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Benutzername: Bella von www.bellaswonderworld.de
Wohnort: Karlsruhe
Über mich: Ich bin 31 Jahre alt und mein größtes Hobby ist das Lesen. Ich verschlinge alle möglichen Titel querbeet durch die verschiedensten Genres. Meine Leseleidenschaft teile ich mit anderen Lesebegeisterten auf meinem Blog www.bellaswonderworld.de
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Bewertungen

Insgesamt 816 Bewertungen
Bewertung vom 23.08.2019
Grenzenlos
Tamaki, Jillian

Grenzenlos


gut

Meine Meinung

Die preisgekrönte Künstlerin Jillian Tamaki versammelt in ihrem Werk »Grenzenlos«neun divergente Comic-Kurzgeschichten, die sich durch ihren Stil und Inhalt stark unterscheiden. Eines haben die Geschichten dennoch miteinander gemein, sie zeigen einen Ausschnitt von ziemlich abstrusen und kuriosen Einfällen, bei denen Tamaki z. B. mit einer außerehelichen Affäre und Insektenbefall (»Bettwanzen«) oder dem Schneeballsystem zur Vermarktung einer Gesichtscreme (»Das Clairtree-System«) spielt.

Die meisten Geschichten sind sehr ansprechend gestaltet und überzeugen durch die Wandelbarkeit von Jillian Tamakis Zeichenstil. Es machte wirklich Spaß die unterschiedlichen Stilmittel und Darstellung der Panels auf sich wirken zu lassen. Auf der anderen Seite der Medaille gab es allerdings auch Geschichten die zusätzlich zu ihrer Kuriosität sehr abstrakt und unnahbar auf mich wirkten, ähnlich wie ein modernes Kunstobjekt bei dem es dem Betrachter überlassen ist etwas hineinzuinterpretieren. Ich persönlich bevorzuge einen klaren Stil der die Richtung auf dem Weg etwas deutlicher vorzeichnet.

In meinen Augen sind die besten Erzählungen der Sammlung »1. Jenny«, bei der die Protagonistin immer wieder auf die Spiegelfacebook Seite schaut um zu sehen wie viel besser ihr Leben in dieser digitalen Parallelwelt läuft nur um dann festzustellen, dass es in ihrer Hand liegt etwas an ihrem realen Leben zu ändern und zu ihren Gunsten zu verbessern und die hippiemäßige Geschichte »Sexcoven« in der ein spezielles Musiktape für den Start einer ganze Bewegung sorgt.

Besonders interessant fand ich die horizontale Ausrichtung der Geschichten »Weltstadt«und »Grenzenlos«, die einen zu Beginn und Ende der Sammlung das Buch um 90 Grad drehen lassen um die Illustrationen über eine Doppelseite hinweg betrachten zu können.

Jillian Tamaki hat mit ihren in »Grenzenlos« vorgelegten Comic-Kurzgeschichten ihre Begabung als Zeichnerin gekonnt unter Beweis gestellt. Lediglich mit der expressionistischen Erzählstruktur bin ich nicht immer warm geworden.

Fazit

Eine interessante Komposition aus diversen Kurzgeschichten, die durch einzigartigen Spiel der Stilrichtungen Tamakis glänzen.

Bei der Erzählart hätte ich jedoch eine klarere Linie bevorzugt.

Bewertung vom 23.08.2019
The Black Coats - ... denn wir vergeben keine Schuld
Oakes, Colleen

The Black Coats - ... denn wir vergeben keine Schuld


sehr gut

Beschreibung

Der Geheimbund der »Black Coats« hat es sich zur Aufgabe gemacht, gewalttätige Männer, die durch die Justiz keiner gerechten Bestrafung zugeführt werden, eine Lektion zu erteilen. Die begabte junge Läuferin Thea erhält nach dem Tod ihrer Cousine eine Einladung der mysteriösen Vereinigung und sieht damit ihre Chance gekommen, Rache an Natalies Mörder zu nehmen. Je weiter Thea im Bund der »Black Coats« eintaucht, desto mehr stellt sich ihr die Frage, ob Rache wirklich für Gerechtigkeit sorgen kann? Mit den ersten Zweifeln kommt bei ihr der Gedanke auszusteigen auf. Doch da ist es längst zu spät, um der gut vernetzten Organisation entkommen zu können.

Meine Meinung

Zwischen den Buchdeckeln erwartete mich eine nervenaufreibende Geschichte über Verlust, Trauer, Rache und Gerechtigkeit, die ein geheimnisumwobener Orden durch Selbstjustiz herzustellen versucht. Genauer gesagt geht es um Gewalt an Frauen und Frauen die es satt haben länger tatenlos zuzusehen, wie die Täter ungestraft davonkommen. Nach einem kurzen Prolog lernt man auf wenigen Seiten die junge Hauptprotagonistin Thea kennen, welche sich nach dem Mord an ihrer Cousine Natalie erst nach der Aufnahme im Orden der Black Coats wieder richtig lebendig fühlt.

