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Benutzername: Monina83
Danksagungen: 5 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 222 Bewertungen
Bewertung vom 03.07.2020
Blaues Gold
Zaurrini, Christelle

Blaues Gold


weniger gut

Meine Meinung:

Was habe ich mich auf dieses Buch gefreut. Schon seit ich das Cover und den Klappentext zum ersten Mal gesehen habe, war mir klar, dass ich, als Dystopie-Fan dieses Buch lesen muss.

Als es jetzt endlich herauskam, habe ich mich sofort drauf gestürzt.

Anfangs lernt man Ella kennen, die mit vielen anderen Jugendlichen in „Wonderland“ lebt und dort ausgebildet wird. Schnell wird klar, dass ihr Leben im Grunde nichts wert ist und auch ihre Zukunft nicht viel besser aussieht. Kurz bekommt man auch einen Einblick, wie das damals mit dem Wasser passiert ist und was das bedeutet. Trotzdem konnte ich die Welt nicht wirklich greifen. Man erfährt kaum etwas über die Aquas oder wie die Hierarchie zustande kommt. Die Wissenschaftlerin, in deren Besitz sich die geheime Formel befindet, wird zwar als der Bösewicht schlechthin aufgeführt, aber wir als Leser bekommen schlichtweg zu wenige Informationen, um uns ein genaues Bild von den wirklichen Lebensumständen zu machen. Das gesamte System blieb für mich undurchsichtig und ich konnte mich kaum in dieser Welt zurechtfinden, die Christelle Zaurini in dieser Geschichte geschaffen hat.

Auch die Charaktere selbst blieben mir zu „farblos“ und gewannen kam an Tiefe. Zunächst begleiten wir Ella und ihren einzigen Freund Silas in ihrem Alltag, doch hier passiert nicht wirklich viel. Es gab genau eine Szene, in der ich ein wenig von Ellas Charakter erkennen konnte, als sie sich gegen eine Ungerechtigkeit stellt. Ansonsten erträgt sie jede Situation stumm und fügt sich immer sang- und klanglos in ihr nächstes Schicksal. So stolpert sie geradezu von einem Ereignis ins nächste, wobei sie dabei meist einen passiven Part einnimmt. Da hatte Cole für mich noch mehr Substanz, da er von Anfang an weiß, was er möchte und sein Motiv für den Kampf wirklich überzeugend ist. Er bekommt auch deutlich mehr Hintergrund, als Ella ihn hat und setzt sich für das ein, was ihm am Herzen liegt. Dabei ist er aber fast schon etwas „zu perfekt“, was ich aber in diesem Fall gerne durchgehen lasse.

Spätestens als Ella und Cole gemeinsam fliehen und sich dem Widerstand anschließen wollen, habe ich damit gerechnet, dass das Buch an Fahrt aufnehmen, dass Spannung in die Geschichte hineinkommen würde. Stattdessen gab es für mich eine Aneinanderreihung von Ereignissen, die oftmals ausgeschmückt wurden, dann aber keinerlei wirkliche Bedeutung für die Story an sich hatten. Ich dachte dann immer, dass am Ende noch etwas kommen müsste, was dann jedoch leider nicht der Fall war. Vielleicht dienten manche Situationen dazu, die Hintergründe der Geschichte noch deutlicher zu machen, mir hat dabei jedoch oftmals einfach der rote Faden gefehlt.

Im Mittelteil gibt es dann tatsächlich eine sehr schöne Wendung, eine Überraschung, die wirklich Potenzial hat und die Ereignisse noch einmal in ein anderes Licht rückt oder sollte ich sagen rücken könnte, denn leider wird hierauf nicht viel Zeit verschwendet und während das Buch an manchen Stellen unnötig langgezogen wird, kam es an anderen dann zu kurz. Insgesamt ging es mir einfach zu wenig in die Tiefe, so dass ich beim Kampf ums Überleben nicht wirklich mitfiebern konnte, was mir echt leid tat, da mich die Idee an sich sofort gefesselt hatte.

Der Schreibstil der Autorin ist trotz allem sehr angenehm zu lesen. Es gibt keine langen Schachtelsätze oder Begriffe, über die man stolpern könnte. Insgesamt liest es sich sehr flott und schnell und man hat die knapp 300 rasch durchgelesen.

Fazit:

Trotz faszinierender Idee konnte mich „Blaues Gold – Wasser wie Blut“ leider nicht überzeugen. Insgesamt fehlte es mir sowohl am Weltenbau, als auch den Charakteren und der Handlung selbst an Tiefe. Ich konnte mir weder ein Bild von den Hintergründen, noch von den Protagonisten machen, so dass ich nicht wirklich mitfiebern konnte.

Von mir bekommt das Buch 2 Punkte von 5.

Bewertung vom 27.06.2020
Anything for you
Fracchiolla, Marcella

Anything for you


ausgezeichnet

Meine Meinung:

Die Ereignisse beginnen ein Jahr vor der Abschlussrede. Die Stipendiaten sind gerade am Internat angekommen und die Schule nimmt seit kurzem auch Tagesschüler auf. So trifft Maya auf Luke und Lana auf Nate. Schon in den ersten beiden Bänden ist klar, dass Maya und Nate nicht wirklich das Traumpaar sind, wie es eigentlich sein sollte, aber was genau dahinter steckt, das weiß man nicht und erfährt man auch erst nach und nach. Ehrlich gesagt hätte ich nie damit gerechnet, was es damit wirklich auf sich haben könnte. Natürlich bekommt man in den ersten beiden Bänden schon ein paar kleine Hinweise, aber die Geschichte ist tatsächlich so viel größer, als ich gedacht hätte. Das machte die Story richtig spannend und ich war sehr neugierig darauf, ob es den Protagonisten gelingen würde, sich aus diesen scheinbar ausweglosen Situationen zu befreien. Ich wurde dadurch jedenfalls richtig an die Seiten geklebt, weil ich unbedingt wissen musste, wie es für die vier enden würde. Dabei merkte ich gar nicht, wie schnell die Seiten verflogen, da Marcella Fracchiolla so einen schönen fließenden und locker-leichten Schreibstil hat, der perfekt zu diesem Genre passt.

