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Benutzername: Buchstabenträumerin
Danksagungen: 9 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 115 Bewertungen
Bewertung vom 16.10.2019
Im Schatten des Fuchses 01
Kagawa, Julie

Im Schatten des Fuchses 01


weniger gut

„Im Schatten des Fuchses“ von Julie Kagawa hat mich leider weniger überzeugt, als erwartet. Es erwartet den Leser nicht mehr als ein typischer Jugendfantasy-Roman, der kaum Überraschungen bietet, dafür aber viele Informationen über die japanische Kultur, die durchaus lebendiger in den Text eingearbeitet hätten sein können. Auch die im Klappentext angedeutete Liebesgeschichte verläuft nach Schema F. Wer Lust auf ein Jugendbuch in diesem Stil hat, macht hiermit nichts falsch und wird sicherlich sehr gut unterhalten. Sprachlich ist „Im Schatten des Fuchses“ nicht anspruchsvoll, es liest sich gut weg, hat aber seine Längen. Einzig das letzte Drittel konnte mich wirklich fesseln – hier dann sogar genug, um neugierig auf Band 2 zu sein.

Bewertung vom 01.10.2019
Melmoth
Perry, Sarah

Melmoth


sehr gut

Über „Melmoth“ von Sarah Perry kann ich nicht sagen, ob es mir gefallen hat oder nicht. Meiner Meinung nach kann an diesem Roman nichts „gefallen“, zu fürchterlich und schmerzhaft ist die Geschichte. Doch die Legende von Melmoth, der Frau, die dazu verdammt ist, das Leid der Menschen zu bezeugen, zog mich in ihren düsteren Bann, die Figuren und ihr Schicksal lassen mich nicht mehr los – ob ich will oder nicht. Nichts ist leicht an dieser Geschichte, alles wiegt schwer, doch genau das ist auch die Stärke des Romans. Meisterlich geschrieben, fordert es den Leser heraus, sich den Dämonen der Figuren zu stellen und diese, ebenso wie Melmoth, zu sehen. Faszinierend und erschütternd zeigt Sarah Perry, wozu Menschen fähig sind – und wie sie dennoch die Kraft finden können, zu vergeben.

Bewertung vom 22.09.2019
Die Verschwörung von Brigant / Kingdoms of Smoke Bd.1
Green, Sally

Die Verschwörung von Brigant / Kingdoms of Smoke Bd.1


ausgezeichnet

Fazit: „Kingdoms of Smoke – Die Verschwörung von Brigant“ von Sally Green ist ein großartiger Auftakt für ein High Fantasy-Epos. Die Geschichte ist sehr gut aufgebaut, wunderbar ruhig erzählt und dennoch absolut spannend. Man taucht als Leser ganz tief ein und fühlt sich mit den Figuren verbunden. Ihr Schicksal berührt zutiefst und ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie es weitergeht. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz, sie hält sich aber angenehm im Hintergrund und ist kein alleiniger Treiber für das Geschehen. Ein Must read für Leser von Sarah J. Maas und Leigh Bardugo, würde ich sagen, aber auch Leser von Tad Williams könnten sich angesprochen fühlen. Riesige Leseempfehlung!

Bewertung vom 19.09.2019
Weniger ins Meer - was du tun kannst, um Plastik und Müll zu vermeiden
Wilson, Hannah

Weniger ins Meer - was du tun kannst, um Plastik und Müll zu vermeiden


sehr gut

„Weniger ins Meer – was du tun kannst, um Plastik und Müll zu vermeiden“ von Hannah Wilson ist ein gutes Kindersachbuch zum Thema Umweltschutz. Kindern wird anhand von Illustrationen anschaulich erläutert, welche Folgen die Produktion diverser Produkte auf unsere Umwelt hat. Auch wird erklärt, wie schädlich viele Produkte für die Umwelt sind, weil sie über viele Jahre hinweg nicht abgebaut werden und zum Beispiel die Meere verschmutzen. Die Autorin gibt kindgerechte Anregungen, wie Familien im Kleinen dazu beitragen können, Müll zu vermeiden oder diesen zu verwerten. Teils war mir die Aufmachung zu unübersichtlich und nicht alle Recycling-Tipps waren mir praktisch und sinnvoll genug, doch im großen Ganzen ist dies ein Sachbuch, das sehr gut dafür geeignet ist, Kindern das Thema näherzubringen und ein Verständnis für Produktionsabläufe und deren Effekte auf unsere Erde zu entwickeln.

