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Benutzername: Lunamonique
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Bewertungen

Insgesamt 256 Bewertungen
Bewertung vom 12.10.2019
Wisting und der Tag der Vermissten / William Wisting Bd.1
Horst, Jørn Lier

Wisting und der Tag der Vermissten / William Wisting Bd.1


ausgezeichnet

„Wisting und der Tag der Vermissten“ bildet den Auftakt zur Cold-Case-Reihe um William Wisting von Autor Jørn Lier Horst. Der ehemalige Kriminalkommissar der norwegischen Polizei wurde u.a. 2014 für „Jagdhunde“ mit dem „The Martin Beck Award“ ausgezeichnet.

Ein 24 Jahre alter Vermisstenfall lässt Kommissar William Wisting nicht los. Immer wieder stöbert er in den Akten „Katharina Haugen“, um das Rätsel zu lösen. Adrian Stiller von der Cold-Case-Einheit hat neue Spuren in einem zweiten Fall. Ausgerechnet Martin Haugen, der Ehemann von Katharina soll darin verwickelt sein.

Ein ruheloser Kommissar, der nicht aufgibt. Sowohl Ermittler als auch das ungelöste Rätsel fesseln von Anfang an. Der Erzählstil mit der Nähe zur Hauptfigur und seinem Denken sorgt für eine anhaltende Spannung. Jederzeit kann etwas Entscheidendes passieren. Kurze Kapitel ermöglichen einen sehr guten Lesefluss. Welchen Plan verfolgt Adrian Stiller? Bald ist nicht nur William Wisting in den Fall verwickelt, und die Gefahren steigen für alle Beteiligten. „Tatsächlich wussten die Ermittler heute nicht viel mehr als damals. Ziemlich genau wussten sie, was nicht geschehen war, was Katharina Haugen nicht getan hatte und wo sie sich nicht aufhielt, aber sie konnten nichts darüber sagen, weshalb, wie oder wohin sie verschwunden war.“ Das Undurchsichtige bleibt erhalten, auch als das Blatt sich wendet. Der Krimi fokussiert sich auf Nachforschungen und Perspektiven. Es ist als wäre eine lange Lunte angezündet worden, die langsam herunter brennt. AutorJørn Lier Horst schafft eine Intensität, der man sich nicht entziehen kann. Ungereimtheiten und Rätselhaftes sind sehr gut inszeniert. Stillers Methode „Provokation“ sorgt für Zündstoff. Die Auflösung lässt sich zum Schluss immer mehr erahnen. Lügen und Verstrickungen erhalten die Spannung.

Das Cover setzt Titel und Dramatik sehr gut in Szene. Gut gewählt sind Farben und Details. Mit wenige Mitteln ein Cover, das Aufmerksamkeit erregt. Jørn Lier Horst plaudert in „Wisting und der Tag der Vermissten“ auch ein bisschen aus dem Nähkästchen eines Kriminalkommissars. Aufgrund seines Wissens und seiner Erfahrungen wirken Vermisstenfälle und Ermittlungen sehr real. Am Ende des Buches gibt es einen Ausblick auf Band 2. Eine sehr empfehlenswerte Krimireihe, die mehr auf Psychospiele mit dem Leser setzt als ihn mit den blutigen Details abgründiger Verbrecher zu schocken.

Bewertung vom 11.10.2019
Der Fund
Aichner, Bernhard

Der Fund


sehr gut

In „Der Fund“ von Autor Bernhard Aichner gerät die Welt aufgrund einer hoffnungsvollen und riskanten Entscheidung völlig aus den Fugen.

Die 53jährige Supermarktverkäuferin Rita Dalek musste zwei schwere Schicksalsschläge verkraften. Die Liebe zu ihrem alkohol- und spielsüchtigen Ehemann ist längst erkaltet. Da bietet sich aufgrund eines schicksalhaften Fundes eine einzigartige Chance, ihr Leben für immer zu verändern.

