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Benutzername: Tintenwelten


Bewertungen

Insgesamt 55 Bewertungen
Bewertung vom 13.04.2019
With or Without You - Mein Herz gehört dir / Girls in Love Bd.2
Lee, Geneva

With or Without You - Mein Herz gehört dir / Girls in Love Bd.2


gut

Jessica ist Studentin, sie möchte später Ärztin werden. Sie hat einen Plan für ihre Zukunft, schreibt ständig Listen für alles mögliche und hat ihr Leben unter Kontrolle. Das dachte sie zumindest. Als ihre Freundin Cassie von ihrem Freund betrogen wird und Jess zu einem Kurzurlaub nach Mexiko überredet, steht ihre Gefühlswelt plötzlich Kopf. Denn der heißeste Typ vom Campus - Roman Markson - sitzt nicht nur im selben Flieger, sondern wird sich auch noch am selben Ort aufhalten. Leider ist er Dozent am College, daher sollte er für Jess tabu sein. Doch die beiden fühlen sich zueinander hingezogen, es knistert gewaltig zwischen ihnen. Und so beschließen sie, dass das was in Mexiko geschieht auch in Mexiko bleiben soll. Aber ist das so einfach?

Man lernt Jess bereits im ersten Band der Reihe als Mitbewohnerin kennen. Allerdings scheint mir das über große Teile des Buches ein komplett anderer Mensch gewesen zu sein. Die rationale Jess, die immer einen Plan hat, mutiert hier zur kopflosen, unüberlegten und naiven Jessica. Es ist zwar schön, dass sie sich in Mexiko hingegen aller Einwände auf Roman einlässt und damit eine ganz andere Seite an sich kennen lernt, ihre Komfortzone verlässt. Aber dabei entstehen leider Situationen und Probleme, die einfach nicht nötig wären, hätte man etwas umsichtiger gehandelt oder gedacht. Beim Lesen sieht man das Unheil schon kommen und das tut weh!

Im Vergleich zum ersten Band finde ich "With or without you" leider schwächer. Die Charaktere aus "Now and forever" ( Jill und Liam) sind mir deutlich sympatischer, sie handeln überlegter und nachvollziehbarer, was hier nicht der Fall ist. Es wirkte viel authentischer, grade wenn man Jess und Roman auch aus dem ersten Teil schon kennt. Dadurch war ihre Liebesgeschichte für mich weniger emotional als die von Jill und Liam.

Es ist trotzdem eine nette Geschichte für zwischendurch, die sich locker und leicht lesen lässt. Wahrscheinlich hätte ich sie besser gefunden, wenn ich den ersten Teil nicht bereits gelesen hätte.

Bewertung vom 12.04.2019
Der Bücherdrache / Zamonien Bd.8
Moers, Walter

Der Bücherdrache / Zamonien Bd.8


ausgezeichnet

In einem Traum im Traum trifft Hildegunst von Mythenmetz auf seinen Namensvetter der Buchlinge. Diese kleinen Wesen, die in den Katakomben von Buchhaim leben, nehmen sich jeweils der Werke eines Autoren an und lernen diese auswendig. Der Buchling erzählt dem Lindwurm eine Geschichte vom Bücherdrachen Nathaviel, den er vor einiger Zeit persönlich treffen durfte.

Das Buch ist so großartig, weil es wieder in dem Stil von "Die Stadt der träumenden Bücher" und "Das Labyrinth der träumenden Bücher" geschrieben wurde. Das sind Geschichten, die ich sehr liebe, weil sie einfach anders sind. Auch hier findet sich wieder der typische Schreibstil von Walter Moers. Dieser ist verrückt, kurios, metaphorisch und besonders. Ich mochte die Idee, das Szenario des Ormsumpfes, die Umsetzung und natürlich die Charaktere.

Protagonist ist der Buchling Hildegunst von Mythenmetz, aber es spielen noch eine Reihe weiterer Buchlinge mit, was für mich generell ein Grund zur Freude ist. Diese kleinen Geschöpfe sind sowas von putzig und liebenswert! Sie wachsen im Verlauf der Geschichte über sich hinaus, wirklich schön du beobachten.