Bewertung vom 13.09.2019
Staub & Flammen
Licht, Kira

Staub & Flammen


sehr gut

Nach dem äußerst spannenden Ende in Band 1 knüpft „Staub & Flammen“ nahtlos nach dem Verschwinden von Maél an. Livia ist am Boden zerstört, doch sie hält sich tapfer, denn ihre Freunde sind für sie da und gemeinsam setzen sie alles daran, Maél aus dem Kerker im Olymp zu befreien. Mit von der Partie sind natürlich wieder Jemma und Gigi sowie die Hermes, Ödipus und Enko. Doch es kommen auch neue Gesichter hinzu und Livia bemerkt an sich selbst einige rätselhafte Veränderungen. Ihr seht, Band 2 steckt voller Überraschungen.

Bereits in „Gold & Schatten“ habe ich mich begeistert über den Schreibstil von Kira Licht ausgelassen. Hier ist dieser natürlich unverändert beschwingt, locker, spritzig und so unverkrampft lustig, dass es eine wahre Freude ist, die Geschichte zu lesen. Wortwitz und Situationskomik sowie die wunderbare Eigenschaft der Autorin, ihre Figuren selbst aus den misslichsten Lagen relativ entspannt wieder hinauszumanövrieren, machen das Buch herrlich leicht und großartig unterhaltsam.

Und missliche Lagen gibt es wahrlich mehr als genug! Die Entwicklung der Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Sie gewinnt an Tempo und wird unheimlich komplex. Etwas, das ich in Band 1 gar nicht erwartet hatte, als es hauptsächlich um die Beziehung zwischen Livia und Maél sowie ihre persönlichen Angelegenheiten ging. Jetzt denkt die Autorin alles größer! Und dennoch verliert sie nicht den Blick für Details, angefangen bei ihren Figuren bis hin zu dem Punkt, an dem sich alle Fäden ihrer Geschichte zu einem Ganzen verdichten. Das ist Kira Licht wirklich gut gelungen, sie hat alles klug aufeinander aufgebaut, so dass sich im großen Finale eins ins andere fügt und „Staub & Flammen“ zum Pageturner werden lässt.

Besonders interessant fand ich im Verlauf der Geschichte, wie sich die Kräfte von Livia veränderten. Das gibt der Erzählung eine ganz neue Dynamik und Ausrichtung. Auch die Nebenfiguren bringen Plot-Twists ins Spiel, insbesondere Tiffy. Das war eine große Überraschung. Allerdings blieb sie mir weitestgehend etwas zu blass und etwas zu zurückhaltend, um einen nachhaltigen Eindruck auf mich zu machen. Lediglich am Ende zeigte sie etwas mehr Charakterstärke. Auch Selkes ist eine nette Figur, doch seine tapsige und etwas naive Art sagte mir nicht allzu sehr zu. Allerdings tragen sie insgesamt dazu bei, dass die eine oder andere witzige Konversation stattfindet – très amusant!

Eine Kleinigkeit, die ich vermisste, war diese wundervolle Chemie zwischen Livia und Maél. Sie stritten, sie neckten sich, sie waren unsicher und gleichzeitig völlig vernarrt ineinander. Nun befinden sie sich plötzlich auf einer ganz anderen Ebene. Ihre Beziehung ist gereift, sie hat sich gefestigt, aber dadurch erschienen mir die Dialoge etwas bemühter. Emotional war ich nicht ganz so stark am Haken wie noch in Band 1, wodurch sich die Beziehung der beiden für mein Empfinden auch etwas zu schnell entwickelte. Doch abgesehen davon passt das Gesamtpaket und so ist „Staub & Flammen“ ein sehr guter Abschluss der Götter-Dilogie.

