Benutzername: sommerlese
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Insgesamt 874 Bewertungen
Bewertung vom 14.12.2017
Lied der Weite
Haruf, Kent

Lied der Weite


ausgezeichnet

Der amerikanische Autor Kent Haruf schrieb den Bestseller ›Unsere Seelen bei Nacht‹. Sein Buch ›Lied der Weite‹ erscheint jetzt im Diogenes Verlag.



Victoria ist siebzehn und schwanger und wird von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt. Da überredet ihre Lehrerin Maggie die Brüder McPheron, zwei alte Viehzüchter, das Mädchen bei sich aufzunehmen. Ein erst widerwilliger Akt der Güte, der das Leben von sieben Menschen in der Kleinstadt Holt in Colorado umkrempelt und verwandelt.


In diesem Roman wirft Kent Haruf wie ein stiller Beobachter den Blick auf seine Charaktere und beschreibt Gefühle und Lebensereignisse in einem einfachen Sprachstil und in seiner ruhigen Art, aber dafür mit treffender Tiefe. Mich hat die Geschichte mitgenommen in die Kleinstadt mit ihrer rauen Wirklichkeit der Bewohner und die menschlichen Schicksalen haben mich sehr ergriffen.


Haruf zeigt wie die junge, schwangere Victoria von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt wird und bei den alten McPheron Brüdern aufgenommen wird. Anfangs gibt es noch gegenseitigen Argwohn, aber schon bald wandelt sich das in gegenseitige Fürsorge. Victoria ist den alten Viehzüchtern für ihre Liebenswürdigkeit dankbar ist und erkennt sie als ihre neue Familie an. Gleichzeitig bringt sie den alten McPheron Brüdern Leben und Hoffnung ins Haus. Es ist eine Win-win-Situation, denn sie helfen sich gegenseitig und überwinden gemeinsam ihre einzelnen Sorgen und Ängste und auch die anklagenden Vorurteile der Kleinstadtbewohner.

Ebenso schwierig ist die Kindheit der Brüder Ike und Bobby Guthrie, die allein mit Ihrem Vater auf einer Farm leben und von ihrer Mutter verlassen wurden. Auch hier gefallen mir die wunderbar anrührend ausgearbeiteten Charaktere und man kann sie einfach nur gern haben.



Diese anrührende, menschliche Betrachtung passt wunderbar zu dem ruhigen Erzählton. Haruf gelingen damit tiefe Einblicke in menschliche Schicksale ohne anklagend zu werden.



Ich mag die Bücher von Kent Haruf und bin immer wieder fasziniert von seiner Erzählweise. Er vermag es, den Charakteren sehr nahe zu kommen und ihnen in seinen Büchern Leben einzuhauchen. Leider ist der Autor inzwischen verstorben, aber vielleicht gibt es noch unveröffentlichte Bücher, die neu verlegt werden. Ich hoffe es zumindest!

Bewertung vom 12.12.2017
7 Kilo in 3 Tagen
Huber, Christian Pokerbeats

7 Kilo in 3 Tagen


sehr gut

Bastian fährt über die Weihnachtstage heim zu seinen Eltern in die Kleinstadt. In dieser trauten Eintönigkeit gibt er sich seinen Jugenderinnerungen und dem besten Bier des Planeten hin. Erst besorgt er sich selbst seine Geschenke, dann wird er von Mutti mit ihren selbstgebackenen Keksen gemässtet und bei den familiären Treffen wird hauptsächlich gegessen bis nichts mehr geht. Ein Einblick in eine Familie zur besinnlichsten Zeit des Jahres.

"Drei Tage unbequem schlafen und exzessiver Alkoholkonsum, laute Menschen und eine komplizierte Toilettensituation: Die Weihnachtstage sind das Festival für Erwachsene." Zitat Seite 57


Weihnachten mit der Familie, vor allem der Besuch der Eltern wird zum Fest unausweichlich. So geht es auch Bastian, als er zum Fest in die eintönige Kleinstadt seiner Jugend reist. Seine Geschenke muss er sich selbst besorgen, die Mahlzeiten nehmen kein Ende und auch das typische Baumschmücken und der Besuch in der früheren Stammkneipe kennt man so oder ähnlich.


