Benutzer
zu den Top-Rezensenten

Benutzername: sommerlese
Danksagungen: 340 (erhaltene)


Bewertungen

Insgesamt 1029 Bewertungen
Bewertung vom 22.07.2018
Marmelade im Herzen
Martinek, Hilly

Marmelade im Herzen


ausgezeichnet

Tilda wohnt mit ihrer Familie in Hamburg und hat ein sorgenfreies Leben. Doch die Sorge um ihren Vater, der immer mehr Dinge vergisst, macht ihr zu schaffen. Sie bekommt regelrecht Angst, denn all das hat sie schon mit ihrem an Alzheimer erkrankten Großvater Amandus erlebt. Damals war sie 11 Jahre alt und schrieb über die Erlebnisse und Abenteuer mit ihrem Opa sogar Tagebuch.

Mit diesen schriftlichen Eintragungen beschäftigt sich Tilda und erinnert sich zurück an eine einzigartige Zeit und eine besondere Reise.


Hilly Martinek arbeitet in ihrem Roman auf berührende Art ein persönliche Lebenserfahrung ein, denn ihr eigener Vater erkrankte an Alzheimer.

Im Buch spielt Tilda zwei Rollen, einmal als Erwachsene, Mutter und Ehefrau und dann in ihren Erinnerungen und Tagebucheinträgen die 11-jährige Tilda, ein liebenswürdiges Mädchen, die sich rührend um ihren dementen Großvater kümmert und mit ihm noch einmal eine große Reise in die Vergangenheit unternimmt.


Die heutige Tilda bemerkt bei ihrem Vater immer mehr Anzeichen einer beginnenden Demenz. Das hat sie schon einmal erlebt, damals als 1-Jährige mit ihrem Opa. Doch so wie sie als Kind ihren Großvater einfach angenommen hat, gelingt ihr das mit ihrem Vater nur schwer. Wie soll sie damit umgehen? Auch das Zusammenleben mit ihrer Familie bedrückt Tilda. Ihren eigenen beruflichen Weg hat sie zugunsten ihrer Familie auf einen Job in der Kanzlei ihres Schwiegervaters beschränkt. Ihr Mann Philipp ist als Anwalt rund um die Uhr beschäftigt und so hängt die Kindererziehung von Käthe und Max weitgehend an ihr. Immerhin hat sie eine gute Freundin, Smylla, die ihr stets hilfreich zur Seite steht. Sie ist auch die treibende Kraft, die Tildas Leben einen neuen Impuls gibt. Gemeinsam unternehmen die Freundinnen noch einmal die Reise nach Venedig, die Tilda mit ihrem Opa erlebt hat. Mit der Reise reißen alte Wunden auf, es werden aber auch wunderschöne Erinnerungen geweckt an die rührende Beziehung zwischen Opa und Enkelin auf ihrer großen Fahrt in die Vergangenheit des Opas und seiner geliebten Frau.



Der Verlauf von Demenz und Alzheimer wird realistisch und dennoch mit einem Augenzwinkern erzählt, einige bewegende Szenen, in denen die Krankheit deutlich wird, gehen sehr unter die Haut. Als betroffener Angehöriger weiß man häufig nicht mit der Krankheit umzugehen, Kinder haben häufig die Gabe, ganz unbefangen darauf zu reagieren und die Person als solche anzunehmen.

Genauso erleben wir Tilda als Kind und dürfen mit ihr eine unglaubliche Erfahrung mitmachen. Die Reise in Opas Vergangenheit nach Venedig läuft zwar mit einigen Handicaps ab, doch sie führt letztendlich zum Ziel. Dabei kann man besonders die enge Beziehung zwischen Opa und Enkelin genießen. Ihre enge Verbundenheit ist spürbar dargestellt, die Geschichte ist traurig, komisch und zutiefst warmherzig erzählt.



Wenn man den Film "Honig im Kopf" mit dem großartigen Dieter Hallervorden bereits gesehen hat, erkennt man einige humorvolle und berührende Sprüche wieder. Auch dieser Roman ist sehr gut geschrieben und mit den Rückblenden toll gemacht. Er hat auf den Leser ähnliche Wirkung wie der Film.

Das Buch berührt, amüsiert und macht traurig und nachdenklich mit der Thematik Demenz. Es ist eine sehr lesenswerte und emotionale Geschichte.

