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Benutzername: Bella von www.bellaswonderworld.de
Wohnort: Karlsruhe
Über mich: Ich bin 31 Jahre alt und mein größtes Hobby ist das Lesen. Ich verschlinge alle möglichen Titel querbeet durch die verschiedensten Genres. Meine Leseleidenschaft teile ich mit anderen Lesebegeisterten auf meinem Blog www.bellaswonderworld.de
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Bewertungen

Insgesamt 1087 Bewertungen
Bewertung vom 15.06.2021
Isola 2
Fletcher, Brenden

Isola 2


sehr gut

Meine Meinung

Die mysteriöse Fantasygeschichte über Captain Rooke und ihre Königin Olwyn geht in »Isola Band 2« ebenso märchenhaft wie exotisch weiter und bezaubert mit magischen Bildern, die sich in cineastischer Manier aneinanderfügen und einen immer tiefer in die Geschichte mitnehmen.

Der Fokus liegt auch in diesem zweiten Band ganz klar auf der Beziehung zwischen Captain Rooke und ihrer Königin Olwyn, die durch einen Fluch in einen Tiger mit schimmernden blauen Streifen verwandelt wurde. Auf dem Weg nach Isola durchstreifen sie die fantasievolle und ausgefallene Welt, zu der es bisher keine erläuternde Worte gab, sondern die nur durch die großartigen Zeichnungen ihre Wirkung entfalten.

Spannung kommt auf, als das eingespielte Team durch einen mysteriösen Ort reist, an dem alle Kinder verschwunden sind, die Bewohner einen speziellen Glauben haben und sie schließlich auch noch auf eine durchtriebene Hexe stoßen, die ausgestoßen von der Gemeinschaft, in einem einsamen Häuschen haust. Da Rooke schwer verletzt ist, sind sie auf die Hilfe der Unbekannten angewiesen und diese versucht sogleich einen Keil zwischen Soldatin und Tigerin zu treiben, der ihr zum Vorteil gereicht.

Das Kreativteam Brenden Fletscher und Karl Kerschl haben mich auch in diesem zweiten Band mit einer gelungenen Mischung aus märchenhafter Fantasy und beeindruckenden Bildern verzaubert und die außergewöhnliche Kolorierung durch MSassyK hat meine Augen leuchten lassen. Die starke Beziehung der Hauptprotagonisten hat die Geschichte polarisiert und für emotionale Tiefe gesorgt, allerdings hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle doch Informationen zum Weltenbau und Gesellschaft gewünscht.

Als Extra gibt es noch diverse Covergestaltungen und ein paar Comic-Seiten, die Einblicke in die Entstehungsgeschichte der Comic-Serie liefern und aufzeigen, wie die Zusammenarbeit zwischen Autor, Zeichner und Koloristin funktioniert.

Fazit

Eine faszinierend wie auch mystische Reihenfortsetzung des Fantasy-Märchens »Isola«, die mit magischen Bildern hypnotisiert. Die Panels kommen mit wenig Text aus, was einige Fragen bezüglich des Settings aufwirft.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 13.06.2021

Bewertung vom 15.06.2021
Mythen der Antike: Die Odyssee (Graphic Novel)
Ferry, Luc;Bruneau, Clotilde

Mythen der Antike: Die Odyssee (Graphic Novel)


ausgezeichnet

Meine Meinung

Die zehnte Ausgabe aus der Reihe »Mythen der Antike« widmet sich mit »Die Odyssee« der legendären Heimreise des cleveren Königs Odysseus. Luc Ferry und Clotile Bruenau haben den sagenumwobenen Stoff dieser philosophischen Geschichte in ein fesselndes Comicformat in 4 Kapitel gegossen, die von Giovanni Lorusso (Kapitel 1) und Guiseppe Baiguera (Kapitel 2 bis 4) illustriert wurden.

Die abenteuerliche Irrfahrt des Odysseus nach dem zehnjährigen Krieg in Troja liest sich wie ein Actionstreifen und doch verstecken sich hinter den zahlreichen Herausforderungen, die sich Odysseus auf seiner Heimreise nach Ithaka in den Weg stellen, philosophische Aspekte, welche detailiert im Zusatzmaterial von Luc Ferry aufgedröselt werden. Die grundlegende Frage ist, wie nach einer so langen barbarischen Kriegszeit die Rückkehr in ein lebenswertes Dasein möglich ist.

