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Benutzername: HelloMyMedia


Bewertungen

Insgesamt 27 Bewertungen
Bewertung vom 20.11.2018
Sonne und Beton
Lobrecht, Felix

Sonne und Beton


weniger gut

Felix Lobrecht ist einer der vielversprechendsten Newcomer der Stand-Up-Comedians und wurde beispielweise in diesem Jahr für den Deutschen Comedypreis ausgezeichnet. Auch als Autor ist er tätig – in seinem zweiten Buch „Sonne und Beton“, welches März 2017 im Ullstein Verlag erschienen ist, erzählt er eine Geschichte rund um vier Jugendliche, welche in Neukölln leben, und lässt dabei Anekdoten aus der eigenen Kindheit mit einfließen. Darüber schreibt er selbst: „Ich wünschte, ich hätte mir mehr ausdenken müssen." Wie mir diese Lektüre gefallen hat und welche Eindrücke aus dieser gewonnen werden können, das erfährst du in der folgenden Rezension.

Der Titel „Sonne und Beton“ ist für dieses Werk gelungen gewählt und führt den Leser passend in die Atmosphäre des Buches ein. Durch verschiedene stilistische Mittel schafft es Lobrecht außerordentlich gut, eine Momentaufnahme des Lebens in der Kulisse rund um Neukölln einzufangen und diese stimmig auf die Seiten zu bannen. Die dem heutigen berlinerischen Jugendslang angepasste Ausdrucksweise eignet sich hierfür zwar gut, strapaziert auf Dauer deutlich die Nerven der Leserschaft. Oft muss man sich stark konzentrieren, um der wörtlichen Rede den gemeinten Sinn entnehmen zu können.

Leider kann ich über das Buch auch weiterhin nicht viele gute Worte verlieren. Zwar ist es über alle Maßen kurzweilig und bietet angenehm unkomplizierte Unterhaltung, so enttäuscht Lobrecht jedoch mit blass bleibenden und sich fraglich entwickelnden Charakteren, die zu keiner Zeit eine Art Identifikationsfigur darstellen, sondern nicht nachvollziehbar oder gar unverständlich handeln. Auch spricht der Autor in seinem Werk zwar die unterentwickelten Lebensumstände des Wohnraums an, bietet dem Leser jedoch keine Message, die aus der Seele des Buches spricht und es markant im Gedächtnis bleiben lässt. Somit bleibt es auf lange Dauer gesehen belanglos – und einen solchen Eindruck darf ein Roman nicht vermitteln.

Der Spannungsbogen enttäuscht leider ebenso auf ganzer Linie. Eine wirkliche Handlung eröffnet sich dem Leser erst nach einer seicht dahinplätschernden ersten Hälfte, die in diesem Zusammenhang einer Nennung nicht wert erscheint, wird dann jedoch gehetzt und nicht zufriedenstellend zu Ende geführt. Dabei bleibt „Sonne und Beton“ jederzeit an der Oberfläche, unternimmt nicht einmal den Versuch, an dieser zu kratzen und geht mit seiner unspektakulären Art unter. Konkurrenz zu anderen Büchern seines Genres bietet er somit nicht.

Zwar kann mich Felix Lobrecht auf der Bühne mit einer eigen- und einzigartigen Präsenz vollends überzeugen, so schafft er das hier jedoch auf keiner Linie mit seinem Roman, der mich wirklich enttäuscht zurückgelassen hat. Bis auf den spannenden Einblick in eine glaubwürdige Momentaufnahme der Lebenszustände in Neukölln bietet mir „Sonne und Beton“ keinen stichartigen Grund, es hiermit weiterzuempfehlen. Deswegen gibt es von mir keine Leseempfehlung.

„Sonne und Beton“ ist ein auf ganzer Linie enttäuschender Roman, der lediglich mit seiner atmosphärischen Schilderung trumpfen kann. Ansonsten bleibt er in allen Aspekten so sehr an der Oberfläche, dass man das Gefühl bekommt, nach dem Buch nicht mehr zu wissen als davor.

Ich vergebe hier leider nur zwei von fünf möglichen Sternen.

Bewertung vom 18.11.2018
Die tausend Teile meines Herzens
Hoover, Colleen

Die tausend Teile meines Herzens


sehr gut

Durch einen packenden Schreibstil ermöglicht Autorin Colleen Hoover ihrer Leserschaft einen angenehm seichten Einstieg in die Geschichte, als würde sie dich an der Hand nehmen und langsam in das Szenario einführen: Sie fackelt nicht lange herum, sondern stellt uns sofort die Protagonistin Merit vor, aus deren Perspektive der Roman verfasst ist, nur nebenbei. Diese stellt sich als eine sympathische und sympathisch „unperfekte“ Protagonistin heraus, die man gerne durch das knapp dreihundertfünfzig-Seiten-starke Buch begleitet. Sie ist Part von einer skurrilen familiären Gemeinschaft, die mit Problemen und Krisen zu kämpfen haben, die ehrlich und authentisch wirken. Man fühlt sich bereits nach wenigen Kapiteln mit den Figuren wohl und wird schnell mit ihnen warm, und das liegt u.a. an der realistischen Fehlerhaftigkeit, die sie weder besser noch schlechter als das lesende Publikum wirken lassen.

