Benutzername: atzekrobo
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Bewertungen

Insgesamt 169 Bewertungen
Bewertung vom 16.11.2017
Eine letzte Liebschaft
Yates, Richard

Eine letzte Liebschaft


ausgezeichnet

Ein lesenswertes Buch, in dem man immer mal wieder rumschmökern kann.

2001 wurde "The Collected Stories of Richard Yates" veröffentlicht. Neben den beiden Erzählungssammlungen sind dort auch neun "Uncollected Stories" zu finden. Unter dem Titel "Eine letzte Liebschaft" hat der Manesse-Verlag diese verbliebenen neun Geschichten in deutscher Übersetzung verlegt. Einige dieser Erzählungen wurden in zeitlicher Nähe zum Ende des Zweiten Weltkriegs geschrieben.
Richard Yates beschreibt in seinen klugen und lesenswerten Geschichten die mitunter mehr als komplizierten Beziehungen zwischen Menschen. Es geht um das Verhältnis zwischen Ehepartnern, Eltern und Kindern, Geschwistern und Liebhabern. Also Beziehungen, die sich allesamt in verschiedenen Qualitäten des Zerfalls befinden. Oft hat man sich schon lange nichts mehr zu sagen, oder einer von beiden Partnern hat längst aufgegeben, sich seinem Gegenüber mitzuteilen.
Yates ist ein feiner Stilist und hervorragender Dialogautor. Verzweiflung und innere Verwüstungen bekommt man bei nahezu jeder seiner Figuren zu sehen. Seine Geschichten sind im Grunde zeitlos, also unabhängig von ihrem Kontext. Der Autor zeigt sich einmal mehr als Chronist der Einsamkeit seiner Figuren, die nie durchdringen in die Tiefen ihrer Probleme, sondern immer nur vordergründige Erklärungen finden.
Gute Literatur soll zum Nachdenken anregen. Üns selbst, unser Verhältnis zum Leben und zu anderen Menschen. In dieser Hinsicht ist die Story-Sammlung von Richard Yates sehr gute Literatur. Der Autor bietet dem Leser an, über moralische Fragen nachzudenken, ohne dabei selbst moralisch zu argumentieren. Der Autor legt den erzählerischen Fokus auf das Individuum, dessen fragile Psyche und seine Einsamkeit. Ein lesenswertes Buch, in dem man immer mal wieder rumschmökern kann.

Bewertung vom 16.11.2017
Drei Meter unter Null, 5 Audio-CDs
Heib, Marina

Drei Meter unter Null, 5 Audio-CDs


ausgezeichnet

"Drei Meter unter Null" ist echtes Thriller-Highlight

Marina Heib hat schon einige Thriller geschrieben, die bei den Lesern auf wohlwollende Resonanz gestoßen sind. Nach einer mehrjährigen Pause hat die versierte Drehbuch-Autorin jetzt ein Werk vorgelegt, das Kritiker und Publikum vermutlich spalten wird. Die Autorin hat für ihren Thriller nämlich eine höchst ungewöhnliche Perspektive gewählt – sie schildert das Geschehen aus der Sicht der Mörderin. "Drei Meter unter Null" handelt zudem von einem schwer erträglichen Thema - mehr werde ich hier aus dramaturgischen Gründen nicht verraten. Das Rätseln um die Gründe für die Mordserie gehört zu den Spannungstreibern in diesem lesenswerten Thriller.
Die Morde werden detailliert und ungeschminkt geschildert, das ist für Marina Heib nichts neues. Die Frage nach dem Warum wird da die Gemüter heftig bewegen. Während für die Mehrheit die Frage, ob es eine Rechtfertigung für das Töten anderer Menschen gibt, klar mit Nein zu beantworten ist, werden andere Leser Verständnis für die Motive von Pola aufbringen. Zumindest werden viele Leser nach dem Hören des Buches die Protagonistin immerhin gut verstehen können – unabhängig von der eigenen moralischen Position.
Marina Heib verwendet viel Mühe darauf, zu schildern, dass ihre Hauptperson schon immer anders war. Es fiel ihr schon als Kind enorm schwer, scheinbar normal zu sein. Sie wollte Pipi Langstrumpf werden oder Winnetou – was bei den anderen Schülern und ihrer Lehrerin Gelächter und Kopfschütteln auslöste. Ihre liebe- und verständnisvollen Eltern verhätscheln Pola, vor allem ihr Vater unterstützt seine Tochter vor allem bei ihrem größten Hobby, dem Lesen. Sie kommt dennoch gut durch Schule und Ausbildung, führt ein scheinbar konventionelles Leben – bis sie den Entschluss fasst, zur Wölfin zu werden. Ihr Sabbatjahr ist keineswegs zur Selbstfindung gedacht – sie will andere Wölfe töten. Aus kalter Rache.
Das Psychogramm der Killerin nimmt breiten Raum ein, zwischendurch wird immer mal wieder einer umgebracht von ihr – und das auf brutale Art und Weise. Dieser Wechsel zwischen Beobachten, Erzählen und Umbringen macht ebenfalls den Reiz des Thrillers aus, neben der Frage nach dem Motiv und der Rechtfertigung des Tötens.
"Drei Meter unter Null" ist echtes Thriller-Highlight - und Anna Thalbach ist genau die richtige Sprecherin für die Hörbuch-Version.

