Benutzername: sommerlese
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Insgesamt 843 Bewertungen
Bewertung vom 16.10.2017
Das Schiff der Träume
Conway, Martha

Das Schiff der Träume


sehr gut

1838 in Cincinnati, Ohio. May Bedloe ist 22 Jahre und arbeitet als Schneiderin für ihre Cousine Comfort Vertue, eine hochnäsige Schauspielerin, die May herumkommandiert. Als sich schicksalshafte Dinge ereignen, werden die Cousinen getrennt. May heuert selbst auf einem Theaterschiff an und fühlt sich in der bunten Truppe wohl und blüht auf.

Doch die größte Herausforderung ihres Lebens wartet noch auf May und dieser Einsatz ist ziemlich gefährlich und folgenschwer.


Dieser Gesellschaftsroman dreht sich um die junge May Bedloe, die ihren Platz im Leben sucht und dabei ungeahnte Abenteuer erlebt und sich von einer schüchternen grauen Maus zu einer selbstbewussten und mutigen Frau entwickelt.

Nach und nach lernen wir die verschiedenen Charaktere kennen, sehen, wie May von ihrer Cousine Comfort herumkommandiert wird und stossen später mit May auf eine bunte Truppe von Schauspielern und Zauberern auf einem Theaterschiff, die es in dieser Zeit wirklich gab. Es ist die Zeit der Anti-Sklaven-Bewegung, der sogenannten "Abolitionisten" und die Zeit vor dem amerikanischen Bürgerkrieg. Auch May wird in die Sache der Sklaven-Befreier gezogen und soll Sklaven über den Fluss in die Freiheit retten, was als strafbare Handlung angesehen wird.

Der Roman wird ruhig, aber detailgenau erzählt, doch es wird nicht langweilig. Mays Leben plätschert erst dahin wie das Wasser des Ohio, doch dann nimmt es gewaltige Fahrt auf und endet in einer Katastrophe, die für May den Wendepunkt ihres Lebens darstellt.

Da May Schneiderin ist, bekommt man immer wieder die Garderobe beschrieben und kann sich die Figuren bildhaft deutlich ausstaffiert vorstellen. Vieles muss aus Geldmangel improvisiert werden, auch das Bühnenbild. Man taucht sehr authentisch in die Zeit ein und erlebt das Leben auf dem Theaterschiff, die vielen Stationen am Fluss und die Menschen, die hier auf dem Schiff gute Unterhaltung und Abwechslung suchen.


Mit May hat Martha Conway eine liebenswürdige Protagonistin geschaffen, die man gerne begleitet. Die besondere Atmosphäre liegt in den zeitgeschichtlichen Hintergründen, aber auch an dem Leben auf dem Theaterschiff.

Einfühlsam, detailliert und unterhaltsam ist der Erzählstil und man kann dieses Buch wunderbar an langen Winterabenden geniessen. Auch die Emotionen, die Situationsbeschreibungen und die Not der Sklaven zeigt die Autorin auf eine realistische und anschauliche Weise, die mich mitgenommen hat.




Hier kommt der Zeitgeist, die Atmosphäre und die Hoffnung auf Freiheit gut zum Ausdruck. Ein unterhaltsamer Roman für lange Abende im Winter.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 14.10.2017
Wintersterne
Broom, Isabelle

Wintersterne


ausgezeichnet

Für die drei Frauen Megan, Hope und Sophie ist eine Reise ins verschneite Prag die perfekte Gelegenheit, um vor ihren Problemen wegzulaufen. Obwohl sie völlig unterschiedliche Typen sind, haben sie beim Kennenlernen an der Hotelbar sofort einen guten Draht zueinander. Es folgen gemeinsame Besichtigungen durch die winterlich verzauberte Stadt. Bei ihren Erlebnissen und Gesprächen kommen sie ihrer Vergangenheit näher und setzen sich mit den eigenen Problemen auseinander. Dabei führt diese Reise am Ende sogar zu sich selbst.