Zusammen mit seiner Mannschaft muss sich Odysseus nicht nur den eigenen Dämonen stellen, sondern sich auch gegen Riesen, Seeungeheuer, die zauberhafte Hexe Circe und einiges mehr beweisen. Sein Weg führt ihn sogar in die Unterwelt und dennoch stellt sich ihm die größte Hürde zu Hause in seinem eigenen Palast, als er sich Heim und Frau gegen eine wilde Meute Freier versichern muss.

»Die Odyssee« vereint mehrere Abenteuer in sich, die in einem großen Ganzen gesehen ein rundes Bild abgeben, zudem unterhält die temporeiche Geschichte von der ersten bis zur letzten Seite. Die Illustratoren dieser Ausgabe haben ihr Können bereits in vorherigen Bänden unter Beweis gestellt, so wurde »Perseus und Medusa« von Giovanni Lorusso und »Antigone« von Guiseppe Baiguera gezeichnet.

Diese umfangreiche Ausgabe wurde von den Illustratoren Lorusso und Baiguera in lebendige Panels gefüllt, denen man auch als Comiceinsteiger folgen kann. Außerdem bin ich wieder sehr begeistert von dem detailverliebten, anschaulichen Zeichnungen und den dynamischen Farben. Ein Comicgenuss und mein bisheriges Highlight aus der Comic-Reihe über die griechische Mythologie.

Fazit

Die philosophische Geschichte der Odyssee des Odysseus ist der absolute WAHNSINN im Comicformat. Mein absoluter Liebling aus dieser Reihe!

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 12.06.2021

Bewertung vom 15.06.2021
Mikroorgasmen überall
Eulberg, Dominik

Mikroorgasmen überall


sehr gut

Meine Meinung

Auf den ersten Blick wirkt das Buch wie ein Werk aus dem Naturkundemuseum, da das Cover einen typischen Schaubildcharakter verströmt, doch der Techno-DJ, Biologe und Naturliebhaber Dominik Eulberg entführt in seinem Sachbuch-Debüt »Mikroorgasmen überall« auf anschauliche Art und Weise in die heimische Flora und Fauna, als würde man ihm bei einem gemütlichen Spaziergang begleiten und seinem Wissensschatz lauschen.

Fein gezeichnete und detaillierte Illustrationen der Cramers Gallery Of Nature leiten die einzelnen Kapitel ein. Die fantasievollen Titel reichen von ›Käfer mit Superkräften‹ über ›Die drei Millionen Musketier‹ bis hin zu ›Hör mal, wer da hämmert‹. Dominik Eulberg erläutert nicht nur die Besonderheiten einzelner Tierchen und Pflanzen und deren Lebensraum, sondern bildet gleich die Zusammenhänge heraus und macht damit deutlich, dass im Grunde genommen alles mit allem verbunden ist. Damit ist die wichtige Botschaft seines Buchs auch klar: Wir sollten auch die kleinsten Insekten und Käfer für ihre Wichtigkeit im Kreislauf der Umwelt respektieren und schützen.

Die Kapitel lassen sich auch durcheinander lesen, denn alles Wissenswerte wurde in einen in sich abgeschlossenen Rahmen gegossen. Somit eignet sich »Mikroorgasmen überall« auch einwandfrei als Nachschlageweg und Begleiter auf Wanderungen und Spaziergängen. Ich hatte viel Freude an Dominik Eulbergs unterhaltsamen Ausführungen zu Biber, Specht, Fledermaus und Co. und war überrascht wie viel Informationen auf wenig Seiten Platz finden. Manchmal fühlte ich mich sogar etwas erschlagen von der ganzen Fülle.

Die wunderschönen Illustrationen zu jedem Kapitelbeginn bilden leider immer nur einen Teil des Erwähnten ab, so hätte ich mir oftmals noch ergänzende Illustrationen in den Textteilen gewünscht, die das Erzählte visuell noch mehr unterstützt hätte. Natürlich wird damit auch Neugier geweckt, die zum selbst Entdecken und Nachforschen in der freien Natur einlädt.

Wenn man gerne wissen möchte, dass Libellen die Welt in Hypermulticolor sehen, welcher Vogel nonstop von Alaska nach Neuseeland fliegen kann, woher der Ausspruch ›Das ist ja wohl ein dicker Hund!‹ kommt und warum Musik ein hervorragendes Antidepressivum ist – sollte man unbedingt zu diesem fabelhaften Buch greifen!

