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Benutzername: Mel.E
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Bewertungen

Insgesamt 1006 Bewertungen
Bewertung vom 14.11.2018
Alice im Wunderland, 3 Audio-CDs
Carroll, Lewis

Alice im Wunderland, 3 Audio-CDs


ausgezeichnet

"Alice im Wunderland" von Lewis Carroll gehört zu den Klassikern die ich immer und immer wieder lesen, bzw. hören kann. Das Hörbuch, welches aktuell im cbj audio Verlag erschienen ist, präsentiert die verrückte Geschichte rund um Alice zwar nicht neu, aber durch die Stimme von Josefine Preuß wird sie komplett wiederbelebt. Meine Tochter und ich haben das Hörbuch während der Autofahrt gehört und ich habe Alice dadurch für mich wiederentdecken können. Es hat einfach Spaß gemacht, da die Stimmen der verschiedenen Protagonisten wirklich authentisch wiedergegeben wurden, obwohl ich den Gesang der Schildkröte ehrlich gesagt wirklich schrecklich fand, waren auch ganz viele amüsante Begebenheiten zu entdecken, die man schon lange vergessen meinte. Es war für mich ein Wiederentdecken meiner Kindheit und ich konnte es sehr genießen. Es muss nicht immer Disney sein um Klassiker neu zu beleben, auch wenn dieses mitunter auch sehr gelungen ist.
Alice, die sich in einem interessanten Abenteuer befindet, nennt dieses zu Recht "Wunderland", denn Menschen und Tiere verhalten sich eindeutig merkwürdig und laden zum Wundern ein. Der gewählte Titel ist also äußerst passend, wobei irgendwann dann auch klar wird, das Alice einfach nur eine Träumerin ist und sich in Dinge hineinversetzt, als würden sie tatsächlich geschehen. Menschen mit viel Phantasie sind oftmals diejenigen die unser tristes Leben bunter und farbenfroher gestalten. Natürlich muss es dann auch Charaktere geben, die recht bösartig und beängstigend wirken wie die Königin im Hörbuch, die immer wieder "Ab mit dem Kopf" brüllt und sich damit nicht sehr beliebt macht. Im Prinzip muss jedes Wesen im Wunderland sich fürchten, denn es könnte ja auch sein / ihr Kopf sein der rollen soll.
Insgesamt sind wir mehr als zufriedengestellt und vergeben daher sehr gerne ein Hörempfehlung. Vielleicht sind die neu aufgelegten Klassiker ja auch ein tolles Weihnachtsgeschenk? Wir freuen uns auf jeden Fall über die neu entdeckten Schätze der Weltliteratur die unseren Alltag um einiges bunter gestaltet haben.

Bewertung vom 07.11.2018
Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt / Kommissar Jennerwein ermittelt Bd.11
Maurer, Jörg

Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt / Kommissar Jennerwein ermittelt Bd.11


