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Benutzername: Lunamonique
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Danksagungen: 13 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 214 Bewertungen
Bewertung vom 17.03.2019
Witchmark
Polk, C. L.

Witchmark


ausgezeichnet

„Witchmark – Die Spur der Toten“ ist das Fantasy-Debüt von Autorin C. L. Polk. Eine Begegnung bringt Dr. Miles Singer in Gefahr.

Das Beauregard-Veteranen-Hospital ist normalerweise nicht für ärztliche Notfälle zuständig. Trotzdem hält eine Kutsche mit einem Fremden und Sterbenskranken, der unbedingt von Dr. Miles Singer behandelt werden will. Mit den letzten Worten nimmt Nick Elliot Miles ein Versprechen ab.

Der direkte Einstieg mit gleich zwei ernsthaften Problemen ist sehr gelungen. Die Geschichte nimmt sofort Fahrt auf. Miles hat die Vergangenheit hinter sich gelassen und bewahrt ein gefährliches Geheimnis. Nick Elliots Schicksal berührt ihn. Er setzt alles daran, den Mord an Nick aufzuklären. Das ungleiche Ermittlerteam Dr. Miles Singer und Tristan Hunter hat einen hohen Unterhaltungswert. Beide sind Gentleman mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Der undurchsichtige Tristan ist eher bereit, Regeln zu brechen. Es geht um Macht, Vertrauen, Freundschaft und Versuchungen. Wer wollte Nicks Tod und ist bereit, über weitere Leichen zu gehen? Das Rätselhafte zieht sich durch die Geschichte. Die Spannung bleibt auf einem hohen Niveau. Von unerwarteter Seite zieht sich der Strick um Miles enger. Das Verwirrspiel um Magie, Feinde und Motive ist sehr gelungen. Es fällt leicht, mit Miles und Tristan mitzufiebern. Die Emotionen der einzelnen Akteure sind greifbar. Durch den stilvollen Erzählton und die gediegenen Kulissen kommt eine besondere Atmosphäre auf. Noch sind Automobile rar gesät. Kutschen und Fahrräder sind die gängigen Verkehrsmittel. Ein bisschen erinnert das intelligente Ermittlerteam an Sherlock Holmes und Dr. Watson, trumpft aber mit magischen Talenten und Geheimnissen auf. Nur langsam setzen sich die Puzzlestücke zusammen. Hinterlist, Intrigen und Verrat, das Ausmaß wird erst nach und nach deutlich. Gefahr und Spannung steigen, je näher Miles und Tristan der Auflösung kommen. Packende Szenen zum Schluss und ein herzerweichendes Ende. Band 2 steht schon in den Startlöchern.

Das Cover setzt Magie und Abenteuer perfekt in Szene. Das Kreative und Ungewöhnliche zieht die Blicke aufs Buch. Sehr gelungen ist die Farbwahl, die das Mystische unterstreicht. „Witchmark – Die Spur der Toten“ ist ein bemerkenswertes Fantasy-Debüt mit Suchtcharakter. Unmöglich die nächsten Bände zu verpassen. Miles und Tristan sind originelle und unwiderstehliche Hauptfiguren. Als Ermittlerteam kultverdächtig. Ein sehr empfehlenswerter Pageturner!

Bewertung vom 12.03.2019
Sag dem Abenteuer, ich komme
Rieck, Lea

Sag dem Abenteuer, ich komme


sehr gut

„Sag dem Abenteuer, ich komme – Wie ich mit dem Motorrad die Welt umrundete und was ich von ihr lernte“ ist das Debüt-Reisebuch von Autorin Lea Rieck.

„Plötzlich weiß ich ganz genau, was zu tun ist. Einfach so. Ohne ein Wenn oder tausend Aber. Dies ist meine Zeit. Meine Chance. Vielleicht die einzige, die sich mir jemals bieten wird. Ich will dorthin, wo Avocados am Baum hängen, wo Bananenstauden stehen und wo der Reis, den ich so liebe, auf üppigen, grünen Feldern wächst: „Ich habe den Job. Aber ich mache eine Weltreise auf dem Motorrad.“

