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Benutzername: sommerlese
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Bewertungen

Insgesamt 1810 Bewertungen
Bewertung vom 14.06.2021
Hey June
Rüther, Sonja

Hey June


sehr gut

Musik verbindet
Sonja Rüthers Roman "Hey June" erscheint im Knaur Verlag.

Leah ist Architektin, sie beschließt für ein Großprojekt nach Leipzig zu ziehen. Ihr Freund Peer ist nicht sehr begeistert, möchte Leah am liebsten sofort heiraten, ihr die berufliche Chance aber auch nicht nehmen und akzeptiert zähneknirschend die Wochenendbeziehung. Als Leah dem Antrag zustimmen will, begegnet sie einem Fremden und wartet mit der Zusage. Aus dieser Begegnung entsteht eine musikalische Zusammenarbeit und noch viel mehr...

Bei diesem Roman zeigt der Prolog schon einen Blick in die Zukunft, der das Drama der Geschichte ein wenig erahnen lässt. Das steigert das Interesse und so verfolgt man gespannt, wie sich Leah und der Komponist Henry in einer Bar kennenlernen, miteinander über tiefgründige Themen ins Gespäch kommen und sich als June und Johnny unvoreingenommen näher kommen. Johnny verzaubert June mit einem selbstkomponierten Musikstück und sie verlieren sich in langen Dialogen. Es sind diese realistischen Gespräche, die dem Buch die entscheidende Würze geben und durch die man die Figuren näher kennenlernt. Dazu gibt es ein wenig Humor, um die Schwere der Dialoge, die manchmal ein wenig ins Pathetische abgleiten, zu mildern. Das Liebesdrama rückt unweigerlich in den Vordergrund, trotzdem ging das Setting und die musikalische Rahmenhandlung nicht unter. Ein wenig mehr Romantik hätte ich mir zwar gewünscht, doch die Geschichte hat dafür andere Punkte, die für den Verlauf entscheidend sind.

Am meisten hat mir gefallen, wie bildhaft und realistisch die Autorin die Ortsschausplätze in die Handlung einbindet. Durchgängig werden Szenen einer fiktiven Oper, das Leipziger Stadtbild und die Liebe zur Musik als roter Faden in die Geschichte gewebt und bilden das verbindene Element.

Auf bildhafte Weise beschreibt Sonja Rüther die Musik und die künstlerischen Ideen, die Menschen, Orte und Situationen sehr stimmig und ihrem lockeren und flüssigen Erzählstil folgt man ihr gern.

Dieser Roman ist besonders durch die Liebe zu Leipzig, zur Musik und natürlich der Liebe selbst. Musik entwickelt in Menschen ungeahnte Gefühle, die hier gut als Story umgesetzt wurden.

Bewertung vom 13.06.2021
Die Pension der gebrochenen Herzen
Lambert, Karine

Die Pension der gebrochenen Herzen


gut

Klischeehafte Geschichte, reicht nicht an die anderen Bücher der Autorin heran

Fünf frisch gebackene Single-Männer philosophieren darin über die Liebe, Gefühle und Beziehungen.

Max hat eine alte Schule gekauft und renoviert sie mühevoll, viel Zeit für seine Partnerschaft mit Louise bleibt da nicht und gefrustet verlässt sie ihn. Nach und nach ziehen vier Männer bei ihm ein, die ebenfalls von ihren Frauen verlassen wurden. Das Zusammenleben läuft nicht ohne Reibereien, es prallt eine Menge Testosteron aufeinander, aber die Männer lernen, miteinander auszukommen. Sie renovieren gemeinsam die Schule und diskutieren über Frauen, Sex und ihre Gefühle. Wie können sie mit ihren Ansichten Frauen gewinnen, oder müssen sie sich verändern und mehr auf die Frauen eingehen? Egal, für die Liebe sind sie zu vielem bereit.

Max vermisst Louise und leidet unter der Einsamkeit, als großherziger Mensch gibt er vier Männern ein Obdach in der alten Schule. So unterschiedlich die Männer auch sind, sie werden zu Freunden, weil sie sich gegenseitig öffnen und am Ende auch Fehler eingestehen müssen.