Im Laufe von „Die tausend Teile meines Herzens“ entblößt Autorin Hoover, an welcher Bandbreite von verschiedenen Emotionen sie sich bedienen – und damit gleichzeitig ihre Leser auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitreißen kann. So wie ich während der Lektüre herzhaft lachen musste, blieb mir dasselbe nur wenige Seiten später im Halse stecken, da sie es ebenso schafft, mit ehrlichen und glaubwürdigen Worten ergreifend emotionale Momente, die dir durch Mark und Bein gehen, zu konstruieren, dass dir die Spucke wegbleibt und in Form von warmen Tränen die Wangen hinunterläuft – wenn ich das metaphorisch formulieren darf.

Die einzige, dafür aber markante Schwäche des Buches entpuppt sich in der zweiten Hälfte des Romans, in der sich die Autorin Hoover vermutlich an ihre schon etwas älteren Werke zurückbesinnt. Das komplexe Konstrukt einer zerstörten Familie, die langsam wieder zueinander finden muss, wird durch eine belanglos erscheinende und blass charakterisierte Liebesgeschichte abgelöst, die sich schlussendlich selbst anmaßt, als hauptsächliche Herausforderung agieren zu können. Was ihr jedoch nicht gelingt. Ich finde, vorliegende Lektüre hat es nicht nötig, auf eine solche Schiene abzudriften, da für mich der romantische Aspekt keineswegs überwiegt, sondern lediglich als Mittel zum Zweck für die grundlegende Handlung dient. Dass diesem hier ein so großer Fokus beigemessen wird, hat mich etwas enttäuscht.

Dem entgegen steht ein interessanter Aufbau, in welchen der Roman gegliedert ist. Ereignisse überhäufen sich zunächst, bis ein explosiver Höhepunkt in der Mitte des Buches jedermanns Aufmerksamkeit ergreift, und in das versöhnliche, Ruhe ausklingende letzte Drittel mündet.

Letztendlich lässt sich feststellen, dass Bestsellerautorin Colleen Hoover mit ihrem neuesten Werk „Die tausend Teile meines Herzens“ viel richtig macht und so schnell meine Sympathie für sich gewinnen konnte. Gerne vergebe ich hier eine dicke Leseempfehlung, da sich hinter einem wirklich hässlichen Cover eine charmante und ergreifende Familiengeschichte verbirgt, die jedem ein Lächeln auf das Gesicht zaubern wird.

Ich vergebe vier von fünf möglichen Sternen.

Bewertung vom 13.11.2018
Die Bibliothek der besonderen Kinder / Besondere-Kinder-Trilogie Bd.3
Riggs, Ransom

Die Bibliothek der besonderen Kinder / Besondere-Kinder-Trilogie Bd.3


sehr gut

Lange schon hat mich eine Fantasy-Reihe nicht mehr so in ihren Bann gezogen, wie es der US-amerikanische Autor Ransom Riggs in seiner außergewöhnlichen Trilogie rund um Miss Peregrine und ihre besonderen Kinder geschafft hat. Die beiden ersten Bände erlangten jeweils starke neun von zehn Punkten – da ist es sicherlich auch verständlich, mit welchen hohen Erwartungen ich an den letzten und finalen Teil herangegangen bin. Ob „Die Bibliothek der besonderen Kinder“ diese einhalten und welcher Eindruck aus der Lektüre gewonnen werden kann, das erfährst du in der folgenden Rezension.

Für den Leser ist es ein schönes Gefühl, miterleben zu können, wie die Entwicklung des Protagonisten Jacob vonstattengeht. So steigt er mit jeder neuen Seite mehr und mehr zu einem wahren Held auf. Er erkennt während den drei Bänden seine eigene Identität und führt so der Leserschaft die Kraft der Selbsterkenntnis vor Augen. Auch schreit dieser Band nur so förmlich nach Fortschritt, es wirkt wie ein gewaltiger Fußstapfen in größere, weitere Universen, in den der Autor tritt.

