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Ausgezeichnet mit dem National Book Award - Bester Roman des Jahres.
Ein altes Haus, eine ungesühnte Schuld und die Brüste von Tante Sonja - Louise Erdrich führt uns nach North Dakota. Im Zentrum ihres gefeierten Romans steht der 14jährige Joe, der ein brutales Verbrechen an seiner Mutter rächt und dabei zum Mann wird.
Monatelang auf der New-York-Times-Bestsellerliste überhäuft mit Kritiker- und Leserlob: Eine der großen Autorinnen unserer Tage hat ihr brillantestes Buch geschrieben - zart, sehr traurig und sehr lustig."Erdrich erzählt mal deftig, mal zum Weinen traurig, mal unglaublich
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Produktbeschreibung
Ausgezeichnet mit dem National Book Award - Bester Roman des Jahres.

Ein altes Haus, eine ungesühnte Schuld und die Brüste von Tante Sonja - Louise Erdrich führt uns nach North Dakota. Im Zentrum ihres gefeierten Romans steht der 14jährige Joe, der ein brutales Verbrechen an seiner Mutter rächt und dabei zum Mann wird.

Monatelang auf der New-York-Times-Bestsellerliste überhäuft mit Kritiker- und Leserlob: Eine der großen Autorinnen unserer Tage hat ihr brillantestes Buch geschrieben - zart, sehr traurig und sehr lustig."Erdrich erzählt mal deftig, mal zum Weinen traurig, mal unglaublich komisch, aber immer so packend, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag." SWR3.
  • Produktdetails
  • Aufbau Taschenbücher Bd.3150
  • Verlag: Aufbau Tb
  • Artikelnr. des Verlages: 656/33150
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 384
  • Erscheinungstermin: 14. Januar 2016
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 118mm x 35mm
  • Gewicht: 302g
  • ISBN-13: 9783746631509
  • ISBN-10: 3746631505
  • Artikelnr.: 42699155
Autorenporträt
Erdrich, Louise
Louise Erdrich, geboren 1954 als Tochter einer Ojibwe und eines Deutsch-Amerikaners, ist eine der erfolgreichsten amerikanischen Gegenwartsautorinnen. Sie erhielt den National Book Award, den PEN/Saul Bellow Award und den Library of Congress Prize. Louise Erdrich lebt in Minnesota und ist Inhaberin der Buchhandlung Birchbark Books. Im Aufbau Verlag ist ihr Roman "Der Gott am Ende der Straße" und im Aufbau Taschenbuch ihre Romane "Liebeszauber", "Die Rübenkönigin", "Der Club der singenden Metzger", "Der Klang der Trommel", "Solange du lebst", "Das Haus des Windes" und "Ein Lied für die Geister" lieferbar.

Schröder, Gesine
Gesine Schröder übersetzt seit 2007 aus dem Englischen und hat u.a. Jennifer duBois und Curtis Sittenfield ins Deutsche übertragen. Nach Aufenthalten in den USA, Australien, Indien, England und Kanada lebt sie in Berlin.
Rezensionen
"Eine beeindruckende menschliche Geschichte. Erdrich dringt in den dunkelsten Winkel eines Menschen und so zum Grund der Wahrheit über eine ganze Gemeinschaft vor." (Maria Russo, New York Times Book Review)

"Ich hatte Dad versprochen, immer aufzuschreiben, wo ich war - den ganzen Sommer lang."

