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kaffeeelse

Bewertungen

Insgesamt 533 Bewertungen
Bewertung vom 03.03.2024
Irre Wolken
Berges, Markus

Irre Wolken


ausgezeichnet

Coming of age und Psychiatrie in den Achtzigern


Coming of age in den Achtzigern und Einblicke in die frühere Psychiatrie. Ja, mit so etwas kann man mich einfangen. Und dieses Einfangen habe ich nicht bereut. Denn dieses Buch ist ein Leckerbissen!



„Irre Wolken“ holt mich ab, beschert mir ein Lebensgefühl zurück, lässt Erinnerungen hochkommen, einfach herrlich. Das Unbeschwerte der Jugend lässt in dem Buch von Markus Berges grüßen. Ein Blick auf die erste Liebe, ein Blick auf die fliegenden und tanzenden Hormone, ein Blick auf eine auch fragwürdige Unbedarftheit, aber in diesem Gedanken spricht meine psychiatrische Erfahrung eine Rolle, eine Erfahrung, die der Titelheld nicht hat, nicht haben kann. Denn seine Jugend und seine im Dreieck springenden Hormone lassen dies gar nicht zu.



Und so ist „Irre Wolken“ einerseits ein unbeschwerter Blick auf die Liebe, auf das Verliebtsein, was ja in bestimmter Weise auch einer psychotischen Episode nahekommt, denn das Wirken der Hormone auf das Gehirn kommt einem psychotischen Erleben nahe. Man bedenke nur das Ausschalten der Realität in einem verliebten Hirn, den Blick auf die Welt durch diese oft beschworene rosarote Brille. Eine Brille, die den Blick verändert, ja, verformt.



Andererseits türmen sich auch Wolken auf, Wolken, die durch das psychiatrische Krankheitsbild zum Tragen kommen, aber auch durch Tschernobyl und dem verwerflichen Tun des Menschen auf unserer Erde. Empathische Einblicke in die psychiatrische Welt können nicht von Nachteil sein, denn wenn diese Einblicke wachrütteln und somit schweres Leid verhindern können ist viel gewonnen. Tschernobyl hat damals kurz die westliche Welt erschüttert, aber verändert hat Tschernobyl nichts, außer, dass es damals in den ostdeutschen Gefilden plötzlich mehr Obst und Gemüse zu kaufen gab. Obst und Gemüse aus den östlichen Bruderstaaten. Denn Berichterstattung zu dem unsäglichen Geschehen gab es im DDR-Fernsehen nicht oder kaum. Der große Bruder befiehlt halt. Diese Warnungen, die im Westen grassierten, gab es bei uns nicht. Gewusst hat man es dennoch, durch westliche Medien, wenn man sie denn gesehen/gehört hat, durch mündliche Weitergabe. Nur getan hat sich hierzu nichts. Die Krankheit der Gier halt, wie es in einem Klassiker so schön heißt. Erst Fukushima und das damit verbundene Grauen lässt ein Umdenken entstehen, an dem reaktionäre Kreise weiterhin sägen. Denn diese Gier gibt’s ja immer noch.



Und somit ist der Titel „Irre Wolken“ hervorragend gelungen und das Buch von Markus Berges ein Knaller in der Menge der zuletzt konsumierten Bücher.

Bewertung vom 03.03.2024
Und dann gab's keines mehr
Christie, Agatha

Und dann gab's keines mehr


ausgezeichnet

Zehn, Neun, Acht, ...


Agatha Christie, die Meisterin dieses Fachs. Was soll man sonst zu ihren Büchern sagen. Denn auch, wenn man sie schon kennt, wenn man Verfilmungen ihrer Bücher kennt. Es ist immer wieder eine Freude sie zu lesen. Ja, ich bekenne. Christie Romane kann man mehrmals lesen. Und sie gefallen mir immer noch.





Auch die optische Aufmachung ihrer Bücher im Atlantik Verlag gefällt mir sehr. Dieses etwas Langweilige der älteren Ausgaben in der Präsentation, in der Covergestaltung ist verschwunden und lässt diese Bücher in einem moderneren Glanz erscheinen.





