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Benutzername: friederickes Bücherblog
Wohnort: Berlin
Über mich: Als Bücherblog rezensieren wir gerne unabhängig und redaktionell frei Bücher für Verlage und Autoren. Schicke uns bitte vorab eine kurze Anfrage (Buchtitel und Klappentext) per Mail. Verlage dürfen uns ebenfalls gerne kontaktieren. Unsere Schwerpunkte sind: Romane der Zeitgeschichte, Historische Romane, Frauenromane, Liebesromane und Biografien.
Danksagungen: 26 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 143 Bewertungen
Bewertung vom 06.07.2020
Fünf Wörter für Glück
Dove, Ella

Fünf Wörter für Glück


sehr gut

Eine Geschichte voller Hoffnung

Das Cover:
Ein luftig, leichter Hintergrund, zarte Farben und unten eine kleine Schattenfigur, die eine junge Tänzerin auf einem Bein zeigt. Das ist für mich eine sehr stimmungsvolle Buchpräsentation, die ich sehr gelungen finde.
Die Geschichte:
Heidi versucht, in London als Schauspielerin arbeiten, zu dürfen, was aber sehr mühselig ist. Daneben arbeitet sie in einem Restaurant, um sich über Wasser zu halten. Auch das Leben in einer Beziehung will nicht so richtig gelingen. Eines Tages reißt sie ein schwerer Unfall aus ihrem bisherigen Leben und alles, was bisher war, wird infrage gestellt.
In der Rehaklinik teilt sie ihr Zimmer mit der 80 zig-jährigen Maud, deren Optimismus und Lebensfreude auf sie überspringt. Hinzu kommt deren Enkel Jack, der auf sie einwirkt, sie aus der Ecke holt und ihr den Rat gibt eine Liste anzufertigen, ein fünf Punkte Plan zurück ins Glück des Lebens. Ein schwerer Weg für sie und ihre Familie, der immer wieder neue Herausforderungen bringt. Ob ihre damit verbundene Hoffnung in Erfüllung geht?

Meine Meinung:
Diese Geschichte hat mich sehr berührt. Sie schildert, wie schnell das bisherige Leben nicht mehr möglich ist, wie schnell die noch so fleißig geplante Zukunft nicht mehr im Vordergrund stehen kann.
Heidi hat mich teilhaben lassen an ihrem Schicksal. Sie ließ mich ganz tief in ihre Seele, in ihre innere Zerrissenheit blicken. Ja sie teilte jeden Gedankengang, jede Vorstellung mit mir, jeden Zweifel, aber auch alles, was Lebensmut brachte. Sehr gut gefallen hat mir der Einfluss und die Lebenserfahrung der klugen Maud, die ein ebenso schweres Los zu tragen hatte, aber ganz anders damit umging und Heide unter ihre Fittiche nahm. Ebenso der Enkel von Maud, dessen Einfluss sehr feinfühlig und hilfreich war.
Die Autorin hat diese intensive Nähe zu Heidi durch die „Ich“ Erzählung geschaffen, sie außerdem durch das Erleben des ähnlichen Schicksals verstärkt offengelegt, was sehr zu spüren ist. Alle Protagonisten sind sehr gut ausgearbeitet und glaubhaft. Ella Dove schreibt in einer sehr flüssigen, lebhaften und unterhaltsamen Sprache. Ein bisschen hätte ich mir gewünscht, dass auch das Schicksal von Maude etwas länger, offener und spürbarer beschrieben gewesen wäre. Der tiefe Blick in den Alltag einer Rehaklinik mit ihren Patienten, sowie die Belastungen der Angehörigen, für die ein derartiger Einschnitt im Leben eines geliebten Menschen, eine schwere Bürde sind, sind heraustragend eingebunden. Alles ist sehr authentisch.
Mein Fazit: Ein Buch, das neben der Nachdenklichkeit viel Zuversicht und Mut vermittelt. Natürlich erhält es eine ausdrückliche Leseempfehlung.
Heidelinde von „friederickes bücherblog“

Bewertung vom 26.06.2020
Aufbruch in ein neues Leben / Das Weingut Bd.2
Lacrosse, Marie

