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Insgesamt 156 Bewertungen
Bewertung vom 01.06.2020
Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint (eBook, ePUB)
Blöchl, Bernhard

Im Regen erwartet niemand, dass dir die Sonne aus dem Hintern scheint (eBook, ePUB)


sehr gut

Wahre Liebe und Ich das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Irgendwas geht immer schief. So ist dies auch bei Knoppke, der nach dem Finale dahoam (Bayern gegen Chelsea) zu seiner Freundin fährt, mit der er in den nächsten Tagen in Urlaub fahren wollte und diese mit einem anderen im Bett erwischt. Wer kennt das nicht? Manche Menschen fahren dann nach Ibiza - Knoppke fährt nach Schottland, was ich persönlich für eine gute Wahl empfinde.
Eine 20-Jährige einschleicht sich in seinen „fast“ Bulli, einen Ford Transit, ein während er seinen Rucksack mit neuen Klamotten füllt. Er bemerkt es erst einige Kilometer hinter München als er mal kurz rasten will. Da kommt es schon zum ersten Zwist der beiden und sie gehen erst einmal getrennte Wege. Dies geht aber nicht lange, da sie sich auf einem Rastplatz bei Stuttgart wieder treffen. Sam, so heißt die „kleine“ Mitreisende, fährt weiter mit Knoppke in Richtung Schottland. Die Highlands sind seine Zuflucht, denn er will einfach einmal abschalten.
Dass dieser Wirbelwind Sam Knoppkes einsamen Urlaub ganz schön durcheinander bringt, kann man sich denken, denn ein über 40-Jähriger und eine 20-Jährige, das kann schon zu kleineren Komplikationen führen, da man ja mit zwanzig meist etwas lockerer ist und vielleicht ein wenig mehr redet wie der etwas Ältere. Wobei solche Menschen, die viel reden, nicht unbedingt viel sagen, zumindest über sich. Das solltet ihr mal beobachten.
Knoppke ist eigentlich ein schweigsamer Mensch. Aber Sam bringt wirklich richtig Fahrt in die Geschichte. Mit ihrer unkomplizierten Art bringt sie Knoppke in Situationen, die er so nicht erwartet hat. Mag dies ein Lagerfeuer sein, wo er Haschplätzchen isst und plötzlich aus sich raus geht oder in St. Andrews auf dem Golfplatz, wo die Steinbrücke bemalt wird, um nur zwei Situationen zu nennen.
Komme ich nun mal zu dem Fazit für das Buch. Es ist einfach gut gemacht. Die Tagebucheinschübe, wenn Sam am Lesen ist, die irgendwie was mit unserem Knoppke zu tun haben, oder die Situationskomik, welche Bernhard Blöchl ziemlich klasse beschreibt, weswegen man doch des Öfteren lachen muss, ist geschenkt. Was wirklich bewegend ist, ist dass man bei aller Komik immer wieder auch nachdenken muss. Also zumindest musste ich gelegentlich mal nachdenken, wie es wäre wenn meine Tochter (oder vermeintliche Tochter) auf einmal mit mir zusammen Urlaub machen würde, ich es aber nicht merken würde. Wobei er ja immer eine leichte Ahnung hat, dass da etwas mehr sein könnte.
Es ist im Endeffekt ein Buch, welches man einfach mal so lesen kann, aber wo man auch ab und zu innehalten, und über das Geschriebene mal ein wenig nachdenken sollte. Da es zumindest für mich doch einige Botschaften hatte, die ich erstmal ein wenig verarbeiten musste. Denn wer hat nur einen „fast“ Bulli oder eine „fast“ Freundin oder so, weil er selbst nicht in die Puschen kommt und sich selbst immer wieder im Weg steht. Irgendwo steht man sich selbst im Weg da man sich etwas nicht eingestehen möchte. Denkt da einfach mal drüber nach - am besten bei dem Buch von Bernhard Blöchl, wo ihr so ganz nebenbei auch etwas über das wunderschöne Schottland erfahrt. Dieses Land ist mindestens einen Urlaub wert, auch wenn es da nicht so viel Sonne hat wie in Spanien oder sonst wo im Süden.