Extra zu erwähnen sind die tolle Aufmachung des Buches. Abgesehen vom traumhaft schönen Cover, findet man auch im Buch zahlreiche Illustrationen, welche die Atmosphäre perfekt wieder geben. Sie sind detailverliebt und einfach toll!

Lesens- und liebenswert für Fans des Autoren, aber eben auch für jeden, der Bücher liebt! Einziger Kritikpunkt: Leider wieder viel zu kurz!

Bewertung vom 02.04.2019
Ein Tor zu eurer Welt
Wahl, Aaron

Ein Tor zu eurer Welt


sehr gut

Dies ist die Autobiographie von Aaron Wahl. Zeit seines Lebens wurde er missverstanden, ausgegrenzt, gemobbt und als "anders" beschimpft. Dabei ist er wirklich anders als andere Menschen. Schon immer hatte er Probleme damit Gefühle zu erkennen, bei anderen, aber auch bei sich selbst. Als sein Großvater stirbt, ist er zwar traurig, kann dies aber nicht richtig zuordnen oder gar verarbeiten. Familie, Mitschüler, Therapeuten, nirgends wird er für voll genommen. Er wird als "hoffnungsloser Fall" tituliert und erhält ein ganzes Spektrum an falschen Diagnosen: Depressionen, Sozialphobie, Schizophrenie. Niemand nimmt sich die Zeit wirklich alle Symptome zu beleuchten und ihm zu helfen.

Doch im Alter von 25 Jahren kommt der Befreiungsschlag: es wird Asperger-Autismus diagnostiziert. Das erklärt einiges, was in seinem Leben bisher geschehen ist und was andere an ihm als "komisch" oder "anders" empfinden. Seine Therapeutin empfiehlt im PEM, eine Methode um Gefühle zu verstehen, zu erleben und damit klar zukommen. Ursprünglich wurde sie für Schauspieler entwickelt, doch sie hilft auch Autisten sehr gut. Für Aaron Wahl beginnt ein neues Leben, in dem er lernt seine Gefühle zu lieben. Er lernt Menschen kennen, die ihm wirklich helfen wollen und die ihm am Herzen liegen.

Er beschließt, dass dieses Glück auch andere Autisten erfahren sollen und startet das Projekt "PEM Autism". Er schreibt dieses wunderbare Buch, um Außenstehende näher an das Thema Autismus heranzuführen und Betroffenen Hoffnung und Mut zu geben. Dabei beschreibt er fast nüchtern, aber dennoch emotional seinen Weg von der Kindheit, über die Jugend bis hin zur befreienden Diagnose. Schonungslos berichtet er über Missverständnisse, Unverständnis, die Ausgrenzung aus der Gesellschaft, Mobbing, Gewalt. Aber auch die Themen Familie, Freunde und sexuelle Beziehungen sowie die Flucht in Online-Rollenspiele kommen zum Tragen.

So tragisch, traurig, beängstigend oder hoffnungslos sein Leben teilweise auch war, Aaron Wahl hat nie aufgegeben, niemals den letzten Funken Hoffnung auf ein besseres Leben verloren. Auch als er als arbeitsunfähig gilt, für schwer behindert erklärt wird oder entmündigt wird, rafft er sich schließlich auf und erkämpft sich sein Leben zurück.

"Ein Tor zu eurer Welt" ist ein wichtiges und interessantes Buch, das den Leser sämtliche Emotionen durchlaufen lässt und dabei schwer beeindruckt!