Gemeinsam in einem Team mit anderen frisch angeworbenen Mädchen, deren Stärken ganz unterschiedlicher Natur sind, stellt sich Thea dem harten Training der »Black Coats«. Die Existenz des Ordens und ihre Mitgliedschaft muss sie strengstens geheimhalten, auch vor ihren Eltern und einem anständigen Jungen, in den sie sich von Tag zu Tag mehr verliebt. Die Gemeinschaft des Ordens und vor allen Dingen die eingeschworene Freundschaft und der Zusammenhalt untere ihren Teamkameradinnen geben Thea Halt und die nötige Kraft um über den Tod ihrer Cousine hinwegzukommen und ein neues Leben zu beginnen.

Der temporeiche Handlungsablauf und der flüssige Schreibstil Oakes tragen zu der unglaublichen Sogwirkung des Romans bei, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Ehrlich gesagt hat man das Gefühl, dass sich die nervenaufreibende und dichte Atmosphäre der Geschichte auf einen selbst überträgt und mit angehaltenem Atem mitverfolgt, wie Thea immer mehr dem Rausch ihrer Macht als Black Coats Team erliegt.

Die Autorin hat sich eine PoC als Romanheldin auserkoren und lässt an einigen Stellen Theas sensibilisierte Haltung zum Thema Rassismus mit einfließen. Ich persönlich finde es durchaus sehr wichtig, dass diese Thematik in Jugendbüchern angesprochen wird, doch mehr wie ein kurzes Aufleuchten davon gibt es in dieser Geschichte nicht. Deshalb stellt sich mir die Frage, ob die Autorin sich nicht besser in einem extra dafür vorhergesehenen Roman damit beschäftigen sollte, anstatt es hier halb gar zu servieren.

Sehr gut gefallen hat mir, dass sich die Autorin in ihrem Jugendroman mit dem Thema Selbstjustiz auseinandersetzt und der Protagonistin nach einer gewissen Zeit das Saatkorn des Zweifels über ihr Tun einsät. Zunächst werden die fragwürdigen Gedanken von dem guten Gefühl, das die Organisation in Thea auslöst überlagert. Colleen Oakes läutet den Plottwist recht spät ein und spitzt den Spannungsbogen zu einem grandiosen Showdown-Finale zu, dass für meinen Geschmack sogar etwas zu viel des Guten bereithält.

Fazit

Ein nervenaufreibender Jugendthriller über Gewalt an Frauen und dem schmalen Grat zwischen Rache und Gerechtigkeit.

Bewertung vom 23.08.2019
Victor Hugo
Gil, Esther

Victor Hugo


ausgezeichnet

Meine Meinung

Der historische Comic »Victor Hugo – Im Exil« von Esther Gil und Laurent Paturaud befasst sich mit einem Ausschnitt des Leben und Wirkens eines der bekanntesten französischen Schriftsteller, Victor Hugo, der für den Widerstand gegen den Staatstreich von Napoleon III. aus Frankreich verbannt wurde und sein Exil zuerst auf der britischen Kanalinseln Jersey und dann auf Guernsey verbrachte. Zu seinen bekanntesten Werken zählen »Der Glöckner von Notre Dame« und »Die Elenden« (»Les Misérables«).

Die Handlung des Comics basiert zwar auf realen historischen Hintergründen und bezieht bekanntes Wissen über den genialen Autor und leidenschaftlichen Sozialkritiker Victor Hugo mit ein, wird dann aber mit einer fiktiven Handlung durchbrochen, die Victor Hugo aus seinem Exil zurück nach Paris lockt, um dort mehr über die tragischen Umstände des Todes seiner geliebten Tochter Leopoldine in Erfahrung zu bringen. Der Tod von Victor Hugos Tochter ereignet sich tatsächlich 1843 kurz nach ihrer Hochzeit mit Charles Vacquerie, als sie zusammen bei einem Bootsunfall in der Seine ertrinken.

In einem umfangreichen illustrierten Dossier werden im Nachgang zum Comic die Fakten und Fiktion dieser Geschichte einander gegenübergestellt und man bekommt eindrucksvoll bebilderte Portraits der historischen Persönlichkeiten, Informationen zu der Politik während des zweiten Kaiserreiches sowie Zeitungsausschnitte über den Bootsunfall vorgelegt.

