Der Outsider - King, Stephen
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Im Stadtpark von Flint City wird die geschändete Leiche eines elfjährigen Jungen gefunden. Augenzeugenberichte und Tatortspuren deuten unmissverständlich auf einen unbescholtenen Bürger: Terry Maitland, ein allseits beliebter Englischlehrer, zudem Coach der Jugendbaseballmannschaft, verheiratet, zwei kleine Töchter. Detective Ralph Anderson, dessen Sohn von Maitland trainiert wurde, ordnet eine sofortige Festnahme an, die in aller Öffentlichkeit stattfindet. Der Verdächtige kann zwar ein Alibi vorweisen, aber Anderson und der Staatsanwalt verfügen nach der Obduktion über eindeutige DNA-Beweise…mehr

Produktbeschreibung
Im Stadtpark von Flint City wird die geschändete Leiche eines elfjährigen Jungen gefunden. Augenzeugenberichte und Tatortspuren deuten unmissverständlich auf einen unbescholtenen Bürger: Terry Maitland, ein allseits beliebter Englischlehrer, zudem Coach der Jugendbaseballmannschaft, verheiratet, zwei kleine Töchter. Detective Ralph Anderson, dessen Sohn von Maitland trainiert wurde, ordnet eine sofortige Festnahme an, die in aller Öffentlichkeit stattfindet. Der Verdächtige kann zwar ein Alibi vorweisen, aber Anderson und der Staatsanwalt verfügen nach der Obduktion über eindeutige DNA-Beweise für das Verbrechen - ein wasserdichter Fall also?

Bei den andauernden Ermittlungen kommen weitere schreckliche Einzelheiten zutage, aber auch immer mehr Ungereimtheiten. Hat der sympathische Coach wirklich zwei Gesichter und ist zu solch unmenschlichen Schandtaten fähig? Wie erklärt es sich, dass er an zwei Orten zugleich war? Mit der wahren, schrecklichen Antwort rechnet schließlich niemand.

"Im Erschaffen von Monstern unterschiedlichster Art ist Stephen King einfach unerreicht. Das in Der Outsider ist wahrlich nicht von schlechten Eltern."

The New York Times
  • Produktdetails
  • Heyne fliegt
  • Verlag: Heyne
  • Seitenzahl: 747
  • Erscheinungstermin: 27. August 2018
  • Deutsch
  • Abmessung: 222mm x 149mm x 53mm
  • Gewicht: 870g
  • ISBN-13: 9783453271845
  • ISBN-10: 345327184X
  • Artikelnr.: 52392376
Autorenporträt
Stephen King wird am 21. September 1947 in Portland, Maine, geboren. Als er zwei Jahre alt ist verlässt der Vater die Familie, und die Mutter muss King und seinen Bruder mit wechselnden Jobs durchbringen. Durch das Erfinden von Horrorgeschichten will King, der sich stets als Außenseiter empfindet, der Langeweile des ländlichen Lebens entfliehen. Seinen ersten Kontakt mit Horrorliteratur bekommt er, als er eine Kiste mit Horror- und Science-fiction-Büchern im Haus seiner Tante entdeckt. Bereits im Alter von sieben Jahren beginnt King mit ersten eigenen Schreibversuchen. - Von 1966 bis 1970 studiert King Englische Literatur an der University of Maine und arbeitet anschließend als Englischlehrer. Nach den Erfolgen seiner ersten Romane "Carrie" und "Brennen muss Salem" 1974, widmet sich King nur noch seiner Karriere als Schriftsteller. Er veröffentlicht einige Romane unter dem Pseudonym Richard Bachman, "nur um zu testen, ob sich meine Bücher auch gut verkaufen lassen, wenn nicht Stephen King auf dem Umschlag steht" (King). Er ist der meistgelesene Horror-Autor der Welt. In den internationalen Bestsellerlisten ist er Dauergast, oft mit mehreren Titeln gleichzeitig. - Seit 1980 lebt King mit seiner Frau Tabitha, die ebenfalls als Schriftstellerin erfolgreich ist, und seinen drei Kindern in einem viktorianischen Herrensitz in Bangor/Maine. Stephen King ist der populärste Schriftsteller der Vereinigten Staaten und der meistgelesene Horrorautor der Welt. Von seinen Romanen wurden bereits 100 Millionen Exemplare verkauft. Viele davon wurden erfolgreich verfilmt.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 30.08.2018