Bewertung vom 10.11.2017
Albert Speer
Brechtken, Magnus

Albert Speer


ausgezeichnet

Ein wichtiges und überaus interessantes Buch
Albert Speer war einer der prominentesten Nationalsozialisten. Als Bau- und später als Rüstungsminister gehörte er zum inneren Führungszirkel um Adolf Hitler. Gleichzeitig war er der Top-Nazi, der sich mit eigenen Veröffentlichungen nach seiner Festungshaft in Spandau einen persönlichen „Persilschein“ ausstellte. Begonnen hat er mit der Legendenbildung um seine Person aber schon bei den Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg. Dort entging er knapp dem Todesurteil, und stilisierte sich in der Bundesrepublik zum unpolitischen Technokraten, der eher zufällig in die Spitze des NS-Regimes aufgestiegen war, wie Magnus Brechtken in seiner hervorragend recherchierten Biografie nachweist.
Speer stellte frech die Behauptung auf, er habe nur seine Pflicht getan und vom Judenmord in Auschwitz und den anderen Lagern nichts mitbekommen. Brechtken nennt Albert Speer in seinem Buch einen "Edel-Nazi mit Reue-Garantie". Im Nürnberger Prozess trat Speer als reuiger Sünder auf. Er bekannte sich bereitwillig zur allgemeinen Verantwortung für die Untaten des Nationalsozialismus, seine persönliche Schuld leugnete er allerdings. Durch diese Aussagen rettete er sich möglicherweise vor dem Todesurteil – Speer kam mit 20 Jahren Haft in der Festung Spandau davon.
Mit der Legende vom unwissenden Bürger befand sich Albert Speer, wie Brechtken in seiner lesenswerten Biografie schreibt, auf der schuldfreien Seite der Geschichte. Dabei repräsentierte er mit seinem Ehrgeiz und rücksichtslosem Einsatz die nationalsozialistische Funktionselite. Deren Mitglieder stiegen bis in höchste Kreise auf, der Rüstungsminister sogar bis in den innersten Kreis um Hitler. Die Legendenbildung wurde möglich, weil Speer als einziger aus der Führungsriege eine vage "Kollektiv-Verantwortung" übernahm. Und wichtige Dokumente, die seine Beteiligung an den NS-Verbrechen belegten, waren damals noch nicht bekannt.
In Nürnberg sagte Speer zu den Arbeitsbedingungen in den unterirdischen Rüstungsfabriken, dass dort einwandfreie Verhältnisse wie in einer Nachtschicht in einem normalen Betrieb geherrscht hätten, mit gutem Licht und Frischluft. Tatsächlich kam von den 60.000 KZ-Häftlingen in der Stollenanlage Mittelbau-Dora ein Drittel ums Leben.
Ähnlich geschickt setzte Speer in Nürnberg das Märchen vom geplanten Attentat auf Hitler in Umlauf. Er habe im Februar 1945 Giftgasgranaten in den Luftschutzbunker der Reichskanzlei werfen wollen. Bei einem Luftschutzalarm will er dann unerkannt in einem Bunker unter einfachen Leuten gesessen haben. Deren freimütig geäußerter, unerschütterlicher Glaube an den Führer habe ihn allerdings von dem Attentat abgehalten.
Laut Brechtken alles frei erfunden. Gleichzeitig, so der Historiker weiter, wurden Speers Erzählungen von der deutschen Nachkriegsgesellschaft dankbar aufgegriffen. Speer sei repräsentativ für eine Vielzahl seiner Mitbürger gewesen. Die Nazis waren nach dem 8. Mai 1945 plötzlich die anderen. „Er entwickelte sich zum prominentesten, eifrigsten und erfolgreichsten Protagonisten der Ablenkungserzählung", schreibt Breitken.
Seine Legende vom "guten Nazi" verbreitete Albert Speer in zwei Büchern. Die "Erinnerungen" und die "Spandauer Tagebücher" fanden ein dankbares Publikum und wurden zu Bestsellern – auch ich habe in den 70er Jahren diese Bücher als an Zeitgeschichte interessierter Jugendlicher gelesen, und fand vieles schon damals eher gruselig.
Allerdings prüfte damals kaum jemand prüfte den Wahrheitsgehalt. Speer konnte auch in Interviews unwidersprochen behaupten, nur eine vage Ahnung von den Konzentrationslagern gehabt zu haben. Den Namen Auschwitz hätte er nie direkt gehört. Am Ende drückt Magnus Brechtken sein Staunen über die Naivität vieler Zeitgenossen und auch mancher Historiker aus, die Speers Erzählungen ungeprüft glaubten. Fazit: Ein wichtiges und mehr als interessantes Buch, das der Aufklärung über die Rolle von Albert Speer im Nazi-Reich enorm dient.