Bewertung vom 21.07.2018
Der Schatten
Raabe, Melanie

Der Schatten


ausgezeichnet

Mit Norah, lernen wir eine junge Frau kennen, sie ist 34, tätowiert und Journalistin. Gerade hat sie sich von ihrem Freund Alex getrennt und ist nach Wien gezogen, dort findet sie einen neuen beruflichen Wirkungskreis. Aber irgendetwas ist schräg an dieser Hauptfigur. Sie ist neben ihrer normalen Lebensweise innerlich zerrissen, wirkt oft niedergeschlagen und einsam und trägt ein dunkles Geheimnis mit sich. Irgendwie trägt sie die Mitschuld am Tod einer früheren, engen Freundin.

Melanie Raabe hat eine besondere Gabe, Bücher zu schreiben. Ich mag den Schreibstil, die kurzen, prägnanten Sätze, die atmosphärischen Beschreibungen. Ihre Thriller fallen durch ihren besonderen Schreibstil auf, der mich gespannt durch dieses Buch lesen lässt. Mit einfachen stilistischen Mitteln versteht es die Autorin geschickt, die Spannung durch das gesamte Werk aufrecht zu erhalten und am Schluss durch eine überraschende Wendung noch zu steigern.

Die Gedanken der Figuren und die intensive Ich-Erzählweise lassen die Charaktereigenschaften sehr deutlich präsent werden. Dadurch erlebt man die geschilderten Vorgänge auch intensiv mit und fühlt sich genau wie Norah von den Vorgängen überrollt. Es ist eine schauderhafte Vorstellung, wenn man angeblich zur Mörderin werden soll und diese Person nicht einmal zu kennen glaubt.

Es gibt einen Kritikpunkt, der mir zu diesem Buch auffällt, nämlich die etwas offensichtliche Verbindung einer bestimmten Figur, die neu in Norahs Leben tritt. Schnell war mir die Bedeutung dieser Person klar, allerdings konnte ich mir keinen genauen Reim darauf machen und insofern hat es auch dort noch eine Überraschung gegeben.


Ein einzelner vorhergesagter Mord und die atmosphärische Dichte um die Fragen, die dieser Mord aufwirft, sorgen für fesselnde Lesezeit und reichen für die Rahmenhandlung. Zumal der Thriller ohne blutrünstige Vorgänge und die in manchen Büchern üblichen rasanten Verfolgungsjagden auskommt.

Hier geht es viel subtiler zu, Norah wendet ihre journalistischen Recherchefähigkeiten an, zapft Internet-Quellen an und observiert das besagte Mordopfer. Nach und nach findet sie die Verbindung zu Arthur Grimm heraus und hätte damit sogar ein denkbares Mordmotiv, doch wird sie ihn töten?


Der Schatten ist ein unblutiger Thriller, ein sprachgewaltiges psychologisches Verwirrspiel, bei dem der Leser mit der Protagonistin den unweigerlich vorhergesagten Weg geht. Man wird in eine geheimnisvolle Handlung geführt, bei der sich eine Weissagung wie ein Schatten, ein Fluch über Norah legt, der sie zur Mörderin machen soll. Zur Mörderin an einem scheinbar unbekannten Mann, Arthur Grimm. Wer ist dieser Mann und welche Gründe könnten für Norah ein Mordmotiv sein? Wird sich diese Vorhersage erfüllen, auch wenn die Protagonistin noch so dagegen angeht? Als Leser ist es genau diese Frage, die einen antreibt weiter zu lesen. Die Inszenierung kommt wie erwartet, doch dann folgt eine überraschende Wende.


Der Schatten konnte mich mit seiner Sprache und dem psychologischen Verwirrspiel fesselnd unterhalten. Wer Thrillerdarstellungen lieber unblutig mag, für den ist dieses Buch perfekt. Die Spannung kommt durch die unheimlichen Vorgänge dennoch nicht zu kurz.

Bewertung vom 18.07.2018
Käthe ermittelt
Nagels, Silvia

Käthe ermittelt


gut

Ruhige und landschaftlich beschreibende Regional- und Landkrimis mag ich sehr, besonders wenn die Gegend idyllisch und heimelig dargestellt wird und das Landleben authentisch eingebaut wird.

Der Lokalkolorit bei diesem Krimi hätte noch stärker spürbar sein können, dieses Dorf hatte außer dem Kater von Käthe weder Tiere zu bieten, noch Landschaftsbilder.

