Colson Whitehead
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Harlem Shuffle (MP3-Download)
Ungekürzte Lesung. 759 Min.
Sprecher: Barenberg, Richard / Übersetzer: Stingl, Nikolaus
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Der neue Roman des zweifachen Pulitzer-Preisträgers Im schillernden Harlem der 1960er-Jahre, wo Gangster und Zuhälter, Hochstapler und Schießwütige die Strippen ziehen, versucht ein Mann aus einfachen Verhältnissen so ehrlich wie möglich aufzusteigen. Eigentlich würde Ray Carney am liebsten ohne Betrügereien auskommen. Doch als seine Frau ein zweites Kind erwartet, reichen die Einkünfte aus seinem Einrichtungsladen auf der 125th Street nicht aus für den Standard, den die Schwiegereltern erwarten. Cousin Freddie bringt gelegentlich eine Goldkette vorbei, die Ray bei einem Juwelier am ...
Der neue Roman des zweifachen Pulitzer-Preisträgers Im schillernden Harlem der 1960er-Jahre, wo Gangster und Zuhälter, Hochstapler und Schießwütige die Strippen ziehen, versucht ein Mann aus einfachen Verhältnissen so ehrlich wie möglich aufzusteigen. Eigentlich würde Ray Carney am liebsten ohne Betrügereien auskommen. Doch als seine Frau ein zweites Kind erwartet, reichen die Einkünfte aus seinem Einrichtungsladen auf der 125th Street nicht aus für den Standard, den die Schwiegereltern erwarten. Cousin Freddie bringt gelegentlich eine Goldkette vorbei, die Ray bei einem Juwelier am Times Square versetzt. Doch was tun mit dem Raubgut aus dem Coup im legendären "Hotel Theresa" im Herzen Harlems, nachdem Freddie und seine Kumpanen sich verdünnisiert haben? Als Polizei und Gangster Ray in seinem Laden aufsuchen, steht sein waghalsiges Doppelleben zwischen Rechtschaffenheit und Schwindel, Herkunft und Machtstreben auf der Kippe. Das neue literarische Meisterwerk von Colson Whitehead ist Familiensaga, Soziographie und Ganovenstück, vor allem aber eine Liebeserklärung an New Yorks berühmtestes Viertel– authentischgelesen von Richard Barenberg.
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Colson Whitehead, 1969 in New York geboren, studierte an der Harvard University und arbeitete für die New York Times, Harper's und Granta. Whitehead erhielt den Whiting Writers Award (2000) und den Young Lion's Fiction Award (2002) und war Stipendiat des MacArthur "Genius" Fellowship. Für seinen Roman Underground Railraod wurde er mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer-Preis 2017 ausgezeichnet. Für seinen Roman Die Nickel Boys erhielt er 2020 erneut den Pulitzer-Preis. Bei Hanser erschienen bisher John Henry Days (Roman, 2004), Der Koloß von New York (Eine Stadt in dreizehn Teilen, 2005), Apex (Roman, 2007), Der letzte Sommer auf Long Island (Roman, 2011), Zone One (Roman, 2014), Underground Railroad (Roman, 2017), Die Nickel Boys (Roman, 2019), Harlem Shuffle (Roman, 2021) und Die Regeln des Spiels (Roman, 2023). Der Autor lebt in Brooklyn.
Produktdetails
- Verlag: Hörbuch Hamburg
- Erscheinungstermin: 23. August 2021
- Sprache: Deutsch
- ISBN-13: 9783844928532
- Artikelnr.: 62207962
Rezensentin Maike Albath schildert ausführlich den Inhalt von Colson Whiteheads neuem Buch "Harlem Shuffle". Whitehead erzählt in Form eines "swingenden Stadtporträts" aus der Perspektive von Ray Carney, einem ehrbar geworden Ganoven von der dunklen Seite Harlems in den fünfziger und sechziger Jahren, erklärt Albath. Der Aufbau des Buches - Romanteile mit einem Abstand von jeweils drei Jahren - erinnert sie stark an einen aus dem Jazz und Blues stammenden Shuffle. Die vielen Markennamen, Anspielungen auf die damalige Popkultur und detaillierten Beschreibungen von New York bremsen der Rezensentin zufolge an manchen Stellen den Erzählfluss ein wenig aus, aber alles in allem sei die Geschichte leicht und musikalisch erzählt, bediene dabei absichtlich Klischees und vermeidee politisch korrekte Sprache, um authentisch zu bleiben. Die deutsche Übersetzung kommt den Wünschen des Autors nach, bestätigt Albath. Eines macht ihr das Buch besonders deutlich: egal ob es 1964 oder 2021 ist, schwarze junge Männer erfahren noch immer brutale Willkür, resümiert die Rezensentin.