Fazit

„Staub & Flammen“ von Kira Licht hat mich mit minimalen Abstrichen ebenso begeistert wie der erste Band „Gold & Schatten“. Es wird nämlich noch spannender in der Welt der Götter! Es kommen neue Figuren hinzu, die Story wird komplexer, Maél muss befreit werden, Livia entdeckt neue Kräfte an sich und ganz nebenbei droht die Welt unterzugehen. Die Auflösung des Ganzen ist ebenso gelungen wie der Schreibstil. Wunderbar locker, aber niemals platt. Zudem ist für reichlich Situationskomik und witzige Schlagabtausche gesorgt, denn der Humor der Autorin blitzt wie gewohnt an allen Ecken und Enden hervor. Ein absolut würdiges Ende einer Reihe und eine Leseempfehlung für alle, die gerne Fantasy und Jugendbücher lesen.

Bewertung vom 05.09.2019
Der lange Weg zu dir
Widmark, Martin

Der lange Weg zu dir


ausgezeichnet

Wer den Autor Martin Widmark bereits kennt weiß, dass ihn mit „Der lange Weg zu dir“ kein gewöhnliches Bilderbuch für Kinder erwartet. Wenn Martin Widmark schreibt, klingen die einfachsten Geschichten wie ein Märchen, wie Poesie. Was er schreibt, dient nicht dem Zweck, Handlung und Moral bis ins kleinste Detail auszubuchstabieren. Seine Worte lassen vielmehr Bilder im Kopf des Lesers entstehen, Gefühle werden geweckt. Und über diese Gefühle wird die Botschaft transportiert, die Widmark seinen Lesern mitgeben möchte. Eine großartige Ergänzung dazu sind die wunderschönen Illustrationen aus der Hand von Emilia Dziubak.

Wie ist es für Kinder, einen Verlust zu erleiden? Einen geliebten Menschen zu verlieren, oder zu erleben, wie ein treues Haustier stirbt? Es ist sicherlich ein einschneidendes Ereignis, das die Welt auf den Kopf stellt und einen ganz tief im Inneren bewegt. So leidet auch Adam, als sein altersschwacher Hund Rufus ihn verlässt. Er möchte nichts mehr essen, nichts mehr trinken, er liegt im Bett und es scheint, als wolle auch er einfach nur noch verschwinden. Seine besorgte Mutter versucht alles, um ihm zu helfen, doch sie kommt nicht an ihn heran. Währenddessen lebt auf der anderen Seite des Meeres ein Mädchen namens Sonia mit ihrer Katze Miezi. Sie ist mutig, abenteuerlustig und sie vertraut Miezi, als diese sie durch Landschaften und Orte weg von ihrer Heimat führt, als würde sie spüren, dass irgendwo jemand in Not ist.

Die Geschichte anders, als man es vielleicht von Kinderbüchern gewohnt ist. Witz und leichte Unterhaltung sucht man hier vergebens. „Der lange Weg zu dir“ steckt voller Ernst und Melancholie, was dem Thema vollkommen gerecht wird. Ebenso gut passt die Ruhe dazu, mit der die Geschichte erzählt wird. Als Leser oder Vorleser kann man jeden Satz auskosten, es gibt keinen Grund zur Eile. Es wird nicht künstlich Spannung erzeugt, auch wenn „Der lange Weg zu dir“ durchaus spannend ist. So gerät Sonia während ihrer Wanderschaft in die eine oder andere brenzlige Situation, aus der sie aber immer rasch einen Ausweg findet, indem sie sich auf ihren Verstand verlässt und dem Zufall eine Chance lässt.

Für Leser ab 5 Jahren ist die Geschichte aufgrund des Themas und der eher düsteren Aufmachung eher bedingt geeignet. Eltern sollten auf jeden Fall nach dem Lesen Zeit für ein Gespräch einräumen. Steht dem Vorlesen nichts im Wege, können Kinder während des Vorlesens in den fast durchgehend doppelseitigen und farbigen Illustrationen in der Welt von Sonia und Adam versinken. Für erste Leseübungen ist „Der lange Weg zu dir“ eventuell noch zu herausfordernd, auch wenn der Autor auf schwierige Wörter und komplexe Satzkonstruktionen weitestgehend verzichtet.

