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Benutzername: friederickes Bücherblog
Wohnort: Berlin
Über mich: Friederickes Bücherblog stellt Bücher vor und veröffentlicht Rezensionen. Zwei fachlich kompetente Kolleginnen rezensieren gerne dein Buch in unserem Blog.
Danksagungen: 5 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 70 Bewertungen
Bewertung vom 19.06.2018
Ein Sommer in den Hamptons
Swan, Karen

Ein Sommer in den Hamptons


sehr gut

Sommer, Sonne und gute Urlaubsunterhaltung

Das Cover
Eine Villa direkt am Strand. Dazu eine junge hübsche Frau, das Meer und die Leichtigkeit des Sommers in den Farben, stehen für Exklusivität, Luxus und Urlaub. Der Klappentext und der Titel ergänzen die inhaltliche Präsentation des Buches. Ein sehr gelungenes und verlockendes Cover.


Die Geschichte (Achtung Spoiler!)
Rowenas Freund verkündet überraschend, dass er eine Beziehungspause braucht. Er will schon in zwei Tagen für sechs Monate nach Südostasien und ist überzeugt, dass sie beide anschließend ein wunderbares Leben haben werden. Ro kann die-ser Ansicht nichts abgewinnen und tut sich schon alleine mit dem Gedanken schwer. Sie sind schon so lange zusammen und sie versteht das nicht.
Just zur Zeit seiner Abreise reist sie selbst beruflich von London nach New York. Sie arbeitet als Fotografin und lernt, während sie bei einer Hochzeitfeier fotografiert den Aushilfskellner Humphrey kennen. Der sucht noch für den Sommer Mitbewoh-ner für sein Haus in den Hamptons. Der Zufall verhilft ihr an diesem Abend zu der Möglichkeit, die Zeit des Alleinseins zu nutzen, beruflich neue Wege zu gehen. Auch sonst sind die Hamptons sehr reizvoll. Waren doch dort im Sommer die Rei-chen und Schönen aus New York, die ihre potenziellen Kunden sein können. Vom Meer, Sommer, Sonne und Urlaubsfeeling ganz zu schweigen. Also entscheidet sie sich die nächsten Monate anders zu verbringen, als zunächst gedacht.

Meine Meinung

Im ersten Drittel des Buches war ich nicht gerade begeistert. Ich verstand ehrlich gesagt Rowena nicht. Welche Frau lässt sich nach elf Jahren Beziehung erklären, dass eine Beziehungspause über sechs Monate, als Auffrischungskur sinnvoll ist? Und wenn sie sich dann auch noch mit viel zu großen Herrenklamotten kleidet, um seinen Duft bei sich zu haben, dann ist die Gefahr sich im Selbstmitleid zu baden relativ hoch. Auch ihre Ankunft, sowie ihr beruflicher Neustart war voller Hürden, sodass sie mehr am innerlichen Jammern war, als mir das gefallen hätte.
Dann aber ändert sich die Geschichte zusehends. Ro wird selbstbewusster, sympa-thischer, attraktiver, taffer und die anderen Mitbewohner, sowie weitere Protagonisten fügen sich mit ihren starken und unterschiedlichen Charakteren perfekt in die Geschichte ein. Die Autorin schreibt in einer lebhaften, leicht verständlichen und humorvollen Sprache. Sie erzählt überwiegend aus der Perspektive von Ro, lässt aber auch die anderen wichtigen Figuren, die wunderbar ausgearbeitet sind, ihre Stärken ausspielen. Die Bilder der Schauplätze sind ausführlich und interessant beschrieben, sodass man viel Lust bekommt, sich da persönlich umschauen zu wol-len. Der Beruf von Ro, die neben der Fotografie und das Erstellen von Fotoalben, auch noch Familienvideos bearbeitet, ist sehr spannend. Ganz besonders bei ei-nem besonderen Auftrag, der uns als Leser hineinblicken lässt. Nach einem weite-ren Drittel des Buches wird gar noch ein kriminalistischer Teil eingefügt, sodass der Spannungsbogen durch die mehrfachen Wendungen stets hochgehalten wird.
Insgesamt geht es um Beziehungen, Freundschaften, Zusammenhalt und auch Liebe. Diese war aber etwas zurückgenommen, weil die vielen unterschiedlichen Geschehnisse großen Raum einnahmen und so der Geschichte etwas mehr Tief-gang verliehen. Ein ausgesprochen unterhaltsamer Sommeroman, der in jeden Koffer passt.