Bewertung vom 10.04.2020
Kiki, die Mäusedame, m. 1 Audio-CD
Krätke, Olaf

Kiki, die Mäusedame, m. 1 Audio-CD


gut

Mal wieder ein Kinderbuch und dann auch noch von Olaf Krätke. Er wird langsam zu einem meiner meistgelesenen Autoren. Es ist aber auch immer wieder schön, ein gut gemachtes Kinderbuch zu lesen. Es geht zum einen schnell, und zum anderen hat es immer auch einen gewissen Mehrwert, da es immer eine schöne und lehrreiche Geschichte erzählt. Diesmal geht es um die kleine Mäusedame Kiki, die Arne das verloren gegangene Fernglas wiederbringt.
Sie schafft es, mit ihren Freunden und Familie vier Jungs zu erschrecken und zu verjagen, so dass die Mäuse das Fernglas wieder zu Arne zurückbringen können.
Es zeigt auch Kindern sehr einfach, dass man nicht immer alles allein durchstehen und groß und stark sein muss. Wenn man sich auch mit anderen kleineren verbündet, damit eine gewisse Größe in der Gruppe hat und sein Gehirn ein wenig anstrengt, kann man auf eine Lösung kommen, die nicht mit Gewalt zu tun hat. Alleine ist man manchmal hilflos. In einer Gruppe kann man eher sagen: So nicht! Man kann sich gegenüber anderen behaupten - besonders dann, wenn man sein Gehirn ein wenig anstrengt.
Soviel zum Inhalt des Buches, die Zeichnungen hat wieder Marion Schickert gemacht. Sie hat mich bis auf Kleinigkeiten ja schon bei „Geheimsache Igel“ begeistert.
Diesmal ist es noch etwas bunter und noch etwas kräftiger und die Geschichte wird dadurch, so hoffe ich, für Kinder noch etwas ansprechender.
Der Erzählstil von Olaf Krätke ist ruhig und dem Thema angemessen, ohne dass er aufdringlich wird, oder den Zeigefinger erhebt. Es bleibt immer ein wenig Luft, um vielleicht die Geschichte selbst beim Erzählen ein wenig zu verändern. Es fällt doch auf, dass er ein Schwedenfan ist, denn schon „Fredegar“ hat im hohen Norden gespielt. Aber dies macht der Geschichte ja nichts aus. Sie könnte genauso irgendwo in Deutschland spielen, denn Mäuse haben wir ja auch in Deutschland einige.
Ich finde, dass Kiki auch als Mitglied der Mäusepolizei von Bernhard und Bianca arbeiten könnte. Warum ich so empfinde - keine Ahnung - aber der Gedanke kommt bei mir immer wieder hoch.
Allgemein muss ich feststellen, dass ich das Gefühl habe, dass der Medu – Verlag immer besser in das Thema Kinder- und Bilderbücher hinein kommt. Sowohl die Geschichten, als auch die Aufmachung, werden immer hochwertiger.
Dem Buch ist auch noch eine CD mit einem Lied beigelegt, welches vom Text und auch von der Melodie her gut für Kinder geeignet ist. Melodie und Text wurden von Olaf Krätke geschrieben und ich muss sagen, dass das Arrangement wirklich gut ist. Und ja, die Melodie hat einen gewissen Ohrwurm-Charakter, was auch an der Sängerin liegen kann. Mein Kompliment! Gut ausgesucht von Matthias Zeißig.

Bewertung vom 21.02.2020
Steaks Meisterstücke für Männer

Steaks Meisterstücke für Männer


ausgezeichnet

Warum eigentlich „für Männer“?!
Hartnäckig halten sich ja die Gerüchte, dass Frauen nur mageres Geflügel essen, blutiges Fleisch verabscheuen und schon gar nicht sehen können (wollen). Dem muss ich heftig widersprechen! Dieses Kochbuch ist nicht nur für Männer. Auch Frau macht es großen Spaß.
Ein Kochbuch liest man ja meistens nicht von Seite eins, sondern pickt sich gewisse Rezeptkategorien raus und geht direkt ans kochen. Hier empfiehlt es sich wirklich bei Seite eins zu beginnen und sich erstmal konsequent in den ersten beiden Kapiteln über Schlachtung, Zerlegung und Reifung zu informieren. Das sollte man dann auch gleich mit dem letzten Kapitel, das für mich eigentlich auch an den Anfang gehört, ergänzen. Die Fleischvermarktung und die Vorstellung der verschiedenen Rinderrassen sind hochinteressant. Wenn man vom Dorf kommt glaubt man ja gerne man kennt sich aus, aber da gibt es noch vieles zu lernen. Für die etwas Zartbesaiteten ist es auch nicht verkehrt nach den sehr detaillierten und bebilderten Informationen zum Schlachten und Zerlegen noch mal schöne Fotos von Kühen auf der Weide gibt. Ich finde es gut und wichtig, dass nicht nur die Haltung, sondern auch die Schlachtung, ausführlich beschrieben wird. Seit den BSE-Fällen in den 1990er/2000er Jahren wurde immer mehr über die Haltung und Fütterung gesprochen, aber auch die Umstände der Schlachtung spielen bei der Fleischqualität eine große Rolle, wie hier sehr gut erklärt wird. Vielleicht hat mir deshalb früher schon immer Wurst und Fleisch aus der Hausschlachtung viel besser geschmeckt als vom Metzger?
Zu den Rinderrassen muss ich sagen, hatte ich während meiner Zeit in Lüneburg schon viel über alte Haustierrassen gehört. In und um Lüneburg gibt es sehr viele gute (Bio) Quellen für Fleisch und auch Obst und Gemüse. Man schätzt es leider oft erst, wenn man nicht mehr so dicht dran ist.
Das bringt mich leider auch zu einem kleinen Manko dieses informativen Teils. Ein paar Tipps wo man denn Fleisch der erwähnten Rinderrassen herbekommt wäre wünschenswert – ganz besonders im Bezug auf die alten Nutztierrassen aus Deutschland. Bedauerlicher Weise findet sich eher mal ein Steak vom Koberind in der Auslage des Supermarktes als ein Limpurger oder Rotes Höhenvieh. Die Gourmets schreien jetzt gewiss auf. Fleisch kauft man nicht im Supermarkt sondern beim Metzger – aber auch da finden sich die erwähnten Rassen im Normalfall nicht. Man muss schon wissen wo man sucht. Der ein oder andere Internetlink wäre schon ganz schön gewesen. So bleibe ich einfach weiterhin bei unseren örtlichen Metzgern und halte meine Augen auf.
Nun zu meinen Erfahrungen beim Kochen. Das Kapitel zur Vor- und Zubereitung ist auch sehr empfehlenswert. Das Rad wird zwar nicht neu erfunden, aber einige Tipps sind schon sehr hilfreich. Die genauere Erklärung der Garstufen und der internationale Vergleich finde ich sehr gut, da ich mir immer etwas schwer tue den richtigen Punkt zu erwischen. Die genaue Erklärung der Sous-vide Garmethode fand ich sehr gut beschrieben und nachvollziehbar. Der richtige Grill ist für mich klar – Holzkohle. Ansonsten kann ich auch die Pfanne nehmen. Sehr schön und etwas amüsant fand ich die Argumente ob vor oder nach dem Braten gewürzt werden müsse. Diese Diskussion dürfte wohl ewig andauern.
Beim Entrecote mit Crunchy Salbei-Zitronenbutter habe ich es ganz einfach gelöst. Ich hatte das würzen total vergessen und war dann überrascht wie unnötig es auch gewesen wäre. Die Butter kam mir erst etwas zu salzig vor, war dann aber einfach genau richtig. Wer noch nie vorher Kräuter frittiert hat dem sei geraten, die Temperatur nicht zu hoch zu stellen, da der Salbei sehr schnell braun wird. Das ist dann zu spät.