Mir hat dieses Buch mit seinen amüsanten Einblicken in Bastians Familie gut gefallen. Manches kommt mir bekannt vor, einiges ist etwas auf die Spitze getrieben, aber im Grunde zeigt es die üblichen Erfahrungen, die in den meisten Familien an Weihnachten so gemacht und erlebt werden.

Man erhofft sich besinnliche Stunden im trauten Kreise der Familie und erlebt wie es gerade an diesen Tagen zu Konflikten kommt. In Bastians Fall sorgt sich der Vater um die berufliche Zukunft seines Sohnes und problematisch ist auch der Besuch von Fine, der Ex-Freundin Bastians, die inzwischen seinen Bruder an Weihnachten begleitet. Das kann nur schief gehen.


Christian Huber schreibt locker, flockig und mit etwas überspitztem Humor, aber er bringt es gekonnt auf den Punkt, wie sich Bastian fühlt und was ihn umtreibt. Man kann gar nicht anders als viel schmunzeln oder lachen.

Wer sich in der Weihnachtszeit humorvoll einstimmen möchte, dem kann ich dieses Buch empfehlen. Bei einigen Szenen wird man einiges wiedererkennen, lustig wird es auf alle Fälle.

Bewertung vom 10.12.2017
Weihnachten in Briar Creek / Briar Creek Bd.5
Miles, Olivia

Weihnachten in Briar Creek / Briar Creek Bd.5


sehr gut

Dieser Teil der Buchreihe liest sich wundervoll romantisch und man taucht sofort in die idyllische weihnachtliche Atmosphäre des kleinen Städtchen ein. Hier wird Weihnachten ganz groß gelebt, mit schönen Dekorationen, gemütlichen Treffen bei Scones, Tee und Kerzenschein und mit jeder Menge Cookies aus der Bäckerei von Kara Hastings.

Auch wenn man das Ende vorhersehen kann, lässt man sich gern durch die Handlung treiben und genießt die gemütliche Weihnachtsstimmung, die allgegenwärtigen Backwaren und die vielfältigen Dorfbewohner und Besucher. Hier macht sich eine heimelige Stimmung breit, der man sich kaum entziehen kann. Auch wenn ich gar nicht so gern Cookies mag, so habe ich doch ständig die Schneeflockencookies mit ihren traumhaften Verzierungen vor Augen gehabt und dabei den Wunsch verspürt, selbst Weihnachtsgebäck herzustellen.


Tante Molly genießt den Besuch ihres Neffen Nate und spannt ihn schnell in den Dekowettbewerb ein, der diesjährige Sieg würde ihr viel bedeuten. Nate ist gar kein arroganter Schnösel, sondern eher ein hilfbereiter junger Mann und so legt er in der kleinen Pension von Molly bei der Deko Hand an.


Der Schreibstil ist schön zu lesen und man sieht die bunten Verzierungen und blitzenden Lichterketten bildhaft vor Augen und hat fast den Duft der leckeren Cookies in der Nase. Auch die detaillierten Beschreibungen der geschmückten Häuser, Wohnungseinrichtungen und der Figuren mochte ich gern, etwas mehr charakterliche Tiefe hätte den Personen jedoch gut getan und das wäre für mich das I-Tüpfelchen gewesen.

Gut gefallen hat mir, dass sich beide, Kara und Nate, für ihre Ideen ins Zeug legen. Die beiden Protagonisten fühlen sich zueinander hingezogen, aber beide sehen keine Zukunft für eine gemeinsame Beziehung, denn ihre Lebensmittelpunkte sind örtlich einfach zu weit voneinander entfernt. Das steigert die Spannung und die Hoffnung auf ein glückliches Ende.


Ich wurde gut und sehr stimmungsvoll unterhalten, man darf keine tiefschürfende Handlung erwarten, aber einen Roman, der mit dem weihnachtlich, romantischen Rahmen einfach für Wohlbefinden sorgt. Das richtige Buch für verschneite Winterabende zum lockeren Entspannen.

