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Benutzername: Der Medienblogger
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Bewertungen

Insgesamt 34 Bewertungen
Bewertung vom 18.02.2019
Feuer und Feder
MacMillan, Kathy

Feuer und Feder


sehr gut

In Artikel 5 unseres Grundgesetzes ist die Meinungsfreiheit ein grundlegender Anspruch für jeden deutschen Einwohner. Im genauen Wortlaut steht dort geschrieben, dass jeder das Recht besitzt, „seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern“. Was ist aber, wenn du in einer Welt lebst, in der Schrift Privilegierten vorbehalten ist? In der du für jedes Zeichen, das du niederschreibst, mit harten Strafen bis hin zur Hinrichtung bestraft wirst? Mit genau diesem spannenden Hintergrund entwirft Autorin Kathy MacMillan in ihrem Jugendbuch „Feuer und Feder“, das ich im Folgenden besprechen möchte, ein interessantes Grundszenario.
Die Grundidee hinter „Feuer und Feder“, die unterdrücke Meinungs- bzw. Schriftenfreiheit, der auch Protagonistin Raisa untergeordnet ist, kann mich von der ersten Seite an in ihren Bann schlagen. Sie entfacht in der Leserschaft das Gedankenexperiment, was eine solche gewaltsame Bevormundung in der heutigen Gesellschaft für Auswirkungen haben würde, wo doch heute das Recht auf die eigene Meinung und das Ausleben des eigenen Seins so im Fokus stehen. Schade daher, dass die defensive Kritik, die an dem politischen System geäußert hätte werden können, nur in sehr subtilem Maße ausgesprochen wird. Mehr Mut zu sozialkritischen Tönen hätte dem Buch sicherlich nicht geschadet und seinem jugendlichen Lesepublikum wichtige Werte und Denkanstöße auf den Weg gegeben.
„Feuer und Flamme“ kann auf charakterlicher Seite beinahe vollständig überzeugen. Autorin MacMillan bietet uns ein vielschichtiges Figurenensemble, das man schon nach den ersten Kapiteln ins Herz schließen kann. Die Liebesgeschichte als Nebenhandlung, die den Grundpfeiler der Geschichte darstellt, ist mir nicht negativ aufgestoßen, sondern kann sogar durch die beiden charmanten Hauptfiguren trumpfen. Die Hintergrundgeschichte unserer Protagonistin Raisa bleibt bis dato leider ein wenig blass und hinter seinen Möglichkeiten zurück. Der gefährliche Machtkampf, der zunehmend in den Mittelpunkt rückt, kann durch den fein gestrickten Aufbau begeistern, leidet jedoch ein wenig unter den stumpf formulierten Motiven, die die neuen Nebenfiguren, die plötzlich auftauchen, verfolgen. Eine stärkere Betonung ihrer innerlichen Handlungen und mehr Zeit zum Einführen der Personen hätte dem Ganzen ein wenig mehr Klarheit verschafft.

Mit ihrem begeisternden Schreibstil kann Kathy MacMillan ihre Leser in einer sehr kurzen Zeitspanne für sich gewinnen. Durch ihr rasches, mitreißendes Erzähltempo „fliegt“ man nur so durch die fünfhundert Seiten des Buchs. Schön finde ich, dass sie hierbei ganz bewusst einen gelungenen Bogen vom Anfang bis zum Ende schlägt und die Handlung somit zufriedenstellend abrundet. Zudem ist die zu Beginn eines jeden Kapitels parallel erzählte Handlung über die Götter sehr geeignet und sie schmiegt sich angenehm in den restlichen Plot ein, ohne dass für den Leser hierbei zu große Verwirrung entsteht.
Ein wenig verwunderlich ist es für mich dann aber, dass „Feuer und Flamme“, nachdem es gut vierhundert Seiten fast komplett ohne Fantasy-Einschlag auskommt, in seinem abschließenden Akt tief in die Kiste dieses Genres greift und ein sich selbst zu übertreffen versuchendes Finale abliefern möchte, das dem Rest des Buches nicht gerecht wird. Die Endstation des sonst so gelungenen Handlungsbogens gliedert sich nicht so geschmeidig in das Buch ein und lässt den Leser nicht mit einem enttäuschten, aber wenigstens faden Beigeschmack zurück.
Wenn man mich also abschließend fragt, ob ich „Feuer und Flamme“ weiterempfehlen kann, dann lautet meine Antwort an dieser Stelle eindeutig: „Ja.“ Trotz weniger Makel, die hier unweigerlich zu Punktabzug führen, handelt es sich hierbei um ein großes Lesevergnügen, das ich jedem, der sich vom Klappentext auch nur wenig angesprochen fühlt, ans Herz legen kann. [...]

Bewertung vom 27.01.2019
Der Tag davor / Riverdale Bd.1
Ostow, Micol

Der Tag davor / Riverdale Bd.1


gut

„Riverdale“ ist eine trotz ihrer nicht zu verleugnenden stetig abnehmenden Qualität eine der populärsten Jugendserien, die momentan auf Streaming-Plattformen kursieren. Die zahlreichen Logiklöcher, Ungereimtheiten und sprunghaften Erzählstrukturen, die den Zuschauer völlig im Dunkeln lassen, sind einer Zählung nicht mehr wert, die nämlich sonst den Rahmen sprengen würde. Dennoch merke auch ich noch immer eine Anziehungskraft, die das nach wie vor vielversprechende Szenario auf mich ausstrahlt und mich jede Woche zum Sehen der neuen Episode verleitet. Nun ist im cbj-Verlag eine Buchreihe rund um die amerikanische Kleinstadt gestartet, deren erster Band den belanglosen Untertitel „Der Tag davor“ trägt.

