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Benutzername: HelloMyMedia


Bewertungen

Insgesamt 17 Bewertungen
12
Bewertung vom 16.10.2018
You will pay - Tödliche Botschaft
Jackson, Lisa

You will pay - Tödliche Botschaft


ausgezeichnet

Der flüssige Schreibstil führt den Leser ohne Schwierigkeiten in ein interessantes Szenario ein, in welchem sich der verzweigte Plot vorliegenden Werkes abspielt. Über die Kapitel hinweg wechselt sich die Autorin gelungen zwischen schon in der Vergangenheit liegenden und gegenwärtigen Handlungssträngen hin und her, sodass am Ende ein mehr oder minder schlüssiges Bild entsteht. Vergleichen lässt sich das mit einem Puzzle, das von Kapitel zu Kapitel ein Stück dazu bekommt, und erst mit dem Abschließen der letzten Seite ist dieser Akt vollendet.

Über die fünfhundert Seiten Buchlänge hinweg begleitet die Leserschaft ein abwechslungsreiches Figurenensemble. Durch die verschiedenen Perspektivwechsel ist es uns möglich, ein Blick in das Innenleben jeder essenziellen Figur zu werfen, und somit den eigenen Fokus nicht nur auf die Schultern eines Protagonisten zu legen, sondern die Aufmerksamkeit auf die abweichenden Wahrnehmungen der einzelnen Handelnden zu erweitern. Schade ist es jedoch, dass es der Autorin nicht zu jeder Zeit gelingt, ein lebendiges und realistisches Profil zu erstellen, sondern oftmals in die Grauzone der Eindimensionalität abdriftet. Durch diese Tatsache ist der optimale Lesefluss nicht länger gewährleistet, und das alles wegen einem Fehler, den man hätte vermeiden können.

Auch macht sich während der Lektüre der Eindruck immer mehr bemerkbar, dass die Leser hier von einem falsch gewählten Titel völlig in die Irre geführt werden. Nicht nur das, sondern hat das vorliegende Werk auch enttäuschend wenig Zusammenhang mit dem Klappentext. Der Handlungsstrang, mit dem für diesen Thriller geworben wird, wird erst auf den letzten gut hundert Seiten behandelt und stellt in keiner Weise ein Kernelement für das gesamte Buch dar. So bleibt doch immer, wenn man den blutbesudelten Titel „You Will Pay“ auf dem Frontcover erblickt, der vor Enttäuschung bittere Geschmack im Mund kleben, weil das Werk leider nicht die Versprechungen einhalten kann, die dem potenziellen Käufer durch das Marketing vermittelt werden.

Obwohl die Lektüre durch eine überraschende und unvorhergesehene Wendung auf den letzten Seiten überzeugen kann, so fällt doch v.a. in den ersten zwei Dritteln das ungleichmäßige Tempo auf, welches leicht über dem Nulllevel vor sich hin dümpelt. Über weite Strecken hinweg bremst „You Will Pay“ sich selbst aus und schafft die Kurve nicht, sich aus seiner eigenen tempofreien und stockenden Erzählung zu lösen und das gesamte Potenzial des nach wie vor gehaltvollen Szenarios auszuschöpfen. Am Ende bleibe ich als Leser auch durch einige ungelöste Fragen unbefriedigt zurück und ärgere mich darüber, dass das Buch lange nicht so gut war, wie es hätte sein können.

„You Will Pay“ ist ein Thriller, der seinen Reifeprozess nicht abgeschlossen hat und somit nichts Ganzes und nichts Halbes ist. Wer auch nach dieser Besprechung bereit ist, einige Kompromisse einzugehen, der könnte mit diesem Buch gut beraten sein.

Insgesamt gebe ich zwei von fünf Sternen, mit deutlicher Tendenz nach oben.

Bewertung vom 11.10.2018
A Star Is Born (2018), 1 DVD

A Star Is Born (2018), 1 DVD


ausgezeichnet

Ein Weltstar und ein international bekannter Schauspieler in seinem Regiedebut vereinen sich in dem kürzlich erschienenen Musicaldrama „A Star Is Born“, der gleichzeitig ein Remake von drei Vorgängern ist, welche jeweils den gleichen Handlungsstoff bedienen. Von den Kritikern sowie vom Publikum hochgelobt, Oscar-Spekulationen werden laut, Attribute wie „einer der besten Filme, die ich je gesehen habe“ werden in Kontext zu vorliegendem Streifen gebracht – ob Bradley Coopers Werk mit Lady Gaga in der Hauptrolle tatsächlich überzeugen kann und welche visuellen und akustischen Eindrücke gewonnen werden können, das erfährst du in der folgenden Rezension.


Der dazugehörige Trailer konnte mich ab der ersten Sekunde dafür begeistern, mir „A Star Is Born“ anzusehen – gleich am Erscheinungsdatum habe ich also das Kino besucht. Gleich zu Beginn, nachdem die Protagonisten kurz vorgestellt werden, reißt der Streifen das Publikum sofort mit. Die Figuren werden geschickt ausgearbeitet, sodass man im Vorhinein nicht viel Input an Hintergrundinformationen über sie bekommt und man so in Echtzeit den Beginn einer neuen Freundschaft und Beziehung miterleben kann. Dadurch fühlte man sich mit den beiden Hauptpersonen stark verbunden.

