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Benutzername: yellowdog
Danksagungen: 5 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 400 Bewertungen
Bewertung vom 20.01.2019
Der Hunger der Lebenden / Friederike Matthée Bd.2
Sauer, Beate

Der Hunger der Lebenden / Friederike Matthée Bd.2


ausgezeichnet

Heißer Sommer 1947

Der Hunger der Lebenden von Beate Sauer ist in der Nachkriegszeit angesiedelt. Es ist ein heißer Sommer 1947. Schnell wechseln die Schauplätze: Köln, Düsseldorf, Bergisches Land, London
Dadurch bekommt der Plot etwas markantes. Erfreulich auch, im Krimigenre einen Roman anzutreffen, der sprachlich so gut gearbeitet ist. Die Beschreibungen wirken treffend und glaubwürdig und so wird in erster Linie ein Portrait des Zustandes des Landes in dieser schwierigen Zeit gezeigt. Die zerstörten Städte und die Not der Menschen bilden eine beklemmende Kulisse.
Es war eine harte Zeit, in der die Lebensmittelkarten nie ausreichten und der Schwarzmarkthandel oft eine Notwendigkeit war. Die Erinnerungen an den Krieg und Flucht ist noch allgegenwärtig.
Viele Details sind spürbar gut recherchiert!

Die Mischung stimmt. Der Kriminalfall und die Beschreibungen der Lebensumstände sind passend miteinander verknüpft.

Hauptfigur ist eine Kriminalassistentin, Friederike Matthée. Sie ist sensibel und manchmal eingeschüchtert, aber sie hat einen scharfen Verstand und bleibt immer hartnäckig. Ein schätzenswerter, sympathischer Hauptcharakter, der man gerne durch das Buch folgt. Sie hat Mitgefühl und versucht der jungen Mordangeklagten zu helfen, insbesondere auch einem alleinstehenden Flüchtlingskind.

Als Beamtin der Weiblichen Kriminalpolizei (WKP) sind Friederikes Möglichkeiten begrenzt. Sie muss persönlichen Einsatz auch ohne Beauftragung durch ihre Vorgesetzten einbringen. Als untergeordneter weiblicher Polizist ist sie wenig akzeptiert. Immerhin hat sie mir Richard Davis, Lieutnant bei der Royal Military Police, einen Verbündeten. Der Plot entwickelt sich dramatisch weiter.

Als gelungenes Zeitportrait mit spannender Handlung ist das Buch ein wertvolles Stück Literatur.

Bewertung vom 18.01.2019
Cat Person (eBook, ePUB)
Roupenian, Kristen

Cat Person (eBook, ePUB)


gut

In den Erzählungen von Kristen Roupenian geht es intensiv vor. Die Schwierigkeiten menschlicher Beziehungen in unterschiedlichen Varianten werden gezeigt. Das die Autorin so tief in die Psyche ihrer Figuren dringt, verstärkt die Intensität der Stories.
Manchmal erscheint mir die Autorin etwas zu genüsslich dabei. Das verleiht den beklemmenden Geschichten den Hauch Voyerismus, der beim Lesen schmerzhaft sein kann.
Ob die Autorin zu weit geht, liegt sicher in der Entscheidung des einzelnen Lesers.

Die Titelstory Cat Person ist die herausragende. Für mich klar die Beste.

Bewertung vom 16.01.2019
Fünf Tage im Mai
Hager, Elisabeth

Fünf Tage im Mai


sehr gut

Empfehlenswerter Roman

Fünf Tage im Mai erzählt von der innigen Beziehung einer jungen Frau zu ihrem Urgroßvater und dem Leben in Tirol. Schon als Kind war der alte Tat´ka für die kleine Illy eine positive Bezugsperson, das endete auch nicht als llly älter wurde.
Als Jugendliche verliebte sich Illy in den rebellischen Tristan. Er ist ein sensibler, aber schwieriger Typ. Keine glückliche Beziehung. Nach einem drastischen Vorfall hat Illy ihre Heimat verlassen und kommt erst 4 Jahre später zurück, als Tat`ka kurz vor seinem 100. Geburtstag steht.

Der Roman ist durchgängig gut zu lesen. Tat´ka ist ein Original und die Icherzählerin trotz ihrer Probleme sympathisch. Es gibt zwar viele Romane, die alte Originale und Mädchen zeigt, oft humorvoll, aber meistens auch übertrieben. Bei Illy und ihrem Urgroßvater, einem starken Fassbinder, halte ich die Tiefe ihrer Zuneigung aber für glaubwürdig. Ta´kas ist ein Fels in der Brandung, ein Maßstab, aber auch tolerant und verständnisvoll. Dass sein Handwerk mit ihm sterben wird, missfällt ihm und bis zuletzt ist er noch tätig, obwohl die Kräfte langsam nachlassen. Seine Geradlinigkeit ist beeindruckend. Berührend, wenn er Illy von seiner ersten Liebe erzählt, die lange tot, aber unvergessen ist.

