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13 Kundenbewertungen


In "Kindheit" erzählt Tove Ditlevsen vom Aufwachsen im Kopenhagen der 1920er Jahre in einfachen Verhältnissen. Tove passt dort nicht hinein, ihre Kindheit scheint wie für ein anderes Mädchen gemacht. Die Mutter ist unnahbar, der Vater verliert seine Arbeit als Heizer. Sonntags muss Tove für die Familie Gebäck holen gehen, so viel, wie in ihre Tasche hineinpasst, und das ist alles, was es zu essen gibt. Zusammen mit ihrer Freundin, der wilden, rothaarigen Ruth, entdeckt Tove die Stadt. Sie zeigt ihr, wo die Prostituierten stehen, und geht mit ihr stehlen. Aber eigentlich interessiert sich Tove…mehr

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Produktbeschreibung
In "Kindheit" erzählt Tove Ditlevsen vom Aufwachsen im Kopenhagen der 1920er Jahre in einfachen Verhältnissen. Tove passt dort nicht hinein, ihre Kindheit scheint wie für ein anderes Mädchen gemacht. Die Mutter ist unnahbar, der Vater verliert seine Arbeit als Heizer. Sonntags muss Tove für die Familie Gebäck holen gehen, so viel, wie in ihre Tasche hineinpasst, und das ist alles, was es zu essen gibt. Zusammen mit ihrer Freundin, der wilden, rothaarigen Ruth, entdeckt Tove die Stadt. Sie zeigt ihr, wo die Prostituierten stehen, und geht mit ihr stehlen. Aber eigentlich interessiert sich Tove für die Welt der Bücher und hat den brennenden Wunsch, Schriftstellerin zu werden - und dafür ist sie bereit, das Leben, wie es für sie vorgezeichnet scheint, hinter sich zu lassen. "Das Porträt einer Frau, die ihr Leben entschieden zu ihrem eigenen macht. Ein Leben, so frei und ungestüm, ich bin versunken in Tove Ditlevsens Büchern." Nina Hoss. "Eine monumentale Autorin." Patti Smith. "Ein Meisterwerk." The Guardian
  • Produktdetails
  • Verlag: Aufbau Verlage GmbH
  • Seitenzahl: 118
  • Erscheinungstermin: 18. Januar 2021
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783841226402
  • Artikelnr.: 60631675
Autorenporträt
Tove Ditlevsen (1917-1976), geboren in Kopenhagen, galt lange Zeit als Schriftstellerin, die nicht in die literarischen Kreise ihrer Zeit passte. Sie stammte aus der Arbeiterklasse und schrieb offen über die Höhen und Tiefen ihres Lebens. Heute gilt sie als eine der großen literarischen Stimmen Dänemarks und Vorläuferin von Autorinnen wie Annie Ernaux und Rachel Cusk. Die "Kopenhagen-Trilogie" mit den drei Bänden "Kindheit", "Jugend" und "Abhängigkeit" ist ihr zentrales Werk, in dem sie das Porträt einer Frau schafft, die entschieden darauf besteht, ihr Leben nach den eigenen Vorstellungen zu leben. Die "Kopenhagen-Trilogie" wird derzeit in über zwanzig Sprachen übersetzt.

Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Sehr zitatreich resümiert Rezensent Peter Urban-Halle die drei Bände von Tove Ditlevsens Kopenhagen-Trilogie, um sich dann den dringenden Leseempfehlungen seiner KritikerkollegInnen anzuschließen. Zumindest der dritte Band lag vor 40 Jahren bereits unter dem Titel "Sucht" auf Deutsch vor, aber offenbar war die Zeit noch nicht reif für die Erinnerungen der Dänin, glaubt der Kritiker. Wie Karl Ove Knausgard und Annie Ernaux, als deren Vorläuferin Ditlevsen gilt, seziert sie das eigene Ich, löst sich allerdings nie davon, fährt der Rezensent fort: Ganz gleich, ob die Autorin die Gefühle von Angst und Einsamkeit in Kindheit und Jugend schildert, oder von Affären, Sucht und Abtreibung in den späteren Lebensjahren erzählt, die soziale und politische Realität ist nur als Hintergrundrauschen vernehmbar, erkennt Urban-Halle. Mit der "kühlen Beobachtungsgabe" und "künstlerischen Festigkeit", mit der Ditlevsen ihre widersprüchlichen Gefühle in eine Form bringt, begründet der Kritiker seine Lektüreempfehlung.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 16.01.2021