Mit dem auch in der Realität möglichen Szenario und direkten Einstieg beginnt eine Geschichte, die sich so nicht erwarten lässt. Der Erzählstil ist ungewöhnlich. Ein Kriminalbeamter, der das Umfeld des Opfers durchleuchtet. Von an Anfang steht fest, was passieren wird. Aber wie ist es dazu gekommen? Die Ich-Person unterhält sich mit allen Beteiligten, die im Laufe des Geschehens mit dem Opfer zu tun hatten. Der besondere Fokus auf die Dialoge wirkt anfangs nicht sehr effektvoll gewählt, bis die Geschichte in Fahrt kommt. Immer mehr Puzzlestücke kommen durch die Gespräche ans Licht. Ein paralleler Handlungsstrang erzählt Ritas Tanz auf dem Vulkan und Talfahrt in die Hölle. Langeweile, Kontrolle, Täuschung, Lügen, und eine Frau, die die Chance ihres Lebens ergreift. Das Ausbrechen aus dem Alltag, der Traum vom Neuanfang entwickelt sich zu einer verhängnisvollen Suche nach dem Glück. Autor Bernhard Aichner schafft es, den Leser mit geschickten Winkelzügen und Abgründen zu überraschen. Nebenfiguren werden durch ihren Dialog-Part in Szene gesetzt. Ihre Charakterzüge werden so zum Teil erschreckend deutlich. Der Ermittler bedient sich unkonventioneller Methoden und wirft Fragen auf. Warum führt er die Gespräche im privaten Umfeld und spielt seine Möglichkeiten nicht aus? Irrwege und Spekulationen, ein Bild, das sich immer wieder ein Stück neu zusammensetzt. Gelungene Thriller-Unterhaltung bis zum Schluss.

Das Cover setzt den Titel mit wenigen Mitteln in Szene. Durch den schwarzen Hintergrund entsteht der Eindruck, in einen Abgrund zu schauen. Anziehungskraft hat der Autorenname. Überraschend wie der Inhalt ist der sonnengelbe Buchschnitt. „Der Fund“ erfüllt die hohen Erwartungen und hat ein filmreifes Szenario parat. Was passiert wenn man einer Versuchung nachgibt? Gut und Böse überschreiten Grenzen.

Bewertung vom 04.10.2019
Ein Kater sieht rot / Ferris Bd.1
Zimmermann, Irene

Ein Kater sieht rot / Ferris Bd.1


sehr gut

„Ferris – Ein Kater sieht rot“ bildet den Auftakt zur Kinderbuchreihe von Autorin Irene Zimmermann. Eine Katastrophe bringt Kater Ferris aus der Fassung.

Der dicke Tigerkater Ferris ist der Chef im Viertel. Er hat sogar einen Sicherheitsbeauftragten, der auf seine alte Villa aufpasst. Dummerweise verschwinden trotz der Vorkehrungen zwei seiner wichtigsten Angestellten. Sie haben eine besondere Aufgabe, die niemand anders erledigen kann.

Witzig und sehr hilfreich ist die Tier- und Personenliste am Anfang des Buches. Porträts mit kurzen Beschreibungen und „Auffälligen Kennzeichen“ geben einen Eindruck von allen Charakteren, die im Buch mitspielen. Damit ist zusätzlich die Neugierde auf den Inhalt geweckt. Kater Ferris erlebt einen Tag, der alles Andere als problemlos verläuft, und dann hat auch noch Eichhörnchen Uwe eine Hiobsbotschaft. Sein hibbeliger Ausruf zieht sich durch die ganze Geschichte. Vorlieben und Eigenarten von Ferris, Uwe und Waschbär Rüdiger sind unterhaltsam. Auf humorvolle Weise fließen Ferris' Rechts-Links-Schwäche und ein nervendes Gerät mit ein. Der Alltag hat so seine Tücken und natürlich auch das anstehende Abenteuer. Ein bisschen zu schnell lässt sich vorausahnen, wer Ferris ans Fell will. Spannung kommt mit Aktionen und Plänen auf. Einen großen Anteil am Unterhaltungswert haben die kreativen, treffenden und amüsanten Illustrationen von Stefanie Jeschke. Sie setzt die Charaktere perfekt in Szene. Auch das Stilmittel „Schwarzer Hintergrund/weiße Schrift“ wird sehr gelungen und effektvoll eingesetzt. Gerne hätte das Abenteuer noch mehr pfiffige, originelle Details und Überraschungen haben können. Mit den tierischen Akteuren lässt sich problemlos mitfiebern. Für den nächsten Band ist noch Luft nach oben.