Auch Allie und Leah die ersten beiden Protagonistinnen aus Teil 1 und 2 haben eine wirklich schwierige Familiensituation, aber was Maya und Nate durchmachen müssen, puh, die beiden hatten wirklich mein vollstes Mitleid. Es ist halt nicht immer alles Gold, was glänzt und hier sind die Schönen und Reichen tatsächlich mehr Schein, als Sein. Maya und Nate haben also mit wirklichen Problemen zu kämpfen und können es beide nicht gebrauchen, dass sie sich ausgerechnet jetzt verlieben. Mir gefiel es sehr gut, wie Marcella Fracchiolla hier anfangs ganz zarte Bande knüpft, die immer stärker werden. Nach und nach entwickeln sich hier echte Gefühle und ich konnte mich nicht entscheiden, welche Liebesgeschichte mir besser gefiel. Die von Maya und Luke oder die von Nate und Lana. Ich habe es beiden Pärchen auf jeden Fall gegönnt und richtig mit ihnen mitgefiebert. Das war richtig großes Gefühlskino. Bei mir hat es beim Lesen sogar selbst im Bauch gekitzelt, so sehr war ich in der Geschichte drin.

Dabei fand ich es vor allem schön zu sehen, wie unterschiedlich Maya und Nate mit der jeweiligen Situation umgehen. Beide werden von ihren Eltern zu etwas gedrängt, das sie so nicht möchten und versuchen auf ihre Art den besten Weg zu finden. Doch so unterschiedlich, wie die beiden sind, sind auch ihre Entscheidungen und diese ziehen natürlich auch wieder Kreise für alle Beteiligten. Ich fand es tatsächlich sehr interessant, zu verfolgen, wie die beiden sich aufgrund ihrer Herausforderungen entwickelten. Zwar konnte ich nicht jede Entscheidung verstehen und gutheißen, aber doch nachvollziehen.

Mit dem Ende hat mich Marcella Fracchiolla dann aber richtig überrascht und begeistert. Ich mag es jedenfalls sehr gerne, wenn Bücher anders ausgehen, als man es erwartet und hier ist das Ende absolut stimmig, aber doch auch ungewöhnlich. Das fand ich richtig gut.

Fazit:

Dieser dritte Band der Woodland Academy Reihe gefiel mir fast noch besser, als seine beiden Vorgänger, obwohl die schon richtig toll waren. Die Charaktere waren mir durch die ersten Bände schon ans Herz gewachsen und ich war sehr gespannt, was hinter all den kleinen Andeutungen stecken würde, die es in Teil 1 und 2 schon gab und machte mich auf die spannende Suche nach Antworten. Dabei fand ich es sehr interessant, wie unterschiedlich die Protagonisten mit ihrer Situation umgingen und wie sich ihre Entscheidungen auf alle weiteren Geschehnisse ausgewirkt haben. Es war eine richtige Achterbahnfahrt der Gefühle, die mich vollkommen mitgerissen und am Ende begeistert zurückgelassen hat.

Bewertung vom 19.06.2020
Wo die Sterne tanzen
Herzog, Katharina

Wo die Sterne tanzen


ausgezeichnet

Meine Meinung:

Im Prolog befinden wir uns mit Nele im Jahr 1991 und erleben, wie sie Henry auf Juist kennenlernt. Sie verbringt dort Zeit bei ihrer Oma, während der Junge dort wohnt. Schnell ist klar, dass für diese beiden eine besondere Freundschaft beginnt. Irgendwie hatte ich einfach beim Lesen das Gefühl, als wäre dieser Moment magisch, als wäre es Schicksal, dass sich die Kinder treffen und anfreunden. Katharina Herzog hat bei dieser ersten Begegnung so eine besondere Atmosphäre geschaffen, dass ich gar nicht anders konnte, als mit den beiden mitzufiebern.

Fortan begleitet man Nele durch die Jahre. Man erlebt ihren ersten Kuss mit Henry und wie aus Freundschaft mehr wird. Ich hatte direkt Schmetterlinge im Bauch, als ich das las. Hach, die erste große Liebe ist einfach etwas Besonderes. Umso trauriger war ich, als es ein ganz doofes Missverständnis gab. Ich hätte am liebsten geschrien, so nah waren mir die beiden Protagonisten schon. Die Autorin hat es geschafft, dass ich von Anfang an eine enge Beziehung zu Nele aufgebaut und mir für sie nur das Beste gewünscht habe.

