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Benutzername: Mel.E
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Bewertungen

Insgesamt 1019 Bewertungen
Bewertung vom 19.01.2019
Das Buch der vergessenen Artisten
Buck, Vera

Das Buch der vergessenen Artisten


ausgezeichnet

"Das Buch der vergessenen Artisten" ist mir mehrfach auf diversen Internetplattformen aufgefallen, sodass meine Neugier auf das Buch geweckt wurde und ich mich sehr über die Zusage des Verlages freute, diesen Roman lesen zu können. Mit 752 Seiten ist das Buch ein echter Wälzer, aber da es sehr spannend geschrieben ist, fällt dieses kaum ins Gewicht. Natürlich benötigt es ein klein wenig mehr Zeit, aber diese lohnt sich sehr. Geschichtlich ist einiges Fiktion und der Fantasie der Autorin entsprungen, aber einige Begebenheiten sind wahr und sehr realistisch dargestellt.
Das Cover zeigt sehr deutlich eine Frau mit diversen Rundungen, die eine Hantel über dem Kopf balanciert und dadurch aufweist, welche Stärke in ihr steckt. Meta ist eine Kraftfrau, die sich durch ihre Stärke ihr Geld verdient. Es wird ihr irgendwann verboten werden, sich als Kraftfrau zu zeigen und in diversen Shows aufzutreten. Vieles was vorher als Kunst galt und auch nicht immer ästhetisch wirkt, ist verboten und wird ausradiert. Dies gilt besonders für Menschen mit diversen Defiziten, die nicht der Norm, die in Deutschland vorherrschen soll, entspricht. Menschen, die mit ihrer eigentümlichen "Kunst" ihr Geld verdienen müssen sich verstecken und teilweise auch am Hungertuch nagen. Meta hat einen Bruder, Ernsti, der auch der Norm nicht entspricht und einen anderen Glauben hat, der in Deutschland nicht geduldet wird. Ernsti steht auf der Fahndungsliste und soll somit ausradiert werden. Meta hat schwer zu kämpfen damit, ihren Bruder zu befreien und letztendlich gelingt die Flucht aus der Irrenanstalt / Nervenklinik.
Mathis selbst ist als Sohn eines Bohnenbauern Kummer und Schmerz gewohnt, da er von seinen Brüdern regelmäßig verprügelt wird. Durch sein lahmes Bein ist er nicht fähig auf dem Feld zu helfen, was den Frust der Brüder darüber in Gewalt und Wut umschlagen lässt und da ist Mathis das ideale Opfer. Fasziniert von einem Röntgenapperat verlässt Mathis sein Elternhaus und dient Meister Bo auf dem Jahrmarkt als Assistent, nichtsahnend, wie schädlich Röntgenstrahlen sind und mitunter auch tödlich werden können. Die Faszination des Röntgen und die Stärke der Kraftfrau Meta werden relativ schnell deutlich. Mathis der diesen beiden Phänomenen sehr zugetan ist, ist derjenige, der die Künste aufleben lässt und dabei sich selbst eher in Nebenrollen versetzt.
Mir hat es sehr gefallen, wie Vera Buck diese Geschichte rund um Jahrmarkt und Krieg gewoben hat. Namen wie Marie Curie oder andere Physiker wie Wilhelm Conrad Röntgen werden eingeflochten und wirken absolut authentisch und passend zur Story.

Von mir eine Leseempfehlung an einen Roman, der mich regelrecht gefesselt hat, da ich manches nur von Bildern oder Büchern kenne. Die ersten Kinofilme wurden auf Bettlaken ausgestrahlt, Menschen ergötzten sich an den Defiziten anderer und als man begann alles was nicht in die Norm passte auszuradieren, wurden Menschen von jetzt auf gleich arbeitslos und waren der Gefahr der Selektion ausgesetzt. Amerika ist hierbei das Land der vielen Möglichkeiten und immer mehr das Ziel der Protagonisten Meta und Mathis, die ein sehr interessantes Paar abgeben und sich sehr abenteuerlich durch diese gewobene Geschichte bewegen. Wo der eine Schwäche zeigt, zeigt die andere Stärke und umgekehrt. Eine sehr interessante Kombination, die einerseits eine Zeit darstellt, in dem definitiv alles möglich war, bis jemand kam, der Menschen in allem was sie haben und können beschnitten hat und oftmals nur eine Flucht nach vorne möglich ist. Manchmal auch Rebellion mit der Gefahr sein Leben zu lassen. Authentisch und wirklich gelungen dargestellt. Meine Rezension kann das Buch nicht in all seinen Facetten wiedergeben und nur einen kleinen Ausschnitt bieten. Für mich hat sich das Lesen definitiv gelohnt.