Aufbruch in ein neues Leben / Das Weingut Bd.2


ausgezeichnet

Was für eine begeisternde Fortsetzung

Das Cover:
Das Cover zeigt in Hintergrund ein beeindruckendes Weingut inmitten der Weinberge. Die Farben sind sehr harmonisch abgestimmt, sodass eine neugierig machende Stimmung erzeugt wird. Insgesamt ist die Abbildung an den ersten Teil angelehnt und somit wird dem hohen Wiedererkennungswert Rechnung getragen. Zusammen mit dem Klappentext eine in sich stimmende Buchpräsentation.
Die Geschichte:
In diesem zweiten Band sind wir in den 1870er Jahren unterwegs. Es geht es um die Zeit nach dem Deutsch-Französischen Krieg, um die wirtschaftliche, auch die politische und gesellschaftliche Lage im Elsass und in der Pfalz. Sohn Franz kommt als Kriegsversehrter zurück und niemand kann oder will ihm sagen, wo das Dienstmädchen Irene, seine Geliebte sich jetzt aufhält. Er würde am liebsten wegziehen, aber einige Umstände erschweren dieses Ansinnen und zwingen ihn andere Wege zu gehen.
Irene hat ihre Stelle als Dienstmädchen verloren und kämpft in der Fremde unter schwersten und unglaublichen Bedingungen in einer Fabrik, um das tägliche Brot und die Möglichkeit ihren kleinen Jungen Fränzel großzuziehen.
Die Mutter von Franz wurde in ein Irrenhaus eingewiesen und wird mit unglaublichen Methoden therapiert und gequält. Sein Vater, versucht weiterhin den Besitzstand zu wahren, achtet mit allen Mitteln darauf nichts zu verlieren und abzugeben zu müssen. Die Schwester von Franz ist ebenso arrogant, wie im ersten Teil.
Meine Meinung:
Was für ein Buch, was für eine Spannung. Dieser zweite Teil hat mich noch mehr gefesselt, als der Erste und auch dieses Mal waren Franz und Irene meine absoluten Lieblingsprotagonisten. Sie haben mich erneut auf intensivste Art an ihrem Leben teilhaben lassen, das alles andere als leicht, ja aus heutiger Sicht gar unvorstellbar war. Schwerpunkte waren die Standesunterschiede, die wirtschaftlichen Gegebenheiten, das ungeheure Verhalten der Fabrikbesitzer und die daraus resultierende Not der Arbeiter. Auch der Blick hinter die Kulissen eines Irrenhauses der Zeit, jagte mir die Gänsehaut über den Rücken. Alle Protagonisten sind überzeugend und authentisch in ihrem zugewiesenen Handeln. Wie schon im ersten Teil von mir beschrieben, schreibt die Autorin in einer leicht verständlichen, flüssigen und ausdrucksstarken Sprache, die mich überzeugend in die damalige Zeit entführte. Die Schauplätze sind wunderbar beschrieben und da ich viele davon persönlich kenne, kann ich das explizit bestätigen. Die perfekte und feinsinnige Einarbeitung der Zeitgeschichte, gestattete mir, in eine Welt einzutauchen, die den Menschen alles abverlangte und mich vielfach erschütterte. Das alles setzt eine intensive und bemerkenswerte Recherche voraus. Die zahlreich wechselnden Erzählperspektiven sorgen für einen durchgängig hohen Spannungsbogen, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.
Mein Fazit: Es ist ein Buch der Extra-Klasse, ein Buch, das zu meinen Highlights des Jahres gehört. Ich empfehle des Genusses wegen, den Teil 1 vorab zu lesen. Meine Begeisterung und meine Leseempfehlung teile ich hier gerne mit.

Bewertung vom 11.06.2020
Schatten und Licht / Fräulein Gold Bd.1
Stern, Anne

Schatten und Licht / Fräulein Gold Bd.1


ausgezeichnet

Rezensionstitel: Was für ein Auftakt

Das Cover
Das Cover passt perfekt. Die Farbgebung und dieses starke eindrucksvolle Gesicht einer selbstbewussten Frau in den Zwanzigerjahren ist eine Buchpräsentation, die passender nicht sein könnte.


