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Benutzername: friederickes Bücherblog
Wohnort: Berlin
Über mich: Friederickes Bücherblog stellt Bücher vor und veröffentlicht Rezensionen. Zwei fachlich kompetente Kolleginnen rezensieren gerne dein Buch in unserem Blog.
Danksagungen: 5 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 54 Bewertungen
Bewertung vom 16.02.2018
Marlenes Geheimnis
Riebe, Brigitte

Marlenes Geheimnis


ausgezeichnet

Ein bewegender Roman

Das Cover
Das Cover zeigt eine junge Frau, die auf einen See blickt. Die hellen zarten Farben, das Kleid, das an die Fünfziger Jahre erinnert, sowie der See mit seinen Booten und den Bergen im Hintergrund, treffen perfekt die Geschichte am Bodensee.

Die Geschichte (Achtung Spoiler!)
Christiane auch Nane genannt ist auf dem Weg von Frankfurt an den Bodensee. Ihre Großmutter Eva ist gestorben und sie möchte ihr die letzte Ehre erweisen. Auch ihre Mutter Victoria kommt zur Beerdigung. Allerdings versteht die sich nicht gut mit ihrer Schwester Marlene, die inzwischen die Geschäfte der Mutter übernommen hat. Deshalb reist Vicky nach der Beerdigung auch gleich wieder ab.
Nane geht es persönlich gerade nicht so gut und sie entscheidet sich etwas länger bei ihrer Tante zu bleiben, um eine Auszeit von ihrem Leben in Frankfurt zu nehmen.
Marlene übergibt ihr ein Buch mit den Lebenserinnerungen ihrer Großmutter Eva Menzel aus den Jahren 1938 bis 1953. Sie beschreibt darin ausführlich ihr nicht einfaches Leben in Reichenberg (Sudetenland). Während ihr der Vater das Schnapsbrennen beibrachte, wurde ihre Mutter eine Alkoholikerin. Doch dann musste ihr Vater an die Front. Von da an begann die Zeit des Krieges, die Vertreibung und die Flucht.

Meine Meinung
Was für ein Buch!
Die Geschichte wechselt zwischen zwei Zeitebenen. Zum einem aus der Vergangenheit, aus Böhmen und Mähren, dort aus Reichenberg, dem heutigen Liberec. Im Jahre 1945 wurde das Gebiet wieder der Tschechoslowakei zugeordnet und die dort lebenden Deutschen wurden enteignet und vertrieben. Evas Aufzeichnungen berichten über die schlimme Kriegszeit und die Erlebnisse der Frauen in den Lagern, zwischen Hunger, Elend und dem Neubeginn an einem anderen Ort.
Und in der Gegenwart taucht Nane in die Memoiren ihrer Oma ein und verschiebt immer wieder ihre Abreise, weil sie so fasziniert ist. Nebenbei kümmert sie sich um ihre Tante Marlene und fragt sich, warum diese und ihre Mutter sich einfach nicht verstehen. Dann trifft sie einen alten Freund, den sie aus ihrer Jugendzeit und ihren Ferienbesuchen gut kennt. Der wiederum bittet sie, ihm zu helfen, die Aufzeichnungen seines ebenfalls verstorbenen Großvaters zu entschlüsseln. Von jetzt auf gleich, treten Geheimnisse hervor, die die Vergangenheit in einem völlig anderen Licht zeigen.
Die Autorin schreibt in einer leicht verständlichen und sehr fesselnden Sprache. Die Figuren sind wunderbar erarbeitet. Jeder und jede wird dem zugedachten Charakter gerecht. Besonders Nane und Eva lassen mich in ihr Leben, sie lassen mich mitfühlen und auch mitleiden. Die Schauplätze sind wunderbar beschrieben. Man darf eintauchen, als wäre man mittendrin. Gänsehaut pur! Die Perspektivwechsel tragen stets dazu bei, dass die Spannung hochgehalten wird. Nie gibt es das Gefühl zu wissen, wie es weitergeht. Immer wieder kommt eine neue überraschende Wendung. Besonders die Einbindung der gut recherchierten Zeitgeschichte, sorgt dafür, dass dieser beeindruckende Roman entstehen konnte.
Mein Fazit ist, dass dieses Buch ein Stück deutsche Geschichte erzählt, sie ist perfekt integriert in eine spannende Familiensage. Drei starke Frauen, die uns letztendlich zur Dankbarkeit auffordern, in einer anderen Zeit leben zu dürfen. Dieses Buch wird 2018 bestimmt zu meinen Lieblingsbüchern gehören. Und deshalb spreche ich eine ausdrückliche Leseempfehlung aus.

friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 09.02.2018
Die Farbe von Winterkirschen
Copleton, Jackie

Die Farbe von Winterkirschen


ausgezeichnet

Ein sehr beeindruckendes Buch

Cover:


Das Cover zeigt die japanische Schneekirsche in voller Blüte auf zartem Hintergrund. Titel und Abbildung laden zusammen mit dem Klappentext ein, wissen zu wollen, was die Geschichte bereithält.


Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):


Ameratasu Takahashi hat sich mit ihrer Tochter verabredet, um über den Mann zu reden, den Yoko liebt und den sie als Mutter verachtet. Aber sie kommt zu spät. Es ist der Tag und die Stunde, als die Bombe fällt. Sie verliert dabei ihre Tochter und ihren Enkelsohn und gibt sich selbst die Schuld am Tod ihrer Tochter. Mit ihrem Mann wandert sie nach Amerika aus und vergräbt sich Jahrzehnte in ihrem Kummer. Bis eines Tages ein junger Mann vor ihrer Tür steht und behauptet ihr Enkelsohn zu sein.


Meine Meinung:


Das Buch beginnt mit dem Trauma der Atombombe von Hiroschima. Auch wenn man weiß, was damals passierte, ist die geschichtliche Einbettung in das direkte Leben einer Familie eine andere Empfindung, als die Kenntnisse aus dem Geschichtsbuch. So tauchte ich aus der Perspektive von Ameratasu in die furchtbaren Geschehnisse ein.

Die Figuren sind wunderbar und feinfühlig ausgearbeitet. Alle Charaktere sind glaubhaft und strahlen das aus, was man ihnen zugeschrieben hat. Sie sind authentisch und nehmen die Leser emotional sehr mit.

Der Schreibstil ist gut verständlich, sehr differenziert und präzise schildernd. Die Autorin wahrt etwas Distanz zu den Geschehnissen und erhebt damit jederzeit den Anspruch, die eingearbeitete Zeitgeschichte nicht zu übertreiben. Die Liebesgeschichte ist in die schrecklichen Geschehnisse sehr feinsinnig und ohne Klischees eingearbeitet. Die Schauplätze sind sehr genau beschrieben und lassen es zu, anschaulich nach Japan zu reisen.

Das Buch erwartet beim Lesen volle Aufmerksamkeit, da es nicht nur die Geschichte von Ameratasu und ihrem Enkel erzählt, sondern häufig die Perspektive wechselt und viele zeitliche Sprünge vornimmt. Dabei nutzt die Autorin nicht die Chronologie der Ereignisse, sondern bindet Lebensabschnitt zu Gedanken, oder schildert Vorkommnisse ohne einen zeitlichen Bezug. Das ist aber sehr positiv zu bewerten, weil die Erzählung an Intensität, Spannung und Verständnis gewinnt. Zu Beginn eines Kapitels erfahren wir eine Begrifflichkeit über die japanische Kultur, die gerade in diesem Abschnitt eine Bedeutung hat.

Dieses Familiendrama wird neben den Erinnerungen von Ameratasu, auch aus dem Tagebuch ihrer Tochter Yoko und Briefen von Shige geschildert. Insgesamt entsteht ein ziemlich komplexes Bild, getragen von japanischen Traditionen und Werten, ein Bild das außerdem die Vergangenheit der Protagonisten, die geschichtlichen Ereignisse und die neue Zeit miteinander verbindet. Im Mittelpunkt stehen eine unendlich tragische Familientragödie und die Folgen vom 09. August 1945.

Ein Buch mit hohem Anspruch auf ebenso hohem Niveau. Ein Buch, das einem nach einer schweren Reise durch die Vergangenheit, einen Abschluss präsentiert, der etwas aufatmen lässt. Von mir gibt es eine ausdrückliche Leseempfehlung.

Friedericke von „friederickes Bücherblog“

Bewertung vom 26.01.2018
Liebe M. Du bringst mein Herz zum Überlaufen
Paulsen, Anna

Liebe M. Du bringst mein Herz zum Überlaufen


sehr gut

Ein anmutiger Roman zum Träumen

Das Cover

Das Cover sagt alles über den Inhalt. Ein Briefumschlag, der passende Stift, zarte Blumen für die Romantik und ein ebenso zartes Farbenspiel als Hintergrund. Den Titel muss man etwas genauer betrachten, weil er ein bisschen ausladend ist. Aber das Gesamtbild und der Klappentext versprechen eine romantische Liebesgeschichte.

