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Benutzername: Curin
Wohnort: Bielefeld
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Danksagungen: 10 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 191 Bewertungen
Bewertung vom 21.06.2018
Harry - Ein Leben zwischen Liebe und Verlust
Nicholl, Katie

Harry - Ein Leben zwischen Liebe und Verlust


ausgezeichnet

Als Sohn von Lady Diana und Prince Charles gehört gehört Harry fest zur britischen Monarchie. Doch der Status eines Prinzen bietet nicht nur viele Privilegien, sondern ist auch mit vielen Pflichten verbunden. In diesem Buch blickt die britische Korrespondentin Katie Nicholls zurück auf die Höhen und Tiefen im Leben von Harry und stellt dabei den Verlust von seiner Mutter und die Begegnung mit Meghan Markle in den Vordergrund.
Katie Nicholls gelingt es in dieser Biographie zu zeigen, wie schwer es ist, wenn man von Geburt an im Lichte der Öffentlichkeit steht und dementsprechend kritisch beäugt und von der Presse gejagd wird.
Mir hat besonders gefallen, dass sie überhaupt nicht reißerisch schreibt und auch keine unbelegbaren Fakten präsentiert. Stattdessen lässt sie häufig Menschen aus Harrys Umfeld zu Wort kommen und zeichnet so ein Bild vom Prinzen, welcher durchaus nicht perfekt ist, aber aus meiner Sicht gerade dadurch auch so nahbar und sympatisch wirkt.
Die Fehltritte und Skandale um seine Person werden auch nicht ausgelassen und nicht einfach weg erklärt, aber in einen Kontext eingeordnet, wodurch zum Beispiel die bekannte Party in seinem Hotelzimmer in Las Vegas etwas an Wucht verliert.
Während des Lesens habe ich auch viel Neues über Harry erfahren. So wusste ich nicht, dass er sich so intensiv für gute Projekte in Afrika einsetzt und bis heute sein Herz für Soldaten schlägt, die im Krieg zu Schaden gekommen sind.
Katie Nicholl hat es geschafft, eine gut lesbare Biographie zu schreiben, die auf der einen Seite sehr informativ, aber auf der anderen auch unterhaltsam ist. Die Farbfotos im Innenteil des Buches haben mir auch sehr gut gefallen.
Insgesamt ist ,,Harry-Ein Leben zwischen Liebe und Verlust" eine gut geschriebene Biographie, in der ein sehr anschauliches Bild vom Prinzen gezeichnet wird. Gerne empfehle ich das Buch hier weiter.

Bewertung vom 17.06.2018
Fake
Rayburn, James

Fake


weniger gut

Als die in Syrien von Terroristen gefangen genommene Journalistin Cathrine Finch bei einem Drohnenangriff ums Leben kommt, geraten wichtige Friedensverhandlungen ins Wanken. Deshalb wird beschlossen, ihren Tod so lange wie möglich zu leugnen. Doch CIA-Agent Pete Town, der mit der Vertuschung beauftragt worden ist, gerät selbst ins Fadenkreuz von skrupellosen Verbrechern... .
James Rayburn hat hier einen Thriller über ein aktuelles Thema geschrieben, dessen Potenzial er leider nicht ausschöpft. Wie realistisch die Handlung wirklich ist, kann ich nicht beurteilen, aber mich haben viele Dinge sehr gestört.
So hat mir überhaupt nicht gefallen, wie detailreich die ständig präsente Gewalt geschildert wird. Mir ist klar, dass die vielen skrupellosen Figuren im Buch nicht gerade zimperlich mit anderen Menschen umgehen, aber dennoch hatte ich den Eindruck, dem Autor gehe es bei der Darstellung oft nur um Effekthascherei.
So gibt es viele brutale Beschreibungen auch dort, wo man sie nicht vermuten würde, wie zum Beispiel im Haus und innerhalb der Familie einer der Beteiligten.
Auch fehlte mir gänzlich die Spannung in der Geschichte. Wenn man schon einige Thriller gelesen hat, kann viele Dinge von Anfang an erahnen und erlebt nur wenige Überraschungen.
Die Figuren im Buch wirkten auf mich auch völlig überzeichnet und nicht wirklich authentisch. So gibt es beispielsweise den ehemaligen CIA-Agenten Town, der sich angeblich um des Friedens willen auf ein fadenscheiniges Spiel einlässt und den schlimmen Verbrecher Dudley Morse, der ohne Skrupel andere foltert und ermordet.
James Rayburn schreibt flüssig, aber macht aus meiner Sicht mit seinen völlig überzogenen Schilderungen und der Effekthascherei die ganze Handlung kaputt und zerstört das Potenzial der Geschichte, welches durchaus vorhanden gewesen wäre.
Mir hat ,,Fake" leider überhaupt nicht gefallen und konnte mich gar nicht überzeugen. Daher empfehle ich das Buch hier nicht weiter.

