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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Isabel
Wohnort: Stuttgart
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Bewertungen

Insgesamt 9 Bewertungen
Bewertung vom 30.10.2018
Königskinder
Capus, Alex

Königskinder


weniger gut

Alex Capus ist ein großartiger Erzähler. Mit guten Recherchen, tiefgründigem Wissen zu Personen und Zeit, zaubert Capus die Leser voll Begeisterung in Zeitepochen und in die Leben der Hauptfiguren. In den Lesungen mit Alex Capus spürt man seine Freude, die Begeisterung und die Liebe zu seinen Geschichten. Diesmal erzählt Capus eine Geschichte vom Kuhhirten Jakob und seiner Liebe. Erzählt wird die Geschichte von einem Ehemann, der mit seiner Frau eingeschneit genau in dieser Region ist, inder vor JahrhundertenJakob als Kuhhirte lebte. Diesmal jedoch ist weniger Begeisterung in der Geschichte zu spüren. Viele Fragen bleiben offen und es scheint, als gäbe es nicht wirklich viel und tiefgründiges über Jakob und seine Liebe zu schreiben. Warum gerät gerade der wortkarge Kuhhirte nach Versailles, wo es doch so viele Kuhhirten in dieser Region gibt. Was macht das junge Paar aus, dass es nach so vielen Jahren ohne Kontakt als Paar dennoch zueinander findet? Womöglich hat Capus diemals tatsächlich weniger verwertbares Material über seine Helden gefunden und womöglich fehlt auch die Begeisterung, die Capus durch seine Recerchereisen nach Hause zurückbrachte und der Leser diese in den Büchern wieder findet. Ganz kurz erkennt man sie, wenn Capus über Versaille schreibt und man die Düfte und das Schloss in der Nase und vor den Augen hat. Bleibt zu hoffen, dass Alex Capus seinem Schreiben treu bleibt und sich nicht im Literaturrummel durch schnelle Veröffentlichungen neuer Bücher verliert. Es wäre schade darum, denn Capus ist ein großartiger Erzähler. Das Buch Königskinder ist gut zu lesen und hinterläßt kein merkwürdiges Gefühl, auch ist die Geschichte nett und kurzweilig. Ein guter Capus ist es allerdings nicht- schade!

Bewertung vom 29.10.2018
Die weiteren Aussichten
Seethaler, Robert

Die weiteren Aussichten


ausgezeichnet

I love it!!!
Wer Seethaler noch nicht kennt, sollte ihn ganz schnell kennen lernen. Von den zeitaktuellen Autoren ist er einer der empfehlenswertesten. Kaum ein Buch von ihm, dass nicht lesenswert wäre. So auch "Die weitern Aussichten". Humorvoll, spritzig und in der Darstellung seiner skurilen Personen einzigartig.
Am Rande einer Kleinstadt lebt an einer alten Tankstelle, an der selten jemand vorbei kommt, ein junger Mann mit einer alten Mutter. Kommunikation ist nicht seine Stärke, sein Haustier ist ein Goldfisch, Freunde hat er keine und am gesellschaftlichen Leben nimmt er nicht teil. Etwas langsam im Denken und Handeln, bewegt er sich in nicht allzu schnellen Schritten um seine Tankstelle herum. Bis eines Tages eine unbekannte, dralle Frau an der Tankstelle vorbeikommt und ihr Fahrrad aufpumpt. Die Neue ist die Putzfrau im Hallenbad und erst seit kurzem in der Kleinstadt. Ihre Erscheinung löst ganz neue Gefühle in dem jungen Mann aus, der fortan auf eine sehr unerfahrene, tollpatschige und zuweilen auch grobe Art versucht, das Herz der Dame zu erorbern. Und nicht nur das scheint der junge Mann zu erreichen. Durch die Liebe erwacht er, erkennt Neues, traut sich Unglaubliches zu und befreit sich von Beengendem....wenn auch nicht in einer gesellschaftlich anerkannten und konventionellen Form, die sogar einwenig Roadmovie in sich trägt.
Wie in all seinen Büchern sind die Figuren wunderbar gezeichnet und gradios beschrieben. Es geht nicht um Sieger oder Helden im normalen Sinne. All die Figuren, die IHREN weg gehen, sind für Seethaler die wahren Helden, die er mit all ihren Schwächen und Macken liebevoll zeichnet. Hinzu kommt jede Menge Humor und eine klare, pregnante Sprache, die kein unnötiges Wort beinhaltet. Ein lesenswertes Buch!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.06.2018
Underground Railroad
Whitehead, Colson