Bewertung vom 25.03.2019
Du bist der Liebe nicht egal
West, Kasie

Du bist der Liebe nicht egal


sehr gut

Kate lebt mit ihrer Familie am See. Sie liebt es Jetski zu fahren und hat gefühlt den ganzen Sommer auf eben diesem verbracht. Für sie es völlig klar, dass sie den Bootsverleih ihrer Eltern übernehmen wird. Im neuen Schuljahr schleppt ihre beste Freundin Alana sie in den Potcastkurs. Wider aller Erwartungen und zum Leidwesen von Kate wird sie zur Moderatorin ausgewählt. So findet sie sich bald als Rat- und Tippgeberin für kleine und auch größere Probleme wieder und kommt mit ihrer desinteressierten und sarkastischen Art besser an als gedacht. Doch als dann immer öfter ein und der selbe Zuhörer in der Sendung anruft, stürzt das Kate ins Liebeschaos.

Ich mag die Themen, die Idee und die Umsetzung. Ganz besonders sind aber die Charaktere. Kate macht im Verlauf eine riesige Entwicklung durch. Anfangs ist sie eher verschlossen, mit anderen Menschen zu sprechen zählt nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Sie lebt in ihrer kleinen Blase am See mit speziellen Vorstellungen von ihrem Leben. Sie bezweifelt, dass sie dazu fähig ist einen Potcast zu moderieren oder weiß generell nicht worin sie gut sein könnte. Doch dann blüht sie auf, wächst über sich hinaus, erweitert ihren Horizont, stellt Dinge in Frage und lernt aus ihren Fehlern. Dabei kommt sie zu unerwarteten Schlüssen.

Alana scheint das komplette Gegenteil von ihr zu sein. Sie ist herrlich verrückt, extrovertiert und weiß, was sie will: nämlich ihren Schwarm Diego um den Finger wickeln. Hinzu kommt noch eine Familienfehde, die dem ganzen Buch eine gewisse Würze verleiht und Kates Gewissen in eine Zwickmühle manövriert.

Die Geschichte ist schön, lässt sich locker und leicht lesen. Dabei wirkt sie nicht überzogen, Wendungen sind nicht vorhersehbar, obwohl teilweise Themen behandelt werden, die man meint schon zu kennen. Es geht um Liebe, Freundschaft, moderne und soziale Medien und darüber ein Stück weit zu sich selber zu finden. Der Roman hat auch einen gewissen Humor, der einfach schmunzeln lässt und einen mit einem guten Gefühl entlässt.

Bewertung vom 16.03.2019
Der Fall Collini
Schirach, Ferdinand von

Der Fall Collini


gut

Der Italiener Fabrizio Collini ermordet den Großindustrieller Hans Meyer in seinem Hotelzimmer. Dieser war ein vermeintlich harmloser, alter Mann und es scheint als wäre er ohne jeden Grund getötet worden, denn Collini schweigt über sein Motiv.

Der Junge Anwalt Casper Leinen vertritt Collini als Pflichtverteidiger. Was er jedoch zunächst nicht weiß ist, dass er den Toten sehr gut kannte. Es handelt sich dabei um den Großvater seines besten Freundes und seiner Jugendliebe. Er verschreibt sich der Aufgabe herauszufinden, was Collini zu dieser Tat getrieben hat und beginnt mit Recherchen, die ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte aufdecken.

Beschrieben wird nicht nur die Vorbereitung auf den Prozess, die Prozesstage und die Recherchearbeit, es geht auch um zwischenmenschliche Beziehungen. Wir tauchen außerdem in eine ferne Vergangenheit ein, welche die Frage nach Gerechtigkeit und die Frage der Schuld aufwirft.

Leider kommt es zu einem sehr abrupten Ende, welches den Leser mit einem komischen und bedrückendem Gefühl zurück lässt. Das liegt keinesfalls am Buch oder an der Geschichte, sondern eher daran, was der Autor einem vermitteln will. Was zwingt einen Menschen zu unaussprechlichen Taten? Wann sind diese Taten legitim und wer entscheidet darüber? Schuld, Sühne, Gerechtigkeit und Rache, all dies sind Themen, die Schirach in diesem wichtigen Roman aufgreift.

Der Schreibstil ist nüchtern, stellenweise etwas langatmig und detailreich, aber dennoch auf den Punkt gebracht. Man kann sich alles gut vorstellen, es läuft direkt ein Film vor den Augen ab. Sehr lesenswert!