Duft der Straße
Lange vor Annie Ernaux und Rachel Cusk schrieb die Dänin
Tove Ditlevsen autofiktionale Romane über ihre harte Jugend.
Endlich erscheint ihre „Kopenhagen-Trilogie“ auf Deutsch
VON SOPHIE WENNERSCHEID
Die Istedgade ist eine der lebhaftesten Straßen Kopenhagens. Während es die Touristen vom Hauptbahnhof aus Richtung Tivoli und zur Schlendermeile Strøget zieht, führt die Istedgade den Besucher in das hinter dem Bahnhof gelegene Stadtviertel Vesterbro. Hier liegen Asia-Supermärkte, Ökobäckereien, Take-Aways, Striptease-Clubs und schicke Läden mit skandinavischem Design in bunter Vielfalt nebeneinander. Vor rund 100 Jahren, als es auf der Istedgade weder Designerläden noch Ökobäcker gab, wohl aber „Frauen, die es für Geld machen“ und Geschäfte, in denen „ein Pfund Pferdefleisch 58 Öre“ kostete, wuchs hier die dänische Autorin Tove Ditlevsen auf. Mit ihrem stark autobiografisch inspirierten Werk hat sie seitdem immer wieder neu Generationen von Leserinnen und Lesern begeistert.
So wie die meisten Menschen im Vesterbro der Zwischenkriegszeit lebte Tove Ditlevsen als Kind und Jugendliche in kargen Verhältnissen. Die Arbeitslosigkeit unter den Männern war hoch, und viele der Frauen waren von einem Leben ohne Perspektive bitter geworden. Man jagte die Kinder aus den kleinen Wohnungen zum Spielen auf den Hof, wo sie auf den Mülltonnen hockten und sich hinter vorgehaltener Hand in die Geheimnisse des Sexuallebens einweihten.
Draußen auf der Straße geht es derber zu. Hier knallen in regelmäßigen Abständen betrunkene Männer mit dem Kopf aufs Pflaster, und die Kinder sehen, wie sich „Locken-Charles dampfende Pferdeäpfel in den Mund stopft“. Der Rhythmus der Istedgade, so erklärt Ditlevsen es in dem Erinnerungsbuch „Kindheit“, das jetzt zusammen mit den Bänden „Jugend“ und „Abhängigkeit“ vom Aufbau Verlag als „Kopenhagener Trilogie“ herausgebracht wird, würde für immer in ihrem Blut pulsieren. Es ist ein Rhythmus mit einem düsteren Grundbeat und starken, unregelmäßig gesetzten Akzenten. Dabei auf schlichte Art poetisch und voller Schalk, so wie man es aus Irmgard Keuns „Das kunstseidene Mädchen“ kennt.
Obwohl Ditlevsen in Dänemark eine Berühmtheit ist, harrt sie in Deutschland noch ihrer Entdeckung. 1952 erschien der frühe Roman „Straße der Kindheit“ bei der Büchergilde Gutenberg und in den Achtzigerjahren gab der Suhrkamp Verlag drei weitere Bücher von ihr heraus. Keines ist mehr erhältlich. Erst jetzt, in einer Zeit, in der autobiografisches Schreiben von Frauen wieder neue Aufmerksamkeit erfährt, haben Tove Ditlevsens Texte eine echte Chance. Und die haben sie verdient.
Es sind Texte, die in ihrer ungeschönten, treffsicheren Art unter die Haut gehen, ohne auch nur ansatzweise sentimental zu sein. Unmerklich zwischen Gegenwart und Vergangenheitsform wechselnd, ziehen sie uns in das Leben einer jungen Frau, die im Grunde nur eines will: schreiben. Ach ja, und ein Kind. Wenn es nicht anders geht, dann eben mit dem von der Mutter gewünschten soliden Handwerker, der nicht arbeitslos wird wie der Vater. Außerdem Liebe, Anerkennung, Erfolg, Geld. Eigentlich doch eine ganze Reihe von starken Wünschen. Hinter allem aber steht der Drang, Autorin zu sein.
Lesend daran teilzunehmen, wie sich dieses Begehren realisiert, obwohl die Lage wegen der niederen Herkunft der Erzählerin nicht eben aussichtsreich erscheint, macht einen wesentlichen Reiz der Lektüre aus. Vor allem deshalb, weil bei aller Gradlinigkeit des Erzählens viele interessante Leerstellen bleiben. Die Anlage der Figuren ist eher skizzenhaft.
Sie tauchen auf und verschwinden wieder. Einige sterben, andere laufen davon, und wieder andere werden von der Erzählerin direktermaßen abserviert. Nicht herzlos, aber im wörtlichen Sinne rücksichtslos. Weil im Leben immer jeder irgendetwas von dem anderen will. Wenn das nicht eingelöst wird, oder sich die Bedürfnisse verschieben, dann zieht man weiter.
Anders als bei den literarischen Selbsterkundungen einer Annie Ernaux gibt es in den Erinnerungsbüchern der dänischen Autorin keine reflexive Metaebene und keine zur vertiefenden Interpretation einladenden intertextuellen Querverweise. Das Private ist natürlich politisch, wird aber weder so benannt noch so empfunden. Die Not einer jungen Frau, die ungewollt schwanger geworden ist, ist die Not einer jungen Frau, die ungewollt schwanger geworden ist und jetzt panisch nach einem Arzt sucht, der bereit ist, eine Abtreibung vorzunehmen. Punkt.
Nicht ganz so einfach auf den Punkt zu bringen ist das Verhältnis der Erzählerin zu ihrer Mutter. Die kleine Tove sucht nach Liebe, die große scheint sich damit abgefunden zu haben, dass sie sie nicht bekommt: „Ich spreche mit ihr über Geburten, und sie erzählt, Edvin und ich wären in einer Wolke aus Seifenblasen auf die Welt gekommen, weil sie grüne Seife gegessen hätte, um uns loszuwerden. ‚Ich habe mir nie etwas aus Kindern gemacht‘, sagt sie.“
