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Benutzername: kaffeeelse
Danksagungen: 20 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 344 Bewertungen
Bewertung vom 19.10.2021
Die militante Madonna
Dische, Irene

Die militante Madonna


ausgezeichnet

Dieses Buch war wieder ein Highlight! Und ich bin sehr froh wieder an einer Leserunde teilgenommen zu haben. Es ist ein historischer Roman. Um einen Menschen, der einmal real existiert hat. Den Chevalier d’Éon de Beaumont. Ein Adliger, Diplomat und Spion, ein Intrigant und manipulativer Mensch, ein Soldat, Degenfechter und Freimaurer, ein Schriftsteller. Jemand Besonderes. Ein Mensch mit einer gewissen Macht, zumindest zeitweise. Und ein Mann, der erst ab und an in Frauenkleidern in der Gesellschaft auftaucht. Der Wetten auf sein Geschlecht forciert und damit eigentlich die Gesellschaft vorführt. Später wird er vom französischen König gezwungen als Frau in Frauenkleidern zu leben, er wird zur Chevalière Charlotte d’Éon. Und damit wird er als Frau zur damaligen Zeit auch mundtot gemacht. Die Frage ist hier auch warum dies geschah. Verletzungen, Übertretungen und Angst. ...

Irene Dische schreibt einen mitreißenden und auch außergewöhnlichen Roman um diesen Chevalier, treibt in diesem Roman auch ihr Rätselspiel um das Geschlecht des Chevaliers mit den Lesern, nur um gleichzeitig genau dieses Denken auch vorzuführen und zu hinterfragen. Ebenso wie sie Vergleiche zieht zwischen dem 18. Jahrhundert und dem Jetzt, zynische Vergleiche, die mich beim Lesen schmunzeln und laut lachen lassen. Ebenso wie sie die Erzählstimme in den Kontakt treten lässt mit der Leserschaft, nicht durchgehend natürlich, sondern eher pointiert und damit auch passend. Dabei ist diese Erzählstimme, trotz ihrer teilweise etwas eigenwilligen Art mit anderen Menschen umzugehen, dennoch sympathisch gezeichnet, was mir sehr gefällt.

Eine etwas eigenwillige Ménage à trois steht hier zentral, der Chevalier d’Éon de Beaumont trifft auf den Journalisten Morande und den Theaterschriftsteller Pierre de Beaumarchais. Und alle drei trudeln mit ihren Intrigen durch die Geschichte. Anziehung und Abstoßung par excellence.

Ein intensives Leseerlebnis, welches mir definitiv sehr gefallen hat!

Bewertung vom 19.10.2021
Bell und Harry
Gardam, Jane

Bell und Harry


gut

Auch dieses Buch enttäuscht mich wieder etwas. Jane Gardam kann wirklich gut schreiben, doch thematisch trifft sie mich hier absolut nicht. Gut geschrieben ist "Bell und Harry" natürlich. Aber thematisch überzeugt mich "Bell und Harry" überhaupt nicht. Dieses Buch ist eine nett zu lesende Geschichte über die Freundschaft von Bell und Harry und die Liebe zur Heimat, die Liebe zum Landleben, zum Hohlen Land in Yorkshire. Das Dorfleben wird ausgiebig beschrieben, die schrulligen Dorfbewohner perfekt gezeichnet und natürlich wird die englische Landschaft beschrieben, diese besonders hingebungsvoll. Man merkt, dass Jane Gardam eben ihre Heimat liebt. Ebenso wird ein Blick auf die Geschichte Englands geworfen. Ursache und Wirkung eben. Und ebenso werden die gestressten Städter beschrieben, die auf dem Land Zuflucht und Erholung vom Stadtleben suchen. Aber "Bell und Harry" ist auch eine etwas angestaubte und auch langatmige Geschichte.

Die Batemans, Londoner, suchen auf dem Land Zuflucht und Erholung und mieten ein Haus von den Teesdales. So kommen Harry Bateman und Bell Teesdale in jungen Jahren zusammen, freunden sich an und diese Freundschaft hält ein Leben lang.