© Perlentaucher Medien GmbH
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»Harlem Shuffle ist weit mehr als ein Kriminalroman - es ist ein Buch über Amerika im Umbruch.« René Pfister, Der Spiegel
Ray ist Ladenbesitzer in Harlem. Sein Möbelgeschäft bringt ihn und seine Familie gerade so über die Runden, aber die nächste Miete aufzubringen, das ist immer ein Kampf.
Seine Schwiegereltern vermitteln ihn auch noch ständig das Gefühl, dass er weit unter ihrer …
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Ray ist Ladenbesitzer in Harlem. Sein Möbelgeschäft bringt ihn und seine Familie gerade so über die Runden, aber die nächste Miete aufzubringen, das ist immer ein Kampf.
Seine Schwiegereltern vermitteln ihn auch noch ständig das Gefühl, dass er weit unter ihrer Würde ist und dann sind die Enkelkinder auch noch richtig dunkelhäutig, auch das ein stillschweigender Vorwurf an Ray.
Irgendwie schliddert Ray von kleinen Betrügereien in immer größere Raubzüge, obwohl er eigentlich nur still und zufrieden mit seiner Familie leben will.
Das alles in Harlem, in den 60ern, verbunden mit einer Liebeserklärung an das berühmte Viertel in New York (so zumindest die Kurzbeschreibung des Romans).
So - mit großen Erwartungen habe ich zu lesen begonnen, doch die ersten hundert Seiten waren unglaublich zäh. Ständige Sprünge, für mich zusammenhanglose Absätze ohne wirkliche Aussage, ich habe mich richtig geplagt beim Lesen.
Das wurde leider im Verlauf des Buches nicht besser, ich hatte gehofft, dass es Einstiegsschwierigkeiten sind, aber das Buch und ich wurden keine Freunde.
Whitehead erzählt in epischer Breite, etwa beim Beschreiben des Einrichungsstils einer Wohnung. Ja, Ray ist als Möbelladenbesitzer vom Fach - aber ich kenne mich mit Möbelmarken der 60er weder aus, noch interessiert es mich so sehr, dass ich da eine halbe Seite darüber lesen will.
Nur ein Beispiel.
Lesefluss stellte sich bei mir nie (!) ein.
Was ich dem Buch aber zugute halten muss: Die Diskriminierung, der POC damals ausgesetzt waren, ist ständiger Begleiter, oft in Nebensätzen.
Sei es, dass Rays Frau in einem Reisebüro arbeitet, das gefahrloses Reisen für Schwarze anbietet (also sichere Hotels bzw. Reiserouten fernab von Klu-Klux-Klan Schwerpunkten), Alltagsrassismus, in dem dunkelhäutige Menschen in vielen Geschäften einfach nicht bedient werden.
Das fand ich sehr gelungen, auf den Alltag heruntergebrochen und erschütternd zu lesen, gerade weil der Autor das so nüchtern in seine Sätze einbaute.
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Harlem in den Sechzigern: Ray Carney kommt aus üblen und ärmsten Verhältnissen, die Mutter früh verstorben, sein Vater ein Harlemweit bekannter Kleinkrimineller. Doch Ray nimmt sich fest vor, seinem Vater nicht nachzueifern. Er absolviert ein Wirtschaftsstudium und nach diversen …
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Harlem in den Sechzigern: Ray Carney kommt aus üblen und ärmsten Verhältnissen, die Mutter früh verstorben, sein Vater ein Harlemweit bekannter Kleinkrimineller. Doch Ray nimmt sich fest vor, seinem Vater nicht nachzueifern. Er absolviert ein Wirtschaftsstudium und nach diversen Jobs eröffnet er seinen eigenen Möbelladen, heiratet Elizabeth aus gutem Hause und beide erwarten bald ihr zweites Kind. Doch das Geld ist knapp; es reicht kaum für die Miete und die Schwiegereltern, unzufrieden mit der Wahl ihrer Tochter, lassen ihn spüren, dass er für sie nur ein Underdog ist. So macht er hin und wieder kleine und etwas größere nicht ganz so legale Geschäfte mit seinem Cousin Freddie, der für ihn wie ein Bruder ist. Doch als der plötzlich bei den Großen mitmischen will, steht für Ray sein bürgerliches Leben auf der Kippe.
