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Miroloi katapultiert uns direkt hinein in den Kopf einer jungen Frau, die als Findelkind in einer abgeschirmten Gemeinschaft aufwächst. Hier haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem. Was passiert in einem solchen Dorf, wenn man sich als Außenseiterin gegen alle Regeln stellt? Wenn man den Konjunktiv und heimlich lesen lernt, Freundschaften und Allianzen schließt, sich verliebt und endlich, endlich einen Namen bekommt? Unbändig und feinfühlig könnte diese Geschichte an jedem Ort und in jeder Zeit spielen. Ein großer Roman, in dem jedes Detail brennt und leuchtet.…mehr

Produktbeschreibung
Miroloi katapultiert uns direkt hinein in den Kopf einer jungen Frau, die als Findelkind in einer abgeschirmten Gemeinschaft aufwächst. Hier haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem. Was passiert in einem solchen Dorf, wenn man sich als Außenseiterin gegen alle Regeln stellt? Wenn man den Konjunktiv und heimlich lesen lernt, Freundschaften und Allianzen schließt, sich verliebt und endlich, endlich einen Namen bekommt? Unbändig und feinfühlig könnte diese Geschichte an jedem Ort und in jeder Zeit spielen. Ein großer Roman, in dem jedes Detail brennt und leuchtet.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Tacheles!
  • Gesamtlaufzeit: 670 Min.
  • Erscheinungstermin: 28.08.2019
  • ISBN-13: 9783864845963
  • Artikelnr.: 57338998
Autorenporträt
Köhler, Karen
Karen Köhler hat Schauspiel studiert und zwölf Jahre am Theater in ihrem Beruf gearbeitet. Heute lebt sie auf St. Pauli, schreibt Theaterstücke, Drehbücher und Prosa. Ihre Theaterstücke stehen bei zahlreichen Bühnen auf dem Spielplan. 2014 erschien ihr viel beachteter Erzählungsband "Wir haben Raketen geangelt". 2017 erhielt sie für ihren Roman "Miroloi" (Hanser 2019) ein Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung, 2018 das Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds.
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Karen Köhler klingt als Vorleserin jugendlich. Das passt zur jungen namenlosen Protagonistin ihres Romandebüts „Miroloi“, die auf einer abgeschotteten Inselwelt lebt. In einer Welt, die bestimmt ist von Traditionen und starren Regeln, unter denen alle leiden, außer denen, die die Macht haben. Den Ton geben Männer – die Bethausmänner, der Ältestenrat – an, Frauen haben wenig Rechte und die Heldin, die ein Findelkind war, hat gar keine. Köhler erzählt vom Unglück, als Außenseiterin in dieser engen Welt leben zu müssen und einem Weg, sich zu befreien, sich selbst bewusst zu werden. Durch Worte, durch Sprache, die den Frauen verwehrt ist. Sich diese zu erobern, ist ein Prozess und so ist es stimmig, dass die Worte manchmal in ihrer Einfachheit naiv oder seltsam verschroben wirken, einer der Punkte, für die der Roman stark kritisiert wurde. Für das Hörbuch ist der Vortrag Köhlers ein Glücksfall, denn darin werden der leicht artifiziell wirkende sprachliche Duktus der Heldin und ihr Seelenleben verständlich. In der Stimme der Schriftstellerin aus Hamburg, die auch als Schauspielerin ausgebildet ist, liegen eindringliche Strenge, Wut und Schmerz. Aber auch Unschuld und tiefe Empfindsamkeit.

        
Mit ihrem eindringlichen Vortrag setzt Karen Köhler den eigenen Roman in lebendige Sprache um.
 