Die Geschichte (Achtung Spoiler!)
Matilda lebt sehr zurückgezogen in ihrer Dachwohnung. Ihr Alltag ist gut strukturiert. Alles ist durchdacht und Überraschungen mag sie gar nicht. Am Tage geht sie in ihrer Arbeit auf dem Amt für nicht zustellbare Post auf. In ihrer Freizeit widmet sie sich hauptsächlich Büchern. Auch sonst ist sie eher altmodisch und verzichtet auf ein Smartphone und andere Errungenschaften. Von der Liebe will sie persönlich nichts wissen. Als sie eines Tages in ihrem Büro einen alten Brief findet, fühlt sie, dass sie ihn nicht vorschriftsmäßig behandeln kann, weil es um eine herzbewegende Liebesgeschichte geht. Aus diesem Grund verlässt sie ihre selbstgewählte Einsamkeit. Sie will mehrere Jahrzehnte später diesen Brief zustellen, weil die beiden Liebenden das nach ihrer Meinung verdient haben. Ob ihr das noch rechtzeitig gelingt?

Meine Meinung

Die ersten Seiten des Buches haben mich etwas angestrengt, denn ich musste mich gewissermaßen mit Matildas Art, träumerisch durch die Welt zu laufen, erst einmal anfreunden. Ihre Gedanken waren nämlich unentwegt im Einsatz. So ging sie bei einer Verkäuferin eine lange geistige Namensliste durch und fragte sich, welcher eventuell und vielleicht zu der Frau an der Kasse passen könnte. Ähnlich machte sie es mit Menschen die ihr zufällig begegneten, indem sie dann unendlich viele Berufe abcheckte, die auf diese Person passen könnten. Wobei es dabei nicht ausbleibt, dass die Realität manchmal eine andere ist. Hinzu kam ihre doch sehr altmodische Lebensweise, ihre Lust möglichst mit ihren Büchern alleine zu sein, weder ein Smartphone, noch einen Führerschein besitzen zu wollen. Auch will sie nicht mit Kollegen den Feierabend genießen. Aber sie ist eine liebenswerte Protagonistin, die ich ins Herz geschlossen habe, der ich nach und nach aufgrund ihrer Kindheit viel Verständnis entgegenbrachte.
Die Geschichte wird aus der Perspektive vom Matilda erzählt, die uns ganz tief in ihre Welt, ihre Gedanken eintauchen lässt. Alle weiteren Figuren sind sehr gefühlvoll ausgearbeitet und wunderbar in die Geschichte eingebettet. Die Schauplätze sind sehr gut beschrieben, sodass man als Leser gerne dabei ist.
Als eines Tages ein Nachbar ihre Hilfe benötigt und sie außerdem einen Brief findet, muss sie aus ihrer kleinen selbstgebauten Welt heraustreten, was ihr dann ermöglicht weiteren unzustellbaren Liebesbriefen ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Ab diesem Zeitpunkt schreitet auch die Geschichte mit Wendungen und Überraschungen voran. Das alles geschieht in einer vielfältigen, leicht verständlichen und gefühlvollen Sprache.
Insgesamt eine romantische Liebesgeschichte, mit Liebesbriefen die zum Träumen einladen. Ein Buch das Wohlbefinden, gute Laune und auch Lebensmut verbreitet. Ein Lesevergnügen genau richtig für triste Wintertage.
Ich spreche meine ausdrückliche Leseempfehlung aus.

friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 11.01.2018
Glanzvolle Zeiten / Das Gutshaus Bd.1
Jacobs, Anne

Glanzvolle Zeiten / Das Gutshaus Bd.1


sehr gut

Der Beginn einer spannenden Familiensaga

Das Cover

Das Cover passt prima zu den Inhalten des Buches. Ein Gutshaus, grüne Landschaften und eine junge Frau aus glanzvollen Zeiten. Die Aufmachung schließt sich an die Tuchvilla an und festigt so den Wiedererkennungswert der Autorin. Der Klappentext ist perfekt gewählt.

Die Geschichte (Achtung Spoiler!)
Franziska Kettler macht sich kurz nach der Wende auf den Weg in die alte Heimat. Sie will das Gut ihrer Familie, von dem sie in den Wirren des Krieges, zusammen mit ihrer Mutter vertrieben wurde, sehen. Mit ihren stolzen siebzig Jahren muss sie dann eine Aufregung nach der anderen erleben. Und natürlich sieht das Gutshaus nicht mehr so aus, wie sie es in Erinnerung hat. Es ist heruntergekommen und beschädigt. Alles hat sich verändert, die Gebäude, der Park, das Dorf und das ganze Umfeld. Die Leute treten ihr mit Misstrauen entgegen. Ein herzlicher Empfang ist das nicht. Aber die Magie der Vergangenheit, die Erinnerung an die glanzvollen Zeiten und die Gedanken an ihre einst große Liebe Walter, lassen sie trotz aller Widrigkeiten ihre Ziele verfolgen.

