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Benutzername: kaffeeelse
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Bewertungen

Insgesamt 236 Bewertungen
Bewertung vom 21.09.2020
Mord in Highgate / Hawthorne ermittelt Bd.2
Horowitz, Anthony

Mord in Highgate / Hawthorne ermittelt Bd.2


ausgezeichnet

Dieses Buch war die Entschädigung für den Vorgänger! Und diese Entschädigung war nötig!!! Schon der erste Fall, "Ein perfider Plan", hat mir sehr gut gefallen, war ein 5 Punkte Buch für mich. Und auch beim zweiten Fall für diese beiden Ermittler wurde ich nicht enttäuscht. Aber ich muss auch sagen, ich bin bekennender Barnaby-Fan.

"Mord in Highgate" zeichnet sich für mich durch all das aus, was ein guter Krimi haben muss. Ein interessanter Fall, ein durch und durch sympathisches Ermittlerduo und ihr hervorragendes Miteinander, diese Reminiszenzen an ein anderes englisches Ermittlerduo, einfach nur herrlich!!! Auch beim zweiten Mal ist dies ein Lesegenuss für mich! Die weiteren im Fall auftauchenden Charaktere sind absolut interessant und eine spannende Zeichnung des Kriminalfalles ist zu bewundern. Anthony Horowitz weiß halt was er tut. Die Seiten flogen wieder so an mir vorbei und nach dem Ende des Buches bin ich absolut begeistert und warte auf weiteres aus der Feder von Anthony Horowitz. Love it!!!

Bewertung vom 21.09.2020
Die Topeka Schule
Lerner, Ben

Die Topeka Schule


weniger gut

Dieses Buch hat mich enttäuscht! Nachdem ich von der Leseprobe regelrecht begeistert war, erlosch diese Begeisterung bei der Lektüre des Romans leider recht schnell. Dieses Buch ist eine Familiengeschichte aus dem mittleren Westen der USA und eingebettet in diese Familiengeschichte ist eine Gesellschaftskritik. Eigentlich klingt das so richtig nach meinem Geschmack. Thematisch definitiv. Aber der Autor schafft es über seine Schreibe mir dieses Buch richtig zu vergällen. Diese Schreibe wirkt recht anspruchsvoll, die Sprache ist abgehoben, dabei wirkt diese Geschichte distanziert und kühl, meist schaffen es die Figuren nicht mich zu erreichen, ich langweile mich und suche nach dem Zusammenhang, der sich erst nach und nach aus dem Nebel herausschält. Irgendwie wirkt es, als würde der Autor vielleicht zu viel wollen und verzettelt sich darüber, zumindest ist dies meine Deutung. Das Erzählte ist oft zusammenhanglos, wirr, aneinander gestückelt, inhaltlich auseinandergerissen, der verbindende rote Faden fehlt oft. Irgendwie hätte dieses Buch für meine Begriffe überarbeitet werden müssen, insgesamt stimmiger gemacht werden müssen. Denn thematisch ist es ein wichtiges Buch, ein richtiges Buch, nur in dieser Gestalt ist es kein Buch für mich. Die Struktur in dieser Familie ist interessant und problembehaftet und die Verbindungen, die vom Autor gezogen werden, sind definitiv interessant. Aber die Gestaltung des Buches ist dies definitiv nicht! Ich habe mich durch dieses Buch durchgequält und das ist keine gute Lektüre!