Colson Whitehead beschreibt das Harlem dieser Jahre 1959 bis ca. 1965 unglaublich bildreich und anschaulich, sodass man es förmlich vor sich sieht. Doch das hat auch eine nicht so schöne Seite. Der Autor ergänzt seine Beschreibungen um derart viele Menschen, Gruppen und Dinge, die damals eine Rolle spielten, dass ich immer wieder den Überblick verlor. Um es verständlicher zu machen: Auf den Seiten 136 bis 138 tauchen die folgenden Namen und Bezeichnungen auf: Adam Clayton Powell Jr., Clarence Darrow, NAACP, Dyckman Six, WASP. Für US-AmerikanerInnen dürften die Namen kein Problem sein, für EuropäerInnen aber schon viel eher. Ein Glossar wäre sehr sehr hilfreich gewesen, denn das ständige Suchen unterbricht den Lesefluss immens.
Zudem wird man mit Orts- und Straßennamen regelrecht zugeschüttet. Hätte man einen Stadtplan Harlems jener Zeit vor sich, könnte man Rays Wege sicherlich exakt nachvollziehen, aber so liest man bei dieser großen Anzahl über die Ortsangaben irgendwann einfach hinweg.
Schade, denn die Geschichte Rays, die auch eine Geschichte Harlems ist, wäre mit diesen Ergänzungen vermutlich richtig grandios geworden; ein regelrechtes Eintauchen in eine vergangene Zeit in einer für uns fremden Stadt. So ist es immerhin kein schlechter, aber verwirrender Roman mit viel Atmosphäre, für den es dreieinhalb Sterne gibt.
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„Harlem Shuffle“ bringt uns ins Harlem der sechziger Jahre. Harlem wird von Gangstern regiert und mittendrin lernen wir unseren Protagonisten Ray Carney kennen. Ray stammt aus ärmlichen Verhältnissen und konnte sich ohne Betrügereien und Kriminalität hocharbeiten. Er …
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„Harlem Shuffle“ bringt uns ins Harlem der sechziger Jahre. Harlem wird von Gangstern regiert und mittendrin lernen wir unseren Protagonisten Ray Carney kennen. Ray stammt aus ärmlichen Verhältnissen und konnte sich ohne Betrügereien und Kriminalität hocharbeiten. Er ist Besitzer eines Einrichtungsladens auf der 125th Street, welcher seinen Lebensunterhalt finanziert. Dann erwartet seine Frau jedoch das zweite Kind und die Einkünfte reichen nicht mehr aus. Als sein Cousin Fred-die, der ab und zu mal eine Goldkette vorbeibringt, nun mit Raubgut aus dem Coup im Hotel Theresa vor ihm steht, weiß Ray nicht mehr, was er machen soll. Wie soll der Mann, der eigentlich ohne Kriminalität leben möchte, reagieren, wenn plötzlich Polizei und Gangster vor ihm stehen?
Den Namen Colson Whitehead sollte jeder kennen. Einer der wichtigsten Autoren der neuen amerikanischen Literatur, ausgezeichnet mit dem National Book Award und dem Pulitzer-Preis. Sein Werk „Underground Railroad“ muss man gelesen haben. Eine bedeutende Erzählung über die Sklaverei in den USA und die nicht enden wollende Kraft einer jungen Sklavin, die über die unterirdische Railroad zu fliehen versucht. Eben da der Name Colson Whitehead für bedeutende und bewegende Literatur steht, habe ich mich unglaublich gefreut, als ich „Harlem Shuffle“ auf Vorablesen entdeckt habe und habe direkt meine Punkte eingelöst. Jedoch wurden meine Erwartungen enttäuscht. Während der Einblick in das Harlem der sechziger Jahre ein unglaublich Spannender ist und die für Whitehead typische Gesellschaftskritik (Rassismus, Klassizismus, Armut, Polizeikriminalität) den Leser zum Nachdenken anregt und unverwechselbar für die Kunst Whiteheads steht, wurde diese bedeutenden Themen durch einige Mängel gestört. Die Handlung zieht sich über große Teile des Werkes, die vielen Personen führen zu Verwirrung aufseiten des Lesers, Zeitsprünge machen alles noch verwirrender und irgendwie ist Ray Carney auch kein Protagonist, mit dem man wirklich warm wird.