Und auch von diesem Buch werde ich in der Zukunft sicher nicht mehr so viel wissen. Denn so einprägend ist die Geschichte sicher nicht. Locker und fluffig zu lesen ist dieses Buch trotzdem.

Wenn ich meine bisher von Jane Gardam gelesenen Bücher einstufen sollte, so ist "Robinsons Tochter" mit Abstand auf dem ersten Platz, "Weit weg von Verona" bekommt den zweiten Platz und "Bell und Harry" landet auf dem dritten Platz. Schade!

Bewertung vom 19.10.2021
Der perfekte Kreis
Myers, Benjamin

Der perfekte Kreis


gut

Nachdem ich von "Offene See" so beeindruckt war, hatte ich natürlich hohe Erwartungen. Vielleicht war das falsch. Dennoch hat mich aber "Der perfekte Kreis" etwas enttäuscht. Was nicht an der Sprache lag. Die ist wie auch beim Vorgänger schön und eindringlich. Es lag an diesem Thema. Ich habe mich schon beim Klappentext gefragt: "Ist das etwas für mich?". Aber der Eindruck von "Offene See" war zu nachdrücklich. Also habe ich mir das Buch doch gekauft.

Nun gut. Jetzt nach der Lektüre bin ich leider thematisch enttäuscht. Zwei am Rande der Gesellschaft stehende Männer erschaffen Kunst, bei Nacht und Nebel erschaffen sie komplizierte Kornkreise und machen sich damit eigentlich über die Reaktionen in der Presse, in der Gesellschaft lustig. Doch wer wird das verstehen? Weder die Presse noch deren Konsumenten. ??? Wir als Leser vielleicht?!?! Dabei sind diese beiden Männer ganz gut und auch liebevoll gezeichnet, sind stimmig und empathisch gelungen. Redbone und Calvert, zwei vom Leben geformte Charaktere, immer einen kritischen Blick auf die sie umgebenden Ereignisse werfend, betrachten sie etwas zynisch ihre Welt. Aber betrachten sie sich auch selbst und ihre Situation? Dies fehlt irgendwie. Sie stehen allein in dieser Welt. Zumindest wirkt das so. Aber warum ist das so? Besonders zum Ende hin wird das Buch recht gesellschaftskritisch, was mir wieder ganz gut gefiel. Dennoch bin ich mit der Geschichte nicht ganz so zufrieden. Vielleicht schaue ich auch nur aus dem falschen Blickwinkel auf das Buch. Aber ich befürchte, dass ich leider von diesem Buch in der Zukunft nur noch recht wenig wissen werde. Denn nachhallend oder irgendwie besonders empfand ich dieses Buch definitiv nicht! Leider!

Bewertung vom 19.10.2021
Die Überlebenden
Schulman, Alex

Die Überlebenden


ausgezeichnet

Der schwedische Autor Alex Schulman blickt hier auf eine dysfunktionale Familie, der Lesestoff ist kein leichter, man blickt auf Gewalt und auf den Alkoholismus und deren Folgen. Dennoch ist das Handeln der Familie irgendwie nicht vollkommen stimmig und in sich schlüssig und ich als Leserin befand mich in einem düsteren Albtraum. Ich habe mich in der etwas mäandernden Geschichte immer wieder gefragt, wieso tun die Protagonisten dieses und jenes und warum anderes wieder nicht. Dieses Buch hat mich auf Trab gehalten. Denn erst durch den letzten schwer verdaulichen Schock fügt sich alles passend zusammen und die Aktionen der Protagonisten werden endlich schlüssig und stimmig. Ich als Lesende kann nur die Höchstbewertung für diese Lesereise ziehen und spende Alex Schulman einen tosenden Applaus für diesen Roman und kann dieses Buch nur dringlich weiterempfehlen!