Zum Ende hin versteht man auch, was bei Illy und ihrem ehemaligen Freund vorgefallen ist. Sie akzeptiert es und langsam wird sie wirklich erwachsen.

Der Roman ist kurz, aber kompakt. Tatsächlich wird nicht mehr Raum für diese Geschichte benötigt. Eine gute schriftstellerische Leistung der Autorin Elisabeth R.Hager und ein Roman, den man weiterempfehlen kann.

Bewertung vom 14.01.2019
Das Licht in meiner Dämmerung
Saxx, Sarah

Das Licht in meiner Dämmerung


gut

Love und thrill

Die Studentin Eleonore ist ohne eigenes Verschulden in eine böse Klemme geraten. Ihr Zwillingsbruder wurde ermordet, sie selbst in Michigan entführt. Immerhin konnte sie in Montana ihren Entführern endlich entkommen, doch sie befindet sich weiterhin in Gefahr von diesen gefährlichen Schwerverbrechern gefunden und ermordet zu werden. Hilfe findet sie bei dem grimmigen Einzelgänger Ethan McConnor, der sie aufnimmt und versteckt und ihr weiterhilft, auch wenn es ihm als verschlossenem Mann schwerfällt. Ein Ereignis aus der Vergangenheit hat ihn aus der Spur gebracht und in die Einsamkeit getrieben.

Der Reiz des Romans besteht aus den unterschiedlichen Perspektiven, die ständig wechseln.
Natürlich folgt der Roman weitgehend den Genreregeln des Romantic Thrill.El ist hilfsbedürftig und Ethan ein Typ Marke Steinzeitmensch mit sensiblen Momenten und abwegigen Neigungen. Ziemlich klischeehaft und psychologisch unausgegoren!

Die anfängliche Dramatik und die folgenden Spannungsmomente durch die allgegenwärtige bedrohung erzeugen viel Spannung, obwohl man als Leser ständig einen Absturz in Liebesgedöns befürchtet, denn die Anziehungskraft zwischen Eleonore und Ethan ist stark. Tatsächlich kommen in der Mitte des Romans dann auch zahlreiche explizite Szenen. Da kann man nicht schnell genug vorblättern.

Die Konstellation in manchen Passagen erinnernt mich leicht an Nicholas Sparks-Romane, die Thrillerelemente beinhalten (Safe Haven, The Guardian). Bei "Das Licht in meiner Dämmerung" wird der Thrilleranteil aber leider lange Zeit vernachlässigt. Ganz zufrieden war ich daher nicht, aber das Buch ist doch Welten besser geschrieben als die von der unsäglichen Piper Rayne oder von der unfähigen Samantha Beck.

Bewertung vom 13.01.2019
Die Farben des Feuers
Lemaitre, Pierre

Die Farben des Feuers


sehr gut

Intrigen in dunklen Zeiten

Eine bewährte Methode des preisgekrönten französischen Schriftstellers Pierre Lemaitre ist, am Anfang eine imposante, aufwändige Passage zu stellen. Ein Ereignis, das die kommenden Seiten des Romans und die das Schicksal der Figuren mitbestimmen werden. In Die Farben des Feuers ist eine eine Beerdigung eines Bankiers und der Sturz seines Enkels Paul. Diese Passage ist offensichtlich konstruiert, das war bei Lemaitres früheren Romanen (opfer, Drei Tage und ein Leben) auch schon so. Bei Lemaitre funktioniert diese Schreibmethode. Weniger sorgfältigen Autoren würde ich das nicht empfehlen.

Die Farben des Feuers ist ambitioniert und zeigt eine großbürgerliche Familie im vornehmen Haus Pericourt in Paris, ein Gesellschaftsportrait ab 1927, das sich über einige Jahre erstreckt.
Hauptfiguren sind Madeleine, die Tochter des Bankiers und ihr Sohn Paul, der im Rollstuhl sitzt. Dann gibt es noch das Personal und Madeleines geschäftliche Berater sowie der Hauslehrer Andre, der Journalist werden möchte sowie Onkel Charles. Schon bald wird das Leben aller von Intrigen bestimmt und die Zeiten werden immer düsterer. Schließlich wird Madeleine um all ihr Geld gebracht. Wechselhafte Jahre folgen.

Ein Roman mit Komplexität und starke Figuren, jeoch nicht ohne Schwächen,die sensibel dargestellt werden.