Bewertung vom 16.06.2018
Der emotionale Rucksack
Dittmar, Vivian

Der emotionale Rucksack


sehr gut

Unverarbeitete Erlebnisse und damit zusammenhängende Gefühle können unseren Alltag oft schwer belasten. So können eigentlich harmlose Situationen völlig aus dem Ruder laufen und sogar Beziehungen daran scheitern. In diesem Buch erklärt die Autorin Vivian Dittmar, wie wir mit unseren emotionalen Altlasten richtig umgehen und sie gezielt entladen können.
Vivian Dittmar hat hier einen sehr nützlichen und gut verständlichen Ratgeber geschrieben, der auch viele praktische Übungen enthält. Das von ihr verwendete Bild von einem Rucksack für unsere unverarbeiteten Gefühle, finde ich sehr passend. Es wird dadurch sehr deutlich, dass im Grunde alle negativen Erfahrungen und Eindrücke, die man damals damit verbunden hat, zu einem Gepäckstück werden, welches man immer mit sich herumschleppt. Kommt man im Alltag wieder in eine Situation, die auch nur im Entferntesten daran erinnert, was man irgendwann einmal erlebt hat, platzt eine Ladung aus dem Rucksack und man versteht selbst nicht, warum man so plötzlich übermäßig auf etwas reagiert.
Besonders gefallen hat mir, dass die Autorin immer wieder an einem Beispiel, wo sie selbst von einer Altlast überrollt wurde, ihre Theorie erläutert. Auf diese Weise erklärt sie nicht nur sehr anschaulich, wie man selbst untersuchen kann, welche Ladung sich da gerade bemerkbar gemacht hat, sondern auch, wie man richtig damit umgeht und sie aufarbeiten kann.
Ich persönlich habe mich in den verschiedenen Kapiteln oft wieder entdeckt, aber bis jetzt fällt es mir noch schwer, die gegebenen Ratschläge umzusetzen. Auch einige der Übungen, die sie vorschlägt, fand ich etwas seltsam und kann mir nicht vorstellen, diese durchzuführen.
Insgesamt hat Vivian Dittmar mit ,,Der emotionale Rucksack" ein aufschlussreiches und interessantes Buch geschrieben, welches ich hier gerne weiterempfehle.

Bewertung vom 10.06.2018
Wenn's einfach wär, würd's jeder machen, 6 Audio-CDs
Hülsmann, Petra