Die Mutter der literarischen Tove ist weit von der Grausamkeit entfernt, die die Mutter in Angelika Klüssendorfs Roman „Das Mädchen“ auszeichnet, aber eine gewisse Ähnlichkeit gibt es doch. Beide Mütter zwingen ihre Töchter weg von sich und hin zu dem, was ihnen niemand nehmen kann: die Literatur. Auch von der Gesamtanlage her gibt es eine interessante Nähe zwischen Ditlevsens und Klüssendorfs Entwicklungs- und Künstlerinnen-Trilogie. Bei beiden sind die zwei ersten Bände aus der Perspektive des Kindes bzw. des jungen Mädchens geschrieben, während Band drei sich den Abgründen der Ehejahre widmet.
Allerdings ist es bei Ditlevsen nicht die eine Ehe, die es zu verarbeiten gilt, sondern es sind ihrer gleich vier. Die erste Ehe geht die knapp 20-jährige Tove mit dem Redakteur der Literaturzeitschrift Wilder Weizen ein. Als sie ihn das erste Mal sieht, findet sie ihn schön. Dass er 30 Jahre älter ist als sie, spielt keine Rolle. Er hat ihr erstes Gedicht veröffentlicht, und sie ist überglücklich. Nach der Heirat aber starrt sie „auf sein Doppelkinn, das über den Eckkragen quillt und immer leicht vibriert“ und freut sich, wenn die Tür hinter ihm ins Schloss fällt.
Nach der Scheidung fühlt sie sich wie ein herrenloser Hund und verliebt sich schnell in den ewigen Studenten Ebbe. Sie heiraten und bekommen ein Kind. Tove ist froh, die Ehe gibt ihr das Gefühl von bürgerlicher Geborgenheit. „Warum möchtest du eigentlich so gern normal und gewöhnlich sein?‘, fragt Ebbe verwundert. ‚Es ist doch ganz eindeutig, dass du es nicht bist.‘ Darauf kann ich ihm auch keine Antwort geben, aber ich habe es mir gewünscht, solange ich denken kann.“
Der Wunsch nach Normalität mag stark sein, belastbar ist er nicht. Als es zu einer weiteren Schwangerschaft kommt und der Arzt, der die Abtreibung vornimmt, und möglicherweise der Vater des Kindes ist, der jungen Frau eine Spritze mit dem morphinähnlichen Schmerzmittel Pethidin gibt, öffnet sich ihr eine neue Welt. „Während die Flüssigkeit aus der Spritze in meinem Arm verschwindet, breitet sich eine nie gekannte Seligkeit in meinem ganzen Körper aus.“ Um das Glück des Rausches zu sichern, trennt Tove sich von Ebbe und wechselt auf die Seite des Arztes, den sie bald schon heiratet.
Wenige Jahre später ist sie geistig wie körperlich ein Wrack. Bis auf 35 Kilo abgemagert wird sie in letzter Minute in eine Klinik gebracht, ihren dritten Ehemann wird sie nie wiedersehen. Die letzte und vierte Ehe verläuft zunächst ruhiger, hält aber den Rückfällen in die Abhängigkeit nicht stand. Immer wieder kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen, Drogenmissbrauch und Klinikaufenthalten. Paradoxerweise geben gerade die der Autorin den Halt und die Ruhe, die sie draußen nicht findet. In der Klinik schreibt sie 1967 „Kindheit“ und „Jugend“, zwei ihrer schönsten Bücher, und 1971 „Abhängigkeit“, vielleicht ihr stärkstes Buch.
Dabei ist es nicht nur die unprätentiöse Schonungslosigkeit, mit der Ditlevsen ihre eigenen Untiefen ausleuchtet, die die Trilogie so besonders macht, sondern vor allem die sprachliche Präzision, mit der sie das tut. Dass man das nicht sofort beim ersten Lesen merkt, verdankt sich dem literarischen Sog der Bücher, hat aber auch etwas mit der deutschen Übersetzung zu tun. Die ist nämlich nicht so gestochen scharf, wie man es sich für diese Einführung eines dänischen Klassikers auf den deutschsprachigen Buchmarkt gewünscht hätte.
Vor allem im zweiten Band haben sich einige gewundene Formulierungen eingeschlichen, die es so im sprachlich verknappten Original nicht gibt. Wenn hier das „sagte er süß“ eines kleinen Jungen als „flötete er liebreizend“ übersetzt wird, und aus dem „feuerrot gewordenen Kopf“ der jungen Tove, die sich erstmals als Dienstmädchen verdingt hat, ein „trieb mir die Schamesröte ins Gesicht“ wird, dann ist das nachhaltig ärgerlich, weil es den Schwung aus der Szene nimmt. Gut also, dass die Kopenhagener Trilogie davon so reichlich hat. Tove Ditlevsens Werk wird seinen Weg auch ins Herz des deutschsprachigen Lesepublikums finden.
Die Texte gehen
unter die Haut, ohne
sentimental zu sein
Ihre Mutter sagt, sie
habe schwanger Seife gegessen,
um sie loszuwerden
Tove Ditlevsen:
Kindheit. Roman.
Aus dem Dänischen
von Ursel Allenstein.
Aufbau Verlag,
Berlin 2021.
118 Seiten, 18 Euro.
„Schreiben heißt, sich selbst auszuliefern“: die dänische Schriftstellerin Tove Ditlevsen (1917 – 1976) in einer Aufnahme von 1945. Foto: Picture Alliance
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 09.03.2021