Diese werden verkörpert von einem überzeugenden und liebenswürdigen Schauspielerensemble, welches mir im Kinosaal teilweise die Luft geraubt hat. Lady Gaga zeigt nach „American Horror Story: Hotel“ einmal mehr, dass mehr kann als „nur“ erstklassige Popmusik. Sie brilliert in ihrer Rolle als ehrlich „echte“ Figur und harmoniert perfekt mit ihrem Leinwandpartner Bradley Cooper. Es schreit nur so nach Auszeichnungen!

„A Star Is Born“ begleitet ein atemberaubender und abwechslungsreicher Soundtrack, der sich einer großen Bandbreite an verschiedenen Musikgenres bedient und auch jetzt noch in meiner Anlage hoch und runter läuft. Die Musik ist in dem vorliegenden Film der überwiegende Eindruck, der danach hängen bleibt. Hier werden dem Zuschauer intensive und immens starke Konzertsequenzen präsentiert, die mehr als nur einmal für echte Gänsehaut und Bannung sorgen. Die kraftvolle Stimme von Lady Gaga sowie der raue Ton von Bradley Cooper, der wie ein Mann klingt, der schon viel in seinem Leben durchmachen musste, fließen wie zwei Bäche ineinander und ergeben eine magisch glitzernde Oberfläche, die dem Publikum direkt ins Herz geht.

Handwerklich gibt es an dem Film nichts auszusetzen. Positiv fällt auf, wie gekonnt einige Szenen inszeniert und durch die Kamera eingefangen werden. Verschiedene Stilmittel, wie beispielsweise das Entfernen von Musik, welches ein Gefühl der Isolation auslöst, werden gut dosiert eingesetzt. Auch der Fakt, dass auf Wunsch von Lady Gaga alle Lieder des Soundtracks während des Filmens live aufgeführt wurden, stößt bei mir ausschließlich auf Zustimmung.

Die Handlung ist glücklicherweise über weite Strecken hinweg recht unvorhersehbar, sodass hier den gewöhnlichen Zuschauer die eine oder andere Überraschung erwarten könnte. Im letzten Drittel enttarnt der Streifen dann seine wahre, wenn man es genau nimmt aber auch einzige Schwäche: Er stürzt sich auf eine Vielzahl relativ ähnlicher Szenen, die nach dem so rasanten Tempo der vergangenen Minuten fast schon langatmige Wirkung erzielen. Das hätte sich sicherlich leicht herauskürzen können, ohne den gewünschten Effekt des schockierend-faszinierenden Endes zu verschmälern.

Wenn man mich also abschließend fragt, ob ich „A Star Is Born“ weiterempfehlen kann, dann sollte die Antwort nur unschwer der obigen Besprechung zu entnehmen sein. Ich bin völlig hypnotisiert aus dem Kinosaal getaumelt und der Film sollte mich auch noch Tage später beschäftigen. Tatsächlich kann ich es nicht erwarten, den Film ein zweites Mal zu sehen, da er mir so unglaublich gut gefallen hat.

„A Star Is Born“ ist intensives und ehrliches Gefühlskino, wie man es schon lange nicht mehr im Kino erlebt hat.

Bewertung vom 03.10.2018
The Ending - Du wirst dich fürchten. Und du wirst nicht wissen, warum
Reid, Iain

The Ending - Du wirst dich fürchten. Und du wirst nicht wissen, warum


weniger gut

Sofort während des Einstiegs in den Thriller fällt auf, ein welch talentierter Schreiber der Verfasser vorliegenden Werkes ist. Der Schreibstil lässt sich durch die recht kurze Satzlänge gut und einfach lesen. Dennoch kann „The Ending“ zunächst nicht ganz überzeugen, da gut die ersten achtzig Seiten im seichten Fluss ihrer Langatmigkeit dahintreiben, ohne die startende Zündung einzuleiten.

Hat man jedoch diesen schwächelnden Anfang überwunden, so enttarnt Iain Reid sein wahres Talent, sein verstecktes Ass, welches er aus seinem Ärmel zieht: Das Aufbauen einer düsteren und schneidend kalten Atmosphäre. Als Leser scheint man die eisigen Temperaturen durch die Seiten hinweg einsaugen zu können, während man die leicht schaurigen Vorkommnisse beobachtet. Vorliegendes Werk jedoch sofort als „Horror“ abzustempeln, um ein noch breiteres Publikum anzulocken, finde ich dann doch zu viel des Guten, denn diese Zielgruppe wird mit dem Buch nicht gut beraten sein.

Die sphärische Erzählung ohne jegliche Kapitelstruktur hat einen spannungsverdichtenden Aufbau. Man kann das Buch also, parallel zur Handlung, in einem Rutsch erleben, da die Geschichte nicht in verschiedene Abschnitte aufgegliedert ist, sondern als ein Ganzes, Zusammenhängendes präsentiert wird.

Durch einen unmittelbaren Start erscheint „The Ending“ im nachträglichen Revuepassieren wie eine Kurzgeschichte. Als unvoreingenommener Leser startet man den Roman – und genauso blättert man auch die letzte Seite des Buches um. Die präsentierten Protagonisten bleiben bis ganz zum Schluss ziemlich unnahbar, was mich in dem Zusammenhang sehr gestört hat. Dadurch, dass das vorkommende Personenensemble so klein ist, hat ein gewöhnlicher Leser in dieser Erzählung keine Identifizierungspersonen, was die Handlung so starr und unlebendig erscheinen lässt. Nichtsdestotrotz fördern die Hauptfiguren über den Lauf des Buches interessante Gedankengänge und Gespräche zutage, die teilweise mit ihren philosophischen Ansätzen glänzen können, die den Gehalt des Romans stärken.

