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Tintenwelten

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Insgesamt 386 Bewertungen
Bewertung vom 22.02.2024
Die Flucht / Vollendet Bd.1
Shusterman, Neal

Die Flucht / Vollendet Bd.1


ausgezeichnet

Der Krieg zwischen Abtreibungsgegnern und -befürwortern wurde durch die sogenannte Charta des Lebens beendet: Eltern können ihre Kinder zwischen dem 13. und 18. Lebensjahr nachträglich abtreiben, in dem sie diese zur Umwandlung freigeben. Dabei wird der Körper des Jugendlichen vollständig zur Organspende genutzt. Aber nicht erst nach dessen Tod, sondern sofort. Es heißt, dass man dabei nicht stirbt, sondern in den Körpern der Empfänger weiterlebt.

Connor wird als Unruhestifter von seinen Eltern zur Umwandlung freigegeben. Risa wird als Mündel des Staates Opfer von Einsparungen und soll ebenfalls umgewandelt werden. Lev ist ein Zehntopfer, was bedeutet, dass er seit seiner Geburt auf seine Umwandlung zum Wohle der Gesellschaft vorbereitet wird. Die drei treffen unerwartet aufeinander und müssen sich entscheiden: Flucht oder Umwandlung? Können sie überhaupt einem System entkommen, das Jagd auf Menschen wie sie macht?

Was ist das denn bitte für eine schreckliche Version einer möglichen Zukunft? Welche Eltern sind denn in der Lage ihre Kinder dem sicheren Tod zu überlassen, nur weil sie ein bisschen schwierig sind? Und das alles unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit. So eine große Nachfrage an Körperteilen wie Jugendliche umgewandelt werden, kann es doch überhaupt nicht geben. Andererseits ist es anscheinend mittlerweile so, dass lieber transplantiert als geheilt wird. Man macht sich nicht mehr die Mühe „normal“ zu therapieren. Eine wirklich menschenunwürdige Vorstellung, die einem die Haare zu Berge stehen lässt.

Im Verlauf werden wir auch Zeuge einer Umwandlung und das war für mich die mit Abstand schlimmste und herzzerreißende Szene seit langem. Übrigens: ich habe das Buch vor neun Jahren schon mal gelesen und konnte mich tatsächlich an quasi nichts mehr von der Handlung erinnern, außer an diese Beschreibung, so eindrücklich war sie für mich…

Wir erleben die Geschichte aus der Perspektive von verschiedenen Charakteren. Das sind nicht nur die drei bereits benannten drei Protagonisten, was das Ganze besonders interessant macht. Aber die Spannung lässt hier eigentlich sowieso nie nach. Neal Shusterman hat einfach ein Händchen für Überraschungen und Wendungen sowie einen genialen Schreibstil.

Ich freue mich sehr diese atemraubende und nervenaufreibende Dystopie weiterzulesen. Die restlichen Bände liegen schon auf dem SuB oder sind bestellt.

Bewertung vom 21.02.2024
Everything is okay
Tung, Debbie

Everything is okay


ausgezeichnet

Dunkle Wolken am Horizont, die sich gar nicht mehr verziehen wollen, das Aufstehen am Morgen wird zum Kraftakt und die Tränen wollen einfach nicht mehr versiegen.

Jeder redet über seinen Schnupfen und erhält nett gemeinte Genesungswünsche. Aber niemand spricht gerne über Depressionen und Angststörungen, weil über diese gerne hinweggelächelt wird. Betroffene fühlen sich nicht ernst genommen, wertlos, als Last. Die genannten Erkrankungen sind immer noch Tabu-Themen und dabei doch erschreckend weit verbreitet.

Debbie Tung zeichnet ihre Depression als ein schwarzes Monster, das in ihrem Kopf sitzt. Als einen Ozean, in dem sie zu ertrinken droht. Als dunkle Wolke, die sie erstickt. Die Illustrationen sind meist in schwarz-weiß und eher schlicht gehalten, trotzdem wirken sie sehr emotional und ausdrucksstark.

Anhand dieser Graphic Novel erfahren wir, wie sich Depressionen und Angststörungen für Debbie anfühlen, welche Gedanken sie hat/te und wie sie gelernt hat, ihre Ängste zu akzeptieren, so dass ihre Welt wieder bunter wurde.

