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Benutzername: Tintenwelten
Danksagungen: 7 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 183 Bewertungen
Bewertung vom 05.04.2021
Fly & Forget / Soho-Love Bd.1
Tramountani, Nena

Fly & Forget / Soho-Love Bd.1


sehr gut

Journalismus-Studentin Liv ist nach der Trennung von ihrem Freund am Boden zerstört. Unverhofft findet sie schnell ein bezahlbares Zimmer in einer WG. Doch der Schock ist groß als sich der einzige männliche Mitbewohner als ihr ehemals bester Freund Noah erweist. Dieser hat sie während der schwersten Zeit ihres Lebens fallen gelassen und seit dem herrscht Funkstille zwischen ihnen. Jetzt erkennt sie ihn kaum wieder: aus dem sanften und einfühlsamen Jungen von früher ist zwar ein attraktiver, aber leider auch arroganter und unausstehlicher Herzensbrecher geworden. Schon bald bietet sich Liv die Gelegenheit sich für den vergangenen Schmerz zu rächen: sie schreibt an einem Artikel, in dem es darum geht wie man einen Aufreißer mit seinen eigenen Waffen bekehren kann. Wer wäre da besser als Testobjekt geeignet als Noah? Bei ihrem Vorhaben hat sie allerdings ihre jahrelang sorgsam unterdrückten Gefühle außer Acht gelassen.

Die Perspektive wechselt immer wieder zwischen Liv und Noah. Ich konnte mich zwar gut in ihre Gedanken- und Gefühlswelt hineinversetzen, hätte beide aber auch gerne regelmäßig geschüttelt. Viele Probleme hätten sich relativ einfach lösen lassen, aber dann hätte es natürlich auch keine spannende Handlung gegeben xD. "Fly & Forget" war also dementsprechend emotional und teilweise ziemlich tragisch. Dennoch muss ich sagen, dass sowohl einige Konflikte sowie die finale Auflösung der "Geheimnisse" für mich nicht so unerwartet kamen, ich habe mir ziemlich schnell sowas in der Richtung denken können.

Neben den beiden Protagonisten habe ich auch besonders Livs neue Mitbewohnerinnen Matilda und Briony ins Herz geschlossen. Beide waren super sympathisch, sehr unterschiedlich und dennoch ein tolles Gespann. Zusammen mit Noahs bestem Freund Anthony haben sie das Buch auf jeden Fall bereichert. Sie bekommen in Zukunft auch jede ihre eigene Geschichten, die schon ordentlich angeteasert wurden und auf die ich schon sehr gespannt bin.

Bewertung vom 02.04.2021
Das Leben ist zu kurz für irgendwann
Geraghty, Ciara

Das Leben ist zu kurz für irgendwann


sehr gut

Terry und Iris sind beste Freundinnen und würden alles füreinander tun. Doch Iris ist krank, sie leidet unter Multipler Sklerose. Heimlich macht sie sich auf den Weg in die Schweiz um dort Sterbehilfe zu erhalten. Als Terry unerwartet und unverhofft davon erfährt, lässt sie alles stehen und liegen und reist ihr hinterher. Nicht etwa, um ihr beizustehen, sondern um Iris umzustimmen. Mit im Schlepptau hat sie dabei ihren dementen Vater. So startet das ungleiche, aber nicht minder sympathische Dreiergespann einen Roadtrip durch England und Frankreich in die Schweiz. Während Iris sich von ihrem Leben zu verabschieden versucht, findet Terry in eben jenes zurück.

Als sie von Iris Vorhaben erfährt, ist Terry am Boden zerstört, sie kann und will nicht verstehen oder akzeptieren, dass sie sich selber das Leben nehmen will. Schließlich ist Iris ihre einzige Freundin und die stärkste Frau, die sie kennt. Diese steht mitten im Leben und weiß immer was sie will. Doch Iris hat ihren Plan lange durchdacht und möchte ihn unbedingt jetzt in die Tat umsetzen wo sie noch frei entscheiden kann. Auch wenn es ihr noch verhältnismäßig gut geht, so weiß sie doch, was mit MS in der Zukunft auf sie zu kommt und möchte dies weder sich selbst, noch anderen zumuten.