Auch wenn Harlem Shuffle viel Potenzial hatte, konnte es mich am Ende nicht überzeugen. An den Erfolg von „Underground Railroad“ und „The Nickel Boys“ kann Colson Whitehead mit Harlem Shuffle nicht anknüpfen.
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Hauptfigur in Colson Whiteheads "Harlem Shuffle" ist Ray. Anders als sein Vater strebt Ray keine kriminelle Laufbahn an. Er betreibt ein Möbelgeschäft in Harlem. Dass das Geld dafür aus den Machenschaften seines Vaters kommt und er auch das ein oder andere Stück …
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Hauptfigur in Colson Whiteheads "Harlem Shuffle" ist Ray. Anders als sein Vater strebt Ray keine kriminelle Laufbahn an. Er betreibt ein Möbelgeschäft in Harlem. Dass das Geld dafür aus den Machenschaften seines Vaters kommt und er auch das ein oder andere Stück verkauft, das " vom LKW gefallen ist" soll seine Frau nicht erfahren. Und dann ist da noch Cousin Freddie, der wie ein Bruder für Ray ist und ein Talent dafür hat in Schwierigkeiten zu geraten.
Ray Alltag wird bestimmt von dem ewigen Zwiespalt. Einerseits möchte er nicht so sein wie sein Vater aber dessen Vergangenheit und Umfeld holen ihn immer wieder ein. Er möchte angesehen sein von den guten Familien in Harlem, allen Voran der seiner Frau, allerdings sind gerade die nicht legalen Geschäfte oft finanziell interessant...
Man bekommt als Leser einen guten Eindruck vom Harlem der späten 50er und frühen 60er. Die Hauptfigur ist toll beschrieben und macht einem eindrucksvoll wieder klar, dass Menschen meist eben nicht entweder "gut" oder "böse" sind, sondern zeigt auf, dass es meist viele Abstufungen gibt.
Ich muss sagen, dass ich erst mit dem Roman warmwerden musste. Durch die vielen Zeitsprünge ist er nicht immer leicht zu lesen. Lesenswert ist er aber trotzdem!
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Mikrokosmos
Harlem: der schwarze Teil des Big Apple, der eine Vielzahl von Assoziationen wachruft. Colson Whitehead engt diese Bandbreite an unterschiedlichen Vorstellungen ein. Im Zentrum steht Ray Carney, ein aufstiegsorientierter kleiner Geschäftsmann, der in seinem alltäglichen …
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Mikrokosmos
Harlem: der schwarze Teil des Big Apple, der eine Vielzahl von Assoziationen wachruft. Colson Whitehead engt diese Bandbreite an unterschiedlichen Vorstellungen ein. Im Zentrum steht Ray Carney, ein aufstiegsorientierter kleiner Geschäftsmann, der in seinem alltäglichen Leben laviert zwischen seiner Abkehr vom Kleinkriminellentum seines Vaters, um mit seinem festen Vorsatz, durch Ehrlichkeit zu einem geachteten Mitglied der Gesellschaft zu werden, und seinem Nachgeben gegenüber den vielfältigen Versuchungen und Anreizen, wodurch der Weg zu Ansehen und Besitz etwas abgekürzt werden kann.
Whitehead kultiviert einen witzigen Tonfall, dessen lakonische Wortwahl das Geschehen zunächst als turbulente Gaunerkomödie erscheinen lässt. Dahinter verbirgt sich aber das viel ernstere Anliegen des Autors. Es sind drei Episoden, die den Blick öffnen auf die Veränderungen im American Way of Life.
Während der erste Abschnitt noch burlesk ein Gaunerstück schildert, das für alle Beteiligten aus dem Ruder läuft, ist das zweite große Kapitel bereits auf einen weiteren Blickwinkel fokussiert: was an der Oberfläche sich als Rachefeldzug präsentiert, mit dem Ray eine persönliche Demütigung und Zurücksetzung quittiert, zeichnet sich in Wahrheit bereits die Unerbittlichkeit des gesellschaftlichen Überlebenskampfes ab. Der letzte Erzählstrang lässt den Leser bereits die Verbindung zur Jetztzeit knüpfen. Das Big Business rückt in den Fokus, repräsentiert durch den Bau des World Trade Center, in den sich unser unaufhaltbar aufgestiegene Ray sich als involviert erweist.