Wichtig ist: Niemand ist allein. Es gibt überall Betroffene. Der erste Schritt zur Besserung ist es um Hilfe bitten und diese anzunehmen. Dementsprechend ist hier auch Therapie ein Thema.

Everything is okay ist ein Mutbuch für alle, die von Monstern verfolgt werden. Für alle, die drohen im Ozean zu ertrinken. Für alle, die von einer dunklen Wolke erstickt werden. Für alle, die das Monster endlich umarmen wollen, die lernen möchten zu schwimmen oder jene, deren Wunsch es ist endlich wieder freier atmen zu können. Für alle, die wieder Farbe in ihr Leben lassen möchten.

Bewertung vom 18.02.2024
Rettungseinsatz für zwei
Bittl, Regina

Rettungseinsatz für zwei


sehr gut

Linda hat mit ihrem Masterstudium der Sozialen Arbeit und ihren Klimaschutzprojekten große Pläne für eine bessere Welt. Damit das sie dieses Studium sogar in Irland absolvieren kann, geht ein Traum in Erfüllung. Doch sie wird an ihrem Arbeitsplatz aufs Übelste gemobbt, was sie total fertig macht. Nach einer dieser Attacken begegnet sie dem charismatischen Rettungspiloten Liam. Er bietet ihr nicht nur Hilfe an, sondern bringt das Lachen zurück in ihr Leben sowie ihr Herz zum Strahlen. Doch im Moment braucht sie definitiv eher einen besten Freund, der ihr durch die schlimmste Zeit ihres Lebens hilft und keine Liebelei, bei der ein Happy-End nicht garantiert ist. Oder?

Die Hauptthemen im Buch sind definitiv Mobbing, Umwelt- und Klimaschutz. Über beides wird ausführlich gesprochen. Es werden viele Informationen, Tipps und Tricks sowie Umgangsmöglichkeiten gegeben. Und natürlich erfahren wir wie es Betroffenen geht. Wir erleben hautnah wie sehr Linda darunter leidet und sich nicht zu helfen weiß, weil sie auch oft einfach nicht ernst genommen wird. Sie tat mir wirklich sehr leid. Dabei ist sie in ihrem Job engagiert, selbstbewusst und voller guter Ideen. Zumindest solange bis sie auf Margaret trifft.. Ich verstehe nicht, wie man Menschen sowas antun kann und warum. Das regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.

Ich mochte das heftige Prickeln, das ständig zwischen den Protagonisten herrschte, ohne das sie es sich eingestehen oder diesem nachgeben wollen. Für Liam als Frauenhelden ist es schwer einzuordnen, was Linda in ihm auslöst. Außerdem wollen beide die neue Freundschaft zueinander nicht gefährden. Die Geschichte wird sowohl aus Lindas als auch aus Liams Perspektive erzählt. Liam ist sehr hilfsbereit, im Privatleben unbeschwert und immer zu Späßen aufgelegt. Seinen Job als Rettungspilot nimmt er hingegen sehr ernst. Darüber hätte ich gerne noch mehr gelesen.

Es tauchen auch regelmäßig die Charaktere aus dem ersten Band auf, so dass wir ebenfalls erfahren, wie es mit ihnen weitergeht. Der Zusammenhalt der Familie ist wirklich bemerkenswert. Da kommt es zu einigen herzerwärmenden und humorvollen Szenen. Die Austernfarm an sich ist dieses Mal übrigens nicht mehr das zentrale Setting. Spannend fand ich stattdessen Lindas Arbeit in der Kinder- und Jugendschutzeinrichtung, besonders wenn es um Brodie geht.

Bewertung vom 15.02.2024
IN-GAME
Waye, Annie

IN-GAME


sehr gut

Anne liebt es in die Welt von "Masters of Magic", kurz MoM, einzutauchen und sich epische Schlachten mit Monstern und nervenaufreibende Duelle mit anderen Spielern zu liefern. Das Online-Fantasy-Rollenspiel zieht sie schon seit Jahren in seinen Bann und dennoch hat sie es nie bis nach ganz oben, also in die Platin-Liga geschafft. Denn immer, wenn herauskommt, dass sie eine junge Frau ist, wird sie belächelt, angemacht, ausgeschlossen oder aufs Übelste beleidigt. Das muss aufhören! Deswegen startet sie ganz von vorne: neuer Account, neuer Charakter, neuer Name. Dabei gibt sie sich mit technischen Hilfsmitteln als Mann aus. So muss es doch möglich sein endlich die Spitze zu erreichen. Als sie dann allerdings ihrem Mitspieler Linus näher kommt, fällt es ihr zunehmend schwer ihre wahre Identität geheim zu halten.