Sehr schön fand ich dabei auch die Botschaft, die man aus dem Buch herauslesen kann: Greif nach den Sternen und kämpfe für Deine Träume. Nele dient dem Leser dabei als Vorbild, denn sie möchte von klein auf Musicaltänzerin werden und tut alles dafür, damit dieser Traum Wirklichkeit wird. Und schließlich schafft sie es: Sie steht als Hauptrolle auf der Bühne. Trotzdem musste sie dafür Opfer bringen und als Leserin fragte ich mich unwillkürlich, was ich bereit wäre, für meinen Traum alles aufzugeben und ob ich so stark wäre wie Nele. Denn es gehört wirklich viel Mut dazu, so einen Beruf zu wählen und sie hat es auch wirklich nicht leicht damit. Doch Nele ist eine dieser Protagonistinnen, die ich wirklich bewundere. Sie ist stark und unabhängig und geht ihren Weg. Mir persönlich gefiel es dabei besonders gut, dass Nele auch Mutter ist und damit nicht nur für sich selbst kämpfen muss, sondern auch überlegen, was das Beste für ihre Tochter ist. Als Mutter denkt man noch einmal ganz anders und ich konnte mich wirklich gut in sie hineinfühlen.

Als Leser kann man auch gut beobachten, wie sie sich entwickelt, da man sie über Jahre in der Geschichte begleiten darf, was mir richtig gut gefiel. Auch die Begegnungen, die sie dabei hat prägen sie und so lernt man viele Nebencharaktere kennen, wie z.B. Emily, die Nachbarin von Oma Lotte, die eine Tanzschule betreibt oder Jens, der später ihr bester Freund wird. Auch er kämpft für seinen Traum, lieber in einem Blumenladen zu arbeiten, statt die Metzgerei der Eltern zu übernehmen. Dieses Buch ist wirklich voller Träume und voller Figuren, die ganz unterschiedlich damit umgehen.

Und dann ist da noch die Liebesgeschichte, die immer präsent ist, aber doch nicht zu viel Raum einnimmt, denn eigentlich ist sich die Protagonistin ja über ihre Gefühle gar nicht wirklich bewusst und erkennt erst spät, wem ihr Herz wirklich gehört. Doch genau das fand ich toll, denn als Leser weiß man natürlich längst, was sie noch nicht wahrhaben will und fiebert deshalb ganz schön mit den beiden mit. Mir hat es jedenfalls sehr viel Spaß gemacht, Nele auf ihrem Weg zu begleiten.

Fazit:

Katharina Herzog hat es geschafft, mich mit ihrem Buch „Wo die Sterne tanzen“ zum Träumen zu bringen. Nele wuchs mir sofort ans Herz und ich habe mit ihr mitgefiebert, gelitten und gefühlt und sie auf ihrem Weg begleitet. Gemeinsam mit ihr habe ich nach den Sternen gegriffen und für meine Träume gekämpft. Ein wirklich schönes Buch, das mein Herz erwärmt hat.

Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

Bewertung vom 29.05.2020
Um 180 Grad
Werner, Julia C.

Um 180 Grad


ausgezeichnet

Meine Meinung:

Im Prolog ist man als Leser live dabei, als Lennard mit seinen Freunden die Graffiti an die Hauswand des Altenheimes, genannt Bunker, sprüht. Schnell wurde mir klar, dass der Junge einfach das macht, worauf er gerade Lust hat, ohne sich groß über die Konsequenzen Gedanken zu machen. Da ist es nur natürlich, dass er auch von der Strafe seiner Eltern nicht gerade begeistert ist. Noch dazu, wo seine beiden Freunde viel glimpflicher davon kommen. Ich finde der Autorin Julia C. Werner ist es sehr gut gelungen, die Gefühle und Gedanken eines männlichen Jugendlichen darzustellen. Anders als in vielen Jugendbüchern ist Lennard nicht der Held, der sich freiwillig um die alten Menschen kümmert. Ich fand das sehr authentisch, denn welcher junge Mann hätte schon Lust im Altenheim Vorlesepate zu sein?

Trotzdem begleitet man den Jugendlichen gerne, weil man wissen möchte, was er erlebt und wie er mit den Besuchen bei Frau Silberstein umgeht. Anfangs hat Lennard sichtlich Probleme. Er weiß nicht, wie er mit den Frauen umgehen soll und die Zustände im Altenheim und die Patienten selbst schockieren ihn. Man spürt als Leser förmlich die Berührungsängste, die er zu Beginn hat und obwohl ich längst schon nicht mehr in seinem Alter bin, konnte ich mich trotzdem in ihn hineinfühlen, so gut transportiert die Autorin die Gefühle ihrer Protagonisten an die Leser.

Natürlich habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass Frau Silberstein von ihren Erfahrungen aus dem KZ berichten würde. Doch lange Zeit gibt sie nur immer kleine Hinweise, erzählt aber nie Genaueres. Vorerst liegt das Augenmerk auf den Begegnungen von Lennard und Lea. Denn wie es im Leben von Jugendlichen eben so ist, spielt das andere Geschlecht eine wichtige Rolle. Man verliebt sich zum ersten Mal und hofft, dass diese Liebe erwidert wird. Trotzdem ist die Geschichte nie langweilig, denn je öfter Lennard zu Frau Silberstein geht, desto mehr verändern ihn diese Besuche. Er fängt an, sich für die alten Menschen zu öffnen, ihnen zuzuhören und merkt, wie wichtig deren Geschichten sind. Es ist nämlich etwas ganz anderes, ob man von den Gräueltaten in einem Buch liest oder sie von einem Menschen hört, der sie wirklich erleiden musste. Mich hat mehrmals beim Lesen eine Gänsehaut überkommen. Es ist für mich nie leicht, solche Szenen zu lesen, weil es für mich immer unvorstellbar sein wird, wie Menschen anderen Menschen so etwas antun können, aber eine Botschaft kommt in diesem Buch ganz klar heraus: Es ist wichtig, sich zu erinnern, damit so etwas nicht noch einmal passiert. Und ja, das ist es wirklich. Deswegen sind genau solche Bücher in meinen Augen sehr wichtig. Julia C. Werner hat diesen schweren Stoff für Jugendliche zugänglich bemacht ohne sie zu schonen oder zu beschützen. Sie möchte ihnen die Augen öffnen. Trotzdem geht sie sehr behutsam mit diesem Thema um. Ich finde, sie hat genau den richtigen Ton für ein Jugendbuch getroffen.