Während des Mittelteils fügt der Autor geschickt Neugier erweckende Handlungsschnipsel ein und wirft sie dem Leser wie Futter den Hunden zu. Ich für meinen Teil war gespannt auf die letztendliche Auflösung, was denn nun hinter all diesen seltsamen Vorkommnissen und Wendungen steckt – und was an diesem bizarren und skurrilen Abend Realität und Einbildung war! Hier sollte ich jedoch eines Besseren belehrt werden.

„The Ending“ lässt sich einfach in drei große Abschnitte einteilen. Der enttäuschende und geschwindigkeitsarme Anfang kann die lobhudelnden Kritiken des Buchrückens nicht einmal im Ansatz einlösen, dafür kann der Mittelteil durch seine spannende und eisige Atmosphäre umso mehr überzeugen. Das Ende jedoch gleicht in gewisser Weise dem Anfang: Es lässt einen unbefriedigt zurück. Nach einem immer dichter werdenden Spannungsaufbau präsentiert uns der Autor ein frustrierendes Ende, welches in stark negativem Sinne im Gedächtnis hängen bleibt.

Wenn ich jetzt nachträglich über den Thriller nachdenke, dann bin ich mir total unsicher. Das Gefühl, ich könnte etwas verpasst haben, und ich müsste das Buch doch noch ein zweites Mal lesen, um den letztendlichen Plot-Twist in voller Gänze zu verstehen, werde ich nicht los. Aber der Fakt, dass das Ende große Logiklöcher nicht abzudecken weiß, lässt sich nicht leugnen. Bei Betrachtung der Resonanzen auf sämtlichen Leseplattformen fällt auf, dass das Buch, wie schon im Ohröffner erwähnt, sehr polarisiert. Einem großen Teil geht es so wie mir, und die Wendung lässt sie frustriert zurück, den anderen gefällt das Ende umso mehr. Für mich ist „The Ending“ ein Thriller, der mich einerseits unterhalten konnte, andererseits aber auch so enttäuscht und mit einem Fragezeichen im Gesicht zurücklässt, dass es den anderen Büchern gegenüber unfair wäre, ihn positiv zu bewerten.

Bewertung vom 30.09.2018
Vaiana

Vaiana


ausgezeichnet

Schon seit Kindesalter habe ich etwas Besonderes für Animationsfilme übrig. Nach wie vor ist meine Begeisterung für Disney-Filme nicht erloschen und so konnten mich kürzlich Streifen wie „Zoomania“ oder auch „Alles steht Kopf“ hellauf begeistern. Aus diesem Grund war es für mich umso enttäuschender, dass ich den Kinostart von „Vaiana“ verpasst habe und nun zur digitalen Version greifen musste, um den Film endlich sehen zu können. Ob er meinen hohen Erwartungen gerecht werden kann und welche weiteren visuellen und akustischen Eindrücke gewonnen werden können, das erfährst du in der folgenden Rezension.


Schon ab der ersten Sekunde an bin ich wie in Trance, so gefangen bin ich von dem atemberaubend schönen und authentischen Setting. Es sieht aus wie ein wahr gewordener Urlaubstraum. „Vaiana“ bietet knapp zwei Stunden lang opulente und farbenfrohe Bilder, an denen man sich satt sehen kann. Durch einen sehr hohen und feinen Animationsgrad gibt es in jeder Sequenz so viel zu entdecken, dass einem nie langweilig wird.

Die Protagonistin, nach welcher der gesamte Streifen benannt wurde, wird sympathisch und absolut nachvollziehbar dargestellt. Sie liefert sich nicht nur witzige Wortgefechte und ist für einige der gut sitzenden Gags verantwortlich, sondern stellt sich der interessanten Grundfrage nach der eigenen Identität, die nicht nur für das ganz junge Publikum relevant ist.

In dem vorliegenden Film entfaltet sich ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Abenteuer, welches zwar von Anfang an ziemlich vorhersehbar erscheint, jedoch keine Länge aufzuweisen hat. Untermalt wird dieses von einem geeigneten und spaßigen Soundtrack, der großen Ohrwurmcharakter und eingängige Melodien besitzt. Die Motive werden in unterschiedlichen Variationen wiederholt, sodass man nicht anders kann, als irgendwann mit zu summen. Besonders gefallen hat mir hier die Einbindung traditioneller Klangfarben in die Filmmusik. In dem Streifen wird offen und tolerant mit verschiedenen Kulturen umgegangen, was auch in Anbetracht der heutigen gesellschaftlichen Lage als eine aktuelle und wichtige Botschaft ans Publikum betrachtet werden kann.

„Vaiana“ ist ein wunderbares Familienabenteuer, welches mehrere Generationen zu begeistern weiß. In erster Linie ist er ein lebensbejahender und optimistischer Animationsfilm für junges Publikum, mit der Grundthematik zur eigenen Selbstfindung und witzigen Auseinandersetzungen und Pointen richtet er sich aber auch an eine jugendliche Zielgruppe. Er kann das, was er sich selbst vornimmt zu sein, hundertprozentig einlösen und bleibt in keiner Sekunde hinter meinen Erwartungen zurück.