" Das beste Buch des Frühjahrs " (Norbert Höfler, Stern, 20.03.2014)

"Thematisch brisant (...). Mit einem Nachwuchs an (...) Konflikten, die Louise Erdrich (...) in ihrer Komplexität einzufangen und zu schildern weiß." (Anja Hirsch, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.2014)

"Erdrich erzählt mal deftig, mal zum Weinen traurig, mal unglaublich komisch, aber immer so packend, dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag." (Barbara Dobrick, SWR 3, 03.04.2014)

" Der Rezensent weiß gar nicht, wo er mit dem Loben anfangen soll." (Hannes Stein, Die Welt / Literarische Welt, 24.05.2014)

"Louise Erdrich erzählt diese aufregende Geschichte von verübter Selbstjustiz kraftvoll und durchaus mit Humor. (...) Man spürt in ihrem Text, dass sie Menschen sehr gut zuhören und darum hervorragend Geschichten erzählen kann." (Annemarie Stoltenberg, NDR 1 Bücherwelt, 18.02.2014)

"Das Haus des Windes ist ein großartig erzähltes, realistisches, hochspannendes Buch über den indianischen Alltag im Reservat, über Identität, Traditionen, überlieferte Mythen (...). Eine intensive Begegnung mit einer uns fremden, unbekannten und gegensätzlichen Welt." (Annerose Kirchner, Ostthüringer Zeitung, 01.03.2014)…mehr
Besprechung von 07.05.2014
Ob du Indianer bist, entscheidet die Bürokratie
Louise Erdrich erzählt in ihrem beklemmenden Roman "Das Haus des Windes" von jugendlicher Selbstjustiz

Was genau ist Pubertät? Liest man Louise Erdrichs Roman "Das Haus des Windes", erzählt aus der Sicht des dreizehnjährigen Joe, der in einem Reservat in North Dakota aufwächst, als Einzelkind einer einstmals relativ glücklichen Familie, der Vater Richter, die Mutter tätig im Archiv, Joe selbst ein spätes Wunschkind, dann erhält man zur Antwort auf diese Frage zwar auch viele naheliegende Szenen: Joe und seine Freunde mit geklautem Bier; Joe, wie er auf die Brüste der Tankwartin starrt. Vor allem aber: Joe, allein. Wie er zum ersten Mal entdeckt, dass es dem Vater die Sprache verschlägt, weil er nicht aussprechen kann, was passiert ist. Und wie es ihm selbst fortan immer wieder die Sprache verschlägt.

Denn das Buch beginnt so brutal, dass man es fast wieder aus der Hand legen mag, was einen um den ganzen erzählerischen Reichtum bringen würde. Joes Mutter wird vergewaltigt und zusammengeschlagen, kann aber fliehen, bevor der Täter sie umbringt. Wochenlang verweigert sie sich danach. Sie bezieht ihr Zimmer, magert ab, schweigt über das, was alle lange nur "den Vorfall" nennen. Sie stirbt langsam vor sich hin. Und es zeugt von den guten Bindungen in dieser Familie, wie damit umgegangen wird. Erst als Joes Vater beschließt, jeden Abend mit Joe auf zwei Klappstühlen das Abendessen neben dem Bett der Mutter einzunehmen, zu sprechen über den Tag, über Belangloses, während die Mutter schweigt oder so tut, als schlafe sie, erst da beginnt sich etwas zu regen in dieser wie eingefrorenen Zeit, die eine Ewigkeit zu dauern scheint.

