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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: Patricia
Wohnort: Kehl
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Danksagungen: 4 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 19 Bewertungen
12
Bewertung vom 12.06.2021
Die fremde Spionin / Die Spionin Bd.1
Müller, Titus

Die fremde Spionin / Die Spionin Bd.1


ausgezeichnet

Ich war überzeugt davon, dass mich kein Buch über die deutsch-deutsche Geschichte mehr überraschen, geschweige denn faszinieren könnte. Ich sollte mich irren.
Der erste Teil der Trilogie von Titus Müller „Die fremde Spionin“ ist nicht nur spannend und mitreißend, sondern liefert auch historische Details über das DDR-System, über die ich bislang kaum etwas oder gar nichts wusste, wie etwa die KoKo: Die Kommerzielle Koordinierung, deren Ziel es war, außerhalb des Staatsplanes Devisen zu besorgen.
Die Hauptfigur des Romans, die in Ost-Berlin lebende Ria Nachtmann, kennt lange Zeit nur das Bild der DDR, das die sozialistische Staatsführung preisgibt. Als sie aber als Sekretärin im Ministerium für Außenhandel angestellt wird, erfährt sie schnell und viel über die politischen Vorgänge und Machenschaften zwischen Westen und Ost. Sie wird - aus einem privaten und sehr nachvollziehbaren Grund - Spionin für den BND, was ihr Leben weit stärker verändern wird als sie es sich jemals vorgestellt hätte.
Rias Alltag mitsamt ihren Ängsten, Hoffnungen und Sehnsüchten ist so greifbar beschrieben wie der allgegenwärtige Mangel an Alltagsprodukten in der DDR. Auch der Gegensatz von BRD und DDR wird sprachlich so gut veranschaulicht, dass geradezu der Eindruck entsteht, eine untertitelte Fotoreportage vor sich zu haben. Und was mich besonders beeindruckt hat: Titus Müller gelingt es, historische Zusammenhänge und Erklärungen so geschickt in den Text einzubauen, dass dadurch nie der Lesefluss, geschweige denn die Spannung, dieses thrillerhaften Romans unterbrochen wird.
Kommenden Sommer wird der zweite Band veröffentlicht, 2023 der dritte. Ich zähle jetzt schon die Tage, bis es soweit ist.

Bewertung vom 05.04.2021
Stürme des Lebens / Die Insel der Wünsche Bd.1
Jessen, Anna

Stürme des Lebens / Die Insel der Wünsche Bd.1


sehr gut

Tine Tiedkens weiß, wie anstrengend, ermüdend und erniedrigend das Leben in den ärmsten Hamburger Vierteln Ende des 19. Jahrhunderts ist. Der stechende Hafengeruch, der nie enden wollende Hunger, die bittere Erkenntnis, den Anforderungen ihrer Eltern nicht zu genügen.
Die Heldin des Romans leidet und kämpft, fällt hin und steht wieder auf, sie lässt sich nie nicht unterkriegen und verfolgt die Hoffnung auf ein besseres Leben mit einer beeindruckenden Mischung aus Naivität, Ehrgeiz und Sehnsucht.
In Anna Jessens Roman „Die Insel der Wünsche“ bekommt der/die Leser*in einen tiefen Einblick in den Alltag des Blumenmädchens Tine – ihr Leid, ihre Niederlagen, ihre bitteren Erfahrungen sind so nachvollziehbar, dass das Lesen oftmals schmerzt – aber gleichzeitig sorgen Tines Erfolgserlebnisse, der Geruch der Blumen in ihrem Korb und ihr Streben nach Glück für die hellen und lebenswerten Momente.
Tine gelingt es, den ärmlichen Verhältnissen zu entkommen und sich auf Helgoland einen respektablen Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen, ganz ohne dabei abzuheben und ihre Vergangenheit zu vergessen. Vielmehr schätzt sie das, was ihr geschenkt wird: die Welt zu erkunden, Liebe zu erfahren und ein ansehnliches Leben zu führen.
Für meinen Geschmack driftet der Roman jedoch oft in zu romantische Phrasen und langatmige Passagen ab – ein Hauch mehr nordischer emotionaler Kühle und würziger Kürze hätten dem Buch gutgetan.

