Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: gabriele 63
Wohnort: pirna
Über mich:
Danksagungen: 1 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 58 Bewertungen
Bewertung vom 17.02.2019
Worauf wir hoffen
Mirza, Fatima Farheen

Worauf wir hoffen


ausgezeichnet

Die Hoffnung stirbt zuletzt
„Es tröstete sie, ihn in ihrer Nähe zu wissen, ein Trost, den es nur zwischen zwei Menschen geben kann, die ihre frühesten Erinnerungen teilen.“ (Seite 25)

Hadia heiratet und wünscht sich nichts sehnlicher, als ihren Bruder Amar wiederzusehen. Aus diesem Grund lädt sie ihn ein – obwohl sie Angst hat, dass ihr Vater Rafik wieder einen Wutanfall bekommt. Amar ist in seiner Jugend zu oft anders gewesen, als der Vater sich seinen Sohn gewünscht hatte.

Hadia stammt aus einer in Amerika lebenden muslimischen Familie, die ursprünglich aus Indien kam. Im zweiten Teil des Buches (das insgesamt vier Teile hat) beschreibt die Autorin das Leben in der Familie von der frühesten Kindheit der drei Geschwister bis ins Erwachsenenalter hinein. Wir Leser erfahren viel über den muslimischen Glauben, über das Gemeindeleben und die Einstellung der Eltern zum Leben.

„Woher kommt, wenn man sich mag, Liebe empfindet, Zärtlichkeit, bisweilen Begehren, diese Scheu? Selbst vor ihrem eigenen Ehemann hat sie Hemmungen etwas auszusprechen.“ wird auf Seite 60 die Einstellung der Mutter zu ihrem Ehemann beschrieben. Ihren Kindern gegenüber verhält sie sich meist loyal. Der eine große Fehler, den sie gemacht hat, wird ihr erst viel zu spät bewusst.

Die Autorin erzählt nicht chronologisch, sie beschreibt viele verschiedene Augenblicke. So entsteht nach und nach ein Gesamtbild. Als Leser erfahren wir von der ersten Liebe, die nicht sein darf. Von der Sehnsucht der Kinder nach Anerkennung. Hadia begehrt auf, möchte ebenso geliebt werden wie ihr Bruder – worauf Ihr Vater antwortet: „Weil es die Rolle der Tochter ist wegzugehen, eine eigene Familie zu gründen, den Namen ihres Mannes anzunehmen – Töchter gehören uns nie wirklich.“ (Seite 205).

Immer wieder werden Stellen aus dem Koran herangezogen. Sie verdeutlichen, wie viele Geschichten denen aus der Bibel gleichen. Es stellt sich beispielsweise die Frage der Integration: Mutter Leila wünscht sich, dass die Kinder zu Hause die Muttersprache Urdu benutzen; doch sie ziehen Englisch vor, die Sprache des Landes, in dem sie zur Schule gehen. Auch wehren sie sich teilweise gegen die althergebrachten Sitten und Gebräuche ihrer Eltern.

Besonders beeindruckt hat mich der vierte und letzte Teil dieses Buches, der den Gedanken des Vaters gewidmet ist und zeigt, wie schwer er sich zwischen dem, was er als Kind gelernt hat und dem modernen Leben bewegt.

In meinen Augen ist der Autorin mit diesem Buch ein ganz besonderer Wurf gelungen. Ich habe mich einerseits durch die angenehme Sprache sehr gut unterhalten gefühlt, habe aber auch eine Menge über Muslime und ihre Lebensart gelernt. Gleichzeitig konnte ich hinter die Fassade einer Familie schauen, die nach außen hin versuchte, allen gerecht zu werden, aber innerlich tiefe Wunden zu verarbeiten hatte.

Bewertung vom 30.01.2019
Allee unserer Träume
Gerold, Ulrike; Hänel, Wolfram

Allee unserer Träume


gut

Ein Leben

Ilse, Jahrgang 1922, wuchs als Kind geschiedener Eltern in Thüringen auf. Obwohl sie bei der Mutter lebte, liebte sie ihren Vater, der sie oft mit in seine Baufirma nahm und in ihr den Wunsch aufkommen ließ, Architektur zu studieren. Auch wenn es ihr die politischen Ereignisse nicht leicht machten, realisierte ihren Wunsch.

Im ersten Teil des Buches wechseln die Kapitel zwischen Ilses Jugend und dem Beginn der DDR. Schon hier fielen mir die vielen Nebenschauplätze auf. Sicher ist es interessant zu lesen, welche Hürden das Leben Ilse in den Weg legte, doch die Vielzahl führte mich zu oft vom eigentlichen Thema weg.