© BÜCHERmagazin, Reimar Biedermann

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 15.08.2019

Alles Übel kommt aus der Drübenwelt
Das Gesetz der Männer: Karen Köhlers erster Roman "Miroloi"

Dass sich Männer so viel selbstverständlicher in der Welt bewegen als Frauen und sich den Raum für ihre Positionen ungefragt nehmen, das war die Ausgangslage von Karen Köhlers literarischem Debüt "Wir haben Raketen geangelt" vor vier Jahren. Diese neun Storys thematisierten zugleich aber auch weibliche Unfähigkeit, überhaupt ein Gespür für die eigene Positionierung zu entwickeln. Psychologisch drastisch ausgedeutet, kam da unter anderem die Musicaldarstellerin eines Kreuzfahrtschiffs zu Wort, die bereits die Karibik, eine Transatlantikpassage, eine Europa-Umrundung und eine Nordlandtour hinter sich gebracht hatte und trotzdem größtmögliche Distanz von sich und der Welt erfuhr. Die Erzählungen drangen dabei von der Zivilisation immer weiter in die Natur vor; von einer deutschen Großstadt ging es über den amerikanischen Westen und Italien bis in die Wildnis Sibiriens.

Das Thema weibliche Autonomie und Selbstermächtigung verhandelt die 1974 in Hamburg geborene Karen Köhler nun auch in ihrem ersten Roman, um es literarisch gleichwohl in eine andere Richtung zu treiben. Waren ihre Erzählungen in der Gegenwart dieser Autorin verankert, die viele Jahre als Schauspielerin tätig war, ehe sie über erste Theaterstücke zum literarischen Schreiben kam, so entwirft sie in "Miroloi" eine Gesellschaftsparabel, die sie gleichsam noch hinter Sibirien ansiedelt - zwar in südlichen Gefilden, aber an keinem erkennbaren realen Ort mehr - und mit der sie Fragen aufwirft, die Konstellationen und Voraussetzungen menschlichen Zusammenseins grundsätzlich verhandeln. Nicht umsonst stammt das Motto zum Roman von Hannah Arendt: "Kein Mensch hat das Recht zu gehorchen." Wie weit Menschen also bereit sind, sich Gesetzen zu unterwerfen, auch wenn sie diese als falsch erachten, wann der Moment erreicht ist, in Opposition zur eigenen Umgebung zu treten, und wie hoch der Preis dafür dann ist, davon handelt dieser Roman.

Die Ich-Erzählerin ist ein Findelkind. Inzwischen zur jungen Frau herangewachsen, wird ihr dennoch ein eigener Name verwehrt, da sie durch die nebulöse Herkunft nicht akzeptiert wird in ihrer Welt. Ihre Welt, das ist eine Dorfgemeinschaft auf einer entlegenen Insel, die nach eigenen Regeln und Gesetzen lebt. Es ist eine archaisch-patriarchale Gesellschaft. Dennoch wird hier nicht aus einer dunklen Vergangenheit heraus erzählt, sondern aus der Gegenwart, denn Gegenstände des Alltags wie Fernseher und Waschmaschinen sind durchaus bekannt, wenn auch verboten. Sie stammen wie alles Übel von der "Drübenwelt" jenseits des großen Meeres, woher nur gelegentlich ein Versorgungsschiff die Insulaner erreicht. Auf der Insel selbst gibt es keinen Strom, Frauen dürfen nicht lesen und schreiben lernen, und das Verlassen des Dorfs steht wie vieles unter Höchststrafe. Als die Ich-Erzählerin nach dem Tod ihres Ziehvaters schutzlos den Gesetzen des Dorfes ausgeliefert ist, kommt es zur erwartbaren Katastrophe.

In seiner Anlage erinnert "Miroloi" mitunter an den letzten Roman von Boualem Sansal. Der algerische Schriftsteller hatte in "2084" die Vision einer religiösen Diktatur entworfen, in der eine Herrscherkaste ebenfalls mit unerbittlicher Härte über die Bürger wachte. Bei Sansal gibt es keine Zwischentöne und keine Transformation, das Böse ist allgegenwärtig. Die Männer sind träge, die Frauen müssen schuften, immerzu wird gebetet, und Musik und Literatur sind ebenso verboten wie in Köhlers böser Welt.