Bewertung vom 21.09.2020
Die Sommer
Othmann, Ronya

Die Sommer


ausgezeichnet

Ein interessantes Konstrukt! Bedächtig beginnend, zeichnet dieses Buch von Ronya Othmann eine coming of age Geschichte, die Geschichte von Leyla, der Tochter eines jesidischen Kurden und einer Deutschen, zwischen den Kulturen schwimmend, wächst sie in Deutschland auf und verbringt sie "Die Sommer" bei ihren jesidisch-kurdischen Großeltern im Norden von Syrien. Leyla ist ein zwischen den Kulturen stehender Mensch; ein Mädchen, welches älter wird, nachdenklicher wird, welches sich wichtige Fragen stellt. Mehr und mehr lernt man aber auch über die jesidisch-kurdische Gruppe, ihre Geschichte und ihre Kultur, ihren Glauben und ihre Ansichten. Dies ist richtig interessant gemacht und bringt eine richtig eigenständige Kultur in den Fokus der Lesenden! Hat mir sehr gefallen! Die Jesiden waren schon oft für ihre engstirnige Umgebung ein Dorn im Auge. Und dieses Buch zeigt genau das auf. Der syrische Krieg macht das ebenso noch einmal deutlich, aber genauso macht dieses Buch auch die Sinnlosigkeit von Gewalt begreifbar. Der syrische Krieg, die Bedrohung der eigenen Familie, die Machtlosigkeit der Protagonistin und das Desinteresse für das Schicksal ihrer Familie/ihres Volkes in der restliches Welt, lässt Leyla zur jesidischen Kurdin werden, zeigt ihr den einzig möglichen Weg! Dieses Buch steigert sich nach und nach zu einem Grauen, es bewegt und berührt ungemein, die Figur der Leyla macht nachdenklich und zeigt ebenso was ein Desinteresse bewirken kann. Gerade in der heutigen Zeit ein wichtiges Buch wie ich finde! Denn die westliche Welt ist beteiligt an dem Grauen der Kriege in vielen verschiedenen Gebieten und ein dauerndes Wegsehen wird nur weitere Opfer in anderen Bataclans fordern!

Bewertung vom 21.09.2020
Was Nina wusste
Grossman, David

Was Nina wusste


ausgezeichnet

Ein geniales Buch! Hat mir wirklich sehr gut gefallen! David Grossmans Sprache ist einfach wunderbar! Und seine Zeichnung dieser wirklich sehr interessanten Frauen ist genial. Drei Frauen einer Familie, drei Generationen einer Familie und ein zurückliegendes Ereignis und dessen Folgen auf alle drei Generationen. Psychologisch dicht und durchdacht. Berührend, empathisch und bedrückend. Es gibt kein Gut und kein Böse. Jede Person hat beides in sich. Recht real wie ich finde. Und erst eine Konfrontation mit der Vergangenheit kann das Geschehene aufdröseln, erst eine umfassende Konversation ist hilfreich. Eigentlich sind das Dinge, die wir alle kennen, nur mit der Umsetzung hapert es manchmal. Was für mich auch wunderbar war, diese Personen sind mir nah und irgendwie wachsen sie einem ans Herz, auch wenn manche wirklich furchtbare Wesenszüge haben. David Grossman ist ein wirklich interessanter Autor, dessen Werk ich genauer betrachten werde, denn dieses Buch berührt mich, knipst mich an, wie ich es auch ausdrücke. Dieses Buch ist auch ungemein spannend, ich flog nur so durch die Seiten. Und wer problembehaftete Familiengeschichten und eckig gezeichnete Charaktere mag, ist hier vollkommen richtig. Von mir gibt es für dieses Buch 5 vollkommen verdiente Sterne!

Drei Frauen - Vera, ihre Tochter Nina und deren Tochter Gili - verbindet ein Trauma. Ein Trauma, das Vera und Nina in Jugoslawien widerfährt, das sie nach Israel mitnehmen, und das auch Auswirkungen auf Gili haben wird. Drei Frauen und ihr Leben!

Ein weiterer Punkt, der mir sehr gefallen hat, ist der reale Hintergrund. Die Figuren von Vera und Nina hat es wirklich gegeben. David Grossman hat die Geschichte der realen Personen als Grundlage für diesen Roman nehmen dürfen, dennoch ist dieser Roman eine Fiktion, denn David Grossman hat diese Geschichte natürlich etwas verändert.

