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zu den Top-Rezensenten

Benutzername: westeraccum
Wohnort: Sauerland
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Danksagungen: 27 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 25 Bewertungen
Bewertung vom 24.01.2019
Fünf Tage im Mai
Hager, Elisabeth

Fünf Tage im Mai


sehr gut

Das Buch beginnt am 8. Mai 1986 und endet am 18. Mai 2004, dem 100. Geburtstag von Tat'ka.
Tat'ka nennt die kleine Illy ihren Urgroßvater, der zugleich ihr bester Freund und Helfer in aller Not ist. Das beginnt schon lange vor Illys Erstkommuniontag und zieht sich durch ihre Jugend und ihr Erwachsenenleben bis zum Tod des alten Mannes hin.
Elisabeth R. Hager erzählt exemplarisch von fünf Tagen, immer im Mai, an denen sich besondere Ereignisse im Leben der beiden abspielen. Aber sie geht weit darüber hinaus, denn auch das Leben des alten Mannes und seiner Urenkelin spielen eine große Rolle.
Sehr sensibel und warmherzig schildert Hager das innige Verhältnis der beiden, aber auch Probleme im Zusammenleben mit der Familie. As Illy sich in den Außenseiter Tristan verliebt, der ihrer Familie nicht gefällt, weil er trinkt und kifft und lange Haare hat, findet sie bei Tat'ka Verständnis. Und auch als ihr Glück nicht lange hält, lässt der Urgroßvater sie nicht allein.
Mir hat das Buch gut gefallen, weil es wirklich schön geschrieben ist und man sich unwillkürlich wünscht selbst einen solchen Urgroßvater gehabt zu haben. Durch die "strenge" Form, die sich an den fünf Tagen orientiert, bekommt es eine übersichtliche Struktur und ist gut lesbar.
Insgesamt ein eher ungewöhnliches und gutes Leseerlebnis!

Bewertung vom 06.01.2019
Stella
Würger, Takis

Stella


ausgezeichnet

Alle Schriftsteller, die mit ihrem ersten Buch einen großen Erfolg hatten, finden das zweite Buch nach dem Bestseller besonders schwierig zu schreiben. Denn die Erwartungen sind hoch und meist drängen die Verlage auch eine zeitnahe Fortsetzung des Erfolgsbuches. Diese Klippe hat Tarik Würger, der mit "Der Club" einen überraschenden Erfolg feiern konnte, sehr geschickt umschifft, denn das neue Buch ist ganz anders als sein erster Bestseller.
Der junge Friedrich, ein einsames und verwöhntes Muttersöhnchen, geht 1942 aus der Schweiz nach Berlin und will vor dort weiterreisen. Doch er bleibt in Berlin hängen, weil er sich in das Aktmodell Kristin verliebt und sie zu ihm in das vornehme Hotel zieht. Doch Kristin ist nicht ihr richtiger Name, das stellt sich aber erst heraus, als sie eines Tages verletzt und kahl rasiert vor ihm steht, sie ist eine untergetauchte Jüdin namens Stella. Die Gestapo will sie zwingen andere Juden zu verraten, um ihre Eltern vor der Gaskammer zu bewahren...
Das Buch besteht eigentlich aus drei verschiedenen Abteilungen: einmal die Geschichte von Friedrich und Stella, dann ein kurzer Abriss, was in den einzelnen Monaten des Jahres 1942 passiert ist und dann gibt es noch Auszüge aus Protokollen eines Gerichts, in denen Stella beschuldigt wird am Tod vieler Menschen beteiligt zu sein.
Das Buch ist so unglaublich spannend geschrieben, dass ich nicht aufhören konnte zu lesen und es an einem Abend verschlungen habe.
Würger gelingt es sehr geschickt die Leser in die Geschichte hineinzuziehen und den Konflikt zwischen Leben wollen und Moral aufzuzeigen. Man fragt sich, was man selbst in dieser Situation getan hätte: will man um jeden Preis überleben oder genügt man seinen Moralvorstellungen auch in lebensgefährlichen Grenzsituationen? Sein oder nicht sein? Er spielt sehr geschickt mit Klischees und bezieht die reale Figur der Stella und anderer realer Personen in seine fiktive Geschichte ein.
Dem Buch ist zu wünschen, dass es ein Bestseller wird!