Das Unheil kommt von innen
In Stephen Kings neuem Roman „Der Outsider“ erscheint Amerika unter Donald Trump
als ein Land, in dem die Mitbürger einander abgrundtief misstrauen
VON NICOLAS FREUND
Von Ludwig Wittgenstein stammt der zum Aphorismus taugende Satz: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ Man kann das so verstehen: Was sich nicht erklären lässt, das existiert nicht. Oder rückwärts gelesen: Was außerhalb der eigenen Lebenswelt liegt, das entzieht sich dem Verständnis. Wittgenstein versuchte, mit Sätzen wie diesem, die Welt in eine kristalline Struktur zu gießen.
Eine solche Ordnung ist den Romanen Stephen Kings fremd. Sie zeichnen sich gerade dadurch aus, dass solche Regeln in den Welten, von denen sie erzählen, keine Geltung haben. Lange im Wald hinter dem Familienhaus vergrabene Haustiere erwachen zu neuem Leben und hinter der idyllischen Fassade jeder Kleinstadt lauern Rassismus und Sexismus, die grenzenlos in ein kosmisches Böses übergehen, das dann die Gemeinde heimsucht. Das Unheimliche bei Stephen King ist nicht die Angst vor dem Tod oder vor verdrängten Trieben, sondern vor dem Unberechenbaren, vor der Gewissheit, dass es keine anderen Gewissheiten gibt. Das Böse bei King kommt selten von außen, es sind fast nie Außerirdische oder andere fremde Mächte, die das amerikanische Kleinstadtleben bedrohen, sondern alltägliche Bosheiten im Inneren, die verleugnet und ignoriert unter der Oberfläche gären und irgendwann hervorbrechen.
In seinem neuen Roman mit dem eigenwilligen deutsch-englischen Titel „Der Outsider“ hat King dieses Verfahren im Hinblick auf die Gegenwart neu zugespitzt. Das schien nötig gewesen zu sein, denn in den Vereinigten Staaten Donald Trumps verlieren täglich alte Gewissheiten ihre Geltung und was ihnen nachfolgt, ist noch nicht abzusehen. Die Romane Stephen Kings sind von der Wirklichkeit eingeholt worden. Deshalb steht im Zentrum des neuen Buchs viele Hundert Seiten lang ein Kriminalfall, der zunächst gar nichts Übernatürliches an sich hat.
In Flint City, einer Kleinstadt in Oklahoma, im Herzen Amerikas, wird die Leiche eines selbst für Stephen-King-Verhältnisse bestialisch ermordeten elfjährigen Jungen gefunden. Schon im ersten Kapitel aber scheint der Kindermörder gestellt zu sein. Mehrere Zeugen haben den Englischlehrer und Baseballcoach Terry Maitland mit blutverschmierter Kleidung in der Nähe des Tatorts gesehen. An der Leiche und in dem Lieferwagen, mit dem er den Jungen entführt haben soll, wurden seine Fingerabdrücke gefunden. Der Fall erscheint eindeutig. Polizei und Staatsanwaltschaft von Flint City rücken aus, um Terry Maitland öffentlichkeitswirksam während eines Baseballspiels zu verhaften.
Sehr schnell kommen aber Zweifel an der Täterschaft Terrys auf, denn der beliebte und geschätzte Highschool-Lehrer hat ein wasserdichtes Alibi. Zum Tatzeitpunkt war er gar nicht in der Stadt, sondern bei einem Kongress viele Meilen entfernt. Auch dafür gibt es mehrere Zeugen, außerdem Videoaufnahmen von einer Lesung, die eindeutig ihn zeigen. Und ebenfalls Fingerabdrücke. Wie kann das sein? Fakten stehen gegen Fakten. Was ist wahr und was ist erfunden? Handelt es sich bei einer Variante der Geschichte um Fake News? Und wenn das so ist, wie viel Verlass ist dann noch auf die Faktenträger der Zeugenschaft, der Fingerabdrücke oder des vermeintlich unfehlbaren DNA-Tests? Die Behörden sind mit diesem Widerspruch überfordert. In der ihnen bekannten Welt ist so etwas nicht vorgesehen. Dabei kam noch gar kein Monster vor, sondern höchstens ein Doppelgänger.
Selbst den Figuren des Romans, von denen auch einige aus der von Stephen King vor zwei Jahren abgeschlossenen Krimireihe um den Detektiv Bill Hodges stammen, fällt der Vergleich mit „William Wilson“, einer Kurzgeschichte Edgar Allan Poes ein. Darin wird ein Spieler und Betrüger seit der Schulzeit von einem Doppelgänger verfolgt, der immer wieder dessen zwielichtigen Machenschaften enthüllt und den Erzähler schließlich zum Mörder macht. Die Erzählung wurde, etwas einseitig, als Allegorie auf verborgene moralische Konflikte gelesen. In ihr und auch in Kings Roman führt das Erscheinen des Doppelgängers aber noch zu einem anderen, schwerwiegenderen Problem, nämlich der Infragestellung der eigenen Identität.