Das Buch bekommt von mir eine Leseempfehlung.

friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 07.06.2018
Der Abfall der Herzen
Nagelschmidt, Thorsten

Der Abfall der Herzen


sehr gut

Erinnerungen an die Jugend

Das Cover
Ein schlichtes Cover mit zurückhaltenden Farben und vier jungen Menschen, die in einen See springen. Gemeinsam mit dem Klappentext ist das eine gelungen und fein abgestimmte Präsentation.

Die Geschichte (Achtung Spoiler!)

Eine etwas andere Geschichte, die nicht am Anfang beginnt. Der Autor erzählt zunächst autobiografisch, wie es dazu kam, dass er sich auf die Spurensuche in den Sommer 1999 begibt und wie es letztendlich zu diesem Buch kam.
Er wohnt in Berlin und trifft sich eines Tages mit einem Freund, mit dem er sich vor langer Zeit zerstritten hatte. Und dann redeten sie plötzlich über einen Brief, den er ihm vor vielen Jahren geschrieben und den Streit beendet haben soll. Aber er kann sich nicht erinnern, obwohl er damals bereits als Autor ein Tagebuch geführt hat.
Nun beginnt er damit die Kladden zu lesen und hat zunehmend mehr Fragen als Antworten. Er fährt nach Rheine, wo er 1999 gewohnt hat, redet mit Freunden und Bekannten. An dem Ort ist er aufgewachsen und wurde zum Sänger und Songschreiber. Vieles, was er sich nun erzählen lässt, kann er mittlerweile so nicht einordnen und vieles nicht mehr erinnern. Und sie erzählen es auch ganz anders, wie er das wahrgenommen hatte. Und alles, was er nicht mehr zusammenbekommt, muss er in seinem Roman mit neuen Figuren und Handlungen ergänzen.
Meine Meinung
Die Geschichte wird über zwei Zeitebenen, nämlich aus der Gegenwart und dem Rückblick auf das Jahr 1999 erzählt. Der Autor wählte die Erzählperspektive des Icherzählers, was grundsätzlich dafür sorgt, dass man den Figuren sehr nah ist. Anfänglich habe ich mich allerdings etwas schwer damit getan, mich mit den Protagonisten, ihren Aktivitäten und ihrer Sprache anzufreunden, weil ich 1999 schon etwas älter, als diese Jungs war. Es war ein sehr schwieriges Jahr für ihn. Vieles auch Unsägliches ist passiert. Insgesamt geht es um Freundschaft, Partys, Alkohol, Eifersucht, Musik und mehr. Es geht um die Erinnerungen.
Einiges was die so veranstaltet haben war mir natürlich auch nicht fremd, auch wenn meine Jugend schon etwas länger zurückliegt, als 1999. Und auch ich verstricke mich immer öfter in Zeiten, die mich fragen lassen: „Weißt Du noch?“
Ich habe mich deshalb an keiner Stelle gelangweilt und das Buch hat mich wunderbar unterhalten, mich selbst auf Suche nach meiner Vergangenheit und Jugend geschickt, wenn auch die Erinnerungen etwas anders daherkommen. Es hat mich an vielen Stellen schmunzeln lassen und dadurch, dass es einfach mal ganz anders war, sehr überzeugt.
Ich wünsche dem Buch, dass es viele Leser finden möge. Ich für meinen Teil kann also eine Leseempfehlung aussprechen.

friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 07.06.2018
Zwischen dir und mir das Meer
Herzog, Katharina

Zwischen dir und mir das Meer


ausgezeichnet

Ein wunderbarer Sommerroman mit Tiefgang

Das Cover
Eine Zitrone (Amalfiküste) im Mittelpunkt, Meerglas und Oliven drum herum, das sind die Hinweise für eine sommerliche Geschichte. Der Klappentext und der Titel unterstreichen den Eindruck und den Wunsch mehr über die Geschichte zu, erfah-ren. Ein sehr gelungenes Cover.