Bewertung vom 16.03.2019
Palace of Silk - Die Verräterin / Palace-Saga Bd.2
Bernard, C. E.

Palace of Silk - Die Verräterin / Palace-Saga Bd.2


sehr gut

Rea ist eine Magdalena. Diese können durch bloße Berührung in den Geist der Menschen eindringen und ihn manipulieren. Deshalb sind Berührungen jeglicher Art verboten, Magdalenen werden gejagt, eingesperrt und letztendlich in den Wahnsinn getrieben. Im ersten Band wurde Rea vom britischen Geheimdienst als Leibwächterin des Kronprinzen rekrutiert und wurde seine heimliche Geliebte. Als die Ereignisse sich überschlagen muss sie zu ihrem Bruder Liam nach Paris fliehen.

Jetzt lebt sie zusammen mit altbekannten Freunden: Blanc, Rene und dem Comte. Auch zu Ninon pflegt sie weiterhin ein inniges Verhältnis. Diese ist die Schwester des französischen Königs, dem sogenannten Roi. Wir erleben schnell eine Art Deja-vu, denn Rea wird wieder als Bodyguard angeworben. Doch im Zuge dieser Einstellung trifft sie immer wieder auf Prinz Robin, der sich ebenfalls am Hof aufhält, weil er um Ninons Hand anhält. Dies stürzt Rea in ein neues Emotionschaos, hegt sie doch noch Gefühle für den Kronprinzen.

Das Szenario des Buches ist sehr interessant und hat mich wieder von Anfang an in seinen Bann gezogen. Der französische Hof der Farben und generell Frankreich stellt das komplette Gegenteil zum Weißen Hof Englands dar. In England wird nur schwarz und weiß getragen und dabei muss nahezu jeder Zentimeter der Haut bedeckt sein, um bloß nicht in Versuchung zu geraten oder die Gefahr zu bannen sich versehentlich zu berühren. In Frankreich darf man sich kleiden wie man möchte, möglichst bunt sollte es sein, farbliche Bänder schmücken Extremitäten oder Rumpf. Hier macht man sich die Fähigkeiten der Magdalenen zu Nutzen, sie arbeiten beispielsweise in Krankenhäusern und dürfen sich öffentlich bekennen ohne verfolgt zu werden. Das ist wirklich sehr erfrischend nach der erdrückenden, kalten und beängstigenden Atmosphäre am weißen Hof. Rea hofft auf ein freies und friedliches Leben. Doch leider bringt Robin einige Konflikte mit ins Land.

Es werden ein paar neue Charaktere eingeführt, die sehr interessant sind. Es ist aber auch schön, dass Personen wie Ninon, Blanc, Rene, der Comte und auch Liam wieder dabei sind und man mehr über sie erfährt. All diese sind echt toll. Robin hingegen kommt für mich in diesem Band eher unsympathisch daher. Er wirkt besonders am Anfang wieder unnahbar, arrogant und überheblich.

Das Buch ist aus Reas Sicht geschrieben und so bekommt man auch ihre zunehmenden Konflikte mit der "Kreatur" besonders gut mit. Diese flüstert ihr immer wieder Gedanken ein, die nicht immer positiv sind und scheinen sie langsam aber sicher ein wenig mürbe zu machen.

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite hat mich diese Story absolut überzeugt. Szenario, Handlung, Charaktere, Spannungsbogen, Idee und Umsetzung sind einfach toll und immer noch etwas völlig neues. Es passiert immer etwas und es gibt einige Wendungen, die völlig unerwartet kamen.

Bewertung vom 14.03.2019
Das schwarze Uhrwerk
Volkmann, Magali

Das schwarze Uhrwerk


sehr gut

Taiden gehört dem Adel hat. Dieser gilt als besonders gesetzestreu und wird daher von der Regierung, dem sogenannten "Schwarzen Uhrwerk" bevorzugt behandelt. Das gemeine Volk lebt in ständiger Angst vor der Überwachung und Willkür von Seiten des eben erwähnten. Denn jede "falsche" Handlung macht den Bürger zum Rebellen, was zu Verfolgung, Gefangennahme, Folter, Manipulation und Tod führen kann.

