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Bewertungen

Insgesamt 584 Bewertungen
Bewertung vom 20.01.2019
Deutsches Haus, 7 Audio-CDs
Hess, Annette

Deutsches Haus, 7 Audio-CDs


ausgezeichnet

Der Mantel des Schweigens deckt nicht alles zu

Eva Bruhns ist Anfang 20 und Dolmetscherin. Sie wird für den ersten Ausschwitz-Prozess in Frankfurt engagiert. Sie ist verlobt und ihr künftiger Ehemann möchte nicht, dass sie diesen Job annimmt. Im Deutschland 1963 hatte eine Frau sich tatsächlich den Wünschen ihres Mannes, auch des Verlobten, zu unterwerfen. Auch ihre Eltern wollen sie abhalten. Doch Eva spürt, dass sie sich hier ausnahmsweise mal durchsetzen muss. Die Folgen sind unvorhersehbar …

Die Autorin hat hier sehr unaufgeregt, aber eindringlich beschrieben, welche Gräuel in den Lagern stattfanden und wie alle Beteiligten jahrelang immer erfolgreicher die Erinnerungen verdrängten. Die Kinder, die in den Kriegsjahren geboren wurden, bekamen zwar einiges mit, haben das aber in der Nachkriegszeit relativ gut vergessen, was den Erwachsenen mehr als recht war. Doch so tief vergraben ging gar nicht, als dass die Wahrheit nicht wieder ans Licht kommen könnte.

So wird Eva immer klarer, dass ihre relativ heile Welt auf Lügen und Blendungen aufgebaut ist. Langsam aber stetig arbeitet sie sich zum Kern der Sache vor und macht ein Wechselbad der Gefühle mit. Daran wächst sie und emanzipiert sich. Und sie fühlt sich schuldig.

Auch die anderen Figuren des Buches sind sehr schön gezeichnet. Die einen netter als die anderen, mit der einen oder anderen Leiche im Keller oder Last auf der Seele. Wie wichtig die Prozesse damals und heute waren und sind, wird jedem spätestens nach dieser Geschichte klar.

Sehr eindrucksvoll wird klar, dass es für die Opfer fast schon eine Strafe ist, über die Zeit und das Geschehen zu spreche. Auch für die Anwälte und Staatsanwaltschaft ist es eine Zerreißprobe. Doch Annette Hess zeigt auch, dass es einen Unterschied von Tätern und Tätern gibt – solche, die Befehle gern ausführten und solche, die aus Angst gehorchten. Die Aufarbeitung ist für niemanden leicht – muss aber sein, um eine Wiederholung zu vermeiden.

Auch wenn meine Generation damals noch nicht lebte, dementsprechend völlig unbeteiligt und unschuldig ist und die komplette Schulzeit immer wieder damit zu tun hatte und wirklich sagen könnte, es reicht – auf diese Art, wie die Autorin das Thema darstellt, ist es kein Wiederkäuen, kein Aufguss, kein „nicht schon wieder“ – es ist eine gefühlvolle Art, gerade im Zeitalter des „Flüchtlingsproblems“ dem letzten Ignoranten klarzumachen, wie knapp wir vor einem neuen, unverzeihlichen Fehler stehen. Das ist wichtiger denn je!

Zudem wird dem Leser verdeutlicht, dass die Gleichberechtigung ein sehr junges Kind ist.

Auch Eva Meckbach trägt als Sprecherin sehr zu meiner Begeisterung für dieses Buch bei. Sie hat es ruhig und dennoch mit Gefühl eingelesen. Sie hat meiner Ansicht nach den Ton von Annette Hess sehr gut getroffen und alle Aspekte, die Eva Bruhns, ihre Familie, die Gerichtverhandlung, ihre Schwester, das Liebesleben in den frühen 1960ern, den Zeitgeist und die Ohnmacht betreffen, extrem gut transportiert.

Ich bin von diesem Buch sehr beeindruckt und bewegt. Kann man als moderne Frau Eva manchmal nicht verstehen, liegt es einzig an der Tatsache, dass wir heute selbstbewusster sind und unser Freiheiten als selbstverständlich hinnehmen. Ich kann nicht anders: Fünf Sterne!

Bewertung vom 20.01.2019
Tierisch gut drauf 2019 Postkartenkalender

Tierisch gut drauf 2019 Postkartenkalender


ausgezeichnet

Post ist da!