"Das Leben ist zu kurz für irgendwann" ist aus Terrys Sicht geschrieben. Mit ihrem Verhalten bricht sie aus ihrem alten Leben aus, was völlig untypisch für sie ist. Sie ist Hausfrau und Mutter zweier mittlerweile erwachsener Töchter. Sie kümmert sich stets darum, dass es allen gut geht und macht sich um alles und jeden Sorgen. Sie wird von Ängsten geplagt, die sie oft völlig einengen. Neben all dem Kümmern, Sorgen und Ängstigen vergisst sie meistens sich selber und das, was ihr gut tut. Auf dem Roadtrip denkt sie plötzlich über ihre Ehe, ihre Kinder und sich selber nach. Ihr wird klar, was für ein Leben sie momentan führt und dass es sie gar nicht wirklich ausfüllt. Letztendlich wächst sie über sich hinaus und so werden die Tage, die die schlimmsten ihres Lebens hätten werden können, ihre besten.

Es ist eine Geschichte über Freundschaft und darüber wie kostbar das Leben und jeder einzelne Augenblick ist. Man sollte es niemals auf irgendwann verschieben, sondern jeden Moment genießen und das tun, was einen glücklich macht. Es geht aber auch ums Abschied nehmen, um Krankheiten wie MS und Demenz. Dementsprechend ist sie traurig, tragisch, emotional, mitreißend und bewegend. Doch es gibt auch humorvolle und schöne Momente. Denn man bemerkt sofort die tiefe Verbundenheit zwischen Iris und Terry sowie die innige Beziehung zwischen Terry und ihrem Vater. Der Umgang miteinander ist wunderbar liebevoll.

Das Buch spricht wichtige und ernste Themen des Lebens an und bringt den Leser damit zum Nachdenken. Es hinterlässt dabei sowohl ein lachendes als auch ein weinendes Auge.

Bewertung vom 14.03.2021
Das Lied der Nacht / Die Wayfarer-Saga Bd.1
Bernard, C. E.

Das Lied der Nacht / Die Wayfarer-Saga Bd.1


ausgezeichnet

Der Wanderer Weyd lebt mit seinen Gefährten in einer Welt, in der nachts Licht und Geräusche verboten sind, denn die Schatten haben Gestalt angenommen und metzeln alles nieder, was sich nach Sonnenuntergang bewegt. Die Frage ist wo sie herkommen und wie man sie bekämpfen kann, denn ansonsten droht der Untergang der Menschheit.

Es handelt sich hier um einen allwissenden Erzähler, eine Art Geschichtenerzähler, der über die Gefährten, deren Widersacher und die Gefahr, die von den Schatten ausgeht sowie das Schicksal der Menschen berichtet. Es ist ein ganz besonderer, metaphorischer und bildgewaltiger Schreibstil, der mich sofort in seinen Bann gezogen hat und dafür gesorgt hat, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte. Teilweise kommt die Handlung auch sehr blutig und brutal daher und ist demnach nichts für schwache Nerven.

Wir treffen hier auf eine Vielzahl an Charakteren, die allesamt spannend ausgearbeitet wurden und über die man mal mehr, mal weniger erfährt. Auf der einen Seite der Wanderer Weyd, der viel gereist ist und überall auf der Welt bekannt ist. Er ist stets bemüht die zu schützen, die er liebt. Allen voran die Bardin Caer, in die er heimlich verliebt ist. Diese Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit, aber beide trauen sich nicht, sich ihre Gefühle zu gestehen. Ihnen zur Seite stehen eine ehemalige Seefahrerin, ein alter Mann, der mit Tieren sprechen kann, ein Fuchs, der nichts lieber tut als sich den Bauch vollzuschlagen und noch viele mehr. Es gibt hier sogar Menschen, welche die Sprache des Wassers oder des Feuers beherrschen, mit deren Hilfe die Elemente beeinflusst werden können. Es ist dementsprechend eine phantastische und magische Welt, die einige Überraschungen bereit hält. Die Atmosphäre ist ziemlich düster, bedrückend und bedrohlich.

