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Benutzername: sommerlese
Danksagungen: 351 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 1173 Bewertungen
Bewertung vom 16.01.2019
Armer Pettersson
Nordqvist, Sven

Armer Pettersson


gut

Es ist Herbst, es ist dunkel und grau, ungemütlich und Petterson ist trübsinnig, schlapp und hat schlechte Laune. Das will Findus unbedingt ändern und er tobt und springt und möchte gern mit dem alten Mann spielen. Doch der brüllt ihn an, so kennt Findus ihn ja überhaupt nicht. Er lässt nicht locker und lockt Pettersson durch einen Trick zum Angeln nach draußen.



In diesem Buch geht es um schlechte Laune, vielleicht sogar depressive Stimmungen, da passt die dunkle Farbgebung der Illustrationen natürlich voll ins Bild.

Für Kinder ist es dennoch ein ziemlich düsteres Buch, nichts, was man sich gern ansieht.

Doch so ist die Landschaft im Herbst, dunkel, verregnet und düster.


Und dass auch Erwachsene mal schlecht drauf sind, zornig werden und brüllen, kennen sie ebenfalls. Hier versucht der kleine Kater den alten Mann zu besserer Laune zu motivieren. Man muss doch etwas finden, was ihm Spaß machen könnte. Es ist klar, dass er es schafft. Aufmunterungsversuche sind nicht immer leicht, man darf damit nur nicht von seinem mürrischen Gegenüber anstecken lassen. Der Entschluß Angeln zu gehen erweist sich als prima Idee. Wie es Findus schliesslich gelingt, den alten Griesgram wieder froh zu stimmen, ist in diesem dunklen Herbstbuch zu sehen.

Es ist auch für Kinder lehrreich, dass auch Erwachsene mal schlechte Laune haben und vor Wut schreien. Das kennen Kinder sicher von ihren eigenen Eltern. Aber wie man sich dann wieder vertragen kann und die schlechte Laune verdrängen kann, ist ein interessantes Thema.


Allerdings gibt es hier nicht den gewohnten Lesespaß und die sonst so schönen und bunten Bilder habe ich auch vermisst. Alles wirkt düster und traurig.


Dieses Bilderbuch ist nicht wie die anderen der Reihe. Die dunkle Jahreszeit bringt trübsinnige Stimmung mit sich und man darf sich einfach davon nicht anstecken lassen. Allerdings fehlt hier der übliche Lesespaß.

Bewertung vom 15.01.2019
Ein schönes Paar
Loschütz, Gert

Ein schönes Paar


gut

Herta und Georg Karst haben sich auf den ersten Blick verliebt, sie wohnen in Plothow, in der damaligen DDR. Philipp Karst hat nach dem Tod seiner Eltern nicht nur ihre Hinterlassenschaften zu ordnen, er versucht auch, über das Leben und die Liebe von Herta und Georg nachzudenken und ihre Gründe für vieles zu verstehen. Was bewegte seine Mutter zum Fortgehen und warum ließ sie ihn und seinen Vater zurück? Welche Geheimnisse hielten seine Eltern vor ihm geheim? Wie ging die Flucht seines Vaters aus der DDR in den Westen vonstatten? Als Kind konnte er vieles nicht verstehen. Vielleicht gelingen ihm nach ihrem Tod weitere Einblicke.

In diese Geschichte taucht man dank eines allwissenden Erzählers ein. Die Reisenähmaschine von Herta und die alte Kamera von Georg waren ihre persönlichen Dauerbegleiter, durch sie erfährt man von ihrem Lebensweg, der nicht nur Republikflucht beinhaltete, sondern auch die Teilung des Dorfes, die dann auch zur Teilung der Familie beitrug. Vor solchen Hintergründen bleibt vieles unerklärt.