Meine Meinung

Anfänglich brauchte ich etwas, um die Protagonisten zu verinnerlichen. Eine ohnehin schon große Familie mit auch noch vielen Verwandten, die da gleich zu Beginn zu einem Festessen aufschlagen, dazu jede Menge Personal, forderte mich schon sehr heraus, damit ich mir deren Namen alle merken und zuordnen konnte.
Die Geschichte wird über zwei Zeitebenen erzählt. Einmal aus den neunziger Jahren, gleich nach der Wende und in Rückblenden aus der Zeit vor und während des Zweiten Weltkrieges. Ich finde die Figuren gut ausgearbeitet und ihre Charaktere glaubhaft, sodass ich mich sehr gut einfühlen konnte. Sie ließen mich auch alle emotional an den Geschehnissen teilhaben. Die Schauplätze sind bis ins kleinste Detail bildhaft beschrieben und die Einarbeitung der Zeitgeschichte beruht auf einer guten Recherche. Was mir nicht so gut gefallen hat, war der anfänglich harte Einsatz von Ossi Klischees. Ich weiß sehr wohl, dass es in dieser Zeit viel Misstrauen im Umgang miteinander gab und die Enteignungen für alle Seiten nicht einfach zu Händeln waren, aber das war mir etwas zu hart.
Die Geschichte wurde außerdem aus verschiedenen Perspektiven erzählt und schrieb sich in ihrem Spannungsbogen stets fort, sodass die Lust am Lesen und die Neugierde erhalten blieben. Dass die Autorin in einer gut verständlichen und auch flüssigen Sprache schreibt, kennen wir bereits aus ihren anderen Veröffentlichungen. Natürlich ist es so, dass man ab und zu erahnt was gewesen sein könnte, oder was jetzt kommt. Und das Ende, das war mir etwas zu einfach, nach dem was wir auf mehreren hundert Seiten zuvor gelesen haben. Aber das schadet der Erzählung in keinem Fall.
Insgesamt ein spannendes Buch, das die schlimme Zeit des Krieges, die dazugehörigen schweren Lebensbedingungen der Menschen und die starken Veränderungen durch die Teilung Deutschlands in die Geschichte einbindet.
Ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt und freue mich schon auf den zweiten Teil der Familiensaga.
Aus diesem Grund spreche eine nachdrückliche Leseempfehlung aus.

friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 10.01.2018
Jakob der Lügner (Ungekürzte Lesung) (MP3-Download)
Becker, Jurek

Jakob der Lügner (Ungekürzte Lesung) (MP3-Download)


ausgezeichnet

Hoffnung – Wahrheit – Lüge

Das Cover

Das Cover ist trist und grau. Die Bäume spielen im Buch eine Rolle, obwohl sie eigentlich gar nicht da sein dürften. Aber hier müsste ich zu viel Spoilern, um das zu erklären. Und in der Mitte steht ein Mensch. Der Autor Jurek Becker. Insgesamt finde das Cover sehr gelungen.

Die Geschichte (Achtung Spoiler!)

Jakob der Jude lebt in einem Ghetto, indem er und viele andere auf den Abtransport warten. Als er sich auf der Wache melden muss, hört er im deutschen Radio von einer Schlacht um Bezanika. Dieses Wissen schmückt er damit aus, dass er erzählt, die Russen und die Befreiung sei nicht mehr weit weg. Er verteilt damit Hoffnung und hält andere Menschen davon ab, ihrem Leben ein Ende setzen zu wollen. Er erfindet immer neue Geschichten und behauptet, er hätte ein Radio. Damit wird sein Radio zum Hoffnungsträger. Irgendwann gibt er dann zu, gar kein Radio zu besitzen, aber keiner will ihm glauben. Die Juden werden dennoch abtransportiert und die Russen kommen, aber sie kommen leider viel zu spät.

Meine Meinung

Dieses beeindruckende Werk wurde schon so oft besprochen, denn das Buch ist lange bekannt. Wie ich gelesen habe ist es auch im Schulunterricht im Einsatz. Außerdem ist der Autor ein Künstler des Erzählens, sodass ich keine übliche Rezension verfassen möchte.
Die Geschichte wird von einem Erzähler vorgetragen, der Jakob kennt und diesem ganz nahe ist. Das Buch hat relativ wenig Dialoge und deshalb liegt die Konzentration auf dem Erzähler. Der Autor schildert die Geschehnisse rund um Jakob Heym und andere Bewohner in einer großartigen, lebhaften und bildhaften Darstellung, dass die Gänsehaut und das Mitgefühl sich als Dauergast einmieten. Man blickt in die Seelen und die Geschehnisse jener Zeit. Jurek Becker kann das so genau und so präzise berichten, weil er selbst in einem Ghetto war. Beeindruckend auch, wie die Lüge zur Wahrheit und die Wahrheit zur Lüge wird. Ein vielfach ausgezeichneter Autor, der von mir nicht rezensiert werden muss. Seine Lebensleistung und sein Erfolg sprechen für sich. Ein ergreifendes Buch, das jeder einmal gelesen haben sollte.
Wer aber diese Erzählung mit einem weiteren Tiefgang anreichern möchte, der sollte zu dem neuen Hörbuch greifen. Zum ersten Mal liegt eine ungekürzte Fassung vor. Der Schauspieler August Diehl versteht es, die Geschichte auf zurückhaltende Art, mit kraftvoller Stimme zu einem Hörgenuss werden zu lassen.
Ich spreche eine nachdrückliche Empfehlung aus.
friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 04.01.2018
Ehemänner
Attenberg, Jami

