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Benutzername: Ritja
Wohnort: Deutschland
Über mich: Bücher, Bücher, Bücher...viele Träume und Geschichten, die einem atemlos, traurig, fröhlich oder nachdenklich machen. Sie sind gute und geduldige Begleiter durch das Leben und schaffen Platz für Kreativität und Ruhe. https://buchstabenfestival.blogspot.com/
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Bewertungen

Insgesamt 576 Bewertungen
Bewertung vom 19.06.2021
Bergland
Kubsova, Jarka

Bergland


ausgezeichnet

Wer kennt sie nicht, die Anzeigen "Ferien auf dem Bauernhof"? Dazu noch ein paar schöne Bilder von glücklichen Kühen und fröhlichen Schweinen und selbstverständlich steht die happy Bauernfamilie daneben und freut sich auf die Gäste. Die Werbung funktioniert gut, denn die Städter lieben den "ursprünglichen" Urlaub in der Natur und so nah am "einfachen" Leben. Wer das Buch gelesen hat, wird diese Anzeigen mit ganz anderen Augen sehen und vielleicht auch anders an einen solchen Urlaub herangehen.

Erzählt wird die Geschichte einer Familie, die in einem Bergdorf lebt und arbeitet. Drei Generationen, ein Hof und viele ähnliche Probleme. Die Charaktere werden von der Autorin so glaubhaft und realistisch beschrieben, dass es schmerzt, wenn Rosa gegen den Berg und die Natur ankämpft, sich abrackert, schuftet von morgens bis abends, um den Hof allein durch den Krieg und die Nachkriegszeit zu bringen. Ihr Sohn muss zu Hause bleiben, vermisst sie, fühlt sich vernachlässigt und wird aggressiv, was sie noch mehr auf die Felder und in ihren Garten treibt. Sie erzielt Erfolge und zeigt den Menschen im Dorf, dass eine Frau den Hof allein stemmen kann. Doch mit welchen Konsequenzen?

Franziska ist am Ende. Mit den Nerven, der Geduld, den Gästen, mit ihren überzogenen Ansprüchen und den Kindern, die immer etwas wollen. Dazu ist sie hochschwanger und der Tourismusverein zwängt sie immer mehr ein, um noch profitabler zu werden. Das Geld ist knapp, trotz Schufterei und guter Gästezahlen. Die Familie droht an der Situation zu zerbrechen.

Die Autorin hat die Leben der drei Generationen so gut beschrieben, dass ich beim Lesen Gänsehaut bekommen habe. Ich ziehe den Hut vor Rosa und ihrer Kraft, ihrem Willen und den Mut. Ich habe mich immer wieder gefragt, würde ich das schaffen? Wahrscheinlich nicht. Zu weich, zu verwöhnt und zu wenig Ahnung von der Natur. Aber auch vor Franziska habe ich Respekt und konnte ihren harten Weg gut nachvollziehen.

Höher, schneller, weiter ist nur für wenige wirklich gut und lohnenswert. Viele bleiben auf der Strecke und werden krank, sind ausgelaugt und resignieren, wenn sie den Berg an To-Dos sehen. Jarka Kubsova baut auch schwere und aktuelle Themen mit in die Geschichte. Sie zeigt dem Lesenden an einem Beispiel, was passieren kann, wenn man sich ständig verbiegen muss und wirft indirekt Fragen auf, die jeder für sich reflektieren kann.

Es war ein wahres Lesehighlight für mich.

Bewertung vom 13.06.2021
Die Schnüfflerin Bd.1
Vaszary, Anne von

Die Schnüfflerin Bd.1


gut

Eine schwangere Frau, die die Polizei schnüffelnd auf die richtige Spur bringt. Klang gut und ungewöhnlich. Das Duo, welches eigentlich kein richtiges Ermittlungsduo war, war recht unterhaltsam, da es mit reichlich Ironie und auch Sarkasmus ausgestattet wurde.