Fazit

Nach diesem Buch wird man bei einem Spaziergang Umwelt, Blumen und Getier mit ganz anderen Augen wahrnehmen. Unterhaltsam erklärt Dominik Eulberg wie alles miteinander verbunden ist und zusammenhängt und welche kleine und große Wunder die Natur hervorbringt.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 11.06.2021

Bewertung vom 15.06.2021
Something is killing the Children. Band 2
Tynion, James

Something is killing the Children. Band 2


ausgezeichnet

Meine Meinung

Nachdem Erica Slaughter im ersten Teil von »Something ist killing the Children« dem Kindermordenden Monster der Kleinstadt Archer’s Peak den Garaus bereitete und die Überreste zur Identifizierung freigegeben wurde, könnte eigentlich wieder Ruhe einkehren – doch das Monster war ein Muttertier und so hat Erica alle Hände voll zu tun, um Schlimmeres zu Verhindern, denn die Monsterkinder gieren nach frischer Nahrung.

Während die örtliche Polizei versucht, die erschreckenden Ereignisse aufzuarbeiten, zieht Ericas Versagen die Aufmerksamkeit des mysteriösen Geheimbundes des Slaughter-Clans auf sich, welcher sich gezwungen sieht (mal wieder) jemanden zum Aufräumen hinterherzuschicken. Bei dieser Gelegenheit erfährt man mehr über Ericas Vergangenheit, doch Informationen und Hintergründe zum Geheimbund selbst bleiben weiterhin im Dunkeln. Nur eines scheint klar, wenn nicht schnell jemand den Monsterkindern beikommt, die nur von Erica, James und dem überlebenden Mädchen Bian gesehen werden können, dann wird die Kleinstadt erneut von schrecklichen Bluttaten heimgesucht.

Die Geschichte von James Tynion IV liefert Spannung, Horror und geheimnisvolle Mysterien, was im Zusammenspiel wunderbar funktioniert und einen Unterhaltungsfaktor aufruft, der mich förmlich an den Seiten kleben ließ. Gerade in Bezug auf den Geheimbund hätte ich mir etwas mehr Input gewünscht, aber auf der anderen Seite bin ich einfach begeistert von der einnehmenden Serienheldin Erica, die sich ganz ihrem Ziel – Menschen in (Monster)Not zu helfen – verschrieben hat und dabei ihre eigenen Prinzipien verfolgt. So ist sie, im Gegensatz zum Geheimorden, nicht bereit Kollateralschäden und unschuldige Opfer in Kauf zu nehmen.

Atmosphärische Horrorstimmung kommt mit den klaren Illustrationen von Werther Dell’edera auf, die die düstere und brutale Essenz der Story brillant transportieren. Mit den weit aufgerissenen Augen von Erica hält zudem eine tiefe Emotionalität in die Geschichte, die im Kontrast zu der ganzen Brutalität steht und mich unheimlich fesselte. Für Monster-Horror-Fans eine absolute Leseempfehlung!

Fazit

Kindermordende Monster treiben immer noch ihr Unwesen und die knallharte Erica Slaughter bekommt etwas mehr Schärfe und Tiefgang in dieser Serienfortsetzung. Kann es kaum erwarten, mehr davon zu bekommen.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 10.06.2021

Bewertung vom 15.06.2021
1984 (Graphic Novel)
Orwell, George;Titeux de la Croix, Sybille

1984 (Graphic Novel)


ausgezeichnet

Meine Meinung

Seit Januar 2021 ist der dystopische Klassiker 1984 von George Orwell in Europa gemeinfrei, was zu zahlreichen Veröffentlichungen in unterschiedlichen Verlagen führte. Auch im Comicbereich gibt es unterschiedliche Ausgaben und heute möchte ich euch das Werk aus dem Splitter Verlag vorstellen, welches von Sybille Titeux de la Croix & Amazing Ameziane nach dem Roman von George Orwell entworfen wurde.

Die Story dürfte mittlerweile wohl fast jedem bekannt sein, es geht um eine totalitäre staatliche Macht, die mit populistischen Parolen, strengen Gesetzen und eine komplette Überwachung der Bevölkerung ihre Bürger*innen unterdrückt. Passend zu Orwells düsterem Überwachungsstaat spiegelt sich die Tristesse in den klaren geometrischen Formen und der betonfarbigen Koloration von Amazing Ameziane.

