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Benutzername: Wisent
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Bewertungen

Insgesamt 64 Bewertungen
Bewertung vom 21.01.2019
Davor und Danach
Singer, Nicky

Davor und Danach


ausgezeichnet

Als ich mir dieses Buch besorgte, da dachte ich mir: hmmm... schicke Aufmachung, schönes Cover und die Leseprobe passt auch, ein Teenager in einer Welt die stark unter den Folgen des Klimawandels zu leiden hat, fast ein bissl postapokalyptisch. Gebongt, das lese ich, viel tiefsinniger waren meine Gedanken zu diesem Buch ehrlich gesagt nicht.

Und dann kam es bei mir an und ich wurde eines Besseren belehrt!

Diese Buch muss man gelesen haben und ich sage euch auch warum, und zwar in einem typischen Stilmittel dieses Buches, der Aufzählung von Stichpunkten:


- es ist lange, sehr lange, her, dass ich ein derart emotionales, aber gleichzeitig völlig unkitschiges Buch lesen durfte

- es ist nicht möglich sich der Spannung und Verzweiflung dieses Buchs zu entziehen

- es öffnet den eigenen Blickwinkel, auf Dinge die heute schon passieren, heute schon Menschen leiden und sterben lassen

- als es zu Ende war musste ich weinen, um die Charaktere im Buch und um die Welt und ich weine normalerweise höchstens zwei mal im Jahr

- und es ist äußerlich ein verdammt schönes Buch


Und all diese großen Versprechungen werde ich jetzt näher erläutern.

Mhairi ist noch ein Teenager, gerade mal 14 Jahre alt als diese Geschichte beginnt, eigentlich ist sie Schottin, jedoch arbeitet ihre Mutter für ein Solarprojekt in Khartum und so ist sie auch dort als der Menschheit wirklich klar wird, dass der Klimawandel unumkehrbar ist und der Kampf um die Ressourcen beginnt. Grenzen werden geschlossen, Flughäfen werden geschlossen, Menschen irren umher, heimatlos und verzweifelt. Mhairi hat es am Anfang dieser Geschichte bereits bis nach England geschafft als sie einem kleinen Jungen begegnet, dieser ist hilflos und ohne ältere Begleiter. Mhairi kämpft mit sich; ihn mitnehmen und so das eigene Durchkommen zu ihrer Großmutter auf die Insel Arran gefährden, oder ihn hilflos zurücklassen in dem Wissen, dass er das nicht überleben wird?


Wer Mhairi an dieser Stelle Egoismus vorwirft verkennt die Umstände. Sie hat sich fast ohne Hilfe von Khartum bis nach England durchgeschlagen, etwas das für ihre Fähigkeiten und ihren Instinkt spricht. Das Buch spart nicht mit Innenansichten von Mhairis Seelenleben, ihrer Gedankenwelt, ihren dunklen Erinnerungen. Das könnte öde und langatmig oder gar kitschig sein, es hilft jedoch ungemein diese völlig ungewöhnliche 14- Jährige zu verstehen. Ihre Sturheit, ihre Tapferkeit, ihre Unehrlichkeit, ihre Durchtriebenheit, alles ist ein Spiegel ihrer Erfahrungen in dieser Welt.

Fazit

Das Buch spart nicht mit düsteren Beschreibungen, scheinbar ausweglosen Situationen, durch die kurzen Kapitel von oft nur 4-5 Seiten bleibt man nah am Geschehen, es git keine Seitenstränge der Handlung, nur einige wenige Rückblenden in die Zeit vor der Bgegnung mit dem namenlosen Jungen, doch diese Beschränkung wirkt wie ein Magnet, zieht einen in Mhairis Leben indem unnötiges konsequent nicht erzählt wird.

Die ganze Geschichte dreht sich um Flucht vor widrigsten klimatischen Umständen, in dieser Geschichte können Menschen nicht mehr in Äquatornähe leben, gigantische Flüchtlinsströme setzen ein, doch die kühleren, lebenswerteren Staaten wollen ihr Land und ihre Ressourcen nicht teilen. Auch wir leben heute schon in einer Welt in der der Begriff "Klimaflüchtling" bekannt ist, das sorgte bei mir für großes Unbehagen beim Lesen.