★★★★★

Bewertung vom 30.12.2018
Hänschen klein
Winkelmann, Andreas

Hänschen klein


sehr gut

"Hänschen klein" berichtet über die obsessive Liebe einer Mutter zu ihrem Kind. An für sich absolut nachvollziehbar für mich als Mutter, wenn nicht paranormales Verhalten eingestreut worden wäre, mit dem ich nichts anfangen kann, bzw. mir das okkulte Denken oder schamenhaftes Verhalten der Menschen nicht einleuchtet. Trotzdem oder gerade deshalb, ist "Hänschen klein" mit echtem Thrill behaftet. Der Wahn wird relativ schnell deutlich, wobei ich natürlich erst ein Bewusstsein für Asthmaanfälle und die verborgenen Geschehnisse im Unterbewusstsein des Protagonisten Sebastian Schneider entwickeln musste. Alles was die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind im Wege steht, wird beseitigt, zumindest erscheint es so, auch Aberglaube wird hinzugefügt und gibt der Story dadurch eine interessante Note. Es überzeugt mich zwar nicht, ist aber dennoch mit einer gewissen Spannung durchzogen.

Wer das Kinderlied "Hänschen klein" kennt, weiß, dass der Sohn irgendwann zurückkehrt in die Arme seiner Mutter und auch in diesem Thriller ist es das Ziel, denn Mutter und Sohn werden voneinander getrennt. Sebastian Schneider wächst bei Adoptiveltern auf, die sein Schicksal verschleiert haben und erst mit der Sprache herausrücken, als ein Brief auftaucht und der Hund der Familie auf bestialische Art und Weise getötet wird. Die Situation spitz sich zu und die Gefahr rückt immer näher. Sie lauerte lange im Verborgenen und jetzt ist es an der Zeit sich zu erkennen zu geben. Leider werden dabei einige Menschen ihr Leben lassen müssen, da sie zwischen Mutter und Sohn stehen.

Andreas Winkelmann versteht sein Handwerk, denn er vermischt nicht nur Thrill und Psychologie miteinander, sondern baut viele andere Effekte in diesen Thriller mit ein, die den Spannungsbogen nähren konnten. Das Ende ist zwar nicht nach meinem Sinne, ist aber ein kluger Schachzug, denn wenn die Story weitergehen sollte, wäre ich als Leserin schon gewonnen.

Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung, auch wenn ich manches doch als unglaubwürdig oder auch überfordernd fand, war "Hänschen klein" letztendlich sehr gelungen und hat in mir das Kribbeln der Hochspannung erzeugt.

Bewertung vom 27.12.2018
Paper Ghosts
Heaberlin, Julia

Paper Ghosts


gut

Mit "Paper Ghosts" werden die Geister der Vergangenheit regelrecht ausgegraben und sollen der Schuldfindung dienlich sein. Die Autorin bedient sich hier zweier außergewöhnlichen Protagonisten und dieses ist anfänglich auch ein sehr gelungener Schachzug. Leider leidet hier und da durch Wiederholungen und Unglaubwürdigkeit des Geschehens, die zu Beginn aufgenommene Dynamik. Mitunter wirkt "Paper Ghosts"doch recht zäh und gewollt. Ich habe einige Stunden mehr als üblich mit Lesen verbracht, da ich tatsächlich manche Seiten zweimal lesen musste, da ich den Faden verlor und dieses spricht dann leider nicht unbedingt für ein Buch.
Die exzessive Suche nach dem Mörder ihrer Schwester lässt Grace ungewöhnliche Wege gehen. Sie trainiert ihren Körper hart , um dem Mörder ihrer Schwester ebenbürtig zu sein, was Stärke und Ausdauer betrifft, dennoch hat sie scheinbar versäumt darüber nachzudenken, wie sehr Alter und Demenz Menschen verändert, dieses scheint also ein klein wenig unglaubwürdig, denn Carl ist eher ein greiser alter Mann, dessen Erinnerungsvermögen eher blass wirkt. Es ist natürlich sehr interessant eine Demenzerkrankung in eine Story mit ein zu bauen, denn vielleicht spielt Carl auch nur eine Rolle? Immerhin könnte er ja auch ein Serienmörder sein, der seine Taten erfolgreich hinter einer Krankheit verbergen kann?
Komplett begeistern konnte mich "Paper Ghosts" leider nicht. Es gab einiges, was wirklich gelungen geschildert wurde und der Story einen passenden Rahmen bot. Anderes wiederum bleibt einfach blass und unerzählt. Mir ist klar, dass es für die Trauerverarbeitung wichtig ist, die Wahrheit zu kennen, aber sich derart zu verbeißen, erscheint mir nicht gesund.
Von mir eine eingeschränkte Leseempfehlung an ein Buch, welches auf diversen Plattformen als Thriller gelistet ist, den Aufdruck Roman enthält und diesem auch eher angepasst erscheint, denn für einen Thriller ist mir das Buch zu unspektakulär. Interessante Aspekte sind zwar vorhanden, ziehen sich aber leider nicht komplett durch die Story, sondern lassen diese hin und wieder unglaubwürdig und blass erscheinen. Ich habe einiges mehr erwartet. Gelungen sind die schwarz - weiß Fotos, die der Story angepasst sind und das Buch dadurch optisch aufwerten konnten.