Bewertung vom 09.11.2017
Fürstinnen
Keyserling, Eduard von

Fürstinnen


sehr gut

Eduard von Keyserling kombiniert in seinem letzten Roman, der vom Manesse Verlag in seiner "Bibliothek der Weltliteratur" neu aufgelegt wurden, zwei Themen, wie sie aus "Wellen" und "Harmonie" bekannt sind. Zu einen schildert der Autor, wie die alte, verknöcherte Ordnung des Adels die Menschen zerbricht. Frauen suchen deshalb auf verschiedenen Wegen nach einem Ausweg, scheitern jedoch grandios.
Es geht in dem wunderbaren Werk um drei junge Prinzessinnen, die von ihrer Mutter unter die Haube gebracht werden sollen. Sie würde selbst gerne aus ihrem gewohnten Trott ausbrechen, wagt es jedoch nicht.
Die jüngste der Frauen verweigert sich diesem unwürdigen Schicksal. Der Roman endet zwar offen, aber mit einem deutlich tragisch-pessimistischen Unterton.
Einmal mehr sind es kraftvolle Landschafts- und Naturbilder, die das Buch und seine Figuren tragen. Eine wunderbare Lektüre für Freunde dieser Art von Literatur.

Bewertung vom 09.11.2017
Schwarzwasser / Kreuthner und Wallner Bd.7 (6 Audio-CDs)
Föhr, Andreas