sehr gut

"Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt" ist der elfte Band einer Krimreihe rund um Komissar Jennerwein uns sein Team. Es schadet nicht, nicht alle Bänder der Reihe gelesen zu haben, denn jeder Krimi ist in sich abgeschlossen, dennoch lohnt es sich, da die Personen mitunter doch sehr skurril dargestellt sind und ihre eigenen Macken und Eigenarten haben, die man zu schätzen lernt. Ich mag den Humor, auch wenn mir in diesem Krimi die Zukunftsvorhersagen nicht passend erscheinen, aber der Autor wird sich sicherlich etwas dabei gedacht haben, auch wenn ich bis zum Ende hin nicht dahinter gestiegen bin, was es sein könnte. Meinem Lesefluss hat es definitiv nicht geschadet, auch wenn es mir eigentümlich erschien.
Komissar Jennerwein lädt zum Weihnachtsfest auf eine Hütte ein, nichtsahnend, das ihm nach dem Leben getrachtet wird. Der "Bomber" passt ideal als Titel meiner Rezension, denn auf ihn wird die Story immer wieder gelenkt. Komissar Jennerwein erzählt aus seiner Schulzeit, als Streiche in Form von Stinkbomben und anderen schauerlichen Gerüchen das Gymnasium ereilt. Ich bin selbst in meiner Kindheit in den Genuss einer Stinkbombe gekommen, die noch wochenlang in unserem Treppenhaus zu riechen war. Es ist abscheulich und löst immer noch unangenehme Erinnerungen in mir aus. Wobei ich tatsächlich bis heute nicht weiß, wer die Stinkbombe losgelassen hat und warum ausgerechnet in unserem Treppenhaus. Wirklich witzig ist es nicht, das muss auch Jennerwein als junger Mann erfahren, denn der Täter, genannt "Der Bomber" ist ihm immer einen Schritt voraus. Auch das besinnliche Weihnachtsfest wird durch eine Sprengladung empfindlich gestört und es ist an Jennerwein seine Kollegen zu beschützen und natürlich auch seinen eigenen Hals zu retten.
Auf bekannte Art und Weise nimmt uns Jörg Maurer mit in die Alpen und vergisst dabei auch seinen Wortwitz, wobei mir dieses Mal natürlich auch die ausführlichen Beschreibungen der Ortschaften sehr gefallen hat. Die Kälte des Winters war spürbar und eingemummelt in eine dicke Decke, den Temperaturen draußen angepasst, ist "Im Schnee wird nur dem Tod nicht kalt" ein ideales Winterbuch, welches spannend geschrieben ist, angefüllt voller Newsflash und einer gewissen Situationskomik, die natürlich keine ist, denn Komissar Jennerwein und sein Team stecken ganz schön in der Patsche, aber mehr will ich nicht verraten, denn es soll ja jedem Leser / jeder Leserin eine Freude sein hinter das Geheimnis des Bombers zu kommen. Viel Spaß dabei!

Bewertung vom 01.11.2018
Kirche, öffne dich!
Glööckler, Harald

Kirche, öffne dich!


gut

Ich bekam die Gelegenheit über Lovelybooks an einer Leserunde zu Harald Glööcklers Buch "Kirche öffne dich!" teilzunehmen. Ich war sehr gespannt, wie mir diese schillernde Persönlichkeit in Bezug auf Gott und Kirche begegnen wird und hatte natürlich die eine oder andere Erwartungshaltung. Da ich mit Gott in einer persönlichen Beziehung stehe und auch regelmäßig Gottesdienste besuche und auch in der Bibel lese und diese als wahr empfinde, hat mich manche Aussage des Autors schockiert, da sie nicht zu dem passen wollen, wie ich Gott wahrnehme. Viele Ansätze und Worte sind sehr gelungen und ich kann sie annehmen und akzeptieren, ohne sie zu werten, andere hinterlassen leider einen bitteren Nachgeschmack, da sie zu allgemein gehalten sind und für Menschen, die sich nicht mit dem Glauben auseinandersetzen sicherlich eine andere Wirkung haben, die so aber nicht ganz richtig sind. Ich möchte nicht beurteilen oder verurteilen, daher werde ich nicht auf die Gedanken des Autors eingehen, denn seine Erfahrungen, die leider auch negativ geprägt sind, sind auf jeden Fall nachvollziehbar und darum geht es ja letztendlich auch ein klein wenig, den Autor diesbezüglich begleiten, auch wenn meine Denkweise eine ganz andere ist und ich mich mitunter auch persönlich angegriffen gefühlt habe oder es eben ein Kopfschütteln in mir ausgelöst hat.
Herr Glööckler pickt sich aus einigen der großen Weltreligionen das Tortenstück heraus, was für ihn passend erscheint und baut sich daraus seine eigene Religion. Dies verwirrt zum Teil und dennoch muss ich ihm zugestehen, das er derjenige sein wird, der Rechenschaft ablegen muss, da werde ich definitiv nicht vorgreifen. Er selbst spricht mehrfach von Gott als Richter und von uns als Menschen, die gerne über andere richten und daher möchte ich mich nicht zu denjenigen einreihen, die Herrn Glööckler verurteilen.
Auch wenn ich einiges nicht nachvollziehen konnte, sind einige Gedanken des Autors auch sehr wertvoll. Diese werden natürlich, wenn man ein gläubiges Herz wie ich besitzt, leicht überlesen. Mir ist es so vorgekommen, als wenn Herr Glööckler nur die Evangelische und Katholische Kirche bewertet und dabei viele andere Kirchengemeinden nicht beachtet, die vielleicht ein klein wenig moderner agieren als die Kirchen, die der Autor in seinem Buch beschreibt.
Für mich war "Kirche öffne dich!" eine echte Herausforderung. Gepaart mit vielen Bibelstellen und Zitaten gab es mir Einblicke in das Leben und die Erfahrung des Harald Glööcklers, die für manche Menschen vielleicht sehr wertvoll sind, mir aber einen andere Gott und eine andere Wahrnehmung dessen was ich glaube präsentiert haben, was mich eher abschreckt und ich dem nicht zustimmen kann. In meinem Wohnort ist die Kirche offen. Die Evangelische Allianz in Bielefeld macht vieles möglich, gerade was Suchterkrankungen, Menschen mit Behinderungen, Flüchtlinge oder auch Obdachlose (die Aufzählungen der Zielgruppen könnten definitiv noch weiter aufgezählt werden) betrifft, so dass ich hier zumindest wahrnehme, dass die Türen weit offen stehen und Menschen die Hilfe benötigen diese auch bekommen. Ich sehe mit eigenen Augen, dass sich etwas tut und der Glaube sich zwar nicht an unsere heutige Zeit anpasst, aber es viele Menschen gibt, die wertschätzend auf andere reagieren, denn so hat Jesus uns vorgelebt und auch den Auftrag erteilt.