So wird die Entwicklung der Reihe beispielsweise durch die Tatsache deutlich, als dass in diesem Werk ein deutlich düsterer und erbarmungsloserer Ton angeschlagen wird, der bisher noch nie ein so großes Ausmaß an Konsequenz mit sich gezogen hat, wie es hier erlebt werden kann. Die Atmosphäre wird gelungen aufgebaut, so dicht, dass man sie mit dem Messer zerschneiden könnte.

Inzwischen fühlt man sich als Leser vertraut in dieser geheimen Welt der Besonderen, die sich als größer entpuppt, als zunächst vermutet. Auch in diese Richtung weitet der Autor den Rahmen seiner bisherigen Handlung aus und gibt den Protagonisten Platz zum Atmen und Selbstentfalten. Eine (noch) geheimlebende Gruppe mit besonderen Fähigkeiten, welche als Einheit dasteht – ein beeindruckendes Plädoyer an die konservative Bürgerschaft. Hier wird der Leserschaft ein überwältigender Mut zur Eigenheit vermittelt, was für die angesprochene Zielgruppe in der Phase des Ich-Erkundens eine Botschaft mit nicht zu unterschätzender Wichtigkeit ist, und schlägt gleichzeitig leise Töne subtiler Gesellschaftskritik an.

Schade ist es daher, hier festhalten zu müssen, dass v.a. der dritte Akt dieses Buches unter erheblichen Schwächen zu leiden hat. Das Ende, mit welchem der Autor seine Trilogie abschließen möchte, wirkt abstrus und unrealistisch, schmiegt sich so leider nicht in die charmante Art der restlichen Reihe ein. Zudem ist die letztendliche Herausforderung, denen sich die Hauptfiguren gegenübergestellt sehen, etwas zu leicht zu bewältigen. Aus dem Dreh- und Angelpunkt des Buches, der Figur der Miss Peregrine, werde ich leider bis zur letzten Seite nicht ganz schlau, da ihre eigenen Werte und Moral nicht nachvollziehbar dargestellt werden und sich teilweise gar widersprechen. Ebenso hätte man das vorliegende Werk locker um fünfzig, gar hundert Seiten kürzen können.

Wenn man mich fragt, ob ich „Die Bibliothek der besonderen Kinder“ weiterempfehlen kann, dann ist die Antwort schnell gesagt: „Ja!“. Zwar finde ich, dass es sich hier um den wahrscheinlich schwächsten Band der Trilogie handelt, so verspricht dieses Werk jedoch atemberaubend spannende und erstklassige Unterhaltung, die durch ihre gewohnt ansprechende Aufmachung punkten kann. Die Reihe wird mir wohl noch länger positiv im Gedächtnis bleiben. So entwickelt sich auch der dritte Teil ein großes Stück weiter, sodass ich sagen kann, diese Reihe hat sich etwas getraut und baut ihr eigenes Universum immer mehr aus. Das Ende wird hier recht offen gelassen, lässt also viel Platz für eigene Fantasien, gibt dem Leser einen kleinen Denkanstoß, das hat mir gefallen.

„Die Bibliothek der besonderen Kinder“ garantiert beste Unterhaltung und führt eine der besten Fantasy-Reihen der letzten Jahre äußerst gelungen zu Ende.

Gerne vergebe ich starke vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 12.11.2018
Orphan - Das Waisenkind
Fuhrman,Isabelle/Farmiga,Vera

Orphan - Das Waisenkind


sehr gut

„Orphan – Das Waisenkind“ ist ein nervenaufreibender und intensiver Horror-Thriller-Psychoschocker, der durch seine pure Boshaftigkeit, unvorhergesehene Handlung und herausragende Charakterdarsteller glänzen kann und gruselig-spannende Unterhaltung auf sehr hohem Niveau bieten kann.

Bewertung vom 30.10.2018
Love, Simon

Love, Simon


ausgezeichnet

Es ist ein Buch, das eine große Reichweite erlangt hat, und das verfilmt wurde, mit Darstellern, die viele Menschen kennen, mit einer Thematik, die jeden betrifft und erreichen muss. Ohne die dazugehörige Buchvorlage zu kennen, habe ich mir den Film „Love, Simon“ angesehen. Im Folgenden möchte ich den Streifen näher analysieren und mit gleichwertigen Werken vergleichen.

Von der ersten Sekunde an empfängt „Love, Simon“ sein gesamtes Publikum mit offenen Armen. Nick Robinson als Protagonist funktioniert einwandfrei. Er präsentiert sich als offenherzige und nahbare Figur, die wie aus dem echten Leben zu gegriffen sein scheint. Mit seiner sympathischen, leicht schüchternen Persönlichkeit gewinnt er schnell die Gunst des Publikums und es bereitet wahre Freude, diese echte und lebendige Person durch den Streifen zu begleiten. Genau diese herzliche Art und Weise soll es sein, die den Zuschauer nicht mehr so schnell loslassen wird.