Bewertung vom 18.12.2018
Die Plotter
Kim, Un-Su

Die Plotter


gut

Das Buch ist äußerlich sehr auffällig: eine weiße Dahlie ziert das Titelbild, die mit Blut gesprenkelt ist und diese Blutspritzer ziehen sich auch über den Schnitt, sehr gut gemacht!
Das Titelbild passt sehr gut zum Inhalt, denn es geht um den Berufskiller Raeseng, der in einer etwas seltsamen Bibliothek in Korea aufgewachsen ist. Er steht weit unten in der Hierarchie des Schreckens: Wirtschaftsbosse und Politiker beschließen, wer umgebracht werden soll, Plotter denken sich einen Plot,ein glaubhaftes Szenario, aus, nach dem dann die Killer ihre Aufträge ausführen.
Doch dann geschehen seltsame dinge, ein Killer lässt sein Opfer leben und auch Raeseng führt einen Auftrag nicht so aus, wie es vorgesehen ist. Die Machtverhältnisse scheinen sich zu verschieben.
Das Buch besteht aus vielen ziemlich endlosen Gesprächen und dich fand das sehr ermüdend. Spannung kam nur selten auf und beschränkt sich auf den Schluss.
Insgesamt mal ein ungewöhnlicher Krimi, aber nicht mein Ding!

Bewertung vom 10.12.2018
Stieg Larssons Erbe
Stocklassa, Jan

Stieg Larssons Erbe


gut

Der Mord an dem schwedischen Premierminister Olof Palme im Jahr 1986 ist bis heute nicht aufgeklärt.
Die schwedische Polizei machte Fehler über Fehler, es wurde geschlampt, falsche Spuren verfolgt und alles in allem schien man wenig daran interessiert zu sein den Mörder zu finden.
Der Journalist und Krimiautor Stieg Larsson ("Verblendung" etc.) hatte zu diesem Zeitpunkt über den schwedischen Rechtsextremismus recherchiert und fand Verbindungen zum Palme-Mord. Er suchte weiter und trug umfangreiches Material zusammen, das er auch teilweise der Polizei übergab. Doch nach Larssons plötzlichem Herztod verschwanden die Materialien in einem Lager.
Jan Stocklassa erhielt Zugang zu den gesammelten Akten und schrieb daraufhin dieses Buch, in das auch eigenen Recherchen einfließen. So besuchte er einige Verdächtige in Südafrika und auf Zypern und er entwickelte seine eigene Theorie. Es bleibt abzuwarten, ob das Buch zu den Mördern führt.
Das Buch ist sehr detailliert und gut recherchiert. Das ist aber auch seine Schwäche, denn die Fülle an Personen verwirrt und viele Erkenntnisse werden immer wieder neu ausgebreitet. Dadurch wird das Werk langatmig und wenig spannend. Man braucht viel Geduld!

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 18.11.2018
Der Mann am Grund
Procházková, Iva

Der Mann am Grund


gut

Wenn ein Krimi als "Prag-Krimi" angekündigt wird, dann erwarte ich eigentlich, dass man die Atmosphäre der Stadt vermittelt bekommt, doch das fehlt in diesem Buch völlig. Er könnte genau so gut in Pilsen, Bratislava oder einer osteuropäischen anderen Stadt spielen.
In der Nähe von Prag wird eine männliche Leiche in einem Auto am Grand eines Sees gefunden. Da der Mann Polizist war, sind die Ermittlungen besonders brisant, denn der Mann war bekannt für "unkonventionelle" Ermittlungsmethoden. Doch dann ergibt sich der Verdacht, dass er reihenweise Frauen abgeschleppt hat und diese nicht immer freiwillig mit ihm gingen. Kommissar Holina muss pikante Details ermitteln. Dabei hilft ihm seine Freundin Sabina, die sich mit Astrologie beschäftigt. Dann sterben noch mehr Menschen...
Das Buch ist spannend geschrieben und gut aufgebaut, manchmal allerdings hat es Längen, vor allem im Mittelteil zieht es sich.
Die astrologischen Einlassungen haben mich eher befremdet als interessiert, das ist so gar nicht mein Ding und ich fand die Abschnitte auch nicht besonders hilfreich.
Ansonsten aber ein solider Krimi mit einem ziemlich überraschenden Ende.