Wenn's einfach wär, würd's jeder machen, 6 Audio-CDs


ausgezeichnet

Die junge Annika Paulsen unterrichtet an einer der besten Schulen Hamburgs, als sie unfreiwillig an die gefürchtete Astrid-Lindgren-Schule (ALS) in einem Problembezirk versetzt wird. Dort wird nicht nur das Unterrichten für sie eine ganz neue Herausforderung, denn die Schüler haben auch auch ganz andere Probleme und kommen häufig aus schwierigen Verhältnissen. Als Annika eine Musical-AG gründet und damit einen Preis gewinnen will, bittet sie den Theaterregiesseur Tristan, in den sie früher verliebt war, um Hilfe... .
Dies ist das passende Hörbuch zu dem neuen Petra Hülsmann Roman, das wunderbar von Nana Spier eingesprochen wurde. Diese Geschichte hat mich von Anfang an sehr unterhalten, mich oft zum lachen und schmunzeln gebracht, aber an vielen Stellen auch sehr bewegt.
Die Autorin hat es geschafft, eine wunderbare und authentische Handlung zu entwerfen und darin verschiedene aktuelle Themen wie Mobbing, Flüchtlinge und prekäre Lebenssituationen unterzubringen. Ein paar Liebesverwirrungen gibt es auch, aber sie dominieren die Geschichte nicht auf eine unangenehme Art und Weise.
Die Protagonistin Annika Paulsen war mir von Anfang an sympatisch und ich habe sie gleich liebgewonnen. Sie wohnt gemeinsam mit ihrer besten Freundin Nele in einer Wg und bildet mit ihren Nachbarn Sebastian und Kai eine lustige Truppe. Zuerst will Annika ja nicht auf die ALS wechseln, aber sie lebt sich dort schnell ein und geht, wie ich finde, super mit den Schülern um und kümmert sich um sie.
Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist die Darstellung der Kinder auf der ALS. Petra Hülsmann gelingt es hier, sie authentisch zu beschreiben, ohne dabei zu übertreiben und ohne sich über sie lustig zu machen.
Nana Spier, die Sprecherin der Hörbuchs, hat es aus meiner Sicht auch sehr gut geschafft, den Figuren eine Stimme zu geben und ihnen Leben einzuhauchen. Mich hat beeindruckt, wie sie die unterschiedlichen Schüler und ihre Art zu reden, richtig gut und echt wirkend einspricht. So kann man auch ohne das die Namen genannt werden, unterscheiden, wer das gerade etwas sagt.
Insgesamt ist ,,Wenns einfach wäre, würds jeder machen" eine tolle unterhaltsame romantische Komödie ohne Kitsch, die viele Wendungen enthält und mich bis zum Ende begeistert hat. Gerne empfehle ich besonders das Hörbuch hier weiter.

Bewertung vom 08.06.2018
Wahrheit gegen Wahrheit
Cleveland, Karen

Wahrheit gegen Wahrheit


ausgezeichnet

Vivian arbeitet bei der CIA in der Spionageabwehr und hat es sich mit ihren Kollegen zur Aufgabe gemacht, russische Spione zu entlarven. Als es ihr gelingt, die Dateien eines feindlichen Agentenbetreuers zu durchsuchen, stößt sie auf ein paar Fotos. Doch dann bricht ihre Welt zusammen, den auf Foto Nr. 3 erkennt sie Matt, ihren Ehemann und den Vater ihrer Kinder... .
Karen Cleveland hat hier einen Thriller geschrieben, der mich von der ersten Seite an mitgerissen hat. Es ist einfach unglaublich beängstigend, wie Vivians Leben plötzlich von einem Moment zum anderen völlig aus der Bahn geworfen wird und sie sich nun mit existenziellen Fragen auseinander setzen muss. So kann sie sich beispielsweise nicht einmal mehr sicher sein, ob Matt sie wirklich liebt oder ob alles nur ein Job für ihn war.
Vivian hat mich während der gesamten Handlung sehr beeindruckt. Sie ist eine starke Frau, die sich nicht einfach einschüchtern lässt und auch nicht davor zurückschreckt, der Wahrheit ins Gesicht zu blicken. Außerdem zeigt sie auf eindrucksvolle Weise, dass man immer eine Wahl hat, auch wenn gerade alles aussichtslos scheint.
Während des Lesens fühlt man einfach extrem mit Vivian mit und steht mit ihr gemeinsam vor dem Problem, ob man Matt noch trauen kann oder ob er sie im Auftrag der Russen weiter manipuliert.
Matt war auch für mich weitergehend schwer durchschaubar. Einerseits beteuert er, seine Frau und auch die Kinder über alle zu lieben, aber andererseits scheint er Vivian unnatürlich stark dazu zu drängen, die Anweisungen der Russen zu befolgen.
Karen Cleveland schreibt flüssig und hat es mir schwer gemacht, dass Buch an die Seite zu legen. Die Spannung hält sie bis zum Ende mit vielen Wendungen und Überraschungen aufrecht und hat mich so sehr gut unterhalten. Gefallen hat mir auch, dass es immer wieder Erinnerungen aus der gemeinsamen Vergangenheit von Vivian und Matt gibt. So kann man noch viel besser verstehen, wie tief die Manipulation reicht und wie sehr das alles Vivian verletzen muss.
Insgesamt ist ,,Wahrheit gegen Wahrheit" ein spannender Thriller, den man kaum durchschaut und der bis zur letzen Seite gut unterhält. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