Bewertung vom 01.11.2018
Die Abenteuer des Tom Sawyer, 3 Audio-CDs
Twain, Mark

Die Abenteuer des Tom Sawyer, 3 Audio-CDs


ausgezeichnet

Wer kennt sie nicht, die Abenteuer des Tom Sawyer? Für mich war es ein Eintauchen in meine Kindheit und ich fühlte mich sehr wohl am Mississippi Mitte des 19. Jahrhunderts, als Lausbuben noch von den Mädchen getrennt im Unterricht saßen, von den Lehrern mit dem Stock verprügelt wurden, aber sehr viel Freiheiten hatten und die Eltern nicht wie Helikopter über ihnen kreisten. Tante Polly muss dennoch so einiges ertragen und einige Begebenheiten fand ich auch ganz entsetzlich für mein Mutterherz.
Udo Wachtveil gibt der Story die benötigte Würze an Spannung, indem er seine Stimme den Personen und Stimmungen anpasst. Es hat mir sehr gefallen mich diesem Klassiker erneut zu widmen, da es zwar nicht neu für mich war, aber dennoch erneut hochkarätig. Tom ist amüsant, manchmal handelt er kopflos, aber er ist dennoch ein Lausbub, den man einfach ins Herz schließen muss. Seine Neugier ist gefährlich und dennoch ist er sehr bemüht, Wahrheiten auszusprechen und damit anderen den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, ganz egal, ob er selbst dabei bestraft wird.
Es gibt Lausbuben, Mädchen, die einem den Kopf verdrehen und den Schmerz der ersten Liebe, die dazu führt auszureißen. Es gibt Bösewichte, die ihre gerechte Strafe erhalten und es gibt jede Menge Abenteuer in einer Zeit, die so ganz anders ist als das Heute in dem wir leben, aber dadurch entsteht ein Gefühl von Freiheit, denn die dargestellten Jungen können sich noch in Piraten verwandeln und draußen spielen. Ähnlich meiner Kindheit und nicht der meiner Kinder, denen oftmals die Fantasie fehlt. Es werden tote Mäuse getauscht und damit ausgedrückt, das Geld nicht zählte. Immer wieder überraschte mich Tom, der trotz seiner Streiche sehr intelligent ist und Tante Polly damit zwar auf der Nase herumtanzt, aber dennoch geliebt wird. Er hat ein stabiles Zuhause, in das er sich immer wieder flüchten kann. Huck Finn ist da ein anderes Kaliber, dennoch ist diese Figur notwendig, um auch die andere Seite der Medaille, die Armut darzustellen, denn Huck ist eher verwahrlost und in dem fiktiven Städtchen eher Ausgestoßener. Klar ist auch, das Alkohol die Menschen verändert und Erinnerungen verschleiert, sodass fast ein Unschuldiger aufgeknüpft wird, der während eines Mordes zu benebelt war, um die Wahrheit zu erkennen und auszusprechen. Ein Schatz verändert die Situation der beiden Jungen Tom und Huck ganz gewaltig und damit endet die Geschichte dann auch, denn die Zukunft und das Erwachsenenleben der Jungen und Mädchen bleibt der Fantasie des Hörers oder Lesers überlassen und das empfand ich als sehr gelungen.
Gerne vergebe ich eine Hörempfehlung an diesen Klassiker von Mark Twain, der mich erneut begeistern konnte. Die knapp drei Stunden waren mir fast schon zu schnell gehört, denn mir gefiel es einfach mich Tom, Huck und Becky zu widmen, die Tom erst verschmäht und ihm dann doch noch ihr Herz schenkt. Süße erste Liebe mit gebrochenen Herzen, gepaart mit ganz viel Abenteuer machen dieses Hörspiel zu einem echten Vergnügen.