Fazit

„Der lange Weg zu dir“ von Martin Widmark ist ein poetisches und märchenhaftes Kinderbuch, das eine einfühlsame Geschichte über Verlust, Freundschaft und Hoffnung erzählt. Die großartigen, stimmungsvollen Illustrationen von Emilia Dziubak ergänzen dies perfekt. Sie sind liebevoll gezeichnet und auf fast allen Seiten doppelseitig und in Farbe vertreten. Kinder erfahren in dem Buch, wie schwer ein Verlust wiegt, wie man sich gegenseitig in dieser Zeit der Trauer helfen und stützen kann und vor allem, wie man nach der Verarbeitung des Verlusts auch wieder nach vorne schauen kann. Für mich ein ganz besonderes Kinderbuch, das sich von den grellen und temporeichen Geschichten deutlich und positiv abhebt.

Bewertung vom 20.06.2019
Gold und Schatten / Buch der Götter Bd.1
Licht, Kira

Gold und Schatten / Buch der Götter Bd.1


ausgezeichnet

So ein Quatsch! Ja, das dachte ich auf den ersten Seiten von „Gold und Schatten“ von Kira Licht. Doch es kommt ein riesengroßes „aber“: Denn „Gold und Schatten“ ist SO lustig. Ich habe mich herrlich amüsiert, ich hatte einen riesigen Spaß beim Lesen dieser Geschichte. Doch nun erst einmal von Anfang an. Worum geht es? Es geht um griechische Götter, die in unserer heutigen Zeit in Paris leben. Es geht um Livia, ein 16-Jähriges Mädchen, die mit ihren Eltern erst kürzlich in die französische Hauptstadt gezogen ist und seit ihrem Geburtstag seltsame Veränderungen an sich beobachtet, die sie an ihrem Verstand zweifeln lassen. Schließlich kann sie Pflanzen reden hören! Zu allem Überfluss begegnet sie Maél, einem stets dunkel gekleideten Jungen, der ihr gehörig den Kopf verdreht und der etwas vor ihr zu verbergen scheint.

Ich muss zugeben, dieses Buch schreit förmlich nach „Klischee“ und natürlich geht es nicht ganz ohne. Die generelle Struktur der Geschichte orientiert sich stark an ähnlichen Werken des Genres. Livia ist auf den ersten Blick süß und niedlich und naiv, Maél der typische Draufgänger. Es gibt persönliches Drama, es gibt den großen Kampf Gut gegen Böse. So war ich auf den ersten Seiten tatsächlich sehr skeptisch, doch ehe ich mich versah, entdeckte ich noch weitere Facetten.

Zum einen war es ein Vergnügen, mit Livia und Maél durch die Straßen von Paris zu schlendern und den Untergrund zu erforschen. Denn Maél gehört zu den sogenannten „Cataphiles“, Menschen, die den ungesicherten Bereich des Untergrundes erforschen und dort eine Untergrund-Kultur inklusive Kunstausstellungen und Konzerten ins Leben gerufen haben. Es war enorm spannend, als Leser diese andere Welt kennenzulernen.

Darüber hinaus gibt es natürlich die Welt der griechischen Götter und die war nicht weniger interessant. Kira Licht lässt immer wieder Fakten einfließen, die ihrer Geschichte Hand und Fuß geben. Zudem charakterisiert sie ihre Götter so wunderbar herzlich, düster, schräg, amüsant und hoheitsvoll, dass man sich begeistert auf jede neue Begegnung mit einer Gottheit freut. Die Figuren trugen enorm dazu bei, dass „Gold und Schatten“ für mich ein sehr lesenswerter Roman wurde. Zudem ist Livia gar nicht so naiv, wie es anfangs den Anschein hat. Und Maél zeigt auch noch andere Seiten. Dies aber nur am Rande.

