In Zeiten des abnehmenden Lichts - Ruge, Eugen

In Zeiten des abnehmenden Lichts

Roman einer Familie. Ausgezeichnet mit dem Aspekte-Literatur-Preis 2011 u. dem Deutschen Buchpreis 2011

Eugen Ruge 

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In Zeiten des abnehmenden Lichts

Von den Jahren des Exils bis ins Wendejahr 89 und darüber hinaus reicht diese wechselvolle Geschichte einer deutschen Familie. Sie führt von Mexiko über Sibirien bis in die neu gegründete DDR, führt über die Gipfel und durch die Abgründe des 20. Jahrhunderts. So entsteht ein weites Panorama, ein großer Deutschlandroman, der, ungeheuer menschlich und komisch, Geschichte als Familiengeschichte erlebbar macht.

"Günter Grass ging beim gespannten Zuhören die Pfeife aus." - Frankfurter Allgemeine Zeitung


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 425 S.
  • Seitenzahl: 432
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 139mm x 36mm
  • Gewicht: 536g
  • ISBN-13: 9783498057862
  • ISBN-10: 3498057863
  • Best.Nr.: 33428446
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.11.2011

Die Wahrheit erfinden
Nach dem Gewinn des Deutschen Buchpreises: Eugen Ruge liest im Frankfurter Literaturhaus

Er ist schon fast ein Frankfurter Gesicht. Zum fünften Mal innerhalb kurzer Zeit hat sich Eugen Ruge seinen hiesigen Lesern empfohlen. Zuerst war er im Literaturhaus bei der Lesung der Autoren dabei, die für den Deutschen Buchpreis nominiert waren, dann wurde ihm die Auszeichnung im Römer tatsächlich zugesprochen. Während der Buchmesse war er zur Eröffnung des von der Stadt veranstalteten Lesefests "Open Books" eingeladen, bei "Literatur im Römer" stellte er seinen preisgekrönten Roman ebenfalls vor. Nun ist er noch einmal im Literaturhaus aufgetreten. Im Gespräch mit Florian Balke, Redakteur dieser Zeitung, hatte er einen ganzen Abend für sich und seine Leser allein. Und er nutzte ihn, um dem Publikum im ausverkauften Großen Saal des Literaturhauses die Arbeit an seinem Roman "In Zeiten des abnehmenden Lichts" zu erläutern. Detailliert entwickelten sich die Gesprächsrunden zwischen den Lesepassagen. Der "unauffällige Neuling", als den Hausherr Hauke Hückstädt zuvor die neue Tonanlage des Literaturhauses vorgestellt hatte, …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Zwecklos, das ganze Personal hier aufzufächern, wie Angelika Overath es versucht. Eugen Ruge lässt einfach zu viele Figuren auftreten und wiederkehren, als dass es in eine Besprechung zu fassen wäre. Dass Ruges mehrere Generationen umfassende Familiensaga aus dem kommunistischen Deutschland eine eindrückliche Leseerfahrung ist, macht uns Overath vor allem klar, indem sie auf Ruges dramaturgisches Talent verweist, die Fähigkeit, Tempo, Schnitt und Pointe, Figuren und sichere Dialoge souverän zu handhaben, um dieses "Großprojekt" in den Griff zu kriegen. Am Ende, wenn Patriarchen und Systeme dahingegangen sind, hat Overath nicht nur eine spannende Chronik der Wende gelesen, sondern auch einen melancholischen Text über Vergänglichkeit, der jegliche Ideologie relativiert.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.11.2011

Die Johannisnacht
Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten, das wusste schon Goethe. Eugen Ruge fasziniert diese Dualität. Sein Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ erzählt die eigene Familiengeschichte und die der untergehenden DDR.
Von Lothar Müller
Im Sozialismus leuchtete die Zukunft. Denn das Licht war mit dem Fortschritt verbunden. „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit. Brüder zum Lichte empor“, sang die deutsche Arbeiterbewegung, und die russischen Futuristen riefen in ihren Bühnenspektakeln gar den Sieg über die Sonne aus. Der Roman, in dem Arthur Koestler 1940 mit dem Stalinismus abrechnete, hieß im englischen Original „Darkness at Noon“ und auf Deutsch: „Sonnenfinsternis“.
In einem der vielen Interviews, die Eugen Ruge zu absolvieren hatte, nachdem er mit seinem Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ den Deutschen Buchpreis 2011 gewonnen hatte, wurde er gefragt, was das für ein Licht sei, das im Titel des Romans abnimmt. Nun, sagte er, es ist die Geschichte vom Verlöschen einer Ordnung, eines Landes, einer Idee. Dann aber fügte er hinzu: „Eigentlich aber ist die Zeit des abnehmenden Lichts jene Zeit im Jahr, an dem …

