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Benutzername: Bücherstadt
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Bewertungen

Insgesamt 113 Bewertungen
Bewertung vom 04.04.2020
Das Haus der Frauen
Colombani, Laetitia

Das Haus der Frauen


ausgezeichnet

Solène ist eine erfolgreiche Anwältin, deren Leben vollständig durch ihren Beruf bestimmt wird. Eigentlich macht sie ihre ganze Lebensplanung von ihrer Arbeit abhängig.
Doch als eines Tages ein Mandant mit einem Urteil unzufrieden ist und sich im Justizpalast in den Tod stürzt, fällt ihr gesamtes Leben zusammen. Sie hat einen diagnostizierten Burn-Out, der zunächst in einer Klinik behandelt werden muss und anschließend ist sie weiterhin auf Tabletten angewiesen.
Sie reflektiert ihr bisheriges Leben und sucht in gewisser Weise nach einem neuen Sinn. Ihr Art empfiehlt ihr, dass sie sich gesellschaftlich engagiert. So würde sie neue Kontakte knüpfen und findet eventuell eine Aufgabe, die sie erfüllt. Da sie früher viel und gerne geschrieben hat, meldet sie sich auf eine Anzeige, mit der ein öffentlicher Schreiber gesucht wird. Das erste Gespräch schreckt sie zunächst ein wenig ab und Zweifel kommen in ihr auf. Doch letztendlich nimmt sie die Aufgabe an und landet so im Haus der Frauen, einer sozialen Einrichtung für Frauen.
Das Haus der Frauen geht auf eine (wahre) Initiative von Blanche Peyron zurück, die in der Heilsarmee tätig war. Sie hat ihr ganzes Leben der Armee gewidmet. Gemeinsam mit ihrem Mann konnte Sie die Heilsarmee in Frankreich von einer kleinen Institution, die sogar bekämpft wurde, zu einer Einrichtung ausbauen, die ein wichtiger und angesehener Teil des sozialen Netzwerkes im Land wurde.
Laetitia Colombani erzählt die Geschichte der beiden Frauen in ihrem Buch parallel. Dabei geht sie behutsam und mit einem liebevollen Blick vor, verklärt aber die Probleme der beiden Frauen, die in ganz unterschiedlichen Zeiten gelebt haben, aber im Grunde genommen ähnliche Probleme hatten, nicht. Beide Frauen sind sehr starke Persönlichkeiten, die auf der Suche nach ihrem individuellen Weg sind.
Colombani schafft es mit einer guten Wortwahl und einer sehr verständlichen Satzkonstruktion eine Art Wohlfühl-Geschichte zu erzählen, die man gerade in der momentanen Zeit gut gebrauchen kann, da sie voller Solidarität und Verständnis ist.

Ich kann hier nur eine absolute Leeempfehlung aussprechen!

Bewertung vom 01.11.2019
Der Store
Hart, Rob

Der Store


ausgezeichnet

Was wäre, wenn ein Onlinehändler nicht nur Verkäufer wäre, sondern Einfluss auf alle unsere Lebensbereiche hätte? Wie würden wir mit einem wirtschaftlichen Giganten umgehen, der uns eine Lebensweise diktiert und direkten Einfluss auf die Politik nimmt?

In „The Store“ wird genau diese Situation beschrieben und auch kritisch beleuchtet. Cloud ist ein Onlinehändler, der sehr kleine mit einfachen Lieferdiensten angefangen hat. Mittlerweile hat er nur noch einen Konkurrenten, der allerdings gar nicht wirklich als Konkurrent angesehen wird. Cloud liefert alle Artikel des täglichen Bedarfs schnell und effizient per Drohne aus. Gleichzeitig ist der Händler aber auch der größte bzw. fast einzige Arbeitgeber in den USA. Zudem bietet er Wohnraum an und sorgt so dafür, dass die Mitarbeiter nah an der Arbeitsstätte leben. Der Alltag wird von der Firma bestimmt und Überwachung ist ein wichtiger Teil des Lebens bei Cloud. Auch wenn das immer wieder von den Verantwortlichen anders dargestellt wird.