Bewertung vom 19.01.2020
Der Mörder und das Mädchen / Emma Sköld Bd.1
Sarenbrant, Sofie

Der Mörder und das Mädchen / Emma Sköld Bd.1


sehr gut

Gut, dass ich mal wieder nicht hinten drauf geschaut habe, denn wenn ich solche Dinge lese wie packend und atmosphärisch oder aufregendste Krimiautorin aus…, dann wandert ein Buch gerne mal nach hinten. Dies wäre bei dem Buch „Der Mörder und das Mädchen“ von Sofie Sarenbrant sicherlich auch passiert, aber es das Cover hat mich so neugierig gemacht, dass ich den Klappentext nicht erst gelesen habe.
Gut, natürlich war auch der Titel nicht unmaßgeblich. Ich habe also das Buch in die Hand genommen und wollte einfach nur ein wenig anlesen - so mal ein Kapitel. Das kann natürlich auch nach hinten losgehen und man wird gefesselt von einem Buch. Das kann so enden, wie wenn ich sage, ich esse nur ein Stück Pizza, nur ein kleines Stück, bei meinem Lieblingsitaliener. Das endet dann damit, dass meine Pizza weg ist und die anderen noch nicht mal angefangen haben.
Aber ich schweife ab, so ungefähr ist es mir jedenfalls auch bei diesem Buch ergangen. Aus einem Kapitel wurden dann mal schnell zehn Kapitel oder war es noch etwas mehr?
Komme ich mal zur Geschichte. Ein Paar hat ein Kind und will sich scheiden lassen, da der Ehemann so ein Typ ist, der gerne mal Frauen schlägt oder sie sonst wie misshandelt.
An dem Morgen, wo Cornelia ausziehen möchte findet ihre 6-Jährige Tochter ihren Vater Tod im Gästezimmer. Jetzt ist Cornelia auch noch die Freundin von Josefin, der Schwester von Emma, der Kommissarin die diesen Fall betreut. Und Cornelia ist gerade wegen des Vermögens welches sie erbt, auch gleich zur Hauptverdächtigen auserkoren.
Dies liegt allerdings in der Natur der Sache und ob Geld alleine ein so starkes Motiv ist? Aber keine Angst ich verrate euch natürlich nicht, wer der oder die Mörderin ist. Das Ende beinhaltet auch einen coolen Cliffhanger und macht neugierig auf das nächste Buch.
Was mal ganz erfrischend ist, ist das Emma kein depressiver Kommissar ist, sondern einfach nur eine Schwangere, die ihre eigenen Probleme hat, die man so richtig nachvollziehen kann, denn wer hat nicht schon mal von einem gestörten Ex gehört, der einem das Leben irgendwie schwermacht. Gut, er ist selbst mir ein wenig zu gestört. Jeder hat so seine Macken, aber der hat wirklich einen an der Klatsche.
Komme ich nun zu meinem Fazit. Ein Krimi, der wirklich irgendwie anders ist als die meisten anderen. Er beleuchtet auch mal die familiären Seiten einer Person und hat dadurch auch einen gewissen Tiefgang, der sehr packend ist und eine tolle Atmosphäre hat. Frau Sarenbrant hat einige Wendungen in die Geschichte eingebaut, die nicht unbedingt so vorhersehbar sind.
Und dann dieser Cliffhanger - wie in einer guten Serie am Ende einer Staffel. Die 368 Seiten gehen runter wie Öl. Man will es sich nicht mehr erlauben, auch mal eine Stunde ohne das Buch zu verbringen. Man ärgert sich, wenn man Schlafen, oder Einkaufen gehen muss. All diese lästigen Dinge geraten bei diesem Buch schnell in Vergessenheit.
Als ich am Ende war, war ich ein wenig enttäuscht, dass dieses Buch zu Ende war. Nicht, dass etwas gefehlt hätte, sondern weil dieses Buch so schnell gelesen ist und einen die Story nicht loslässt. Also mein Tipp ist, geht in die Buchhandlung eures Vertrauens und lest einfach mal in die ersten paar Kapitel rein. Keine Angst, die Kapitel sind nie lange und wenn euch dieser Schreibstil zusagt, kauft es und genießt mit dem Buch ein paar schöne Stunden.