Warum ich geweint habe, wird an dieser Stelle nicht verraten, wer dieses Buch beendet hat, wird selbst weinen oder diese Reaktion zumindest nachvollziehen können. Lieber gehe ich jetzt noch positiv an das wunderschöne Doppelcover ein (die Vorderseite seht ihr auf dem Foto, die Rückseite enthält das selbe Motiv mit weißem Hintergrund und orangegoldenen Umrissen) das mit glänzenden Goldtupfern gesprenkelt ist und die zusätzliche Klappenbroschur die den Schnitt seitlich schützt, schick gemacht, eine wirklich edle Optik.

Aus all diesen Gründen erhält dieses wunderbare Buch maximale Punktzahl!

Bewertung vom 19.11.2018
Ofirs Küche
Graizer, Ofir Raul

Ofirs Küche


ausgezeichnet

Optisch und haptisch macht dieses Kochbuch einiges her. Schwer, schön gebunden, eine angenehme Haptik des leicht rauhen und dicken Papieres, ein Lesezeichen und viele ansprechende Fotos von Ofir Raul Graizers Kreationen. Anfangs schildert er seine Motivation dieses Kochbuch zu schreiben, auch seine Kochkurse und sein Film bleiben nicht unerwähnt.

Dann schlägt man den Rezeptteil auf und erlebt eine Vielfalt an verschiedenen Köstlichkeiten. Brote und Dips, Saucen und Desserts, Hauptspeisen, Snacks, einfach ein guter Überblick über die Vielfalt der israelisch-palästinensischen Küche. Positiv hervorzuheben ist die gestaltung der Rezepte: jeweils ein Bild. gut sichtbar gleich eine Einteilung i Kategorien a la vegetarisch / vegan/ laktosefrei etc. und eine Kurzanleitung, passenderweise Tacheles genannt.

Für mich war vor diesem Kochbuch die Küche des Nahen Ostens nicht neu, dafür war ich Hummus, Falafeln, Shakshuka und Tahini- Paste schon vorher zu sehr verfallen. Jedoch lernt auch hier sowohl der Auskenner in dieser Küche als auch die Vegetarier und Veganer noch einiges dazu, z.B. eine gute Beschreibung für extrem guten Hummus.

Dieses Buch ist ein absoluter Tipp für jeden der Nahost- Küche mag, Vegetarier und Veganer und auch alle die gern ihre kulinarischen Erfahrungen erweitern möchten.

Der Jackpot- Tipp: ihr habt eine/n Vegetarier/in in eurer Familie oder dem Freundeskreis, die Person kocht gern und ihr habt keine Idee was ihr dieser Person zu Weihnachten schenken sollt? HALLO! HIER! WINK MIT DEM ZAUNPFAHL --> DIESES KOCHBUCH!!!! Also mich hätte es sehr gefreut.

Bewertung vom 15.10.2018
Gangsterblues, 6 Audio-CDs
Bausch, Joe

Gangsterblues, 6 Audio-CDs


ausgezeichnet

Joe Bauschs Buch "Gangsterblues" lanciert unter True Crime. Wie er selbst im Vorwort sagt, neigen Kriminelle (und natürlich nicht nur die) dazu, ihre Stories ein wenig auszuschmücken und ein bisschen glorreicher zu machen. Letztendlich kann man also nicht wissen, wie "true" die Geschichten sind, bis natürlich auf verifizierbare Angaben aus Zeitungsberichten, Polizeiunterlagen und dergleichen. 12 solcher Stories hat Joe Bausch in Gangsterblues zu einem Panoptikum des Knastlebens zusammengestellt.

Hier ist alles dabei vom, vielleicht zu Unrecht, einsitzenden Mörder, über clevere Ganoven bis hin zu traurigen Geschichten vom Leben und Sterben hinter Gittern.

Joe Bausch ist selbst Gefängnisarzt und kennt den Kontakt zu den Häftlingen also nicht nur aus Stories sondern aus dem echten Leben, es sind die Geschichten seiner Häftlinge und das merkt man dem Buch. Oft schwingt eine persönliche Note mit, die viel über sein Verhältnis zu dem jeweiligen Straftäter aussagt. Nie ist er aber dabei abwertend, zynisch oder hält sich für etwas "Besseres". Er spricht sie selbst in diesem Hörbuch mit seiner rauhen, authentischen Stimme.