Ehemänner


sehr gut

Der schwierige Weg aus der Einsamkeit
Cover

Das Cover hat mich ehrlich gesagt nicht angesprochen. Aber das ist meine individuelle Einschätzung. Und auch der Titel hat meine Neugierde nicht geweckt. Aber der Klappentext, der hat mich neugierig gemacht. Ich fand, dass es eine interessante Geschichte sein könnte.

Die Geschichte (Spoiler!):

Jarvis Miller lebt in New York. Ihr Mann liegt seit sechs Jahren im Koma. Er ist ein Künstler, ein Maler. Seither lebt sie zurückgezogen in der gemeinsamen Wohnung und trauert. Immer wieder wird sie von Galeristen und anderen Kunstbesessenen bedrängt, Ausstellungen zuzustimmen, weil der künstlerische Wert nach dem Unfall in die Höhe schnellte.
Eines Tages ist ihre Waschmaschine kaputt und sie sucht einen Waschsalon auf. Dort lernt sie drei Ehemänner kennen, die sich regelmäßig treffen. Sie freundet sich mit diesen an und beginnt langsam wieder am Leben teil zu nehmen, fängt an die Einsamkeit abzustreifen und möchte nicht mehr diese halbe Witwe sein.
Dann findet sie auch noch eine Reihe von Fotos, die ihr Dinge zeigen, von denen nicht nie gedacht hätte, dass es sie geben könnte.

Meine Meinung:

Ich habe mir einige Tage Zeit gelassen, um diese Rezension zu schreiben. Warum? Es war keine einfache Meinungsbildung. Es handelt sich einerseits um ein belastendes Schicksal, das Betroffene auf jeden Fall aus der Bahn werfen kann. Und andererseits kommt das Buch mit einer gewissen Leichtigkeit und manchmal auch Ironie, gar schwarzem Humor daher, was vielleicht dabei helfen kann, die Einsamkeit eines schwierigen Lebens zu verlassen. Dieser Gegensatz, das ist etwas, was mich irritiert hat, obwohl ich natürlich weiß, dass es von der Autorin so beabsichtigt ist.

Ich teile meine Bewertung deshalb in zwei Bereiche ein. Zunächst meine gefühlsmäßigen Gedanken, die mir diese Probleme bereiten. Da ist eine Frau, die jahrelang nur davon lebt, ab und zu ein paar Bilder ihres Mannes zu verkaufen und ihn regelmäßig zu besuchen. Eine Frau, die ansonsten in der Einsamkeit ihre Zuflucht sucht. Eines Tages muss sie in die Wäscherei, wie wir ja wissen. Dort sind drei Ehemänner (Hausmänner), die mir mit ihren Charakteren viel zu flach sind und die drei sind dann auch noch der Auslöser, dass Jarvis beginnt ihr Leben zu überdenken. Auch die vielen Rückblenden und die gedankliche Aufarbeitung ihres ganzen bisherigen Lebens und ihrer Trauer waren zumindest in der ersten Hälfte des Buches immer wieder der Schwerpunkt und das war mir auch etwas zu viel.

Der zweite Bereich ist die Umsetzung. Die Autorin hat eine tolle Art verständlich und spannend zu schreiben. Der schon erwähnte schwarze Humor, die Ironie, die Leichtigkeit und dann wieder Melancholie ließen mich mit der Geschichte mitgehen. Immer wieder musste ich die Situation dieser Ehe, die ja keine sein kann, beleuchten, darüber nachdenken, wie ein Weg zurück ins Leben sein könnte. Auch das ist ein Gegensatz, wenn man ein Buch nicht weglegen kann, obwohl man manches kritisch hinterfragt. Es ist in einer wunderbaren Sprache verfasst. Außerdem sind die Schauplätze und das Leben in New York so gut beschrieben, dass man sich das sehr präzise vorstellen kann.