Bewertung vom 01.01.2020
Juhu, berühmt! Ach nee, doch nich'
Henkel, Christin

Juhu, berühmt! Ach nee, doch nich'


sehr gut

Es wurde mal wieder Zeit für was lustiges oder doch nich‘? Tja, wo fange ich an und wo ende ich diesmal? Das ist wohl eher das Thema bei dieser Rezension. Irgendwie konnte ich mich in bestimmten Situationen wirklich wiederfinden. Ich habe ja im Laufe meines Lebens schon so einiges gemacht, auch Konzerte veranstaltet, und konnte deswegen so einiges was Christin Henkel beschrieben hat nachempfinden.
Dieses phantastische oder du bist toll, was sie bei Universal erlebt hatte, kam mir doch sehr bekannt vor. Aber dass es wirklich so ist, dass die Künstler von den Plattenfirmen nichts zu essen bekommen, war auch mir neu. Eine Grundversorgung sollte doch immer gegeben sein. Aber ich greife mal wieder vor, auch wenn mich dies ziemlich aufgeregt hat, und auch Stunden später mich noch immer sehr aufregt.
Ziemlich interessant und auch irgendwie erheiternd fand ich das Kapitel über die Popakademie in Mannheim. Die ach so hochgelobte Akademie, wo die neuen Sternchen „produziert“ werden sollen. Es wird ein wenig erklärt was dort alles passiert, und dass sicherlich nicht alles schlecht ist. Ich denke, man kann einen kleinen Einblick erhaschen, auch wenn es in dem Falle von Christin Henkel nur ein zeitlich begrenzter Workshop war.
Auch den Stress, welchen man hat, wenn man sich entscheidet Musik zu studieren, vor allem, wenn man Komponieren möchte, konnte man recht schnell erkennen. Dass dies nicht alles so einfach ist, und dass viel von einem verlangt wird, war für mich nicht gerade neu, aber doch sehr interessant zu lesen. Auch wenn in dem teil nur an der Oberfläche gekratzt wird, ist der Leistungsdruck doch sehr schnell zu erkennen.
Ich musste bei dem Kapitel wo es die Autorin nach China verschlagen hatte sehr oft lachen. Ich hatte den Eindruck, dass sie noch immer nicht genau weiß, was dort eigentlich abgelaufen ist. Es war sicherlich eine Erfahrung vor 5000 Menschen auf der Bühne sein Lied vorzutragen. Auch was das Essen in China betrifft konnte ich mir sehr gut vorstellen, dass es sicher nicht leicht war damit zurechtzukommen, insbesondere mit Blick auf spezielle Zutaten.
Ich könnte jetzt zu jedem Kapitel etwas schreiben, denn jedes Kapitel des Buches ist absolut lesenswert, da es intensive Einblicke in das Leben eines Künstlers gewährt. Man kann in bestimmten Situationen richtig lachen in anderen Situationen muss man erstmal eine Runde nachdenken.
Gut finde ich, dass die Autorin sich nicht hat verbiegen lassen. Soweit ich das beurteilen kann, anhand der Fotos auf dem Umschlag, hat sie eine gewisse Ausstrahlung und Aussehen. Aber deswegen sie zu einer Helene zu machen - ich weiß ja nicht? Ich finde es gut, dass sie versucht ihren Weg zu gehen, dass sie ihre Musik macht, so wie sie es sich wünscht und damit auch Erfolg hat.
Ich habe mir es mich nicht nehmen lassen und habe nach der Künstlerin sofort gesurft (noch bevor ich das Buch gelesen habe). Was ich fand gefällt mir und ich habe auch einige Stücke in meine Musiksammlung und in unseren Radiostream aufgenommen. Ich hoffe, dass ich damit einen kleinen Beitrag zur Steigerung der Bekanntheit der Autorin leisten kann.
Denn eines könnt ihr mir glauben, sie kann schreiben, singen und Musik machen! Worin ich nicht mit ihr übereinstimme ist, dass alle Pfadfinder nicht wissen wie man eine Gitarre stimmt, so wie sie es in einem Kapitel über Liedermacher mehr oder weniger dargestellt hat. Dem muss ich aus Erfahrung widersprechen. Bis auf dieses kleine Manko ist das Buch absolut lesenswert - nicht nur wegen der lustigen, sondern auch wegen der nachdenklichen Passagen. Ich freue mich auf die neuen Songs von Christin Henkel und genauso warte ich auf weitere Bücher. Und ich hoffe, dass beide Wünsche in Erfüllung gehen.

Bewertung vom 24.10.2019
Dornen und Rosen / Das Reich der sieben Höfe Bd.1
Maas, Sarah J.

