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Benutzername: Silke Schröder, hallo-buch.de
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Über mich: Ich liebe Geschichten und schreibe gerne und viele Rezensionen über die gelesene und gehörten Hörbücher und Bücher. Besucht auch mal meine Website hallo-buch.de
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Bewertungen

Insgesamt 1497 Bewertungen
Bewertung vom 26.05.2020
Die Augen der Finsternis
Koontz, Dean

Die Augen der Finsternis


ausgezeichnet

Dean Koontz ist seit Jahrzehnten für Thriller mit übersinnlichem Touch bekannt. Sein schon 1981 erschienener Supernatural -Krimi “Die Augen der Finsternis” ist ein solcher Klassiker, und er erinnert ganz leicht an die Netflix-Zeitschleifen-Retro-Serie “Stranger Things” – oder eben umgekehrt. Auch in den “Augen der Finsternis” erhält eine Mutter geheimnisvolle Nachrichten von ihrem tot geglaubten Sohn. Unterstützt wird sie von ihrem Freund Elliot Stryker, der, passend für dieses Abenteuer, als Elite-Soldat ausgebildet wurde. Mit von der Partie ist außerdem: eine Handvoll komplett von Ethik und Moral befreiter Wissenschaftler. Und geradezu unheimlich ist, dass in Koontz’ vier Jahrzehnte alter Story bereits ein Geheimlabor im chinesischen Wuhan eine unheilvolle Rolle spielt... So hat “Die Augen der Finsternis” nicht nur potenziell prophetische Züge, er ist auch ein jung gebliebener Supernatural-Thriller – ohne Handys, aber mit viel Fantasie.

Bewertung vom 26.05.2020
Patient Null - Wer wird überleben?
Kalla, Daniel

Patient Null - Wer wird überleben?


ausgezeichnet

In seinem rasant erzählten Pandemie-Thriller “Patient Null – Wer wird überleben?” zeichnet Daniel Kalla, selbst ausgebildeter Notfallmediziner, ein dramatisches Szenario. Mit aller Kraft müssen seine Helden, die Expertin für Infektionskrankheiten Dr. Alana Vaughn und Byron Menke von der WHO versuchen, die Katastrophe abzuwenden. Dabei switcht der Autor immer wieder zu einem Tagebuch, das aus der Sicht eines Arztes im 14. Jahrhundert den Ausbruch der Pest in Genua beschreibt – und er findet einige erstaunliche Parallelen zwischen den Jahrhunderte auseinander liegenden Fällen. Handwerklich solide gemacht, ist “Patient Null – Wer wird überleben?” - im englischen Original noch etwas pessimistischer: “We all fall down” - ein fesselnder Thriller, der momentan aktueller denn je ist.

Bewertung vom 26.05.2020
Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt, 2 MP3-CD
Fletcher, C. A.

Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt, 2 MP3-CD


ausgezeichnet

C. A. Fletcher erzählt mit “Ein Junge, sein Hund und das Ende der Welt” ein bezauberndes und herzerwärmendes postapokalyptisches Roadmovie, in dem ein Junge alles daran gibt, seinen Hund wiederzufinden. Anfänglich in Tagebuchstil geschrieben, greift der Autor auf im Lauf der Geschichte auf unterschiedliche Erzählformen zurück, die auch dafür sorgen, dass unerwartete Wendungen die Spannung immens erhöhen. “Der Junge, sein Hund und das Ende der Welt" ist eine nachdenklich machende Dystopie – gerade jetzt, wo die aktuelle Pandemie selbst uns verwöhnte Europäer daran erinnert, wie fragil die Existenz der Menschheit und unsere Zivilisation doch im Grunde sind. Sie zeigt aber auch auch, dass es sich immer lohnt, etwas für seine Ziele zu wagen und dass Menschlichkeit und Freundschaft unsere größten Errungenschaften sind.

Bewertung vom 18.05.2020
Das ungeschminkte Leben
Condé, Maryse

Das ungeschminkte Leben


ausgezeichnet

Schon früh stand für die auf Guadeloupe geborene Maryse Condé fest, dass sie in einem afrikanischen Staat leben wollte. Das schreibt sie in ihrer 2012 erschienen Autobiografie „La vie sans fards“, die jetzt im Luchterhand Literaturverlag unter dem Titel „Das ungeschminkte Leben“ erschienen ist. Und sie macht es uns tatsächlich leicht, in ihr ebenso spannendes wie bewegtes Leben einzutauchen. Strikt subjektiv und mit einem oft schonungslos kritischen Blick setzt sie sich nicht nur mit den eigenen Empfindungen, Motiven und Entscheidungen auseinander, sondern sie erzählt auch aus der aufregenden Epoche der 1950er/60er Jahre, als sich immer mehr afrikanische Staaten von ihren Kolonialherren lossagten, um ihren eigenen, meist weiterhin steinigen Weg zu gehen. Ein besonderes Augenmerk legt sie dabei auf Guinea, das unter dem Präsidenten Sékou Tuorè lange kommunistisch regiert wurde und in dem Vieles nicht so lief, wie nicht nur Maryse Condé gehofft hatte. So ist „Das ungeschminkte Leben“ ein intensiver und sehr persönlicher Einblick in die Lebenserfahrungen einer großen Schriftstellerin, die 2018 für ihre gut dreißig (!) Romane und Erzählungen mit dem Alternativen Literaturpreis der schwedischen Neuen Akademie ausgezeichnet wurde. Unbedingt lesenswert.