Underground Railroad


weniger gut

Das Buch hat die vielen Auszeichnungen verdient, da es das wichtige Thema der Sklaverei in der amerikanischen Geschichte aufgreift und zum Teil schonungslos erzählt. Die literarische Leistung sei daher auch nicht abgewertet oder geschmählert. Das ist eine Seite des Buches. Die andere Seite ist der Leser/-in, der sich das Buch mit all den Auszeichnungen liest. Es blieb doch eine gewisse Verwirrung zurück, zwischen den hohen Auszeichnungen und der Geschichte selbst. Das Buch schwangt zwischen harter Beschreibung realisitscher Szenen und Fantasie Eisenbahnen a la Harry Potter. Zwischen geschichtlich korrekt widergegebenen Zusammenhänge und unrealistischen Handlungssträngen. Als Leser ist man bemüht, eine Haltung zu entwickelt und strauchelt ständig zwischen Betroffenheit bei realistischen Szenen und belächeln bei Fantasie Spuk. Dies zieht sich im gesamten Buch durch und macht es dem Leser/-in schwer, daraus ein richtig gutes Buch werden zu lassen. Kein überwältigender Roman aber man kann es lesen.

Bewertung vom 18.06.2018
Die Datei
Grünberg, Arnon

Die Datei


ausgezeichnet

Eine junge Frau, Chips essend, mit Kuhhintern und vier Haare auf der viel zu kleinen Brust, hält Ihr Kontakt zur Welt ausschließlich über den Computer. Die Eltern stellt sie sich als Schweine vor, von Berührungen bekommt sie Menschenallergie und Ihre Studiums hat sie abgebrochen. Ihre vermeindlichen Freunde hat sie im Internet. Ob alles so in Ordnung ist, was Sie und Ihre Freunde im Internet auslösen, darüber macht sie sich keine Gedanken. Längst hat sie die persönlichen Grenzen im Internet überschritten und scheut sich auch nicht, angeblichen Freunden Nacktbilder von sich über den Bildschirm zu schicken. Alle Emotionen scheinen von Ihr abgespalten zu sein und es ist ihr nicht möglich, Beziehungen außerhalb des Internets aufzubauen. Sie lebt in Ihrer eigenen Welt, mit eigenen Bildern und Regeln. Eines Tages nimmt sie in einer Firma als Rezeptionistin eine Stelle an, gerät in Kontakt mit Menschen und wird verwickelt in eine manipulative Welt, in der Sie ohne es zu wissen bereits lange eine Rolle einnimmt. Die große Freiheit und Unabhängigkeit des Internets, scheint eine befangene, enge und manipulative Welt zu sein. Wer Arno Grünberg mag und seine Figuren annehmen kann, findet hier ein interessantes und gutes Buch. Allerdings: Man muss ihn mögen, den Herrn Grünberg, und sich auf seine Figuren und seinen Stil einlassen können.