Die Charaktere bergen viele individuelle Einstellungen, die die Sicht von Männern auf die Frauen klischeehaft beschreibt. Als einziger Mann konnte bei mir Max Sympathiepunkte gewinnen, mit allen anderen wurde ich nicht warm. Außerdem fehlte es an Spannungsmomenten, wobei der Erzählstil sehr flüssig, ansprechend und unterhaltsam wirkte. Aber die Renovierungsvorgänge und die jeweiligen Beziehungsgeschichten der Männer fand ich recht langweilig.

Die Frauen kommen bei dieser Geschichte nicht so gut weg, sie werden als Feministinnen beschimpft und als Lustobjekt beschrieben, meistens auch sehr selbstsüchtig dargestellt. Was erwarten diese Männer von ihren Frauen? Darüber machen sie sich in langen Gesprächen ihre einseitigen Überlegungen. Gemeinsam als Paar über ihre Wünsche zu sprechen, dieser Gedanke kommt ihnen scheinbar gar nicht.

Ein Buch zum Nachdenken über Rollenklischees, über Geschlechter-Wunschdenken und über die Liebe. Die anderen Romane der Autorin haben allerdings mehr Niveau.

Bewertung vom 12.06.2021
Sieben Tage am Meer
Rosen, Ella

Sieben Tage am Meer


sehr gut

Ein Wohlfühlroman über das Leben

Bei einem Mädelswochenende auf Sylt kocht bei den Freundinnen Gitta, Marlies und Cornelia alles hoch was in ihrem Leben nicht nach Wunsch verlaufen ist. Gitta hätte gerne ein Kind bekommen, Cornelia erhoffte sich eine Karriere als Musikerin und Marlies hat zwar drei Kinder, doch ihr Mann hat sie nach langer Ehe für eine Jüngere verlassen. Alle drei ergehen sich in ihrem Jammer, der Gin Tonic fließt reichlich und in der Nacht träumen sie alle von einem Engel, der sie ermahnt, doch dankbarer für die positiven Dinge ihres Lebens zu sein. Was hat das zu bedeuten?

Die Freundinnen sind Frauen Anfang 50 und haben alle ihr Päckchen des Lebens zu tragen, nicht alle Dinge erfüllen sich. Das Wochenende und die trügerische Erscheinung des mahnenden Engels bringt sie alle dazu, alles Belastende hinter sich zu lassen und auf neue Dinge zuzugehen. Nach und nach können sie die Schattenseiten ihres Lebens als Teil von sich selbst akzeptieren und sie können die positiven Dinge mehr schätzen. Sie werden offener, sehen die Sorgen und Nöte anderer Menschen und können dank ihrer Lebenserfahrung Unterstützung und Hilfe anbieten, die dankend angenommen wird. Diese Erlebnisse sind erfüllender als die Lebenswünsche, die sie noch zuvor vermisst haben.

Dieses Buch ist in gewisser Weise ein Wohlfühlbuch, denn ich habe die Freundinnen gerne begleitet. Hier werden Frauen gezeigt, die die schlechten Seiten ihres Lebens als Teil von sich annehmen und bereit sind, Neues zu wagen. Gespannt und nachdenklich begleitet man die Protagonistinnen und erlebt humorvolle und emotionale Momente, wie sie allmählich ihre Unzufriedenheit überwinden und nicht mehr ihren verpassten Chancen nachtrauern. Dank des Engels, der ihnen im Traum erscheint, bekommen sie den entscheidenden Ruck, ihr Leben aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und sich für das Gute dankbar zu zeigen. Sie ändern den Blickwinkel und ernten Glück, Zufriedenheit und Erfüllung, die sie mit ihrer negativen Sichtweise nie erreicht hätten.

Bücher mit Engeln sind mir meistens etwas suspekt, doch hier war das genau im richtigen Maß eingesetzt und nicht zu esotherisch. Anfangs erschienen mir die Frauen sehr jammerhaft und negativ, aber je mehr man ihre Lebensumstände erfährt, umso mehr entwickelt man Verständnis für sie und das weckt Sympathie.

Ella Rosen zeichnet reale Frauenbilder, die verpassten Chancen des Lebens nachtrauern. Sie schreibt leicht, humorvoll und mit emotionaler Tiefe und erzählt, welche Dinge im Leben wichtig sind. Wenn man den Blick auf die positiven Dinge lenkt, erscheint das nicht Erreichte nicht mehr so grau und das Leben wieder lebenswert und voller schöner Aussichten.