Auch das Ende hat mich sehr berührt und bewegt. Man kann deutlich herauslesen, wie sehr die Besuche Lennard verändert haben und das zum Positiven. Allerdings sind es nur kleine Veränderungen und sie passieren so schleichend, dass wohl nicht mal er selbst es anfangs merkt. Vielleicht ist es gerade deswegen so authentisch, weil Julia C. Werner es nicht mit der Entwicklung ihrer Protagonisten übertreibt. Mich hat sie jedenfalls mit ihren Charakteren und ihrer Botschaft vollkommen überzeugt.

Fazit:

Julia C. Werner hat mit ihrem Buch „Um 180 Grad“ einen sehr wertvollen Beitrag geleistet. Sie setzt ein schwieriges Thema so um, dass es für Jugendliche zugänglich wird und sie sich in den Protagonisten hineinversetzen können. Dabei kommt die Botschaft ganz klar heraus: Gemeinsam müssen wir gegen das Vergessen kämpfen, damit so etwas Schreckliches nicht noch einmal passiert. Ein Buch, das auf jeden Fall als Lektüre in den Unterricht und in die Hand jedes Jugendlichen gehört.

Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

Bewertung vom 29.05.2020
Die geheimnisvollen Gärten der Toskana
Beyer, Anja S.

Die geheimnisvollen Gärten der Toskana


ausgezeichnet

Meine Meinung:

Von Anja Saskia Beyer habe ich schon einige Bücher gelesen und war jedes Mal wieder begeistert, deswegen musste ich natürlich auch zu ihrem neuesten Werk greifen.

Gleich zu Beginn erlebt man Jessy, wie sie vor dem Scherbenhaufen ihres Lebens steht. Sie scheint alles verloren zu haben: ihren Freund, ihren Job und ihr Vater hat sich auch noch von ihrer Mutter getrennt. Die junge Frau fühlt sich verloren und weiß nicht so recht, wohin mit sich selbst. Das Einzige, das sie gerade noch ein bisschen hält ist die enge Beziehung zu ihrer Mutter.

Da flattert ihr das Jobangebot ins Haus und sie beschließt spontan für zwei Monate in die Toskana zu fahren, um dort zu arbeiten. Ich habe das wirklich bewundert, weil es spontan und mutig ist. Etwas, das ich noch nie war. Umso mehr freute ich mich, dass ich gemeinsam mit Jessy dieses Wagnis eingehen konnte. Das verlieh dem Buch auch irgendwo eine gewisse Leichtigkeit, die perfekt zu einem Sommerroman passt.

Doch besonders angetan hat es mir die Landschaft. Anja Saskia Beyer beschreibt die Toskana mit all ihren Gärten und Pflanzen mit so viel Liebe und so detailreich, dass ich mich direkt verliebt habe. Mein Handy lag ständig griffbereit neben mir und ich habe sofort die Orte und Gärten gegoogelt und mir angesehen. Was hätte ich darum gegeben, tatsächlich auf den Spuren von Jessy und Gregorio zu wandeln, den Duft der Zitronen einzuatmen, den Wein und die anderen Köstlichkeiten zu schmecken und mir die Sonne ins Gesicht scheinen zu lassen. Dieses Buch ist wirklich wie Urlaub im Kopf. Ich konnte beim Lesen die Seele baumeln lassen und mich entspannt zurücklehnen. Sehr schön fand ich, wie immer, dass es am Ende auch Rezepte zum Nachkochen und –backen gibt, um das Urlaubsfeeling noch etwas zu erhöhen.

Die Geschichte an sich hat mir aber auch richtig gut gefallen. Jessy und Gregorio sind so ein schönes Paar und ich freute mich so, als ich las, wie die Protagonistin sich in der Toskana und in Gregorios Gegenwart immer mehr zuhause gefühlt hat. In den Gärten von Italien fand sie nicht nur ihre Leidenschaft für die Natur, die Pflanzen und Tiere, sondern entdeckte dadurch immer mehr, wer sie wirklich ist. Erst als sie sich selber gefunden hat, konnte sie sich auch wieder auf eine Beziehung einlassen, was ich sehr passend fand.

Das Familiengeheimnis spielt sich eher im Hintergrund ab, war für mich aber nochmal eine schöne Ergänzung zur Liebesgeschichte. In diesem Buch liegt das Hauptaugenmerk ganz klar auf den Gefühlen, aber auch auf dem Thema „Umweltschutz“ und „Natur erhalten“. Diese Botschaft ist gerade so aktuell wie schon lange nicht mehr und ich finde es auch sehr wichtig, dass man mehr auf die Natur achten sollte. Toll, dass Anja Saskia Beyer sich dieses Thema für ihr Buch ausgesucht hat.

Das Ende passt natürlich wieder perfekt zur Geschichte und macht dieses Buch noch einmal zu einem schönen Sommerroman, den man beim Lesen einfach nur genießen kann.

Fazit:

Anja Saskia Beyer hat es auch mit diesem Buch wieder geschafft, mich zu begeistert. Ich bekam ein schönes Stück Urlaub für den Kopf, konnte die Seele baumeln lassen und mich beim Lesen so richtig entspannen. Ein traumhaftes Setting, eine wichtige Botschaft und liebevolle Charaktere machen die Geschichte so besonders. Vielen Dank für diesen Lesegenuss.

Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

Bewertung vom 22.05.2020
Die verlorene Frau
Gunnis, Emily

Die verlorene Frau


ausgezeichnet

Meine Meinung:

Das Buch beginnt im Jahr 1960 und man erlebt mit, wie die 13jährige Rebecca nach dieser schrecklichen Nacht von einem Polizisten verhört wird. Doch auch in diesem Prolog erfährt man nicht wirklich mehr, als aus dem Klappentext. Trotzdem wird man als Leser richtig neugierig auf die Ereignisse gemacht.

Fortan wechselt man zwischen den Zeiten und Protagonisten. Man liest sich durch das Leben von Rebecca, ihrem Exmann und Iris. Dabei erfährt man von den verworrenen Familienverhältnissen und wie jeder der Figuren sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Ich fand es sehr spannend zu erfahren, wie die einzelnen Personen so leben und versuchen mit den Ereignissen aus der Vergangenheit umzugehen. Auch die Suche nach Jessy bescherte mir wirklich Gänsehaut. Es war für mich schrecklich zu lesen, dass das Baby dringend Medikamente benötigt, die Mutter das aber nicht erkennen kann, weil sie an einer Wochenbettdepression leidet. Sehr einfühlsam schildert Emily Gunnis, die Gefühle einer jungen Mutter, die leider nicht das Glück der Geburt empfinden kann. Da ich selber Mutter bin, ging mir das wirklich unter die Haut und ich hoffte wirklich von Herzen, dass es für die junge Frau und ihr Baby ein Happy End geben würde.

Und obwohl ich die Suche nach Jessy sehr spannend fand, las ich die Kapitel, die in der Vergangenheit gespielt haben, doch noch eine Spur lieber. Ich wollte einfach wissen, was damals passiert war, was zum Tod von Rebeccas Eltern geführt hat. Sehr schön fand ich dabei, dass wir auch die Sicht von Rebeccas Mutter Harriet zu lesen bekamen. Sie leidet wirklich sehr unter ihrem Ehemann, der aufgrund seiner Kriegsneurose unberechenbar ist. Trotz allem gelingt es der Autorin, auch für ihn Verständnis aufzubringen. Sie schildert die Erlebnisse so, dass man wirklich auch Mitgefühl für ihn hat, weil er so viele schreckliche Dinge im Krieg erlebt hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Geschehnisse nicht spurlos an einem vorübergehen. Es gefiel mir wirklich sehr gut, wie Emily Gunnis ihre Charaktere lebendig werden ließ, wie sie ihnen Tiefe verleiht und den Leser dazu bringt, über sie nachzudenken. Das sind definitiv Figuren, mit denen man mitfiebert, die man gerne begleitet und von denen man sich nur schwer lösen kann.

Je tiefer ich in die Geschichte eintauchte und mich von den Charakteren gefangen nehmen ließ, desto mehr rissen mich die Ereignisse mit. Einige Wendungen habe ich früher durchschaut, andere überhaupt nicht. So blieb das Buch wirklich von Anfang bis Ende spannend. Einige Schicksale haben mich sogar so tief berührt, dass ich ein paar Tränen vergossen habe. Ich liebe es, wenn mich Geschichten und Figuren so tief berühren.

Dabei spielt es sicher auch eine Rolle, dass Emily Gunnis so viele ernste Themen in ihre Geschichte eingeflochten hat. Wir beschäftigen uns in diesem Buch mit Wochenbettdepressionen, Kriegsneurose, häuslicher Gewalt, Vergewaltigung, psychischen Krankheiten, dass Paare keine Kinder kriegen können und vieles mehr. Trotz allem wirkt es nicht überfrachtet, da diese Themen so geschickt in die Story eingebunden wurden.

Am Ende laufen dann alle Fäden zusammen und für mich passte es perfekt zur Geschichte. Ich kann das Buch zufrieden zuschlagen und trotzdem hat es noch ein wenig in mir nachgehallt.

Fazit:

Mit „Die verlorene Frau“ hat Emily Gunnis mir erneut bewiesen, dass sie mitreißende Geschichten schreiben kann. Ihre Charaktere haben so viel Tiefe und sind so lebendig, dass man sie gerne begleitet und mit ihnen mitfiebert. Doch nicht nur die Figuren haben mich gefangen genommen, sondern auch die Geschichte selbst. Die Autorin hat einige ernste Themen in ihre Geschichte eingeflochten und mich mit den Ereignissen richtig mitgerissen. Ich habe so mitgefühlt, dass ich sogar einige Tränen vergossen habe, weil mich die Schicksale so berührt haben. Einfach großartig!

Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

Bewertung vom 22.05.2020
254 Tage mit Jane Doe
Belanger, Michael

254 Tage mit Jane Doe


ausgezeichnet

Meine Meinung:

Schon als ich auf der Frankfurter Buchmesse von diesem Buch erfuhr, war für mich klar, dass ich es lesen muss.

Im ersten Kapitel wird schon klar, dass es sich hier um ein ungewöhnliches Buch handelt, denn der Protagonist Ray spricht den Leser direkt an und möchte diesem die Geschichte von Jane erzählen. Fortan ist das Buch in Kapitel „davor“ und „danach“ eingeteilt.

