Benutzername: atzekrobo
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Bewertungen

Insgesamt 164 Bewertungen
Bewertung vom 10.10.2017
Im Grab schaust du nach oben / Kommissar Jennerwein Bd.9 (6 Audio-CDs)
Maurer, Jörg

Im Grab schaust du nach oben / Kommissar Jennerwein Bd.9 (6 Audio-CDs)


ausgezeichnet

Jörg Maurer hat einen weiteren Roman um Hubertus Jennerwein und sein buntes Team vorgelegt und als Hörbuch gelesen. Ich schätze die Reihe um Jennerwein und seine Truppe, aber in seinem neunten Roman dieser erfolgreichen Reihe hat Maurer das Pendel ziemlich heftig in Richtung Klamauk ausschlagen lassen.
Die Handlung ist wie gewohnt voller Überraschungen, teilweise gar absurd, die Dialoge witzig bis skurril. Damit hat der Autor schon immer zu Recht gepunktet, aber in aller Regel den eigentlichen Kriminalfall nicht so ganz aus den Augen verloren. Im neuen Roman ist er da zwischen G 7-Gipfel und Mafia-Hypnotiseur etwas vom Weg abgekommen.
Immerhin hat die Geschichte hohen Unterhaltungswert. Jennerwein muss sich in dem Gewirr aus Demonstranten, Toten, möglichen Tätern und Verdächtigen mühevoll zurechtfinden. Seine treuen Fans wird Jörg Maurer mit dieser Mischung erneut begeistern, aber wer zum ersten Mal einen Roman aus der Reihe hört, könnte leicht irritiert sein. Viel Insider-Wissen ist gefordert, um alle Anspielungen und Witze zu verstehen, Immerhin, das Setting ist authentisch, Klatschbasen heizen die Gerüchteküche an, die Einheimischen beäugen misstrauisch die Demonstranten, die Polizisten drehen am Rad, Jennerwein und seine Truppe wissen nicht, wo ihnen der Kopf steht. Insgesamt ist der neunte Fall im Kurort also nicht ganz so überzeugend - aber Jörg Maurer mit seiner unnachahmlichen Art entschädigt für einige Unzulänglichkeiten dieser Krimi-Komödie.

Bewertung vom 06.10.2017
Asphaltseele, 4 Audio-CDs
Weber, Gregor

Asphaltseele, 4 Audio-CDs


ausgezeichnet

Gregor Weber bietet seinen Lesern mit Asphaltseele einen knackigen Thriller an, den er auch noch selbst gelungen vorträgt. Hier geht es im Frankfurter Bahnhofsviertel gleich zur Sache - und das ohne Filter.
Ruben Rubeck war als Bundeswehr-Feldjäger einige Jahre im Kosovo. Nach diesen harten Erfahrungen ist Rubeck Polizist geworden – ein echter Straßenbulle. In der Frankfurter Innenstadt, vor allem im Bahnhofsviertel, lebt Rubeck mit und unter seiner Klientel. Es verwundert kaum, dass er Alkoholiker ist, sein Sex-Leben spielt sich vor allem in Bordellen ab.
Seine Abende verbringt Rubeck gerne in seiner Stamm-Kneipe um die Ecke verbringt. Als er auf dem Weg nach Hause in eine Schießerei von Verbrechern hinein stolpert, zieht er seine Dienstwaffe und ballert zurück. Immerhin ist er der Held für ein junges Pärchen, dem er das Leben rettet. Seine Kollegen sehen das ganz anders, weil einer der Gangster tot auf dem Pflaster liegt, und Rubeck den anderen mit zwei Schüssen schwer verletzt hat. Es bleibt jedoch nichts hängen, weil es sich um eine Schießerei zwischen rivalisierenden kriminellen Banden gehandelt hat, Rubeck wird korrektes Verhalten attestiert.
Für Rubeck ist es jedoch nicht vorbei, denn ein obskurer LKA-Mitarbeiter taucht auf. Rubeck soll verdeckt für ihn arbeiten, und den verletzten Unterweltler überwachen und – wenn möglich – dingfest machen. Der ist offenbar in Hamburg eine große Nummer im kriminellen Milieu – aber nicht nur das. Es geht auch um Vorkommnisse in Rubecks Militärzeit. In Vergangenheit und Gegenwart wird die Spannung durch viel Action und etliche Cliffhanger befördert. Aber auch die spürbaren inneren Widersprüche der Protagonisten machen das Hörbuch abwechslungsreich. Gregor Weber als Sprecher verkörpert teilweise seine Figur so gut, dass man glaubt, Rubeck vor sich zu sehen.