Ein nachdenklich machender Roman, der deutlich macht, wie der veränderte Blickwinkel das Leben zum positiven verändern kann. Unterhaltsam und voller Emotionen ist das eine Wohlfühllektüre, die das Leben beschreibt mit allen negativen und positiven Seiten.

Bewertung vom 07.06.2021
Das Ende der Stille / Die Fotografin Bd.5
Durst-Benning, Petra

Das Ende der Stille / Die Fotografin Bd.5


sehr gut

Ein fesselndes Finale, das die Figuren noch einmal begleitet

Münsingen/Hollywood 1919: Mimi Reventlow und ihr langjähriger Geschäftspartner Anton haben sich endlich ihre Liebe gestanden, aber Mimi will immer noch nicht heiraten. Antons stürzt sich in sein Engagement für die Kriegsversehrten und stellt Prothesen her. Mimi entscheidet sich für einen neuen Arbeitsauftrag, der sie nach in Hollywood führt, dort soll sie für einen Stummfilmstar einen Bildband mit Fotografien erstellen. Sie ahnt noch nicht, dass die Schauspielerin "Chrystal Kahla" in Wahrheit Christel Merkle ist, die 1911 aus Laichingen spurlos verschwand. Was steckt hinter diesem Auftrag?

"Die Fotografin - Das Ende der Stille" stammt aus der Feder von Petra Durst-Benning und ist der fünfte und abschließende Band ihrer Fotografinnen-Saga. Ein gelungenes Finale, das mir ebenso wie die vier Vorgänger ein paar wunderbare Lesestunden bescherte.

Dieser Band zeigt auf spannende Weise die Weiterentwicklung der bisherigen Figuren. Wir erleben Mimis größtes Abenteuer, sie reist nach Amerika, genauer gesagt, nach Hollywood. Dort genießt sie ihre Freiheit und erlebt eine ganz andere Welt als in Münsingen. Der Hauptteil dieses Romans dreht sich um Chrystal und ihr Leben in Amerika.

Anton wagt nach Mimis Entscheidung, ebenfalls seiner Bestimmung zu folgen, der Bau von Prothesen ist ihm ein Herzenswunsch, dem er sich ganz und gar verschreibt. Währenddessen wagt Künstler Alexander/Paon in Kreuznach einen Neuanfang und verliebt sich. In Amerika treffen wir auf Chrystal, die sich als Antons Ex-Freundin Christel aus Laichingen entpuppt. Sie ist inzwischen ein gefeierter Stummfilmstar und hat harte Jahre hinter sich.

Sehr eindrucksvoll schildert die Autorin die Zeit der Stummfilmära und die Anfänge Hollywoods, es sind Geschichten, die unterhaltsam und mit interessanten Details über das Filmgeschäft informieren. Dabei werden historische Gegebenheiten eingebaut, die uns echte Filmgeschichte und Drehaufnahmen dieser Zeit näher bringen.

Wieder einmal gelingt es Petra Durst-Benning mit ihrer eingängigen, flüssigen und lebendigen Erzählweise, mit dieser Geschichte zu fesseln. Die einzelnen Schicksale sind uns im Laufe der Reihe näher gekommen und so verfolgt man gespannt die persönlichen Lebenswege und -entscheidungen.

Das Leben in Amerika und besonders in der Stummfilmszene erleben wir Leser, indem wir an Mimis Seite Chrystals Schilderungen folgen. Chrystal hat sich ihren Platz im Filmgeschäft teuer erkauft und so erging es auch vielen anderen Frauen. Mimi bekommt genügend Material für ihre Biografie, sie macht ihre Arbeit, freundet sich mit ihr an, merkt aber, eine Frau wie Chrystal darf man nicht verärgern.

Am Ende der Reihe finden die Freunde 1930 wieder zusammen und man schliesst zufrieden das Buch. Wir wissen, welche problematischen Zeiten auf sie zukommen. Zu diesem Zeitpunkt sind sie alle zuversichtlich und blicken optimistisch in die Zukunft. So ein Ende wünscht man sich bei einer Reihe.