Eine weitere Besonderheit sind die Zusatzinhalte auf die man über eine App zugreifen kann. Scannt man das Cover oder bestimmte Illustrationen gibt es noch einiges zu entdecken - coole Idee und Umsetzung!

C. E. Bernard hat mit "Das Lied der Nacht" einen grandiosen Auftakt geschaffen, der durch einen wahnsinnig tollen und einnehmenden Schreibstil, interessante und vielschichtige Charaktere sowie eine umfangreiche Handlung und ein komplexes Worldbuilding besticht. Spannung pur, die düstere Atmosphäre, die sehr detailreichen und teilweise nervenaufreibenden Beschreibungen haben mich begeistert!

Bewertung vom 12.02.2021
Voll relativ! Der Tag, an dem die Zeit verschwand
Braun, Anastasia

Voll relativ! Der Tag, an dem die Zeit verschwand


ausgezeichnet

In Schnellbach verschwinden über Nacht sämtliche Uhren. Die Kinder finden das zunächst überhaupt nicht schlimm, schließlich werden damit Sprüche wie „Beeil dich endlich mal, wir kommen zu spät!“ hinfällig. Im Gegensatz zu ihren Sprösslingen verhalten sich die Erwachsenen jedoch seltsam, sie scheinen völlig übergeschnappt zu sein. Max Vater sitzt beispielsweise nur in Boxershorts am Tisch und starrt die Wand an, Elli bekommt Kaffee anstatt Kakao zum Frühstück und Basti wird ein alter Pantoffel in die Brotdose gepackt. So wird den Kindern trotz unerwartetem schulfrei doch etwas mulmig zu Mute und schnell wird klar: ohne Erwachsene läuft nichts in Schnellbach! Professor Albert Einstock ist der Einzige, der noch bei Verstand zu sein scheint und so bitten die Freunde ihn um Hilfe.

"Voll relativ! Der Tag, an dem die Zeit verschwand" ist ein phantasievolles, irrwitziges und kurzweiliges Zeitreiseabenteuer, das nicht nur Spaß macht, sondern auch lehrreich ist und wichtige Werte vermittelt.

Erzählt wird aus der Sicht von Max, der schon beim Aufwachen bemerkt, das irgendwas anders ist. Wir lernen aber auch seine besten Freunde kennen, ebenso wie Klassenrüpel Konstantin und Professor Albert Einstock. Sämtliche Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und harmonieren gut miteinander. Auch die Beschreibungen der verrückt gewordenen Erwachsenen waren ziemlich amüsant.

Besonders erwähnenswert sind aber sowohl das Cover als auch die zahlreichen Illustrationen im Buch selber. Auch diese stammen aus der Feder der Autorin und wurden allesamt liebevoll und detailliert gezeichnet. Die Kombination ist toll: kurze Kapitel und altersgerechte Sprache, die für einen guten Lesefluss sorgen sowie einige wirklich witzige und kluge Wortspiele. Diese sorgen dafür, dass man die Geschichte in einem Rutsch durchlesen kann und möchte.

Doch neben dem unterhaltenden Aspekten, ist sie auch ziemlich lehrreich: so wird die Relativitätstheorie auf kindgerechte Art und Weise aufgegriffen, die Frage aufgeworfen wie und vor allem wie sinnvoll wir unsere Zeit nutzen. Aber auch Werte wie Freundschaft und Zusammenhalt spielen eine große Rolle. Nicht nur lesenswert für Kinder, sondern auch Erwachsene werden auf ihre Kosten kommen.