Dazwischen muss Joe erwachsen werden, nicht mit einem Schlag, sondern in ebendiesen intimen Allein-Räumen, die Louise Erdrich ihrem so ruhelos-melancholischen wie hart geprüften Erzähler-Ich immer wieder einräumt. Zwischen seinen hilflosen Ersatzhandlungen, die immer entschiedener eine Richtung erhalten, poltert er los, ärgert sich, gesteht dem Leser seine Angst oder gesteht sie eben gerade nicht. Joes virile Stimme trägt einen durch diesen Familien-Albtraum, dessen Auflösung man gleichwohl mit Spannung verfolgt. Aber es ist vor allem die Erzählperspektive, die einen packt; dieses ständige Vor und Zurück. Mal überrascht Joe sich selbst mit seiner Empathiefähigkeit, weil er sich plötzlich für die Lebensgeschichte einer bislang für hässlich befundenen Außenseiterin interessiert und wirklich zuhört, wie er noch nie zuvor zugehört hat. Dann wieder wehrt er sich mit einem schlagkräftigen Satz gegen die Erwartungen der Erwachsenen und rebelliert. Ganz nebenbei erfährt man etwas von den kulturellen Glaubenssätzen, mit denen er im Reservat aufwächst; von den Ahnen, die Joe und seine Freunde allseits umgeben - als Tote auf dem Friedhof. "Sie lebten und starben zu schnell in jenen Jahren um die Gründung des Reservats herum. Starben, bevor sie verzeichnet werden konnten, und in so schmerzhaft großer Zahl, dass man sich kaum an sie erinnern konnte, ohne zu sagen, was mein Vater manchmal murmelte, wenn er sich mit Regionalgeschichte befasste: Und der weiße Mann kam und trieb sie in die Erde hinab." Kurzum: Erdrich erfasst dieses fürs Alter um dreizehn herum so typische und faszinierende Sichöffnen und abrupte Wiederschließen aller Sinne in den unterschiedlichsten Tonarten, so dass man schließlich doch dranbleibt, obwohl dieser Roman mit seinen vielen Nebenfiguren, allesamt äußerst plastisch gezeichnet, etwas überfüttert ist und Joe sich gerne beim Erzählen verliert.

"Das Haus des Windes" ist darüber hinaus thematisch brisant, sicherlich auch ein Grund, warum dieser Roman mit dem Titel "The Round House" 2012 den National Book Award for Fiction erhielt. Louise Erdrich, geboren 1954 in Little Falls, Minnesota, Tochter einer Indianerin und eines Deutschamerikaners, verortet viele ihrer zahlreichen Romane im Grenzgebiet eines fiktiven Reservats, ähnlich vielleicht dem, in welchem sie selbst aufwuchs. Mit "Birchbark Books" betreibt sie in Minneapolis eine unabhängige Buchhandlung. Diesmal ist ihr Fokus speziell. Vergewaltigung indigener Frauen, informiert sie am Ende des Buches, ist keine Seltenheit, davon 86 Prozent begangen von nichtindigenen Männern. Die wenigsten Fälle werden strafrechtlich verfolgt. Von dieser perfiden Krux handelt ihr Roman. Joes Mutter steht als Beauftragte für Fragen der Stammeszugehörigkeit im Fadenkreuz. Denn sie kann Familien zusammenbringen oder zerstören, denn Indianer-Sein, erfahren wir von Joe, ist vor allem eine "bürokratische Angelegenheit". Auf der Straße aber gelten andere Regeln. Da ist es auch juristisch wichtig, zu wissen, ob die Vergewaltigung auf Stammesland, privatem Land oder staatlichem Land geschah. Den Täter zu kennen heißt noch lange nicht, ihn unter Arrest setzen zu können.

Diese unklare Gesetzeslage bringt die Handlung in Gang: Statt zuzuschauen, wie der Vater, selbst Richter für Stammesangelegenheiten, alte Prozessakten wälzt, um das Täterumfeld einzugrenzen, erkundet Joe auf eigene Faust den Ort des brutalen Geschehens: das Rundhaus. Sonst Austragungsstätte ritueller Feiern, wird es zum Knotenpunkt einer Geschichte, die weit in die Vergangenheit reicht. Wie durch archäologische Schichten arbeitet Louise Erdrich sich vor. Man bekommt allmählich ein Gefühl dafür, aus welchen Abgründen die Kräfte hochbrodeln. Alles konzentriert sich auf einen Beziehungskonflikt als Folge einer weiteren Grenzüberschreitung: Ein Arbeitgeber hatte seine Machtstellung missbraucht.