Micol Ostow, die aus den Perspektiven der bekannten Gesichter der Serie erzählt, hat einen flüssigen und einfach zu lesenden Schreibstil, sodass es mir nicht schwerfällt, mich in das Geschehen einzufinden und in einen stetigen Lesefluss zu geraten. Dabei löst sie die anspruchsvolle Aufgabe, Figuren in ihrem Roman zu etablieren, die die Leserschaft schon aus Filmmaterial kennt, gelungen. Es fühlt sich tatsächlich so an, man würde das Innenleben der Charaktere näher studieren können. Jedoch – und hier kann ich mir gut vorstellen, dass dies an der ungenauen Vorlage liegt – schöpft die Autorin nicht die emotionale Tiefe aus, die sie hätte erreichen können und skizziert die Personen teilweise etwas grob, holzschnittartig.

Ferner ist „Der Tag davor“ ein sympathisches Jugendbuch, das sich nicht so ganz in ein Genre einordnen möchte und daher Elemente aus verschiedenen stilistischen Richtungen besitzt. Das vermittelt dem Leser den Eindruck, dass kein richtiger roter Faden hinter dem Erzählten steht: Die Handlung plätschert vor sich hin, ohne große Hoch- und Tiefpunkte, und endet an einem beliebigen Punkt, als hätte die Autorin an der Stelle einfach mit dem Schreiben aufgehört.

Natürlich ist das Buch dennoch für all diejenigen, die Fans der gleichnamigen Serie sind, zweifelsohne empfehlenswert, da es doch noch mehr Aufschluss und Hintergrundinformationen über die einzelnen Charaktere preisgibt und es einfach ein schönes Gefühl ist, in die fiktive Welt nun auch in Buchform eintauchen zu können. Das möchte ich an dieser Stelle betonen, da ich den Roman bis dato in ein nicht unbedingt positives Licht gerückt habe. Man kann mit der Lektüre durchaus seine Freude haben.

Schön finde ich auch, dass die Atmosphäre der ersten Staffel, als Riverdale noch kein Ort der Angst war, gelungen aufgebaut wird, und der Leser sich auf erste Momente zurück besinnen kann. Die inneren Handlungen unserer Fernsehlieblinge sind auf natürlich jugendliche Grundbedürfnisse ausgerichtet. Auch finden Nebencharaktere, die sich in der Serie deutlich mehr im Hintergrund bewegen, durch diesen Roman ein Sprachrohr, und die Leserschaft kann eine emotionale Bindung zu ihnen aufbauen, die ihnen durch die Serie mehr noch verwehrt blieb.

Letztendlich lässt sich zusammenfassend sagen, dass es sich hier um ein nettes Leseabenteuer, das für Fans der Serie sicherlich ein Must-read-Buch ist, und für diesen Zweck erfüllt „Der Tag davor“ alle Kriterien, die er soll. Für die Lektüre wird auch keinerlei Vorwissen benötigt, sodass sich Leser, die mit dem Universum bisher noch keine Erfahrungen gesammelt haben, diese Lektüre als einen soliden Einstieg in die fiktive Welt rund um Archie, Veronica, Betty und Jughead nutzen können.

„Riverdale: Der Tag zuvor“ ist ein sympathisch-braves Jugendbuch, das das Innenleben bekannter Charaktere und deren Hintergrundgeschichten näher beleuchtet, sich jedoch nur knapp vom Weg in die Belanglosigkeit retten kann.

Bewertung vom 26.01.2019
Die Illuminae-Akten_01 / Illuminae Bd.1
Kaufman, Amie; Kristoff, Jay

Die Illuminae-Akten_01 / Illuminae Bd.1


sehr gut

Kann ein Buch, aufgemacht wie eine dicke Aktenmappe, bestehend aus lauter verschiedenen Dokumenten, eine gesamte Geschichte erzählen? „Illuminae“ startet den Versuch und präsentiert hinter einem explosiven, stechend-orangen Deckel eine breit gefächerte Auswahl an verschiedenen, natürlich hochgeheimen Inhalten, gespickt mit Bemerkungen durch eine mysteriöse Organisation, ohne zunächst offensichtliche Struktur. Ich habe das Werk ausgelesen und berichte nun von meinen eigenen Erfahrungen, die ich während der Lektüre gewonnen habe.

Auch wenn man sich als Leser zunächst an die Aufmachung gewöhnen muss, stellt sich schnell heraus: Ja, eine Geschichte kann durchaus auf solche Art und Weise spannend erzählt werden! Durch die unterschiedlichen Textarten, durch die sich die Handlung wie ein Flickenteppich Stück für Stück zusammensetzt, wird hier Einblick in mehrere Perspektiven gegeben, sodass der Leserschaft ein rundum ausführliches Bild des Szenarios geschaffen wird, in dem die Beweggründe der sich darin befindlichen Personen klar verständlich sind.

