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Bewertung von Joschne aus Sittensen

+++Ein Netz aus Glück und Schicksal+++ Neuseeland, zur Zeit des Goldrausches 1866: Als der Schotte Walter Moody nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika …


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12 Kundenbewertungen

"Der perfekte literarische Page-Turner." THE GUARDIAN Ein Netz aus Glück und Schicksal Neuseeland, zur Zeit des Goldrausches 1866: Als der Schotte Walter Moody nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die einer Serie ungelöster Verbrechen nachgehen: Ein reicher Mann ist verschwunden, eine opiumsüchtige Hure hat versucht, sich das Leben zu nehmen, und eine ungeheuerliche Summe Geld wurde im Haus eines stadtbekannten Säufers gefunden. Mit der Stimme von Sascha Rotermund wird der Hörer…mehr

Produktbeschreibung
"Der perfekte literarische Page-Turner." THE GUARDIAN Ein Netz aus Glück und Schicksal Neuseeland, zur Zeit des Goldrausches 1866: Als der Schotte Walter Moody nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die einer Serie ungelöster Verbrechen nachgehen: Ein reicher Mann ist verschwunden, eine opiumsüchtige Hure hat versucht, sich das Leben zu nehmen, und eine ungeheuerliche Summe Geld wurde im Haus eines stadtbekannten Säufers gefunden. Mit der Stimme von Sascha Rotermund wird der Hörer hineingezogen in ein Geheimnis, wie mit Goldstaub bestreut und in Opium getränkt. (Laufzeit: ca. 30h 43)

Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in B, A, D, I, NL ausgeliefert werden.

  • Produktdetails
  • Verlag: Der Hörverlag
  • Gesamtlaufzeit: 1843 Min.
  • Erscheinungstermin: 09.11.2015
  • ISBN-13: 9783844520170
  • Artikelnr.: 44962393
Autorenporträt
Catton, Eleanor
Eleanor Catton wurde 1985 in Kanada geboren und wuchs in Neuseeland auf. Sie studierte Englisch und Kreatives Schreiben und erhielt bereits für ihren Debütroman "Die Anatomie des Erwachens" zahlreiche Auszeichnungen. Für "Die Gestirne" wurde ihr 2013 als jüngster Autorin aller Zeiten der renommierte Booker-Preis zuerkannt. Eleanor Catton lebt in Auckland.

Walz, Melanie
Melanie Walz, geboren 1953 in Essen, wurde 1999 mit dem "Zuger Übersetzer-Stipendium", 2001 mit dem "Heinrich-Maria-Ledig-Rowohlt-Preis" und 2015 mit dem Übersetzerpreis der Stadt München ausgezeichnet. Sie ist die Übersetzerin von u. a. Antonia Byatt, John Cooper-Powys, Lawrence Norfolk.
Rezensionen
»Eine fesselnde Zeitreise!« Freundin
Besprechung von 28.11.2015
Wenn die Sonne im Steinbock steht, wird dem Goldgräber ganz blümerant

Horoskopdeutung ist nichts für schwache Naturen: Die Neuseeländerin Eleanor Catton hat mit ihrem 1000-Seiten-Opus "Die Gestirne" einen neoviktorianischen Sensationsroman geschrieben. Sie treibt ein ausgebufftes Spiel mit den Erwartungen des Lesers.

Von Felicitas von Lovenberg

Wenn Sie mit einem Buch in der Tasche das Haus verlassen, die Tasche auf den Beifahrersitz stellen und prompt das piepsende "Bitte anschnallen" ertönt, hat man es eindeutig mit einer schweren Lektüre zu tun. Tatsächlich stammt der dickste Wälzer in dieser Saison der gewichtigen Titel (Franzen, Knausgård, Witzel) ausgerechnet von einer Frau, einer ganz jungen noch dazu.