Die Geschichte:
Es ist das Jahr 1922. Hulda Gold, ist eine Hebamme, die in Berlin Schöneberg sehr beliebt ist. Bei ihren Hausbesuchen trifft die energische junge Frau, auf einen Querschnitt der Gesellschaft, und kümmert sich intensiv um die Frauen, deren Schicksal ihr besonders am Herzen liegen. Der Krieg ist immer noch nicht überwunden, die Wunden werden noch geleckt, und die Armut ist der tägliche Begleiter sehr vieler Menschen. Huldas Arbeit, gerade auch in einem der Elendsviertel der Stadt, im berüchtigten Bülowbogen, fordert all ihre Kraft. Als sie sich um eine Schwangere kümmert, erfährt sie von ihr, dass ihre Nachbarin tot im Landwehrkanal gefunden wurde. Es soll ein Unfall sein, hörte man, aber plötzlich interessierte sich ein Kriminaler für den Fall. Wieso fragt sie sich? Hulda lässt das nicht in Ruhe, sie geht der Sache nach, was sie aber mehrmals in Schwierigkeiten bringt, denn sie schaut in die Abgründe der Stadt, die nicht nur Licht, sondern auch viele Schatten hat.

Meine Meinung:
Ich habe schon einige Bücher von Anne Stern gelesen und wurde nie enttäuscht. In diesem Buch durfte ich in Berlin-Schöneberg unterwegs sein. Ein Bezirk, der bei mir gleich um die Ecke liegt, ich deswegen viele der Schauplätze persönliche kenne, ich ebenso wie Hulda gelegentlich am Viktoria-Luise-Platz zum Kaffee sitze, und über den Markt am Winterfeldplatz bummle. Will damit ausdrücken, dass die Schauplätze sehr gut und intensiv erarbeitet und beschrieben sind, dass der direkte Vergleich von mir voll des Lobes ist, weil alle Leser in jedem Fall mit Hulda ein Stück Berlin kennenlernen können.
Die Figuren sind sehr ausdrucksstark und zeigen, was es bedeutet hat, in diesen Nachkriegsjahren um den Alltag zu kämpfen. Man schließt sie sofort ins Herz, lebt und leidet mit ihnen. Sie haben Stärken und Schwächen, von denen man sagen kann, dass sie in dem, was sie erleben, demonstrieren, was oben und unten, was Hunger und Not bedeutet. Wir schauen in die Arbeit einer Hebamme, die nicht einfach machen kann, was sie will und erfahren mehr über die Polizeiarbeit mit einfachen Mitteln. Wir lernen, dass fast alle an einer mehr oder weniger einschneidenden Vergangenheit zu knabbern hatten. Selbst Hulda kämpft mit sich selbst.
Anne Stern erzählt in einer flüssigen, gut verständlichen, lebhaften und manchmal auch in einer poetischen Sprache. Die Zeitgeschichte ist sehr eindrucksvoll eingearbeitet. Die Perspektivwechsel, sowie die zahlreich eingebauten Wendungen der Geschichte sorgen dafür, dass keine Langeweile aufkommt. Einzig und allein der Herr Zufall, den ich eigentlich auch sehr mag und der immer irgendwann in jedem Buch um die Ecke kommen muss, der war mir hier doch etwas zu oft dabei.
Mein Fazit. Ein wunderbarer Auftakt, der an Spannung und guter Unterhaltung keine Wünsche offenlässt. Ich empfehle diese zeitgeschichtliche intensive Reise durch Berlin wärmstens.
Heidelinde von friedericke-bücherblog

Bewertung vom 03.06.2020
Die Schule am Meer
Lüpkes, Sandra

Die Schule am Meer


sehr gut

Eine ganz besondere Schule

Das Cover:
Das Cover gefällt mir sehr gut. Es zeigt Mädchen am Strand der Zwanzigerjahre in sehr gut ausgewählten Farben, die die Zeit perfekt repräsentieren. Zusammen mit dem Klappentext ist die Buchpräsentation sehr ansprechend und einladend.

Die Geschichte:
Die jüdische Lehrerin Anni Reiner und ihr Mann Paul gründen 1925 zusammen mit befreundeten Lehrern eine Internatsschule auf der Insel Juist. Es ist eine ganz besondere Schule mit einem Theater, mit eigenen Gärten, Aquarien und mehr. Eine Schule die Lehrer und Schüler auf Augenhöhe sieht und sich völlig von bisher bekannten Lehranstalten unterscheidet. Die Stimmung zu den Insulanern ist so rau wie das Klima, denn die Einheimischen sehen in dem Internat ein Hort für Juden und Kommunisten und dann erstarkt auch noch der Nationalsozialismus. Im Eiswinter 1929 müssen sie alle zusammenrücken. Und wie können sie sich im Zeichen der politischen Veränderungen zurechtfinden?