In jedem Raum habe ich mindestens einen Kalender. Je nach Zimmer Planer oder Bildkalender. Mindestens ein Postkartenkalender muss auch dabei sein. Die sind nicht nur hübsch, sondern auch äußerst praktisch: Am Ende des Monats wirft man das Blatt nicht weg, sondern hat eine hübsche und in diesem Fall auch witzige Postkarte, die dem Empfänger Freude macht.

Der Kalender hat eine stabile Spiralbindung und kann sowohl aufgehängt, als auch aufgestellt werden. Für letztere Möglichkeit hat er eine verstärkte Pappe, aus der eine Art Fuß herausgeklappt werden kann. Die Postkarten sind aus dickem Papier und überstehen den Postweg anstandslos.

Es ist kaum zu beschreiben, wie schön die Fotos sind. Immer witzig, aber nie gestellt, mit viel Liebe aufgenommen und sichtbar den Tieren nichts aufgezwängt, sondern geduldig auf den idealen Moment gewartet. So sind es alles glückliche Tiere, die Monat für Monat den Betrachter erfreuen. Die Sprüchlein sind mit viel Humor gemacht und gefallen mir sehr.

Kurz und knapp: Den muss ich einfach jedes Jahr haben!

Bewertung vom 16.01.2019
Man muss auch mal loslassen können, 5 Audio-CDs
Bittl, Monika

Man muss auch mal loslassen können, 5 Audio-CDs


sehr gut

Good shit happens either!

Durch einen Zufall treffen drei völlig unterschiedliche Frauen aufeinander und stellen fest, dass sie tatsächlich das gleiche Ziel haben: Sie wollen nicht mehr leben! Jede hat einen anderen für sie wichtigen und schwerwiegenden Grund für diese Entscheidung. Da liegt es doch nah, sich zusammenzutun und dem Lebensende gemeinsam gegenüberzutreten. Wider Erwarten gestaltet sich das aber schwieriger, als angenommen und eine Reihe verrückter, aberwitziger Ereignisse hat ungeahnte Folgen …

Nein, es ist nicht lustig, wenn ein Mensch lebensmüde ist. Nein, Krebs ist auch nicht lustig. Aber dieses Buch voll schwarzem Humor und ganz viel Herzenswärme geht mit dem Thema auf ganz eigene Weise um. Daran kann ich nichts Schlimmes finden! Im Gegenteil – meiner Meinung nach macht es sogar Mut und zeigt auf, dass es immer mehrere Möglichkeiten gibt, einer schlimmen Situation gegenüberzutreten.

Dabei ist es dann völlig okay, wenn in einer fiktiven Geschichte auch mal Aktionen vorkommen, die im wahren, realen Leben nicht ganz so lustig wären. Es ist noch immer Unterhaltungsliteratur und muss nicht bierernst genommen werden. Die Wendungen und Verwicklungen, die Zufälle und außergewöhnlichen Ereignisse sind sehr humorvoll geschildert. Jede Protagonistin ist ganz eigen gezeichnet und man kann sie deutlich unterscheiden. Zunächst lernt man sie einzeln kennen und im Verlauf des Buches wechseln die Perspektiven immer mal wieder. Dabei wird jedoch stets angekündigt, wessen Part es gerade ist. Es werden auch ein paar Klischees bedient, doch passt das wunderbar und stört nicht sonderlich. Wer keinen Sinn für (schwarzen) Humor hat, wird jedoch keine große Freude an diesem Buch haben.

Anfangs und zwischendurch kurz war das Buch etwas zäh. Doch die meiste Zeit wurde ich großartig unterhalten. Ulla Wagener hat es großartig eingesprochen. Auch wenn mir nicht alle ihre „männlichen Stimmen“ gefallen, mag ich ihre Art zu lesen sehr. Das Ende ist gelungen und rund und damit in sich stimmig. Das mag ich sehr. Insgesamt gebe ich deshalb vier Sterne. Gute Unterhaltung!

Bewertung vom 14.01.2019
Zimmer frei!
Tölle, Verena

Zimmer frei!


ausgezeichnet

Savoy oder doch lieber Dolomitenhütte?

Was für ein genialer kleiner Appetit-Anreger! Wer den üblichen Urlaub satt hat, wer etwas Ausgefallenes erleben möchte, der findet in diesem Bildband-Reiseführer jede Menge Anregungen für absolut und wirklich ausgefallene und verrückte Hotels! Die Umgebung ist dabei auch nicht übel, ganz klar, aber die Hotels bzw. die Zimmer, die haben es echt in sich.

