Benutzername: friederickes Bücherblog
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Danksagungen: 5 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 38 Bewertungen
Bewertung vom 09.10.2017
Liebe zwischen den Zeilen
Henry, Veronica

Liebe zwischen den Zeilen


ausgezeichnet

Emilias Liebe zum Erbe ihres Vaters
Cover:

Das Cover in seinen kräftigen Farben ist wunderbar mit dem Titel in Einklang gebracht. Die Schaufenster der Buchhandlung mit der gesamten sind sehr einladend. Und der Klappentext löst den Wunsch aus, das Buch lesen zu wollen. Eine rundum gelungene Präsentation des Buches.

Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

Julia ist dank ihres Vaters in der Welt unterwegs, als sie erfährt, dass es ihm sehr schlecht geht. Sie eilt zurück und begleitet ihn auf seinem letzten Stück des irdischen Weges. Sie kümmert sich nach dem Abschied um seine geliebte Buchhandlung, die kurz vor dem Ruin steht, weil er sich mehr um die Menschen und ihre Liebe zu Büchern kümmerte, als um seine Zahlen und die Wirtschaftlichkeit. Dabei erfährt sie, wie beliebt ihr Vater in dem Städtchen Peasebrook eigentlich war und lernt ihm einige nahestehende Menschen und deren Lebensgeschichten kennen. Kann Sie die Buchhandlung vor einem großen Investor retten?

Meine Meinung:

Zunächst geht es in der Zeit zurück. Man erfährt wie und wann sich Julias Vater entschied die Buchhandlung zu übernehmen. Wie Julius damals mit neunzehn Jahren als junger Mann seine große Liebe zwischen Büchern kennenlernte und warum er dann mit dem kleinen Mädchen, einem Baby alleine dastand. Nach und nach erklärt sich die große und tiefe Liebe zwischen Vater und Tochter.
Die Figuren sind sehr gut ausgearbeitet und fast allesamt mit liebevollen Charakteren ausgestattet. Sie sind einerseits wunderbar unterschiedlich in ihren Berufen und ihrem Handeln und anderseits angenehm mutig und gradlinig. Man muss sie einfach mögen. Der Schreibstil ist sehr leicht und flüssig. Die Autorin erzählt aus mehreren und stets wechselnden Perspektiven, sodass an keiner Stelle Langeweile entsteht und die Geschichte sich wunderbar weiterentwickelt.

Es ist kein üblicher Liebesroman, sondern es sind mehrere feingesponnene Geschichten, Beziehungsgeschichten und Lebensläufe von Menschen, deren Fäden in und um die Buchhandlung herum irgendwann zusammenlaufen. Viele kannten Julias Vater gut und liebten diese Buchhandlung sehr. Auch Julias Trauer um ihren Vater und der Wunsch seine Buchhandlung weiterzuführen spielen eine große Rolle.
Außerdem werden von der Autorin Inhalte von bekannten und unbekannten Büchern verschiedener Genres in die Handlung eingeflochten, die uns ganz subtil vermitteln, dass jeder sein Lieblingsbuch und auch manche Erkenntnis in seiner Buchhandlung finden wird.

Das präzise beschriebene Geschäftsmodell der Buchhandlung und die Vorstellung wie eine Buchhandlung im besten Fall sein sollte, lässt darauf schließen, dass die Autorin von so einer Buchhandlung träumt. Einer Buchhandlung, in die man nicht nur geht, weil man ein Buch kaufen möchte. In die man geht, weil man Bücher über alles liebt. Und auch ich hätte gerne so eine Buchhandlung um die Ecke.

Es ist insgesamt ein leises Buch, ein Buch, das nicht eine dahinplätschernde und durchschaubare Liebesgeschichte beschreibt, sondern eine in sich stimmige geschickte Erzählung präsentiert, die mehrere Liebesgeschichten miteinander verwoben hat. Ein Buch, das man nicht mehr weglegen möchte, eines das zu den Büchern gehört, die ein Jahr versüßen und das deshalb von mir eine ausdrückliche Leseempfehlung bekommt.

Friedericke von „friederickes Bücherblog“

Bewertung vom 11.09.2017
Wohin dein Traum dich führt
Wood, Barbara

Wohin dein Traum dich führt


ausgezeichnet

Ein atmosphärisch dichter Roman mit starken Frauencharakteren

Cover:

Das Cover ist in überwiegend eher zarten, hellen Farben gestaltet. Es zeigt ein herrschaftliches Haus im Kolonialstil an einem Fluss umgeben von Palmen – ein Hinweis auf den Schauplatz Palm Springs in der Wüste Kaliforniens.


Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

1920 lernt Elizabeth, eine New Yorker Tochter aus reichem Hause, während einer Schiffsreise Nigel kennen, den Baron Stullwood aus England. Er wurde von seinem Vater zugunsten seines jüngeren Bruders enterbt und ist nun wild entschlossen, sich im amerikanischen Westen eine neue Existenz aufzubauen. Doch für seine Pläne braucht er viel Geld. Elizabeths Wohlstand kommt ihm da gerade recht, und er
beschließt, um sie zu werben. Während sich Elizabeth in ihn verliebt, ist für ihn alles nur Berechnung. Skrupellos räumt er sogar einen Konkurrenten um Elizabeths Gunst aus dem Weg. Schließlich geht sein Plan auf: Er heiratet Elizabeth und lässt sich mit ihr in Palm Springs in der kalifornischen Wüste nieder. Dort baut er eine Dattelplantage auf, die er mit harter Hand leitet – ohne Rücksichtnahme auf seine Arbeiter und auch auf die im benachbarten Reservat lebenden Indianer. Seinen Jähzorn und sein aufbrausendes Wesen bekommt bald auch Elizabeth zu spüren, die durch sein Verschulden eine Fehlgeburt erleidet. Doch Nigel behält auch hier Oberwasser und versucht ihr einzureden, dass sie an dem, was passiert ist, allein die Schuld trägt.

Elizabeth hat Schwierigkeiten, sich den Bewohnern von Palm Springs anzunähern, ist sie doch in deren Augen eine reiche Lady, die weit über ihnen steht. Der Einzige, zu dem sie außer ihrem Personal Kontakt aufbaut, ist Cody McNeal, der auf der Suche nach einem Mann aus seiner Vergangenheit ist. Nach und nach wird aus der anfangs zarten Freundschaft zwischen den beiden mehr …


Meine Meinung:

Mit „Wohin dein Traum dich führt“hat Barbara Wood einen sehr breit angelegten Roman erschaffen, der den Leser in eine vergangene Zeit und gleichzeitig auch in eine fremde Kultur entführt. Nicht nur in die Zeit des aufstrebenden amerikanischen Westens kann man sich beim Lesen wunderbar hineinversetzen. Auch die Kultur und die Lebens- und Denkweise der Indianer im Reservat wird sehr authentisch und mit viel Feingefühl beschrieben. Man merkt, dass dies auf einer umfassenden und detaillierten Recherchearbeit der Autorin beruht.

Hervorzuheben sind auch die sehr anschaulichen und breit angelegten Schauplatzbeschreibungen sowie die in ihrem Tun und Handeln glaubhaft wirkenden Figuren. Dabei sind die Frauen eindeutig die stärkeren Charaktere. Dies gilt nicht nur für die Hauptfigur Elizabeth, sondern auch für ihre Zofe Fiona und die Indianerin Luisa, die allesamt für die damalige Zeit viel Mut und Eigenständigkeit beweisen.

Wie in den anderen Romanen der Autorin darf auch in diesem Buch ein wenig Mystik nicht fehlen, was der Geschichte zusätzlich eine besondere Note verleiht.

Insgesamt handelt es sich um eine sehr detailreiche, gut recherchierte Darstellung des Lebens im amerikanischen Westen der Zwanzigerjahre, der die Probleme des Zusammenlebens verschiedener Kulturen und Nationalitäten auf sensible und gleichzeitig authentische Weise behandelt. Daher gebe ich sehr gerne eine Leseempfehlung.





Susanne von „friederickes Bücherblog“

Bewertung vom 11.09.2017
Die Herzensammlerin
Kanitz, Brigitte

Die Herzensammlerin


sehr gut

Eine Geschichte mit Herz(en) und originellen Charakteren

Das Cover ist in hellen Pastellfarben gestaltet und erzeugt in Verbindung mit der roten Schrift des Titels beim Betrachter einen romantisch-verspielten Eindruck. Mit den beiden Steinen in Herzform wird der Titel des Buches aufgegriffen.


Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

Laura, Mitte dreißig, führt im Jagdschlösschen ihrer Familie, des Grafengeschlechts von Bonin, das kleine Hotel „Happy Scheidung“ in der Lüneburger Heide. Das Konzept des Hotels ist es, scheidungswillige Paare für ein paar Tage zu beherbergen. In dieser Zeit bereitet Lauras Ehemann Ralf, ein Scheidungsanwalt, alles Notwendige für die Scheidung vor, die dann am Ende des Aufenthalts auch sogleich vollzogen wird. Ein „Scheidungs-Komplettpaket“ sozusagen.