Bewertung vom 06.01.2021
Ein Fluch so ewig und kalt / Emberfall Bd.1
Kemmerer, Brigid

Ein Fluch so ewig und kalt / Emberfall Bd.1


sehr gut

Es ist eine perfekt konstruierte magische Welt - und gleichzeitig doch nicht. Die Welt voller Zauberer, Prinzen, Soldaten und Ungeheuern ist nämlich weitaus realer, als man sie sich in Fantasy-Büchern vorstellt. Schon nach wenigen Seiten wird der Leser selbst Teil des Königreiches von Emberfall. Und wie es sich für ein Königreich gehört, steht das traditionelle Ringen von Gut und Böse an der Tagesordnung – mit einem Unterschied: Immer wieder gibt es Berührungspunkte zum realen Alltag und einigen Bewohnern in Washington D.C. Erstaunlicherweise stört das Überschreiten der Welten aber den Lesefluss nicht im Geringsten.
Der Leser kämpft mit Prinz Rhen und der bürgerlichen, aus Washington D.C. stammenden Harper, gegen den unsäglichen Fluch der Zauberin Lilith. Auf dem Schloss des Prinzen passt alles zu dieser verwunschenen, dem Fluch ausgelieferten Stimmung: Die üppigen Essenvorräte, die sich von selbst wieder auffüllen, die Musik, die sich Tag für Tag automatisch wiederholt und durch die Räume hallt, die Gegenstände, die - selbst, wenn sie zu Bruch gehen - alsbald wieder intakt auf ihrem ursprünglichen Platz stehen.
Obwohl vom ersten Augenblick kein Zweifel daran besteht, dass das Gute gewinnen wird, so behält sich die Autorin doch die ein oder andere Überraschung und unerwartete Wendung vor. Wer der Corona-Realität für einige Zeit entkommen will, gelingt das mit „Ein Fluch so ewig und kalt“ problemlos.

Bewertung vom 25.10.2020
Der Fremde aus Paris
Hammad, Isabella

Der Fremde aus Paris


gut

Ich müsste von diesem Roman, der vor Kraft, vor der Liebe zum Detail und vor historischen Hintergründen nur so strotzt, begeistert sein. Ich müsste durch die lebendigen Dialoge, die emotionalen Ereignisse und die bewegenden Hauptfiguren alles um mich herum vergessen und in der Zeit rund um den Ersten Weltkrieg vertieft sein.
All das gelingt mir aber nicht. Ich kann mich auf diesen viel gelobten Roman nicht richtig einlassen, ich werde weder mit der Handlung noch mit den Figuren warm. Dabei ist die Herangehensweise der Autorin Isabella Hammad überwältigend: Es gibt ein Personenverzeichnis und die historischen Begebenheiten sind so realitätsnah, dass man das Gefühl hat, um 100 Jahre in der Geschichte zurückgeworfen worden zu sein. Die Themen, die behandelt werden, sind auch heute noch von Bedeutung: Es geht um Interkulturalität, Wissenschaften, Nationalgefühle, Religionen und um die Stärke der Liebe.
Mir persönlich ist das Werk aber zu kleinteilig, die Gespräche zu ausführlich, die Handlung kommt mir zu langsam voran und die Liebesgeschichte ist mir nicht plausibel genug. Und dennoch: Der Schreibstil, die Leichtigkeit der Sprache und die Idee der Geschichte beeindrucken mich.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 16.05.2020
Vardo - Nach dem Sturm
Hargrave, Kiran Millwood

