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Benutzername: yellowdog
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Bewertungen

Insgesamt 857 Bewertungen
Bewertung vom 05.08.2020
Ein Mann der Kunst
Magnusson, Kristof

Ein Mann der Kunst


ausgezeichnet

Der Malerfürst und der Förderverein

Ein Mann der Kunst ist gut gestaltetes Buch mit großartigem Cover. Da macht es Spaß, gleich in den Roman einzusteigen und der Icherzähler hat einen durch seine Erzählart sofort gepackt. Constantin ist Architekt.
Seine Mutter Ingeborg engagiert sich leidenschaftlich für den Förderverein für Kunst, insbesondere für das Werk des exzentrischen Künstlers KD Pratz, der zurückgezogen auf einer Burg lebt und auf die Welt schimpft.

Tatsächlich empfängt KD Pratz den Förderverein auf seiner Burg. Das geht nicht konfliktfrei ab. Starke Charaktere prallen aufeinander.

Der zurückhaltend beobachtende Blick des Erzählers bestimmt den Roman stark mit.

Mit wenig Aufwand schafft es der Autor Kristof Magnusson dem Leser einen Einblick in den Kunstbetrieb zu gewähren.

Fazit: ein origineller und lesenswerter Roman!

Bewertung vom 05.08.2020
Die Topeka Schule
Lerner, Ben

Die Topeka Schule


sehr gut

Multiperspektivisch

In den ersten Kapiteln dachte ich noch, Ben Lerner würde auch mit Spannungselementen arbeiten, doch letztlich ist es in erster Linie ein realistischer Blick auf das Leben jugendlicher in Kansas,USA. Ein nicht unbedingt erquicklicher Blick, denn das Alltagsleben scheint unerbittlich.

Stilistisch erinnert mich Ben Lerner ganz leicht an Jonathan Franzen, aber er schreibt kühler.

Adam, vermutlich wegen einigen übereinstimmenden biografischen Eckdaten teilweise ein alter Ego des Autors, ist gut im Debattieren und die Passagen, in denen das gezeigt werden, sind nachvollziehbar und konsequent.
Literarisch außergewöhnlich sind die kurzen, kursiv gedruckten Darren-Passagen zwischen den Kapiteln. Darren ist ein Außenseiter ohne Chancen.

Im Roman wechseln die Perspektiven. Es gibt auch Passagen aus Sicht von Jane und Jonathan, Adams Eltern. Überwiegend wird rückblickend erzählt.
Ich fand eigentlich die Jane-Passagen am interessantesten. Das zeigt aber auch das Problem, die verschiedenen Abschnitte zu einer Einheit werden zu lassen. Einige Aspekte des Buches scheinen auch ins Leere zu gehen.

Vor der literarischen Qualität des Romans habe ich Respekt. Als Leser muss man mitarbeiten. Ich wünschte, ich hätte das Buch mehr gemocht, aber es war jedenfalls zu einem Teil ein unverdaulicher Brocken. Einige Abschnitte, gerade auch der Schluß werden aber in Erinnerung bleiben.

Bewertung vom 05.08.2020
Der Aufstand von Treblinka (eBook, ePUB)
Wójcik, Michal

Der Aufstand von Treblinka (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Detaillierte Schilderungen aus einem Vernichtungslager

Der Aufstand von Treblinka von Michal Wojcik
- Revolte im Vernichtungslager

In der Erinnerungskultur steht in Deutschland das Konzentrationslager Auschwitz ganz vorne. Das es weitere nationalsozialistische Vernichtungslager gab, wissen mache vielleicht nicht einmal. In Treblinka wurden in nur 13 Monaten ca.870.000 Menschen ermordet.

Das Buch von dem Historiker Michal Wojcik wurde aus dem polnischen übersetzt. Während deutsche Bücher über das Thema häufig sehr sachbezogen schreiben, scheut sich dieser Autor nicht mit drastischen Beschreibungen die grausamen Zustände in Treblinka zu zeigen. Es sind extreme! Deswegen ist das Buch harte Kost. Es ist aber in der Art wie erzählt wird, auch sehr lesbar.

Häufig werden Täter (z.B. Lagerkommandant Franz Stangerl) oder Überlebende (z.B. Richard Glazar und Samuel Willenberg) als Figuren direkt gezeichnet.

Das Buch ist umfassend. Erst im 3.Teil, ca. Mitte des Buches geht es direkt um den Aufstand.