Das Wort "Miroloi" entstammt der griechisch-orthodoxen Tradition und bezeichnet ein von Frauen gesungenes Klagelied. Immer dann, wenn die Genderaufteilung in diesem Roman über Kreuz läuft, Frauen zu Verräterinnen werden, und sei es aus Furcht, während anderseits von Männerseite unerwarteter Zuspruch kommt, wird es überraschend und unvorhersehbar. Doch es bleibt das Dilemma solcher Erzählungen, dass Einseitigkeit und eine gewisse Redundanz zur Verdeutlichung mitunter auf Kosten der literarischen Ambivalenz geht. Erst dadurch, dass die Erzählerin von den anderen nicht als Individuum anerkannt wird, hat sie ja die Kraft, sich in dieser totalitären Gesellschaft den Gedanken an Freiheit überhaupt zu erlauben. Ob ihr dies auch möglich gewesen wäre ohne die aufgezwungene Entfremdung, das ist das reizvolle Gedankenspiel, das hier unbeantwortet bleibt.

SANDRA KEGEL

Karen Köhler: "Miroloi".

Roman.

Carl Hanser Verlag, München 2019. 464 S., geb., 24, - [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 22.08.2019

Ständiges Rattern
Karen Köhlers Debütroman „Miroloi“ hat
sich viel vorgenommen, die Mittel aber fehlen
VON THERESA HEIN
Auf ihrer Website postet die Schauspielerin und Autorin Karen Köhler unter dem Reiter „Lesereisebetten“ Fotos von den Betten, in denen sie während ihrer Lesereisen übernachtet hat. Die Fotos sind unkommentiert, meistens nur mit dem Namen der Unterkunft und dem Ort versehen, eine bedrückende Reihe aus Braun-, Grau- und Blautönen von Bettwäschen, Tapeten und Hoteldekoration, die, je näher man den aktuellen Fotos kommt, immer liebevoller wird. Die Betten-Fotostory ist ein Beweis für Köhlers Sinn, Dinge, die vermeintlich überall herumliegen, so anzupacken, dass sie überraschend wirken. Ein einzelnes Reisebett? Nichts Besonderes. Dreißig nebeneinander? Eine Allegorie des Reisens als junge Autorin: je mehr Preise, desto schöner die Tapeten.
Fünf Jahre ist es her, seit Karen Köhler ihren Kurzgeschichtenband „Wir haben Raketen geangelt“ veröffentlicht hat, gefeiert wurde die Autorin damals schon für ihre klare Sprache und ihr Gespür dafür, Dinge aufzuschreiben, die alle sehen könnten, aber viele übersehen. Während die Jury des Deutschen Buchpreises Köhlers Debütroman auf ihre Longlist setzte, haben andere Kritiker ihm direkt nach Erscheinen den seltsam kunstfernen Vorwurf gemacht, keine wahre Literatur zu sein, sondern nur eine Zielgruppe befriedigen zu wollen, was sich mit Geschäftskalkül erklären lasse: Bücher mancher Autorinnen würden nur veröffentlicht, so der Verdacht, damit sich Verlage richtige Literatur leisten können, die sich nicht an bestimmte Zielgruppen, zum Beispiel der Genussleserinnen, richtet, sondern an den universellen Menschen in seiner ursprünglichen Form – also den Mann. Diese Selbstentblößung einer bestimmten Sparte der Kritik ist ein Verdienst, das man Karin Köhlers Roman erst einmal anrechnen kann. Besonders gut ist er trotzdem nicht geraten, aber das hat andere Gründe.