Bewertung vom 05.12.2017
Friede, Freude, Pfefferkuchen
Binder, Luisa

Friede, Freude, Pfefferkuchen


ausgezeichnet

Der Roman "Friede, Freude, Pfefferkuchen" von Luisa Binder passt wunderbar in die Vorweihnachtszeit. Es dreht sich um Lebkuchen, Liebe und ist ein toller Unterhaltungsroman aus dem Hause Droemer Knaur Verlag.


Noëlle Christmann, dieser Name klingt schon nach Weihnachten und das ist von ihren Eltern auch voll beabsichtigt, denn sie lieben das Fest und schmücken schon Anfang September das ganze Haus und sind für ihren Lichterglanz weithin bekannt. Das ist für Noëlle nur schwer auszuhalten, denn sie ist ein echter Weihnachtsmuffel. Als ihr Freund Erik mit ihr an einem Adventwochenende zu seiner Familie fährt, um sie ihnen vorzustellen, endet der Besuch in einer weihnachtlichen Phobie. Es gibt ein Lebkuchenmenü, die Familie lebt von, mit und für die Lebkuchenproduktion und Noëlles Mithilfe ist gefragt. Ist das das Ende der Beziehungsende geben oder gibt es für Noëlle und Erik noch eine Chance?


Was für ein schönes Buch! Es ist eine wirklich humorvolle und stimmungsvolle Weihnachtsstory. Beim Lesen konnte ich mich ganz und gar in die Handlung fallen lassen. Es ist ein leichter Unterhaltungsroman, der Spaß macht und bei dem man die weihnachtliche Stimmung wunderbar geniessen kann. Inhaltlich geht es um die Beziehung der jungen Protagonistin Noëlle, die vor ihrer eigenen Familie und ihrem Weihnachtswahn flieht und prompt in der ebenfalls weihnachtsverrückten Familie ihres Freundes Erik landet. Als sich das adventliche Menü als Lebkuchenversuchsanstalt entpuppt, macht Noëlle noch gute Miene zum bösen, weihnachtlichen Spiel. Aber dann wird sie in die Pflicht genommen, um dem Ort Krummenau zu einem Marketingerfolg in Sachen Lebkuchen ztu verhelfen. Wer liest nicht gern von Menschen, die für ein Projekt brennen. In Krummenau leben alle für und von der Produktion von Lebkuchen. Noëlle lernt die Bewohner kennen und findet neue Freunde, auch wenn sie es gar nicht will.

Der Schreibstil von Luisa Binder ist herrlich flott und flüssig, die Geschichte ist mit dem winterlichen Hintergrundthema Lebkuchen genau das richtige zur Vorweihnachtszeit und man liest gespannt, wie die Sache ausgeht. Ich musste oft lachen, ob es nun um das Lebkuchen-Menü ging oder um den kranken Erik. So locker kommt man selten durch ein Buch.

Ich mochte nicht nur die Protagonisten, die forsche Noëlle und das Muttersöhnchen Erik, sondern auch die Familie samt Mutter, Vater, Rudi und Oma Flock und Lullu und Hans. Mit ihren unterschiedlichen, aber toll gezeichneten Charakteren wird man schnell warm, sie haben alle ihre Macken, aber sie brennen für ihre Idee und das mochte ich gern. Gefesselt liest man und wünscht allen Erfolg und einen guten Ausgang der Geschichte.
Bei Noëlle leidet man förmlich mit, wie sie ihre Interessen hinter die der Anderen stellt. Die Lebkuchenidee spukt in allen Köpfen und Noëlle ist durch ihren Job geübt darin, Marketingstrategien zu entwickeln. Urkomisch ist dabei, dass sie eigentlich gar nicht mithelfen will, aber wegen Erik nicht Nein sagen kann. Die Liebesbeziehung kommt eher weniger zur Sprache, aber ich habe es nicht wirklich vermisst. Man kann sich auch so hervorragend amüsieren und das Lebkuchendesaster wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.