Bewertung vom 31.10.2018
Die Unsterblichen
Benjamin, Chloe

Die Unsterblichen


gut

"Die Unsterblichen" ist ein Roman voll von Dramen und Lebensweisheiten. Klar ist, dass das Aufsuchen einer Wahrsagerin das Leben der Geschwister Gold mitbestimmt, denn auch wenn sie keinen Glauben daran haben, ist die Suggestion groß. Der Roman ist in unterschiedliche Kapitel geteilt, sodass das Leben der vier Geschwister komplett aufgerollt wird. Als erstes erzählt Simon seine Geschichte von seinem Ausbruch aus dem Schoss der Familie, um seine Homosexualität auszuleben. Für mich war hierbei interessant, wie AIDS Einzug in die USA hält und wie wenig über diese Erkrankung gewusst wurde, die zu Beginn als Schwulenkrebs betitelt wurde. Durch sein ausschweifendes Leben ist Simon nun auch davon betroffen und das Schicksal nimmt seinen Lauf, denn rein zufällig verstirbt Simon an dem Tag der ihm vorausgesagt worden ist und beeinflusst damit Klaras Leben. Es ist emotional hervorragend, da die Auseinandersetzung mit dem Tod deutlich hervorgehoben worden ist und deutlich wird, dass es oftmals besser ist, den Zeitpunkt seines Todes nicht zu kennen, damit dieses nicht immer deutlich vor Augen steht. Den Tod auszuklammern ist auch keine Lösung, aber so zu leben, wie es die Geschwister Gold im Buch beschrieben tun, kann nur krankhaft oder auch wahnsinnig wirken. Klara, die sich ein Leben als Magierin aufbaut ist vom Tod ihres Bruders tief getroffen und fühlt sich schuldig, da sie es ist, die gemeinsam mit ihm aufgebrochen ist und ihn in seinem neuen Lebenswandel unterstützt hat. Simon war mir tatsächlich zu oft intim und genaue Details hätte ich auch nicht benötigt, aber vielleicht dient es dazu, ihn als Person wahrzunehmen?

Die Story insgesamt ist sehr gut gewebt, wobei ich natürlich auch einige Längen wahrgenommen habe. Durch das Cover wurde ich gleich an einen Lebensbaum erinnert, was ich äußerst passend empfand. Die Geschehnisse innerhalb des Buches werden immer wieder miteinander verknüpft, da der Tod nicht trennt, sondern Erinnerungen aufleben lässt. Durch den Bund der Familienzugehörigkeit wird immer wieder auf den Einzelnen eingegangen. Für mich ein Roman, den ich als ungewöhnlich wahrnehmen konnte, aber mich leider nicht komplett begeistern konnte. Ich empfand den Schmerz des Verlustes und den Kampf zum Weiterleben als sehr intensiv, denn der Tod hinterlässt Lücken, die sehr deutlich wurden. "Die Unsterblichen" ist interessant, aber mitunter leider auch etwas lahm und konnte mich nicht so sehr begeistern, wie ich es erhofft hatte. Ich vergebe daher eine eingeschränkte Leseempfehlung, da Bücher einfach Geschmackssache sind und mich das Buch nicht so tief berührt hat, wie ich es erwartet hätte.