Zwar erarbeitet man sich durch die zahlreichen Perspektivwechsel recht schnell einen guten Überblick über die Situation, so bleiben viele Figuren jedoch enttäuschend nah an der Oberfläche, ohne jemals emotionale Tiefe zu bekommen, an die sich der Leser halten und sich so mit den Figuren stärker identifizieren kann. Es gibt durchaus Bücher, in denen ist dieses Problem deutlich schlechter gelöst, und hier ist das wohl dem besonderen Schreibstil geschuldet, jedoch bleibt „Illuminae“ in dieser Hinsicht ein wenig hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Das Buch baut über seine sechshundert Seiten Länge geschickt Spannung auf, um seine Leser weiterhin am Ball zu behalten. Dabei kann man beobachten, wie viele Handlungsstränge sich langsam wie eine Krake ausbreiten, am Ende jedoch konsequent zusammentreffen, und somit ein vollends stimmiges Bild ergeben. Einige geschickt eingebaute Wendungen können überzeugen. Am Ende des gewaltigen Bandes wird gelungen ein gemeiner Cliffhanger eingebaut, der definitiv Lust auf Fortsetzungen macht und den ersten Band der Trilogie schön zu Ende führt. Durch die abwechslungsreiche Design-Gestaltung gibt es auf jeder Seite etwas Neues zu entdecken, so erfordert diese Erzählart aber auch eine große Aufmerksamkeitsspanne von seinen Lesern.

Wo viel Licht ist, da ist leider auch ein wenig Schatten. Meiner Meinung nach ist der Handlungsansatz, den das Buch v.a. in seiner zweiten Hälfte ansteuert, ein wenig zu abstrus und nicht länger glaubwürdig. Es wirkt, als wollten sich die Autoren immer noch einmal selbst übertreffen, und merken dabei bildlich gesprochen nicht, dass die Dosis das Gift macht. Auch finde ich es schade, dass den Autoren auf den letzten Seiten ein wenig die Puste ausgeht, und sie statt ihrem außergewöhnlichen Schreibstil einer Art Fließtext verfallen und nur noch wenig Raum für Abwechslung bleibt. Ein wenig mehr Konsequenz wäre an dieser Stelle wünschenswert gewesen, schmälert jedoch nicht deutlich den Lesegenuss, den das galaktische Abenteuer bereithält.

Die Frage aus der Einleitung kann ich an dieser Stelle getrost mit einem großen Ja beantworten, da der Erzählstil von „Illuminae“ eine Geschichte nicht nur spannend erzählen kann, sondern das Buch eben durch seine besondere Aufmachung und Gestaltungsart länger im Gedächtnis bleiben wird. Einige Geschichtsstränge, die der Band bewusst nicht abschließt, verdeutlichen, dass es sich hierbei um den exponierten Teil der Reihe handelt, und auf die Leserschaft noch einiger Lesestoff wartet.

„Illuminae“ ist ein lesenswerter Auftakt zu einer vielversprechenden Reihe, der zwar noch Luft nach oben übrig lässt, trotzdem so vieles richtig macht, dass außergewöhnlicher Science-Fiction-Lesegenuss garantiert ist.

Gerne vergebe ich starke vier von fünf möglichen Sternen.

Bewertung vom 29.12.2018
Die Party
Winner, Jonas

Die Party


weniger gut

Im August vergangenen Jahres habe ich eine Leseempfehlung zu einem hoch angepriesenen Thriller namens „Murder Park“ ausgesprochen. Dort konnte der Autor sein Talent zum spannenden Schreiben unter Beweis stellen. Nun, ein Jahr später, veröffentlicht Jonas Winner sein neuestes Werk, das den Titel „Die Party“ trägt. Eine Feier unter alten Schulkollegen, das plötzlich zu einem Gemetzel mit tödlichem Ausgang ausartet, ist zwar kein neues Konzept, es lässt dennoch auf eine schaurig-böse Geschichte hoffen. Welche Erwartungen und Hoffnungen meinerseits die Lektüre einhalten konnte und welche weiteren Eindrücke aus ihr gewonnen werden können, das erfährst du in der folgenden Rezension.

Leider muss ich bereits zu Beginn festhalten, dass es sich bei „Die Party“ nicht um ein wirklich schlechtes Buch handelt, ich aber dennoch mehr als enttäuscht davon bin. Zwar weiß der Autor noch immer den Leser durch einen leicht zu lesenden Schreibstil und eine kurze Kapitellänge schnell in das Szenario einzuführen, verheddert er sich aber in dem Versuch, immer noch einen Twist drauf zu setzen. Genau das wird ihm zum Verhängnis, aber dazu später mehr.

Es fängt schon damit an, dass Jonas Winner Figuren konstruiert, die durch ihre Eindimensionalität und Langweiligkeit begraben werden. Mit keiner von ihnen konnte ich mich bis zur letzten Seite anfreunden oder identifizieren, sie wirkten für mich alle gleich austauschbar. Der Autor verleiht ihnen keine lebendige Note, keine eigene Persönlichkeit, durch deren Schillerndes sie zu unterscheiden sind. Das führt dazu, dass es mich als Leser nicht wirklich interessiert hat, was ihnen im Laufe des Werks zustößt. Uns wird kein Aufschluss über ihr Innenleben gegeben, sondern sie werden grobmotorisch, von außen in der dritten Person, charakterisiert. Die Plastizität und der Charme, die das Lesepublikum im vorherigen Werk „Murder Park“ erwartet haben, scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben.