Der morbide Charme, der in den Kriminalgeschichten vorherrscht, ist gepaart mit der englischen Attitüde, dazu kommen dann noch etwas schrullig anmutende Charaktere und eine spannende und interessante Handlung und fertig ist eine dieser atemberaubenden Geschichten der Krimi-Königin Agatha Christie. Ein Lesegenuss. Und ein Buch, welches mich daran erinnert hat, mal wieder zu den Klassikern der Christie zu greifen, „16 Uhr 50 ab Paddington“, „Die Tote in der Bibliothek“, „Mord im Orient-Express“, „Das Böse unter der Sonne“ und „Tod auf dem Nil“. Ein Glas Rotwein und solch ein Buch. Und wahlweise auch mal wieder Margaret Rutherford und Peter Ustinov. Lesegenuss und Filmgenuss. Ich liebs einfach. Diese herrliche alte Dame und der Privatdetektiv par excellence. Das ist Kult. Begleitet mich schon sehr lange. Oft gelesen und oft gesehen. Und immer wieder schön. Ich sage nur die wunderbare Mrs. Otterbourne. Danke Angela!





Und danke Agatha! Dass du mich schon so lange begleitest mit deinen kultigen Büchern!





Nun ist „Und dann gabs keines mehr“ sicher nicht das beste Buch von Agatha Christie, dennoch vermag es dieses Buch mich zu verzaubern, mich auf diese Insel zu tragen und diesem Geschehen/diesen Charakteren zu folgen, mir schöne Lesemomente zu bescheren. Und dies ist doch etwas in unseren unruhigen Zeiten. Warum es nicht so gut ist? Nun. Vielleicht fehlen ein Peter und eine Margaret, die in meiner Fantasie um die Ecke schauen. Denn sonst gibt es nichts zu mäkeln.

Bewertung vom 03.03.2024
Atalanta
Saint, Jennifer

Atalanta


sehr gut

Female Power


Jaja, die griechische Mythologie. Sie hat es mir angetan. Wer meinem Account folgt, wird wissen, dass mit den klassischen Sagen des Altertums von Gustav Schwab meine Liebe zur griechischen Mythologie begann, ich mich aber schon früh über die etwas farblose und blutleere Gestaltung der weiblichen Charaktere wunderte. Filme inspirierten mich. Und natürlich unsere buchigen Schätze. Ich nenne hier nur einige interessanten Vertreter, Salih Jamal „Orpheus“, Madeline Miller „Ich bin Circe“, Margaret Atwood „Penelope und die zwölf Mägde“ und Madeline Miller „Galatea“. In allen diesen Büchern ist die Rolle der Frau zentral stehend, denn irgendetwas passt in der alten griechischen Mythologie nicht. Hier muss man bedenken, dass diese griechischen Mythen größtenteils von Männern weitergegeben wurden und man darf nicht vergessen, dass die Griechen zu den Indogermanen zählen, welche die europäischen Gefilde eroberten, und vielleicht alte mutterrechtliche Kulturen überlagerten mit ihrem Patriarchat. Alte mutterrechtliche Gottheiten lassen sich vielleicht noch in Grundzügen in Gäa, in Hera und auch in Artemis erkennen. Aber sie sind weichgespült. Die Macht alter weiblicher Gottheiten wie der kleinasiatischen Kybele und Hekate, der mesopotamischen Ishtar und Inanna, der phönizischen Astarte, der ägyptischen Isis und Hathor und der karthagischen Tanit sind verschwunden, was schade ist und gleichzeitig auch ein Nachteil, denn nur eine Dualität ist allen Geschlechtern von Vorteil. Es sei denn Mann möchte die Macht! Also nur ein bestimmter Typ von Mann natürlich, nicht alle wohlgemerkt.



In „Atalanta“, meinem ersten Buch von Jennifer Saint, steht Atalanta zentral, ein Schützling der Artemis, der Göttin der Jagd und der Göttin des Mondes. Ahja, des Mondes, soso. 😊 Aber zurück zu „Atalanta“, von ihr habe ich noch nichts gehört, aber auch das kann ja etwas bedeuten. Denn was wohl soll eine Frau bei den Argonauten zu suchen haben? Den Helden schlechthin. Die zwar auf eine Medea trafen, aber nun gut. Starke Frauen gibt es ja bekanntlich bei manchen Männern nicht. Und deswegen verschwinden sie einfach, aus den Mythen, aus der Literatur. Oder sie werden als Kindermörderinnen diffamiert. Kennen wir ja. Von daher ist „Atalanta“ eine interessante und spannende Lektüre, eine unterhaltende Lektüre, und auch eine lehrreiche Lektüre. Wenn man es denn zulässt.