Diesen Roman habe ich fast in eins weg verschlungen. Mir haben besonders die vielfältig und authentisch wirkenden Charaktere gefallen, sie werden mit viel Tiefgang und beladen mit einigen Problemen gezeigt und doch geht die Unterhaltung dabei nicht verloren. Man fiebert mit ihnen mit und ist gespannt auf ihre jeweiligen Entwicklungen und wie sie ihr weiteres Leben gestalten werden.


Gleichzeitig führt die Autorin gekonnt wie eine Stadtführerin durch die Strassen und zu den bekannten Sehenswürdigkeiten Prags, dass man meint, selbst alles mitzuerleben und sich ebenfalls in einem Kurzurlaub zu befinden. Wenn man diese Stadt kennt, ist dieser Eindruck sicher noch ausgeprägter. Beim Lesen dieser typischen Stadtansichten hatte ich häufig eigene Bilder vor Augen. Gerade in der Winterzeit scheint Prag einen ganz besonderen Zauber zu verbreiten. Man merkt, wie sehr sich die Protagonisten dort wohlfühlen.

Der Schreibstil Isabelle Brooms gefällt mir ausgezeichnet. Sie schreibt sehr flüssig, wunderbar detailliert, geht nachfühlbar auf die Gefühle, Sorgen und zwischenmenschlichen Beziehungen ein und so lässt sich der Roman unvergleichlich gut weglesen.


Die Einblicke in die persönlichen Geschichten der Frauen geben so manches dunkle Geheimnis preis. Jede Frau hat ihre eigene Bürde zu tragen und dennoch wirkt die Handlung nicht dramatisch oder schwer beladen. Auch wenn es manchmal sehr emotional wird, gelingt es der Autorin, die Leichtigkeit nicht verloren gehen zu lassen.


Dieses Buch ist ein wunderbar unterhaltender Roman, der Schreibstil ist fantastisch, es berührt und zeigt die Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten Prags im Winter und ist damit genau die richtige Lektüre für die kalte Jahreszeit.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 13.10.2017
Hygge

Hygge


sehr gut

Die Dänen sind eines der glücklichsten Völkchen der Erde. Ihr Geheimrezept zum Glücklichsein? Hygge! Das ist ein Lebensgefühl und steht für Gemütlichkeit, Geselligkeit und Glücklichsein.

Gerade wenn die Tage kürzer werden, vermisst man die Glücksgefühle des Sommers. Aber mit viel Licht und hellen Farben in der Wohnung, mit Kerzen, Kaminfeuer und Pflanzen kann man sich eine behagliche Atmosphäre zaubern, in der man sich wohlfühlt. Mal mit den Worten der Dänen gesagt: Es wird hyggelig!

Dieses Buch hat ein handliches Format, ist hochwertig gemacht und enthält wunderschöne Fotos, die zum Glücklichsein anleiten sollen.
Neben Rezepten und Basteltipps finden auch Tipps für gemeinsame Aktivitäten im Freien und passende Sprichwörter Platz, die sich in insgesamt 6 Kapitel gliedern.

Auch mit Handarbeiten kann man nicht nur sich selbst eine Freude machen. Die selbstgenähten Lavendelsäckchen gehen mit etwas Geschick sehr einfach und sie verbreiten einen wunderbaren Duft.
Filzpantoffeln lassen sich aus Filz nähen, Pom-Poms herstellen mag jedes Kind und eine Warmhaltetasse mit einer gestrickten Socke ist eine individuelle und auch praktische Idee.

Es geht doch nichts über ein Essen, dass zur Jahreszeit passt und gut schmeckt. Der Duft aus dem Ofen erfüllt das ganze Haus, schon das hebt die Stimmung enorm. Der Genuss beim Essen macht ebenfalls glücklich. Bunte Plätzchen, warme Suppe, aromatischer Glühwein und ein Lebkuchenhaus erfüllen mit ihrem speziellen Duft das ganze Haus und schmecken auch noch unverschämt gut.