Fazit & Wertung:
„Vaiana“ ist ein fein animiertes Abenteuer für Jung und Alt. Trotz seiner Vorhersehbarkeit bietet er kurzweilige und gehaltvolle Unterhaltung auf hohem Niveau.

Gerne vergebe ich fünf von fünf möglichen Sternen.

Bewertung vom 30.09.2018
Eleanor & Park
Rowell, Rainbow

Eleanor & Park


gut

Es gibt immer wieder Bücher, die in der Bloggerszene wirklich jeden Menschen erreichen. Die den Sprung zur Bekanntheit ohne Schwierigkeiten überwinden können und gleichzeitig ausschließlich auf positive Resonanzen stoßen. Der Jugendroman „Eleanor & Park“ ist ein Buch solchen Typus. Ein minimalistisch gehaltenes, nichtsdestotrotz ansehnliches Cover und der Klappentext laden den Leser ein auf eine charmant andere Liebesgeschichte ein. Ob vorliegendes Werk meiner Meinung nach mit seinem Ruf mithalten kann und welche weiteren Leseeindrücke ich aus der Lektüre gewinnen konnte, das erfährst du in der folgenden Rezension.

Durch einen flüssigen und leicht zu lesenden Schreibstil ermöglicht Autorin Rowell einen reibungslosen Einstieg in die vorliegende Geschichte. Die schon im Buchtitel enthaltenen Protagonisten, aus deren Perspektiven die Handlung erzählt wird, stellen sich als sympathisch heraus. Teilweise jedoch hatte ich große Probleme mit Eleanor, welche den Spannungsbogen durch ihre nervig-nörglige Art unnötig in die Länge zu ziehen weiß und durch ihre ichbezogene, selbstmitleidende Weltansicht die Nerven des Lesers stark strapaziert. Dieser Kritikpunkt gewinnt aber nicht an zu vielen Stellen die Oberhand, als dass ich hier von einem Kauf abraten würde.

In der Lektüre werden einige Thematiken angesprochen, welche großen Ansprechbedarf haben und zu denen der jugendlichen Zielgruppe wichtige Werte mit auf den Weg gegeben werden soll. Was zwar eine sinnvolle Idee ist, dem fehlt letztendlich zu viel Tiefgang, als dass eine langwierige Wirkung erzielt werden kann.

Gelungen wird aus zwei verschiedenen Perspektiven erzählt und für mich als Leser stellte es keine große Herausforderung dar, mich an diesen Rhythmus zu gewöhnen und jeweils in die andere Figur hineinzuversetzen. Insgesamt wirkt „Eleanor & Park“ ein wenig wie der kürzlich erschienene Jugendfilm „Sierra Burgess Is A Loser“: Das Buch hat sein Herz am rechten Fleck und sorgt für kurzweilige Unterhaltung.

Seinem Genre fügt der Roman jedoch nichts Neues hinzu, wodurch sich bedauerlicherweise der Eindruck verstärkt, dass man nichts verpasst hat, wenn man vorliegende Lektüre nicht gelesen hat. Trotz seines eigenen Charmes wirkt das Buch an einigen Stellen langatmig, ja gar belanglos. Zudem wirkt die romantische Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren nicht hundertprozentig glaubwürdig. Das zu abrupte Ende tut dabei ihr Übriges.

Wenn ich den Geschmack beschreiben müsste, der mir nach Beendigung von „Eleanor & Park“ im Mund geblieben ist, dann würde ich das Adjektiv „bittersüß“ wählen. Süß, weil die Geschichte nett und authentisch sein kann und einige nennenswerte Aspekte zutage fördert, die die Erzählung empfehlenswert machen. Bitter deswegen, da der Roman sein gesamtes Potenzial nicht auszunutzen weiß. Er hätte so viel mehr sein können, als er jetzt ist. Das finde ich schade.

Fazit & Wertung:
„Eleanor & Park“ ist ein authentischer und charmanter Liebesroman, der meinem Erachten nach nicht vollständig ausgereift ist und somit nicht sein ganzes Potenzial ausschöpft.

Ich vergebe gerne drei von fünf möglichen Sternen.

Bewertung vom 25.09.2018
American Horror Story Season 7: Cult

American Horror Story Season 7: Cult


ausgezeichnet

Wenn eine Serie, die dich in den düstersten Orten das Fürchten gelehrt hat, indem du mit den Figuren die wahre Hölle durchleben musstest, plötzlich den Anspruch erhebt, sich einer politischen Thematik zu widmen, dann möchte man im ersten Moment stutzig reagieren. Sich stirnrunzelnd fragen, ob das funktionieren kann. In der folgenden Rezension ist es mir ein Anliegen, diese Frage zu beantworten und weiterhin von meinen visuellen Eindrücken zu vorliegender Staffel zu berichten.

Schon während der ersten Episoden schafft es die Serie, mich in ihren Bann zu ziehen und mir kurzweilige Unterhaltung zu bieten. Über die elf Folgen hinweg wird ein steigender und explosiv zündelnder Spannungsaufbau aufgebaut, welcher sein Publikum geschickt mitzureißen weiß. Spannend ist es, zu beobachten, wie „American Horror Story“ in ihrer siebten Staffel eine neue Ebene erreicht, indem sie politische Probleme und Machenschaften inszeniert und gleichzeitig die Religion kritisch beäugt.