Gleich zu Beginn war mir klar, dass wir hier einen außergewöhnlichen Protagonisten haben. Ray hat ein echtes Faible für geschichtliche Ereignisse und diese baut er immer wieder in seine Erzählungen mit ein, wenn sie zum Thema passen. Doch auch seine Gefühle bekommt man von Anfang an hautnah mit und die gehen wirklich tief. Er versucht durch das Aufschreiben von Janes Geschichte eine Antwort auf all seine Fragen zu bekommen und vor allem auf die Frage nach dem „warum“. Je länger man liest, desto tiefer taucht man in Rays Gefühls- und Gedankenwelt ein und merkt, wie schlecht es Ray wirklich geht. Er lebt in der Vergangenheit und findet durch all die ungeklärten Fragen nicht zurück in die Gegenwart.

Jane ist auch wirklich ein Charakter, der seine Spuren beim Leser hinterlässt. Anfangs konnte ich sie nicht so recht greifen und wusste nicht, was ich mit ihr anfangen sollte, aber je mehr man von ihr erfährt, desto deutlicher wird, was in ihr vorgeht.

Zusammen sind Ray und Jane für mich eigentlich das perfekte Paar und ich freute mich wirklich sehr, als die beiden schließlich zusammenkamen. Und trotzdem wusste ich, worauf es hinauslaufen würde und wollte gar nicht weiterlesen, weil ich nicht wollte, dass es so endet. Aber das Leben ist eben in Wirklichkeit auch nicht immer schön und perfekt. Es gibt nicht immer ein Happy End und manchmal nicht einmal eine Erklärung. Depressionen haben ein hässliches Gesicht und zerstören Leben und Menschen und genau das schildert der Autor Michael Belanger auf eine einfühlsame, aber doch schonungslose Weise. Damit ist dieses Buch sicher kein leichter Stoff, aber ich fand es unglaublich authentisch, berührend und ergreifend. Es hat mich total mitgenommen. Ich habe Rotz und Wasser geheult und es hat mich lange nicht losgelassen, weil es so deutlich aufzeigt, was diese Krankheit mit den Menschen macht und zwar nicht nur mit den Betroffenen, sondern auch mit den Familien und Freunden.

Da es sich hier um ein Buch für Jugendliche handelt, ist es für mich absolut verständlich und stimmig, wie der Autor an das Thema Depressionen herangeht. Er zeigt auf, dass es in Ordnung, ja sogar wichtig ist, dass man sich professionelle Hilfe holt, dass man sich nicht dafür zu schämen braucht, wenn man zu einem Therapeuten geht, dass man aber nicht sofort mit Fortschritten rechnen sollte. Diese Krankheit verschwindet nicht einfach, sie begleitet einen ein Leben lang. Und sie macht vor niemandem halt. Sie kann alle Alters- und Bildungsgruppen, jedes Geschlecht betreffen. Sie kann dich schon Jahre begleiten oder ganz plötzlich überfallen. Doch in jedem Fall ist man nicht alleine damit. Eine wirklich wichtige Botschaft, die Betroffenen hoffentlich Mut macht, sich Hilfe zu holen.



Fazit:

Dieses Buch ist keine einfache Lektüre, aber ein Buch, das gelesen werden sollte. Einfühlsam, authentisch, aber auch schonungslos behandelt der Autor Michael Belanger hier das Thema Depressionen. Dafür stellt er uns zwei wirklich ungewöhnliche Protagonisten zur Seite, die dem Leser unter die Haut gehen und sehr berühren. Sowohl Rays, als auch Janes Schicksal haben mich sehr berührt und aufgewühlt. Ich habe Rotz und Wasser geheult und noch Tage danach über diese Geschichte nachgedacht.

Ein sehr wichtiges und wertvolles Buch, das in keinem Regal fehlen sollte, sowohl von jugendlichen, als auch von erwachsenen Lesern. Bitte lest diese unglaubliche Geschichte.

Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

Bewertung vom 22.05.2020
Edingaard - Gebieter der Schatten
Zeißler, Elvira

Edingaard - Gebieter der Schatten


ausgezeichnet

Meine Meinung:

Das Buch wird mit ein paar kryptischen Worten eingeleitet, die man zu Beginn noch nicht wirklich versteht, am Ende aber plötzlich Sinn ergeben und den Leser noch neugieriger auf die Fortsetzung machen.

Danach springt man in die eigentliche Geschichte. Sehr schön fand ich, dass es in diesem Buch um Cassion, den Sohn von Cassandra und Brin geht, dass aber auch die Eltern noch eine Rolle spielen. Normalerweise werden die Eltern in Fantasybücher häufig „wegrationalisiert“, was mir in diesem Fall besonders leid tun würde, da ich die beiden in den übrigen Edingaard-Bänden lieben gelernt habe. Anfangs liegt das Hauptaugenmerk allerdings auf Cassion und man erfährt, was es mit seinen Kräften auf sich hat, wobei man nur so viel weiß, wie auch der Protagonist selber, man erhält also keinen Wissensvorsprung, was ich jedoch gut fand, da man sich so, gemeinsam auf die Suche nach Antworten machen kann.

Elvira Zeißler führt uns langsam in die Welt ein und stellt uns dabei sowohl alte Bekannte, als auch neue Figuren und Wesen vor. Edingaard ist eben immer eine Reise wert, denn dort gibt es so viel zu entdecken. Ich fand es richtig toll, was die Autorin hier für eine einzigartige und faszinierende Welt voll Magie geschaffen hat. Ich liebe Edingaard einfach und freue mich unglaublich, dass wir diese Welt noch nicht verlassen müssen, sondern noch mehr daraus zu lesen bekommen.

