwas nur? Nur langsam fügt sich ein Puzzlestück zum anderen und es entwickelt sich ein Szenario, das dramatischer ist, als Isabel es sich jemals hätte vorstellen können.

Meine Meinung
„Lautlos wie dein Verschwinden“ ist der gelungene Debütroman von Monika Lüthi. Er ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite, wobei sich die Spannung im Laufe der Geschichte kontinuierlich steigert und erst am Ende das ganze Ausmaß des Dramas ans Tageslicht kommt. Allerdings gibt es schon recht schnell versteckte, kleine Hinweise auf das, was vorgefallen sein könnte, die man als aufmerksamer, routinierter Leser durchaus entdecken und wahrnehmen kann. Das mindert die Spannung jedoch nicht, da man dennoch weiter neugierig bleibt, ob man mit seinen Vermutungen richtig liegt. Die Spannung wird zusätzlich noch durch kleine Einschübe aus dem Blickwinkel einer unbekannten Person aufgebaut.
Besonders eindringlich hat die Autorin die Emotionen und Gedanken von Isabel als Mutter eingefangen, aus deren Sicht der Roman überwiegend geschrieben ist. Ich konnte mich an jeder Stelle gut in sie hineinversetzen. Anfangs mag sie übertrieben fürsorglich und ängstlich erscheinen, aber wenn man im Laufe der Geschichte die Hintergründe dafür erfährt, ist auch dies nachvollziehbar.
Die anderen Protagonisten, wie z.B. Isabels Mann oder auch ihre Freundin wirkten auf mich ebenfalls sehr authentisch.
Aufbau und Schreibstil der Geschichte sind sehr ansprechend und lassen einen regelrecht durch die Seiten fliegen. Die Sprache ist klar und ohne viele Schnörkel und bringt die Dinge rasch auf den Punkt, wobei die Gefühle dennoch gut transportiert werden. Dabei wurde man trotz des nicht ganz einfachen Themas aber auch nicht davon erdrückt.

Fazit
Dieser Spannungsroman ist ein gelungenes Debüt und hat mich einige Stunden bestens unterhalten. Es gab keinerlei Längen und die Spannung wird bis zum Schluss aufrecht erhalten, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Ich freue mich auf weitere Bücher der Autorin.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.07.2021
Freiflug
Drews, Christine

Freiflug


ausgezeichnet

Lebendiges Portrait der 1970er Jahre

Inhalt

Diese auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte spielt Mitte der 1970er Jahre in Köln. Katharina Berner, Mitte dreißig, hat sich in dieser immer noch von Männern dominierten Zeit als Rechtsanwältin etabliert. Sie wagt den Schritt in die Selbständigkeit und eröffnet eine eigene Kanzlei. Eine ihrer ersten Mandant*innen ist die junge Rita Maiburg. Rita ist Pilotin und hat sich bei der Lufthansa als solche auf eine freie Stelle beworben. Sie bekommt jedoch eine Absage, weil sie eine Frau ist. Diese Benachteiligung will sie jedoch nicht einfach so hinnehmen. Sie beschließt zu kämpfen und die Fluggesellschaft zu verklagen. Sie wendet sich diesbezüglich an Katharina. Auch wenn dieser nur allzu bewusst ist, dass diese Klage nicht einfach wird, nimmt die Rechtsanwältin sich des Falles an.

