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Benutzername: Tintenwelten


Bewertungen

Insgesamt 58 Bewertungen
Bewertung vom 10.06.2018
Der Anfang / Immerwelt Bd.1
Showalter, Gena

Der Anfang / Immerwelt Bd.1


sehr gut

Tenley hat die Qual der Wahl: sie muss sich entscheiden, ob sie ihr Leben nach dem Tod in der Sphäre Myriad oder Troika führen möchte. Ihre Entscheidung hat aber nicht nur Einfluss auf ihr sogenanntes “Zweitleben”, sondern auch auf das aktuelle. Ihre Eltern sind Anhänger von Myriad und möchten unbedingt, dass sie sich dieser Sphäre verpflichtet. Daher schicken sie Tenley in eine Art Besserungsanstalt, die allerdings eher einem Gefängnis gleicht. Schlechtes Essen, menschenunwürdige Behandlung und gnadenlose Folter stehen auf der Tagesordnung.

Doch dann tauchen Bow, Tens neue Zellengenossin und Troika-Anhängerin und der unwiderstehlich attraktive Kilian auf, der zu Myriad gehört. Beide versuchen Tenley auf ihre Seite zu ziehen.

Die ersten Seiten, welche in der Besserungsanstalt spielen, empfand ich teilweise als abstoßend. Die Vorstellung, dass ihre Eltern Tenley bewusst dorthin geschickt haben, obwohl sie wissen, welche Verhältnisse dort herrschen und dass ihr Kind dort die Hölle auf Erden erlebt, finde ich wirklich krass. Alleine aus Prinzip hätte ich mich dann für die andere Sphäre entschieden. Was sind das für Eltern? Was sind das für Leute, die zu so etwas fähig sind?

Die Ereignisse in der Anstalt haben Tenley auf jeden Fall abgehärtet und zu einer starken Persönlichkeit gemacht, die ihre Gefühle abschottet, um sich zu schützen. Sie hat das Kämpfen gelernt und kann sich verteidigen. Auf der anderen Seite ist sie aber auch sehr unsicher, weil sie sich einfach nicht entscheiden kann, welche Sphäre die richtige für sie ist.

Natürlich gibt es im Buch auch einen “love interest”. Allerdings kann ich diesen nicht so richtig nachvollziehen. Kilian mag zwar gut aussehen und absolut heiß sein, aber er ist auch ein richtiger Bad Boy, der einfach völlig verdrehte Strategien in Bezug auf Problembewältigung hat. Mir hat Archer vom Charakter her viel besser gefallen und war mir dementsprechend auch deutlich sympatischer. Er war wie ein Bruder oder guter Freund für Tenley, auf den man sich einfach verlassen kann.

Positiv aufgefallen ist, dass es im Buch niemals langweilig wurde. Es ist immer etwas passiert, es war actionreich, es gab einige unerwartete Wendungen. Tenley und ihre Begleiter konnten sich niemals sicher sein.

Die Idee der verschiedenen Sphären und einem Leben nach dem Tod fand ich generell sehr gut, allerdings war die Umsetzung beziehungsweise die Erklärung des Ganzen eher schwierig und verwirrend. Ich habe viele Seiten gebraucht bis ich verstanden habe, was es mit den verschiedenen Sphären auf sich hat, welche Vor- oder Nachteile es bringt sich für diese oder jene zu entscheiden. Im Verlauf erfährt der Leser dann auch, warum es für Troika und Myriad so wichtig ist, dass Tenley sich nicht für die jeweils andere Sphäre entscheidet. Allerdings empfand ich das auch wieder als sehr kompliziert.

Kompliziert und anstrengend war es auch Tenleys Entscheidungsfindung oder eher das regelmäßige Umentscheiden zu beobachten. Sie war einfach völlig hin und hergerissen, wusste nicht, was das Richtige ist, was sie nach ihrem Tod erwarten würde. Dieses ständige hin und her wurde auf Dauer schon leicht nervig. Das ganze Buch über weiß man nicht welche Sphäre sie letztendlich wählen wird. Die Entscheidung fällt erst mit dem finalen Wort des Buches.

Das Buch vereint eine gute Idee, interessante Charaktere und viel Spannung, ist dabei aber leider oft verwirrend, was bestimmte Erklärungen angeht.