Dazu kommt noch, dass es der grundlegenden Handlung massiv an Innovation mangelt. Ich bin sicher, dass jeder, der sich nur ein wenig auf dem Lesermarkt des Genres auskennt, einige Bücher bzw. Filme aufzählen könnte, die dem vorliegenden Werk zumindest ähneln. Bei der untenstehenden Kategorie „Ähnliche Titel“ werde ich einige Beispiele dafür auflisten. Nur wurde hier das Szenario durch einige technisch-moderne Aspekte „aufgepeppt“, obwohl der Autor sichtlich noch immer stark den 80ern nostalgisch nachtrauert und dies dem Leser auch mehrfach auftischt.

Die Figuren, die im Laufe des Werkes die buchstäbliche Hölle durchmachen müssen, scheitern alleine durch die Entscheidungen, die sie treffen. Die Motive, aus denen heraus sie handeln, sind von vorne bis hinten zu schwach, als sie beispielsweise als Grund für die letztendliche Auflösung zu nehmen. Man kauft es ihnen nicht ab.

Wenn ich auf die Vielzahl an Twists zu sprechen komme, die Winner am Ende des Werkes „verballert“ und weiter auf die vollständige Katastrophe zusteuert, lässt sich auch nachträglich nur der Kopf schütteln. Er scheitert bei dem Versuch, stets sich selbst übertreffen zu wollen. Die letzte Glaubwürdigkeit, die in dem schon komplett abstrusen Szenario noch herrscht, zerstört er dadurch, den Leser auf wiederholte Male an der Nase herumzuführen.

Bei Betrachtung aller negativen Aspekte, die ich bereits genannt habe, kommt in mir der Reflex hervor, die wenigen Stärken des Buches noch mehr herauszuarbeiten. Denn obwohl ich „Die Party“ als herbe Enttäuschung ansehe, kann es für diejenigen, die ihre Erwartungen gewaltig herunterschrauben, und sich auf einen kopflosen, aber spannenden Thriller einlassen, oder Fan des Autors sind, einige unterhaltsame Lesestunden bereithalten. Trotz zahlreicher Augenroller habe ich mich die knapp vierhundert Seiten kein einziges Mal gelangweilt gefühlt. Wenigstens das muss ich dem Werk zugutehalten.

[...]

Die komplette Rezension finden Sie auf HelloMyMedia.

Bewertung vom 29.12.2018
Butter
Lange, Erin Jade

Butter


sehr gut

In Deutschland nimmt die Übergewichtigkeitsrate weiter rasant zu. Der Großteil der Bevölkerung, etwa die Hälfte der Frauen und fast zwei Drittel der Männer, bringt laut Aussage der Welt ein zu großes Gewicht auf die Waage. Dieses Phänomen zieht vor allem bei Vorkommnissen in der Jugendphase Ausgrenzung und Mobbing nach sich. Die Thematik des Debutromans der US-amerikanischen Autorin Erin Jade Lange, „Butter“, ist demnach noch immer außerordentlich aktuell. Im Folgenden möchte ich näher auf genanntes Werk eingehen und seine Stärken und Schwächen herausarbeiten.

Dass die Autorin schreiben kann, beweist sie ihrer Leserschaft bereits in der Exposition ihres Romans. Ihr Schreibstil wirkt jederzeit ehrlich und lebendig, sodass man schnell in die Handlung einsteigen kann. Das Szenario ist dabei genauso schockierend wie realistisch, verliert dabei über die dreihundert Seiten Länge niemals an Anziehungskraft und Reiz. Das Ende jedoch möchte sich nicht ganz stimmig in die Geschichte einfügen und fühlt sich unbefriedigend, fast kitschig an – und ist doch auf seine eigene Weise genial, dazu später mehr.

Die Hauptfigur, die den Spitznamen „Butter“ trägt und somit auch als Namensgeber für das Buch fungiert, wird gelungen vorgestellt und dem Leser ist es möglich, einen Eindruck über die innere als auch äußere Handlung des Protagonisten zu gewinnen. Dabei agiert dieser mit nachvollziehbaren Motivationen; die Entwicklung, die der Charakter im Laufe des Romans durchschreitet, erscheint glaubwürdig. Die Figur lernt während der sich überschlagenden Ereignisse wichtige Komponenten, durch die ihm der Wert des Lebens klarwerden, und bietet der Leserschaft eine Fülle von Argumenten, die gegen jegliche Art von Selbstverletzung und Suizid sprechen, sodass sich die Lektüre sicherlich gut für die Verwendung im Unterricht eignet.

Die rasante Geschwindigkeit, mit der sich die Ereignisse fortentwickeln, lässt nicht nur die Hauptperson selbst stutzig werden, sondern reißt den Leser mit einer ungeheuren Wucht mit, dass man sich dieser Sogwirkung nicht selbst entziehen kann. Ich ertappte mich selbst in dem Gedankengang, dass ich mit diesem Internetphänomen mitgefiebert und auf ein explosives Finale gehofft habe, bis man selbst wieder zur Vernunft kommt und einem die moralische Verwerflichkeit der Umgebung, in der man sich bewegt, deutlich wird. Und genau das ist die absolute Stärke des Buches: Die Leserschaft wird selbst Teil der Geschichte!