Eleanor Catton wurde vor dreißig Jahren im kanadischen Ontario geboren und wuchs in Christchurch, Neuseeland, auf. Bereits ihr - mit knapp vierhundert Seiten auch nicht eben schmaler - Debütroman "The Rehearsal" von 2008, 2010 unter dem Titel "Anatomie des Erwachens" bei Arche erschienen, beeindruckte durch eine so komplexe wie fesselnde Erzählweise. Schon in dieser Geschichte, die unter anderem um das Verhältnis eines Lehrers mit seiner Schülerin und damit um die Frage Missbrauch oder Liebe kreist, kam der Zeit eine Schlüsselrolle zu.

Diesmal hat Eleanor Catton das organisierende Prinzip ganz in den Mittelpunkt eines Romans gerückt, der gleich in mehrfacher Hinsicht um "Sphären innerhalb einer Sphäre" kreist - astrologisch, geographisch und literaturgeschichtlich. "Die Gestirne" kommt im rauschenden Kleid eines neoviktorianischen Sensationsromans daher (in dessen Saum manches Nugget verarbeitet wurde, aber dazu später), und verrät die Zeit, die ihn hervorgebracht hat, erst, als die Erzählerin die Uhren im letzten Drittel rückwärts laufen lässt. Erst da bekommt der Leser Gelegenheit, sich auf einige der Rätsel, die zuvor in epischer Fülle vor ihm ausgebreitet wurden, seinen Reim zu machen.

Zeit spielt in diesem Roman einerseits keine Rolle, weil Eleanor Catton sich die Freiheit nimmt, über die Muße ihrer Leser mit größter Selbstverständlichkeit zu verfügen - und zugleich beruht alles auf ihr und den korrespondierenden Sternbildern und Planetenstellungen. Diesen wiederum folgt Catton nicht auf herkömmlich-banale, also Glückshoroskop-geeichte Weise, sondern auf der wissenschaftlichen Grundlage der Präzession. (Wer jetzt bereits zu googlen anfängt, bekommt eine Ahnung davon, was ihn bei der Lektüre erwartet - gemeint ist die Richtungsänderung der Erdachse, die sich nicht nur auf die Definition eines Jahres, sondern auch auf die Bestimmung der Tierkreiszeichen auswirkt.) Dementsprechend ist das Verzeichnis der handelnden Personen unterteilt in zwölf "Sterne" (wie die Tierkreiszeichen) und sieben "Planeten", und alle zwölf Teile des Romans werden eröffnet von einem frei gezeichneten Horoskop, das die Einflüsse, denen die Figuren gerade unterliegen, sichtbar macht, noch bevor der Roman sie ausführt.

"Merkur im Schützen" ist das erste Kapitel des ersten Teils überschrieben, der 465 Seiten umfasst und, wie alle folgenden Teile auch, die Geschehnisse eines einzigen Tages umfasst, des 27. Januars 1866. Und wie es sich für einen anständigen Schmöker im Stil des neunzehnten Jahrhunderts gehört, sind die Kapitel mit kleinen Zusammenfassungen überschrieben: "in welchem ein Fremder nach Hokitika kommt, eine geheime Versammlung gestört wird, Walter Moody seine neuesten Erinnerungen verbirgt und Thomas Balfour eine Geschichte zu erzählen beginnt".

Wie so vieles an diesem Roman sind auch diese Einführungen natürlich ein Fake, und zwar ein überaus gekonntes. Denn es gelingt Eleanor Catton, viele postmoderne Verspannungen des großen Lektüren zugeneigten Lesers gleich zu Beginn derart geschickt zu lockern, dass ihr erleichtert aufatmender Klient (Patient? Opfer?) schon fast zu schnurren beginnt - gäbe es nicht klare Indizien von Aufgesetztheit und Künstlichkeit, die einen misstrauisch und wachsam bleiben lassen. Das beginnt mit der äußerst artifiziell anmutenden Runde jener zwölf Männer, die sich zur Eröffnung im Rauchzimmer des Crown Hotel versammelt haben, und in deren Mitte der junge Schotte Walter Moody als Fremder hereinplatzt, der die Steinchen der Erzählung ins Rollen bringt. Allein wie Catton hier zunächst ein Stillleben inszeniert, das sie dann in ein immer lebhafteres, ausladenderes Tableau vivant verwandelt - das verrät die Könnerschaft einer Autorin, die genau weiß, wie sie Wirkung erzielt. Man geht ihr also immer auf den Leim.