Meine Meinung

Diese Geschichte spielt zu einer Zeit, in der ich selbst Teenager war. Vieles, was hier aufgezeigt und angesprochen wird, habe ich selbst mehr oder weniger miterlebt und wurde mir sehr anschaulich wieder in Erinnerung gerufen. Der Autorin ist es gelungen, ein sehr anschauliches Sittenbild der damaligen Zeit aufzuzeigen. Sie bringt Themen, die diese Zeit geprägt haben, wie die Rechte der Frauen, den Kampf um Emanzipation und Gleichberechtigung, den Umgang mit der Sexualität und vieles Weitere mehr in lebhafter Weise auf den Punkt. Ich habe mich ganz klar in diese Zeit zurückversetzt gefühlt.
Die einzelnen Charaktere erschienen mir sehr authentisch und ich konnte mich in jeden Einzelnen hineinversetzen, wenngleich dabei nicht alle sympathisch sind. Die Einstellung und Ansichten der Menschen dieser Zeit sowie ihr entsprechendes Handeln lassen einen dabei häufig den Kopf schütteln… aber so war das damals nun mal. Zum Glück hat sich seitdem doch einiges geändert.
Der Schreibstil ist dabei lebendig, bildhaft, leicht und ansprechend, sodass die Seiten nur so dahin fliegen. Ich konnte das Buch zwischendurch kaum aus der Hand legen.

Fazit

Dieser großartige, auf Tatsachen beruhende Roman hat mich bestens unterhalten. Die Autorin zeichnet ein detailliertes Portrait der 1970er Jahre und erweckt damit diese Zeit regelrecht wieder zum Leben. Ich habe das Buch sehr genossen und empfehle es ganz klar weiter.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 15.04.2021
Denn Familie sind wir trotzdem
Duken, Heike

Denn Familie sind wir trotzdem


ausgezeichnet

Generationenübergreifende Familiengeschichte mit realem Hintergrund

Inhalt

Ina reist als junge Frau nach Israel. Sie verliebt sich und wird schwanger. Sie will das Kind kriegen und geht davon aus, dass ihr Freund zu ihr steht und im Kreis seiner Familie willkommen geheißen zu werden. Doch es kommt völlig anders als gedacht. Letztendlich kehrt sie in ihre Heimat nach Deutschland zurück und zieht ihre Tochter Floriane alleine groß. Auch ihre eigenen Eltern reagieren nicht gerade überschwänglich. Trotz vieler Schwierigkeiten kämpft Ina sich durch und Floriane wächst zu einer sehr selbstbewussten jungen Frau mit eigenen Ansichten und Vorstellungen heran. Zu ihrem Großvater Paul entwickelt sie eine besondere Bindung und so erfährt sie letztendlich auch seine bewegende Geschichte.

Meine Meinung

Der Klappentext zu diesem Buch klingt interessant und hat mich zunächst eine typische Familiengeschichte erwarten lassen. Doch hier hatte ich mich getäuscht. Es ist soviel mehr. Die Geschichte basiert auf wahren Begebenheiten aus der Familiengeschichte der Autorin. Dieser Hintergrund hat sie für mich besonders bewegend gemacht. Einfühlsam gelingt es Heike Duken hier nicht nur ihre persönliche Familiengeschichte aufzuarbeiten, sondern sie bringt auch dem Leser/der Leserin ein Stück weit die deutsche Geschichte zu Zeiten des zweiten Weltkrieges nahe und zeigt die Nachwirkungen bis in die heutige Zeit auf.
Die Geschichte wird dabei aus unterschiedlichen Perspektiven in Ich-Form erzählt. Das lässt uns die Protagonisten sehr intensiv erleben. Besonders gut gefallen haben mir die „Briefe“, die Floriane von klein auf ihrem Tagebuch anvertraut. Diese „Briefe“ richten sich an ihren unbekannten Vater, den sie nie kennen gelernt hat, aber offensichtlich sehr vermisst. Durch diese Einträge bekommt man recht tiefe Einblicke in das Seelenleben des Mädchens.
Außer diesen häufigen Wechseln der Sichtweise gibt es ebenfalls einige zum Teil recht große Zeitsprünge. Beides zusammen wirkt zwischendurch etwas bruchstückhaft und erfordert ein konzentriertes Lesen. Ich musste mich an diesen Schreibstil erst gewöhnen, aber letztendlich ergab sich ein rundes Ganzes und ich konnte das Buch kaum noch aus der Hand legen.
Die meisten Figuren durchlaufen während der Geschichte eine starke Entwicklung und bieten sicher viel Diskussionsstoff. Sie haben alle ihre Ecken und Kanten. Nicht mit allen ihrer Handlungen ist man unbedingt einverstanden, aber man kann sie meistens nachvollziehen. Das macht sie insgesamt sehr authentisch.