Bewertung vom 08.06.2018
Palace of Silk - Die Verräterin / Palace-Saga Bd.2
Bernard, C. E.

Palace of Silk - Die Verräterin / Palace-Saga Bd.2


gut

Nach der Flucht aus England genießt Rea nun eine ganz neue Freiheit in Frankreich, wo Hautkontakt erlaubt und Handschuhe zu tragen keine Pflicht ist. Doch schnell gerät ihre Gefühlswelt wieder durcheinander, als Prinz Robin nach Paris kommt, um Ninon als eventuelle zukünftige Braut zu umwerben. Zusätzlich zeigt die Mätresse des französischen Königs ein bedrohliches Interesse an Rea und vor allem an ihrem Bruder... .
Dies ist der Nachfolgerband von,,Palace of Glass", der sich um die Magdalena Rea dreht, die durch die Berührung von nackter Haut die Gedanken des Menschen lesen kann. Auf dieses Buch war ich sehr gespannt und nach dem Vorgänger wollte ich unbedingt wissen, wie es mit Rea, Ninon und Co. weitergeht.
Leider konnte die Fortsetzung meine Erwartungen nicht ganz erfüllen und hat mich daher ein Wenig enttäuscht. Der Handlungsort Paris hat mir eigentlich gut gefallen und man spürt, dass die Freunde hier etwas aufatmen können. Die Geschichte verläuft allerdings ähnlich wie im ersten Band zwar spannend, aber wird an einigen Stellen etwas langatmig. Gerade in den Momenten, in denen Rea wieder auf den Prinzen trifft, beginnt wieder ein ständiges hin und her, dass auf Dauer die Handlung blockiert, anstatt sie vorwärts zu bringen.
Allerdings ist mit Madame Hiver eine interessante gleichwie gefährliche Figur im Roman dazu gekommen. Sie ist stets fast verhüllt und verbirgt ihr Gesicht hinter einer Maske, was sie umso geheimnisvoller erscheinen lässt. Am Anfang hat mich irritiert, dass sie sich ungewöhnlich stark für Rea und die Menschen, die ihr nahestehen, interessiert, aber nach und nach durchschaut man sie schon.
Die Autorin Frau Bernard schreibt gut lesbar und hat auch einen guten Sinn dafür, wieviele Details man einbauen muss, damit der Leser sich alles gut vorstellen kann. So schafft sie es auch, den französischen Palast als auch die verschiedenen Kleider, die Ninon und Rea tragen, anschaulich zu beschreiben. Dennoch birgt der Roman einige Schwächen, was die vielen Beziehungen der Figuren untereinander angeht. Ehrlich gesagt hatte ich manchmal den Eindruck, dass fast jeder irgendwie in jeden verliebt ist, was natürlich viele Probleme birgt. So geraten viele spannende Aspekte des Buches wie das Leben der Magdalenen in Paris in den Hintergrund.
Insgesamt ist ,,Palace of Silk" aus meiner Sichtig eine mäßig gelungene Fortsetzung von ,,Palace of Glass". Jetzt hoffe ich, dass mich der finale Band mehr überzeugt.

Bewertung vom 07.06.2018
Broken Memory
Cooke, C. J.