Bewertung vom 18.06.2018
Sarab
Alem, Raja

Sarab


ausgezeichnet

Man schlägt das Buch auf und befindet sich mitten in einer bewegenden Geschichte mit historischen Hintergrund. Dicht erzählt, einfühlsam und doch gewaltig! Im Jahr 1997 wird die Moschee in Mekka von Aufständischen besetzt. Mit Hilfe von ausländischen Soldaten, wird der Aufstand niedergeschlagen. Viele fliehen in die Katakomben unterhalb der Moschee, um ihr Leben zu retten. Ein Aufständischer findet dort einen fränzösischen Soldaten, tötet ihn nicht, sondern bringt ihn sicher durch die Katakombon nach außen. In einer Wohnung hält er den Soldaten fest, wartend auf den Sieg. Während der tagelangen Wartezeit, auf einen Sieg der nicht eintritt, entwickelt sich eine Beziehung zwischen den zwei Personen, die geprägt ist von deren Rollen. Als der Soldat den Aufständischen als junge Frau erkennt, entwickelt sich eine Beziehung zwischen dem französischen Soldat und der Aufständischen, die alle Grenzen berührt. Ein hervorragender Roman mit historischen Hintergrund, der tief berührt. Der Leser bekommt Einblick in männerdomierte Gesellschaftssysteme, in die unterschiedlichesten Wertehaltungen, in Ursprünge politischer Gegebenheiten die heute noch nicht gelöst sind. Man beginnt zu verstehen, welche Strukturen in Erziehung und Gesellschaft zu Gewalt und Hass führen und hofft das ganze Buch über, dass die Liebe Gewalt und Hass zu widerstehen vermag. Mit den Kenntnissen Ihrer eigenen Biografie, beschreibt die Autorin die Geschichte glaubhaft und in einer Form, die dem Leser die politischen und gesellschaftlichen Beschreibungen nicht übertdrüssig werden lässt. Packend erzählt, läd das Buch ein, mehr wissen zu wollen und garantiert damit lange Lesenächte.

Bewertung vom 12.03.2018
Drei Tage und ein Leben
Lemaitre, Pierre

Drei Tage und ein Leben


sehr gut

Ein Junge gerät in einer traumatischen Situation in emotionale Aufruhr, und verletzt dabei unabsichtlich einen unschuldigen Jungen tödlich. Fortan ist sein gesamte Lebensweg von diesem Unglück beherrscht, denn es gilt die tödliche Schuld vor allen Menschen zu verheimlichen. Als erwachsener Mann kehrt er in das Dorf zurück und wird abermals Von der Angst erfasst, seine Geheimnis könnte gelüftet werden. Sein Lebensweg, seine Wünsche und seine Ziele werden verworfen und einem Leben der Anpassung unterworfen. Erst am Ende des Buches lüftet er ein anderes, wohl behütetes Geheimnis, und er erkennt die Zusammenhänge seines Verhaltens und der Realität seiner Familie.
Ein sehr vielschichtiger, feinfühliger Roman, der dem Leser die Möglichkeit bietet sich ganz in die Geschichte einzulassen. Der Junge mit all seinen Ängsten scheint ganz nah zu sein, fast will man dem Jungen zur Hilfe kommen. Feinfühlig und großem Einfühlungsvermögen zeichnet der Autor ein Bild des Jungens, der sich nicht öffnen kann und für Lebzeiten Schuld mit sich trägt. Während des Lesens fragt man sich ab und an, warum niemand etwas merkt, warum der Junge sich keine Hilfe holen kann. Wäre da nicht das Ende, indem sich die Puzzelteile aneinander fügen und ein großes Bild entsteht, indem das Verhalten des Jungens erklärbar wird. Nicht nur er hat Geheimnisse gehütet!