Gert Loschütz schreibt sprachgewaltig mit eindringlichen Sätzen, die beim Hören zu einer endlosen und manchmal schwer zu erfassenden Kette verhallen. Der Text erscheint emotionslos und distanziert und doch bringt er Empfindungen auf den Punkt.
Es sind die feinen Beobachtungen der Menschen, die Loschütz gut darzustellen vermag und die mich an das Buch fesseln. Dennoch sprang der entscheidende Funke nicht über.

Als Zuhörer muss man sich auf die Geschichte einlassen, es gibt keine Sympathiefiguren, die Spannung kann auch der gut lesende Sprecher nicht in die Höhe treiben.

Philipps Eltern waren ein schönes Paar, sie hatten jedoch im Miteinanderleben Probleme, konnten aber auch nicht ohne den andern und das hat zur Folge, dass sie sich gegenseitig aufgerieben.
Manche Szenen machen das deutlich, es gibt aber auch Kindheitserinnerungen Philipps, die er zwar vor Augen hat, die ihm aber kein klares Bild der Situation verschaffen. Viele Fragen bleiben unbeantwortet, jetzt nach dem Tod der Eltern.

In Philipps Kindheit war Schweigen in der Familie an der Tagesordnung, über Gefühle wurde nicht geredet, Ereignisse nicht kommentiert. Er fragte nicht nach und so blieb vieles unausgesprochen.

Dennoch kann man zwischen den Zeilen lesen und entdeckt die nicht gesagten Emotionen.

Woran zerbricht eine Liebe? An der Eintönigkeit, an fehlender Zuneigung, an mangelnder Selbstzufriedenheit? In diesem Buch kann man es auch am Ende nicht genau einschätzen. Da spielt alles mit hinein, aber vor allem fehlt es in dieser Familie an der mangelnden Kommunikation untereinander.


Dieses sprachgewaltige Buch ist zwar eindrucksvoll, aber zum Hören recht mühselig. Es zeigt, was Liebe ausmachen kann und wozu menschliches Handeln fähig ist. Der entscheidende Funke ist trotz der schönen Sprache jedoch nicht übergesprungen.

Bewertung vom 14.01.2019
Das kleine Café in Kopenhagen
Caplin, Julie

Das kleine Café in Kopenhagen


sehr gut

Ein dänisches Kaufhaus möchte den Hygge-Trend auch in einer Londoner Filiale starten und lädt Journalisten zu Besuch nach Kopenhagen. Kate organisiert eine Pressereise nach Kopenhagen und hat mit der Betreuung des bunt zusammengewürfelten Haufens gut zu tun. Besonders mit dem zynischen Ben, der mit dem dänischen Hygge-Hype nichts anfangen kann und auch nicht freiwillig mitreist, gerät sie aneinander. Dabei sieht er so umwerfend aus und könnte genau ihr Typ sein.


Der Hygge-Hype interessiert mich, denn ich mag die Art, wie skandinavisches Design die Innenräume auf positive Weise verändern kann. Und für Wohlfühlstimmung sorgen vermag dieses Buch auf seine spezielle Weise ebenso.


Zu Beginn erlebt man eine Reisegruppe von erwachsenen Journalisten, die für einige Furore sorgen und wie ein Haufen wilder Flöhe von Kate zusammen gehalten werden müssen. Doch die Personen fügen sich relativ schnell ein und genießen die dänische Hauptstadt, die leckeren Smörrebröds und die Gemeinschaft untereinander. Nur einer tanzt aus der Reihe und das ist Benedict, genannt Ben. Von Hygge hält er überhaupt nichts, für ihn scheint diese Reise echte Zeitverschwendung zu sein.


Wie sich Kate auch ihm gegenüber durchsetzen kann, welche Erlebnisse sogar zu einer Liebesgeschichte führen und ob das Ganze auch für alle zufriedenstellend endet, muss man selber lesen.

Der Schreibstil hat mir gut gefallen, ich habe mich regelrecht einhüllen lassen in eine zauberhafte Wohlfühlglocke. Das was allerdings gestört hat, sind einige Rechtschreibfehler und merkwürdige Ausdrücke, die immer mal wieder vorkommen.