Bewertung vom 15.12.2018
Der Himmel gehört uns
Allnutt, Luke

Der Himmel gehört uns


ausgezeichnet

Ich konnte keinen besseren Titel für meine Rezension wählen, als "Der Himmel gehört uns", denn er erscheint äußerst passend, um die beinhaltenden Begebenheiten zu beschreiben. Um sich auf das Buch einlassen zu können, muss dem Leser / der Leserin bewusst sein, dass es ein sehr schweres und erdrückendes Thema ist, welches der Autor Luke Allnut hier verarbeitet. Für mich als Mutter war es zum Teil sehr hart, Teil von Trauer und Hoffnungslosigkeit zu werden, dennoch strahlt diese Geschichte auch ganz viel Liebe und Wertschätzung aus, sodass es sich mit einem weinenden Auge und einem lachenden Auge lesen lässt. Es ist der Krebs, der Eltern entzweit. Die gemeinsamen Wege trennen sich durch die Erkrankung von Jack und Heilung erscheint nicht möglich. Wie sollen sich Eltern damit abfinden können?
Rob kann sich nicht damit abfinden, sein Kind aufzugeben und lässt sich dadurch auf Suggestion hervorgerufen durch ein Internetportal ein, wobei er seine Frau nicht miteinbezieht, sondern mit dem Kopf durch die Wand möchte. Ich kann ihm keine Schuld zuweisen, denn ich denke der kleinste Strohhalm ist es, an den Eltern sich klammern, um ihr Kind zu retten.
"Der Himmel gehört uns" hat viele schöne Facetten, beinhaltet aber auch sehr viel Drama und Schmerz. Es ist authentisch und hat mich mehrfach mitgerissen in den Sog der Angst um das einzige Kind und die Trauer darüber, es verlieren zu können.
Wer sich darauf einlassen kann, wird ein ganz besonderes Buch lesen, dessen Grundstimmung zwischendurch zwar überfordert, aber eben auch einzigartig geschrieben wurde. Für mich war es das erste Buch in dieser Art und ich kann nicht sagen, ob ich mich dem noch einmal stellen würde, denn Elternschaft beinhaltet immer Ängste um seine Kinder und ich vermute einfach, dass sich viele, wie es eben auch im Buch beschrieben ist, an Hoffnung klammern und daher auch völlig verrückte Wege gehen, um das Leben ihres Kindes zu erhalten. Es ist der Alptraum jeder Eltern sein Kind gehen lassen zu müssen und in "Der Himmel gehört uns" wird dies relativ schnell deutlich.

Vorsicht SPOILER!
Ich möchte gerne eine Leseempfehlung geben, da ich die Story als sehr authentisch empfunden habe und auch wenn mein Wunsch nach einem Happy End sich nicht erfüllt hat, hat es mich anders erschüttert als erwartet, denn nicht nur die Krenserkrankung steht hier im Vordergrund, sondern auch die Ehe, der Arbeitsplatz und das, was man aufzugeben bereit ist, um sein Kind zu retten. Die Story war nicht einen Moment lang blass oder oberflächlich, sondern so geschrieben, als würde sie mich selbst betreffen und das empfand ich als sehr gelungen. Ich konnte mich weder mit Anna, noch mit Rob identifizieren, dennoch sind sie Eltern und das ist, was letztendlich überwiegt.