Bewertung vom 03.03.2024
Salvador Allende
Wessel, Günther

Salvador Allende


ausgezeichnet

Salvador Allende


Salvador Allende und der Militärputsch in Chile im Jahre 1973. Das bewegte mich schon früh. Denn natürlich waren bestimmte Dinge dazu geeignet Menschen zu beeinflussen. In der Zeitschrift „Neues Leben“ war Victor Jara ein Begriff und ebenso natürlich auch Salvador Allende, auch die Colonia Dignidad begegnete mir dort zum ersten Mal. Verstanden habe ich das Geschehen in Chile allerdings erst später durch Reportagen und den Film „Das Geisterhaus“ und einige Zeit später auch durch das wunderbare Buch „Das Geisterhaus“ von Isabel Allende. Chile und auch die anderen lateinamerikanischen Länder begeisterten mich schon sehr früh und dieses Interesse ist mir geblieben. Natürlich landen dann Bücher und Filme über Lateinamerika auf meinem Fokus und so war es auch bei diesem Buch hier.



„Salvador Allende“ von Günther Wessel. Biografien sind nicht so mein Zielgebiet. Aber dieses unsägliche Geschehen 1973 in Chile interessiert mich schon länger. Und so wanderte auch dieses Buch zu mir. Und ich muss sagen, es war interessant und vermittelte mir auch Neues. Immer wieder wird in diesem Buch auch Bezug genommen auf das Buch „Die offenen Adern Lateinamerikas“ von Eduardo Galeano und ich musste auch oft an das Buch „Gelbe Schmetterlinge und die Herren Diktatoren“ von Michi Strausfeld denken. Beide Bücher ruhen noch ungelesen in meinen Regalen. Aber meine Neugier zu diesen buchigen Schätzen erwachte bei der Lektüre von „Salvador Allende“ zu neuem Leben. Jeder Lesebegeisterte wird mich verstehen. Man hat viel zu wenig Zeit zum Lesen und es gibt so viel interessante Bücher. Aber gut. Zurück zum Buch.



Günther Wessel blickt hier nicht nur auf Salvador Allende, er visiert einen größeren Teil chilenischer Geschichte an, um die Hintergründe zu dem Geschehen des Jahres 1973 zu beleuchten und gleichzeitig auch das Geschehen 1973 begreifbarer zu machen. Er blickt auf die gesamte Familie Allende, blickt auf ihr Tun, auch ihr politisches Tun. Denn diese Familie ist schon etwas länger in Chile bedeutend gewesen. Nicht von Anfang an, aber schon einige Generationen vor Salvador. Genauso schaut Wessel auf die Beteiligung anderer Mächte am Geschehen in Lateinamerika, wobei die USA an erster Stelle steht, aber auch unser Land hat mitgewirkt. Dies waren aber keine Neuigkeiten für mich.



Insgesamt ist Günther Wessel eine ausführliche und sehr interessante Biografie von Salvador Allende gelungen, die nicht nur den Titelhelden im Fokus hat, sondern auch auf die Zusammenhänge dahinter schaut und dieses Buch dadurch zu etwas Besonderem macht. Ein gelungenes und sehr lesenswertes Buch, wer sich für Chile interessiert, ist hiermit aufgefordert zu dieser Lektüre zu greifen.

Bewertung vom 03.03.2024
Tot oder lebendig
Zustra, Ariana

Tot oder lebendig


gut

Wer bin ich?


Wer bin ich? Ein interessantes Thema. Hier nur wird dieses Thema etwas blutleer erzählt. Da finde ich die Informationen zu Kroatien schon viel besser und informativer. Obwohl mich dieses Wer bin ich?-Thema ursprünglich angelockt hatte.