Bewertung vom 21.09.2020
Der verlorene Sohn
Grjasnowa, Olga

Der verlorene Sohn


sehr gut

Olga Grjasnowa kann sehr gut schreiben. Dieses Buch fesselt und bedrückt. Auch wenn man sich denken kann auf was die Schreibe zusteuert, ist es dennoch spannend geschrieben und zeigt was eine Entwurzelung ist und was Wurzellosigkeit bedeutet. Ebenso zeigt es zwei Kulturen und ihre Unterschiede, beleuchtet dabei recht geschickt beide Seiten und das Herumirren des Hauptcharakters zwischen ihnen. Ein Hauptcharakter, den man bedauern kann, der einem leid tut. Für den es kein entrinnen gibt! Dieses Buch handelt in historischen Zeiten, ist im 19. Jahrhundert angesiedelt. Dennoch ist die Handlung auf anderes übertragbar, denn ein Herumirren zwischen den Kulturen wird es immer geben, bzw. solange es verschiedene Kulturen gibt. Unsere Welt steuert ja immer mehr auf eine verwestlichte Welt zu und immer mehr Kulturen verschwinden nach und nach. Aber noch gibt es kulturelle Unterschiede und so ist Jamalludins Odyssee auch ein Beispiel.

Jamalludin wird als Junge von seiner awarischen Heimat in den dagestanischen Bergen des nördlichen Kaukasus als Geisel im Kaukasuskrieg ins Russische Reich gebracht. Von seiner Heimat/von seiner Familie/von seiner Kultur/von seinem Glauben wird der Junge fortgerissen, muss sich neu anpassen, vermisst seine Eltern, wundert sich über den fehlenden Kontakt, wird älter, wird reifer, Jahre vergehen.

Jamalludin passt sich an, wird ein Bewohner des Russischen Reichs, verliebt sich, doch merkt er nicht, dass er nur zum Schein anerkannt wird. Er, der einst in den Bergen Dagestans groß geworden ist, der die restliche Zeit im Russischen Reich erwachsen wurde, steht nun zwischen den Welten, ist entwurzelt und hat neue Wurzeln sprießen lassen. Doch halten diese den Stürmen des Lebens stand?

Olga Grjasnowas Schreibe ist ein Highlight, sie bringt einfühlsam einen verlorenen Menschen nahe. Eine Autorin, die ich mir merken werde!!!

Bewertung vom 14.09.2020
Die Stille des Todes / Inspector Ayala ermittelt Bd.1
Garcia Saenz, Eva

Die Stille des Todes / Inspector Ayala ermittelt Bd.1


ausgezeichnet

Ein richtig spannender Krimi, der es versteht, historisches und geographisches geschickt einfließen zu lassen und so eine interessante Landschaft vor dem inneren Auge zu erschaffen. Aber nicht nur die Gegend, Land und Leute sind interessant. Auch die Hauptcharaktere haben es in sich, Inspector Unai López de Ayala, auch Kraken genannt und Inspectora Estíbaliz Ruiz de Gauna, zwei wirklich sympathisch und menschlich gezeichnete Ermittler, auch ihr Umfeld/ihre Familie werden geschildert, dadurch wird eine gewisse Nähe erzeugt, das hat mir sehr gefallen. Ein richtig spannender Fall wird hier gezeichnet, Ritualmorde, die an ein vergangenes Geschehen anknüpfen und damit einen abgeschlossenen Fall wieder ans Tageslicht befördern, ich habe richtig mitgefiebert und den Täter mit gesucht. Ebenso ist hier eine interessante Sprache zu betonen und auch die Art der Geschichte ist hier hervorzuheben, das Geschehen ist in zwei Erzählstränge gegliedert, einmal der Blick auf das Heute und damit einhergehend ein Blick auf die Vergangenheit. Auch bei diesem Buch sind die Seiten nur so an mir vorbeigeflogen und nach und nach wurde klarer was hier passiert ist. Ich habe mich hervorragend unterhalten gefühlt und ich bin sehr neugierig auf weitere Fälle von Inspector Ayala!