Bewertung vom 06.10.2017
Der König auf Camelot
White, Terence H.

Der König auf Camelot


sehr gut

Mit "Der König auf Camelot" hat T.H. White eine weitere Version der bekannten Artus-Sage erschaffen. Das Werk ist in vier Bücher unterteilt. "Das Schwert im Stein" erzählt zunächst davon, wie “Wart” als Ziehsohn Sir Ectors aufwächst. Er ist ein ganz normaler Junge, und soll später der Knappe von Kay, Sir Ectors Sohn, werden. Für die beiden Jungen gibt es einen Hauslehrer - den Zauberer Merlin. Im Unterschied zu Kay erhält Wart von Merlin eine zusätzliche Ausbildung. Von Zeit zu Zeit verwandelt der Zauberer ihn in ein Tier.
Im zweiten Buch, "Die Königin von Luft und Dunkelheit", ist aus Wart König Arthur geworden. Während er darüber nachdenkt, wie man herrscht, ohne seine Macht zu missbrauchen, wachsen auf Orkney Gawaine und seine drei Brüder heran. Ihre Mutter Morgause wird schon bald eine ziemlich üble Rolle in König Arthurs Leben spielen.
Lancelot ist "Der missratene Ritter", so der Titel des dritten Buchs. Hier geht es um die berühmte Liason zwischen Lancelot und Königin Ginevra. Arthur will weder seinen besten Freund noch seine Ehefrau verlieren, und toleriert deshalb die verbotene Beziehung.
In "Die Kerze im Wind" begegnen dem Leser weitere bekannte Gestalten aus der Sage. Mordred, Gawaines Halbbruder, wird vom Hass gegen König Arthur förmlich zerfressen. Er benutzt auf hinterhältige Art und Weise Lancelots und Ginevras Affäre, um Arthur den Anspruch auf den Thron streitig zu machen.
White hat so einiges an politischen Staetements in sein Werk eingebaut, teilweise recht plakativ. Das muss man nicht mögen, es macht aber auch den Charakter dieses Buches aus. Insgesamt eine lesenswerte, weil etwas anders komponierte Version der guten alten Artus-Sage.

Bewertung vom 09.09.2017
Es beginnt am siebten Tag, 6 Audio-CDs
Lake, Alex

Es beginnt am siebten Tag, 6 Audio-CDs


ausgezeichnet

Der erste Roman von Alex Lake ist ein tiefgründiges Buch. Hier wird ein Konflikt geschildert, der in kleinen Schritten immer weiter eskaliert. Schon während der Entführung der Tochter ist in der kleinen Familie die Hölle los – und nach der Rückkehr des Kindes ist nichts mehr wie vorher. Der Autor nutzt zwei Erzähl-Perspektiven. Neben der Sicht von Julia ist auch früh die Tätersicht zu lesen, der Entführer führt ein Selbstgespräch.
Ansonsten geht es vor allem um Julia, der Autor gibt tiefe Einblicke in das Seelenleben einer Mutter, die verzweifelt um ihr Kind kämpft. Sie ist sogar bereit, ihr eigenes Leben einzusetzen - und ihre Schwiegermutter ist ein echter Alptraum für Julia.
Alex Lake hat einen eigenwilligen, aber interessanten Erzählstil. Der Schwerpunkt liegt nicht auf der Jagd nach dem Täter, sondern es darum, was Julia Crowne erdulden muss, nachdem ihre Tochter wieder aufgetaucht ist. Die Ehe mit Brian ist gescheitert, schon lange vor der Entführung. Jetzt hagelt es gegenseitige Vorwürfe, und der öffentliche Druck setzt Julia enorm zu. Brian ist ein Muttersöhnchen, kann sich gegen Edna nicht durchsetzen, sondern wird von ihr manipuliert. Er denkt nicht mal im Ansatz daran, Verständnis für seine Ehefrau aufzubringen. In der Geschichte spielt er nur eine Nebenrolle, und eine eher traurige dazu.
Julias Antagonistin ist vielmehr Edna, ein Alptraum von einer Schwiegermutter. Sie als arrogant zu bezeichnen ist eine viel zu schwache Charakterisierung. Ihre psychopathischen Züge werden immer weiter enthüllt – und Julias Verzweiflung wächst.
Die Ermittlungsarbeit der Polizei spielt in diesem Roman keine Rolle. Interessant ist dagegen, wie hier die Rolle der Medien beleuchtet wird, vor allem die Wirkung der sozialen Netzwerke. In dieser Hinsicht ist Alex Lake mit seinem Buch voll auf der Höhe der Zeit. Wenn Kinder vermisst werden, wird in den sozialen Netzwerken sofort heftig debattiert. Es wird wild spekuliert, und es werden vernichtende moralische Urteile gefällt.
Die Reporter und auch die Reaktionen im Internet, einschließlich das Verdrehen oder Erfinden von angeblichen Fakten, wird überzeugend geschildert. Mir erscheint es mehr als realistisch, wie das Leid der Familie ausgeschlachtet wird. Die heutige Form der Berichterstattung, und vor allem die Echtzeit-Kommunikation im Internet könnte den einen oder anderen Leser zum Nachdenken bringen.
Es beginnt am siebten Tag ist kein Thriller im üblichen Sinne. Alex Lake hat hier vielmehr ein spannendes und fesselndes Psycho-Drama vorgelegt. Die knisternde Spannung, die man als Leser erwartet, wenn ein Buch als Thriller deklariert wird, wird hier nicht entwickelt. Wer stärker mit Julia Crowne, der gequälten Protagonistin, mitfühlt, wird das möglicherweise anders sehen. Nicola Engeln macht als Sprecherin einen guten Job - dieses Buch lässt man sich daher gerne vorlesen.