Der Roman erzählt so viele Geschichten, wie er Figuren hat, und noch einige mehr, weil in der Goldgräberstadt Hokitika, ganz wie im Kosmos, alle mit allen zusammenhängen. Ihren Auftritt hat mit einem raffinierten Hotelier, einem ehrgeizigen Lokalpolitiker, einem aufklärerisch veranlagten Zeitungsjournalisten, einem selbstgefälligen Gerichtsschreiber, einem undurchsichtigen Handelsagenten, einem chinesischen Goldschmied oder einem jadesuchenden Maori eine internationale Vielzahl von Stereotypen, wie sie auch ein Charles Dickens im Roman hätte unterbringen können. Allerdings hätte es bei Dickens stets eine klare Bedeutungshierarchie der Figuren gegeben, auf die Catton weitgehend verzichtet - sieht man einmal davon ab, dass Planeten, anders als Sterne, ihr eigenes Gravitationsfeld haben. Zu den Planeten zählt sie Walter Moody, der indes die erste Hälfte des Romans über keine andere Funktion erfüllt als die, ganz Ohr zu sein für die Geschichten, die ihm die zwölf Herren auftischen. Zu den Planeten gehören aber auch die beiden Frauenfiguren in dieser Männergesellschaft, die zwar zahlenmäßig deutlich in der Minderheit sind, den Roman aber trotzdem klar dominieren. Zum einen ist da die ausgebuffte Lebedame Lydia Wells Carver, die einst einem Glücksspieler ihre Hand statt des gewonnenen Jackpots gab und nun als dessen geschäftstüchtige Witwe in Hokitika auftaucht. Die Sonne, um die alle kreisen, aber ist Anna Wetherell, die wir zu Beginn als opiumsüchtige Prostituierte kennenlernen, in deren Kleidern ein Unbekannter ein Vermögen in Goldklumpen eingenäht hat - eines der vielen Verstecke des Romans. Außerdem erfahren wir, dass Anna, offensichtlich durch die brutale Misshandlung eines Mannes, eine Fehlgeburt erlitten hat. Diese Frau, die erst in ihrer Opiumschläfrigkeit, dann in ihrer Klammheit, später in ihrer stillen Trauer die Herzen aller Männer rührt, die ihr begegnen, ist das versehrte Zentrum des Buchs. Ihr Mond-Gegenüber ist der den größten Teil des Buchs über unsichtbare Emery Staines, der es auf den Goldfeldern zu einem Vermögen gebracht hat und allseits um seine Fortüne beneidet wird. Wie er und Anna zusammenhängen, erweist sich erst am Ende, als Eleanor Catton in immer schnellerer Abfolge die Ereignisse beleuchtet, die vor dem 27. Januar 1866 lagen. Dass sie dabei die Geschehnisse zunehmend vom Text in die Kapitelzusammenfassungen verlegt, bis diese fast länger sind als das Folgende, gehört zu den vielen augenzwinkernden Spielereien, mit denen die Autorin immer wieder verblüfft und amüsiert. Es ist ihre Art, den Leser bei der Stange zu halten, denn der Roman hat auf seinen tausend Seiten durchaus einige Längen. So unblutig die Verbrechen und so keusch die Liebe daherkommen, so unterkühlt wird auch von mächtigen Motiven wie Habgier, Machtstreben oder Geltungssucht erzählt. Die unbeteiligte und zugleich hochtrabende Erzählhaltung des ausschließlich in der "Wir"-Form sprechenden Schicksals, das alles weiß und alles sieht, aber nicht alles sagt, und bei dem, was es sagt, nichts empfindet, droht im Lauf des Romans von einem grandiosen Einfall zur Masche zu werden. Ein wenig fühlt man sich wie die zahlenden Teilnehmer bei Lydia Wells' Séance, die in "einem Ton, der sowohl leise wie verschwörerisch war", ein ums andere Mal gefragt werden, ob sie bereit seien, die bei solchen Totenbefragungen geltenden Regeln zu akzeptieren: ein "Vielleicht" würde hier zum sofortigen Ausschluss führen.