Winston Smith arbeitet im Ministerium der Wahrheit, welches tagtäglich die Geschichte umschreibt, sodass alles den Aussagen der Partei entspricht. Als er beginnt Tagebuch zu schreiben und eine verbotene Liebesaffäre eingeht, droht von jeder Seite Gefahr, denn die Gedankenpolizei und die Teleschirme lauern überall. Kann es für sie Freiheit in einem Staat geben, der sich die Parolen ›Krieg ist Frieden‹, ›Freiheit ist Sklaverei‹ und ›Unwissenheit ist Stärke‹ auf die Fahne geschrieben hat?

Sybille Titeux de la Croix hält sich sehr nahe an der Romanvorlage und benötigt daher auch etwas mehr Text um die Zusammenhänge herzustellen und zu Erklären. Dies tut dem Comic jedoch keinen Abbruch, sondern verleiht den kantigen Illustrationen noch mehr Nachdruck und Tiefe. Das beklemmende Gefühl eines totalen Überwachungsstaates wurde hier perfekt eingefangen und übt eine fesselnde Anziehungskraft aus, sodass ich den Comic, einmal begonnen, nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Fazit

Dieser starke Comic adaptiert George Orwells Klassiker der Weltliteratur und ist für alle, die nicht zum Buch greifen wollen, eine wunderbare Alternative.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 09.06.2021

Bewertung vom 15.06.2021
Mary Shelley
Di Virgilio, Alessandro

Mary Shelley


sehr gut

Meine Meinung

Im Comicprogramm des Knesebeck Verlags finden sich tolle Biografie-Titel, wie z. B. über Marie Curie oder Walt Disney und einige mehr. Natürlich war meine Neugier gleich geweckt, als sich sah, dass es eine Comicbiografie über die Schriftstellerin Mary Wollstonecraft Shelley geben wird.

Der italienische Autor Alessandro Di Virgilio und Zeichnerin Manuela Santoni haben sich in »Mary Shelley: Die Comic-Biografie der Frankenstein-Schöpferin« den jungen Jahren der bedeutenden Wegbereiterin der monströsen Science-Fiction gewidmet und zeichnen ein kurzweiliges und dennoch deutliches Bild der prägenden Ereignisse im Leben der talentierten Schriftstellerin.

Kurz nach ihrer Geburt verstirbt ihre Mutter, die Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft, und so wächst die Halbwaise bei ihrem Vater, dem frühen Sozialphilosophen William Godwin heran. Geprägt von ihrem gebildeten Elternhaus und ihrer Beziehung zu Stiefmutter und Stiefschwester entwickelt sich die kleine Mary zu einer klugen jungen Frau.

Bereits im Alter von sechzehn Jahren begegnet sie im Hause ihres Vaters dem Dichter Percy Bysshe Shelley, und obwohl dieser bereits verheiratet ist, wird aus ihnen ein Liebespaar. Gemeinsam erleben sie schöne Momente und bereisen den Kontinent, doch ihre Beziehung ist auch von dunklen, schicksalhaften, Ereignissen bestimmt, die Mary mit schrecklichen Alpträumen belegen.

Der Samen dieser Alpträume beginnt schließlich zu sprießen, als Mary und Percy 1816 Zeit mit Lord Byron und dessen Leibarzt John William Polidori am Genfer See verbringen, denn dort kommt Mary die Idee zu ihrem berühmtesten Werk »Frankenstein oder Der moderne Prometheus«, welches als Gründungsstein der Science Fiction gilt und 1818 erstmals veröffentlicht wurde. Leider endet diese Biografie auch schon mit der Geburtsstunde von Frankensteins Monster, dabei wäre ich Alessandro Di Virgilios kurzweiligem Werk gerne noch weiter gefolgt und hätte zu gerne gelesen, wie es danach weiterging. Denn einige Jahre später im Jahre 1826 erscheint ihr Roman »Der letzte Mensch«, der sich zu dieser Pandemiezeit wieder in Erinnerung ruft und als zeitloser Klassiker mit dystopischem Einschlag angesehen werden kann.