Im zweiten Teil beschreiben die Autoren, wie sie sich den Bau der Ostberliner Prachtstraße Anfang der sechziger Jahre vorstellen. Einige Abschnitte lassen sich gut lesen, aber auch hier sind so viele Nebenschauplätze eingearbeitet, dass mir die Geschichte wie ein Rundumschlag vorkommt. Die kürzeren Abschnitten zum Schluss des Buches runden die Story allerdings gut ab und gefielen mir besser als die weitschweifigen Erzählstränge.

Sicher ist jedes Leben voll gepackt mit vielen verschiedenen Erlebnissen – guten und schlechten. So war es wohl auch im Leben der Mutter des Autors. Denn sie soll das Vorbild für diesen Roman gewesen sein. Als Biografie hätte ich diese Anhäufung von Ereignissen sicherlich gerne gelesen. Doch für einen Roman war mir das Buch viel zu voll gepackt.

Bewertung vom 16.01.2019
Fünf Tage im Mai
Hager, Elisabeth

Fünf Tage im Mai


ausgezeichnet

Die erste und die letzte Liebe
Illy wollte mal Pfarrer werden, weil „wenn der Pfarrer sprach, hörten alle zu“ (Seite 15). Die Autorin Elisabeth R. Hager katapultiert die Leser unmittelbar in die Kirche, doch die lange erprobte Erstkommunion verlief anders als geplant. Zum Glück half Tat‘ka, Leonores Urgroßvater dem Kind am 8.Mai 1986 das Missgeschick zu überleben. Er ist ihr Haltepunkt in allen Lebenslagen. Das zeigt sich an den Ich-Erzählungen, die uns an insgesamt fünf verschiedene Mai-Tage im Laufe von 18 Jahren führen. Egal ob es kindliche Einsamkeitsgefühle sind oder die erste Liebe; der tapfer auf die 100 zugehende Tat‘ka gibt Illy immer Geborgenheit.

Dachte ich anfangs noch, dass die einzelnen Geschichten wenig miteinander zu tun haben, rundete sich das Bild zum Ende des Buches ab. Die Autorin schreibt in angenehm ausgefeilter Sprache, in ansprechenden Wortbildern. Zum Beispiel an Tat‘kas Geburtstag, den er eigentlich nicht feiern wollte: „Im Laufe seines Lebens hatte Tat‘ka so viele Leben gestreift, dass die Terrasse sich in kürzester Zeit bis auf den letzten Platz mit Gratulanten füllte.“ (Seite 75).

Wie so häufig im Leben, verlief auch Illys Leben nicht problemlos. Doch bevor sie daran zerbrechen konnte, riet ihr der Urgroßvater (Seite 188): „Für dich und dein Leben musst Du verantwortlich sein! Das klingt nach keiner Heldentat, i weiß. Aber es is‘ eine.“

Der 1981 geborenen Autorin ist es geglückt, mich in ihrer lesenswerten Geschichte einzuhüllen, mich mit ihren Worten zu streicheln. Hier kann ich nur dem Ausspruch auf der Rückseite des Buches zustimmen: „Es ist eine große Kunst, so warmherzig und hoffnungsvoll über Verlust und Abschied zu schreiben, wie Elisabeth R. Hager es tut.“

Bewertung vom 05.11.2018
Berührung
Müller-Oerlinghausen, Bruno; Kiebgis, Gabriele Mariell

Berührung


gut

Ein Plädoyer für mehr Berührung

Manchmal stoße ich auf Bücher, die ich unbedingt haben muss, weil der Titel so viel verspricht. „Berührung“ gehört in diese Kategorie. Die Leseprobe sprach mich sehr an, doch der Inhalt des Buches konnte das anfängliche Versprechen einer interessanten Lektüre nicht halten.

Die Autoren haben ihr Werk in neun große Kapitel mit unzähligen Unterkapiteln aufgeteilt. Sie erläutern darin, wie wichtig berührt werden und berühren für das Wohlbefinden des Menschen sind. Schließlich ist die Haut unser größtes Sinnesorgan. Sie wiegt bei einem Erwachsenen ca. fünf Kilogramm und bedeckt fast zwei Quadratmeter Fläche. Während man mit Ohropax den Gehörsinn und indem man die Augen schließt, den Gesichtssinn ausschalten kann, ist das beim Tastsinn nicht möglich. So weit so gut …

Viel Raum schenken die Autoren unterschiedlichen Massagetechniken, von denen ich bei weitem nicht alle kannte. Dass es möglich ist, mit Körperkontakt Depressionen zu Leibe zu rücken, ist durchaus nachvollziehbar. Die Autoren nennen das „heilsame Berührung“.