Eine Volontärin, die die Büropflanzen mit Evian-Wasser gießt, ist der kuriose Auslöser für ein Weltreise-Abenteuer. Der großen Sehnsucht, die in den meisten von uns schlummert, gibt Lea Rieck in einem ungewöhnlichen Augenblick ihres Lebens nach. Denn sie hat gerade die Nachricht erhalten, dass es mit dem neuen Job klappt. Was im ersten Moment seltsam erscheint, ist schnell einleuchtend. Die Begeisterung für die Entscheidung steckt an. Auf der ersten ausklappbaren Seite lässt sich die Reiseroute der Weltenbummlerin nachvollziehen. Viele Reisestationen sind nicht geplant. Der Zufall hat auch bei dieser Weltreise die Finger im Spiel. Überraschend ist die Bucheinteilung mit Überschriften wie „Mut“, „Leidenschaft“, „Glaube“, „Empathie“. Tatsächlich ist der Titel Programm. Lea Rieck erzählt hauptsächlich von Orten und Begegnungen, die ihr etwas bewusst gemacht und/ oder in ihr etwas verändert haben. Neben den Anekdoten nehmen Erkenntnisse und Lebensweisheiten viel Gewicht ein. Gewöhnungsbedürftig sind die abrupten Reise- und Zeitsprünge. Ein bisschen wirkt das Reisebuch wie ein Flickenteppich. Zu viele Erlebnisse, die nicht auf die paar hundert Seiten gepasst hätten, und deswegen ein Exkurs in eine Auswahl der Länder. Fotos machen das Abenteuer zusätzlich greifbar. Auch der Humor blitzt bei manchen Reiseerfahrungen durch. Davon hätte es gerne mehr geben können. Abschiede und Neuorientierungen, es sind die besonderen Begegnungen, die Reise und Buch Gewicht verleihen. Am Berührendsten ist der Zufallsstopp an einer Steinhütte in Pakistan und das Gespräch mit der Hunzukuc-Familie. Fremde Menschen heißen willkommen, öffnen ihre Herzen, sind hilfsbereit und beschützen. Eine Frau allein mit dem Motorrad unterwegs, das ist etwas Besonderes. Angst vorm Scheitern, der inneren Dunkelheit, eine Achterbahn der Emotionen. Den vorgeschriebenen Weg verlassen, sich ins Ungewisse stürzen. Am meisten Herzenswärme verströmt das letzte Buchdrittel. Es bleiben offene Fragen. Was ist Schenja passiert? Längst sind einem ein paar Menschen der Reise selbst ans Herz gewachsen.

Die Coverszene wirkt ein bisschen sehr gestellt. Im Vordergrund stehen Titel und Untertitel. In „Sag dem Abenteuer, ich komme“ geht es nicht nur um Glück sondern auch um Tiefschläge, Zweifel und Zerrissenheit. So mancher emotionale Ausbruch überrascht, zeigt aber auch die Ehrlichkeit der Autorin. Das Buch macht Mut, sich seinen Wünschen, Träumen und den damit verbundenen Herausforderungen zu stellen, und es macht Lust auf die Welt mit ihren unbekannten Facetten und besonderen Vielfalt.

Bewertung vom 07.03.2019
Onkel Stan und Dan und das ungeheuerlich ungewöhnliche Abenteuer
Kennedy, A. L.

Onkel Stan und Dan und das ungeheuerlich ungewöhnliche Abenteuer


ausgezeichnet

„Onkel Stand und Dan und das ungeheuerlich ungewöhnliche Abenteuer“ ist das erste Kinderbuch von Autorin A. L. Kennedy. Geschrieben hat sie es für ihre Patenkinder, die Zwillinge Honor und Xavier von Schauspielerin Tilda Swinton.

Ein Fremder mit Notizbuch taucht auf der Farm von Onkel Stan in Schottland auf. Das blaue Nasenfell von Bert Lama fällt ihm ins Auge. Eine Ungewöhnlichkeit, die es sofort aufzuschreiben gilt. Was hat es mit dem Fremden auf sich, der Tiere wie Menschen verängstigt? Onkel Stan ist so beschäftigt, dass er erst spät merkt, was auf seiner Farm und im Dorf Pandrumdroochit los ist.