Überschaubar und tiefgründig - kleinbürgerlich und kleinkriminell - traditionsverhaftet und aufstrebend: Harlem erscheint in Whiteheads neuem Roman als Mikrokosmos, in dem der Leser ethnographische, soziologische und historische Studien treiben kann. Ray erweist sich als prototypischer Vertreter einer lokalen Species, dessen Mutationen und Milieuanpassungen im Verlaufe des Romans atemlos verfolgt werden: schwarzer Sozialdarwinismus!
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Überleben in der Hackordnung von Harlem
Ray Carney hat es geschafft - nicht in allen, aber doch in wesentlichen Aspekten. Er lebt im Gegensatz zu seinem verstorbenen Vater ein mehr oder weniger ehrenhaftes Leben als Möbelhändler und hat ein Mädchen aus der Oberklasse …
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Überleben in der Hackordnung von Harlem
Ray Carney hat es geschafft - nicht in allen, aber doch in wesentlichen Aspekten. Er lebt im Gegensatz zu seinem verstorbenen Vater ein mehr oder weniger ehrenhaftes Leben als Möbelhändler und hat ein Mädchen aus der Oberklasse geheiratet - sehr zum Verdruß von deren Eltern. Aber Elisabeth hält zu ihm, sie sind inzwischen sogar Eltern. Carver gibt sich Mühe, seine kleinen kriminellen Kuhhandel von seiner Frau fernzuhalten, deren Eltern sich ihrerseits bemühen, ihn zu demütigen, ohne es die Enkel spüren zu lassen.
Diesmal hat Colson Whitehead, ohne von seinem Anspruch, das (Über)leben der Afroamerikaner in den USA vergangener Zeiten in all seinen Facetten schonungslos und offen zu vermitteln, abzulassen, einen überaus stilvollen Unterhaltungsroman geschrieben.
Einen, der zwar stellenweise sehr wehtut, aber bei dem man auf der anderen Seite nicht selten das Gesicht zum Lächeln verzieht.
Die Story spielt im Harlem der frühen 1960er Jahre und einige der Benachteiligten haben Mechanismen entwickelt, um nicht ganz so benachteiligt zu sein wie ihre Schicksalsgenossen.
Als eines der Qualitätsmerkmale gilt es, hellere Haut als andere zu haben, im Idealfall sogar gelegentlich für einen Weißen gehalten zu werden, ein äußeres Merkmal, dessen sich beispielsweise Carneys Schwiegermutter Alma rühmen kann - ganz im Gegensatz zu ihm selbst, was sie ihn nicht selten spüren lässt.
Doch neue Zeiten sind im Anmarsch, nicht nur dadurch, dass Martin Luther King und seine Gesinnungsgenossen ihre Stimme immer lauter erheben.
Wie auch immer, jedenfalls schaffen es auch Dunkelhäutige, Weißen und nicht ganz Weißen ein Schnippchen zu schlagen. Vielleicht ja sogar mehrere? Gewissermaßen hat Colson Whitehead, ohne sein Können in irgendeiner Form einzuschränken, hier einen Schelmenroman geschaffen. Mit ernstem Hintergrund natürlich! Aber mit nicht nur einem Augenzwinkern!
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Nachdem ich von Whiteheads Roman "Die Nickelboys" sehr begeistert war, wollte ich natürlich auch sein neues Werk unbedingt lesen.
Schon der Umschlag des Buches führt die Leser direkt hinein in das Harlem der 1960er Jahre. Brownstone-Häuser, Polizisten, die eine …
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Nachdem ich von Whiteheads Roman "Die Nickelboys" sehr begeistert war, wollte ich natürlich auch sein neues Werk unbedingt lesen.
Schon der Umschlag des Buches führt die Leser direkt hinein in das Harlem der 1960er Jahre. Brownstone-Häuser, Polizisten, die eine Straßenkreuzung beobachten, fette Straßenkreuzer, wenige Menschen und das alles in einem Blickwinkel von schräg oben, als unbeteiligter Zuschauer. Genau das ist auch der Punkt, aus dem Whitehead seine Protagonisten beobachtet: mit Distanz, sachlich, und lakonisch.