Ich habe die Geschichte gern verfolgt, bin abgetaucht in die appetit machenden Beschreibungen von lukullischen Häppchen, erlebte die liebenswürdige Atmosphäre und das gemütliche nterieur in Evas Café Varme und liess mich von der entzückenden Deko in den Auslagen von Lifestyle-Läden begeistern. Kurz, ich habe das Hygge-Gefühl miterlebt und konnte mich in die Geschichte fallen lassen. Gerne wäre ich sofort nach Kopenhagen gereist und hätte alles miterlebt.


Die Figuren sind mir beim Lesen ans Herz gewachsen. Sie machen teilweise eine Entwicklung durch, die auch ihr Leben positiv beeinflussen wird. Zwar enthält die Geschichte keine tiefliegenden Probleme und auch das Leben der dänischen Bevölkerung kommt kaum realistisch zur Sprache, doch das hatte ich in so einem Roman auch gar nicht erwartet.



Hier kommt es eher auf den Wohlfühlfaktor an und den spürt man hautnah mit der Reisegruppe beim Sightseeing, Essen und ihren gemeinsamen Vorhaben, so als wäre man ein weiterer Reiseteilnehmer.

Kate ist die gute Seele der Truppe und auch sie merkt, dass es neben beruflichem Erfolg auch noch anderes im Leben gibt.

Klar ist es überzogen, dass sich gestandene Journalisten von heute auf morgen von der Hygge-Stimmung einnehmen lassen, "doch mit Gemütlichkeit kommt auch das Glück zu dir".

Und nichts anderes scheint der Autorin am Herzen gelegen zu haben, ihre Leserinnen einfach nur zauberhaft und warmherzig zu unterhalten.

Ein unterhaltsamer Ausflug nach Kopenhagen mit einer spritzigen und warmherzigen Geschichte, die Sehnsucht nach Dänemark auslöst und mit einer großen Portion Hygge verwöhnt.

Bewertung vom 12.01.2019
Eisenberg / Rachel Eisenberg Bd.1
Föhr, Andreas

Eisenberg / Rachel Eisenberg Bd.1


sehr gut

Andreas Föhr bringt in diesem Krimi sein juristisches Fachwissen ein und erfindet Dr. Rachel Eisenberg, die als Strafverteidigerin unvoreingenommen die Verteidigung eines maßgeblichen Mörders übernimmt. Sie ist frisch getrennt von ihrem Mann, mit dem sie eine gemeinsame Kanzlei führt und beide haben eine pubertäre Tochter.

Rachel ist ständig bemüht, ihr arbeitsreiches Leben in Einklang mit etwas Privatleben mit ihrer Tochter zu bringen. Der vorliegende, sehr komplexe Fall macht es ihr da recht schwer.



Beim vorliegenden Krimi bekommt der Leser einen realistischen und eindrucksvollen Einblick über die Arbeit eines Anwalts und die Abläufe von Gerichtsprozessen geboten. Außerdem gibt es Suchaktionen nach verschwundenen Personen, als das nimmt einen großen Teil der Handlung ein, was zwar hochinteressant, aber auch etwas trocken und eher spannungsarm daherkommt.



Mit kurzen Kapiteln und einer klaren, juristisch geprägten Sprache fesselt der Autor seine Leser und sorgt mit einigen Wendungen und Cliffhangern für Interesse für den vorliegenden, ziemlich kniffligen Fall, der sich aus zwei Erzählsträngen zusammensetzt. Neben der Verteidigungsgeschichte gibt es einen zweiten Strang über die Albanerin Leonora, die sich illegal in Deutschland auf der Flucht befindet. Zwischen beiden Handlungen vermutet man zwar eine gemeinsame Verbindung, bekommt aber die Zusammenhänge erst nach und nach geboten. Wechselnde Verdächtige und neue Erkenntnisse und Indizien sorgen für lange Unwissenheit des Lesers.