Fazit

Das Buch ist sicher sowohl stilistisch als auch inhaltlich keine ganz leichte Kost, aber absolut lesenswert. Trotz der Schwere des Themas wird man als Leser/in nicht erdrückt. Für mich ist es ein ganz besonderes Buch welches sich aus der Masse der vielen tollen Familiengeschichten hervorhebt.

Bewertung vom 10.01.2021
Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
Schröder, Alena

Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid


ausgezeichnet

Bewegende, vielschichtige Familiengeschichte, feinfühlig erzählt

Inhalt

Hannah, eine junge Frau von 27 Jahren, studiert und lebt in Berlin. Die pulsierende Großstadt gibt ihr die Möglichkeit, sich unauffällig in der Menge zu verstecken. Sie pflegt nur wenige soziale Kontakte. Lediglich um ihre 95jährige Großmutter, die in einer Seniorenresidenz wohnt, kümmert sie sich aus Pflichtgefühl. Und dann ist da noch ihr charismatischer Doktorvater, deutlich älter und verheiratet, für den sie schwärmt.

Eines Tages erhält die Großmutter einen Brief aus Israel, in dem es um Familienangelegenheiten aus der Vergangenheit geht. Doch die alte Dame schweigt dazu, zu schmerzlich sind offenbar ihre Erinnerungen. Hannah wird neugierig und möchte mehr darüber herausfinden. Welche Geheimnisse gibt es in ihrer Familie?

Meine Meinung

Der Titel des Buches liest sich zunächst recht sperrig, aber der Klappentext konnte meine Neugier wecken, da ich Familiengeschichten, in denen es Geheimnisse zu lüften gilt, sehr mag. Also habe ich mit dem Buch begonnen und rasch erfreut festgestellt, dass es sprachlich deutlich angenehmer zu lesen ist, als der Titel. Und schon bald ( auf Seite 90 ) erschloss sich mir auch, was es mit dem Titel auf sich hat. Es handelt sich nämlich um die Beschreibung eines Gemäldes, welches im weiteren Verlauf der Geschichte eine zentrale Rolle spielt.

Die Geschichte wird auf zwei Ebenen erzählt. Zum einen spiet die Handlung in der Gegenwart, in der wir Hannahs Recherchen verfolgen und so auch ein Stück weit an ihrem Leben teilhaben. Zum anderen tauchen wir ein in die Vergangenheit vor und nach dem zweiten Weltkrieg. So erfahren wir die Geschichte von vier unterschiedlichen Frauen aus vier Generationen, die alle ihr Päckchen zu tragen hatten bzw. haben. Dabei erfährt man als Leser*in mehr, als die Protagonistin Hannah letztendlich herausfindet.

Der Schreibstil ist dabei eher ruhig und kommt ohne große Effekthaschereien und ohne große Dramatik aus. Dennoch wird auf sehr feinfühlige, intensive Weise eine Art Spannung mit Sogwirkung erzeugt. Die wechselnden Perspektiven unterstützen dies gekonnt.

Man kann sich perfekt in die jeweilige Lage und Situation der Protagonisten hineinversetzen und ihre Gefühle, Gedanken und Handlungen nachvollziehen. Alle haben durchaus ihre Ecken und Kanten, kaum einer ist einfach nur gut oder schlecht, keiner ist perfekt. Aber gerade das macht sie so lebendig und authentisch. Ich habe jedenfalls bis zum Schluss mit ihnen gehofft und gebangt.
Das Ende, d.h. die Auflösung des Ganzen war ebenfalls sehr stimmig und hat mich das Buch mit einem guten Gefühl zuschlagen lassen.