Dornen und Rosen / Das Reich der sieben Höfe Bd.1


sehr gut

Sarah J. Maas ist den meisten bekannt durch die Buchreihe Throne of Glass, auch ich bin des Öfteren über diese Reihe gestolpert. So war ich erfreut, dass ich diesen Roman lesen durfte. Und damit meine ich wirklich, ich war glücklich, als ich dieses Buch ausgepackt habe.
Ich darf endlich eine Buchreihe gleich am Anfang miterleben. Ein neues Gefühl für mich und ich muss sagen, das Buch hat mich recht schnell in seinen Bann gezogen. Es wird die Jägerin Feyre beschrieben, die mit ihren zwei Schwestern und ihrem Vater in sehr ärmlichen Verhältnissen lebt, bis sie eines Tages einen Wolf erlegt. Das Tier schien viel zu groß für einen normalen Wolf. Wie sich später herausstellt, war es ein Fae. Eines jene Wessen, welche früher wie Götter von den Menschen behandelt wurden und auch ähnliche Fähigkeiten haben. Diese haben sie so ausgelebt, dass sie die Menschen unterdrückten, was später zu einem Krieg geführt hat.
Feyre wird also von einem High Fae mitgenommen und lebt von da an im Reiche der Fae.
Sie lebt nicht mehr in Armut und wird dort auch nicht wie eine Sklavin gehalten, sondern lebt dort ein Leben, welches sie sich so nicht hat erträumen können. Sie lernt die Schönheit der Natur neu kennen, da sie von dem High Fae Tamlin eine ganz neue Welt gezeigt bekommt.
Aber sie merkt auch schnell, dass nicht alles Gold ist, was in diesem Land so glänzt. Irgendetwas legt einen Schatten auf das Land der Fae und somit auch auf ihr Land, das Land der Menschen.
Soviel zur Geschichte. Ich hoffe, ich habe diese soweit gut genug wiedergegeben. Nun gehöre ich ja nicht gerade zum klassischen Zielpublikum von Sarah J. Maas. Aber, und das muss ich einfach einmal sagen, sie kann schreiben und dies ziemlich gut. Die ersten 300 Seiten gingen mir auch wirklich gut durch die Finger. Man kann sagen, es war Pageturner mäßig. Und dies ist noch untertrieben.
Wo ich etwas Probleme hatte, war bei der Liebesgeschichte zwischen den beiden. Die war mir etwas zu ausführlich - auch wenn ich weiß, dass es zu der Geschichte gehört und auch entscheidend für das Buch ist, aber mir war es ein Stück zu langatmig, weswegen der Lesefluss bei mir ein wenig ins Stocken gekommen ist. Aber wie gesagt, sie hat eine gute Art und Weise alles zu beschreiben, allerdings nimmt sie an dieser Stelle im Buch ein wenig die Geschwindigkeit heraus.
Aber zum Ende hin nimmt sie dann noch einmal richtig Fahrt auf. Man will immer wieder die nächste Seite umblättern, so dass man gelegentlich mal vergisst, zu essen oder etwas zu trinken.
Es ist ein Buch, welches ein perfektes Ende hat. Nicht unbedingt von der Story her, aber es ist einfach so, dass man sich auf den nächsten Band der Reihe freut, weil doch noch einige Stränge nicht zu Ende erzählt sind. So wie es auch sein sollte. Ich freue mich auf den nächsten Band, auch wenn ich mir wünsche, dass ich dann in der Mitte nicht so einen kleinen Hänger habe. Aber ich kann mir vorstellen, dass gerade dies bei vielen Lesern gut ankommt.
Ich will wirklich gerne wissen, wie sich die Beiden weiterentwickeln und ich möchte noch einiges über das Reich der sieben Höfe wissen, über deren Bewohner und jeden einzelnen High Fae. Ich hoffe auch, dass Feyres sterbliche Familie noch eine Rolle spielen wird.
Spannend ist es auf alle Fälle und die Figuren sind, egal ob gut oder böse, facettenreich gezeichnet und mit einer gewissen Tiefe. Sie sind nicht einfach nur Gut und Böse, sondern sie haben alle ihre Sonnenseiten oder ihre Schattenseiten.
Also ich will mehr und ich hoffe, ihr geht in die Buchhandlung und entscheidet dort genauso wie ich.

Bewertung vom 15.09.2019
Für immer und einen Weihnachtsmorgen / Puffin Island Bd.3 (4 Audio-CDs)
Morgan, Sarah

Für immer und einen Weihnachtsmorgen / Puffin Island Bd.3 (4 Audio-CDs)