Durch Joes suchenden, aus- und einsortierenden Blick filtert Louise Erdrich eine Dorfgemeinschaft, die zur Stelle ist: die Großmütter, die den Jungs fettige "Frybreads" braten und ihnen raten, stets trocken zu bleiben, damit ihre "kleinen Flöten" ein Leben lang einsatzbereit bleiben; die Tanten, die Hirschleder in stinkenden Gärten gerben; einen muskelbepackten Geistlichen mit untypischen Ansichten; eine ehemalige Stripperin in ihrer nicht unproblematischen Ehe. Und da sind Joes Freunde, eine verlässliche Gruppe, die er mit gnadenlosem Vokabular beschreibt, von Gesine Schröder aus dem Vollen schöpfend souverän übersetzt. Allen voran besticht als Figur der uralte Onkel Mooshum, der mit nicht wenig Whiskey in einer Art Zeitglocke stagniert. Nachts, wenn er schläft, erzählt er Sagen, die er im wachen Zustand vergisst - und die erklären, warum das Rundhaus erbaut wurde: als Erinnerung an Menschlichkeit und ein dazu passendes Regelwerk.

Wie viel sich geändert hat seit der Grenzziehung, erzählt Louise Erdrich indirekt und nie aufdringlich oder belehrend, eher also en passant. Der bisweilen selbstironische Umgang mit der eigenen Identität - "Ich bin ein echter Chippewa. - Chip-äh-was?" - zeugt von einer Gratwanderung, die es täglich neu gegen Vorurteile zu bestimmen gilt. Der Alltag ist präsent. Man lernt, dass ein Supermarkt mit frischen Lebensmitteln in einem Reservat wie diesem nicht selbstverständlich ist und "Doodems" Geister sind, die jedem erscheinen können. Obwohl hier Joe in das Jahr 1988 als Erwachsener zurückblickt, inzwischen selbst Jurist, wirkt das Erzählte nie distanziert. Wir folgen diesem "Oops" gerufenen Joe bis in seine Bedürftigkeiten. "Ich hatte gedacht, irgendwann würde meine wahre Mutter wiederauftauchen. Ich würde meine Davor-Mutter wiederkriegen. Aber jetzt begann ich zu ahnen, dass es vielleicht nie dazu kommen würde. Das verdammte Aas hatte ihr etwas geraubt. Etwas Warmes war weg und würde vielleicht nie wieder kommen." Und wir sehen deutlich die Hilflosigkeit des Vaters.

Louise Erdrich zeichnet plausibel nach, warum sich dieser Junge nicht auf die Erwachsenen verlassen möchte; warum er schließlich selbst für Gerechtigkeit sorgt - und was diese Art von Selbstjustiz mit ihm macht. Nichts wird wirklich aufgelöst. Nur gemildert, mit einem Nachwuchs an neuen Konflikten, die Louise Erdrich - das weiß man spätestens mit diesem Roman - in ihrer Komplexität einzufangen und zu schildern weiß.

ANJA HIRSCH

Louise Erdrich: "Das Haus des Windes". Roman.

Aus dem Amerikanischen von Gesine Schröder. Aufbau Verlag, Berlin 2014. 384 S., geb., 19,99 [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Hymnisch bespricht Anja Hirsch Louise Erdrichs neuen, von Gesine Schröder "souverän" ins Deutsche übersetzten Roman "Das Haus des Windes". Die Rezensentin folgt hier dem dreizehnjährigen Joe, der schnell erwachsen werden muss, nachdem seine Mutter vergewaltigt wird und sich vor ihm und seinem Vater verschließt. Darüber hinaus liest sie hier die Geschichte eines Jungen, der in einem indianischen Reservat groß wird und sich nicht nur mit den kulturellen Glaubenssätzen auseinandersetzt, sondern vor allem die Gründe für die hohe Anzahl von Vergewaltigungen indigener Frauen erforscht. Hirsch lässt sich immer weiter von den Abgründen dieser Geschichte bannen, nicht zuletzt dank Erdrichs Vermögen, die Sprache des Heranwachsenden gekonnt einzufangen. Ein komplexer Roman, in dem zahlreiche faszinierende Charaktere auftreten, lobt die eingenommene Rezensentin.

© Perlentaucher Medien GmbH