Die Geschichte (Achtung Spoiler!)
Lena lebt auf Amrum und arbeitet in einem Hospiz. Als sie eines Tages auf dem Heimweg auf den Italiener Matteo trifft kribbelt die Luft zwischen ihnen. Am nächs-ten Tag hat er allerdings ohne ein Wort die Insel verlassen. Neugierig geworden schaut sie in seinem Hotelzimmer nach und findet eine Mappe, in der Fotos von ihrer Mutter Mariella als junge Frau liegen. So strahlend, wie auf dem Foto kannte sie ihre Mutter nicht.
Diese war gebürtige Italienerin und vor zwanzig Jahren vom morgendlichen Schwimmen nicht zurückgekehrt. Seitdem lebt Lena mit ihrer Oma und ihrem Vater zusammen. Ihre jüngere Schwester Zoe, inzwischen eine Weltenbummlerin kommt zum gleichen Zeitpunkt nach Amrum, um Omas achtzigsten Geburtstag zu feiern.
Zoe erkennt auf dem Foto den Hintergrund und weiß, wo es gemacht wurde. Kurz-entschlossen reisen die beiden jungen Frauen deshalb an die Amalfiküste um mehr über die Fotos, ihre Mutter und ihre Familie zu erfahren.
Meine Meinung
Der Prolog beginnt 1972 in Ravello, wo sich zwei Mädchen begegnen, die ver-schiedener nicht sein könnten. Die bescheidene Mariella, deren Vater ein kleines Stück Land mit Zitronenbäumen bewirtschaftet und zusätzlich für Francesca Vater arbeitet, welcher im größeren Stil mit Zitronen seine Geschäfte macht. Francesca wiederum lebt in einer Villa. Eine Freundschaft war in dieser Zeit zwischen so un-terschiedlichen Gesellschaftsschichten nicht ganz einfach.
Die Geschichte wird über zwei Zeitebenen erzählt. Einmal geht es um Lena in der Gegenwart, die auf Amrum lebt. Sie arbeitet in einem Hospiz als Krankenschwester. Ihre Beziehung war in die Brüche gegangen. Sie lebt sehr zurückgezogen und ge-staltet in ihrer Freizeit Schmuck aus Meerglas. Ihre jüngere Schwester Zoe ist das völlige Gegenteil. Sie bleibt nie lange auf der Insel, reist durch die Welt und arbeitet dann, wenn sie das für nötig befindet. Die zweite Ebene erzählt in Rückblicken die Jugendzeit und das Leben ihrer Mutter Mariella in Italien, über das die Mädels so gut wie nichts wissen.
Die Autorin schreibt in einer leichten, gut verständlichen und flüssigen Sprache. Die Protagonisten sind gut erarbeitet und glaubwürdig. Auch die Nebenfiguren sind überzeugend. Lena habe ich sofort ins Herz geschlossen. Mit ihrer Schwester Zoe dauerte es ein bisschen, bis sie sich eingeschlichen hat.
Die Schauplätze lassen das Herz höherschlagen, entführen sie mich doch in Regi-onen, in die ich mich gerne wegträume. Sowohl Amrum, als auch die Amalfiküste sind von Katharina Herzog so intensiv beschrieben, dass ich jedes Detail vor Augen hatte und am liebsten gleich die Koffer gepackt hätte. Die Liebesgeschichte ist eher zweitrangig. An erster Stelle steht eine Familiengeschichte mit sehr viel Tiefgang und Wendungen, sodass die Spannung auch deshalb stets hochgehalten wird. Natürlich sind auch einige Dinge vorhersehbar, was aber überhaupt nicht stört.
Mein Fazit: Ein wunderbarer Sommerroman, leicht zu lesen und doch berührend ernst. Präsentiert an wunderschönen Regionen, die mir gestatteten das Meer zu riechen und vom baldigen Urlaub zu träumen. Ein gelungenes Buch, das ich wärmstens empfehlen kann.
Das Buch bekommt von mir eine Leseempfehlung.
friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 06.06.2018
Der Tag X
Müller, Titus