Rachel Eisenberg ist eine kühle, sachlich wirkende Figur, deren Privatleben im Buch keine übergroße Rolle einnimmt, von der man aber einiges erfährt und mit ihr mitfühlen kann. Sie geht in ihrer Arbeit auf, geht beruflich einige Risiken ein und nutzt selbst nicht ganz legale Arbeitstaktiken für den guten Zweck. Das macht sie zu einer eindrucksvollen Figur, die ich am meisten in ihrer Beziehung zu ihrer Tochter oder als Hilfe für Menschen in Notsituationen sympathisch finde. Ihre Wortgewandheit und Schlagfertigkeit kann sie in ihrem Beruf gut einsetzen und sie kann sich damit auch gegen ihre männlichen Kollegen behaupten.

Auch die anderen Charaktere sind interessant gezeichnete Figuren, deren Rolle im Krimi reichlich Aufmerksamkeit erfordert. Man muss sich ständig vor Augen halten, welche Rolle man ihnen zutraut und inwieweit sie Schuld auf sich geladen haben.


Während die erste Hälfte des Buches noch eher spannungsarm geschildert wird, sorgen eine dramatische Verfolgungsfahrt, neue Personenerkenntnise und ein sehr actionreicher Showdown für fesselnde Lesestimmung. Am Ende bin ich doch von der Komplexität des Krimi überzeugt und empfehle ihn allen, die sich für juristische Dialoge und fundierte Aufklärungsarbeit interessieren.

Bewertung vom 10.01.2019
Der Duft von Meer und Thymian
Madeleine, Laura

Der Duft von Meer und Thymian


sehr gut

Dieses Buch dreht sich um Bills Nachforschungen nach einer Erbin, um die Flucht der jungen Emeline und um die Zeit ihres Aufenthaltes im Süden Frankreichs.


Laura Madeleine sorgt mit ihrem gefühlvollen und sehr bildhaften Schreibstil für wunderschöne Lesestunden. Dabei sieht man die Küche Südfrankreichs vor den eigenen Augen, bekommt die Zubereitung und sogar die wohlriechenden Aromen der Gerichte erklärt. Fast scheint die Zeit im Rückblick stillzustehen, hier ist das Alltagsleben sehr präsent. Man fühlt sich einfach wohl in der Küche von Clemence, sieht aber auch, dass das harte Arbeit ist, denn es gibt einige Münder zu füllen und Zeit sparende Küchenmaschinen gab es damals noch nicht. Die Bewohner der Gegend sind relativ arme Bauern und Fischer und sind auf ihre eigenen Produkte angewiesen, daher werden nur regionale Zutaten verwendet.
Dieser Roman wird im ständigen Wechsel aus Bills und Emelines Perspektive erzählt. Besonders die Kapitel über Emeline lassen mich eintauchen in die romantische Liebesgeschichte, die wunderbar beschriebene Landschaft, die Düfte der Lavendelfelder und fast hatte ich den Geschmack der herrlichen Gerichte der südfranzösischen Küche auf den eigenen Lippen.
Die Ausarbeitung der Charaktere ist vielschichtig und genau, man kann die Figuren ihrer jeweiligen Zeit durch bestimmtes Auftreten und Verhalten zuordnen.
Während Bills abenteuerlicher Suche nach Emeline, muss er von England durch ganz Frankreich bis an die Grenze zu Spanien reisen. Diese Reise ist für ihn sein ganz persönliches Abenteuer, denn er ist bisher nicht groß gereist. Seine Ehrlichkeit sorgt dafür, dass er unbedingt die Wahrheit über Emeline herausfinden will. Einige unterhaltsame Wegbegleiter unterstützen ihn bei seinem Vorhaben und führen ihn bis zu Emelines Aufenthaltsort.
Emeline ist anfangs eine einsame, von bösen Träumen eingeschüchterte Person, sie entwickelt sich zu einer mutigen jungen Frau, die völlig auf sich gestellt ihre Heimat verlässt, um sich als Außenseiterin in einem fremden Land mit ihrer Hände Arbeit über Wasser zu halten. Das erfordert schon viel Selbstdisziplin und Durchsetzungswillen. Aber sie hat Glück, denn sie findet auch Menschen, die es gut mir ihr meinen und sie findet einen Seelenverwandten.
"Der Duft von Meer und Thymian" sorgt für die Gerüche nach französischer Küche beim Lesen, für eine Vielfalt von Aromen und für eine unterhaltsame Geschichte, die ein Familiengeheimnis aufklärt. Ein wenig Abenteuer, Kochatmosphäre und Wohlfühlstimmung sind hier garantiert und sorgen für entspannende Lesezeit.

