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14 Kundenbewertungen


Der junge Arzt Norton Perina kehrt mit einer unfassbaren Entdeckung von der Insel Ivu'ivu zurück: Hat er wirklich ein Mittel gegen die Sterblichkeit gefunden? Eine uralte Schildkrötenart soll die Formel des ewigen Lebens bergen. So kometenhaft er damit zur Spitze der Wissenschaft aufsteigt, so rasant vollzieht sich die Kolonisierung und Zerstörung der Insel. Mit gnadenloser Verführungskraft zieht Hanya Yanagihara uns hinein in den Forscherrausch im Urwald und lässt uns auch dann nicht entkommen, als Perina dort eine weitere Entdeckung macht: seine fatale Liebe zu Kindern. Wie betrachten wir…mehr

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Produktbeschreibung
Der junge Arzt Norton Perina kehrt mit einer unfassbaren Entdeckung von der Insel Ivu'ivu zurück: Hat er wirklich ein Mittel gegen die Sterblichkeit gefunden? Eine uralte Schildkrötenart soll die Formel des ewigen Lebens bergen. So kometenhaft er damit zur Spitze der Wissenschaft aufsteigt, so rasant vollzieht sich die Kolonisierung und Zerstörung der Insel. Mit gnadenloser Verführungskraft zieht Hanya Yanagihara uns hinein in den Forscherrausch im Urwald und lässt uns auch dann nicht entkommen, als Perina dort eine weitere Entdeckung macht: seine fatale Liebe zu Kindern. Wie betrachten wir eine Lebensleistung, wenn sich das Genie als Monster entpuppt? Ein brillant geschriebener, gefährlicher Dschungel von einem Roman.

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  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser Berlin
  • Seitenzahl: 480
  • Erscheinungstermin: 28.01.2019
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783446263079
  • Artikelnr.: 55041586
Autorenporträt
Hanya Yanagihara, 1974 geboren, ist eine US-amerikanische Schriftstellerin und Journalistin. Mit ihrem Roman "Ein wenig Leben" gewann sie den Kirkus Award und stand auf der Shortlist des Man Booker Prize, des National Book Award und des Baileys Prize. "Ein wenig Leben" ist eines der bestverkauften und meistdiskutierten literarischen Werke der vergangenen Jahre. Eine TV-Serie, produziert von Scott Rudin (The Social Network, No Country for Old Men, Frances Ha, Grand Budapest Hotel), ist in Vorbereitung. Yanagihara ist Chefredakteurin des "T Magazine" der "New York Times".
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur Dlf-Rezension

Christoph Vormweg rät dringend, sich das Vorwort zu Hanya Yanagiharas Roman bis zum Ende aufzusparen. Ansonsten verlören die Erinnerungen des Forschungsreisenden Perina einiges an Spannung. Was der Erzähler über seine Reise zu einem isolierten mikronesischen Volksstamm berichtet, scheint Vormweg darüber hinaus präzis und bildreich gefasst, detailliert in den Naturbeschreibungen und von atmosphärischer Dichte. Über die Kabale im Forschermilieu scheint ihm die Autorin besonders gut Bescheid zu wissen, die Kollision eines primitiven Wertesystems mit dem christlichen Weltbild schildert Yanagihara laut Rezensent mitreißend, mit Gespür für menschliche Abgründe und enstprechend desillusionierend.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 23.02.2019