★★★★★ (4,5 Sterne)

Bewertung vom 11.12.2018
My Love Story
Turner, Tina

My Love Story


sehr gut

Simply the Best - Eine authentische Autobigraphie mit Höhen und Tiefen
"My Love Story" ist eine Autobigraphie einer wirklich wunderbaren Entertainerin innerhalb der Musikgeschichte. Wer kennt Tina Turner nicht? Nachdem ich im letzten Jahr das Musical "Tina Turner" gesehen habe, war der Wunsch groß sich, weiter mit dieser Frau zu beschäftigen und mich auf ihre Höhen und Tiefen einzulassen. Im Musical wird einiges aus dem Leben der Rocklegende angerissen und neben den großartigen Songs bekam ich einen Einblick, aber eher oberflächlich. Ich war also auch sehr neugierig auf das Erleben Tina Turners, innerhalb ihrer Kindheit, ihrer Ehe mit Ike Turner, ihre Mutterschaft und dem Glanz einer Berühmtheit. Es gab vieles, was mir nicht gefallen hat, was das Showbiz aber wahrscheinlich mit sich bringt. Die Schulden, die Tina macht, um aus den Verträgen mit Ike entlassen zu werden, dienen dazu Unabhängigkeit zu erreichen und sich aus ihrem alten Leben Erlösung zu erkaufen. Nach einer schrecklichen Ehe voller Gewalt und Drogen beginnt Tina Turner sich etwas Eigenes aufzubauen und hat mit ihrer Einzigartigkeit große Erfolge. Mich macht allerdings traurig, dass sie trotz allem Ruhm wenig Zeit für ihre Kinder gefunden hat und die "Einsamkeit" die dadurch entsteht, somit weitreichende Folgen hat. Mein Mutterherz blutet regelrecht, auch wenn ich ein klein wenig Verständnis dafür habe, einer Ehe entfliehen zu wollen, die nicht auf Liebe basiert.
Erfolg scheint nicht immer das Sahnehäubchen zu sein, dieses wird relativ schnell deutlich. Es gilt Verzicht und Engagement in allen Lebensbereichen, wobei ich gerne auf Reichtum verzichte und mein Leben mit meinen Lieben genieße. Neidisch bin ich lediglich auf die Beine der guten Dame, die auch mit fast 80 Jahren immer noch der Hingucker schlechthin sind. Mir war allerdings nicht bewusst, dass Tina Turner Perücken trägt, also war es diesbezüglich etwas für mich Unbekanntes, was es zu entdecken gab. Es wird vermehrt deutlich, dass das Selbstwertgefühl der Musikerin einige Risse hat, was in ihrer Kindheit zu suchen ist und durch die wenige Wertschätzung durch ihre Mutter. Es hat mir sehr gefallen, dass auch andere Rock - Größen wie Bryan Adams, Mick Jagger oder auch Cher Platz im Buch fanden. Es ist eine kleine Hommage an Musiker, die ihren Weg gemeinsam mit Tina Turner gegangen sind und sich auch unterstützend zeigten.
Das Buch lässt sich sehr flüssig lesen. Die Seiten flogen nur so dahin. Begeistert haben mich die vielen Fotos, die eine andere Tina Turner zeigen als das TV uns Einblicke bieten würde. Natürlich führen die schonungslosen Berichte aus allen Bereichen des Lebens dazu viele Facetten von Emotionen zu empfinden, wobei Mitleid oder auch Trauer nur Auszüge dessen sind, was ich empfunden habe. Auch Krankheit und Tod finden ihren Platz und zeigen das Leben Pur. Interessant waren die Einblicke in den Buddhismus. Eine Religion, die mir eher unbekannt ist und auch das Aufsuchen einer Seherin mir eher suspekt erscheint.
Tina Turner findet ihre große Liebe, die ich ihr sehr gegönnt habe, nach all der Schmach, Unterordnung und Gewalt durch ihren Ehemann Ike. Keine Frau sollte sich so behandeln lassen müssen und die Flucht nach vorne, ist Tina Turner letztendlich gelungen, auch wenn dafür anderes auf der Strecke geblieben ist. Unter dem Titel "My Love Story" hatte ich eine Liebesgeschichte erwartet, die natürlich auch zu finden ist, aber zwischen dem ganzen Glanz und Glamour sehr wenig Raum eingenommen hat. Meine Erwartung war durch den gewählten Titel der Autobigraphie eine andere und lediglich das letzte Drittel des Buches erwähnt Erwin Bach.