Bewertung vom 27.05.2018
Der Pflegefall (eBook, ePUB)
Monti, Olivia

Der Pflegefall (eBook, ePUB)


gut

Anna tritt eine neue Stelle als Pflegerin des alten Herrn Brunt an. Er ist körperlich sehr gebrechlich, aber geistig noch recht fit. Auf dem Grundstück lebt auch das Hausmeisterehepaar Nella und Markus. Diese warnen direkt vor dem schwierigen Charakter des Hausherren. Er sei aggressiv, beleidigend, jähzornig und habe mit seinem Verhalten schon einige Pflegerinnen vergrault. Außerdem erzählen sie haarsträubende Geschichten aus dessen Leben, nach denen Herr Brunt kein guter Mensch gewesen sein kann. Aus diesem Grund lassen Nella und Markus den alten Mann auch bei jeder Gelegenheit wissen, wie sehr sie ihn verachten und wie abhängig er von deren Hilfe ist.

Schnell bemerkt Anna, dass im Haus nicht alles mit rechten Dingen zu geht. Doch sie weiß einfach nicht wem sie vertrauen und wem sie glauben soll. Herr Brunt erzählt nämlích eine ganz andere Version der Vergangenheit und verhält sich ihr gegenüber auch nicht wie angekündigt. Was ist wirklich passiert? Sind die Ereignisse, die sich in der Villa abspielen tatsächlich zu rechtfertigen?

Als Leser spürt man deutlich Annas Zwiespalt. Dennoch kommt sie mir teilweise doch sehr naiv und manchmal auch ein wenig dümmlich vor. Das Verhalten der Charaktere wirkt insgesamt sehr authentisch, allerdings ist mir keiner von ihnen ans Herz gewachsen oder sympathisch gewesen.

Herr Brunt gegenüber war ich - ebenso wie Anna - lange hin und her gerissen. Er tat mir Leid, weil er so menschenunwürdig behandelt wird. Er konnte sehr freundlich und zuvorkommend sein, legte dann aber teilweise eine beleidigende und vulgäre Ausdrucksweise an den Tag und war einfach nur unausstehlich. Man wusste nicht, was ist echt, was vorgetäuscht?

Selbstjustiz spielt im Buch eine große Rolle. Hat Herr Brunt verdient, was ihm jetzt im Alter geschieht? Hat er die Dinge, die man ihm vorwirft überhaupt getan? Wenn alles der Wahrheit entspricht, bereut er womöglich seine Vergangenheit oder ist er lediglich ein berechnender alter Mann, der die Menschen gerne manipuliert?

Interessant war für mich auch das Thema Pflege, der Umgang mit alten Menschen, deren Bedürfnissen und das “Warten auf den Tod”. Das Buch zeigt einerseits was Pflegende täglich leisten. Auf der anderen Seite verdeutlicht es aber auch wie Pflege eben nicht ablaufen sollte. Nämlich, dass der Hilfsbedürftige als Last angesehen wird und die Pflegekraft ständig ihre Macht über diesen demonstriert.

“Der Pflegefall” ist ein spannender Kriminalroman, der einige unvorhersehbare Wendungen bereithält und in ein atemraubendes Finale gipfelt.

Bewertung vom 27.05.2018
Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden
Kawamura, Genki

Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden


sehr gut

Ein junger Briefträger erfährt von seiner unheilbaren Krankheit Es bleiben ihm lediglich wenige Tage, vielleicht Wochen bevor er ihr erliegen wird. Bisher hatte er keine Gelegenheit dies zu verarbeiten und steht dementsprechend noch unter Schock. Doch dann erscheint ihm der leibhaftige Teufel und bietet ihm einen Deal an: Er erhält jeweils einen zusätzlichen Tag Leben im Tausch gegen eine vom Teufel ausgewählte Sache, die für immer von der Welt verschwindet. In einer Welt des Überflusses sei es bestimmt kein Problem, wenn das ein oder andere unwichtige Objekt verschinden würde, denkt sich der Protagonist am Anfang.

Die Interaktion zwischen Teufel und Protagonist ist sehr unterhaltsam und auch teilweise etwas flapsig. Zusammen mit einem leichten und lockeren Schreibstil macht dies das Buch zu einer relativ kurzen Lektüre, was natürlich auch der geringen Seitenanzahl geschuldet ist.