Ich stelle mir selbst während des Lesens immer wieder die Frage: Wie würde ich mich verhalten? Was, wenn so etwas wirklich geschieht? Würde irgendjemand eingreifen? Ich, zum Beispiel? Die Autorin baut geschickt verschiedene Anekdoten von großer Aktualität in die Geschichte ein, ohne zu sehr mit erhobenem Zeigefinger zu erzählen. Die Aufgabe des Lesers ist es, die Balance zwischen bloßem Beobachter und der Einhaltung moralischer Regeln zu halten. Und das ist gar nicht so einfach.

Einige Ungereimtheiten trüben das bis dato so rein positiv gewaschene Bild, die ich hier nicht ungenannt lassen kann. Das würde sonst meiner Position als abwägender und fairer Rezensent widersprechen. Zum einen finde ich, dass einige Geschichtenstränge, die dem Vorantreiben der gesamten Handlung nicht viel Essenzielles hinzuzufügen haben, zu viel Erzählzeit zum Entfalten erhalten. Ohne diese wäre „Butter“ ein wenig knackiger gewesen, hätte vermutlich nicht diese von Kapitel zu Kapitel Spannung aufbauende Atmosphäre gehabt. Ich denke, dass man einen größeren Fokus auf die falschen Freundschaften, die entstehen, hätten legen können, um so die Dramatik und Folgenschwere eines voranstehenden, öffentlichen Suizids zu intensivieren.

[...]

Die komplette Rezension finden Sie auf HelloMyMedia.

Bewertung vom 22.12.2018
Wonder Woman - Kriegerin der Amazonen
Bardugo, Leigh

Wonder Woman - Kriegerin der Amazonen


gut

Eine neue Buchreihe aus dem DC Universum erscheint am Himmel des Lesemarktes. Jeder Band erzählt eine Geschichte rund um die verschiedenen Superhelden dieser fiktiven Welt, jeweils verfasst von unterschiedlichen, bekannten Namen der Jugendliteratur. Vor aktuell wenigen Wochen erschien der zweite Teil „Catwoman“. Da wird es aber höchste Zeit, endlich über den Auftakt „Wonder Woman – Kriegerin der Amazonen“ zu schreiben und meine Eindrücke in der folgenden Rezension festzuhalten.

Das Szenario, das uns in diesem Band von Autorin Leigh Bardugo dargestellt wird, die viele von euch wahrscheinlich durch die „Grischa“-Reihe kennen dürften, kann den Leser zwar schnell packen, fühlt sich aber gleichzeitig wie bereits verdaute Nahrung an, denn: Man vermisst sehnlich einen einzelnen Funken Besonderheit in der grundlegenden Handlung. Die Erzählmotive einer Heldin, die in eine neue, ungewohnte Welt aufbricht, um Gefahren zu bändigen, wirken wie schon etliche Male gehört. Aber gut, es sind nun einmal die grundlegenden Ansätze, auf die viele Superheldengeschichten basieren. Problematischer wird es dann, wenn sich die Herausforderung, denen sich die Protagonisten stellen müssen, zu einfach zu bewältigen scheinen und mir sich als Leser die Schrecken und möglichen Konsequenzen der Gefahr nicht ganz erschließen mögen. Hier wird „viel Lärm um nichts“ gemacht, um es in Shakespeares Worten auszudrücken.

Wenn ich näher auf die Figuren eingehe, dann möchte ich die Stärke der Frau betonen, die in dem Werk gelungen zur Schau gestellt wird, und jeglichen sexistischen Äußerungen mit Ausrufezeichen entgegentritt. Fast schießt die Autorin dabei über ihr eigentliches Ziel hinaus und stellt die wenigen Männer, die in der Geschichte auftauchen, auf fragwürdige und minderbemittelte Art und Weise dar. Da möchte man sich fast fragen, ob das nun Sexismus in die entgegengesetzte Richtung ist oder ob sie diese Darstellung nur als Trittbrett für ihre eigentliche Aussage benutzt.

Die Verwunderung und Reizüberflutung der Hauptfigur namens Diana scheinen fast greifbar zu sein und man kann nicht anders, als ihr das abzukaufen. Die Haltung der einzelnen Charaktere gegenüber bestimmten Problematiken sind jedoch nicht hundertprozentig nachvollziehbar erläutert, sodass ihre Gemütsveränderungen teilweise sprunghaft wirken und ich Schwierigkeiten besaß, diese inneren Wechsel nachvollziehen zu können. Die Motivationen, aus denen heraus die Figuren handeln, wirken oftmals eindimensional oder sogar belanglos. Und in genau solchen Fehlern verheddert sich die Autorin leider viel zu sehr und macht sich somit selbst den Garaus. Der Twist am Ende des Romans kommt daher auch nicht sonderlich überraschend, mehr noch, er nimmt mich als Leser ganz einfach nicht mit.

Der Schreibstil der Autorin ist, und das können viele von euch sicherlich auch von ihren anderen Werken betrachtet bestätigen, lobenswert. Sie schafft es, trotz der Schwächen, die die Handlung im Allgemeinen aufzuweisen hat, dem Leser ein kurzweiliges Lesevergnügen zu bereiten, dem man zugutehalten muss, dass es zu keiner Sekunde langatmig ist. In der ersten Hälfte des Romans jedoch finden sich einige unglücklich gewählte und nicht ganz stimmig klingende Formulierungen, die man hätte vermeiden können und die durch ein verdutztes Stirnrunzeln den Lesefluss unterbrechen.