Zinnia und Paxton sind beide neue Mitarbeiter und scheinen auf den ersten Blick einfach nur einen Job zu suchen. Doch eigentlich verfolgen beide unabhängig voneinander einen anderen Plan. Paxton wurde geschäftlich von Cloud in den Ruin getrieben und Zinnia hat einen geheimen Spionageauftrag bekommen. Beide nähern sich aus unterschiedlichen Beweggründen an.

Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Protagonisten erzählt. Dabei wird aufgrund der Sprache und der Struktur deutlich, dass es sich um völlig unterschiedliche Charaktere handelt und daher ist der Blick auf Cloud auch ein völlig unterschiedlicher. Das und die spannende Handlung machen das Buch zu einem richtigen Lesespaß, der einen aber auch zum Nachdenken anregt. Sind wir nicht schon vielleicht auf dem Weg in solch eine Zukunft?

Mir hat die Grundidee gefallen, ich fand die Entwicklung der Charaktere super und die Handlung war an keiner Stelle langweilig. Hinzu kommt eine sehr angenehme Erzählweise, die nicht zu langatmig ist, aber trotzdem ausreichend mit Bildern arbeitet.

Ich kann die Lektüre daher nur empfehlen.

Bewertung vom 24.06.2019
Nordlicht - Die Tote am Strand / Boisen & Nyborg Bd.1
Hinrichs, Anette

Nordlicht - Die Tote am Strand / Boisen & Nyborg Bd.1


ausgezeichnet

Nach dem Lesen des Klappentextes dachte ich zunächst, dass die Geschichte doch sehr einfallslos wirkt und war sehr kritisch eingestellt. Doch schnell hat mich die Autorin vom Gegenteil überzeugt und ich wollte unbedingt wissen wie die Geschichte weitergeht.

Grundsätzlich handelt es ich um die Geschichte einer deutschen Kommissarin und eines dänischen Kommissars. Beide haben es in dem ersten Band mit einem grenzüberschreitenden Fall zu tun, bei dem sich es sich um einen Mord an einer jungen Frau handelt. Ihre Leiche wird von zwei Jungen an einem dänischen Strand gefunden, mehrere Beweise deuten aber einen deutschen Bezug an.

Vibeke und Rasmus arbeiten gemeinsam mit einigen Kolleg*innen aus beiden Ländern an dem Fall und entdecken alleine, aber auch gemeinsam neue Spuren. Gleichzeitig gewöhnen sie sich natürlich auch ein wenig aneinander und lernen den jeweils anderen besser kennen.

Der klare und gleichzeitig sehr bildliche Stil der Autorin sorgt dafür, dass man sehr schnell in der Geschichte drin ist. An das Duzen der Personen untereinander gewöhnt man sich recht flink und die Protagonisten sind trotz ihrer Schwächen so sympathisch, dass man sie gleich näher kennenlernen möchte :-)
Die Geschichte ist zudem sehr spannend und macht Freude beim Lesen. Das liegt sicherlich auch daran, dass das Buch keine extrem ausschweifenden Erklärungen, etliche Nebengeschichten oder völlig unerwartete Wendungen enthält. Alles ist einfach klar dargestellt und trotzdem hoch interessant, da man wirklich erst sehr spät auf die Lösung kommt.

Fazit
Ein klassischer Krimi, den man nur empfehlen kann. Ich freue mich auf weitere Bände!

Bewertung vom 29.04.2019
Blind / Milla Nova ermittelt Bd.1
Brand, Christine

Blind / Milla Nova ermittelt Bd.1


weniger gut

Nathaniel ist ein junger Mann, der in einem Berner Dunkelrestaurant arbeitet und in seiner kleinen Wohnung gemeinsam mit einer Hündin lebt. Da er seit dem elften Lebensjahr erblindet ist, ist er auf die Hündin sehr stark angewiesen. Obwohl er im Alltag sehr gut zurechtkommt, benötigt er in manchen Fällen Hilfe einer sehenden Person. Daher benutzt er hin und wieder die App „Be my Eyes“, die nach einem Zufallsprinzip die Anfrage einer blinden Person an einen sehenden Helfer weiterleitet.
So ist Nathaniel auch an Carole weitergeleitet worden. Die beiden kennen sich bereits von einem gemeinsamen Test der App, den sie unter Begleitung einer Journalistin durchgeführt haben.
Doch dieses Mal verläuft der Kontakt nicht so harmonisch. Carole schreit plötzlich auf und dann bricht die Verbindung ab. Ist ihr etwas passiert? Ist sie vielleicht gestürzt oder wurde sie Opfer eines Vebrechens?
Nathaniel muss unbedingt herausfinden, ob es Carole gut geht. Und dafür benötigt er die Hilfe der Journalistin Milla.

