Autor im Porträt

Toptitel von Eva Menasse

Tiere für Fortgeschrittene

Broschiertes Buch
Raupen, die sich ihr eigenes Grab schaufeln, Haie, die künstlich beatmet werden, Enten, die noch im Schlaf nach Fressfeinden Ausschau halten, Schafe, die ihre Wolle von selbst abwerfen. Jede von Eva Menasses Erzählungen geht von einer kuriosen Tiermeldung aus und widmet sich doch ganz der Gattung Mensch.
Ein alter Despot, der sich gegen jede Veränderung wehrt, kann nicht verhindern, dass die Demenz seiner Frau auch die eigene Vergangenheit löscht. Einer engagierten Mutter, die ein muslimisches Kind gegen Anfeindungen in Schutz nimmt, verschwimmen schließlich selbst die Grenzen zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch.
Die vielfach ausgezeichnete Autorin studiert ihre Objekte mit einem liebevollen und unerbittlichen Forscherinnenblick und erzählt in einer wunderbaren Mischung aus pointiertem Witz, Geheimnis und melancholischem Ernst.
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11,00 €

 

Der Holocaust vor Gericht

Broschiertes Buch
Eva Menasses Bericht über einen Jahrhundertprozess
Der Prozess, der in London im Januar 2000 beginnt, sucht seinesgleichen. Ohne Zeitzeugen, mit erstklassigen Historikern als Gutachtern, steht in gewisser Hinsicht der Holocaust vor Gericht.
David Irving, von der amerikanischen Historikerin Deborah Lipstadt "einer der gefährlichsten Holocaust-Leugner" genannt, klagt seine Sicht der Dinge vor Gericht ein. Während er die Existenz der Gaskammern weiterhin bestreitet, fühlt er sich von Lipstadt verleumdet und macht sein Recht auf Meinungsfreiheit geltend. In Großbritannien liegt bei Verleumdungsklagen die Beweislast nicht beim Kläger, sondern beim Beklagten. Die Verteidigung hat daher einige der wichtigsten Holocaust-Experten der Welt aufgeboten, um einerseits Irvings skrupellosen Umgang mit Fakten, andererseits den systematischen Charakter der Ermordung der europäischen Juden durch die Nazis zu beweisen.
Eva Menasse hat den Prozess in London über Monate verfolgt. Sie porträtiert Zeugen, Richter und Verteidiger in einem Verfahren, in dem noch einmal pedantisch nachgerechnet wurde, wie viele Menschen auf welche Weise ermordet wurden. Und ihr Interesse gilt David Irving, dem intellektuellen Anstifter eines neuen Rechtsradikalismus und Rassismus. Die Autorin zeigt seine Winkelzüge, seine Argumente und zeichnet darin das Gesicht des Revisionismus. Im April 2000 wurde das Urteil über David Irving gesprochen. Die Urteilsschrift umfasst über 300 Seiten. Es ist ein historisches Urteil.
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12,99 €

 

Eva Menasse

Menasse, EvaEva Menasse, geboren 1970 in Wien, lebt seit 2003 als freie Schriftstellerin in Berlin. Ihr Debütroman »Vienna« sowie ihre folgenden Erzählungen und Essays waren bei Kritik und Lesern ein großer Erfolg. Für ihren Roman »Quasikristalle« wurde sie mit dem Gerty-Spies-Literaturpreis, dem österreichischen Alpha-Literaturpreis sowie dem Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln ausgezeichnet. 2015 war sie Stipendiatin der Villa Massimo in Rom und erhielt für ihr bisheriges Werk den Jonathan-Swift-Preis für Satire und Humor. 2017 erschien ihr Erzählungsband »Tiere für Fortgeschrittene«. Im selben Jahr wurde sie mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg ausgezeichnet.

Interview Eva Menasse

In "Quasikristalle" erzählen Sie das Leben einer Frau - aus 13 verschiedenen Perspektiven, in Momentaufnahmen. Wie entstand diese Idee?


Eva Menasse: Ich fand es immer schon faszinierend, wie verschieden verschiedene Menschen dieselbe Sache oder denselben Dritten betrachten. Wie unterschiedlich man selbst von anderen gesehen wird, stark oder schwach, vorlaut oder schüchtern. Und dann war wohl ein Satz meines Mannes der letzte Auslöser: Als wir im Krankenhaus mit unserem neugeborenen Sohn waren, so glücklich und überfordert wie alle Eltern. Irgendwann sagte er: "Und die Hebammen machen das jeden Tag". Da wurde mir noch eine Variante klar: Der Unterschied zwischen Einzigartigkeit und Routine. Auch das erzeugt einen völlig anderen Blick.



Sie schildern die Protagonistin aus der Sicht der verschiedensten Menschen, die mit ihr zu tun haben. Was mögen Sie selber an Ihrer Figur Xane Molin?


Eva Menasse: Ich weiß nicht, ob ich irgendetwas besonders an ihr mag. Auch nicht das Gegenteil. Sie ist ja keine besondere oder außerordentliche Figur, sie hat viel Temperament, das Talent, Leute für sich zu interessieren, gelegentlich eine spitzemehr