„Cult“ entspinnt über seine Lauflänge von knapp neun Stunden eine wendungsreiche Handlung, ein furioser Akt zwischen Vertrauten und Verrätern; Treue, Manipulationen und Intrigen. Man kann nie erahnen, welcher Charakter welches geheime Spiel treibt, das Mitfiebern macht umso mehr Spaß. Hier wird geschickt mit den Ängsten des Zuschauers gespielt und gleichzeitig viel Futter zum Nachdenken und Diskutieren gegeben.

Der grandios besetzte Cast weiß auch in dieser Staffel wieder ausnahmslos zu begeistern. Neben einer überzeugenden Alison Pill zeigt hier Sarah Paulson (welche ebenfalls in jeder vorangehenden Staffel agiert hat) einmal mehr, was für eine großartige Charakterdarstellerin sie ist. Ihre fortschreitenden Phasen der Verzweiflung und die enorme Entwicklung, welche sie durchmacht, nimmt man ihr jederzeit ab. Auch Evan Peters liefert hier eine eindrückliche Performance ab, an welche man sich als Zuschauer noch länger erinnern wird.

Es ist schön, beobachten zu können, wie sich die Serie nicht nur über die Zeit, sondern auch innerhalb einer abgeschlossenen Staffel weiterentwickelt. Wenn der Plot einmal los getreten ist, lässt er sich wie ein Feuer nicht mehr aufhalten – und endet letztendlich in einem spannenden und zum Nachdenken anregenden Ende, welches sicherlich die Geister scheiden wird und viel Platz für Interpretationen offen lässt.

Dadurch, dass „Cult“ so nah an der Realität angelehnt ist und sich auch an „echten“ Themen wie der amerikanischen Präsidentenwahl bedient, erzielt die Serie somit eine noch eindringlichere und erschreckendere Wirkung. Denn das muss man sich klar machen: Eine solch rasante und nicht aufhaltbare Entwicklung, wie sie hier geschieht, ist schon geschehen – und kann noch immer auftreten! Klare Parallelen werden hier zu historischen Ereignissen gezogen, Rückblenden zu Kulten des 20. Jahrhunderts verschiedener Ausprägung eingespeist. Unterschiedliche stilistische Mittel unterstreichen diese unterschwellige Warnung, wie beispielsweise die Tatsache, dass die gezeigten Kultanführer ebenfalls von Evan Peters (auch hier als Gründer des im Mittelpunkt betrachteten Kultes agierend) verkörpert werden.

Trotz des für die Serie recht ungewöhnlichen Kernthemas schafft es auch die siebte Staffel, die beklemmende und intensive Atmosphäre, die für „American Horror Story“ charakteristisch ist, aufzubauen. Längen entstehen während der elf Episoden kaum, einige Ungereimtheiten trüben das sonst so makellose Erscheinungsbild vorliegenden Produktes. Teilweise werden Handlungsstränge aufgegriffen, die dem gesamten Plot nichts Essenzielles hinzuzufügen haben und mehr Verwirrung hineinbringen. Dieser Kritikpunkt verhindert in dieser Bewertung jedoch keineswegs eine sehr hohe Gesamtwertung.

„American Horror Story“ hat in ihrer siebten Staffel „Cult“ wieder einen Schritt nach vorne gewagt und dabei viel gewonnen.

Bewertung vom 23.09.2018
American Horror Story: Roanoke (Die komplette sechste Season) (3 Discs)

American Horror Story: Roanoke (Die komplette sechste Season) (3 Discs)


ausgezeichnet

Das Horrorgenre hat ein grundliegendes Problem. In dem letzten Jahrzehnt wurden alle nur erdenklichen Ideen, Zuschauer Angst zu bereiten, schon zu Genüge ausprobiert und es gibt nur eine begrenzte Anzahl an furchterregenden Einfällen. Wie soll also die sechste Staffel von „American Horror Story“ überraschen und schockieren können, wenn die Vorgänger ihrem Publikum das Fürchten gelehrt, es gleichzeitig aber auch abgehärtet hat? Einige konkrete Gründe möchte ich in der folgenden Rezension unterbreiten.


Mich fasziniert an „American Horror Story“ seine Vielschichtigkeit. In jeder Staffel wird dem Zuschauer ein neues Szenario geboten, welches ganz unterschiedliche Formen des Horrors hervorruft, gleichzeitig aber kommt die gewohnt düstere Atmosphäre, welche als Markenzeichen der Serie agiert, auf. Auch „Roanoke“ hat eine neue Thematik, ja gar einen neuen Stil aufzuweisen, und trotz ihres eigenen Charakters beruft sich die Staffel auf die fest geltenden Werte des Epos.

Vorliegende Geschichte wird in dem sogenannten „Mockumentary“-Stil erzählt. Dieses Wort setzt sich aus dem englischen Verb ‚to mock‘, was so viel wie ‚verspotten‘ meint, und dem Begriff ‚Dokumentation‘. Man versteht darunter einen fiktionalen Dokumentarfilm, der sein gesamtes Genre parodiert. Diese Nuance bringt neuen Wind in „Roanoke“. Die Staffel entfaltet eine weitreichende und wendungsreiche Erzählung, indem sie komplexe Metaebenen aufbaut und somit auf verschiedensten Ebenen begeistern kann. Hier wird oft mehrfach um die Ecke gedacht, was mir eine ungeheure Freude bereitet hat. Nach und nach entrollt sich aus der Staffel, neben all seinen mysteriösen und brutalen Szenen, die auch hier wieder nicht zu kurz kommen, eine gelungene Mediensatire, die wichtige gesellschaftliche Thematiken anspricht, wenn auch teilweise etwas überspitzt.