Auf der anderen Seite regt die Geschichte jedoch zum Nachdenken an und wirft wichtige Fragen auf: Was bist du bereit für dein Leben zu opfern? Was ist wirklich wichtig im Leben? Welche Auswirkungen gibt es, wenn bestimmte Dinge von der Welt verschwänden? Und ist ein einziges Leben es wert, das Leben von vielen anderen in dieser Art und Weise zu beeinflussen? Um sich all dieser Dinge bewusst zu werden, reflektiert unser namenloser Protagonist sein Leben und stellt fest, wie trist es bisher verlaufen ist. Er stellt fest, dass nicht ein langes Leben ausschlaggebend ist, sondern dessen Intensität und was man daraus gemacht hat.

Schön fand ich, dass im Buch auch ein Kater eine große Rolle spielt. Der Umgang zwischen Protagonist und Samtpfote war liebenswürdig und sehr amüsant und hat die Geschichte für mich nochmal zusätzlich aufgewertet.

Das Buch thematisiert Tod, Trauer und Verlust auf poetische und bewegende Weise, geizt dabei aber dennoch nicht mit Charme und einer gesunden Portion Witz.

Bewertung vom 04.05.2018
Das verliebte Ich
Petz, Matthias

Das verliebte Ich


sehr gut

Wir begleiten einen namenlosen Protagonisten über einige Jahre hinweg. Nach dem Studium geht er nach Venedig, wo er die Liebe seines Lebens kennenlernt. Eines morgens ist sie jedoch spurlos verschwunden. Er begibt sich auf die Suche nach ihr und tritt noch ein paar Mal mit ihr in Kontakt. Dieses Schema zieht sich teilweise durch sein Leben: er trifft Menschen, die ihn über kurz oder lang wieder verlassen. So kommt es dazu, dass sich der Erzähler fragt, ob die Erinnerungen, die er an bestimmte Personen oder Ereignisse hat, tatsächlich der Realität entsprechen.

Diese Kurzgeschichte ist geprägt von Zweifel, Verwirrung, Verzweiflung, dem Gefühl wahnsinnig zu werden und sich selber nicht trauen zu können. All diese Gefühlszustände kommen sehr authentisch rüber und als Leser ist man ein Teil dieser Erlebnisse und Emotionen. Es ist als würde man diese Geschichte wirklich erzählt bekommen.

Das Buch liest sich wie ein Thriller, bei dem es nicht mit rechten Dingen zu geht. Man merkt, ebenso wie der Protagonist, dass irgendetwas nicht stimmt, kann es aber nicht recht benennen. Dies löst ein beängstigendes und bedrückendes Gefühl aus.

Als es letztendlich zur Auflösung kommt und man alles “versteht” ist dies ein wahrer Schock und kam völlig unerwartet.

Thema hier sind psychische Erkrankungen, erlebt und beschrieben aus erster Hand. Dadurch ist das Buch so eindrucks- und gehaltvoll. Es ist absolut spannend Einblicke in die Psyche eines Betroffenen zu erhalten, der sich selber dieser Erkrankung nicht bewusst ist und sich das Erlebte erstmal nicht erklären kann. Eine wahre Leseempfehlung!

Bewertung vom 04.05.2018
Arthur und die Farben des Lebens
Causse, Jean-Gabriel

Arthur und die Farben des Lebens


sehr gut

Eines Tages verschwinden auf mysteriöse Art und Weise alle Farben, die Welt versinkt in trostloses schwarz-weiß. Zunächst geraten die Menschen in Panik. Wo sind die Farben hin und wann beziehungsweise kommen sie überhaupt zurück? Doch hat sich wirklich so viel verändert?

Arthur hat grade seinen Job in einer Buntstift-Fabrik verloren, er ist Alkoholiker. Seine blinde Nachbarin Charlotte ist Wissenschaftlerin. Sie beschäftigt sich mit Farben und deren Bedeutung. Grade sie, die nichts sehen kann, zeigt dem Leser eine ganz andere Sicht auf das Leben. Es ist fast so, als wäre man selber bisher der Blinde gewesen. Sie nimmt alles ganz anders, viel intensiver und sehr faszinierend wahr und sieht damit die wirklich wichtigen Dinge, zum Beispiel ihre kleine Tochter, die sie mit viel Liebe aufzieht.

Zusammen machen Arthur und Charlotte es sich zur Aufgabe den Menschen die Farben zurückzubringen. Dabei bekommen sie Hilfe durch einen Taxifahrer und die Bewohner eines Seniorenheims. Zusätzlich ist ihnen auch noch die chinesische Mafia auf den Fersen. All diese Charaktere sind etwas ganz besonderes und liebevoll ausgearbeitet. Es macht Spaß sie auf ihrem Weg zu begleiten.

