The Hate U Give - Thomas, Angie
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Bewertung von Lilli33

Schockierende Ereignisse fesselnd erzählt Inhalt: Die sechzehnjährige Starr lebt mit ihrer Familie in einem armen Schwarzenviertel. Als ihr Freund Khalil vor ihren Augen von …


    Gebundenes Buch

13 Kundenbewertungen

"Umwerfend und brillant, ein Klassiker!" Bestsellerautor John Green
Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck.…mehr

Produktbeschreibung
"Umwerfend und brillant, ein Klassiker!" Bestsellerautor John Green

Die 16-jährige Starr lebt in zwei Welten: in dem verarmten Viertel, in dem sie wohnt, und in der Privatschule, an der sie fast die einzige Schwarze ist. Als Starrs bester Freund Khalil vor ihren Augen von einem Polizisten erschossen wird, rückt sie ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit. Khalil war unbewaffnet. Bald wird landesweit über seinen Tod berichtet; viele stempeln Khalil als Gangmitglied ab, andere gehen in seinem Namen auf die Straße. Die Polizei und ein Drogenboss setzen Starr und ihre Familie unter Druck. Was geschah an jenem Abend wirklich? Die Einzige, die das beantworten kann, ist Starr. Doch ihre Antwort würde ihr Leben in Gefahr bringen...
  • Produktdetails
  • Verlag: Cbt
  • Seitenzahl: 512
  • Altersempfehlung: ab 14 Jahren
  • Erscheinungstermin: 24. Juli 2017
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 144mm x 45mm
  • Gewicht: 692g
  • ISBN-13: 9783570164822
  • ISBN-10: 3570164829
  • Artikelnr.: 47800877
Autorenporträt
Thomas, Angie
Angie Thomas ist in Jackson, Mississippi, aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. Als Teenager tat sie sich als Rapperin hervor; ihr ganzer Stolz war ein Artikel im »Right-On! Magazine«. Thomas hat einen Bachelor-Abschluss im Fach Kreatives Schreiben an der Belhaven Universität. Ihr preisgekröntes Debüt »The Hate U Give« erntete ein überschwängliches Presse- und Leserecho und schaffte es auf Anhieb auf Platz 1 der New York Times-Bestsellerliste. Der Roman wurde 2018 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet und mit der »Hunger-Games«-Darstellerin Amandla Stenberg in der Hauptrolle verfilmt.

Zeltner, Henriette
Henriette Zeltner, geboren 1968, lebt und arbeitet in München, Tirol und New York. Sie übersetzt Sachbücher sowie Romane für Erwachsene und Jugendliche aus dem Englischen, zuletzt Angie Thomas' Romandebüt »The Hate U Give«, für das sie mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 ausgezeichnet wurde.
Rezensionen

buecher-magazin.de - Rezension
buecher-magazin.de

Es sind zwei unterschiedliche Welten, in denen die 16-jährige Starr lebt: Ihr Zuhause in einem von Bandenkriminalität geprägten Schwarzen-Viertel und 45 Autominuten weiter ihre fast komplett weiße Privatschule, wo Geld kein Problem ist, sondern einfach da. Starr hadert mit ihrer Identität, hat einerseits Freunde, die noch nie ihr Zuhause gesehen haben, wird andererseits geschnitten, weil sie auf eine "Weißen-Schule" geht. Zu Beginn des Romans sind Starr und ein Freund auf dem nächtlichen Nachhauseweg, als sie von einem Polizeiwagen gestoppt werden. Am Ende der Polizeikontrolle ist Khalil tot - erschossen von einem weißen Polizisten. So eindeutig die Situation, die öffentliche Wahrnehmung ist eine andere und Starr entscheidet sich, ihre Stimme gegen diese Ungerechtigkeit zu erheben. Das Setting von Angie Thomas' Jugendroman mag in einer klaren Gegensätzlichkeit daherkommen, doch wie sie davon erzählt, ist keinesfalls schwarz-weiß. Sie lotet Grauzonen aus und plötzlich machen Drogen genauso Sinn wie ein Molotowcocktail. Zu verstehen, heißt dabei nicht zu billigen. Angie Thomas beleuchtet Bandenkriminalität mit demselben kritischen Blick wie Polizeigewalt und verdeutlicht die drastische Alltäglichkeit von Rassismus in einer Welt, die nicht weiß, wie weiß sie ist.