Das Setting kann in „Roanoke“ absolut überzeugen. Man merkt, wie viel Potenzial in diesem hübschen Waldhaus steckt, aber gleichzeitig kann man auch den Schrecken und die Furcht, die über dem Ort haust, spüren. Handwerklich unterscheidet sich die sechste Staffel kaum von seinen Vorgängern, indem sie von Spezialeffekten über Kameraführungen bis hin zu Kostümdesign vieles richtig macht. Auch das große Schauspielerensemble, welches dem Zuschauer weitgehend durch vorangegangene Staffeln bekannt ist, kann auch hier wieder überzeugen, indem es diese Tortur des Grauens über sich entgehen lässt.

Wenn man mich fragt, welche Aspekte mich an der Staffel vielleicht nicht so überzeugen können, dann ist hier die fehlende Härte anzumerken. Ich mag erbarmungslos klingen, aber „American Horror Story“ verkauft sich eben durch ihre schiere Brutalität und den Grauen. Weshalb man hier die Kamera nicht konsequent auf etwaig blutige Sequenzen drauf halten kann, bleibt mir ein Rätsel. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Konsequenz gewünscht. Darüber hinaus haben sich leider auch in „Roanoke“ einige Logiklöcher eingeschlichen. Um ein konkretes Beispiel zu nennen, erschließt sich mir der Sinn der Rolle Scáthach (verkörpert von Lady Gaga) nach wie vor nicht, da sie einige Screentime bekommt, obwohl sie der gesamten Rahmenhandlung nichts Essenzielles hinzuzufügen hat.

Nur Gutes lässt sich über die Figurenausarbeitung berichten. Vor allem die Metzgerin (grandios gespielt von Kathy Bates) macht eine spannende Entwicklung durch und fügt sich in die Mediensatire mit ein. Die zehn Folgen sind dermaßen kurzweilig, dass sie das Publikum zum Binge-Watching einladen und für schaurige und intensive Unterhaltung sorgen.

Fazit und Wertung:
„American Horror Story: Roanoke“ ist eine wendungsreiche Erzählung, welche mehrere Ebenen entfaltet und mit einem komplett neuen Stil begeistern kann. Wesentliche satirische Elemente bringen hier wichtige gesellschaftliche Werte mit ein.

Bewertung vom 19.09.2018
American Horror Story: Hotel (Die komplette fünfte Season) (4 Discs)

American Horror Story: Hotel (Die komplette fünfte Season) (4 Discs)


sehr gut

Mit atmosphärischen Erzählungen, schauspielerischen Glanzleistungen und einer unverwechselbaren Machart heißen uns die kreativen Köpfe hinter der vielfach ausgezeichneten Serie „American Horror Story“ nun in dem fiktiven mörderischen „Hotel Cortez“ willkommen und erzählen dort eine auf mehreren Ebenen faszinierende Geschichte. Ob auch die fünfte Staffel mit ihren starken Vorgängern mithalten kann und welche weiteren Eindrücke ich bei dem Bewegtmaterial gewonnen habe, das erfährst du in der folgenden Rezension.


Leider muss ich zu Beginn dieser Bewertung anmerken, dass es mir über die ersten einigen Pilotfolgen hinweg ziemlich schwer gefallen ist, mich in der Serie zurechtzufinden. Die Staffel braucht zu lange, um an Fahrt zu gewinnen. Ein doch sehr langatmiger Einstieg hat mich gegenüber „Hotel“ zunächst skeptisch werden lassen.

Nach Überwindung der ersten Enttäuschung schaffen es die Macher dann doch noch, die gewohnt schaurig-böse Atmosphäre aufzubauen und dem Zuschauer mit jeder blutigen Wendung eine Gänsehaut auf den Rücken zu bereiten. Ein Hotel mit Gängen, die ins Nichts verlaufen, mit Schächten, die dafür gebaut wurden, Leichen zu entfernen, und ein Geheimnis, das hinter all dem zu stehen scheint… All das sind schon Elemente, die in einer solchen Erzählung Potenzial besitzen. Durch den Fakt, dass dieses geeignete und schaurige Setting einem ungelogen echten Horrorhaus nachempfunden ist, und die zahlreichen Serienmörder, die in der Handlung vorgestellt werden, überwiegend tatsächlich gelebt haben, lädt „Hotel“ zu einer düsteren Recherche ein, die die Serie in ganz neue Dimensionen hebt. Denn plötzlich ist die Serie nicht nur ein bloßes Fantasiegespinst, sondern hat belegbaren Wahrheitsgehalt. Das macht sie noch ein wenig unheimlicher.

Mit zunehmender Episodenanzahl entfaltet die Staffel eine umfangreiche und interessante Mär, die auf vielerlei Ebenen spannend anzusehen ist. Ein überzeugendes Schauspielerensemble trägt die Handlung mühelos auf den Schultern. Besonders herausstellen möchte ich hier die Leistung von Lady Gaga, welche eine äußerst vielschichtige und undurchschaubare Figur verkörpert und dem Genre eine völlig neue Note verleiht. Anzumerken ist hier jedoch auch das merkliche Fehlen der Akteurin Jessica Lange, welche in den vorangegangenen Szenarien ein Grundbaustein und „das Herz und die Seele“ der Serie war und immer eine überragende Performance abgeliefert hat, an welche Darstellung sich die jeweiligen Staffeln aufgebaut haben.