Der Tag X


ausgezeichnet

Beeindruckender Roman
Das Cover
Das Cover zeigt zwei junge Menschen in den fünfziger Jahren. Die Farbgebung ist dieser Zeit perfekt angepasst. Zusammen mit dem Titel und dem Klappentext ist die Buchpräsentation stimmig und lädt ein, das Buch lesen zu wollen.
Die Geschichte (Achtung Spoiler!)
Nelly war ein glückliches Kind, bis im Oktober 1946 die Russen an die Wohnungstür der Familie hämmern. Ihr Vater wird nach Russland abkommandiert und ihre Mutter entscheidet sich im letzten Moment mit ihrer Tochter in Berlin zu bleiben, was Nelly nicht verstehen kann.
1953 muss die junge Frau das Gymnasium verlassen, weil sie einer kirchlichen Organisation angehört. Zufällig lernt sie einen Tag zuvor den jungen Uhrmacher Wolf kennen.
Dieser hat einen Uhrenladen und führt ein eigentlich unauffälliges und korrektes Leben, bis er sich in Nelly verliebt. Er will ihr unbedingt helfen und entwendet bei der Behörde Dokumente. Diese Aktion bringt ihn aber ins Gefängnis.
Dann gibt es noch Ilja, einen russischen Soldaten, den sie in der Nacht kennenlernte, als ihr Vater abgeholt wurde. Er arbeitet inzwischen als Spion und bringt ihr regelmäßig Nachrichten von ihrem Vater.
Wolf indes träumt von einem Leben mit Nelly, als aber die Massendemonstrationen rund um den 17. Juni beginnen ist ihr Leben und das vieler anderer Personen in Gefahr.
Meine Meinung:
Schon auf den ersten Seiten gibt es Gänsehaut, als mitten in der Nacht die Russen vor der Tür der Familie stehen. Und dann beginnt mit einem kleinen Zeitensprung die Geschichte von Nelly, Wolf und Ilja. Diese Drei sind die Hauptfiguren der Geschichte, die in der Nachkriegszeit, der noch jungen DDR angesiedelt ist. Die Protagonisten sind unglaublich ausdrucksstark und authentisch und nehmen mich hautnah in die Geschichte mit. Selbst ihre Gedanken lassen mich das ganze Drama fühlen. Die Schauplätze Berlin, Halle und Moskau sind bis ins kleinste Detail beschrieben, sodass man die Straßen und Plätze bildlich sehr gut durchwandern kann.
Der Autor hat die Anfänge der DDR, die russische Besatzung, das Ende von Stalin in Moskau, die Erhöhung der Normen, die politischen Geschehnisse bis zum Aufstand am 17. Juni 1953 so wunderbar eingearbeitet, dass einem zwischendurch der Atem stockt. Die Ängste vor Repressalien und nie zu wissen, ob man gerade bespitzelt wird oder nicht, dazu die politischen Entwicklungen jener Zeit, aus unterschiedlichen Sichtweisen, lassen uns die Geschichte in ihrer ganzen Vielschichtigkeit so miterleben, als wäre man selbst dabei.
Titus Müller erzählt aus wechselnden Perspektiven. Seine Sprache ist anspruchsvoll, aber sehr flüssig zu lesen und leicht verständlich. Obwohl es mehrere Handlungsstränge unterschiedlicher Personen sind, kommt man als Leser nicht durcheinander. Das Buch verlangt allerdings Konzentration, sowie Interesse an der deutschen Geschichte.
Ein beeindruckender Roman, lehrreich, interessant, mitreißend und spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Ein Stück Zeitgeschichte verbunden mit einer zarten Liebesgeschichte. Unterhaltung und Wissen auf allerhöchstem Niveau.
Das Buch bekommt von mir eine ausdrückliche Leseempfehlung.
friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 22.05.2018
Bis zum Himmel und zurück
Junk, Catharina

Bis zum Himmel und zurück


ausgezeichnet

Ein Familienroman über Schuld und Gefühle

Das Cover:

Das Cover in seinen kräftigen Farben grün und blau, dazu das Mädchen, das die Hände zum Himmel streckt und der Titel zeigen gemeinsam in der bildlichen Darstellung, in sich eine Übereinstimmung und wunderbare Harmonie. Zusammen mit dem Klappentext ist die Buchpräsentation sehr gelungen, verweist aber nicht auf die Tragik, die Ernsthaftigkeit und die menschlichen Tragödien, die eine große Rolle spielen. Und dennoch macht das Gesamtbild neugierig auf das Buch und lädt dazu ein, diese Geschichte lesen zu wollen.

