Cryptos - Poznanski, Ursula
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Wohin gehen wir, wenn wir nirgendwo mehr hinkönnen?
Kerrybrook ist Janas Lieblingswelt: Ein idyllisches Fischerdorf mit viel Grün und geduckten Häuschen. Es gibt Schafe, gemütliche Pubs und vom Meer her weht ein kühler Wind. Manchmal lässt Jana es regnen. Meistens dann, wenn es an ihrem Arbeitsplatz mal wieder so heiß ist, dass man kaum mehr atmen kann. Jana ist Weltendesignerin. An ihrer Designstation entstehen alternative Realitäten, die sich so echt anfühlen wie das reale Leben: Fantasyländer, Urzeitkontinente, längst zerstörte Städte. Aber dann passiert ausgerechnet in Kerrybrook, der…mehr

Produktbeschreibung
Wohin gehen wir, wenn wir nirgendwo mehr hinkönnen?

Kerrybrook ist Janas Lieblingswelt: Ein idyllisches Fischerdorf mit viel Grün und geduckten Häuschen. Es gibt Schafe, gemütliche Pubs und vom Meer her weht ein kühler Wind. Manchmal lässt Jana es regnen. Meistens dann, wenn es an ihrem Arbeitsplatz mal wieder so heiß ist, dass man kaum mehr atmen kann.
Jana ist Weltendesignerin. An ihrer Designstation entstehen alternative Realitäten, die sich so echt anfühlen wie das reale Leben: Fantasyländer, Urzeitkontinente, längst zerstörte Städte. Aber dann passiert ausgerechnet in Kerrybrook, der friedlichsten Welt von allen, ein spektakuläres Verbrechen. Und Jana ist gezwungen zu handeln ...

Extrem spannend - beklemmend aktuell!

Nach Erebos und Erebos 2 erzählt Bestseller-Autorin Ursula Poznanski nun von einer Wirklichkeit, in der das Klimasystem bereits gekippt ist, und für die meisten Menschen nur die Flucht ins Virtuelle bleibt. Ein Thriller der Extraklasseaus dem Bereich der Climate Fiction über eine Welt, die dem Klimawandel erlegen ist.
  • Produktdetails
  • Verlag: (Loewe Verlag)
  • Seitenzahl: 443
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Erscheinungstermin: 12. August 2020
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 142mm x 43mm
  • Gewicht: 679g
  • ISBN-13: 9783743200500
  • ISBN-10: 3743200503
  • Artikelnr.: 59417732
Autorenporträt
Poznanski, UrsulaUrsula Poznanski ist eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Jugendbuchautorinnen. Ihr Debüt Erebos, erschienen 2010, erhielt zahlreiche Auszeichnungen (u. a. den Deutschen Jugendliteraturpreis) und machte die Autorin international bekannt. Inzwischen schreibt sie auch Thriller für Erwachsene, die genauso regelmäßig auf den Bestsellerlisten zu finden sind wie ihre Jugendbücher. Sie lebt mit ihrer Familie im Süden von Wien. Hier geht es zur Webseite von Ursula Poznanski: www.ursula-poznanski.de
Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 18.08.2020

Vorsicht, Weltwechsel

Ursula Poznanskis Thriller "Cryptos" entwirft eine Zukunft, in der sich die Menschheit von einer zerstörten Erde ins ständige Computerspiel flüchtet. Doch nicht nur junge Leser des Romans müssen sich fragen, was uns blüht, wenn wir auf diese Weise die Kontrolle über unser Leben abgeben.

Ist das eigentlich vorstellbar, die Umkehrung der lebensweltlichen Anteile von Realität - oder zumindest dem, worauf sich, so hofft man, immer noch ein Großteil der Menschheit einigen kann - und Virtualität? Dass der Mensch also mehr als zwanzig Stunden seines Lebens in Welten verbringt, deren Wirklichkeit sich größtenteils dadurch auszeichnet, dass sie besser oder extremer ist als die eigentliche; so ganz praktisch und real?

Vorstellbar - das bekommen die Bewohner des sogenannten postfaktischen Zeitalters immer stärker auch in seiner dunkelsten Ausprägung zu spüren - ist eben alles. Und dass sich die Fluchtpunkte von Menschen, ihren Gedanken, ihren Debatten, ihrem Zorn und ihren Ängsten schon zu einem stetig steigenden Anteil in virtuelle (nicht zwangsläufig immer digitale) Räume verlagert haben, kann jeder Mensch mit einem internetfähigen Gerät und etwas Abstand leicht bemerken. Die Unterschiede der Berührungspunkte zwischen Mensch und Virtualität liegen oft allein im Grad der Immersion.