sehr gut

Das Cover lässt es schon vermuten – es ist kein Krimi sondern eine romantische Geschichte. Also genau das richtige in der Vorweihnachtszeit für gefühlsbetonte Menschen, aber auf keinen Fall was für mich. Das war zumindest meine Grundeinstellung. Die sogenannte „Frauenliteratur“ ist meist nicht wirklich mein Fall. Zur Flucht vor der Realität bevorzuge ich eher einen schönen Fantasy-Roman. Aber irgendwas hat mich gefesselt und dazu gebracht, das Buch bis zur letzten Sekunde aufmerksam zu hören.
Skylar scheint erst mal eine erfolgreiche Frau zu sein. Eine Künstlerin, die ihre erste Vernissage in London hat, dazu noch einen Erfolgreichen Freund, der gerade zum Senator gewählt wurde. Sie ist einfach glücklich und hofft nun mit ihm die vielen geplanten Dinge unternehmen zu können. Doch dann zeigt er sein wahres Gesicht und für Skylar bricht eine Welt zusammen. Ausgerechnet in dieser erniedrigenden Situation kommt Skylar ein Bekannter zu Hilfe, von dem sie es am wenigsten erwartet hätte. Alec ist für sie immer nur ein überhebliches arrogantes A*** gewesen. Eine Person, die sie ihren gemeinsamen Freunden zu liebe erträgt. Er macht das Unerwartete. Er bleibt bei ihr, pflegt und unterstützt sie. Nimmt sie zu einem vorgezogenen Weihnachtsfest mit zu seiner Familie.
Hier erlebt Skylar ein absolutes Kontrastprogramm zu einer Weihnachtsfeier in ihrer Familie. Nichts ist geplant, keine Sitzordnung und ein Gast passt immer noch an den Tisch. Eine Herzlichkeit, die mir eigentlich völlig normal erscheint, denn so kenne ich Weihnachten. Klar, es wird etwas Besonderes gekocht, aber ansonsten ist es normal und ungezwungen. Skylar aber kommt aus einer mir völlig fremden Welt, in der sich das Leben nur darum dreht wer welche Stellung hat bzw. wie man eine entsprechend bessere erreicht. Zum Weihnachtsessen werden keine Freunde eingeladen, sondern Menschen die Einfluss haben und für das berufliche Leben des Vaters oder der Kinder wichtig sein könnten. So ein Weihnachten könnte ich nicht ertragen – Skylar eigentlich auch nicht, aber es ist nun mal ihre Familie. Eigentlich kann sie einem nur Leid tun. Sie hat mich stark an eine Freundin erinnert, die ebenfalls mit solch oberflächlichen Streben nach der Zugehörigkeit zu den Reichen und Schönen aufgewachsen ist. Daher muss ich ehrlich sagen, so wenig wie ich normaler Weise für die Liebesliteratur übrig habe, dieser Roman hat vieles, dass sehr realistisch und gar nicht so unwahrscheinlich ist, wie man denken könnte.
Während des Hörbuchs musste ich oft an meine Familie denken, die ich immer nur am Wochenende sehe. Und ähnlich wie Alec brauche ich meine Freiheit, schätze aber den sicheren Hafen bei Eltern und Geschwistern. Vielleicht hat mich da die vorweihnachtliche Sentimentalität erwischt, aber das Buch hat mir einfach gefallen. Skylar, Alec und auch die anderen Figuren sind als Charaktere sehr gründlich gezeichnet. Man kann sich sehr gut in sie hineinversetzen und sieht die Situationen immer wieder aus verschiedenen Blickwinkeln.
Das einzige, was mich ein wenig genervt hat, war die für meinen Geschmack zu intensive Beschreibung der Liebesszenen. Ob das jetzt an der Hörbuchfassung oder am Originaltext lag, kann ich nicht sagen, aber in einem Buch hätte ich einfach weitergeblättert. Bei einer CD ist das nicht ganz so einfach, da man ja nicht weiß wie lange die Passage ist. Da es nur einzelne Szenen waren, lässt sich das aber noch ignorieren.
Mein Fazit: Das gesamte Buch ist hörenswert – nicht nur vor Weihnachten. Man muss sich mal drauf einlassen. Ob es an meiner winterlichen Stimmung lag, oder ob mir auch ein weiteres Buch von Sarah Morgan gefällt, werde ich demnächst testen. In meinem kleinen Stapel Hörbücher auf Warteschleife liegt noch eins von ihr.