Schwarzwasser / Kreuthner und Wallner Bd.7 (6 Audio-CDs)


ausgezeichnet

Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner wird durch den hinterhältigen Einsatz seines missgünstigen Kollegen Greiner den Führerschein los. Bevor er sich rächen kann, ergibt sich für ihn bei einer Faschingsfeier in der berüchtigten Mangfallmühle die Chance, eine rassige Frau abzuschleppen, auf die er schon lange scharf ist. Er kann aber nicht fahren, also engagiert er unter einem Vorwand den betagten Vater von Kommissar Clemens Wallner. Das Trio landet in einem leer stehenden Haus, aber statt eines Schäferstündchens gibt es eine böse Überraschung. Eine Leiche liegt im Schlafzimmer, und eine verwirrte junge Frau schießt auf Kreuthner. Leo steckt gemeinsam mit Wallner in einem Mordfall, der den Kriminalisten einiges abverlangt, bevor sie die Lösung finden.
Andreas Föhr hat mit Schwarzwasser einen weiteren Krimi um das ungleiche Duo Wallner und Kreuthner vorgelegt. Erneut gelesen von Michael Schwarzmeier vermag auch die Hörbuch-Version die zahlreichen Fans der Reihe einmal mehr zu überzeugen.
Neben den Ermittlungen zu dem mysteriösen Mord in der bayerischen Provinz präsentiert der Autor seinen Lesern einen zweiten Handlungsstrang, der 1996 in Berlin spielt. Dieter Sitting lässt sich auf einen zwielichtigen Geschäftsmann ein. Der Versuch des Anwalts, wieder auszusteigen, wird brutal unterbunden. Man ahnt beim Zuhören, dass beide Fälle zusammen gehören, aber Föhr versteht es wieder gut, den Spannungsbogen ganz langsam ansteigen zu lassen.
Wie gewohnt erzählt Andreas Föhr, seine Geschichte flüssig, humorvoll und spannend. Der polterige Leonhardt Kreuthner wird immer dann eingesetzt, wenn die Story eine neue Wendung oder einen kleinen Spannungsschub braucht. Der Autor hat mit Wallner und Kreuthner wirklich ein Duo konstruiert, dass er beliebig agieren lassen kann – immer schön im Wechsel zwischen amüsanten Einlagen und ernsthaften Ermittlungsschritten. Die Dialoge wirken dabei auch auf den norddeutschen Leser authentisch, und sorgen bei aller polizeilichen Professionalität für ausgezeichnete Unterhaltung.

Bewertung vom 10.10.2017
Im Grab schaust du nach oben / Kommissar Jennerwein Bd.9 (6 Audio-CDs)
Maurer, Jörg

Im Grab schaust du nach oben / Kommissar Jennerwein Bd.9 (6 Audio-CDs)


ausgezeichnet

Jörg Maurer hat einen weiteren Roman um Hubertus Jennerwein und sein buntes Team vorgelegt und als Hörbuch gelesen. Ich schätze die Reihe um Jennerwein und seine Truppe, aber in seinem neunten Roman dieser erfolgreichen Reihe hat Maurer das Pendel ziemlich heftig in Richtung Klamauk ausschlagen lassen.
Die Handlung ist wie gewohnt voller Überraschungen, teilweise gar absurd, die Dialoge witzig bis skurril. Damit hat der Autor schon immer zu Recht gepunktet, aber in aller Regel den eigentlichen Kriminalfall nicht so ganz aus den Augen verloren. Im neuen Roman ist er da zwischen G 7-Gipfel und Mafia-Hypnotiseur etwas vom Weg abgekommen.
Immerhin hat die Geschichte hohen Unterhaltungswert. Jennerwein muss sich in dem Gewirr aus Demonstranten, Toten, möglichen Tätern und Verdächtigen mühevoll zurechtfinden. Seine treuen Fans wird Jörg Maurer mit dieser Mischung erneut begeistern, aber wer zum ersten Mal einen Roman aus der Reihe hört, könnte leicht irritiert sein. Viel Insider-Wissen ist gefordert, um alle Anspielungen und Witze zu verstehen, Immerhin, das Setting ist authentisch, Klatschbasen heizen die Gerüchteküche an, die Einheimischen beäugen misstrauisch die Demonstranten, die Polizisten drehen am Rad, Jennerwein und seine Truppe wissen nicht, wo ihnen der Kopf steht. Insgesamt ist der neunte Fall im Kurort also nicht ganz so überzeugend - aber Jörg Maurer mit seiner unnachahmlichen Art entschädigt für einige Unzulänglichkeiten dieser Krimi-Komödie.