Bewertung vom 12.01.2019
Ich bringe dir die Nacht (eBook, ePUB)
Ryan Howard, Catherine

Ich bringe dir die Nacht (eBook, ePUB)


gut

Als Thriller schwerfällig, als Roman gelungen

„Ich bringe dir die Nacht“ von Catherine Ryan Howard hat einen spannenden Beginn, wird zur Mitte hingegen jedoch etwas schwerfällig und die Spannung kann nicht durchgehend in vollem Maße aufrecht erhalten bleiben.

Die Ausgangsposition, das jemand als Serienmörder (möglicherweise) unschuldig einsitzt, gab es schon öfter. Auch das eine weitere Person erst an die Schuld glaubt, dann aber bei der Auflösung mitwirkt. Alison war Wills Freundin, bis er als Mörder verhaftet wurde. 10 Jahre später geschehen wieder Morde und es ist Alison, die Will, der in der psychiatrischen sitzt, sprechen möchte.

Der Roman ist meiner Meinung nach mehr als nur ein konventionellen Thriller und wie es den Protagonisten ergeht, interessiert einen.

Es gibt Handlungsebenen heute und in der Vergangenheit, vor 10 Jahren. Das ist gut gemacht und funktioniert, um die Geschichte zu erzählen. Den Figuren bleibt man als Leser leider teilweise distanziert. Das gilt weniger der Protagonistin Alison als z.B. Liz oder Will. Aber letztlich ist Will die meiste Zeit eingesperrt, doch auch in den Vergangenheitsszenen überzeugt er mich als Figur nicht so ganz. Erst ganz am Schluß bekommt man einen Schlüssel zu seinem Charakter und auch das hat die Autorin geschickt gemacht.

Als Thriller ragt das Buch nicht wirklich aus der Masse heraus, als Roman über Menschen, die mit dem Schicksal aus der Vergangenheit hadern, ist der Roman gelungen.

Bewertung vom 11.01.2019
Schokolade bei Hanselmann
Loy, Rosetta

Schokolade bei Hanselmann


sehr gut

Rosetta Loy schreibt in ihrem von Maja Pflug aus dem Italienischen übersetzten, preisgekrönten Roman von einer römischen Familie vor und im zweiten Weltkrieg.
Enrico und seine Frau Isabella haben zwei Kinder (Marta, Lorenza) und sind mit Arturo befreundet, der schließlich Isbellas Schwester Margot heiratet.
Rosetta Loy wählt einen Beginn in der Vorkriegszeit, in der Enrico von seinem Kollegen Arturo besucht wird. Sowohl Isabella als auch die Kinder sind verzaubert von ihm. Arturo hat viel Charme und Eigenarten, vielleicht auch Geheimnisse. Es ist eine sorgenfreie Zeit, dominierend die Eindrücke der Kinder. Überwiegend ist die Handlung undramatisch. Aber Arturo ist Jude und bald wird es gefährlich für ihn. Denunzation und Deportation droht. Mit gefälschten Ausweis lebt er unentdeckt und sucht schließlich Zuflucht in der Schweiz.

Sprachlich ist das Buch sehr sorgfältig und effektiv gestaltet, ein Genuß!
Diesem Zauber wird aber auch die dunkle Zeit voller Bedrohung entgegengestellt. Die 1931 geborene Autorin hat die Zeit des Faschismus als Kind erlebt. Vielleicht gelingt ihr deswegen das Zeitportrait so gut.

Bewertung vom 08.01.2019
Doggerland. Fehltritt (MP3-Download)
Adolfsson, Maria

Doggerland. Fehltritt (MP3-Download)


ausgezeichnet

Hörbuchrezension:
Eine gute Idee der schwedischen Autorin Marie Adolfsson mit Doggerland einen fiktiven Schauplatz zu erfinden, das öffnet viele Möglichkeiten.
Mit einem Fehltritt der Kriminalkommissarin Karen Eiken Hornby beginnt es. Nach einer spontanen Nacht im Hotel mit ihrem Chef Jounas Smeed fährt sie früh morgens durch Doggerland nach Hause. Dabei sieht sie sogar Susanne Smeed, die Frau, die nur Stunden später ermordet wurde und den Fall bildet, in dem Karen dann ermitteln muss. Susanne war außerdem die Exfrau des Polizeichefs.

Die Ermittlung steht dann auch die ganze Zeit im Mittelpunkt.
Weniger gemocht habe ich die Rückblicke ins Jahr 1970. Der Stoff hätte auch komplett in der Gegenwart abgebildet werden können.