Bewertung vom 08.01.2019
Kleines Land
Faye, Gael

Kleines Land


ausgezeichnet

Über den Völkermord in Ruanda und Burundi zwischen Hutu und Tutsi wissen wir hierzulande nur wenig, die Informationen der Nachrichten geben die immense Anzahl der Getöteten mit bis zu 1.000.000 Menschen an und zeigen damit auch das Ausmaß dieser kriegerischen Katastrophe.

In diesem Roman wird aus der Sicht eines Kindes, des 11jährigen Gaby, über die Entwicklung im Lande Burundi erzählt. Anfangs friedlich zusammenlebende Hutu und Tutsi liefern sich im Jahre 1994 einen erbitterten Bürgerkrieg.

Gaby erzählt über eine Heimat, die im Krieg auseinanderbricht, wo Nachbarn zu Feinden werden und die Grausamkeiten unvollstellbar sind. Seine anfangs glückliche Kindheit zerbricht als sich die Eltern trennen und als der Krieg ausbricht. Auch seine Freunde werden gewalttätig und lassen sich von den Auseinandersetzungen voller Haß anstecken und mitreißen.

Der Erzählstil des Autors hat mich sehr berührt und gefesselt, hier muss ich auch ein großes Lob an die perfekt gelungene Übersetzung aussprechen.

Der sprachliche Tonfall ist leicht zu verfolgen, sehr treffend und trotz der dramatischen Ereignisse immer irgendwie schonungslos und sachlich beschreibend. Das verleiht dem Buch eine ganz intensive Wirkung, der man sich als Leser nicht entziehen kann.



Gaby sagt über seine Heimat: "Nichts ist süßer als der Augenblick, in dem die Sonne hinter den Berggipfeln versinkt." Zitat Seite 81

Soviel Romantik vermutet man bei einem jungen Autor gar nicht. Überhaupt sieht er die Schönheit seiner Heimat ganz bildhaft und intensiv. Je mehr er sich an seine Kindheit erinnert, umso schöner beschreibt er die Umgebung. Während die kriegerischen Auseinandersetzungen und Morde ihm eine Welt voller Gewalt und Grausamkeit vor Augen halten, in die er letzten Endes auch hineingezogen wird und zu einer grausamen Tat gezwungen wird.

"Völkermord ist ein schwarzer Sumpf, wer nicht darin untergeht, ist für sein Leben verseucht." Zitat Seite 188

Das zeigt die furchtbare Atmosphäre nach dem Militärputsch, in deren Ungewissheit und Schusswechselstimmung, Gabys Leben nur in verschlossenen Zimmern stattfinden ließ. Er findet Ablenkung in Büchern, verdrängt die Situation, so gut er kann.



Gaël Faye berichtet aus kindlicher Perspektive von seiner unbeschwerten Kindheit, aber auch von aufkommendem Krieg, Mord und Vertreibung. Vom Kippen des Friedens in Gewalt und Zerstörung. Wie schnell sich vollziehen konnte, mussten Tausende Afrikaner am eigenen Leibe erfahren.

In Gabys Fall könnte man auch sagen: Vom Kinderparadies in die Hölle. Die Schrecken dieser Zeit lassen Gaby nicht los, seine Freunde greifen zu Waffen und die Hölle bricht los.