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Ein pulsierendes, vibrierendes, aufregend lebendiges Werk von enormer gestalterischer Phantasie, außergewöhnlich mitfühlend und vor allem von scharfem und erhellendem Witz. Es zeigt uns, dass aus den Trümmern des Ostblocks etwas erwachsen ist, das die Kraft hat zu überdauern: die Kunst dieses Buchs, das die Mauer eingerissen hat zwischen dem russischen Epos und dem großen amerikanischen Roman The New York Times

"Ein einzigartiger und beschwörender Roman." -- Boston Globe

"Eine grandiose Familienchronik." -- De Morgen, Brüssel

"Unprätentiös, präzise und glaubhaft, mit einem unverwechselbar subtilen Humor." -- El País, Madrid

"Ein pulsierendes, vibrierendes, aufregend lebendiges Werk von enormer gestalterischer Phantasie, außergewöhnlich mitfühlend und vor allem von scharfem und erhellendem Witz ? Es zeigt uns, dass aus den Trümmern des Ostblocks etwas erwachsen ist, das die Kraft hat zu überdauern: die Kunst dieses Buchs, das die Mauer eingerissen hat zwischen dem russischen Epos und dem großen amerikanischen Roman." -- The New York Times

"So gut, so komisch, so zupackend, so grausam wirklichkeitsnah ist Ruges politisch-unpolitischer, herzzerreißender Realismus, der Thomas Mann mit den Simpsons kurzschließt unter dem Zähnknirschen ganzer Generationen. Seine Aufrichtigkeit ist trügerisch sanft, noch das lauteste Gelächter ist durchdrungen von stiller Trauer - ein sehr lustiges, sehr ernsthaftes und außergewöhnliches Debüt." -- Irish Times, Dublin

"Ein großes Buch." -- Le Figaro, Paris

"Die Bögen wie von Thomas Mann, aber sehr viel komischer." -- Sunday Telegraph, London

"Überragend." -- Frankfurter Allgemeine Zeitung

?Ein pulsierendes, vibrierendes, aufregend lebendiges Werk von enormer gestalterischer Phantasie, außergewöhnlich mitfühlend und vor allem von scharfem und erhellendem Witz ? Es zeigt uns, dass aus den Trümmern des Ostblocks etwas erwachsen ist, das die Kraft hat zu überdauern: die Kunst dieses Buchs, das die Mauer eingerissen hat zwischen dem russischen Epos und dem großen amerikanischen Roman The New York Times

Romanleser sind die besseren Menschen

Es sind nicht nur die Blockbuster, sondern auch die stilleren Bücher, über die man in diesem Herbst sprechen wird: Zehn literarische Gründe, sich schon jetzt auf die neuen Titel zu freuen.

Lesen verdirbt die Augen - und den Charakter. Bei Nichtlesern stehen Vielleser gern im Ruf, weltfremde Tagträumer zu sein, die in anderen Sphären schweben und im Leben darum nichts geregelt kriegen. Doch jetzt ist es endlich amtlich: Wer liest, hat nicht nur mehr vom Leben, sondern ist für dessen Zumutungen auch besser gewappnet. Der Psychologe Keith Oatley von der Universität Toronto hat in einer Studie mit Viellesern und Nichtlesern herausgefunden, dass Menschen, die regelmäßig Romane oder andere Werke der Fiktion lesen, kommunikativer und überdies erfreulich geübt darin sind, sich in andere hineinzuversetzen. Allerdings - und das hat der Professor möglicherweise nicht bedacht - bekräftigt seine Studie über die sozialisierende Wirkung der Fiktion auch die alte Kluft zwischen Männern und Frauen. Denn bekanntlich sind es vor allem Frauen, die Romane lesen, während Männer sich lieber an Sachbuch-Tatsachen halten. Also sind sie auch deutlich besser darin, sich in Männer hineinzuversetzen als umgekehrt.

