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Irgendwo zwischen Mexiko und Sibirien ... Von den Jahren des Exils bis ins Wendejahr 89 und darüber hinaus reicht diese wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie. Sie führt von Mexiko über Sibirien bis in die neu gegründete DDR, führt über die Gipfel und durch die Abgründe des 20 Jahrhunderts. So entsteht ein weites Panorama, ein großer Deutschlandroman, der, ungeheuer menschlich und komisch, Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht. "Günter Grass ging beim gespannten Zuhören die Pfeife aus." - Frankfurter Allgemeine Zeitun…mehr

Produktbeschreibung

Irgendwo zwischen Mexiko und Sibirien ...

Von den Jahren des Exils bis ins Wendejahr 89 und darüber hinaus reicht diese wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie. Sie führt von Mexiko über Sibirien bis in die neu gegründete DDR, führt über die Gipfel und durch die Abgründe des 20. Jahrhunderts. So entsteht ein weites Panorama, ein großer Deutschlandroman, der, ungeheuer menschlich und komisch, Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht.

"Günter Grass ging beim gespannten Zuhören die Pfeife aus." - Frankfurter Allgemeine Zeitung
  • Produktdetails
  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • Seitenzahl: 432
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 425 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 139mm x 36mm
  • Gewicht: 536g
  • ISBN-13: 9783498057862
  • ISBN-10: 3498057863
  • Best.Nr.: 33428446

Autorenporträt

1954 in Soswa (Ural) geboren,studierte Mathematik an der Humboldt-Universität und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Physik der Erde. Er war Autor beim DEFA-Studio für Dokumentarfilm, bevor er 1988aus der DDR in den Westen ging. Seit 1989 arbeitet er hauptberuflich fürs Theater und für den Rundfunk als Autor und Übersetzer; er unterrichtete zeitweise an der Berliner UdK. 2009 wurde Eugen Ruge für sein erstes Prosamanuskript In Zeiten des abnehmenden Lichts mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet.
Eugen Ruge

Rezensionen

Besprechung von 02.11.2011
Die Wahrheit erfinden
Nach dem Gewinn des Deutschen Buchpreises: Eugen Ruge liest im Frankfurter Literaturhaus

Er ist schon fast ein Frankfurter Gesicht. Zum fünften Mal innerhalb kurzer Zeit hat sich Eugen Ruge seinen hiesigen Lesern empfohlen. Zuerst war er im Literaturhaus bei der Lesung der Autoren dabei, die für den Deutschen Buchpreis nominiert waren, dann wurde ihm die Auszeichnung im Römer tatsächlich zugesprochen. Während der Buchmesse war er zur Eröffnung des von der Stadt veranstalteten Lesefests "Open Books" eingeladen, bei "Literatur im Römer" stellte er seinen preisgekrönten Roman ebenfalls vor. Nun ist er noch einmal im Literaturhaus aufgetreten. Im Gespräch mit Florian Balke, Redakteur dieser Zeitung, hatte er einen ganzen Abend für sich und seine Leser allein. Und er nutzte ihn, um dem Publikum im ausverkauften Großen Saal des Literaturhauses die Arbeit an seinem Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" zu erläutern. Detailliert entwickelten sich die Gesprächsrunden zwischen den Lesepassagen. Der "unauffällige Neuling", als den Hausherr Hauke Hückstädt zuvor die neue Tonanlage des Literaturhauses vorgestellt hatte, erhöhte die akustische Qualität.

Ruge empfahl sich zunächst als Tiefstapler. "Ein ganz normales Buch" nannte er seinen ersten Roman, den er mit 57 Jahren bei Rowohlt veröffentlicht hat und der mittlerweile in 250 000 gedruckten Exemplaren vorliegt. Es sei ihm weniger um die Kunst gegangen als um das, was e erzähle: die Geschichte einer Familie über vier Generationen in der DDR und der Nachwendezeit, zwischen 1952 und 2001. Auf eine Sprache, die sich zurücknehme, habe er ebenso großen Wert gelegt wie auf eine Konstruktion, die man nicht bemerke. Acht Minuten gönnte Ruge den kommunistischen Großeltern Wilhelm und Charlotte für ihre Rückreisevorbereitungen aus dem mexikanischen Exil in die DDR. Die Perspektive des Enkels Alexander dagegen erweiterte er auf 25 Leseminuten: Es ist in Teilen seine eigene, denn auch der 1954 östlich des Urals geborene Ruge kam als Kind mit seinen Eltern zurück in die DDR.