Während einer Séance erscheint der Geist von Leopoldine. Fest überzeugt davon, mit seiner verstorbenen Tochter kommunizieren zu können, begibt sich der Schriftsteller auf eine gefährliche Reise nach Frankreich, um die Umstände zu Leopoldines Tod aufzudecken und ihrem Geist damit Frieden zu schenken. Ein weiterer Handlungsstrang wird um den Engländer John Charles Tapner gesponnen, der sich parallel zur Story entwickelt und erst zum Ende hin mit den Panels über Victor Hugo verschmilzt.

Die Zeichnungen von Laurent Paturaud bestechen mit vielen Details und fein gezeichneten Gesichtern, die sich besonders durch eine ausdrucksstarken Mimik auszeichnen. Die Szenerien spielen sich teilweise auf den britischen Kanalinseln Jersey und Guernsey sowie in Paris ab, egal ob die Meeresküste oder enge Gassen den Hintergrund bilden, Paturaud fängt die Kulissen gekonnt in seinen Panels ein. Die meist beige Farbgebung passt hervorragend zur historischen Geschichte und wechselt zum Teil in düstere Farben, die das menschliche Elend der damaligen Zeit abbilden.

Esther Gil und Laurent Paturaud ist es gelungen einen mitreißenden Comic zu kreieren, der einen interessanten Abschnitt aus dem Leben von Victor Hugo behandelt und dem Leser einen Blick auf die Persönlichkeit hinter den beliebten Romanen und Gedichten zulässt, auch wenn das düstere und beinahe kriminalistische Abenteuer in Frankreich der Fantasie der Autoren entsprungen ist. Dabei erhält man auch einen Blick auf Hugos freizügiges Liebesleben und bekommt ein Paris präsentiert, dass ihn zu seinem größten Werk »Les Miserables« inspirierte.

Fazit

Die facettenreiche Persönlichkeit von Victor Hugo wird anhand einer gelungenen Geschichte aus Historie und Fiktion und den beeindruckenden Bildern von Laurent Paturaud in diesem Comic gekonnt in Szene gesetzt.

Bewertung vom 23.08.2019
Effi liest
Moretti, Anna

Effi liest


sehr gut

Beschreibung

1894. Die junge Effi soll in einem Pensionat zu einer vornehmen Dame erzogen werden, um in die Gesellschaft eingeführt werden zu können und einen passenden Ehemann zu finden. Bei der Erziehung dort erhält sie jedoch keinerlei Einblick in die näheren Details, die das Eheleben mit sich bringen werden. Als Effi eines Tages bei einem Ausflug ein Buch mit unsittsamen Inhalt enteckt und von ihrer Lehrerin damit erwischt wird, muss Effi vorzeitig die Schule verlassen und zu ihrem Vater nach Berlin heimkehren.

In Berlin hofft Effi Antworten auf ihre zahlreichen Fragen zu finden. Doch kaum zu Hause angekommen reist auch schon ihre Tante an, um die weitere Erziehung der Achtzehnjährigen zu übernehmen.

Meine Meinung

Elena Sophie von Burow, kurz Effi, ist die Heldin des Romans und wächst mit ihrer neugierigen und unaffektierten Art schnell an das Leserherz. Mutig und zielstrebig schlägt sich Effi auf ihrem Weg zu mehr Wissen, Aufgeklärtheit und Emanzipation durch die von Männern dominierte Welt.

Dabei werden ihr die unterschiedlichsten weiblichen Charaktere zur Seite gestellt wie z. B. Fräulein Grimaud, Effis Lehrerin am Pensionat, die ich mir bildhaft vorstellen konnte, mit ihrer sauertöpfischen Miene und einem unter der Oberfläche brodelndem Temperament, wenn sich ihre Schützlinge mal wieder daneben benehmen. Als sie mit einem dampfenden Zug verglichen wird, konnte ich fast nicht mehr an mich halten. Noch viel besser gefallen hat mir Effis Tante mit ihrer skurrilen, verzückenden und strengen Art, die jedoch keinerlei Zweifel an der Liebe zu ihrer Nichte lässt.

»Was ist so schlimm an einer Praline, die weiß, wofür sie raschelt?« fragt Effis beste Freundin und Vertraute Betty ganz zu Recht und stößt damit ein wichtiges Thema des Romans an. Frauen werden aufgrund der von Männern angenommen zarten Konstitution ihres Geschlechts nicht für voll genommen und erhalten nur Zugang zu einem begrenzten Wissen. Die jungen Damen von gutem Stand bereiten sich somit auf ein Leben als Ehefrau vor und können nur Mutmaßungen darüber anstellen was in der Ehe tatsächlich auf sie zukommt. Das einzige, was ihnen mit auf den Weg gegeben wird, sind eine gute sittsame Erziehung und die Förderung der Talente wie z. B. Malen, Musizieren und Sticken.