Bewertung vom 03.09.2017
Die Weiße Rose
Gebhardt, Miriam

Die Weiße Rose


ausgezeichnet

Neue Erkenntnisse verändern das festgefügte Bild der "Weißen Rose"

Es gibt in Deutschland einige Schulen, die den Namen "Geschwister Scholl" tragen. Und es gibt auch schon reichlich Fimlm und Literatur über Hans und Sophie Scholl und ihre Widerstandsgruppe "Weiße Rose". Im Grunde gehört das zum Standard bei der Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus und dem Widerstand gegen die faschistische Herrschaft in Deutschland. Miriam Gebhardt, eine profilierte Historikerin, hat jetzt mit einem Buch voll neuer Einzelheiten das Bild dieser studentischen Widerstandsgruppe durchaus kräftig korrigiert. Die Autorin hält das auch für erforderlich, weil bisherige Pulikationen zum Thema nur selten aus der Feder von Wissenschaftlern stammten.
Die Geschichte der fünfköpfigen Gruppe wird von Gebhardt nicht neu geschrieben. Aber sie kommt bei wichtigen Punkten zu neuen Erkenntnissen. So stellt die Autorin fest, dass die öffentlich stets betonte religiöse Motivation der Studenten, vor allem von Sophie Scholl, keineswegs gegeben war. Die Auseinandersetzung mit Gott sei bei Sophie Scholl vom Engagement gegen die Nationalsozialisten verdrängt worden. Der gemeinsame Kampf gegen dioe Nazi-Barberei wurde zum Lebensmittelpunkt der jungen Frau. Auch für die anderen Gruppenmitglieder sei Religion nicht so dominant gewesen, wie zuweilen in der Forschung behauptet werde.
Gebhardt betont, dass in der unmittelbaren Nachkriegszeit die "Weiße Rose" zum Aushängeschild für den christlichen Widerstand geworden sei. Die jungen Studenten in der Gruppe hätten sich jedoch nie von ihren Kirchen vereinnahmen lassen. Auch haben sich die Gefängnis-Geistlichen geweigert, ein ökumenisches Abendmahl für die zumn Tode Verurteilten zu feiern.
Umstritten ist auch die Bedeutung der Front-Erlebnisse für die männlichen Mitglieder der "Weißen Rose". Gebhardt geht jedoch davon aus, dass diese keine grundsätzliche Bedeutung hatten. Millionen anderer Soldaten hätten ähnliche Erfahrungen gemacht, ohne aktiven Widerstand zu leisten. Die Historikerin sieht darin keine Erklärung für das Handeln der Gruppe.
Sie sieht vielmehr individuelle Gründe bei allen Gruppenmitgliedern. Dafür nutzt sie den Begriff der "inneren Autonomie". Die Studenten und ihre Professor haben sich nach Überzeugung von Miriam Gebhardt nicht von ihrer Umgebung korrumpieren lassen. Sie relativiert auch die Rolle von Hans und Sophie Scholl, deren Bedeutung beim Gedenken an die "Weiße Rose" nach ihrer Meinung stark überbetont wird. "Doch so beeindruckend die Studentin war, so emanzipiert, klug, sensibel, eigenständig, so wenig entspricht ihr historischer Beitrag dem ihrer Wiedergängerinnen in Film und Literatur. Sophie Scholl wurde erst nachträglich zur Ikone des Münchner Studentenwiderstands gemacht; für die Aktionen der Widerstandsgruppe waren andere Mitstreiter genauso wichtig oder sogar wichtiger als sie", stellt Miriam Gebhardt fest.
Über diese neuen Sichtweisen zur "Weißen Rose" wird in Wissenschaft und Öffentlichkeit reefflich diskutiert werden. Miriam Gebhardt hat ihre Thesen in diesem lesenswerten Buch publik gemacht, das allen an Geschichte interssieretn zur Lektüre empfohlen werden kann.