Bewertung vom 06.10.2017
Asphaltseele, 4 Audio-CDs
Weber, Gregor

Asphaltseele, 4 Audio-CDs


ausgezeichnet

Gregor Weber bietet seinen Lesern mit Asphaltseele einen knackigen Thriller an, den er auch noch selbst gelungen vorträgt. Hier geht es im Frankfurter Bahnhofsviertel gleich zur Sache - und das ohne Filter.
Ruben Rubeck war als Bundeswehr-Feldjäger einige Jahre im Kosovo. Nach diesen harten Erfahrungen ist Rubeck Polizist geworden – ein echter Straßenbulle. In der Frankfurter Innenstadt, vor allem im Bahnhofsviertel, lebt Rubeck mit und unter seiner Klientel. Es verwundert kaum, dass er Alkoholiker ist, sein Sex-Leben spielt sich vor allem in Bordellen ab.
Seine Abende verbringt Rubeck gerne in seiner Stamm-Kneipe um die Ecke verbringt. Als er auf dem Weg nach Hause in eine Schießerei von Verbrechern hinein stolpert, zieht er seine Dienstwaffe und ballert zurück. Immerhin ist er der Held für ein junges Pärchen, dem er das Leben rettet. Seine Kollegen sehen das ganz anders, weil einer der Gangster tot auf dem Pflaster liegt, und Rubeck den anderen mit zwei Schüssen schwer verletzt hat. Es bleibt jedoch nichts hängen, weil es sich um eine Schießerei zwischen rivalisierenden kriminellen Banden gehandelt hat, Rubeck wird korrektes Verhalten attestiert.
Für Rubeck ist es jedoch nicht vorbei, denn ein obskurer LKA-Mitarbeiter taucht auf. Rubeck soll verdeckt für ihn arbeiten, und den verletzten Unterweltler überwachen und – wenn möglich – dingfest machen. Der ist offenbar in Hamburg eine große Nummer im kriminellen Milieu – aber nicht nur das. Es geht auch um Vorkommnisse in Rubecks Militärzeit. In Vergangenheit und Gegenwart wird die Spannung durch viel Action und etliche Cliffhanger befördert. Aber auch die spürbaren inneren Widersprüche der Protagonisten machen das Hörbuch abwechslungsreich. Gregor Weber als Sprecher verkörpert teilweise seine Figur so gut, dass man glaubt, Rubeck vor sich zu sehen.

Bewertung vom 06.10.2017
Der König auf Camelot
White, Terence H.

Der König auf Camelot


sehr gut

Mit "Der König auf Camelot" hat T.H. White eine weitere Version der bekannten Artus-Sage erschaffen. Das Werk ist in vier Bücher unterteilt. "Das Schwert im Stein" erzählt zunächst davon, wie “Wart” als Ziehsohn Sir Ectors aufwächst. Er ist ein ganz normaler Junge, und soll später der Knappe von Kay, Sir Ectors Sohn, werden. Für die beiden Jungen gibt es einen Hauslehrer - den Zauberer Merlin. Im Unterschied zu Kay erhält Wart von Merlin eine zusätzliche Ausbildung. Von Zeit zu Zeit verwandelt der Zauberer ihn in ein Tier.
Im zweiten Buch, "Die Königin von Luft und Dunkelheit", ist aus Wart König Arthur geworden. Während er darüber nachdenkt, wie man herrscht, ohne seine Macht zu missbrauchen, wachsen auf Orkney Gawaine und seine drei Brüder heran. Ihre Mutter Morgause wird schon bald eine ziemlich üble Rolle in König Arthurs Leben spielen.
Lancelot ist "Der missratene Ritter", so der Titel des dritten Buchs. Hier geht es um die berühmte Liason zwischen Lancelot und Königin Ginevra. Arthur will weder seinen besten Freund noch seine Ehefrau verlieren, und toleriert deshalb die verbotene Beziehung.
In "Die Kerze im Wind" begegnen dem Leser weitere bekannte Gestalten aus der Sage. Mordred, Gawaines Halbbruder, wird vom Hass gegen König Arthur förmlich zerfressen. Er benutzt auf hinterhältige Art und Weise Lancelots und Ginevras Affäre, um Arthur den Anspruch auf den Thron streitig zu machen.
White hat so einiges an politischen Staetements in sein Werk eingebaut, teilweise recht plakativ. Das muss man nicht mögen, es macht aber auch den Charakter dieses Buches aus. Insgesamt eine lesenswerte, weil etwas anders komponierte Version der guten alten Artus-Sage.