Die Hauptperson des Buches ist Ray Carney, der einen kleinen Möbelladen besitzt und mit gebrauchtem Zeug handelt, das ihm auch manchmal sein Cousin Freddie beschafft. Angeblich ist es "vom Lastwagen gefallen". Ray bemüht sich um ein ehrliches Leben, will seiner Frau den der kleinen Tochter etwas bieten und spart auf eine schönere Wohnung abseits der Hochbahngleise. Die Eltern seiner Frau üben großen Druck auf ihn aus, er ist ihnen zu schwarz und zu arm. Seine Bemühungen scheitern immer wieder. Als Freddie ihn in einen gefährlichen Raub in einem Hotel hineinzieht, wird es noch gefährlicher.
Ray ist ein Mensch zwischen allen Stühlen. Auf der einen Seite ist er der ehrlich bemühte Möbelhändler, muss aber Schutzgeld zahlen, um überleben zu können und ab und zu eine kleine oder größere Straftat begehen, um im Leben voran zu kommen. Eine andere Chance bekommt er nicht und so führt er zwei Leben, eins am Tag und ein geheimes in der Nacht.
Das alles spielt vor dem Hintergrund der Rassentrennung am Ende der 1950er Jahre und der Hoffnung auf Besserung unter Kennedy. Der politische Aspekt ist im Hintergrund immer präsent und hat Auswirkungen auf das Leben der Menschen in Harlem. Man schlägt sich durch, auch manchmal illegal, aber das alles ist nichts gegen das, was die reichen weißen Menschen an illegalen Praktiken anwenden. Zwischen diesen Fronten stehen auch Ray und seine Familie.
Whitehead schreibt klug und sachlich, bringt immer wieder Rückblicke auf die Geschichte der handelnden Personen und hat die politische Situation immer im Blick. Er vermeidet Schwarz-weiß-Malerei, alle Personen sind vielschichtig beschrieben und ihre Motive nachvollziehbar. Seine klare Sprache hat eine Melodie, die immer unterschwellig mitschwingt.
Das Buch erfordert Aufmerksamkeit, man kann es nicht nebenbei lesen.
Obwohl mich das Buch nicht so begeistert hat wie "Die Nickelboys" ist es doch ein unbedingt lesenswertes Buch.
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Leben in Harlem
"Harlem Shuffle" von Colson Whitehead erzählt hier die Geschichte des Möbelhändlers Ray Carney. Eigentlich ist es aber auch die Geschichte eines Stadtteils und des Lebensgefühls dort. Beschrieben werden die Jahre 1959 - 1961 - 1964 aus der Sicht von …
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Leben in Harlem
"Harlem Shuffle" von Colson Whitehead erzählt hier die Geschichte des Möbelhändlers Ray Carney. Eigentlich ist es aber auch die Geschichte eines Stadtteils und des Lebensgefühls dort. Beschrieben werden die Jahre 1959 - 1961 - 1964 aus der Sicht von Ray.
Der Vater von Carney hat sein Geld nicht auf ganz legale Weise verdient, aber Carney will raus aus dem Milieu. Er hat eine Familie und will sich ein besseres Leben aufbauen. Der Zeitgeist, die Kriminalität, der Rassismus, das alles kommt sehr gut raus in der Beschreibung von Carneys Alltag.
Sein Cousin Freddie bringt ihm aber immer mal wieder Dinge aus Diebstählen, um sie zu Geld zu machen und Familie ist immer noch das Wichtigste. Deshalb kommt er nie so ganz raus aus dem Kreislauf, obwohl er sich bemüht stets ehrlich und auch menschlich zu bleiben.
Es ist ein ruhiges Buch, mit langen und gründlichen Beschreibungen, Spannung oder Action gibt es nur am Rande, aber der Autor versteht es trotzdem einen in die Geschichte zu ziehen. Man kann sehr gut nachvollziehen, wie sich Ray und sein Umfeld persönlich verändert haben und auch die komplette Stadt und die Stimmung dort. Ich empfand es als sehr interessante Lektüre, die mir den Zeitgeist näher brachte.