Seit einem Rebellenangriff in der Kindheit muss Taiden mit einer gelähmten Hand leben, die ihn zum Außenseiter macht. Nicht nur seine Familie nimmt ihn nicht für voll, auch seine Verlobte ekelt sich offen vor seiner "Kralle". Verbittert macht Taiden es sich zum Ziel den "Schatten von Arassa", den berühmt berüchtigten Rebellenanführer zu töten. Dieser bietet den verzweifelten Bürgern Hilfe und Unterstützung, wo das Uhrwerk sie vernachlässigt und unterdrückt.

Zusammen mit Taiden lernt der Leser nach und nach das wahre Gesicht des Uhrwerks kennen und hassen. Plötzlich muss er alles, was er beigebracht bekommen hat und alles, was er seit seinem 15. Lebensjahr wollte, in Frage stellen.

Es gibt im Buch auch einige Steampunk-Elemente: Gegen das nötige Kleingeld oder wenn man seine Uhrwerk-Treue besonders unter Beweis gestellt hat, kann man seinen Körper zu einem Hybriden umwandeln lassen. Es werden bestimmte Metalle eingebaut, die beispielsweise Fähigkeiten verleihen oder die Belastbarkeit erhöhen. Die Metalle haben verschiedene Wirkungen und diese können sich scheinbar bei jedem unterschiedlich äußern.

Erzählt werden primär zwei Handlungsstränge: Da ist die junge Frau Carive, der vom Rebellenführer Tagebücher überreicht werden, die sie schnellstmöglich lesen soll. Auf der anderen Seite geht es um den Inhalt der besagten Bücher. Es gibt aber auch noch eine andere Zeitebene. So erfährt man aus Visionen, die Taiden heimsuchen, einiges über die Vergangenheit und wie es überhaupt zur Entstehung und der Macht des Uhrwerks kam. Leider muss ich sagen, dass diese Wechsel zwischen Carives und Taidens Sicht, die Visionen und auch die vielen Zeitsprünge um mehrere Jahre oft sehr verwirrend waren, weil sie nicht besonders gekennzeichnet waren. Verwirrend waren auch die ganzen Namen und Bezeichnungen was die Abstammungen und Herkunft angeht. Hier wäre vielleicht ein Glossar hilfreich gewesen.

Der Schreibstil ist sehr bildreich, wunderschön, aber dennoch leicht zu lesen. Es kam zu einigen spannenden Episoden und überraschenden Wendungen.

Magali Volkmann erschafft eine Vielzahl toller und interessanter Charaktere. Leider nimmt sie uns einige davon auch viel zu früh wieder. Schade, denn grade diese haben für mich soviel Potential gehabt großes zu bewirken. Taiden gehört für mich nicht dazu. Obwohl er anfangs großer Rebellenfeind ist, verbittert und wütend wegen seiner gelähmten Hand, wirkt er doch relativ verweichlicht und ängstlich. Er stellt es sich trotzdem so schön einfach vor den wohl größten Rebellen aller Zeiten zu schnappen. Dabei handelt er oft naiv und unüberlegt und bringt dadurch nicht nur sich, sondern auch andere in Gefahr. Auch später zeigt sich, dass er keinen Plan von nichts hat, dass er nicht weiß wie er seine Ziele erreichen soll und auch generell ziemlich unentschlossen ist.

Für mich besticht das Buch durch ein spannendes Setting mit größtenteils liebenswürdigen und tollen Charakteren. Auch die Steampunk-Elemente finde ich super. Überzeugt hat mich auch der wunderschöne und mitreißende Schreibstil. Anfangs ist vieles ziemlich verwirrend und undurchsichtig, aber zum Ende klärt sich das meiste.