Benjamin, Pierre und Nils kehren nach zwanzig Jahren an einen Ort ihrer Kindheit zurück. Sie möchten dem letzten Wunsch ihrer Mutter entsprechend, ihre Asche am See neben dem Sommerhaus der Familie verstreuen. Dabei kommen sie ins Reden, ins Sinnieren, denken an vergangenes und dabei wird ein ungutes Familienleben offengelegt. Aggression, Gewalt und Alkohol, Eltern, die in ihrer Art Liebe und Nähe zu geben recht unstet sind, dies sind die Zutaten zu diesem Miteinander. Dennoch wirken die Personen der Familie in ihrem Agieren nicht passend, sämtliche Aktionen der Charaktere sind irgendwie nicht stimmig. Erst ein am Ende auftauchendes Trauma erklärt das Miteinander der Protagonisten stimmig, aus Tätern werden Opfer und ich als Leserin bin zutiefst schockiert. Dabei sind die Brüder auch im Jetzt noch in dieser Gewaltspirale gefangen und man fragt sich, ob sie da jemals wieder herauskommen. Aber etwas Positives ist da, sie haben sich selbst, sie haben einander und sie lieben einander, ein zartes Pflänzchen sprießt. Wenn es gehegt wird, ... !

Bewertung vom 19.10.2021
Wie viel von diesen Hügeln ist Gold
Zhang, C Pam

Wie viel von diesen Hügeln ist Gold


sehr gut

Dieses Buch ist ein kleiner Schatz. Fast wie das titelgebende Gold, für mich aber nachhaltiger, Die in China geborene und jetzt in den USA lebende Autorin blickt in diesem Buch auf recht viele Thematiken. Einmal befasst sich die Autorin mit der Geschichte der Chinesen im Amerika und ihrer Stellung in diesem Land, ihrer Suche nach Gerechtigkeit und das Buch befasst sich ebenso mit dem Rassismus. Dann geht es auch um die Geschlechter, Frauen und Männer, es geht um die Identitätsfindung und um die Gleichstellung von Frauen und Männern. Dann wird auch der Goldrausch in Kalifornien thematisiert und ebenso auch der Mensch und dessen Umgang mit der Natur, deren vollkommene Ausbeutung. Ebenso werden auch die Indianer zum Thema, die einstigen Bewohner Amerikas und ihre jetzige Stellung, dies wird aus der Sicht der Chinesen beleuchtet, ein höchst interessanter Blickwinkel. Sind sie doch beide Unterdrückte des Weißen Mannes. Ganz schön viele Thematiken könnte man meinen. Aber in diesem Buch wird das alles geschickt in einer wunderschön zu lesenden Geschichte miteinander verwoben, die Schreibe ist ungemein interessant aufgebaut und die teilweise etwas blumige Sprache lässt mein Leserherz aufblühen. Man bemerkt thematisch und auch im Sprachklang deutlich die Herkunft der Autorin. Was mir sehr gefallen hat! Bitte mehr davon!

Die zwei chinesischen Waisenkinder Lucy und Sam befinden sich auf einer Suche, auf einem Roadtrip. Die Vergangenheit hat sie geformt, lässt sie auch schwer wieder los und jetzt sind sie auf der Suche nach einer Zukunft. Dabei wachsen sie über sich hinaus, es ist absolut interessant ihren abenteuerlichen Weg mitzuverfolgen. Ich habe mich gefragt, ob unsere heutigen Kinder/Jugendlichen ähnliches bewältigen könnten. Man kann das sicher nicht vergleichen, ich weiß, ich tue es trotzdem. Denn irgendwie ist es schon bemerkenswert, was Lucy und Sam so alles schaffen. Aufgrund ihrer Jugend, ihrem Geschlecht und ihrer chinesischen Herkunft haben sie mit vielerlei Schwierigkeiten zu kämpfen und sie müssen sich entscheiden, ob ihre Zukunft in Kalifornien, wo sie geboren sind, oder in China, wo ihre Eltern geboren sind, liegt. Eine schwierige Entscheidung!