Broken Memory


sehr gut

Verletzt und ohne jegliche Erinnerung erwacht eine junge Frau auf einer abgelegenen griechischen Insel, die nur von vier Schriftstellern zeitweise bewohnt wird. Schnellstmöglich möchte sie herausfinden, wer sie ist und sich weitere Hilfe suchen, doch bald stellt sie fest, dass die Autoren mehr über sie zu wissen scheinen, als sie zugeben wollen. Gleichzeitig wird in London der junge Ehemann und Vater Lochlan von seiner Nachbarin informiert, dass seine beiden kleinen Kinder alleine zu Hause sind und seine Ehefrau Eloise spurlos verschwunden ist... .
C. J. Cooke hat hier eine Geschichte entworfen, die ebenso spannend wie verstörend ist und für mich lange nicht durchschaubar war. Die Handlung lässt sie von den jeweiligen Figuren aus deren Ich-Perspektive erzählen, wodurch besonders deutlich wird, was ihnen durch den Kopf geht und was sie wirklich wissen.
Besonders spannend fand ich den Handlungsstrang, indem es um Eloise und ihre Geschichte geht. Sie landet nach einem Sturm auf der Insel und hat nicht nur mit ihrer fehlenden Erinnerung, sondern auch mit ihren Rettern zu kämpfen. Besonders George, ein ruppiger und unberechenbarer Mann, scheint sie am liebsten nicht gehen lassen zu wollen.
Auch Lochlan, der Ehemann ist eine facettenreiche Figur, die auf mich sehr authentisch wirkte. Er ist auf der einen Seite sehr besorgt um seine Frau, aber andererseits hat er sich vor ihrem Verschwinden wenig um sie und die Kinder gekümmert und auch einige Fehler begangen. Sein Erschrecken darüber, wie wenig er eigentlich über Eloise Alltag und ihr gesamtes Leben weiß, kommt sehr deutlich in der Handlung rüber.
C. J. Cooke schreibt gut lesbar und hat es geschafft, die Spannung fast bis zum Ende oben zu halten. Gerade zum Beginn des Buches habe ich mich gefragt, wie sie glaubwürdig und vor allem auch nachvollziehbar die Geschichte auflösen will. Lange war für mich nicht durchschaubar, warum Eloise plötzlich von zu Hause weg und auf der Insel gestrandet ist. Irgendwann ab der Mitte der Handlung kann man erahnen, was passiert ist, aber dennoch hat mich die Auflösung überrascht und doch sehr mitgenommen.
Insgesamt ist ,,Broken Memory" ein spannendes Buch mit einigen unerwarteten Wendungen und einer Auflösung, die mich zum Teil fassungslos und auch sehr nachdenklich zurückgelassen hat. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.

Bewertung vom 01.06.2018
Mein schwarzes Herz / Victorian Rebels Bd.1
Byrne, Kerrigan

Mein schwarzes Herz / Victorian Rebels Bd.1


sehr gut

Als in einem Waisenhaus der ruppige kleine Junge Dougan auf das Mädchen Farah trifft, entsteht schon im frühen Kindesalter eine unschuldige Liebe. Jahre später arbeitet Farah Mackenzie als Sekretärin bei Scotland Yard und begegnet dort während eines Verhörs dem gefährlichen Dorian Blackwell. Dieser scheint ein ungewöhnliches Interesse an ihr zu haben und entführt sie auf seine Insel, um sie angeblich vor einem Widersacher zu beschützen... .
Kerrigan Byrne hat hier einen spannenden und sehr atmosphärischen Roman geschrieben, der im viktorianischen England spielt und mich mit vielen Wendungen in der Handlung überzeugt hat. Man liest hier nicht nur eine etwas verwegene und dadurch umso wildere Liebesgeschichte, sondern erfährt auch viel über das damalige Leben in London mit seinen hellen, aber auch mit seinen Schattenseiten.
Von allen Figuren habe ich besonders Farah sehr liebgewonnen. Schon als kleines Mädchen lässt sie sich von der rauhen Art Dougans nicht abschrecken und hilft und unterstützt ihn. Selbst als junge Frau hat sie ihn nicht vergessen und ist ihm treu geblieben. Auch im Zusammenspiel im Blackwell zeigt sie immer wieder Courage und lässt sich nicht so einfach von ihm beherrschen. Mir hat besonders gefallen, wie die Autorin ihre Gefühlswelt beschreibt und damit deutlich macht, dass sie auf der einen Seite Blackwell fürchtet, aber sie sich andererseits stark zu ihm hingezogen fühlt. Ihren Charakter fand ich die meiste Zeit stimmig, nur ab und zu fällt Farah aus ihrer Rolle und tut Dinge, die sonst nicht zu ihrer Figur passen.
Die wohl unheimlichste und für mich auch spannendste Figur im Buch ist Blackwell, der zu den gefürchtetsten Menschen der Londoner Unterwelt zählt. Anfangs wirkte er auf mich sehr düster, doch nach und nach merkt man gemeinsam mit Farah, dass er eine nicht nur eine harte Seite hat, sondern innerlich einfach total zerbrochen und durch schlimme Erlebnisse geprägt worden ist.
Kerrigan Byrne schreibt flüssig und schafft es, immer wieder Spannung aufzubauen, diese zu halten und dann auch mit unvorhersehbaren Dingen den Leser zu überraschen. Was mir nicht so gut gefallen hat, sind die langgezogenen und doch sehr detailreichen erotischen Szenen. Während es in anderen Situationen im Buch schön knistert, aber nicht explizit etwas auf körperlicher Ebene passiert, sind die genannten Handlungen doch zu anzüglich für meinen Geschmack.
Insgesamt ist ,,Victorian Rebels - Mein schwarzes Herz" ein wunderbarer und spannender Roman mit einer außergewöhnlichen Liebesgeschichte. Gerne empfehle ich das Buch hier weiter.