Die Cover-Illustration zieht alle Blicke aufs Buch und fast den Inhalt auf lustige Art zusammen. Auch Titel und Farbgestaltung sind sehr gelungen. Ein liebevoll gestaltetes Kinderbuch! „Ferris – Ein Kater sieht rot“ spricht Mädchen wie Jungs ab 6 Jahren an. Ein mitreißendes Abenteuer, das sich auch zum Vorlesen eignet.

Bewertung vom 02.10.2019
Hotel Cartagena / Chas Riley Bd.9
Buchholz, Simone

Hotel Cartagena / Chas Riley Bd.9


sehr gut

„Hotel Cartagena“ ist Band 9 der Chastity-Riley-Krimireihe von Simone Buchholz. Für Band 8 „Mexikoring“ wurde sie 2019 in der Kategorie „National“ mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet.

Kollege Faller feiert seinen 65. Geburtstag in einer Hotelbar am Hamburger Hafen. Zwölf bewaffnete Männer stürmen die Bar und nehmen Gäste und Personal als Geiseln. Staatsanwältin Chastity („Chas“) Riley ist mitten im Geschehen und versucht einen Kontakt zu dem Anführer aufzubauen.

Anfangs verwirren Prolog, Rückblick und Handlungsstränge. Mit Ivo Stepanovic und einer zögerlichen, skurrilen Entscheidung kommt Humor ins Spiel. Im Laufe der Geschichte wird der eigenwillige Erzählstil von Autorin Simone Buchholz immer deutlicher und überzeugt mehr und mehr. Wie hängen die zwei Handlungsstränge zusammen? Rückblicke führen an verschiedene Handlungsorte wie St.Pauli, Cartagena in Kolumbien und Curacao. Hauptfigur Henning lässt sich auf ein gefährliches Spiel ein. Derweil bleibt das Motiv der Geiselnahme in Hamburg rätselhaft. Es werden keine Forderungen gestellt. Kapitelüberschriften wie „Den Kopf in der Kreissäge“ und „Ein Mann, eine Wurst“ fassen die Geschehnisse auf schräge, humorvolle Art zusammen. Der Fokus liegt auf den unterhaltsamen, hartgesottenen Dialogen. Auch in gefährlich angespannter Lage kommt viel Situationskomik auf. Informationen werden auf skurrile, unterhaltsame Weise verschlüsselt. In beiden Handlungssträngen läuft es auf Eskalationen hinaus. Die Frage ist wie und wann? Schicksale sind geschickt miteinander verflochten. Stetig ansteigende Spannung und eine Dramatik, die schockierend bis ungewöhnlich in Szene gesetzt wird. Kurz vorm Showdown wird es noch einmal sehr skurril. Ein bisschen lässt das Ende offen.

Das Cover hat Seriencharakter. Der Titel erinnert mit Schrift und Kreativität an Kriminalfilme. Auch wer die vorherigen Bände nicht kennt, findet sich in Band 9 zurecht. Auf den Erzählstil lässt sich nicht vorbereiten. „Hotel Cartagena“ wirkt wie eine Mischung aus „Ocean’s Eleven“ und „Pulp Fiction“. Schräg, kurios und drastisch.

Bewertung vom 30.09.2019
Meine wunderbare Frau
Downing, Samantha

Meine wunderbare Frau


gut

„Meine wunderbare Frau“ ist der Debütroman von Samantha Downing. Ein Ehepaar hat ein dunkles Geheimnis.