Bewertung vom 24.07.2019
Das Gesicht meines Mörders
Kendrick, Sophie

Das Gesicht meines Mörders


sehr gut

Gut, jetzt habe ich 12 Stunden hinter mir seitdem ich das Buch Das Gesicht meines Mörders gelesen habe. Normalerweise beende ich ein Buch und dann schreibe ich sofort die Rezension, damit ich es nicht vergesse und meine Gedanken noch richtig bei diesem einen Buch sind.
Jetzt war es aber gestern so, dass ich so euphorisch über dieses Buch war, dass ich dachte, Ne, denk noch eine Zeit lang darüber nach, denn Rowohlt kann doch nicht so viel Recht haben, mit dem Aufkleber „The next Bestseller“. Solche Vorschusslorbeeren stoßen mich, seit ich im Buchhandel gearbeitet habe, immer wieder ab, da sie mich zu oft enttäuscht haben. Deswegen war das Buch auch erstmal auf meiner Leseliste nach hinten gerutscht. Ja, ich weiß, vertraue doch mal den Verlagen! Aber über zehn Jahre Enttäuschungen, was solche Aufkleber betrifft, kann man nicht von heute auf morgen wegwischen.
Letztendlich habe ich das Buch dann doch angefangen und nach 20 Seiten war mir klar, wenn der Schreibstil der Autorin sich nicht ändert, habe ich einen Thriller in der Hand, welchen ich nicht mehr weglegen möchte.
Aber der Reihe nach. Man stelle sich vor, man wacht auf und hat kein Gedächtnis mehr. Vor einem sitzt ein Mensch, der sagt: „Ich bin dein Mann und du heißt Clara.“ Aber alles fühlt sich irgendwie falsch an. Weil, ja, warum eigentlich? Liegt es nur daran, dass man nichts mehr weiß, oder warum?
Man spürt immer wieder die Zweifel, die auch Clara beschleichen, die sie nicht loslassen, die sie so weit bringen, dass sie denkt, sie selbst habe jemanden umgebracht. Deswegen versucht sie auch, sich selbst das Leben zu nehmen. Wieso sie dies denkt, und warum sie dies macht, solltet ihr wirklich selbst lesen. Auch die Mordanschläge, welche auf Clara verübt werden, geschehen langsam und durchdacht, wobei sie immer so passieren, dass man denkt, ok das könnte auch Zufall sein. Oder sind sie es vielleicht?
Das Buch ist in etwa sieben Kapitel gegliedert. Sie sind logisch und in einer vernünftigen Reihenfolge, so dass man die verschiedenen Stufen der Entwicklung von Clara sehr gut nachvollziehen kann. Man bekommt bei den Kapitelnamen auch gleich einen Flash, wo man sich fragt ok und wie kommt es nun dahin?
Man bewegt sich bei diesem Buch in einer Geschichte wo man denkt, ok das kann auch wirklich so passieren, oder ein Mensch ohne Gedächtnis kann sich genau so verhalten. Vor allem ich habe immer wieder überlegt, wie würde es mir dabei gehen, wenn ich kein Gedächtnis mehr hätte? Wenn die Person, der ich begegne meine Schwester sein könnte, oder langjährige Freunde, und ich würde sie nicht erkennen? Alles ist möglich. Wie würde ich reagieren, wenn ich einem Menschen begegne, der mich umbringen will, oder wenn ich das Gefühl hätte, je mehr ich über meine Vergangenheit erfahre, desto mehr muss ich mich schämen und desto mehr muss ich mich fragen, warum war ich so? War ich wirklich so?
Dies sind alles Fragen, die man sich immer wieder stellt, während man diesen Thriller von Sophie Kendrick liest. Womit ich mich mittlerweile beschäftige, ist eher die Frage, kann die Autorin diese Messlatte, die sie jetzt gelegt hat, bestätigen oder flacht sie etwas ab? Wenn sie dies bestätigen kann, und das hoffe ich, wird sie eine der ganz großen deutschen Thriller-Autoren! Ich für meinen Part würde mich freuen, wenn sie mich noch etliche Male mit einer Story und ihrem Schreibstil mitreißt, wie ich sie so nicht oft lese. Und ich verspreche euch eines, das nächste Mal wenn ich bei Rowohlt lese „The next Bestseller“, oder ähnliches, vertraue ich dem Verlag, denn ich hoffe sehr, dass dieses Buch ein absoluter Bestseller wird.

Bewertung vom 11.07.2019
Wir waren keine Helden
Bukowski, Candy

Wir waren keine Helden


gut

Das ist ein Buch, bei dem ich mir am Anfang echt schwergetan habe. Ich kam irgendwie nicht richtig in das Buch rein. Wieso und weshalb erkläre ich später, denn es lohnt sich, sich durchzubeißen!

Aber dazu später mehr. Erstmal musste ich ja meine Abneigung überwinden, meinen Tolino zu nutzen. Dies liegt nicht daran, dass das Gerät schlecht ist! Nein, ich liebe es einfach, ein Buch in der einen Hand zu halten, und einen Tee in der anderen. Irgendwie stellt sich bei mir das Feeling mit einem e-Book nicht so richtig ein. Warum schreibe ich dies eigentlich? Dies kann ich einfach beantworten. Ich war sehr angetan von der Schrift, die Edel & Electric gewählt hat, zumindest kam es mir beim Lesen sehr entgegen.

Am Anfang habe ich meine Schwierigkeiten gehabt, in die Sprache von Candy Bukowski reinzukommen, was aber eher weniger an der Sprache oder Schreibweise von der Autorin lag, sondern irgendwie hatte ich den Verdacht, dass alles was sie von sich gibt sehr reflektiert ist. Es ist alles sehr persönlich, wie sie ihre Erlebnisse „am Arsch der Welt“ beschreibt. Klar es ist teilweise sehr ruppig und grob, aber mit unwahrscheinlich viel Herz und Wahrheit.

Die einzelnen Kapitel sind klar strukturiert und sie beschreibt detailliert wie sie die einzelnen Personen kennengelernt hat. Man bekommt recht schnell ein Gefühl für die einzelnen Menschen und für „Sugar“. Man leidet mit ihr in ihrer Beziehung mit Schnauz, einem Menschen, der mir so was von unsympathisch ist.

Sie beschreibt ihr Leben mit Pete dem Punker, der vom Himmel gefallen ist und wie es üblich ist, am Anfang ein wenig grob aussieht (ja das waren die Punks in den 80ern) aber, und dies ist eine allgemeine Feststellung, die ich auch schon länger habe, das Herz am rechten Fleck hatte.

Sie beschreibt auch die Beziehung zu ihrer besten Freundin, welche immer für sie da war, wie auch die vielen anderen Personen, die keine Helden waren. Allerdings finde ich schon, dass sie alle auf ihre besondere Art Helden waren, auch wenn es in ihrem Leben nicht so abgelaufen ist, wie sie es geplant haben. Für mich sind es trotzdem Helden, da sie es geschafft haben, ihre Freundschaft über eine so lange Zeit zu erhalten und zu pflegen.