Viel Humor haben die kurzen Einstiegstexte der Kapitel, persönliche Ansprachen, die auf die jeweiligen Abenteuer vorbereiten. Die Illustrationen von Gemma Correll unterstreichen den Witz, beleben die Geschichte und haben zusätzlichen Unterhaltungswert. Ein Farmer, der mit einem Dachs befreundet ist, sind die Hauptfiguren. Onkel Stan ist die Fröhlichkeit in Person und steckt andere mit seiner guten Laune an. Er liebt es, wie ein Kind auf Bäume zu klettern, Unsinn zu fabrizieren und sich ungewöhnlich zu verhalten. Gerade, dass er an allem so viel Spaß hat, macht ihn aus. Die Begegnungen mit ihm sind immer lustig. Seine Tiere, allen voran Dan Dachs, lieben ihn dafür. Das Auftauchen von Dr. P´Krall bringt alles durcheinander, denn er hasst Glück und gute Laune und will die Ungewöhnlichkeit aus den Menschen pressen. Ist Onkel Stan ein Fall für den Doktor? Dan und auch ein paar Dorfbewohner kommen ins Grübeln. Das Thema „Gut und Böse“ wird auf ungewöhnliche Weise in eine schräge Geschichte verpackt. Dr. P`Krall neigt dazu, seine fiese Meinung und hinterhältigen Absichten auszuplaudern. Trotzdem fallen Menschen auf ihn rein. Niemand jagt ihn aus dem Dorf. Sie lassen ihn gewähren, Argwohn und Misstrauen streuen. So kann Dr. P`Krall ungestraft Unheil anrichten. Eigentlich müsste mit dem angeblichen Doktor eine beklemmende und düstere Atmosphäre aufkommen. Die Farmtiere mit ihren Eigenarten und zwei ungewöhnliche Besucher verhindern das. Es geht um Freundschaft und Zusammenhalt. Der humorlose Feind wird auf die Schippe genommen. Wer kann den grässlichen Doktor stoppen? Herrlich überdreht geht es auf 272 Seiten zu. Zum Schluss kommt sogar Spannung auf. Showdown und Ende sind originell und passend kurios wie die ganze Geschichte.

Das Gute Laune-Cover setzt die beiden Hauptfiguren kreativ in Szene. Die blaue Hintergrundfarbe lässt den Titel hervortreten. Kleine Details deuten auf den lustigen Inhalt hin. „Onkel Stan und Dan und das ungeheuerlich ungewöhnliche Abenteuer“ bringt mit ansteckender, ungebremster Fröhlichkeit jung wie alt zum Schmunzeln. Unmöglich, nach diesem Buch keine gute Laune zu haben. Nicht nur für Kinder ab 9 Jahren ein tolles Lesevergnügen.

Bewertung vom 06.03.2019
Mörder mögen keine Matjes
Koch, Krischan

Mörder mögen keine Matjes


sehr gut

„Mörder mögen keine Matjes – Ein Küstenkrimi“ ist Band 7 der Thies Detlefsen & Nicole Stappenbek-Reihe von Autor Krischan Koch. Ein Watt-Fund gibt Rätsel auf.

Der Inhalt eines angespülten Containers an Fredenbülls Küste ruft Polizeiobermeister Thies Detlefsen auf den Plan. Zwischen Elektroschrott liegt eine Leiche. Wer ist der Tote und wie ist er in den Container gekommen? Nicht die einzigen Fragen, die sich stellen. Eine Spur führt nach Hamburg. Thies und seine Freunde aus der „Hidde Kist“ müssen sich dem Großstadtdschungel stellen.

Der Einstieg mit dem zerbeulten Privatdetektiv und seinen Recherchen ist gelungen. Handlungswechsel, Nordfriesland nach einem Herbststurm. Das Thema „Angespülte Container“ ist brandaktuell und wird auf ungewöhnliche Weise in den Küstenkrimi integriert. Rätselhafte bis kuriose Details heizen Spekulationen an. Auch wer die vorherigen Bände nicht kennt findet sich schnell in der Geschichte zurecht. Originell verknüpft werden die beiden Handlungsorte Fredenbüll und Hamburg. Der Matjes wird zum humorigen, roten Faden. Kurze Kapitel sorgen für einen guten Lesefluss. Wo ist der Mord passiert? Was sind Motiv und Hintergründe? Wie hängt alles zusammen? Eingestreute Puzzlestücke lassen in verschiedene Richtung denken. Thies begibt sich auf ungewohntem Terrain in Gefahr. Nicoles neues Leben in Hamburg ist nicht ohne Tücken und Fallstricke. Unangenehme Wahrheiten werden offenbart. Nicht nur Thies und Nicole wollen den Fall lösen. Auch Privatdetektiv Phil Krotke versucht Licht ins Dunkel zu bringen. Dann gerät plötzlich etwas aus dem Ruder. Mit der „Müll-/Elektroschrott-Verschiffung“ wird ein zweites aktuelles Thema aufgegriffen. Geldgier, Lügen, falsche Fährten, das Verworrene hält an. Es gibt gleich mehrere Verdächtige. Tierische Akteure lockern die Geschichte auf und steigern den Unterhaltungswert. Zu kurz kommt die Spannung. Es fehlt an fesselnden Szenen. Gut gewählt sind die Hamburger Kulissen für den Showdown. Zu viel Leichtsinn beim Täter und eine Auflösung, die nicht allzu viel Überraschendes parat hat. Trotzdem ein unterhaltsames Nordfriesisch angehauchtes Hamburger-Abenteuer.