Bewertung vom 10.11.2018
Black Hand
Talty, Stephan

Black Hand


sehr gut

Das Buch führt uns in das New York der Jahrhundertwende von 19. ins 20. Jahrhundert.
Aus kleinen Anfängen arbeitet sich die Verbrecherorganisation "Black Hand" hoch und terrorisiert vor allem die Italiener, die in die USA eingewandert sind. Kinder werden entführt, um Lösegeld zu erpressen, von Ladenbesitzern wird Schutzgeld verlangt und Menschen werden scheinbar grundlos umgebracht. Die Regierung kümmert sich nicht um die Vorfälle, denn die Italiener gelten nichts. Die Polizei wird von eingewanderten Iren beherrscht und sie lässt die Menschen mit ihren Problemen allein. Angst und Schrecken verbreiten sich in den italienischen Vierteln, viele Auswanderer sind gezwungen nach Italien zurückzukehren.
Erst als der aus Sizilien eingewanderte Joe Petrosino Polizist wird und mit ungewöhnlichen Methoden Erfolg hat, tritt ein leichter Wandel ein. Zusammen mit fünf anderen Polizisten sagt der der Black Hand den Kampf an. Unter einfachsten Bedingungen - sie haben nicht einmal Büros - aber mit raffinierten Methoden gelingt es der "Italian Squad", viele Verbrecher dingfest zu machen, aber sie macht sich auch viele Feinde.
Das Buch liest sich wie ein Krimi, beruht aber auf gut recherchierten Tatsachen. Es ist gut lesbar geschrieben und führt den Leser in eine unbekannte Welt. Dabei ist es aber auch hoch aktuell, denn die Probleme in einem fremden Land haben sich auch nach über hundert Jahren kaum verändert.
Mal wieder ein richtig gutes Sachbuch!

Bewertung vom 31.10.2018
Harte Landung
Tanner, Simon

Harte Landung


weniger gut

Heiko Anrath ist eine der großen Hoffnungen der Nerma AG, doch dann gerät seine Karriere ins Trudeln. Angeblich will er sich beruflich verändern und er bekommt das Angebot Top-Sanierer bei einem schwächelnden Konzern zu werden. Auch im Privatleben läuft es nicht rund. Anrath verliebt sich in die Mitarbeiterin Alexandra, die in privaten Schwierigkeiten steckt, und seine Frau hat angeblich ein Verhältnis mit einem anderen Mann.
Auch hier gibt es mal wieder die üblichen Probleme eines Debütromans: Es wird zu viel hineingepackt, statt sich auf die wesentlichen Erzählstränge zu konzentrieren, die Figuren bleiben leblos und ihre Beziehung zueinander ist blass.
Dazu kommt, dass es fast endlos um wirtschaftliche Themen geht, die einen Insider sicher glücklich machen, den normalen Leser aber nur langweilen.
Leider roch das Buch sehr unangenehm nach chemischen Zusätzen, das erschwerte das Lesen zusätzlich.

0 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 12.10.2018
Bösland
Aichner, Bernhard

Bösland


sehr gut

Ein dreizehnjähriger Junge namens Ben wandert für Jahre in die Psychiatrie, weil er angeblich ein junges Mädchen auf dem Dachboden seines Elternhauses mit einem Golfschläger erschlagen hat. Dort ist das "Bösland", der Ort, an dem der Junge von seinem Vater ständig verprügelt wurde und an dem sich der Vater schließlich das Leben nahm. Bens bester Freund Kux hilft ihm über den Schock hinweg und dann trennen sich ihre Wege. Nach vielen Jahren, in denen Ben ein ziemlich normales, aber einsames Leben geführt hat, treffen sich die beiden Männer wieder. Doch dann beginnt ein ganz raffiniertes Psychospiel, das Ben fast umbringt. Ist Kux wirklich ein eiskalter Killer?
Das Buch ist in vielen kurzen Kapiteln geschrieben, dazwischen immer eine Kapitelüberschrift. Das macht das Buch dicker, als es eigentlich ist und ist etwas ärgerlich. Die Kapitel bestehen einmal aus normalem Text, dann wieder aus Gesprächen, die Ben mit wechselnden Personen führt. Diese Form macht das Buch lebendig und ist sehr gut zu lesen.
Das Buch ist sehr spannend, denn man glaubt zwar zu wissen, was als Nächstes geschieht, wird aber immer wieder von neuen Wendungen überrascht.
Die Personen sind vielschichtig, es gibt kein einfaches Schwarz-Weiß-Schema, und glaubwürdig. Man kann sich leicht mit Ben identifizieren und seine schlimme Geschichte gut nachvollziehen.
Leider finde ich den Schluss etwas banal.
Aber insgesamt ein wirklich lesenswertes Buch!