Bewertung vom 14.09.2020
Dieses entsetzliche Glück
Mingels, Annette

Dieses entsetzliche Glück


sehr gut

Ein interessantes Konstrukt! Hat mir recht gut gefallen. Und mich ebenso auch etwas irritiert. Diese Autorin ist eine deutsche Autorin. Gelesen hat sich dieses Buch für mich aber recht amerikanisch, und das lag für mich nicht am Handlungsort, sondern eher an den Charakteren und der Schreibe. Aber die Autorin lebt auch in den USA, vielleicht hat dies Auswirkungen. Wer weiß?

In 15 verschiedenen Kapiteln werden wirklich viele Charaktere vorgestellt, deren Leben skizziert, manchmal fällt die Skizze ausführlicher aus, manchmal ist es eher eine Schattierung. Bei diesen vielen Charakteren ist es hilfreich sich ein Personenregister anzulegen, denn diese Charaktere kommen wieder, haben untereinander weitere Beziehungen/Anknüpfpunkte. Überall ist die Suche nach dem Glück fühlbar/spürbar. Dabei ist das Geschriebene in einer melancholischen Grundstimmung gehalten, die aber nach und nach etwas hoffnungsvoller wird. Was ich schön fand, sehr schön sogar. Und die Sicht auf die Charaktere fand ich interessant, einfühlsam und zugewandt. Das ist etwas, was ich bei deutschen Erzählern meist vermisse. Vielleicht empfinde ich auch deshalb das Erzählte so anders/so amerikanisch. Schön gestaltet fand ich den Fakt, dass manche der anfänglichen Charaktere wiederkehren, manchmal in weitere Charaktere eingreifen/einwirken, eine Verbindung entsteht. Vollkommen nachvollziehbar in meinen Augen, handelt das Geschehen doch größtenteils in einer amerikanischen Kleinstadt in Virginia, jeder kennt irgendwie doch jeden. Und schön fand ich auch die verschiedenen Perspektiven, das unterschiedliche Wahrnehmen von Geschehnissen und Personen. Sehr menschlich und sehr erhellend. Und dann als perfekten Abschluss das wirklich richtig gut gestaltete letzte Kapitel, in dem die Autorin einen großen Teil der Charaktere wiederauftauchen lässt. Hier fand ich auch gut, dass nicht alles auserzählt wird/aufgedröselt wird. Denn im Leben passiert das auch nicht. Manches bleibt lose/vage und das ist gut gemacht. Hat mir gefallen, dieses entsetzliche Glück!

Bewertung vom 14.09.2020
Wilde Freude
Chalandon, Sorj

Wilde Freude


sehr gut

"Wilde Freude" ist ein Buch über Frauen, die an Krebs erkranken/erkrankten, die negative Erfahrungen teilen, die zusammenhalten. Der Hauptcharakter Jeanne, eine Buchhändlerin, bekommt die Diagnose und fällt in ein Loch, in ein großes Loch, das Krebs-Loch. Doch sie lernt während der Behandlung drei weitere Frauen kennen, zwei der drei Frauen kennen die Diagnose ebenso, die dritte im Bunde verbindet eine recht negative Vergangenheit mit den anderen. Denn auch das ist etwas was sie alle teilen. Negative Erfahrungen. Jeanne ist hier die Neue, das Nesthäkchen, die bisher eigentlich ganz gut gelebt hat/ganz gut verdrängt hat. Doch die Diagnose lässt ihren Mann die Flucht ergreifen. Und damit stürzt Jeanne in ein weiteres Loch und wird aufgefangen, von diesen drei Frauen.