Fazit: "My Love Story" ist eine Autobiographie, die sich im Bereich Drama einordnen lässt, mitunter fast schon Krimianteile durch Drogen und Gewalt aufweist und im letzten Drittel des Buches eine Liebesgeschichte beinhaltet. Durch den Facettenreichtum und die ansprechende Gestaltung eine Kaufempfehlung wert!

Bewertung vom 28.11.2018
Ich vernichte dich
Parks, Brad

Ich vernichte dich


ausgezeichnet

"Ich vernichte dich" weist einen genialen Plot auf und hat mich mehrere Lesestunden wirklich in Angst und Schrecken versetzt. Als Mutter blieb mir oft das Herz stehen, da ich es grausam empfunden habe, welch falsches Spiel mit Melanie der Protagonistin gespielt wird. Der Showdown am Ende lässt mich zufrieden und auch erschöpft zurück, da ich vor lauter Anspannung den Atem angehalten habe. Brad Parks versteht sein Handwerk und ebenso wie in "Nicht ein Wort" geht es um ein Kind, bzw. Kinder und das ist, was mich oftmals erschüttert hat. Melanie anzuhängen, dass sie mit Koks dealt ist unbegreiflich, da ich sie als liebende Mutter kennen lerne. Sie lebt in einer festen Beziehung und alles läuft rund, bis zu dem Tag an dem sie festgenommen wird. Alex, ihr Sohn kommt in die Fürsorge des Jugendamtes und Melanie trägt ab diesem Zeitpunkt den Namen "Koks - Mami", denn sie schreckt angeblich auch nicht davor zurück, ihre Geschäfte innerhalb ihres Haushaltes abzuwickeln. Parallel werden die Ermittlungen über einen Vergewaltiger aufgerollt, der während seiner Tat des Missbrauchs flüstert. Hier kommen die Ermittlungen zunächst ins Stocken, werden aber immer wieder erwähnt, da der Täter immer noch sein Unwesen treibt. Das Flüstern ist es, was ihm letztendlich den Hals bricht, da er erkannt wird und ab dem Zeitpunkt, nimmt der Thriller noch einmal mächtig an Fahrt auf. Für Melanie wünscht man sich als Leser/-in letztendlich nur ein Happy End, denn niemand hat es verdient, unschuldig verurteilt zu werden, wobei irgendwann auch noch eine Mordanklage hinzukommt und die Todesstrafe sehr nahe ist. Es ist ein wirklich grausames Spiel und die Wahrheitsfindung sieht finster aus, da alles gegen Melanie spricht. Rettung kommt dann völlig unerwartet und beweist Stalking auf völlig perfide und beängstigende Art und Weise. Lieben und geliebt werden hat oft zwei Seiten einer Medaille, obwohl es hierbei zur Wahrheitsfindung verhilft. Im Prinzip eine völlig verrückte Story, die viele Facetten der unterschiedlichsten Emotionen freisetzen konnte, aber dennoch ein positives Ende finden konnte. Völlig zufrieden konnte ich den Thriller beenden, da letztendlich Gerechtigkeit vorherrscht, auch wenn sich der Täter zunächst völlig straffrei für seine Bosheiten und Intrigen davon macht. Ein anderes Ende wäre vielleicht doch zu übertrieben gewesen?

Eine absolute Leseempfehlung an einen Thriller, der mich fast dazu verleitet hätte wieder damit anzufangen an Fingernägeln zu knabbern. Ich konnte es nicht ertragen, wie die junge Mutter behandelt wird, sei es von der Staatsanwaltschaft, den Medien oder auch von Mitmenschen. Leider sprechen alle Indizien gegen sie, aber letztendlich ist es nur ein gelungener Komplott. Dabei zuzusehen, wie die Justiz in die falsche Richtung ermittelt, ist haarsträubend und die Ungerechtigkeit schreit förmlich aus den fast 500 Seiten. Letztendlich hat es mich überzeugt und ich kann mich mit dem in meinem Betrachtungen des wirklich schönen Endes zurücklehnen und das Buch zufrieden und mit einem Lächeln zuklappen, um es in mein Regal zurück zu stellen. Alles richtig gemacht Mr. Parks!