Doch was, wie bereits erwähnt, wirklich fantastisch ist, ist der Schreibstil der Autorin. Jung und spielerisch schreibt sie und jeder Schlagabtausch zwischen Livia und Maél kommt von Herzen. Sie geraten teilweise in die absurdesten Situationen und schon wird Situationskomik groß geschrieben. Sicherlich ist das Geschmackssache, nicht jeder teilt den gleichen Humor, doch meiner wurde zu 100 Prozent getroffen. Dadurch wurde der negative Beigeschmack von Kitsch und Klischee für mich so weit aufgehoben, dass ich im Grunde komplett darüber hinwegsehen konnte. Und manchmal steht einem der Sinn nach purer Unterhaltung, nicht wahr?

Fazit

„Gold und Schatten“ von Kira Licht ist ein Contemporary-Fiction Roman, der einige Klischees und bekannte Strukturen bedient. Dennoch ist es für mich kein klassischer Roman dieses Genres, um den ich üblicherweise eher einen großen Bogen mache. Diese Geschichte zeichnet sich dadurch aus, dass sie ein spannendes Thema herrlich amüsant aufbereitet. Griechische Götter in der heutigen Zeit? Da lässt sich viel draus machen. Zwei junge Menschen, die sich bis ins bodenlos gegenseitig aufziehen, nur um nicht zu zeigen, was sie wirklich füreinander empfinden? Das schreit nach schlagfertigen Dialogen. All das setzt Kira Licht auch um, glaubhaft und spielerisch, vollkommen unangestrengt und somit schlicht großartig unterhaltsam. Band 2, „Staub und Flammen“ erscheint am 30. August 2019 – die ideale Sommerlektüre, oder?

Bewertung vom 24.05.2019
Wir. Hier. Jetzt.
Tucker, K. A.

Wir. Hier. Jetzt.


weniger gut

„Wir. Hier. Jetzt“ von K. A. Tucker erinnert vom Stil her stark an Colleen Hoover. Beide schreiben sie New Adult Romane, in denen es immer auch um persönliche oder familiäre Probleme und Herausforderungen geht. Dieser Roman handelt von Kacey, die mit ihrer kleinen Schwester Livie nach Miami zieht, um einen Neustart zu wagen, nachdem bei einem Autounfall ihre Eltern, ihre beste Freundin und ihr Freund starben. Sie muss der Erinnerung entkommen, dafür kämpft sie beim Kickboxen und zu diesem Zweck hat sie auch eine dicke Mauer um sich herum errichtet. Niemand kommt wirklich an sie heran. Bis auf Trent, ihr neuer Nachbar in Miami. Wird Kacey es wagen, sich ihre Gefühle für ihn einzugestehen und sich auf ihn einzulassen? Nun, geübte Leser des Genres New Adult wissen nun sicherlich schon einiges über den Handlungsverlauf. Schafft es der Roman dennoch, mich mit Besonderheiten zu überzeugen?

Im Original heißt Wir. Hier. Jetzt. „Ten Tiny Breaths“, ein Titel, den ich weitaus passender finde, da es einen sehr guten inhaltlichen Bezug gibt. Zehn kleine Atemzüge bilden einen Rahmen um die Handlung, sie fließen durch sie hindurch und sorgen am Ende für einen runden Abschluss. Denn diesen Rat hat Kacey immer von ihrer Mutter erhalten, wenn die Gefühle mit ihr durchgehen wollten. Es ist eine Erinnerung, die sie immer bei sich trägt, die aber niemals zu helfen scheinen. Vor allem nicht, wenn sie Trent gegenüber steht und er ihre Gefühle in Wallung bringt. Ein fürchterlicher Ausdruck, doch er beschreibt ihr erstes Treffen in der Waschküche tatsächlich (leider) recht gut. Da werden die starken Schultern bewundert, der Po, die langen Wimpern, die Augen und die verstrubbelten Haare. Trent ist das wandelnde, männliche New Adult Klischee. In dieser Hinsicht überrascht der Roman von K. A. Tucker also nicht. Auch die unmittelbare Anziehungskraft, obwohl beide sich gerade erst kennenlernen, ist nichts Neues.