Parodie der
Unsterblichkeit
Hanya Yanagiharas „Das Volk der Bäume“
Daniel Carleton Gajdusek wurde 1976 der Medizin-Nobelpreis für seine Erforschung der Kuru-Krankheit zuerkannt. Beim Volk der Fore auf Papua-Neuguinea war er in den Fünfzigerjahren auf den Erreger der dort verbreiteten transmissiblen spongiformen Enzephalopathie (TSE) gestoßen, die Ähnlichkeiten mit der bekannteren Creutzfeldt-Jakob-Krankheit aufweist. Übertragen wurde die Infektion, so Gajduseks Entdeckung, durch bestimmte Stammesrituale, bei denen sich die Kore mit der Gehirnmasse ihrer verstorbenen Vorfahren einrieben. Bei den Angesteckten fand nach langer Inkubation ein unaufhaltsamer geistiger Verfall bei ansonsten stabiler Physis statt.
Von seinen Pazifikreisen brachte Gajdusek insgesamt 56 Kinder, vornehmlich Jungen, mit in die USA, ermöglichte vielen eine Ausbildung und lebte mit ihnen lange Zeit unter einem Dach. Nachdem ihn einer der Jungen wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt hatte, wurde Gajdusek zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, nach deren Verbüßung er die USA verließ und sich dann an wechselnden Orten in Europa aufhielt. Dieses beklemmende Kapitel ethno-medizinischer Forschung und moralischer Verfehlung bildet die Vorlage für Hanya Yanagiharas ersten Roman „Das Volk der Bäume“ („The People in the Trees“), den 2013 erschienenen Vorgänger ihres Welterfolgs „Ein wenig Leben“.
Aus Gajdusek ist bei ihr ein Mann namens A. Norton Perina geworden, Papua-Neuguinea hat sich in ein fiktives mikronesisches Atoll namens U’ivu verwandelt und statt der Gehirne ihrer Ahnen verzehren die Einheimischen auf der Nebeninsel Ivu’ivu das Fleisch einer nur dort vorkommenden Schildkröte. Auch bei ihnen schwinden die geistigen Kräfte rapide, aber zugleich können ihre Körper nicht mehr altern. Ausgestoßen aus der Dorfgemeinschaft, wandeln die sogenannten „Träumer“ als Untote durch die Wälder und Fluren von Ivu’ivu und erinnern nur noch entfernt an lebendige Menschen. Doktor Perina, Juniormitglied einer ethnologischen Expedition, wittert die Forscherchance seines Lebens. Er wird dann einige der Träumer und ausreichend Schildkrötenfleisch in die USA mitnehmen und dort seine Hypothese durch diverse Versuchsreihen weiter erhärten.
Im Alter hat Perina, die Romanfigur, anders als der reale Gajdusek, seinen Lebensbericht, seine Lebensbeichte zu Papier gebracht. Yanagihara hat sich hierfür einen Herausgeber ausgedacht, der als Kollege und Vertrauter des gestrauchelten Mannes dessen Vermächtnis der Nachwelt erhalten will. Ronald Kubodera, M.D., begleitet die Lebensgeschichte seines Idols mit zahlreichen, meist übereifrigen Anmerkungen. Mit viel Liebe zum Detail malt sich Yanagihara eine komplette Wissenschaftlerbiografie samt fiktiver Veröffentlichungen aus.
Nicht der reale Gajdusek habe dafür Pate gestanden, hat die Autorin hierzu bemerkt, eher habe sie der Typus des „mad scientist“ interessiert, mit dem sie durch ihren Vater, der wie Gajdusek an den „National Institutes of Health“ in Bethesda forschte, früh Bekanntschaft machte. Eine fiktionale Forscherbiografie also, vom frühen Ruhm bis zum Totalschaden, außerdem die tragische Geschichte der medizinisch-pharmazeutischen Ausbeutung einer Südseeinsel. Das Problematische dieser Figur und ihres Wirkens liegt auf der Hand, aber es wird nicht richtig klar, auf die Klärung oder Erhellung welcher Fragen der immense erzählerische Aufwand des Romans hinsteuert.