Bewertung vom 27.01.2021
Der Buchspazierer
Henn, Carsten

Der Buchspazierer


ausgezeichnet

Carl ist Buchhändler aus Leidenschaft. Geschichten begleiten ihn schon sein Leben lang und so hat er es sich zur Aufgabe gemacht seinen Kunden nach Geschäftsschluss ihre bestellten Bücher auch nach Hause zu liefern. Für ihn ist diese Runde durch seine Heimatstadt und der Besuch dieser besonderen Kunden das Highlight des Tages und seine wichtigste Verbindung zur Welt. Doch eines Tages wird seine jahrelang ausgefeilte Routine durch die neunjährige Schascha gestört. Als er dann auch noch überraschend seine Anstellung verliert, ist das Chaos unabwendbar.

„Der Buchspazierer“ ist eine unglaublich tolle Geschichte über die Liebe zu Büchern und damit ein absolutes Muss für jeden Bücherwurm! Wir lernen dort unfassbar liebenswerte Personen kennen, die alle einen unterschiedlichen und spannenden Hintergrund haben. Carl hat es sich angewöhnt die Menschen als Buchcharaktere zu sehen, so besucht er auf seinem täglichen Spaziergang beispielsweise Mr. Darcy oder auch Pippi Langstrumpf. Man merkt schon: es gibt viele Bezüge zu Klassikern, aber auch zu neueren Büchern.

Außerdem wird auch das Alt- und (nicht mehr) gebraucht werden thematisiert, was bei mir teilweise echt für einen Kloß im Hals gesorgt hat. Dementsprechend ist das Buch ziemlich emotional, aber auch herzerwärmend und lässt einen oft schmunzeln. Grade Carl und Schascha sind ein tolles Gespann

Bewertung vom 18.01.2021
Der Zwillingscode
Ruile, Margit

Der Zwillingscode


sehr gut

Der 17-jährige Vincent ist eine Doppel-C-Seele und sein Sozialpunkte-Konto ist erschreckend gering. Er gehört damit der Unterschicht an und wird nie studieren oder in Wohlstand leben können. Aufgrund mangelnder Alternativen repariert er illegalerweise die mechanischen Haustiere der Firma Copypet. Eines Tages bringt eine alte Dame ihm eine Katze zur Reparatur und wirft bei Vincent einige Fragen auf, die ihn Nachforschungen über den Tod seiner Mutter unternehmen lassen und ihn letztendlich in die sogenannte „Simulation“ führen. Dies ist eine virtuelle Welt, die unserer nahezu komplett gleicht und in der alle Gegenstände ihr digitales Leben führen. In dieser Parallelwelt ist ein Code versteckt, den Vincent unbedingt finden muss, denn davon hängt das Schicksal der Menschheit ab.

Zukunftstechnologien, künstliche Intelligenz, mechanische Haustiere und Roboter - diese Schlagwörter haben direkt meine Aufmerksamkeit erregt und zwar nicht zu Unrecht. Dieses Buch wird Gamern gefallen und solchen, die sich für programmierte Welten oder Simulationen interessieren. Auch Fans von Black Mirror werden auf ihre Kosten kommen, denn „Der Zwillingscode“ zeigt uns ein spannendes und erschreckendes Zukunftsszenario, wie es auch in der beliebten Serie vorkommen könnte.

So wird der Wert eines Menschen anhand seiner Sozialpunkte bestimmt, welche er für angemessenes Verhalten erhält oder ihm durch Fehltritte wieder abgezogen werden. Je mehr Punkte, desto mehr Privilegien erhält der Bürger und verliert diese im Gegenzug natürlich, wenn der Punktestand sinkt. Diese bedauernswerten Seelen haben dann beispielsweise kein Recht auf Schulbildung, leben in Ghettos und sind generell den Launen des Staates ausgesetzt. So ist bei Vincent und seinem Vater auch fraglich, ob sie ihr Haus überhaupt behalten dürfen. Man merkt: der Jugendliche hat es nicht leicht, doch er hat sich mit seinem Schicksal abgefunden. Allerdings nur bis Zweifel am Grund des Todes seiner Mutter aufkommen, da beginnt er zu hinterfragen und den Dingen auf den Grund zu gehen. Dabei erfährt er unglaubliches und erlebt ein Abenteuer, bei dem er über sich selber hinaus wachsen kann.