Dieser Roman ist ein schönes, humorvolles Buch zur Weihnachtszeit. Es zeigt den Zusammenhalt innerhalb der Familie und wie weit man für eine Liebe Opfer bringen kann.

Bewertung vom 03.12.2017
Heilkraft von Obst und Gemüse
Bühring, Ursel; Bächle-Helde, Bernadette

Heilkraft von Obst und Gemüse


ausgezeichnet

Kann man sich gesund essen?

Ein recht großes Buch, aber auch sehr übersichtlich durch die alphabetische Reihenfolge der Obst- und Gemüsesorten und ein tolles Nachschlagewerk!
Schon im Altertum wusste man um die Heilkräfte von pflanzlicher Nahrung. Die moderne Forschung ist schon einen Schritt weiter. Sie zeigt auf, wie man mit seiner Ernährung bestimmte Krankheiten effektiv verbessern kann.

Die Autorinnen dieses Buch machen sich dieses Wissen zunutze.

Hier werden die Heilkräfte von verschiedenen Gemüsen und Obstsorten vorgestellt und in Beziehung zu einigen Krankheiten gebracht. Dass Möhren gut für die Augen sind, weiß inzwischen jedes Kind, aber hier geht es viel tiefer. Man weiß inzwischen, dass rohe Möhren sogar vor Krebs schützen können.

Die Wechselwirkungen von Nahrung und Medikamenten z. B. ist ein interessantes Thema, in das man sich hier vertiefen kann. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, wie man z. B. immungesund und krebsgesund essen kann. Mich hat es erstaunt, was für eine gute Unterstützung die Nahrung hier möglich machen kann.
Besonders interessant ist die Thematik der Wechselwirkung von Medizin und Nahrung. Hier erfährt man Wissenswertes zu bestimmten Krankheitsbildern und der Begleitung von sinnvollen Nahrungsmitteln.

Auch werden Superfoods vorgestellt, wie z. B. Leinsamen, Heidel- oder Holunderbeeren, Petersilie, Spinat und Nüsse. Man sollte schon auf Produkte achten, die aus der Region stammen und beim Kauf saisonale Ware mit Bioqualität bevorzugen. Dann ist man nicht nur ökologisch gesehen auf der richtigen Seite, sondern tut auch noch seiner Gesundheit etwas Gutes.


Enthalten sind natürlich auch viele tolle Rezepte, die zum Teil mit einem Foto vorgestellt werden. Auf 170 Seiten geht es vom Apfel über Himbeeren, Gurken, Kartoffeln, Kohl, Lauch, Linsen, Pastinaken, Quitten, Spargel bis hin zur Zwiebel. Neben der Vorstellung der Pflanze, der Aufzählung der Inhaltsstoffe wie Vitamine und Mineralien, gibt es Tipps zum Einkauf, der Lagerung und der Zubereitung, sowie die entscheidenden Wirkungsweisen im menschlichen Körper. Was hilft bei Verstopfung, welche Sorten eignen sich für einen Entschlackungstag, was sorgt als Blutdrucksenker?

Es gibt soviele Rezepte, die man je nach geschmacklicher Vorliebe und Krankheitsbild in die Küchenroutine einbauen kann.

Es gibt leckere Aufstriche, Salate, Suppen und Smoothies, aber auch ausgefallenere Dinge wie Johannisbeerlikör oder Grünkohlchips, Hustensirup und sogar Kosmetik. Alle Rezepte erfordern keine besonderen Kochkenntnisse, sondern sie sind recht einfach zuzubereiten. Außerdem sind alle Zutaten leicht erhältlich und in den meisten Vorratsschränken zu finden. Das finde ich sehr vorteilhaft, denn so kann man auch recht spontan mal Dinge kochen, die gerade vorhanden sind.

Da es hier vorrangig um die Gesundheit geht und nicht ums Kalorien zählen, wird auf diese Angaben und auch auf Zubereitungszeiten verzichtet.

Manche Gerichte haben Bezeichnungen, die man nicht auf einer Speisekarte verorten würde, wie den Darmpflege-Fenchelsalat. Aber es soll ja mit dem Begriff auf seine Wirkung hingewiesen werden und gut und schmackhaft ist er auf jeden Fall.