Die Umfänglichkeit dieses Eintauchens reicht vom gedanklichen Streifen eines Werbebanners im Internet bis hin zum stundenlangen Versinken in beinahe fotorealistischen Videospielwelten, die vor Interaktionsmöglichkeiten fast bersten und viele Areale des menschlichen Gehirns gleichzeitig ansprechen. Entscheidend ist: Noch hat der Mensch eine Wahl, ob er sich diesem Weltwechsel unterziehen will.

In Ursula Poznanskis Jugend-Thriller "Cryptos" hat die beschriebene Umkehrung etwa achtzig Jahre in der Zukunft bereits stattgefunden: Menschen fristen ihr Leben in Kapseln, die in Wohndepots in kargen Zellen stehen. Über spezielle Anzüge und Masken, die Körperempfindungen simulieren, den Körper automatisch versorgen und dessen Abfallprodukte abführen, sind die Menschen mit virtuellen Welten verbunden, in denen sie aufwachsen, lernen, lieben, abschalten. Doch keine virtuelle Welt ohne Wettbewerb: Man kann an Spielen, Rätseln oder Schnitzeljagden teilnehmen, um Geld (jede Welt hat ihre eigene Währung) für Aussehensveränderungen oder weitere Zugangspässe für andere, bessere Welten zu erwerben. Einmal am Tag, meist nachdem man in der jeweiligen Welt eingeschlafen ist, legt man einen "Realitätsstop" ein. Man wacht dann in der Wirklichkeit auf, vertritt sich die Beine, schaudert vermutlich ob ihrer Trostlosigkeit und begibt sich schleunigst wieder zurück.

All das hat einen sehr realen Vorteil: Ein Mensch, der sich in derartiger Stasis befindet, verbraucht wenig Energie, Wasser und Nahrung. Was so eingespart wird, wiegt wohl den Energieverbrauch durch all die benötigte Technik wieder auf. Überlebenswichtige Ressourcen sind in Poznanskis Zukunft knapp. In ihr hat die Klimakatastrophe bereits stattgefunden. Zwar ist auf Entwicklungs- und Versorgungsebene das meiste automatisiert - doch die Folgen der Erdüberhitzung, Extremwetterlagen und deren Auswirkung auf Landwirtschaft und Verkehr, machen ein Leben "draußen" unerquicklich bis tödlich. Anstatt Regierungen herrschen Konzerne, die die Menschen mit dem Nötigsten versorgen. Wer brav drinnen bleibt, bekommt in der Realität "Klimapunkte", die es ihm erlauben, Dinge zu erwerben, die plötzlich als Luxus betrachtet werden - Eiswürfel zum Beispiel.

Dass auch die virtuellen Welten lebensgefährlich sein können, erfährt eine junge Frau namens Jana Pasco bald am eigenen Leib. Für den mächtigen Weltenschmiede-Konzern "Mastermind" erschafft die talentierte Designerin Welten: ein idyllisches irisches Dorf ("Kerrybrook"), eine Dinosaurierwelt zur Kreidezeit ("Cretaceous") oder die Fantasy-Welt "Macandor", bevölkert von Gornaks, Sylphiden und Dunkelelfen.

In ihnen kommt es seit kurzem regelmäßig zu Unregelmäßigkeiten. Nutzer verschwinden, andere werden umgebracht. Normalerweise ist das kein Problem. Wer virtuell stirbt, wacht in seiner Kapsel wieder auf, muss eine halbe Stunde pausieren und kann bald wieder abtauchen. Nun aber kommen die Leute nicht zurück. Natürlich geht Jana der Sache auf den Grund. Natürlich macht ihr das Unternehmen Druck. Und natürlich wird es höchst bedrohlich.

Denn bald muss auch Jana feststellen, dass sie im Falle ihres virtuellen Ablebens oder aber Ausstiegs via verstecktem "Exit"-Punkt nicht mehr in die Realität zurückfindet.