Die Geschichten lassen einen nicht unberührt, besonders gefallen hat mir jene mit den drei alternden Ganoven vom Affenfelsen (so nennt man einen großen Stein im Gefängnishof, an dem dieses Trio seine Pausen verbracht hat) die es in einem Alter, in denen es ihnen keiner mehr so richtig zugetraut hätte, allen nochmal so richtig gezeigt haben.

Für Krimi und True Crime- Fans und alle die gern Geschichten hören, die das Leben geschrieben hat: greift zu! Es lohnt sich!

Bewertung vom 15.10.2018
Unter Verdacht / Die Schwestern von Mitford Manor Bd.1 (2 MP3-CDs)
Fellowes, Jessica

Unter Verdacht / Die Schwestern von Mitford Manor Bd.1 (2 MP3-CDs)


sehr gut

Bevor wir die Rezension beginnen, erst ein kurzer Test. Investiert die Zeit, sie schützt euch vor einem Fehlkauf:

Magst du Geschichten die i noblen Herrenhäusern spielen mit Lords und Ladies und der Dienerschaft?

Ja (1 Punkt)
Nein (0 Punkte)

Wenn eine Krimigeschichte sich eher um die Personen als um den Fall dreht, kannst du damit leben?

Ja (2 Punkte)
Nein (0 Punkte)

Ist es in Ordnung für dich, wenn sich die Charaktere an die Konventionen und Sitten ihrer Zeit halten, auch wenn diese im Jahre 2018 albern, umständlich oder sogar diskriminierend erscheinen?

Ja (2 Punkte)
Nein (0 Punkte)

Lässt du Charakteren anstrengendes, kapriziöses Verhalten durchgehen, weil ihre adlige Herkunft diese rechtfertigt?

Ja (1 Punkt)
Nein (0 Punkte)

Wer mindestens 4 Punkte erreicht hat: Herzlichen Glückwunsch, ihr könnt es versuchen. Der Rest: kauft es euch nicht, ihr wärt nur genervt von einem Krimi der mehr Familiengeschichte als echter Krimi ist.

Es dreht sich zwar anfangs in Jessica Fellowes Roman um eine Körperverletzung mit Todesfolge an einer ehemaligen Militärkrankenschwester, doch entpuppt sich das ganze schnell als Aufhänger und Sideplot für eine oppulente Familiengeschichte a la Downton Abbey mit jeder Menge Dramatik, Anstand und Sitten,Tränen, Skandälchen und Skandalen und natürlich Lords, Ladies und einer Heerschar an Bediensteten in einem vornehmen Haus.

Wer Downton Abbey liebt, kann hier nicht Nein sagen. Wer einfach einen Krimi aus den Wilden Zwanzigern möchte, der greift besser zu Babylon Berlin.

Bewertung vom 07.10.2018
Der Spielmann / Die Geschichte des Johann Georg Faustus Bd.1 (3 Audio-CDs, MP3 Format)
Pötzsch, Oliver

Der Spielmann / Die Geschichte des Johann Georg Faustus Bd.1 (3 Audio-CDs, MP3 Format)


sehr gut

Ich kannte Oliver Pötzsch bereits vorher von seinen Henkerstochter- Romanen, einer Mittelalter- Krimi Reihe in der der Schongauer Henker Jakob Kuisl und seine Familie den Dreh- und Angelpunkt der Handlung darstellen.

In seiner neuen Reihe erzählt der Autor die Geschichte des Jhann Georg Faustus, jedem eigentlich hinlänglich bekannt durch unzählige Unterrichtsstunden in Deutsch über Goethes Werk. Je nach Deutschlehrer/in erinert man sich mit Freude, emotionslos oder mit Grauen daran zurück, an Fausts wundersames Leben, die Grethchenfrage und den Kern von Pudeln. Bei mir was es Letzteres, langweilie, graue Ödnis im Klassenzimmer, das Werk bis in den letzten Buchstaben von Frau S. mit Valiumstimme analysiert, die Lider wurden schwerer und schwerer...

Ich hatte gehofft, mit Oliver Pötzschs Roman mein Trauma überwinden zu können: es ist gelungen, zumindest teilweise! Pötzsch erzählt die Geschichte lebensnah, mit viel künstlerischer Freiheit, voller Wendungen und unerwarteter Rettungen aus der Not und leider doch nicht ganz packend. An manchen stellen ufert die Geschichte einfach sehr aus, er ergeht sich in Nebenschauplätzen und die Motivation des Charakters Tonio de Moravia Faustus auszuwählen und seinen ganzen Plan habe ich bis jetzt nicht wirklich begriffen, da ist ir eindeutig zu viel unklar, obwohl es einen zweiten Band geben wird.

