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Ein Mörder, der mit Jesus spricht, eine Pfarrerin, die mit Gott hadert, und ein frustrierter Hotelmitarbeiter, der von der Liebe überrascht wird. Ein unbeschreiblich skurriles Trio, das zu einer großen Mission aufbricht: Sie wollen die Menschen glücklicher und den eigenen Geldbeutel voller machen. Und das auf ihre ganz besondere Weise: tollkühn, unverfroren, mit viel Glück (und ein wenig Verstand) ...…mehr

Produktbeschreibung
Ein Mörder, der mit Jesus spricht, eine Pfarrerin, die mit Gott hadert, und ein frustrierter Hotelmitarbeiter, der von der Liebe überrascht wird. Ein unbeschreiblich skurriles Trio, das zu einer großen Mission aufbricht: Sie wollen die Menschen glücklicher und den eigenen Geldbeutel voller machen. Und das auf ihre ganz besondere Weise: tollkühn, unverfroren, mit viel Glück (und ein wenig Verstand) ...

  • Produktdetails
  • Verlag: (Penguin Verlag München)
  • Seitenzahl: 367
  • 2017
  • Ausstattung/Bilder: 2017. 368 S. 187 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 119mm x 28mm
  • Gewicht: 301g
  • ISBN-13: 9783328101826
  • ISBN-10: 3328101829
  • Best.Nr.: 48070118
Autorenporträt
Jonas Jonasson, geboren im schwedischen Växjö, arbeitete zunächst als Journalist, bevor er beschloss, seinen ersten Roman zu schreiben. »Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand« wurde zum legendären weltweiten Erfolg, ebenso sein zweiter Roman »Die Analphabetin, die rechnen konnte«. Im April 2016 erschien bei carl's books sein dritter Roman »Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind«, der ebenfalls sofort zum Bestseller wurde.
Rezensionen
Besprechung von 21.04.2016
Kalauer im Kreisverkehr
Die Wiederkehr der Moritat: Jonas Jonassons neuer Roman „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem
einen oder anderen Feind“ erzählt von Mord und Totschlag – in einem Ton, der nach Freitagabend in Jogginghosen klingt
VON THOMAS STEINFELD
Vor dreißig, vierzig Jahren gab es in Schweden einen volkstümlichen Liedermacher namens Cornelis Vreeswijk. Er hätte überwältigenden und dauerhaften Erfolg erringen können, wäre er ein wenig verlässlicher gewesen. Aber er war ein Trinker und ein Liebhaber von Stimulanzien aller Art. Er trug sein Geld in Plastiktüten mit sich und missachtete das Finanzamt. Er prügelte sich und landete mehrere Male im Gefängnis. Er las nichts lieber als einen alten amerikanischen, in Schweden aber bis auf den heutigen Tag beliebten Comic mit dem Titel „The Phantom“. Zu seinen heute noch gespielten Liedern gehört eine Moritat, die angeblich der letzte in Schweden hingerichtete Mann auf dem Weg zum Schafott singt: „Mörder Anders, das bin ich, das bin ich . . . Gemordet hab’ ich vier Männer, vier Männer“.
  Den Schluss einer jeden Strophe bildet der schnoddrige Ausruf „ta mig fan“ – „hol mich der Teufel“, worauf das Publikum jedes Mal lacht. Aus diesem Lied und diesen Gestalten, also nicht nur dem Mörder Anders, sondern auch dem Sänger Cornelis Vreeswijk, scheint der schwedische Schriftsteller Jonas Jonasson einige der wichtigsten Motive seines dritten Romans bezogen zu haben: „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ heißt das Werk, das in diesen Tagen auf Deutsch erschien und sofort den ersten Platz der Bestsellerliste erreichte.
  Denn eine Moritat ist dieses Buch, nicht nur wegen der 72 Kapitel, die jeweils wie geschlossene Episoden einer fortlaufenden Geschichte aufgebaut und meist so kurz sind, als wären sie Strophen. Sondern auch, weil es in diesem Roman um lauter unglaubliche Gestalten, schaurige Ereignisse und ebenso heftige wie wenig plausible Wendungen geht, die allesamt etwas mit Tod und Teufel, Geld, Rausch und Gott (meist vertreten durch diverse Individualteufel) zu tun haben. Und schließlich, weil die Geschichte in einem von den erzählten Ereignissen offenbar unbeeindruckten, unbedingt einheitlichen und an den Zuhörer adressierten, auf Pointen in kurzen Abständen berechneten Tonfall vorgetragen wird – zu dem man sich durchaus die Schautafeln vorstellen kann, die historisch zum Bänkelsang gehören.
  Dass dieses Genre keineswegs anachronistisch ist, dass man im Gegenteil noch einige beunruhigende Dinge mit ihm anstellen kann, zeigte zum Beispiel der Sänger Nick Cave im Jahr 1994 mit seinem Album „Murder Ballads“. Doch ins Morbide treibt es Jonas Jonasson nicht, ja nicht einmal ins dezent Unheimliche. Stattdessen bettet er die Gewalttaten in eine Atmosphäre, die man auf Schwedisch „mysig“ nennt – was etwa „gemütlich“, „geborgen“, „klein“ und „Freitagabend in Jogginghosen“ bedeutet. Eine schnuckelige Moritat allerdings ist, wenn nicht ein Widerspruch in sich, so doch zumindest eine nur bedingt haltbare Ermäßigung der existenziellen Spannung, von der diese Liedform lebt.