Ich bin schon auf den ersten Seiten sehr kritisch an das Buch herangegangen, da ich selbst einige Menschen mit Seheinschränkungen kenne. Schon die App-Idee fand ich nicht gelungen, da es diverse Apps gibt, die solch ein Angebot haben und dafür keine sehende Person am anderen Ende benötigen. Mal ganz abgesehen von einem Datenschutzproblem. Dann dachte ich mir aber, dass die Geschichte ja vielleicht ganz spannend werden könnte oder die Charaktere überraschend gelungen sein könnten.
Leider muss ich sagen, dass ich weder mit der Struktur des Buches noch mit den Personen warm geworden bin.
Die Handlung, Wendungen und Figuren wirken sehr konstruiert und man taucht nur sehr schwer in die Geschichte in. Die Menschen sind sehr blass und man entwickelt kaum Interesse an ihnen. Auch im späteren Verlauf wird es nicht besser.
Der Lesefluss ist zwar aufgrund der gut verständlichen Satzstruktur ganz gut, aber es fehlt die Freude am Lesen und die Spannung, die ein Kriminalroman unbedingt benötigt.

Für ich wird das (leider) der erste und der letzte Fall für Milla Nova gewesen sein.

Bewertung vom 17.03.2019
Enola Holmes, 4 Audio-CDs
Springer, Nancy

Enola Holmes, 4 Audio-CDs


ausgezeichnet

Enola Holmes hat nicht nur einen bekannten Namen, sondern ist tatsächlich mit dem berühmten Detektiv verwandt. Sie ist das Nesthäkchen des Clans und gerade 14 Jahre alt geworden. Doch ausgerechnet ihr Geburtstag ist auch einer der schlimmsten Tage ihres Lebens. Denn nachdem ihr Vater vor zehn Jahre verstorben ist, verschwindet nun urplötzlich ihre Mutter.
Wie es zu einer Holmes passt, beginnt sie umgehend mit der Suche. Sie geht dabei nicht so analytisch vor wie ihr großer Bruder, sondern eher erst einmal praktisch. Doch nach und nach erkennt man, dass die etwas unkonventionelle Erziehung der jungen Dame von Vorteil war. Und als ihr dann auch noch der Fall des verschwundenen Lords in London vor die Füße fällt, merkt man, dass Enola in ihrem Element ist. Ihre Brüder tauchen hingegen nur kurz und eher beiläufig auf.
Trotzdem ist diese Geschichte aber nicht weniger spannend.

Das liegt auch daran, dass Nancy Springer nicht versucht die bekannten Geschichten über Sherlock Holmes zu imitieren, sondern einen ganz eigenen Kosmos entwirft, der nicht nur für junge Leser*innen spannend ist. Natürlich kann man sich als Leser*in, der/die in dem Alter der Protagonistin ist, vielleicht schneller in bestimmte Gedankengänge hineinversetzen. Aber da die Geschichte in der viktorianischen Zeit spielt und jeder auch irgendwann die Jugendphase durchlaufen hat, ist man auch nicht schnell in die Handlung eingetaucht. Die Sprache ist dabei recht frisch und angenehm. Sie wirkt nicht aufgesetzt oder krampfhaft einfach. Sie ist für interessierte Leser*innen einfach perfekt.

Luisa Wietzorek liest diesen sehr spannenden und gut verständlichen Text mit einer angenehmen Stimme vor, die hervorragend zu der Figur passt, die im Buch aus der Ich-Perspektive berichtet. Das Lesetempo ist sehr angenehm und man hat daher nicht das Gefühl, dass es schneller oder langsamer gehen könnte. Die Artikulation ist hervorragend und Luisa Wietzorek stellt auch die anderen Personen mit interessanten Personen dar. Einzig an ein paar Stellen sind die weiteren Personen etwas zu laut gegenüber der Protagonistin und man bekommt einen kleinen Schreck, wenn man Kopfhörer trägt. Natürlich sind das auch vielfach Situationen, in denen die Handelnden lauter sprechen, aber der Unterschied war doch teilweise etwas krass.