Bewertung vom 09.09.2017
Es beginnt am siebten Tag, 6 Audio-CDs
Lake, Alex

Es beginnt am siebten Tag, 6 Audio-CDs


ausgezeichnet

Der erste Roman von Alex Lake ist ein tiefgründiges Buch. Hier wird ein Konflikt geschildert, der in kleinen Schritten immer weiter eskaliert. Schon während der Entführung der Tochter ist in der kleinen Familie die Hölle los – und nach der Rückkehr des Kindes ist nichts mehr wie vorher. Der Autor nutzt zwei Erzähl-Perspektiven. Neben der Sicht von Julia ist auch früh die Tätersicht zu lesen, der Entführer führt ein Selbstgespräch.
Ansonsten geht es vor allem um Julia, der Autor gibt tiefe Einblicke in das Seelenleben einer Mutter, die verzweifelt um ihr Kind kämpft. Sie ist sogar bereit, ihr eigenes Leben einzusetzen - und ihre Schwiegermutter ist ein echter Alptraum für Julia.
Alex Lake hat einen eigenwilligen, aber interessanten Erzählstil. Der Schwerpunkt liegt nicht auf der Jagd nach dem Täter, sondern es darum, was Julia Crowne erdulden muss, nachdem ihre Tochter wieder aufgetaucht ist. Die Ehe mit Brian ist gescheitert, schon lange vor der Entführung. Jetzt hagelt es gegenseitige Vorwürfe, und der öffentliche Druck setzt Julia enorm zu. Brian ist ein Muttersöhnchen, kann sich gegen Edna nicht durchsetzen, sondern wird von ihr manipuliert. Er denkt nicht mal im Ansatz daran, Verständnis für seine Ehefrau aufzubringen. In der Geschichte spielt er nur eine Nebenrolle, und eine eher traurige dazu.
Julias Antagonistin ist vielmehr Edna, ein Alptraum von einer Schwiegermutter. Sie als arrogant zu bezeichnen ist eine viel zu schwache Charakterisierung. Ihre psychopathischen Züge werden immer weiter enthüllt – und Julias Verzweiflung wächst.
Die Ermittlungsarbeit der Polizei spielt in diesem Roman keine Rolle. Interessant ist dagegen, wie hier die Rolle der Medien beleuchtet wird, vor allem die Wirkung der sozialen Netzwerke. In dieser Hinsicht ist Alex Lake mit seinem Buch voll auf der Höhe der Zeit. Wenn Kinder vermisst werden, wird in den sozialen Netzwerken sofort heftig debattiert. Es wird wild spekuliert, und es werden vernichtende moralische Urteile gefällt.
Die Reporter und auch die Reaktionen im Internet, einschließlich das Verdrehen oder Erfinden von angeblichen Fakten, wird überzeugend geschildert. Mir erscheint es mehr als realistisch, wie das Leid der Familie ausgeschlachtet wird. Die heutige Form der Berichterstattung, und vor allem die Echtzeit-Kommunikation im Internet könnte den einen oder anderen Leser zum Nachdenken bringen.
Es beginnt am siebten Tag ist kein Thriller im üblichen Sinne. Alex Lake hat hier vielmehr ein spannendes und fesselndes Psycho-Drama vorgelegt. Die knisternde Spannung, die man als Leser erwartet, wenn ein Buch als Thriller deklariert wird, wird hier nicht entwickelt. Wer stärker mit Julia Crowne, der gequälten Protagonistin, mitfühlt, wird das möglicherweise anders sehen. Nicola Engeln macht als Sprecherin einen guten Job - dieses Buch lässt man sich daher gerne vorlesen.