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 10.10.2017

Schwarzer
Blues
für Starr
Amerikas ungelöstes Problem:
Der tödliche Schuss
eines weißen Polizisten
verändert das Leben
im Ghetto einer Großstadt
VON ROSWITHA BUDEUS-BUDDE
Hör zu! The Hate U Give Little Infants, Fucks Everybody,“ erklärt Khalil seiner Freundin Starr. „Das bedeutet, was die Gesellschaft uns als Kindern antut, das kriegt sie später zurück, wenn wir raus ins Leben ziehen.“ Er sitzt mit ihr im Auto, um sie von einer Party, auf der plötzlich eine Schießerei losging, nach Hause zu bringen. Beide ahnen nicht, dass dies seine letzten Worte an sie sein werden, als eine Polizeistreife sie anhält, wird er von dem weißen Polizisten erschossen. Der Junge hatte nicht gelernt, was dem Mädchen schon mit zwölf Jahren von ihrem Vater im Falle einer Begegnung mit der Polizei beigebracht worden war: „Starr-Starr, du machst alles, was sie sagen... halt deine Hände so, dass man sie sieht. Mach keine plötzlichen Bewegungen, Red nur, wenn du was gefragt wirst.“
Mit diesem dramatischen Auftakt ihres Debuts „The hate u give“, gelingt der amerikanischen Autorin Angie Thomas nicht nur ein Sozialthriller, sondern auch ein aktuelles Bild des schwarzen Amerika. Starr lebt mit ihren Eltern und Geschwistern in einem Ghetto am Rande einer amerikanischen Großstadt in einer absoluten No-go-area. In der es für Jugendliche kaum Möglichkeiten gibt, eine vernünftige Schulbildung zu bekommen und einen Job außerhalb des Drogen- und kriminellen Milieus der Banden zu finden. Wenigen gelingt es, wie Starrs Vater, sich daraus zu befreien. Stellvertretend für einen Bandenboss ging er drei Jahre ins Gefängnis.
Die Autorin nimmt sich auf 500 Seiten viel Zeit, um das Leben in dieser schwarzen Community zu schildern. Sie verfolgt die gesellschaftlichen Verwerfungen weit in die amerikanische Geschichte der Schwarzen. Spürt ihre Stimmung, ihre Musik, lässt den Rhythmus des schwarzen Blues, des Gospel, in die Handlung einfließen. Verzweiflung, Hoffnung, Gefühle sind zu spüren in den fetzigen, dialogreichen sehr emotionalen Familienszenen und Auseinandersetzungen mit den Freunden. In der sich immer mehr aufheizenden Stimmung, die schließlich zu bürgerkriegsähnlichen Szenen führt.
Und Starr wird vor die schwierige Aufgabe gestellt, als einzige Zeugin auszusagen, gerät ins Visier der Polizei, der Staatsanwaltschaft und der rivalisierenden Banden. Der Tod des Jungen heizt die Stimmung zwischen den weißen und schwarzen Bewohnern auf. Hat Khalil wirklich mit Drogen gedealt, und nach einer Pistole gegriffen, wie der weiße Polizist behauptet? Wie soll sich das Mädchen verhalten – sie wird innerlich zerrissen von ihrer eigenen Situation, die gleichzeitig ein Bild der amerikanischen Gesellschaft spiegelt –, denn sie führt ein Doppelleben. Als eine der wenigen schwarzen Schülerinnen besucht sie eine Privatschule: „Das bedeutet, ich lege den Schalter in meinem Kopf um und bin die Williamson-Starr. Die benutzt keinen Slang, ... hält den Mund, ... damit keiner sie für ein Angry Black Girl hält oder sie ein Ghetto-Girl nennt. An dieser Schule führt sie das typische Leben eines weißen Teenies, und verliebt ist sie in einen weißen, reichen Jungen. Gleichzeitig fühlt sie sich als Verräterin an ihrer Familie und der Community im Ghetto. Sie wird schließlich für die Gerechtigkeit auf der Straße kämpfen.
Die Autorin weicht die Fronten zwischen Schwarz und Weiß auf, Gut und Böse ist nicht an einer Hautfarbe festgemacht. Und der Spruch des Jungen: „The Hate U Give Little Infants, Fucks Everybody,“, wird am Schluss zu einem Refrain der Hoffnung. (ab 13 Jahre)
Starr gerät ins Visier
der Staatsanwaltschaft und der
rivalisierenden Banden
Angie Thomas:
The hate u give. Aus dem Englischen von Henriette Zeltner. cbt, München 2017.
510 Seiten, 14,25 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 28.08.2017