Bewertung vom 02.03.2017
Ein wenig Leben
Yanagihara, Hanya

Ein wenig Leben


schlecht

Wie schreibe ich einen Bestseller......
Das scheint die zentrale Frage der Autorin gewesen zu sein, als Sie das Buch schrieb. Man mischt vier junge Männer und gibt ihnen typisch amerikanische Merkmale ( schwarz, aus Einwandererfamilien, amerikanisch weiß......) und konstruiert um einen herum ein Problem. Das muss aber so gewichtig sein, dass der Leser aufschreit. Also schöpft die Autorin tief in trüben Gewässer und offeriert alles, was nur schwer verträglich ist. Sie bedient sich dabei völlig konstruierten Handlungsabläufen, um möglichst schockierend den Leser in den Bann zu ziehen. So wird es in ihrem Buch möglich, dass ein Pater einfach mit einem Kind aus dem Kloster geht und es danach der Prostitution aussetzt. Um den Leser bei der Stange zu halten, bleibt der von Gewalt und Missbrauch geprägte junge Mann aber ein netter, höflicher Mensch, der aufgrund seiner Intillienz auch noch Karriere macht. Dieses Buch ist eine Missachtung all deren gegenüber, die dieses Schiksal erleiden mussten und die nie wieder zu den Erfolgreichen gehören werden. Die Autorin scheint sich nicht wirklich damit auseinandergesetzt zu haben mit dem Thema und den Folgen, sondern nutzt ein so ernstes Thema aus um möglichst viele Leser zum Kauf des Buches zu animieren. Die Gewaltszenen ausgenommen, hat das Buch kaum gute Dialoge oder einen Spannungsbogen, enorme Längen und trotz vor Ergänzungen in Klammern ( pro Doppelseite mind. Zwei). Nicht lesenswert!!!!!!

2 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 01.03.2017
Ich schreibe Ihnen im Dunkeln
Seigle, Jean-Luc

Ich schreibe Ihnen im Dunkeln


ausgezeichnet

Bewegend!
Pauline erhält einen Heiratsantrag und würde gerne glücklich mit dem Mann werden. Aber zuvor muss Sie ihm die Wahrheit über sich mitteilen und beginnt einen Brief zu schreiben, indem Sie Ihr Leben erzählt. Der Leser darf teilhaben an einer Lebensgeschichte einer Frau, die im Jahre 1953 wegen Mordes an Ihrem Verlobten verurteilt wird. Die damals 21 jährige wird durch die Presse verurteilt, als kaltblütige Mörderin dargestellt. Selbst die Verfilmung mit Brigitte Bardot lässt Pauline keine Chance. Vor dieser Tat stehen jedoch furchtbare Erlebnisse, in einem Frankreich der Kriegs- und Nachkriegszeit. Prägende Erlebnisse als Frau und Tochter, die letztendlich Pauline traumatisierte haben und zu Ihrem Selbstmord 1963 geführt haben. Ein Bild einer Gesellschaft, in der nicht nach dem Warum gefragt wird, sondern mit Gewalt und Abwertung bestraft wird. Ein bewegendes Buch, insbesondere deshalb, weil der biografische Hintergrund gegeben ist u d man sich als Leser deshalb nicht entziehen kann. Es bleiben Fragen offen, die nicht beantwortet werden können. Die schwerwiegendste Frage jedoch bleibt noch lange im Gedanken des Lesers: Warum hat niemand Pauline geholfen ?

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.05.2016
Die Gierigen
Tuil, Karine

Die Gierigen


ausgezeichnet

Ein aktuelles Buch, dass vielfältige Themen unserer Zeit anhand der Lebensgeschichte dreier Personen darstellt. Die drei Studienfreunde hören nach langen. Jahren voneinander und erkennen, wie unterschiedlich Ihre Leben verlaufen sind. Der einst so erfolgreiche jüdische Student hat sein Studium abgebrochen u d lebt in ärmlichen und destruktiven Strukturen. Seine Freundin, ehemals begehrt und schön, hat sich diesem aussichtslosen Leben angepasst und der ehemalige Freund aus einer arabischen Familie hat Karriere als Staranwalt in New York gemacht, in einer Welt voller Geld und Macht. Das erneute Zusammentreffen deckt auf, wie es zu diesen Entwicklungen kam, welches Leben vorherbestimmt war und wie sehr die Realität das wahre Leben prägte. Trotz vieler Niederlagen und vermeintlichem Scheitern, finden die Personen jede für sich Ihren Weg, wenn auch nicht in aller Augen erfolgreich aber dennoch heilsam.
Ein fesselndes Buch, dass alle Aspekte beinhaltet: Spannend wie ein Thriller, hochaktuell wie ein politisches Buch, Biografisch durch die Lebensgeschichte der Personen. Und trotz allem bleibt die Autorin in Sorache und Bildern gut lesbar und verzichtet auf den allzu modernen Slang. Alles in Allem ein tolles Buch! Sehr empfehlenswert!

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.