"Die Fotografin - Das Ende der Stille" zeigt einmal mehr die erstaunliche Erzählkraft von Petra Durst-Benning und lässt uns diese Zeit aus amerikanischer Perspektive betrachten. Ein Roman, der das Zeitgeschehen und die Protagonisten auf interessante Weise begleitet.

Bewertung vom 04.06.2021
Ich bin dann mal still
Lichter, Horst

Ich bin dann mal still


gut

Unterhaltsam, hat mich aber nicht vollständig überzeugen können
Horst Lichter ist einer der beliebtesten TV-Köche Deutschlands und als rheinische Frohnatur bekannt. In einem Kloster sucht er nach innerer Ruhe, aber kann er wirklich "die Klappe" halten? Wie wird er die Ruhe erleben und kann er die Zeit des Innehaltens genießen?

"...jeder Jeck ist anders, jeder Menschen hat eine andere Vorstellung von innerer Ruhe und wie man dahinkommt." Zitat Seite 7

Dieses Buch wird als Lebensratgeber eingeordnet, aber wie sieht es denn aus, wenn ein Horst Lichter Ruhe sucht?

Auf jeden Fall plaudert er munter vor sich hin und lässt uns an seinen Gedanken teilhaben, mit Humor und lockeren Sprüchen wie man ihn kennt. Still im herkömmlichen Sinne wird er nicht, schließlich möchte er uns ja etwas mitteilen. Als erstes erfahren wir, dass ihm das Klosterleben so gar nicht zugesagt hat. Er mosert ein wenig über die dort herrschenden corona-konformen Umstände und macht sein eigenes Ding. Das Leben hinter den Klostermauern kam mir mehr wie eine Jugendherbergsunterkunft vor, ich hatte Teilnahme am Gebet und Arbeit im Kloster erwartet. Das hat Horst Lichter scheinbar auch gefehlt und daher sind seine Einsichten zum Thema Ruhe wohl auch nicht so positiv wie erhofft.

Lichter macht sein eigenes Programm, er fährt Rad und macht einen Zen-Kurs, dabei schläft ihm sein Bein ein. Er macht sich auf humorvolle Weise, aber auch respektlos über die Teilnehmer lustig, nennt eine Frau Gurkengretel und kritisiert so manches. Das ist natürlich lustig zu lesen, aber auch nicht die feine englische Art.
Nach dieser unerquicklichen Kloster-Erfahrung findet er seine persönliche Methode um abzuschalten und runter zu fahren, nämlich in seiner persönlichen Yoga - Garage, beim Spazieren und Motorradfahren. Doch ist das die Stille, die einen Menschen zu sich selbst finden lässt? Was ist der Unterschied zwischen Ruhe und Stille?

In einigen persönlichen Beiträgen erfahren wir mehr über die Frohnatur mit dem unverwechselbaren Charme. Er ist ein Frühstücksmensch, liebt seine Badewanne und Zigaretten. Doch am meisten mag er seine Familie, die für ihn im Lebensmittelpunkt steht. Wir erfahren, wie ihn Schicksalsschläge geprägt haben und was für ihn ein erfülltes Leben bedeutet.

Dieses Buch ist wirklich etwas für Fans von Horst Lichter, denn seine Erzählungen haben den ihm eigenen Stil und den unverwechselbaren humorvollen und direkten Tonfall. Er kommt vom Hölzchen zum Stöckchen, wie man so schön sagt und macht ganz nebenbei Reklame für die TV-Sendung "Bares für Rares".

Die Lektüre dreht sich nicht so sehr um eine Handlung im herkömmlichen Sinn, es ist eine Erzählung, bei der man direkt angesprochen wird und sich so als Ansprechpartner sieht. Das Erzählte ist nicht langweilig, es unterhält, hat rheinische Züge mit Humor und bekommt mit den vielen Sprüchen etwas sehr persönliches. Das hat mir auf alle Fälle den Menschen hinter der Fassade näher gebracht, echte Erkenntnisse über das Finden innerer Ruhe konnte ich für mich aber leider nicht daraus gewinnen. Jeder hat da so seine eigenen Vorlieben und muss den Weg allein finden und gehen.