Videospiele und virtuelle Welten sind für die Schriftstellerin Ursula Poznanski nicht irgendein Modethema. Bereits 2010 hatte sie mit ihren Roman "Erebos" eine große Leserschaft erworben. Er erzählt von Nick, der in ein ausgetüfteltes Computerspiel abtaucht, das nicht im kommerziellen Handel verfügbar ist. Dort muss er Aufträge ausführen, die auch sein reales Leben und das seiner Nächsten in Gefahr bringen. So hat sich die Autorin immer wieder literarisch mit Technikfolgenabschätzung aktueller Kommunikationsmittel beschäftigt, weiter gedacht und in Szenarien eingebettet, die zwar nicht neu, aber durch die Art ihrer Erzählung oft überraschend sind.

Ihr Kniff, nach einer Klimakatastrophe nicht die überhitzte Welt, sondern das menschliche Leben einzufrieren, ist schlüssig, weil sich der Trend, der jedem Menschen seine persönliche Wunschwelt verspricht, längst bildgewaltig auf den heimischen Bildschirmen abzeichnet. Man muss dazu nicht zwangsläufig Videospiele heranziehen - es reicht ein Blick in einschlägige Foren, Manifeste von Radikalen aller Couleur oder gewisse Staatsoberhäupter dies- oder jenseits des Atlantiks.

Doch eignen sich ihre Spielwelten bestens, um diesen Trend zu illustrieren. Abgesehen von allerlei Retro-Design, vor allem bei kleinen, unabhängigen Studios, wird die Bestrebung, möglichst realistische Welten zu schaffen, in der auch Dinge wie Energie- und Zielanzeigen die Immersion möglichst nicht stören, immer augenfälliger. Die Serie "Westworld" (seit 2016, nach dem gleichnamigen Film von 1973) nahm das vorweg, wenngleich sie dafür beängstigend reale Vergnügungsparks schuf, die den wilden Westen nachahmten oder das feudale Japan. Beide Proto-Vergnügungswelten finden wir auch in den jüngsten und sehr erfolgreichen Hochglanz-Videospielen: "Red Dead Redemption II" und "Ghost of Tsushima". In "The Last of Us Part II" findet man sich in einer Art Zombie-Apokalypse wieder. Im Herbst soll die offen begehbare Zukunftswelt von "Night City" im von der Gamer-Gemeinschaft ersehnten "Cyberpunk 2077" dazukommen. Der Bau künstlicher Ersatzwelten ist längst in vollem Gange - ihre Vorreiter waren sogenannte "Massively Multiplayer Online Role-Playing Games", denen Titel wie Blizzards "World of Warcraft" endgültig zum Durchbruch verhalfen. Heute haben die Spiele schlicht mehr virtuellen Zuckerguss auf ihrer Oberfläche.

Auf Zuckerguss und Schnörkel verzichtet Poznanski in ihrer klaren Sprache und Erzählstruktur. Und "Cryptos" fügt dem Themenspektrum der Computerspiele etwas entscheidend Neues hinzu: Es geht um die Menschwerdung von geringeren Göttern - wenn man Weltenschöpfung als hinreichendes Kriterium für eine Definition des Göttlichen betrachten darf. Und es geht darum, was passiert, wenn die erschaffenen Welten plötzlich ein Eigenleben beginnen, das sich der Kontrolle ihres Schöpfers entzieht. Auf der geschickt eingezogenen Metaebene spricht Poznanski damit auch über sich selbst - als Autorin, Weltenschöpferin, angreifbare Göttin.

Der erste, völlig harmlos wirkende Satz - "Heute lasse ich in Kerrybrook die Sonne scheinen" - ist deshalb umso raffinierter. Er vermittelt einen Eindruck jener Macht und jener Unantastbarkeit, von denen menschliche Weltenschöpfer nur allzu gut wissen, dass auch sie letztlich Illusion sind. Hoffen wir, dass dieser Text nicht schon längst aus einer jener dunklen Kapseln stammt.