Effi entdeckt durch Zufall ein wissenschaftliches Buch über den Genuss, doch bevor sie mehr über den darin beschriebenen Liebesakt in Erfahrung bringen kann, wird die Lektüre konfisziert und als Konsequenz daraus wird sie kurzerhand des Pensionates verwiesen, um nicht noch andere Mädchen mit ihrem vermeintlichen Wissen und unsittsamen sowie neugieren Verhalten zu verderben.

Zusammen mit zwei Freundinnen setzt sie alles daran an das Buch zu gelangen, schließlich kann sich Effi nicht vorstellen warum manches Wissen nicht für Frauen zugänglich, ja sogar schädlich sein sollte, vor allen Dingen wenn es sie selbst betrifft. Im Zug zurück nach Berlin lernt sie den jungen Arzt Max von Waldau kennen, der sie unwillkürlich in ihrer Annahme bestätigt. Aus diesem Ausgangspunkt entspinnt sich ein herrlich humorvoller Plot, der mich trotz der vorhersehbaren Storyline gebannt an die Seiten fesselte, so dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Fazit

Eine fluffig-leichte Unterhaltungslektüre die mit viel Humor die biedere Zeit des 19. Jahrhunderts zum Leben erweckt.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 23.08.2019
Pirouetten
Walden, Tillie

Pirouetten


sehr gut

Meine Meinung

Tillie Walden erzählt in ihrer autobiographischen Graphic Novel »Pirouetten« von ihrem steinigen Weg des Erwachsenwerdens, der sie durch die harte Schule von Eiskunstlauftraining, Mobbing und Coming-Out zu einem selbstbestimmten Leben führte.

Die preisgekrönte Zeichnerin Tillie Walden hat sich für ihr autobiographisches Werk die wohl schwerste Zeit, die des Heranwachsens, herausgepickt und erzählt von den prägendsten Ereignissen in ihrem jungen Leben. Da ihr Leben über Jahre hinweg durch das harte und disziplinierte Eislauftraining, welches das Aufstehen mitten in der Nacht und Turniere am Wochenende mit sich brachte und ihr fast die Luft zum Atmen nahm, bestimmt wurde, nimmt dies dementsprechend den größten Teil des Comics ein. Zu Beginn eines jeden Kapitels stellt Tillie Walden eine bestimmte Eiskunstlauffigur vor und gibt Auskunft darüber, was sie mit dieser verbindet.

Zwischen dem eintönigen und stark durchgetakteten Leben stechen Tillies zwiespältige Emotionen als junges in vielerlei Hinsicht unsicheres Mädchen hervor. Unter der Oberfläche spürt Tillie ganz deutlich, dass sie sich in Wirklichkeit zu Mädchen hingezogen fühlt und das Eiskunstlaufen entwickelt sich mit der Zeit zu einer wahren Hassliebe. Denn Tillie kann überhaupt nichts mit dem frühen Aufstehen, den Kostümen, und dem aufgebrezelten Make-Up anfangen. Passend zu der niedergeschlagenen Stimmung die Tillie durch ihrer Findungsphase begleitet, ist der Graphic Novel in einem schlichten Design und einer dunklen Lilafarbenen Koloration gehalten, die sich auf das wesentliche konzentriert und eine unglaublich dichte Atmosphäre heraufbeschwört und nur kurzzeitig durch gelb dargestellte Lichtblicke unterbrochen wird.

»Piouretten« ist das beeindruckende Werk einer inspirierenden Künstlerin, dass Mut macht den eigenen Weg zu gehen, möge dieser sich auch noch so schwer gestalten. Es werden unterschiedliche Themen angeschnitten, von dem Cliquendasein in einer Mädchenmannschaft insbesondere dem internen Konkurrenzkampf über Mobbing und sexuelle Belästigung bis hin zu dem starken Hadern bezüglich des richtigen Zeitpunktes für das Coming-Out. Dabei spielen immer wieder wichtige Stützpfeiler in Tillies Leben eine Rolle (wie z. B. ihre erste Eiskunstlauflehrerin und ihre Cello-Lehrerin), die ihr Kraft geben, sie unterstützen und auf ihrem Weg begleiten. Etwas zu kurz kommt mir bei der ganzen Geschichte die erste Liebe zu einer Mitschülerin sowie der Umgang mit sexueller Belästigung. Den Grund hierfür würde ich allerdings bei der Tatsache suchen, dass es sich hier um eine biographische Geschichte handelt und die Autorin sehr ehrlich ihren eigenen Gefühlen Ausdruck verleiht. Insbesondere die Schilderung ihrer familiären Verhältnisse hat mich stark getroffen und so ist es umso bewundernswerter mitzuverfolgen, wie sich diese junge Frau ihren Weg bahnte.