Fazit: Aus meiner Sicht handelt es sich um ein spannendes Buch, das in einer angenehmen Sprache geschrieben ist und sich somit in Textform gut Weglesen lässt. Das Hörbuch ist eine hervorragende Umsetzung, die ich nur empfehlen kann, weil Luisa Wietzorek eine äußerst angenehme Stimme hat und das Buch so vorliest, dass man sehr schnell und tief in die Geschichte eintauchen kann.
Ich freue mich schon auf weitere Teile!

Bewertung vom 25.01.2019
Für immer und einen Herzschlag
Murray, Tamsyn

Für immer und einen Herzschlag


ausgezeichnet

Bei Jugendbüchern, deren Schwerpunkt auch noch die erste große Liebe ist, bin ich meist etwas skeptisch, weil ich schon viele Werke erlebt habe, die einen eher verklärten Erwachsenenblick darstellen und weder sprachlich noch emotional ansatzweise auf einer Ebene mit der Zielgruppe sind. Da hier auch noch das Thema der Organspende hinzugefügt wird, hatte ich noch mehr Bedenken. Doch bereits nach wenigen Seiten hatte mich die Geschichte gepackt und es gab nur wenige Stellen, die ich mir etwas anders gewünscht hätte. Aber wer weiß, ob da nicht auch schon mein Krimi durch das Erwachsensein geprägt ist.

Jonny (15) hat einen Herzfehler, der nicht durch eine OP beseitigt werden kann. Fast sein ganzes Leben hat er in Krankenhäusern verbracht und jetzt kann ihm nur noch ein Spendenderz helfen. Zum Glück er hat er seine Freundin Em, die selbst an Leukämie leidet und daher weiß wie man sich mit einer schweren Krankheit in so jungen Jahren fühlt.

Nia lebt ein völlig anderes und vielleicht typisches Teenagerleben. Sie hat einen Bruder, der einfach perfekt ist. Leospielt Gitarre ist ein guter Sportler und sieht aus noch gut aus. Da ist es kein Wunder, dass seine Schwester eher im Hintergrund zu finden ist. Dann passiert etwas völlig unerwartetes und Leo stirbt. Da er bereits erwähnt hatte, dass er einmal seine Organe spenden möchte, folgen seine Eltern diesem Wunsch. Natürlich wird auch sein herz gespendet.

So beginnt die Geschichte von Jonny und Nia sich zu verweben. Jonny möchte etwas über den Spender herausfinden und stolpert so über Nia. Dass er sich verlieben würde und dies die ganze Geschichte nicht einfacher macht, konnte er nicht wissen.

Tamsyn Murray hat ein Werk erschaffen, dass sehr liebevoll mit den Themen umgeht, aber auch schonungslos die schwierigen Aspekte darstellt. Diese Kombination sorgt dafür, dass man an der Geschichte sehr interessiert ist und weiterlesen möchte, obwohl das Grundthema doch eher traurig ist. Dabei liest sich aufgrund einer angenehmen Satzlänge das Buch einfach und man kann auch in der Bahn mal ein Kapitel weglesen. Gleichzeitig fühlt man sich aber auch nicht unterfordert.
Aus meiner Sicht ist die Sprache dabei für jugendliche Leser sehr angemessen. Murray schafft es Worte zu wählen, die wie die jungen Leser noch zwischen Kindheit und Erwachsenenleben stecken.
Zudem gibt es immer wieder Wendungen in der Geschichte, die die Spannung ins unermessliche steigern. Diese Wendungen sind aber total nachvollziehbar und passen somit perfekt in die Geschichte.

Die Figuren werden wunderbar dargestellt und mit einer ausreichenden Tiefe beschrieben. Es werden positive und negative Charakterzüge gezeigt. Letztendlich wird auch der Alltag mit all seinen Höhen und Tiefen nachgezeichnet.