Bewertung vom 18.05.2020
Kilometer 123, 2 Audio-CD
Camilleri, Andrea

Kilometer 123, 2 Audio-CD


ausgezeichnet

Andrea Camilleris neuer Krimi setzt sich nur aus Gesprächen, SMS, Mails und Telefonaten zusammen. Daraus spinnt er eine Geschichte, die aus Verrat und Betrug, Liebe, Ehebruch und viel Dramatik besteht. Wer hat mit wem was getan? Und mittendrin die Behörden, die den Verursacher des schweren, für einige Beteiligte beinahe tödlichen Autounfalls finden wollen. Der Autor lässt die Emotionen hochkochen und seine Protagonisten immer mehr aus dem Bauch heraus, als mit dem Verstand agieren. Damit unterstreicht er unbeabsichtigt – oder etwa doch mit Vorsatz? – nicht nur so manches eingefleischtes Vorurteil gegenüber der überschäumenden italienischen Mentalität, er inszeniert auch einen frisch und spannend erzählten Krimi aus Rom. Akustisch in Szene gesetzt, ist “Kilometer 123” ein vergnügliches und unterhaltsames Hörspiel, dessen Sprecher und Sprecherinnen durch eine sehr lebendige Intonierung überzeugen. Drama, Drama, Drama!

Bewertung vom 14.05.2020
Miracle Creek, 2 MP3-CD
Kim, Angie

Miracle Creek, 2 MP3-CD


ausgezeichnet

Die aus Korea stammende US-amerikanische Autorin Angie Kim lässt ihren psychologisch fein gesponnenen und raffiniert inszenierten Thriller während des Prozesses spielen, in dem über Elisabeths Strafe für den angeblich vorsätzlichen Mord an ihrem Sohn und ihrer besten Freundin entschieden werden soll. Dabei switcht Kim immer wieder zurück zu den Ereignissen des vergangenen Sommers und lässt diese aus den verschiedenen Perspektiven ihrer Figuren erneut Revue passieren. Eine brizzelige Spannung baut sich auf, da immer mehr Aspekte hinzukommen und die Zahl der möglichen Täter wächst. Unaufhaltsam kochen dabei die Emotionen der Prozessbeteiligten hoch. Doch Angie Kim geht es auch um gesellschaftliche Themen. So setzt sie sich intensiv mit den unterschiedlichen Ansätzen im Umgang mit den inzwischen recht häufigen autistischen Störungen auseinander und gibt uns einen Einblick in das Leben und die Kultur koreanischen Einwandererfamilien in den USA. So ist “Miracle Creek” ein raffiniert erzählter und emotional-fesselnder Thriller, wunderbar gelesen von der österreichische Schauspielerin Nora Waldstätten.

Bewertung vom 11.05.2020
Die Jesus-Verschwörung
Asensi, Matilde

Die Jesus-Verschwörung


ausgezeichnet

Schon Mathilde Asensis erster Roman “Wächter des Kreuzes”, der vor ca. 15 Jahren erschien, war ein fesselndes Abenteuer um christliche Mythologie. Jetzt hat sie mit “Die Jesus-Verschwörung” nachgelegt. Wieder begeben sich die ehemalige Nonne und Altphilologin Ottavia Salina, ihr ägyptischer Ehemann Farag Boswell und der ehemalige Schweizer Gardist Kasper Glauser-Röist auf einen atemberaubenden Roadtrip zu den christlichen Kultstätten in Europa und im Nahen Osten. Dabei nimmt sich Asensi zunächst viel Zeit, um ihre Figuren noch einmal vorzustellen. Und natürlich glänzt sie auch wieder mit viel Hintergrundwissen über das, was sich historisch gesichert über die Entstehung des Christentums sagen lässt. So ist “Die Jesus-Verschwörung” ein spannender, actiongeladener Wissenschaftsthriller mit einer großen Portion Fiction und vielen Details zu jener Religion, die unsere Geschichte über Jahrhunderte geprägt hat. Freuen wir uns auf den nächsten Band, der schon kommendes Jahr im März erscheinen wird.