Durch die klare Struktur, die sich wie ein roter Faden durch die Kapitel des autobiographischen Comics zieht, die minimalistische und pointierte Farbgestaltung in Lila- und Gelbtönen und die leicht verständliche Panelführung kann ich »Piouretten« auch Comic-Neulingen, die sich für eine gut erzählte Comic of Age Geschichte interessieren, sehr ans Herz legen.

Fazit

Eine berührende und beeindruckende Coming-of-Age und Coming-Out Geschichte verpackt in einer ausdrucksstarken Graphic Novel.

Bewertung vom 23.08.2019
Endzeit
Vieweg, Olivia

Endzeit


sehr gut

Meine Meinung

Die Graphic Novel »Endzeit« von Olivia Vieweg wurde, nach ihrer ersten Veröffentlichung 2012 im Schwarzer Turm Verlag, letztes Jahr in einem hübschen Softcover im Carlsen Verlag neu aufgelegt. Die postapokalyptische Zombie-Story hat mich alleine durch das leuchtende Cover neugierig gemacht, welches bereits auf eine außergewöhnliche Story abseits des Mainstream schließen lässt.

Die wunderschöne bunte Farbgebung der Panels in hellen Tönen von Gelb, Orange und einer ganzen Palette an Pink-Tönen von Rosarot über Fuchsia bis hin zu Magenta mag im ersten Augenblick nicht besonders gut zu einem düsteren Endzeitszenario passen. Genau das und natürlich der starke Plot mit zwei weiblichen Hauptprotagonisten, die ganz ohne männliche Hilfe zurechtkommen haben mich unglaublich beeindruckt. Olivia Vieweg beweist mit ihrem Graphic Novel meisterhaft, dass bunte Bilder mit einer tief gehenden Geschichte Hand in Hand gehen können.

Schauplatz der Zombie-Apokalypse ist Deutschland. Um genau zu sein, es konnten sich nur Menschen in Weimar und Jena retten und diese führen nun ein von Zäunen abgetrenntes Leben. Alle Güter zum Überleben werden über den Zugverkehr, der nun nicht mehr für Menschen bestimmt ist, ausgetauscht. Natürlich bringt eine solche Endzeitgeschichte die ein oder anderen psychotischen Traumata mit sich.

Nach einer kurzen Einführung begegnen sich Vivi und Eva im verbotenen Zug woraus zuerst eine Zweckgemeinschaft entsteht, denn beide möchten sich nach Jena durchschlagen. Während die unterschiedlichen Charakterzüge der beiden Protagonistinnen freigelegt werden, Vivi leidet seit der Zombie-Apokalypse an Angstzuständen und kann vor lauter Albträumen kaum eine Nacht durchschlafen und Eva ist eine absolut starke Persönlichkeit, die sich viele Gedanken um die (Um)Welt macht und sich selbst zu helfen weiß, entwickelt sich eine bedingungslose Freundschaft zwischen den Mädchen.

Das Beste an der Geschichte sind natürlich die fabelhaften Zeichnungen Viewegs, bei denen mir die andersartige Darstellung der Zombies, deren Infizierung sich durch Blumenranken bemerkbar macht, am meisten gefallen haben. Die bereits erwähnte Farbgebung sorgt für die passende atmosphärische Untermalung und erzeugt eine starke emotionale Stimmung.

Diese Graphic Novel hat es echt in sich, denn man merkt den beiden Protagonistinnen deutlich an wie schwer sie an den Zombie-Vorfällen zu knabbern haben. Sie müssen sich nicht nur gegen die Infizierten zur Wehr setzen, sondern sich auch mit Schuldgefühlen aufgrund des eigenen Überlebens auseinandersetzen. Ein bisschen zu kurz kommt mir bei der tief gehenden Geschichte über Hoffnung und Freundschaft die Abhandlung des Endes. Außerdem hätte ich gerne noch etwas mehr über die Hintergründe dieser außergewöhnlichen Pflanzen-Zombies erfahren. Vielleicht wird es dazu ja noch eine Unterfütterung in der Filmadaption, die noch diesen Monat in die deutschen Kinos kommt, geben? Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt darauf, wie das Material filmisch umgesetzt wurde. Der Film zu Olivia Viewegs Graphic Novel kommt am 22. August 2019 in die deutschen Kinos.

Fazit

Eine packende Graphic Novel bei der nicht nur die Zombie-Apokalypse im Vordergrund steht, sondern es auch um bedingungslose Freundschaft und Hoffnung geht.