Seit vielen, vielen Jahren versinke ich selbst immer wieder in der World of Warcraft sowie in allen möglichen anderen PC-Spielen. Daher war für mich sofort klar, dass ich dieses Buch lesen MUSS. Ich mochte das Setting, die Beschreibungen von MoM, dem Gaming-Vibe sowie dem „Fieber“, das einen zuweilen befallen kann.

Jedenfalls verstrickt Anne sich immer weiter in Unwahrheiten und überspannt den Bogen manchmal gewaltig. Sie gibt zum Beispiel „unnötig“ und ungefragt Geld aus, das ihr nicht gehört. Und natürlich gerät sie in einige unangenehme Situationen. Das liegt auch daran, dass sie ganz schön verballert und tollpatschig ist. Auch ihre Introvertiertheit trägt definitiv dazu bei. Für uns als Leser:innen ist das Ganze sehr unterhaltsam, aber man kann über sie auch regelmäßig nur wohlwollend den Kopf schütteln.

Sehr sympathisch waren mir ihre Mitbewohnerin/ beste Freundin Pia und Linus. Er ist nämlich nicht nur online hilfsbereit und freundlich, sondern auch im Real Life, Sachen gibt’s! Beide müssen mit Anne einiges mitmachen, wo ein wenig Ehrlichkeit doch soviel bewirkt hätte.

Was mir nicht so gut gefallen hat war hingegen das suggerierte Männerbild. Anscheinend spielen hauptsächlich Männer MoM, Frauen sind dementsprechend eine absolute Seltenheit und müssen sich sogar am besten verstecken, weil Männer IMMER verbal ausfallend auf sie reagieren (außer Linus natürlich, der einzige Spieler weit und breit, der nicht total frauenfeindlich und sexistisch ist)… In meiner gesamten Gaming-Laufbahn ist mir sowas wirklich noch nie passiert. Ja, es gibt toxische Spieler, aber deren Verhalten bezieht sich dann nicht auf ein bestimmtes Geschlecht, sondern auf alle…

Insgesamt hat mich „In-Game“ auf jeden Fall überzeugen können. Fans von Gaming, eSports und Streaming werden hier auf ihre Kosten kommen.

Bewertung vom 12.02.2024
Today I'll Talk to Him
Wege, Bianca

Today I'll Talk to Him


ausgezeichnet

Layla und Asher sind das Traumpaar schlechthin - zumindest bei Sims, welches Layla anonym auf Twitch streamt. In Wahrheit hat sie mit ihm noch nie auch nur ein Wort gewechselt. Doch damit ist jetzt Schluss! Sie ruft die Challenge „Today I’ll talk to him“ ins Leben und lässt sich von ihrer Community Aufgaben stellen, um ihrem Schwarm endlich näher zu kommen. Anschließend stellt sie alles bei Sims nach und berichtet von ihren Erfolgen und Misserfolgen. Allerdings kommt ihr bei der Umsetzung immer wieder der mürrische Henry in die Quere, der obendrein auch noch Ashers Erzfeind ist.

Bereits als Teenie war ich der größte Sims-Fan, jedem neuen Erweiterungspack habe ich mit Feuereifer entgegen gefiebert. Daher war mir sofort klar: dieses Buch MUSS ich lesen! Und was soll ich sagen? Ich wurde nicht enttäuscht. Ich mochte alles, was mit dem Spiel zu tun hatte, ob Laylas Streams auf Twitch, die Challenges oder ihre Denk- und Sprechweise, die sich auf die Welt oder die Sprache der Sims bezogen hat - einfach mega gelungen. Da kommen schöne Erinnerungen hoch und am liebsten würde ich das Spiel direkt selbst noch mal starten!

Auch die Charaktere habe ich direkt ins Herz geschlossen. Layla ist herrlich tollpatschig, schrecklich unsicher und dennoch so mutig, sich Dinge zu trauen! Schließlich will sie auf dem College ein neues Leben beginnen und sich neu erfinden. Und vielleicht bekommt sie jetzt endlich die Chance, welche sie sich auf der Highschool so sehr gewünscht hat. Besonders angetan haben es mir aber Henry und India. Letztere wird Layla in kürzester Zeit eine so gute Freundin, dass man sie darum wirklich nur beneiden kann.

