Heul doch nicht, du lebst ja noch - Boie, Kirsten
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Hamburg, Juni 1945: Die Stadt liegt in Trümmern. Mittendrin leben Traute, Hermann und Jakob. Der nennt sich allerdings Friedrich, denn niemand soll erfahren, dass er Jude ist. Als Hermann ihm dennoch auf die Spur kommt, will er nichts mehr mit Jakob zu tun haben. Schuld, Wahrheit, Angst und Wut sind die zentralen Themen dieses Buchs, dessen jugendliche Hauptfiguren durch die Schrecken des Krieges und der Naziherrschaft miteinander verbunden sind. Und für die es doch immer wieder Lichtblicke gibt.…mehr

Produktbeschreibung
Hamburg, Juni 1945: Die Stadt liegt in Trümmern. Mittendrin leben Traute, Hermann und Jakob. Der nennt sich allerdings Friedrich, denn niemand soll erfahren, dass er Jude ist. Als Hermann ihm dennoch auf die Spur kommt, will er nichts mehr mit Jakob zu tun haben. Schuld, Wahrheit, Angst und Wut sind die zentralen Themen dieses Buchs, dessen jugendliche Hauptfiguren durch die Schrecken des Krieges und der Naziherrschaft miteinander verbunden sind. Und für die es doch immer wieder Lichtblicke gibt.
  • Produktdetails
  • Verlag: Oetinger / VFO
  • Artikelnr. des Verlages: 8201636
  • Seitenzahl: 192
  • Altersempfehlung: ab 13 Jahren
  • Erscheinungstermin: 8. Januar 2022
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 142mm x 22mm
  • Gewicht: 320g
  • ISBN-13: 9783751201636
  • ISBN-10: 3751201637
  • Artikelnr.: 62586041
Autorenporträt
Boie, KirstenKirsten Boie ist eine der renommiertesten deutschen Kinder- und Jugendbuchautorinnen. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für ihr Gesamtwerk, das Bundesverdienstkreuz und die Hamburger Ehrenbürgerwürde.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.01.2022

Streifzüge auf dem
Schwarzmarkt
Drei Jugendliche im Chaos der
Nachkriegszeit in Hamburg
Kirsten Boies neuer zeitgeschichtlicher Roman „Heul doch nicht, du lebst ja noch“, spielt in Hamburg im Frühsommer 1945. Seit Kriegsende versucht die Bevölkerung unter englischer Besatzung zwischen Ruinen zu überleben, darunter drei Jugendliche: Jakob, dessen jüdische Mutter in einem der letzten Transporte nach Theresienstadt geschafft wurde (aber überlebte) – er wird von einem alten Mann versteckt und weiß noch nicht, dass der Krieg beendet ist. Als sein Helfer nicht mehr auftaucht, muss er sein Versteck in der Ruine verlassen, um nicht zu verhungern. Er trifft auf Traute, die Tochter eines Bäckers, und stiehlt ihr heimlich das Brot, das sie für die Jungs auf der Straße als Bestechung mitbringt. Ihre Freundinnen kamen durch Bomben um oder verschwanden in den Wirren des Krieges, und sie will einfach nur, weil sie einsam ist, mit den Jungen Fußball spielen. Unter ihnen Hermann, der immer noch seine HJ-Uniform trägt und sich um seinen Vater kümmern muss, der beinamputiert in seiner Verzweiflung der Familie das Leben schwer macht. Damit nimmt er ihm die Aussicht auf einen Neuanfang in den USA.
Diese Jugendlichen begegnen einander zufällig in einer Woche, Ende Juni 1945. Sie sind geprägt von ihren Kriegserfahrungen und Traumata und machen gemeinsam ihre besonderen Erfahrungen im Chaos der Hamburger Nachkriegszeit. Kirsten Boie lässt sie, ohne Einfluss der Erwachsenen, selbst erzählen – in einer Mischung aus Dokumentation und Fiktion, in der sie die Möglichkeit als Erzählerin nutzt, den Jugendlichen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu geben.
Sie will für ihre Leser ihre eigenen Gefühle, ihre Erlebnisse jetzt, 70 Jahre später, lebendig machen, die sie schon 2003 in „Monis Jahr“ und 2010 in „Ringel Rangel Rosen“ beschrieben hat. „Bei mir verwandelt sich alles, was mich bewegt, schnell in Geschichten.“ In einem Interview erzählt sie, dass sie bei den Gesprächen der Erwachsenen „über den Krieg, die Bombennächte und die Hungerzeit“ zuhörte, aber damals nichts über die Verbrechen der Nationalsozialisten, insbesondere die Schoah, in Hamburg erfuhr. Und darum spielt jetzt Jakob, als ein Mitglied der jüdischen Gemeinde in Hamburg, eine wichtige Rolle. Der, als er beim Versuch Essen zu stehlen, von den Kindern entdeckt wird, seine jüdische Identität verschweigt und sich mit Hermann anfreundet, der immer noch der NS-Ideologie anhängt. Erst als der die wahre Herkunft von Jakob erkennt – mit dem er bei Streifzügen auf dem Schwarzmarkt versucht, an Lebensmittel zu kommen –, mit der Realität der Judenverfolgung konfrontiert wird.
In Hermann schildert Kirsten Boie einen Vertreter des Fortlebens nationalsozialistischen Gedankenguts, das sie beunruhigt, besonders bei den heutigen Jugendlichen, „die in immer größerer Zahl und in immer jüngerem Alter eine Bewunderung für den Nationalsozialismus, sogar für den Zweiten Weltkrieg, entwickeln, weil sie sich in alterstypischen Grandiositätsfantasien als Eroberer und Herrscher der Welt sehen“. (ab 13 Jahre und Erwachsene)
ROSWITHA BUDEUS-BUDDE
Kirsten Boie:
Heul doch nicht,
du lebst ja noch.
Oetinger 2022.
192 Seiten, 14 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensentin Roswitha Budeus-Budde bekommt dank Kirsten Boie einen Einblick in Gefühle und Erlebnisse vor 70 Jahren. Die Autorin beschreibt darin das Hamburg im frühen Sommer 1945 nach Kriegsende aus der Perspektive dreier Jugendlicher, darunter Jakob, dem Sohn einer abtransportierten Jüdin, der einsamen Bäckerstochter Traute und dem NS-Ideologie-Anhänger Hermann, die sich zufällig begegnen und anfreunden, erklärt die Rezensentin. Das Erzählte ist Budeus-Budde zufolge eine Mischung aus Fiktion und Dokumentiertem. Zudem erkennt die Kritikerin hier auch die Sorgen der Autorin hinsichtlich der stärker wachsenden Faszination von Kindern und Jugendlichen für den Weltkrieg und nationalsozialistischen Ideen auf, schließt die Rezensentin.

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