An Tobias Kluckerts sprecherischer Leistung bei diesem Hörbuch ist fast nichts auszusetzen, ich hätte mir nur an den wirklich spannenden Stellen ein bisschen mehr Druck in der Stimme gewünscht.

Oliver Pötzsch- Fans sollten bei diesem Buch erst einmal die Leseprobe konsultieren und keinen Henkerstochter- Roman erwarten. Und auch wer, im Gegensatz zu mir, in der Schule nicht literisch mit Goethe gefoltert wurde, sondern Begeisterung für den Faust mitbekommen hat, der sollte hier beherzt zugreifen.

Bewertung vom 24.09.2018
Walter muss weg / Frau Huber ermittelt Bd.1
Raab, Thomas

Walter muss weg / Frau Huber ermittelt Bd.1


sehr gut

Dieser Krimi ist nur etwas für Liebhaber. Für Liebhaber einer genau bemessenen, doppelbödigen Sprache. Der Schreibstil von Thomas Raab ist daher natürlich Geschmackssache.

Ich empfehle deshalb vor dem Kauf reinzulesen bzw. sich die Leseprobe anzuschauen. Ich bin mir ja nicht sicher ob Herr Raab von natur aus so gut schreibt oder dies mit einiger Unterstützung aus dem Lektorat gelungen ist, fast jeden Satz so zu temperieren, dass sich sprachlich eine maximale Schlagkraft mit stets präsentem schwarzem Humor entfaltet. Deshalb empfinde ich es als Affront, dass der KiWi Verlag uns zwar den Titelbilddesigner und den Autorenfotograf verrät, nicht jedoch das Lektorat!

Ein Beispiel gefällig für diese ungewöhnlich kauzige Sprache? "Ruckzuck schwingen die Fenster auf, stecken die Glaubenthaler ihre Köpfe heraus, als wäre Weltspartag und die längst geschlossene Postsparkasse wieder geöffnet. Mittlerweile kann sich ja sogar die Zweigstelle drüben in Sankt Ursula ihre Spargeschenke sparen, denn selbst in der Sockenlade zuhause findet die alte Huber bessere Zinsen."

Da wird denn vor lauter Grinsen über die Macken und Schrullen der Dorfbewohner die eigentliche Geschichte zur Nebensache. Wer sich das fragt: die alte Huberin trägt nach Jahrzehnten zuneigungsloser Ehe ihren Mann zu Grabe. Er ging zum Herrgott direkt nachdem er kam. Das Kommen allerdings erledigte er zuvor in einem sehr irdischen Dienstleistungsbetrieb. Dummerweise fällt der Sarg bei der Beerdigung mit etwas zuviel Schwung in die Grube, der Deckel geht auf und drin liegt - nun ja- nicht Walter, der Mann der Huberin. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Ein wenig mehr Fokussierung auf die Handlung hätte das Lesen weniger anstrengend und flüssiger gemacht. Aber alles in allem ein lesenswerter, wenn auch sehr ungewöhnlicher Provinzkrimi.

Bewertung vom 24.09.2018
Hoffnung und Schicksal / Die Charité Bd.1 (MP3-Download)
Schweikert, Ulrike

Hoffnung und Schicksal / Die Charité Bd.1 (MP3-Download)


sehr gut

Die junge Elisabeth, aus armen Verhältnissen stammend, sieht bei ihrer Schwester, dass ein Leben in der Ehe in der damaligen Zeit nicht immer ein Zuckerschlecken ist und beschließt selbstständig zu leben. Selbstständig, das heißt unvorstellbar lange Tage als Krankenwärterin in der Charité zubringen.

Martha Vogelsang ist die geachtete Berliner Stadthebamme, sie hilft den Kindern von arm und reich auf die Welt zu kommen. Doch allzu oft ist sie machtlos und Mütter und Kinder sterben unter ihren Händen.

Ludovica ist Gräfin, doch gefangen in einer Ehe mit einem Mann der ihr zuwider ist und sie schlecht behandelt. Doch zum Glück, nach langer Zeit, erwartet sie endlich ihr erstes Kind und kann so die Erbfolge sichern.