Auch das ringumstehende Figurenensemble, welches Simon während seiner Entwicklungsphase zur Seite steht, kann durch seinen Charme und die Mehrdimensionalität punkten. Als jugendlicher Zuschauer fällt es leicht, sich mit ihnen zu identifizieren und sich in die Lage hineinzuversetzen, wie man selbst an ihrer Stelle agieren würde. Sie verhalten sich zu jeder Zeit nachvollziehbar und verständlich und folgen nicht zu klischeebehafteten Rollen, als dass dies schwer ins Gewicht fallen würde.

Während knapp zwei Stunden Lauflänge entwickelt sich eine wilde Achterbahnfahrt aus unterschiedlichen Emotionen, die einem beim Zuschauen unter die Haut gehen. Man kann sich den behandelten Themen nicht entziehen – denn Homosexualität und der Umgang damit ist etwas, was jeden betrifft und womit man sich beschäftigen muss. Dass ein Film in einem so großen Rahmen dermaßen selbstverständlich und offen mit dieser Streitfrage umgeht, ist meiner Meinung nach ein ganz großer Schritt in die richtige Richtung. Der Film vermittelt so viel Witz, Ehrlichkeit und gleichzeitig Mut, sodass jeder seine eigene Botschaft aus „Love, Simon“ schöpfen und in der Realität anwenden kann.

Vorliegendes Werk lädt seine Zuschauerzahl wörtlich zum Dahinschmelzen ein. Obwohl er stellenweise in einen schon bekannten Aufbau hineinrutscht, überzeugt er mit seinem Tiefgang, und beweist, dass manchmal nicht viel nötig ist, um Stoff zum Träumen herzustellen. Er regt in seinem Zuschauer dauerhaft die Motivation, zu sich selbst zu stehen und dem Druck von außen nicht klein beizugeben. Dabei wirkt er zu jeder Zeit, und es gibt kein anderes Wort, womit ich dieses Gefühl definierten könnte, „echt“. Vor allem für die Zielgruppe, an die er gerichtet ist, sollte er viel Nachdenkstoff geben und einen Effekt erzielen.

Trotz seiner Ehrlichkeit und dem Mut hätte ich mir an der einen oder anderen Stelle ein wenig mehr Courage zur Eigenheit gewünscht. Man merkt doch, wie optimistisch der Film erzählt ist und dass sich diese ganze Entwicklung in einem sehr behütenden Umfeld geschieht, in welchem man auch keine größeren Folgen auf ein Outing erwarten würde.

Ja, vielleicht ist „Love, Simon“ teilweise zu kitschig, aber meine Aufgabe ist es, mir abwägend und vergleichend ein Bild von dem Streifen zu machen und das nach außen hin kundzutun. Der Eindruck und das Hochgefühl, welches ich nach Betrachten des Films in mir verspürt habe, schwingen noch rekapitulierend in mir mit. Und wenn „Love, Simon“ es schafft, mich so nachtragend zu beeindrucken, dann rechne ich ihm dies hoch an.

„Love, Simon“ ist berührendes und tiefgreifendes Jugendkino der Extraklasse. Mit einer aktuellen Thematik, charmanten Figuren und einer anregenden Botschaft konnte er mein Herz erobern und noch langwierig im Gedächtnis bleiben.

Gerne vergebe ich fünf von fünf möglichen Sternen.

Bewertung vom 30.10.2018
Die Stadt der besonderen Kinder / Besondere-Kinder-Trilogie Bd.2
Riggs, Ransom

Die Stadt der besonderen Kinder / Besondere-Kinder-Trilogie Bd.2


ausgezeichnet

Ein Mädchen, welches die Flamme in sich trägt, ein Junge, der unsichtbare Monster sehen und besiegen kann – das und vieles mehr verbirgt sich hinter der Gemeinschaft der sogenannten Besonderen, wie sie in dem zweiten Teil der Reihe rund um Miss Peregrine „Die Stadt der besonderen Kinder“ thematisiert wird. Für mich ist schon der erste Band ein absolutes Lesehighlight, so möchte ich seine Fortsetzung im Folgenden näher analysieren und mit anderen Werken vergleichen.