Insofern (und obwohl uns noch keine vergleichbare Studie über die sozialisierende Wirkung des Schriftstellertums auf die Autoren überliefert ist) überrascht es nicht, dass einer der wundersamsten Romane der kommenden Saison von einer Frau stammt und von einem Mann handelt. Sibylle Lewitscharoff entwirft in "Blumenberg" (erscheint am 10. September bei Suhrkamp) ein Bild des Philosophen auf der Höhe seines Ruhms. Und prompt erfahren die Wirklichkeiten, in denen wir lesen, eine Verdopplung: "Augen auf. Der Löwe war da." Es ist ein altmeisterlicher, etwas mitgenommen aussehender Löwe, der Hans Blumenberg erscheint und sich nicht nur wie bei Hieronymus in seinem Studierzimmer, sondern auch bei seinen Vorlesung im Hörsaal der Universität von Münster oder auf der Rückbank seines Autos breitmacht. Als geräuschloser, doch geruchsintensiver Begleiter ist er fortan zur Stelle und überträgt seine Aura auf den Denker. Für Blumenberg wie für den Leser wird der Löwe so zur "Traumgeburt von unbedingter Präsenz". Wie Lewitscharoff daraus einen Roman macht, der scheinbar disparate Teile zu einer unmittelbar einleuchtenden, eigensinnigen und beglückenden Einheit führt, Witz, Zartheit und Tragik in sich vereint und dazu das eigene erzählerische Handwerk lässig reflektiert, das zeigt die imponierende Pranke dieser Autorin.

Judith Schalansky hat derweil die Giraffe zum Wappentier ihrer Protagonistin, einer Biologielehrerin, erkoren. "Bildungsroman" hat die 1980 geborene Autorin ihr Buch "Der Hals der Giraffe" (10. September, Suhrkamp) untertitelt und ihm einen leinenen Einband verpasst. Von Verstaubtheit keine Spur: Inge Lohmark bringt den letzten noch vorhandenen Schülern in Vorpommern, einem Landstrich, den die Natur sich allmählich von den Menschen zurückerobert, die Gesetze der natürlichen Auslese bei: Wer sich nicht anpasst, bleibt auf der Strecke. Darum züchtet ihr Mann, der vor der Wende erfolgreich Kühe besamt hat, jetzt Strauße, darum ist ihre Tochter vor Jahren nach Amerika gegangen, und darum macht das Gymnasium in der Kleinstadt demnächst zu. Außerhalb des Klassenzimmers muss Inge Lohmark dann allerdings feststellen, dass sich die Gesetze der Natur auch gegen den wenden können, der sie am besten zu verstehen glaubt. Mit diesem beeindruckenden Roman stellt sich Judith Schalansky, die 2009 bereits mit ihrem "Atlas der abgelegenen Inseln" für Furore sorgte, an die Spitze der literarischen Evolution.

Zuvor aber steht die wohl mit der größten Spannung erwartete Neuerscheinung an: der neue Roman von Charlotte Roche. "Schoßgebete" (10. August, Piper) handelt von Verlust, Schuldgefühlen und dem Versuch einer sehr verletzten und sehr wütenden jungen Frau, nach einer Unfallkatastrophe wieder Kontrolle über ihr Leben zu erlangen - als Tochter, Frau und Mutter. Es ist eine ehrliche, differenzierte und packende Auseinandersetzung mit der Frage, was eine gute Ehe ausmacht, ob der Mensch in seinen Ängsten und Neurosen therapierbar ist und über die Zumutungen von Patchworkfamilien. "Schoßgebete" wird jene, die den Bestseller "Feuchtgebiete" als Schocker ablehnten, positiv überraschen und die Fans des früheren Buches nicht enttäuschen.

Bemerkenswert viele deutsche Romane dieses Herbstes blicken zurück auf die Geschichte, und viele tun dies aus der Perspektive der Provinz. 1982, just zur Zeit von Blumenbergs Löwen-Wunder, setzt das ehrgeizigste Debüt der neuen Saison ein: Jan Brandts "Gegen die Welt" (24. August, DuMont). Mehr als ein Jahrzehnt hat der 1974 geborene Autor an dem fast tausendseitigen Werk gearbeitet. Die Mühe war nicht umsonst: "Gegen die Welt" erzählt von einer westdeutschen Kindheit in Ostfriesland und von einer Jugendfreundschaft, die auf die Probe gestellt wird. Und weil Brandt für die zunächst abenteuerliche, dann immer ernstere Dorfgeschichte um den Drogeristensohn Daniel einen überzeugenden eigenen Ton gefunden hat, weitet sich der Roman vom Porträt einer bedrohlich engen Gemeinschaft zur Momentaufnahme des ganzen Landes.

Überragend und in seiner erzählerischen Ausgereiftheit als Debüt gar nicht zu erkennen ist "In Zeiten des abnehmenden Lichts" von Eugen Ruge (1. September, Rowohlt). Über drei Generationen hinweg verfolgt der Roman des Döblin-Preisträgers die Familiengeschichte der Powileits. Die junge DDR ist die Wahlheimat der Großeltern, die aus dem mexikanischen Exil kommen, und auch ihr Sohn, der zunächst nach Moskau geht und in ein sibirisches Arbeitslager gerät, hält noch an der politischen Utopie fest. Der Enkel aber hält es in der Kleinbürgerwelt der Eltern und Großeltern nicht mehr aus - doch der Frage, was eine Familie nach enttäuschtem Kommunismus, enttäuschter Liebe und Krankheit noch zusammenhält, entkommt er auch mit der Flucht in den Westen nicht. "In Zeiten des abnehmenden Lichts" gewährt eine faszinierende Innenansicht der DDR, stiller, intimer und sprachlich zurückhaltender als Uwe Tellkamp in seinem "Turm", aber nicht minder eindrucksvoll.