Zahlreiche Übungsbeispiele bereichern den umfangreichen Praxisteil, der von einfachen Achtsamkeitsübungen bis zu sinnlich-erotischen Berührungen reicht. Zum Abschluss werden unterschiedliche Kulturen und Zeiten unter Lupe genommen und deren Unterschiede beleuchtet.

Alles in allem ein Sachbuch, das man lesen kann – aber nicht muss.

Bewertung vom 01.11.2018
Die andere Seite des Schmerzes
Eder, Ruth

Die andere Seite des Schmerzes


sehr gut

Make love - not war

1968 – Aufbruchstimmung. Wer von den älteren Semestern erinnert sich nicht gern an seine Jugend, die damalige Mode und die Träume vom Leben? Ruth Eder hat mit diesem Buch Erinnerungen geweckt.

Die Münchner Autorin nimmt ihre Leser mit in die vergangene Zeit, als noch viele Amerikaner in München und über ganz (West)Deutschland verteilt stationiert waren. Prompt verliebt sich ihre Protagonistin Judith in einen von ihnen und ist schon nach kurzer Zeit verheiratet. Denn ihr Liebster hat sich als Hubschrauberpilot nach Vietnam gemeldet. Was anfangs wie ein schöner Traum aussieht, entpuppt sich im Laufe der Zeit als Alptraum: Don kehrt als psychischer Krüppel aus dem Krieg zurück. Ein Glück, dass die selbstbewusste Judith lernt, ihren eigenen Weg zu gehen …

Die Autorin lässt den Leser nicht nur von außen zuschauen, sondern gibt ihm auch Einblick in das Innenleben der Handelnden. So entsteht ein Tauziehen zwischen Liebe und Abstoßung, zwischen Nähe und Entfremdung. Es wird deutlich, was Kriege mit den Überlebenden machen und wie sich „starke Männer“ gegen Hilfe wehren. Der emanzipierten Judith bleibt gar nichts anderes übrig, als ihren Weg mehr oder weniger allein zu gehen. Unterstützung erhält sie dabei von ihrer Herkunftsfamilie, denn die durchaus ansehnlich geschilderte Familie von Don entpuppt sich als eine Ansammlung von mehr oder weniger Gestrandeten.

Mir hat das Buch gut gefallen, da es Aspekte des Lebens anspricht, an die man als junger, unbedarfter Mensch gar nicht denkt. Es ist ein Entwicklungsroman, den ich uneingeschränkt weiter empfehlen kann.

Bewertung vom 14.10.2018
Ich muss verrückt sein, so zu lieben
Shanks, Shauna

Ich muss verrückt sein, so zu lieben


gut

Glaube versetzt Berge

Shauna Shanks erfährt kurz vor dem 10. Hochzeitstag von ihrem Mann, dass er sich trennen will. Sie fällt aus allen Wolken und wendet sich in ihrer Not an Gott. Statt aufzugeben beginnt sie mit Gottes Hilfe um den Vater ihrer drei kleinen Söhne und die Ehe zu kämpfen.

Dachte ich zu Beginn des Buches noch, dass es eine Lektüre für verfahrene Ehesituationen ist, wurde ich nach und nach eines Besseren belehrt. Es ist die Geschichte einer Frau, deren Beziehung zu Gott immer stärker wird. Deshalb würde ich es als ein Buch für verfahrene Lebenssituationen bezeichnen, nicht als Eheratgeber.

Die Autorin zitiert viele unterschiedliche Bibelstellen, die für sie zur Lebenshilfe wurden. Sie beschreibt den Halt, den sie durch ihren Glauben bekommt. Ihre Liebe zum Schöpfer zeigt ihr den Weg, schwere Tage und Wochen zu überstehen. Sie ist überzeugt davon, dass ER uns Leid schickt, damit wir seine Nähe suchen.

Da das Buch ganz anders war, als ich es mir vorgestellt habe, hielt die anfängliche Begeisterung über den sehr persönlichen Schreibstil nicht an. Etwa ab der Hälfte ließ mein Interesse an Shauna Shanks Geschichte nach. Ihre Art zu erzählen war nicht chronologisch, was meinen Lesefluss behinderte. Sicher trat immer noch ihre Begeisterung über ihre Gottesbegegnung hervor, doch sie war teilweise so „abgehoben“, dass ich nicht mehr richtig folgen konnte.