Bewertung vom 10.10.2021
Kleines Bernstein
Aškinytė, Rasa

Kleines Bernstein


sehr gut

Ein historisches Buch, welches in längst vergangene Zeiten entführt, in die Zeit des Römischen Reichs. Dieses Buch lädt die Leserschaft auf eine Reise in die Vergangenheit ein, eine Reise zu den Ästiern im Baltikum, den Vorfahren der heutigen baltischen Stämme. Eine interessante und spannende Zeitreise, die etwas Vergangenes näherbringen möchte. Dies gelingt der litauischen Autorin Rasa Aškinytė auch recht gut. Die männliche und die weibliche Welt sind noch gut miteinander verflochten, das Christentum hat noch nicht die patriarchale Weltsicht verbreitet und Mensch und Natur sind noch eine miteinander verbundene Welt. Rasa Aškinytė gibt durchdachte und belegte Einblicke in diese Welt und obwohl diese Welt der Ästier schon lange vergangen ist, geben unserer westlichen Welt spätere polytheistische Kulturen in den Tiefen Sibiriens, Indiens und Südostasiens, Ozeaniens und Australiens, Afrikas und den Amerikas Einblicke in ihre Gedankenwelt und Lebenswirklichkeit. Der litauischen Autorin Rasa Aškinytė gelingt es hier in einer spannenden Geschichte das Wirken und Leben in dieser vergangenen Welt der ästischen Gruppen zu verdeutlichen.

Gondas, der Stammesführer, ein Händler auf der Bernsteinstraße, bringt eine Zweitfrau in seinen Haushalt mit und Selija, die Erstfrau, ist darüber wenig begeistert. Nun bedeuten mehrere Ehefrauen auch eine gewisse wirtschaftliche Entlastung im eigenen Haushalt, doch die gutsituierte Erstfrau Selija hat für die Arbeit eine Dienerschaft und gewisse selbst bezogene Eigenschaften dürften auch in vergangenen Zeiten eine Rolle gespielt haben. Glesum, die Zweitfrau, eine ehemalige Sklavin ist sich ihrer Rolle bewusst und versucht möglichst unbeschadet durchs Leben zu kommen. Bentis, der Sohn von Gondas und Selija wird erwachsen und gewisse Generationenkonflikte zeichnen sich ab. Kirnis, ein ehemaliger Krieger und jetzt ein alter Mann kämpft mit seinen Erinnerungen und seiner jetzigen Stellung und dem Verfall seines Körpers. Die alte Heilerin des Dorfes sorgt für den Weiterbestand des Glaubens an die Göttin und deren Machterhalt und gleichzeitig kümmert sie sich mit ihren Mitteln um die Gebrechen der Menschen.

Interessante Thematiken und recht gut gezeichnete Charaktere sind in diesem Buch zu finden. Nur der Aufbau der Charaktere könnte noch etwas ausführlicher erfolgen und der Fluss der Geschichte könnte noch etwas ausgebaut werden und weniger abgehackt daherkommen. Aber insgesamt ist "Kleines Bernstein" eine interessante Geschichte und eine schöne Unterhaltung!

Bewertung vom 10.10.2021
Der Himmel vor hundert Jahren
Marfutova, Yulia

Der Himmel vor hundert Jahren


sehr gut

"Der Himmel vor hundert Jahren" ist mein zweites Buch von der diesjährigen Longlist des Deutschen Buchpreises!

Dieses Buch ist nicht schlecht, aber haut mich nicht vom Hocker, hier habe ich definitiv mehr erwartet. Vier Sterne ist es mir dennoch wert.