Der Österreicher Thomas Glavinic ist immer gut für Überraschungen. "Unterwegs im Namen des Herrn" (29. August, Hanser) ist die aberwitzige und bitterböse Reportage einer Pilgerfahrt ins bosnische Medjugorje. Schon die lange Busfahrt gerät für Glavinic und seinen Freund, den Fotografen Ingo, zur Leidensgeschichte, doch die organisierte Abzocke von Pilgertouristen, die sie am Ziel erwartet, erschüttert sie noch mehr als die skurrilen Mitreisenden. Als auch erhöhter Alkoholkonsum keine Erleuchtung bringt, brechen sie die unheilige Reise kurzentschlossen ab, nur um festzustellen, dass der Weg in den Luftraum Wiens einmal durch die Unterwelt führt. Glavinic, in großartiger "Das bin doch ich"-Bestform, schafft es, nicht etwa die Gläubigen, sondern vor allem sich selbst ad absurdum zu führen.

Die schönste Liebesgeschichte des Herbstes erzählt Michael Kumpfmüller in "Die Herrlichkeit des Lebens" (18. August, Kiepenheuer & Witsch). Sie beginnt im Juli 1923 am Ostseestrand und endet nur elf Monate später nahe Wien mit dem Tuberkulosetod des Mannes, aber dazwischen kommen uns Franz Kafka und die Köchin Dora Diamant ganz nah. Kumpfmüller erzählt von dieser Liebesbeziehung, der wohl glücklichsten und sicher befreitesten in Kafkas Leben, mit stiller Zartheit und Innigkeit und ohne einen falschen Ton. Die vermeintlich ungleichen Liebenden zeigt Kumpfmüller in ihrem jeweils eigenen, verwunderten und beglückten Blick auf den anderen als paritätisch.

Zwei widerwillige Juden und ein Goi, der nach einer antisemitisch motivierten Verbalattacke rasend gern einer von ihnen wäre, stehen im Mittelpunkt von "Die Finkler-Frage" (12. September, Deutsche Verlags-Anstalt), dem Bookerpreisgekürten Roman des hierzulande noch fast unbekannten Briten Howard Jacobson. Der Nichtjude, Nichtredakteur, Nichtfrauenheld und ewige Möchtegern Julian Treslove ist seit Schultagen befreundet mit Sam Finkler, der ihn indes als Autor beruflich und als Gründer der israelkritischen Initiative "ASHamed Jews" auch sozial dauernd in den Schatten stellt. Vervollständigt wird das Kleeblatt von Libor Sevcik, ihrer beider Lehrer. Dass die Freunde nicht nur, wie widerstrebend auch immer, Juden sind, sondern überdies kürzlich verwitwet, verschlimmert nur Julians Neid und Weltschmerz: Schließlich ist er geboren für die Rolle des Tragöden. Oszillierend zwischen Komik und Trauer, Selbstironie und Selbstoffenbarung und voller Sprachwitz, beweist Jacobson, dass sich Komik und Größe literarisch keineswegs ausschließen.

Ebenfalls bitterwitzig und extrem klug ist "Zu guter Letzt" (29. September, Piper), der fünfte und finale Band des englischen Meisterstilisten Edward St. Aubyn über sein Alter Ego Patrick Melrose, der von Geburt an zur Lebenskrise berufen ist. Man muss die Vorgänger - "Schöne Verhältnisse", "Schlechte Neuigkeiten", "Nette Aussichten" und "Muttermilch" - nicht gelesen haben, um die Ungeduld, mit der Patrick den Tod seiner Mutter Eleanor herbeigesehnt hat, zu verstehen. Aber als Eleanor ihren Sohn dann tatsächlich zum Waisen macht, ist die Erleichterung nicht so groß wie gedacht. Dafür ist die Schilderung ihrer Beerdigung und des Zehenspitzentanzes der Trauergemeinde um heikle Themen der Vergangenheit der Höhepunkt der Melrose-Saga, gespickt mit Metaphern für die Ewigkeit.