Charakteristisch für die genannte Reihe ist eine einzigartige Aufmachung, die durch echte und authentische Bilder eine Atmosphäre aufbauen, die sich gelungen mit der Handlung verwebt und ein stimmiges Gesamtkonstrukt entsteht. Die Handlung selbst ist wie eine stetig wachsende Wurzel, die sich in viele verschiedene Richtungen ausbreitet und selbst vorantreibt, jedoch nie das Ziel vor den Augen verliert. Zudem fließen gelungen auf intensive Art und Weise geschichtliche Anekdoten, wie z.B. der Zweite Weltkrieg, in die Geschichte mit ein, und durch die Tatsache, dass die Protagonisten nicht in der Lage sind, diese Gräueltaten zu verhindern, eröffnet sich dem Leser eine neue Perspektive auf das Geschehene und so wird die eindrückliche Botschaft intensiviert, dass sich so etwas nie wiederholen darf.

Auch weist „Die Stadt der besonderen Kinder“ einige zielgruppenrelevante Thematiken auf, die es anspricht. Die kleine Gruppe der Besonderen, die der Leser im ersten Band kennenlernen durfte, nimmt größere Ausmaße an, und ein Zwiespalt zwischen dieser rasch wachsenden Gesellschaft und dem Eigenleben entsteht. Vor allem für Jugendliche sollte die damit verbundene Identitätsfrage große Alltagsrelevanz haben.

Der Schreibstil des Autors Ransom Riggs kann nach wie vor überzeugen und die Leserschaft von der ersten Seite beginnend packen und mitreißen. Von Kapitel zu Kapitel bildet man ein riesiges Suchtpotenzial und man kann und will auch nicht anders, als das Buch in einem Rutsch auszulesen. Grund dafür ist, zusätzlich zu schon genannten positiven Aspekten, ein extrem vielschichtiges und mitreißendes Figurenensemble, welches man gerne über die knapp fünfhundert Seiten begleiten möchte und, zumindest meiner Empfindung nach, gut leiden kann.

Diese Reihe hat unbestreitbar ihren ganz eigenen Charme, der sie von anderen Werken dieses Genres unterscheidet. Eine ganz eigene Kuriosität, eine ganz eigene Fantasie, eine ganz eigene Welt. Die spannende und nicht vorhersehbare Wendung am Ende des Bandes hinterlässt den Leser reizüberflutet zurück, und man möchte sofort nach Beendigung den nächsten Band zum eigenen Leseort geliefert bekommen.

Dem gegenüber stehen einige wenige Kritikpunkte, die jedoch nichts an der Tatsache ändern, dass es sich auch bei diesem Teil um erstklassige und atmosphärisch dichte Unterhaltung handelt: Zum einen lässt sich die Eindimensionalität des Protagonisten Jacob selbst bemängeln, der trotz seiner nicht ganz unwichtigen Stellung in und für die Handlung oftmals wie ein neutraler Erzähler wirkt. Das finde ich etwas schade, da er einen Dreh- und Angelpunkt für dieses Buch darstellt und man ziemlich wenig über sein Innenleben lernt. Weiter sind die Motive der Antagonisten, denen gegenüber sich unsere Hauptfiguren letztendlich behaupten müssen, zu klischeehaft und enttäuschend, dass sie in das Feuerwerk aus kuriosen und interessanten Ideen, die „Die Stadt der besonderen Kinder“ hervorbringt, nicht hineinpassen mögen. Auch lassen sich die Herausforderungen, denen sich die Besonderen gegenüber gestellt sehen, teilweise zu einfach bewältigen. Jeder erste Versuch mag hier gelingen, was mich ein wenig an der Realistik innerhalb der eigenen Welt zweifeln lässt.

Wenn man mich also fragt, ob und wenn ja, wem ich „Die Stadt der besonderen Kinder“ weiterempfehlen kann, dann lässt sich feststellen, dass ich ohne jegliche Einschränkungen jedem, der sich auch nur im Entferntesten vom Klappentext angesprochen fühlt, die Reihe wärmstens ans Herz legen kann.

Bewertung vom 29.10.2018
Deadpool 2

Deadpool 2


sehr gut

Der Vorgänger war durch seinen vulgären Humor und ungewöhnlichen Bad-Ass-Protagonisten schon ein riesiger Erfolg, so erscheint nun die Fortsetzung zu „Deadpool 2“ endlich auch auf DVD. Ob dieser mit seinem brutal-wahnwitzigen Vorgänger mithalten kann und welche weiteren visuellen Eindrücke aus dem Film gewonnen werden können, das erfährst du in der folgenden Rezension.

Gleich in den ersten Sequenzen machen Regisseur David Leitch und Hauptdarsteller Ryan Reynolds dem Zuschauer klar, um was für eine Art Film es sich handelt: Es ist ein brutaler, actionreicher, gut getimter und komischer Streifen – und wenn man solche Filme mag, dann sollte man sich „Deadpool 2“ auf keinen Fall entgehen lassen. Ich wage sogar zu behaupten, dass diese Fortsetzung besser als der zugrundeliegende Vorgänger ist.