Bewertung vom 03.09.2017
Die Weiße Rose
Gebhardt, Miriam

Die Weiße Rose


ausgezeichnet

Neue Erkenntnisse verändern das festgefügte Bild der "Weißen Rose"

Es gibt in Deutschland einige Schulen, die den Namen "Geschwister Scholl" tragen. Und es gibt auch schon reichlich Fimlm und Literatur über Hans und Sophie Scholl und ihre Widerstandsgruppe "Weiße Rose". Im Grunde gehört das zum Standard bei der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und dem Widerstand gegen die faschistische Herrschaft in Deutschland. Miriam Gebhardt, eine profilierte Historikerin, hat jetzt mit einem Buch voll neuer Einzelheiten das Bild dieser studentischen Widerstandsgruppe durchaus kräftig korrigiert. Die Autorin hält das auch für erforderlich, weil bisherige Pulikationen zum Thema nur selten aus der Feder von Wissenschaftlern stammten.
Die Geschichte der fünfköpfigen Gruppe wird von Gebhardt nicht neu geschrieben. Aber sie kommt bei wichtigen Punkten zu neuen Erkenntnissen. So stellt die Autorin fest, dass die öffentlich stets betonte religiöse Motivation der Studenten, vor allem von Sophie Scholl, keineswegs gegeben war. Die Auseinandersetzung mit Gott sei bei Sophie Scholl vom Engagement gegen die Nationalsozialisten verdrängt worden. Der gemeinsame Kampf gegen dioe Nazi-Barberei wurde zum Lebensmittelpunkt der jungen Frau. Auch für die anderen Gruppenmitglieder sei Religion nicht so dominant gewesen, wie zuweilen in der Forschung behauptet werde.
Gebhardt betont, dass in der unmittelbaren Nachkriegszeit die "Weiße Rose" zum Aushängeschild für den christlichen Widerstand geworden sei. Die jungen Studenten in der Gruppe hätten sich jedoch nie von ihren Kirchen vereinnahmen lassen. Auch haben sich die Gefängnis-Geistlichen geweigert, ein ökumenisches Abendmahl für die zumn Tode Verurteilten zu feiern.
Umstritten ist auch die Bedeutung der Front-Erlebnisse für die männlichen Mitglieder der "Weißen Rose". Gebhardt geht jedoch davon aus, dass diese keine grundsätzliche Bedeutung hatten. Millionen anderer Soldaten hätten ähnliche Erfahrungen gemacht, ohne aktiven Widerstand zu leisten. Die Historikerin sieht darin keine Erklärung für das Handeln der Gruppe.
Sie sieht vielmehr individuelle Gründe bei allen Gruppenmitgliedern. Dafür nutzt sie den Begriff der "inneren Autonomie". Die Studenten und ihre Professor haben sich nach Überzeugung von Miriam Gebhardt nicht von ihrer Umgebung korrumpieren lassen. Sie relativiert auch die Rolle von Hans und Sophie Scholl, deren Bedeutung beim Gedenken an die "Weiße Rose" nach ihrer Meinung stark überbetont wird. "Doch so beeindruckend die Studentin war, so emanzipiert, klug, sensibel, eigenständig, so wenig entspricht ihr historischer Beitrag dem ihrer Wiedergängerinnen in Film und Literatur. Sophie Scholl wurde erst nachträglich zur Ikone des Münchner Studentenwiderstands gemacht; für die Aktionen der Widerstandsgruppe waren andere Mitstreiter genauso wichtig oder sogar wichtiger als sie", stellt Miriam Gebhardt fest.
Über diese neuen Sichtweisen zur "Weißen Rose" wird in Wissenschaft und Öffentlichkeit reefflich diskutiert werden. Miriam Gebhardt hat ihre Thesen in diesem lesenswerten Buch publik gemacht, das allen an Geschichte interssieretn zur Lektüre empfohlen werden kann.