Und schließlich nimmt es sogar eine unbedingt zu erlesende Kostbarkeit noch mit Blumenbergs Löwen auf: "Der Hase mit den Bernsteinaugen" (29. August, Zsolnay) beschreibt die Suche des englischen Künstlers Edmund de Waal, eines Nachfahren der jüdischen Bankiersdynastie Ephrussi, nach seinen Wurzeln. Weniger ein Erinnerungs- denn ein Einfühlungsbuch, zeigt diese Spurenlese in der Geschichte einer sehr vermögenden Familie, dass in der eigenen Bescheidenheit zu jeder Zeit die größte Eleganz liegt. Angetrieben von dem Bedürfnis, den Weg jener Sammlung von 264 Netsuke zu rekonstruieren, die ihm ein Onkel hinterlassen hat, macht es sich de Waal zur Aufgabe, mit der Geschichte der japanischen Knubbelkunstwerke die der Gefühle zu erzählen, die sie durch die Zeit begleitet haben. Denn wie Objekte weitergegeben werden, hat mit Geschichtenerzählen zu tun: "Ich gebe dir das, weil ich dich liebe. Oder weil man es mir gegeben hat. Weil ich es an einem besonderen Ort gekauft habe. Weil du darauf achtgeben wirst. Weil es dein Leben komplizieren wird." Wie alles, worauf man sich einlässt, werden die lohnenden Bücher dieses Herbstes die Leben ihrer Leser komplizieren. Und ihnen die Welt und die Menschen darin zugänglicher machen.

FELICITAS VON LOVENBERG

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
1954 in Soswa (Ural) geboren,studierte Mathematik an der Humboldt-Universität und wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentralinstitut für Physik der Erde. Er war Autor beim DEFA-Studio für Dokumentarfilm, bevor er 1988aus der DDR in den Westen ging. Seit 1989 arbeitet er hauptberuflich fürs Theater und für den Rundfunk als Autor und Übersetzer; er unterrichtete zeitweise an der Berliner UdK. 2009 wurde Eugen Ruge für sein erstes Prosamanuskript In Zeiten des abnehmenden Lichts mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet.


Kundenbewertungen zu "In Zeiten des abnehmenden Lichts" von "Eugen Ruge"

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Bewertung von leserattebremen aus Berlin am 25.06.2013   ausgezeichnet
Drei Generationen im 20. Jahrhundert: Während Charlotte und Wilhelm nach dem zweiten Weltkrieg nach Mexiko fliehen und von dort auf eine Möglichkeit warten, in der neu gegründeten DDR die Zukunft mitzubestimmen, lebt ihr Sohn Kurt in Verbannung hinter dem Ural in der Sowjetunion und heiratet die Russin Irina. Später kehren alle zurück nach Deutschland, in die DDR und versuchen dort Fuß zu fassen. Kurts Sohn Alexander wächst bereits in der DDR auf und muss versuchen, sich in die Realität einzufügen. Drei Generationen - und drei Sichtweisen auf ein politisches System im Verfall.
Eugen Ruge ist ein generationsübergreifender Familienroman gelungen, der sich besonders durch das anachronische Erzählen der Ereignisse auszeichnet, die alle im wieder zu einem Punkt zurückkehren, dem 90. Geburtstag von Wilhelm. Dadurch gelingt es Eugen Ruge besondere Verbindungslinien in den Perspektiven der Figuren und ihren Beziehungen aufzuzeigen, ohne sie Wort für Wort formulieren zu müssen. Die Charaktere entbehren nicht einer gewissen traurigen Komik, wie sie an einem am Boden liegenden System festhalten oder sich an den anderen Familienmitgliedern reiben. Jeder scheint sich in der Realität seine eigene Welt gebaut zu haben, die nur stückweise in das wirkliche Leben passt.
Der Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ wurde von der ZEIT-Redakteurin Iris Radisch als „Der große DDR-Buddenbrooks-Roman“ bezeichnet. Diese Beschreibung passt nicht nur großartig wegen der groß angelegten generationenübergreifenden Erzählung, sondern besonders wegen des Untertitels, den Thomas Mann seinem Werk gab. Bei ihm heißt es „Verfall einer Familie“ und beschreibt den Untergang einer Kaufmannsfamilie, die sich selbst in den Abgrund stürzt und einem Wandel der Zeit nicht gewachsen scheint. Auch bei der Familie Umnitzer scheint ein Verfall der Familie zusammen mit dem Verfall des politischen Systems der DDR stattzufinden, alle sind gezeichnet von Alter, Alkoholismus, Krankheit und enttäuschten Träumen.
Einen Hoffnungsschimmer lässt Eugen Ruge seinen Lesern dennoch, indem der letzte existierende Nachkomme der Familie, Markus, in dem Buch nur als Kind kurz Erwähnung findet. Wie sein Weg in der deutschen Einheit aussieht, bleibt letztlich dem Leser überlassen. So bleibt der Verfall der Familie doch nicht so abgeschlossen, wie es auf den ersten Blick scheint, während der Verfall des politischen Systems mit der Einheit seinen Abschluss gefunden hat. Eugen Ruge ist mit „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ ein großartiger und stark autobiographisch fundierter Familienroman vor politischer Kulisse gelungen, der 2011 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde.