AXEL WEIDEMANN

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Fritz Göttler streift gerne durch die Welten, die Ursula Poznanski in ihrem Sci-Fi-Roman entwirft. In ihrem Zukunftsszenario leben Menschen nur noch in Kapseln, um ewig von einer imaginär erschaffenen Welt zur nächsten zu springen - bis auf einmal der Tod Einzug hält und die Protagonistin und Weltendesignerin Jana misstrauisch wird. "Radikal" stelle die Autorin hier den alten Gegensatz von wahrem und falschem Leben auf den Kopf, meint der Rezensent und lobt Poznanskis "virtuoses" und "irrwitziges" Spiel mit den Welten. Auch vergangene Zeiten wie das Hippie-Leben der 60er und 70er Jahre sind darunter, an die sich Göttler gern erinnert.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 28.08.2020

Der Tod ist
keine Illusion
Ursula Poznanski führt uns in
ihrem SF-Roman nach „Cryptos“
Die Namen sind Programm, Cretaceous, SeaMe, Tjost, Macandor, teilweise inspiriert von aktuellen Rollenspielen im Internet. Es sind Namen von künstlichen, alternativen Welten, die eine kindlich wunderliche Mischung aus Angst und Staunen verheißen, in denen die Menschen in Zukunft verweilen dürfen, wenn sie die entsprechenden Zugangspässe haben. Auch alte, längst untergegangene Städte sind dabei, rekonstruiert, Venedig oder Mumbai oder London, im Jahr 1622. Alles rein imaginär, in Wirklichkeit liegen die Menschen – man kennt das aus den Matrix-Filmen – in Kapseln, die sie nur kurz, für Realitätsstopps, verlassen. Die alte Konfrontation vom falschen und wahren Leben stellt Ursula Poznanski radikal auf den Kopf in ihrem neuen Roman „Cryptos“.
Die idyllischste dieser zahllosen Kunstwelten ist Kerrybrook, für Jana Pasco jedenfalls. Irisch grüne Wiesen, geduckte Häuschen, eine Burgruine, grasende Schafe, Pubs, vom Meer her der Geruch nach Salz und Seetang ... Jana ist stolz auf Kerrybrook, sie hat diese Welt nämlich geschaffen. Sie ist Weltendesignerin, eine von vielen, angestellt beim Großunternehmen Mastermind. Als Schöpferin ist sie auch verantwortlich für ihre Welt, deshalb muss sie nun herauskriegen, was es mit den Merkwürdigkeiten dort auf sich hat. Bewohner sind plötzlich verschwunden, ein Fischer, klettert auf die Reling seines roten Bootes, springt ins Wasser, geht unter und taucht nicht wieder auf. In einer Gasse vor dem Rathaus kriecht eine Frau über das Pflaster, sie hat ein Messer im Rücken.
Normalerweise ist auch das Sterben nichts Endgültiges in der Welt der Spiele, es bedeutet einfach eine Rückkehr in die Realität und kurz darauf den Transfer in eine neue Welt. Aber nun gibt es ,tödliche‘ Todesfälle der Tod ist keine Illusion mehr – was, wie Jana erkennen muss, mit der Politik von Mastermind zu tun hat. Die größte imaginäre Freiheit wird aufrechterhalten durch radikale Überwachung und Kontrolle. Eine Spaßdiktatur. Nach gefährlichen Irrwegen landet sie mitten im Herzen des Widerstands gegen Mastermind, in der ganz besonderen Welt von Cryptos.
Die Welt ist heruntergewirtschaftet, das Klima, die Ernährung, die Luft. Das ,Leben‘ in den Kapseln und imaginären Welten ist ökologisch begründet, ist einfach billiger und ressourcenschonend. Nur ein paar müssen Menschen die notwendigen Arbeiten in der realen Welt erledigen. Und die Zahl der Gesamtbevölkerung wird problematisch ...
Auf einer fantastischen tour de force, in einem irrwitzigen Wechsel der Welten, wie Ursula Poznanski ihn virtuos beherrscht, wird Jana, als sie ihren Designerstuhl verlässt, mit Elfen und Sylphiden (aber auch Gornaks) konfrontiert, mit T-Rex, Iguanodon, Triceratops., sie in Trokar, der Strafkolonie, mit ihren grausamen Menschenjagden. Und am Ende in der Welt, die über die Zukunft der Menschheit entscheiden wird, Minus3.
Und manchmal ist da auch eine Nacht in einer Welt, an die wir uns nostalgisch erinnern dürfen – das Hippie-Strandleben der Sechziger und Siebziger, in SeaMe, Lagerfeuer, Grillen, Gitarrespiel. Ein Lied, das Jana nicht kennt, „über ein Mädchen namens Michelle, der Text ist teils englisch, teils französisch“.
FRITZ GÖTTLER
Ursula Poznanski: Cryptos. Thriller. Loewe Verlag, Bindlach 2020. 345 Seiten, 11,95 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
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