Fazit

Dieses Buch ist für mich ein wunderbar gelungener Debütroman, der mich sehr gut unterhalten hat, sprachlich ansprechend, thematisch sehr feinfühlig, mit authentischen Persönlichkeiten. Ich würde mich freuen, in Zukunft noch mehr von der Autorin lesen zu können.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 30.07.2020
Die nach den Sternen greifen / Das Grand Hotel Bd.1
Benedikt, Caren

Die nach den Sternen greifen / Das Grand Hotel Bd.1


ausgezeichnet

Ein Blick hinter die Fassade

Inhalt

Bernadette von Plesow hat zusammen mit ihrem Mann das mondäne Grand Hotel in Binz auf Rügen aufgebaut. Nach dem Tod ihres Mannes führt sie es mit eiserner Hand sehr erfolgreich allein weiter. Das Hotel ist ihr ganzer Lebensinhalt. Anfang der 1920er Jahre hat sie ihr Ziel erreicht, ihr Hotel ist das erste am Platz. Alles könnte so schön sein, doch unter der glatten Oberfläche brodelt es und es gibt immer neue Probleme zu bewältigen. Die Fassade scheint Risse zu bekommen, Geheimnisse wollen ans Licht. Ist das Unheil noch aufzuhalten? Bernadette ist bereit, alles für den Erhalt und vor allem für den guten Ruf ihres Hotels zu tun.
Ihre beiden Söhne stehen ihr dabei jeder auf seine Art hilfreich zur Seite. Alexander unterstützt sie als Geschäftsführer und Constantin, Besitzer des berühmten Berliner Hotels Astor, nutzt seine Kontakte und seinen Einfluss, wann immer es nötig wird. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht. Doch ihre Taten haben Konsequenzen.

Meine Meinung

Das Buch ist der gelungene Auftakt einer opulenten Familien-Saga. In tollen Bildern und lebendiger Sprache werden die Geschicke der Familie von Plesow geschildert, aber ganz besonders auch das Flair dieser Zeit. Ich habe mich regelrecht in die 1920er Jahre zurück versetzt gefühlt. Dabei kommt der Kontrast zwischen dem mondänen, eher beschaulichen Binz und der turbulenten, zum Teil verruchten Hauptstadt Berlin wunderbar zur Geltung.
Es gibt eine Vielzahl von Protagonisten, aus deren Blickwinkel die Geschichte erzählt wird. Man lernt die einzelnen Personen dabei recht gut kennen und kann ihre Gedanken und Handlungen größtenteils nachvollziehen. Ihre Persönlichkeiten entwickeln sich im Laufe der Handlung und vermitteln eine starke Authentizität. Dreh- und Angelpunkt ist dabei natürlich die Hotelinhaberin Bernadette. Sie wirkt auf den ersten Blick unnahbar, berechnend und kaltherzig. Erst im Laufe der Geschichte blickt man auch hinter ihre Fassade und erkennt, warum sie so ist, wie sie ist. Aber auch andere Charaktere zeigen erst nach und nach ihr wahres Gesicht.
Das Ganze ist dadurch sehr abwechslungsreich und spannend. Stellenweise wähnte ich mich schon fast in einem Krimi.

Fazit

„Das Grand Hotel“ ist ein sehr unterhaltsamer, vielschichtiger Schmöker. Er vereint gekonnt verschiedene Genres, wie Gesellschaftsroman, Familiengeschichte, historischer Roman und auch Krimielemente. Ich habe das Buch sehr gerne gelesen und freue mich schon auf die Fortsetzung.

Bewertung vom 31.01.2020
Die Schokoladenvilla - Goldene Jahre / Schokoladen-Saga Bd.2
Nikolai, Maria

Die Schokoladenvilla - Goldene Jahre / Schokoladen-Saga Bd.2


ausgezeichnet

Sehr unterhaltsamer Schmöker zum Genießen

" Die Schokoladenvilla - Goldene Jahre" ist der zweite Teil einer als Trilogie angelegten Familiensaga rund um die fiktive Stuttgarter Fabrikanten-Familie Rothmann.