Als er lange Zeit später zurückkehrt, findet er gefällte Bäume vor, hohe Mauern statt Mangobäumen und Büschen.



Dieser Roman hat mir sehr eindringlich gezeigt, wie schnell Menschen von Freunden zu erbitterten Feinden und Bestien werden können. Einige Szenen hallen noch in mir nach und so wird dieser Roman mir noch lange in Erinnerung bleiben.



Intensiv erzählt und berührend stellt "Kleines Land" glückliche Kindheits- und Heimaterinnerungen und schreckliche Kriegserlebnisse nebeneinander und ist ein herausragendes und sehr ergreifendes Buch. Ein wichtiger Appell an die Vernunft für Heimat und Frieden!

Bewertung vom 07.01.2019
Der Apfelbaum
Berkel, Christian

Der Apfelbaum


ausgezeichnet

Christian Berkel hat sich als Schauspieler einen Namen gemacht, weil ihn seine Familiengeschichte jedoch nicht losgelassen hat, versuchte er, sich ihr schreibend zu nähern. Wie er das Leben seiner teilweise jüdischen Vorfahren über drei Generationen in Zeiten des Nationalsozialismus schildert und mit Inhalten ausschmückt, ist nicht nur berührend zu lesen, es zeigt auch ein authentisches Bild dieser schicksalsträchtigen Zeit.


Mit großem Einfühlungsvermögen, sprachgewandt und mit einigem Berliner Dialekt versehen, erzählt Christian Berkel seine interessante Geschichte. Seine Großeltern stellt er darin in den Mittelpunkt und zeigt damit, wie zwei Liebende unter den Widrigkeiten ihrer Epoche zu kämpfen haben. Ihr Leben wurde wie das von so vielen Menschen zum Spielball der Zeit.


Die Handlungsorte sind weitreichend und führen von Berlin über Stationen in Madrid, Paris, einem Lager in den französischen Pyrenäen, Argentinien bis in die russische Kriegsgefangenschaft Ottos. Das macht deutlich, wie sehr das Leben der Personen dem Einfluss der Judenverfolgung und des Kriegsgeschehens unterworfen war. Flucht, Verfolgung und Gefangenschaft spielte in diesen Leben eine große Rolle.

In diesem Familienepos werden die Figuren genau gezeichnet, sie wirken vor allem durch ihre Sprache authentisch und berühren mit ihren Gefühlen, Ängsten und Sehnsüchten, die im Kriegsgeschehen und auch danach von so vielen äußeren Einflüssen beeinflusst wurden. Es gibt einige Familienangehörige, die mit ihrer Besonderheit auffallen und im Roman auch für unterhaltsame Szenen sorgen. Berkels Großvater war homosexuell und lebte in einer Nudistenkolonie, die Großmutter agierte als Anarchistin in Spanien und die Großtante arbeitete in der Pariser Modeszene mit den Größen ihrer Zeit.


Mich haben die Schicksale von Otto und Sala tief berührt und die geschilderten Kriegsszenen mit Hunger, Gewalt und menschlicher Grausamkeit haben mich mit großer Betroffenheit erfüllt. So etwas darf sich nicht wiederholen und deshalb finde ich Bücher mit dieser Thematik so unglaublich wichtig.


Dieser Roman hat mich berührt und bis zum Ende gefesselt. Hier wird nichts schön geredet, sondern offen gezeigt, wie sich Menschen einer Familie auf verschiedene politische Seiten gestellt haben.


Etwas problematisch sehe ich die häufig wechselnde Zeit- und Ortsperspektive, wenn man das Buch allerdings in einem Rutsch durchliest, verknüpfen sich die Handlungsstränge zu einem kompletten und verständlichen Bild.