Bewertung vom 28.11.2018
Hey Siri, willst du mich heiraten?
Newman, Judith

Hey Siri, willst du mich heiraten?


ausgezeichnet

"Hey Siri, willst du mich heiraten?" ist ein authentischer Auszug aus einem Leben mit einem Sohn, der eine Autismus Spektrum Störung hat. Mir hat es sehr gefallen in das Familienleben einzutauchen und "das Spektrum" näher kennen zu lernen. Aufgrund meiner Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin habe ich ein Jahr lang in einer Wohngruppe junger Männer mit dem Asperger Syndrom gearbeitet und empfand es mitunter als sehr schwierig, da jeder ein anderes Päckchen mit sich trägt. Während der eine sehr offen zu seinen Mitmenschen ist, ist dem anderen Berührungen komplett verhasst. Gus hat von allem etwas und ich hatte mitunter wirklich Freude daran ihn ein kurzes Stück begleiten zu dürfen. Ich gestehe, dass mir Judith Newman manchmal auch zu offen war, was die Probleme ihrer Söhne betrifft, denn manches, gerade im Bezug auf die Sexualität war es fast schon eine Bloßstellung von Tatsachen. Mein Sohn würde mich mit Verachtung bestrafen, wenn ich intime Dinge von ihm preisgeben würde.
Interessant ist der Vergleich der beiden Söhne (Zwillinge im übrigen), der eine mit und der andere ohne eine Behinderung. Die Entwicklung der beiden ist natürlich komplett unterschiedlich und meinen Respekt an die Eltern beide Kinder gleichwertig zu erziehen und dabei das gesunde Kind nicht zu überfordern. Gus wirkt oft sehr kindlich, was ihn wirklich sehr liebenswert macht, trotzdem lese ich heraus, dass es eine große tägliche Herausforderung an Eltern ist ein Kind mit Autismus zu einem "gesunden" Erwachsenen zu erziehen. Im Fall von Gus kommt hinzu, dass Judith Newman eine sogenannte Spätgebärende ist und sein Vater 30 Jahre älter als seine Mutter, was natürlich noch andere Ängste entstehen lässt. Wird Gus jemals so selbstständig sein, dass er für sich alleine sorgen kann? Wie wird sein Leben ohne den Rückhalt seiner Eltern?
Der Roman, der in die Genre Sachbuch eingeordnet ist, beschreibt schonungslos und in all seinen Facetten den Alltag eines jungen Menschen mit Autismus. Viele "Verrücktheiten" von Gus waren mir durch den Umgang innerhalb meines FSJ bekannt, daher konnten sie mich nicht überraschen.
Der Titel erzählt nur einen kurzen Augenblick aus dem Leben von Gus. Der Umgang mit dem Handy wird schon sehr intensiv beleuchtet, ist aber nicht der Fokus. Im Fokus steht ganz alleine Gus und das Spektrum in dem er sich befindet. Meine Wahl darauf, meine Rezension "Im Spektrum" zu nennen, erkläre ich dadurch, das Autismus nicht gleich Autismus ist und sich auf jeden Erkrankten (soll jetzt bitte nicht bösartig klingen) eine andere Auswirkung hat. Ich fand es sehr spannend Gus zu begleiten und es hat mich wirklich begeistern können. Manche bewusste Entscheidungen ein Buch zu lesen gestalten sich als sehr wertvoll, lehrreich und bereichernd. Von mir eine absolute Leseempfehlung an ein Sachbuch, welches detailgetreu ein Leben beschreibt, welches doch außergewöhnlich ist und auch wenn mir manches doch zu intim war, mir eine gelungene Lesezeit geschenkt hat.

Bewertung vom 26.11.2018
Muttertag / Oliver von Bodenstein Bd.9
Neuhaus, Nele

Muttertag / Oliver von Bodenstein Bd.9


ausgezeichnet

"Muttertag" ist der neunte Band einer Krimreihe, dessen Protagonisten Pia Sander und Oliver von Bodenstein vor große Herausforderungen stellt. Es gilt einen Serientäter zu finden, der rund um den Muttertag mordet und dabei äußerst brutal vorgeht. Faszinierend ist, dass es immer wieder gelungene Einblicke in die menschliche Psyche gibt und auch Aufklärung im Bereich der Forensik. Von einer Wachsleiche habe ich bisher weder gelesen, noch gehört und empfand die Erklärungen dazu sehr aufschlussreich und spannend. Wer schon zuvor Bücher der Autorin gelesen hat, weiß, dass sie sich nicht mit Kleinigkeiten aufhält, sondern den Ort des Geschehens und die Begebenheiten voller Hochspannung wiedergibt. Für mich nicht immer nur im Bereich Krimi anzusiedeln, sondern mitunter auch im Genre Psychothriller. Mich hat "Muttertag" von Beginn an sehr gefesselt, denn je mehr ich las, umso verwirrender wurde die Story. Es werden Verdachtsmomente freigesetzt, die aber den wahren Täter lange nicht erblicken lassen, den durch häusliche Gewalt, vor der Nele Neuhaus auch nicht zurückschreckt, könnte jedes der Pflegekinder ein Motiv haben. Vielleicht ist aber doch alles ganz anders und wird mir als Leserin nur suggeriert, damit ich schon von Beginn an abwertend und negativ auf mögliche Täter reagiere?