Eines steht fest: ein angenehmer Umgang wird Doktor Perina kaum gewesen sein. Nicht nur, dass ihm die tropische Inselwelt samt ihren Bewohnern zuwider ist, mit ihrem barocken Überfluss an allem, was nach seinem Empfinden schleimig, matschig und glitschig ist. Er empfindet auch einen generellen Widerwillen gegen weibliche Körper, insbesondere den seiner ethnologischen Reisebegleiterin: „ihr hässlicher Mund klaffend wie der eines gierigen Karpfens, die unstrukturierte Übermäßigkeit ihres Leibes – ihre wuchernden Hüften, ihr gewölbter Bauch, ihre gewellten, höckerigen Schenkel, ihr krauser, löwenzahnartiger Haarschopf“ – wenn Beschreibungen töten könnten, hätte der künftige Nobelpreisträger noch mehr Zeit in Haft verbracht. Wie angenehm sich dagegen die „disziplinierte Gepflegtheit“ des Körpers des männlichen Expeditionsmitglieds ausnimmt.
Perina, das wird bald deutlich, nützt seine Arbeit im Feld gerne auch für sexuelle Beutezüge unter Knaben. Yanagihara mutet ihren Lesern mit ihrer übergriffigen und selbstherrlichen Hauptfigur einiges zu, trotzdem aber bleibt der (größere) Teil des Buches, der auf den fernen Inseln spielt, eine packende Lektüre. Die Fabulierlust der Autorin und die Exuberanz der tropischen Natur treiben sich gegenseitig voran und erzeugen Eindrücke und Bilder von großer Dringlichkeit. Kein Wunder, denn Doktor Perina scheint im tiefsten Dschungel die Lösung eines Welträtsels zu gelingen. Ewiges Leben ist möglich, jedenfalls bei richtiger (wenn auch einseitiger) Ernährung, nur leider zu einem hohen Preis. Der Tod ist ausgesetzt, während der Geist verfällt. Der alte Menschheitstraum kehrt wieder als böse „Parodie der Unsterblichkeit“.
Das wäre genug Stoff und Gewicht für mehr als einen Roman, aber Yanagihara will weiter, stets dabei dem abschüssigen Lebenslauf ihres Anti-Helden auf der Spur. Dessen ständiger Begleiter, nachdem er sich mit der Welt oder sie sich mit ihm entzweit hat, bleibt der Ekel. Woher kommt der überbordende Abscheu vor allem Lebendigen, sich selbst eingeschlossen, wie er etwa den alten Mann beim Anblick eines Fotos befällt, das ihn zeigt: „Er hatte schräg geschnittenes Haar in der Farbe von Knochenmark, ein einfältiges Lächeln und riesige, teigige Hände, jeder Finger für sich hefig wie ein Brötchen.“ Teigig und hefig auch der übrige Körper, „als wäre ich aus einem weichen Klotz schwitzenden Schmalzes modelliert worden“.
Am eigenen Körper erlebt der alte Perina denselben blühenden Ekel vor allem, was wuchert und quillt, wie er ihn früher angesichts der tropischen Biomasse überkommen hatte. Das ist eindrucksvoll, schauerlich und geradezu wollüstig in Wörter gesetzt, aber man versteht Yanagiharas Motive dennoch nicht ganz. Heilloser und zugleich üppiger ist die Natur, ob Menschennatur, Pflanzennatur, Tiernatur, selten einmal literarisch bebildert worden als hier.
Das ist unheimlich und faszinierend, und bleibt zugleich doch gänzlich in der Immanenz dieser einen, untypischen, ausgefallenen Biografie stecken. Fast gewinnt man den Eindruck, die Autorin habe in ihrem Erstlingsroman vor allem ihr offenkundiges Erzähltalent ausprobieren wollen. Das Ergebnis, nur teilweise gelungen, lässt ihre Leser so mitgenommen wie ratlos zurück.
CHRISTOPH BARTMANN
Hanya Yanagihara: Das Volk der Bäume. Roman. Aus dem Englischen von Stephan Kleiner. Hanser Berlin Verlag, Berlin 2019. 478 S., 25 Euro
Mit viel Liebe zum Detail malt
sich Yanagihara eine komplette
Wissenschaftlerbiografie aus
Er hatte schräg geschnittenes
Haar in der Farbe von
Knochenmark, ein einfältiges
Lächeln und riesige,
teigige Hände, jeder
Finger für sich
hefig wie ein Brötchen.“
HANYA YANAGIHARA
Auf einem Südsee-Atoll glaubt in Hanya Yanagiharas Debütroman „Das Volk der Bäume“ der Arzt Norton Perina ein Mittel gegen den Tod gefunden zu haben. Aber auf den Helden wartet nicht der Ruhm, sondern der Absturz.
Foto: imago stock&people
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 07.07.2019