Unbedingt erwähnenswert ist noch der Anhang mit einigen Fotos inklusive Erläuterungen.
Wirklich großartig vom Piper-Verlag, dieses Buch herausgebracht zu haben

Bewertung vom 04.08.2020
Ein Sonntag mit Elena
Geda, Fabio

Ein Sonntag mit Elena


ausgezeichnet

Ein feines Buch

Ein Sonntag mit Elena ist ein geschickt komponierter Roman des italienischen Schriftstellers Fabio Geda. Clou ist die ungewöhnliche Erzählperspektive, bei der die Tochter des Protagonisten die Geschichte rückblickend erzählt. Zuerst dachte ich, das wäre zu kompliziert, aber dann stellt es sich als die genau richtige Art heraus. So kann nicht nur von ihrem Vater, dem 67jährigen Witwer und seiner Begegnung mit einer jüngeren Frau und deren Sohn berichtet werde sondern auch von ihrer Familie, als die Mutter noch lebte und wie sie und ihre zwei Geschwister aufwuchsen. So entsteht aus den Erinnerungen auch eine Familiengeschichte.
Der Stil ist sehr fein, der Grundton humanistisch. Ein angenehmes Leseerlebnis.
Es ist ein sehr sympathisches Buch geworden, das ich sehr mag.

Bewertung vom 04.08.2020
Willkommen im Flanagans / Das Hotel unserer Träume Bd.1
Hellberg, Åsa

Willkommen im Flanagans / Das Hotel unserer Träume Bd.1


sehr gut

Wirbel im Luxushotel

Der Beginn Silvester 1959 im Luxushotel Flanagans ist stark und es werden schnell die wichtigsten Figuren vorgestellt.
Da ist die Hotelbesitzerin Linda, eine eigenwillige Persönlichkeit und die Dienstmädchen Elinior und Emma.
Während die schwarze Elinior den Aufstieg zur Kaltmamsell schafft, ist die ehrgeizige Emma noch Anfängerin.
Dann gibt es noch Alexander, der an der Rezeption arbeitet und Lindas beste Freundin Mary.

Gut gemacht ist auch der Rückblick mit Linda, die 1949 aus Fjällbacka, Schweden nach London gekommen ist um das geerbte Hotel zu führen.
Keine einfache Sache, aber Linda schafft es und führt das Hotel zum Erfolg.

Linda ist eine gute Figur, auch wenn ich mit ihr nicht so richtig warm wurde. Aber es muss ja nicht jede Hauptfigur eine Identifikationsfigur sein.

Dass Buch ist als erster Teil der Reihe Das Hotel unserer Träume angelegt. Ich mag Romane um Hotels gerne und Willkommen im Flanagans reiht sich da ein.

Bewertung vom 04.08.2020
Halligmord / Minke-van-Hoorn Bd.1
Henning, Greta

Halligmord / Minke-van-Hoorn Bd.1


sehr gut

Minkes erster Fall

Halligmord ist ein sympathischer Nordseekrimi, da die Autorin liebevoll ihre eigenwilligen Figuren entwickelt und es gute Beschreibungen der Landschaft und des Lebens dort gibt.
Die junge Minke von Hoorn ist die neue Kommissarin. Schon ihr verstorbener Vater war Kommissar.
Von den Figuren haben mir auch Bo, Minkes Zwillingsbruder und Gerichtsmediziner, sowie ihr scheidender Chef Klaus Wagenscheidt und der alte Deichgraf Jasper und sein Sohn David gefallen.

David wird entführt und Minke legt sich ins Zeug.

Noch 4 Tage bis zum Sturm ist das erste Kapitel überschrieben. Die Tage zählen sich in den folgende Kapiteln runter, unterbrochen von kurzen Einschüben aus der Vergangenheit.

Der Roman ist zwar literarisch eher schwach, hat aber viel Flair und Atmosphäre.

Bewertung vom 04.08.2020
Alles, was das Herz begehrt / Wunderfrauen-Trilogie Bd.1
Schuster, Stephanie

Alles, was das Herz begehrt / Wunderfrauen-Trilogie Bd.1


sehr gut

Besondere Jahre

In Wir Wunderfrauen stellt die Autorin Stephanie Schuster das Leben von 4 Frauen in den Jahren 1953 und 1954 vor. Man sieht sie auf dem großartigen Cover. Luise, Marie, Helga und Annabel sind sehr unterschiedlich, so werden verschiedene Aspekte gezeigt. Luise ist wohl die stärkste Persönlichkeit. Meine Lieblingsfigur war Marie, weil sie so sensibel ist.