Vardo - Nach dem Sturm


gut

Dies ist kein Buch für zarte Gemüter. In dem Roman, der den Leser ins Norwegen des 17. Jahrhunderts versetzt, dominieren der Überlebenswillen, Schmerz, Kälte und der unerbittliche Kampf der Kirche gegen das Gottlose. Kiran Millwood Hargrave beschreibt die damaligen kargen Lebensverhältnisse, die Sorgen ihrer Figuren und die Macht der Natur überzeugend, detailreich und gefühlvoll. Und dennoch: Es ist ein düsteres Buch, keines, das ich entspannt lesen konnte, eher eines, das ich regelmäßig weggelegt habe, um wieder durchatmen zu können. Das Leid der im Mittelpunkt stehenden Frauen schmerzt fast physisch und auch die Themen sind dunkel: Der Tod vieler Ehemänner, Väter und Brüder in einem gewaltigen Sturm, Hexenverbrennungen und der Kampf der Frauen gegen die Dominanz der Männer. Obwohl mich das Meer, die Gezeiten und die Landschaften der skandinavischen Länder schon immer fasziniert haben, werde ich mit der Inselstadt Vardø, wie sie im Roman beschrieben wird, nicht warm. Die bildreiche Sprache der Autorin zieht mich zwar in ihren Bann und lässt mich mit ihren Romanhelden zittern und leiden, hinterlässt aber gleichzeitig einen unheimlichen Nachgeschmack - der für andere aber sicher leichter zu verdauen ist.

Bewertung vom 02.12.2019
Wintervanille / Kalifornische Träume Bd.1
Inusa, Manuela

Wintervanille / Kalifornische Träume Bd.1


gut

Es ist ein Buch für kalte Winterabende. Ein Buch, das versucht, den Alltagsstress auszublenden, indem der Leser in das warme Kalifornien gezogen wird. Im Roman „Wintervanille“ stehen vor allem zwei Dinge im Mittelpunkt: die Liebe mitsamt ihren schönen Momenten aber auch den Sorgen oder Zweifeln und süße Vanille-Prodkukte, die die Hauptfigur Cecilia Jones auf ihrer Vanillefarm selbst herstellt.
Cecilias Leben besteht aus Leidenschaft für Rezepte, Backideen und dem Ansporn, den intensivsten und besten Vanille-Geschmack zu finden. Sie liebt es, ihr Umfeld damit zu verwöhnen. Und natürlich sollte ein wunderbarer Mann an ihrer Seite, der all das zu schätzen weiß und wiederum Cecilia verwöhnt, nicht fehlen. Dementsprechend oft wimmelt es in dem Roman von Manuela Inusa nur so von Geruchs- und Back-Beschreibungen und romantischen Landschaftsbildern und leider auch von oft kitschigen Vorstellungen der idealen Liebe. Man merkt, dass die Autorin viel und gut recherchiert hat, aber mir sind die Charaktere zu einfach gestrickt und die Handlung zu vorhersehbar. Als Zeitvertreib genau das richtige Buch, aber nichts für jemanden, der überraschende Wendungen und etwas Prickelndes braucht.

Bewertung vom 05.08.2019
Neun Fremde
Moriarty, Liane

Neun Fremde


gut

Die Idee an sich ist charmant: Neun Menschen, die sich nicht noch nie zuvor gesehen haben, nehmen an einem Wellness-Aufenthalt teil – und in dem luxuriösen Ressort steht nicht nur Entspannung und gesundes Essen auf dem Programm, sondern auch nichts weniger als die absolute Reinigung der Seele jedes einzelnen. Die Teilnehmer könnten unterschiedlicher kaum sein, die Autorin Liane Moriarty beschreibt sie mit all ihren Vorteilen, Macken und Gedankengängen ausführlich und süffisant zugleich. Die neun sinn- und lösungssuchenden Fremden wären für jeden Psychotherapeuten eine Herausforderung, so skurril sind ihre Lebensgeschichten und Probleme.

Die ersten gut 200 Seiten sind faszinierend und nachvollziehbar - auch wegen Moriartys lockerem und flottem Schreibstil und dem regelmäßigen Perspektivenwechsel, bei dem immer aus der Sicht einer der Wellness-Teilnehmer oder der Wellness-Mitarbeiter erzählt wird. Alles, was im Alltag eine Rolle spielt, wird thematisiert: Die Angst des Älterwerdens und des Scheiterns, der überhand nehmende Schönheitswahn, die Macht der sozialen Medien, Geldsorgen, Drogen, Depressionen und Krankheiten und natürlich auch Beziehungsprobleme. Die eine oder andere Frage, die sich die Teilnehmer stellen, passt mit Sicherheit auch zum Leser des Romans, ganz so als wäre es ein Horoskop, bei dem jeder einen für sich zutreffenden Satz findet.