Viele Rezepte geben neue Anregungen, mal etwas Gutes für seine Problemzonen zu tun. Aber einige Rezepte kennt man sicher schon, bei mir ist es der Fenchel-Orangen-Salat, der bei schon seit Jahren auf den Tisch kommt. Er wirkt übrigens erkältungsvertreibend.


Für mich ist dieses Buch auch in optischer Hinsicht sehr gelungen. Die Fotos sind zum Täuschen echt, wirken farblich absolut realistisch und sind qualitativ hochwertig. Die Rezepte sind übersichtlich angeordnet und man bekommt durch den alphabetischen Aufbau einen schnellen Überblick.


Heimisches Obst und Gemüse bildet den Grundbaustein für dieses hilfreiche Küchenapothekenbuch! Wenn man mit seiner Ernährung seine Gesundheit unterstützen möchte, kann man hier wertvolle Hinweise und Tipps finden.

Bewertung vom 02.12.2017
Der Weihnachtosaurus
Fletcher, Tom

Der Weihnachtosaurus


ausgezeichnet

Wenn Kinderbücher so spannend, lustig und auch anrührend schön geschrieben sind, machen sie nicht nur Kindern Freude.

Im Prolog erleben wir wie vor Millionen von Jahren ein Dinosaurierei im Meer versank und durch die folgende Eiszeit eingefroren wurde.

Dann beginnt die Geschichte um den kleinen William Trudel, der allein mit seinem Vater zusammen lebt. Der arme William wird von seiner Klassenkameradin Brenda gemobbt, dabei ist er schon genug gestraft, seine Mutter ist verstorben und er sitzt im Rollstuhl.

William schreibt seinen Wunschzettel und wünscht sich einen Dinosaurier, doch als er ihn dann am Weihnachtsabend wahrhaftig und lebendig vor sich hat, beginnt ein unglaubliches Abenteuer. Er besucht ein Museum, bekommt eine geheimnisvolle Zuckerstange und fliegt mit dem Weihnachtosaurus zum Nordpol. Es wird gefährlich, denn auch die fliegenden Rentiere des Weihnachtsmannes werden von einem bösen Jäger verfolgt.

Dieses Buch liest sich dank der flapsigen Sprüche und witzigen Ausdrücke sehr lustig und locker und bietet für Kinder eine richtig tolle Geschichte. Mit viel Trubel, Abenteuer und Spaß erleben Kinder den Weihnachtsmann mit seinen Helfern und Rentieren am Nordpol und werden davon träumen, auch mal mit einem Dinosaurier fliegen zu können. Aber die Geschichte beinhaltet auch ernsthafte Themen wie Mobbing, Einsamkeit und den Wunsch nach einer vollständigen Familie.


So ein schönes Buch für Kinder habe ich lange nicht mehr gelesen. Hier geht es um Gefühle, Familie, Freundschaft und um den Zauber der Weihnacht, die Wünsche wahr werden lassen kann.

Tom Fletcher nimmt Bezug auf Themen, die nicht die heile Welt widerspiegeln. Er zeigt Kinder, die ohne einen Elternteil aufwachsen und nimmt den Leser gleichzeitig in die magische Welt des Weihnachtsmannes und der reimenden Wichtel mit, wo sogar ein echter Dinosaurier leben kann.

Träume und Fantasie werden dadurch bei den Kindern geweckt und wer träumen kann, ist glücklich. Diese Geschichte passt wunderbar zur Weihnachtszeit, denn gerade dann werden Wünsche wahr.


Natürlich ahnt man als Erwachsener wie sich die Handlung entwickelt, aber die Art und Weise wie das geschieht ist wunderschön beschrieben.

Die einzigartig schönen Illustrationen von Shane Devries muss ich besonders erwähnen, sie geben den Figuren ein perfektes Gesicht und beim Lesen meint man dadurch einen Film vor sich zu haben.