Bewertung vom 25.05.2018
Das FBI-Prinzip
Hofmann, Thorsten

Das FBI-Prinzip


ausgezeichnet

Beruflich oder auch im Privatleben geraten wir immer wieder in Situationen, wo wir Verhandlungsgeschick beweisen müssen. Doch egal ob es sich um ein Krisengespräch eines großen Unternehmens handelt oder man bei einer Neuanschaffung ein Wenig den Preis drücken möchte, ohne eine gute Strategie kommt man meistens nicht an sein Ziel und ist mit dem anschließenden Ergebnis oft unzufrieden. In diesem Buch verrät Thorsten Hofmann, der als Ermittler des BKA schon oft schwierige Verhandlungen mit Kriminellen führen musste und auch Konzernen beratend zur Seite steht, wie man Schritt für Schritt mit seinem Gegenüber ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt und dabei stets die Kontrolle behält.
Da ich selbst oft Schwierigkeiten habe, mich in Gesprächen durchzusetzen und bei ganz alltäglichen Situationen gescheitert bin, war ich sehr neugierig auf dieses Buch. Besonders gefallen hat mir, dass der Autor wirklich hilfreiche Tipps gibt, die sich allerdings aus meiner Sicht zu oft auf berufliche Verhandlungssituationen beziehen. Ganz normale Gespräche, wie sie beispielsweise beim Auto- oder Möbelkauf stattfinden, kamen mir ein Wenig zu kurz.
Dennoch konnte ich für mich persönlich einige Ratschläge mitnehmen, wie zum Beispiel das Spiegeln seines Gegenübers. Auch die Ausführungen darüber, wie man jemandem das Gefühl gibt, die Kontrolle zu haben und sie dabei selbst zu behalten, fand ich sehr hilfreich.
Vom Schreibstil her ist das Buch gut verständlich gehalten und nicht nur trocken und sachlich geschrieben. Tatsächlich wird es an vielen Stellen sehr spannend. Gerade wenn Herr Hofmann von Verhandlungen erzählt und damit zeigt, dass die entwickelten Strategien tatsächlich greifen und man eine erstaunliche Wirkung erzielen kann. Insgesamt ist ,,Das FBI-Prinzip“ ein hilfreiches Buch zum Thema Verhandlung, dessen Schwerpunkt allerdings aus meiner Sicht zu sehr auf beruflichen Gesprächen liegt. Gerne empfehle ich das Buch hier weiter.