Man könne es halten wie Jeffrey Eugenides, der vor kurzem erklärte, anstelle autobiographischer Texte, in die sich ohnehin stets Erfindungen einschlichen, sei es für Schriftsteller ehrlicher, gleich Romane zu schreiben. Dem stimme er zu. "Man muss die Wahrheit erfinden." Nur wollte er "kindgemäße Antworten" nicht als Lügen verstanden wissen: Peu à peu habe ihm sein Vater, den er in der Figur des Kurt nachgezeichnet hat, von seiner sowjetischen Lagerhaft erzählt. Sein Roman setze in dem Jahr ein, in dem der Lagerbericht seines Vaters ende. Unter dem Titel "Gelobtes Land - Meine Jahre in Stalins Sowjetunion" wird er ihn im Januar bei Rowohlt neu herausgeben. Anderes aber, etwa den 90. Geburtstag des Großvaters, der im Roman eine bedeutende Rolle spielt, hat er komplett erfunden.

Und die mexikanische Rahmengeschichte? Sieben Minuten gehörten zuletzt Alexander, der nach einer Krebsdiagnose spontan nach Mexiko, in die rückwärtsgewandte Utopie der Großmutter, aufbricht und sich dort einen Hut kauft, um damit gegen seine ihm anerzogenen Prinzipien, ja gegen sein ganzes Leben zu verstoßen. In Zeiten abnehmender Utopien braucht sich hier niemand mehr zu opfern wie einst die Azteken, damit die blendende Sonne wiederkehrt, der sich die Großeltern zugewandt hatten.

CLAUDIA SCHÜLKE

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Besprechung von 04.11.2011
Die Johannisnacht
Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten, das wusste schon Goethe. Eugen Ruge fasziniert diese Dualität. Sein Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ erzählt die eigene Familiengeschichte und die der untergehenden DDR.
Von Lothar Müller
Im Sozialismus leuchtete die Zukunft. Denn das Licht war mit dem Fortschritt verbunden. „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit. Brüder zum Lichte empor“, sang die deutsche Arbeiterbewegung, und die russischen Futuristen riefen in ihren Bühnenspektakeln gar den Sieg über die Sonne aus. Der Roman, in dem Arthur Koestler 1940 mit dem Stalinismus abrechnete, hieß im englischen Original „Darkness at Noon“ und auf Deutsch: „Sonnenfinsternis“.
In einem der vielen Interviews, die Eugen Ruge zu absolvieren hatte, nachdem er mit seinem Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ den Deutschen Buchpreis 2011 gewonnen hatte, wurde er gefragt, was das für ein Licht sei, das im Titel des Romans abnimmt. Nun, sagte er, es ist die Geschichte vom Verlöschen einer Ordnung, eines Landes, einer Idee. Dann aber fügte er hinzu: „Eigentlich aber ist die Zeit des abnehmenden Lichts jene Zeit im Jahr, an dem die Tage wieder kürzer werden, nach der Johannisnacht. Ich bin selbst am 24. Juni geboren, genau in der Johannisnacht. Die Tatsache, dass nach meinem Geburtstag die Tage kürzer werden, dass das Licht abnimmt, das hat mich immer beschäftigt.“
Jede Johannisnacht wandert über den Globus. Und überall ist ihr Licht anders. Man dar vermuten, dass nicht nur der Zeitpunkt, sondern auch der Ort seiner Geburt Eugen Ruge immer beschäftigt hat: Sosswa am nördlichen Ural, 24. Juni 1954. Dort waren seine Eltern interniert. Der Vater, Wolfgang Ruge, war als Jugendlicher, noch keine 16 Jahre alt, mit seiner kommunistischen Familie 1933 aus dem nationalsozialistischen Deutschland in die Sowjetunion geflohen, hatte in Moskau Geschichte studiert und war mit seiner russischen Frau interniert worden, nachdem Deutschland im Sommer 1941 die Sowjetunion überfallen hatte.
Drei Jahre lang hat Eugen Ruge an seinem Roman geschrieben, 2009 hat er mit einem Auszug aus dem Manuskript den Alfred-Döblin-Preis gewonnen. Ein bekannter Schriftsteller war er da noch nicht, es war sein erster Roman. Bekannter war sein Vater, der 1956 nach Deutschland zurückgekehrt und ein renommierter Historiker in der DDR geworden war und 2006 gestorben ist. Dieser schrieb vor allem über seine Kindheitswelt, die Politik in der Weimarer Republik.  
Der Sohn, Eugen Ruge, hat Mathematik an der Humboldt-Universität zu Berlin studiert und kam danach ans geophysikalische Institut in Potsdam. Dort wurden Modelle für die Vorhersage von Erdbeben entwickelt, aber auch Risikoanalysen für geplante Kernkraftwerke. Mathematisch-statistische Unbedenklichkeitsbescheinigungen mochte Eugen Ruge nicht ausstellen. Als er 1986 das Institut verließ, war dies der erste Schritt zur Autorschaft. Er arbeitete unter anderem für die Defa-Dokumentarfilmstudios, ehe er 1988 die DDR verließ und fortan in der Bundesrepublik Theatertexte und Hörspiele schrieb, Dramen von Tschechow übersetzte. Zwanzig Jahre nach dem Ende der DDR ist er in seinem Roman in das Land, in dem er aufwuchs und erwachsen wurde, zurückgekehrt.  
Es ist der „Roman einer Familie“, aber seine Form ist nicht gemächlich-genealogisch. Er wandert über den Globus wie die Johannisnacht, über Mexiko, Moskau, Ostberlin und fünf Jahrzehnte hinweg, sieht seine Figuren aus der Distanz, holt sie nahe heran, spart die Komik des Zerfalls nicht aus. Wenn er schildert, wie am 1. Oktober 1989 der 90. Geburtstag des stalinistisch gestählten kommunistischen Großvaters gefeiert wird, während gleichzeitig der Enkel in den Westen geht, wird klar, dass hier jede Erdbebenprognose zu spät kommt.  
Ein Roman einer Familie, erzählt aus der Distanz ebenso wie aus der Nähe: nicht gemütlich, eher tragisch komisch.
Sonnenfinsternis in Berlin: In Eugen Ruges Erstlingswerk „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ geht es um das Verlöschen einer Ordnung. Fotos: P. Meißner, AFP
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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Zwecklos, das ganze Personal hier aufzufächern, wie Angelika Overath es versucht. Eugen Ruge lässt einfach zu viele Figuren auftreten und wiederkehren, als dass es in eine Besprechung zu fassen wäre. Dass Ruges mehrere Generationen umfassende Familiensaga aus dem kommunistischen Deutschland eine eindrückliche Leseerfahrung ist, macht uns Overath vor allem klar, indem sie auf Ruges dramaturgisches Talent verweist, die Fähigkeit, Tempo, Schnitt und Pointe, Figuren und sichere Dialoge souverän zu handhaben, um dieses "Großprojekt" in den Griff zu kriegen. Am Ende, wenn Patriarchen und Systeme dahingegangen sind, hat Overath nicht nur eine spannende Chronik der Wende gelesen, sondern auch einen melancholischen Text über Vergänglichkeit, der jegliche Ideologie relativiert.