Genie und Verbrechen - kann man das trennen?
"Das Volk der Bäume", der erste Roman der großartigen Autorin Hanya Yanagihara, erscheint auf Deutsch

Neulich im Café: Alles war gerade ganz friedlich, da kam plötzlich "Billie Jean". Und dann, als der Schock sich gelegt hatte, kurz danach auch noch "Black or White". Was tun? Sofort aufstehen? Sitzen bleiben und das nicht zu verhindernde innere Mitsingen nach außen hin durch einen besonders kritisch-alarmierten Gesichtsausdruck kompensieren? Auch nach all den Feuilletondebatten über die wahrscheinlich nötige, aber höchstwahrscheinlich unmögliche Trennung zwischen zu schützender Kunst und zu verurteilendem Künstler weiß man immer noch nicht mehr, als dass das Ganze ein Dilemma ist. Unlösbar.

Ach, hätte man doch "Das Volk der Bäume" von Hanya Yanagihara im Café dabeigehabt! Dieser Roman nämlich, das Debüt der Schriftstellerin und Journalistin, die 2016 mit ihrem zweiten Buch "Ein wenig Leben" ("A Little Life") weltbekannt wurde, gibt eine sehr überzeugende ästhetische Antwort darauf, wie man Werk und Verbrechen trennen beziehungsweise: mit beiden zusammen umgehen kann.

Achtzehn Jahre hat Yanagihara an ihrem Debüt geschrieben. "Die Erinnerung daran ist vor allem die Erinnerung an eine furchtbare Zeit in meinem Leben: Es ist Sommer, alle sind irgendwo draußen am Strand, nur ich sitze am Schreibtisch", sagte sie neulich bei einer Lesung in Berlin ziemlich fröhlich. Es ist ja auch ein großes Glück: Nicht nur, dass sie achtzehn Jahre lang hartnäckig geblieben ist, sondern auch, dass das Buch sechs Jahre nach Publikation des amerikanischen Originals endlich ins Deutsche übersetzt worden ist.

"Das Volk der Bäume" ist ein grundlegend anderes Buch als "Ein wenig Leben": keines, das man fast ohne Pause verschlingt und beweint, keines, das rückhaltlose Identifikation mit den Hauptfiguren fordert. Hier geht es nicht um vier enge Freunde in New York, sondern um eine Gruppe einander nicht besonders sympathischer Wissenschaftler auf einer fiktiven Insel. Anstelle des Ortes, der einem zutiefst vertraut ist, und sei es nur aus anderen Büchern, Filmen, Songs, also ein imaginärer Ort, für dessen allererste innere Vorstellung man im Kopf erst Platz schaffen muss. Anstelle von Identifikationsfiguren eine Hauptfigur, die einem noch vor dem ersten Kapitel durch Zeitungsberichte als Verbrecher offenbart wird. Auch der sexuelle Missbrauch, der in beiden Texten zentral ist, wird von der entgegengesetzten Seite beleuchtet: in "Ein wenig Leben" durch die Psyche eines Überlebenden, in "Das Volk der Bäume" durch die Memoiren eines Täters. Wo "Ein wenig Leben" hineinzieht, hält "Das Volk der Bäume" auf Distanz. Und gerade die Konstruktion dieser Distanz ist es, die an dem Buch so sehr fasziniert, die es zu einem so beeindruckenden, beinahe experimentellen Stück Literatur macht.

Es geht um den Arzt Dr. Norton Perina, der in den 1950er Jahren als junger Medizinabsolvent zusammen mit einem berühmten Ethnologen eine Forschungsreise zu einer Inselgruppe in der Südsee unternimmt. Die wichtigste der fiktiven Inseln ist Ivu'ivu, Perina ist dort für die Untersuchung der indigenen Bewohner des Dschungels zuständig. Ziel der Forschungen ist es vor allem, hinter das Geheimnis der hohen Lebenserwartung der Inselbewohner zu kommen: Einige sind schon über zweihundert Jahre alt. Dabei entdeckt er unter anderem eine Schildkrötenart namens Opa'ivu'eke, verschiedene, auch problematische Rituale - und seine große Liebe zu den Kindern der Inselfamilien, von denen er über die Jahre insgesamt mehr als vierzig adoptieren und mit sich zurück in die Vereinigten Staaten nehmen wird. In den 1970er Jahren wird ihm für seine Entdeckungen der Nobelpreis verliehen, seine Veröffentlichungen machen die Insel aber auch bekannt und setzen sie massiven Eingriffen und Veränderungen aus. Perina ist darüber entsetzt. Für seine eigenen Taten, für die er 1997 angeklagt und verurteilt wurde, die mehrfache Vergewaltigung von einem seiner Adoptivsöhne, gilt das nicht.