Meine Meinung:
Das Buch ist keine ganz leichte Lektüre, es verlangt Konzentration und Aufmerksamkeit. Es sind viele Protagonisten, die ich aber durch ihre unterschiedlichen Charaktere sehr gut kennenlernen konnte. Sie sind wunderbar ausgearbeitet und in ihrem Handeln authentisch. Die Schule ist nicht nur gedacht, sie hat es tatsächlich gegeben. Sehr gut gefallen hat mir, dass neben den agierenden fiktiven Figuren, auch Menschen aus der Zeitgeschichte, wie der Komponist und Dirigent Eduard Zuckmayer als Musikpädagoge eingebunden waren. Die Geschichte wird aus Perspektiven von Lehrern, Schülern und anderen Insulanern erzählt und ist deshalb sehr vielschichtig. Es ist insgesamt ein kleiner Kosmos, der sich nach allen Seiten zahlreichen Problemen stellen muss. Dazu gehören unter anderem Krankheit, Kälte, Anfeindung, Abgeschiedenheit und äußerst unangenehme politische Einflüsse. Der Schreibstil der Autorin hat es mir nicht ganz leicht gemacht und manchmal hat sich die Erzählung auf kleine Nebenwege begeben, die dann den Spannungsbogen etwas verlangsamt haben. Aber die spürbar intensive Recherche und die perfekte Einbindung der Zeitgeschichte, ist sehr hervorzuheben.
Mein Fazit: Ein Buch, das mich in eine Zeit mitgenommen hat, in der mutige Lehrer versucht haben auf einer Insel eine Schulform anzubieten, die nicht nur misstrauisch beäugt, sondern auch angefeindet wurde. Es geht um Zusammenhalt und Leidenschaft für einen neuen pädagogischen Ansatz, und das unter erschwerten politischen Gegebenheiten. Am Ende des Buches gab es noch einen historischen Einblick in alte Briefe. Ein beeindruckendes Buch der Zeitgeschichte mit einer Leseempfehlung.

Bewertung vom 27.05.2020
Sommernächte am Tegernsee
Nellon, Johanna

Sommernächte am Tegernsee


gut

Rezensionstitel: Liebe am Tegernsee

Das Cover:
Das Cover verbreitet Sommerfeeling und Urlaubsstimmung. Es ist den Liebesromanen der Autorin angepasst, sodass ein hoher Wiedererkennungswert entsteht. Der Klappentext lädt ein, auf leichte Art an der Tegernsee mitzureisen.

Die Geschichte:
Sabine bekommt den Landgasthof „Die goldene Eiche“ ihres Onkels überschrieben, und damit geht für sie ein Traum in Erfüllung. Allerdings ist das alles gar nicht so leicht. Denn der sture Koch, den sie übernommen hat, macht ihr zu schaffen, weil zwischen einer gewohnt rustikalen Landküche und den Kreationen einer Sterneköchin doch Welten liegen. Eines Abends begegnet sie Thorsten und fühlt, eine gewisse Nähe. Daneben hofiert sie ihr Bankberater. Ein Unfall sorgt dafür, dass sie weiß, was sie will.

Meine Meinung:
Es ist eine ganze Weile her, dass ich einen einschlägigen Liebesroman gelesen habe und da ich den Tegernsee sehr mag, habe ich gerne und sehr offen diese Reise angetreten.
Die Protagonisten sind entsprechend der Geschichte entwickelt. Ihre zugewiesenen Charaktere passen gut zu einem leichten Liebesroman. Die Schauplätze rund um den Tegernsee sind von Johanna Nellon ausführlich und lebhaft beschrieben, sodass man wunderbar dabei sein kann. Die Autorin schreibt in einer einfachen und flüssigen Sprache. Es sind mehrere Erzählstränge, die nicht nur Sabines Geschichte zum Inhalt haben, sondern auch die Liebes- und Lebensgeschichten in ihrem Umfeld mit einbinden, sodass wir mehrere Paare in ihrem Alltag begleiten dürfen. Das bremst meines Erachtens die Fortschreibung der Geschichte um Sabine in ihrem Spannungsbogen ab und zu etwas aus, um sie dann wieder fortzusetzen. Die Funken der Liebe sprühten mir bei einigen der Protagonisten etwas zu flott und natürlich ist es auch hier, wie bei den meisten Liebesgeschichten so, dass man relativ schnell ahnt, und weiß, wer da mit wem zusammenkommt.
Mein Fazit: Eine leichte Kost, durch die man sich, wenn man das möchte, im Liegestuhl berieseln lassen und in Urlaubsgefühle versetzen lassen kann. Interessant fand ich noch die zahlreichen leckeren Rezepte.