Wie man vielleicht schon merkt ist die Geschichte ein wenig verrückt und skurril, dabei aber auch humorvoll. Sie regt zum Nachdenken an und öffnet die Augen auf unsere heutige Welt, die trotz Farbpracht dennoch teilweise sehr farb- und trostlos ist. Oft sind schwarz, weiß und grau dominierende Farben, ob bei Kleidung, Autos oder der Wohnungseinrichtung. Die Denkweise ist oft “schwarz-weiß” oder findet in sogenannten Schubladen statt.

Der Schreibstil ist poetisch, teilweise aber auch voller Sarkasmus und an einigen Stellen leicht überzogen. Dies lässt die Geschichte zwar kurzweilig erscheinen, doch sie gibt dem Leser so viel mit und ist auf ihre eigene Art und Weise sehr gehaltvoll und lässt das eigene Leben reflektieren.

Man erfährt zudem viel über Farblehre. Bestimmte Farben begünstigen beispielsweise die Emotionen: grün die Hoffnung, gelb den Neid, rot steht für Leidenschaft und Aggression.

Zusätzlich wird das Buch durch einige liebevolle und detaillierte Illustrationen aufgewertet, die sich vor jedem Kapitel befinden.

Ein sehr gelungenes Buch, dass den Nerv der Zeit trifft und ihn auf charmante Art kritisiert. Absolut lesenswert!

Bewertung vom 04.05.2018
Palace of Glass - Die Wächterin / Palace-Saga Bd.1
Bernard, C. E.

Palace of Glass - Die Wächterin / Palace-Saga Bd.1


sehr gut

Rea ist eine Magdalena. Diese können durch bloße Berührung in den Geist der Menschen eindringen und ihn manipulieren. Deshalb sind Berührungen jeglicher Art verboten, Magdalenen werden gejagt. Rea verstößt gegen das Gesetz in dem sie an Straßenkämpfen teilnimmt. Dadurch zieht sie die Aufmerksamkeit des britischen Geheimdienstes auf sich, der sie als Leibwächterin des Kronprinzen rekrutiert, denn auf ihn wurde bereits ein Attentat verübt.

Das Szenario des Buches ist sehr interessant und hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Eine Welt, die auf der einen Seite fortschrittlich und modern ist, aber bezüglich der Kleidung sehr rückständig. Man kleidet sich züchtig, möglichst farblos und nahezu jeder Zentimeter der Haut wird bedeckt.

Das Buch ist aus Reas Sicht geschrieben. Sie wirkte sehr authentisch, ich konnte mich gut in sie hinein fühlen. Sie ist zwiegespalten, weil sie sich einerseits zum Prinzen hingezogen fühlt und mit ihm ganz neue Seiten an sich entdeckt. Auf der anderen Seite steht der Prinz beziehungsweise das Königshaus aber für alles, wogegen sie eigentlich kämpfen sollte und ist damit ihr größter Feind. Sie leidet unter ständiger Haut- und Geistgier, es geht ihr also schlecht, wenn sie über längere Zeit keinen Hautkontakt hatte. Außerdem lebt sie in der ständigen Angst, dass ihr größtes Geheimnis aufgedeckt wird. Ich habe mit ihr gelitten, geliebt, gekämpft und konnte sie so gut verstehen.

Doch es gibt noch andere interessante Charaktere. Der Prinz ist beispielsweise sehr mysteriös und man weiß nicht woran man bei ihm ist. Er ist teilweise schroff und unnahbar und verbirgt etwas. Ninon ist eine Freundin der Krone und eine sehr faszinierende Persönlichkeit. Sie kleidet sich skandalös, farbenfroh und sehr provokant. Bei ihr war ich mir nie sicher auf welcher Seite sie steht.

Zu Beginn wird relativ viel erklärt, was den Einstieg und das Verständnis für die Welt und die Geschichte erleichtert hat. Der Schreibstil ist flüssig und schnell zu lesen. Es passiert immer etwas und es gibt einige Wendungen, die völlig unerwartet kamen.

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite hat mich diese Story über das zukünftige England absolut überzeugt. Szenario, Handlung, Charaktere, Spannungsbogen, Idee und Umsetzung sind einfach toll und etwas völlig neues. Ich freue mich auf die nächsten beiden Bände, die zum Glück auch dieses Jahr erscheinen werden.