Bewertung vom 03.09.2017
Minus 18 Grad / Fabian Risk Bd.3 (2 MP3-CDs)
Ahnhem, Stefan

Minus 18 Grad / Fabian Risk Bd.3 (2 MP3-CDs)


ausgezeichnet

Brillant gelesener Krimi der Extraklasse

Die Polizei in Schweden und Dänemark hat es auf beiden Seiten mit brutalen Morden an Obdachlosen und den akribisch geplanten Tötungen wohlhabender Bürger zu tun. In Dänemark jat Dunja Hougaard zudem noch einen Kollegen im Nacken, der ihr die Hölle heiß macht. Fabian Risk und sein Team stehen vor äußerst rätselhaften Morden, seine dänische Kollegin untersucht die brutal ausgeführten Morde.
Minus 18 Grad ist der dritte Fall für Fabian Risk, und sowohl Autor Stefan Ahnhem als auch Sprecher David Naztham zeigen sich in Hochform. Private Probleme der Ermittler gelten mittlerweile als Makel, weil zu oft strapaziert, Ahnhem geht damit kreativ um und baut das Familienleben seines Protagonisten im neuen Roman geschickt in die spannende Handlung ein.
Die Polizeieinheit um den findigen Kommissar ist ein ziemlich bunter Haufen, es gibt etliche interessante Nebenfiguren. Die dänische Polizistin muss einiges an Ellenbogen zeigen, um überhaupt im Geschäft zu bleiben. Insgesamt geht es um Polizeiarbeit im besten Sinne, und das macht einen Großteil der enormen Spannung aus.
Hier werdenzwei Handlungsstränge in ein Buch gepackt, deren Zusammenhang erst spät deutlich wird. Stefan Ahnhem präsentiert dem Leser/Hörer zwei unterschiedliche Typen von Tätern. Es geht um Langeweile und Thrill, um Gier und Rache, um tiefe Gefühle und auch um oberflächliches Denken.
Der Autor setzt viel Personal ein, wechselt ständig das Tempo und die Schauplätze. Das dürfte beim Lesen schon anstregend sein, beim Hören ist höchste Aufmerksamkeit gefordert, um manch komplizierten oder raffinierten Zusammenhang nicht zu verpassen. In meinen Augen ein brillant gelesener Krimi der Extraklasse.