Bewertung vom 22.05.2020
Bella Stella
Pasini, Brigitte

Bella Stella


ausgezeichnet

Eine überzeugende Familiensaga

Das Cover:
Das Cover hat mich sehr angesprochen. Es zeigt im Hintergrund Hamburg in den Zwanzigerjahren. Die Farben sind sehr gut aufeinander abgestimmt und die junge Frau wird uns vom Klappentext vorgestellt. Alles zusammen ist es eine sehr ansprechende und passende Buchpräsentation, die mich animierte das Buch haben zu wollen.

Die Geschichte:
Stelle lebt mit ihrem Vater zusammen auf Gut Friederkamp im Verwalterhäuschen. Den jungen Gutsherrn liebt sie heimlich und hofft eines Tages seine Frau zu werden. Doch er beabsichtigt standesgemäß zu ehelichen. Als ihr Vater stirbt, taucht auf der Beerdigung eine ihr unbekannte junge Frau auf, die behauptet ihre Halbschwester zu sein. Und als der Gutsherr ihr dann auch noch mitteilt, dass sie das Gut verlassen muss, geht sie mit ihrer Schwester nach Hamburg. Mittelos muss sie sich an das schwere Leben der Großstadt gewöhnen.
Und dann ist da noch Lorenzo, der in seiner Heimat Italien als Landarbeiter sein Leben fristet. Sein Lichtblick ist Giuseppina die Tochter eines Kaufmanns, die er ehelichen möchte. Nach einem Streit muss er aber fliehen, denn die Faschisten haben die Macht übernommen. Er schlägt sich tagelang nach Hamburg zu seinem Onkel durch. Auf St. Pauli trifft er auf Stella, die mit ihrer Schwester im gleichen Haus wohnt wie sein Onkel. Für beide beginnt eine Zeit der Armut und der Not. Werden sie ihr Leben meistern und ihren Liebeskummer überwinden?

Meine Meinung:
Der Einstieg in die Geschichte war angenehm und von der ersten Seite an fesselnd. Die Protagonisten haben mich in den ihnen zugedachten Rollen sehr überzeugt. Begeistert war ich von der klug zusammengewürfelten Hausgemeinschaft in Hamburg Altona und deren Umfeld, die alle keinen gewöhnlichen Lebenshintergrund hatten. Es handelt sich um Menschen, die eher auf irgendeine Art aus der allgemeinen Rolle des Lebens gefallen sind. Menschen, die uns aber auf wunderbare Art, das Leben in der Armut und der Not und den Zusammenhalt untereinander vor Augen führen.
Brigitte Pasini schreibt in einer flüssigen, leicht verständlichen Sprache. Die Schauplätze sind wunderbar beschrieben, sodass ich die Orte bildlich sehr gut wahrnehmen konnte. Die Geschichte wird in drei Handlungssträngen erzählt, die sich im Laufe der Zeit zusammenfügen. Wechselnde Perspektiven, überraschende Wendungen und die geschickte Verknüpfung mit der Zeitgeschichte, halten den Spannungsbogen durchgehend hoch. So war ich auch vom damaligen sehr komplizierten Leben in Italien fasziniert und habe die Beschreibungen der italienischen Küche sehr genossen. Natürlich kommen die Gefühle und die Liebe auch nicht zu kurz.
Mein Fazit: Ein sehr unterhaltsames, spannendes und lesenswertes Buch. Es erhält meine ausdrückliche Leseempfehlung.

Bewertung vom 08.05.2020
Tage der Hoffnung / Die Schwestern vom Ku'damm Bd.3
Riebe, Brigitte

Tage der Hoffnung / Die Schwestern vom Ku'damm Bd.3


ausgezeichnet

Großartiger Abschluss der Ku’damm Trilogie
Das Cover:
Das Cover ist der Farbgebung den beiden ersten Bücher angepasst, sodass der Wiedererkennungswert gewährleistet ist. Den Unterschied macht die junge Frau, an deren Outfit man den modischen Fortschritt der Zeit ablesen kann. Zusammen mit dem Klappentext und dem Hinweis auf die Trilogie ist es eine einladende und perfekte Buchpräsentation.