Bewertung vom 23.08.2019
Nächstes Jahr in Havanna
Cleeton, Chanel

Nächstes Jahr in Havanna


sehr gut

Beschreibung

Marisol ist in Miami aufgewachsen und macht sich nach dem Tod ihrer Großmutter Elisa zum ersten Mal auf den Weg nach Kuba um ihre Wurzeln kennen zu lernen. Seit sie denken kann bekam sie von Elisa, die immer einmal nach Hause zurückkehren wollte, Geschichten über ihre karibische Heimat und das Leben in Havanna erzählt, und nun ist es an Marisol die Asche ihrer verstorbenen Großmutter nach Kuba zu überführen.

In Havanna taucht Marisol tief in ihre Familiengeschichte ein und stößt auf die Briefe der ersten großen Liebe ihrer Großmutter, die alles, was sie zu wissen glaubte, verändern.

Meine Meinung

Das spannende an Chanel Cleetons Roman »Nächstes Jahr in Havanna« ist, dass die Autorin sehr viel aus ihrer eigenen Geschichte hat einfließen lassen, denn sie selbst stammt aus einer kubanischen Familie, ist aber in Florida aufgewachsen. Auf den ersten Blick erwartet man von ihrem Roman, der gleichzeitig den Auftakt zu einer mehrteiligen Kuba-Saga bildet, lediglich eine locker-leichte Sommerlektüre mit dramatisch-romantischen Liebesgeschichte. In gewisser Hinsicht bekommt man auch genau das geboten, und doch bin ich sehr begeistert davon, welche Rolle die Geschichte Kubas, die Revolution und die Spaltung zwischen Kubanern und Exil-Kubanern dabei einnimmt.

Chanel Cleeton erzählt die Story in zwei Handlungssträngen: Im ersten Strang geht es zurück in das Jahr 1958. In Kuba braut sich eine Revolution zusammen, denn die Regierungsentscheidungen durch Batista werden von vielen Kubanern nicht mehr so einfach hingenommen und so erhalten die Revolutionären, allen voran Fidel Castro starken Zulauf. Die junge Elisa Perez verkehrt als eine von drei Töchtern eines erfolgreichen Zuckerplantagenbesitzers in der High Society Havannas und verliebt sich verbotenerweise in einen Anhänger der Revolution. Nach dem Sturz Batistas flieht ihre Familie nach Miami, so dass sie von ihrer großen Liebe getrennt wird.

Der zweite Strang spielt sich in der Gegenwart ab und wird von Elisas Enkeltochter Marisol erzählt, die nun nach Kuba reißt um den letzten Wunsch ihrer Großmutter zu erfüllen, indem sie ihre Asche in die Heimat zurückbringt. Außerdem ist es ihre erste Reise zurück zu ihren Wurzeln als Kubanerin. Besonders die Bandbreite an Gefühlen die Marisol bezüglich ihrer Herkunft durchlebt sind unglaublich greifbar geschildert, sie tanzt zwischen endlich angekommen zu sein und fühlt sich dennoch nur als Gast. Als Marisol auf die gesammelten Liebesbriefe an ihre Großmutter stößt beginnen die beiden Handlungsstränge immer mehr ineinander zufließen und auch der Spannungsbogen nimmt merkbar an Tempo zu.

»Nächstes Jahr in Havanna« ist ein hervorragender Roman, wenn man sich in Gedanken nach Kuba begeben möchte, denn die Autorin lässt die exotischen Schauplätze vom Malecón über die Strände Varaderos in bunten Farben lebendig werden, so dass man förmlich die Salsaklänge hören kann und die salzige Meeresluft auf der Haut spürt. Außerdem ist es ihre besonders gut gelungen eine tolle Mischung aus Familiensaga und einem Hauch politischem Zeitgeschehen zu kreieren. Ich freue mich deshalb ganz besonders auf den nächsten Band der Kuba-Saga, der bereits im Dezember unter dem Titel »Wir träumten von Kuba« erscheinen wird und die Geschichte von Elisas Schwester Beatriz beinhaltet.

Fazit

Eine mitreißende Sommerlektüre die kubanische Rhythmen erklingen lässt und auch etwas in die politischen Gefilde der Revolution eintaucht.

Bewertung vom 23.08.2019
Die Bluse
Vivès, Bastien

Die Bluse


gut

Meine Meinung

Der Comic »Die Bluse« von Bastien Vivés ist mir gleich ins Auge gesprungen und hat mich durch die Thematik angesprochen. Der französische Künstler erzählt in seinem Werk die Geschichte einer jungen Frau, die sich selbst erst durch eine kleine Wende in ihrem Leben besser kennen lernt, ihre Lust austestet und ihre Fähigkeiten bewusst wahrnimmt.