Die Dialoge sind gut gemacht. Es gibt dabei aber auch einige Klischees.
Dennoch sind die Dialoge eine Stärke des Buches. Das kommt auch gut im Hörbuch zum tragen. Die Sprecherin Tanja Geke gelingt es gut, die verschiedenen Figuren zu lesen. Sogar einen alten Mann kann sie glaubhaft sprechen oder einen Polizisten mit brummiger Stimme. Tanja Geke ist Expertin als Sprecherin für Krimis und Thriller, zum Beispiel las sie auch schon Romane von Tess Gerritsen, Linda Castillo und Val McDermid. Auch als Synchronsprecherin vieler bekannter, internationaler Schauspielerinnen hat man sie schon oft gehört.
Ihre Stimme passt auch sehr gut zu der ca. 40jährigen Protagonistin. Das verleiht der Figur einen Teil ihrer Persönlichkeit. Ich fand es auch angenehm, eine eher normale Ermittlerin im Mittelpunkt stehen zu sehen und keine von diesen perfekten, superklugen Kommissare oder noch schlimmer die kaputten, die das Krimigenre bevölkern. Karin ist da wesentlich realistischer. Außerdem entwickelt sie sich im Verlauf der Handlung, wird selbstbewusster und steht für sich ein.

Der Mordfall selbst ist eigentlich nicht besonders dramatisch oder spannend. Mich hat das aber nicht gestört, da ich sowieso kein großer Krimi-Fan bin und mich mehr für das drumherum und das Leben in Schweden interessiere.
Auch wenn Doggerland fiktiv ist, bekommt man Lust einmal dahin zu reisen.

Bewertung vom 06.01.2019
No time to eat
Tschernigow, Sarah

No time to eat


sehr gut

Plädoyer für die Vernunft beim Essen

Die Problematik, die dieses Buch thematisiert, ist mir auch nicht gerade unbekannt.
Fertigessen und offensichtliche ungesunde Lebensmitteln sind mir nicht fremd, aber es bedeutet Aufwand, sich die gesünderen Gerichte zusammenzustellen und ggf. zu kochen.
Das Buch gibt einige Tipps und ist stellenweise auch sehr informativ. Zum Beispiel die kritischen Worte zu Light-Produkten und Süßstoffe.
Besonders auch der Abschnitt über Clean eating ist einleuchtend und auch die genannten Alternativen erscheinen durchaus möglich.
Auch die beschriebene Rosinenübung ist glaubhaft.
Das schlimme am ungesunden essen ist oft, dass man sich dann nicht mal Zeit nimmt, das Essen zu genießen und stattdessen in Eile auch noch nur reinstopft.

Das man mehr Wasser trinken sollte, ist nicht anzuzweifeln. Das Wasser dafür aufzupimpen, z.B. mit Zitrone, sollte möglich sein.
Bei dem Abschnitt Do´s und Don´ts am Bahnhof habe ich mich aber gewundert.

Was mich am Buch irritierte war, wie die Autorin einen immer direkt anspricht, als würde man sich kennen. Das ist nicht mein bevorzugter Stil, aber auch nicht so schlimm.

Den Hinweis, sich zu orientieren, kann man sich zu Herzen nehmen.

Bewertung vom 30.12.2018
Die verlorene Schwester
Winterberg, Linda

Die verlorene Schwester


sehr gut

Verlorene Kindheit

Zwei Handlungsebenen werden zeitlich versetzt erzählt und ergänzen sich sinnvoll. Das ist geschickt gemacht.
2008: Die 35jährige Investmentbankerin Anna erfährt spät, dass sie adoptiert wurde. Sie beginnt über ihre Herkunft und ihre Mutter zu forschen. Doch das wird nicht einfach.

Ab 1969: Die Schwestern Lena und Marie wurden von ihrer Mutter und schließlich auch voneinander getrennt. Für Lena folgt ein Leben als Verdingkind. Das bedeutet für die Kinder, ausgenutzt zu werden, harte Arbeit und manchmal wurden sie auch missbraucht. Sie zählten nichts und niemand setzt sich für sie ein. Eine Tatsache, die schockiert. Im Mittelalter hatten Kinder kaum Rechte, das es aber noch in den siebziger Jahren in einem Land wie der Schweiz zu solchen Verfehlungen gekommen war, schockiert.
Unrecht, das noch nicht so lange zurückliegt. Es ist wichtig, darüber zu schreiben!

Erwähnen möchte ich auch noch das motivisch wie farblich schön gemachte Cover, das gut zur Stimmung des Romans passt, die zwar einerseits wegen dem Schicksal der Kinder bedrückend ist, aber durch die Figuren doch noch eine positive Prägung besitzt.
Die Geschichte wird in einem geschmeidigen Stil erzählt und ist deshalb gut lesbar.