Bewertung vom 22.04.2018
Blutroter Frost (eBook, ePUB)
Winter, Meredith

Blutroter Frost (eBook, ePUB)


gut

Julie ist 35 Jahre alt, Anästhesistin und völlig überarbeitet. Deshalb kündigt sie ihren Job, macht mit ihrem Freund Schluss und nimmt sich danach erstmal eine Auszeit. Als sie zurück kommt lernt sie Spencer kennen, den Bruder eines Freundes. Dieser ist anfangs verschlossen und schroff, aber schnell wird klar, dass zwischen den beiden die Funken sprühen. Julies Traum ist es, eine operative Tagesklinik zu eröffnen, allerdings gerät sie dabei unbeabsichtigt mit der Leichenteilmafia in Verbindung.

Soweit so gut. Das Thema Leichenteilmafia hat mich auf dem Klappentext direkt angesprochen und es war klar, dieses Buch möchte ich lesen. Ich war so gespannt darauf mehr Hintergründe, mögliche Opfer und Vorgehensweisen zu erfahren und war neugierig wie die Autorin dies umsetzen würde. Nun ist das Buch aber ein Ladythriller, es wird also Liebesgeschichte mit Thriller beziehungsweise Krimi gemixt.

Man muss sagen, dass der Fokus hier definitiv auf der Liebesgeschichte liegt. Die ersten 120 bis 150 Seiten geht es nur um die Beziehung zwischen Julie und Spencer, wie sie zueinander finden, ihre Höhen und Tiefen. Das Thema Mafia wird eigentlich noch nicht mal wirklich angeschnitten. Dann passiert in der Mitte der Geschichte etwas, worauf Julie meiner Meinung wirklich sehr komisch beziehungsweise überhaupt nicht adäquat reagiert, wo ich mich schon gefragt habe, was das jetzt soll. Danach hat sich die Sache auch schon fast wieder erledigt. Am Ende geht es noch mal kurz zur Sache, aber so richtig überzeugen konnte mich dieses Thriller- oder Krimielement leider nicht.

Die Beziehung zwischen Julie und Spencer habe ich doch teilweise als eher anstrengend empfunden. Ständig kam es zu Missverständnissen, weil sie einfach nicht vernünftig kommuniziert haben. Zudem hat Spencer ein eher geringes Selbstwertgefühl, weshalb er sich des öfteren als unzureichend empfindet und die Fehler bei sich sucht. Dennoch herrscht zwischen ihnen aber knisternde Erotik und diese Liebesgeschichte ist definitiv lesenswert.

Leider ist der Klappentext wirklich eher irreführend und verrät zudem auch zu viel. Wer das Buch aufgrund der Thematik Leichenteilmafia lesen möchte, wird wahrscheinlich enttäuscht werden. Wer Lust auf eine leicht kitschige Liebesgeschichte hat, greift hier zum richtigen Buch.

Bewertung vom 15.04.2018
36 Fragen an dich
Grant, Vicki

36 Fragen an dich


sehr gut

Hildy und Paul nehmen an einem psychologischen Experiment teil. Sie sollen sich gegenseitig 36 vorgegebene Fragen stellen. Ziel ist es zu testen, ob anhand dieser Fragen Liebe zwischen zwei völlig Fremden entstehen kann.

Die beiden Protagonisten sind unterschiedlicher wie sie nicht sein können. Hildy kommt aus einem wohlsituierten Umfeld, allerdings herrscht zu Hause grade dicke Luft zwischen den Eltern. Sie nimmt an der Studie teil, weil sie sich für Psychologie interessiert.

Paul hingegen kommt aus zerrütteten Verhältnissen und braucht dringend die 40 Dollar, die es für die Teilnahme gibt. Für ihn können sie die Fragerei gar nicht schnell genug hinter sich bringen. Er gibt sich anfangs schroff, sarkastisch, relativ desinteressiert und unhöflich. Doch Hildy merkt, dass er durch seine harte Schale etwas zu verbergen versucht.

Ich mochte die Atmosphäre zwischen den beiden, wie sich langsam eine Bindung zwischen ihnen entwickelt hat und sie sich ihrem Gegenüber nach und nach geöffnet haben. Im Verlauf des Buches sind beide gewachsen und stärker geworden.