Doch Laura sorgt mit ihrem festen Glauben an die Liebe, ihrem Hang für Romantik und den Herzen, die sie mit Leidenschaft sammelt und überall im Hotel verteilt, dafür, dass viel Paare nicht frisch geschieden, sondern neu verliebt wieder abreisen. Das passt Ralf natürlich ganz und gar nicht, macht sie ihm doch dadurch seine Scheidungsmandanten abspenstig.
Lauras Großmutter, die etwas eigentümliche Gräfin Theodora von Bonin, unterstützt Laura jedoch in ihren Ambitionen, bei den Gästen Amor zu spielen, denn Ralfs Geschäftsmodell ist ihr ein Dorn im Auge.

Lauras Glaube an die Liebe wird jedoch erschüttert, als Ralf sich eines Tages von ihr trennt und nach Mallorca auswandert. Enttäuscht zieht sie sich zurück und vergräbt sich in ihrem Selbstmitleid.


Meine Meinung:

Obwohl das Cover und der Titel nicht unbedingt darauf hindeuten, handelt es sich um eine sehr humorvolle Geschichte, die ganz eindeutig durch ihre originellen Charaktere besticht, allen voran Oma Theodora mit ihrer skurrilen Art und ihrem recht losen Mundwerk. Aber auch die anderen Figuren wie Merle oder Nina sind alles andere als langweilig und machen es mit ihrer unkonventionellen Art dem Leser leicht, sie zu mögen. Von Ralf, dem toughen Scheidungsanwalt, hätte ich jedoch ein bisschen mehr Mumm erwartet, zumindest so viel, um mit Laura zu sprechen, statt einfach nur das Weite zu suchen. Laura selbst sieht mit ihrer romantischen Ader, die man teilweise schon als etwas naiv bezeichnen kann, die Dinge bisweilen etwas zu sehr durch die rosarote Brille, sodass man sie als Leser hin und wieder aufwecken und ihr einen Schubs in die richtige Richtung geben möchte.

Eine weitere Stärke des Romans liegt in der überaus eindrücklichen Schilderung der Schauplätze in der Lüneburger Heide, die in der Vorstellungskraft des Lesers lebendig werden. Man spürt, dass die Autorin die Schauplätze, die sie in der Geschichte so bildhaft schildert, kennt und liebt.

Wie man es von vielen Romanen dieses Genres kennt, kann man sich irgendwann schon denken, wie die Geschichte ausgehen wird bzw. wer am Schluss Lauras „Auserwählter“ sein wird, allerdings gibt es bis zum Happy End auch ein paar nicht so sehr vorhersehbare Wendungen. Die Handlung hätte für meinen Geschmack streckenweise ein wenig gestrafft werden können. Schön fand ich, dass auch Merle und Nina am Schluss ihren Weg finden.

Der Erzählstil der Autorin ist sehr angenehm zu lesen, flüssig und humorvoll. Auch wenn es immer wieder ernste Zwischentöne gibt, schafft er dennoch beim Leser eine positive, heitere Grundstimmung.

Insgesamt eine heitere Liebesgeschichte mit viel Humor und außergewöhnlichen Charakteren, für die ich gerne eine Leseempfehlung ausspreche.


Susanne von „friederickes Bücherblog“

Bewertung vom 04.09.2017
Meine zauberhafte Eisdiele in der Provence
Bard, Elizabeth

Meine zauberhafte Eisdiele in der Provence


weniger gut

Von Paris in die Provence

Cover:

Das Cover zeigt ein typisches Haus in Südfrankreich. Davor einen Tisch, auf dem ein Eis steht. Die Farben spiegeln ebenfalls die Leichtigkeit des Südens wider. Das zusammen mit dem Klappentext erweckt die Leselust und die Neugierde.


Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

Elizabeth und Gwendal leben in Paris. Kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes fahren sie für ein paar Tage in die Provence. Dort entdecken Sie das Haus eines Dichters und verlieben sich in dieses Gemäuer. Ohne lange zu überlegen, kaufen sie sich das Haus und entscheiden sich von Paris in den Süden zu ziehen. Dort eröffnen sie einen Eissalon und experimentieren mit Aromen und regionalen Zutaten.

Meine Meinung:

Es fällt mir schwer das Buch zu bewerten, weil es ganz anders war, als das, was ich aufgrund des Covers und des Klappentextes erwartet habe. Demnach glaubte ich, dass es sich um eine sommerliche und leichte Geschichte, um einen Eissalon, regionale Zutaten, sowie ein Abenteuer geht. Ehrlich gesagt hat mich das Buch aber überhaupt nicht abgeholt.