Zur Seite stehen ihm dabei Quirrin, Delia, Zarah und nicht zuletzt die alte Dame Miss Sartorius selbst. Alle Charaktere finde ich bemerkenswert und spannend. Grade Vincent selbst wirkt ziemlich reif für sein Alter, was wahrscheinlich seinem hartem Leben und bisherigen Erfahrungen geschuldet ist.

Mich hat „Der Zwillingscode“ mit seiner dystopischen und erschreckenden Welt und der darin lebenden Gesellschaft von Anfang an in seinen Bann gezogen. Ich mochte die Idee, deren Umsetzung, die Charaktere sowie die Botschaft dahinter. Die Geschichte ist auf jeden Fall lesenswert, unterhaltend und regt zum Nachdenken an.

Bewertung vom 07.01.2021
Winter in Bloomsbury / Bloomsbury Bd.4
Darling, Annie

Winter in Bloomsbury / Bloomsbury Bd.4


sehr gut

Früher hat Mattie Weihnachten geliebt. Doch dann wurde ihr ausgerechnet zur schönsten Zeit des Jahres das Herz gebrochen. Seit dem ist ihr klar, dass sie die Liebe nie mehr in in ihr Leben lassen will. So steckt sie ihr ganzes Herzblut in ihre Teestube, denn sie liebt es ihre Freunde und ihre Kundschaft mit süßen Köstlichkeiten zu verwöhnen. Doch zur Weihnachtszeit läuft in der angrenzenden Buchhandlung plötzlich alles drunter und drüber und so wird sie mit dem einzigen konfrontiert, was sie neben Weihnachten am meisten aufregt: dem unverschämten, aber leider ebenso attraktiven Buchhändler Tom.

Dies ist der vierte Band, der sich um die Mitarbeiter der Buchhandlung „Happy Ends“ und der angeschlossenen Teestube dreht. Alle Geschichten können separat gelesen werden, man erfährt aber natürlich jeweils grob, wie die Vorgänger ausgegangen sind. Schön finde ich jedoch grade, dass man im Verlauf mitbekommt wie es im Leben von Posy, Verity und Nina weitergeht. Auch der Buchladen spielt wieder eine Rolle, was mir sehr gut gefällt, schließlich habe ich ihn direkt zu Beginn der Reihe in mein Herz geschlossen.

Generell mag ich alle Charaktere. Sie sind auf ihre eigene Art und Weise liebenswürdig, charmant und etwas besonderes. Es ist einfach schön und oft auch ziemlich lustig ihr Untereinander und Miteinander zu beobachten. Obwohl es über viele Seiten ein ewiges Hin und Her sowie Gekabbel zwischen Mattie und Tom war, ging es mir am Ende dann doch tatsächlich ein bisschen zu schnell mit den beiden. Auch Matties Problem, welches sie bereits seit zwei Jahre mit sich schleppt, wurde mir etwas zu einfach abgehandelt, da hätte ich noch mehr erwartet. Die großen Geheimnisse, die bezüglich Tom aufgedeckt wurden, fand ich hingegen ziemlich amüsant und hätte überhaupt nicht damit gerechnet.

Der Schreibstil ist gewohnt locker und leicht. „Winter in Bloomsbury“ vereint die Liebe zu Büchern mit der Leidenschaft für gebackene Köstlichkeiten. Wer auf der Suche nach einer süßen Lovestory ist, die zur Winter- und Weihnachtszeit spielt, wird hier fündig.