Während der erste Band in den Jahren 1903/1904 spielt, liegt die Handlung des Folgebandes im Jahr 1926. Es liegen also über 20 Jahre dazwischen und die nächste Generation wächst heran. Es gibt ein Wiedersehen mit bereits bekannten Protagonisten, die sich im Laufe der Zeit weiter entwickelt haben und es treten neue Charaktere auf die Bühne.

Eine große Rolle spielt in diesem Buch u.a. die 20jährige und damit zu dieser Zeit noch nicht mündige Serafina. Serafina ist die Halbschwester von Victor Rheinberger, dem Ehemann von Judith ehemals Rothmann. Die junge Frau zieht nach dem Tod des Vaters zu ihrem Bruder in die Schokoladenvilla. Sie wird dort herzlich aufgenommen, aber ein Geheimnis belastet die lebenshungrige und abenteuerlustige junge Frau. Auch in der Schokoladenfabrik gibt es Probleme. Und so beginnt für alle eine aufregende Zeit.

Der Roman ist recht komplex und abwechslungsreich. Auch wenn die Familie selbst wie schon erwähnt fiktiv ist, so ist das "Drumherum" doch gut recherchiert und spiegelt die damalige Zeit, die goldenen 1920er Jahre, gut wieder. Immer wieder treten auch Personen auf, die tatsächlich gelebt haben. Trotz des mit 700 Seiten recht umfangreichen Romans kommt an keiner Stelle Langeweile auf und die Seiten fliegen nur so dahin.

Etwas überrascht war ich über den schon angemerkten Zeitsprung. Auch wenn man zwischendurch immer mal wieder kurze Einblicke bekommt, was in der Zwischenzeit passiert ist, so wäre hier sicher noch genug Stoff für einen weiteren Roman vorhanden gewesen. Allerdings lässt sich dadurch der zweite Teil auch gut eigenständig lesen. Ich denke, man muss den Vorgänger nicht zwingend kennen, um auch die Fortsetzung genießen zu können. Beide Teile wirken jeweils in sich abgeschlossen. Ich bin gespannt, wie es dann im dritten Teil weiter geht.

Auch dieses Buch wird durch ein Personenregister, ein Glossar und durch Anmerkungen zur Historie im Anhang von der Autorin wunderbar abgerundet. Und für alle Naschkatzen gibt es in der Klappe ein leckeres Rezept für Himbeer-Trüffel.

Mir hat dieser Roman wieder ausgesprochen gut gefallen und ich empfehle ihn sehr gerne weiter.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 06.08.2019
Gott wohnt im Wedding
Scheer, Regina

Gott wohnt im Wedding


weniger gut

Stimmige Grundidee, aber zu schwerfällig

In diesem Buch sind die Hauptakteure ein altes, inzwischen sehr herunter gekommenes Haus und seine Bewohner. Erzählt wird ihre Geschichte aus Vergangenheit und Gegenwart. Dabei wechselt die Perspektive oft und zum Teil recht sprunghaft. Sogar das Haus selbst kommt zu Wort. Diese Idee fand ich recht originell, da das Haus doch alle Bewohner, alte wie neue, kennt und viel zwischen seinen Wänden gehört hat und somit viele Schicksale von Vertriebenen und anderen Personen jedweder Herkunft quasi miterlebt hat.

Obwohl mir die Grundidee des Buches wirklich gut gefallen hat, habe ich mich damit sehr schwer getan . Die Geschichte ist sehr vielschichtig und komplex angelegt und springt dabei häufig hin und her. Es bedarf eines sehr aufmerksamen Lesens, um nicht den Faden zu verlieren. Es gibt zahlreiche Personen und manchmal ist es nicht leicht gewesen, dabei den Überblick zu behalten, wer wer ist, trotz des Personenregisters im Anhang.