Warum? Es sind vielmehr Monologe als Dialoge, was hier dazu führt, dass der Erzählung die Lebhaftigkeit, die Spritzigkeit und das Voranschreiten durch die handelnden Protagonisten fehlt.
Obwohl normalerweise der Leser bei Romanen in der „Ich-Form“ tief in die Figur hineinschauen darf, musste ich das Buch immer wieder weglegen, weil die Hauptfigur viel zulange erzählte, wie sie nach Paris kam, wie die Geburt des Kindes war und weiteres. Im Fortgang der Geschichte wurde von immer mehr Alltäglichkeiten und Banalitäten berichtet, die keinen Beitrag zu einer spannenden Erzählung leisteten. Auch die ständigen Vergleiche zwischen Ihrem Herkunftsland Amerika und dem Land Frankreich, indem sie nun lebte, waren mir auch zu viel. Besonders beim Essen, da sind die kulturellen Unterschiede zwischen Amerika und Frankreich ohnehin jedermann bekannt. Möglich, dass die Lebensweise und Unterschiede amerikanischen Lesern interessanter erscheinen, als Europäern.

Und mein Warten auf die Eisdiele, die ja eigentlich im Titel das Hauptthema war, wurde nicht belohnt. Genau die kam nur am Ende ein wenig vor. Leider.

Aber jedes Buch hat auch seine positiven Seiten. Die Autorin schreibt leicht und flüssig. Das malerische Dorf, die Provence und der Dichter bekommen ihren guten Platz. Die zahlreichen Rezepte möchte man sofort nachkochen oder noch besser gleich in die Provence reisen.

Ich spreche keine Leseempfehlung aus, weil ein Buch auch immer den individuellen Geschmack der Leser finden muss und wünsche dem Buch deshalb, dass es viele davon finden möge.

Friedericke von „friederickes Bücherblog“

Bewertung vom 04.09.2017
Luisa und die Stunde der Kraniche
Krätschmar, Tania

Luisa und die Stunde der Kraniche


sehr gut

Ein zauberhaftes Buch

Cover:

Das Cover ist mit seinem Reetdachhaus, der Ostsee im Hintergrund und den fliegenden Kranichen, sowie seinen zarten Farben fein abgestimmt. Der Klappentext erweckt die Leselust und die Neugierde.


Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

Luisa ist Schmuckdesignerin und lebt mit ihrem Freund Richard in Berlin. Dieser ist ein Karrieremann und hat dementsprechend sehr viel Geld. Außerdem legt er sehr großen Wert auf Äußeres. Er macht Luisa einen Heiratsantrag, doch sie zögert und fährt zur Entscheidungsfindung in das alte Familienhaus an der Ostsee. Sie lernt einen Kranichexperten kennen und trifft immer wieder auf eine alte Frau, wobei die Gespräche mit ihr seltsame Wendungen nehmen und sie zutiefst berühren.
Auch mit ihrer Schwester, die sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat, nimmt sie Kontakt auf, um die Differenzen zu beseitigen.

Meine Meinung:

Ein leichter und unterhaltsamer Liebesroman. Die Autorin schreibt flüssig, gut verständlich und sorgt dafür, dass die Geschichte ohne zu stocken voranschreitet. Alle Charaktere sind gut ausgearbeitet, sodass sie ihrer jeweiligen Rolle gerecht werden. Die Schauplätze verdienen ein besonderes Lob. Sowohl Berlin, als auch die Nordsee und die beschriebenen Orte, laden dazu ein mitzureisen und teilzuhaben. Man bekommt Lust irgendwann den Flug der Kraniche sehen zu wollen. Besonders erwähnenswert sind die präzisen Berichte über die Kraniche, über die magische Zeit, die sie an der Ostsee wie verbringen. Dies und weitere wissenswerte Informationen über die Natur sind wunderbar in die Geschichte eingearbeitet.
Natürlich ist es bei einem Liebesroman so, dass man irgendwann weiß, wie das weitergeht und wer da mit wem zusammenkommt. Aber ich fand in diesem Roman schön, dass es nicht zu romantisch ausschweifend war, sondern mehr die Tiefe der Beziehungen untereinander, auch zwischen den Familienmitgliedern ausgeleuchtet wurden.
Natürlich findet man in jedem Buch auch individuelle Momente, die man etwas anders sieht. So war mir Luisa zum Beispiel ein bisschen zu naiv, was ihren Freund Richard anging. Und da ich Mystik, wie diese im Bezug zu der alten Dame, gerne mag, hätte ich mir hier ein wenig mehr Tiefe und Zusammenhänge der Personen gewünscht.
Alles in allem ist das aber ein sehr schöner Liebesroman, den man unangestrengt, ob der Verflechtungen und sonstigen Wendungen einfach genießen kann.

Von mir gibt es eine ausdrückliche Leseempfehlung.