Bewertung vom 04.03.2019
Schamlos
Bile, Amina; Srour, Sofia N.; Herz, Nancy

Schamlos


sehr gut

Die drei Autorinnen sind norwegische Bloggerinnen, Muslimas und Feministinnen. Sie setzen sich ein für Freiheit im Allgemeinen und Meinungsfreiheit im Besonderen. Im Buch beschreiben sie was negative Sozialkontrolle überhaupt ist und welche Auswirkungen sie auf muslimische Mädchen und junge Frauen haben kann. Sie machen aber auch klar, dass nicht jedes Mädchen betroffen ist, es aber sein könnte.

Negative Sozialkontrolle wird durch die Familie, Freunde, Nachbarn oder andere Glaubensmitglieder ausgeübt. Sie haben die Mädchen genau im Blick und beurteilen und/ oder beeinflussen ihr "gutes" oder eben "schlechtes" Verhalten. Dabei stehen die Mädchen unter einem großen Druck, sie haben ständig Angst sich falsch zu verhalten und als "schamlos" abgestempelt zu werden. "Schamlos" ist im Zusammenhang mit negativer Sozialkontrolle ein Schimpfwort und steht für ein Mädchen, bei dessen Erziehung etwas falsch gelaufen ist, das sich beispielsweise zu westlich verhält oder kleidet, intime Kontakte zu Jungen pflegt oder sonst entgegen dem Glauben handelt. Man bedenke, dass nicht nur die eigene Ehre, sondern die der ganzen Familie auf den Schultern des Mädchens lastet. Verhält es ich schamlos, bringt es der Familie Schande.

Man findet acht kurze Beispiel-Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen und aufzeigen sollen, welche Probleme junge Muslimas heutzutage haben können und wie Sozialkontrolle sie in ihrem Leben beeinflussen kann. Aufgebaut ist das Buch teilweise wie ein Interview oder wie ein Chat-Verlauf zwischen den Autorinnen. Dabei kommentieren sie unter anderem die oben genannten Geschichten. Sie erzählen, wie sie selber solche Situationen erlebt haben und wie sie damit umgegangen sind. Man findet zudem auch Briefe, welche sie aus heutiger Sicht an ihr früheres Ich schreiben. Diese Briefe enthalten oft Hilfestellungen oder Tipps. Themen sind zum Beispiel das Tragen des Hidschabs, das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern, die erste Liebe, (mangelnde) Aufklärung und Rassismus.

Das Buch richtet sich an Betroffene, es gibt Hoffnung und macht Mut. Es zeigt, dass man nicht alleine ist, dass andere schon in der gleichen Situation waren oder es noch sind. Die Autorinnen haben es geschafft, sie selber zu sein und ihren eigenen Weg zu gehen. Dabei haben sie keineswegs dem Islam abgeschworen, sondern sind gläubig und leben diesen Glauben auch. Es ist ihr Leben, in welchem sie ihre eigenen Entscheidungen treffen und für sich selber einstehen. Sie sind schamlos. Hier steht das Wort aber nicht für eine Beschimpfung, sondern beschreibt die Freiheit, man selber zu sein, zu sich selber zu stehen und den eigenen Weg zu gehen.

Das Buch richtet sich jedoch auch an Interessierte, die mehr zum Thema erfahren wollen oder die vielleicht Freundinnen in einer ähnlichen Situation haben. Es gibt einen interessanten und informativen Einblick in die möglichen Problematiken, die sich einer jungen Muslima stellen können. Das Buch zeigt aber auch, dass es möglich ist diese negative Sozialkontrolle zu durchbrechen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Mit "Schamlos" haben die Autorinnen ein starkes Buch geschaffen, in dem sie sensible und aktuelle Themen auf sympathische und teilweise auch humorvolle Weise aufgreifen und zugänglich machen. Ich bin beeindruckt.