Eleanor Catton betrachtet ihren Schauplatz, die auf brüchigen Goldgräberhoffnungen in Windeseile erstandene Stadt Hokitika an der Westküste Neuseelands, wie eine große Theaterbühne, auf der sie Personen auf- und abtreten lässt. Dabei ist sie Autorin, Regisseurin, Dramaturgin, Bühnenbildnerin und Ausstatterin in einem. Auf die beiden letzten Aufgaben versteht sie sich grandios: wie sie Menschen, Kleidung, Zimmer, Häuser und Landschaften schildert, hat kinematographische Qualität. Insgesamt jedoch beherrscht diese frappierend souveräne und mit allen Wilkie-Collins-Wassern (ein Vorbild der "Gestirne" ist dessen Roman "Die Frau in Weiß") gewaschene Autorin ihre Themen, ihren Schauplatz und ihre Figuren (und deren Horoskope) derart genau, dass sich die Unfreiheit irgendwann überträgt.

Walter Moody, im ersten und längsten Teil als reiner Zuhörer gewissermaßen Stellvertreter des Lesers im Roman, fasst nach Manier des Klassenbesten den Eindruck, womöglich geschickt manipuliert zu werden, so zusammen: "Ich behaupte, dass es keine ganzen Wahrheiten gibt, sondern nur Wahrheiten in Bezug auf etwas - und das, darin werden Sie mir zustimmen, ist immer eine Frage der Perspektive. Ich glaube nicht, dass irgendeiner von Ihnen sich heute Abend einen Meineid hat zuschulden kommen lassen. Ich bin sicher, dass Sie mir die Wahrheit erzählt haben und nichts als die Wahrheit. Aber Ihre Perspektiven sind sehr zahlreich, und Sie werden mir verzeihen, wenn ich Ihre Geschichte nicht als ein Ganzes auffasse."

Derartige Zweifel werden ebenso kalkuliert eingestreut wie die zahlreichen apodiktisch vorgetragenen Charakterisierungen der Personen, auf die man indes nicht viel geben darf, da alle Figuren Einflüssen unterworfen sind, die je nach himmlischer Konstellation gute Anlagen in schlechte Eigenschaften und umgekehrt niedere Instinkte in hehre Motive ummünzen können. Und den Mangel an kosmischer Fürsorge durch Liebe zu ihren Figuren zu kompensieren, ist Cattons Sache nicht.

Etwas eintönig wird auf Dauer das Prinzip des Zusammentreffens, dem jegliche Handlung des Romans unterworfen ist - wie auf dem Theater eben. Introspektion, Entwicklung und tiefe Gefühle, also die Urelemente der Literatur, hält Catton in ihrem 19.-Jahrhundert-Imitat eher kurz. Dass sie diese durchaus beherrscht, zeigen Passagen wie jene, in der wir von der anrührenden Zuneigung des schwerfälligen Hoteliers Edgar Clinch zu der nichtsahnenden Anna erfahren, oder in den zwischen Anhänglichkeit und Unterwürfigkeit changierenden Briefen, mit denen der verstorbene Crosbie Wells einst eine brüderliche Beziehung zu dem Politiker Alistair Lauderback aufzubauen suchte.