Friedericke von „friederickes Bücherblog“

Bewertung vom 23.08.2017
Das Labyrinth der Lichter / Barcelona Bd.4
Ruiz Zafón, Carlos

Das Labyrinth der Lichter / Barcelona Bd.4


ausgezeichnet

Ein ganz besonderes Buch

Cover:

Das Cover mit seinen zurückhaltenden Farben und dem kleinen Kind, das ins Schaufenster einer Buchhandlung blickt, bringt die Geschichte auf den Punkt. Außerdem ist die Darstellung stimmig mit der gesamten Buchreihe.

Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

Alicia kommt als Agentin zurück in ihre Heimat Barcelona. Sie soll zusammen mit ihrem Kollegen Vargas ein Ermittlerduo bilden und für die politische Polizei, unter größter Geheimhaltung, einen verschwundenen Minister suchen. Da sie eigentlich eine Einzelgängerin ist, stört sie Vargas Anwesenheit, der ihr aufgezwungen wurde, anfänglich sehr. Aber er kann sich langsam ihren Respekt erarbeiten.
Im Besitz dieses Ministers befand sich ein geheimnisvolles Buch aus der Serie „Das Labyrinth der Lichter“. Alicia wird schmerzlich an ihre Kindheit erinnert und der Weg ihrer Nachforschungen führt sie in die Buchhandlung Sempere & Söhne. Die beiden Ermittler stoßen auf eine Verschwörung und müssen um ihr Leben fürchten. Die Geschichte spielt in der Zeit des Franko Regimes.

Meine Meinung:

Das in sich abgeschlossene Buch ist literarisch von sehr hoher Qualität. Allerdings wäre es für mich besser und genussvoller gewesen, wenn ich alle zuvor erschienenen Bücher des Zyklus bereits gelesen gehabt hätte, da es sich um den Abschluss der Reihe um den Friedhof der vergessenen Bücher handelt.
Sämtliche Protagonisten agieren mit fantastisch ausgearbeiteten Charakteren, die sich in all ihren Fassetten zeigen. Alle Schauplätze in Barcelona, sowie die Nebenschauplätze sind wunderbar beschrieben. Carlos Ruiz Zafon nimmt uns mit in die Zeit des Franco Regimes und lässt uns viele Male erschauern. Seine Sprache ist beeindruckend, anspruchsvoll und sehr vielfältig. Die Geschichte selbst ist äußerst komplex, der Spannungsbogen über 900 Seiten sehr hoch. Viele unterschiedliche Erzählstränge und wechselnde Zeiten haben mich herausgefordert, was sicherlich leichter gewesen wäre, hätte ich wie schon erwähnt alle Werke gelesen. Auch die Anzahl der Figuren ist beachtlich, wobei viele aus den anderen Büchern kommend wie selbstverständlich ohne besondere Einführung hineingearbeitet wurden, die ich aber leider noch nicht kannte.
Dennoch, wenn man dranbleibt und seine grauen Zellen immer wieder dazu animiert, die gesamte Komplexität, die in die Tiefe gehende Geschichte, mit immer wieder neuen Wendungen und Gegebenheiten aufzunehmen und zu verarbeiten, dann ist dieses Buch etwas ganz Besonderes.
Ganz sicher werde ich mir alle Bücher dieser Reihe kaufen und sie lesen, damit meine jetzigen Anstrengungen mit der nachträglichen Zusammenfügung des gesamten Werkes belohnt werden.
Dieses Buch erhält von mir eine ausdrückliche Leseempfehlung.

Friedericke von „friederickes Bücherblog“

Bewertung vom 23.08.2017
Das Seehaus (eBook, ePUB)
Morton, Kate

Das Seehaus (eBook, ePUB)


sehr gut

Eine sehr schöne Familiensaga
Cover:

Das Cover ist mit seinen kräftigen Farben, dem Haus im Hintergrund und dem See ausgewogen und abgestimmt. Der Klappentext erweckt die Leselust.


Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

Die Polizistin Sadie Sparrow ist zu Besuch bei ihrem Opa und stößt bei einem Spaziergang auf ein altes Anwesen und irgendwie packt sie die Faszination und die Anziehungskraft. Sie erfährt auf Nachfrage von einem schlimmen Ereignis, dass sich vor 70 Jahren dort zugetragen hat.
Das Haus am See war 1933 der Lebensmittelpunkt der Familie Edevane und ihr kleiner Sohn Theo verschwand im Alter von 11 Monaten während einer Feier spurlos. Bis zum heutigen Tag weiß niemand der Familie was ihn passiert ist.
Sadie beginnt zu recherchieren und wundert sich, dass dieser Fall nie aufgelöst wurde. Ihre Neugierde und ihre polizeiliche Spürnase veranlassen sie daraufhin leise und privat die Ermittlungen aufzunehmen. Sie erfährt viel über die Edevane, von verbotener Liebe und tiefer Schuld.