Mehr braucht man zum Inhalt des Romans nicht zu wissen - höchstens noch, dass Dr. Perina ein reales Vorbild hat: der Mediziner Dr. Daniel Gajdusek, ebenfalls Nobelpreisträger, ebenfalls wegen sexuellen Missbrauchs an einem Adoptivsohn verurteilt, arbeitete mit Yanagiharas Onkel am gleichen Forschungszentrum, sein Name war ihr als Kind sehr vertraut. Dass sie eines Tages über ihn schreiben wollte, wusste sie schon früh. Für Recherche und Schreiben hat sie allerdings noch einmal achtzehn Jahre gebraucht. Als "Das Volk der Bäume" dann 2013 erschien, bekam es ein paar positive Rezensionen, wurde insgesamt aber wenig beachtet. Den zweiten Roman schrieb sie daraufhin in nur achtzehn Monaten, der Erfolg machte sie 2016 weltweit bekannt.

Das Entscheidende aber ist die Textform. "Das Volk der Bäume" ist als Herausgeberfiktion konstruiert. Das heißt, die Veröffentlichungsumstände der Erzählung werden miterzählt, als ebenfalls fiktionale Geschichte: Ronald Kubodera, Perinas ihm treu ergebener Assistent, spricht in einem Vorwort und in umfangreichen Fußnoten, und er schickt dem Text eine Karte der Inseln und zwei Zeitungsartikel zur Verhaftung Perinas voraus. Daran muss man erst einmal vorbei, ehe man zu den Memoiren kommt. Ganz am Ende folgen noch ein Epilog, ein Nachtrag, ein Anhang mit zeitlichem Überblick und einem Glossar ausgewählter u'ivuanischer Begriffe.

So entsteht eine Schutzzone um die Stimme des Verbrechers herum: Sie ordnen das, was er erzählen wird, in einen Kontext ein, sorgen zum Beispiel dafür, dass der Roman mit der Benennung der Taten beginnt und endet. Dazwischen folgt man Perinas eigener Erzählung seines Lebens, von der Kindheit über das Studium und die minutiöse Entdeckung und Erforschung der Insel bis zur Adoption und Erziehung der Kinder. Er scheint genau und beinahe naiv offen zu beschreiben. Entlarvend wirkt erst recht die bedingungslose Loyalität seines Assistenten. "Norton ist ein Genie, und das ist alles, was in meinen Augen zählt und meiner Ansicht nach für die Geschichte zählen sollte", schreibt er gleich zu Anfang: "Ich möchte nicht weniger als Nortons Ruf wiederherstellen. Weniger als das für einen Mann zu tun, welcher der Welt der Wissenschaft und der Medizin so viel gegeben hat, wäre, in einem Wort, unverzeihlich." Die übrigens großartige Übersetzung von Stephan Kleiner lässt den doppelbödigen Humor der stellenweise satirischen Übertreibungen und der Wissenschaftssprache der Fußnoten perfekt durchscheinen.

Zwischen diesen verschiedenen Textbausteinen findet das Spiel zwischen Distanz und Einfühlung statt: Man kann ja nicht anders, als sich in jemanden, dessen Lebenserzählung man liest, hineinzuversetzen - auch, wenn man von Anfang an weiß, dass man der Erzählung eines Verbrechers folgt. Ständig ist man beim Lesen damit beschäftigt, diese beiden Gefühlszustände auszutarieren: ohne Anteilnahme kann man einer Erzählung nicht folgen, ohne Distanz aber kann man eine Ich-Erzählung, die in die Vergewaltigung eines Kindes münden wird, nicht ertragen.

Und geht es bei der Hilflosigkeit gegenüber Michael Jacksons eingängiger Musik nicht genau darum: um die Angst, nichts tun zu können gegen eine automatische Identifikation, die Angst davor, den nötigen Abstand nicht halten zu können, sondern beim Zuhören automatisch zu bejahen und zu bestärken, weiter zu erhöhen und zu bewundern? Gibt es eine Art der Kunstrezeption, die nicht überhöhend, nicht affirmativ ist? Hanya Yanagihara zeigt mit "Das Volk der Bäume", dass es geht.