Das eigene Heim kann man mit stimmungsvollen Lichterketten, Grünpflanzen, Blumen und jahreszeitlichen Deko-Gegenständen in eine gemütliche Wohlfühloase verwandeln.
Aber Stubenhocker müssen sich auch mal an der frischen Luft aufhalten. Deswegen ist auch Outdoor angesagt. Dann ist man erfüllt von der Natur und trägt diese Eindrücke auch innerlich weiter. Was eignet sich besser als ein Lagerfeuer oder Picknick, Spaziergänge am Strand, im Schnee oder Wald. Wenn man dann durchgefroren heimkehrt, wärmt eine heiße Schokolade wieder die Energiereserven auf.

Diese Hygge-Inspiration ergibt sich aber auch bei einem entspannenden Bad, beim gemütlichen Lesen eines Buches, man kann Filme schauen, Spiele spielen. All das verleiht Glücksgefühle und macht das Leben lebenswert.
Wunderschöne Fotos begleiten dieses Buch, man ist schon zufrieden, wenn man sie nur anschaut. Ich lege mir das Buch auf den Couchtisch und werde immer mal wieder einige Dinge daraus umsetzen.

Dieser Bildband eignet sich sehr gut zum Verschenken. Es ist ein Genuss, darin zu blättern und man findet die ein oder andere Inspiration für die eigene Auslegung des privaten Hygge.

Bewertung vom 12.10.2017
Ich treffe dich zwischen den Zeilen
Butland, Stephanie

Ich treffe dich zwischen den Zeilen


sehr gut

Bei diesem Roman musste ich mich erst allmählich an die Geschichte herantasten. Zu Beginn wurde ich nicht gleich warm mit Loveday, ganz im Gegenteil, ich konnte sie nicht verstehen. Aber im Laufe der Handlung konnte ich mich ihr nähern und ihr Verhalten gut nachvollziehen.

Die Liebe zu den Büchern springt bei diesem Buch aus allen Ecken und Enden. Viele Buchtitel verlocken zum Lesen und verbreiten ihr besonderes Flair und die Gedichte von den Poetry-Slams zeigen die Gefühle der Protagonisten deutlich auf und unterstützen den literarischen Gesamteindruck.

Was mich aber am meisten berührt hat, ist die Schilderung von Lovedays Kindheit. Die dramatischen Erlebnisse kommen nach und nach ans Licht und man kann verstehen, wie sich Loveday vor anderen Menschen in ihre Bücherwelten flüchtete.
Das merkt man auch an ihren Tattoos, die ihre liebsten Buchanfänge auf ihrem Körper verewigen.

Stephanie Butland hat einen ruhigen, aber direkten Schreibstil. Man hat das Gefühl, hier persönlich als Zuhörer gewählt worden zu sein. Wie hier Liebe und der Weg zur Selbstfindung dargestellt werden hat nichts mit Kitsch zu tun, ganz im Gegenteil, es wirkt sehr authentisch und man hat für die Protagonistin vollstes Verständnis.
Wie Loveday dann ihren Weg findet, möchte ich nicht verraten. Auf jeden Fall muss sie sich entscheiden, ob sie sich weiter abkapselt oder sich für Nathan entscheidet.

Dieser Roman stellt die Kraft der Gedichte und Bücher in den Hauptfokus, manchmal haben Bücher auch heilende Wirkung. Aber auf menschliche Nähe kann man dennoch nicht verzichten.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 09.10.2017
Der Herzschlag deiner Worte
Ernst, Susanna

Der Herzschlag deiner Worte


sehr gut

Vincent erleidet beim Golfen einen Herzinfarkt. Sein Sohn Alex ist Musiker, Vater einer kleinen Tochter und wird von diesem Todesfall tief getroffen. Auf der Beerdigung lernt er seine Patentante Jane kennen. Sie ist schwer krank und auf einen Rollstuhl angewiesen, dennoch versprüht sie pure Lebensfreude und durch sie lernt Alex die temperamentvolle Autorin Maila kennen. Alex verliebt sich in sie, doch Maila ist nicht für ein Happy End, weder in ihren Bücher noch im eigenen Leben.

Das Buch beginnt 2015 mit dem Herzinfarkt Vincents. Dann springt die Geschichte ins Jahr 2013 zu Alex, Vincents Sohn.