Vielleicht hätte er gerne auch mich erschossen
Khalil stirbt bei einer Polizeikontrolle, Starr war dabei - und muss jetzt damit leben: Der Debütroman von Angie Thomas

Durch die Straßen rollen, während Hip-Hop aus den Subwoofers dröhnt, dazu das Versprechen auf einen ganzen Eimer Eis - kein Wunder, dass Starr nicht nein sagen kann zu der Idee, mit ihrem alten Herrn abzuhängen. Dass es zu einer Aussprache kommen würde, dürfte ihr klar sein. Dass sie eine Predigt zu hören bekommen würde, auch.

Schließlich ist im Leben der sechzehn Jahre alten Erzählerin in "The Hate U Give", dem Debütroman der amerikanischen Autorin Angie Thomas, nichts mehr, wie es sein sollte. Auf einer Party hatte sie einen Freund aus Kindheitstagen wiedergetroffen und war mit ihm abgehauen, als Schüsse fielen. Sie saß neben ihm, als sein Wagen angehalten wurde und ein Polizist ihn nach einem Wortwechsel aufforderte, mit erhobenen Händen auszusteigen. "Meine Eltern haben mir nicht beigebracht, die Polizei zu fürchten, sondern mich in ihrer Gegenwart einfach klug zu verhalten", lässt Angie Thomas ihre Hauptfigur erzählen, "sie haben mir erklärt, dass es nicht klug ist, sich zu bewegen, während ein Cop dir den Rücken zudreht." Warum wusste Khalil das nicht? Er kam zur Fahrertür, um sie zu fragen, ob mit ihr alles in Ordnung ist. Dann traf ihn der erste Schuss, ein zweiter, ein dritter. Und Starr musste in die Waffe schauen, mit der gerade Khalil getötet worden war, bis die Verstärkung eingetroffen war, die der Polizist angefordert hatte.

Tödliche Schüsse aus einer amerikanischen Polizeiwaffe, die einen Schwarzen treffen, ein Polizist, der unbescholten davonkommt, eine Welle ebenso hilf- wie folgenloser Empörung: Die aus den letzten Jahren bekannte Abfolge, die mit Namen wie Alton Sterling, Philando Castile, Michael Brown oder Trayvon Martin verbunden ist, bildet auch das Gerüst von "The Hate U Give". "Leute wie wir werden in solchen Situationen zu Hashtags, aber Gerechtigkeit kriegen sie kaum einmal", fällt Starr an einer Stelle im Buch auf, dessen Größe darin liegt, einer solchen Entwicklung nicht nur Namen und Biographien zu geben, eine Rekonstruktion und eine Bewertung der Todesumstände, sondern Leben.

Und Widersprüchlichkeit: Die Angst der Zeugin, erkannt zu werden, stellt Angie Thomas gegen ihre wachsende Überzeugung, sich zu erkennen geben zu müssen, um den toten Freund nicht zu verraten. Dabei hält Angie Thomas ihre Erzählerin mit Bedacht auf Abstand zum Heldentum: "Wäre Mut ein medizinischer Zustand", findet Starr einmal auf ihre hinreißende Art, "läge bei mir eine Fehldiagnose vor." Die Erleichterung, die Vernehmung durch die Polizei hinter sich gebracht zu haben, trifft auf das Gefühl, etwas Wichtiges in der Aufregung nicht gesagt zu haben. Das Familien- und Straßenleben in Garden Heights und die elterliche Überzeugung, in diesem Viertel bleiben und zu ihm stehen zu müssen, um das Leben dort nicht noch schwerer zu machen, kontrastiert die Autorin mit Starrs eine ganze Ecke entfernter Privatschule, auf der sie eine der wenigen Schwarzen ist, und ihrem fortwährenden Abwägen, was sie ihren Mitschülern, ihren Freunden, ihrem Freund, einem Weißen, von ihrem Leben, ihrem Slang, ihren Ansichten und Gefühlen zumuten oder zutrauen kann. Den Gerüchten, Khalil sei ein Drogendealer und Bandenmitglied gewesen, hält Angie Thomas eine eindrucksvolle Geschichte von Ausweglosigkeit und Größe entgegen. Und sie flankiert Khalils Schicksal mit dem eines anderen Jungen, der sich vor dem mächtigsten Bandenboss des Viertels ausgerechnet in den Gemischtwarenladen von Starrs Vater flüchtet - und dem ihres Vaters selbst, der sich aus den Verstrickungen der Kriminalität nur durch einen Deal freikaufen konnte, in dem er mit Teilen seines Lebens bezahlte: Damit ihn die Bande in Ruhe lässt, war Big Mav für deren Boss ein paar Jahre lang ins Gefängnis gegangen, als Starr noch klein war. Ihren ersten Schultag hat er hinter Gittern verbracht.