Das Cover hat Humor und Seriencharakter. Der Titel fällt ins Auge. Längst hat die Küstenkrimi-Reihe ihre Fans gefunden. In „Mörder mögen keine Matjes“ geht es turbulent zu. Jeder urige Charakter trägt auf seine Weise zur Story bei. Perfekt als kurzweilige Urlaubslektüre nicht nur bei Sonnenwetter. Humor ist Trumpf, die zu wenig eingebrachte Spannung lässt sich verzeihen.

Bewertung vom 04.03.2019
Das gefälschte Siegel
Ilisch, Maja

Das gefälschte Siegel


ausgezeichnet

„Das gefälschte Siegel – Die Neraval-Sage 1“ ist das High-Fantasy-Debüt der Autorin Maja Ilisch. Eine Vermutung lässt Böses befürchten.

Prinz Tymur Damarel trägt mit einem Geheimnis eine schwere Last auf seinen Schultern. Um eine große Gefahr für das Land abzuwenden, begibt er sich mit drei ungleichen Gefährten auf eine abenteuerliche Reise. Es gilt ein Rätsel zu lösen und die Zauberin Illiane zu finden.

Der Wunsch eines kleinen Jungen bringt gleich mehrere gestandene Wächter und Kämpfer in Bedrängnis. Der Prolog stimmt auf eine abenteuerliche Fantasy-Geschichte mit einer unterhaltsamen Prise Humor und Ironie ein. Prinz Tymur Damarel steht in Gunst und Vertrauen des Königs weit oben, obwohl er der jüngste von fünf Söhnen ist. Mit Diplomatie und Charme wickelt er jeden um den Finger. Für einen geheimen Auftrag benötigt er Gefährten. Tymurs ungewöhnliche Wahl fällt auf zwei Gefallene und eine trotzige, sture, junge Frau. Die Einführung der ungleichen Charaktere nimmt viel Raum ein und ist sehr gelungen. Gegensätzlicher können vier Menschen kaum sein. Aus einem redegewandten Prinzen, tugendhaftem Leibwächter, furchtsamen Säufer und einer unerfahrenen, stolzen, jungen Dame soll ein eingeschworenes Team werden. Eine Aufgabe, die alle an ihre Grenzen bringt. Dabei sind Reise und Ziel schon Herausforderung genug. Tücken und Hindernisse pflastern ihren Weg. Haben die Dämonen längst einen Teil des Landes erobert? Eine abenteuerliche, spannende Odyssee, in der Stärken und Schwächen der Vier zu tage kommen. Nichts ist vorhersehbar. Nicht die Geschichte steht im Zentrum des Fantasy-Romans sondern die vier Hauptfiguren, ihre Eigenarten, Marotten, Emotionen, ihr Kampf mit sich selbst. Es geht um Freundschaft und Zusammenhalt. Der unberechenbare Tymur wird zur Gefahr. Ist er immer noch er selbst? Das Verwirrspiel zieht sich wie ein roter Faden durch den packenden Plot. Undurchschaubarkeit bis zum Schluss und atemlose, perfekt inszenierte Hochspannung auf den letzten Metern. Perspektivwechsel machen die geladene Atmosphäre greifbar. Der Paukenschlag am Ende ist ein würdiger Abschluss und grandioser Cliffhanger. Unmöglich, den nächsten Band nicht lesen zu wollen.