Dieser junge Mann erzählt von seiner kleinen Tochter Leni, von der Beziehung zu seinem Vater und man erlebt ihn mit seiner Schwester Cassie und seinem Bruder Marcus. Durch seine Tante Jane beginnt sich Alex zum Guten zu verändern. Er wird mir erst allmählich sympathisch, weil er Verantwortung übernimmt, emotional aufmerksam ist und für seine Liebe kämpft.

Im Laufe der Handlung versteht man die Zusammenhänge der Figuren und sieht, wie sie miteinander immer mehr verzahnen. Es gibt in der Vergangenheit Geheimnisse, die sich nur als schicksalshafte Fügungen beschreiben lassen und schon fast dramatisch daherkommen.

Mir hat der emotionale und sehr flüssige Schreibstil von Susanna Ernst sehr gut gefallen und ich konnte tief in die Geschichte und in die Gedanken der Figuren eintauchen. Denn die Personen werden sehr lebendig geschildert und besonders die kleine Leni wurde mein Augenstern des Romans. Aber auch der Mailkontakt zwischen Alex und Maila hat es mir angetan.
Mir gefällt das Buch, weil es die alles umfassenden Fragen des Lebens miteinander verbindet. Liebe und Glück, Trennung und Verlust, Trauer und Hoffnung. Mir dieser Spannbreite geht die Autorin inhaltlich über das Thema Liebesroman hinaus und zeigt Fügungen des Schicksals, die schon fast an Wunder grenzen.

Diese zauberhafte Geschichte steckt voller Emotionen, einem Schuss Dramatik und ist ein Auf und Ab von Gefühlen. Mehr möchte ich nicht verraten, ich kann nur zum Lesen anraten.

Bewertung vom 08.10.2017
Mordsmäuschenstill (eBook, ePUB)
Tielcke, Natalie

Mordsmäuschenstill (eBook, ePUB)


gut

Von Schlafstörungen und Mordabsichten

Hanna ist Psychologin und therapiert Menschen mit Schlafstörungen. Eines Tages wird sie im eigenen Badezimmer erschlagen aufgefunden. Die Polizei tappt im Dunkeln und vor Hannas Praxis treffen verzweifelte Patienten aufeinander. Ist einer von ihnen der Mörder?

Das Buch beginnt mit Hanna, die im Krankenhaus hirntot im Koma liegt und auf ihren Tod wartet. Eine makabere Situation, denn sie schwebt scheinbar über der gesamten Handlung und verfolgt alles genau mit.

Kapitelweise zeigt die Autorin die Sichtweise und die Erlebnisse einzelner Akteure, in diesem Fall Patienten und der Polizeibeamte, der den Überfall auf Hanna aufklären soll. Dadurch lernt man sie näher kennen und kennt auch ihre psychologischen Schwachstellen und speziellen Macken. Diese Perspektivwechsel zeigen komische Dialoge, schwierige Situationen und auch sexuelle Szenen.

Da ist Nele, die beim Schlafwandeln sexuelle Anwandlungen ihres Unterbewusstseins umsetzt, Jenny, die mit Schlafstörungen und Minderwertigkeitskomplexen zu kämpfen hat und schliesslich Sascha, der auch seine Probleme hat.
Sie beginnen mit den Ermittlungen nach dem brutalen Täter, denn Hanna ist ihnen allen ans Herz gewachsen. Zu dem Trio kommt noch Phil, der Polizist und Finn, der Hanna als letzter gesprochen hat.

Am Anfang des Buches tritt der Humor, der im Klappentext als irrsinnig lustig angekündigt wird, noch deutlich hervor. Aber im Laufe der Handlung ist davon nicht mehr viel zu merken. Auch der Spannungsfaktor kommt mir zu kurz.