Die Geschichte:

Florentine, die jüngste der Thalheim-Schwestern kommt 1958 mit dem Zug aus Paris zurück. Anstatt sich den Wünschen des Vaters, im Kaufhaus der Familie ihre Zukunft zu suchen, beginnt sie ein Studium an der Kunstakademie.
Sie hatte sich schon immer gewünscht, dem Zeichnen und der Malerei hinzugeben zu dürfen. Als sie die schwere Hürde, zum Studium angenommen zu werden geschafft hatte, taucht sie in die Kunst ein und arbeitet wie besessen. Alles ist hell und leicht und die Farben singen in ihr. Nebenbei entdeckt sie die Fotografie. Doch ihr Lehrer Rufus Lindberg ist mit nichts zufrieden und dann begeht sie auch noch einen Fehler, der ihr das Leben an der Schule unerträglich macht. Hinzu kommen die politischen Spannungen und Gegebenheiten zwischen Ost und West, die nicht nur die Stadt, sondern auch die Familie zu teilen drohen. Wie meistert Berlin und die Familie Thalheim ihr Schicksal?
Meine Meinung.
Ich habe die ersten Seiten gelesen und die mir bekannten Protagonisten waren sofort wieder da. Es war ganz leicht, erneut in die Geschichte rund um die Schwestern einzutauchen, die dieses Mal aus der Perspektive der jüngsten Tochter Florentine erzählt wird. Eine junge Frau, die sich von ihrem jugendlichen, auch rebellischen Verhalten verabschieden und erwachsen werden muss. Der ihr zugedachte Charakter hat mir sehr gut gefallen, denn sie wächst im Zuge der ganzen Spannungen über sich hinaus, genauso wie zuvor ihre Schwestern, jede an ihrem Platz, auf ihre Art und in ihrem persönlichen Leben. Alle entwickeln sich auf eine wunderbare Art, im Strudel der ereignisreichen Zeit in allen drei Büchern weiter.
Über den Schreibstil von Brigitte Riebe muss ich nicht mehr ins Detail gehen. Ich habe das schon so oft getan. Ihre Bücher nehmen die Leser*innen einfach von Anbeginn auf eine wunderbare und lebhafte Art in die Geschichte hinein. Sie gestattet uns auf ganz intime Weise den Figuren ganz nahe zu sein, um ihr Schicksal mitzuerleben und zu erleiden. Tiefe Einblicke in die Welt der Fotografie, Malerei und der Kunst sind im Detail gewährt, was ich als etwas ganz Besonderes empfunden habe. Die Schauplätze sind so präzise beschrieben, sodass ein jeder und jede das alte Berlin kennenlernen kann, und die, die es persönlich kennen, erinnern sich gern an die damalige Zeit, so wie ich, als ich mich eingeladen fühlte, mit in die Vergangenheit und ins Riverboat zu kommen, das ich selbst auch besucht habe. Ich habe mich gerne an den Tisch der Thalheim-Schwestern dazugesetzt.
Die subtile, präzise und natürlich gut recherchierte Einarbeitung der Zeitgeschichte ist eine Spezialität von Brigitte Riebe. Dieses Mal haben sogar einige Persönlichkeiten der Zeit einen kleinen Gastauftritt erhalten, was ich sehr schön fand. Sehr gut platzierte Perspektivwechsel und die explosive Zeit rund um die Teilung Berlins und den Mauerbau, haben die Spannung bis zum Ende extrem hochgehalten und aus dem Buch das Sahnehäubchen der Trilogie gemacht.
Mein Fazit: Um richtig genießen zu können, rege ich an, alle drei Bände der Reihe nach zu lesen. Es sind Bücher, die nicht nur extrem gut unterhalten, sondern auch einen unterhaltsamen Blick in die spannende Zeitgeschichte werfen. Das ist eine absolute Leseempfehlung.

Bewertung vom 27.04.2020
Ein Sommer in Baden-Baden
Zypkin, Leonid

Ein Sommer in Baden-Baden


ausgezeichnet

Rezensionstitel: Literatur der Extra Klasse

Die Geschichte:
Es beginnt mit der Entdeckung des Romans Leonid Zypkin, der 1926 in Minsk geboren wurde und als Mediziner arbeitete. Er hatte alle schrecklichen Zeiten in Russland, in denen es seine Art Bücher nicht geben durfte und den Krieg überlebt, und war, nachdem sein Sohn mit seiner Frau Russland verlassen hatte, Schikanen ausgesetzt. Zypkin schrieb immer in seiner Freizeit. Sein einziger Roman wurde dann nach Amerika geschmuggelt und dort wenige Tage vor seinem Tod in einer Zeitung veröffentlicht.