Der Schreibstil sowie der Humor haben mir sehr gefallen. Es kam zu einigen aberwitzigen, recht peinlichen Situationen, die mich definitiv gut unterhalten haben. Es wurde außerdem sehr emotional und auf die genau richtige Art und Weise spicy.

Bewertung vom 12.02.2024
Die Erfüllung von Wünschen
Bittl, Regina

Die Erfüllung von Wünschen


sehr gut

Stell dir vor, du könntest eine sechsmonatige Auszeit von deinem Job machen und stattdessen auf einer Austernfarm in Irland arbeiten. Für viele bestimmt eine Traumvorstellung, nicht so jedoch für Philomela, kurz Phil. Sie fühlt sich in ihrem geregelten Leben und der Anstellung als Altenpflegerin eigentlich ganz wohl. Doch das Testament ihrer Großmutter ist eindeutig: Kommt sie der Aufforderung nicht nach, bekommt sie auch nicht ihr volles Erbe. Doch dieses würde ihr die Gelegenheit geben ihren besten Freundinnen ihre größten Wünsche zu erfüllen und so lässt sie sich schließlich widerwillig auf den Deal ein. Doch kaum ist sie auf der Austernfarm angekommen, scheint ihr Vorhaben bereits wieder zum Scheitern verurteilt. Schuld sind ein Missverständnis und der griesgrämige und nahezu unverschämte Farmbesitzer Grady.

🦪

Phil wird von Selbstzweifeln geplagt: Ein schrecklicher Unfall hat nicht nur großflächige Brandnarben auf ihrem Körper, sondern auch tiefe Wunden in ihrer Seele hinterlassen. Seitdem kann sie sich nicht mal mehr selbst im Spiegel betrachten, geschweige denn andere zu nah an sich heran lassen. Dabei ist sie ein herzensguter Mensch, versprüht Lebensfreude, ist hilfsbereit und dermaßen selbstlos. Sie will unbedingt die nicht grade kleinen Wünsche ihrer Freundinnen erfüllen, die dies auch noch (nahezu) klaglos annehmen, was ich schon ziemlich heftig finde. Immerhin ist hier viel Geld im Spiel.

🦪

Ich mochte fast alle Charaktere sehr gerne. Der Zusammenhalt auf der Farm und auch als Familie ist wirklich schön zu beobachten. Meine Lieblinge waren Padraig, Maeve (zwei ausgebuffte Schlitzohren), Farmmanager Braden und Gradys Bruder Liam. Besonders zu erwähnen ist ebenfalls Pepper, Gradys süßer Hund.

🦪

Spannend war auch, dass wir einiges über das Züchten von Austern erfahren haben. Doch die Hauptthemen waren natürlich das individuelle Verständnis von Schönheit, Schönheitsideale, Bodyshaming und Bodypositivity, Selbstzweifel und Selbstliebe, unsichtbare und sichtbare Narben sowie den Umgang damit. Außerdem spielen auch Schönheitsoperationen sowie die Möglichkeit von Wiederherstellungs-OPs eine Rolle. Man kann sich vorstellen, dass es teilweise sehr emotional und dramatisch wurde, grade weil wir die Ereignisse aus Phils Sicht erleben.

🦪

Für mich auf jeden Fall ein gelungener und ereignisreicher Auftakt in wunderbarem Setting, der Lust auf mehr macht. Es wurden selbstverständlich auch folgende Teile kräftig angeteasert, sodass ich gespannt bin wie es weitergeht.

Bewertung vom 04.02.2024
Die Alchemie der Magie
Portejoie, Tabatha

Die Alchemie der Magie


sehr gut

Der junge Dieb Merlin hat alles verloren und flüchtet sich in der Hoffnung ein neues Leben beginnen zu können auf das nächstbeste Luftschiff. Was er nicht ahnt: es segelt unter der Flagge des Prinzen Arthur Pendragon von Camelot, niemand geringerem als dem legitimen Erben des verstorbenen Königs. Damit wird er in Machenschaften, Intrigen und Pläne unvorhersehbarer Ausmaße hineingezogen. Die Frage ist: auf welche Seite stellt er sich und ist er wirklich bereit sein altes Leben hinter sich zu lassen? Schließlich steht Arthurs und Merlins erstes Treffen nicht unter einem besonders guten Stern und die daraus folgende Verachtung des Prinzen ist unübersehbar. Doch der Legende nach ist ihr Schicksal eng miteinander verwoben.