Die Geschichte (Achtung: Spoiler!):

Katja verdient ihr Geld als Drehbuchautorin für die Serie „Wache Mitte“. Als sie überraschend ein Konzept für eine Familienserie entwickeln soll, fällt ihr das ausgesprochen schwer. Dabei könnte dieses Projekt ihr beruflicher Aufstieg werden. Wie soll das aber gehen, hat sie doch selbst kein nennenswertes Familienleben mehr? Als wäre das Chaos nicht genug, meldet sich zur gleichen Zeit ihre Mutter mit einer unangenehmen Nachricht und es tauchen zu guter Letzt auch noch überraschend und völlig aus dem Nichts eine Halbschwester, sowie deren Bruder Joost auf.
Nun muss sie heraustreten aus den verschiedenen Leben, in die sie sich als Autorin geflüchtet hat. Der Zeitpunkt ist jetzt da, der sie auffordert sich mit sich selbst und ihrer eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und auch diese neu zu schreiben.


Meine Meinung:


Als ich zu Anfang des Buches Katja und ihren gelegentlichen Freund Radko kennenlernte, war ich über ein paar Seiten lang, von den beiden nicht gerade angetan. Aber dann wurde ich mit Erstaunen in den unerwarteten und aufwühlenden Verlauf der Geschichte hineingezogen, zumal ich durch den Klappentext keinesfalls auf ein derart starkes und emotionales Familiendrama eingestellt war.

Das Buch wird neben der Gegenwart aus starken Rückblenden erzählt, die uns aus Katjas Sicht die Dramatik ihres Lebens voll miterleben lassen. Es geht insgesamt um eine Familie, die an ihren Schicksalen, Süchten und Dramen zerbricht und jeden Einzelnen damit alleine auf irgendeine Art weiterleben lässt. Dabei wiegen Schuld und Sühne auf einem schmalen Kinderrücken doppelt schwer.

Die Protagonisten sind mit sehr viel Feingefühl ausgearbeitet, ihre Charaktere daher glaubhaft und entsprechend ihrer Rolle. Besonders Katja lässt uns ganz nah dabei sein und in ihr Leben schauen, was mich manchmal sehr angegriffen hat.

Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, der die vielen tragischen Momente an einigen Stellen humoristisch entschärft, sodass man auch „Schwere“ gut verdauen kann. Es ist absolut keine leichte Kost, wie man anfänglich vermuten könnte. Es ist aber ein Buch mit sehr viel Tiefgang, mit ab und zu etwas Komik, mit Ernst, Klugheit, Traurigkeit und so vieles mehr. Ein Buch, das kein Happy End hat und mich etwas nachdenklich zurücklässt.

Ein Buch, das ich aber unbedingt empfehlen möchte.

Friedericke von „friederickes Bücherblog“

Bewertung vom 14.05.2018
Das rote Kleid
Kretschmer, Guido Maria

Das rote Kleid


gut

Ein etwas anderes Buch

Das Cover

Das Cover passt natürlich wie der Deckel auf den Topf. Eine Modezeichnung ist immer ein Hingucker und mit einem schönen roten Kleid, ist die Harmonie einer Buchpräsentation perfekt. Der Klappentext rundet das Gesamtpaket ab.

Die Geschichte (Achtung Spoiler!)

Da kommt ein neues, schönes, rotes Seidenkleidchen auf die Kleiderstange eines Filmsets. Und hier beginnt die Geschichte diverser Kleidungsstücke, die sich in der Nacht untereinander ihre Geschichte erzählen, sich anfreunden, Vertraute werden und ein paar Abenteuer müssen sie auch noch überstehen. Ob sich auch noch Anaschas Traum erfüllt?

Meine Meinung

Manchmal liest man ein Buch und nach der letzten Seite sitzt man da und weiß nicht so richtig, wie man es einordnen und bewerten soll. So erging es mir mit dieser Geschichte auch.
Dass Kleidungsstücke miteinander reden können, habe ich von der Idee her, als angenehm anders empfunden. Wir kennen das ja auch zum Beispiel von Bäumen und Tieren. Und wenn die miteinander reden, schimpfen und mit Elan agieren, kann das ja sehr lustig und unterhaltsam sein. Ich finde den Grundgedanken deshalb sehr gut, aber für mein Empfinden hätte die Geschichte etwas mehr Pep gebraucht. Die Spannung ist eher auf einer Linie und der Bogen wurde nicht so gespannt, wie es hätte sein können.