Bewertung vom 07.01.2021
Das Winterkarussell
Liebig, Anna

Das Winterkarussell


sehr gut

Nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter findet sich die fünfzehnjährige Antonia bei ihrem Großvater Otto wieder, von dessen Existenz sie bisher noch nicht einmal etwas geahnt hat. Er ist griesgrämig, scheint eher ein Einsiedler zu sein und auch im Ort ist er nicht sonderlich beliebt. Doch dann entdeckt das Mädchen in der Scheune ein altes Karussell und ist völlig verzaubert von dem nostalgischen Fahrgeschäft, welches Otto wie seinen Augapfel hütet.

Erzählt wird in zwei Perspektiven und Zeitsträngen. Einerseits erfährt der Leser die aktuellen Ereignisse aus Antonias Sicht. Den Verlust ihrer Mutter und die damit verbundene Trauer habe ich als sehr bewegend empfunden und konnte mich sehr gut in ihre Gefühlswelt hineinversetzen. Umso schöner war es dann zu sehen, wie Enkelin und Großvater sich langsam annähern.

In Rückblenden ins Jahr 1938 berichtet Otto von seinem Leben als Schausteller des Frankfurter Weihnachtsmarktes, bei dem das Karussell natürlich eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Er spricht von seiner großen Liebe, den Unterschieden und Vorurteilen zwischen armen und reichen Bevölkerungsschichten und letztendlich ist auch der Krieg ein Thema. Nach und nach versteht man, warum aus einem sympathischen, etwas naiven, aber hoffnungsvollen jungen Mann ein derartig ruppiger alter Mann geworden ist. Es ist eine tragische und emotionale Geschichte, die mich sehr berührt hat.

Grade dieser Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart macht den besonderen Reiz des Buches aus. Die jeweiligen Abschnitte enden immer besonders spannend, so dass ich unbedingt wissen wollte wie es weiter geht. Interessant war außerdem das vergangene Frankfurt im Vergleich zur heutigen Stadt kennenzulernen. Ein Großteil der Geschichte spielt auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt, der eine ganz spezielle und feierliche Atmosphäre verbreitet.

Auch die Charaktere konnten mich überzeugen. Neben Antonia und Otto treten noch einige Personen auf, die alle irgendwie charmant, liebenswert und besonders sind. Das Untereinander war einfach schön zu beobachten und erleben. Grade Otto sorgte durch seine verschrobene Art und Weise immer wieder für ein Schmunzeln bei mir.

Zugegeben, das Ende kommt jetzt nicht wirklich unerwartet. Aber insgesamt ist „Das Winterkarussell“ eine mitreißende, schon fast märchenhafte Geschichte, die den winterlichen und weihnachtlichen Zauber einfängt. Eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die erste Liebe, aber eben auch über Verlust und Trauer, verpasste Chancen.

Bewertung vom 15.12.2020
Mookie - Weihnachten mit Schwein
Wohnlich, Laura

Mookie - Weihnachten mit Schwein


sehr gut

Joachim ist am Boden: seit Monaten hockt er zuhause, schlägt die Tage tot und versucht die wirren und ausweglosen Gedanken im Alkohol zu ertränken. Er vernachlässigt Freunde, Familie, die Arbeit und nicht zuletzt sich selbst. Doch am 24. Dezember steht plötzlich ein an ihn adressiertes Paket vor seiner Haustür und darin befindet sich nichts anderes als ein quicklebendiges Schwein. Doch wer würde ihm ein solch ungewöhnliches Haustier schenken? Er begibt sich zusammen mit seinem neuen tierischen Begleiter Mookie auf die Suche nach dem mysteriösen Absender.

Natürlich befindet er sich letztendlich nicht nur auf den Spuren des heimlichen Schenkers, sondern auch auf der Suche nach sich selbst und der Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Dabei erhält er einige Erkenntnisse über sich, seine Vergangenheit und die Menschen, die er aufsucht.