Fazit: Es handelt sich um ein Buch, dass man einfach lesen kann und trotz des traurigen Themas macht das Lesen auch Spaß. Man fiebert mit den Protagonisten mit und hofft sehr auf ein "Happy End". --> Absolute Leseempfehlung

Bewertung vom 29.09.2018
Deutsches Haus
Hess, Annette

Deutsches Haus


sehr gut

Zu Beginn der 60er Jahre befand sich Deutschland weiterhin in den Jahren des Wirtschaftswunders. Man wollte das Leben genießen, die Vergangenheit vergessen und nach vorne schauen. Ein Blick zurück wurde von vielen, die in der nationalsozialistischen Zeit gelebt haben verhindert bzw. vermieden und die junge Nachkriegsgeneration hatte andere Dinge im Kopf. Aus Amerika kamen neue Modetrends nach Deutschland und die Beatles eroberten die Herzen vieler junger Frauen.
So war es nicht verwunderlich, dass ein großer Teil der Bevölkerung kaum etwas über Auschwitz wusste oder nicht darüber reden wollte als 1963 der Frankfurter Auschwitz-Prozess begann.

Annette Hess hat sich bisher hauptsächlich als Drehbuchautorin mit historischen Themen beschäftigt. Kaum einer wird ihren Namen kennen, aber vielen Menschen sind wahrscheinlich die Serien Weißensee, Kudamm'56 und Ku'damm '59 ein Begriff. In dem Buch „Deutsches Haus“ setzt sie sich nun mit dem oben genannten Prozess auseinander. Im Zentrum der Geschichte steht die junge Dolmetscherin Eva, welche zunächst aus der Not heraus zu einer Zeugenaussage gerufen wird, die im Rahmen des Prozesses übersetzt werden muss. Allerdings ist sie so interessiert an den gehörten Ereignissen, dass sie auch weiterhin den Prozess als Dolmetscherin begleiten will. Sie setzt ihren Willen durch, obwohl ihre Familie und ihr Verlobter dagegen sind. Je weiter sie in die Geschichten der Zeugen vordringt, desto weiter dringt sie auch in die eigene Familiengeschichte vor und beginnt an Beziehungen und Haltungen zu zweifeln.

Man merkt dem Text hin und wieder an, dass die Autorin eher im filmischen Bereich tätig ist. Auf der einen Seite ist das vorteilhaft, weil ihre Sprache sehr klar ist und der Satzbau für eine sofortiges Verständnis sorgt. Schnell ist man in die Geschichte eingedrungen und hat die wichtigsten Persönlichkeiten kennen gelernt. Andererseits gibt es bestimmte Passagen, die dem Leser aus anderen Filmen bekannt vorkommen (u.a. "Im Labyrinth des Schweigens") und einige Aspekte, für die in einem Buch durchaus Platz ist, bleiben sehr oberflächlich. So wirken einige Figuren etwas flach und es fehlen Zusammenhänge. Die Zusammenhänge kann man sich natürlich erschließen, aber es wirkt teilweise wie eine Überblendung zu einer nächsten Szene, die aus Zeitgründen in einem Film entstehen würde.
Allerdings muss man sagen, dass diese lockere und leichte Art dafür sorgt, dass man schnell liest und von der Handlung gepackt ist. Man möchte trotz aller Oberflächlichkeit wissen, ob Eva die Zeugenaussagen verkraftet, ob sie glücklich wird oder inwiefern ihre Familie sich in der Vergangenheit schuldig gemacht hat.

Besonders für Leser, die bisher kaum eine Berührung mit dem Thema hatten, ermöglicht dieser Roman eine Art Einstieg in die Geschichte. Allerdings darf man keinen aufrüttelnden Text erwarten, der Bezüge zu aktuellen politischen Haltungen herstellt. Dafür ist er dann doch wieder zu sehr mit filmischen Stilmitteln durchsetzt.

Fazit: Obwohl es sich nicht um ein Werk mit besonderer Tiefe oder einer hochtrabenden Sprache handelt, kann ich den Roman nur empfehlen. Er beschäftigt sich auf eine ruhige und leichte Art mit einem Thema, das Teil unserer Geschichte ist und bis heute vielen unbekannt sein mag.