Um diese interessanten weiblichen Figuren baut Ulrike Schweikert ihren Roman über die Charité auf. Sie spart dabei nicht mit den Härten der damaligen Zeit. Es fließt Blut, operiert wird ohne Narkose (die war damals noch nicht erfunden) aber mit kräftigen Männern, die den Patienten festhalten, der Wundbrand und das Kindbettfieber grassieren auf den Stationen, Syphiliskranke werden mit Quecksilber sowohl vergiftet als auch kuriert, es herrscht unbeschreiblicher Gestank und die Menschen kommen nur allzu oft nicht mehr lebend aus der Charité.

Man ahnt es schon: was in diesem Hörbuch nicht im Vordergrund steht sind romantische Tändeleien, diese kommen zwar vor, begleiten und ergänzen diesen Roman aber eher, als dass sie Selbstzweck sind. Man lauscht Beate Rysopps angenehmen Vortrag wenn sie von Professor Dieffenbachs bahnbrechenden Operationen erzählt, aber auch von der Verzweiflung, wenn sich hoffnungsvolle Patienten in Todgeweihte verwandeln.

Dieses Hörbuch ist ein wirklich gut gemachtes Stück Erzählkunst, ich habe jeder der fast 9 Stunden genossen. Fans von Ulrike Schweikert können bedenkenlos zugreifen, Fans von medizinsichen Romanen und historischen Geschichten die nicht immer "klassisches Mittelalter" sein müssen, sei ebenfalls geraten sich in die Charité zu begeben.

Bewertung vom 11.08.2018
Der Horror der frühen Medizin
Fitzharris, Lindsey

Der Horror der frühen Medizin


ausgezeichnet

Man mag es sich gar nicht vorstellen, doch noch im vorletzten Jahrhundert war es die Realität: zum Mittel einer Operation griff man immer nur als allerletzte Möglichkeit, wenn der Patient ohnehin schon todgeweiht schien und wenn man zu Werke schritt, dann ohne Narkose, die gab es nämlich noch nicht.

Doch dann kam der Durchbruch, die gute alte Äthernarkose, so zwar heute auch nicht mehr angewandt, aber endlich trauten sich die Chirurgen wirklich zu operieren, in dieser Zeit fühlte sich der junge Joseph Lister berufen diesem Berufsstand anzugehören und seine Arbeit und seine Forschungen sollten die Welt verändern und unzähligen Menschen das Leben retten.

Lindsey Fitzharris erzählt die Lebengeschichte Listers packend und wie in einem Roman. Anschaulich schildert sie die Zustände zu dieser Zeit in Operationssälen, Anatomietheatern und Hospitälern. Diese kann man als Mensch unserer modernen Medizn fast gar nicht fassen, bei Fitzharris´Bericht wie der Chirurg Liston (ListON,nicht ListER) bei einer einzigen Operation gleich 3 Männer ins Grab brachte, bleibt einem der Mund offen stehen. Sie berichtet von Listers Zweifeln an der Medizin und den damals gängigen Lehrmodellen der Krankheitsverbreitung, seinen vehementen Widersachern wie den Anhängern der Miasmen- Theorie und seinem Streben nach der Erlangung von immer mehr und immer neuen Erkenntnissen.

Dieses Buch über den ersten Verfechter der Asepsis (sprich der Verringerung krankheitsverursachender Mikroorganismen in der Nähe des Patinten) ist wirlich ein Must read für jeden Fan medizinischer Sachbücher und für alle, die sich für Berichte von großen Denkern und Forschern begeistern können. Es ist auch alles so beschrieben, dass man selbst nicht medizinisch vorgebildet sein muss, um dem Buch folgen zu können.

Für mich bis jetzt das beste Sachbuch 2018.

Bewertung vom 06.08.2018
Gork der Schreckliche
Hudson, Gabe

Gork der Schreckliche


weniger gut

Eines möchte ich vorweg nehmen: nach wie vor frage ich mich, ob ich mit meinen 31 Jahren wohl einfach nicht die Zielgruppe für dieses Buch bin. Was wohl eine 16- jährige, wandelnde Akne- Zuchtanstalt im cerebralen Hormonnebel zu diesem endheftigen Teenage- Dragomance sagen würde? Was das jetzt bitte für ein dämlicher Satz war? Einer der charakteristisch für dieses Buch ist!