Das Cover ist Understatement und kommt nicht an den Inhalt heran, erregt aber mit einem abenteuerlichen Titel und einer beeindruckenden Szene Aufmerksamkeit. „Das gefälschte Siegel – Die Neraval-Sage 1“ übertrifft die Erwartungen und bietet filmreife Unterhaltung. Der schalkhafte, fesselnde Erzählstil wird zum Markenzeichen von Autorin Maja Ilisch. Eigen, besonders, lebendig und bildhaft. Das High-Fantasy-Debüt ist sehr empfehlenswert und spricht Fantasy-Liebhaber fast jeden Alters an.

Bewertung vom 27.02.2019
Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta
Huerta, Máxim

Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta


sehr gut

In „Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta“ von Autor Máxim Huerta kreuzen sich Schicksalswege an einem besonderen Ort.

Monsieur Dominique ist auf wundervolle Weise Besitzer eines Blumenladens geworden. In „L'Étoile Manquante“, Der fehlende Stern, gehen Stammkunden ein und aus und bereichern seine Welt. Sein Glück gibt der 74jährige mit kleinen, heimlichen Gesten an die Menschen weiter. Trotzdem will die Einsamkeit nicht aus seinem Herzen weichen. Bis er auf die Idee kommt, eine Verkäuferin einzustellen.

Die persönliche Ansprache im Prolog zieht den Leser in die Geschichte. Das Schicksal der Spanierin Mercedes berührt. Für sie und ihre Freundin Tilde werden Monsieur Dominique und sein Blumenladen zum Rettungsanker. Herzerwärmend wie Dominique zu seinem neuen Lebensinhalt gekommen ist. Das Thema „Einsamkeit“ wird von verschiedenen Seiten beleuchtet. Mal wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Monsieur Dominique erzählt, dann wieder werden Perspektivwechsel eingestreut. Der Erzählton ist von einer stilvollen Eleganz geprägt und verleiht Inhalt, Lebensweisheiten und Zitaten Gewicht. Im Alter werden Wünsche, Zweifel und Hoffnungen nicht weniger. Gleich vier der wichtigen Charaktere sind über siebzig. Eine entscheidende Rolle in Monsieur Dominiques Leben spielt die 90jährige resolute Paulina. Auch sie hat das Herz am richtigen Fleck. Grenzen verschwimmen, Magie wird greifbar. Können Blumen wirklich ein Eigenleben entwickeln? Für Monsieur Dominique haben sie eine tiefsinnige Bedeutung. Mit Hilfe von Blumen kann er Schicksale lenken. Nicht das Geldverdienen steht im Vordergrund, sondern sich und andere glücklich zu machen. Als die 23jährige Violeta in sein Leben tritt, erhält alles wieder mehr Farbe und die Einsamkeit schwindet. Das Thema „Freundschaft“ spielte eine zentrale Rolle in dieser Geschichte. Herrlich, wie sich Wege kreuzen und sich von einer Minute auf die andere alles verändern kann. „Fürchte dich nicht davor, glücklich zu sein. Alles ist real. Sorge dafür, zu leben wie im Märchen.“ Das Buch ist voller liebenswerter Botschaften. Bald kommt der Wunsch auf, den herzensguten Monsieur Dominique und seinen besonderen Blumenladen in der Nähe zu haben. Paris und „L'Étoile Manquante“ gehören jedoch untrennbar zusammen. Einen besseren Handlungsort hätte es für diesen Roman nicht geben können. Ein Geheimnis steigert den Unterhaltungswert. Die Neugierde der Akteure steckt an. Manche Dinge passieren einfach. Verstrickungen, Verknüpfungen und das Spiel der Lüge, ein feinsinnig konstruierter Plot. Die Zeitsprünge zum Ende sind etwas gewöhnungsbedürftig. Trotzdem schön, noch so viele Einblicke zu bekommen.

Die Coverszene versucht den Zauber des Romans einzufangen. Gut gewählt sind die Pastellfarben. Der Titel verwundert zu Anfang, findet aber seine Erklärung. „Der Blumenladen der Mademoiselle Violeta“ ist ein Buch für die Seele. Es heitert auf und ermutigt, sich seine Wünsche und Träume zu erfüllen. Die mitschwingende Melancholie passt zur Atmosphäre. Monsieur Dominiques Worte klingen nach: „Ich möchte keinen Tag verschwenden, ohne glücklich zu sein.“

Bewertung vom 22.02.2019
The Hurting
Smit, Lucy van

The Hurting


gut

In „The Hurting“ von Autorin Lucy van Smit gibt Nells erste große Liebe Lukas Rätsel auf. Hat er eine finstere Seite?