Kacey ist da schon ein wenig untypischer. Sie ist knallhart und lässt sich nichts sagen. Statt etwas zu empfinden, spuckt sie ihrem Gegenüber lieber verbal ins Gesicht. Sie steckt voller Wut und wird angetrieben von dem eisernen Willen, dass in Miami alles besser werden wird. Darüber vergisst sie, dass Kontrolle nicht alles ist und dass sie einen wichtigen Teil von sich selbst verleugnet. Das Zusammentreffen mit Trent ist das nicht unbedingt das schlechteste, was ihr passieren konnte.

Allerdings sind mir die Begegnungen von Trent und Kacey vor allem zu Beginn zu einseitig, denn sie denken an nicht viel anderes als an Sex, insbesondere Kacey, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird. Puh. Ich weiß ja, dass sich dies im Genre als gängiger Standard etabliert hat, aber auch in diesen anderen Romanen hat mich die magnetische Anziehungskraft, die anfangs meist jeglicher kommunikativer Substanz entbehrt, bereits gestört.

Im Verlauf der Geschichte darf natürlich auch das Drama nicht zu kurz kommen. So hat nicht nur Kacey mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen, auch Trent scheint einiges zu beschäftigen. Was es damit auf sich hat, erfährt man erst recht spät und natürlich verändert sich in dem Moment der Erkenntnis alles. Teils hat mich diese Entwicklung der Story sehr berührt, allerdings empfand ich die Lösung des Konflikts dann wiederum als etwas halbgar.

Vieles in „Wir. Hier. Jetzt.“ konnte mich also leider nicht überraschen oder störte mich sogar. Es gibt aber dennoch Aspekte, die ich sehr gelungen fand. Da wären zum Beispiel Storm und Mia, Kaceys alleinerziehende Nachbarin und ihre fünfjährige Tochter. Auch der Schreibstil lässt nichts zu wünschen übrig. K. A. Tucker schreibt emotional und sie hat ein Händchen dafür, die Spannung aufrecht zu halten, so dass man das Buch ungern aus der Hand legen möchte.

Bewertung vom 11.05.2019
Ein Sommer in Brandham Hall
Hartley, Leslie Poles

Ein Sommer in Brandham Hall


ausgezeichnet

„Ein Sommer in Brandham Hall“ von L. P. Hartley ist eine Geschichte von tragischer Schönheit. Es geht um Marian, die Tochter des Herrn von Brandham Hall, und den Pächter Ted, die sich allen gesellschaftlichen Konventionen zum Trotz ineinander verliebt haben. Und es geht um den jungen Leo Colston, der seine Sommerferien auf Brandham Hall verbringt, und der dazu auserkoren wird, die heimlichen Botschaften der beiden zu übermitteln. So wird er wider besseren Wissens hineingezogen in ein Spiel von Liebe, Eifersucht und Verzweiflung.

Ein altes Tagebuch weckt Leo’s Erinnerungen an diesen verhängnisvollen Sommer im Jahr 1900, den er bislang zu vergessen suchte. Doch mit dem Aufschlagen der ersten Seite wird er mit Macht hineingezogen in die Vergangenheit, die ihn für den Rest seines Lebens verändern sollte. L. P. Hartley beschreibt die Erlebnisse seines Protagonisten sehr gefühlvoll. Er gibt sich ganz der kindlichen Naivität hin, mit der er damals allem und jedem begegnet ist. Damit einher geht der drängende Wunsch, etwas Bedeutsames leisten zu wollen, jemand Bedeutsames zu sein, nicht nur ein unwichtiges Kind. Leo möchte über sich hinauswachsen.

Dies führt dazu, dass er alles, was geschieht, durch einen fantasievoll-verklärten Schleier wahrnimmt. Er bauscht seine Funktion als Bote auf, er fabuliert sich seine eigenen Theorien zusammen über Ted und Marian, während er doch tatsächlich von den Erwachsenen als Werkzeug für ihre eigenen Zwecke benutzt wird. Der Autor zeichnet sehr präzise den Weg einer Figur, die ihr wahres Ich verleugnet, um sich neu zu erfinden, nur um am Ende auf tragische Weise zu realisieren, dass nicht nur ihr dies geschadet hat, sondern auch anderen Menschen in ihrem Umfeld.