Käthe Hansen und Knut Sörensen sind beide recht sympathisch, bei ihnen geht es stets gemütlich zu und als Paar ergänzen sie sich gut. Sie nennen sich gegenseitig "Käthchen" und "Knutchen", das mag ja ganz niedlich klingen, in einem Krimi wertet das die Figuren automatisch ein wenig ab. Man wünscht sich eher starke Persönlichkeiten, diese hier haben mir insgesamt einfach zu wenig Ecken und Kanten.


Als clevere Frau ist Käthe sogar der örtlichen Polizei überlegen, sie erklärt einige Vorgänge so genau, dass man als Leser schon die Augen angesichts dieser Einfältigkeit der Polizisten verdreht. Polizeihauptmeister Geert Feddersen möchte durch Ermittlungserfolge glänzen und nimmt kurzerhand den Landstreicher Strothmann als Mörder fest. Doch daraufhin beginnt Käthe ihre Ermittlungen, denn Strothmann ist vielleicht versoffen, aber absolut harmlos. Immer an Käthes Seite ist ihr Freund Knut, beide ergänzen sich perfekt. Bald haben sie einen Plan, bei dem das ganze Dorf beteiligt wird. So stellt man sich Zusammenhalt auf dem Land vor. Allerdings nutzt Käthe dabei unlautere Mittel, in diesem Fall heiligt der Zweck die Mittel und sie können damit den Täter überführen.

Wer kein Plattdeutsch versteht, könnte mit diesem Buch so seine Schwierigkeiten haben. Meiner Ansicht nach waren hier eindeutig zu viele plattdeutsche Dialoge enthalten, mit einigen Ausnahmen konnte ich gut folgen, doch es hat meinen Lesefluss regelmäßig unterbrochen.


Zur Spannungskurve sei gesagt, dass sie auf einem soliden Mittelmaß verläuft, es gibt hier keine fesselnde Täterverfolgung, der Fokus liegt auf den Ermittlungen und den involvierten Personen. Es läuft alles eine Spur ruhiger.


Die dargestellten Charaktere werden zwar mit einigen Merkmalen vorgestellt, aber von den meisten Personen konnte ich mir kein Bild machen. Für mich war der Krimi eine Spur zu ruhig. Trotzdem habe ich den Krimi gern gelesen, es ist eine leichte und gute Unterhaltung für zwischendurch.


Wer einen entspannenden und unterhaltsamen Krimi vom Land sucht, das Plattdeutsche liebt, ist hier bestens bedient.

Bewertung vom 17.07.2018
Kochen nach Farben. 12 Farben - 12 Menüs
Reimann, Tatjana; Mantke, Caro; Schober, Tim

Kochen nach Farben. 12 Farben - 12 Menüs


ausgezeichnet

Dieses raffinierte und wunderschöne Kochbuch präsentiert zwölf innovative Menüs in jeweils einer Farbe. Dabei bestehen die Menüs aus je zwei Vorspeisen, einem Hauptgericht, einem Dessert und drei begleitenden Getränken in einer Farbe. Alle sind ein Fest für Augen und Gaumen. Frei inspiriert von einem Kunstprojekt von Sophie Calle entstanden die Farb-Menüs der drei Berliner Autoren als eine ebenso ungewöhnliche wie überzeugende Verbindung aus Koch- und Designbuch.


Kochen nach Farben? Das konnte ich mir zunächst nur ungefähr vorstellen. Doch mit diesem hochwertig verarbeiteten Buch bekommt man 84 farblich zusammengestellte Gerichte an die Hand, bei denen nur natürliche Zutaten verwendet werden. Die Gerichte sind vielfältig, es gibt z. B. Rehbraten, Bruschetta und Zitronen-Tarte, dazu jeweils farblich passende kreative Kochvorstellungen.

Die Idee mit den farbigen Menüs ist genial und sicher sehr effektvoll umzusetzen. Erstaunlich, wie viele Dinge so farblich in eine Farbfamilie passen und sich gut ergänzen.


Geh einfach mal auf deinen Wochenmarkt, schau dir die regionalen Produkte an und kauf einen Korb voller grüner, violetter oder roter Produkte. Das bringt nicht nur Farbe in deinen Kochalltag, es macht auch gute Laune und schmeckt lecker. Saisonal und regional schmeckt einfach besser. Dem eigenen Farbexperiment sind keine Grenzen gesetzt und die Familie oder Gäste werden überrascht sein.


Alle 12 Menüs orientieren sich durch die Farben auffallend an den Jahreszeiten.

Ein frühlingshaftes Menü in Grasgrün erhält man mit einer interessanten Mischung aus Avocado-Suppe, grünen Spargel-Salat, Hähnchenbrust mit Zucchini, Traubenlimonade, Pistazienkeksen und Eis von grünem Tee. So kann der Frühling beginnen!