Aber dann entwickelt sich das Buch für meine Verhältnisse in eine absurde und pseudo-dramatische Richtung. Sicherlich spitzt Moriarty die Handlung absichtlich zu, geradezu perfekt, um daraus eines Tages eine quotenstarke Fernsehserie zu machen. Aber ich kann das Buch nicht mehr ernst nehmen, besonders auch deswegen, weil zu viel zu gewollt und happy-end-mäßig wirkt. Was wirklich schade ist, weil man merkt, wie viel Recherche-Arbeit in diesem Buch steckt, wie viel Zeit die Autorin investiert hat, um die einzelnen Themen wissenschaftlich korrekt wiederzugeben. Wen Realitätsfremdes und Seifenopern-Stil nicht stört, den wird dieses Buch begeistern.

Bewertung vom 22.05.2019
Das Haus der Verlassenen
Gunnis, Emily

Das Haus der Verlassenen


ausgezeichnet

Drei Frauen, drei Leben, drei Schicksale. Ivy, Sam und Kitty könnten unterschiedlicher kaum sein und dennoch: Es hängt alles enger miteinander zusammen als den Hauptfiguren lieb ist. Obwohl die Handlung vor 60 Jahren beginnt, fühlt der Leser sich von Anfang an, als wäre er selbst in diesem düsteren Mutter-Kind-Heim im britischen Sussex gewesen. Als hätte er all das Leid, dass die Frauen und Mädchen dort erleben mussten, selbst miterlebt. An mehreren Stellen fällt es schwer weiterzulesen, so präzise schildert die Autorin Emily Gunnis in ihrem Roman „Das Haus der Verlassenen“ die Torturen, die die jungen Mütter und Babys über sicher ergehen lassen mussten.
Man merkt, dass Gunnis eine erfahrene Drehbuchautorin ist: Die drei Geschichten, die pro Kapitel abwechselnd aus der Sicht der drei Hauptfiguren erzählt werden, finden in der Gegenwart zusammen. So entsteht ein packender Plott, bei dem jeder Schweißtropfen auf der Stirn, jedes Blätterrascheln, jedes Baby-Weinen geradezu real wirkt – als wäre die Wirklichkeit verfilmt worden. Die Handlung ist zwar fiktiv, aber sie basiert auf wahren Lebensgeschichten und Recherchen der Autorin. Die historischen und sozialen Zusammenhänge zeugen davon, dass Gunnis lange und genau recherchiert und dass sie das Geschehene nicht kalt gelassen hat. Sorgen, Aussichtslosigkeit und Hoffnung liegen dabei ganz dicht beieinander. Aber so überzeugend der Roman auch aufgebaut ist, ab und zu muss man doch ein paar Kapitel zurückblättern, um die Verbindungen zwischen den einzelnen Personen zu verstehen und sich nicht in den Verwicklungen zu verlieren.