L. P. Hartley ist sehr stark darin, der kindlichen Wahrnehmung treu zu bleiben. Als Ich-Erzähler verfälscht nichts die Erinnerungen und dadurch wirkt alles wahnsinnig echt. Als Kind erkennt Leo nur langsam, in Bruchstücken und Ahnungen, was tatsächlich während seines Aufenthalts geschieht. Ergänzt wird dies von reflektierenden Kommentaren des erwachsenen Leo. So reimt man sich als Leser schon recht früh die gesamte Bandbreite der Tragödie zusammen. Umso schmerzhafter ist es, Zeuge davon zu werden, wie sehr Leo hofft, wichtig zu sein, wie viel ihm die Rolle als Bote bedeutet, und wie stark eben diese Rolle ihn am Ende in die Verzweiflung treibt.

Ich liebe es, wie L. P. Hartley der Natur und dem Wetter symbolische Kraft verliehen hat, hier kann man seiner Interpretationslust freien Lauf lassen. Da wäre die Tollkirsche, die in einem dunklen Winkel von Brandham Hall wächst, gleichzeitig wunderschön verlockend und todbringend gefährlich. Da wäre die Hitze, die immer weiter zunimmt und Leo dazu verhilft, aus seiner Haut zu fahren, jemand anderes zu werden, wie eine Raupe, die sich zu einem Schmetterling entfaltet. Diese Metaphern und Symbole tragen enorm dazu bei, das Innenleben von Leo zu erfühlen und die emotionalen und psychischen Folgen seiner Botenrolle zu verstehen.

Fazit

„Ein Sommer in Brandham Hall“ von L. P. Hartley erzählt bedächtig, aber äußerst eindringlich von einem Jungen, der ungewollt und unwissend in die Heimlichkeiten einer verbotenen Liebe hineingezogen wird. Nichts schlimmes ahnend wird er zum Werkzeug von Erwachsenen, die ohne an mögliche Folgen zu denken, ihren Vorteil suchen. Der Roman ist kunstvoll geschrieben, sprachlich auf einem sehr hohen Niveau und reich an Symbolen. Eine Geschichte, die man nicht zum Zeitvertreib nebenher liest, sondern eine Geschichte, in der man vollends aufgehen kann, die einen einlädt, die Botengänge gemeinsam mit Leo zu gehen, die Welt mit seinen Augen zu sehen und gleichzeitig einen Blick über den kindlichen Tellerrand zu werfen und die zweite Erzählebene zu erleben. Denn Leo’s Erinnerungen sind nur die vordergründige Geschichte, dahinter tut sich eine ganze Welt an verschiedenen Figuren, Emotionen und Erfahrungen auf. Wundervoll!

Bewertung vom 28.04.2019
Der Schein
Blix, Ella

Der Schein


sehr gut

„Der Schein“ von Ella Blix, dem Pseudonym von Antje Wagner und Tania Witte, ist ein spannendes Jugendbuch und eine unterhaltsame Internatsgeschichte – mysteriös, unheimlich, humorvoll und emotional. Im Zentrum der Geschichte steht Alina, die als junges Mädchen ihre Mutter verloren hat und nun in einem Internat auf einer Ostseeinsel gestrandet ist. Sie knüpft nicht nur neue Freundschaften und schlägt sich mit Liebeskummer herum, sie beobachtet außerdem einige seltsame Dinge, unter anderem ein schwarzes Schiff, das alle zehn Jahre an der Nordküste der Insel erscheint. Mit der Kombination aus Mystery und Jugendbuch haben die Autorinnen bei mir einen Nerv getroffen, ich fühlte mich bestens unterhalten. Fasziniert war ich auch von dem Spiel mit dem Begriff „Schein“. Einerseits sind geheimnisvolle Lichterscheinungen gemeint, andererseits ist nichts so, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Lediglich im Mittelteil fand ich die Balance zwischen Internatsgeschichte und Mystery etwas unausgewogen, für jüngere Leser fällt dies aber sicherlich weniger ins Gewicht. Also: Gerne mehr davon!