Total sommerlich kommen zwei rote Menüs daher. Das hellrote Menü enthält Erdbeer-Bowle, Melonen-Suppe, Rhabarber-Schorle, Lachs mit Rote-Bete-Risotto und Gambas, Rosewein und Erdbeer-Sahne-Biskuitrolle.

Ein weiteres rotes Menü zeigt sich mit Tomaten, Paprika und Johannisbeeren. Diese Zutaten passen in der warmen Jahreszeit wunderbar und schon der Gedanke daran weckt Appetit.

Den Herbst läutet das orangefarbene Menü mit Karotten, Hokkaido-Kürbis, Linsen, Paprika und Orangen ein. Und im Winter gibt es Braun, Weiß und Schwarz.


Die Ideen des Kochbuches sind nicht nur ausgefallen, sondern auch gut umsetzbar. Schliesslich muss man ja nicht alle Speisen anbieten, sondern kann sich gut mal etwas aus dem Angebot herauspicken.

Was mir an den vorgeschlagenen Menüs gefällt, sind die gängigen Zutaten und die Vielzahl der farblichen Vorschläge. Daran kann man sich gut orientieren und auch eigene Ideen einbauen. Die Rezepte sind grundsolide, stellen keine schwierigen Kochanforderungen und man bekommt beim Anschauen sofort selbst eigene Ideen und kreative Gedanken.


Wie wäre es denn mit einer Einladung zu einem Essen, dazu natürlich die passende farbige Karte und vielleicht sogar noch die passende Kleidung zum Essen. Von dieser Aktion wird man sicher noch lange erzählen.


Das Kochbuch gibt reichlich Vorschläge, wenn es mit eigenen Ideen mal nicht so klappt und selbst zum Anschauen ist es ein wunderschöner Bildband, die farbigen Fotos der Speisen und Zutaten sind ein ganz eigener Genuß.

Bewertung vom 17.07.2018
Warum mein Dackel mehr Follower hat als ich / Mein Leben im Hotel Royal Bd.1
Birchall, Katy

Warum mein Dackel mehr Follower hat als ich / Mein Leben im Hotel Royal Bd.1


sehr gut

Das Hotel Royal ist ein angesehenes Hotel in London, die Tochter der vielbeschäftigten Inhaberin ist die 14jährige Felicity Royal. Weil ihre Mutter nicht viel Zeit für sie hat, beschäftigt sich Flick damit, Fotos ihres Dackels Fritz zu posten. Als sie die Sängerin und Popstar Skylar Chase kennenlernt, bringt das neuen Schwung in Flicks Leben, allerdings auch reichlich Fettnäpfchen. Ihr Selfiestick verschwindet, Flick findet ihn und bekommt leider dafür auch noch Hausarrest. Selbst die Teilnahme am berühmten Weihnachtsball ist dadurch gefährdet. Nun muss Flick ihrer Mutter beweisen, dass sie auch Verantwortung übernehmen kann. Schwierig, wenn man nun mit Prominenten wie Skylar ganz andere Dinge erleben kann. Sie bittet Cal Weston, den sie eigentlich kaum leiden kann, um Hilfe.


Dieses Buch richtet sich an junge Mädchen, zeigt das Leben von Pubertierenden und das Wunschdenken vieler Teenies, wie man ein Star wird. Es ist eine Geschichte über Freundschaft, Vertrauen und Empathie für andere.

Katy Bichall schreibt in einem lockeren Erzählton, Teenies werden sich gut amüsieren und erfahren durch die Hotelerbin Flick einiges über das Leben in einem Nobelhotel. Die Geschichte wird humorvoll erzählt und dank der eingeschobenen SMS und Chat -Verläufe zwischen Flick und ihren Freunden, entsteht eine besonders für Jugendliche realistische Story.


Flick lebt als Tochter ihrer wohlhabenden Mutter so in den Tag hinein. Sie ist recht naiv und eigentlich eine etwas hochnäsige verwöhnte Göre. Mit ihren Freundinnen gibt es regelmäßig Zickenkrieg und mit Cal, dem Sohn eines Angestellten, liegt sie im ständig Clinch. Doch im Laufe des Buches macht Flick eine positive persönliche Entwicklung durch. Auf einmal bemerkt sie, wieviel Arbeit ein Hotelbetrieb macht, sie lernt Verantwortung zu übernehmen und stellt fest, was echte Freundschaften bedeuten und nimmt auch mal Rücksicht auf andere.