Das Buch ist in einer leichten, verständlichen und auch poetischen Sprache aus wechselnden Perspektiven der Kleidungsstücke geschrieben. Die Protagonisten sind in ihren Dialogen äußerst humorvoll. Wer Guido Maria Kretschmer und seine ironisch, witzigen Kommentare und Sprüche kennt, der ahnt, dass sich das auch auf das Buch übertragen hat und die Kleidungsstücke haben von ihm Charaktere bekommen, die zu ihnen passen. Diese Dialoge kann nur jemand so interessant schreiben, der Textilien über die Maße liebt und außerdem die Nähte, Saum und Knöpfe am textilen Leben teilhaben lässt. Und wenn sich ein Kleidungsstück freut, weil das Bügeleisen ein Glücksgefühl auslöst, dann weiß man, dass man ein launiges Buch in der Hand hat. Zu guter Letzt regt es an, zu überlegen, wie wir mit unserer Kleidung umgehen, oder sie auswählen, oder über Textilien überhaupt. Die wunderschönen Zeichnungen, die in das Buch integriert wurden, tragen zum positiven Gesamteindruck bei.

Es ist ein anderes Buch und mir hat es mit Ausnahme der erwähnten kleinen
Abstriche gefallen.

friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 14.05.2018
Das geheime Netzwerk der Natur
Wohlleben, Peter

Das geheime Netzwerk der Natur


ausgezeichnet

Ein spannendes Buch über das Netzwerk der Natur
Das Cover

Das Cover mit seinen Pflanzen und dem kleinen Frischling ist optisch mit hohem Wiedererkennungswert an die bereits erschienenen Bücher des Autors angelehnt. Es ist auf den ersten Blick als Sachbuch erkennbar und sehr gelungen.


Die Geschichte (Achtung Spoiler!)

Die Wunder der Natur oder wie die Natur die Menschen überrascht. Warum beeinflussen Laubbäume die Erdrotation, warum können Nadelwälder Regen machen und wieso sabotieren Kraniche die spanische Schinkenproduktion?
Peter Wohlleben erklärt und beschreibt das Zusammenspiel zwischen Pflanzen und Tieren. Er fragt, ob sie untereinander kommunizieren können und was geschieht, wenn diese Systeme der Natur aus dem Gleichgewicht kommen. Beobachtungen und wissenschaftliche Erkenntnisse gestatten dem Autor uns mitzunehmen in die faszinierende Natur. Wir dürfen staunen und die Welt mit neuen Augen betrachten.
Meine Meinung:

Wie gewohnt schafft es der Autor in einer leichten und gut verständlichen Sprache die Natur insgesamt und die Zusammenhänge des geheimen Netzwerks der Natur zu erklären. Wunderbaren Beispiele, die uns erklären wie unter anderem Kraniche durch die Veränderung ihrer Flugroute die Fleischproduktion beeinflussen, bringen uns Menschen nahe, wie Veränderungen die Natur und ihre Systeme beeinflussen können.
Der humorvolle Umgang und die fachliche Einordnung zwischen den Pflanzen und Tieren im Zusammenspiel mit der Schöpfung ziehen mich in den Bann und lassen mich wieder einmal die Natur aus einer ganz anderen Perspektive betrachten.
Auch dieses Buch hat mich sehr beeindruckt und mit Faszination diesen Ausflug in die Geheimnisse der Natur genießen lassen.
Das Buch bekommt eine ausdrückliche Leseempfehlung.

friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 14.05.2018
Mein Herz in zwei Welten / Lou Bd.3
Moyes, Jojo

Mein Herz in zwei Welten / Lou Bd.3


sehr gut

Neubeginn in New York

Das Cover
Ein schlichtes Cover mit zarten Farben, mit Schmetterlingen und den Konturen einer jungen Frau, bildet zusammen mit dem Titel und dem Klappentext den Inhalt des Buches perfekt ab. Die Gestaltung ist den beiden bereits erschienenen Büchern der Trilogie angeglichen.