Die 33 Kapitel eignen sich perfekt zum Vorlesen und am Ende des Buches gibt es ein Wichtel-Liederbuch und lustige Reime zum Üben.


Es ist ein zauberhaftes Weihnachts-Buch zum Schmunzeln, Mitfiebern und Träumen.

Bewertung vom 30.11.2017
Nordlichtherzen
Eklund, Svea Linn

Nordlichtherzen


sehr gut

In ihrem Elternhaus in Hafnarfjörður auf Island treffen sich die unterschiedlichen Schwestern Unnur und Hekla Gunnarsdóttir und bereiten sich auf das Weihnachtsfest vor. Nach dem Tod der Mutter führt Unnur mit ihrem Vater und ihrer Großmutter die kleine Pension. Sie ist eine verträumte Elfenmalerin und möchte endlich den Mann ihres Lebens kennenlernen. Hekla hat dagegen mit dem Thema Männer durch einen harten Schicksalschlag abgeschlossen und arbeitet als Wissenschaftlerin an der Uni in Reykjavik. Als ein umstrittenes Straßenbauprojekt geplant wird, soll sie als Gutachterin für isländisches Kulturgut hinzugezogen werden. Diese Angelegenheit und das plötzliche Auftauchen mehrerer Pensionsgäste in Unnurs kleiner ländlichen Pension bringt jede Menge Trubel in das Leben der beiden Schwestern...

Bei diesem Roman wird schon vom Titel und Cover sofort deutlich, dass es sich hier um einen Liebesroman vor nordischer Kulisse handelt. Die Abbildung eines idyllischen Gebäudes im nordischen Stil vor einer verschneiten Ebene mit grasenden Islandpferden vor dem Hintergrund isländischer Vulkanberge wirkt einfach wunderschön romantisch und man wird beim Lesen immer wieder in diese raue, aber märchenhafte Landschaft versetzt. Sogar die einzigartige Stimmung der Polarlichter erlebt man im Buch und dadurch bekommt die authentische Schilderung dieser Gegend einen besonderen Stellenwert in meiner Buchmeinung. Selbst wenn man noch nie isländischen Boden berührt hat, glaubt man sich beim Lesen genau dort.

Die Schwerstern Unnar und Hekla sind trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere sehr eng miteinander verbunden. Auch wenn es hier und da Differenzen gibt, kennen sie sich genau und die schwesterliche Bindung hält sie eng zusammen. Besonders ihre künsterische Ader verbindet sie, während Hekla sich als Songwriterin und Sängerin entwickelt, ist Unnur die begnadete Malerin von Elfenbildern. Ihre Entwicklung in diesen Bereichen bringt die Geschichte mit der nötigen Tiefe voran.

Beide Frauen sind ohne Mann und so sorgen die Pensionsgäste für den nötigen emotionalen Trubel. Dank einiger personeller Gefühle und Wirrungen wird man hier gut unterhalten, auch der Bau einer Straße sorgt für etwas Spannung.
Die Geschichte ist richtig gefühlvoll geschrieben und trotzdem nicht kitschig, denn es geschieht auch neben den vermeintlichen Romanzen noch genügend Hintergrundgeschehen. Auch wenn alles sehr vorhersehbar ist, kann man mit den Figuren gut mitfühlen und wer noch etwas Elfenzauber wünscht, bekommt hier eine Menge davon geliefert. Auch wenn es wunderbar in diese Gegend passt und dem isländischen Brauchtumg entspricht, sind gerade die Elfengeschichten nicht so mein Fall, daher musste ich einen Stern abziehen. Aber das ist Geschmackssache.

Nordlichtherzen sorgt für winterliche Stimmung und bringt unterhaltsame Lektüre für die Vorweihnachtszeit. Wer dann noch Islandfan ist, findet hier die perfekte Untermalung für nordische Buchromantik auf dem heimischen Sofa.

Bewertung vom 28.11.2017
Elche unterm Weihnachtsbaum

Elche unterm Weihnachtsbaum


sehr gut

Dieses Buch enthält eine bunte Mischung von skandinavischen Kurzgeschichten, die sich um Tannenbäume, das Luciafest und auch um den Weihnachtsmann drehen.

