Schwarzblende - Beck, Zoë
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Ein grausamer Mord an einem Soldaten erschüttert London - und der junge Kameramann Niall gerät als Zeuge zwischen die Fronten
London. Der Kameramann Niall Stuart wird unfreiwillig Zeuge, als zwei junge Männer einen Soldaten in zivil grundlos angreifen und töten. Niall nimmt die Szene mit seinem Handy auf. Einer der Täter kommt zu ihm, das blutige Messer noch in der Hand, und bekennt, dass er den Mord im Namen Allahs begangen hat. Sein Komplize schwenkt die Flagge des Islamischen Staats. Als Niall wenig später den Auftrag erhält, eine Dokumentation über den Fall zu drehen, ahnt er nicht,…mehr

Produktbeschreibung
Ein grausamer Mord an einem Soldaten erschüttert London - und der junge Kameramann Niall gerät als Zeuge zwischen die Fronten

London. Der Kameramann Niall Stuart wird unfreiwillig Zeuge, als zwei junge Männer einen Soldaten in zivil grundlos angreifen und töten. Niall nimmt die Szene mit seinem Handy auf. Einer der Täter kommt zu ihm, das blutige Messer noch in der Hand, und bekennt, dass er den Mord im Namen Allahs begangen hat. Sein Komplize schwenkt die Flagge des Islamischen Staats. Als Niall wenig später den Auftrag erhält, eine Dokumentation über den Fall zu drehen, ahnt er nicht, dass er mit grausamer Absicht für diese besondere Aufgabe ausgewählt wurde.

  • Produktdetails
  • Heyne Bücher 41043
  • Verlag: Heyne
  • Seitenzahl: 411
  • Erscheinungstermin: 9. März 2015
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 120mm x 35mm
  • Gewicht: 347g
  • ISBN-13: 9783453410435
  • ISBN-10: 3453410432
  • Artikelnr.: 40790343
Autorenporträt
Beck, Zoë§Zoë Beck, geboren 1975, lernte Klavier und studierte Literatur. Nach diversen Film- und Theaterjobs arbeitet sie heute als Autorin und Übersetzerin. Für ihre Romane und Kurzgeschichten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Friedrich-Glauser-Preis.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur WELT-Rezension

Notwendige Literatur erkennt Elmar Krekeler in Zoe Becks neuem Roman. Wie die Wirklichkeit unter der Wirklichkeit ausschaut, vermag ihm die Autorin vermittels kühler und präziser Tonlagen und einer Vielschichtigkeit der Geschichten mitzuteilen. So ungemütlich, schnell und brutal Beck die Geschichte des Soldatenmordes von Woolwich laut Krekeler nacherzählt, so angemessen scheint dieser Zugriff dem Rezensenten. Multimediale Kriegswelten, Terrorgesetze, Rassismus - all das steckt drin in diesem rundum zeitgemäßen Buch, meint er.