Begeistert hat mich das schnörkellose Artwork von Manuela Santoni, dass in schwarz-weiß und mit wenigen gezielten roten Akzentuierungen auskommt, und damit dem Werk eine unvergleichliche Stimmung und Tiefe einhaucht.

Fazit

Eine kunstvolle Comic-Biographie über die jungen Jahre der Schriftstellerin Mary Shelley, die zwar mit ausdrucksstarken Illustrationen überzeugen kann, aber trotzdem das Gefühl vermittelt, gerade einmal an der Oberfläche gekratzt zu haben.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 06.06.2021

Bewertung vom 15.06.2021
Narrenkrone
Koch, Boris

Narrenkrone


sehr gut

Beschreibung

In der einstigen Kaiserstadt Ycena befindet sich ein dornenüberwucherter Palast, in dem der seit jahrhunderten schlafende Hofstaat darauf wartet, dass die Kaisertochter wachgeküsst wird und dadurch die dreizehn Königreiche wieder unter einem Kaiser, wie in alten glanzvollen Zeiten, vereint werden. In den Ruinen Ycenas scheint die Kraft der Dornenhecke zu schwinden und so beginnt ein Kampf um die Kaisertochter und gegen die Zeit.

Meine Meinung

Boris Koch setzt mit »Narrenkrone« seine fabelhafte Neuinterpretation des »Dornröschen«-Märchens fort, welches in »Dornenthron« seinen Anfang nahm und nun ein wunderbares Finale bereitet bekommt.

Im Vergleich zum Auftaktband, der aus mehreren Erzählsträngen zu einem Ganzen verwoben wurde, hat man nun das Gefühl eine homogenere Geschichte zu lesen, die sich zum einen in der Ruinenstadt Ycena zuträgt, wo sich einige Bekannte Charaktere tummeln, um aus unterschiedlichen Gründen sich die Reichtümer des Kaiserpalastes zu sichern oder die Machtergreifung durch ein neues Kaiserreich anstreben und nun an der undurchdringlichen Hecke, die erste Anzeichen der Schwäche erkennen lässt, aufeinanderstoßen.

Darunter befindet sich Ukalion, der Bastard des imperatorischen Königs, der sich angetrieben von Rachegelüsten unterirdisch vorkämpft, Levith und Parikles die für ein freies Leben kämpfen, in dem ihre Homosexualität nicht verurteilt wird, Anthia, die Schwester eines gehenkten Räuberhauptmanns, die der grausamen Herrschaft König Tibans, der zahlreiche Menschen opfert, um den Wettergott zu besänftigen und dessen Geschlecht seine Stärke durch die Ermordung von Einhörnern zum Ausdruck bringt, ein Ende bereiten will und die junge Perle, die sich mit ihrem jüngeren Bruder so viel Reichtum verschaffen will, dass sie niemandes Leibeigene mehr sein müssen.

Die märchenhafte Note mit Anklängen an althergebrachte Erzählungen, wie die der Gebrüder Grimm, hatte mich in »Dornenthron« unheimlich begeistert. In »Narrenkrone« beschreitet Boris Koch jedoch einen anderen Weg, der die Richtung einer modern anmutenden Fantasy-Saga mit dem Charakter einer Fabel einschlägt und sich zugegebener Maßen auch schon erahnen ließ. Daher hatte ich mir eigentlich erhofft, dass die polarisierenden Figuren (Ukalion, Levith und Anthia) mit mehr Tiefe aufwarten, sodass man sich ihnen näher fühlt. Allerdings bleibt die Geschichte in dieser Beziehung ihrem Märchencharakter treu. Die Kapitel haben durch die wenigen Ausschweifungen auch eine angenehme Länge und Boris Kochs Schreibstil lässt sich super lesen. Dennoch kommt Koch in seiner Fortsetzung nicht ganz an die magische Sogwirkung des ersten Bandes heran.

Mein Highlight in »Narrenkrone« ist definitiv Arlac, der Hofnarr von Lathiens König, dem in seiner Narretei nichts heilig ist und mit seinen derben Späßen zu unterhalten weiß. Geschickt deckt der Narr die starrsinnige Verbohrtheit Tibans auf und macht sich dessen Schwäche zunutze.