Sie erkennt, dass das Promileben auch seine Schattenseiten haben kann und die Einsamkeit viel schlimmer ist, als das normale Leben mit Freunden.


Es gibt einige für Erwachsene nicht so interessante "Problemchen", wie der an ein Hundeheim gespendete Lipgloss oder die Aktion von Flick im Hotelschrank, doch das Buch richtet sich ja auch an eine Altersklasse ab 11 Jahren.

Für mich hat Dackel Fritz, der es ja immerhin in den Titel und aufs Cover geschafft hat, in diesem Buch nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Da ist der englische Titel schon treffender gewählt.

Eine amüsante Teeniegeschichte, die Verantwortungsbewusstsein und Freundschaften zum Inhalt hat.

Bewertung vom 14.07.2018
Der Schmetterlingsjunge / Nils Trojan Bd.7
Bentow, Max

Der Schmetterlingsjunge / Nils Trojan Bd.7


ausgezeichnet

Berlin: Als Nils Trojan am Tatort eintrifft bietet sich ihm ein unglaublicher Anblick: Eine ermordetet Frau liegt nackt auf dem Bett, auf ihrem Rücken prangt ein farbiges Gemälde eines Schmetterlings. Welcher Verrückte verziert sein Opfer mit so einer sorgfältigen Malerei? Kurz darauf passiert der nächste Mord, auch hier wurde die Leiche mit einem ähnlich eigenwilligen Kunstwerk versehen.

Was treibt den Mörder zu so einer bizarren Handlung? Nils Trojan versucht hinter dieses Rätsel zu kommen, denn der Täter spielt auch mit Trojan ein perfides Spiel und sein Morden geht weiter.


Auch mit diesem Thriller sorgt Max Bentow wieder für atemlose Spannung.

Ein Handlungsstrang führt uns den Täter als Kind vor Augen, zeitliche Rückblenden zeigen einen Jungen, dessen Mutter verstorben ist und dessen Vater sich in ein Leben mit Alkohol und Frauen flüchtete. Leider ohne sich gebührend um den Sohn zu kümmern und nicht einmal das Jugendamt bekommt die Missstände mit. Die Mitarbeiterin sieht nur die äußeren Umstände, in die Kinderseele konnte sie sich nicht einfühlen.


Hinter diesem Killer schlummert eine grausame Zwangsvorstellung, die mit dem Verzieren der Opfer durch Schmetterlinge auffällt. Auch Frauenschuhe mit hohen Absätzen spielen bei diesem Kranken eine besondere Rolle. Daher tappt Nils Trojan auch lange Zeit im Dunkeln und kann sich keinen Reim auf diesen Schmetterlingsmörder machen.

So grausam es ist, erst die weiteren Opfer sorgen für ein entsprechendes Bindeglied zum Mörder. Bis es soweit ist, stehen Trojan und seine Kollegin Stefanie unter enormem zeitlichen Druck.


Für mich war dieser Thriller wieder ein echter Pageturner. Durch den "Schuhtick" und die Schmetterlinge erscheint das Buch auf den ersten Blick ein wenig frauenmäßig verschönert, die Gründe dafür finden sich jedoch in der kranken Seele der Verbrechers. Auch wenn die Taten grausam erscheinen, so ist dieser Thriller doch verhältnismäßig unblutig zu nennen.


Wieder ist ein Serienkiller am Werk, den Trojan zur Vermeidung weiterer Opfer stoppen muss. Dieser zeitliche Druck sorgt für atemlose Spannung beim Lesen und man merkt, wie schwierig sich die Nachforschungen gestalten. Die Geschehnisse sind nicht zufällig, das wird schnell klar, doch wie ist die Verbindung der Opfer zum Täter?


Die Perspektivwechsel zwischen Täter und Ermittlungsebene sorgen für eine sich ständig steigernde Spannung. Hat man eben noch Mitleid in den Rückblenden für das Kind, sorgen seine aktuellen Taten einfach nur für Entsetzen.


Mit diesem Pageturner ist Max Bentow ein stimmiger Thriller gelungen, den sich seine Fans der Reihe wohl kaum entgehen lassen werden.