Womöglich steht dem Roman am Ende seine eigene Ambition im Weg. Denn dahinter verbirgt sich eine Eigenschaft, die allen Künstlern gerne zugestanden wird, aber in ihren Werken möglichst nicht spürbar sein sollte: Eitelkeit. Je länger die Lektüre währt (und sie währt sehr lang), umso mehr drängt sich der Eindruck auf, dass hier jemand unbedingt einen Coup landen wollte - was der bislang jüngsten Booker-Preisträgerin 2013 denn auch gelang. Mit etwas weniger Kontrolliertheit, Absicht und Perfektion hätte aus diesem beeindruckenden Wurf über das Zusammenspiel von Zufall und Schicksal ein wahres Lieblingsbuch werden können. So aber bleibt es bei jener distanzierten Bewunderung, mit der man auch den Lauf der Sterne und Planeten betrachtet. Die vielfach ausgezeichnete Melanie Walz hat den Roman in ein farbenprächtiges, dabei leicht formelles Deutsch gebracht, das seinem historisierenden Gestus absolut entspricht.

Eleanor Catton: "Die Gestirne". Roman.

Aus dem Englischen von Melanie Walz. btb Verlag, München 2015. 1040 S., geb., 24,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Starke Frauen sind das Gesetz

Sechs erstaunliche Bücher machen diesen Herbst zu einem Lesefest. Und das sind nicht einmal die erwartbar gewichtigen Romane großer Autoren, die ebenfalls zu dieser tollen Saison beitragen.

Dieser Bücherherbst dürfte selbst für Vielleser mit Schnelllesebegabung eine Herausforderung werden. Lange gab es keine ähnlich dicht mit Spitzentiteln gespickte Saison. Das Gerangel um Aufmerksamkeit wird dementsprechend beträchtlich sein; wie viel für die Verlage dabei auf dem Spiel steht, mag man auch daran erkennen, dass die in den letzten Jahren immer beliebter gewordene Strategie, einzelne besonders wichtige, also auch teure Titel erst nach der Buchmesse zu lancieren, damit sie im Weihnachtsgeschäft reüssieren, in diesem Jahr auffällig verbreitet ist.

Vor allem die internationale Literatur glänzt mit großen Namen und gewichtigen Umfängen: Den Anfang macht Kazuo Ishiguro mit dem mythisch aufgeladenen Kraftwerk aus der Frühzeit Britanniens, "Der begrabene Riese" (31. August, Blessing), gefolgt von Jonathan Franzen, der in "Unschuld" (4. September, Rowohlt) von der DDR durchs Internet bis nach Bolivien der unweigerlichen Verdunklung jugendlicher Ideale nachspürt. "Der schmale Pfad durchs Hinterland" (14. September, Piper), der mit dem letztjährigen Booker-Preis ausgezeichnete Roman des tasmanischen Autors Richard Flanagan, versetzt den Leser in ein japanisches Gefangenenlager während des Zweiten Weltkriegs. Der norwegische Schriftsteller Karl Ove Knausgård, der sich dem Leben ausliefert wie ein Extremsportler den Elementen, führt mit "Träumen" sein autobiographisches Erzählprojekt fort (21. September, Luchterhand). Der Spanier Javier Marías bietet in "So fängt das Schlimme an" (S. Fischer, 24. September) ein Mysterienspiel um Liebe und Eifersucht.

Sodann lässt Richard Ford sein Alter Ego Frank Bascombe in "Frank" (28. September, Hanser Berlin) die Nachwirkungen von Hurrikan Sandy für Amerika begutachten. Seit 2012 mit "Der weiße König" sein multiperspektivischer Einblick in die Ceausescu-Diktatur erschien, gilt der junge ungarisch-rumänische Autor György Dragoman als eine der ganz großen Stimmen Osteuropas: "Der Scheiterhaufen" (6. Oktober, Suhrkamp) wird zeigen, wie berechtigt diese Hoffnungen sind. Und gleich nach der Buchmesse erscheint das neueste Verwirrspiel von Italiens Großmeister Umberto Eco ("Nullnummer", 19. Oktober, Hanser).