Bewertung vom 23.08.2017
Ragdoll - Dein letzter Tag, 2 MP3-CDs
Cole, Daniel

Ragdoll - Dein letzter Tag, 2 MP3-CDs


ausgezeichnet

Aus der psychiatrischen Klinik zurück in den Polizeidienst – und dann gleich eine aus sechs Körperteilen zusammen geflickte »Lumpenpuppe«. Ein heftiges Comeback für Detective Sergeant William-Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf. Die »Ragdoll« wird in der Nachbarschaft seiner neuen Wohnung gefunden, und es gibt zudem eine Todesliste – und Wolf steht als Letzter darauf. Also wird es ziemlich persönlich.
Daniel Cole hat einen sehr lesenswerten Debüt-Roman vorgelegt. Die gruselige Inszenierung um die Lumpenpuppe führt dazu, dass man als Leser von Beginn an unter Spannung steht. Der Autor hat für sein Erstlingswerk einen tollen Plot entwickelt, und startet schon im Prolog voll durch.
William-Oliver Layton-Fawkes ist ein spezieller Ermittler, den man erst im Laufe der Geschichte näher kennenlernt. Er hat einen stark entwickelten Gerechtigkeitssinn. Aber er ist auch ziemlich cholerisch. Das macht ihn nicht sympathisch – aber seine Leistung als Ermittler ist mehr als respektabel.
Daniel Cole erzählt seine Geschichte spannend und nachvollziehbar. Inhaltliche Klammer ist irgendwie der Prozess, um den es im Prolog geht. Daran beißen sich die Ermittler lange die Zähne. Ragdoll ist ein empfehlenswertes Buch, ein starkes Debüt – beste Unterhaltung mit vielen Überraschungseffekten.
Von Wolfram Koch ist bekannt, dass er ein ausgezeichneter Schauspieler ist. Hier zeigt er, dass er auch als Hörbuch-Sprecher zur ersten Liga gehört.

Bewertung vom 20.06.2017
Das Versprechen der Wüste
Webb, Katherine

Das Versprechen der Wüste


sehr gut

Eine faszinierende Welt

Oman 1958: Die Archäologin Joan Seabrook kann einen großen Traum verwirklichen, als sie ihren Verlobten in den Oman begleiten kann. Doch der Krieg in dem zerrissenen Land scheint die erhofften Exkursionen in die Wüste nicht zuzulassen. Der britische Offizier Charlie Elliot flirtet mit Joan - und dann lernt sie endlich ihr großes Idol, die Entdeckerin Maude Vickery, kennen. Die Erzählungen der Frau vermitteln Joan viele der Geheimnisse des Landes. Doch dann gibt sie unbedacht ein Versprechen gibt, das nicht nur Charlie gefährdet, sondern auch die junge Archäologin für immer verändern könnte.
Katherine Webb hat hier eine Geschichte geschrieben, die die Leserinnen von Beginn an fesselt und fasziniert. Die facettenreiche Erzählung spielt vor einem orientalischen Hintergrund, der mit viel Fakten-Wissen bildhaft geschildert wird. Die Protagonisten wirken authentisch, die verschiedene Handlungsstränge und Zeitebenen werden gut miteinander verknüpft. Maude Vickery ist sicherlich die stärkste Persönlichkeit im Buch, aber auch die junge Joan Seabrook vermag die Leser mit ihrer Begeisterung für den Orient mitzureißen.
Der Gegensatz zwischen der geheimnisvollen Glitzerwelt, und dem Krieg und seinen Gefahren macht zusätzlich den Reiz des Romans aus.
Gute und niveauvolle Unterhaltung - perfekt als Lektüre an einem langen Sommer-Wochenende.

Bewertung vom 14.06.2017
Warte nicht auf bessre Zeiten !, 10 Audio-CDs
Biermann, Wolf