Meine Meinung:


Das Buch wurde von zwei Zeitebenen aus erzählt. Einmal die Geschichte rund um die Familie Edevane 1933 und dann um die Polizistin Sadie Sparrow, als diese 2003 das Haus am See entdeckt.

Alle Figuren und ihre Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Sie waren mit ihren charakterlichen Schwächen und Eigenarten sehr gut ausgearbeitet. Die bildliche Darstellung der wunderschönen Landschaft lässt mich als Leserin dabei sein und teilhaben. Dabei wechseln öfters die Perspektiven und Zeiten, sodass die Geschichte abwechslungsreich fortschreitet, oder in nochmals andere Situationen hineinblickt. Sehr schön fand ich, dass die Zeitgeschichte mitberücksichtigt und eingearbeitet wurde. Der Schreibstil ist leicht und flüssig und die kriminalistische Komponente schafft zusätzliche Spannung und fordert auf mitzuraten, was wohl dem kleinen Theo passiert sein mochte.

Einen kleinen Kritikpunkt habe ich allerdings noch. Ich fand die Geschichte ab und zu sehr ausschweifend und detailverliebt, gelegentlich war sie mit irgendwelchen Nebensächlichkeiten zugepackt. Da wäre an der einen oder anderen Stelle etwas weniger wohl mehr gewesen. Dass man bei so vielen Seiten manchmal ahnt, wie es weitergeht, und natürlich auch einmal ein Klischee bedient wird, tut niemanden weh.

Es ist auf jeden Fall eine wunderschöne Familiensage, die uns das Leben und das Leiden von vier Frauen über drei Generationen und zwei Weltkriege näherbringt und uns an ihrem Schicksal teilhaben lässt.

Ein wunderbares Buch. Es bekommt daher eine ausdrückliche Leseempfehlung.

Friedericke von „friederickes Bücherblog“

Bewertung vom 14.08.2017
Seeluft macht glücklich
Mommsen, Janne

Seeluft macht glücklich


sehr gut

Ein Sommerroman mit viel Urlaubsfeeling

Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

Thore lebt auf Föhr, wo er als Verwalter von Ferienwohnungen arbeitet. Seine große Liebe Keike hat sich mit einem anderen verlobt, weshalb er so schnell wie möglich die Insel verlassen will.
Jasmin arbeitet in der Verwaltung eines Kölner Krankenhauses und wird von ihrem Chef zu einem achtwöchigen Erholungsurlaub verdonnert. Sie erinnert sich daran, dass sie als Teenager bei einem Aufenthalt auf Föhr in einen jungen Mann namens Sönke verliebt war. Bevor ihr in ihrem Urlaub zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, macht sie sich auf den Weg nach Föhr, in der Hoffnung, Sönke wiederzutreffen.
Wie es der Zufall will, treffen Thore und Jasmin auf Föhr aufeinander und stellen fest, dass sie beide eine Luftveränderung nötig haben. Spontan beschließen sie, vorübergehend ihre Wohnungen zu tauschen. Thore geht nach Köln, Jasmin bleibt in Thores Wohnung auf Föhr.
In Köln begibt sich Thore auf Jobsuche. Ein Job bei einer Wohnungsvermittlung erweist sich jedoch als Reinfall, da Thore keinerlei Ortskenntnisse besitzt. Jasmin rät ihm, sich mit ihrem besten Freund Ralf in Verbindung zu setzen, der im selben Krankenhaus wie sie arbeitet. Zu Thores großer Verwunderung ist Ralf der Katholische Pfarrer des Krankenhauses.

Meine Meinung:

Das Buch versetzt einen beim Lesen sofort in eine sommerlich-leichte Stimmung, obwohl es durchaus auch ernste Töne anschlägt. Die Geschichte wird abwechselnd aus Jasmins und aus Thores Perspektive erzählt, wobei beide Perspektiven glaubhaft dargestellt sind. Sie wird vom Autor recht kurzweilig präsentiert, der Schreibstil ist eingängig und unkompliziert.
Die große Stärke des Romans liegt in der Beschreibung der Schauplätze, vor allem der Insel Föhr. Man merkt ganz deutlich, dass der Autor an der Nordsee zu Hause ist und dass er seine Heimat liebt. Er schafft es vorzüglich, vor dem geistigen Auge des Lesers die Schauplätze lebendig werden zu lassen und bei ihm die Lust auf einen Urlaub an der Nordsee zu wecken. Man glaubt nahezu, selbst am Strand zu sitzen, den Geruch des Meeres zu atmen und den Sand unter den Füßen zu spüren.
Wie die Schauplätze sind auch die Charaktere sehr authentisch gezeichnet. Dies gilt auch für die Neben- und Randfiguren. Von diesen fand ich besonders Ralf überaus originell. Dem Autor ist es sehr gut gelungen, die Eigenheiten der Friesen und der Rheinländer, wo doch ziemliche Gegensätze aufeinanderprallen, herauszuarbeiten, ohne dass es klischeehaft wirkt.
Positiv hervorheben möchte ich auch die Tatsache, dass sich die beiden Hauptfiguren im Laufe des Buches charakterlich wirklich weiterentwickeln. Jasmin erkennt, dass ihr Leben nicht nur aus der Arbeit im Krankenhaus besteht. Sie lernt, sich Erholung zu gönnen und zu sich selbst zu finden. Und Thore findet heraus, dass es einen glücklich machen kann, anderen Menschen Glück zu bringen und für sie da zu sein. Insofern stellt der Roman den Selbstfindungsprozess zweier Menschen dar und zeigt, dass es sich lohnen kann, den Mut zu haben, sein Leben komplett umzukrempeln.
Allerdings treffen die beiden für mein Empfinden die Entscheidung, ihre Wohnungen zu tauschen, etwas zu spontan und zu rasch. Immerhin kennen sie sich überhaupt nicht, und ich denke, dass man im realen Leben wohl etwas länger überlegen würde, ob man einem Wildfremden seine Wohnung einfach so überlässt. Eine Wohnung ist ja ein sehr privater, beinahe schon intimer Rückzugsort. Aber das ist nur meine ganz subjektive Meinung.

Insgesamt ist „Seeluft macht glücklich“ ein Unterhaltungsroman mit Tiefgang, der beim Leser viel Urlaubsfeeling hervorruft. Ich spreche daher gerne eine Leseempfehlung aus.


Susanne von „friederickes Bücherblog“

Bewertung vom 26.07.2017
Das Erdbeermädchen
Stromme, Lisa

Das Erdbeermädchen


gut

Freundschaft, Liebe und ein Maler

Das Cover
Das Cover zeigt in zarten Farben eine junge Frau in typischer Kleidung des 19. Jahrhunderts. Das Gesamtbild verbreitet eine warme Stimmung. Es ist ein typisches Cover für einen romantischen Liebesroman und macht neugierig.


Die Geschichte (Achtung Spoiler!)
Ein Fischerdorf in Norwegen. Mittelpunkt ist das Dienstmädchen Johanne, das sich mit Tullik der Tochter des Admirals anfreundet, in dessen Haushalt sie über den Sommer arbeitet. Schon alleine die gesellschaftlichen Unterschiede der Mädchen sind belastend. Auch zu Munch dem unbekannten und geächteten Maler hat sie Kontakt, der ihr das Malen beibringt. Als Tullik dann mit Munch, der am Rande des Dorfes lebt, eine Affäre beginnt, kommt alles ins Wanken und selbst die Freundschaft der beiden Mädchen droht zu zerbrechen. Auch für Johanne ist es nicht ganz einfach. Ihre Mutter sieht in ihr immer noch das kleine Mädchen, welches noch Erdbeeren pflückt, während sie schon von Thomas dem Fischer umworben wird. Vieles was die beiden Freundinnen tun, läuft im Geheimen ab und bringt sie immer wieder in Schwierigkeiten.
Meine Meinung
Das Cover und der Klappentext suggerierten mir eine sommerliche Liebesgeschichte und da ich gerne Geschichten aus dem 20. Jahrhundert lese, freute ich mich zunächst sehr. Leider hat mich die Erzählung aus verschiedenen Gründen nicht durchgängig mitgenommen. Warum?
Die Geschichte wurde in der „Ich“- Form geschrieben, was normalerweise den Lesern gestattet den Protagonisten von innen und außen ganz nah sein zu dürfen. In diesem Fall war das leider nicht so, denn die Autorin selbst sagte im Anhang, dass sie Johanne als Erzählerin brauchte. Und genau das war sie dann auch. Eine Erzählerin, die von außen hinein schaute, obwohl sie selbst eine Hauptfigur war. Die Charaktere sind zwar gut beschrieben, aber bleiben oberflächlich und zu weit weg.
Die Geschichte dreht sich hauptsächlich um die zwei Mädchen und den Maler. Sie plätschert relativ düster vor sich hin, indem Johanne ununterbrochen ihre Freundin deckt und in ihrem Verhalten zwischen den Vorgaben ihrer Mutter und den Wünschen ihrer Freundin hin und her pendelt. Der Maler ist in seiner eigenen künstlerischen Welt, man weiß nicht genau, wie er zu seiner Geliebten steht, und seine Figur ist sehr zurückgenommen. Anstrengend finde ich, dass Johanne ständig in Farben denkt, weil man selbst nicht so tief in der Malerei drin ist. Ansonsten ist der Schreibstil flüssig.
Wunderbar hingegen ist die Beschreibung der Schauplätze, die nach Norwegen einladen. Lobenswert auch die Recherche um den Maler Munch, sowie die Einbindung einige seiner berühmten Bilder.
Ich bin insgesamt etwas gespalten, weil die Geschichte ihr Potenzial nicht ausgespielt hat. Meine Leseempfehlung ist dieses Mal dementsprechend etwas leise. Aber das ist ja auch alles meine persönliche und subjektive Meinung.

friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 24.07.2017
Die Fliederinsel
Lott, Sylvia

Die Fliederinsel


ausgezeichnet

Eine bewegende Geschichte mit historischem Hintergrund an einem wunderschönen Schauplatz

Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

Die Geschichte entwickelt sich auf zwei Erzählebenen zu unterschiedlichen Zeiten. Einmal ist da die Gegenwart, in der Celia ihren Urlaub in einem Ferienhaus auf der dänischen Insel Fünen verbringt. Inspiriert von einem Foto im Nachlass ihrer Großmutter, das ein Haus inmitten von blühenden Fliederbüschen zeigt, hat es sie beinahe schon auf magische Weise dort hingezogen, und so mietet sie ein Ferienhaus, von dem sie sich sicher ist, dass es sich um genau dieses Haus auf dem Foto handelt. Durch Zufall entdeckt sie dort ein großes Gemälde mit einem Fliederstrauß vor einem geöffneten Fenster. Als sie es ihrer Vermieterin Inger zeigt, ist diese sehr berührt und erzählt Celia die Geschichte ihrer jüdischen Mutter Ruth Liebermann, die das Bild einst gemalt hat.


Meine Meinung:

Ein Qualitätsmerkmal eines Buches ist für mich ganz subjektiv, dass ich mich auch noch längere Zeit nach Beendigung der Lektüre gedanklich damit beschäftige. Und das war bei diesem Roman eindeutig der Fall. Nicht nur die persönliche Geschichte von Ruth, Inger und Celia hat mich sehr berührt, sondern auch die historischen Hintergründe der Judenverfolgung im Dritten Reich, die von der Autorin sorgfältig recherchiert und mit viel Feingefühl im Buch aufgearbeitet wurden.

Mit Ausnahme von Jakob, mit dem ich irgendwie nicht hundertprozentig warm werden konnte, sind die Charaktere – auch die Neben- und Randfiguren – sehr authentisch und nachvollziehbar gezeichnet. Man kann sich beim Lesen wunderbar in sie hineinversetzen. Schade fand ich nur, dass man nicht mehr erfahren hat, was aus Ruths Berliner Freundin Ilse geworden ist. Auch die Beschreibung der Schauplätze, vor allem der Insel Fünen, ist der Autorin überaus gut gelungen. Ich konnte beim Lesen die blühenden Fliederbüsche geradezu riechen und das Meer vor mir sehen.

Die beiden Zeitebenen des Romans verknüpft die Autorin auf eine sehr angenehme Weise, sodass es einem beim Lesen leicht fällt, gedanklich zwischen Gegenwart und Vergangenheit hin und her zu springen. Hervorheben möchte ich auch, dass es für mich recht lange nicht vorhersehbar war, wie genau Celia mit Ruths und Ingers Familie verbunden ist, auch wenn man sich schon denken kann, dass da irgendwelche Bande bestehen müssen. Es gelingt der Autorin gut, die Spannung bis zur endgültigen Auflösung – auch im Zusammenhang mit Svea – aufrechtzuerhalten.
Etwas langatmig fand ich die Beschreibungen des Lebens von Ruth und Jakob auf Fünen vor ihrer zweiten Flucht nach Schweden. Hier schafft die Autorin zwar durch ihre Erzählweise eine sehr harmonische Atmosphäre und viele eindrückliche Stimmungsbilder, allerdings plätschert für mein Gefühl die Handlung in diesen Passagen ein wenig dahin, sodass ich beim Lesen dann doch etwas ungeduldig wurde.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr bildhaft, eingängig und flüssig. Sie schafft es vorbildlich, den Leser zu berühren und Emotionen bei ihm hervorzurufen, sodass sich der Roman vor allem in der zweiten Hälfte für mich zu einem echten „Pageturner“ entwickelt hat.

Insgesamt ein sehr bewegender und emotional erzählter Roman, der viel mehr ist als nur eine bloße Liebesgeschichte und für den ich sehr gerne eine Leseempfehlung ausspreche.

Susanne von „friederickes Bücherblog“