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Bewertung von Borux aus München am 02.03.2013   sehr gut
Vergänglichkeit war noch nie ein vergnügliches Thema

Es ist erfreulich, dass immer wieder neue Autoren mit ihren Debütromanen renommierte Literaturpreise erringen, auf Anhieb also gleich in den Olymp der Literatur aufsteigen. So auch Eugen Ruge, der 2011 mit seinem Erstling eine Familien-Saga ablieferte, die jenen deutschen Staat widerspiegelt, der den real existierenden Sozialismus zu höchster Blüte getrieben hat, nach eigenem Verständnis jedenfalls. Als „gelernter Ossi“ hat der Autor manch Autobiografisches in seinem Roman verarbeitet, die Befindlichkeiten seiner Protagonisten, die vier Generationen repräsentieren, sind jedenfalls stimmig dargestellt in seiner kunstvoll aufgebauten Geschichte. Die mit ihren diversen Kapiteln und einer Geburtstagsfeier im Zentrum übrigens ans Theater erinnert, - wen wundert’s!

«Ich hab eigentlich genug Blech im Karton» oder «Bring das Gemüse zum Friedhof» lässt Ruge den senilen Patriarchen der Familie, Altkommunist und Betonkopf zugleich, bei seiner Geburtstagsfeier immer wieder sagen, wenn ihm wertloses Ordensblech und heuchlerische Blumen überreicht werden. Wir lesen von all den Unzulänglichkeiten des täglichen Lebens, da wird überzähliger Kaviar gegen fehlende Dachfenster getauscht, die Suche nach einer akzeptablen Gaststätte gerät zur Odyssee in klirrender Kälte und endet in einer Imbissbude. Mit subtiler Ironie wird das Alltagsleben in jenem dem Untergang geweihten deutschen Staate geschildert, dessen Ideologie keinesfalls absurder war als die des Turbokapitalismus, wie wir ihn heute im wiedervereinigten Deutschland zelebrieren.

Eugen Ruges DDR-Saga ist übrigens weder mit den Buddenbrooks noch mit Tellkamps «Der Turm» vergleichbar, wie verschiedentlich behauptet. Hier geht es um die Lebenswelt einer zunächst weitgehend systemkonformen Familie, bei Tellkamp um eine eher oppositionell eingestellte systemferne Bourgeoisie. Und bei Thomas Mann ist die Familie kein Vehikel, mit dem eine Staatsordnung vorgeführt wird, sondern alleiniges Thema, bei ihm geht die stolze Familie unter, nicht der Staat.

In den nicht chronologisch angeordneten zwanzig Kapiteln wird alternierend jeweils aus Sicht eines der Protagonisten erzählt, oft in Form innerer Monologe und als kleine, in sich abgeschlossene Geschichten. Mit Abstand die Beste war für mich das liebeswerte Kapitel über die geradezu archaisch wirkende russische Großmutter, für die «schon jedes Haus aus Stein eine Kirche war». Diese aufgefächerte Erzähltechnik sorgt einerseits für Spannung, erfordert andererseits aber auch viel Aufmerksamkeit, denn alle diese Mosaiksteine formen sich erst im Kopfe des Lesers zu einem kompletten Panorama, er muss also aufmerksam sein und mitdenken. Macht er sich diese Mühe, wird er mit einem großartigen Gesellschaftsbild einer vergangenen geschichtlichen Epoche bestens unterhalten. Ihm wird außerdem je nach Herkunft - als „Wessi“ aber ganz bestimmt - der Horizont erweitert, und zwar auch ideologisch. Dass man nicht gerade in Hochstimmung gerät bei Ruges melancholischem Text, das liegt in der Natur der Sache, in Zeiten des abnehmenden Lichts also, im Herbst des Lebens, denn die Vergänglichkeit war noch nie ein vergnügliches Thema.