Wir erleben das Abenteuer aus Merlins Sicht, dem das Leben bisher eher übel mitgespielt hat. Er ist kein Dieb aus Überzeugung, sondern weil er bisher keine andere Möglichkeit gesehen hat. Doch seine eigentliche Leidenschaft ist das Lesen, Lernen und das Anhäufen von Wissen. Die Aussicht Druide werden zu können, kommt einem Traum gleich. Er kommt eigentlich meistens sympathisch, kommunikativ und hilfsbereit rüber. Er ist vielleicht ein bisschen tollpatschig und glaubt das Unglück anzuziehen.

Auch die anderen Charaktere fand ich sehr interessant: Arthur, Percival, Enide, Erec, Gwenc'hlan, Manawydan und natürlich Lancelot. Von all jenen hoffe ich in den geplanten vier Folgebänden noch viel mehr zu erfahren.

Wir treffen hier auf einen gelungenen Mix aus Steampunk, Fantasy, Rittergeschichte, einem Hauch Science-Fiction und viel philosophischem Tiefgang sowie einigem Wissenswerten über allerlei unterschiedliche Themen. Eine spannende Adaption der Artussage. Zugegeben: die gefühlt ewig andauernden Vorträge von Manawydan und Gwenc'hlan hätte ich persönlich jetzt nicht unbedingt gebraucht, da gab es für mich einige unnötige Längen. Andererseits werden wir hier gekonnt und relativ unauffällig an die Denkweise des beschriebenen Zeitalters herangeführt.

Wenn es dann hoch her ging, wurde es wirklich sehr nervenaufreibend und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Tabatha Portejoie lässt uns in eine liebevoll und detailliert ausgearbeitete Welt eintauchen, die einen sofort in ihren Bann zieht. Es treffen verschiedene Gesellschaftsschichten und persönliche Differenzen aufeinander, die scheinbar nichts gemein haben und unüberwindbar sind. Doch das Schicksal hat etwas anderes vorgesehen.

Bewertung vom 31.01.2024
Anatomy
Schwartz, Dana

Anatomy


sehr gut

Die junge Lady Hazel Sinnett möchte unbedingt Chirurgin werden. Das ist für eine Frau im Jahre 1817 aber leider unmöglich. Doch dann lässt sich der gefeierte Dozent Dr. Beecham auf einen Deal ein: besteht sie die medizinische Prüfung ohne Unterricht, darf sie bei ihm studieren. Da trifft es sich gut, dass Hazel den Auferstehungsmann Jack kennenlernt, der Leichen ausgräbt und anschließend zu Lehrzwecken verkauft. So beginnt Hazel zu sezieren und zu lernen. Dabei kommt sie nicht nur Jack näher, sondern verstrickt sich auch immer weiter in die dunklen Geheimnisse und Intrigen der Stadt. Denn in Edinburgh gehen finstere Machenschaften vor sich, das erkennt sie ganz klar an einigen eindrücklichen Besonderheiten, die sie an den Toten findet.

Die Atmosphäre ist durchaus bedrückend und makaber. Es wird immer wieder ziemlich blutig und teilweise etwas eklig. Das ist definitiv nichts für schwache Nerven. Mich als Gesundheits- und Krankenpflegerin haben die Beschreibungen der Krankheitsbilder, Behandlungen und Autopsien jedoch sehr interessiert.

Hazel ist eine starke Protagonistin, die bereit ist für ihren Traum zu kämpfen. Dabei muss sie sich in einer von Männern dominierten Welt beweisen und wird dabei so gut wie nie ernst genommen. Schließlich gilt eine gute Partie bei der Bräutigam-Wahl und das Gebären der Nachkommen als einzig anzustrebendes Ziel für eine junge Frau ihres Standes.

Wir finden in dieser düsteren Regency Romance einen gelungenen Mix aus Liebe, Feminismus, Medizin, Thrillerelementen sowie einen Hauch Mystery. Es handelt sich dabei um den Auftakt einer Dilogie. Ich bin schon sehr gespannt auf den Abschluss und hoffe auf ein ebenso fesselndes wie eindrucksvolles Finale.