Bewertung vom 04.09.2018
Der Verrat / Aura Trilogie Bd.2
Benedict, Clara

Der Verrat / Aura Trilogie Bd.2


ausgezeichnet

Eine Dystopie, besondere Merkmal und eine Akademie? Zunächst war ich nicht besonders motiviert als ich mit dem Buch begann. Zudem handelt es sich um den zweiten Teil und den ersten Band kannte ich gar nicht. Also was sollte schon daraus werden?
Auf den ersten Seiten wurde ich dann aber so schnell in die Geschichte hereingezogen, dass ich gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören konnte. Natürlich haben sich dabei auch Fragen entwickelt, die ohne Kenntnisse über die Handlungen im ersten Band entstanden sind, aber im Laufe der Zeit wurden auch diese beantwortet.

Doch worum geht es in dem Buch genau? Hauptsächlich geht es um so genannte Former, die mit Hilfe ihres Geistes andere Menschen lenken können. Dabei unterscheidet man natürliche Former und solche, deren Gabe ein umfangreiches Training benötigt. Ausgehend von einer Akademie, an der die Former trainier werden, hat man die Theorie in die Welt gesetzt, dass ohne hinreichende Schulung die Former irgendwann verrückt werden. Daher müssen sie eingefangen werden und in der Akademie den Umgang mit der Gabe lernen. Die Realität sieht allerdings ganz anders aus, denn die natürlichen Former bieten für andere fähige Former die Möglichkeit, der ewigen Jugend. Hierfür muss die Lebensenergie allerdings übertragen werden.
Hannah ist eine überaus fähige natürliche Formerin und schwebt gleich zu Beginn der Handlung in Lebensgefahr. Aus dieser wird sie von einem Unbekannten gerettet, der sie ausgerechnet in der Akademie, dem Hort ihrer schlimmsten Feinde versteckt. Wie soll sie dort nur unauffällig bleiben?

Einer der Gründe für das schnelle Eindringen in die Geschichte ist die eher einfach strukturierte Sprache, die eine gewisse Leichtigkeit mitbringt. Sie orientiert sich natürlich eher an jugendliche Leser*innen, ist aber nicht zu platt. Zudem werden die Personen und die jeweiligen Handlungsorte sehr bildhaft, aber nicht zu langatmig dargestellt. Und natürlich hilft es auch, dass aus Hannahs Sicht erzählt wird und man so direkt an ihren Gedankengängen und Gefühlen in gewisser Weise beteiligt sind.
Obwohl teilweise bestimmte Ereignisse vorhersehbar waren und die ein oder andere Wendung leicht konstruiert scheint, bleibt das gesamte Buch über der Spannungsbogen erhalten.

Entgegen meiner ersten Gedanken über das Buch kann ich das Lesen nur empfehlen. Eine leichte, aber doch spannende Story, die in einem guten Stil erzählt wird. Der erste und der dritte Band landen definitiv auf meiner Wunschliste.

Bewertung vom 25.05.2018
Heimweh-Blues und heiße Schokolade / Die Trabbel-Drillinge Bd.1
Janotta, Anja

Heimweh-Blues und heiße Schokolade / Die Trabbel-Drillinge Bd.1


gut

Wie der Titel schon sagt handelst es sich bei den Protagonisten um Drillinge, von denen eine eher hübsch ist, eine ist besonders intelligent und die dritte Schwester ist einfach nett. Auch wenn sie das selbst total doof findet, ist sie im Endeffekt die sympathischste Figur.

Ich habe lange gebraucht bis ich in die Geschichte reingefunden habe. Zunächst einmal war mir der Plot zu simpel. Die Mutter erbt die Trablinburg und möchte daraus ein Bio-Hotel machen. Also müssen die Mädchen aus Berlin, wo sie bekannt sind wie ein bunter Hund, aufs platte Land ziehen. Dass sie darüber nicht erfreut sind, ist natürlich klar. Und irgendwie ist auch klar, dass sich Heimweh und Probleme in den kommenden Wochen entwickeln werden. Zudem waren mir die Figuren recht unsympathisch und ich fand die ausgesprochenen Klischees selbst als Berlinerin nicht besonders toll.
Doch irgendwann wurden mir die Drei dann sympathischer und ich habe die Geschichte (annähernd die zweite Hälfte mit Genuss gelesen).
Die Sprache ist in Bezug auf die Zielgruppe sehr altersgerecht und die Beschreibungen sind passend. Zudem ist die Sprache zwar locker, wirkt aber nicht aufgesetzt jugendlich und man hat den Eindruck, dass wirklich die Gefühle der jungen Leser*innen aufgegriffen werden.