Das Finale von Boris Kochs moderner Märchen-Adaption konnte mich durch die vielen kleinen Botschaften und das wirklich geniale Ende für sich gewinnen. Allerdings gibt es in Bezug auf Tiefe der Figuren und ein paar kleinere Längen im Handlungsverlauf Abzüge in der B-Note. Vielleicht wäre es ein geschickterer Schachzug gewesen, die zwei Bände in einem Buch zusammenzufassen, sodass erst gar keine falschen Erwartungen geschürt werden.

Fazit

Die phantastische Märchen-Dilogie von Boris Koch erhält in »Narrenkrone« einen gelungenen Abschluss, der dem ersten Band jedoch nicht ganz das Wasser reichen kann. Ich liebe Märchen und Boris Koch hat ein solches in ein erfrischendes Fantasywerk verwandelt das mit fabelhaften Botschaften auftrumpft, sodass ich die Dilogie auf jeden Fall weiterempfehlen möchte.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 05.06.2021

Bewertung vom 15.06.2021
Lady Churchill / Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte Bd.2
Benedict, Marie

Lady Churchill / Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte Bd.2


gut

Beschreibung

Zu den weniger bekannten Frauen der Weltgeschichte zählt auch Clementine Churchill, die Ehefrau des erfolgreichen Politikers Winston Churchill. Als sich die beiden kennenlernen funkt es direkt, sie heiraten 1908 und der Weg für eine Ehe auf Augenhöhe nimmt ihren Lauf. Clementine ist politisch sehr interessiert und unterstützt auch noch nachdem sie fünf Kinder zur Welt gebracht hat, tatkräftig ihren wichtigen Mann. Zudem setzt sich für das Frauenwahlrecht sowie eigene Projekte ein. Prägende Zeiten für die außergewöhnliche Ehe der Churchills sind die beiden Weltkriege und es gibt auch einige familiäre Belastungsproben und Schicksalsschläge, die eine starke Frau fordern.

Meine Meinung

Nachdem Marie Benedict mit »Frau Einstein« die Frau hinter dem berühmten Physiker in Erinnerung rief, befasst sie sich in ihrem neuen historischen Roman »Lady Churchill« mit Clementine Hozier, die 1908 den aufstrebenden Politiker Winston Churchill ehelichte.

Die Geschichte beginnt mit dem Hochzeitstag und wird, teils mit Rückblenden zum Kennenlernen sowie entlang wichtiger Ereignisse im Leben der Churchills erzählt. Somit kommt der Roman fast schon einer Biografie gleich, die Clementine Churchills Persönlichkeit lebendig werden lässt. Marie Benedict zeichnet in ihrem Roman das Porträt einer emanzipierten und willensstarken jungen Frau, die ihre große Liebe in dem Politiker Winston Churchill findet und nichts davon hält zu Hause hinter dem Herd zu bleiben und sich um die Kindererziehung zu kümmern. Viel lieber arbeitet sie unerschütterlich mit ihrem Mann für das Wohl ihres Landes.

Cat (Winstons Kosename für Clementine) ist eine Powerfrau und ohne ihre kluge Unterstützung wäre die Karriere ihres Mannes, denn sie liebevoll Pug nennt, bestimmt nicht so erfolgreich verlaufen.

Die Geschichte ist natürlich geprägt von den turbulenten Jahren des Ersten und Zweiten Weltkriegs sowie den politischen Herausforderungen und Krisen, die damit einhergehen. Winston stellt große Anforderungen an seine Frau Clementine und ihre große Leidenschaft für die Arbeit nehmen sie meist so sehr in Anspruch, was sie immer wieder mit dem Muttersein hadern lässt, da sie durch ihr großes Engagement kaum Zeit für ihre Kinder hat. So obliegt die Kindererziehung im Verlauf der Jahre unterschiedlichen Nannys und der Tod ihrer damals zweijährigen Tochter Marigold trifft sie tief ins Mark. Clementine kommt an ihre Belastungsgrenze und muss sich zunehmend Auszeiten nehmen, um ihre Gesundheit nicht zu überstrapazieren.