Eine der Stärken von „American Horror Story“, auch kurz „AHS“ genannt, wird auch in „Hotel“ sichtbar, indem über die zwölf Episoden interessante und überwiegend glaubhafte Figurenentwicklungen zu beobachten sind. Viele der auftretenden Charaktere erweisen sich als liebenswürdig und vielschichtig, sodass es das Herz eines wahren Fans auch nach dieser Staffel zerreißt, weil man sich von ihnen verabschieden muss. Ein nettes, jedoch verwirrendes Crossover zu "Coven" erwartet den Zuschauer ebenfalls.

Wenn man mich also abschließend fragt, ob ich diese Staffel von „American Horror Story“ weiterempfehlen kann, dann ist zum fünften Mal meine Antwort eindeutig „Ja“. Wer Spaß mit den Vorgängern und an dem Entfalten umfangreicher und grausiger Geschichten hat, der sollte sich „Hotel“ nicht entgehen lassen. Jedoch machen sich auch einige unlogisch entwickelte Handlungsstränge bemerkbar, die sich nicht so ganz dem Schema fügen wollen, und führen mich abschließend zu der Tatsache, dass es sich hierbei um die bisher schwächste Staffel des Epos handelt. Nichtsdestotrotz gibt es von meiner Seite eine dicke Empfehlung.


„American Horror Story: Hotel“ ist schaurig-böse Unterhaltung auf hohem Niveau, welches mit tollen schauspielerischen Leistungen und einem atmosphärischen Setting überzeugen kann. Einige Ungereimtheiten, welche aufgekommen sind, verhindern jedoch nicht eine starke Bewertung für vorliegendes Produkt.

Ich vergebe hierfür gerne vier von fünf möglichen Sternen.

Bewertung vom 10.09.2018
American Horror Story: Coven (Die komplette dritte Season) (4 Discs)

American Horror Story: Coven (Die komplette dritte Season) (4 Discs)


sehr gut

Kaum eine Serie konnte mich in letzter Zeit so fesseln wie „American Horror Story“. Eine Serie, deren Staffeln jeweils abgeschlossen sind, jedoch großenteils ein festes Schauspielerensemble besitzt und deren Handlungsstränge spätestens in der achten Staffel ineinander verwoben werden sollen. In der folgenden Rezension soll es um die dritte Staffel, die den Namen „Coven“ trägt und insgesamt 13 Episoden umfasst, gehen – ob sie in die Fußstapfen der starken Vorgängerfolgen treten kann, das erfährst du in der folgenden Rezension.

Selbst wenn ich jetzt noch über die Staffel nachträglich Revue passieren lasse, dann bin ich von ihr überwältigt und begeistert. Es ist schön, dass sich auch nach einer so starken zweiten Staffel eine Steigerung innerhalb der Serie bemerkbar macht. Die dritte Staffel steht ihren Vorgängern in nichts nach – und unterscheidet sich doch vollständig von ihnen.

In den dreizehn schnell gesehenen Folgen widmet man sich dem Überthema „Hexen“. Dabei werden am Anfang so viele Handlungsstränge eingeführt, dass man als Zuschauer beinahe überfordert ist an der Fülle verschiedener Ideen. Leider wirkt sich das auch auf das Tempo der ersten Episoden aus, dass die dritte Staffel ein wenig Zeit benötigt, um in Fahrt zu kommen. Sie muss sich und ihr vielschichtiges Geschehen erst in den Griff bekommen, um ihre wahre Wirkung zu entfalten.

Nach der Zeitspanne, die es benötigt, in die Serie und das damit verbundene Szenario einzutauchen, wird uns hochgradig spannende und kurzweilige Unterhaltung geboten. Im Laufe der Zeit lernt man die zahlreichen Charaktere kennen und lieben, sodass man die dritte Staffel schweren Herzens hinter sich lassen muss, denn ein Ende bedeutet hier Abschied von den Figuren. Ihnen allen wurde die nötige Tiefe verliehen, als dass man ihre inneren Handlungen und Motivationen nachvollziehen kann.

Die schauspielerische Leistung des gesamten Ensembles kann voll und ganz überzeugen. Die verschiedenen Phasen der Freude, Angst, Hoffnungslosigkeit und Panik verkörpern die Akteure auf imponierende Art und Weise. Dabei gibt es drei Schauspielerinnen, die ich hier besonders herausstellen möchte: Zunächst einmal mehr Jessica Lange, die wirklich für diese Serie geschaffen ist. Sie fühlt sich in ihrer Rolle als Fiona Goode sichtbar wohl und absolviert eine starke charakterliche Veränderung und Achterbahnfahrten der Gefühle mit einer beeindruckenden Präsenz. Ihre verkörperte Figur wird mir noch länger in Erinnerung bleiben. Auch Lily Rabe ist hier einer eigenen namentlichen Nennung wert, denn sie schlüpft in die Rolle der Sumpfhexe Misty Day, die sich als eine der liebenswürdigsten Personen enttarnt, die man aus der gesamten Serie bisher kennt. Sie trumpft ebenfalls mit ihrer Interpretation dieser Figur. Zu guter Letzt ist noch Kathy Bates zu erwähnen, die die Serienmörderin Delphine LaLaurie (welche wirklich existiert hat) mit wahrer Böshaftigkeit im Gesicht darstellt und man ihr zu jeder Zeit abkauft, mit welch bestialischer Freude sie mit Vorliebe schwarze Sklaven foltert. Ich könnte hier noch weitere Darsteller aufzählen, die alle ihren Job gut gemacht haben, aber dadurch würde sich die Rezension unnötig in die Länge ziehen, deswegen beschränke ich mich auf diese drei.