Auch der Aufbau des Buches hat mich überzeugen können. Während der Beantwortung der Fragen ist es wie ein Protokoll gehalten. Der Rest wird erzählend aus Hildys Sicht wiedergegeben. So erfährt man mit ihr zusammen, was es mit Pauls Vergangenheit und seinem Geheimnis auf sich hat. Gespickt wird die Geschichte mit einigen kleinen Comics, denn Paul zeichnet gerne. Diese sind süß, humorvoll und passend zur jeweiligen Situation. Dadurch war das Buch sehr abwechslungsreich, frisch und schnell zu lesen.

Schön fand ich auch, dass die 36 Fragen tatsächlich aus einer richtigen Studie stammen, also wirklich relevant sind. Ich habe durch sie viel über Hildy und Paul gelernt und sie in mein Herz geschlossen.

Es ist ein teilweise sehr emotionales Buch über Freundschaft, die erste Liebe, das Erwachsen werden, Trennung und Verlust. Eine tolle Idee, die gut und überzeugend umgesetzt wurde und einfach Spaß macht.

Bewertung vom 24.03.2018
Schloss aus Glas (Filmausgabe)
Walls, Jeannette

Schloss aus Glas (Filmausgabe)


sehr gut

Jeannette Walls berichtet über ihr eigenes außergewöhnliches Leben innerhalb einer Familie, die nicht der Norm entspricht. Sie beginnt bei ihrer frühsten Kindheitserinnerung. Damals war sie drei Jahre alt und verbrühte sich beim Würstchen kochen. Dies ist nur eines von zahlreichen haarsträubenden Ereignissen, welchen sie in ihrer Kindheit und Jugend ausgesetzt war.

Ihr Vater ist Alkoholiker, verliert einen Job nach dem anderen. Die Mutter, Künstlerin und gelernte Lehrerin, geht nur im äußersten Notfall und dann auch nur sehr widerwillig arbeiten. Für sie sind der Staat, Behörden oder die Polizei linke Banditen, die man nicht ernst nehmen muss und die einen nur übers Ohr hauen wollen.

Die Familie hat vier Kinder, zieht von Ort zu Ort, bis es eben am jeweiligen Aufenthaltsort wegen der Schulden zu heiß wird. Sie sind sehr arm, wohnen in kleinen Wohnungen, Trailerparks oder heruntergekommenen Hütten, leben am Existenzminimum. Nicht nur einmal verhungern oder erfrieren die Kinder fast. Es ist ein hartes Leben.

Anfangs erkennt man einen starken Familienzusammenhalt und großes Vertrauen in die Eltern. Es ist ja nicht so, dass diese die Kinder nicht lieben würden, sie haben einfach eine andere Denkweise, andere Prioritäten und eine sehr legere Erziehungsweise, die da lautet “Lass sie mal machen”. Eine Sorgfaltspflicht gegenüber der Kinder ist nahezu nicht existent. Über die Jahre und durch sich häufende Enttäuschungen beginnt das Vertrauen zu bröckeln und die Familie droht zu zerfallen.

Geschrieben wird aus Jeannettes Sicht. Sie schildert das sehr unkonventionelle Leben ihrer Familie, ihre Überlebensstrategien und wie sie es geschafft hat sich ihren Traum zu erfüllen: Journalistin und Autorin in New York zu werden. Angesichts der verheerenden Zustände ihrer Kindheit ist es einfach bemerkenswert, was sie in ihrem Leben erreicht hat und verdient großen Respekt. Ihr wurden vom Leben und auch von ihren Eltern ganze Felsbrocken in den Weg gelegt, doch mit viel Mühe und Ehrgeiz hat sie diese erklommen.

Das Buch stimmt einen sehr nachdenklich, eröffnet eine ganz andere Sicht auf die Welt. Obwohl Jeannette ihr Leben recht nüchtern beschreibt, löst es doch zahlreiche Emotionen aus: Wut auf die Eltern, Trauer um die Kinder, die diesem Leben so schutzlos ausgeliefert waren. Niemand sollte so leben müssen. Freude und Zuversicht, weil nicht nur Jeannette sich ihre Träume erfüllt hat.

Es ist ein sehr wichtiges und gut geschriebenes Buch über Familie und Vertrauen, das Leben in Armut, das Überleben und die Verwirklichung von Träumen. Es lässt einen fassungslos und bewegt zurück und macht dennoch Mut.