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Harlem in Aufruhr
An Harlem Shuffle überraschte mich, wie verhalten der Roman erzählt ist, jedenfalls verglichen mit dem hochemotionalen Underground Railroad.
Auch die Hauptfigur wirkt zurückhaltend, aber das mag plotbedingt so angelegt sein und für den Protagonisten Ray …
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Harlem in Aufruhr
An Harlem Shuffle überraschte mich, wie verhalten der Roman erzählt ist, jedenfalls verglichen mit dem hochemotionalen Underground Railroad.
Auch die Hauptfigur wirkt zurückhaltend, aber das mag plotbedingt so angelegt sein und für den Protagonisten Ray Carney spricht seine Eigenwilligkeit.
Einige Nebenfiguren, wie Carneys Cousin Freddie oder der Gangster Pepper sind sehr gelungen und glaubhaft dargestellt.
Wie Colson Whitehead die frühen sechziger Jahre in Harlem einsetzt ohne auf übliche zeitliche Verweise zu setzen, finde ich sehr respektabel. Er kann sehr gut Details beschreiben und das Zeitgefühl entsteht daraus, wie sich die Leute verhalten und wie sich unterhalten.
Harlem Shuffle ist dann auch mehr Gesellschaftsporträt als Gangsternovel, obwohl es im Milieu angesiedelt ist.
Colson Whitehead ist ein starker Autor, aber ich wünschte er hätte sich diesmal nicht ganz so selbst zurückgenommen. Es reichte aber dennoch zu einem eindrucksvollen Roman.
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Flott geschriebene, atmosphärische New Yorker Gaunergeschichte
Obwohl ich New York nur aus Filmen und Büchern kenne, hatte ich das Gefühl, dass der Autor die Armosphäre im Harlem der Sechziger Jahre sehr authentisch und treffend geschildert hat, sehr lebendig, man hat das …
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Flott geschriebene, atmosphärische New Yorker Gaunergeschichte
Obwohl ich New York nur aus Filmen und Büchern kenne, hatte ich das Gefühl, dass der Autor die Armosphäre im Harlem der Sechziger Jahre sehr authentisch und treffend geschildert hat, sehr lebendig, man hat das Gefühl man sei mittendrin.
Der Protagonist ist der umtriebige Familienvater Ray Carney, ein Möbelhändler, der versucht, seinen Lebensuntehalt auf möglichst ehrliche Weise zu verdienen, aber zwischendurch durchaus auch mal Hehlerware verhökert - schließlich hat er eine Familie zu ernähren. Sein Vater war ein Krimineller, dem er möglichst nicht nacheifern möchte, und auch sein Cousin Freddy ist ein Ganove, der noch nie in seinem Leben gearbeitet hat und Ray, der ihn wie einen Bruder liebt, immer wieder in brenzlige Situationen hineinmanövriert. Whitehead schildert drei Phasen in Rays Leben, 1958, 1961 und 1964. Er hat einen mitreißend lässigen und humorvollen Schreibstil, es gibt atmosphärische Ortsbeschreibungen und viele Nebenfiguren, die meisten davon recht skurrile Charaktere, so dass man sich gut in die damaligen Lebensumstände hineinversetzen kann.
Der Autor schreibt nicht mit erhobenem Zeigefinger, aber natürlich ist der Roman auch sozialkritisch, beschreibt erschreckende Rassendiskriminierung, z.B. dadurch, dass Rays Ehefrau im Reisebüro "Black Star Travel" arbeitet, das seinen schwarzen Kunden "sichere" Reiserouten ausarbeitet mit Empfehlungen für Hotels und Restaurants, in denen sie nicht diskriminiert, angepöbelt oder gar zusammengeschlagen werden. Und man erkennt auch, dass es seit damals leider nur kleine Fortschritte gegeben hat.
Ich weiß gar nicht so recht, welchem Genre man diese Buch zuordnen könnte, vielleicht ist es ein Entwicklungsroman, denn Ray macht in den drei Abschnitten eine ziemliche Entwicklung durch.Es ist aber auch eine Liebeserklärung an Harlem und seine Bewohner. Die Lektüre war manchmal ein wenig anstrengend, hat sich aber gelohnt und ich bin froh, diesen Autor kennengelernt zu haben und werde auch seine früheren Werke lesen. Empfehlenswert für Freunde etwas anspruchsvollerer Literatur.
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