Man erfährt wie die schwedische Weihnachtstradition der Lucia abläuft, bekommt einige Rezepte für Glögg, "Risalamande" (Milchreis) und typisches nordisches Gebäck an die Hand und wird unterhaltsam und informativ über nordische Weihnachten informiert.



Die Autorennamen sind mir nur teilweise bekannt. So gibt der wunderbare Klassiker "Der Tannenbaum" von Hans Christian Andersen ein Stelldichein, aber auch von Selma Lagerlöf und Anne B. Ragde gibt es Beiträge.

Henrik Valentins "Rudolph mit der roten Nase" war schön amüsant.

Klas Östergrens "Leider nur zur Weihnachtszeit" ist etwas frech und macht neugierig auf seine anderen Werke.

Und Levi Henriksen geht in "Ein Haus aus Händen" einer Geburt am Weihnachtstag nach. Passender geht es wohl kaum, denn das ist ja der Grund dieses besonderen Weihnachtstages: die Geburt eines Kindes.

Anne B. Ragdes "Ein Weihnachtsgeschenk von oben" hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.

Susanne Bjerrehus untersucht in "Weihnachtsleid, Weihnachtsfreud" den Kommerz und die Wahl des richtigen Partners zur Weihnachtszeit.


Ich wurde gut unterhalten, fand allerlei interessante Infos über nordisches Brauchtum.

Ob witzig, nachdenklich machend oder einfach nur unterhaltsam und stimmungsvoll, hier findet sich für jeden Geschmack etwas passendes. Die Texte sind vielfältig, die Schreibstile sehr unterschiedlich, einige Geschichten sind zum Vorlesen geeignet, andere wiederum eher nur für Erwachsene.


Für Skandinavienfans ein bunter Reigen von weihnachtlichen Geschichten, die die Bräuche und die Kultur des Nordens näher beleuchten und vorstellen. Durch die beigefügten Rezepte bekommt man Ideen für kulinarische Kostproben und kann den nordischen Nachbarn direkt auf den weihnachtlichen Teller schauen.

Bewertung vom 25.11.2017
Rette mich, wer kann
Maiwald, Jule

Rette mich, wer kann


sehr gut

Der Roman "Rette mich, wer kann" ist ein Gemeinschaftsprojekt zweier Autorinnen unter dem Pseudonym Jule Maiwald. Das Buch erscheint 2017 im Rowohlt Verlag.

Jettes Mann hat sie verlassen, nun steht sie ohne Job und Zuhause da. Sie findet Zuflucht in einer Wohngruppe, die aus frisch Getrennten besteht. Dort kann Jette 12 Wochen bleiben und erhält Starthilfe für einen Neubeginn. Jette startet ihren Selbstoptimierungsplan und ihre Mitbewohner unterstützen sie nach allen Kräften. Nur Nick glaubt nicht an den Plan, über die Strategien aus Unternehmungsführung, persönliches Glück erreichen zu können.

Die Handlung beginnt mit einem Paukenschlag. Jette ist Moderatorin einer Radiosendung und verteilt Ratschläge und Lebenshilfetipps an unsichere und verzweifelte Menschen.
Plötzlich steht sie selbst im Fokus des Geschehens und erfährt vor den Ohren der Öffentlichkeit vom Doppelleben ihres Mannes. Von einem Moment auf den anderen bricht ihr bisheriges Leben auseinander.
Mit unverhofftem Glück im Unglück bekommt sie ein Zimmer in einer ganz besonderen Wohngruppe. Dort leben lauter frisch Getrennte, die sich gegenseitig umeinander kümmern und aufbauen.
Jette beginnt ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und will erst einmal neuen Job finden. Dabei erlebt sie im Jobcenter eher Ablehnung als Hilfe. Denn ohne Ausbildung sehen ihre Karten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt schlecht aus. Bei dieser Szene habe ich mich schon köstlich amüsiert.
Als sie jedoch ihr Leben mit Selbstoptimierung in den Griff kriegen will, geht das Chaos los. Fast schon zwanghaft geht Jette ihre Selbstfindung an und beginnt mit dem äußeren Erscheinungsbild. Immer mehr verbessert sie auch ihr Image schlechthin und vergrault damit ihren neuen Freund Nick.