Man kann diese - übrigens durchweg männliche - Phalanx großer Namen als Verheißung betrachten, aber auch als Bedrohung. Denn in ihrem Schatten - und jenem der Long- und Shortlists einflussreicher Preise - sind andere großartige Bücher leicht zu übersehen. Und weil es auf die ewige Frage "Was soll ich lesen?" in den nächsten Monaten viele einschlägige Antworten gibt, beschäftigt sich diese Vorschau auf den Herbst lieber mit sechs Lektüren für den zweiten Blick. Sie stammen von sechs erstaunlichen Autorinnen.

Den Anfang macht die Engländerin Jane Gardam, die mit 87 Jahren ihr Debüt auf dem deutschen Buchmarkt gibt: "Ein untadeliger Mann" (24. August, Hanser Berlin) erzählt von Sir Edward Feathers, genannt Old Filth. Der Ausdruck "Filth" steht in seinem Fall für "Failed in London, Try Hong Kong" und hat nichts Schmutziges an sich, im Gegenteil: Old Filth oder Sir Edward ist nicht nur äußerlich "sagenhaft sauber" bis zum reinweißen "Rand seiner alten Fingernägel", sondern erscheint auch sonst wie der dezent nach Blenheim Bouquet duftende Inbegriff des englischen Gentleman, diszipliniert, arbeitsam, wortkarg, als Anwalt und späterer Richter in seiner Zunft legendär.

Zu Beginn des Romans, der den Auftakt einer Trilogie über den Niedergang des Britischen Empire bildet, ist Filth frisch verwitwet, als ihn im Ruhestand auf dem englischen Land ein zweiter Schock ereilt: Ausgerechnet Terry Veneering, sein Rivale im Berufs- wie im Privatleben, zieht ins Haus nebenan. Doch diese alte Fehde bildet nur den Rahmen der eigentlichen Geschichte von Eddie Feathers, die von Malaysia nach Wales und auf eine englische Privatschule führt, wo der mutter- und recht eigentlich auch vaterlose Junge erstmals eine Art von Familie findet. Gardam erzählt die brutale Geschichte dieser Raj-Waise (auch Rudyard Kipling war eine solche), die sich überall fremd und "ohne Hintergrund" fühlt, auf mehreren Zeitebenen und in genau nuancierten Abstufungen von Sand, Creme und Beige mit viel Feingefühl und Empathie, aber zugleich jenem Gran urenglischer, stählerner Ironie, die diese Lektüre dunkler Erfahrungen zu einer hellen Freude macht.

"Wo sind Sie aufgewachsen? Welches ist Ihre Muttersprache? Wie viele Menschen gehörten zu Ihrer Familie? Wie sah die Wohnung, das Haus aus, in dem Sie aufwuchsen? Wie haben sich Ihre Eltern kennengelernt? Was gab es zu essen?" Das sind nur einige Fragen, die Richard, einen jüngst emeritierten Altphilologen, umtreiben, seitdem er zum ersten Mal bewusst Asylsuchende mitten in Berlin wahrgenommen hat. Sie treiben ihn in eine zum Flüchtlingsheim umfunktionierte Kreuzberger Schule und potenzieren sich dort noch: "Wann sind Sie aus Ihrer Heimat weggegangen? Warum? Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer Familie? Was haben Sie mitgenommen? Wie haben Sie sich Europa vorgestellt? Was ist anders? Wie verbringen Sie Ihre Tage? Was vermissen Sie am meisten?" Richard, der Homer-Kenner, begibt sich auf seine eigene Odyssee, um Antworten zu bekommen: Jenny Erpenbeck, die geschätzte Autorin von Werken wie "Heimsuchung" und "Aller Tage Abend", hat mit "Gehen, ging, gegangen" (31. August, Knaus) einen beklemmend aktuellen Roman geschrieben über die neuen Nachbarschaften mitten im alten Europa, jenem Warteraum der Politik, in dem die provisorischen Leben der Eingereisten an die rundum eingerichteten, durchgetakteten Leben der Beheimateten grenzen. Doch der Roman ist weit mehr als ein Zeugnis von Nächstenliebe, Scham und Ratlosigkeit. Jenny Erpenbeck weicht den Konflikten, die die Annäherung der Kulturen mit sich bringt, nicht aus. Und was am Ende aufscheint, nämlich Gemeinschaft und Solidarität, erwächst nicht aus guten Absichten allein.