Ob nun im Gefängnis, einer Betonröhre, im Triebwerk, in einer Bibliothek, in der Wüste, über Singapur, im Eishotel, im U-Boot oder einem der anderen unfassbar außergewöhnlichen Hotels, es geht immer noch verrückter! Zu jedem findet sich hier gleich die Preiskategorie (ein, zwei oder drei Dollarzeichen für „unschlagbar günstig“, „unschlagbare Träume“ und „purer Luxus“), auf einem Piktogramm die etwaige Lage und – so vorhanden – die Internetadresse. Ja, nicht alle der Hotels haben tatsächlich Internet!

Verena Tölle hat sie gesucht und gefunden und sucht noch immer nach neuen verrückten Urlaubsorten. Zu jedem liefert sie ein paar witzige Erklärungen und Beschreibungen, sodass man am liebsten sofort losreisen und eins nach dem anderen mit eigenen Augen sehen und sich ein Bett buchen möchte. Die Fotos sind traumhaft schön und machen Fernweh. Erstaunt stellt man fest, dass man möglicherweise einige Jahre zählt, aber für ein Abenteuer dieser Art wohl nie zu alt ist. Herrlich! Ein Buch, das mich so fröhlich stimmt und so viel Abenteuerlust in mir weckt, bekommt eindeutig fünf Sterne!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.01.2019
Meine schönsten 5-Minuten-Geschichten

Meine schönsten 5-Minuten-Geschichten


sehr gut

Stark gekürzte Märchen für die Kleinsten

Das großformatige Buch ist recht schwer. Auf 192 Seitens finden sich 31 Märchen, die stark gekürzt und „entschärft“ von diversen Autoren und Autorinnen nacherzählt wurden, damit die Kleinsten sich nicht so extrem fürchten. Bei Rotkäppchen beispielsweise wird dem Wolf nicht der Bauch aufgeschlitzt, damit Rotkäppchen und die Großmutter heraus können und anschließend der Bauch mit Wackersteinen gefüllt und zugenäht, sodass der Wolf Durst bekommt und in den Brunnen fällt, sondern er wird geschüttelt, bis er beide ausspuckt und anschließend schlicht und ergreifend weggejagt. So ist es auch in anderen Märchen – die heftigen Szenen sind deutlich gemildert und dennoch siegt das Gute.

Zu allen Geschichten gibt es großformatige Zeichnungen und Illustrationen von diversen Künstlern, die im Inhaltsverzeichnis aufgeführt werden, die kindgerecht gehalten sind. So gibt es zum Vorgelesenen visuelle Unterstützung und viel zu entdecken und zu besprechen. Die Schrift ist groß gehalten. So können die Geschichten auch ohne Lesebrille vorgelesen werden und Erstleser sich ebenfalls daran wagen.

Es finden sich hier nicht nur die bekanntesten Deutschen Märchen, sondern auch eine Variante von Jack und die Bohnenranke (englisches Märchen) oder „Der Zauberlehrling“ (Ballade von Goethe). Das ergibt insgesamt eine sehr schöne Mischung. Für mich als Erwachsene, die die langen Versionen kennt, sind manche Geschichten etwas zu stark verändert, doch für die eigentliche Zielgruppe finde ich sie gelungen gemacht. Von mir gibt es daher vier Sterne.

Bewertung vom 13.01.2019
Die Welt ist böse!, 1 MP3-CD
Jarow, Julian Hannes

Die Welt ist böse!, 1 MP3-CD


ausgezeichnet

Ungelöste Fälle

Julian Hannes ist auf YouTubbe unter dem Namen „Jarow“ bekannt. Dort schildert er Kriminalgeschichten und hat eine große Fan-Base. Eine Auswahl von sechs der dreizehn auch in seinem Buch geschilderten Fälle hat er auf diesem Hörbuch selbst eingelesen.

Die Geschichten sind sehr spannend und enorm interessant. Der Mensch kommt mit offenen Enden nicht klar, deshalb sind diese Fälle besonders faszinierend. Man kommt nicht umhin, sich zu fragen, wie man diese Fälle doch noch lösen könnte. Fast immer hat man einfach das Gefühl, dass die Lösung zum Greifen nahe ist und es einfach nicht sein kann, dass niemand dahinterkommt.