© Perlentaucher Medien GmbH
"Ein pulsierendes, vibrierendes, aufregend lebendiges Werk von enormer gestalterischer Phantasie, außergewöhnlich mitfühlend und vor allem von scharfem und erhellendem Witz ... Es zeigt uns, dass aus den Trümmern des Ostblocks etwas erwachsen ist, das die Kraft hat zu überdauern: die Kunst dieses Buchs, das die Mauer eingerissen hat zwischen dem russischen Epos und dem großen amerikanischen Roman." (The New York Times)

"Die Bögen wie von Thomas Mann, aber sehr viel komischer." (Sunday Telegraph, London)

"Ein großes Buch." (Le Figaro, Paris)

"So gut, so komisch, so zupackend, so grausam wirklichkeitsnah ist Ruges politisch-unpolitischer, herzzerreißender Realismus, der Thomas Mann mit den Simpsons kurzschließt unter dem Zähnknirschen ganzer Generationen. Seine Aufrichtigkeit ist trügerisch sanft, noch das lauteste Gelächter ist durchdrungen von stiller Trauer - ein sehr lustiges, sehr ernsthaftes und außergewöhnliches Debüt." (Irish Times, Dublin)

"Ein einzigartiger und beschwörender Roman." (Boston Globe)

"Unprätentiös, präzise und glaubhaft, mit einem unverwechselbar subtilen Humor." (El País, Madrid)

"Eine grandiose Familienchronik." (De Morgen, Brüssel)

"Überragend." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
"Ein einzigartiger und beschwörender Roman." -- Boston Globe

"Eine grandiose Familienchronik." -- De Morgen, Brüssel

"Unprätentiös, präzise und glaubhaft, mit einem unverwechselbar subtilen Humor." -- El País, Madrid

"Ein pulsierendes, vibrierendes, aufregend lebendiges Werk von enormer gestalterischer Phantasie, außergewöhnlich mitfühlend und vor allem von scharfem und erhellendem Witz ? Es zeigt uns, dass aus den Trümmern des Ostblocks etwas erwachsen ist, das die Kraft hat zu überdauern: die Kunst dieses Buchs, das die Mauer eingerissen hat zwischen dem russischen Epos und dem großen amerikanischen Roman." -- The New York Times

"So gut, so komisch, so zupackend, so grausam wirklichkeitsnah ist Ruges politisch-unpolitischer, herzzerreißender Realismus, der Thomas Mann mit den Simpsons kurzschließt unter dem Zähnknirschen ganzer Generationen. Seine Aufrichtigkeit ist trügerisch sanft, noch das lauteste Gelächter ist durchdrungen von stiller Trauer - ein sehr lustiges, sehr ernsthaftes und außergewöhnliches Debüt." -- Irish Times, Dublin

"Ein großes Buch." -- Le Figaro, Paris

"Die Bögen wie von Thomas Mann, aber sehr viel komischer." -- Sunday Telegraph, London

"Überragend." -- Frankfurter Allgemeine Zeitung