© Perlentaucher Medien GmbH

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 14.04.2015

Blut
im
Handy
„Passen Sie auf.
Das sind Verrückte.“
Dschihadisten in London,
in Zoë Becks
„Schwarzblende“
VON JULIA WEIGL
O ft sind es diese ersten Sätze, die einen großen Roman ausmachen. Franz Kafkas erster Satz in „Die Verwandlung“ ist so ein Beispiel: „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ Der Grundtenor ist gesetzt, die Handlung schon mal zusammengefasst, der Leser völlig verwirrt. In kafkaesker Manier schockiert auch Zoë Beck mit den ersten paradoxen Zeilen ihres neuen Thrillers „Schwarzblende“: „Niemand lief mit einer Machete durch London. Abgesehen von den beiden Männern, die gerade an ihm vorbeigingen.“ steht da ganz locker, fast protokollhaft, aufgeschrieben. Und diesen nüchternen Ton zieht die junge deutsche Autorin bis zum Ende durch. Vielleicht ist das der Grund, warum das Unmögliche bei ihr zu funktionieren scheint: einen aktuellen politischen Brandherd zu fiktionalisieren und in Worte zu fassen.
  Beck greift in „Schwarzblende“ auf einen realen Fall zurück: Im Mai 2013 wurde der britische Soldat Lee Rigby auf einer Straße in London von zwei Männernerstochen. Das Video von diesem Attentat steht auch 2015 noch im Netz. Da reicht es, den Namen des Opfers zu googlen, und schon kann sich jeder die grausame Tat ansehen – wie auch das mit der Handykamera dokumentierte Bekenntnisvideo der Mörder.
  Beck baut diese brutale Tat zu einem verzwickten Krimi aus, der im Grunde gar kein Krimi sein möchte. Denn bereits die ersten Seiten entlarven die Mörder, an ihnen besteht kein Zweifel. Vielmehr geht es auf den darauffolgenden Seiten darum, warum diese zwei Jungs in Bluejeans und T-Shirt taten, was sie taten, und wer oder was sie dazu gebracht hat.
  Dafür bringt Zoë Beck ihren Protagonisten Niall zum Einsatz: Er ist ein junger Kameramann, der sich mit Naturdokus über Wasser hält, aber eigentlich viel lieber Filme machen würde, die etwas verändern können und wirklich etwas zu sagen haben. Als er, während er sich gerade auf der Recherche zu seinem neuen Projekt befindet, Zeuge des Machetengemetzels wird, macht er das Video, das sein Leben verändern wird: Er filmt Farooq und Cemal dabei, wie sie den jungen Air Cadet Paul Ferguson erstechen und ihm den Kopf abhacken. Wie das tatsächliche Video vom Mord an Lee Rigby, findet auch das von Niall den Weg in die sozialen Netzwerke und macht ihn über Nacht zum Helden, der das Geständnis der dschihadistischen Nachwuchsterroristen mit dem Handy festhielt.
In Becks Roman geht es um Jungs mit Migrationshintergrund und einen mittelmäßigen Filmemacher, der mit dem, was ihm widerfahren ist, nicht ganz zurechtkommt. Doch das genrebedingte Schwarz-Weiß-Raster entwickelt sich schnell zu einem komplexen Gefüge, in dem Schuldzuschreibungen unmöglich zu sein scheinen, in dem sich die Guten von den Bösen nicht mehr unterscheiden lassen. Der Islamische Staat, der Dschihad, die Geheimdienste, die Medien. Ohne Ausschweifungen, ohne Beschönigungen erzählt Beck eine aufwühlende Geschichte, die auf den ersten Blick wie eine Verschwörungstheorie daherkommt, aber dann sich selbst wieder von innen heraus aushebelt. „Passen Sie auf sich auf. Das sind Verrückte“, sagt der Mordermittler De Verell zu Niall. Worauf dieser nur zu reagieren weiß mit: „Meinen Sie die von der Presse oder die Dschihadisten“. Alle kommen zusammen, Journalisten, die vor Nialls Wohnung lauern, um ein exklusives Interview zu ergattern, Anhänger des Islamischen Staates, die womöglich Niall entführen wollen. In „Schwarzblende“ sind beide Gruppen Teil einer Gesellschaft zwischen Ohnmacht und Dauerangst, in der jeden Moment das nächste schockierende Ereignis warten mag. Aber der Roman kennt keine Panikmache. Stattdessen seziert die Bloggerin, E-Book-Verlegerin, Journalistin und Schriftstellerin Beck eine hypermediale Gesellschaft – irgendwo zwischen Enthauptungsvideos und Urlaubsselfies.
  In ihrem letzten großen Essay „Das Leiden anderer betrachten“ hat sich die amerikanische Publizistin Susan Sontag 2003 noch einmal mit der Macht der Bilder beschäftigt. Was lösen Kriegsfotografien in ihrem Betrachter aus, Abstumpfung und Ignoranz oder Empathie und Schock? In Zoë Becks Krimi unternimmt der renommierte Kriegsfotograf Leonard Huffman ein ähnliches Gedankenspiel: „Ich fotografiere das Schrecklichste, was sich Menschen antun. Ich fotografiere es, damit wir es nie vergessen.“
  Diese Reflexion geht auf, da Beck auf unterschiedliche Metaebenen ausweicht: Sie lässt einen fiktiven Fotografen und einen fiktiven Kameramann in einer fiktiven Geschichte über die Macht ihrer eigenen fiktiven Bilder diskutieren. So wird etwas verfremdet, was sich täglich in der Gesellschaft abspielt – und wirkt in der Fiktion schockierend zeitlos und real.
  Zoë Becks Romane sind in den vergangenen Jahren politischer geworden. Während sich ihre frühen Bücher vor allem auf psychologische Kriminalintrigen konzentrierten, tauchte ihr vorletzter Thriller „Brixton Hill“ (Heyne, 2013) bereits tief in die Londoner Gesellschaft ein: Immobilien, Gentrifizierung, die Macht der reichen Upperclass. Immer wieder verlegt die studierte Anglistin ihre Geschichten nach England. So schlittert Niall in der britischen Metropole immer tiefer hinein in einen düsteren Sumpf aus Intrigen und Vertuschungen. Die Polizei hilft ihm dabei kaum. Sie ist korrupt und gewalttätig. Wem kann man denn in dieser korrupten Welt überhaupt noch vertrauen? Zunächst nur der eigenen Kollegin: Beth, Nialls selbstbewusste Producerin hat bereits einiges in ihrem Leben durchgestanden – die israelische Armee zum Beispiel. Skeptisch und ein wenig pessimistisch ist sie dadurch geworden. Und vor allem hat sie eine Liebe zur heilen, sozialmedialen Tierwelt entwickelt, um wenigstens für einen kurzen Augenblick dem brutalen Alltag entfliehen zu können: „Noch nie im Leben hatte ich so sehr das Bedürfnis, mir stundenlang Videos von niedlichen, flauschigen Kätzchen im Netz anzusehen.“
Zoë Becks Romane sind
in den vergangenen Jahren
politischer geworden
„Ein großer Kerl...
...Wo lang?“
„Da lang.“