Vielleicht werden die weiteren Bände ja noch besser, weil sich die Geschichten dann von vielen anderen bekannten Büchern stärker abheben. Momentan bin ich aber von dem Konzept noch nicht vollends überzeugt.

Bewertung vom 01.05.2018
Killerfrauen
Harbort, Stephan

Killerfrauen


ausgezeichnet

Charles Manson, Joachim Kroll und Harold Shipman kennen diejenigen, die sich ein bisschen im Dschungel der Crime-Dokus und Kriminalliteratur tummeln sehr genau. Sie tauchen in diversen Formaten, in denen es um Serienmörder geht, immer wieder auf. Kaum beachtet sind hingegen Serienmörderinnen, die es gar nicht so selten gibt, wie man es zunächst vermutet.

Stephan Harbort hat diesen Sachverhalt bereits 2008 in seinem Buch „Wenn Frauen morden“ aufgegriffen und von spektakulären Fällen berichtet. Im letzten Jahr erschien eine Art Fortsetzung, in der neue Fälle beschrieben werden. Allerdings sind auch neue Erfahrungen, neues Zahlenmaterial und neue Erkenntnisse in die Arbeit eingeflossen, was man als Leser positiv registriert.

Leser*innen, die noch kein Buch des Autors in der Hand hatten, sollten vorgewarnt sein. Eine sehr gründliche Recherche, viele Interviews und ein klarer Blick auf die Ereignisse sowie ein gewisser Einblick in das Seelenleben der Täter*innen sorgen in den Büchern von Stephan Harbort für ungeschönte Beschreibungen und teils recht radikale Bilder, die sich im Kopf der lesenden Person festsetzen.

Dies ist auch in dem Buch „Killerfrauen“ der Fall. Insgesamt werden sieben Fälle von ganz unterschiedlicher Natur dargelegt. So geht es mal um eine Patientenmörderin, aber auch um eine Mutter, die ihre Kinder heimlich zur Welt bringt und dann verschwinden lässt. Daneben tauchen ebenso eine Art „Schwarze Witwe“ und die Chefin einer Drückerkolonne auf.

Alle Kapitel gleichen sich darin, dass Harbort die Fälle und die Ereigniszusammenhänge detailliert darstellt und mit Aussagen der Täterinnen und der Ermittlungsarbeit kombiniert. Somit erfährt man vom Leben vor der Tat bis hin zum Gerichtsprozess alle relevanten Punkte. Die üblichen Fragen wie es zu einer Tat kommen konnte und wie das Urteil lautetet, werden also beantwortet. Damit hat der Autor natürlich das Herz der kriminalistisch interessierten Leser*innen sofort gewonnen. Was das Lesen aber richtig spannend macht und dafür sorgt, dass man das Buch in einem Rutsch liest, ist die sehr klare und verständliche Sprache. Und hier ist mir im Vergleich mit einem älteren Buch, welches ich von Stephan Harbort gelesen habe, ein enormer Unterschied aufgefallen. Er konnte schon immer sehr bildhaft beschreiben und hat den Leser in die Geschichte hineingezogen, aber jetzt ist es noch runder, noch spannender.

Durch ein ausführliches Vor- und Nachwort, einen Anhang und ein Literaturverzeichnis werden die eigentlichen Erzählungen noch ergänzt und wer sich weiterführend mit dem Thema beschäftigen möchte, erhält hier wichtige Hinweise.

Man kann also sagen, dass das Werk alles enthält, was ein gutes Buch aus dem Bereich der True Crime-Stories ausmacht: Interessante Fälle, sehr gute Recherche, eine sprachlich wunderbare Ausarbeitung und umfangreiches Quellenmaterial. Sehr empfehlenswert!

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