Die junge Anna Thurow denkt über ihren Tod nach. Warum? Ja warum eigentlich. Den Leidensdruck zu diesen Gedanken habe ich nicht so erkennen können. Genauso wie ihr Verhalten im weiteren Verlauf des Romans nicht unbedingt zu einer Frau kurz vorm Dreißigsten Geburtstag passt, sondern eher zu einer 10 Jahre jüngeren Variante. Etwas kommt ihr falsch vor, ihr reales Leben und ihre Vorstellung davon. Ihre Geschlechtsposition. Trotz dieser Gedanken lebt sie aber ihr Leben in der kroatischen Stadt später recht extrovertiert. Werde ich mit diesem Charakter nicht warm? Nicht im Mindesten. Diesen Charakter finde ich etwas nervig und auch recht wild zusammengewürfelt. Schließlich geht sie zur Wahrsagerin und die Info, die sie dort bekommt, lässt sie aufbrechen nach Dubrovnik. Denn ein kroatischer Junge namens Andri rumort in Annas Seele. What? Nun gut, meinetwegen. Diesen Andri gab es wirklich, wie sie dann herausfindet, aber schlussendlich, welche Entwicklung unterläuft dieser Hauptcharakter Anna in dem Buch der Autorin Ariana Zustra? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht, denn mir hat sich dies nicht erschließen können nach der Lektüre des Romans. Mag sein, dass mich der Charakter aufgebracht hat und ich deswegen den roten Faden verloren habe. Mag sein, dass etwas in mir selbst sich bei der Lektüre zu diesem Buch immens gewehrt hat. Mag sein. Aber dieses Buch hinterlässt mich mit einigen Fragezeichen. Was irgendwie schade ist.

Bewertung vom 03.03.2024
Die Lügnerin
Karig, Friedemann

Die Lügnerin


ausgezeichnet

Innenschau und Außenschau


Friedemann Karig kannte ich schon von seinem Buch „Dschungel“. Dort konnte er mich nicht überzeugen. Um so mehr freue ich mich doch zu „Die Lügnerin“ gegriffen zu haben. Denn hier klappt es bei der Lektüre. Friedemann Karig packt mich mit seiner Geschichte, ich finde sie fesselnd, ungemein spannend und absolut interessant. Wahrheiten und Lügen. Und wir Menschen. Ein spannendes Thema. Ein Thema, welches man weichgespült und besser verträglich servieren könnte. Aber genau dies tut Friedemann Karig hier nicht. Denn ist Lügen per se schlecht? Oder sind manche Lügen nicht sogar erwünscht, weil die zugrunde liegenden Wahrheiten Zerstörungspotential haben. Eine weitere Frage. Was machen Lügen? Was machen Lügen, die zu Wahrheiten werden? Momentan sind diese Fragen, sind diese Blicke gerade in unseren Gesellschaften voller Zündstoff. Gerade nach dieser unsäglichen Pandemie und ihren so zahlreichen wie auch verschiedenen Wahrheiten. Gerade in einer Gesellschaft, die gern nach Schuldigen sucht und mit dem Finger zeigt. Was ist schlussendlich wahr? Und was wird als angebliche Wahrheit benutzt, um gewisse Ziele zu erreichen? Ein Buch, welches ein Nachdenken auslöst. Ein Nachdenken über Wahrheiten und über Lügen. Ein Nachdenken, welches sich viele in unseren Gesellschaften endlich leisten sollten. Denn wir schwimmen momentan in einer richtig unmöglichen Zeit, in der Populisten mit Unwahrheiten ein Publikum erreichen, ihnen ihre Wahrheiten mit unmöglichen und widerwärtigen Zielen einträufeln, ohne dass das Publikum nachdenkt und diese Ziele überhaupt erkennt. Wer weiß welche Unwahrheiten noch wahr werden? Und wer weiß welche Wahrheiten in der Zukunft schlussendlich als gelogen abgestempelt werden. Wer weiß welche bisher funktionierenden Gebilde plötzlich in Schall und Rauch aufgehen werden. Es sei denn der Mensch wacht endlich mal auf und kriegt noch die Kurve, bevor es zu spät ist und unsere Kultur sang- und klanglos untergeht. Ein kluges Buch über Lügen und Wahrheiten. Ich habs geliebt!



Eine Frau sitzt in einer Privatklinik und erzählt ihrer Therapeutin Unglaubliches. Bis die Therapeutin ins Zweifeln kommt. Ja. Was ist wahr und was ist gelogen. Zündende Fragen. Im Buch und im Jetzt.