Poes Erzähler fühlt sich vom Erscheinen seines Ebenbilds sofort herausgefordert. In Kings Roman wird Terry für viele seiner Nachbarn spätestens nach der demonstrativen Festnahme auf dem Baseballplatz selbst dann, wenn er unschuldig sein sollte, immer der Kindermörder bleiben, der doch noch irgendwie davongekommen ist.
Das Auftauchen eines Doppelgängers ist ein Angriff auf das Leben der amerikanischen Kleinstadtbewohner, deren Weltbild auf der unbedingten Individualität des Einzelnen fußt. Der Schutz der eigenen, vermeintlich felsenfesten Identität ist auch ein ernstes Anliegen der Kernwählerschaft Trumps, die in eben diesen Regionen der USA anzutreffen ist. Die Abwehrreflexe dieser besorgten Bürger richten sich im Fall Terry Maitlands aber nicht gegen die immer beschworene Bedrohung von außen, sondern gegen die eigenen Mitbürger.
Der Kindermörder, der eigentlich nur ein Outsider sein kann, und der Nachbar fallen zusammen. Der Junge bleibt nicht die einzige Leiche, und die wenigsten Toten in diesem Roman gehen auf das Konto des Monsters, das wie in jedem Stephen-King-Roman dann doch noch irgendwo lauert. Die meiste Gewalt geht von bewaffneten Mitbürgern aus. Angst vor dem Außen führt zum Krieg im Inneren.
King ist bei dem Kurznachrichtendienst Twitter ein scharfer Kritiker Donald Trumps, der amerikanische Präsident ist in der Welt seines neuen Romans allgegenwärtig. Die Figuren verdächtigen einander, für ihn gestimmt zu haben, sein Name prangt auf Stoßstangen, sein Antlitz von den Wänden der Diners. Wie sehr King diesen Roman in der amerikanischen Gegenwart verankert hat, zeigt sich schon an solchen Details.
In diesem Land unter Trump stimmt etwas nicht. „Im Norden sah man die Eisenbahnschienen, aber die waren rostig, und zwischen den Schwellen wuchs Unkraut. (…) Dahinter standen auf einem Abstellgleis zwei Güterwagen, deren Räder von Ranken überwuchert waren. Sie sahen aus, als wären sie schon seit dem Vietnamkrieg dort. Nebenan standen Lagerhäuser und alte Reparaturschuppen, die offenbar ewig nicht mehr benutzt wurden, dahinter eine baufällige Fabrikhalle, die von Sonnenblumen und Sträuchern umgeben war. Auf ihre zerbröckelnden rosa Ziegelsteine, die vor langer Zeit rot gewesen waren, hatte jemand ein Hakenkreuz gesprüht.“ Die Kleinstadt, das heruntergekommene Land und die Morde stehen aber nicht für die Lage der Nation. King ist kein Allegoriker. Der Doppelgänger trägt auch Züge eines Mexikaners, eines Monsters aus einer Legende von jenseits der Grenze. King fängt in seinen Romanen eine Stimmung ein, das Gefühl gegenüber etwas, das sich nicht richtig erklären lässt, etwas, das außerhalb der Welt und der Sprache der Menschen liegt, aber immer mehr in sie hineindrängt.
In „Outsider“ ist dieses Unbehagen bedrohlich wie selten zuvor. Im ersten Kapitel, noch vor der Verhaftung Terrys, beobachten zwei schwarze Jungs, wie ein Auto auf den Parkplatz des Baseballplatzes fährt. „‚Eindeutig Bullen‘, sagte der eine. ‚Echt jetzt?‘, sagte der andere. Worauf sie sich wortlos auf ihre Bretter schwangen und schleunigst davonrollten.“ Die beiden sind Kinder der Vereinigten Staaten Donald Trumps. Sie wissen auch ohne Worte, wovor sie sich in Acht nehmen müssen.
Fakten stehen gegen
Fakten. Was ist wahr,
und was ist erfunden?
Das Auftauchen eines
Doppelgängers bringt das Leben
in der Kleinstadt durcheinander
Kein Blick für Marilyn: Ein Diner in der Provinz während der Inauguration von Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten.
Foto: Amir Levy / Polaris/laif
Stephen King: Der Outsider. Roman. Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kleinschmidt. Heyne, München 2018. 752 Seiten, 26 Euro.
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"Der Outsider - ein kriminalistischer Thriller, ein Meisterstück." Britta Heidemann, WAZ

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Nicolas Freund kann den neuen Stephen King nur heiß empfehlen. Den Horror der amerikanischen Gesellschaft unter Trump vermittelt laut Rezensent keiner so subtil wie King. Die bedrohliche Stimmung im Text ist für Freund nicht nur dem Unwesen eines Kindsmörders und seines vermeintlichen Doppelgängers geschuldet, sondern auch den Reaktionen bewaffneter, auf ihre unbedingte Individualität pochender Kleinstädter und Trumpwähler. Dass King "kein Allegoriker" ist, wie Freund feststellt, macht ihm die Sache eigentlich nur noch unheimlicher.

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