Die Geschichte (Achtung Spoiler!)
Will hat Louisa ein paar ermutigende Sätze mit auf den Lebensweg gegeben. Doch nach seinem Tod braucht sie ziemlich lange, bis sie sich traut seinen Worten Taten folgen zu lassen. In New York wagt sie schließlich den Neuanfang ohne ihre Familie und ihren Lebensgefährten Sam. Sie trifft auf eine völlig neue Welt als Assistentin bei einer reichen Familie. Die Trennung von ihren Eltern und die nun gelebte Fernbeziehung sorgen dafür, dass ein Teil ihres Herzens in England zurückgeblieben ist.
Natürlich läuft auch in der neuen Stadt nicht alles nach Plan. Unerwartete Probleme beruflich und privat fordern sie sehr und obendrauf muss sie selbst herausfinden, wer sie eigentlich ist, was sie wirklich will. Die Gefahr sich und die liebsten Menschen zu verlieren ist stets gegeben. Kann ihr Herz heilen, das in zwei Welten zu Hause ist?
Meine Meinung
Ich habe die ersten beiden Bände nicht gelesen und überlege, ob es nicht besser gewesen wäre Lou etwas eher und intensiver kennenzulernen, damit ich manche ihrer Handlungen hätte besser einordnen können.
Das Buch ist in einer leichten wunderbaren Sprache geschrieben. Lou hat es mir nicht leicht gemacht, sie immer zu verstehen. Sie hat sich dieser Familie in New York als Mädchen für alles und jeden zur Verfügung gestellt, obwohl sie meines Erachtens sehr viel mehr Selbstbewusstsein hätte ausstrahlen können. Auch Missgeschicke waren immer wieder an der Tagesordnung. Selbst als Sam anreiste und sie wenige Tage besuchte, lief fast nichts, wie es sollte. Die Frau des Arbeitgebers ging mir ehrlich gesagt lange Zeit auf den Zeiger und ich hätte Lou gerne angeschubst endlich mal aufzubegehren, damit auch die Handlung in den ersten zwei Dritteln des Buches mehr Fahrt aufgenommen hätte.
Dann aber, als einiges geschah, als sie nach Hause musste, als es berufliche Probleme gab und ihr Liebesleben auch nicht in die richtige Richtung lief, als innere und äußere Entscheidungen anstanden, dann entwickelte sich die Geschichte und begann das Tempo zu forcieren. Ich denke mir, dass es aufgrund der beiden Bände zuvor so angelegt war.
Die Figuren sind alle wunderbar ausgearbeitet, ihre Charaktere authentisch und ihrer Rolle zugewandt. Die Schauplätze, gerade auch New York sind sehr gut beschrieben. Ich ging gerne durch die Straßen und lernte die Stadt kennen.
Es ist insgesamt ein Buch, das mit viel Charme, mit einem Augenzwinkern und manchmal auch mit Tiefgang erzählt wird und gute Unterhaltung garantiert.
Das Buch bekommt von mir eine Leseempfehlung.
friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 14.05.2018
Karotten lieben Butter
Frank, Gunter; Linster, Léa; Wink, Michael

Karotten lieben Butter


ausgezeichnet

Ein ungewöhnliches Trio macht Appetit auf gute Ernährung

Das Cover

Das Cover erweckt Neugierde, weil eine uns bekannte und beliebte Sterneköchin ungewohnt eingerahmt ist, von einem Arzt und einem Wissenschaftler. Der humorvolle Titel, der ausführliche Untertitel und der Klappentext bestätigen, dass es sich nicht um ein reines Kochbuch handelt. Umso mehr packt einen die Lust rund um die Ernährung mehr erfahren zu wollen.

Die Geschichte (Achtung Spoiler!)

Das Trio hat sich zusammengetan, um gemeinsam die inzwischen unterschiedlichen Aussagen zur Ernährung aus ihrer Sicht zu beleuchten und einzuordnen. Sie sind der Meinung, dass wir eine Renaissance in der Küche benötigen, weil wir kaum noch in der Lage sind unsere Mahlzeiten und gutes Essen zu genießen. So gilt vieles, was wir über Jahrzehnte gegessen haben mittlerweile als ungesund. Zusammen gehen die drei zwischen Wochenmarkt, Herd und Tisch auf der Sache auf den Grund, erklären die Zusammenhänge, die wissenschaftlichen Hintergründe und das Kochwissen.

Meine Meinung

Ich war von der ersten Seite an völlig begeistert. Endlich mal jemand, der uns sagt, dass nicht alles schlecht, fett, ungesund und dickmachend ist. Jemand der auch die Art der Zubereitung unserer Vorfahren lobt und nicht ausschließlich als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet.