Die psychologischen Probleme der selbsternannten Ermittler stehen nebem der Ermittlung im Vordergrund. Die Figuren wirken zwar in ihrer Psyche gut beschrieben, kommen mir aber nicht richtig nah. Mir fehlt ein richtiger Sympathieträger und die Protagonisten fand ich teilweise recht nervig.
Außerdem wird zum Ende der Täter irgendwie herbeigezaubert und damit wird der Krimi an sich für den Leser relativ langweilig. Man möchte schon selbst raten und niemanden einfach präsentiert bekommen.

Dieses Buch ist locker und flüssig geschrieben, manche Szenen empfinde ich dann aber doch als recht unrealistisch.

Ein gut lesbarer Krimi, der sich mit psychologischen Abgründen und Schlafstörungen beschäftigt. Allerdings nicht so mein Fall.

Bewertung vom 06.10.2017
Getürkt / Kommissar Pascha Bd.5
Turhan, Su

Getürkt / Kommissar Pascha Bd.5


sehr gut

Die Reihe um Kommissar Pascha hat Autor Su Turhan 2017 mit dem Band "Getürkt" um den 5. Teil erweitert. Der Bank erscheint im Piper Verlag und dient als Vorlage zur ARD-Krimiserie. Kommissar "Pascha" Zeki Demirbilek ist Leiter des Münchner Sonderdezernats Migra, das für Kapitalverbrechen mit Migrationshintergrund zuständig ist. Die Leiche einer jungen Frau in Istanbul trägt eine Tätowierung, die dem Fußballverein 1860 München zuzuordnen ist. Zeki wird deshalb um Amtshilfe gebeten. Auch der Verfassungsschutz benötigt die Hilfe des Kommissars. Ein türkischstämmiger Werbefilmer scheint in terroristische Machenschaften verwickelt zu sein. Zeki hat also alle Hände voll zu tun und nebenbei gibt es auch im Privatleben Handlungsbedarf.

Für mich ist das der erste Krimi des Autors und viele Personen und deren Namen waren mir nicht von Beginn an geläufig. So musste ich mich erst den Figuren nach und nach annähern und konnte dann die Lektüre genießen. Man kann gut noch später in die Reihe einsteigen.

Alle Charaktere haben so ihre "landestypischen" Eigenheiten, allen voran Zeki, der trotz seiner türkischen Wurzeln und Lebensart auch den bayrischen Geflogenheiten wie Weißbier, Leberkäs und Schweinsbraten durchaus nicht abgeneigt ist.

Zeki ist Großvater geworden und der Enkel ist sein ganzer Stolz. Leider gibt es Probleme mit seinem Sohn und dessen Frau. Doch zwei Kriminalfälle halten Zeki auf Trab. Seine Migra-Truppe steht geschlossen hinter ihm und die Ermittlung führt dieses Mal in dunkle Kanäle und Gewalt und Verbrechen spielen eine große Rolle.
Von der Spannung her hält sich der Krimi im guten Mittelfeld, zum Schluss wird es allerdings noch einmal sehr spektakulär. Für mich war der geplante Anschlag ein wenig zu undurchsichtig und ich hätte das Buch auch genauso gern mit nur einem Krimifall gelesen.

Ein türkischer Ermittler im tiefsten Bayern als Vorgesetzter der bayrischen Kollegen, kann das klappen? Diese Frage stellte ich mir zu Beginn, doch diese Truppe funktioniert wunderbar. Denn Zeki ist in beiden Kulturen verzahnt und von beiden ein Teil.

Generell gefällt mir diese Darstellung eines friedlichen Miteinanderlebens von Andersgläubigen sehr gut, denn genauso soll Integration stattfinden. Als Einbindung in neue Lebensräume und mit Verständnis füreinander, sowie gegenseitigem Respekt der anderen Gewohnheiten.
Wobei sich die Kollegen schon gegenseitig spitze Bemerkungen zuwerfen, aber das Ganze auf die humorvolle Weise tun. Ob Beschneidung oder bayrische Ansichten, hier bekommt jeder sein Fett ab. Auf jeden Fall hat man als Leser einiges zu lachen.

Dieser Krimi ist kurzweilig durch das Privatleben des Paschas und die Krimihandlung bringt den nötigen Spannungskick mit. Gleichzeitig sorgen türkisches Lebensgefühl und Münchner Flair für den regionalen Touch in der Geschichte. Eine tolle Krimireihe!