Nach der Lektüre fiel mir die Aussagekraft des Covers auf. Shauna Shanks steht allein vor einer rosaroten Wand und strahlt. Aber nicht, weil ihre Ehe wieder funktioniert, sondern weil sie eine liebevolle Beziehung zu Gott gefunden hat. Wahrscheinlich deshalb ist das „SO“ hervorgehoben.

Ich habe das Buch in einer Leserunde gelesen und dabei deutlich gemerkt, wie es polarisiert. Ich glaube, dass sich amerikanische und deutsche Verhältnisse nicht so einfach vergleichen lassen, obwohl wir alle Menschen sind. Die Kulturen und die Art Glauben zu leben sind unterschiedlicher, als es uns im ersten Moment klar ist.

Aber eines kann ich diesem Buch nicht absprechen: Es hat mich angeregt, über meinen eigenen Glauben nachzudenken.

Bewertung vom 02.10.2018
Mit der Faust in die Welt schlagen
Rietzschel, Lukas

Mit der Faust in die Welt schlagen


ausgezeichnet

Denn sie wissen nicht, was sie tun

Lukas Rietzschel, geboren 1994 in einem kleinen Ort in Ostsachsen, entführt seine Leser in die sächsische Provinz. Dort wachsen die Brüder Philipp und Tobias auf. Die Eltern bauen im Jahr 2000 gerade ein Haus. Da sind die Jungs fünf und neun Jahre alt. Man möchte meinen, sie sind auf dem Weg in eine gute Zukunft. Doch die Lektüre belehrt uns eines Besseren.

Viel hat sich verändert seit der Wende. Soviel, dass die Menschen damit oft überfordert sind. Die ehemaligen Fabriken sind dem Verfall preis gegeben. Arbeitsplätze sind weggefallen, Freunde in den Westen abgewandert. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, die Kinder laufen so nebenbei mit. Keiner – nicht einmal die Lehrer – beantworten deren Fragen. Alles, was sie im Fernsehen oder am Rand ihres Alltags mitbekommen, bleibt unreflektiert.

Lukas Rietzschel ist ein guter Beobachter. In schnörkelloser Sprache zeigt er die Entwicklung zum ausländerhassenden Neonazi. Statt zu werten, beschreibt er die Trostlosigkeit des Umfelds und die unterschwellig brodelnde Gewalt. Es gelingt ihm, mich unmittelbar in das Geschehen hineinzuziehen. Voller Entsetzen schaue ich zu und kann nicht eingreifen. Das Buch wühlt mich auf, lässt mich nicht mehr los. Ich sehe den guten Kern in den Jungs und frage mich, warum der von niemandem gefördert wird. Dabei ist es doch wichtig, in der Jugend beachtet zu werden! Schlimm, wenn das nur geschieht, indem man über die Stränge schlägt!

Das Buch wirft viele Fragen auf. Antworten findet der Leser darin keine.Schlussfolgerungen muss man selbst ziehen. Oder man diskutiert mit anderen darüber. Vielleicht war das das Anliegen des Autors?

Auch Tage nach dem Lesen beschäftigt mich das Buch. Ich denke, es wäre eine gelungene Schullektüre, denn es bietet mehr als genug Diskussionsstoff.

Bewertung vom 22.09.2018
Bäm!
Teichen, Frauke; Teichen, Tobias

Bäm!


sehr gut

Beziehungsratgeber

Wer kennt es nicht: Man hat die besten Absichten mit anderen gut auszukommen und trotzdem kracht es immer wieder. Statt aufzugeben und mit anderen Menschen neu zu beginnen, gibt es auch die Möglichkeit, Konflikte auszutragen – ohne große Streitereien. Wie das geht, beschreiben Tobias und Frauke Teichen in diesem Buch.

Schon das Cover zeigt, dass in einer Beziehung beide das Lenkrad in der Hand halten (können). Doch was geschieht, wenn jeder in eine andere Richtung lenkt? Dann fährt die Karre nicht weiter. Statt sie stehen zu lassen und eine neue anzuschaffen, ist es sinnvoll, sich zu einigen, wohin man fahren will. Dazu gehört, sich über Argumente auszutauschen.

Das Pastorenehepaar beschreibt mit vielen persönlichen Beispielen, wie sie ihre Ehe „am laufen“ halten. Sie sprechen ihre unterschiedliche Einstellung an und erzählen, wie sie mit Gottes Hilfe unvermeidbare Konflikte überwinden. Dabei wird deutlich, dass ihre Strategien nicht nur den Ehealltag erleichtern können, sondern auch für Freundschaften und sonstige Beziehungen gelten.