Die Literaturstudentin Séverine führte ein eingefahrenes, gar langweiliges, Leben mit ihrem Freund Thomas der ihr nur wenig Aufmerksamkeit schenkt und am liebsten Zeit mit seinen Freunden beim Spielen und Serien schauen verbringt. Als sich Séverine eine Seidenbluse ausleiht verändert das nicht nur ihre eigene Wahrnehmung von sich, sondern auch die Menschen um sie herum betrachten die junge Frau plötzlich in einem völlig veränderten Licht.

Bastien Vivès hat also durchaus eine interessante und spannende Grundidee herangezogen, mich aber leider mit der Umsetzung nicht ganz überzeugen können. Es ist spannend zu betrachten, wie ein feines Kleidungsstück urplötzlich aus einer schüchternen und zurückhaltenden Persönlichkeit einen ganz anderen Menschen macht. Der Rollenwechsel hat schon etwas von einer Superheldin, die sich ihr Outfit überstreift und alleine durch die veränderte Kleidung ganz anders auftritt und ihre Kräfte nach außen hin bewusst zeigen kann.

Ich hätte mir allerdings sehr gewünscht das die Kraft des Female Empowerment sich auch in den Gefühlen der Protagonisten findet. Zu der Gedankenwelt von Séverine bekommt der Leser allerdings keinen Zugang gewährt und somit bleiben ihre Gefühle zu ihrer rasanten Entwicklung weithin im Dunkeln. Sicherlich hätte es der Handlung gutgetan, wenn der Autor dies etwas mehr herausgearbeitet hätte.

Sehr gut gefallen hat mir der unglaublich befreite Umgang mit der weiblichen Lust. Nachdem Séverine in der edlen Seidenbluse steckt geht sie ohne jede Bedenklichkeiten mit ihrer Sexualität um, probiert aus und entdeckt eine ganz neue Seite an sich. Manche Szenen mögen etwas überspitzt dargestellt sein und doch kommt die Botschaft genau durch diese Überspitzung deutlich an.

Die Zeichnungen Vivès passen in ihrer Schlichtheit und dem minimalistischen Stil, der nur das wesentliche preisgibt, sehr gut zur Story. Die Darstellung von Séverines Gefühlen in ihrer Mimik ist meist nur in feinen Nuancen angedeutet und überlässt es so oftmals dem Leser, welche Gedanken wohl in ihrem Kopf vorgehen mögen.

Fazit

In diesem Comic steckt sehr viel Potenzial, dass durch die stilistisch ansprechenden Zeichnungen des Künstlers hervorsticht. Von der Umsetzung des Themas hätte ich mir jedoch ein bisschen mehr Tiefgang bezüglich der Gedanken und Gefühle gewünscht.

Bewertung vom 23.08.2019
Batman: Damned
Azzarello, Brian; Bermejo, Lee

Batman: Damned


sehr gut

Meine Meinung

Im zweiten Teil der »Batman Damned« Comic-Trilogie aus dem DC Black Label ist der schwarze Ritter Gothams weiter auf der Suche nach der Wahrheit. Denn ihn treibt nur eines um: Wer hat den Joker getötet? War er selbst involviert und ist der Joker tatsächlich tot?

Als Batman bei seinen Nachforschungen durch Nachtclubs und die Straßen seiner Stadt zieht spitzt sich die Lage in Gotham City weiter zu. Nur gut, dass Deadman auf Bruce aufpasst, denn dieser verliert sich zusehends in den Gedanken an seine Kindheit. Die Rückblenden auf Bruce Kindheit finde ich auch am prägnantesten, sie haben mich fasziniert und schockiert zugleich. Hierin sehe ich bisher definitiv die Stärken des Comic-Albums gelegen, denn diese Rückblenden verleihen allem was man bisher über den Superhelden wusste einen neuen Anstrich.

Bezüglich der Ermittlungen über Jokers Tod arbeitet Brian Azzarello bisher nur an der Oberfläche und könnte hier sicherlich noch viel mehr aus der Story herauskitzeln. Auch über die Rolle von John Constantine bin ich mir noch nicht ganz schlüssig – er kommt mir wie ein böses Omen vor, dessen Einflüsterungen Batman in die Irre leiten. Den Leser im Dunkeln tappen zu lassen hat durchaus seinen Reiz und sorgt dafür, dass man sich auch nach dem Zuklappen des Comics weiterhin mit der Geschichte und den Bedeutungsmöglichkeiten beschäftigt.