Bewertung vom 03.03.2024
Die Schwarze Königin
Heitz, Markus

Die Schwarze Königin


ausgezeichnet

Vampirkriege


Dieses neue Buch von Markus Heitz spinnt eine Geschichte um die historischen Figuren Vlad II. Dracul und Barbara von Cilli, gleichzeitig lässt es Verbindungen zu den Kindern des Judas aufkommen und würzt dieses Buch damit immens. Aber nicht nur um die Vergangenheit dreht sich „Die schwarze Königin“, die Geschichte um Vlad II. Dracul und Barbara von Cilli ist nur ein Strang des Romans von Markus Heitz, der andere Strang spielt im Jetzt. Der junge Mann Len reist nach Prag und wird mit der Vergangenheit seiner Familie konfrontiert, denn er ist ein Drăculești, ein Nachfahre von Vlad II. Dracul und schon passieren die eigenartigsten Dinge in Lens bisher sicheren Leben. Mit der Figur der Geschichtsprofessorin Jolana Černá erschafft Heitz den für mich interessantesten Charakter in seinem Buch, diese Frau hilft Len bei seinem Einstieg in die dunkle Welt der Vampire und diese Frau glänzt in ihrer Gestaltung, wird für mich zur einzigartigen und herausragenden Heldin in diesem Buch.



Markus Heitz schafft es wieder das Gestern und das Jetzt miteinander zu verbinden, auch das wunderschöne Leipzig spielt wieder eine Rolle und so ziehen sich die Fäden gekonnt zu den Kindern des Judas. Ich bin sehr neugierig auf weiteres zu dieser Reihe, denn dass hier mehr kommen wird ist für mich keine Frage.



Ich bin erinnert worden an den Lesegenuss, den ich bei der Trilogie der Kinder der Nacht empfand und ich bin ebenso erinnert worden, dass es noch von mir bisher Ungelesenes in meinen Regalen von Markus Heitz gibt. Ich hoffe sehr, dass ich die Zeit finde, diese ungelesenen Bände ebenso zu verschlingen wie „Die schwarze Königin“.



Danke an den Autor Markus Heitz!

Bewertung vom 03.03.2024
Lee Miller
Katz, Gabriele

Lee Miller


ausgezeichnet

Lee Miller


Lee Miller. Eine Fotografin. Eine Amerikanerin in Paris. Eine selbstbestimmte Frau. Eine Lebenskünstlerin. Eine Kriegsfotografin. Eine leidenschaftliche Köchin. Eine traumatisierte Frau!



Eine sehr interessante Frau!



Das erste Mal begegnet ist mir Lee Miller in dem Buch „Die Zeit des Lichts“ von Whitney Scharer. Doch die Zeichnung dieser Frau in dem Buch von Whitney Scharer überzeugte mich nicht vollkommen. Nun kann man aber über die Liebe nicht urteilen, denn in ihr verändern sich ja viele nicht unbedingt zu ihrem Besten. Aber dennoch. Die gezeichnete Person Lee Miller in „Die Zeit des Lichts“ passte für mich nicht vollkommen zusammen. Aber eins hat dieses Buch geschafft. Es hat mich über Lee Miller informiert und es hat mich neugierig gemacht auf diese Frau. Denn wer den Mut hat als Kriegsfotografin an eine Front zu reisen und dieses Grauen zu fotografieren, der kann kein verhuschtes Mäuschen sein.



So kam mir diese Biografie gerade recht. Und richtig. Hier kommen noch viel mehr Aspekte zum Vorschein. Einiges wurde in „Die Zeit des Lichts“ schon angedeutet, ich habe es nur damals nicht so gesehen, vielleicht wäre ich da heute aufmerksamer. Aber etwas kann ich nach der Lektüre dieses Buches sagen. Lee Miller war eine interessante und sehr mutige Frau. Die auch noch versucht hat, das Beste aus ihrem Leben zu machen, als es ihr überhaupt nicht mehr gut ging. Von Gabriele Katz ist die Person Lee Miller hervorragend beleuchtet worden und man erfährt sehr viel über eine mutige Frau, die etwas aus ihrer Zeit fällt.