Bewertung vom 13.07.2018
Eichengrund
Rimkus, Claudia

Eichengrund


sehr gut

Mit Charlotte Stern schickt Claudia Rimkus eine rüstige Pensionärin auf Ermittlungstour in eine Seniorenresidenz. Eigentlich ist sie eine flotte, sehr mutige Frau und noch viel zu rüstig, um sich dort versorgen zu lassen und das ist auch gut so. Sie freundet sich mit einigen Bewohnern an und bei täglichem Kuchen und Kaffee sondieren die Bewohner die Lage. Ihr zur Seite stehen ihre ehemaligen Kollegen von der Polizei, das Fachwissen allerdings bringt erst Charlotte in die richtige Ermittlungskette. Denn sie hat Fingerspitzengefühl und den richtigen Riecher und kommt den Hintergründen mehrerer Todesfälle auf die Schliche.



Der Erzählstil dieses Krimis ist recht eingängig, ein wenig humorvoll und unterhaltsam, insgesamt eher beschaulich und unblutig. Der Fokus liegt viel mehr auf den Charakteren, die mit viel Detailgenauigkeit und besonderen Schrullen dargestellt werden.

Da ist die ehemalige bekannte Operndiva Christa Bernhardt, die kurz nach Charlottes Eintreffen erst von ihr gerettet wird, jedoch am nächsten Tag tot gefunden wird.

Es gibt einen General a. D., die ständig strickende ehemalige Sozialarbeiterin Anneliese und den smarten Krimiautor Philipp. Eine Bewohnerin, Frau Ritter, scheint dement zu sein, denn sie läuft ständig umher und sucht ihren verstorbenen Mann.

Eine besonders witzige Figur ist Herr Pippich, der hinter jedem Rockzipfel hinterher ist und besonders mit seinen anzüglichen Bemerkungen auffällt.


Die Altersklasse der Figuren ist jenseits der 60 angesiedelt, manche Personen wirken auf mich allerdings noch viel zu rüstig für ein Seniorenheim.


Für einen Hannover-Krimi hätte ich mir noch mehr regionale Schauplätze im Buch gewünscht. Wer hier etwas über die Stadt erfahren möchte, wird nicht groß fündig werden.


Die Handlung ist zum Teil sehr beschaulich, es gibt einige personelle Verstrickungen, bei denen geschichtliche und politische Hintergründe eine Rolle spielen. Darauf hätte die Autorin noch mehr eingehen können. Interessant sind die verschiedenen Schicksale und spannend, aber auch recht übertrieben, ist die Aktion mit dem Auto und den defekten Bremsleitungen. Als Superheldin taugt die ansonsten sehr charmante Charlotte nun doch nicht.





Diese Krimilektüre erinnert ein wenig an "Adelheid und ihre Mörder" und sorgt mit ihren sympathischen Figuren für gute Unterhaltung.

Bewertung vom 12.07.2018
Das Beste aus Nordfriesland
Pelte, Reinhard; Reidt, Andrea; Siems, Werner; Wilken, Constanze

Das Beste aus Nordfriesland


ausgezeichnet

Im Gmeiner Verlag erscheint in der Rubrik Kultur der wunderschöne Bildband "Das Beste aus Nordfriesland". Das Autorenteam besteht aus diesen Herrschaften: Reinhard Pelte, Andrea Reidt, Werner Siems, Constanze Wilken.

Nordfriesland ist eine reizvolle Wohn- und Urlaubsgegend mit vielen Vorzügen. Einerseits sorgt die Nähe an der Nordsee für reizvolle Strand- und Wattspaziergänge, unbeschwerte Badeerlebnisse und Sonnenbaden an den herrlichen Sandstränden, außerdem ist die aerosolreiche Luft wie eine Kur für die Atemwege und den gesamten Organismus. Wer die Natur an der Küste liebt, wird immer wieder dorthin zurückkehren. Aber auch Kulturinteressierte kommen hier auf ihre Kosten. Ob auf den Spuren Theodor Storms oder Emil Noldes, Künstler finden auch heute noch reizvolle Motive von Meer und Dünen.

Nordfriesland bedeutet für mich Meeresrauschen, Sandstrand, Muschel sammeln, Wattenmeer mit Möwen und Seevögeln, aber auch endlose Weite und gutes Essen, schöne Gebäude wie die Warften und Haubarge, sowie Wind und Ebbe und Flut. Dort mache ich seit Jahren gerne Urlaub und habe schon einige Orte bereist. Daher wurde ich auf dieses Buch aus der Kulturreihe vom Gmeiner Verlag aufmerksam.

Dieser Bildband über Nordfriesland ist großartig. Sehr aussagekräftig, informativ und er beinhaltet einige meiner liebsten Urlaubsziele wie St. Peter-Ording, Tönning, Husum, Friedrichsstadt und Sylt, daneben andere Orte bis rauf nach Dänemark, sowie die Halligen.