Vielleicht bist du selbst so kompliziert
Die Erinnerungen der dänischen Dichterin Tove Ditlevsen aus den zwanziger bis vierziger Jahren

Ein jegliches hat seine Zeit, steht bei Salomo, das gilt auch für die Literatur. Auch ein Text - hier sind Übersetzungen gemeint - muss offenbar auf seine Zeit warten, in der seine Stärken oder seine Brisanz erkannt werden können (wenn es nicht nur eine Frage des Zeitgeistes ist). Als 1986 Annie Ernaux' "Das bessere Leben" erschien, war es ein Buch unter vielen; beachtet und geachtet wurde erst die Neuübersetzung von 2019 unter dem (passenderen) Titel "Der Platz". Bei der Dänin Tove Ditlevsen (1917 bis 1976), jetzt als Vorläuferin von Ernaux gehandelt, erleben wir Ähnliches. Der dritte Band ihrer Erinnerungen erschien unter dem Titel "Sucht" schon vor vierzig Jahren auf Deutsch; er wurde kaum bemerkt. Das ist jetzt anders, er ist als "Abhängigkeit" neu übersetzt erschienen, und mit ihm liegen nun auch die beiden anderen autobiographischen Bände vor (der Verlag erklärt die Bücher werbewirksam kurzerhand zu einer "Kopenhagen-Trilogie"). Auf Englisch haben Ditlevsens Erinnerungen in den vergangenen Jahren bereits Furore gemacht. Nun sind auch die deutschen Rezensionen emphatisch. Die Zeit war offenbar reif.