„Miroloi“ bedeutet aus dem Griechischen übersetzt „Klagelied“, Sängerin des Klageliedes ist eine junge Waise, die in einem Dorf auf einer kleinen Insel lebt. Den klimatischen Gegebenheiten, Rezeptbeschreibungen und dem Titel nach zu urteilen befindet sie sich irgendwo vor Griechenland, zu einer nicht näher bestimmten Zeit im 20. Jahrhundert. Ohne zivilisatorische Errungenschaften wie Gewaltenteilung oder Gleichberechtigung existieren die Insel und ihre Bewohner vor sich hin, in einem sozialen Gefüge, in dem Steinigungen und ein Pranger-Pfahl auf dem Dorfplatz legitime Bestrafungsmöglichkeiten darstellen, in dem Frauen zwangsverheiratet werden und nicht lesen und schreiben lernen dürfen. Als der Ziehvater der Protagonistin ihr heimlich das Lesen beibringt, nährt er in ihr damit den Willen zur Rebellion. Das Mädchen hinkt, seit es sich mit einem Faustschlag gegen einen gleichaltrigen Jungen wehrte und ihr zur Strafe das Bein mit einem Prügel aus Olivenholz zertrümmert wurde. Eine Außenseiterin war sie schon vorher. Niemals darf sie, die als Baby in einer Kiste vor den Stufen des „Bethauses“ ausgesetzt wurde, ein Teil der Dorfgemeinschaft werden, und so wird ihr alles verweigert, was Identität stiften könnte – allem voran ein Name.
Dieses Inseluniversum wäre vielleicht die perfekte Umgebung für einige der angerissenen Motive. Wenn es nur nicht so viele wären. Köhler begleitet ihre Protagonistin nicht nur bei deren wachsender Gier nach Wissen. Sondern auch bei der Erkundung ihrer eigenen Lust (kapitelweise), bei der Suche nach ihrer Mutter, dem Wunsch nach Flucht (beides sehr willkürlich), Erfahrungen von Missbrauch (mehrmals), Glaubenskrisen (häufig) und Misogynie (ständig). Was schon für ein reales Leben sehr viel Stoff wäre, ist in seiner Kondensation auf einer griechischen Insel nah am Erzählgulasch.
Köhlers kurzatmige Sätze rattern vor sich hin wie sorgsam aufeinander abgestimmte Zahnräder. Egal, ob die Erzählerin gehetzt ist („Ich eile, fliege, renne mit meinen neuen Schuhen durch den Schimpfwortregen, zickzacke durchs Dorf, die Treppe hoch, unter dem Torbogen hindurch, durch die Küche, zur Kammer, überbringe die Botschaft“) oder einfach nur ein Panorama des Dorflebens beschreibt („Das Holz wird jetzt schon knapp in den Bergen, und der Händler kommt immer seltener und bringt jetzt fast nur noch Kohlen und Gas, dagegen häkeln die Frauen in Schwarz an, bitten die Götter mit jeder Masche um einen milden Winter in diesem Jahr, beklagen ihre Hüften, Knie und was sonst noch wehtut“). Aber es gelingt den Aufzählungen von Namen und Gebräuchen nicht, das Gewicht der verschiedenen Geschichten bis zum Ende zu tragen. Das Rattern hört nicht auf, die Erzählform stagniert. Und zurück bleibt das Gefühl, sehr oft Luft holen zu müssen.
Schade ist das deswegen, weil Köhler zwischendrin immer wieder beweist, dass sie die Fähigkeit, kleine Alltäglichkeiten zu etwas Besonderem zu machen, nicht verloren hat. Ihre Dialoge sind komisch und tieftraurig zugleich, und man erwischt sich bei dem Wunsch, sie hätte alles andere weggelassen und ein Theaterstück geschrieben. Als die Protagonistin lesen lernt, erklärt ihr Ziehvater ihr anhand der Buchstaben des Alphabets, dass es Dinge im Leben gibt, die man nicht mehr rückgängig machen kann: „Wenn du sie einmal kennen gelernt hast“, sagt der Vater zu ihr „gibt es kein Zurück mehr, du kannst dann nicht mehr nicht lesen, nicht mehr nicht wissen. Verstehst du?“ „Nein“, antwortet die junge Frau daraufhin ehrlich, und es ist einer von vielen Wortwechseln, in denen Köhler auf minimalem Raum wie nebenbei die großen Selbstverständlichkeiten des Heranwachsens illustriert.