Auf den ersten Seiten zieht das Buch doch ein wenig runter. So beschreibt Joachim die jüngsten Ereignisse, die zu seinem Zustand führten, lässt sich über seinen trostlosen Alltag aus und tut allerlei verrückte und wenig durchdachte Dinge, die schon fast Verzweiflungstaten gleichen. Kurzum: man merkt wie schlecht es ihm geht. Dementsprechend werden Depressionen, Angststörungen und auch Panikattacken thematisiert. Obwohl der Protagonist einem nicht unbedingt immer sympathisch ist, kann man sich dennoch sehr gut in ihn hineinversetzen und fühlt seinen Leidensdruck. Daher kann man teilweise schon verstehen, warum er sich manchmal merkwürdig verhält.

Das Hausschwein Mookie spielt natürlich auch eine nicht unerhebliche Rolle. Auch wenn es gar nicht so viel macht, sondern manchmal einfach nur da ist und rumschnüffelt, versprüht es einen einzigartigen Charme und gibt dem Buch das gewisse Etwas.

Für mich ist "Mookie Weihnachten mit Schwein" kein typisches Weihnachtsbuch, das diese spezielle Stimmung und Atmosphäre verbreitet. Joachim an sich mag das Fest noch nicht mal besonders. Es ist eher die Botschaft, die Hoffnung macht. Depressionen müssen nicht das Ende sein, manchmal kann eine Kleinigkeit dafür sorgen, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Mir haben diese teils tiefgründigen und emotionalen Parts ebenso gut gefallen wie die amüsanten und süßen Situationen, die hauptsächlich durch Mookie ausgelöst werden. Lesenswert.

Bewertung vom 13.12.2020
Du entscheidest! Das Weihnachts-Ultimatum
Schumacher, Jens

Du entscheidest! Das Weihnachts-Ultimatum


ausgezeichnet

Am 1. Dezember stellt ein Verbrechersyndikat den Regierungen aller Länder ein Ultimatum: wenn man ihnen nicht eine absurd hohe Geldsumme zahlt und zusätzlich noch zahlreiche Terroristen freilässt, wird am 24. Dezember in 24 Metropolen ein tödliches Giftgas freigesetzt. Der Leser erhält als Ex-Mitglied des Geheimdienstes die Aufgabe, diese globale Bedrohung abzuwenden.

Es handelt sich um ein sogenanntes Spielbuch, also einen interaktiven Thriller. Es stellt uns vor die Wahl wie wir am Ende eines Abschnittes handeln möchten. Diese Entscheidungen tragen maßgeblich zum Verlauf der Geschichte bei. Stürzen wir unseren Protagonisten und die Welt, wie wir sie kennen, ins Verderben oder retten wir eben diese? Natürlich können uns unsere Entscheidungen auch in die Irre führen, wir können scheitern und/ oder sterben.

Es müssen Prüfungen bestanden, Rätsel gelöst und Kämpfe bestritten werden. Hierbei greift ein einfaches Regelwerk. Zu Anfang erhalten wir 12 Lebenspunkte und 24 Tage, um die Mission zu erfüllen. Sollten wir Gesundheit oder Zeit verlieren, weist das Buch im Text darauf hin und wir müssen diese aus unserem sogenannten Einsatzprotokoll streichen. Erreichen wir 0 Lebenspunkte oder läuft der Countdown ab - sterben wir und die Katastrophe tritt ein. In beiden Fällen müssen wir neu beginnen.

Da wir im Buch zig Entscheidungen treffen müssen, blättert man ständig hin und her, vor und zurück. Dies unterbricht den Lesefluss schon ein wenig, der relativ einfache Schreibstil kommt deshalb grade recht.

Ein weiterer Pluspunkt sind die zahlreichen Illustrationen und auftrennbaren Seiten, die Denkrätsel enthalten. Beides bereichert das Lesevergnügen sehr. Zu einfach ist das Ganze definitiv nicht.

Das Spielbuch "Das Weihnachts-Ultimatum" ist interaktiv und innovativ, bietet eine ganz neue Erfahrung und großen Spaß. Ein Muss für Spiele-Fans und Rätselfreunde - Gerne mehr davon!