Dass Julian Hannes sich diesem Thema so intensiv und inbrünstig annimmt, kann ich sehr gut verstehen, da ich ein großer Fan von Sendungen, wie „Medical Detectives“, „Autopsie“ oder „Anwälte der Toten“ bin. Das mag morbide klingen, aber mir gefällt es, wie Forensiker auch teils sehr alte Fälle lösen. Die Gründe, die zu einer Tat führen, ändern sie nicht, machen sie nicht ungeschehen, aber sie interessieren mich und ich habe immer das Gefühl, dass dies ein Teil der Gerechtigkeit ist. Bei den hier gesammelten Fällen fehlt dieser Gerechtigkeitsteil. Das macht sie extrem bewegend. Für mich zumindest. Als Bonus erzählt „Jarow“ noch ein gruseliges Ereignis aus seiner Kindheit, das ihn in der Jugend wieder einholte. Sehr spannend!

Die Stimme von Julian Hannes ist super angenehm und ich könnte ihn mir auch sehr gut für Sprecher von anderen Hörbüchern vorstellen. Ich habe ihm sehr gerne zugehört und seine Intonation gefällt mir absolut. Ich habe auch seinen Gedanken zu den Fällen sehr interessiert gelauscht. Vom einen oder anderen Fall hatte ich schon zuvor gehört oder gelesen und mir selbst so meine Gedanken gemacht. Ich denke, mit Julian Hannes über sie zu diskutieren, wäre wirklich bereichernd!

Ich werde auch künftig kein YouTube-Follower werden, selbst nicht bei einem so genialen Thema. Ich weiß, damit bin ich nicht zeitgemäß. Damit kann ich leben. Ich genieße Bücher und Hörbücher und wie man sieht, landen die wirklich guten Kanäle früher oder später eben auch in diesen Medien! Von mir bekommt „Die Welt ist Böse“ jedenfalls als Hörbuch fünf blankpolierte Sterne!

Bewertung vom 12.01.2019
Dafür ist man nie zu alt, 2 Audio-CDs
Engelmann, Gabriella

Dafür ist man nie zu alt, 2 Audio-CDs


ausgezeichnet

Ein kleines Weihnachtswunder

Pia ist 19 und fühlt sich viel zu alt, um mit ihrer Familie Weihnachten zu verbringen. Nur widerwillig fährt sie die sechs Stunden im Zug. Sie ist doch schon viel zu alt für solchen Kinderkram! Als sie dann noch feststellt, dass ihre Eltern Nic, den Feind (!) aus Kindertagen, eingeladen haben, hat sie noch weniger Lust dazu. Während ihre Eltern noch die letzten Besorgungen erledigen, soll Pia mit Nic und Feli den Baum schmücken.


Aus einer Kurzgeschichte wurde hier in Zusammenarbeit mit der Autorin eine Erzählung. Vanessa Eckart liest sie perfekt ein. Genau richtig nölig und frech und überheblich, aber immer noch sehr sympathisch. Wie eben eine 19jährige so sein kann, wenn sie davon überzeugt ist, als einzige richtig zu denken und zu handeln!

Die kleinen Wendungen sind teils vorhersehbar, teils arg konstruiert, aber dennoch ist die Geschichte insgesamt richtig schön, macht Laune und ist ideal geeignet, um sie jedes Jahr an Weihnachten bei den letzten Vorbereitungen noch mal zu hören. Knapp eineinhalb Stunden witzige, peppige, lustige und ein wenig ironische Minuten, die mich doch stellenweise auch arg an mich selbst erinnert haben, sind wie im Flug vergangen.

Der Unterschied zwischen der weihnachtsbegeisterten Feli, der 6jährigen Nesthäkchen-Schwester von Pia, und Pia selbst, die ein kleiner Grinch ist, könnte größer kaum sein und dennoch sind sie sich innig verbunden. Auch macht genau das viel vom Charme und Witz des Hörbuchs aus. Da zeigt die Kleine der Großen unbeirrt, wie schön das Leben und Winter und Schnee und Weihnachten sein können – und auch, dass Nic gar nicht so übel ist, wie Pia immer dachte. Die Kinderstreiche, die er ihr immer gespielt hatte, waren wohl doch keine Mordanschläge, wie sie immer dachte!

Ein Jugendbuch? Ein All-Age-Buch? Ein Buch für Erwachsene? Ich finde – Dafür ist man nie zu alt! Die Geschichte ist trotz ihrer Kürze sehr aussagekräftig und hat mir richtig gut gefallen – deshalb gebe ich auch gern die vollen fünf Sterne.