  Drei Helden hat das Buch, die, als sie zusammenfinden, eine erstaunliche kriminelle Karriere durchlaufen. Der erste ist Per Persson, „der Rezeptionist“ genannt, ein allseits im Stich gelassenes Kind, das – der fortgeschrittensten Bürokratie der Welt zum Trotz – sein Leben als schwarze Arbeitskraft im Empfang zuerst eines billigen Bordells und dann eines heruntergekommenen Hotels fristet. Auf einer Parkbank trifft er Johanna Kjellander, eine – der arbeitnehmerfreundlichsten Sozialgesetzgebung der Welt zum Trotz – fristlos gekündigte und bald obdachlos gewordene Pastorin, die Butterbrote und Himbeersaft schnorrt. Der dritte Held schließlich ist der „Mörder Anders“, der, mit drei Menschen auf dem Gewissen (das er nicht besitzt) und frisch aus dem Gefängnis entlassen, aus einer illegitimen Verbindung des Räubers Hotzenplotz mit Vincent Vega, dem Auftragsmörder in Quentin Tarantinos Film „Pulp Fiction“, hervorgegangen zu sein scheint.
  Diese drei Verlierer nun vereinen ihre Talente, woraus ein unschlagbares Team entsteht: Die Pastorin denkt und redet (gern in Gestalt von Bibelzitaten, siehe „Pulp Fiction“), der Rezeptionist rechnet und plant (ohne Finanzamt, und das liest „The Phantom“), während der Mörder handelt (Rotwein, Schlafmittel, Schlägereien, Geld in Tüten). Er tut es nicht immer zum eigenen Vorteil.
  So entstehen, nacheinander, drei zumindest zeitweilig erfolgreiche und stets jenseits der Legalität agierende Unternehmen: zuerst eine „Firma der Körperverletzungsbranche“, in der „Mörder Anders“ für die Verletzungen zuständig ist, sodann eine der in Schweden so beliebten Freikirchen, in der er als buchstäblich berauschender Erweckungsprediger auftritt. Das dritte Unternehmen schließlich besteht in einer Wohltätigkeitsorganisation mit doppeltem Boden, deren „frontman“ wiederum der Mörder spielen muss, auch wenn er sich deswegen in den Weihnachtsmann zu verwandeln hat. Und während das Trio seine Bahn durch halb Schweden zieht und dabei seltsam unverletzt alle Hindernisse und Wechselfälle des Lebens umkurvt, ereignen sich um die drei Helden herum die unglaublichsten Dinge: Gemetzel, Diebstähle, Gelage, Explosionen, Feuersbrünste und Polizeieinsätze der größeren Art.
  Auch der Erzähler nimmt diese Ereignisse ebenso aufmerksam wie ungerührt zur Kenntnis, dabei unverdrossen kalauernd: „Die Frau kochte gerade Steckrüben und wollte eigentlich nirgendwohin fahren, aber aufgrund der Rücksichten, die hier zu nehmen waren, konnte darauf keine Rücksicht genommen werden.“ Solche Scherze sind nicht besonders lustig, aber offenbar lustig genug, wenn man in diesem Ton von Mord und Totschlag und all den anderen Dingen erzählt, die in einem gewöhnlichen Leben als demokratischer Untertan nicht vorkommen.
  Das Schwedische hat (genauso wie das Englische oder das Französische) eine eigene Vokabel für eine Erzählung, deren Glaubwürdigkeit sich ungefähr auf dem Niveau der Geschichten befindet, die Astrid Lindgrens „Karlsson vom Dach“ lauthals in die Welt setzt: „Skröna“ („tall tale“, „grand conte“) lautet das Wort, zu dem es keine deutsche Entsprechung gibt, und zu einer solch haltlosen Übertreibung gehört eine enge Beziehung zum Klamauk. Jonas Jonasson holt die „skröna“ in die Literatur zurück, wobei er sich die Inspiration aus einer Quelle zu beschaffen scheint, die er aus seiner beruflichen Vergangenheit kennt und die den Aufstieg des „Mörders Anders“ zur nationalen Prominenz nicht nur begleitet, sondern überhaupt erst ermöglicht: die schwedischen Abendzeitungen. Sie sind Boulevard und Volkstribun zugleich und besitzen, aus eben diesem Grund, eine Lizenz zur parabolischen Verkürzung, wie sie in Europa allenfalls der britischen Yellow Press zu eigen ist. „Mörder Anders im Exklusivinterview: ,Ich will wieder töten‘“, lautet die realistisch erfundene Überschrift, die über dem ersten öffentlichen Auftritt des Helden prangt. Es ist dasselbe Verfahren der verknappenden Personifikation, aus der Jonas Jonasson seine Figuren wie auch seine Geschichten schöpft (und die Cornelis Vreeswijk sein ganzes öffentliches Leben lang begleitete). Es verweist zurück in die Moritat.
  Selbstverständlich sind Jonas Jonassons Geschichten albern. Aber es gibt nichts, was gegen grundlose Heiterkeit vorzutragen wäre. Sie muss nur rechtzeitig aufhören können. Denn nichts ist humorloser als erzwungene Heiterkeit. Deswegen gibt es zumindest einen Einwand gegen dieses Buch: Spätestens von der hundertfünfzigsten Seite an gleicht die Lektüre den Kreisverkehren in Småland. „Per Persson fluchte, bog abwechselnd nach links, rechts, links ab, fuhr geradeaus durch einen Kreisverkehr, fuhr geradeaus durch einen weiteren Kreisverkehr, fuhr geradeaus durch noch einen Kreisverkehr (so sieht es nämlich aus in Växjö), nahm am vierten und fünften Kreisverkehr die zweite Ausfahrt rechts, fuhr geradeaus . . .“. Man kann diese Technik auch stationär zusammenfassen: Sie gleicht dem angestrengten Versuch, sich die Mundwinkel in einem steilen, nach oben gerichteten Winkel an den Ohren festzubinden. „Ta mig fan“.
Als die drei Helden des Buches
zusammenfinden, starten sie eine
erstaunliche kriminelle Karriere
Natürlich sind diese Geschichten
albern – aber was wäre gegen
grundlose Heiterkeit zu sagen?
Mit der Hellsicht von Narren umkurven Jonassons Helden alle Hindernisse des Lebens.
Foto: Lars Tunbjork / Vu / laif
  