Denn der Humor und die Schreibe des Buches haben etwas und lassen die Zeit wie im Flug vergehen und ich habe mich zumindest gut unterhalten gefühlt. Russische Fluss- und Waldgeister, Ikonen und geheimnisvolle Röhrchen treffen humorvoll in einem russischen Dorf auf Realität und Zukunft. Interessant und auch etwas märchenhaft entführt Yulia Marfutova hier die Leserschaft in ein verschlafenes russisches Dorf, zeigt die Realität in diesem und lässt bei mir Erinnerungen hochkommen an diese wunderschönen russischen Märchen. Dennoch steht dieses Dorf für deutlich mehr. Ilja und Pjotr, die Dorfältesten, zeigen dies ganz typisch. Ilja ist der Hüter des geheimnisvollen Röhrchens, er setzt auf Neues, versucht dies in das Leben des Dorfes einzubauen und hat seine Gefolgschaft. Pjotr hingegen verabscheut und verteufelt alles Neue, ist dem Alten und Althergebrachten verhaftet und auch er hat seine Freunde. Beide Gruppen stehen sich unversöhnlich gegenüber, schaffen es aber dennoch die Dorfgemeinschaft zu wahren. Einer der beiden Dorfältesten wird aber verschwinden. Was soll dies dann der Leserschaft mitteilen? Man merkt an gewissen Dingen und Geschehnissen, dass die Zeit nicht stehen geblieben ist und dies eben kein märchenhaftes russisches Dorf ist, die Handlung spielt um das Jahr 1918 und gewaltige Dinge geschehen im riesigen Russland und senden ihre Spuren auch in dieses verschlafene Dorf und die Dörfler merken dies an neu ins Dorf gekommenen "Gästen", die das althergebrachte Leben verändern und die Dörfler auch bedrohen. Und die Dörfler reagieren. ...

Hoffentlich nicht nur die Dörfler! Und hoffentlich nicht nur im Roman!

Bewertung vom 10.10.2021
Narbenherz / Heloise Kaldan Bd.2
Hancock, Anne Mette

Narbenherz / Heloise Kaldan Bd.2


ausgezeichnet

Nachdem ich ja schon von "Leichenblume" so begeistert war, musste natürlich die Fortsetzung auch vor meine Augen. Und ich habe es nicht bereut. Auch dieses Buch bekommt wieder die volle Punktzahl von mir!

Dieses Buch ist wieder richtig spannend und ein interessanter Fall für die Journalistin Heloise Kaldan und den Kommissar Erik Schäfer in Kopenhagen. Ein zehnjähriger Junge verschwindet und beide Hauptprotagonisten der Reihe stellen ihre eigenen Ermittlungen zu diesem Fall an und nehmen die Leserschaft auf eine wendungsreiche und verstörende Reise in die Abgründe menschlicher Sicht- und Denkweisen mit. Spannend geschrieben ist dieser Thriller und voller interessanter, teilweise schon bekannter Charaktere. Anne Mette Hancock schaffte es mit "Narbenherz" mich wieder zu begeistern und zaubert einen spannenden und abgründigen Thriller um Gewalt und deren Folgen herbei, den ich wieder absolut empfehlen kann und der mich hervorragend unterhalten hat.

Dieser Reihe werde ich definitiv treu bleiben! Am 26. 01. 2022 erscheint ja der dritte Teil der Reihe um Heloise Kaldan und Erik Schäfer, "Grabesstern", auch auf dieses Buch freue ich mich jetzt schon!

Bewertung vom 10.10.2021
Der Mauersegler
Schreiber, Jasmin

Der Mauersegler


ausgezeichnet

Von Jasmin Schreiber hatte ich schon den Marianengraben gelesen und dieses Buch hatte mir gefallen, 4 Sterne war es mir wert.