Bewertung vom 20.02.2019
Am Ende das Glück der Welt
Bergmann, Sophia

Am Ende das Glück der Welt


sehr gut

Ellen wurde von ihrem Mann mit einer Frau betrogen, die ihre Tochter sein könnte. Sie steht vor den Trümmern ihres Lebens und fragt sich unentwegt, ab wann sie hätte merken müssen, dass sie Richard nicht mehr vertrauen kann. Beim Aufräumen des gemeinsamen Hauses findet sie das "Ja-heirate-ihn-Buch", das sie von ihm zur Verlobung geschenkt bekommen hat. Darin hat er Postkarten von seinen Freunden aus aller Welt binden lassen auf denen diese einen Grund genannt haben warum Ellen Richard heiraten sollte. Gleichzeitig war es auch ein Gutschein für eine Weltreise, die niemals stattgefunden hat. Enttäuscht beschließt sie diese Reise jetzt alleine zu machen und begibt sich auf den Weg, um die Menschen zu treffen, die einst so von ihrer Beziehung zu Richard überzeugt waren.

Dabei trifft sie Menschen und erlebt Dinge, die ihr bisheriges Weltbild in Frage stellen. Jahrelang hat Richard für sie entschieden, es wurden zum Beispiel nur Länder bereist, die ihm gefielen und es zeigt sich, dass Ellen dies kampflos so hingenommen hat. Auf ihrer Reise hat sie nun die Chance, sich ihre eigenen Meinungen zu bilden und das tut sie auch. Oft reagiert sie auf ihre eigenen Gedanken mit Unverständnis, bemerkt, dass das so eigentlich Quatsch ist und weist sich selber zurecht. Das fand ich gut und man bemerkte, wie Ellen im Verlauf immer mehr zu sich selber gefunden hat.

Generell mochte ich einige der Charaktere, die Ellen trifft leider mehr als sie selber. Sie wirkte oft recht festgefahren und auch ein bisschen versnobt, was sich aber zum Ende hin zum Glück legte. Es gab aber auch viele Personen, die sehr unsympathisch waren, deren Lebensweise und Sicht der Dinge man kaum verstehen konnte. Auch Richard gehörte zu diesen Menschen. Es scheint, dass er wirklich nur schlechtes über Ellen denkt und nach jedem Gespräch mit diesem unsensiblen Typen tat sie einem einfach nur Leid.

Das Buch macht auf jeden Fall Lust darauf selber zu reisen, Menschen, Länder und Kulturen kennenzulernen und das fern von Massentourismus, sondern eher im Rahmen einer richtigen Weltreise.

Leider muss ich sagen, dass Ellen tatsächlich gar nicht so viel rumgekommen ist wie erhofft. Anhand des Covers dachte ich, dass sie richtig viele Länder bereist und einiges erlebt. Dem war nicht so. Sie war letztendlich in wenigen Ländern, hat von eben diesen auch gar nicht viel gesehen. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass gut ein Drittel des Buches schon vorbei war bevor die Reise überhaupt begonnen hat. Es gab auch ein relativ abruptes Ende der Reise, was ich natürlich für sie selber, aber auch für den Leser schade finde. Vielleicht war es aber auch die Intention zu zeigen, dass manche Menschen nicht weit reisen müssen, um zu erkennen, was für sie wichtig ist. Nicht jeder ist für eine Weltreise gemacht.

Man findet auch ein paar Klischees im Buch, was Land und Leute angeht und für meinen Geschmack werden Probleme doch ein bisschen zu schnell und einfach gelöst.

Dennoch war es aber eine nette Geschichte über das Reisen und auch über Selbstfindung nach dem Beenden eines Lebensabschnitts. Toll, dass Ellen den Mut dazu hatte.

Bewertung vom 07.02.2019
Die Mottenkönigin (eBook, ePUB)
Jacoby, Beatrice

Die Mottenkönigin (eBook, ePUB)


sehr gut

Klarabell und ihre Cousinen sind empathisch Hochbegabte. Das heißt sie sind Traumwandlerin, Medium und Gedankenleserin. Sie leben abgeschottet und unter strengen Regeln in einem Internat, dürfen dieses nur in Begleitung von Bodyguards verlassen, müssen spezielle Ernährungsweisen einhalten und dürfen nicht mit "normalen" Menschen sprechen, weil dies sonst ihre Fähigkeiten negativ beeinflussen könnte.