Meine Meinung:
Dieses Buch ist ein literarisches Highlight, etwas ganz Besonderes. Das Vorwort von Susan Sontag erklärt, wie es zu diesem Buch kam. Anfänglich war ich etwas irritiert und dachte, es ist wohl ein kompliziertes Buch. Aber mitnichten. Ich wurde in dieses Schätzchen hineingezogen von der ersten bis zur letzten Seite.
Die Geschichte beginnt mit einer Zugreise von Moskau nach Leningrad, in der die Erzählung zwischen realen und fiktiven Geschehnissen hin und her wechselt. Seine Reisebegleitung war das Tagebuch von Anna Grigorjewna, der Frau von Fjodor Dostojewski, die mit ihrem Mann zusammen 1856 in die Sommerfrische nach Baden-Baden reiste, um sich den Gläubigern zu entziehen. Zypkin erweiterte seine Geschichte rund um das Leben des Ehepaares und vermittelt uns alle Schauplätze sehr lebhaft, auch wenn sie von ihm nicht immer ganz korrekt wiedergegeben wurden.
Zunächst glaubte ich während des Lesens, dass die Vermischung der eigenen Reise von Zypkin auf der ersten Ebene, mit der Geschichte der zweiten Ebene, dargeboten durch einen Erzähler, rund um das Leben seines literarischen Idols Dostojewskis und seine Frau Anna, verwirrend sein könnte. Waren die Perspektivwechsel doch sehr fließend. Aber nein, es war das reinste Vergnügen, in diese Sprache hineinzuleiten und an der Reise teilzunehmen. Gewöhnungsbedürftig waren anfangs allerdings die ellenlangen Bandwurmsätze, die im E-Book gut und gern 1-2 Seiten lang sein konnten, aber dennoch die Geschichte lebendig werden ließen.
So oft schon, habe ich vor der Gedenktafel, Bäderstraße 2 in Baden-Baden gestanden, indem Fjodor Dostojewski gewohnt und geschrieben hat und auch seiner Spielsucht nachgegangen ist. Ich kannte aus einem Stadtführer das Leben des Ehepaares in der Kurstadt, und es war mir, als würde ich einen alten Bekannten wieder treffen. Es ist kein Sommerroman und kein Roman, den man nur mal so weg lesen kann. Es braucht Ruhe und Zeit, um den Genuss erfühlen zu können.
Ein Buch, das Lust auf mehr macht und in jedes Bücherregal gehört.
Heidelinde von „friederickes bücherblog“

Bewertung vom 20.04.2020
Die Frauen vom Alexanderplatz
Schneefuß, Elke

Die Frauen vom Alexanderplatz


gut

Rezensionstitel: Drei Frauen unterwegs in eine neue Zukunft
Das Cover:
Das Cover gefällt mir sehr gut. Es erzählt etwas über die abgebildete Frau, die suchend in Berlin steht. Das Outfit zeigt uns die Zeit und die Farben des Hintergrunds, sowie die Konturen Berlins sind sehr schön. Zusammen mit dem Klappentext ist es eine sehr gelungene Buchpräsentation. Einzig der im Titel enthaltene Alexanderplatz hat mich nach dem Lesen etwas irritiert.

Die Geschichte:
Die Geschichte dreht sich um drei Frauen, die nach dem Krieg ein neues Leben beginnen möchten. Da ist einmal Vera, die Schneiderstochter, die sich um ihre Mutter kümmert und die hofft, dass ihr Bruder aus dem Krieg zurückkommt, um mit ihr zusammen die Werkstatt wiederaufzubauen. Sie verliebt sich in den zufällig kennengelernten Benno.
Der wiederum ahnt nicht, dass seine Jugendliebe Fritzi aus der Provinz unterwegs ist, um ihn zu suchen und zurückzuholen, was für sie von großer Wichtigkeit wäre.
Und dann ist da noch die Fabrikantentochter Hanna, die während des Krieges als Hilfskrankenschwester gearbeitet hat und nun lieber lernen, arbeiten und ein ganz anderes Leben führen möchte, anstatt standesgemäß zu heiraten.
Das alles, während die Menschen an den Folgen des Krieges leiden und gleichzeitig die Novemberrevolution tobt.