Marie Benedict ist es mit ihrem Roman »Lady Churchill« auf jeden Fall gelungen, auf das Leben und Wirken einer heute kaum beachteten Persönlichkeit aufmerksam zu machen. Ich habe die Geschichte mit großem Interesse gelesen, hatte jedoch eher einen historischen Roman erwartet, in dem die zeitlichen Lücken auf unterhaltsame Weise unterfüttert sind, anstatt sie einfach auszulassen. Aufgrund dieses Biografie-Charakters bleibt auch die emotionale Note auf der Strecke und viele Ereignisse haben mich nicht so berührt, wie erwartet. Außerdem kommt es immer wieder zu Wiederholungen z. B. bei Schilderung von Clementines Gefühlslage, das hätte man sicherlich vermeiden können und somit die damit verbundenen Längen vermieden. Trotzt dieser Kritikpunkte möchte ich »Lady Churchill« weiterempfehlen – denn diese starke Frau und ihr Lebenswerk sollte unbedingt mehr Beachtung finden.

Fazit

Marie Benedict zeichnet das Porträt der beeindruckenden Frau an der Seite des erfolgreichen Politikers Winston Churchill. Der Roman gleicht jedoch eher eine Biografie und weist einige Längen auf, sodass mich die Geschichte auf emotionaler Ebene nicht abholen konnte.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 04.06.2021

Bewertung vom 15.06.2021
Adults
Unsworth, Emma Jane

Adults


sehr gut

Meine Meinung

Zugegeben, ich falle mit meinen dreiunddreißig Jahren genau in die Zielgruppe von Emma Jane Unsworth Roman »Adults«. Der erfrischend bissige Schreibstil und die überspitzte Hauptprotagonistin Jenny haben aber auf jeden Fall das Zeug dazu auch Leser*innen außerhalb dieses Lebensabschnittes zu catchen. Männer, die schon immer wissen wollten, welchen Spagat ihre Freundinnen in den 30ern zwischen Job, Freunden, Familienplanung und Social Media machen, sind mit diesem Buch gut beraten.

Emma Jane Unsworth erzählt aus der Ich-Perspektive der Hauptprotagonistin Jenny McLaine über das, was im Leben der Mittdreißigerin los ist und wie sehr Social-Media und die durchwachsene Beziehung zu ihrer Mutter ihre Existenz prägen. In den Kapiteln finden sich immer wieder auch E-Mail-, SMS- und Instagram-Texte, die die eh schon spritzige Erzählweise der Autorin zusätzlich auflockern.

Wie romantisch eine Liebesbeziehung mit E-Mails (die dem Briefe schreiben heute noch am nächsten kommt) beginnen kann, wird mit einem Rückblick auf das Kennenlernen zwischen Jenny und Art deutlich. Doch die Beziehung hält der Wirren des Lebens nicht stand, eine Fehlgeburt markiert den Anfang vom Ende, denn Art möchte lieber ungebunden bleiben und Jennys Fokussierung auf die Instagram-Influencerin Suzy Brambles machen das Ganze auch nicht besser. Die Krise erreicht ihren Höhepunkt mit dem Verlust ihres Jobs bei einem Onlinemagazin und dann zieht auch noch ihre Mutter in ihr Haus, dass sie sich eigentlich gar nicht mehr leisten kann.

Meiner Meinung nach hätte der Roman keine schwierige Tochter-Mutter-Beziehung nötig gehabt. Doch dieses Puzzleteilchen ist vielleicht auch genau der Auslöser für Jennys große Schwierigkeiten in zwischenmenschlichen Beziehungen. Der Schmerz nicht genug geliebt zu werden sitzt bei Jenny tief und reicht auf das Weihnachten 1999 zurück, wo ihre Mutter lieber mit ihrem Liebhaber auf die Bahamas reiste, als Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen.

Jenny ist ein zugegeben ziemlich überzogen gezeichneter Charakter, fängt jedoch genau die Essenz dessen ein, was die Jahrgänge der Millennials ausmacht. Diese Generation wurde vom Übergang einer analogen in eine digitale Welt wohl wie keine andere Generation beeinflusst. Emma Jane Unsworth zeigt die daraus erwachsenen Auswüchse mit einem Augenzwinkern und einiges an Drama auf, sodass ich mich wirklich oft in der Protagonisten wiedergefunden habe. Jennys Selbstbezogenheit, ihre Unsicherheit, die sie immer wieder dazu treibt Instagram- und E-Mail-Texte an ihre beste Freundin zum Lesen und Analysieren zu schicken und ihre extreme Abhängigkeit von Likes und Aufmerksamkeit in dem Bildschirmzeitalter halten den Digital Natives gekonnt den Spiegel vor und regen dazu an das eigene Verhalten zu überdenken. Engen wir uns mit dem digitalen Teilen so sehr ein, dass eine gesunde Selbstwahrnehmung komplett verloren geht und wir das wirklich wichtige aus den Augen verlieren?