Nell fühlt sich ungeliebt von Vater und Schwester. Ihre Mutter ist vor Jahren verschwunden. Ihren besten Freund Dom musste sie in Manchester zurücklassen. Norwegen ist ihr fremd. Zum Rettungsanker wird ein rätselhafter Junge im Wolfsmantel, der alle in seinen Bann zieht.

Eine unglaubliche Tat und ein Mädchen, das sich verfolgt fühlt. Der Einstieg mit einer beklemmenden Situation ist gelungen. Wie konnte es so weit kommen? In einem Rückblick, drei Monate zuvor, erfährt der Leser was geschehen ist. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Nell erzählt. Schwer zu ertragen ist Nells familiärer Alltag. Ihr tief religiöser Vater säuft und übertritt Grenzen. Außerdem ist Nell den Anfeindungen ihrer schwerkranken Schwester ausgesetzt. Das düstere Szenario wirkt zu übertrieben. Nell lebt wie eine Sklavin. Aschenputtel lässt grüßen. Das einzig Positive scheint ihr bester Freund Dom zu sein. Unverständlich bleibt, warum Nell sich so von ihrer Familie einschüchtern lässt und nicht um ihr eigenes Glück kämpft. Mitten in der Pubertät müsste sie eigentlich eine Rebellin sein. Die Verzweiflung der Hauptfigur ist verständlich. Mit Lukas kommt wieder Sonne in ihr Leben. Bald wird klar, dass ihre Liebe größer ist als seine. Was führt Lukas im Schilde? Seltsam ist, dass Nell ihm sofort all seine unglaublichen Storys abnimmt. Was ist Wahrheit, was Lüge? Nells Naivität ist schwer nachvollziehbar. Längst hat sie die rosarote Brille auf. Eine Geschichte mit nur drei guten Charakteren und alle anderen sind böse? Das Ungleichgewicht stört. Hoffnungslosigkeit, Aussichtslosigkeit, Intrigen, Verrat, Liebe, Nell schlittert von einem Abgrund auf den nächsten zu. Zum Ende geht es abenteuerlich und immer emotionaler zu. Eine kleiner Akteur wird zum Highlight. Ein bisschen viel Theatralik, aber der Schluss ist gelungen.

Das Cover setzt voll und ganz auf den Titel. Eine andere kreativere Umsetzung wäre möglich gewesen. „The Hurting“ erinnert mit Charakteren und Handlungsort ein bisschen an Twilight. Im Vordergrund steht das Thema „Große Liebe“. Aber auch der Schutz einer besonderen Kreatur nimmt viel Gewicht ein. Obwohl Manches übertrieben wirkt, reißt die Geschichte mit. Wende und Auflösung bieten keine große Überraschung. Ein durchwachsenes Fazit. Für weibliche Leser ab 14 Jahren mit einer Vorliebe für Liebesgeschichten eine unterhaltsame Lektüre.

Bewertung vom 15.02.2019
Cainstorm Island - Der Gejagte
Golien, Marie

Cainstorm Island - Der Gejagte


ausgezeichnet

„Cainstorm Island – Der Gejagte“ ist das Romandebüt von Autorin Marie Golien. Eine schicksalhafte Begegnung kann Emilio das Leben kosten.