  
  
  
  
  
  
Zoë Beck:
Schwarzblende.
Heyne Verlag, München 2015. 416 Seiten, 9,99
Euro. E-Book 8,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 18.05.2015

Selfie mit Enthauptetem
Zoë Beck misstraut der Wirklichkeit der Bilder

Hat Krimideutschland einen Trend verschlafen, der in den Vereinigten Staaten des Leserinnenherz erfreut? "Cosy crime" beziehungsweise "cosy mystery" heißt die neue Welle, Joanne Fluke und Jacqueline Winspear sind etwa erfolgreiche Vertreterinnen der Kuschelkrimis mit Rezeptanteil. Aber harmlose Dampfnudeln und gefühlige Zwetschgendatschis haben wir auf den hiesigen Bestellerlisten mehr als genug; es ist höchste Zeit, diesem Publikum eine Autorin zu empfehlen, die Bücher schreibt, in denen es tatsächlich um etwas geht.

Zoë Beck - so nennt sich die 1975 im hessischen Ehringshausen als Henrike Heiland geborene Autorin - schreibt seit 2008 unter diesem Pseudonym, und sie wird mit jedem Buch besser. Das liegt zum einen an ihrer Handwerkskunst, die sie mit sieben Romanen und dreißig Kurzgeschichten verfeinert hat; zum anderen übersetzt sie und betreibt mit CulturBooks einen eigenen E-Book-Verlag. Ihre Geschichten siedelt sie dort an, wo ihr Herz schlägt, und das ist zuletzt doch entschieden auf den Britischen Inseln. Nach "Brixton Hill" kehrt sie mit "Schwarzblende" erneut nach London zurück - und verhandelt ein reales Geschehen fiktional: Der Roman beginnt mit einer Szene, die im kollektiven Gedächtnis steckt, vielleicht auch, weil sie auf Youtube zu sehen ist: die Hinrichtung des britischen Soldaten Lee Rigby am 22. Mai 2013 auf offener Straße. Im Buch gibt es für die Abschlachtung des Soldaten einen weiteren Augenzeugen, den Dokumentarfilmer Niall Stuart, der zufällig am Ort des Geschehens ist. Trotz seiner Schockstarre filmt er das Blutbad mit seiner Handykamera. Er landet im Mahlwerk der Justiz und der Antiterrorgesetze, kommt frei, und wird sogar beauftragt, den Hintergrund der beiden Mörder zu recherchieren. Alles ist doppelbödig, kein Bild dieses Puzzles zuverlässig; verrückt sind die Dschihadisten, hysterisch die Pressemeute, möglich erscheint es auch, dass der Inlandsgeheimdienst bei der Lenkung der Mörder seine Finger im Spiel hatte; der korrupten Politikerkaste ist ohnehin viel zuzutrauen. Die gesellschaftliche Relevanz, von der Niall Stuart träumt, hat sein Vater als Kriegsfotograf längst erreicht.

Sein berühmtester Satz - "Ich fotografiere das Schrecklichste, was sich Menschen gegenseitig antun. Ich fotografiere es, damit wir es nie vergessen" - liefert das Thema, das die Klavierspielerin Zoë Beck in souveräner Vielbödigkeit, mit nicht nachlassender Spannung und kühlem Ton variiert.

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Zoe Beck: "Schwarzblende". Roman.

Heyne Verlag, München 2015. 412 S., br., 9,99 [Euro].

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"Das ist Kriminalliteratur at its best: Radikal, zupackend, aktuell - unentbehrlich." DIE ZEIT