Bewertung vom 04.10.2017
Schneller, weiter, toter / Henning Bröhmann Bd.4
Faber, Dietrich

Schneller, weiter, toter / Henning Bröhmann Bd.4


sehr gut

Dieser vierte Band der Hessenkrimi-Reihe bringt neue Einblicke in das Familienleben der Bröhmanns. Henning hat seinen Job bei der Polizei gekündigt, die regelmäßige Besoldung und die Beamtenpension sind nun futsch. Er übernimmt Gelegenheitsjobs und tingelt als Musiker mit seiner Band durch die Kneipen. Inzwischen ist die Kinderschar auf vier angewachsen und Henning hat so seine liebe Mühe mit den munteren Zwillingen.
Als Melina unter Mordverdacht steht, klingeln bei Henning die Alarmglocken und er mischt sich undercover in die linke Szene.

Bei diesem Buch geht es um die finanziellen Schwierigkeiten Bröhmanns, um Kleinkindersorgen, ein kaputtes Dach und eine Tochter unter Mordverdacht. Bröhmanns haben es mal wieder nicht leicht, auch wenn die Kündigung natürlich selbst gewollt war.

Ein wenig hält Dietrich Faber den Menschen den Spiegel vors Gesicht. Wer Geldsorgen hat, muss Abstriche und Kompromisse machen, Bröhmanns allerdings essen Rinderfilet im Restaurant.
Die Szenen auf dem Spielplatz sind ebenfalls genau auf den Punkt gebracht und absolut realistisch.

Dietrich Fabers Krimireihe ist mehr Familienroman als Krimi, dennoch weiß er gut zu unterhalten und auch die Aufklärung verführt zum Mitraten nach dem Täter. Wieder einmal sorgt der hessische Dialekt für eine besondere Note, die skurrilen Charaktere sind sehr genau und spitz gezeichnet und die Situationskomik verführt zum Lachen.

Interessanterweise spielen auch aktuelle Themen eine Rolle, so geht es um die deutsche Olympia-Bewerbung und einen Vogelsberger Ableger der Pegida-Bewegung. Faber versteht es, seine Bücher stets aktuell dem Zeitgeist anzupassen.

Wer aus Hessen stammt, liest diese Reihe sicher besonders gern. Für alle anderen Bröhmann-Fans ein weiterer Band zum Verschlingen und Ablachen.

Bewertung vom 02.10.2017
Morgen ist es Liebe
Maifeld, Monika

Morgen ist es Liebe


sehr gut

Dieses Debüt von Monika Maifeld ist wunderschön erzählt, es hat mich sofort gepackt und unterhält sehr gut.

Die Geschichte führt nach München, aber auch nach Luxemburg. Dort lebt die Protagonistin Alexandra, eine sympathische Doktorin, die bei ihrem Unfall noch einmal Glück im Unglück hatte. Ein unbekannter Retter brachte sie aus dem Autowrack und rettete ihr damit das Leben, denn das Auto verbrannte kurz danach.

Bei diesem Buch kommen unweigelich romantische Gefühle auf, es spielt um die Weihnachtstage herum und passt nicht nur deshalb ganz wunderbar in die Adventszeit, es verbreitet hoffnungsvolle Stimmung und auch die wundersame Rettung mutet nach einem schicksalshaften Wunder an.

Mit einiger Dramatik, einem Heiratsantrag und für einen Liebesroman reichlich Spannung kann man einfach nur mit den Figuren auf ihrem Weg mitfiebern. Die Autorin baut einige Spannungsmomente ein, die für unerwartete Wendungen sorgen und auch wenn Emotionen und etwas Kitsch diesen Roman zieren, es ist dennoch eine ganz wundersame Geschichte, die mich regelrecht verzaubert hat.

Allerding wirkte die Handlung auf mich ab einem gewissen Punkt ziemlich vorhersehbar und auch die Figuren verhielten sich trotz ihrer Doktortitel nicht immer ihrem Alter und ihrer eigentlichen Reife entsprechend.