Bewertung vom 26.10.2018
Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne
Nijkamp, Marieke

Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne


sehr gut

"Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne" ist ein Jugendroman, dessen leise Untertöne zum Ende immer lauter werden. Zu Beginn des Buches habe ich zunächst nicht verstanden, welches Ziel die Autorin verfolgt und war letztendlich sehr begeistert, wie sie es schafft Gegenwart und Vergangenheit miteinander zu verweben, um offen zu legen, wie schmerzhaft und beängstigend eine bipolare Störung auf Außenstehende wirkt. Manchmal so eindrücklich, dass Menschen ihre Grenzen vergessen. Kyra war erst eine Außenseiterin, die gemieden wird, um dann für das verschlafene Städtchen Lost Creek zu einer Ikone zu werden. Corey, die Kyra versprochen hat immer für sie da zu sein kommt zu spät. Kyra ist tot und die Aufklärung des Todes ist Aufhänger der Story mit ganz vielen Einblicken und winzig kleinen Puzzlestücken, die sich nach und nach zusammenfügen. "Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne" ist ein Roman, dessen leise Töne die lauten überwiegen, was auch daran liegt, dass Corey als Person eher besonnen ist. Sie ist nach Lost Creek gereist, um an der Beerdigung ihrer besten Freundin teilzunehmen und muss erkennen, dass sich vieles anders entwickelt hat wie es zunächst schien. Mir hat sehr gefallen, wie ein Tagebuch und Briefe, die niemals abgeschickt wurden in die Story eingebunden wurden, um begreiflich zu machen, wie sehr Kyra gelitten hat und von den Dorfbewohnern beeinflusst wurde, bis in den Tod hinein. Was fasziniert, ist, dass niemand wirklich trauert, sondern den Tod des Mädchens als Abschluss der Zerrissenheit und der bipolaren Störung zuschreiben. Corey entdeckt in diesen sechs Tagen ihres Besuchs viele Ungereimtheiten und bringt sich letztendlich selbst in Gefahr, da die Wahrheit des Selbstmordes oder Unfalls eine ganz andere ist, als zunächst angenommen.
"Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne" war für mich das zweite Buch der Autorin. Ich konnte mich ebenso wie in "54 Minuten" sehr gut auf Schreibstil und Orginalität der Story sehr gut auf Plot und Protagonisten einlassen. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Story an Fahrt aufnimmt und das Ziel der Autorin erkennbar wird. Erst ist es lediglich eine ganz besondere Freundschaft, deren Darstellung auf der bipolaren Störung aufgebaut ist und einem schlechten Gewissen nicht zur rechten Zeit am Ort des Geschehens gewesen zu sein, um dann umzuschwenken in Manie und Suggestion. Absolut gelungen und fantastisch dargestellt, da auch Übernatürliches ihren Platz findet. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung für "Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne", da ich positiv überrascht war, was die Autorin in diese Story hineingewebt hat.