Bewertung vom 29.01.2024
Die Diebe von Alderport: Klingen und Finsternis
Aschwanden, Evelyne

Die Diebe von Alderport: Klingen und Finsternis


ausgezeichnet

Nachdem ganz Alderport Aiden Grel für tot hält, hat sich Violet ein neues Ziel gesetzt: sie möchte die Stadt endlich von dem Fluch befreien, der diese seit Jahrzehnten heimsucht. Dieser sorgt dafür, dass sich die Menschen auf grausame Art und Weise in Ombra verwandeln - blutrünstige Bestien, die nachts Jagd auf ihre ehemaligen Mitbürger machen. Bald muss sie jedoch feststellen, dass sie ausgerechnet die Person um Hilfe bitten muss, die sie sich geschworen hat, nie wiederzusehen.

Das Mysterium rund um die Ombra hat mir bereits im Vorgänger sehr gut gefallen und hier wird nachvollziehbar geklärt, was es damit genau auf sich hat.

Wir erfahren ebenfalls mehr über die Vergangenheit einzelner Charaktere, was ich überaus spannend fand. Jeder von ihnen ist herrlich divers, etwas besonderes und jede einzelne Hintergrundgeschichte sehr interessant. Dementsprechend gibt es also auch zahlreiche Perspektivenwechsel, was ich immer mag.

Es geht um Freundschaft und Zusammenhalt, Vertrauen und Verrat, Wagemut und irrwitzige Pläne, Intrigen und den Kampf für Gerechtigkeit. Es wird wieder temporeich, aufregend, dramatisch und emotional. Ein gelungener Abschluss der Fantasy-Dilogie um Aiden, Violet, Erma, Caleb und Moe - schade, dass ihre Geschichte schon zu Ende ist.

Bewertung vom 29.01.2024
Lupus Noctis
Hill, Melissa C.;Stapor, Anja

Lupus Noctis


sehr gut

Sechs Jugendliche begeben sich in ein unterirdisches, stillgelegtes Bunkerkrankenhaus, um dort ihr Lieblingsrollenspiel Lupus Noctis zu zelebrieren. Doch was als Spiel beginnt, wird bald bitterer Ernst, denn plötzlich ist der Schlüssel verschwunden. Eingesperrt an diesem unheimlichen, nahezu lichtlosen Ort, kommen schließlich die dunkelsten Geheimnisse ans Licht. Es stellen sich die Fragen: war das Verlegen des Schlüssels ein Versehen oder wurden sie absichtlich von der Außenwelt abgeschnitten? Wem können sie überhaupt trauen, denn möglicherweise befindet sich der Verräter sogar bereits unter ihnen?

Das von den Freunden selbst weiterentwickelte Lupus Noctis wurde inspiriert von dem Rollenspiel „Die Werwölfe von Düsterwald“, welches aus Online- und WhatsApp-Spielen bekannt ist. Ich kenne es zwar selber nicht, fand die Beschreibung und Umsetzung aber sehr spannend, so dass ich schon fast enttäuscht war, dass das Spiel an sich relativ schnell vorbei war. Zur gruseligen Einstimmung war es aber definitiv perfekt. Und wenn man dann die weiteren Ereignisse bedenkt, weiß ich genau, warum ich Keller und die Dunkelheit nicht mag…

Die ganze Zeit herrscht eine zunehmende bedrohliche und beängstigende Atmosphäre, da können einem die Jugendlichen (auch ohne ihre Probleme, die sich im Verlauf herauskristallisieren) wirklich nur Leid tun. Ich konnte ihre zunehmende Panik und das wachsende Misstrauen den anderen gegenüber absolut nachvollziehen.

Es werden einige Überlegungen angestellt, wer oder was hinter der ganzen Sache stecken könnte. Ich habe aber mit der Auflösung bis zum Ende überhaupt nicht gerechnet und wurde dementsprechend immer wieder neu überrascht und schockiert. Mich haben auch die aufgedeckten Geheimnisse „begeistert“, auch wenn einiges davon ziemlich heftig ist und unerwartet kam. Obwohl es zu häufigen Perspektivenwechseln kommt und man über jede:n Jugendliche:n etwas erfährt, kann man trotzdem nicht einschätzen woran bei den einzelnen Personen ist. Wer sagt die Wahrheit, wer spielt ein falsches Spiel?

Die beiden Autorinnen haben hier einen hochgradig spannenden und sehr gelungenen Jugendthriller geschaffen. Nervenkitzel und Gänsehaut-Momente sind da garantiert.