Meine Meinung:
Ich brauchte einige Tage nach dem Lesen, um die Geschichte noch einmal durchzudenken und sacken zu lassen, um meine Eindrücke besser einordnen zu können. Warum?
Die Figuren sind gut ausgearbeitet, sie bleiben aber insgesamt zurückhaltend und zeigen etwas wenig Emotionen. Das wirkt sich auch auf ihre Handlungen aus, die dann meistens kontrolliert sind und den Leser auf Abstand halten, was dem Spannungsbogen nicht ganz so zuträglich ist.
Die Autorin schreibt in einer flüssigen und leicht verständlichen Sprache. Die Schauplätze sind sehr gut beschrieben, allerdings habe ich den Alexanderplatz, der im Titel enthalten ist, nicht als herausragenden Schauplatz wahrgenommen. Im Grunde sind es drei unterschiedliche Lebensgeschichten, die sich lange Zeit nur an einer Stelle kreuzen. Die Zeitgeschichte, die damals so explosiv war, drang nicht so tief in die Leben der einzelnen Figuren ein, wie ich mir das gewünscht hätte. Das alles ist aber meine persönliche Empfindung.
Mein Fazit: Trotz meiner Anmerkungen ist es ein Buch, das ich nicht aus der Hand gelegt habe. Es sind drei Lebensgeschichten von starken Frauen, die in einer sehr schweren Zeit, um Lebensentwürfe kämpfen mussten. Entwürfe, die uns heute als selbstverständlich erscheinen. Aus diesem Grund spreche ich eine Leseempfehlung aus.

Bewertung vom 05.04.2020
Die Farben der Schönheit - Sophias Hoffnung / Sophia Bd.1
Bomann, Corina

Die Farben der Schönheit - Sophias Hoffnung / Sophia Bd.1


ausgezeichnet

Rezensionstitel: Die Welt der Schönheit und der Düfte

Das Cover:
Das Cover zeigt eine junge Frau, die in ihre neue Zukunft zu blicken scheint. Die Farben sind kraftvoll und die ganze Abbildung harmonisiert mit dem Titel und dem Klappentext. Eine stimmige und sehr gelungene Buchpräsentation.

Die Geschichte:
Wir schreiben das Jahr 1926. Sophia studiert in Berlin Chemie und arbeitet als Assistentin ihres verheirateten Dozenten. Sie kommen sich näher und sie glaubt an ihn und seine Worte. Als sie schwanger wird, begreift sie, dass sie das Kind als unverheiratete Mutter alleine aufziehen muss. Ihr Vater will sie nie wiedersehen, als er davon erfährt, und ihre Mutter steht hilflos und weinend daneben.
Sie flüchtet sich zu ihrer Freundin Henny, die sie in ihrer kleinen Wohnung aufnimmt, sie unterstützt und ihr eine Arbeit besorgt. Als Henny das Angebot bekommt, in Paris arbeiten zu dürfen, reist Sophia mit ihr mit. Nach anfänglich vielen Problemen kann sie Helena Rubinstein mit einer selbstgemachten Creme begeistern. Sie darf daraufhin mit ihr nach New York und hofft endlich das berufliche Glück zu finden.

Meine Meinung:
Es ist das erste Buch der Autorin, das ich in den Händen hielt und ich war sehr gespannt.
Diese Geschichte hat mich von der ersten Seite an festgehalten. Die Protagonisten sind fein gezeichnet und sie agieren sehr glaubwürdig in den ihnen zugewiesenen Charakteren. Allen voran Sophia und ihre Freundin Henny. Die Schauplätze Berlin, Paris und New York sind lebhaft beschrieben und nehmen mich jeweils auf ihre ureigene Art mit in die Zeit der 20er Jahre. Die Zeitgeschichte ist gut dosiert in die Geschichte eingewoben und zeigt uns die Probleme der Zeit und vor allen Dingen die der Frauen. Die Autorin schreibt in einer lockeren, leicht verständlichen Sprache. Sie erzählt die Geschichte überwiegend aus der „Ich“ Perspektive von Sophia, die mich dadurch ganz intensiv in ihre Gedanken und Gefühlswelt schauen ließ. Der Spannungsbogen wurde die ganze Zeit hochgehalten. Einzig, die beste und quirlige Freundin Henny ging im Laufe der Geschehnisse verloren, was ich sehr bedauerte.
Mein Fazit: Es ist eine historische, auch gefühlvolle und emotionale Geschichte, die mich in die Anfänge der Kosmetikindustrie mitgenommen und ausnahmslos gut unterhalten hat. Auf die Fortsetzung bin ich sehr gespannt. Das Buch erhält eine ausdrückliche Leseempfehlung.