Über das Leben als Alleinerziehende, muss man nicht mehr viel sagen, dies sind für mich so oder so Helden, da sie es doch immer wieder hinbekommen, mit wenig ein gutes Elternhaus zu kreieren. Aber dies ist so ein eigenes Thema, und wird an vielen Stellen im Netz und auch hier beschrieben.

Komme ich jetzt mal zum Fazit. Es ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss, damit es auf einen wirken kann. Dies ist bei den meisten Büchern so, aber bei diesem besonders, da es viel Wahres enthält, was nie platt wirkt wie in einem Kalender, mit Dies macht aber das Lesen nicht immer einfacher, da man sich doch teilweise selbst reflektieren muss. Und weil dies manchmal sehr schmerzhaft ist, kann es sehr anstrengend sein, dieses Buch zu lesen. Was aber nicht bedeutet, dass es nicht lesenswert oder wertvoll ist! Gerade diese Herausforderung an den Geist des Lesers macht es so lesenswert und ich freue mich, wie so oft, auf mehr.

Bewertung vom 18.06.2019
Elefant
Suter, Martin

Elefant


ausgezeichnet

Dass ich ja mittlerweile ein Fan von Martin Suter bin, ist vielleicht schon aufgefallen. Ich liebe seinen Blick auf die Manager dieser Welt und wie er diese immer wieder in lustige Situationen bringt.
Nun hatte ich das Buch Elefant in der Hand und war dann im ersten Moment etwas geschockt, als ich merkte, Oh Gott, das ist ja ein richtiger Roman, ob Martin Suter das auch kann? Dies war mein erster Gedanke. Manchmal möchte man ja einem Autor nicht in einem anderen Genre sehen, sondern nur in seinem angestammten. Veränderungen?! Bitte lasst es sein, ist oft der Gedanke, aber ich bin ja schon oft überzeugt worden, dass es manchmal besser ist, ausgetretene Pfade zu verlassen, und etwas Anderes zu machen.
Also nahm ich das Buch in die Hand und fing an zu lesen - wie immer vollkommen unbedarft. So stößt man als erstes auf den Obdachlosen Schoch, der betrunken in sein „Zuhause“ kommt. In seiner Höhle sieht er einen kleinen rosa leuchtenden Elefanten, der aber am nächsten Morgen verschwunden ist.
Später, als er wieder in seinem Zuhause ist, ist auch der Elefant wieder da. Er kümmert sich um das kleine Tier, welches doch real ist, versorgt ihn mit Wasser und Gras. Dabei übersieht er die Butterblumen im Gras, welche für den Elefanten giftig sind, zumal dieser auch nur 30 cm groß ist kann die Menge schon zu einer Vergiftung führen. Dadurch kommt er zu der Tierärztin Valerie, die ihn bei sich einquartiert.
Aber dies alleine ist nicht die Geschichte, sondern da gibt es noch denjenigen, der das ganze durch Genmanipulation erst möglich gemacht hat - ein gewisser Roux, der mit einem chinesischen Genlabor zusammenarbeitet. Die befruchtete Eizelle wurde einer Elefantenkuh in einem Zirkus eingepflanzt. Nach der Geburt wurde das Tierchen vom Elefantenflüsterer Kaung und dem Tierarzt entführt, wodurch der kleine rosa Elefant dann über Umwege bei Schoch landet. Roux und die Chinesen wollen natürlich den kleinen Elefanten wiederbekommen.
Dies alles beschreibt Martin Suter mit einem Gefühl für die Situationen und auch für die Obdachlosen, dass ich mir des Öfteren die Augen gerieben habe und dachte, dies kann doch nicht der gleiche Autor sein, mit dem ich so oft über lustigen Situationen im Alltag eines Managers oder normalen Menschen gelacht habe.
Aber er war es. Ich habe oft auf den Umschlag gesehen, um mich noch mal zu vergewissern. Vor allem, als er die Elefanten mit ihren Eigenheiten beschrieben, oder auf die Probleme der Gentechnik aufmerksam gemacht hat und welche Folgen dies haben kann, war auf eine tolle Art sehr unterhaltsam. Auch die Fakten zu den „glowing animals“, also den bei Nacht leuchtenden Tiere, waren mir nie so bewusst und ich habe mich dann doch beim googeln nach „glowing animals“ erwischt - und ich war doch sehr erstaunt, dass dies möglich ist.
Vielleicht ist es gerade deswegen so wichtig, dass dieses Thema auf den Tisch kommt, vielleicht ist es auch richtig, dass der Weg eines Romans dafür gewählt wurde.
Ich für meinen Teil möchte mehr solche Romane und ich kann Martin Suter nur dafür beglückwünschen, dass er so einen Roman geschrieben hat. Auch hoffe ich, dass dieser Roman von vielen gelesen wird und auch viele über die Gentechnik und andere Dinge nachdenken. Wenn dies passiert, ist unsere Welt um einiges weiter. Wenn man dann noch ein wenig über Obdachlose, oder andere Menschen am Rande der Gesellschaft nachdenkt, und ihnen vielleicht ein wenig offener begegnet, dann hat dieser Roman Großes bewirkt.