Am absoluten Tiefpunkt angelangt bricht aus Jenny beim Kauf des nächsten Weins heraus, was sie tatsächlich denkt: »Facebook ist mein persönliches Vietnam.«

Am Boden angelangt kommt es zum großen Wendepunkt des Romans, Jenny schafft es nicht alleine zu dem Menschen zu werden, der sie eigentlich sein möchte, sondern nur mithilfe ihrer engsten Freundin und strikter Smartphone-Nutzungsbegrenzung, kommt sie zurück auf den rechten Weg.

Mich konnte Emma Jane Unsworth mit ihrem Werk tatsächlich gut unterhalten, auch wenn sie zu viele wichtige Themen angeschnitten hat, welche dann schließlich nicht alle ausreichend Aufmerksamkeit zugemessen bekommen. Weniger ist manchmal dann doch mehr.

Fazit

Emma Jane Unsworth zeichnet in »Adults« ein rohes, ungeschminktes Bild des Lebens hinter der schönen Onlinewelt versteckt. Dieser verschmitzte Roman trifft den Zeitgeist der digitalen Generation auf unterhaltsame und auch dramatische Weise.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 02.06.2021

Bewertung vom 15.06.2021
Stumptown. Band 1
Rucka, Greg

Stumptown. Band 1


sehr gut

Meine Meinung

Starautor Greg Rucka hat in »Stumptown – Der Fall des Mädchens, das sein Shampoo mitnahm (aber seinen Mini vergaß)« mit Dexetrine Parios (kurz ›Dex‹ genannt) nach Andy (»The Old Guard«) eine weitere knallharte und starke Comic-Heldin geschaffen, die sich als Privatdetektivin alleine durchs Leben schlägt und sich dabei um ihren jüngeren Bruder Ansel kümmert.

Rucka wirft die Leser*innen gleich mitten in die Handlung und arbeitet dabei geschickt mit der Brisanz eines Ereignisses der Gegenwart, sodass er anschließend mit einer Rückblende und einem Countdown von zwei Tagen auf die Szene zusteuert. Das erzeugt gleich zu Beginn eine Sogwirkung, schließlich will man unbedingt erfahren, wer die agierenden Personen sind, was zu dieser Situation geführt hat und wie es danach weitergehen wird.

Über den Fall von Dex möchte ich nicht viel verraten, aber sie ist mit ihrem Talent soweit bekannt, dass sie von einer Casino-Leiterin einen Gefallen einfordert. Sie soll ihre verschwundene Enkelin finden, wofür sie Dex die Spielschulden erlässt. Hinter der Sache steckt jedoch mehr als vermutet und Dex wird in eine verzwickte Familiengeschichte verwickelt.

Das dreckig-düstere Setting Portlands mit schummerigen Bars, einem kriminellen Netz und entsprechendem Ensemble ist neben Dex der wahre Star des Comics und wird in einem überschwänglichen Vorwort von Matt Fraction als sehr authentisch gelobt.

Die Illustrationen von Matthew Southwork passen mit ihren scharfen Ecken und Kanten und einem großzügigen Schattenspiel perfekt zur Handlung, jedoch hatte ich manchmal Schwierigkeiten die einzelnen Charaktere zuordnen zu können, da sie teilweise recht verwaschen dargestellt werden. Hier hätte ich mir manchmal eine etwas ›saubere‹ Ausarbeitung gewünscht.

Wer auf coole Detektivstorys steht, wird hier vor allem mit einer spannenden Heldin belohnt, die unverfroren Selbstbewusst ist und nicht so leicht aufgibt. Jedoch bin ich mir sicher, dass Greg Rucke in diesem ersten Band nur an deren Oberfläche gekratzt hat und noch einiges mit Dex vorhat. Sicherlich wird sich mit einer Vertiefung von Dex und ihrem Umfeld auch das ganze Potential von »Stumptown« in den weiteren Bänden entfalten. Meine Neugier auf Dex Vergangenheit hat dieser Serienauftakt auf jeden Fall geweckt!

Fazit

Neben Dex Parios sehen Columbo und Co. blass aus – also unbedingt zum erfrischend modernen Crime-Comic »Stumptown« greifen!

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 01.06.2021