Dennoch hat die Autorin mit diesem Roman ein tolles Debüt geschrieben, bei dem sie ihr Schreibtalent deutlich macht.

Es ist eine Liebesgeschichte, die das Wunder der Weihnacht in sich hat und für entspannte Lesestunden mit romantischen Gefühlen sorgt.

Bewertung vom 01.10.2017
Der Tiger in der guten Stube
Tucker, Abigail

Der Tiger in der guten Stube


sehr gut

Abigail Tucker macht sich in ihrem Buch auf die Reise zu Züchtern, Umweltaktivisten und Wissenschaftlern. Wie erfolgte die Entwicklung der heutigen Hauskatze, die als Beutegreifer zu einem der häufigsten Haustiere unserer Erde wurde?

"Katzen werden mit 6 Monaten geschlechtsreif und vermehren sich eher wie die Karnickel denn wie Tiger." Zitat Seite 102

Dieses Buch ist eine Hommage an Katzen, es informiert über ihre Entwicklung und ihre Eigenheiten. Nachdem die Einleitung eher allgemeine Informationen und auch ein wenig persönliches Interesse der Autorin enthält, geht der Fortlauf des Buches eher mit wissenschaftlichen Ansätzen an das Thema Katzen heran.

Beim Lesen der vielen Fakten und Fussnoten, deren Anmerkungen auf ganze 19 Seiten verteilt werden, schwirrt mir bald der Kopf und ich habe überlegt, einige Kapitel zu überspringen. Doch dann habe ich stur weiter gelesen und hatte das Gefühl, eine Diplom-Arbeit über das Thema zu lesen. Manche Infos sind unterhaltsam, lehrreich und erstaunen, einige Dinge weiss ich bereits. Während mich die Entwicklungsgeschichte und die Ausbreitung der Katze noch in großem Maße interessiert hat, so waren es die statistischen Zahlenerhebungen für den US-amerikanischen Markt nicht so sehr.

Die Recherche mutet, wie gesagt, eher wie eine wissenschaftliche Abhandlung an und ist trotz der umfangreichen Recherche eher trocken zu lesen.

Interessante Infos: Hunde können bei veganer Ernährung überleben, Katzen können wichtige Fettsäuren nicht selbst synthetisieren, sondern müssen sie aus dem Beutetier beziehen.
Die Lektüre des Buches zeigt einerseits die negativen Seiten der Katzenhaltung, Toxoplasmoseinfektion oder Katzenhaarallergie, stellt aber auch die positiven Aspekte hervor. Denn auch wenn Katzen eher Einzelgänger sind, so machen sie ihren Haltern doch auch Freude und geben positive Impulse. Viele Menschen finden so einen tierischen Freund, der gegen die Einsamkeit hilft. Vom praktischen Nutzen des Mäusefangens mal ganz abgesehen, denn diese Fähigkeit müssen viele Hauskatzen gar nicht mehr erfüllen.

Beim Lesen bekomme ich den Eindruck, dass Katzen es im Laufe ihrer Entwicklung geschafft haben, sich den Menschen zu erziehen. Ein Gedanke, der durchaus bei einigen Katzenbesitzern zutrifft.

Die Texte sind von Katzenpfötchen und Katzenskizzierungen unterbrochen, dadurch wird das Buch aufgelockert. Doch richtig überzeugt hat es mich leider nicht. Es überzeugt nicht genug im Bereich der populärwissenschaftlichen Ausführungen und unterhält nur mittelmäßig mit dem unterhaltenden Teil.

Das Jagen der Katzen. 2013 töteten Katzen in den USA 1,4 bis 3,7 Milliarden Vögel.

Katzenliebhaber werden hier gerne immer mal wieder reinlesen. Für die Entwicklung der Hauskatze im Allgemeinen gibt es diverse Informationen, die sicher auch Katzenhalter noch überraschen werden.
Wer sich jedoch auf ein unterhaltsames Katzenbuch gefreut hat, der sollte sich überlegen, inwieweit er an reinen Entwicklungsfakten interessiert ist.