Dieser autobiografisch angehauchte Roman zeigt eine bewegend erzählte, schicksalsträchtige Familiengeschichte, die bis zum Ende fesselt. Sie erklärt nachkommenden Generationen diese Zeit und macht den Unsinn von Kriegen an Beispielen fest. Ein Mahnmal gegen den Krieg.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.01.2019
DOORS - Der Beginn (eBook, ePUB)
Heitz, Markus

DOORS - Der Beginn (eBook, ePUB)


gut

Gleich vorab als Info: Genres dieser Art lese ich nur ungern. Dennoch habe ich mich an diese Pilotfolge gewagt, sie umfasst ja nur 80 Seiten. Denn die Idee hinter dieser Serie finde ich interessant.



Anna-Lena lernen wir ganz zu Beginn kennen, es wird jedoch nicht klar, warum sie, gekleidet in ein Abendkleid, in den Höhlen verschwand. Ihr Vater ist voller Sorge, stattet das Rettungsteam mit Sturmgewehren aus und schickt sie in ein unterirdisches Höhlensystem.

Dort entdecken sie geheimnisvolle alte Türen, hinter denen sich jeweils eine andere Abenteuerweltet zu verbergen scheint. Drei von fünf Türen gibt es in den folgenden Romanen der Serie zu entdecken. Es liegt am Leser, für welchen Roman er sich entscheidet. Alle drei Romane können angeblich unabhängig voneinander gelesen werden, sie unterscheiden sich nur in ihren Abenteuern.


DOORS X - Dämmerung: führt in einen Alptraum der Zukunft
DOORS ? - Kolonie: führt in die 40er Jahre einer anderen Weltgeschichte
DOORS ! - Blutfeld: führt in ein frühes Mittelalter



Zu den Figuren kann ich noch nicht viel sagen, dazu fehlen mir einfach noch mehr Informationen. Alle sechs Personen sind jedoch nicht so wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Ihre Geheimnisse werden sicher noch aufgedeckt.



Die Geschichte entwickelt sich zu einer aktionsgeladenen Story, die aber auch mit geheimnisvollen Elementen durchsetzt wird. Es werden Menschen erschossen und mir kommen die Mitglieder des Teams wie Avatars in einem Computerspiel vor.

Dazu passt die Idee, wie bei einem Level oder Spieleweg, sich nun die gewünschte Tür auszuwählen.



Grundsätzlich macht das neugierig und ich denke, das Konzept des Autors ist für Freunde des Genres aufgegangen.


Für mich ist diese Serie nicht verlockend, generell finde ich die Idee aber recht abwechslungsreich und neuartig.

Bewertung vom 04.01.2019
Das Geheimnis vom Strandhaus
Rogasch, Julia

Das Geheimnis vom Strandhaus


gut

Mia hat Glück im Unglück, denn ihr neuer Job in der Privatvilla von Laurenz von Hofbacher ist ein Glückstreffer. Sie mag die Arbeit und kommt gut mit der Haushälterin und den Hunden des Hauses aus. Der Kontakt mit Laurenz findet anfangs nur schriftlich statt, doch damit bildet sich Mia allmählich ein Bild von ihm. Die Voraussetzung für eine romantische Liebesgeschichte ist damit gelegt, doch es kommt mit einem Einbruch zu unvorhergesehen Ereignissen, die familiäre, tragische Verluste ans Licht bringen.


Küstenromane und Geschichten mit familiären Geheimnissen mag ich sehr gerne lesen. Dieser Roman konnte mich leider trotz dieser perfekten Grundlagen nicht völlig überzeugen.


Einerseits gefällt mir der Erzählstil, andererseits stört mich das dauerhaft verwendete Präteritum. Außerdem werden die Vorgänge und Handlungen fast schon minutiös aufgeführt, was meines Erachtens über das allgemeine Interesse hinausgeht. Die Story wirkt dadurch langatmig und überkonstruiert und die Lebenswege von Mia und Laurenz erscheinen zu ausgeschmückt, um wirklich fesselnd zu sein. Stück für Stück verliebt sich Laurenz in Mia, dadurch kommt er wieder im wahren Leben an.