Die letzten Kapitel schreibt Horst mit viel inneren Gefühlen und es wird deutlich, wie wichtig ihm das Thema allgemein für unsere Gesellschaft ist. Sein Resümee interpretiere ich folgendermaßen: Jeder Mensch hat andere Vorstellungen, wie er zur Ruhe kommt, jeder muss nach seiner Façon seelig werden. Wichtig ist dabei auch, dass wir uns um unsere Mitmenschen kümmern und sie nicht allein lassen, wenn sie mit der täglichen Belastung nicht fertig werden.

Horst Lichter lässt uns Einblick nehmen in sein Leben, in seine Ergebnisse nach der Suche nach Ruhe in sich selbst. Unterhaltsam zu lesen, hat mir aber leider keine neuen Erkenntnisse über Ruhefindung gebracht.

Bewertung vom 03.06.2021
Unterm Schinder / Kreuthner und Wallner Bd.9
Föhr, Andreas

Unterm Schinder / Kreuthner und Wallner Bd.9


ausgezeichnet

Erstklassige Krimiunterhaltung mit Spannung und Humor

Auf dem Hof seines Vaters fingiert Polizeiobermeister Leonhardt Kreuthner einen vorgetäuschten Einbruch, um sich seiner Kollegin gegenüber dann als rettender Held zu präsentieren. Leider geht der Plan schief, denn es geschieht ein echter Überfall und sie finden in der Truhe eine Leiche. Die Tote heißt Carmen Skriba, beim Mordfall ihres Mannes vor zwei Jahren war sie die Zeugin. Kreuthners Vater war zur Zeit im Krankenhaus, wie kommt die Frau in die Kühltruhe?

Ein spannender Prolog fesselt sofort ans Buch und die folgende Mordaufklärung sorgt für einen rätselhaften Fall, der viel tiefer geht als man zunächst vermutet.

Für Wallner ist Jennifer Wächtersbach der Schlüssel zur Lösung des Falls, sie sitzt für den Mord an Gerald Skriba in Haft und weiß sicher mehr über das getötete Ehepaar. Wo liegt das Motiv und wer könnte dahinter stecken?

Bei dieser Krimireihe mag ich vor allem die skurril in Szene gesetzten Figuren. Allen voran Clemens Wallner, der gesetzestreue Kommissar, der Dienst nach Vorschrift macht und ziemlich pedantisch sein kann, doch das gleicht sein Kollege Kreuthner wieder aus. Leo Kreuthner ist der Anarcho unter den Beamten, er schert sich nicht so sehr um Vorschriften und sorgt mit seinen recht unkonventionellen Ermittlungsmethoden für überraschende Spannungsmomente. Warum er so ist? In diesem Band lernen wir seinen Vater kennen, der eine kriminelle Vergangenheit aufweist und das erklärt so einiges. Natürlich wieder mit von der Partie ist Wallners Großvater Manfred, der für sein Alter noch recht umtriebig und immer für eine Überraschung gut, eigentlich könnte er von seiner Art her eher Kreuthners Großvater sein.

Perfekt und bis ins letzte Detail genau geplant sind auch die Nebencharaktere, einige im kriminellen Milieu ansässig oder wie Jennifer eine außergewöhnliche Person mit einigen Überraschungen im Ärmel.
"Unterm Schinder" ist ein intelligenter, unblutiger, wendungsreicher und spannender Kriminalroman, der vom Handeln seiner Protagonisten lebt. Im Gegenzug zu der ernsthaften Ermittlungsarbeit Wallners sorgen Kreuthners unorthodoxe Methoden besonders für Furore. Dieses Team ist schon einzigartig in Deutschlands Krimilandschaft.

Andreas Föhr ist eine fesselnde und logisch aufgebaute Geschichte gelungen, bei der raffinierte Wendungen für steigende Spannung sorgen und die Ecken und Kanten der Ermittler für den nötigen Spaß an der Sache. Das unvorhersehbare Finale hat mir gut gefallen und damit findet der Fall auch ein nachvollziehbares Ende.

Dieses erstklassige Buch sorgt mit kauzigen Protagonisten, der nötigen Spur an trockenem Humor und einer gut durchdachten Geschichte für echten Krimispaß, den ich nicht nur Bayern- und Regionalkrimi-Fans empfehle. Für mich ein echtes Krimihighlight!