Die Werke der Israelin Zeruya Shalev strahlen stets etwas Unbeirrbares, ja Störrisches aus; es ist die geradezu zwanghafte Emotionalität ihrer Literatur, an der sich die Geister scheiden. Auch in "Schmerz" (14. September, Berlin Verlag) ist der Ton ihrer Ich-Erzählerin Iris rastlos: Seitdem sie vor zehn Jahren bei einem Terroranschlag schwer verletzt wurde, ist ständiger Schmerz ihr Begleiter. Ihre Ehe mit Micki, der an besagtem Tag wieder einmal zu sehr mit einer Partie Schach beschäftigt war, um die Kinder zur Schule zu bringen, scheint am Ende, die Tochter ist aus dem Haus, der Sohn auf dem Sprung. Just als sie das Vakuum im Inneren mit gesteigerter Gehetztheit zu verdrängen sucht, trifft Iris ihre Jugendliebe Eitan wieder, und mit einem Mal scheint ein Neuanfang in greifbarer Nähe. Stoff, Protagonistin, Sprache - zunächst scheint "Schmerz" ein typischer Shalev-Roman. Doch dann gerät mehr ins Wanken als Iris' Selbstgerechtigkeit. Diesmal geht es nicht allein um die Schuld, die fast jede neue Liebe unter Erwachsenen begleitet, sondern auch um die Notwendigkeit, ja sogar Genugtuung von Verzicht. Am Ende erweist sich Iris als die reifste Heldin, die Shalev bisher schuf.

Die Amerikanerin Dorothy Baker war zeit ihres Lebens "sehr traurig und ziemlich deprimiert" über ihre schiefe literarische Karriere. Zwar hatte ihr erster Roman "Young Man with a Horn" 1938 durchaus Erfolg und wurde sogar verfilmt, doch konnte sie mit ihren folgenden Büchern nie daran anknüpfen. Dass Carson McCullers zu den Bewunderern von "Zwei Schwestern" von 1962, ihrem vierten und letzten Roman, gehörte, verwundert nicht angesichts des zielstrebigen, unzimperlichen Tons und der philosophischen Grundierung des Werks, war aber für Baker kein Trost. Als die Autorin 1968 starb, hinterließ sie keine große Trauergemeinde.

Vor einigen Jahren wurden ihr erster und ihr letzter Roman in den Vereinigten Staaten neu aufgelegt, jetzt erscheint "Zwei Schwestern" auch bei uns (23. September, dtv). Es ist eine Art dramatische Variante des Filmklassikers "Die Nacht vor der Hochzeit". Erzählt wird - mal von der einen, dann von der anderen - die Geschichte der Zwillinge Cassandra und Judith, zugespitzt auf jenes Wochenende, an dem Judith heiraten will. Cassandra empfindet diesen Schritt als Aufkündigung der schwesterlichen Symbiose, die stets über solchen Durchschnittserwägungen existiert hatte; indem sie die schwesterliche Eintracht in all ihrer Intensität und Selbstgenügsamkeit noch mal heraufbeschwört, sucht sie Judith umzustimmen. Als dies misslingt, greift sie zu drastischeren Mitteln: Sie belauscht ein Telefonat zwischen Braut und Bräutigam, will den künftigen Schwager vom Zug abholen und sich als Judith ausgeben, schließlich erscheint eine Übersprunghandlung als letzte Chance.

"Sarahs Gesetz", das für mich beglückendste und klügste, zärtlichste und nachhallendste Buch dieser Saison, ist kein Roman (5. Oktober, S. Fischer), sondern ein Porträt, ja ein Doppelporträt. Es enthält wichtige Mosaiksteine der viel größeren Geschichte der Malerin Sarah Schumann, und zu dieser wiederum gehören signifikante Teile der Geschichte der Schriftstellerin Silvia Bovenschen. Seit vierzig Jahren teilen die beiden ihre Leben; zusammen in Berlin leben sie erst, seit ein weiterer Schub ihrer Multiple-Sklerose-Erkrankung es Silvia Bovenschen vor bald zehn Jahren unmöglich machte, in ihre Frankfurter Wohnung zurückzukehren.