Cassion an sich ist ein wirklich spannender Charakter. Man merkt sofort, dass er das Herz am richtigen Fleck hat und gerade deswegen mit den Schatten in sich kämpft, die oftmals die Kontrolle zu übernehmen versuchen. Auch mit den Konsequenzen dieser Macht kann er nur schwer umgehen, gerade weil er so ein gutes Herz hat. Ich mochte ihn auf Anhieb, fand es aber auch sehr spannend, dass er auch eine „dunkle Seite“ hat und damit nicht ganz fehlerfrei ist. Ein wirklich ungewöhnlicher Protagonist, der mir ausgesprochen gut gefallen hat.
Doch neben Cassion gibt es auch noch einige andere interessante Charaktere, wie z.B. Kyana, die aus dem Nichts auftaucht und keinerlei Gedächtnis hat, dafür aber positiv auf Cassion einwirkt und quasi das Licht zu seiner Dunkelheit darstellt. Oder Maya, die eine Schwäche für Cassion entwickelt und nach einem Überfall ihre Heimat verliert.

Natürlich spielen auch Cassandra und Brin eine wichtige Rolle in der Geschichte und während man anfangs vor allem Cassion begleitet, entwickelt sich nach und nach ein zweiter Handlungsstrang, in dem man die Eltern des Protagonisten begleitet und erfährt, was während der Zeit in Edingaard passiert, denn auch hier ziehen sich die Fäden zusammen und ein Unheil droht die Magier heimzusuchen. Das machte die Handlung durchweg spannend und zog ordentlich an meinen Nerven. Ich wollte unbedingt wissen, was hinter dem Ganzen steckt, doch während man manches schon erahnen kann, bleibt anderes geheim und wird erst am Ende oder in diesem Band noch gar nicht aufgelöst. Das bedeutet, dass es zum Schluss eigentlich erst richtig losgeht, denn mit diesem ersten Teil hat Elvira Zeißler lediglich den Grundstein gelegt und ich bin mehr als gespannt, wie es mit Cassion und Edingaard weitergehen wird.



Fazit:

Mich hat Elvira Zeißler mit diesem neuen Edingaard-Band wieder total abgeholt. Ich war ab der ersten Seite in der Geschichte drin und erneut fasziniert von der magischen Welt von Edingaard. Ich liebe diese Ideenvielfalt und auch die Charaktere haben mich absolut begeistert, weil sie so vielschichtig sind. Hier bekommt man einfach alles, was das Fantasy-Herz begehrt: Ein wundervolles Setting, Spannung von Anfang bis Ende, Charaktere, die einen mitreißen, unvorhersehbare Wendungen und Überraschungen und einen flüssigen Schreibstil. Leider war ich viel zu schnell am Ende angelangt und warte jetzt sehnsüchtig auf die Fortsetzung.

Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

Bewertung vom 22.05.2020
Im Bann der verwunschenen Zeit
Völker, Jenny

Im Bann der verwunschenen Zeit


ausgezeichnet

Meine Meinung:
Die Geschichte beginnt „vor vielen, vielen Jahren“ und man taucht sofort in das Genre Märchen ein. Das merkt man alleine schon an der Sprache, die perfekt passt. Es geht um eine Prinzessin, deren Rolle man in der Hauptgeschichte anfangs noch nicht kennt, die aber sofort mein volles Mitgefühl hatte. Ich war sehr gespannt, was es mit ihr wohl auf sich haben würde.

Der Schreibstil variiert hier sehr schön. Befinden wir uns in der Vergangenheit ist die Sprache dem Genre Märchen angepasst, befinden wir uns in der Gegenwart ist der Schreibstil modern und passend zu unserer Zeit. Dadurch ist die Geschichte nicht zu „altmodisch“ geschrieben und kann flüssig gelesen werden.



Nach einem kurzen Ausflug in die Vergangenheit springt man in die Gegenwart und lernt Hannah und ihre Kinder kennen. Schnell wird klar, dass die Frau immer noch unter dem Tod ihres Mannes leidet und ihre Kinder ihr einziger Lebensinhalt sind. Für sie würde sie alles tun, was mir die Protagonistin sofort sympathisch machte. Endlich spielt einmal eine Mutter die Hauptrolle in einem Buch. Das fand ich so klasse, denn als Mutter spielen ganz andere Themen im Leben eine Rolle. Man ist nicht nur auf sich selber fixiert, sondern muss immer auch an andere denken. Das beeinflusst das Handeln und die Gedanken maßgeblich, deswegen ist es etwas ganz anderes, eine Mutter als Protagonistin zu haben, was ich sehr erfrischend fand.

Auf den ersten Blick scheint es etwas seltsam zu sein: Ein Märchen mit einer Mutter als Protagonistin, aber Jenny Völker hat das so geschickt in ihre Geschichte eingewoben, dass es wie selbstverständlich ist. Märchen sind eben nicht nur etwas für Kinder. Erwachsene brauchen auch etwas Magie in ihrem Leben und genau davon bekommt man in diesem Buch eine schöne Portion. Da gibt es nicht nur Prinzen und Bälle, sondern jede Menge magischer Geschöpfe, bekannte und ganz neue. Die Autorin hat hier wirklich eine märchenhafte Welt geschaffen. Dabei greift sie auf die typischen Merkmale eines Märchens zurück, fügt aber ganz neue Elemente hinzu, so dass es eine schöne Mischung ergibt. Dabei ist die Geschichte sowohl spannend, als auch emotional und sogar an eine Portion Humor hat Jenny Völker gedacht.