Bewertung vom 19.02.2019
So schöne Lügen
Burton, Tara Isabella

So schöne Lügen


gut

Es ist alles nur Schein. Nichts ist, wie es scheint - diese zwei Sätze gehen mir regelmäßig durch den Kopf, als ich das Buch „So schöne Lügen“ von Tara Isabella Burton lese. Es ist ein Roman voller Kontraste: Oberflächlichkeit trifft auf (Pseudo)-Tiefgründigkeit, der Hype um soziale Medien auf klassische Musik, die Oberschicht will sich vom Pöbel abheben, die glanzvolle Großstadt New York tritt als Gegensatz zu langweiligen Provinzdörfern auf, die vermeintlich liebevolle Hauptfigur entpuppt sich als kleines Monster. Das Spannende daran: Diese Kontraste passen in den Lesefluss, sie stoßen sich nicht gegenseitig ab, sie sind wie ineinandergeflochten.
Die aus einfachen Verhältnissen und aus der Provinz stammende Louise lernt die New Yorkerin und Tochter reicher Eltern, Lavinia, kennen. Lavinia verkörpert nach Louises Meinung alles Erstrebenswerte: sie ist beliebt und bekannt, wohlhabend, wunderschön, zieht sich gut an und auf allen angesagten Partys in New York eingeladen. Das ist erst einmal oberflächlich, aber Burton gelingt es, genau diese Welt des Scheins, des Glamours, der Omnipräsenz der Sozialen Medien und des Hypes um das lebenswerteste Leben bloßzustellen. Am Anfang dachte ich, es sei unmöglich, den Alltag von zwei hippen Mädchen, die New York unsicher machen wollen, auf mehr als 300 Seiten so zu erzählen, ohne das Buch schon nach dem ersten Kapital zur Seite zu legen. Aber, ich sollte mich irren. Denn es ist eben nichts ist, wie es scheint. Und da die Autorin selbst aus New York stammt, führt sie den Leser gekonnt durch Bars, Clubs, Geschäfte und angesagte Kulturlocations.
Der Roman ist eine erfrischende Kritik an all denen, die glauben, unentbehrlich zu sein im Leben und die glauben, mit genügend Geld und den richtigen Kontakten und Einladungen zu Events habe man das perfekte Leben und somit auch das absolute Glück gepachtet. Vielleicht glauben das einige der Figuren im Buch - ebenso wie einige reale Menschen diesen Eindruck haben mögen. Als Leser aber stellt man seinen ersten Eindrück in Frage, die Meinung, die man glaubt zu haben, stellt sich einige Seiten weiter doch als falsch dar. Und man verfolgt den Aufstieg und Niedergang der Hauptfiguren voller Faszination, Misstrauen und Ekel gleichzeitig.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 20.11.2018
Traum des Lebens
Archer, Jeffrey

Traum des Lebens


sehr gut

Mein erster Gedanke stellte sich schon nach den ersten Seiten als falsch heraus: Das neue Buch von Jeffrey Archer „Traum des Lebens“ ist nicht nur ein Roman über einen russischen Migranten. Es ist auch eine Anleitung zu einer erfolgreichen Politikerkarriere, ein Krimi der besonderen Art, ein Werk über zeitgenössische Kunst und ein Buch, das anfangs fiktiv scheint, aber mit jeder Seite zunehmend historische Züge aufweist und – leider erschreckend oft – der Realität ähnelt.
Der Leser verfolgt das Leben des Russen Alexanders und seiner Mutter Elena nach ihrer Flucht aus Russland – und zwar über 30 Jahre hinweg, mit all ihren privaten und beruflichen Höhen und Tiefen. Das Faszinierende daran ist, dass Archer zwei Szenarien parallel durchspielt und auf mehr als 700 Seiten problemlos durchhält: In der einen Version landen Alexander und Elena in den USA, in der anderen Version in Großbritannien. Die Kapitel wechseln sich jeweils ab, ohne dass der Leser die Orientierung verliert. Beide Entwicklungen sind gleich spannend, beiden „Alexanders“ (der Einfachheit halber bekommen sie unterschiedliche Namen) folgt man, will sie verteidigen, leidet und freut sich mit ihnen. Archer schreibt so fesselnd, dass man sich das Leben in den USA und in England zwischen 1968 und 1999 bildlich vorstellen kann: den Alltag, die Sorgen, die politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Es ist ein Buch über Erfolg und Misserfolg, über die wahren Werte und Tugenden, über Freunde und Feinde, über all das, was wirklich zählt im Leben.
Archers eigener Hintergrund macht sich in „Traum des Lebens“ bemerkbar: Ebenso wie seine Hauptfigur studierte Archer an einer Elite-Universität, hat eine politische Laufbahn hinter sich, interessiert sich für Kunst und kennt um die weitreichenden Folgen von Finanz-Skandalen. Auch deswegen klingt Archer auf jeder Seite überzeugend, der Leser kann die Handlungen, Emotionen und Folgen des Geschehenen absolut nachvollziehen. Er zieht seinen Leser in den Bann einer Geschichte, die sich vom Kommunismus über den amerikanischen Traum bis hin zur Eisernen Lady zieht. Und das Ende ist mehr als überraschend.

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