Bewertung vom 01.06.2021
Sommerlese
Matisek, Marie

Sommerlese


sehr gut

Sommerlicher Unterhaltungsroman mit Capri-Flair und einer großen Portion Hund
Der Roman "Sommerlese" von Marie Matisek ist der 2. Band der Capri-Reihe und erscheint im Knaur Verlag.

Die sympathische, alleinerziehende Mittvierzigerin Hanna hat unter einem Pseudonym einen Bestseller geschrieben hat. Nun warten Verlag und Leserschaft gespannt auf den nächsten großen Hit, doch Hanna ist in einer Schreibblockade gefangen. Ihr Agent weiß Abhilfe und schenkt ihr als Schreibmotivation einen Urlaub auf Capri, der zauberhaften Insel im Golf von Neapel. Hannas Schwester ist begeistert von der Idee und sorgt für schreibtechnischen Input, der auch bei Hanna die letzten Zweifel ausschaltet. Allerdings wartet unterwegs noch eine Überraschung am Straßenrand, Hanna läuft eine Findelhündin über den Weg, Mimi, an die sie ganz schnell ihr Herz verliert. Der Sommer auf Capri wird ein großes Abenteuer und Amore lässt nicht lange auf sich warten.

Hanna hat sich mit Pseudonym auf Social Media ganz anders dargestellt, als sie tatsächlich ist. Es bereitet ihr Bauchschmerzen, wie ihre Follower und Leserinnen darauf reagieren werden, wenn sie nun statt der jungen Aly eine Mittvierzigerin vorgestellt bekommen? Und wie überwindet sie ihre Schreibblockade? Die Reise nach Capri soll sie auf andere Gedanken bringen.

Natürlich spielt auch Amore eine Rolle, denn Hanna verliert schon auf ihrer Reise unterwegs ihr Herz an die schwarze Findelhündin Mimi, die ziemlich verstört ist und für reichlich Chaos in Hannas Leben sorgt. Auf Capri schaut man den Bewohnern bei ihrer Arbeit und besonderen Erlebnissen zu, es wird unterhaltsam, alle Figuren sprühen voller Leben und auch Hanna wird ein Teil von ihnen.

Marie Matisek sorgt mit ihrem eingängigen und bildhaft beschreibenden Erzählstil für eine wunderbare Unterhaltungslektüre, die vom Zauber Capris und dem italienischen Lebensgefühl durchdrungen ist.

In "Sommerlese" treffen wir auf lieb gewonnene Figuren aus "Der Schmetterlingsgarten" wie Annunziata mit ihrem wunderschönen Garte des Palazzo Farnese, auf Salvatore, der so wunderbar kochen kann und auf Martin und Lucia, die ein Kind erwarten. In wunderbar beschriebenen Bildern lässt Marie Matisek uns an der Schönheit Capris teilhaben, sie beschreibt die bunte Vegetation in blühendsten Farben, ebenso das vielfältige Obst- und Gemüseangebot unter Italiens südlicher Sonne, sodaß man sich vor Sehnsucht danach verzehrt. Wer Italien liebt, wird sich in diesen Roman verlieben.

Dieser Sommerroman lässt von Urlaub in Bella Italia träumen, er ist durchzogen von der Liebe zu Hunden und speziell zu Mimi und zeigt das Leben einer Autorin.

Bewertung vom 29.05.2021
Böse Häuser / Kommissarin Irmi Mangold Bd.12
Förg, Nicola

Böse Häuser / Kommissarin Irmi Mangold Bd.12


sehr gut

Tödliche Wohnungssuche


Kriminalkommissarin Irmi Mangold beabsichtigt mit ihrem Freund Fridtjof Hase einen Hof oder Haus zu kaufen, auch als gemeinsamen Altersruhesitz. Doch in dieser Region Bayerns sind die Preise so exorbitant angestiegen, dass sie ihre Suche immer mehr nach Westen ins Allgäu ausweiten müssen. Sie finden ein alleinstehendes Objekt am Auerberg und punktgenau bei der Besichtigung wird ein weiterer Interessent erschossen. Schon ist Irmi in einen neuen Fall involviert.