Stephanie Schuster schreibt realistisch und zeigt den Alltag in dieser Zeit.
Dadurch unterscheidet sie sich von anderen Schriftstellern des Genres, die oft eine Liebes- oder Spannungsgeschichte in den Vordergrund stellen.
Sie lässt sich auch viel Zeit beim erzählen. Das kann ein Problem für ungeduldige Leser werden. Obwohl ich den Roman geschätzt habe, war die Erzählweise doch zu weitschweifig und teilweise habe ich mich gelangweilt.

Bewertung vom 03.08.2020
Die letzte Astronautin
Wellington, David

Die letzte Astronautin


ausgezeichnet

Den Ansatz von Die letzte Astronautin halte ich für reizvoll. Eine Frau, die nach langer Zeit eine zweite Chance bekommt.
Sally Jansen war einst die Kommandantin der Orion 6 auf dem Weg zum Mars, als ein Vorfall die Reise beendete. Das war das Ende ihrer Karriere.
21 Jahre später ist die NASA auf fähige Leute angewiesen und aktiviert sie wieder.
Roy McAllister, Leiter der Abteilung Raumfahrt und Forschung der Nasa stellt für eine wichtige Mission ein Team zusammen. Es gibt einen Erstkontakt mit einem Sternenschiff, vielleicht mit Aliens.

Das Team ist sehr gemischt. Da ist Windsor Hawkins, ein Militär, die Astrobiologin Parminder Rao und Sunny Stevens, der das Sternenschiff als erster entdeckt hatte.
Und Sally ist mit 56 Jahren die Kommandatin und sie hat als einzige Weltallerfahrung.

David Wellington schreibt detailreich und erreicht damit erzählerische Dichte und Atmosphäre. Manchmal sind mir die Beschreibungen sehr ausführlich, aber SF-Fans werden sich gerade das mögen und es gibt nichts überflüssiges.
Wellingtons Stil ist vielfältig. Er baut auch immer wieder Passagen ein, die Auszüge aus Artikeln oder in einer Berichtsform gehalten sind. Das ergänzt die erzählerischen Abschnitte gut. Zudem entwickelt der Autor einige sehr interessante Ideen. Daher war ich schließlich immer mehr vom Buch gefesselt.
Ich schätze die Chance des Buches den diesjährigen Arthur C.Clarke-Preis zu gewinnen als nicht gering ein.

Bewertung vom 03.08.2020
Alte Erde
Heuchert, Sven

Alte Erde


sehr gut

Mit Alte Erde orientiert sich Sven Heuchert an dem US-amerikanischen Noir.
Thies kehrt zurück in seine alte Heimat zu seinem Bruder Karl und bringt seine Freundin Monique mit. Es dauert nicht lange bis sich Konflikte bilden und in Gewalt umschlägt.

Dass sich eine stark düstere Atmosphäre bildet liegt aber auch an einer weitere Figur, Wouter Bisch. Ein Mann, der ein Eindringen in seinen Wald nichz zulassen will.

Manche Passagen haben filmischen Charakter, die Dialoge tragen dazu bei.
In der Summe ist der Stil unglaublich rau und düster.

Bewertung vom 01.08.2020
Der letzte Satz
Seethaler, Robert

Der letzte Satz


ausgezeichnet

Romanbiografie

Robert Seethaler hat sich schon mit seinen letzten Roman “Ein ganzes Leben” und “Das Feld” in die obere Riege der deutschsprachigen Literatur geschrieben.

Der letzte Satz, diese Gustav Mahler-Romanbiografie setzt da an und enthält gleiches Niveau.

Gustav Mahlers Leben wird geschildert. Ausgangspunkt ist eine Reise Mahlers auf einem Schiff aus den USA nach Europa. Daraus leiten sich Erinnerungen ab. Schwerpunkt seine schwierige Beziehung zu seiner Ehefrau Alma.
Alma Mahler-Werfel wird auch eine wichtige Figur der Kulturgeschichte werden, wenn auch eine zwiespältige. Ich finde auch ihr Porträt gelungen. Und auch Mahler funktioniert als eine getriebene Persönlichkeit, dem die Musik, seine Symphonien und das Dirigieren das wichtigste bleibt.

Ein Leitmotiv bilden Mahlers Gespräche mit einem Jungen auf dem Schiff, der ihn bedient. Nur kurz denkt man da an Thomas Manns Tod in Venedig, aber in diese Richtung geht das natürlich nicht. Mahler Gedanken drehen sehr um Alma und den Verlust seiner vor 2 Jahren verstorbenen Tochter.
Das letzte Kapitel gehört dennoch dem Schiffsjungen, dennoch einmal an den alten Mann denkt, den er einst getroffen hatte. Das finde ich sehr gelungen.