Zuerst einmal lässt sich anmerken, was für eine eloquente und gleichzeitig sympathische Figur Deadpool ist, der hier als Prota- bzw. Antagonist agiert. Seine Motivationen und Entscheidungen lassen sich nicht stur in ein „Gut/Böse“-Schubladendenken einsortieren. Er fungiert als Hauptfigur und seine Beweggründe sind überwiegend nachvollziehbar und müssen nicht hinterfragt werden.

Zudem hat auch dieser Film einen markanten und unverwechselbaren Stil. Es wird von viel Härte Gebrauch gemacht, die jedoch an keiner Stelle überzogen wirkt. Zudem ist ein abwechslungsreicher Humor typisch, der sich von verschiedensten Registern bedient. Die Gags sind sehr gut pointiert, die Sprüche schlagfertig. Teilweise wird sogar Musik als eigenes, wirkungsvolles Humormittel und Witze auf Metaebene, die über die Grenzen des Films hinausgehen, verwendet. Die zahlreichen Actionsequenzen wirken wertig und fügen sich gut in die restliche Handlung ein.

Auch kann ein abwechslungsreiches Figurenensemble überzeugen. Sie bringen dem Streifen etwas Neues, Frisches, nehmen dabei aber nicht zu sehr Oberhand. Während seinen knapp zwei Stunden Lauflänge wird „Deadpool 2“ kein einziges Mal langatmig, sondern entführt sein Publikum in ein wahnwitziges und bahnbrechendes Actionabenteuer, dem man nichts Negatives vorzuwerfen hat außer die Grundhandlung, auf dessen Basis sich der Film entfaltet. Viele Beweggründe der auftretenden Gegenspieler wirken auf den Zuschauer zunächst zu eindimensional. Hier hätte ich mir, trotz des sonstigen Hau-Drauf-Humor, ein wenig mehr Tiefgang gewünscht.

Wenn ich den Film Revue passieren lasse, dann kommen mir die buntesten, absurdesten Bilder wieder in den Sinn – und genau das ist es, was „Deadpool 2“ verspricht und einhalten kann: Ein wahrgewordener Fiebertraum eines pubertierenden Jugendlichen, der betrunken ein Drehbuch schreibt und sich von Szene von Szene überlegt, wie man den überdrehten Humor noch ein weiteres Mal toppen kann.

„Deadpool 2“ ist ein kurzweiliges Feuerwerk aus erstklassigen Actionsequenzen, einem zum Brüllen komischen Humor und verrückten Ideen.

Gerne vergebe ich sehr gute vier von fünf Sternen, mit Tendenz nach oben.

Bewertung vom 29.10.2018
Thalamus
Poznanski, Ursula

Thalamus


sehr gut

Ursula Poznanski gehört, jedenfalls meiner Meinung nach, zu einer der talentiertesten deutschen Autoren. Ihre Thriller sind nervenaufreibend, süchtig-machend und wendungsreich. Dem Erscheinen des neuen Jugendbuches stehe ich jeden August mit voller Vorfreude entgegen. So auch bei „Thalamus“, dessen Klappentext ziemlich vielversprechend klingt und dessen Cover sehr ansprechend ist. Wie sehr mich vorliegendes Werk letztendlich überzeugen kann, das erfährst du in der folgenden Rezension.

Gleich zu Beginn schafft die Autorin es, ihre Leserschaft durch den gewohnt mitreißenden und spannenden Schreibstil zu packen. Sie weiß genau, wie sie mit den Erwartungen des Lesers spielen kann – und dieses Wissen wendet sie gekonnt an. In diesem Thriller kann sie mit einem packenden Szenario, welches großes Potenzial besitzt, punkten und entführt uns in eine atmosphärische Erzählung.

Bei der Entwicklung des Protagonisten Timo übertrifft Autorin Poznanski sich einmal mehr selbst. Sie schöpft eine neue, noch nicht dagewesene Art der Klaustrophobie, indem der eigene Körper als Gefängnis fungiert und es keine Möglichkeit gibt, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. So baut sie eine beklemmende Spannung auf, die v.a. in der ersten Hälfte des Thrillers auf einem hohen Grad verläuft.

Der Plot entwickelt sich über die vierhundertfünfzig Seiten unvorhersehbar, und es ist recht lange nicht klar, was hinter den mysteriösen Vorfällen im Markwaldhof steckt. Leider offenbaren sich mit der Handlungsentwicklung auch erhebliche Schwächen in „Thalamus“, die dafür sorgen, dass dieses neue Werk nicht ganz das Niveau früherer Bücher erreichen kann. Zum einen verliert sich die Autorin in der zweiten Hälfte in stellenweise stockenden Passagen, die den konstanten Lesefluss unterbrechen.