"Am Morgen war die Hoffnung da. Sie saß als flüchtiger Schimmer im glatten, schwarzen Haar meiner Mutter ... und lag mir auf der Zunge wie der Zucker im lauwarmen Haferbrei ... während ich ihre schmalen, gefalteten Hände betrachtete ..." Ausgerechnet der Anfang hat so gar nicht die Schlankheit und Natürlichkeit, für die Tove Ditlevsens Schreibweise sonst gelobt wird. Der drohende Kitsch setzt sich gottlob nicht fort. Ihr Stil ist überwiegend einfach, persönlich und unaffektiert. Die einleitenden Sätze zeigen den Willen der Autorin (die "Kindheit" und "Jugend" im Alter von etwa fünfzig geschrieben hat, "Abhängigkeit" knapp fünf Jahre später), ihr Leben, wie sie es in dieser "Trilogie" beschreibt und wie man es aus anderen Büchern wie "Wilhelms Zimmer" (deutsch 1981) kennt, mit Hilfe teils "zuckriger", teils religiöser Bilder in ein Kunstwerk zu verwandeln und dadurch auf Distanz zu halten.

"Kindheit" handelt von Toves geistigen Überlebensstrategien im engen Milieu des Kopenhagener Arbeiterbezirks Vesterbro der zwanziger Jahre und ihrem ambivalenten Verhältnis zu den grundverschiedenen Eltern. Der Vater ist überzeugter Sozialdemokrat und fleißiger Leser, aber er und seine Tochter finden keinen Zugang zueinander. Die Beziehung zur Mutter ist verbohrt. Das Mädchen will geliebt werden. Aber die Mutter hasst das Lesen: "Was in Büchern steht, ist gelogen." Wenn die erwachsene Autorin an sie zurückdenkt, dann mit "Zorn, Trauer, Mitleid".