Doch "Mauersegler" hier übertrifft in meinen Augen den Vorgänger um Einiges. Es ist die Geschichte einer Freundschaft, wunderschön und jungenhaft, Prometheus und Jakob, die Tom Sawyer und Huck Finn der Jetztzeit. Es ist aber Jahre später genauso auch eine Geschichte einer entsetzlichen Schuld und einer darauffolgenden Flucht. Prometheus ist schuld am Tod seines besten Freundes Jakob. Er ist Onkologe und sein Freund Jakob hat Blasenkrebs, Prometheus nimmt ihn mit in seiner Studie auf und obwohl er sieht, dass seine Studie nicht greift, ist er nicht in der Lage sie zu beenden und für misslungen zu erklären, sondern versucht weiter aus machthungrigen Gründen seine Studie und sein Weiterkommen zu forcieren und manipuliert schließlich sogar seine Studie. Dies führt zum Tod einiger Patienten, auch zum Tod seines besten Freundes. Prometheus flieht vor seiner Schuld und den drohenden Konsequenzen nach Dänemark und droht an seiner Schuld zu zerbrechen. Dort trifft er auf zwei absonderliche Frauen, Helle und Aslaug, diese nehmen ihn auf und sind da, lassen ihn ankommen und bedrängen ihn nicht. Obwohl sie sehen, dass da mehr ist, lassen sie Prometheus die Zeit, die er braucht. Menschliche Wärme und Nähe und eine heilende Kraft der Natur und ihrer Kräfte sind hier die Zutaten zur Veränderung. Ein Buch, welches in unserer hochtechnisierten Welt hoffentlich viele Leser finden wird und ein Buch, mit dem Jasmin Schreiber sich in mein Herz geschrieben hat! Denn obwohl manche Leser in dieser Geschichte das Klischee sehen, bin ich der Meinung, dass die Natur durchaus eine Kraft zur Erden hat und wir sind nun einmal ein Teil der Natur, obwohl wir uns oft nicht so benehmen! Die Zeichnung des Charakters Prometheus trifft mich trotz seiner Schuld und dies ist Jasmin Schreibers Verdienst, denn solche Charaktere verabscheue ich meistens und lasse sie nicht zu mir durchdringen. Jasmin Schreibers Darstellung schafft dies aber doch. Danke dafür!

Bewertung vom 10.10.2021
Der englische Patient
Ondaatje, Michael

Der englische Patient


sehr gut

Ein Booker-Prize Gewinner!

Nachdem ich vermehrt angefangen habe Romane zu lesen, sind mir einige Booker-Prize Gewinner über den Weg gelaufen und sie haben mir meist sehr gefallen. Also könnte man sagen diese Auszeichnung ist ein Garant für ein gutes Buch. Ich werde dies natürlich weiter beobachten.

Auch dies ist wieder ein Buch, wo ich den Film vorher schon gesehen hatte. Aber hier ist dies fast schon etwas schade. Denn ohne das Wissen um die Geschehnisse durch den Film wäre dieses Buch sicher noch ein größerer Genuss gewesen. Als Erstes zu erwähnen ist hier definitiv diese schöne und poetische Sprache! Ich habe sie geliebt! Dies erinnert wirklich sehr an den dazugehörigen Film! Was für den Film spricht. Allerdings empfand ich den Erzählfluss des Buches etwas abgehackter und sprunghafter, dafür wieder etwas ausführlicher und gewaltiger als die filmische Variante. Dennoch hat mich das abgehackte Erzählen nicht gestört. Denn die wunderschöne Sprache, die Handlung und ihre Charaktere, die erzeugten Bilder im Kopf bestechen einfach.

4 vom Leben gezeichnete Menschen treffen an einem ruhigen und abgelegenen Ort zusammen und gehen aufeinander zu. Wunden werden präsentiert, durch das Präsentieren/durch das Öffnen von bisher Verschlossenem und die Reaktionen der anderen verwundeten Menschen darauf besteht für jeden der Vier eine gewisse Heilung. Natürlich eine Heilung in einem vorgesetzten Rahmen und eher psychologisch gemeint. 4 Menschen, die an diesem abgelegenen Ort ihr ganzer Kosmos sind, berühren einander, beeinflussen einander, verändern einander. Ermöglichen nach dem erlebten Grauen so etwas wie eine Zukunft, zumindest für einige von den vier Protagonisten.