Bewertung vom 05.10.2018
Queen Victoria
Baird, Julia

Queen Victoria


ausgezeichnet

Eine sechshundertseitige Biografie flößt im ersten Moment Respekt ein. Doch dann macht das Buch wirklich Spaß!
Das Titelbild zeigt eine junge Frau, die mit schwärmerischem Blick seitlich am Betrachter vorbei schaut. Wirklich schön ist sie nicht und ein Portraitgemälde ist sicherlich auch vom Maler geschönt, aber die junge Frau zieht die Aufmerksamkeit auf sich.
Und sie war wirklich ungewöhnlich! Über 63 Jahre regierte und repräsentierte sie das englische Empire mit allen Höhen und Tiefen. Es war eine Zeit des großen Wandels von der Agrargesellschaft hin zur Industriegesellschaft. Die Arbeiter strömten in die Städte und lebten dort unter erbärmlichsten Bedingungen, die Frauen forderten mehr Rechte und das Empire vergrößerte sich durch Eroberungen und Kriege zu seiner maximalen Größe.
Victoria gilt als Matrone und Familienmensch, doch dieses Buch zeigt, dass sie viel mehr war. Nach dem Tod ihres geliebten Mannes Albert von Sachsen-Coburg- Gotha nahm sie nach einer langen Trauerzeit die Zügel in die Hand, kümmerte sich um die politischen Entscheidungen der zahlreichen Premierminister und mischte sich ein. Dabei kümmerte sie sich weiterhin intensiv um das Leben ihrer neun Kinder, von denen drei vor ihr starben, und die in Königshäuser in ganz Europa einheirateten. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. war ihr Enkel. Ihre Affäre mit John Brown, einem schottischen Wildhüter, und das Verhältnis zu dem indischen Diener Abdul Karim bedienen auch die Lust am Klatsch.
Julia Baird gelingt es bei aller historischen Genauigkeit ein lebendiges Bild der Herrscherin zu zeichnen. Im Gegensatz zu manchen anderen Biografien schreibt sie gut lesbar, ohne den historischen Kontext zu vernachlässigen.
Das Buch enthält viele Bilder und Fotos aus dem Leben Victorias und einen umfangreichen Anhang mit Anmerkungen, Bibliografie und Bildnachweisen und genügt damit auch wissenschaftlichen Anforderungen.

Bewertung vom 30.09.2018
Der Narr und seine Maschine / Tabor Süden Bd.19
Ani, Friedrich

Der Narr und seine Maschine / Tabor Süden Bd.19


ausgezeichnet

Dies ist der 21. Roman über Tabor Süden, den ehemaligen Kommissar, der in einer Detektei als Vermisstensucher gearbeitet hat.
Nachdem sein Kollege umgekommen ist, hat er sich ganz zurückgezogen und nun will er aus München verschwinden. Doch am Bahnhof holt ihn seine ehemalige Chefin Frau Liebergesell ein und beauftragt ihn, den verschwundenen Kriminalschriftsteller Cornelius Hallig zu suchen, der aus dem Hotel verschwunden ist, in dem er dreißig Jahre lang lebte. Beide sind einsame Menschen, die den Halt im Leben verloren haben und nur noch weg wollen - auf der "Straße, die noch keiner ging zurück"... Nur langsam nähern sich die bedien Männer an.
Friedrich Ani hatte immer schon ein Faible für die Menschen am Rande der Gesellschaft und in diesem Buch beschreibt er besonders eindringlich das Leben dieser Menschen auf nur 142 Seiten. Das Buch ist von großer Kälte und Einsamkeit geprägt und doch ist man am Ende versöhnt mit der Welt und dem Schicksal. Ganz große Kunst!