Mit zielstrebiger Energie geht die junge Tove ihren Weg als Autorin. Schon als Mädchen will sie nur eins, nämlich schreiben. Aber auch veröffentlichen. Mit vierzehn wagt sie sich mit ihrem Poesiealbum voller Gedichte zu einer Zeitung. Als der Redakteur sie abweist, ist sie am Boden zerstört. Irgendwann lernt sie den Antiquar Krogh kennen, von dem sie sich verstanden fühlt. Ausgerechnet bei ihm, der von lauter Büchern, also Fiktionen, umgeben ist, kommt ihr das Leben "wirklich" vor. Zur Wirklichkeit gehört aber auch noch etwas anderes, was sie von Krogh lernt: dass Menschen einander nützlich sein können. Die Lehre nimmt sie gerne an: "Mir wird immer stärker bewusst, dass ich zu nichts anderem tauge ..., als Worte aneinanderzureihen ... Um das zu können, muss ich die Menschen ... beobachten, in etwa so, als würde ich sie für den späteren Gebrauch in einem Archiv ablegen."

Die soziale und politische Wirklichkeit - Dänemark unter der Regierung des Sozialdemokraten Stauning, die deutsche Besetzung 1940, das Kriegsende - kommt nur am Rande vor. Wenn die Historie eine Rolle spielt, dann in Verbindung mit persönlicher Betroffenheit wie nach dem tragischen Unfalltod des jungen Lyrikers Morten Nielsen. Tove Ditlevsen ist unpolitisch: "Die Wirklichkeit hat mich noch nie interessiert", sagt sie in ihrer "Trilogie", die doch nichts anderes als die Wirklichkeit schildern soll. Aber sie unterscheidet zwischen "Wahrheiten des Herzens" und "grauen Tatsachen". Ihre Wirklichkeit ist seelisch. Sie sucht auch nicht das politische Engagement, sondern geht eher freudianisch vor - obwohl sie "nicht einmal weiß, wer dieser Freud ist". Ängste und Angewohnheiten haben ihren Ursprung in der Kindheit. Diese kann man nicht abschütteln, "sie hängt an einem wie ein Geruch".

An den Grenzen zwischen Kindheit, Jugend und Erwachsensein kommt sie ihrem Inneren am nächsten. An diesen Übergängen sind auch Angst und Einsamkeit am größten, zwei Gefühle, die sie zeitlebens begleiten. Das unterscheidet ihre Erinnerungen von herkömmlichen Autobiographien, die verfasst werden, weil man von der eigenen Wichtigkeit überzeugt ist. Tove Ditlevsen aber schreibt, weil sie wissen will, wer sie ist - ähnlich wie heute der Norweger Knausgård. Aber im Gegensatz zu diesem, der sich in reflexiven Passagen immer wieder vom Ich löst, bleibt das Ich bei Ditlevsen stets Bezugs- und Ausgangspunkt.

1939, am Ende von "Jugend", debütiert sie mit dem Gedichtband "Mädchenseele". Dessen Bilder sind konventionell, Reime und Rhythmus traditionell, die Empfindungen aber echt und ehrlich. Die Gedichte sind auch sentimental, aber nicht kitschig, weil sie nicht falsch sind, sie sind ergreifend, nicht rührselig. Der Kritiker Poul Borum schrieb später: "Sie bringt einen dazu, Sentimentalität als natürliches menschliches Gefühl zu akzeptieren."

Ihr Leben ist voller Widersprüche. Sie hasst Veränderungen, sehnt sich "wie alle jungen Mädchen nach einem Zuhause und einem Mann und Kindern" und will einfach "normal" sein. Gleichzeitig weiß sie natürlich, dass sie eben nicht normal ist und es eigentlich auch nicht sein will. Welche Erleichterung, als sie mit achtzehn Jahren Viggo F. Møller kennenlernt, den Herausgeber der führenden Literaturzeitschrift "Wilder Weizen"! Sie heiratet den rundlichen, alleinstehenden, mehr als dreißig Jahre älteren Herrn. Sie mag ihn, aber sie liebt ihn nicht. Er ist ihr nützlich. Bei ihm kann sie ihre Gedichte publizieren. Und durch ihn und seinen Klub junger Künstler lernt sie Talente kennen, die später berühmt werden sollten: Sonja Hauberg, Halfdan Rasmussen, Ester Nagel, Erik Knudsen, Piet Hein.