Es ist eher ungewöhnlich, wenn der Ermittler seine Hauptverdächtige und dann wieder Nichthauptverdächtige (das wankt immer wieder mal) für seine Zwecke einspannt, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Eigentlich steht die Schnüfflerin Nina im Mittelpunkt, aber wie so oft, laufen die Nebenrollen den Hauptrollen den Rang ab. Auch hier fand ich den Kommissar Koller um einiges besser als Nina. Seine Art mit den Kolleg:innen umzugehen, sorgte bei mir für ein Schmunzeln. Als ehemaliger Hundeführer kann er am besten pfeifend kommunizieren. Gefällt nicht jedem (was ich nachvollziehen kann) und schafft kaum Freunde im Präsidium, aber der Unterhaltungswert für den Lesern ist dabei recht hoch. Seine Ecken und Kanten sind so, wie man sich einen Polizisten mit zu vielen Dienstjahren auf dem Buckel vorstellt. Selten sensibel, eher zynisch und abgeklärt und trotzdem im richtigen Moment da.

Nina erscheint mir zu blaß. Ihre Gedankenspiele sind manchmal etwas ermüdend und driften mir zu sehr ab. Sie lenken auch vom eigentlichen Fall ab. Ich freute mich jedes Mal, wenn Koller wieder mit dabei war, dann nahm das Tempo und die Spannung wieder zu und der Fall kam etwas voran. Das Ende war dann doch leider recht vorhersehbar, aber die Autorin versuchte trotzdem einen Showdown zu erzeugen.

Mich hat der Krimi nicht so richtig gefesselt. Für mich war die Schnüfflerin zu lahm und zu kopflastig unterwegs. Kommissar Koller rettete immer wieder die Geschichte und ich glaube, dass er allein fast erfolgreicher wäre.

Bewertung vom 06.06.2021
Die Pension der gebrochenen Herzen
Lambert, Karine

Die Pension der gebrochenen Herzen


sehr gut

Wer hat nur diesen schrecklichen Titel erlaubt? Er passt so gar nicht zur Geschichte.

Warum nicht "Das Haus ohne Frauen" oder "Männerhaus"?

Ich habe mich an den Klapptext gehalten und wurde mit einer unterhaltsamen, aber auch nachdenklichen Geschichte belohnt. Die fünf Männer, die sich in der alten Schule zusammenraufen, sind entweder gerade verlassen wurden oder sie stecken in einer Beziehungskrise. Sie hadern mit ihrer Situation, wollen eigentlich nicht wirklich zusammenleben und doch finden sie es gut nicht allein zu sein. Während der ein oder andere noch um seine Frau/Freundin kämpft, hat der andere schon aufgegeben.

Fabrizio versucht durch gemeinsame Ausflüge und Kurse (u.a. Sexexpertin, Eisbaden und Radtour) ein Wir-Gefühl zu erschaffen. Dazu kommen noch kleine Gruppensitzungen, um über die Gefühle, die die Männer haben, zu reden und um die Frauenwelt besser zu verstehen. Dabei merken sie, dass sie vieles als zu selbstverständlich und als zu gegeben angesehen haben. Sie beobachten, dass Frauen sich emanzipieren, weil sie, die Männer, sie nicht richtig wahrgenommen und entsprechend respektiert und unterstützt haben.

Das Buch ist mit seinen 224 Seiten eher schmal, so dass man hier keine allumfassende Emanzipationsgeschichte erwarten darf. Die Autorin streift aber das Thema der Emanzipation und lässt die fünf Männer darüber nachdenken, warum die Beziehungen gescheitert sind bzw. drohen zu scheitern. Langsam und teilweise nur widerwillig öffnen sie sich für das Thema. In ihren Zimmern, leise und für sich, müssen sie erkennen, dass sie sich ändern müssen.

Gibt es ein Happy End für Männer? Vielleicht oder eben die Erkenntnis, dass ein Neuanfang auch etwas positives sein kann.

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Bewertung vom 31.05.2021
Dinge, die das Herz höher schlagen lassen
Kankimäki, Mia

Dinge, die das Herz höher schlagen lassen


sehr gut

Wer sich an dieses Buch wagt, sollte eine Affinität zu Japan oder zu Sei
Shōnagon haben, um die vielen Details und vorallem die eingefügten Texte von Sei zu verstehen. Auch die leicht verrückte Verehrung von der Autorin gegenüber der Hofdame Sei muss man mit einem Augenzwinkern zu nehmen wissen.