Auch die Sprache als solches war mir einerseits häufig zu schwerfällig und langatmig, andererseits dann wieder zu emotionslos.

Ich habe tatsächlich mehrere Anläufe gebraucht, um doch noch irgendwie in die Geschichte hineinzufinden und habe mich bis zum Schluss schwer damit getan. Schade, ich hatte mich sehr auf das Buch gefreut.

4 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.04.2019
Schönheit regiert / The Belles Bd.1
Clayton, Dhonielle

Schönheit regiert / The Belles Bd.1


sehr gut

Fantasy-Roman mit dystopischen Ansätzen

Im Königreich von Orléans sind die Menschen von Natur aus hässlich. Nur die sogenannten Belles können ihnen durch ihre Fähigkeiten zumindest vorübergehend zu einem schöneren Aussehen verhelfen. Daher sind Termine bei ihnen begehrt. Aber solch eine Behandlung ist teuer und nicht für jeden bezahlbar.
Auch Camelia ist eine dieser Belles. Ihr einziges Ziel ist es, als Belle zur Favoritin der Königin gewählt zu werden. Als sie ihr Ziel schließlich erreicht, ist sie überglücklich und bereit, alles dafür zu tun. Doch nach und nach nagen Zweifel an ihr. Was genau geht am Hofe vor sich? Immer abwegigere Dinge werden von ihr verlangt. Nicht alle am Hof sind ihr gut gesonnen. Wem kann sie vertrauen? Und wem nicht? Warum hat man ihr eine Wache zur Seite gestellt, die sie auf Schritt und Tritt begleitet?

Das Buch ist optisch ein wahrer Blickfang und auch der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht. Ich war gespannt, was mich in dieser ungewöhnlichen Welt erwartet.

Besonders zu Anfang fand ich einiges recht verwirrend und es hat eine Weile gedauert, bis ich mich zurecht gefunden habe und ganz in die Geschichte eintauchen konnte. Trotz ausführlicher Beschreibungen blieben manche Zusammenhänge zunächst recht undeutlich. Erst später im Laufe der Geschichte kam schrittweise mehr Klarheit. Auch wenn mich das zuerst ein wenig gestört hat, blieb die Geschichte dadurch auf ihre Weise spannend, da ich einfach erfahren wollte, was nun dahinter steckt.

Die Geschichte beginnt dann auch eher gemächlich, manchmal schon fast an der Grenze zur Langatmigkeit. Doch durchhalten lohnt sich, denn im weiteren Verlauf kommt immer mehr Tempo in die Geschichte, es wird spannender bis zu einem Showdown am Ende. Wobei das Ende eigentlich keins ist, denn die Geschichte ist definitiv nicht zu Ende erzählt und schreit förmlich nach einer Fortsetzung, die es hoffentlich geben wird.

Die Charaktere sind zum Teil schwer einzuschätzen, als Leser/in weiß man häufig nicht genau, wer zu den "Guten" gehört und wer eher dunkle Absichten hegt. Camelia selbst ist mir zu Beginn auch nicht direkt sympathisch. Stellenweise wirkt sie zunächst einfach nur eitel und sehr egoistisch. Das Bild von ihr ändert sich aber mit dem Fortschreiten der Handlung und am Ende entpuppt sie sich doch als starke, mutige junge Frau, die bereit ist, auch für das Wohl anderer zu kämpfen.

Eine Anmerkung zum Titel möchte ich gerne noch machen, da ich ihn hinsichtlich der Sprache etwas seltsam finde. Der englische Artikel "the" und das französische Wort " Belles" passen für mich nicht zusammen. Ich hätte es besser gefunden, wenn man hier bei einer einheitlichen Sprache geblieben wäre.

Insgesamt hat mich dieser Fantasy-Roman mit dystopischen Ansätzen trotz kleinerer Schwächen gut unterhalten. Es gibt aber noch reichlich Steigerungsmöglichkeiten, die hoffentlich in einer Fortsetzung erreicht werden.