„Wonder Woman“ ist sympathische und kurzweilige Leseunterhaltung, die einige schwierige Wege zum Erzählen der eigenen Geschichte einschlägt und sich selbst verheddert.

Bewertung vom 21.12.2018
Rachesommer / Evelyn Meyers & Walter Pulaski Bd.1
Gruber, Andreas

Rachesommer / Evelyn Meyers & Walter Pulaski Bd.1


gut

Durch einen sehr leichten Schreibstil und eine kurze Kapitellänge findet man sich als Leser schnell in das Szenario ein und wird mit dem Tempo des Erzählten vertraut. Die vierhundert Seiten Buchlänge gestalten sich dabei außerordentlich kurzweilig, sodass ich das Lesevergnügen innerhalb weniger Tage beenden konnte. Mit den Figuren wurde ich schnell warm, obwohl ihre charakterlichen Eigenschaften doch etwas mehr Tiefe vertragen hätten. Zwar kann ich ihre Motivationen und Beweggründe immer nachvollziehen und –empfinden, fühlt es sich dennoch an, als würde ich sie ausschließlich von außen beschrieben bekommen und wenig über ihr Innenleben erfahren. Der Autor bleibt so sehr an der Oberfläche, ohne intensiv an ihr zu kratzen. Auch ist das Bild des schrulligen, immer-schlecht-gelaunten Kommissars und einer emsig-eifrigen Poweranwältin ist nicht neu. Ein wenig mehr Mut zu der Eigenheit der erdachten Personen wäre wünschenswert gewesen, unterbricht aber den Lesefluss, in den man durch die Lektüre gerät, keinesfalls.

Der Plot des Thrillers ist dicht gespickt mit gelungenen Wendungen, geschickter, aber nie zu aufreibender Spannung und einem atemlosen Tempo, das den Leser immer auf Trab hält. Wie in der Einleitung bereits kurz angeschnitten, weist die Lektüre mehr Parallelen zu einem deutschen Kriminalroman als zu einem tatsächlichen Thriller auf. Wer hier auf zum Schneiden angespannte Atmosphäre und erbarmungslose Brutalität hofft, wird mit dem Buch eher seine Schwierigkeiten haben. Wenn man sich auf den Fall ein- und auf sich zukommen lässt, was geschehen mag, dann erwartet das Lesepublikum eine längenlose und gut konstruierte Kriminalgeschichte, die zu begeistern weiß.

Insgesamt würde ich „Rachesommer“ als einen kleinen, aber feinen Einstieg in eine vielversprechend klingende Thriller- bzw. Krimi-Reihe bezeichnen. Denn in mir hat er auf jeden Fall Interesse auf die beiden Folgebände geweckt, die noch auf meinem Stapel ungelesener Bücher liegen. Diese wurden im September 2018 durch den Goldmann Verlag in einer Auflage mit neuem Design veröffentlicht und mir freundlicherweise als Rezensionsexemplare zu Verfügung gestellt, wofür ich mich an dieser Stelle ausdrücklich bedanken möchte.

„Rachesommer“ ist ein kurzweiliges und gut konstruiertes Krimivergnügen, das in mir Lust auf mehr Stoff in diese Richtung wecken konnte.
Gerne vergebe ich drei von fünf möglichen Sternen, mit deutlicher Tendenz nach oben.

Bewertung vom 20.11.2018
Sonne und Beton
Lobrecht, Felix

Sonne und Beton


weniger gut

Felix Lobrecht ist einer der vielversprechendsten Newcomer der Stand-Up-Comedians und wurde beispielweise in diesem Jahr für den Deutschen Comedypreis ausgezeichnet. Auch als Autor ist er tätig – in seinem zweiten Buch „Sonne und Beton“, welches März 2017 im Ullstein Verlag erschienen ist, erzählt er eine Geschichte rund um vier Jugendliche, welche in Neukölln leben, und lässt dabei Anekdoten aus der eigenen Kindheit mit einfließen. Darüber schreibt er selbst: „Ich wünschte, ich hätte mir mehr ausdenken müssen." Wie mir diese Lektüre gefallen hat und welche Eindrücke aus dieser gewonnen werden können, das erfährst du in der folgenden Rezension.

Der Titel „Sonne und Beton“ ist für dieses Werk gelungen gewählt und führt den Leser passend in die Atmosphäre des Buches ein. Durch verschiedene stilistische Mittel schafft es Lobrecht außerordentlich gut, eine Momentaufnahme des Lebens in der Kulisse rund um Neukölln einzufangen und diese stimmig auf die Seiten zu bannen. Die dem heutigen berlinerischen Jugendslang angepasste Ausdrucksweise eignet sich hierfür zwar gut, strapaziert auf Dauer deutlich die Nerven der Leserschaft. Oft muss man sich stark konzentrieren, um der wörtlichen Rede den gemeinten Sinn entnehmen zu können.