Ich habe vor fast 10 Jahren das Kopfkissenbuch gelesen und zugegebenermaßen auch nicht alles verstanden. Mia Kankimäki gab mir nun die Möglichkeit, die Zusammenhänge besser zu verstehen, denn sie reist nach Kyoto und will Sei erforschen und ihrer Geschichte auf den Grund gehen. Vielleicht will sie aber auch einfach nur vor ihrem eigenen Leben flüchten, weil es gerade nicht so läuft, wie sie es sich erhofft hat.

Die Finnin hat einen leichten und gut zu lesenden Schreibstil, dazu noch eine gute Portion Humor und Selbstironie. Ich mochte ihre Art der Beschreibungen ganz gern. Manches Zwiegespräch mit Sei hat mich zwar ab und an die Augen rollen lassen, aber insgesamt fand ich die vielen Fakten, Daten und Geschichten aus Kyoto und von der Hofdame Sei interessant. Man lernt einiges über die japanischen Traditionen, die Tempel und die Kultur in Japan kennen. Es braucht einen langen Atem, um mit Mia Kyoto zu erkunden, aber aus meiner Sicht lohnt es sich.

Bewertung vom 18.05.2021
Winterfeuernacht
de la Motte, Anders

Winterfeuernacht


sehr gut

Tante Hedda wird ermordet und hinterlässt jede Menge Gerümpel, Fragen und ungelöste Probleme. Doch warum sollte sich ausgerechnet Laura damit beschäftigen? Sie hat seit Jahren nichts mehr von Hedda gehört und gelesen und nun macht sie sie zur Erbin ihrer Ferienanlage. Genau dort hat Laura in ihrer Kinder- und Jugendzeit ihre Ferien verbracht. Tolle Erlebnisse gehabt, den ersten Liebeskummer bekommen und die schlimmste Nacht ihres Lebens erlebt.

Laura reist zurück in die Ferienanlage und in die Vergangenheit. Es gibt noch einige offene Fragen und Wunden, die versorgt werden wollen. Doch nicht jeder freut sich über ihre Ankunft. Mit Laura blickt der Leser zurück. Was passierte im Feriendorf in den 80iger Jahren? Warum eskalierte es an diesem Abend und wer trägt die Schuld?

Der Wechsel zwischen den 80igern und der heutigen Zeit sorgte dafür, dass die Spannung immer mehr ausgebaut wurde. Je weiter die Geschichte fortschritt, umso mehr Risse entstanden an der Oberfläche und die hässliche Wahrheit drang immer mehr hervor. Es tauchten immer wieder überraschende und überwäligende Momente auf, die die Geschichte noch einmal in eine andere Richtung lenkten. Phasenweise fand ich die eine oder andere Handlung etwas überzogen, aber trotzdem konnte mich der Autor beim Lesen halten.

Der Krimi war gut und auch bis zum Schluß konnte die Spannung gehalten werden, aber der Epilog war unnötig. Ich konnte mir kaum das Augenrollen verkneifen. Ohne den Epilog wäre es ein richtig gutes und passendes Ende gewesen, so aber überzog der Auor das Ganze mit einem rosafarbenen Kitschguss. Schade.

Bewertung vom 18.05.2021
Viktor
Fanto, Judith

Viktor


ausgezeichnet

Ich war anfangs skeptisch, ob eine Juristin einen (Familien-)Roman schreiben kann. Irgendwie hatte ich eine schwerlesbare Lektüre erwartet, aber da das Thema mich angesprochen hatte, wollte ich es lesen. Was für ein Glück, denn der Roman ist so gut, so voll mit Ironie und feinem schwarzen Humor und so traurig und bedrückend zugleich, dass ich froh bin, ihn gelesen zu haben. Judith Fanto hat einen wunderbaren und leicht zu lesenden Schreibstil, dass die 400 Seiten leider schnell durch waren.

Sie erzählt die Geschichte ihrer Familie anhand von zwei Handlungssträngen. Die "alte" Familie, d.h. Ururgroßeltern und Urgroßeltern sowie ihre Großeltern und besonders ihr Großonkel Viktor spielen eine wichtige und zentrale Rolle. Sie leben in Wien und entstammen einer wohlhabenden jüdischen Familie. Bis zum zweiten Weltkrieg lebt es sich gut in Wien mit Kunst, Kultur und Sinfonien von Mahler. Doch dann kippt die Stimmung, die Politik und das Ansehen und aus der erfolgreichen Familie wird ein Hassobjekt.