Der Autor lässt im weiteren Verlauf allen Frauen ihr Loch/ihr Erdulden verschwinden, in dem er die Charaktere handeln lässt. Ich finde der Autor verbindet damit eine Botschaft. Er ist ebenso vor kurzem im realen Leben, gemeinsam mit seiner Frau von einer Krebsdiagnose aus dem Leben geworfen worden, in dieses Loch hineinkatapultiert worden. Er weiß, was so etwas bedeutet, was das mit den Betroffenen macht. Und gerade hier ist eine Stärke gefragt, die bei der Gesundung absolut helfen würde, die aber schwer hervorzuholen ist. Hier in dem Buch lässt er den Frauen diese Stärke zukommen, diese wirkt zwar nicht real, ist deutlich überzeichnet, aber warum auch nicht. Muss denn immer alles real sein? Ich gönne ihnen diese Stärke!

Dazu zitiere ich folgende Stelle vom Klappentext:

"Dies ist die Geschichte von vier Frauen. Sie wagten sich weit vor. In die tiefste Dunkelheit, in die größte Gefahr, in den äußersten Wahnsinn. Gemeinsam rissen sie Krebsstation nieder und errichteten auf ihren Trümmern eine fröhliche Zitadelle."

Von manchen Lesern wurde diese Verbindung kritisiert, Krebs und fröhliche Zitadelle. Doch warum? Jemand, der Krebs hat/hatte braucht vielleicht die fröhliche Zitadelle! Jeder von uns ist anders und geht anders mit gravierenden Dingen um! Die Charaktere und die Menge ihrer negativer Erinnerungen wurde ebenso von manchen Lesern bemängelt. Als ein zu viel des Guten. Warum? Sagt das Schicksal im realen Leben nach einem gravierenden Ereignis stopp? Eigentlich nicht. Und manchmal laufen sich eben Menschen mit wirklich schrecklichen Lebensläufen über den Weg, bleiben aneinanderhängen, weil andere sie auch meistens nicht verstehen. Zumindest ist das etwas, was mir in den Jahren psychiatrischer Arbeit immer wieder begegnet ist. Und von daher erschien mir auch das nicht unreal.

Insgesamt fand ich dieses Buch in seiner Geschichte ganz gut und in seiner Botschaft wunderbar. Der Autor kann schreiben und das merkt man und die Geschichte. Wie gesagt, warum nicht ?!?!

Bewertung vom 14.09.2020
Das Volk der Bäume
Yanagihara, Hanya

Das Volk der Bäume


ausgezeichnet

Hier habe ich ein Buch gelesen, welches es mir inhaltlich nicht leicht gemacht hat!

Ein wirklich unsympathischer Hauptcharakter gibt Einblicke in seine Gedankenwelt. Der Arzt Norton Perina macht eine ungeheuer wichtige Entdeckung, ist also auf wissenschaftlichen Gebiet eine Koryphäe, menschlich dagegen zeigt Perina einige unschöne Züge, die sich gen Ende bis ins Unermessliche Steigern, ekelerregend sind. Und hier möchte ich vorwarnen, es geht um Kindesmissbrauch, nicht jeder Leser möchte so etwas lesen. Mit der Zeichnung des Hauptcharakters wird in diesem Buch eine Frage gestellt. was ist wichtiger bei einem Menschen, das Gute oder das Schlechte? Doch kann man beides gemeinsam bewerten? Oder muss man hier nicht trennen? Einerseits eine Koryphäe und andererseits ein Straftäter!