Ich mag die Krimis von Nicola Förg, weil sie ihre Protagonisten weiter entwickelt und stets Gedanken zu Tier- oder Umweltschutz aktuell einbezieht. Bei diesem Krimi bin ich gleich in der Handlung abgetaucht und habe mir so meine Gedanken zu den eingebauten Themen gemacht. Dieses Mal dreht sich alles um den knappen Immobilienmarkt, die große Nachfrage und die steigenden Preisen und auch die Pandemie wird ein wenig gestreift. Das alles birgt irgendwo einen Grund für den Mord, den Irmi in diesem Fall mal mit dem zuständigen KommissarWeinzierl übernehmen darf. Schliesslich war sie bei der Tat selbst dabei.

In diesem Fall sind einige Verbindungen zu verfolgen, die alle für sich genug Grund für einen Mord hätten. Das Opfer ist ein Autohändler von Luxuskarossen, mit einem dieser Wagen, vermietet an einen jungen Mann, kam vor Jahren ein Mädchen zu Schaden. Hat sich nun der Vater des Kindes gerächt? Aber noch andere Dinge führen immer wieder zu diesem "Bösen" Haus. Bei den Ermittlungen ist die Personenmenge sehr umfangreich, das kann für Verwirrung sorgen und es spielt auch der Zufall eine Rolle, was mir nicht so gut gefällt.

Auf ein Wiedersehen mit Irmi habe ich mich gefreut, sie ist eine liebenswerte Person und ihre späte Liebe zu Fridtjof Hase gönne ich ihr sehr. In diesem Krimi dürfen wir ihre Zusammenarbeit mit Weinzierl genießen, das ist eine gelungene Teamarbeit und beide stürzen sich mit Herz und Verstand in die Ermittlungen. Es wechseln sich vergnüglich zu lesende Dialoge mit ernsten Ermittlungshintergründen ab, sodaß für gute Unterhaltung gesorgt wird.

Dem flüssigen und wunderbar zu lesenden Schreibstil Nicola Förgs kann man gut folgen, ihre Dialektpassagen sind auch für Nicht-Bayern verständlich und es wird auch für Uneingeweihte die merkwürdige Abneigung zwischen Bayern und Leuten aus dem Allgäu deutlich aufgezeigt.

Einen tieferen Sinn und Gründe zum Nachdenken haben alle Krimis von Nicola Förg, immer aktuell am Zeitgeschehen. Die Zubetonierung der Natur für Straßen und Wohnungsbau, die ins Unermeßliche steigenden Immobilienpreise und die eintönige und naturfremde Einheits-Niedrigenergiebauweise haben politische Brisanz. Es fließt auch die drohende Pandemie in die Gespräche im Krimi ein.

Diesen lesenswerten Regionalkrimi empfehle ich allen Fans von Mangold und Weinzierl und allen, die sich für Krimi mit Regionalcharakter und ernsten Themen interessieren. Kritisch hinterfragend mit aktuellem Bezug und trotzdem humorig!

Bewertung vom 27.05.2021
Anaconda Taschenführer Insekten
Peyrot, Morgane;Herzog, Lise

Anaconda Taschenführer Insekten


ausgezeichnet

Dem Mikrokosmos auf der Spur
Wer in Wald, Wiese und Garten unterwegs ist, entdeckt schon mal ein Insekt, dessen Name man nicht kennt. Dieses Bestimmungsbuch ist eine gute Möglichkeit, sein Wissen aufzufrischen.

Nach einer kurzen Einleitung über die unverzichtbaren Aufgaben von Insekten für unser Ökosystem, indem sie Pflanzen bestäuben oder Böden sauber halten, gibt es eine grundlegende Erklärung was ein typisches Insekt aufweisen muss (wie z. B. ein dreigeteilter Körper...) und es werden die unterschiedlichen Ordnungen der Insekten vorgestellt.