Die Haltung der Erzählerin ist dennoch eindeutig. Ein Zitat aus Shakespeares "Der Sturm" ist dem Roman als Motto vorangestellt: "Prospero: Ein geborner Teufel ist's, / An dem Erziehung nichts verbessern kann." Erziehung kann nichts verbessern. Erzählung schon. Vor allem wenn sie so vollkommen undidaktisch und erfinderisch ist wie in "Das Volk der Bäume".

"Ich interessiere mich dafür, was es bedeutet, menschlich zu sein" ("what it means to be human", formulierte sie neulich in einem Gespräch mit dem Fotografen Alec Soth im "T Magazine" der "New York Times", dessen Herausgeberin sie ist, ihren eigenen Schreibantrieb. Menschlich ist es auch, sich nach der vollkommenen Identifikation und Bejahung in der Kunst zu sehnen. "Ich kann verstehen, wenn jemand die Musik von Michael Jackson nicht mehr hören mag", sagte sie in Berlin auch: "Ich aber höre sie weiter." Kein Wunder: Sie weiß schließlich, wie das gelingt, die großartige Hanya Yanagihara.

JULIA DETTKE.

Hanya Yanagihara: "Das Volk der Bäume". Aus dem Englischen von Stephan Kleiner. Hanser Berlin, 480 Seiten, 25 Euro

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Eine sehr überzeugende ästhetische Antwort darauf, wie man Werk und Verbrechen trennen beziehungsweise: mit beiden zusammen umgehen kann. ...Ein beeindruckendes, beinahe experimentelles Stück Literatur." Julia Dettke, Frankfurter Allgemeine Sonntagzeitung, 07.07.19 "Sprachlich imminent wuchtig, auf verschiedenen Ebenen klug komponiert inklusive wissenschaftlichen Berichten, die mit erfundenen Fußnoten über halbe Seiten Zeitungsartikel zitieren, gearbeitet. Und man kann sich nur wundern, dass damals noch eine junge Frau ihr erstes Werk so reif, so fantastisch komponieren kann. Es ist sprachlich ungeheuer fesselnd und eindringlich." Robert Habeck, Literarisches Quartett, 04.03.19 "Es ist wirklich sprachlich fantastisch, wie diese unberührte Natur beschrieben wird." Volker Weidemann, Literarisches Quartett, 04.03.19 "Ich habe irgendwann völlig vergessen, dass es ein Roman ist und habe es irgendwann für die Wirklichkeit gehalten. ... Es hat mich total fasziniert, es hat mich total reingezogen und das ist ein Buch, was ich von Herzen weiterempfehlen möchte. Das ist ein Buch, mit dem man unbedingt mit jemanden drüber reden möchte." Christine Westermann, Literarisches Quartett, 04.03.19 "Heilloser und zugleich üppiger ist die Natur, ob Menschennatur, Pflanzennatur, Tiernatur, selten einmal literarisch bebildert worden als hier. Das ist unheimlich und faszinierend." Christoph Bartmann, Süddeutsche Zeitung, 23.02.19 "Die Lektüre von Yanagiharas Roman gleicht einer Expedition in einen Dschungel der Düsternis." Claudia Voigt, Der Spiegel, 09.02.19 "[Der Autorin gelingt es] diese vielfältigen Aspekte dieses Stoffs sehr übersichtlich zu entfalten und auch klug zu organisieren. Dieser Roman hat einen große Detailreichtum und eine große Faktenfülle und damit gibt er sich einen derart überzeugenden dokumentarischen Anstrich, dass es sogar dann glaubwürdig wirkt, wo er mit dem Thema Unsterblichkeit ins Fantastische abdreht." Sigrid Löffler, Deutschlandfunk Kultur, 31.01.19 "'Das Volk der Bäume' handelt von den Abgründen der Forschung, von Ehrgeiz, westlicher Arroganz, dem Sog des Fremden und - wieder - vom Missbrauch der Schwächsten. Das alles ist im Dschungel, so sinnlich erzählt und übersetzt, dass man denkt, man ist drin." Barbara Weitzel, Welt am Sonntag kompakt, 27.01.19…mehr