Um Familienschulden zu bezahlen, lässt sich der 17jährige Emilio Rivoir auf ein folgenschweres Geschäft ein. Die Firma Eyevision implantiert einen Chip in seinen Kopf. Eine halbe Stunde am Tag ist Emilio auf Sendung. Die Zuschauer verfolgen durch seine Augen seine Kletter- und Trainsurfkünste, bis Emilio eines Tages zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Der Tod gehört zum Straßenbild. Ein beklemmender Einstieg in die Welt von Cainstorm, wo Armut und Elend herrschen und die Gang Las Culebras das Sagen hat. Ganz anders geht es auf dem Kontinent Asaria zu. Eyevision ermöglicht den reichen Asarianern Einblicke in Alltag und Gefahren von Cainstorm. Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Emilio erzählt. Mit seiner Entscheidung für den Chip gibt Emilio Kontrolle ab. Das Thema „Sensationsgier“ wird auf ungewöhnliche Art in Szene gesetzt. Gute Quoten kriegt nur, wer die Zuschauer nicht langweilt. Was als harmloser Job anfängt wird zu einem Strudel aus Manipulation, Geldgier und Verrat. Bald verfolgt Eyeversion auf skrupellose Weise eigene Pläne. Tempo und Spannung steigen schon nach kurzer Zeit auf ein hohes Niveau. Eine aussichtslose Lage und niemand, der ihm helfen kann. Was hat es mit dem rätselhaften Mädchen auf sich? Flucht und Verfolgungsjagden, der Strick um Emilios Hals zieht sich enger. Nicht nur er ist in Lebensgefahr. Autorin Marie Golien nimmt sich auch dem Thema „Umweltverschmutzung“ an. Gift, Chemie und Plastik verseuchen Land und Meer. Originell ist die Idee mit den Mutantenfischen im Aquarium. Ist Cainstorm die Zukunftsversion der Erde? Vieles erinnert heute schon an Emilios Welt. Fische, denen Plastik aus dem Magen entfernt werden muss, Chemie verseuchte Flüsse. Bedrückend und realitätsnah. Hauptfigur Emilio besticht mit Mut und großem Kampfgeist. Familie, Freundschaft und Zusammenhalt sind die Pfeiler seines Lebens. Umso berührender, wie ihm der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Wem kann er noch trauen? Emilios Verzweiflung, Trauer, Wut sind greifbar. Gibt es kein Entkommen? Der Showdown wirkt etwas zu kurz geraten, setzt aber Abgründe, Ehrgeiz und Unwissenheit gut in Szene. Handelt es sich doch um den Auftakt zu einer Jugendbuchreihe? Darauf lässt das Ende schließen.

Das kreative Cover setzt den Titel perfekt in Szene. Sehr gelungen sind auch die Details „Auge und Schlangen“. „Cainstorm Island – Der Gejagte“ bietet rasante Action, aber auch eine berührende Geschichte. Eine einzige falsche Entscheidung ändert alles. Sehr empfehlenswert für junge Leser ab 13 Jahre und für Erwachsene, die ungewöhnliche Geschichten lieben.

Bewertung vom 09.02.2019
Gehetzt / Jane Hawk Bd.2
Koontz, Dean

Gehetzt / Jane Hawk Bd.2


ausgezeichnet

„Gehetzt“ ist nach „Suizid“ Band 2 der Jane Hawk-Thrillerreihe von Dean Koontz. Die Verfolger sind Jane dicht auf den Fersen.

Eine beliebte Lehrerin, die urplötzlich zur Terroristin mutiert. Ein Ehemann, der sich völlig grundlos selbst hinrichtet. Die beurlaubte FBI-Agentin Jane Hawk bringt Licht in die Hintergründe und ist einer großen Verschwörung auf der Spur. Die Jagd auf sie hat längst begonnen.

Was bewegt einen Menschen zu einer Wahnsinnstat? Autor Dean Koontz nimmt sich dem Thema auf ungewöhnliche Weise an. Er kreiert ein schauriges Szenario, das erschreckend realitätsnah wirkt. Alpträume werden wahr. Der Einstieg mit einer eigentlichen Idylle, in die Wahnvorstellungen platzen, ist gelungen. Selbst der geliebte Haushund merkt, dass etwas gewaltig nicht stimmt. Handlungswechsel, Jane versucht einen Verbündeten zu finden. Wer begibt sich selbst in große Gefahr, um die Wahrheit an die Öffentlichkeit zu bringen? Janes Gegner schrecken vor nichts zurück und haben Verbindungen in die höchsten Kreise. Intelligenz und Raffinesse, Jane ist ihren Feinden einen Schritt voraus, aber wie lange noch? Kurze Kapitel, schnelle Handlungs- und Perspektivwechsel halten das Tempo hoch. Kaum etwas ist vorhersehbar. Der Thriller ist voller origineller Ideen und filmreifer Szenen. Der Erzählstil, mit einem auffälligen Kontrast zwischen ausschmückenden, phantasievollen Beschreibungen, Metaphern und spannungsgeladener Action, überzeugt auf ganzer Linie. Bald ist auch eine Prise Humor im Spiel. Alle Charaktere haben Persönlichkeit. Mitfiebern in brenzligen Situationen fällt dadurch leicht. Jeder in Janes Umkreis kann in den Fokus der Verschwörer geraten. Technische Überwachung in ungeahnten Varianten droht zum Verhängnis zu werden. Ein zweites aktuelles Thema, das aufgriffen wird. Trügerische Sicherheit, Täuschungsmanöver, Manipulation, wem ist noch zu trauen? Das Katz- und Mausspiel wirkt wie eine Mischung aus Science-Fiction-Blockbuster, James Bond-Straßenfeger und Mission Impossible-Kinohit. Jane zeigt Schwächen und Herz und beeindruckt mit ungebremsten Entschlossenheit. Nebenfiguren wie der undurchsichtige Otis und taffe Grandpa Bernie steigern den Unterhaltungswert. Ein temporeiches Rennen gegen Zeit und Gegner. Der erwartete Showdown hat ebenfalls Überraschungen parat. Nicht enttäuschend, aber ein paar mehr Seiten und Konfrontationen hätten ihm gut getan.