Der Einstieg mit einer Täuschung ist gelungen. Die Geschichte wird aus Sicht des Ehemanns erzählt. Tennislehrer und Immobilien-Maklerin, Sohn Rory 14 Jahre, Jenna 13 Jahre, nach außen hin eine ganz normale Familie. Ehefrau Millicent ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Sie ist kaltblütig, böse und kennt keine Skrupel. Der erste Gedanke, dass der Ehemann unter ihrem Pantoffel steht, erweist sich als falsch. „Tobias“ hat die gleichen Vorlieben und beteiligt sich aktiv an einem perfiden Spiel. Beweggründe und Motive sind unglaubwürdig. Langweile und Anerkennung durch den Partner reichen nicht aus. Beide Hauptfiguren wirken oberflächlich. Es kommt über lange Strecken keine Spannung auf. Die Geschichte plätschert dahin. Mit einer ungeahnten Zwickmühle wird es interessanter. Die Fassade bröckelt in Zeitlupe. Ein Plan geht nicht auf. Es lässt sich erahnen, worauf alles hinaus läuft. Trotzdem fesselt eine entscheidende Wendung. Der Boden wird unter den Füßen weggerissen. Ein Ausweg ist nicht in Sicht. Das letzte Buchdrittel reißt das Ruder herum. Reichlich spät, aber effektvoll. Es bleibt offen, was passiert. Wer ist zu was fähig? Hier offenbart der Thriller seine Trümpfe. Spekulationen werden in Gang gesetzt. Der Showdown ist dramatisch und erinnert entfernt an einen Kinofilm.

Der Titel wirkt wenig kreativ. Gelungen ist die Perspektive auf eine geheimnisvolle Frau. Gesichtsausdruck und Farben unterstreichen das Gefährliche. „Meine wunderbare Frau“ ist kein Pageturner wie erwartet, schafft es aber am Ende doch noch auf gewisse Weise den Leser zu packen.

Bewertung vom 27.09.2019
Das Versprechen des Bienenhüters
Lefteri, Christy

Das Versprechen des Bienenhüters


ausgezeichnet

„Das Versprechen des Bienenhüters“ ist der Debütroman von Autorin Christy Lefteri. Nuris Heimat Syrien steht am Abgrund. Die Bedrohung für die Familie wächst. Ihnen bleibt nur die Flucht.

„Danke an alle, die mir ihre Geschichte erzählt haben, die Geflüchteten, die mir die Augen geöffnet haben. Danke an all die wunderbaren Kinder in Faros, die mir gezeigt haben, was wahrer Mut bedeutet. Ich werde euch nie vergessen.“ (Danksagung Autorin Christy Lefteri am Ende des Buches)

„Ich fürchte mich vor den Augen meiner Frau. Sie sieht nicht heraus, und niemand kann durch sie hineinschauen.“ Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Nuri Ibrahim erzählt. Eine Idylle zerbricht. Bald ist nur noch Zerstörung und Gefahr übrig. In seinen Erinnerungen lebt Nuris Heimat Syrien wieder auf. Das zentrale Thema des Romans sind Kriegs-Traumata. Seelische und körperliche Verletzungen, der Verlust von Familienangehörigen, Heimat und Existenz. Nuri quälen Albträume. Er und seine Frau Afra sind sich aufgrund der vielen schlimmen Ereignisse fremd geworden. Sie kennen einander nicht wieder. Jeder trägt sein eigenes Päckchen aus Verlust, Trauer und Schuldgefühlen. Ihr einziger Hoffnungsschimmer sind enge Freunde, die die Flucht geschafft haben. Bienenzüchter Nuri erinnert sich an Zeiten mit Freunden und Familie, Unbeschwertheit und Lebensfreude. Die Bienen waren und sind ihr Rettungsanker. Mit ihnen fließt Poetisches in die Geschichte ein. Ein besonderes Stilmittel ist auch das fehlende Wort am Ende eines Kapitels, das den Titel des nächsten bildet. So entsteht eine ungewöhnliche Verbindung, die dem Roman zusätzliche Intensität verleiht. Nuris Erinnerungen bringen Erschütterndes und Schockierendes zu Tage. Tod und ein ungeklärtes Schicksal liegen ihm auf der Seele. Liebe, Freundschaft und Hoffnung verströmen eine herzergreifende Wärme. Kann es für Nuri und Afra wieder Glück geben? Trotz aller Zweifel und Mutlosigkeit bleibt auch das Fünkchen Hoffnung. Sehr gelungen ist das Bildnis mit der Hummel ohne Flügel, die trotzdem überlebt und die Welt entdeckt. Wie die ganze Geschichte geht auch das Ende sehr nahe und rührt zu Tränen.