Mir hat es gut gefallen wie hier dieses Trendwort aus der Unternehmensführung in die Handlung eingebaut wurde. Schliesslich glauben viele Menschen, dass Perfektion zu einem besseren Leben führen kann, sie kann aber auch selbstzerstörerisch wirken und zum Burn-out führen.

Man erlebt mit Jette eine authentisch wirkende Figur, die aus ihrer Situation das Beste macht und auch für ihre neuen Freunde eine Hilfe sein möchte. Dabei wird nicht nur mit humorvollen, sondern auch mit ernsthaften Szenen gut unterhalten und man fühlt automatisch mit den Charakteren mit.

Der Schreibstil ist angenehm und zeigt viel Lebensnähe, auch wenn die Thematik natürlich ein wenig übertrieben ist.

Ein unterhaltsamer Frauenroman mit Humor und der Thematik der Selbstoptimierung. Glück und Erfolg geht nicht immer die geplanten Wege.

Bewertung vom 24.11.2017
Der Buchliebhaber
Lovett, Charlie

Der Buchliebhaber


weniger gut

Bei diesem Roman hat mich der historische Hintergrund um König Artus und den Heiligen Gral interessiert und ich erhoffte mir ein spannenden Einblick in die Suche nach einem kirchlichen Artefakt, in diesem Fall das Buch der Ewolda.

"Der Buchliebhaber" ist ein Buch, das wie aus der Zeit gefallen wirkt. Ein Sprachstil mit Niveau und die Beschreibungen von Kirchgebäuden wie Hochaltar und Kreuzgang machen es zu etwas ganz besonderem. Und dennoch konnte es mich nicht überzeugen.

Der Autor hat den Roman in Kapitel eingeteilt, die eingeleitet werden durch Beschreibung von Teilen einer mittelalterlichen Kathedrale, wie Kreuzgang, Turm, Chor und weitere.

Charlie Lovett hat gut recherchiert, schreibt inhaltlich nachvollziehbar und flüssig und er lässt seine Liebesgeschichte zwischen Arthur und Bethany vor der Suche nach dem Buch der Ewolda entstehen und aufblühen.

Arthur ist ein trockener Bücherwurm, mittlerweile 40 Jahre alt und Single. Er wühlt sich durch die alten Manuskripte und lebt und arbeitet für die Bibliothek der Kathedrale von Barchester, sie ersetzt ihm Frau und Familie. Als Bethany, eine junge Amerikanerin, auftaucht, bringt sie Arthurs ruhiges Leben durcheinander. Sie möchte Teile der Bibliothek digitalisieren und sie damit der Öffentlichkeit zugänglich machen. Das ist für Arthur ein Ding der Unmöglichkeit. Doch Bethany vermag ihn immer mehr zu überzeugen und genau diese Szenen mochte ich am liebsten lesen. Als schöne Liebesgeschichte mit Emotionen und gefühlvollem Tiefgang vermag der Roman nicht zu punkten. Es wird eher Wert auf die historischen Hintergründe gelegt und nicht auf die Figuren.

Durch Rückblenden erfahren wir vom damaligen Leben und Wirken in der Kathedrale im Mittelalter. Und so reiht sich Erkenntnis um Erkenntnis und das Rätsel Ewoldas wird Stück um Stück durch die Protagonisten Arthur und Bethany aufgeklärt. Das nimmt dem Buch allerdings die Spannung, denn diese Aufzählungen und Untersuchungen ziehen sich unheimlich in die Länge.

Auch wenn ich den Erzählstil mochte und die eingeschobenen Infos über Kirchengewerke interessiert verfolgt habe, so konnte mich das Buch nicht ohne Ermüdung unterhalten.


Trotz des interessanten Inhalts hat mir hier die Spannung gefehlt und die Emotionslosigkeit der Figuren hat mich gestört.