Doch dann erhält Klarabell eine schlechte Prophezeiung. Sie wird ihren 18. Geburtstag nicht mehr erleben. In ihrer Panik flüchtet sie aus ihrer behüteten Welt und versucht verzweifelt eine Lösung zu finden. Diese wird ihr durch den Unsterblichen Pares geboten. Gegen eine kleine Gefälligkeit könnte auch Klarabell Unsterblichkeit erlangen. Es stellen sich allerdings die Fragen: Was ist ein Menschenleben wert und was bist du bereit für dein eigenes Leben zu opfern beziehungsweise zu tun?

Die Cousinen sind wirklich bemitleidenswert: Klarabell ist des Todes geweiht, Cassandra droht durch die ständigen Stimmen der Toten um sie herum verrückt zu werden und Morgana hat das Lachen verlernt. Die drei sind etwas ganz besondere Charaktere, ich mochte sie alle. Grade auch nachdem man im Verlauf erfährt, wie es zu bestimmten Situationen gekommen ist. Klarabell will sich den beiden anderen jedoch nicht anvertrauen, da sie nicht mehr so eine enge Bindung verbindet wie es früher der Fall war. Sie will sich selber und auch anderen gegenüber nicht eingestehen, was es über sie aussagen könnte, dass sie bereit ist bestimmte Dinge im Tausch gegen die Unsterblichkeit zu tun. Sie glaubt selber, dass sie sich immer weiter in ein Monster verwandelt.

Unerwartete Hilfe erfährt sie durch Noah, Morganas Stiefbruder, mit dem Klarabell eigentlich noch nicht mal reden dürfte, den sie aber schon immer faszinierend fand.

Zum Ende hin gibt es eine krasse Wendung und es kommt zu einem Finale, welches die gesamte Handlung des Buches in Frage stellt. Ich persönlich hätte mit dieser Entwicklung nie gerechnet, bin mir aber auch nicht sicher, wie gut ich sie finden soll.

Man muss auch sagen, dass das Buch spannungsmäßig eher dahin plätschert. Es gibt zwar einige Spannungsspitzen, diese sind aber nicht so zahlreich gesät. Es werden immer wieder die oben genannten moralischen Fragen aufgeworfen. Gerne hätte ich mehr über die empathisch Hochbegabten generell erfahren, welche Regeln es gibt, welche Konsequenzen bei Verstößen eintreten. Man lernte lediglich die drei Cousinen kennen, keine Autorität oder dergleichen. Es wirkte fast so, als könnten sie trotz der angeblichen strengen Regeln dennoch machen was sie wollten. Die Frage ist auch, ob tatsächlich alles so ist, wie man es ihnen jahrelang beigebracht hat oder ob dies nur Vorwände waren. Meiner Meinung könnte in Folgebänden gerne noch einiges an Erklärungen kommen.

Die Idee der Traumwandler, Medien, Gedankenleser und Unsterblichen ist aber definitiv spannend. Toll fand ich auch den Bezug zum Aberglauben. .... Edelsteine, Talismane und Tattoos, welche mit spezieller Impfstoff-Tinte gestochen werden bieten Schutz gegen schlechte Gedanken, Flüche oder den Einfluss von beispielsweise Freitag dem dreizehnten, einer schwarzen Katze, die den Weg von der falschen Seite kreuzt oder ähnlichen schlechten Omen. Auf der anderen Seite kann eine Pusteblume tatsächlich Wünsche wahr werden lassen. Besonders ist dabei auch, dass die Geschichte in der heutigen Zeit in Köln spielt. Die Fantasy-Elemente könnten aber auch eine eigene Welt oder Parallel-Welt vermuten lassen. Dieser Mix ist echt genial.