Das Cover fängt die Schönheit eines Landes ein und den Jungen und die Bienen, um die sich alles dreht. Die warmen Farben sind sehr gut gewählt. Auch im Titel steckt ein Zauber. „Das Versprechen des Bienenhüters“ ist ein großartiger, feinsinniger und poetischer Roman zu den Themen „Krieg und Flucht“. Ein Buch, das die Augen öffnet und bescheiden macht.

Bewertung vom 24.09.2019
Green Witch
Russo, Andrea

Green Witch


sehr gut

Unter dem Pseudonym Anne Barns veröffentlicht Autorin Andrea Russo Urlaubsromane wie „Honigduft und Meeresbrise“, „Apfelträume am Meer“ und „Bratapfel am Meer“. Im Kinderbuch „Green Witch“ verläuft Lizzys Geburtstag anders als gedacht.

Mit 12 Jahren soll Lizzy ihre Ausbildung zur Junghexe beginnen. Ein Hexenkreis aus 13 Hexen bestimmt Lizzys Ausbilderin und somit auch, was für eine Art Hexe sie wird. Alle Spekulationen helfen nichts, denn an Lizzys Geburtstag geht es viel turbulenter zu als erwartet.

Der Hexenparagraf Nummer 683 hat es in sich. Er ist voll wichtiger Regeln zu Lizzys Junghexenausbildung. Die Idee zum Kinderbuch ist originell. Lizzy hat ganz eigene Vorstellungen von ihrer Hexenlehrzeit. Und sind alles andere als langweilig und verstaubt. Mit ihrem Geburtstag startet Lizzys ganz eigenes Abenteuer. Ein Geheimnis kommt ans Licht. Es geht um Familie, Freundschaft und eine große Herausforderung. Zusammen mit ihrer besten Freundin, Nichthexe Stina, muss Lizzy eine fast unmögliche Aufgabe lösen. Rätselhafte Ereignisse und eine Bedrohung, Lizzy hat noch nicht angefangen zu lernen, da wird es schon ernst und Improvisationstalent ist gefragt. Autorin Andrea Russo erzählt die Geschichte in kindgerechter Sprache. Eine harmonische Familie und beste Freundin, Lizzy hat viel Rückhalt. Die anfänglich eingesponnenen Hexenregeln machen es trotzdem spannend. Denn natürlich gibt es auch Verbote, die im wichtigen Moment hilfreiche Möglichkeiten ausschließen. Stina bringt mit Staunen, Eigenarten und Fröhlichkeit viel kindliche Lebensfreude in die Geschichte. Erst mit einer Entdeckung und Überraschung erhält Lizzys Leben den entscheidenden magischen Touch. Die kreativen und unterhaltsamen Details hierzu sind sehr gelungen. So richtig in Fahrt kommt das Kinderbuch im letzten Buchdrittel mit einem kniffeligen Fall. Gerne hätten es noch mehr originelle Einfälle und lustige Einzelheiten geben können, die für Atmosphäre sorgen. Das Ende kommt zu schnell.

Die kreative und farbenfrohe Cover-Illustration verzaubert. Ein Untertitel wäre schön gewesen. „Green Witch“ könnte der Auftakt zu einer Kinderbuchreihe fürs Lesealter ab 10 Jahren sein und spricht hauptsächlich Mädchen an. Eine unterhaltsame, abenteuerliche Geschichte, die zum Träumen anregt und die Phantasie beflügelt. Wer würde nicht gerne mal Hauptfigur Lizzy sein?

Bewertung vom 22.09.2019
Messer / Harry Hole Bd.12
Nesbø, Jo

Messer / Harry Hole Bd.12


ausgezeichnet

„Messer – Ein Fall für Harry Hole“ von Autor Jo Nesbø ist Band 12 der Harry Hole-Krimireihe. In seinem persönlichstem Fall gibt es ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten.