Gabe Hudson wählt für seine Teenager- Lovestory im Drachen - im -SciFi- Universum- Gewand (für sich schon abgedreht genug) eine gekünstelte, rotzige Jugendsprache, die einen die Augenbrauen hochziehen lässt. Ob´s am Übersetzer lag? Man mag es kaum glauben, denn auch das Lektorat hätte ob der unendlichen Formulierungs- Wiederholungen Bluthochdruck kriegen müssen! So ist hier stets und ständig zu lesen "mein schuppiger grüner Arsch", fast auf jeder Seite, ich fühlte mich an das ebenfalls unsäglich schlecht geschriebene "50 Shades of Grey" erinnert, da begegnet man ja auch auf jeder zweiten Seite Anastasias "innerer Göttin" die sich wahlweise räkelt, jubiliert, stöhnt, räkelt, jubiliert, stöhnt, bei sowas stöhnt der Leser halt mit, aber eher entnervt.

Da die Handlung von Niveau und Tiefe auch eher auf dem Niveau von Youtube- Makeup- Tutorials dümpelt (die Handlung hätte problemfrei, ohne die unsinnigen und unnötigen Abschweifungen auf 80 Seiten gepasst) habe ich mir einen Spaß daraus gemacht und hier kommt mein Tipp für Gork- Leser Ü18: ihr braucht eine Flasche eures Lieblingsschnapses (ich habe im Urlaub was regionales genommen, Ramzotti) und das Buch! So geht´s: loslesen und immer wenn das schuppige grüne Hinterteil genannt wird, einen kräftigen Schluck aus der Pulle nehmen. Nach 10 Seiten wird die Story gut, nach 25 Seiten war ich quasi auf dem Wille-zur-Macht-Level: knallhartes Rauhbein ohne Bewusstsein, um beim Gork- Jargon zu bleiben.

In diesem Sinne: wer mal ein schlechtes Buch verschenken will (Prävention damit die Schwiegermutti nicht die eigenen Fantasybücher plündert) oder ein literarisches Saufspiel für die nächste Party braucht: hier seid ihr richtig!

Ihr fandet diese Rezension unsachlich? Ich auch! Aber ernsthaft, zu dem Buch gibt es nix gutes zu sagen außer: nettes Cover!

Bewertung vom 11.07.2018
Sehnsucht / Dream Maker Bd.1
Carlan, Audrey

Sehnsucht / Dream Maker Bd.1


sehr gut

Ich würde ja Frau Carlan wirklich mal gern persönlich kennen lernen. Sie scheint scheinbar eine große Freundin von schematischen Abläufen zu sein.

War in ihrer bekannten Reihe "Calendar Girl" alles schön schematisch nach Monaten unterteilt und der erste Band somit von januar bis März reichend, wird hier nach Städten geflirtet und geschnackselt. Von Paris über New York nach Kopenhagen.

Ich komme nicht umhin beide Serien zu vergleichen. In Calendar Girl prostituiert sich eine junge Frau um die Spielschulden ihres Vaters zu begleichen. Ganz schön traurig und mies, doch dabei trifft sie auf ihre große Liebe, sonst wäre es ja keine Audrey Carlan- Story. In Dream Maker hingegen geht es um den jungen, erfolgreichen Parker Ellis, der mit seinem Unternehmen International Guy Kundinnen auf der ganzen Welt coacht und dabei auch gern mal flachlegt, professionell geht irgendwie auch anders. Irgendwie aber auch ein bisschen sexistisch, finde ich, wenn sie sich aus Zwang prostituiert, ist er einfach zu blöde ist Job und Privatleben zu trennen. Aber irgendeinen Aufhänger hat die Autorin halt gebraucht, damit die Erotikstory um Parker ins Rollen kommt, kann ich verstehen; von einem die Frauen wegknallenden Müllmann mag ja auch keiner gern hören.

Die Geschichte an sich verläuft wieder nach dem Carlan- tyypischen Strickmuster und bietet damit kurzweilige erotische Unterhaltung nah am Mainstream. Sven Macht macht mächtig was her als Sprecher (geiles Wortspiel, sorry...). Er erzählt die Geschichte packend und mit angenehm tiefer Stimme, lediglich Alicia Hofer für die 2-3 Kapitel aus Skylers Sicht hätte es wirklich nicht gebraucht, so mittendrin und kurz wirkt sie wie ein Fremdkörper, das hätte der mächtige Sven auch gern lesen können.

Wer leichte Unterhaltung für die spritzigen Momente des Lebens (no pun intended!) sucht, ist hier genau richtig.