Das gewaltige Gebäude des Hexenzirkels in New Orleans eignet sich perfekt als Kulisse für den Großteil der gesamten Staffel. Man fühlt sich in der Gesellschaft der Hexen wohl und der Prunk des Hauses steht symbolisch für die Macht dieser. Nicht nur die Leistungen der Schauspieler glänzen in dieser Serie, nein, handwerklich wird hier auch viel richtig gemacht. Die vielschichtige Handlung wird von spektakulären Kamerafahrten eingefangen, die sich teilweise dreihundertsechzig Grad um die eigene Achse drehen, und einen detaillierten Überblick über den momentan befindlichen Ort geben.

Die gesamte Rezension finden Sie auf HelloMyMedia.

Bewertung vom 10.09.2018
Heilstätten

Heilstätten


gut

Der deutsche Film hat international einen recht schlechten Ruf. „Es werden nur belanglose und klischeehafte Rom-Coms gedreht, in jedem zweiten Film spielt entweder Til Schweiger oder Matthias Schweighöfer mit“ – das alles sind solche Vorurteile, die gegenüber in Deutschland gedrehten Filmen herrschen. Umso erfreulicher tun sich dann die Streifen hervor, welche sich an einem anderen Genre versuchen. „Heilstätten“ von Michael David Pate ist ein solcher „Ausreißer“, er bewegt sich in dem breit gefächerten Horror-Milieu und möchte eine schockierende Handlung erzählen. Wie überzeugend ihm das letztendlich gelingt und wem ich vorliegendes Werk weiterempfehlen würde, das erfährst du in der folgenden Rezension.


Schon in den ersten Minuten merkt der Zuschauer schnell, dass der Film, obwohl er einige heftige Szenen zu bieten hat, sich doch eher einem jugendlichen Publikum widmen will. Er referiert über die „YouTube-Stars“ und „Influencer“-Thematik, welche der Zielgruppe angemessen ist und mit der sich der Großteil des Publikums identifizieren können müsste.

Der Film kann über seine kurze Lauflänge kurzweilig und spannungsreich erzählen. Die Heilstätte Grabowsee für Lungentuberkulose bietet ein atmosphärisches und düsteres Setting, in welchem man sich selbst nicht gerne aufhalten würde. Die auftretenden Figuren und ihre jeweiligen Motivationen sind nachvollziehbar, jedoch teilweise stark überzogen inszeniert. So wirken Emilio Sakraya und Timmi Trinks als die „Pranksters“ so übertrieben, dass sie dem Zuschauer durch ihre naive und sensationsgeile Art auf die Nerven gehen.

Ich kann verstehen, wenn man hier die Charakterisierung überspitzen will, um Parallelen zu tatsächlich realen Personen ziehen zu können (z.B. BibisBeautyPalace oder PrankBros) und einen abschreckenden Effekt zu verstärken, aber wenn die eigenen Filmhelden den Geduldsfaden ihrer Zuschauer überstrapazieren, dann ist dies für mich kein gutes Zeichen, welches für den Film spricht. Die schauspielerische Leistung insgesamt zahlt sich jedoch recht schnell aus, da man allen Akteuren die stetige Angst und steigende Verzweiflung in jeder Minute des Streifens abkauft.

Vorliegendes Werk wurde im Found-Footage-Stil gedreht, das bedeutet größtenteils aus der Perspektive der verschiedenen Kameras der Protagonisten. Dieses Stilmittel wird hier geschickt eingesetzt, da sich dieser Horrortrip dadurch wie ein tatsächliches „YouTube“-Video ansehen lässt. Teilweise sieht man das geschehen sogar durch eine Wärmebildkamera, was wiederum die aufkommende Hilflosigkeit der Figuren verdeutlicht. Die einzelnen Splatter-Elemente können durch gelungene Spezialeffekte begeistern und werden hier verwendet, um schockierende, aber nicht gewaltverherrlichende Wirkung zu erreichen, was ihnen gelingt.

Durch bedrückende Musik, verwackelten und beängstigenden Bildern und isolierendem Ambiente schafft es der Film, atmosphärischen Grusel entstehen zu lassen. Dieser wird gespickt von teilweise vorhersehbaren, oft aber auch überzeugenden Jumpscares, die dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lassen. Ein unerwarteter Plot-Twist am Ende des nur etwa achtzigminütigen Streifens kann zwar überraschen und eine markante Botschaft an das Publikum richten, möchte aber im nachträglichen Revuepassieren nicht hundertprozentig überzeugen.

Wenn man mich also fragt, ob ich „Heilstätten“ weiterempfehlen kann, dann lautet meine Antwort: „Ja.“ Ich finde es gut, dass man sich an dieses Genre auch in Deutschland herantraut. Dieser Film garantiert nicht mehr und nicht weniger als spannenden und kurzweiligen Grusel, in dem durch seine knappe Lauflänge keine einzige Länge entsteht und meist überzeugend seine Zielgruppe unterhalten kann.


„Heilstätten“ ist ein atmosphärischer und schockierender Horrorfilm, der kurzweilige Unterhaltung bietet.

Gerne vergebe ich drei von fünf möglichen Sternen.

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