Warte nicht auf bessre Zeiten !, 10 Audio-CDs


ausgezeichnet

Der knorrige Barde aus dem Osten

Wolf Biermann - den unter 40-jährigen dürfte der Liedermacher aus dem Osten Berlins kaum noch ein Begriff sein. Doch wer in den 70er- und 80er-Jahren das Geschehen zwischen beiden deutschen Staaten intensiv verfolgt hat, wird sich noch gut an die zwangsweise Ausbürgerung von Wolf Biermann erinnern. Jetzt hat der eigenwilige Barde seine Autobiographie aufgeschriieben, die hier von Burghart Klaußner ausgezeichnet vorgelesen wird - ergänzt um Gedichte und Lieder von Biermann selbst, die größtenteils aus alten Tonband-Aufnahmen zusammen geschnitten wurden.
Biermann schildert seine Herlunft als Sohn eines Hamburger Kommunisten-Paares. Sein Vater Dagobert bekam als Jude auch noch tödlich endende Probleme mit den Nazis, der später dann in der DDR aufwachsende Wolf hatte seinerseits von Beginn an Probleme mit der Staatsmacht, insbesondere mit den für den Kulturbereich zuständigen Parteibonzen. Eingehend schildert Biermann seine schier endlosen Diskussionen mit seinen SED-Genossen. Er macht dabei deutlich, dass er die DDR verbessern, aber nie verlassen wollte. Wir erfahren viel über Biermanns künstlerisches Schaffen, sein verwickeltes und konfliktreiches Privatleben, seine auch internationalen Künstler-Kontakte, und über die konspirativen Methoden, um auch nach dem Auftrittsverbot seinen Texte und Lieder im Westen zu veröffentlichen.
Einige Jahre nach seiner Ausbürgerung habe ich Wolf Biermann persönlich bei Konzerten in Hamburg erlebt. Seine Texte haben mir dabei immer besser gefallen, als die sie begleitende Musik - aber das ist nur Nebensache. Er ist eine eigenwillige Persönlichkeit, das wird bei der Lektüre seiner Autobiographie nochmals ganz deutlich. Dennoch gehört Biermann zur deutsch-deutschen Geschichte, weil sein Falll mediale Aufmerksamkeit in hohem Maße erzeugt hat, und er exemplarisch für viele andere steht. Das Buch - gelesen oder gehört - ist für jemanden wie mich, der vieles aus der Ferne als Zeitzeuge verfolgt hat, besonders interessant und spannend. Aber eigentlich müsste jeder, der sich für die jüngere deutsche Geschichte interessiert, diese Autobiographie mit großem Interesse verschlingen.
Das Hardcover ist bei Propyläen erschienen, im Herbst wird es eine Taschenbuch-Ausgabe geben. Das ausgezeichnet gestaltete Hörbuch ist bei Hörbuch Hamburg produziert worden.

Bewertung vom 13.06.2017
Verlorene Welten
Mattioli, Aram

Verlorene Welten


ausgezeichnet

Ein überaus lesenswertes Buch

Historiker Aram Mattioli hat die Geschichte der Ureinwohner Nordamerikas in einem lesenswerten Buch beschrieben. Er schildert das koloniale Unterdrückungssystem von der Ankunft der ersten europäischen Siedler bis zum endgültigen Niedergang der indianischen Stämme um 1900. Über 500 indigene Nationen lebten zwischen Pazifik und Atlantik - und von Vertreibung und Ausrottung waren zunächst die Native Americans im Nordosten des Kontinents betroffen.
Verdrängung, Unterwerfung und Dezimierung waren die unvermeidliche Folge nach den ersten Kontakten mit den weißen Siedlern. Die Ureinwohner verloren ihre angestammten Lebensräume, und auch ihre politische Autonomie, begleitet vom Verlust der wirtschaftlichen Überlebensfähigkeit und kulturellen Selbstbestimmung.
Detailreich und gut recherchiert beschreibt der Autor beispielhaft das Schicksal einiger Indianerstämme in den unterschiedlichen Regionen. Er schildert, dass vor allem nach der Unabhängigkeit der USA vom britischen Mutterland die ständig wandernde Siedlungsgrenze zu endlosen Konflikten zwischen Weißen und Indianern geführt hat, die in aller Regel negativ für die Native Americans endeten.
Beschleunigt wurde der Untergang, als der 7. US-Präsident Andrew Jackson ins Weiße Haus einzog, für ihn waren Indianer eine minderwertige Rasse, deren Eliminierung er vorantreiben ließ.
Die immer weiter anschwellende Flut weißer Siedler führte dazu, dass die Regierung immer größere Gebiete “Indianer-frei” machen ließ. Ethnische Säuberungen wurde gesetzlich sanktioniert, was in der Zwangsumsiedlung der Indianer in Reservate mündete.
Viele Stämme wehrten sich mit militärischen Mitteln gegen die Landnahme der Weißen, bekannte Chiefs waren Sitting Bulls und Geronimo. Am Ende hatten sie der weißen Lawine nichts entgegenzusetzen, waren militärisch und technologisch hoffnungslos unterlegen. Krankheiten, die Ausrottung der Büffel und sonstiger Entzug der Nahrungsgrundlagen taten ein übriges. Einer der letzten Akte des Dramas war das Massaker der US-Kavallerie am Wounded Knee Creek.
Mattioli zeigt die Lebenslüge eines Staates, der Menschenrechte und individuelle Freiheit in seiner Verfassung verankert hat - und dessen Regierung dennoch einen gnadenlosen Genozid geduldet und teilweise sogar vorangetrieben hat. Ein ausgezeichnet recherchiertes und bei aller Wissenschaftlichkeit spannend geschriebenes Buch.

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