Das Buch ist in vier Kapitel unterteilt, die nach Regionen geordnet sind.

SPO und die Halbinsel Eiderstedt machen als 1. Kapitel mit 36 doppelseitigen Vorstellungen den Anfang, die Autorin Constanze Wilken ist die Verfasserin dieses Kapitels. Sie kennt diese Gegend wie ihre Westentasche, St. Peter-Ording ist ihre Heimat. Die Bilder und Berichte habe ich in eins weg verschlungen, das meiste davon kenne ich auch. Hochdorfer Garten, Haubarge, Westerhever Leuchtturm, da kommt einfach Urlaubssehnsucht auf.

Zur Verdeutlichung des Aufbaus des Buches möchte ich die erste Doppelseite vorstellen. Links befindet sich in diesem Fall ein ganzseitiges Foto der Seebrücke in St. Peter-Ording gegebenenfalls mit Internet-Hinweisen, rechts davon ein literarisch verfasster Artikel zur Seebrücke.

Bei manchen Vorschlägen habe ich noch neue Infos erhalten, gefreut habe ich mich über meine Lieblingsziele, zu denen auch der Hochdorfer Garten gehört. Siehe Bild:

Das zweite Kapitel reicht von Husum bis Dänemark: von Restauranttipps, über Töpferei, Nolde- Museum bis hin zur ältesten Stadt Skandinaviens Ribe erfährt man hier neue Ziele dieser Gegend.


Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den Nordfriesischen Inseln, allen voran Sylt mit seinen malerischen Dünen, erlesenen Hotels, Cafés und landschaftlichen Besonderheiten, und auch die Inseln Föhr, Amrum und Pellworm bekommen ihre Vorstellung.


Im vierten Kapitel geht es auf die Halligen, die kleinen Ansiedlungen inmitten des Meeres. Hier geht es um Deichschutz, Salzwiesen und Schafherden, aber auch die Themen Hochbetrieb, Einsamkeit im Winter und Landunter werden hier kommentiert.


Den Abschluss des Buches machen Karten, auf denen die vorgestellten Orte mit Nummern wiederzufinden sind. Eine Orientierung ist daher recht einfach.

Die Artikel sind interessant verfasst, informativ und die tollen Bilder machen Lust auf Urlaub vor Ort. Wer die Gegend kennt, erkennt bereits besuchte Ziele, bekommt aber auch neue Vorschläge und Anregungen für weitere Highlights in der jeweiligen Region geboten.

Für Freunde dieser Gegend ein wunderschönes Buch zum Stöbern vor oder nach dem Urlaub. Es macht einfach Freude, hier einzutauchen und Eindrücke zu sammeln oder zu vertiefen.
Als perfekte Urlaubsvorbereitung eine ganz besondere Empfehlung!

Bewertung vom 12.07.2018
Kleinhirn an alle
Waalkes, Otto

Kleinhirn an alle


ausgezeichnet

Otto Waalkes hat mit seinen Liedern, Persiflagen und Grimassen mehrere Generationen humorvoll unterhalten. Jeder Spruch ein Gag, jede Mimik ein Lacher.

Unvergessen ist für mich ist sein Feier-Trink-Lied "Wir haben Grund zum Feiern" von 2002, eine Aneinanderreihung sämtlicher Alkoholika der deutschen Supermärkte. Aber auch seine Sketche haben mich stets amüsiert. Musikalisch vielseitig sind die Parodien zu Hänsel und Gretel, witzig Ottos Version des Faust und ein filmisches Erlebnis ist sein Film "Die sieben Zwerge". Dort spielt er den naiven Zwerg Bubi, laut eigener Angabe dumm wie drei Reihen Feldsalat. Das lässt tief blicken, wobei sich Otto ja gern selbst auf die Schippe nimmt.

Er ist trotz seines Erfolgs Mensch geblieben, war zweimal verheiratet und kehrt immer wieder auf die Blödelbühne zurück, er braucht den Applaus und genießt es, Menschen zum lachen zu bringen.

Allein sein Äußeres kann mich schon erheitern, wenn er wie ein irrwitziger Spargeltarzan über die Bühne huscht, dabei springt und mit dem Kopf auf und ab nickt und so schnell quasselt, das einem von Zuhören schon fast schwindelig wird.