Der zweite Handlungsstrang ist Judith selbst. Sie ist, als zwanzigjährige Studentin der Rechtswissenschaft, auf der Suche nach ihrer Identität. Sie will wissen, warum nicht von "früher" gesprochen wird, warum der Glaube keine große Rolle mehr spielt und warum alles totgeschwiegen wird.

Die Geschichte fesselt schnell und man wird mitgezogen. Die Autorin wirft Fragen auf, die man sich vielleicht so noch nicht gestellt hat und die zum Nachdenken und Reflektieren anregen. Viktor, das schwarze Schaf der Familie, weiß den Leser schnell einzunehmen und für sich zu gewinnen. Es ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, dass die Autorin immer zwischen den Handlungssträngen hin und her hüpft, aber schnell weiß man damit umzugehen und kann der Geschichte gut folgen. Je mehr die Geschichte fortschreitet, umso dunkler und trauriger wird sie. Das Ende ist ein Knall, eine Überraschung und sehr gelungen.

Bewertung vom 14.05.2021
Wind
Lange, Santiago

Wind


sehr gut

Nach dem Lesen fiel mir als erstes das Wort Respekt ein. Was für ein spannendes, aufreibendes und sehr sportliches Leben. Aber auch Respekt für seine Ex-Frau, die so vieles mitgetragen hat, ihn den Rücken freigehalten und die vier Kinder großgezogen hat.

Die Biografie ist faszinierend, auch wenn man kein Segler oder allgemein Sportler ist. Durch das gesamte Buch zieht sich die Willenskraft und das Durchhaltevermögen, aber auch der Egoismus, der wahrscheinlich notwendig ist, um so erfolgreich zu werden. Er beschreibt die Hürden, die Zweifel und den Willen zum Sieg, aber auch seine Niederlagen sowohl beruflich als auch privat. Man erhält einen kleinen Einblick hinter die Kulissen, wie die Vereine und Organisationen ticken, wieviel Macht Geld hat und was alles beachtet werden muss, um an einem wichtigen Wettkampf teilnehmen zu können. Auch die Weltumrundung 2008 fand ich sehr interessant. Die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Rio war hart erkämpft. Santiago Lange hatte nur ein Jahr vorher eine Krebserkrankung diagnostiziert bekommen und schaffte es durch eisernen Willen und einem starkem Team den Weg zurück an die Spitze.

Es ist eine beeindruckende Geschichte, die aufzeigt, was man erreichen kann, wenn man für etwas brennt und dies unbedingt erreichen möchte. Jedoch zeigt diese Biografie auch die Schattenseiten dieses Ehrgeizes.

Bewertung vom 13.05.2021
Frau Merian und die Wunder der Welt
Kornberger, Ruth

Frau Merian und die Wunder der Welt


gut

Maria Sibylla Merian steht mitten im Leben und kämpft für ihre Selbständigkeit und für ihre zwei Töchter. Sie ist Künstlerin und zeichnet detailgetreu Insekten und Schmetterlinge nach. Sie präperiert sie auch für reiche Sammler. Doch leider reicht der Erwerb kaum, um große Sprünge oder Reisen unternehmen zu können. Doch sie kämpft und findet ihren Weg.

Die Person Maria Sibylla Merian gab es wirklich. Sie war eine Naturforscherin und Künstlerin und lebte von 1647-1717. Ihre Zeichnungen kann man noch heute als Postkarten oder Poster kaufen. Sie sind wunderschön anzusehen und man kann sich gut vorstellen, wieviel Arbeit es damals war, diese Bilder zu zeichnen.

Im Buch wird die Arbeit der Naturforscherin sehr detailliert beschrieben. Leider viel zu ausschweifend und wiederholend. Dadurch schlich sich über die vielen Seiten eine leichte Langeweile ein. Ab und an gab es einen Schub an neuen Ereignissen, die den Lesefluss wieder etwas anschoben. Jedoch hielt die Autorin dann das Tempo nicht durch und verfiel wieder in eine sehr genaue Beschreibung eines Insektes, was teilweise recht ermüdend war.