Bewertung vom 20.05.2018
Nur das Böse
Zan, Koethi

Nur das Böse


gut

Cora lebt gemeinsam mit ihrem Mann James auf einer abgelegenen Farm und versucht, eine längst gescheiterte religiöse Gemeinschaft wieder aufzubauen. Zu diesem Zweck wird die junge Studentin Julie entführt und in einer Kammer im Haus dauerhaft eingesperrt. Doch als James wochenlang verschwindet und Coras Hass auf die ,,Auserwählte" immer mehr steigt, droht die Situation zu eskalieren. Gleichzeitig hat sich der Expolizist Adam auf die Suche nach einem Mädchen gemacht, dass schon seit vielen Jahren verschwunden ist... .
Übersetzt wurde der Text ins Deutsche von Verena Kilchling.
Koethi Zan hat hier einen Thriller geschrieben, indem sie verschiedene Handlungsstränge entworfen hat und so parallel mehrere Geschichten erzählt. Das Buch ist so sehr abwechslungsreich und auch spannend, aber oftmals geht die Dynamik durch die ständigen Wechsel zwischen den Perspektiven und der Zeitebenen etwas verloren.
Anders als ich es erwartet habe, dreht sich das Buch nicht hauptsächlich nur um Julie und ihre Zeit bei den Kidnappern, sondern vor allem um Cora und ihre Vergangenheit. Tatsächlich spielt die Entführung nur eine untergeordnete Rolle in der Handlung an sich und auch andere Komponenten, wie die Suche nach der Vermissten fehlen fast komplett. So bekommt man hier eine ganz andere Entführungsgeschichte geliefert, die mich zum Teil überzeugen konnte, aber mich auch streckenweise etwas enttäuscht hat.
Die meist im Mittelpunkt stehende Cora wirkte auf mich von Anfang an unsympathisch. Ähnlich wie Julie fragt man sich, warum die Frau ihr nicht hilft und ihrem Mann komplett hörig zu sein scheint, obwohl dieser sie auch schlecht behandelt. Genau an diesem Punkt setzt die Autorin an und gibt dem Leser ein umfassendes Bild von Coras Vergangenheit, das zum Teil erklärt, warum sie so geworden ist. Man erfährt dadurch zum Beispiel, dass sie oft genug selbst schwere Dinge erleben musste und durch Brutalität selbst zum Opfer wurde.
Am meisten beeindruckt hat mich jedoch Julie, die mit ihrer unvorstellbar schrecklichen Situation ausgesprochen rational umgeht und versucht, durch Intelligenz und genaues Beobachten von Cora herauszufinden, wie sie diese zu ihren Gunsten beeinflussen kann. Bei den Schilderungen von Julie hat mich jedoch oft sehr gestört, dass das meiste, was ihr passiert, im Dunkeln bleibt. Effekthascherei und brutale Details mag ich sonst auch nicht, aber hier erfährt man einfach viel zu wenig Aufschlussreiches.
Der ehemalige Polizist Reed, der einen alten Vermisstenfall aufklären will, hat mir anfangs noch mit seiner Hartnäckigkeit gefallen, doch schnell merkt man, wie extrem emotional und auch unprofessionell er agiert, Spätestens am Ende des Buches mochte ich ihn überhaupt nicht mehr und konnte sein Handeln gar nicht mehr nachvollziehen.
Schade ist auch, dass man über den eigentlichen Entführer James nur ausgesprochen wenig erfährt. So bleibt er bis zu letzt der religiöse Scharlatan, von dem man nicht einmal weiß, ob er selber an seine Reden und seine Visionen glaubt.
Koethi Zan schreibt flüssig und gut lesbar und behandelt auch existenzielle Fragen, wie es dazu kommt, dass ein Mensch ,,böse wird" und falsche Entscheidungen trifft. Leider konzentriert sie sich aus meiner Sicht zu sehr auf Cora und platziert dabei die eigentliche Entführung zu sehr im Hintergrund. Auch ein wenig schade fand ich, dass eingebaute Wendungen und Komplikationen oft ins Leere verlaufen und so die Handlung auch etwas unrealistisch wirkt.
Insgesamt ist ,,Nur das Böse" ein solider und spannender Thriller, bei dem die Autorin doch etwas Potenzial verschenkt und eine ganz andere Geschichte als man erwartet, geliefert hat. Dennoch empfehle ich das Buch hier gerne weiter.