Sein Humor macht ihn mir sympathisch, wobei das nicht jeden Geschmack trifft. Er blödelt und ulkt und das alles in einem Tempo, das den Ostfriesen in ihm vermissen lässt. Er liebt seine Heimat, seine Frauen und berichtet von seinen Eltern, von seinen Vorbildern der Comedy-Branche und analysiert alle Arten von Humor. Seine persönliche Spezialität sind die "KnallerQuickies", das sind scharf geschossene Sprüche, die Lachsalven hervorrufen.
Musikalisch war er mit den Bands "The Rustlers" und "Die Friesenjungs" auf vielen Bühnen unterwegs und als Künstler hat er weit mehr drauf als nur Ottifanten zu zeichnen.

Diese Biografie liest sich wie ein Roman, man erlebt Otto hautnah, sieht in ihm den Menschen und merkt an seinem mal nüchternen, mal amüsanten Erzählton, er kann auch schreiben.

Er befasst sich nicht nur mit seiner Person, sie ist eher Bindeglied zu Geschichten und Gedanken. Interessanterweise gibt er eine Einführung in die Comedy-Szene in Deutschland, England und Amerika, erwähnt alle Großen dieses Genres und stellt die jeweiligen Vorzüge dieser Vorbilder oder auch nur Wegbegleiter in den Vordergrund.


Wer Otto als Künstler schätzt, sollte diese Ottobiografie lesen. Es ist mehr Otto drin als man zunächst glaubt. So blödelt, ulkt und erzählt nur einer. Witze pflastern seinen We

Bewertung vom 10.07.2018
Kürbis - Neue Rezepte für das beliebte Gemüse

Kürbis - Neue Rezepte für das beliebte Gemüse


sehr gut

Wenn man Kürbis mag, sucht man automatisch nach neuen Rezepten. Jetzt steht der Herbst vor der Tür und damit auch die Kürbiszeit.
In diesem Buch erhält man nicht nur einen Einblick in die verschiedenen Sorten dieser hübsch anzusehenden Gemüse, man bekommt auch eine kleine Warenkunde mitgeliefert, in der es um die enthaltenden Vitamine, die Lagerung und die Zubereitung geht.

Kürbis ist eigentlich eine Beere, so der Botaniker, er eignet sich für viele Arten der Zubereitung, ob gebacken, gekocht oder frittiert, alles ist machbar. Im Ganzen ist er dazu noch lange lagerfähig, er enthält Beta-Karotin (daher das leuchtende Orange), die Vitamine B1, B2 und B6, C und E, außerdem Folsäure und Magnesium und reichlich Ballaststoffe. Das macht ihn zum idealen Gemüse.

Bisher habe ich Kürbis nur als Suppe, gebacken aus dem Ofen und süßsauer eingelegt verarbeitet.

Dieses Rezeptbuch bietet noch viele andere Möglichkeiten mit ansprechenden Fotos, die zum Nachmachen verlocken.

Der Rezeptteil gliedert sich in vier Bereiche:

- Suppen, Snacks & Fingerfood

- Große Salate

- Warme Hauptgerichte

- Desserts, Kuchen & Brot

Auf einer Doppelseite findet ein Rezept mit dem entsprechenden Foto Platz.

Die Zutaten und die Zubereitung ist übersichtlich angeordnet, die Verarbeitung gut verständlich beschrieben. Dabei wird Step by Step vorgegangen, für Koch-Anfänger sehr gut geeignet. Neben der Portionenangabe, wird auch die Zeit für Zubereitung, fürs Kochen oder Backen angegeben.

Ein Extra-Tipp bietet Hinweise oder Zutatenabwandlungen an.

Neben den Klassikern Kürbissuppe, Grillgemüse und Kürbisbrot werden viele neue Ideen vorgestellt. Für mich sind die Kürbis-Spinat-Lasagne und das Gemüsecurry mit Kokoscreme besonders schmackhaft und der Nudelauflauf mit Kürbis und Käse sowie das Kürbis-Risotto mit Rotwein werde ich bald ausprobieren.

Dieses Kochbuch ist abwischbar, liegt gut in der Hand und bietet für seinen Preis reichlich Rezepte, die neuartig und nicht zu schwierig in der Zubereitung sind. Was mir gefehlt hat, sind Auflistungen der Rezepte nach Sorten. Nicht für alle Kürbisarten gibt es hier Rezepte.

Wer Kürbis zu seinen Lieblingsgemüsen zählt, sollte sich dieses Buch näher anschauen. Es gibt viele neue Zubereitungsvarianten, die schon allein von den herrlichen Fotos her Lust zum Nachkochen machen.