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Bewertung von Maroline T. aus Jülich am 02.02.2013   sehr gut
Lang grübelt man, was genau mit dem Titel gemeint ist. Ist es eine Metapher? Ist es eine positiv besetze Redewendung? Oder negativ? Oder beinhaltet sie beide Seiten? Steht sie symbolisch für den langsamen Untergang der DDR?
Steht sie nur für die DDR? Oder steht sie auch stellvertretend für das Schicksal der dargebotenen Familie, die der Leser über viele Jahrzehnte in Rückblicken begleitet?
Wer bisher wenig Erfahrung gesammelt hat mit der jüngsten Geschichte Deutschlands, hat es nicht leicht mit diesem Roman. Denn er setzt doch einen bildungsbürgerlich und historisch-politisch gut geschulten Leser voraus, der zudem bereit ist, sich die vielen Verflechtungen der Familiengeschichte gefallen zu lassen, die zudem äußerst verschachtelt und erschwerend durch ständige Zeitsprünge dargeboten wird. Man muss sich sehr viele Namen - davon auch einige Russische, die zum Teil deutsch und zum Teil russisch geschrieben werden, merken, man muss springen können zwischen den Kontinenten und politischen Regimes. Und man muss bereit sein, sich konfrontieren zu lassen mit harten Schicksalen, die teilweise kaum zu ertragen scheinen.
Und doch kommt es auch immer wieder zu Berührungspunkten, die sich nicht als Geschichte wegschieben lassen, sondern die jeder von uns ebenso erleben könnte.
Familien, die sich nicht verstehen, die Schwiegertochter, die abgelehnt wird. Die Mutter, die zum ewig grantelnden Untermieter wird ...
Man erlebt die Tragödie einer Familie mit und die Tragödie eines Land, beides in Romanform dargeboten, aber eben nicht nur Fiktion.
Der Vergleich mit "Buddenbrooks" wirkt zu bemüht, aber es wird tatsächlich eine große Familienchronik dargeboten, die durchaus auch verfilmt werden könnte und durchaus auch in Schulen gelesen werden dürfte.
Von der ersten bis zur letzten Seite packend, wenn auch immer anstrengend. Der Enkel geht vor der Wende in den Westen. Mit ihm wird in die Handlung eingeführt. Er hat eine tragische Diagnose seiner Ärzte erhalten, die ihn aufbrechen lässt zu den Wurzeln seiner Familie, nach Mexiko. Ob ihm dies Läuterung und inneren Friede schenken wird, muss jeder Leser selbst nachvollziehen.

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Bewertung von Lene aus Chemnitz am 14.01.2013   ausgezeichnet
Diese Geschichte über mehrere Generationen lässt sich leicht lesen und wird von sechs verschiedenen Menschen erzählt. Besonders interessant finde ich, dass einige Szenen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet wird.
Für mich fehlt leider ein eindeutiger Schluss.

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Bewertung von Karthause am 27.07.2012   sehr gut
Mit "In Zeiten des abnehmenden Lichts" erzählt Eugen Ruge eine sich an den Geschehnissen in seiner eigenen Familie orientierte Familiengeschichte in zwanzig Kapitel. Dabei geht er nicht chronologisch vor, sondern berichtet episodenhaft, sich in der Geschichte hin und her bewegend. Trotz größerer Zeitsprünge war es nicht problematisch sich zu orientieren, über welche Mitglieder der vier Generationen umfassende Familie berichtet wird. Dank der mit den Jahreszahlen überschriebenen Kapitel konnte man sich als Leser die Zeitfolge problemlos selbst erlesen. Dreh- und Angelpunkt der Handlung bilden der 1. Oktober 1989 und das Jahr 2001. Zu diesen Daten kehrt Ruge immer wieder zurück, um die Ereignisse an Wilhelm Powileits 90. Geburtstag (1989) und Alexanders Mexiko-Reise (2001) aus verschieden Blickwinkeln zu betrachten.
Mehrfach spiegelt sich der Titel im Roman wieder. Viele der Episoden sind im Herbst angesiedelt. Der Kommunismus, der von Charlotte und Wilhelm als höchstes Ziel angesehen wird, verliert von Generation zu Generation an Bedeutung, bis er für Alexanders Sohn, der in seiner eigenen Computerwelt lebt, nicht mehr existent ist. Auch die Gesundheit der Protagonisten ist ähnlich einer herunterbrennenden Kerze. Alexander ist an Krebs erkrankt, sein Vater Kurt hat die Demenz fest im Griff. Irina war Alkoholikerin und Wilhelm und Charlotte - weil ich zu viel verraten würde, schweige ich dazu an dieser Stelle.
Eugen Ruge erzählt diese Geschichte über die mit der Gesellschaftsordnung untergehende Familie sehr ruhig und sachlich, aber nicht ohne Wortwitz. Dabei ließ er historische Ereignisse eher am Rande einfließen und achtete mehr auf deren Auswirkungen auf die Familie, deren Mitglieder sehr überzeugend charakterisiert wurden. Das Buch lies sich sehr flüssig lesen, die Sprache Eugen Ruges empfinde ich als ausgesprochen angenehm. Als besonders positiv möchte ich hervorheben, dass der Roman weit ab von jeglicher Ostalgie und der Verklärung alter Zeiten geschrieben wurde. Damit hebt er sich wohltuend von anderen ähnlich gelagerten Romanen ab. Eugen Ruge ist mit "In Zeiten des abnehmenden Lichts" ein wirklich großer Familienroman gelungen, dem ich noch viele interessierte und begeisterte Leser wünsche.