Ganz nett auch die Idee des Nachrichtensprechers: Auch an einem Ort, an dem es kein Fernsehen gibt, haben die Menschen ein Bedürfnis nach Neuigkeiten. Der Nachrichtensprecher liest deswegen aus Zeitungen vor, die vom Händler ab und zu auf die Insel gebracht werden. Dafür steigt er auf eine Holzkiste, das ganze Dorf versammelt sich um ihn. Jannis, der Nachrichtensprecher, hat einerseits eine sehr angenehme Stimme, deswegen wurde er ausgewählt, vorzulesen. Andererseits ist er sehr schnell beleidigt und darf auf keinen Fall unterbrochen werden. Genau deswegen tun es die Dorfbewohner ständig, Köhlers Wortwechsel zwischen einem stillen und vielen lauten Menschen ist schmerzlich treffend.
Es sind Ideen wie diese, die den Roman auszeichnen. Aber sie ertrinken unter den viel zu bemühten sprachlichen und inhaltlichen Konstrukten. Zum Beispiel die Wortneuschöpfungen der Protagonistin, die nur verdeutlichen, dass einfache Sprache und kitschige Sprache gefährlich nahe beieinander liegen, wenn sie von „Augentoren“, „Wortpinseln“ und „Schmerzenbändigerstöhnen“ erzählt. Oder die permanente Erinnerung daran, dass die Erzählerin menstruiert („Ich blute“), die den Leser darauf hinweist, dass jetzt wohl wieder ein Monat rum ist, und die einen ungewollt komischen Kalender bildet.
Die existenziellen Fragen, die der Roman auch aufwirft, werden von der Erzählerin nur angetastet. Die vorsichtig geschmiedeten Allianzen der jungen Frau mit anderen halten nicht, ohne dass recht begründet würde, wieso. In einer intimen Küchenrunde mit den Dorffrauen verglimmt eine kurz aufflackernde Möglichkeit zum Aufstand gleich wieder, wohl, weil es in diesem Dorf nur eine junge Rebellin geben kann, die es ernst meint.
Der Roman, dessen wichtigstes (und lästigstes) Ziel es ist, dass die inhaltlichen Konflikte unbedingt auf die Debatten der Gegenwart übertragbar sein sollen, entwirft ein verbissen zeitloses Gegenmodell zu einer modernen, vernetzten Gesellschaft. Miroloi, im griechisch-orthodoxen Glauben ein Begriff für einen Gesang, der für Verstorbene gesungen wird, ist am Ende ein künstliches Erzähl-Band, das zu viele Einzelgeschichten zusammenhalten soll. Verweise auf König Ödipus und die Odyssee, von der hinkenden Protagonistin auf der Suche nach ihrer Herkunft bis zur abgeschlossenen, unbelehrbaren Inselgemeinschaft, bringen das Paket schließlich zum Implodieren. Sie lassen den Leser nicht nur atemlos zurück. Sondern ermüdet.
Frauen werden
verheiratet, sie dürfen weder
lesen noch schreiben
Jeder Romankonflikt
muss auf aktuelle
Debatten anwendbar sein
Karen Köhler: Miroloi.
Roman. Carl Hanser Verlag, München 2019.
464 Seiten, 25 Euro.
Ihr Kurzgeschichtenband „Wir haben Raketen geangelt“ war ein großer Erfolg, ihr Debütroman „Miroloi“ steht jetzt auf der Longlist des Deutschen Buchpreises: Schriftstellerin Karen Köhler.
Foto: dpa 
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Dlf Kultur-Rezension