Mit Letzterem hat sie eine Affäre, sie trennt sich von Viggo F. und heiratet den Studenten Ebbe, mit dem sie eine Tochter hat. Ein zweites Kind will sie nicht, sie lässt es abtreiben, sie ist erleichtert und schuldbeladen. Ein junger Arzt injiziert ihr das Schmerzmittel Pethidin, von dem sie jahrelang abhängig wird. Er heißt Carl Ryberg, er wird ihr dritter Ehemann. Sie braucht ihn, er verschafft ihr die Seligkeit, den nötigen Abstand zum Alltag. Erst der Journalist Victor Andreasen kann sie zumindest zeitweise retten. Er wird ihr vierter Ehemann.

Irgendwo heißt es einmal sehr richtig: "Vielleicht bist du selbst kompliziert, und deshalb ist es dein Leben auch." Je nach Lage und Laune ist sie zielbewusst und von Selbstzweifeln geplagt, naiv und stolz. Manchmal ist sie von ungewöhnlicher Passivität, sie lässt die Dinge geschehen. Und kann sie eigentlich wirklich lieben - außer in ihren Gedichten? Gleichzeitig hat sie eine starke Menschenkenntnis und kühle Beobachtungsgabe, und konventionellen Tabuvorstellungen gegenüber ist sie furchtlos. Die innere Angst ist trotzdem immer da. Ditlevsen ist so erstaunlich, weil ihre Texte eine künstlerische Festigkeit haben, obwohl ihre Gefühlswelt so unstet und schwankend ist. Aber ist es nicht das, was uns fasziniert? Diese Mischung aus Tristesse, entwaffnender Naivität, Stolz und Zielstrebigkeit? Die "sonderbaren Spiele ihres Herzens", wie es in ihrem berühmten Gedicht "Warnung" heißt, haben sie ihr Leben lang begleitet. 1967 in "Kindheit", neun Jahre vor ihrem Selbstmord, schreibt sie: "Nur der Tod kann einen davon erlösen."

Auf dem den drei Büchern beigelegten Lesezeichen steht ein Spruch, der so selbstverständlich ist, dass er nichtssagend wird: "Frauen erzählen Geschichten anders." Man kann von jedem Menschen exakt dasselbe sagen. Was ist gemeint? Natürlich, wir können Tove Ditlevsen lesen, weil sie eine Frau ist. Wir können auch Knausgård lesen, weil er ein Mann ist. Männer erzählen Geschichten anders. Wir sehen schon, man verrennt sich hier. Nennen wir lieber einen echten Grund, warum wir Tove Ditlevsen lesen können. Es ist die unergründliche Ambivalenz ihrer Persönlichkeit, die ihre Erinnerungen so spannend macht.

PETER URBAN-HALLE

Tove Ditlevsen: "Kindheit".

Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein. Aufbau Verlag, Berlin 2021. 120 S., geb., 18,- [Euro].

Tove Ditlevsen: "Jugend".

Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein. Aufbau Verlag, Berlin 2021. 154 S., geb., 18,- [Euro].

Tove Ditlevsen: "Abhängigkeit".

Aus dem Dänischen von Ursel Allenstein. Aufbau Verlag, Berlin 2021. 176 S., geb., 18,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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»Tove Ditlevsen ist eine der spannendsten Stimmen Dänemarks! In drei großartigen Bänden schreibt sie über ihre Rolle als Tochter, unabhängige Autorin und Mutter. Und wie sie ihren ganz eigenen Platz im Leben suchte.« ELLE 20210112