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Bewertung von Dexter aus Dresden am 13.11.2011   ausgezeichnet
Ein großartiges Buch voller bitterer Wahrheit und Ironie, zugleich voller menschlichen Mitgefühls. Beeindruckend die tiefe Kenntnis der Verhältnisse, typischen Empfindungen und Gefühle in der DDR, dabei frei von Klischees. Die Botschaft kommt durch die Handlungen und Ansichten der handelnden Personen und nicht durch vorbelastete Erläuterungen an. Das Buch regt zum Nachdenken an und bereitet Vergnügen.

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Bewertung von wilfried aus 61200 Wölfersheim am 26.10.2011   ausgezeichnet
Als Fan von Hörbüchern bestellte ich mir das Hörbuch. Ich bin begeistert!
Zuerst der Vorleser: Ulrich Noethen, wie ein Mensch es schafft so unterschiedliche Typen im Vorlesen so erlebbar werden zu lassen!
Die Strecken zur Arbeit sind so sehr kurzweilig, es vereinnahmt nicht und lässt mir diese Generationen vor Augen lebendig werden.
Dann natürlich Eugen Ruge, ein Erzähler der sehr menschlichen Seite unserer jüngsten Vergangenheit. Was erlebt Mensch in den Wirren der Zeit? Welche Schicksale werden aufgebürdet aus irgendwelcher Anschauung heraus und dennoch bleibt der Romanstil leicht und nah.
Für meine Tante, so denkt es beim hören, könnte manche Stelle nun doch nicht so passen. Oder ist es gerade der Umstand, dass Eugen Ruge es wagt überhaupt gar kein Blatt vor den Mund zu nehmen? Der beschriebene Mensch, jeder der umfassenden Erzählung, egal welche Pirouette das Schicksal nun auch wieder drehte, der jeweils beschriebene Mensch bleibt Mensch und behält auch in den Schrullen seine Würde. Das ist eine besondere Leistung!
Das Hörbuch gefällt mir ausgezeichnet!

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Bewertung von buchwürmchen aus reutlingen am 26.10.2011   sehr gut
Anhand vier Generationen schildert Herr Ruge die Entstehung, Entwicklung und Zerfall einer politischen Ideologie, so wunderbar in der Theorie, so unrealisierbar in der Praxis. Die ersten Protagonisten Wilhelm und Charlotte sind überzeugte Kommunisten der ersten Stunde, immer treu den Moskauer Genossen, selbst dann noch, als ihre Söhne Opfer der Stalinistischen Säuberungen werden. Sohn Werner als subversives Element verschwindet gänzlich, Kurt kehrt nach langer Lagerhaft in die DDR zurück. Er widmet sich der Geschichte, Trotz Karriere und Erfolg, kann er die Erfahrungen in der UDSSR nicht vergessen und dennoch passt er sich äußerlich der DDR Gesellschaft an. Sein Sohn Alexander hingegen ist zu Heuchelei und Kompromissen nicht bereit, erst recht nicht als ihm bewusst wird, dass er sein ganzes Leben in der kleinen, engen Welt, innerhalb der rigorosen DDR Grenze verbringen muss.
Als die künstlich hergestellte kommunistische Struktur der DDR bereits ins Wanken gerät, steuern die ersten drei Generationen auf den großen Knall zu. Opa Wilhelm übt an Gorbatschow Kritik, seiner Ansicht nach, lief alles seit Stalins Tod schief, dass dieser Schuld am Verschwinden seines Sohnes Werner ist, steht für den noch immer eingefleischten Kommunist nicht zur Debatte. Kurt sieht voller Hoffnung die Rettung in der Perestroika, sein Sohn Alexander hingegen, jeder Zuversicht beraubt, flieht in die große freie Welt.
Es gelingt Herrn Ruge mit Humor und Sensibilität, Politik und Geschichte unterhaltsam und verständlich zu vermitteln. Ein klein wenig störend empfand ich den ständigen Wechsel des Erzählers. Ich hatte Anfangs Schwierigkeiten zu erkennen, wer da gerade seine Erfahrung zum Besten gibt, erst später genoss ich die abwechslungsreiche Sichtweise. Und trotzdem oder gerade deshalb: ein absolut empfehlenswertes Buch.

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