Zusammengefasst ist es für mich so, dass meine gefühlten Eindrücke einzig und allein meine persönlichen Ansichten sind und dieses jeder Leser wohl anders einordnen wird. Das Buch aber, ist aufgrund des Themas, der Herangehensweise der Autorin, und der speziellen Umsetzung mittels der Sprache, sehr gelungen. Ich bin der Meinung, dass es eine gute Bewertung und eine Leseempfehlung verdient hat.

Friedericke von „friederickes Bücherblog“

Bewertung vom 31.12.2017
Das Licht der Insel (eBook, ePUB)
Pendziwol, Jean E.

Das Licht der Insel (eBook, ePUB)


ausgezeichnet

Eine Suche nach der Vergangenheit

Cover:


Die Farben grau und blau. Eine bewegte See. Dazu ein Leuchtturm im Licht, aufsteigender Nebel, Einsamkeit und eine geheimnisvolle Atmosphäre. Das sind die Zutaten, die zusammen mit dem Klappentext einladen, das Buch haben und lesen zu wollen.


Die Geschichte (Spoiler!):


Es geht um Elizabeth, die mit den Eltern und ihren Geschwistern auf einer Insel im Lake Superior lebt. Ihr Vater ist Leuchtturmwärter. Mit ihrer Schwester Emily bestand von klein an eine starke Beziehung. Elizabeth fühlt sich immer für sie verantwortlich, weil sie anders ist, nicht spricht, aber wunderschöne Bilder malt. Auch Bruder Charles ist eng mit den beiden Mädchen verbunden. Ein furchtbares Ereignis zerstört aber dann das Leben auf der Insel.

Jahrzehnte später bekommt Elizabeth, die mittlerweile in einem Altenheim lebt, die Nachricht, dass das Boot ihres Bruders gefunden wurde und erfährt auch, dass er ertrunken ist. Sie hat ihn seit siebzig Jahren nicht mehr gesprochen Was hatte ihn nach so langer Zeit bewogen zurückzukehren?

Und dann ist da noch Morgen, ein junges aufmüpfiges Teenagermädchen, das im Altenheim Sozialstunden ableisten muss. In ihr findet Elizabeth eine große Unterstützung bei der Suche nach verlorenen Puzzleteilen ihrer Vergangenheit und der Aufarbeitung ihres Lebens.


Meine Meinung:


Die Zwillinge Elizabeth und Emily wurden 1925 geboren. In diesem Zeitraum beginnt auch das Buch. Die Geschichte wird aus zwei Perspektiven und zwei Zeitebenen erzählt. Anfänglich fühlte ich mich etwas gestört, wenn ich aus der Vergangenheit und den Schilderungen des schweren und einfachen Lebens auf der Insel durch den Perspektivwechsel herausgerissen wurde, um mich im Hier und heute, einem aufmüpfigen Teenager, mit seinen Ungezogenheiten zu nähern.
Aber je weiter ich der Geschichte folgte, umso verständlicher betteten sich die Wechsel zwischen den Zeiten in den Spannungsbogen ein und verloren durch die Lebensbedingungen des Mädchens die harten Unterschiede.

Die Autorin schrieb die Geschichte in einer leicht verständlichen, auch schon einmal blumigen und in Teilen gar poetischen Sprache. Die raue und bisweilen die Menschen an ihre Grenzen bringende Natur, ist bis ins kleinste Detail beschrieben. Ebenso die zeitgeschichtliche Einbindung der damaligen Lebensumstände und Berufe am See. Auch die Schauplätze werden bildlich so nah gebracht, dass man das Gefühl hat persönlich dabei zu sein. Die Charaktere der Figuren sind wunderbar erarbeitet, authentisch und mit den Dialogen harmonisiert. Die gedanklichen Rückblicke von Elizabeth, sowie die übergebenen Logbücher ihres Vaters und das Mädchen Morgen, lüften die noch vorhandenen Geheimnisse. Das ganze Buch ist voller Gefühle, Emotionen, Irrungen und Wirrungen. Die Geschichte geht in die Tiefe, berührt und fasziniert. An keiner Stelle kann man sich sicher sein, dass man erahnen könnte, wie es weiter geht. Das Ende war dann auch unerwartet anders.

Das alles zusammen zeichnet ein gutes Buch aus. Und aus diesem Grund spreche ich eine Leseempfehlung aus.

Friedericke von „friederickes Bücherblog“

Bewertung vom 17.12.2017
Italienische Nächte
Webb, Katherine

Italienische Nächte


sehr gut

Nicht nur eine Liebesgeschichte

Das Cover

Ein verspieltes südländisches Landschaftsbild mit Blumen und der Balustrade eines Herrenhauses. In Verbindung mit dem Titel und dem Klappentext ließ mich die Aufmachung glauben, einen Liebesroman lesen zu dürfen. Jetzt wo ich das Buch aber gelesen habe, finde ich das Bild und den Titel nicht passend und insgesamt irreführend.