Harry kämpft mit seiner Alkoholsucht. Ein Blackout macht ihm zu schaffen. Was ist passiert? In drei Fällen ungelöster Morde fällt der Verdacht auf einen Sexualstraftäter und Serienmörder, den Harry schon mal hinter Gitter gebracht hat. Sein Wunsch, die Ermittlungen zu übernehmen, stößt auf eine Mauer des Widerstands.

Das erste Kapitel bietet einen filmreifen, originellen Einstieg mit einem ungewöhnlichen Zeugen. Im weiteren Verlauf der Geschichte lässt sich erahnen, was es mit der Szene auf sich hat. Lauernde Gefahren, Geheimnisse, Schuld, Täuschung, Paukenschläge, der Krimi fesselt von Seite zu Seite mehr. Erst ab Buchmitte wird die Raffinesse des Plots so richtig deutlich. Das Undurchsichtige sorgt für Spannung und Intensität. Immer wieder werden Spekulationen eingeheizt. Geschickte Winkelzüge lassen alles in neuem Licht erscheinen. Das Verwirrspiel nimmt immer mehr Fahrt auf. Taff und doch verletzlich, so wie Harry sind auch die Frauen in seinem engeren Umfeld. Verborgenes kommt ans Tageslicht. Harry muss seine Schwächen überwinden, Gefühle im Zaum halten, um Kontrolle und Überblick zurückzugewinnen. Der Feind agiert planvoll, gerissen und kaltblütig. Lässt er sich austricksen? Das Thema „Traumata“ bildet den Kern der Geschichte. Wer hat was zu verbergen? Welche Folgen haben die Ereignisse der Vergangenheit? Überraschende Wendungen sorgen für Tempo. Die Dramatik nimmt zu. Harry wird zur Schachfigur in einem durchtriebenen Spiel. Was ist Wahrheit, was Lüge? Lauernde Gefahren, Bedrohungen, Geheimnisse, schicksalhafte Eskalationen, Tod. Ein raffiniert inszenierter Thriller, der schockiert, berührt und sprachlos macht.

Das Cover mit dem riesigen Titel-Buchstaben zieht die Blicke aufs Buch. Der Autorenname weckt ebenfalls Interesse. Auch wer die vorherigen Bände nicht kennt findet sich in „Messer – Ein Fall für Harry Hole“ problemlos zurecht. Band 12 toppt die hohen Erwartungen. Die packende Story lässt kaum Atempause und wirkt wie ein Labyrinth aus Spuren und Tätern. Sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 16.09.2019
Cold Storage - Es tötet
Koepp, David

Cold Storage - Es tötet


ausgezeichnet

„Cold Storage – Es tötet“ ist das Debüt von David Koepp, Drehbuchautor der Filme „Jurassic-Park“, „Mission: Impossible“ und „Inferno“.

Dezember 1987, die US-Agenten Roberto Diaz und Trini Romano begleiten Mikrobiologin Dr. Hero Martins auf einen Einsatz nach Westaustralien. Das Trümmerteil einer Skylab mit einer mutierten Forschungsprobe sorgt im Wüstenorts Kiwirkurra für eine ungeahnte Bedrohung.

An einem abgelegenen Ort entsteht ein noch nie dagewesenes Schreckensszenario, das nicht besonders abwegig sondern sehr real wirkt. Über ihre Geheimmission erhalten die US-Agenten erst während des Fluges spärliche Details. Selbst Dr. Martins wird im Wüstendorf mit etwas konfrontiert, was über ihre Vorstellungskraft geht. Die Ereignisse 1987 bringen den Thriller schnell in Fahrt. Bei allen gruseligen bis grauenhaften Entwicklungen kommt der Humor nicht zu kurz. Der Erzählstil ist originell, schräg und sehr unterhaltsam. Die Charaktere wirken sehr lebendig. Es fließt sehr viel Persönliches ein, so dass für alle Betroffenen ganz leicht Mitgefühl entsteht. Egal, ob sie Haupt- oder Nebenfiguren sind und was sie auf dem Kerbholz haben. Jahrzehnte später findet die Geschichte mit gealterten Agenten ihre Fortsetzung. Das eingespielte Team zeigt wieder was es kann und trifft nicht nur auf bürokratische Widrigkeiten. Es geht wieder um Leben und Tod, und die Zeit rennt ihnen davon. Überraschende Wendungen sind perfekt in Szene gesetzt. Der Plot ist filmreif inszeniert. Ein packender Alptraum an einem ungewöhnlichen Handlungsort mit einem schrägen Ex-Knacki, der sich gerne in die Scheiße hineinreden lässt. Der Humor lässt das Grauen fast nebensächlich erscheinen. Zum Schluss steigt die Dramatik. Wer wird überleben oder hat der Tod längst die Oberhand gewonnen?