Der Krimi hat letztendlich einen absolut gigantischen Plot, der mir manchmal wirklich durch Mark und Bein ging, aufgrund der grausamen Strafen der Kinder, die mir sehr grausam erschienen. Durch psychologische Abhängigkeit hervorgerufen verändert sich das Leben des einzelnen Kindes und es ist phänomenal und äußerst glaubwürdig dargestellt. Wir erwachsenen Menschen lege oftmals den Grundstein im Leben eines Kindes im Bezug auf Sozialverhalten und Urvertrauen. Ist und dieses eigentlich bewusst? Hier ist eigennütziges und liebloses Handeln mehrfach zu lesen und die Rache die darauf folgt hart. Ich werde scheinbar niemals ein Täterverständnis aufbringen, dennoch kann ich mich darauf einlassen, da ich auch sehr viel Leid sehe. Dadurch, das vieles vertuscht wurde und ungesagt bleibt, machen sich einige Menschen schuldig am anderen und es ist teilweise erbärmlich, wie sich heraus gewunden wird, ohne sich eine Teilschuld zu geben.

Letztendlich kann ich nur eine Leseempfehlung geben, da meine Eindrücke zu "Muttertag" ausschließlich positiv sind. Da ich auch die anderen Krimis der Autorin gelesen habe, war es ein indirektes Wiedersehen mit alten Freunden, die erneut mitzuerleben in all ihren Eigenarten und ihrem Lebenswandel erneut interessant waren. schön ist, wenn Menschen sich verändern und man dieses deutlich spürt. Für Pia Kirchhoff entwickelt sich die Aufklärung des Falles "Muttertag" zu echtem Horror, welches deutlich zu spüren ist. Ein Krimi ganz nach meinem Geschmack, der seinen Höhepunkt zwar erst zum Ende hin erreicht, aber zuvor schon jede Menge Spannung aufweisen kann, dass das Lesen wirklich viel zu zügig voranschreitet. Ich hatte kaum angefangen, da war das E-Book auch schon fast beendet, da ich meinen Reader kaum aus den Händen legen konnte.

Bewertung vom 22.11.2018
Ich küss dich tot
Berg, Ellen

Ich küss dich tot


ausgezeichnet

"Ich küss dich tot" ist ein sehr gelungener Roman, der mich mehrfach zum Schmunzeln gebracht hat. das entstandene Chaos im Leben der Protagonistin Annabelle ist dramatisch und dennoch so amüsant ausgeführt, dass das Lesen einfach nur Spaß macht, obwohl einige Leichen ihren Weg säumen. Durch eine List befindet sich Annabelle rasch in ihrem Elternhaus wieder, welchem sie jahrelang den Rücken gekehrt hat, um erfolgreich in verschiedensten Hotels dieser Welt zu arbeiten. Ihr Erfolg gibt ihr Recht, da sie ihren neuen Job in Singapur auf Eis legen muss, um der Familie nach dem "Schlaganfall" ihres Vaters unter die Arme zu greifen. Das verträumte Bergdorf, welches Annabelles Heimatdorf ist, steht vor dem Ruin und soll von einem Investoren aufgekauft werden, dieser liegt allerdings tot im Straßengraben. Es scheint, das alle die für einen Verkauf sprechen urplötzlich von der Bildfläche verschwinden oder tot aufgefunden werden. Ich hatte relativ schnell einen Verdachtmoment, wer hinter den Morden stehen könnte und war letztendlich auch auf der richtigen Fährte. Das Chaos ist wirklich gelungen dargestellt, wenn auch reichlich überspitzt, was "Ich küss dich tot" gleichzeitig zu einem Krimi, einer Liebesgeschichte, aber auch zu einer Komödie mutieren lässt. Für mich war dieser Roman absolut gelungen in allen Bereichen.