Bewertung vom 19.10.2018
Lotta Schultüte
Roth, Sandra

Lotta Schultüte


ausgezeichnet

Zu hundert Prozent schwer mehrfachcharmant
Da mir "Lotta Wundertüte" schon sehr zugesagt hat, war ich erfreut darüber auch "Lotta Schultüte" lesen zu dürfen. Mein Dank an dieser Stelle an Vorablesen für diese wunderbare Möglichkeit Lotta näher kennen zu lernen und sie erneut zu begleiten. Klar ist, das Lotta zu hundert Prozent schwer mehrfachcharmant ist und ich mich nicht ausschließlich auf ihre Behinderung fokussiert habe. Über jeden kleinen Fortschritt habe ich mich sehr gefreut, denn ihre Eltern sind bemüht darum, Lotta ein Leben nach ihren Möglichkeiten zu gestalten. Mir imponiert es sehr, wie schonungslos Sandra Roth aus ihrem Alltag berichtet und dabei auch ihre Ängste eingesteht, denn auch sie wird nicht ewig für Lotta sorgen können und ich vermute, dass dieses im Leben mit einem Menschen mit Behinderung an der Tagesordnung ist. Der Alltag ist komplett durchstrukturiert und die Familie muss sich kleine Auszeiten schaffen, um wieder durchatmen zu können und Kraft zu tanken. Leider ist es die Umwelt, die Steine in den Weg werfen, da wir noch nicht Inklusionskompatibel sind. Mich macht es traurig, denn Kinder sollten, egal wie schwer die Behinderung ist integriert werden und nicht ausgegrenzt. Inklusion ist ein Thema, welches im Buch sehr viel Raum einnimmt, da die geeignete Schule für Lotta gesucht wird und es sich schnell herauskristallisiert, dass trotz gewünschter Inklusion oftmals kein Platz für Lotta ist, da zu wenig geschultes Personal, kein Fahrstuhl, kein Wickeltisch ... Die Aufzählung könnte endlos weitergehen. Klar ist, dass alle davon profitieren, wenn Lotta ihre Schule besuchen würde, denn 1. bringt sie eine Schulbegleitung mit, die für die Grundpflege sorgt und 2. ist Lotta eine echte Bereicherung für alle. Ein Kind mit Behinderung sorgt nämlich nicht nur für Mehrarbeit, aber wer sich nicht darauf einlassen kann und will, wird dieses niemals erfahren. Schon das Lesen lässt mich manchmal wütend reagieren oder treibt mir Tränen in die Augen, denn es ist sehr entmutigend, wenn einem dicke Steine den Weg ebnen. Es ist aber nicht nur die Suche nach einer geeigneten Schule, sondern auch das komplette Umfeld, die Mitmenschen, die Reaktionen auf Lotta, die den Alltag erschweren. Aussagen wie "Ich könnte das nicht" finde ich absolut geschmacklos. Kinder mit Down - Syndrom wird es irgendwann nicht mehr geben, da die Pränataldiagnostik mittlerweile so weit fortgeschritten ist, dass diese Behinderung ausstirbt. Manchmal frage ich mich in was für einer Welt wir leben, aber nun gut, dass ist ein anderes Thema. Hier geht es um Lotta, die sich sehr positiv entwickelt und jeder kleinste Fortschritt ist oskarreif. Mich begeistert, wie offen ihr Bruder Ben mit Lotta umgeht und wie sehr er seine Liebe zu ihr zeigt und wie wunderbar Lotta auch auf ihn reagiert. Mir geht da regelrecht das Herz auf. Ein Mensch mit Behinderung kann das Leben bereichern und tut dies auf vielfältige Art und Weise, man muss es nur zulassen können und sich nicht abwenden.
Aufgrund eigener Erfahrungen war für mich das Buch vielleicht um einiges bereichernder als für Menschen, die wenig Kontakt mit Menschen mit einer Behinderung haben. Ich fühlte mich in vielen Dingen bestätigt und empfand die persönlichen Erfahrungen, die in "Lotta Schultüte" einfließen wertschätzend und liebenswert. Es ist kein Makel Eltern oder Bruder einer Tochter oder Schwester mit einer Schwerstmehrfachbehinderung zu sein, sondern ein echter Gewinn. Lotta ist nämlich schwer mehrfachcharmant und das entfließt jeder Zeile im Buch niedergeschrieben. Danke, das ich erneut an eurem Leben teilhaben durfte. Ich freute mich über jeden noch so kleinen Fortschritt mit und wünsche euch für eure Zukunft mit Lotta nur das Allerbeste. Für mich ein Lesehighlight 2018.

Bewertung vom 18.10.2018
Saving Sophie - Ihr letzter Moment könnte auch Deiner sein.
Carrington, Sam

Saving Sophie - Ihr letzter Moment könnte auch Deiner sein.