Drei Übungskomplexe („Die Wahrheit in Liebe sagen“, „Vergebung“ und „Die Kommunikation“) bereichern den zweiten Teil des Buches. Sicher wird nichts wirklich Neues erwähnt, aber sich bewusst zu machen, was Beziehungen erschwert, schadet sicher niemandem.

Die weiterführende Literatur, auf die durch viele Fußnoten hingewiesen wird, fand ich ausgesprochen interessant. Und auch wenn mich die Cartoons nicht wirklich ansprachen, brachte mich so manche Aussage zum Schmunzeln.

Gerne empfehle ich das Buch denjenigen, die sich nach harmonischen Beziehungen sehnen und immer wieder frustriert feststellen, dass Konflikte unvermeidbar sind.

Bewertung vom 04.09.2018
In Schönheit sterben / Robert Lichtenwald Bd.2
Ulrich, Stefan

In Schönheit sterben / Robert Lichtenwald Bd.2


weniger gut

Von einem Italienkenner

Die Journalistin Giada Bianchi schreibt für den „Mercurio“, ein Blatt, das Cesare Colasanti gehört. Als der Bruder des Mäzens ermordet aufgefunden wird, soll Giada herausfinden, welches wertvolle Kunstwerk bei ihm gestohlen wurde. Hilfesuchend wendet sie sich an Robert Lichtenwald, einen Münchner Rechtsanwalt, der sich in der toskanischen Maremma niedergelassen hat.

Das Buch begann mit einem spannenden Prolog. Doch die Spannung flachte schnell ab. Als Leserin lernte ich die Gegend um Rom kennen, ebenso wie den Landsitz des Rechtsanwaltes. Ich erfuhr, dass Giadas Sohn vor einem Jahr von einem Serienmörder entführt worden war und Robert ihr in dieser schweren Zeit zur Seite gestanden war. Neben dem Liebesgeplänkel der beiden wurde deutlich, dass sich der Autor in der beschriebenen Gegend gut auskennt. Doch als Nicht-Kennerin ließen mich die vielen Ortsangaben und die italienischen Worte seltsam kalt. Die Augusthitze in Rom und der Umgebung ließen eher Urlaubsgefühle erahnen, als die von einem Krimi erhoffte aufgeladene Stimmung.

Erst die letzten der insgesamt 33 Kapitel auf 300 Seiten nahmen mich gefangen. Da geschah dann tatsächlich etwas! Doch insgesamt hatte ich mir mehr erwartet, weshalb meine Bewertung entsprechend ausfällt.

Bewertung vom 04.09.2018
Summer
Sabolo, Monica

Summer


ausgezeichnet

TRAUMA

Benjamin war 14, als Summer, seine 19jährige Schwester, spurlos verschwand. Inzwischen ist er 38 und durchlebt einen tiefen Absturz. Er kann nicht mehr arbeiten und beginnt eine Therapie. Das ist nicht seine erste, doch es geht ihm so schlecht, dass er dieses Mal dran bleibt – bis zum bitteren Ende. 250 Seiten benötigt Monica Sabolo, um das ganze Drama seines Lebens zu erzählen. Diffuse Rückblicke in Bens Kindheit schicken den Leser auf verwirrende Spuren.

Er habe seine Kindheit in einem „Papierschloss“ verbracht, erzählt Benjamin seinem Therapeuten: „Aber niemand, absolut niemand kannte meine wahre Natur, nicht einmal meine Eltern, die immer einen Tennis-Champion aus mir machen wollten (und einfach nicht zur Einsicht kamen, dass ich nie einer werden würde) und sich (vergeblich) mühten, mich (den Legastheniker, der ein T nicht von einem D unterscheiden konnte) genauso zu lieben wie Summer, die Klassenbeste, der aller Herzen zuflogen.“ (Seite 59)

Als Leser taucht man ein in ein geselliges Leben am Genfer See ein, doch entdeckt schnell, dass der Schein größer ist als das Sein. So gibt es nach Summers Verschwinden keine Freunde und Gäste mehr. Und der verstörte Benjamin zieht sich immer stärker in seine eigene Welt zurück, in der er angeblich nicht mehr an seine Schwester denkt.

Mich hat dieser Roman sehr angesprochen. Ich fand die langsame Entwicklung mit den vielen Rückblicken und den diffusen Bildern äußerst spannend. Da konnte ich leicht über die teilweise verschachtelten Sätze hinwegsehen.