Wieder einmal war es Titel und Cover, welches mich sehr angesprochen hat und daher freute ich mich sehr, mich einzureihen in eine Schar von Leser_innen, die diesen Roman gemeinsam gelesen haben. Die Diskussionen rund um das Geschehen war herrlich erfrischend und die Beteiligung der Autorin absolut gelungen.

Ich kann mich einem gewissen Wohlfühleffekt nicht entziehen, da das Amüsement sich komplett durch den Roman ziehen konnte und mir viele Augenblicke des Schmunzelns beschert hat. Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung an alle diejenigen, die sich gerne mit einem Roman auseinandersetzen möchte, der einige skurrile Persönlichkeiten und Begebenheiten beschreibt, die sie humorvoll dargestellt sind, dass es einfach nur gut tut und es wunderbar gelingt dem Alltag zu entfliehen. Für mich ein Highlight 2018 im Bereich "Humor". Ich, die ich normalerweise im Genre Krimi / Thriller meine Vorlieben habe, kam voll auf meine Kosten, denn auch vor Mord schreckte die Autorin nicht zurück und ließ dadurch eine gewisse Spannung aufkommen, die zwar keine Überraschungsmomente bot, letztendlich aber zur Story passte wie die Faust aufs Auge.

Bewertung vom 21.11.2018
Ein Kind entsteht
Nilsson, Lennart

Ein Kind entsteht


ausgezeichnet

"Ein Kind entsteht" ist in meinen Augen ein sehr wertvolles Buch, welches unbedingt gelesen und betrachtet werden muss, besonders dann, wenn man Kinder im Vorschulalter hat, die mit großem Interesse das Wunder von Schwangerschaft und Geburt verstehen wollen. Ich habe dieses Buch mit meiner Tochter gemeinsam betrachtet, da der Sexualunterricht erst kürzlich beendet worden ist und noch Fragen offen waren. Es war herrlich sich mit der Befruchtung und der Entstehung des Embryos zu beschäftigen. Deutlich ist, dass es sich hierbei nicht einfach um einen Zellklumpen handelt, sondern gleich zu Beginn um Leben handelt. Ich, die ich an einen Schöpfergott glaube halte ein Buch in meinen Händen, welches das Wunder Mensch eindeutig bestätigt. Ich konnte verfolgen, wie das Kind im Bauch wächst, welche Fähigkeiten von Woche zu Woche hinzukommen und natürlich auch nachlesen, wie die Frau sich in der Schwangerschaft verändert. Da ich selbst drei Kinder entbunden habe, war mir natürlich nicht alles fremd, dennoch war ich mehrfach zu Tränen gerührt, als ich mich in schönen und auch schweren Erinnerungen begab. Gerade die Bilder des Geburtsvorganges bewegten mich sehr. Es ist zwar eine schmerzliche Erfahrung, aber dennoch möchte ich sie nicht missen wollen. Kinder werden beim Betrachten der Bilder definitiv nicht überfordert, da es ein ganz natürlicher Vorgang ist und die Bilder zwar nicht verharmlosen, aber eben auch nicht all das rüber bringen können, was Frau in gerade diesen Momenten empfindet.
Ich bin sehr dankbar darüber, das mir der Verlag das Buch zur Rezension zur Verfügung gestellt hat und ich mich erneut mit dem Wunder Leben auseinandersetzen konnte, wenn auch in einer anderen Perspektive. Ich habe mich ganz bewusst für dieses Buch entschieden, da ich neugierig darauf war, wie Befruchtung, Schwangerschaft und letztendlich auch der Geburtsvorgang bebildert sind. Hierbei handelt es sich um eine Neuauflage des Buches, welches schon mehrfach Menschen begeistern konnte. Die Technik des Ultraschalls hat sie vielfach verbessert und macht das Babyschauen in den Schwangerschaften zu einem Highlight. Ich selbst konnte von 3D leider nicht profitieren, aber nun konnte ich es nachholen, wenn auch nicht an meinem eigenen Kind.
Es ist eine Sensation und ein Wunder im Gesamtpaket und eine absolute Leseempfehlung, da ich wirklich mit Begeisterung Bilder betrachten durfte und mich mit dem dazgehörigen Text beschäftigen konnte. "Ein Kind entsteht" eignet sich natürlich auch hervorragend innerhalb der Schwangerschaft als Begleitung und Zeuge dessen, was gerade im Mutterleib geschieht. Ich bin wirklich begeistert und werde dieses Buch hin und wieder gerne in die Hände nehmen und betrachten.