Jetzt sieht er seine Familie abermals in Gefahr - im Spannungsfeld zwischen der Gang, die zwar ihn in Ruhe lässt, aber bei der Beerdigung dem Toten ein Abzeichen auf den Sarg legen musste, um zu behaupten, er sei einer von ihnen gewesen, der Polizei und den wachsenden Unruhen draußen in Garden Heights. "Mein Viertel hat sich in ein Kriegsgebiet verwandelt", hält Starr fest. "Die Unruhen, die Schüsse, das Tränengas, all das ist letztlich meine Schuld." Kurz darauf greift sie auf der Straße doch nach einer Tränengaskartusche und wirft sie zurück in Richtung Polizei.

Als der amerikanische Autor Jason Reynolds vor zwei Jahren sein Jugendbuchdebüt "Coole Nummer" in Deutschland vorstellte, erzählte er von seiner Sehnsucht als Teenager, so etwas wie die eigene Geschichte in einem Jugendroman erzählt zu bekommen. Aber Bücher, die davon handeln, was es heißt, als Schwarzer in Brooklyn aufzuwachsen, gab es in seiner Jugend nicht. Das einzige Medium, das den jungen Schwarzen etwas Glaubwürdiges über sie selbst erzählte, war Rap. In "Nichts ist okay!" beschrieb Reynolds ein Jahr darauf zusammen mit Brendan Kiely, einem weißen Schriftsteller, die zwei Seiten der Geschichte des jungen Rashad, der nur eine Tüte Chips kaufen wollte und nach einem Polizeieinsatz im Krankenhaus landete - aus der Perspektive des Opfers und aus der eines Schulkameraden, der den Polizisten als väterlichen Freund kennt und sich fragen muss, wie er zu dessen Gewaltausbruch stehen will. Auch Reynolds und Kiely erzählen diese Geschichte von Schwarz und Weiß in sorgfältig schattierten Graustufen, auch sie achten genau darauf, die Wirkmacht von Vorverurteilungen darzustellen, ohne ihnen mit umgekehrten Vorzeichen selbst zu erliegen. Auch sie schildern, wie ein Ereignis in der öffentlichen Wahrnehmung, der medialen Ausdeutung und der Stimmung in den sozialen Netzwerken deformiert wird. Doch ihr Buch hat bei einer potentiell jüngeren Leserschaft einen engeren Horizont: Es kommt ohne Drogenkriminalität aus, ohne Tote - und ohne größere gesellschaftsanalytische Ausführungen, wie Angie Thomas sie geschickt in ihre Geschichte mischt.

Starrs Gespräche mit ihrem weißen Freund gehören dazu, die mit ihrem Onkel, einem Polizisten, der sich wie ein Vater um sie gekümmert hatte, als Big Mav hinter Gittern war - und das Fernsehinterview, zu dem sich das Mädchen endlich durchringt, um der Sendung mit dem Vater des Polizisten etwas entgegenzuhalten. Zu dem Zeitpunkt vertraut Starr der Anwältin bereits, die mit den T-Shirts und Plakaten ihrer Organisation "Just Us for Justice" bei Khalils Beerdigung noch ein bisschen übergriffig und deplaziert gewirkt hatte. Dass Starr zunehmend Sicherheit gewinnt, für sich und ihre Sache einzustehen, und dass sie treffende Worte dafür findet, verdankt sie auch ihr.