Auf die im Feuilleton tobende Diskussion um Karen Köhlers Roman geht Ursula März in ihrer Besprechung nicht ein. Mit Begeisterung liest sie Köhlers "Miroloi" als Roman einer Befreiung. Zwar findet es März etwas riskant, wie eklektisch Köhler die mittelmeerisch-arachisch-fundamentalistische Gesellschaft zeichnet, aber beliebig erscheint sie ihr nicht: Sie sieht in "Miroloi" vielmehr eine glaubwürdige Saga, poetisch und anschaulich zugleich, universell und doch konkret.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Mit simplen, poetischen Worten und immenser Fantasie, die schon den Sound von Köhlers Erzählband 'Wir haben Raketen geandelt' durchdrangen, hat Köhler nun ihr Romandebüt geschrieben." Süddeutsche Zeitung, 19.09.19 "Ein ganz und gar eigentümliches Buch, das mir wie ein Ohrwurm nicht aus dem Sinn geht. ... Ein Roman von bezwingender poetischer Schönheit und existentieller Wucht. ... Die tollste Inselgeschichte, meiner Meinung nach, seit Robinson Crusoe." Denis Scheck, ARD druckfrisch, 15.09.19 "Dieser Roman überzeugt jedoch nicht allein durch seine Gesellschaftskritik, sondern auch dadurch, dass der Text seine ganz eigene Poesie und Sprachkraft entwickelt." Denis Scheck, WDR 2 Lesen, 15.09.19 "Eine mitreißende Geschichte von Menschwerdung und Selbstermächtigung gegen alle Widerstände." Nadja Erb, Frankfurter Rundschau, 12.09.19 "Köhlers lange Erfahrung als Theaterautorin kommt dem Roman spürbar zugute. Vor allem die langen Figurendialoge ziehen den Leser mitten hinein ins Geschehen, machen es zu einer glaubwürdigen Saga. Eine Gattung, die aufs Universelle zielt, aber vom Konkreten lebt. ... Vorgetragen in einer märchenhaften Sprache mit poetischen Wendungen mit "Tausendaugenmenge" oder "Wassertropfenspur" entfaltet sich Köhlers Roman zu einem politisch aktuellen Plädoyer für die Errungenschaften der Zivilisation, für Menschenwürde und Selbstbestimmung." Ursula März, Deutschlandfunk Kultur, 26.08.19 "Ein Miroloi ist ein Totenlied, aber dieses Werk strahlt durch sonnendurchglühte Lebendigkeit." Brigitte Woman, 07.10.19 "Das archaische Tableau erinnert an 'Kassandra' und so wie die Erzählung von Christa Wolf ein Klassiker des Feminismus geworden ist, hätte auch der Roman von Karen Köhler mit seiner sprachlichen Wucht den drastischen Details das Zeug dazu. ... Ein packend erzähltes Stück Literatur, das seinen hohen Ton und seinen hohen Anspruch bis zum dramatischen Finale durchhält." Sabine Frank, MDR Kultur, 20.08.19 "Wie weit Menschen bereit sind, sich Gesetzen zu unterwerfen, auch wenn sie diese als falsch erachten, wann der Moment erreicht ist, in Opposition zur eigenen Umgebung zu treten, und wie hoch der Preis dafür dann ist, davon handelt dieser Roman." Sandra Kegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.08.19 "Karen Köhler macht sich mit diesem Text stark für die politische Kraft der Erzählung. Sie klammert sich nicht an eine der aktuellen Debatten, sondern bemüht sich, einen eigenständigen Urtext zu erschaffen. Mit 'Miroloi' hat sie eine Parabel über die Freiheit geschrieben, die Raum lässt für die Gedanken des Lesers, in ihrem hoffnungsvollen Gesang." Lisa Kreißler, NDR Kultur, 15.08.19 "Ein ungewöhnliches Buch. ... 'Miroloi' knüpft nicht an die alltägliche Erfahrung an, und es verwendet für vieles, was uns gleichwohl bekannt vorkommt, eine eigene Sprache." Elke Schmitter, Der Spiegel, 12.08.19…mehr