          
Jonas Jonasson: Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind. Roman. Aus dem Schwedischen von Wibke Kuhn. Carl’s Books, München 2016. 250 Seiten, 19,99 Euro.
E-Book 15,99 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Thomas Steinfeld hat genau einen Einwand gegen Jonas Jonassons dritten Roman, der, wie Steinfeld vermutet, bei dem schwedischen Volksliedermacher Cornelis Vreeswijk und beim Bänkelsang Anregungen gefunden hat: die Länge. Etwa ab Seite 150 wähnt er sich im Kreisverkehr verknappter Personifikation und erzwungener Heiterkeit, oder auch des Klamauks. Bis dahin allerdings macht ihm Jonassons pointensatte Moritat um Tod und Teufel, Rausch und Gott mit ihren unglaublichen Figuren, Wendungen und Ereignissen durchaus Spaß. Dass der Bänkelsang ein zeitgemäßes Genre ist, findet er am Ende der Lektüre allemal. Und die Figuren, die ihm teils aus Tarantino-Filmen entsprungen scheinen, teils dem Räuber Hotzenplotz ähneln, schlagen sich tapfer, wenn auch nicht sehr glaubwürdig, findet Steinfeld.

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„Jonas Jonasson führt drei Simpel zusammen, einen Hotelportier, eine geschasste Pastorin und einen gerade aus der Haft entlassenen dreifachen Mörder, die wie Pipi Langstrumpf auf Speed in einer Folge überraschender Fügungen gegen sämtliche Verbote im überbürokratisierten Sozialstaat Schweden verstoßen.“
Mit Jürgen von der Lippes Lesung von Jonas Jonassons drittem Roman ist Rezensentin Anja Hirsch leider nicht sehr glücklich. Schon der Roman, der die Geschichte eines Mörders und einer Pfarrerin in lebendigen Dialogen erzählt, erschien der Kritikerin zwar witzig und unterhaltsam, bisweilen aber auch etwas "aufgeplustert". Dass von der Lippe noch eine Portion Irrsinn oben drauf packt, findet Hirsch eher störend: Die Pfarrerin wirkt in seiner Lesung meist volltrunken, der Mörder wie auf Drogen und die übrigen Figuren leiden so sehr, dass Hirschs Hörvergnügen zunehmend abnimmt. Die Erzählpassagen findet die Rezensentin allerdings durchaus "lässig".

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