Bewertung vom 12.01.2019
Drei Frauen am See, 7 Audio-CDs
Heldt, Dora

Drei Frauen am See, 7 Audio-CDs


sehr gut

Vom Streiten und Versöhnen

Marie, Alexandra, Friederike und Jule waren seit ihrer Kindheit die besten Freundinnen. Als sie erwachsen werden, schließen sie einen Pakt: Ganz egal, wohin das Leben sie spült, an Pfingsten treffen sie sich im Haus am See! Dieses Versprechen hält genau so lange, bis die Vier im Streit auseinandergehen. Zehn Jahre schweigen sie – bis drei der Vier sich überraschend beim Notar treffen. Marie ist gestorben und hat den Freundinnen das Haus am See vererbt. Doch es gibt eine Bedingung …

Das Genre ist nicht unbedingt meins, aber hin und wieder mache ich gern einen Ausflug dahin. Von Dora Heldt kannte ich bisher noch kein Buch oder Hörbuch. Ich habe mich ganz vorbehaltslos auf die Geschichte eingelassen. Stellenweise finde ich sie recht vorhersehbar, dennoch bin ich nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Ich finde, die Autorin hat sehr schön herausgearbeitet, dass Freundinnen gern unterschiedlich sein dürfen, jeder einen ganz eigenen Charakter hat und gern mal ein Streit etwas zerstört, das man besser bewahren sollte.

Die vier Frauen werden sehr schön gezeichnet. Jede hat ihre eigene Geschichte, die man im Laufe der Zeit erfährt. Worum es im Streit ging, erfährt man sehr spät – und dann ist es für meinen Geschmack tatsächlich ein lächerlicher Grund, sich komplett zu zerstreiten und dann gleich alle Vier. Doch kann ich akzeptieren, dass die Vier eben anders dachten und handelten, als ich es tat – denn sicher habe ich das eine oder andere Mal gar nicht so anders gehandelt. Genau darum geht es: „Drei Frauen am See“ bringt den Leser oder Hörer dazu, auf sich selbst zu sehen und zu überlegen, wo und wann man selbst ähnlich „dumm“ gehandelt hat.

Das Zuhören ist sehr kurzweilig, obwohl Anneke Kim Sarnau für meinen Geschmack so spricht, als würde sie einem Kind ein Märchen vorlesen. Die Betonung ist schön, aber für einen Roman für mich fremd und unpassend. Insgesamt aber habe ich ihr gern zugehört, da ihre Stimme sehr angenehm ist.

Dora Heldt zeigt einfühlsam und mit einer großartigen Geschichte, dass es immer gut ist, eine Sache auch mal von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten und die eigenen Überlegungen und Rückschlüsse zu Ereignissen nicht als Fakten und unumstößlich zu sehen.

Ich hatte sehr schöne Hörstunden – insgesamt mehr als siebeneinhalb. Von mir gibt es vier Sterne.

Bewertung vom 11.01.2019
Absolute Gewinner
Scheuring, Christoph

Absolute Gewinner


ausgezeichnet

Ein Team ist so stark, wie sein Zusammenhalt

Luca ist ein Einzelgänger und liebt es, auf dem „Günni“, dem Basketballplatz seiner Schule, Moves zu üben und Bälle zu werfen. Als eines Tages der Hausmeister auf die Idee kommt, ihn und weitere Kids als Team zu trainieren und beim „Night Move“ mitzumachen, glaubt Luca, dass das eine verrückte Idee ist und niemals funktionieren kann. Aber er lässt sich auf das Abenteuer ein, da Jana auch im Team ist und er sie sehr mag. Kurz vor einem wichtigen Spiel verschwindet der Trainer und die Kids müssen, um weiterzukommen, eine Lösung finden. Doch dann kommt alles anders, als sie je gedacht hätten …

Wer weder Interesse noch auch nur ein klein wenig Ahnung von Basketball hat, wird über ein paar Begriffe stolpern und manche Stellen nicht so ganz verstehen, wenn es um Spielzüge und Taktiken geht. Doch ich vermute, damit tun sich Erwachsene wohl schwerer, als die eigentliche Zielgruppe der Leser zwischen 12 und 15 Jahren. Als Kind und Teenager habe ich auch viel Zeit auf dem Basketballplatz verbracht, aber seither sind so einige Jährchen ins Land gezogen. Trotzdem – das Buch hat mich problemlos zurückgebeamt und ich stand mit Luca, Jana, Heinrich und den anderen auf dem Platz.