sehr gut

"Saving Sophie - Ihr letzter Moment könnte auch Deiner sein." hat mich nicht sofort in den Bann gezogen, dieses geschah einige Zeit später. Auch wenn gleich zu Beginn ein Mord geschieht und es relativ schnell klar ist, dass auch Sophie in Gefahr ist, plätschert die Story erst einmal vor sich hin, um dann am Ende schnell an Fahrt aufzunehmen. Unbegreiflich ist für mich, das Sophie über das Geschehen schweigt und auch als der Mörder zu ihr Kontakt aufnimmt, weiterhin versucht ihr Leben zu leben, dabei ist sie diejenige, die nun in den Fokus des Täters rückt. Sieht sie die Gefahr nicht die ihr droht oder ist es Schuld die sie hindert sich mitzuteilen? Die Protagonistin Sophie empfand ich als sehr naiv und auch wenn sie sich nur teilweise an das Geschehen der besagten Nacht erinnert ist diese Geheimniskrämerei verstörend. Es läuft alles darauf hinaus, das Sophie das nächste Opfer wird und sie sitzt ihre Ängste und Sorgen aus, anstatt der Polizei oder auch ihren Eltern die Wahrheit oder zumindest die Flashbacks zu berichten. Dieses empfand ich als nicht sehr authentisch, denn niemand kann dieses auf Dauer aushalten ohne zusammenzubrechen. Ihre Mutter leidet nach einem Überfall an Agoraphobie und ist letztendlich diejenige, mit dem die Tat zusammenhängt. Ich empfand diese psychische Erkrankung als sehr gelungen dargestellt und was mich noch mehr fasziniert, ist, dass Mutterliebe dazu führt, diese Erkrankung ein Stück weit zu besiegen und sich selbst in einem völlig anderen Licht dazustellen. Die Kapitel werden aus unterschiedlichen Empfindungen und Erfahrungen dargestellt, in dem Kate und sowohl Sophie Einblicke in das Geschehen geben. Auch die Detectives, die den Mord aufklären sollen, geben Auskunft über die Ermittlungen, dadurch ergibt sich ein buntes Bild an Tatgeschehen und persönlichen Erleben. Für mich oftmals ein großer Spannungsmoment, denn alles fügt sich letztendlich so zusammen, um einen echten Überraschungsmoment präsentieren zu können. Die Autorin hat es verstanden, die Story letztendlich doch noch zu einem Thriller zu stricken. Die ersten 100 Seiten plätschern eher dahin, um dann schlussendlich doch noch genügend an Fahrt aufzunehmen, um dem Genre Thriller zu entsprechen.

Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung, obwohl ich natürlich einige Längen und Ungereimtheiten wahrgenommen habe, mich aber zum Ende hin auf die Story einlassen konnte. Wie schon erwähnt, begegnen uns einige psychische Erkrankungen, wobei Agoraphobie nur eine davon ist. Ich empfand es als sehr gelungen dargestellt, zumal Agoraphobie Thema meines Examens war und ich mich daher mit dieser Erkrankung schon vertraut gemacht hatte. Die Autorin hat sich da wirklich auf einer guten Ebene bewegt und diese Psychose glaubhaft dargestellt.

Bewertung vom 17.10.2018
Paradies
Fried, Amelie

Paradies


ausgezeichnet

"Paradies" der Autorin Amelie Fried sprang mir direkt durch das farbenfrohe Cover ins Auge. Es strahlt eine gewisse Harmonie aus und macht Lust auf Sommer, Sonne und Erholung. Der Einstieg in den Roman beginnt gleich spannend, da eine Leiche geborgen wird und der Tod in das Paradies Einkehr hält, wobei nicht klar ist, um wen es sich handelt. Es ist auch völlig überraschend und dennoch passend inszeniert zum Ende hin. Mir hat es gefallen, dass im Roman einige Protagonisten zu Wort kommen, um ihr Denken und Handeln zu verstehen, gleich zu Beginn oder auch erst im Nachhinein. Die Story ist definitiv nicht blass, sondern dem Cover angemessen. Meinen freien Tag verbrachte ich mit Lesen, denn diese mitunter chaotische Story packte mich und ich war einfach sehr gespannt darauf, immer tiefer in die Emotionen der Protagonisten einzutauchen.
Einmal abschalten und die Seele baumeln lassen, dass wäre auch mein Traum. Dem Alltag einfach entfliehen, obwohl ich sagen muss, dass ich in meinem Urlaub bitte auf diverse Unannehmlichkeiten wie hier im Roman auftretend, komplett verzichten möchte. Den Menschen im Roman wird mitunter übel mitgespielt, wobei manches selbstverschuldet ist und anderes eine Laune der Natur ist. Hier und da macht sich in mir auch Schadenfreude breit, da manches entstandene Chaos nicht fremd verschuldet ist, sondern dem Charakter des Menschen entsprungen.
Was harmonisch beginnt endet in einem Drama, denn die Geheimnisse, die einige Protagonisten mit sich herumtragen lassen sich leicht durch Google identifizieren oder auch Handynachrichten dienen der Wahrheitsfindung. Manches kommt für mich überraschend, manches ist vorhersehbar und dennoch gelungen präsentiert. "Paradies" ist definitiv nicht das Paradies, was sich die Teilnehmer der Reise erhofft haben. Es führt zu Veränderungen und für einige entwickelt sich die Reise zu einem Alptraum. Die Päckchen, die die beschriebenen Frauen mit sich herumtragen, werden im Verlauf der Story ausgepackt und der Inhalt ist nicht immer schön, sondern dient dazu, die Lebendigkeit des Geschehens aufrecht zu erhalten. Es sind nicht nur die Probleme der Frauen, sondern auch aktuelles Zeitgeschehen im Roman zu finden, daher kommt auch eine gewisse Authentizität ins Spiel. Mir hat "Paradies" wirklich sehr gefallen, denn Drama, Situationskomik oder auch Tantra lassen schmunzeln oder auch Mitleid empfinden. Insgesamt ein sehr gelungener Roman, den ich mir auch verfilmt sehr gut vorstellen könnte und daher eine uneingeschränkte Leseempfehlung an alle, die einfach mal abtauchen möchten in ein Paradies, welches sich im Nachhinein nicht als solches präsentiert.