Zum anderen ist der letztendliche Kernpunkt des Plots, auf den stetig hingearbeitet wird, nicht hundertprozentig überzeugend. Das Grundthema wurde in Jugendthrillern schon mehr als einmal bedient, die Auflösung wirkt, als wäre sie aus einem Science-Fiction-Roman entnommen worden. Die Motive des endgültigen Antagonisten werden nicht vollends nachvollziehbar und teilweise etwas plump dargestellt, was dem Buch keineswegs hilft.

Wenn ich jedoch „Thalamus“ rückblickend Revue passieren lasse, dann bleiben doch die positiven Aspekte des Werkes im Gedächtnis kleben. Ein sympathisches und vielschichtiges Figurenensemble begleitet den Leser durch eine spannende Handlungsentwicklung und v.a. die starke erste Hälfte kann sehr überzeugen.

„Thalamus“ ist ein atmosphärischer und unvorhersehbarer Jugendthriller, der ganz neue Ängste in seinem Leser hervorruft, durch einige Schwächen jedoch nicht die Qualität seiner Vorgänger erreichen kann.

Gerne vergebe ich vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 28.10.2018
This is us - Season 1

This is us - Season 1


sehr gut

Wie vielschichtig, bewegend und gleichzeitig unterhaltend die Probleme des echten Alltags sein können, das sei uns spätestens mit der Serie „This Is Us“, welche den deutschen Zusatztitel „Das ist Leben“ trägt, bewiesen. Die erste Staffel mit achtzehn Episoden ist bereits in Deutschland erschienen, die Fortsetzung soll in weniger als einem Monat ebenfalls auf DVD veröffentlicht werden. Durch mehrfache Empfehlungen zu diesem Bewegmaterial und der Tatsache, dass mir freundlicherweise die zweite Season als Presseexemplar zur Verfügung gestellt wird, blieb mir buchstäblich keine andere Wahl, als mir „This Is Us“ anzusehen. Welchem Gehalt ich diesem Werk abgewinnen kann, das erfährst du in der folgenden Rezension.

Die Serie empfängt ihre Zuschauer schon in den ersten Folgen durch ihre lebensnahe und sympathische Art und schenkt ihnen über die Laufzeit von knapp dreizehn Stunden ein behütendes Zuhause. Es tritt eine Vielzahl von glaubwürdigen Protagonisten auf, die einem mit der Zeit ans Herz wachsen. Allesamt werden sie verkörpert von einem vollauf überzeugenden Schauspielerensemble. Dabei durchschreiten sie spannende Figurenentwicklungen, die in jeder Minute realistisch und nachvollziehbar dargestellt werden. Keine einzige Figur wird dabei perfekt oder besser als der andere dargestellt, sondern sie wirken alle „echt“, so, als wären sie dem echten Leben entsprungen.

Zudem ist „This Is Us“ dadurch so empfehlenswert, als dass die Serie jedem möglichen Zuschauer Anhaltspunkte zum Identifizieren gibt. Es sind alltägliche Probleme, die thematisiert werden, und mit dessen Großteil sich jeder schon einmal zu beschäftigen hatte. Das funktioniert eben durch diese nahbaren Beziehungsfiguren so gut, die wir als Publikum begleiten dürfen.

Auch kann die Handlungschronologie überzeugen. Mit gelungenen Rückblenden in die Vergangenheit der Familie werden Streitigkeiten, Ängste und Verletzungen der einzelnen Mitglieder aufgedeckt und glaubwürdig erklärt. Man bekommt viele verschiedene Puzzleteile gereicht, die langsam und Schritt für Schritt ein gesamtes und vollständiges Bild ergeben. Auf eine solche Weise kann man sich dem Personenensemble von „This Is Us“ annähern.

Aber sorgt die Tatsache, dass die Serie keinen greifbaren, emanzipierenden Handlungsgehalt vorzuweisen hat, bei mir für Punktabzug. Klar, hier wird das „echte Leben“ dargestellt, jedoch bleiben die Episoden auf Dauer austauschbar, weil man sich an nichts Konkretes festkrallen kann, welches sich im Gedächtnis verhakt. Zudem hat der gesamte Plot nur wenige Überraschungen zu bieten und ist über weite Strecken hinweg ziemlich vorhersehbar. Der verklebte Optimismus, auf den jede emotionale Sequenz hinarbeitet, stört an einigen Stellen massiv, da man sich hier sicherlich nicht mehr in den Grenzen des Realistischen befindet.

Die erste Staffel der Serie „This Is Us“ ist gut zum Dahinschmelzen, zum Nebenbei-Genießen, zum Träumen. Trotz einiger Schwächen wird dem Publikum erstklassige, leichte und nie zu anspruchsvolle Unterhaltung geboten.