Das Cover setzt auf Autor und Titel. Es wäre schwer gewesen, den Inhalt in bildhafte Szenen zu packen. Gut gelöst ist die Farbgestaltung Orange auf Weiß. „Gehetzt“ beschwört düstere Szenarien herauf, die hoffentlich niemals stattfinden. Ein Thriller, der sich dank Sprache und Vielfalt an Ideen von der Masse abhebt. Sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 04.02.2019
Der Patriot
Engman, Pascal

Der Patriot


ausgezeichnet

„Der Patriot“ ist das Thrillerdebüt von Autor Pascal Engman. Ein Serienmörder hat es auf Journalisten abgesehen.

Der Hass auf Einwanderer in Schweden eskaliert. Ein Serienkiller übt Rache an Journalisten aus, die den Flüchtlingsstrom verharmlosen und sich gegen Rassismus engagieren. Todesdrohungen sind längst an der Tagesordnung. Zeitungsredaktionen leben in Angst. Der Täter kennt keine Skrupel und plant seine Morde eiskalt. Lässt er sich aufhalten?

Der Prolog ermöglicht einen guten Einstieg. Die Kaltblütigkeit des Täters schockiert. Zwei Handlungsorte, Schweden und Chile, und gleich mehrere Handlungsstränge. Über lange Strecken bleibt der Zusammenhang rätselhaft. Trotz geballter Figurenvorstellung in den ersten Kapiteln, fällt es leicht, sich in der Geschichte zurechtzufinden. Kurze Abschnitte und gut inszenierte Handlungswechsel steigern die Spannung. Bald findet sich der Leser auf einer Achterbahn von Emotionen und Eskalationen wieder. Leibwächter August Novak verliert den Boden unter den Füßen. Journalistin Madeleine Winther überschreitet für ihre Karriere Grenzen. Ein Drogenhändler ist auf der Suche nach einem Verräter. Es bleibt keine Atempause. Niemand kann sich sicher fühlen. Es fällt leicht, in Chile mitzufiebern. Nicht nur dort haben manche Menschen zwei Gesichter. Jeder Charakter trumpft mit Persönlichkeit auf. Überraschende Wendungen erschüttern umso mehr. Zeitweise rührt die Geschichte zu Tränen. Abgründe, Intrigen, Lügen, Verrat. Wem ist noch zu trauen? In Schweden greift Todesangst um sich. Gibt es überhaupt einen Schutz vorm Serienkiller?
Der Autor und ehemalige Journalist Pascal Engman nimmt sich auf packende Weise einem aktuellen Thema an, dass ihn selbst betroffen hat. Was tun gegen Fanatiker mit ihren wahnwitzigen Motiven, die vor nichts zurückschrecken? Ihre Taktik, Feindseligkeiten, Angst und Schrecken zu sähen, geht auf. Manipulation und Kapitulation, ein aufwühlender Plot. Zum Schluss steuert alles auf einen Showdown zu. Explosive Spannung bis zur letzten Minute.

Der Titel in Blutrot erregt Aufmerksamkeit. Die düstere Szenerie stimmt auf einen packenden Thriller ein. „Der Patriot“ überrascht mit Paukenschlägen. Unberechenbares und Dramatik lösen sich stetig ab. Ein fesselndes Debüt!