Dass im Zusammenhang mit Khalils Erschießung immer wieder betont wird, er habe gedealt, kommentiert sie vor der Kamera trocken: "Ich wusste gar nicht, dass man einen Toten wegen seiner eigenen Ermordung anklagen kann." Und auf die Frage, was sie dem Polizisten sagen würde, wenn er jetzt neben ihr säße: "Ich würde ihn fragen, ob er sich wünscht, er hätte mich auch erschossen."

Was Big Mav auf der Autofahrt mit Eisversprechen zu den Raps von Tupac Shakur von seiner Tochter hören will und ihr zu sagen hat, ist mehr als eine Predigt, es ist nichts weniger als ein Kompaktkurs der rassistischen Strukturen des Lebens im Amerika unserer Zeit, in denen Perspektivlosigkeit und Drogenkonsum, das Dealen als eine der wenigen Möglichkeiten, an Geld zu kommen, und die Bandengewalt, die Ausbeutung durch die wirklich Großen im Drogengeschäft und der Argwohn, der ganzen Stadtteilen und Bevölkerungsgruppen entgegenschlägt, Ohnmacht, Aufruhr und Überreaktionen der Ordnungskräfte einander befeuern. Gewiss hat das gesamte Buch von Angie Thomas eine Botschaft, auf die alle Figuren des Romans und so gut wie alle Szenen der Geschichte zulaufen. Aber diese Botschaft erschöpft sich nicht in der Erklärung, die Tupac Shakur für das Wort thug, englisch für Verbrecher, gefunden hat und die dem Buch den Titel gibt. In einer berühmten Wendung erklärte der 1996 erschossene Rapper thug life als Akronym: The hate u give little infants fucks everybody. Es gehe darum, so hat es Khalil kurz vor seinem Tod zusammengefasst, und Starr kann sich auf der Autofahrt mit ihrem staunenden Vater darauf berufen, "was die Gesellschaft uns in der Jugend eintrichtert und wie es später auf sie zurückfällt und ihr schadet". Wobei es um mehr gehe als um die Jugend: um "die Schwarzen, Minderheiten, arme Leute - alle am unteren Ende der Gesellschaft". Die Botschaft von Angie Thomas geht einerseits noch weiter, andererseits bleibt sie ausreichend abstrakt, um "The Hate U Give" nicht mit ihrer moralischen Masse zu erdrücken. Es ist die große Botschaft vieler guten Bücher: So einfach ist das nicht.

FRIDTJOF KÜCHEMANN.

Angie Thomas: "The Hate U Give". Roman.

Aus dem Englischen von Henriette Zeitner. Verlag cbt, München 2017. 512 S., geb., 17,99 [Euro]. Ab 14 J.

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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"Bis das Buch 2018 in die Kinos kommt, sollten Sie wirklich nicht warten." Bild am Sonntag
Es sind zwei unterschiedliche Welten, in denen die 16-jährige Starr lebt: Ihr Zuhause in einem von Bandenkriminalität geprägten Schwarzen-Viertel und 45 Autominuten weiter ihre fast komplett weiße Privatschule, wo Geld kein Problem ist, sondern einfach da. Starr hadert mit ihrer Identität, hat einerseits Freunde, die noch nie ihr Zuhause gesehen haben, wird andererseits geschnitten, weil sie auf eine "Weißen-Schule" geht. Zu Beginn des Romans sind Starr und ein Freund auf dem nächtlichen Nachhauseweg, als sie von einem Polizeiwagen gestoppt werden. Am Ende der Polizeikontrolle ist Khalil tot - erschossen von einem weißen Polizisten. So eindeutig die Situation, die öffentliche Wahrnehmung ist eine andere und Starr entscheidet sich, ihre Stimme gegen diese Ungerechtigkeit zu erheben. Das Setting von Angie Thomas' Jugendroman mag in einer klaren Gegensätzlichkeit daherkommen, doch wie sie davon erzählt, ist keinesfalls schwarz-weiß. Sie lotet Grauzonen aus und plötzlich machen Drogen genauso Sinn wie ein Molotowcocktail. Zu verstehen, heißt dabei nicht zu billigen. Angie Thomas beleuchtet Bandenkriminalität mit demselben kritischen Blick wie Polizeigewalt und verdeutlicht die drastische Alltäglichkeit von Rassismus in einer Welt, die nicht weiß, wie weiß sie ist.