Gerne vergebe ich noch vier von fünf Sternen.

Bewertung vom 21.10.2018
Ghost
Reynolds, Jason

Ghost


sehr gut

Jugendbücher haben es auf dem heutigen Buchmarkt nicht mehr leicht. Viele Geschichten wurden schon erzählt, die Gedankenfantasie eines jeden Lesebegeisterten schon weit ausgereizt. Wie soll man da denn als Autor noch eine realistische Chance haben, eine Geschichte zu erzählen, die sich von anderen unterscheidet und gleichzeitig wie ein Parasit an seinen Wirt festklammert, sodass man das Buch nicht so schnell mehr vergisst? „Ghost – Jede Menge Leben“ von Jason Reynolds ist sowohl der Auftakt zu einer vierteiligen Jugendreihe als auch eines der Aushängeschild-Produkte, den sogenannten „Spitzentiteln“ des dtv-Verlags. Eine wie große Chance ich dem Buch beimesse, die Aufmerksamkeit zu bekommen, die es verdient, und welche weiteren Leseeindrücke aus der Lektüre gewonnen werden können, das erfährst du in der folgenden Rezension.

Durch einen lebendigen und humorvollen Schreibstil macht Autor Jason Reynolds für den Leser einen flüssigen und problemlosen Einstieg möglich. Es ist gut möglich, sich hier in das schnelle Tempo der Geschichte einzufinden, und somit durch die knapp zweihundert Seiten Text zu „fliegen“. Schon schnell wird klar, auf welchen Handlungsstrang sich der Autor fokussiert und dass er diesen konsequent verfolgt und vertieft. Es werden keine großen Umschweife erzählt, keine überflüssigen Nebenhandlungen, alles konzentriert sich auf die Leidenschaft des Sprintens. Dass in einer solchen Beharrlichkeit erzählt wird, verstärkt den nachtragenden Effekt auf den Leser und bringt eine nachvollziehbare Struktur in das Erzählte.

Zudem weist der Roman einige berührende Elemente auf, die das Buch auf ein neues Level heben. Der Protagonist, der zugleich Namensgeber für vorliegendes Werk ist, wird ab der ersten Seite vollkommen lebendig und ehrlich dargestellt, sodass es für mich als Leser zu keiner Zeit ein Problem darstellt, mich in ihn hineinzuversetzen und ihnen nachvollziehen zu können. Auch ist die Handlung hauptsächlich nur aus seinem eingeschränkten Fokus hinaus erzählt und gibt nur wenig Aufschluss über Randfiguren, die in den nächsten Bänden näher vorgestellt werden sollen. Dies intensiviert den Gehalt der inneren Gefühlswelt des Charakters.

Innerhalb der Mannschaft, in welche er im Laufe des Buches eingegliedert wird, ist die Gruppendynamik „durch die Seiten“ spürbar, wenn ich mich an dieser Stelle so metaphorisch ausdrücken darf. Auch wirkt die Leidenschaft, die in dem Roman verfolgt wird, jederzeit echt und realistisch, das Auseinanderscheren zwischen Arm und Reich wird ebenfalls geschickt in die Handlungsstränge miteingewoben. Die Selbstbehaupten in der Schule und die Lebenswelten und Wünsche der jugendlichen Figuren finden ebenfalls Erzählzeit. Durch die authentisch dargestellten Thematiken behaupte ich, dass sich das Werk ebenfalls sehr gut als Schullektüre für etwas jüngere Klassen eignen würde.

Insgesamt ist „Ghost – Jede Menge Leben“ kurzweilige Unterhaltung, die gut und gerne doppelt so lange hätte gehen können. Innerhalb der zweihundert Seiten nutzt der Autor zwar gelungen sein gegebenes Potenzial, drückt sich insgesamt jedoch recht knapp aus. Hinzu kommt, dass das Buch an sich nicht viel falsch macht, stellenweise aber ein wenig in eine allzu bekannte und ideenlose Schiene hineinkippt, die es an sich nicht nötig gehabt hätte. Ein wenig mehr Inspiration und Mut zur Eigenheit hätte dem vorliegenden Werk nicht geschadet, im Gegenteil, es hätte sicherlich im positiven Sinne gewirkt.

„Ghost – Jede Menge Leben“ ist ein temporeiches und kurzweiliges Lesevergnügen, das mit einem sympathischen Protagonisten, einem lebendigen Schreibstil und einem interessanten Szenario über knapp zweihundert Seiten überzeugen und Interesse auf die baldig erscheinenden nächsten Bände machen kann.

Insgesamt vergebe ich gerne vier von fünf möglichen Sternen.