Wir erfahren zehn wichtige Regeln einer guten Küche. Außerdem werden die Lebensmittelgruppen von wissenschaftlicher und medizinischer Perspektive erklärt und Lea Lingster zeigt uns, wie wir aus diesen Lebensmitteln gute und gesunde Mahlzeiten zubereiten, wie wir sie genießen und warum sie uns glücklich machen. Wir lernen Lebensmittel wertschätzen und bauen mit den Rezepten auf unserer Tradition auf. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, das sich mit Nährwerten und Kalorien befasst, und trotzdem so lustvoll und unterhaltsam sein kann. Die Autoren haben dieses Buch mit viel Herzblut, Humor und Fachwissen erstellt.

Mein Fazit: Ein wunderbar lehrreiches Buch, das viel Abwechslung und leicht verständliche Information bietet und außerdem wunderbar bebildert ist. Wer dann noch die Rezepte der begeisternden Lea Lingster mag, der sucht nicht mehr nach Diäten, sondern zieht aus diesem Buch seinen täglichen Genuss. Ein Buch, das man lesen sollte, um mit seiner Nahrungsaufnahme glücklich zu werden.

Dieses Buch bekommt eine ausdrückliche Leseempfehlung.

friedericke von "friederickes bücherblog"

Bewertung vom 14.05.2018
Die geliehene Schuld
Winter, Claire

Die geliehene Schuld


ausgezeichnet

Historischer Roman mit Gänsehaut

Das Cover
Das Cover zeigt ein Foto der Nachkriegszeit, das wunderbar mit dem Titel und dem Klappentext abgestimmt ist. Es hat mich sofort mit seiner Präsentation angezogen und eingeladen das Buch lesen zu wollen.
Die Geschichte (Achtung Spoiler!)
Die Redakteurin Vera Lessing hat während des Krieges ihren Mann und ihre Eltern verloren. Dieses Schicksal und weitere traumatische Erlebnisse erzeugen nach dem Krieg (1949) den großen Wunsch endlich alles hinter sich lassen zu können.
Als eines Tages ihr Kollege und Jugendfreund Jonathan auf merkwürdige Weise ums Leben kommt, ändert sich die Situation. Er hat ihr noch kurz vor seinem Tod einen Brief zukommen lassen. Darin befanden sich seine Recherchen, die er über ehemalige Kriegsverbrecher gesammelt hatte. Außerdem hatte er Kontakt zu einer Sekretärin im Stab von Konrad Adenauer.
Vera blieb nach der Durchsicht nichts anderes übrig, als den Spuren nachzugehen, die ihr Jonathan hinterlassen hatte. Sie führen in die Geheimdienste, die eine starke Macht ausübten. Eine gefährliche Aufgabe.
Meine Meinung:
Ein Buch, das mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Es handelt sich um einen Roman, der mit deutscher Zeitgeschichte angefüllt ist, die in ihrer ganzen Härte perfekt in einen Krimi mit zwei zarten Liebesgeschichten eingearbeitet wurde.
Die Geschichte deckt alle Facetten der unsäglichen Geschehnisse und Täterschaft ab, die nach dem Krieg verdeckt, versteckt und verheimlicht werden sollten. Und dazu waren den Tätern alle, aber wirklich alle Mittel recht.
Die Autorin schreibt in einer wunderbaren, spannenden und leicht verständlichen Sprache. Die Protagonisten, besonders Vera und Marie sind beeindruckend. Alle Figuren aber verkörpern ihren Charakter sehr glaubhaft. Die wechselnden Perspektiven halten die Spannung auf höchstem Niveau.
Beeindruckend auch die exzellente Recherche der Zeitgeschichte und die perfekte Einflechtung in die Geschichte. Ich habe schon viel gelesen darüber, was damals passiert ist. Aber das, war noch einmal eine Steigerung. Das Ausmaß über die Kriegsverbrecher, deren Fluchtwege nach der Kapitulation und deren teilweise Eingliederung in die neue Republik hat mich entsetzt.
Mein Fazit: Ein Buch, das nicht nur erstklassige Unterhaltung bietet, sondern auch zum Nachdenken anregt und Zeitgeschichte näherbringt. Ein Buch das alles bietet, was ein gutes Buch ausmacht. Ein Buch, das man gelesen haben muss.
Dieses Buch bekommt eine ausdrückliche Leseempfehlung.
friedericke von "friederickes bücherblog"