Leider kann ich über das Buch auch weiterhin nicht viele gute Worte verlieren. Zwar ist es über alle Maßen kurzweilig und bietet angenehm unkomplizierte Unterhaltung, so enttäuscht Lobrecht jedoch mit blass bleibenden und sich fraglich entwickelnden Charakteren, die zu keiner Zeit eine Art Identifikationsfigur darstellen, sondern nicht nachvollziehbar oder gar unverständlich handeln. Auch spricht der Autor in seinem Werk zwar die unterentwickelten Lebensumstände des Wohnraums an, bietet dem Leser jedoch keine Message, die aus der Seele des Buches spricht und es markant im Gedächtnis bleiben lässt. Somit bleibt es auf lange Dauer gesehen belanglos – und einen solchen Eindruck darf ein Roman nicht vermitteln.

Der Spannungsbogen enttäuscht leider ebenso auf ganzer Linie. Eine wirkliche Handlung eröffnet sich dem Leser erst nach einer seicht dahinplätschernden ersten Hälfte, die in diesem Zusammenhang einer Nennung nicht wert erscheint, wird dann jedoch gehetzt und nicht zufriedenstellend zu Ende geführt. Dabei bleibt „Sonne und Beton“ jederzeit an der Oberfläche, unternimmt nicht einmal den Versuch, an dieser zu kratzen und geht mit seiner unspektakulären Art unter. Konkurrenz zu anderen Büchern seines Genres bietet er somit nicht.

Zwar kann mich Felix Lobrecht auf der Bühne mit einer eigen- und einzigartigen Präsenz vollends überzeugen, so schafft er das hier jedoch auf keiner Linie mit seinem Roman, der mich wirklich enttäuscht zurückgelassen hat. Bis auf den spannenden Einblick in eine glaubwürdige Momentaufnahme der Lebenszustände in Neukölln bietet mir „Sonne und Beton“ keinen stichartigen Grund, es hiermit weiterzuempfehlen. Deswegen gibt es von mir keine Leseempfehlung.

„Sonne und Beton“ ist ein auf ganzer Linie enttäuschender Roman, der lediglich mit seiner atmosphärischen Schilderung trumpfen kann. Ansonsten bleibt er in allen Aspekten so sehr an der Oberfläche, dass man das Gefühl bekommt, nach dem Buch nicht mehr zu wissen als davor.

Ich vergebe hier leider nur zwei von fünf möglichen Sternen.

Bewertung vom 18.11.2018
Die tausend Teile meines Herzens
Hoover, Colleen

Die tausend Teile meines Herzens


sehr gut

Durch einen packenden Schreibstil ermöglicht Autorin Colleen Hoover ihrer Leserschaft einen angenehm seichten Einstieg in die Geschichte, als würde sie dich an der Hand nehmen und langsam in das Szenario einführen: Sie fackelt nicht lange herum, sondern stellt uns sofort die Protagonistin Merit vor, aus deren Perspektive der Roman verfasst ist, nur nebenbei. Diese stellt sich als eine sympathische und sympathisch „unperfekte“ Protagonistin heraus, die man gerne durch das knapp dreihundertfünfzig-Seiten-starke Buch begleitet. Sie ist Part von einer skurrilen familiären Gemeinschaft, die mit Problemen und Krisen zu kämpfen haben, die ehrlich und authentisch wirken. Man fühlt sich bereits nach wenigen Kapiteln mit den Figuren wohl und wird schnell mit ihnen warm, und das liegt u.a. an der realistischen Fehlerhaftigkeit, die sie weder besser noch schlechter als das lesende Publikum wirken lassen.

Im Laufe von „Die tausend Teile meines Herzens“ entblößt Autorin Hoover, an welcher Bandbreite von verschiedenen Emotionen sie sich bedienen – und damit gleichzeitig ihre Leser auf eine Achterbahnfahrt der Gefühle mitreißen kann. So wie ich während der Lektüre herzhaft lachen musste, blieb mir dasselbe nur wenige Seiten später im Halse stecken, da sie es ebenso schafft, mit ehrlichen und glaubwürdigen Worten ergreifend emotionale Momente, die dir durch Mark und Bein gehen, zu konstruieren, dass dir die Spucke wegbleibt und in Form von warmen Tränen die Wangen hinunterläuft – wenn ich das metaphorisch formulieren darf.

Die einzige, dafür aber markante Schwäche des Buches entpuppt sich in der zweiten Hälfte des Romans, in der sich die Autorin Hoover vermutlich an ihre schon etwas älteren Werke zurückbesinnt. Das komplexe Konstrukt einer zerstörten Familie, die langsam wieder zueinander finden muss, wird durch eine belanglos erscheinende und blass charakterisierte Liebesgeschichte abgelöst, die sich schlussendlich selbst anmaßt, als hauptsächliche Herausforderung agieren zu können. Was ihr jedoch nicht gelingt. Ich finde, vorliegende Lektüre hat es nicht nötig, auf eine solche Schiene abzudriften, da für mich der romantische Aspekt keineswegs überwiegt, sondern lediglich als Mittel zum Zweck für die grundlegende Handlung dient. Dass diesem hier ein so großer Fokus beigemessen wird, hat mich etwas enttäuscht.

Dem entgegen steht ein interessanter Aufbau, in welchen der Roman gegliedert ist. Ereignisse überhäufen sich zunächst, bis ein explosiver Höhepunkt in der Mitte des Buches jedermanns Aufmerksamkeit ergreift, und in das versöhnliche, Ruhe ausklingende letzte Drittel mündet.