Die Geschichte (Achtung: Spoiler!)

Clare reist mit ihrem Stiefsohn (15 Jahre) auf Wunsch ihres Mannes Boyd nach Apulien hinterher, obwohl sie lieber in England bleiben würde. Sie wohnen bei dem Großgrundbesitzer Leandro und seiner Frau Marcie.
Er arbeitet dort als Architekt und die Beziehung zwischen den Eheleuten ist irgendwie schwierig. Als Leser spürt man, dass bei den Beiden einiges nicht stimmt. Die junge Frau fühlt sich nach ihrer Ankunft nicht wohl in einem einsamen Landstrich, der täglich unter der sommerlichen Hitze ächzt. Es ist außerdem langweilig und öde und als sie zusehen muss, wie ein Mann zusammengeschlagen wird, würde sie am liebsten sofort abreisen. Doch man zwingt sie zu bleiben.
Eines Tages kommt der Neffe des Großgrundbesitzers verletzt ins Haus, weil er Hilfe benötigt. Und dann, dann ändert sich für Clare einiges.

Meine Meinung: Achtung: (Spoiler!)

Der Titel und das Cover hat mir eingeredet, dass ich einen Liebesroman unter der südlichen Sonne lesen darf. Aber bereits nach wenigen Seiten musste ich innehalten, weil mich das Cover, der Titel und der Klappentext doch in die Irre führten.
Das Buch beginnt von Anfang an düster, anspruchsvoll und wird von den politischen Gegebenheiten getragen. Die Geschichte spielt in einer Zeit zu Beginn des letzten Jahrhunderts, die Hunger, Not, Elend, Korruption, Mord, Folter und Gewalt zu bieten hat. Apulien ist ein karges und auch ein armes Land. Es herrscht Krieg zwischen den armen und den reichen Menschen. Man bringt sich im wahrsten Sinne des Wortes für ein bisschen Essen um. Die Tagelöhner werden wie Tiere behandelt.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Ettore und Clare in der Gegenwart erzählt. Dadurch darf der Leser die komplette Gefühlswelt, die Ängste und Probleme der Protagonisten hautnah miterleben. Die Autorin schreibt lebhaft in einer vielschichtigen und gut verständlichen Sprache. Die Figuren sind perfekt ausgearbeitet. Sie sind aufgrund der Geschichte sehr komplex und passen nicht in eine Schublade gut oder böse. Die Schauplätze sind bis ins kleinste Detail beschrieben.
Die Erzählung nimmt einen grundsätzlich emotional sehr mit. Gelegentlich ist es auch etwas langatmig und tritt auf der Stelle, bis es dann wieder kraftvoll weitergeht. Mal sind wir in einer zärtlichen Liebesgeschichte unterwegs, die es ja auch zwischendurch gibt, und dann wieder in einer Brutalität und Düsterheit der Zeitgeschichte, die übrigens gut recherchiert war, dass einem ganz anders wird.
Das Buch ist keine Romanze des 20. Jahrhunderts unter der Sonne des Südens. Die Grausamkeiten sind in voller Härte beschrieben. Es ist zwar eine Liebesgeschichte hineingewoben, aber eigentlich geht es um ein Stück Zeitgeschichte Italiens, die nicht ganz leicht zu konsumieren ist. Das Buch ist dennoch gut gemacht. Es ist unterhaltsam, spannend und mit einem völlig unerwarteten Ende. Ein wunderbares Buch. Ich spreche gerne eine Leseempfehlung aus.

Friedericke von „friederickes Bücherblog

Bewertung vom 08.12.2017
Der verbotene Liebesbrief
Riley, Lucinda

Der verbotene Liebesbrief


sehr gut

Ein spannendes Buch


Das Cover

Der Küstenstreifen mit seinen Felsen und dem Haus im Hintergrund passt genau zum Inhalt des Buches. Die Farben und die gesamte Grafik ordnet das Buch den anderen Büchern von Lucinda Riley zu und sorgt damit für einen hohen Wiedererkennungswert.

Die Geschichte (Achtung: Spoiler!)
Die Journalistin Joanna soll von der Gedenkfeier des verstorbenen Schauspielers Sir James Harrison berichten. Dort lernt sie eine alte Dame kennen, die sie nach einem Schwächeanfall nach Hause begleitet. Einige Tage später schickt sie Joanna einen Umschlag, der einen mysteriösen Liebesbrief enthält.
Joannas Neugierde ist geweckt und sie beginnt der Frage journalistisch nachzugehen. Sie möchte wissen, wer die Liebenden sind und was ihr Leben war. Als sie in die Vergangenheit des verstorbenen Schauspielers eintaucht, gerät sie in tödliche Gefahr.