Zu Beginn ist es eine leicht ironische Geschichte über das Teenager-Sein an einer Schule, mit all den Gedanken und Problemen, die man in dieser Zeit so hat. Hier plätschert es so vor sich hin. Nicht uninteressant, aber auch nicht besonders spannend. Das ändert sich dann aber, sobald die Kids auf dem Platz sind. Eine Handvoll Einzelgänger, die sich mehr oder weniger selbst als Außenseiter und Loser sehen, treffen aufeinander und erkennen, dass im Grunde alle ganz ähnliche Probleme haben. Sie wachsen immer mehr zusammen, respektieren aber auch Regeln und Abstände. Das ist nicht zuletzt ihrem Trainer zuzuschreiben, der, das merkt man recht schnell, eine besondere Rolle einnimmt. Wie besonders, kommt erst spät zum Tragen, dafür aber umso effektvoller.

Die Sprache, die Scheuring Luca, dem Ich-Erzähler, gibt, ist altersgemäß. Ich musste oft schmunzeln, wenn Einschübe kamen, wie „Sag ich jetzt mal so.“. Ich empfand nichts als extrem übertrieben, sondern alles recht realitätsnah. So geschrieben, dass die Zielgruppe Spaß daran hat, aber eben nicht hanebüchen.

Gut gelungen ist auch, wie der Autor die Kriege in und um Jugoslawien bzw. Kroatien, Serbien und Bosnien eingebaut und beschrieben hat. Hier wird den Kids gut und angepasst vor Augen geführt, was Kriege bedeuten und bewirken. Das recht kurz und knapp, aber auch ohne erhobenem Zeigefinger – die Kids kommen ganz allein drauf, was das heißt.

Ein klein wenig Krimi plus „Emil und die Detektive“ in modern kommen noch obendrauf. Es macht also wirklich riesig Spaß und wird nie langweilig. Der Wert von Freundschaft, Ehrlichkeit, Treue, Zusammenhalt kommt klar raus. Gefällt mir. Gefällt mir außerordentlich gut. Deshalb gibt das dann in Konsequenz auch fünf Sterne!

Bewertung vom 09.01.2019
Kleine Fluchten
Moyes, Jojo

Kleine Fluchten


ausgezeichnet

Neun kleine Mutmacher

Mit ihren Romanen hat sie mich für sich gewonnen, wenn ich auch mit jedem weiteren ein wenig von der Begeisterung, die „Ein ganzes halbes Jahr“ auslöste, verloren habe. Deshalb war ich neugierig, wie diese Autorin Kurzgeschichten hinbekommt. Ich bin beeindruckt! Nicht alle fand ich total gelungen, aber die meisten haben mich doch gerührt oder zum Lachen gebracht oder einfach nur zum Nachdenken angeregt.

Alle neun Geschichten sind total unterschiedlich. Da ist keine Ähnlichkeit, nicht die geringste. Das ist schon mal ein Pluspunkt! Die Frauen in diesen Geschichten sind alle komplett neu gezeichnete Figuren. Keine davon ist „alltäglich“, jede auf ihre Art und Weise ganz besonders. Was sie verbindet, ist, dass jede etwas erhofft oder erwünscht. Alle jedoch etwas anderes und aus anderen Gründen. Bunt, wie das wahre Leben.

Auch gefällt mir, dass all diese Geschichten tatsächlich genau so hätten geschehen sein können. Da ist nichts total übertrieben oder unrealistisch, selbst bei den überraschendsten Wendungen nicht. Zu jeder Geschichte bekommt der Leser eine Illustration von Daniela Terrazzini im Stil von Scherenschnitten, aber mit ein wenig Farbe als Highlight. Das gefällt mir sehr – so hat man ein gewisses Bild, aber noch Raum für die eigene Fantasie. Auch wenn es für die Geschichten recht unwichtig sein mag – ganz besonders bewegt mich der Vogel am Anfang des Buches im Hinblick auf die allerletzte Illustration im Buch. Da mag ich nicht mehr verraten, aber im Grunde ergeben diese beiden Bilder eine sehr gute Beschreibung des ganzen Buches.

Man könnte die Geschichten als klischeehaft bezeichnen. Aber in meinen Augen sind sie das nicht wirklich. Sie machen Mut, sie zeigen, dass „jeder sein Päckchen zu tragen hat“ und sie zeigen, wie es gehen könnte – oder eben auch nicht, denn am Ende entscheidet der Leser ja, wie er das findet, was er gerade gelesen hat.

Auch wenn mir ein, zwei Geschichten nicht so gut gefallen haben, ist das Büchlein insgesamt wunderbar. Deshalb bekommt es trotzdem die vollen fünf Sterne.