Ihre Liebesgeschichte fängt erst spät an und als es soweit ist, wirkt das nicht sehr romantisch. Die Hauptfiguren geben zwar sehr genau über ihre Gedanken Auskunft, sympathisch werden sie mir aber leider nicht. Das haben eher Frau Mönnig und Sabine und Anna geschafft.



Insgesamt gesehen hätte der Stimmung ein wenig mehr Inselromantik und Schmetterlingsgefühle gut getan. Einige Schauplätze bringen dann zwar etwas Syltfeeling in die Handlung, doch das Buch hääte davon noch mehr vertragen können.


Insgesamt konnte mich dieser Roman nicht abholen. Die Figuren haben unter den Schatten ihrer Vergangenheit zu kämpfen, kommen mir aber nicht sehr nahe.



"Das Geheimnis von Strandhaus" bringt dem Leser schrittweise ein Familiengeheimnis näher. Ich hätte mir etwas mehr stimmige Handlung und mehr Romantik gewünscht.

Bewertung vom 02.01.2019
Küsse unterm Winterhimmel
Stiens, Gisela

Küsse unterm Winterhimmel


gut

Gisela Stiens Roman "Küsse unterm Winterhimmel" erscheint bei Forever, einem Digitalverlag der Ullstein Buchverlage.


Tonja ist Kassiererin in einem Supermarkt und lernt an der Kasse den gutaussehenden Unternehmersohn Rafael kennen. Genauso könnte ihr Traummann aussehen, er trifft sich mit ihr und fragt sie nach ihrem Job aus. Das kommt ihr komisch vor und kurze Zeit später hat ihre Kollegin Ramona ihn ihr weggeschnappt. Tonja ist verletzt, sie sucht Ablenkung und geht abends aus. Dort lernt sie Mark kennen, er ist ganz nett, doch in Tonjas Kopf schwebt immer noch Rafael. Es kommt zu einem Überfall im Supermarkt. Auch wenn Tonja das noch nicht so schnell verarbeitet hat, nimmt sie ihren Job ernst und weiß, dass jetzt vor Weihnachten jede Hilfe im Laden gebraucht wird. Kann sie sich bei diesem Durcheinander überhaupt auf ihr Weihnachtsfest freuen?


Diese Geschichte ist locker und leicht geschrieben, es geht um die junge Verkäuferin Tonja, die mit sich und ihrem Job zufrieden ist und sich nach der großen Liebe sehnt. Als sie Rafael begegnet, ist sie sofort Feuer und Flamme für ihn, genauso stellt sie sich ihren Traummann vor. Leider schnappt ihn sich ihre Kollegin Ramona Tonja vor der Nase weg. Tonja ist enttäuscht und trifft schon bald Mark, der zwar total nett ist, aber für den sie nicht gleich brennt. Doch manchmal ist nicht die Liebe auf den ersten Blick, die große Liebe. So etwas kann sich auch entwickeln.


Was als Liebesroman beginnt, entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einem vorweihnachtlichen Krimi. Das ist ungewöhnlich und sorgt für etwas mehr Tiefe. Da jedoch der Täter nur allzu offensichtlich präsentiert wird, fehlt für mich der Überraschungseffekt.


Die Charaktere sind klar umschrieben, man kann sich ein Bild von den fürsorglichen Eltern machen, erlebt die eigennützige Kollegin Ramona und merkt sofort, das Rafael ein falsches Spiel spielt.

Leider ist Tonja ein wenig naiv und merkt das nicht und so kommt es schließlich zum Äußersten.



Der Überfall stellt in meinen Augen keine große Überraschung dar und dadurch war der Spannungseffekt auch leider nicht sehr groß. Auch Marks Rolle konnte ich mir von Anfang an denken, seine Figur mochte ich von allen am liebsten.


Diese winterlich angehauchte Liebesgeschichte ist flüssig geschrieben, leicht zu lesen und sorgt für angenehme Unterhaltung in der Vorweihnachtszeit.