Die düstere Stimmung, brennende Häuser, aufgeheizte Menschenmengen im Club – das alles fängt Lee Bermejo gekonnt in seinen atemberaubenden Bildern ein. Die Panels überzeugen durch Detailverliebtheit und laden dadurch zum längeren Betrachten ein. Am besten haben mir mitunter die Szenen gefallen, in denen Deadman seinen “Wirt” wechselt oder er sich zusammen mit Batman durch ein brennendes Haus kämpft.

Bei dieser durchweg grandiosen künstlerischen Arbeit ist es gar nicht so schlimm, dass die Handlung nur langsam vorangetrieben wird (und dennoch frage ich mich, wie die Geschichte bereits im nächsten Album ihren Abschluss finden will).

Fazit

Lee Bermejo knüpft mit seinen beeindruckenden Illustrierungen im zweiten Band der »Batman Damned« Trilogie an seinem vorgelegten hohen Niveau an und Brian Azzarello entführt in die tiefen Abgründe der Familie Wayne.

Bewertung vom 09.08.2019
Batman: Damned
Azzarello, Brian; Bermejo, Lee

Batman: Damned


sehr gut

Meine Meinung

Das neue Black Label der DC-Comics ist für Erwachsene gedacht und schürt alleine schon durch das hochwertige optische Erscheinungsbild die Neugier auf die Story zwischen den Buchdeckeln. Den Auftakt des Labels bestreiten das Künstler-Duo Brian Azzarello und Lee Bermejo, die bereits bei Alben wie z. B. »Batman: Joker« und »Batman: Deathblow« Hand in Hand arbeiten, nun mit einer dreiteiligen »Batman Damned« Serie.

Der erste Band machte durch eine nachträgliche Zensierung des Geschlechtsteils des dunklen Ritters aus Gotham City Schlagzeilen, was mich nur ungläubig mit den Augen rollen lässt, schließlich wollte das Black Label doch gerade einen neuen Maßstab für die Sparte der Erwachsenen-Comics setzen und nicht als Sinnbild der unglaublich kindlichen amerikanischen Prüderie eingesetzt werden. Ob sich DC mit dieser außerordentlich peinlichen PR nur Aufmerksamkeit sichern wollte und einen Markt für die wenigen Hefte mit Bruce-Stück anheizen wollte möchte ich gar nicht näher verfolgen. Der Comic hätte einen solchen Mini-Skandal jedenfalls nicht nötig gehabt und ist auch in der zensierten Fassung eine richtige Augenweide.

Die edle Hardcover-Ausgabe aus dem Panini Verlag kommt in einem übergroßen Format daher und bietet auch für DC-Comic-Einsteiger, wie mich, einen guten Punkt, um in die düstere Welt von Gotham City einzutauchen und den bekannten Fledermaus-Ritter Bruce Wayne ein Stück zu begleiten. Der erste Teil von »Batman Damned« beginnt mit einem verletzten Batman, der nach seinem Unfall vom Tod des Jokers erfährt und sich nun der Frage stellen muss, ob er selbst etwas mit der Ermordung seines Erzfeindes zu tun hat.

Brian Azzarello zeigt in der Geschichte eine wahrhaftig düstere Episode aus Batmans Leben und lässt dabei sehr viel Spielraum für die eigenen Gedanken und welche Schlüsse man aus der Handlung zieht. Der Leser bleibt über die Vorgänge genauso im dunkeln wie der Titelheld selbst und ist somit auf die fragwürdigen Informationen des gaunerhaften Detektive John Constantine angewiesen, den Batman neben der Magierin Zatanna und Deadman zur Seite gestellt bekommt.

Die Story an sich kann noch nicht viel handfestes bieten, außer dem mysteriösen Tod des Jokers und dem Hinweis auf die Kindheit von Bruce Wayne, der in diesem Comic überhaupt nichts von ihrem Bilderbuchdasein anhaftet, bekommt der Leser noch nicht viel Handlung geliefert. Der Comic lohnt sich allerdings schon alleine aufgrund Bermejos beeindruckender Zeichenkunst, die vor allen Dingen auf den übergroßen Doppelseiten mit vielen Details und den realen Darstellungen brilliert. Ich bin auf jeden Fall schon sehr gespannt, was sich Azzarello und Bermejo für den Dreiteiler noch haben einfallen lassen und ob es ihnen gelingt der Handlung in den folgenden beiden Alben mehr Tiefe zu verleihen.

Fazit

Das Design des erste Bandes der »Batman Damned« Comic Trilogie überzeugt mit den grandiosen Zeichnungen Bermejos in düsteren und absolut mitreißenden Panels und hat lediglich storytechnisch etwas Nachholbedarf.