Gleichzeitig ist dieses Buch ein Bericht, wie die westliche Welt mit anderen Kulturen umgeht/umgegangen ist. Der Schutz einer anderen Kultur oder der Schutz der Tier- und Pflanzenwelt war der westlichen Welt lange vollkommen egal, erst nach und nach regten sich andere Geister, dennoch dauert eine Veränderung im Denken lange, wie man auch momentan beim Klimaschutz beobachten kann. In diesem Bericht wird dem Leser genauso die Frage nach seiner Bewertung des Geschehens gestellt. Besonders gut gelungen fand ich hierbei die Beschreibung des Lebens auf Ivu'Ivu, einer fiktiven mikronesischen Insel, deren Bewohner/ihre Kultur dennoch recht real gezeichnet ist, in ihrer Art manchmal an reale Kulturen erinnert. Oft habe ich bei der Lektüre an werke der Ethnographie aus der Zeit der Entdeckungen denken müssen. Der große westliche Beobachter und sein Blick auf eine andere Welt/auf eine andere Kultur mit der Brille der eigenen Wert- und Moralvorstellungen. Nicht immer korreliert so etwas.

Genauso interessant wie die Thematik ist auch der Stil des Buches. Die autobiographische Betrachtung von Perinas Leben durch ihn selbst, gespickt mit Beobachtungen und Meinungen eines Freundes von Perina machen dieses Buch zu etwas Besonderem, teilweise zwar etwas schwierig zu lesen, ich finde zum Beispiel, dass die Fußnoten sich nicht über mehrere Seiten hätten erstrecken dürfen. Aber auch das habe ich schon anderswo genauso gesehen. Die Schreibe Hanya Yanagiharas ist aber derartig intensiv und die Thematik so ungeheuer vielschichtig, dass man förmlich gezwungen ist 5 vollkommen verdiente Sterne zu vergeben. Genauso wie die Schreibe Yanagiharas derartig real rüberkommt, dass man sehr geneigt ist alles Geschriebene zu glauben. Dennoch ist dieses Buch eine Fiktion, die aber auf einem wahren Fall basiert, dem Fall von Gajdusek!

Bewertung vom 24.08.2020
DUNKEL / HULDA Trilogie Bd.1 (eBook, ePUB)
Jónasson, Ragnar

DUNKEL / HULDA Trilogie Bd.1 (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Dieses Buch ist ein Krimi-Tipp! Ungewöhnlich, spannend und immer wieder überraschend sind treffende Beschreibungen für "Dunkel". Ragnar Jonasson entführt in "Dunkel" die Leser nach Island, zur Kommissarin Hulda Hermannsdottir und leitet mit diesem Buch eine wirklich andere Trilogie ein. Hulda Hermannsdottir steht nämlich vor ihrer Pensionierung und ihrem letzten Fall, sie darf sich für ihre letzten Arbeitstage noch einen Cold Case heraussuchen. Und genau das tut sie, den Fall der ertrunkenen Russin Elena. Huldas Gedanken im Buch drehen sich fortan um ihre Vergangenheit/ihr vergangenes Leben, den Fall der ermordeten Russin Elena, vom Vorgänger als Selbstmord eingeordnet, um ihre drohende Pensionierung und ihr bisheriges Arbeiten in einer von Männern dominierten Arbeitswelt und um ihr jetziges/kommendes Leben. Dabei wirkt Hulda sympathisch, willensstark und auch eckig/sperrig. Doch nicht nur Huldas Gedanken zeigt Ragnar Jonasson, in anderen Erzählsträngen kommen noch weitere Frauen zu Wort, eine Frau, die um ihr Kind kämpft und eine Russin auf einer Reise. Dabei ist die Geschichte um Hulda packend, authentisch, aber auch unheimlich düster. In meinen Augen auch sehr passend in dieser dunklen nordischen Welt. Was mir bei diesem Buch sehr gefallen hat, ist, dass nicht nur der Kriminalfall zentral gestellt wurde, sondern dass auch Hulda und ihr Leben und Denken einen zentralen Part übernimmt, die Kommissarin wunderbar ausgeleuchtet wird. Einerseits ein spannender Kriminalfall und andererseits eine perfekt gezeichnete Ermittlerin. Eine wunderbare Mischung! Außerdem ist auch der Aufbau dieser Trilogie anders und vollkommen ungewöhnlich. Ich habe dieses Buch innerhalb eines Tages inhaliert und kann es absolut empfehlen!