Mich hat die Autorin jedenfalls eine Achterbahnfahrt der Gefühle erleben lassen. Ich hatte Mitleid mit manchen Figuren, habe sie verflucht und ihnen misstraut, musste lachen und war gerührt, war traurig und hoffnungsvoll und ließ mich richtig in die Geschichte hineinziehen. Schon als Kind war ich von Märchen fasziniert, aber ich hätte nicht gedacht, dass es einer Autorin auch mit Märchen für Erwachsene gelingen würde, mir diese Faszination zurückzubringen und doch sitze ich jetzt hier und bin überglücklich zu diesem Buch gegriffen zu haben. Gerade in dieser schwierigen Zeit, in der es mir schwerfällt abzuschalten und mich auf etwas anderes zu konzentrieren, hat mir Jenny Völker eine schöne und erholsame Auszeit verschafft, in der ich mir einmal keine Gedanken um mich selbst und die Zukunft machen musste. Und das ist (nicht nur in der aktuellen Lage) wirklich Gold wert.

Fazit:

Mit „Im Bann der verwunschenen Zeit“ hat Jenny Völker in meinen Augen etwas sehr Wertvolles geschaffen, denn auch Erwachsene können Magie in ihrem Leben brauchen. Gerade in der aktuellen Lage war es für mich Gold wert, mich richtig in dem Märchen verlieren zu können, um endlich einmal wieder abzuschalten und mich auf etwas anderes konzentrieren zu können. Vielen Dank an die Autorin für dieses ungewöhnliche und zauberhafte Märchen und das damit verbundene Glücksgefühl.

Von mir bekommt das Buch 5 Punkte von 5.

Bewertung vom 10.05.2020
Drachendunkel. Die Legende von Illestia
Summers, Eyrisha

Drachendunkel. Die Legende von Illestia


gut

Meine Meinung:

Bücher über Drachen gehen ja immer und da ich davon auch noch nicht so viele gelesen hatte, freute ich mich sehr auf dieses Buch.

Im Prolog begleitet man Razul, der sich mitten im Krieg befindet und dabei einige Verluste erleidet. Sofort wurde mir klar, dass dieser Mann ein wahrer Held ist, der für seine Lieben alles tun würde, der seinen Freunden gegenüber loyal ist und das Herz am richtigen Fleck hat.

Danach springt man aber erst einmal zu Ella nach Mooresdahl und erfährt, was das Leben dort bedeutet und wie die Familienverhältnisse der Protagonistin aussehen. Auch sie gefiel mir auf Anhieb. Eine starke, junge Frau, die sich durchkämpft und erst ganz zuletzt an sich selber denkt.

Auch die Welt, die Eyrisha Summers in diesem Buch geschaffen hat, ist etwas ganz Besonderes. Es gibt nicht nur Drachen, sondern jede Menge anderer Wesen, die sie mit ihren Beschreibungen lebendig werden lässt und mich damit richtig begeistert hat. Ich konnte sie richtig vor mir sehen und war geradezu fasziniert von dem Ideenreichtum dieses Settings. Auch die Kapitelanfänge aus den Chroniken der Drachen zeigten, dass diese Welt von Anfang bis Ende genau durchdacht ist. Ich liebe es ja, wenn die Handlung von Legenden untermauert wird. Das macht sie für mich immer besonders tiefgründig. Der Einstieg ins Buch fiel mir also richtig leicht und ich war sehr gespannt, was mich noch alles erwarten würde.

Anfangs hat die Handlung fast schon ein bisschen etwas von „Die Schöne und das Biest“ und ich freute mich auf die Begegnungen zwischen Razul und Ella und wie sich diese besser kennenlernen. Leider wurde mir zu schnell von Liebe und Gefühlen gesprochen, so dass ich die Liebesgeschichte nicht so ganz nachvollziehen konnte. Überhaupt nahm mir diese plötzlich zu viel Raum in der Geschichte ein.

Deshalb muss ich gestehen, dass sich meine anfängliche Euphorie dann im Mittelteil leider verlor. Als sich die kleine Gruppe schließlich auf die Reise macht, war bei mir leider die Luft raus, da es mir hier etwas zu sehr um den inneren Zwiespalt der Protagonistin und die Liebe zwischen den beiden ging. Da fehlte mir einfach die Spannung, das Fortkommen in der Handlung und ich hatte nicht so wirklich Lust, weiterzulesen.

Erst im letzten Drittel konnte mich das Buch noch einmal so richtig packen. Man taucht tiefer in die Dunkelheit des Antagonisten ein, erfährt von ihm und seinem Leben und wie es soweit kommen konnte, dass er inzwischen Krieg gegen die anderen Drachen führt. Ich finde es immer wahnsinnig spannend, wenn man auch in die Gedanken der dunklen Seite eintauchen darf und diese nicht so flach bleibt. Außerdem gab es eine sehr interessante Wendung, die für mich sogar eine wichtige Botschaft enthielt. Manchmal muss man eben einmal von einer anderen Perspektive auf die Geschehnisse sehen und kann so vielleicht noch etwas entdecken, was anderen, die mitten in der Geschichte stecken nicht mehr erkennen können. Mir hat das Ende jedenfalls sehr gefallen, vor allem, weil es so anders war, als man es erwartet hat.

Fazit:

Mit diesem Buch hatte ich leider so meine Schwierigkeiten. Der Einstieg gelang mir gut und ich war fasziniert von der Welt, die sich Eyrisha Summers ausgedacht hatte. Leider hielt die anfängliche Euphorie jedoch nicht an, als die Liebesgeschichte zu viel Raum einnahm. Ich hatte das Gefühl in der Handlung nicht vorwärts zu kommen und hatte deshalb kaum Lust, weiterzulesen. Erst am Ende konnte mich das Buch wieder für sich gewinnen, weil es so ganz anders ausging, als erwartet. Leider hatte ich mir von dieser Geschichte mehr erwartet.

Von mir bekommt das Buch 3 Punkte von 5.