Bewertung vom 16.10.2018
Piccola Sicilia
Speck, Daniel

Piccola Sicilia


gut

Einblicke in Religionen und Kulturen, gewebt in eine außergewöhnliche Liebesgeschichte

"Piccola Sizilia" erzählt atmosphärisch gelungen eine Liebesgeschichte, die Religionen und Kulturen gekonnt miteinander vereint. Leider fehlte mir mitunter ein klein wenig Tiefgang, da die Protagonisten doch eher oberflächlich bleiben. Ihr Denken und Handeln ist nicht immer nachvollziehbar, daher ergeben sich wenig Sympathiepunkte bei mir als Leserin. Wunderbar herausgearbeitet ist der zweite Weltkrieg, der auch in Italien nicht Halt gemacht hat und dort sehr verstörend auf Land und Leute wirkt. Romane mit Lerneffekt empfinde ich normalerweise als sehr eindrücklich und dennoch hatte ich mitunter das Gefühl mich nicht komplett auf die historischen Ereignisse einlassen zu können, da mir die eingewobene Liebesgeschichte zu sehr ausgeschmückt wurde und zuviel Raum einnahm. Die Liebesgeschichte ist außergewöhnlich, kann sich mir aber emotional nicht nähern. Die gelungene Atmosphäre des Anfangs ist leider zum Ende des Buches nicht mehr spürbar.
Erzählt wird in Gegenwart und Vergangenheit, wobei mir persönlich die Gegenwart ein klein wenig zu kurz kam. Das Bergen eines Wracks hätte um einiges interessanter gestrickt werden können. Ninas Lebenschaos berührte mich noch weniger als die der Protagonisten der Vergangenheit. Ich habe die 600 Seiten mitunter doch sehr mühsam gelesen, da leider einige Längen vorhanden sind und der Funke einfach nicht überspringen wollte. Was mich fasziniert hat, sind die unterschiedlich dargestellten Religionen und Kulturen, wobei der jüdische Glauben mich am meisten begeistert, da ich mich dort am wenigsten auskenne. Klar wird schnell, das Gottes auserwähltes Volk zerschlagen und ohne Heimat ist. Auch der Holocaust wird kurzzeitig angeschnitten und macht mir wieder einmal bewusst, welch Grauen und Fanatismus innerhalb Deutschlands auch vor anderen Teilen Europas nicht Halt gemacht hat.
Der Autor reißt vieles an und hat auch einige sehr gute Ansätze zu bieten, dennoch hatte ich oftmals das Gefühl, das ich meine hohen Erwartungen nicht erfüllt sehen kann.

Fazit: Eine außergewöhnliche Liebsgeschichte in den zweiten Weltkrieg verlegt, wobei hier auch ganz viel Drama inszeniert wurde, was mich aber leider nicht komplett überzeugt. Es wurde für mich relativ schnell deutlich, das die gelungene Atmosphäre des Anfangs nicht gehalten werden kann und die Story in meinen Augen dadurch leicht zu schwächeln beginnt. Da Bücher auf seine Leserschar unterschiedlich wirkt, wird "Piccola Sizilia" sicherlich für einiges an Gesprächsstoff sorgen. Ich bin leider nur mäßig begeistert, daher gibt es von mir nur eine eingeschränkte Leseempfehlung. Die Story innerhalb des Krieges zu verpacken ist gelungen, leider konnte es mich trotz Schrecken und Grauen nicht komplett überzeugen.