Bovenschen verzichtet darauf, dieses Werk der Liebe und des Dankes, der Erinnerung und der Gegenwart an eine Begriffsleine zu legen, wie überhaupt in diesem Buch kein Wort zu viel gemacht wird. "Sarahs Gesetz" handelt vom Wesentlichen zwischen zwei Menschen: dem, was man voneinander wissen kann, dem, was verborgen bleiben muss, und dem, was erfühlt werden darf. Sie wolle nicht eine Wahrheit der Sarah Schumann ausstellen, schreibt Silvia Bovenschen. "Ich will einzig meine liebe Freundin als Erlebnis meines Lebens erstehen lassen." Das gelingt ihr, indem sie schlaglichtartig aus beider Leben erzählt, von den Kriegserlebnissen der zwölf Jahre älteren Gefährtin, von eigenen Kindheitserinnerungen, von Sarahs Weg zur Kunst, von ihrer Malerei, von einer kurzen Ehe und dem Versuch, sich als Frau allein in Italien durchzuschlagen.

Wer ihr "Älter werden" gelesen hat, weiß um Bovenschens Gabe, schreibend unter Tränen zu lachen. Auch "Sarahs Gesetz" ist ganz persönlich und dabei vollendet diskret, mal witzig, mal rauh, immer wahrhaftig. Die Intimität liegt im Ton, nicht im Mitgeteilten. Mit diesem Buch hat Silvia Bovenschen ein Gedächtnis-Bildnis geschrieben, wie Sarah Schumann sie malt und sie selbst sie einmal beschrieben hat: im Wechsel zwischen überscharfer Kontur und Schemenhaftigkeit den Menschen in seiner Einzigartigkeit vergegenwärtigend, immer changierend zwischen innerer Gewissheit und unfassbarer Flüchtigkeit.

Im Mittelpunkt von "Die Gestirne" (9. November, btb) - wenn man einen solchen denn überhaupt ausmachen kann in dieser Wundertüte von Roman, der in deutscher Übersetzung mindestens tausend Seiten haben wird - steht eine Liebesgeschichte, so unwahrscheinlich wie das Zusammenkommen von Sonne und Mond. Die komplexe Handlung, die von Sternbildern und Planetenstellungen überzeugend gesteuert wird, setzt ein am 27. Januar 1866 - "Merkur im Haus des Schützen" - im Rauchzimmer des Crown Hotels in Hokitika, einer Goldgräberstadt im wilden Südwesten Neuseelands. Die Ankunft des jungen Schotten Walter Moody nach langer und beängstigender Überfahrt bringt die Erzählung einer großangelegten Verschwörung in Fahrt, die sich in Duktus und Farbigkeit, Kapitelankündigungen und Namensgebungen lustvoll ostentativ an die große englische Literatur des neunzehnten Jahrhunderts anlehnt, von Dickens über Brontë bis Conrad, sich dann aber immer weiter und rasanter verästelt, so dass der Leser sich gelegentlich fragt, ob alles noch mit rechten Dingen zugeht: Die Protagonisten und Perspektiven wechseln, vermeintliche Gute erweisen sich als Fieslinge, Bösewichte als liebenswürdig, und außer auf die Astrologie scheint auf nichts Verlass.

Die junge Neuseeländerin Eleanor Catton - in wenigen Wochen wird sie dreißig - hat mit "Die Gestirne" einen so altmodischen wie berückend zeitgemäßen Roman über den uralten Dialog zwischen Zufall und Schicksal verfasst. Er wird gespeist aus einem staunenswerten Überfluss an Ideen und Talent, ist dabei gelehrt, unterhaltsam und sehr, sehr witzig.

FELICITAS VON LOVENBERG

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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