Kundenbewertungen

Quasikristalle

Bewertung von Volker Jentsch am 23.03.2013
Eva Menasses „kleiner Stern“ (laut Wikipedia die Übersetzung von „Roxane“) ist eigentlich ein großer Stern, von der Natur reichlich beschenkt, mit begehrten Eigenschaften ausgestattet – eine attraktive Frau, die „Berge gebrochener Herzen“ hinterläßt, außerdem erfolgreich im Beruf und in der Ehe, ehrgeizig, „100%ig“, mütterlich und von ihren Freundinnen beneidet, kurzum, irgendwie unwiderstehlich. Sie taucht als Xane in allen 13 Kapiteln auf, manchmal überraschend, manchmal vorhersehbar. Jedes der Kapitel kommt mit einer etwas anderen Sicht auf Xane, jedes für sich leicht lesbar, weil die Verknüpfungen mit den anderen eher lose sind. Aber auch lesenswert? Ich finde ja, fünf davon auf jeden Fall, nämlich 3,4,5,10 und mit Einschränkung auch 11, interessanterweise sind es diese, in denen Xane nicht die beherrschende Figur ist. Am stärksten beeindruckt hat mich Kapitel 5, in dem eine der inzwischen so zahlreichen Reproduktionsfabriken im Mittelpunkt steht. Das Wunschkind lässt auf sich warten, der Gang zur Reproduktion wird dann für viele zur Qual der Wahl; für die eine ist er Endstation Sehnsucht, für die andere das Tor zum Paradies. Frau Menasse erzählt über beide Möglichkeiten, und sie tut es, so scheint mir, mit großer Detailkenntnis und Meisterschaft. Kapitel 2 fand ich dagegen richtig schlecht, die Hinrichtungsstätte der Juden und das Turteln von Xane und dem Reiseführer (der natürlich Professor ist, es gibt zu viele Professoren in diesem Buch) passen nicht gut zusammen; ich finde, entweder das eine oder das andere, auch wenn es im Leben die absonderlichsten Verbindungen gibt. Tatsächlich geht es in allen Kapiteln um die Beziehung zwischen Mann und Frau, also vor allem um Xane und ihre Männer, aber auch um Viola, Sally, Krystyna etc. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass ich vieles davon schon einmal oder mehrmals woanders gelesen habe. Das ist nicht schlimm, angesichts des Allerwelts-Themas. Dennoch: Frau Menasse regt an, die jeweilige Szene nochmals vor dem eigenen Hintergrund zu überdenken. Es ist trotzdem nicht der Inhalt, der das Buch heraushebt, sondern es ist ihre Formulierungskunst: die überraschenden Wortzusammenstellungen, ihr spielerischer Umgang mit der deutschen Sprache. Aber hat sie dabei gelegentlich nicht doch etwas übertrieben? Was zum Beispiel ist ein milchiger Blick? ein verrutschtes Lachen? eine übergriffige Hilfsbereitschaft? ein Ich-Ich Geschrei? usw. Was den Titel betrifft: auf „Quasikristalle“ muß man erst mal kommen, sie war sicher stolz auf ihren ungewöhnlichen Einfall; aber ich finde ihn nicht sonderlich passend, Xanes Leben hat nichts mit Kristallen zu tun, auch nicht im übertragenen Sinn, wie der Klappentext mit zehn Zeilen Text zu suggerieren versucht; der Kristall, egal wie ungeordnet, ist geronnene Substanz, enthält gerade nicht die Dynamik, auf die es Frau Menasse ankommt; die sich etwa in den Abweichungen des Lebens von der Geradlinigkeit manifestiert. Ein bisschen verrutscht, der Kristall. Dennoch: vier Sterne allemal für den kleinen Stern, auch weil mir Evas Portrait so gut gefallen hat.

Lässliche Todsünden

Bewertung von Midnight-Girl aus NRW am 24.01.2010
Gut, dann möchte ich mal versuchen meine Meinung zu formulieren. Das Buch ist aufgeteilt in 7 Kapitel, jedes Kapitel behandelt eine Todsünde. Die Todsünden werden in (Kurz)Geschichten verpackt. Die Gesamtidee des Buches finde ich ganz gut. Es wird ein eher heikles Thema angesprochen, aber dennoch wird sehr offen darüber geredet. Gleichzeitig wird es einem auf interessantere Weise nahe gebracht als 'früher' im Religionsunterricht. Leider finde ich die Umsetzung dann nicht mehr so gelungen. Die Kapitel sind zwar nicht unendlich lang und so langweilig sind die Geschichten auch nicht, aber leider haben sie nichts prägnantes, weshalb sie sich dem Leser einprägen könnten, daher habe ich oft schon sofort nach Abschluss eines Kapitels vergessen, was an dessen Anfang stand (obwohl sich nur etwa eine halbe Stunde zwischen Anfang und Ende befand). Ich würde gerne näher auf die Geschichten eingehen, aber wie schon im vorherigen Absatz erwähnt, ist bei mir so gut wie nichts haften geblieben (zumindest nicht vom Inhalt). Also werde ich beim Grundgerüst der Geschichten bleiben. Wie schon erwähnt handelt es sich um 7 Kurzgeschichten, welche sich über 20-50 Seiten erstrecken. Alle Geschichten haben eines gemeinsam, was mir auch nicht so ganz gut gefällt, sie haben nämich allesamt ein offenes Ende. Generell finde ich dieses Stilmittel nicht schlecht, aber wenn es innerhalb eines Buches mit 7 Geschichten gleich 7mal vorkommt, finde ich es zu übertrieben. Was mir noch aufgefallen ist, ist, dass bei dem ein oder anderen Kapitel überhaupt nicht klar bis überhaupt gar nicht ersichtlich ist, dass die Todsünde, die als Kapitelüberschrift dient, angesprochen wird bzw die Geschichte dahingehend interpretiert werden könnte. Aber auch das andere Extrem gibt es, nämlich dass gleich mehrere odsünden angesprochen werden und nicht nur eine, was zu dem Interpretationsansatz führen könnte, dass die eine Todsünde nicht ohne die andere existiert, aber andersherum sehr wohl. Es mag natürlich sein, dass ich nicht das richtige Verständnis für diese Art von Literatur habe, aber mir hat es nicht sonderlich gut gefallen und ich würde es auch nicht weiter empfehlen.