Bewertung vom 11.05.2020
Die Ladenhüterin
Murata, Sayaka

Die Ladenhüterin


ausgezeichnet

In “Die Ladenhüterin” erzählt die Japanerin Sayaka Murata von sozialen und kommunikativen Schwierigkeiten. Ihre Ich-Erzählerin Keiko hat schon als Kind nicht den gesellschaftlichen Konventionen entsprochen und manche alltägliche Sprachregelung unerwartet anders interpretiert, was allerlei Schwierigkeiten nach sich zog. Jetzt, als Jobberin in einem 24-Stunden-Convenience Store, kann sie endlich alles strikt nach Vorgabe machen und fällt nicht mehr aus der Rolle. Pointiert und detailgenau beobachtet, legt Sayaka Murata die strengen und teils absurden Konventionen in der japanischen Gesellschaft offen. Denn selbst im Mikrokosmos ihres Konbinis benötigt ihre Protagonistin, die ihre sozialen Kontakte auf ein Minimum reduziert hat, viel Einfallsreichtum, um sich an den Erwartungen ihrer Umwelt vorbei zu mogeln. So ist “Die Ladenhüterin”, in Japan unter dem Titel “Konbini Ningen” ein Bestseller, ein schonungslos-treffender, manchmal schon komödienhafter Blick auf eine Gesellschaft, deren Normen unverrückbar erscheinen. Derzeit beschreibt die Autorin in einer Kolumne der Süddeutschen Zeitung ihre Sicht auf den Corona-Alltag in Japan.

Bewertung vom 04.05.2020
Whisper Network
Baker, Chandler

Whisper Network


ausgezeichnet

ie #meetoo-Kampagne hat viel an alltäglichem Sexismus ans Licht gebracht. Jetzt präsentiert uns Chandler Baker in ihrem Roman “Whisper Network” eine fesselnd und authentisch erzählte Geschichte von mehreren Frauen, die sich gegen ihren übergriffigen Vorgesetzten auflehnen. Dabei zeigt sie, wie tief sexuelle Belästigung im Berufsleben noch immer verwurzelt ist und wie schwierig es ist, sich dagegen zu wehren. Im Mittelpunkt stehen die drei Juristinnen Sloane, Ardie und Grace, die nicht mehr hinnehmen wollen, dass in ihrer Männer-dominierten Arbeitswelt eine gewisse Übergriffigkeit quasi als Normalverhalten gilt. Die Autorin, die selbst Juristin ist, erzählt von der Solidarität unter den Frauen, aber auch von Konkurrenzkampf, Freundschaft und Feigheit sowie scheinbarer Ohnmacht gegenüber festgefahrenen Strukturen. Und sie zeigt sehr deutlich, wogegen sich Frauen wappnen sollten, wenn sie sich wehren wollen. Den Fluss ihrer Erzählung kombiniert sie dazu gekonnt mit den Zeugenaussagen ihrer Figuren vor Gericht und Polizei. So ist “Whisper Network” ein beeindruckender Roman zur intensiv geführten #meetoo-Debatte, der zeigt, wie sich Frauen gegen die eingeschliffenen Verhaltensweisen wehren können.

Bewertung vom 30.04.2020
Das Tor
Abdel Aziz, Basma

Das Tor


ausgezeichnet

Basma Abdel Aziz erzählt in ihrem beklemmenden Roman “Das Tor” von einer bedrückenden Situation, die stark an Franz Kafkas Klassiker “Der Prozess” oder an George Orwells “1984” erinnert. Alle Romane haben die Vision einer undurchdringlichen dystopischen Bürokratie gemeinsam, und auch Abdel Aziz zeigt hier die totalitäre Absurdität einer selbstherrlichen Verwaltung. Immer hilflosere Bürger kämpfen gegen undurchsichtige Gesetze, die von einer abstrakten, nie in Erscheinung tretenden Regierung verordnet werden. Damit zieht sie nicht nur einige Parallelen zum arabischen Frühling und dessen Nachwirkungen, sondern kritisiert ganz allgemein den staatlichen Autoritarismus. Dabei vergisst sie auch nicht, den wachsenden Einfluss des religiösen Fundamentalismus’ zu erwähnen und schildert sehr eindrücklich die Gefühle und existenziellen Unsicherheiten der einfachen Leute, deren Freiheiten immer mehr eingeschränkt werden. Besonders hebt sie dabei einige Frauen mit ihren unterschiedlichen Schicksalen hervor. So ist “Das Tor” eine Warnung vor staatlichen autoritären Strukturen, die die ägyptische Autorin Basma Abdel Aziz hier gekonnt ad absurdum führt – und die dennoch die Verzweiflung ihrer Protagonisten nähren.