Die Verknüpfung von Realität und Fiktion war gut gemeint, aber leider nicht so richtig gut gelungen. Das Tempo war zu langsam und die ausschweifenden Beschreibungen zu viel. Ein paar Seiten weniger wären für die Spannung in der Geschichte gut gewesen. So war es leider ein kleiner Kampf, um am Ball zu bleiben und Maria bis zum Schluss zu folgen. Einzig der wirklich gut zu lesende Schreibstil erleichterte die Lektüre bis zur letzten Seite.

Bewertung vom 10.05.2021
Blütenschatten
McAfee, Annalena

Blütenschatten


sehr gut

McAfee weiß den Lesenden zu überraschen und gut zu unterhalten.

Die Londoner Kunstszene wird aus der Sicht einer Künstlerin, die stets und ständig auf ihr frühes Werk und ihre Affäre mit einem wesentlich älteren Mann reduziert wird, erzählt. Sie wandelt durch London und beobachtet die Menschen. Sie kommentiert das Gesehene und besucht Orte, die sie beeinflusst haben. Dabei erfährt man immer mehr aus ihrem Leben.

Eve ist Künstlerin mit einem ausgesprochenen Faible für Blumen. Sie hat es geschafft, dass man sie schätzt und ausstellt und verkauft. Doch immer wieder ziehen andere an ihr vorbei, obwohl sie (aus ihrer Sicht) weniger leisten. Wanda ist dabei ihr ganz persönliches Hassobjekt. Aber auch an ihrer Familie hat sie einiges auszusetzen. Sie ist bissig, ironisch und hart im Urteil. Einzig ein junger Mann, nur halb so alt wie sie, kann sie besänftigen und einnehmen. Doch ist die Liebe echt?

Annalena McAfee hat einen wunderbaren Schreibstil, der mich schnell mitgenommen hat. Der Charakter, der Eve war für mich nicht ganz greifabr und doch gab es Momente, wo ich ihren Schmerz, ihre Wut verstehen konnte. Was mir gut gefallen hat, waren die zwei Seiten der Eve. Es gab nicht nur weiß oder schwarz, sondern grau in vielen Facetten. Niemand ist nur gut oder nur schlecht. Der Humor war stellenweise schwarz, aber oft passend und dadurch auch unterhaltsam. Ich mochte die Geschichte und auch das Ende fand ich sehr gelungen.

Bewertung vom 02.05.2021
Wildes Paradies
Praxmayer, Claudia

Wildes Paradies


ausgezeichnet

Ein schönes Buch über das Wachsenlassen und ein gutes Miteinander mit der Pflanzen- und Tierwelt.

Claudia Praxmayer erzählt in einem wunderbaren Plauderton von ihren Erfahrungen einen wilden und tierreichen Garten anzulegen und zu pflegen. Die Beschreibungen werden mit vielen ansprechenden Bildern untermauert. Was mir sehr gut gefallen hat, waren die Anekdoten von ihren Anfängen, was gut lief, was sie lieber nicht getan hätte und welche Missgeschicke ihr passiert sind. Bei so mancher Beschreibung konnte ich nur zustimmend nicken und schmunzeln, da ich mir diese Fehler auch geleistet habe. Die Autorin schreibt jedoch nicht nur von ihren Beeten, sondern auch wie man einen Teich anlegt und pflegt und was Obstwiesen schätzen und wie wichtig diese sind. Sie beschreibt, wie man sogar auf einem Balkon ein kleines Mini-Gewässer anlegen kann. Für Insekten reicht bereits eine flache Schale mit einem Stein und 2-3 Stöckchen (als Rettungsanker) drin, vollkommen aus. Sie kann vieles umsetzen, was in meinem kleinen Garten nicht funktionieren würde z.B. Terra Preta, aber andere Tipps und Tricks habe ich mir markiert, um sie selber in diesem Gartenjahr auszuprobieren.

Wer einen ordentlichen und aufgeräumten Garten möchte, sollte das Buch nicht lesen. Denn hier geht es darum, mit der Natur einen Weg zu finden, der sowohl dem Menschen nützt und gefällt, als auch den Tieren (Insekten, Kriechtieren und kleinen Säugetieren) und der Pflanzenvielfalt den Lebensraum erhält. Ein Kapitel in ihrem Buch heißt "Mut zum Chaos" und den braucht es auch manchmal, aber man wird mit einer wunderbaren Vielfalt belohnt, die man nur noch selten in den Gärten vorfindet.