Bewertung vom 03.03.2024
Kleine Grausamkeiten
Nugent, Liz

Kleine Grausamkeiten


ausgezeichnet

Brüder


Kleine Grausamkeiten. Große Grausamkeiten! Was für ein Buch von Liz Nugent. Wieder haut der Steidl-Verlag hier einen Knaller raus. Was für eine Familie. Was für Brüder. Was für Männer. Langsam und bedächtig beginnt dieses Buch. Man erfährt von einem Drama. Denkt sich nun gut, mal sehen. Warum und Wieso. Und dieses ganze Krimiratespiel beginnt. Doch diese Familienstruktur, die sich hier eröffnet, lässt einen sprachlos zurück. Diese Familie hier möchte man nicht geschenkt haben. Und nein. So eine Familie wünsche ich auch meinen Feinden nicht. Nochmal kurz darüber nachdenken. Nein, ich bleibe dabei. So eine Familie verdient niemand!



Liz Nugent erschafft hier Charaktere, die erst nach und nach im Text offenbart werden. Dies gelingt ihr grandios. Diese Figuren hat Liz Nugent geradezu perfekt ausgeleuchtet, lässt ihre Toxizität erst nach und nach erscheinen. Die Leserschaft sucht nach dem Schuldigen. Aber den gibt es so gar nicht. Denn schuldig sind sie alle in der Familie Drumm. Der Spannungspegel ist riesig, man mag dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen. Und man wünscht sich sehr, dass man solchen Menschen niemals begegnet. Aber man begegnet ihnen. Denn diese toxischen Charaktere gibt es.



5 Sterne für dieses grandiose Machwerk von Liz Nugent und ich wünsche diesem Buch eine riesige Leserschaft. Nur eins sei hier angemerkt. Zart besaitet sollte man nicht sein!

Bewertung vom 03.03.2024
Lichtungen
Wolff, Iris

Lichtungen


sehr gut

Lev und Kato


Deutschsein in Rumänien. Dies scheint das große Thema von Iris Wolff zu sein. So war es schon bei „Die Unschärfe der Welt“ und so ist es auch wieder bei „Lichtungen“. Kann man ja aber auch verstehen, ist doch die Autorin ebenso in Rumänien geboren und kam dann erst nach Deutschland. Sie kennt also dieses Thema. In „Lichtungen“ geht es um die Freundschaft von Lev und Kato. Eine Freundschaft, die nach mehr klingt, durchaus nach mehr hätte klingen können. Denn zwischen beiden Figuren ist auch mehr, dennoch spielt auch der Freiheitsdrang, insbesondere bei Kato eine große Rolle. Sprachlich ist auch dieses neue Buch der Autorin Iris Wolff wieder wunderschön. Erzählt wird es rückwärts und in Abschnitten, die zeitlich auch immer etwas auseinander liegen. So wirkt es etwas zerrissen. Dennoch entfacht Iris Wolff natürlich wieder eine immense Tiefe. Aber sie kommt hier in „Lichtungen“ nicht an die von mir empfundene Tiefe von „Die Unschärfe der Welt“ heran. Aber ich kann gar nicht sagen woran dies genau liegt. Denn auch „Die Unschärfe der Welt“ bestand aus Kapiteln, die nicht unbedingt zeitlich aneinander anknüpften. Und mit Lev und Kato sind auch Underdog-Figuren in „Lichtungen“ zentral stehend. Auch dies müsste mich anzünden. Tut es nur irgendwie nicht. „Lichtungen“ plätschert etwas dahin, ich weiß dies klingt nicht ganz so toll, die sprachliche Gestalt des Buches lässt aber auch dieses von mir empfundene Plätschern etwas sprudelnder ausfallen. Vielleicht hängt dies auch mit meiner Erwartungshaltung zusammen, die hoch war, denn „Die Unschärfe der Welt“ hatte mich lichterloh entfacht. Aber gut, so ist es nun einmal. 4 Sterne sind ja auch eine sehr gute Bewertung von mir. Denn die beiden Underdogs Lev und Kato sind liebenswert und ihre Wege interessant konstruiert. Der Roman „Lichtungen“ bietet außerdem Einblicke in eine vergangene Zeit, Einblicke in ein anderes Land und ist auch deshalb ein interessantes Buch, dem ich viele Leser wünsche.