Letztendlich lässt sich feststellen, dass Bestsellerautorin Colleen Hoover mit ihrem neuesten Werk „Die tausend Teile meines Herzens“ viel richtig macht und so schnell meine Sympathie für sich gewinnen konnte. Gerne vergebe ich hier eine dicke Leseempfehlung, da sich hinter einem wirklich hässlichen Cover eine charmante und ergreifende Familiengeschichte verbirgt, die jedem ein Lächeln auf das Gesicht zaubern wird.

Ich vergebe vier von fünf möglichen Sternen.

Bewertung vom 13.11.2018
Die Bibliothek der besonderen Kinder / Besondere-Kinder-Trilogie Bd.3
Riggs, Ransom

Die Bibliothek der besonderen Kinder / Besondere-Kinder-Trilogie Bd.3


sehr gut

Lange schon hat mich eine Fantasy-Reihe nicht mehr so in ihren Bann gezogen, wie es der US-amerikanische Autor Ransom Riggs in seiner außergewöhnlichen Trilogie rund um Miss Peregrine und ihre besonderen Kinder geschafft hat. Die beiden ersten Bände erlangten jeweils starke neun von zehn Punkten – da ist es sicherlich auch verständlich, mit welchen hohen Erwartungen ich an den letzten und finalen Teil herangegangen bin. Ob „Die Bibliothek der besonderen Kinder“ diese einhalten und welcher Eindruck aus der Lektüre gewonnen werden kann, das erfährst du in der folgenden Rezension.

Für den Leser ist es ein schönes Gefühl, miterleben zu können, wie die Entwicklung des Protagonisten Jacob vonstattengeht. So steigt er mit jeder neuen Seite mehr und mehr zu einem wahren Held auf. Er erkennt während den drei Bänden seine eigene Identität und führt so der Leserschaft die Kraft der Selbsterkenntnis vor Augen. Auch schreit dieser Band nur so förmlich nach Fortschritt, es wirkt wie ein gewaltiger Fußstapfen in größere, weitere Universen, in den der Autor tritt.

So wird die Entwicklung der Reihe beispielsweise durch die Tatsache deutlich, als dass in diesem Werk ein deutlich düsterer und erbarmungsloserer Ton angeschlagen wird, der bisher noch nie ein so großes Ausmaß an Konsequenz mit sich gezogen hat, wie es hier erlebt werden kann. Die Atmosphäre wird gelungen aufgebaut, so dicht, dass man sie mit dem Messer zerschneiden könnte.

Inzwischen fühlt man sich als Leser vertraut in dieser geheimen Welt der Besonderen, die sich als größer entpuppt, als zunächst vermutet. Auch in diese Richtung weitet der Autor den Rahmen seiner bisherigen Handlung aus und gibt den Protagonisten Platz zum Atmen und Selbstentfalten. Eine (noch) geheimlebende Gruppe mit besonderen Fähigkeiten, welche als Einheit dasteht – ein beeindruckendes Plädoyer an die konservative Bürgerschaft. Hier wird der Leserschaft ein überwältigender Mut zur Eigenheit vermittelt, was für die angesprochene Zielgruppe in der Phase des Ich-Erkundens eine Botschaft mit nicht zu unterschätzender Wichtigkeit ist, und schlägt gleichzeitig leise Töne subtiler Gesellschaftskritik an.

Schade ist es daher, hier festhalten zu müssen, dass v.a. der dritte Akt dieses Buches unter erheblichen Schwächen zu leiden hat. Das Ende, mit welchem der Autor seine Trilogie abschließen möchte, wirkt abstrus und unrealistisch, schmiegt sich so leider nicht in die charmante Art der restlichen Reihe ein. Zudem ist die letztendliche Herausforderung, denen sich die Hauptfiguren gegenübergestellt sehen, etwas zu leicht zu bewältigen. Aus dem Dreh- und Angelpunkt des Buches, der Figur der Miss Peregrine, werde ich leider bis zur letzten Seite nicht ganz schlau, da ihre eigenen Werte und Moral nicht nachvollziehbar dargestellt werden und sich teilweise gar widersprechen. Ebenso hätte man das vorliegende Werk locker um fünfzig, gar hundert Seiten kürzen können.

Wenn man mich fragt, ob ich „Die Bibliothek der besonderen Kinder“ weiterempfehlen kann, dann ist die Antwort schnell gesagt: „Ja!“. Zwar finde ich, dass es sich hier um den wahrscheinlich schwächsten Band der Trilogie handelt, so verspricht dieses Werk jedoch atemberaubend spannende und erstklassige Unterhaltung, die durch ihre gewohnt ansprechende Aufmachung punkten kann. Die Reihe wird mir wohl noch länger positiv im Gedächtnis bleiben. So entwickelt sich auch der dritte Teil ein großes Stück weiter, sodass ich sagen kann, diese Reihe hat sich etwas getraut und baut ihr eigenes Universum immer mehr aus. Das Ende wird hier recht offen gelassen, lässt also viel Platz für eigene Fantasien, gibt dem Leser einen kleinen Denkanstoß, das hat mir gefallen.

„Die Bibliothek der besonderen Kinder“ garantiert beste Unterhaltung und führt eine der besten Fantasy-Reihen der letzten Jahre äußerst gelungen zu Ende.

Gerne vergebe ich starke vier von fünf Sternen.