Danach folgen die Kapitel mit den Insekten-Porträts, gestaffelt nach Lebensräumen, wie Gärten, Wiesen, Wälder, Feuchtgebiete und Berge. Zu jedem der gezeigten 70 heimischen Insekten gibt es einen übersichtlichen Steckbrief mit genauen Angaben zum Erscheinungsbild, dem bevorzugten Lebensraum und zur Lebensweise jedes Insekts. Ebenfalls wichtig zur Erkennung sind die wichtigsten Merkmale und Besonderheiten sowie die beste Jahreszeit zur Beobachtung oder die Flugperiode. Jedes Porträt wird mit einer detailgetreuen Zeichnung vorgestellt, sodass man Käfer, Biene, Schmetterling und Co. im Handumdrehen auf Feld und Flur unverwechselbar wiedererkennen kann. Wer

Bestimmungsbücher im Taschenformat sind sehr praktisch und dieses birgt auf kleinstem Raum eine Menge Insektenarten, die umfangreich und vor allem erkennbar vorgestellt werden. Ob Borkenkäfer, Libellen oder Grüne Florfliege, beim nächsten Ausflug kann man Ausschau halten, nach allem, was da krabbelt und fliegt und lernt so unsere vielfältige Natur näher kennen. Wir brauchen die Insekten für den Fortbestand der Tier- und Pflanzenwelt.

Ein praktischer und umfassender Ratgeber in Sachen Insektenkunde, der zu einer Insektensuche förmlich einlädt. Jedes Insekt, und sei es auch noch so scheinbar unbedeutend, spielt seine Rolle im Ökosystem der Erde.

Bewertung vom 25.05.2021
Liebe, lavendelblau
Juli, Hannah

Liebe, lavendelblau


sehr gut

Lavendelblauer Neuanfang mit Urlaubsstimmung in der Provence

Von einem auf den anderen Tag ändert sich Sarahs Leben gewaltig, ihr Freund Tobias geht für ein halbes Jahr als Filmassistent nach Kalifornien und dann verliert sie auch noch ihren Job als Buchhändlerin. Obwohl sie alles noch immer nicht richtig fassen kann, bucht Sarah einen Flug nach L.A., um Tobias zu besuchen. Doch als sie mitbekommt, dass er ihr Drehbuch als sein eigenes ausgibt und ihr außerdem auch wohl nicht treu bleibt, lässt sie ihre Amerika-Pläne sausen und bucht den Flug nach Nizza um. Dort wohnt ihre Schulfreundin Cleo in einem Weinberg und empfängt Sarah mit offenen Armen. Dabei hat gerade Cleo viel durchgemacht und das lässt Sarah ihren eigenen Kummer mit ganz anderen Augen sehen. Und die blauen Augen von Weinhändler Lucien haben genau wie die lavendelbewachsenen Felder und der blaue Himmel eine anziehende Wirkung auf Sarah.

Sarah lässt ihre Probleme aus Hamburg hinter sich und genießt die Schönheit der Landschaft in der Provence. Dort hilft sie im Restaurant ihrer Freundin Cleo und arbeitet in den Weinbergen mit Lucien. Sie genießt sie das französische Savoir-vivre und die wunderschönen Lavendelfelder und diese Wohlfühlstimmung schwappt auch auf den Leser über. Bei Sarah fliegen bei jeder Begegnung mit Lucien die Schmetterlinge und diese Emotionen und die Schönheit der Gegend sorgen für die perfekte Stimmung und Inspiration zum Schreiben ihrer Gedichte. Hier findet sie zu ihrer kreativen Phase zurück und möchte gar nicht mehr weg. Sie beginnt ein neues Leben, doch plötzlich steht ihr Freund Tobias wieder vor ihr, mit ganz eigenen Plänen. Aber kann sie ihm den Vertrauensbruch mit dem Drehbuch verzeihen?

Dieser warmherzige Roman zeigt, wie das Leben von Sarah auf einmal etwas Neues für sie bereithält. Sie lässt sich auf die Veränderungen ein und genießt die wunderbare Stimmung der Provence und ihre Bekanntschaften. Aber wie soll sie sich entscheiden, wo auf einmal Tobias wieder vor ihr steht und sie doch gerade für Lucien ebenfalls Gefühle entwickelt? Sie muss lernen, auf ihr Herz zu hören.

Das wunderbare Setting beschreibt Hannah Juli bildhaft schön und vor allem farbgewaltig, die Landschaft wirkt wie ein Kopfkino mit herrlichem Urlaubsgefühl und die Geschichte von Sarah ist sehr unterhaltsam und ihr Lebensweg scheint doch noch schöne Seiten für sie bereitzuhalten.

Ein schöner Sommerroman, der dazu ermuntert, mal etwas anderes zu wagen und auf sein Glück zu hoffen und ein Roman, der Urlaubssehnsucht weckt.