Titel und Coverdetails passen perfekt zum Inhalt und stimmen auf einen fesselnden Thriller ein. „Cold Storage – Es tötet“ übertrifft die Erwartungen. Der Erzählstil punktet mit einem hohen Unterhaltungswert. David Koepp weiß den Leser nah an die gruseligen Geschehnisse heranzuführen. Fast entsteht der Eindruck, Morgen könnte etwas über den Killerpilz in der Zeitung stehen. Packend und sehr empfehlenswert!

Bewertung vom 11.09.2019
Du bleibst mein Sieger, Tiger
Leo, Maxim; Gutsch, Jochen

Du bleibst mein Sieger, Tiger


gut

„Du bleibst mein Sieger, Tiger – Noch mehr Trost für Alterspubertierende“ vom Autorenduo Maxim Leo & Jochen Gutsch nimmt die alltäglichen Krisenherde eines Ü40-Mannes aufs Korn.

„....Das führt uns zurück zur Alterspubertät. Trauern wir nicht gerade jetzt unserer kindlichen Unbekümmertheit nach, unserer vor Mut strotzenden Jugend? Empfinden wir nicht gerade in den mittleren Jahren die größte Langweile ob unserer ständigen Vernunft und Kontrolle?...“

Die Ich-Figur, Vater einer Tochter und Ehemann, schlägt sich mit Jugendneid und Alterspubertät herum. Kein leichtes Unterfangen, sich den Herausforderungen des Alltags zu stellen. Mit 18 Jahren ist die eigene Tochter gerade den Kinderschuhen entwachsen und hat tatsächlich ein reges Sexualleben. Wie konnte die Zeit so schnell vergehen? Kurze Kapitel und viel Witz, aber auch ein paar altbackene Themen. Die Problematiken sind bekannt. Von plötzlicher Kurswut der Frauen über die Änderungen der Ernährungsgewohnheiten bis zu Erektionsschwächen ist alles dabei. Originell ist das Gespräch mit Gott, der so ganz anders aussieht als erwartet und die Finger liebend gerne in frische Alterspubertier-Wunden legt. Nicht die einzige Standpauke. Bei der Zweiten geht es mächtig skurril, aber auch aufmunternd zu. Unterhaltsam ist auch die Bodhi-Kur für die spirituell angehauchte Ehefrau. In Tipps & Tricks für die Alterspubertät geht es ans Eingemachte. Nostalgie ist das Stichwort. Freude bereiten oft Highlights, die man von früher kennt. So manche Selbsterkenntnis wird zum Aha-Erlebnis. Anscheinend kennen wir unsere Männer schon in und auswendig, denn echte Überraschungen bleiben aus. Trotzdem gut, dass es ein Autorenduo auf den Punkt bringt. Was ist mit den Alterspubertieren mit Jugend im Herzen? Den Alters-Hippies, den junggebliebenen Ü40-Jährigen? Hoffentlich ist das Buch kein Hinweis auf eine aussterbende Art.

Titel und Cover sind voller Ironie. Ein bisschen irritiert die Platzierung auf dem „Siegertreppchen“ aber doch. Sehr gut gewählt ist das Herren-Handtaschenformat! „Du bleibst Sieger, Tiger - Noch mehr Trost für Alterspubertierende“ ist das Geburtstagsgeschenk für den Mann, der schon alles hat und mal einen Wink mit dem Zaunpfahl braucht, um ihn auf Alterspubertät-Macken hinzuweisen.