Meine Meinung: (Achtung: Spoiler!)

Ich habe bisher ein Buch von Lucinda Riley gelesen und das mit großer Begeisterung. Dieses Buch ist allerdings sehr anders, aber nicht minder spannend. Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Da wäre die Journalistin Joanna, die mich sofort in ihr Leben gelassen und mich mitgenommen hat. Sie lernt dann im Zuge ihrer Recherche Marcus den Enkel von Sir James Harrison kennen, der mit ihr zusammen in die Unterlagen seines Großvaters einsteigt, um mehr über dessen Leben zu erfahren. Ich fand ihn zunächst aus der Ecke Bruder Leichtfuß kommend und ordnete ihn deshalb langweilig ein, was sich aber schnell änderte.
Dann ist da noch seine Schwester Zoe, die auch als Schauspielerin arbeitet und das Erbe ihres Großvaters verwaltet. Mehr möchte ich zu ihr nicht sagen, um nicht allzu viel zu Spoilern. Das Gleiche trifft auf Joannas Freund Simon zu. Beide Figuren haben mich oftmals in ihrem Handeln allerdings nicht wirklich überzeugt.
Über Schreibstiel und Spannung müssen wir bei Lucinda Riley nicht reden. Auch dieses Buch war kurzweilig, interessant und unterhaltsam. Nur die Erzählung an sich hat mich an der einen oder anderen Stelle etwas ratlos zurückgelassen. Warum? Die Einbindung z. B. der Königsfamilie, fand ich nicht besonders gelungen. Das ganze Konstrukt der Geschichte hat mich eigentlich nicht überzeugt. Mir schien es nicht wirklich ausgereift. Manche plötzlichen Wendungen und Handlungen waren deshalb auch nicht plausibel. Und das Ende war mit Verlaub sehr flach. Gewöhnungsbedürftig war auch der große Anteil kriminalistischer Aktivitäten, was man von Lucinda Riley nicht unbedingt erwartet.
Deshalb ist die Geschichte um Joanna und Marcus, sowie dem verbotenen Liebesbrief für mich nicht das beste Buch, das ich von der Autorin gelesen habe.
Aufgrund der aber über alle Seiten hinweg immer hochgehaltenen Spannung, dem wunderbaren Schreibstil und der Kurzweil, fühlt man sich prima unterhalten und erlebt schöne Lesestunden. Und deshalb spreche ich eine Leseempfehlung aus.

friedericke von "friederickes Bücherblog"

Bewertung vom 22.11.2017
Die Abenteuer von Hexe Krepelkirsche und Räuber Fürchtenix
Rothe, Ina

Die Abenteuer von Hexe Krepelkirsche und Räuber Fürchtenix


gut

Ein zauberhaftes Kinderbuch

Cover:

Das Cover zeigt die Hexe und den Räuber unterwegs auf einem Besen. Eine kindgerechte Zeichnung, die auf die Geschichte hinweist.


Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

Hexe Krepelkirsche und Räuber Fürchtenix sind mit ihrem Besen versehentlich vor einem Kindergarten gelandet. Heimlich macht er sich dort zu schaffen und etwas später entdeckt die Hexe seine Beute. Die Polizei schreitet ein.


Meine Meinung:

Es handelt sich um ein kleines Buch für Kinder von drei bis fünf Jahren. Der Text ist kindgerecht und zum Vorlesen konzipiert. Ich denke aber, dass er vom Vortrag auf der Bühne abgeleitet ist und dort natürlich durch die agierenden Personen mit ihrer Stimme und dem starken Ausdruck weit mehr zur Geltung kommen kann, als wenn man das neben den allerdings wunderbaren Zeichnungen nur vorliest.

Meiner Meinung nach sollte auch für kleine Kinder etwas mehr Spannung eingebaut werden. Auch könnte für mich die Auswirkung von Unehrlichkeit etwas mehr Raum bekommen.

Aber die Idee ist wunderbar.
Zur Buchgestaltung möchte ich sagen, dass die wenigen Seiten auf dünnem Papier optisch nicht gerade vermitteln ein Buch in der Hand zu halten. Da folgt dann relativ schnell der Vergleich zwischen Preis und Leistung, der dann vom aussagekräftigen Inhalt ablenkt.
Ich weiß schon, dass es immer schwierig ist ein Buch mit vielen Farbseiten herzustellen, welches dann auch noch einen einladenden Preis hat. Die Frage, ob man das Buch optisch durch dickeres Papier bei gleicher Seitenzahl oder durch mehr Textseiten aufwertet ist und bleibt der Spagat.


Friedericke von „friederickes Bücherblog“