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Bewertungen

Insgesamt 193 Bewertungen
Bewertung vom 03.05.2022
Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12
Didierlaurent, Jean-Paul

Macadam oder Das Mädchen von Nr. 12


ausgezeichnet

Also, man kann ja nun vieles über mich sagen, aber Erzählungen und Kurzgeschichten sind neben Gedichte nun wirklich nicht gerade mein Spezialgebiet, aber das, was Didierlaurent hier schreibt, muss ich erstmal verdauen.
Ich fange mal besser von vorne an. Also nichts gegen e-Books, aber das Buch MUSS als Buch gekauft werden, und dass mit dem muss meine ich genauso und nicht anders. Gut, der erhabene Buchumschlag, geschenkt, dies kommt ja mittlerweile öfter vor. Aber die Schriftarten, verschiedene Farben der einzelnen Geschichten oder eine andere Schriftart, all dies sorgt schon alleine für ein besonderes Gefühl. Es verstärkt einfach das Lesegefühl. Es wird mit dem Druck gespielt und dies nicht nur mal so hin geklatscht.
Und dann diese Geschichten. Es ist einfach ein Genuss. Jede der 11 Geschichten hat so einen Tiefgang und sie behandeln immer wieder Tabuthemen mit einem Herz und teilweise mit einer Komik, die einen zum Schluss einfach nur Lachen lässt.
Ich nehme einfach einmal die Titelgeschichte, in der das Mädchen von Nr.12 an den Rollstuhl gefesselt ist und es einfach so völlig normale Sachen vermisst. Sie genießt es in einer Mautstation zu sitzen und zu arbeiten, wo man ihre Behinderung nicht sieht. Als sie dann ein Date hat, und derjenige sie auslacht, tut es ihr im ersten, und nur im ersten, Moment weh, und dann kann sie selbst darüber lachen.
Es geht sehr oft um den Verlust, des Vaters, Kindes, leben im Altenheim und viele andere Dinge. Es schmerzt oft, wenn man die Geschichte fertig gelesen hat. Teilweise schmerzt es auch schon mitten drin, denn die Erzählungen sind mit so viel Herz und Tiefgang geschrieben, dass man das Gefühl hat, der Autor muss dass selbst erlebt haben. Aber dann sehe ich mir die Biografie der Autoren an und merke, Mensch dieser Mann ist gerade mal 10 Jahre älter als ich - und dann kann er so schreiben! Er deutet immer wieder an, sorgt innerhalb von ein paar Sätzen für eine tolle Atmosphäre und ist das ist auch ganz klar, nichts für Zwischendurch, da man selbst Stunden später noch über Dinge nachdenkt.
Für mich ein bewegender Erzählungsband, an dem ich wohl die nächsten Erzählungen messen werde, wobei ich wohl auch Sina de Malafosse ein Kompliment aussprechen muss. Ich denke, sie hat es geschafft, die Geschichten gut zu übersetzen, wobei ich dem Französischen nicht mächtig bin, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das Original viel besser ist.

Bewertung vom 09.03.2022
Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg / Bäckerei am Strandweg Bd.2
Colgan, Jenny

Sommer in der kleinen Bäckerei am Strandweg / Bäckerei am Strandweg Bd.2


gut

Hach ja, wie kam ich eigentlich zu diesem Buch? Keine Ahnung! Ich weiß nur, dass ich mir doch erstmal etwas schwergetan habe, da Jenny Colgan eine der Autorinnen ist, die nun wirklich Frauenliteratur schreibt, also nicht unbedingt das, was man mir so vorsetzen sollte.
Aber dies ist nun wirklich egal. Wichtig ist mir ja immer, dass das Buch gut ist. Bäckereien sind Orte, an denen ich mich gerne herumtreibe und Cornwall, wo dieses Buch spielt, gehört zu den Gegenden, die mich auch irgendwie sehr reizen. Also Frauenroman hin oder her, ich gebe dem Buch dann doch eine Chance.
Jetzt muss ich dazu schreiben, dass ich den ersten Band der Reihe nun leider nicht kenne. Aber ich habe da ja schon meine Erfahrungen darin, trotzdem die Bücher zu lesen. Gut, nun begebe ich mich also mal nach Cornwall und betrete die Bäckerei, in der Polly als Bäckerin arbeitet und dort Brot und andere Backwaren mit frischen Zutaten macht. Man merkt sofort, Polly liebt das Backen und backt mit viel Liebe. Lustig ist vor allem der Papageientaucher Neil, der irgendwie immer hinter Polly herdackelt. Selbst in der Bäckerei lässt er Polly nicht alleine. Dass dies vielleicht etwas überspitzt ist, ist glaube ich erstmal. Ich vertrete aber auch die Meinung, Tiere haben nichts in der Backstube zu suchen.
Aber es ist ja „nur“ ein Roman und wichtig ist, so glaube ich, dass man recht schnell das Herz und die Wärme von Polly erkennt. Was aber auch in der Beziehung zu Huckle zu sehen ist, mit dem sie in einem Leuchtturm lebt und man bekommt doch irgendwie ein Gefühl was es auch heißt, in einem Leuchtturm zu wohnen. Es braucht schon ein wenig Enthusiasmus, um diesem ganzen auch etwas abgewinnen zu können.
Das nicht alles glatt geht, ist schon klar. Sie wird aus der Bäckerei vertrieben. Neil, der Papageientaucher, verschwindet, weil er in eine Papageientaucherkolonie gebracht wird. Huckle hilft auf der Farm von seiner Schwägerin aus, da zum einen sein Bruder sich selbst finden muss, zum andern aber Polly und er auch Geld benötigen, damit sie den Leuchtturm halten können, und Polly wieder als Bäckerin arbeiten kann.
Komme ich nun mal zu meinem Fazit. Es ist ein Buch mit einigem an Herz und Gefühlen. Mir hat Neil in der Mitte des Buches ein wenig gefehlt, da er es irgendwie immer wieder geschafft hatte in ein Fettnäpfchen zu treten und somit für viele lustige Momente im Buch gesorgt hatte.
Es lässt sich sehr flüssig lesen und macht auch richtig viel Spaß. Es sind 450 Seiten guter Unterhaltung mit Herz und einer Werbung für die kleinen Bäckereien und kleinen Geschäften und eine Vielfalt in den Brotregalen. Schön ist es doch auch, wenn man in eine Bäckerei, Metzgerei, Buchhandlung oder so hineingeht und erkannt wird. Irgendwie ist es eine Werbung für #Buylocal, weswegen ich dafür bin, dass ihr in das Buch einfach einmal in einer kleinen feinen Buchhandlung reinstöbert, während eurem Urlaub oder in eurer Heimatstadt, und auch dort kauft.
Was ich wohl noch machen werde, ist am Ende des Buches die Rezepte auszuprobieren, die die Autorin dort eingefügt hat. Diese finde ich irgendwie doch sehr passend. Gerne begleite ich auch Polly und die anderen weiter, denn es ist eine schöne Geschichte für zwischendurch mit viel Herz und Gefühl und dies ist auch gut so.

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Bewertung vom 20.02.2022
Happiness
Walter, Charlotte

Happiness


gut

Ich begebe mich mal mit Charlotte Walter auf die Suche nach der ultimativen Glücksformel! Gerhild forscht an einem psychologischen Institut an einer Glücksformel. Sie selbst denkt, wie ja in der Inhaltsangabe schon erwähnt, dass sie glücklich ist. Nur was ist schon „glücklich“? Wenn man einen Freund hat, der irgendwie nur an sich selbst denkt, eine Schwiegermutter, die bei einem lebt, die nur am Meckern ist, und alles negativ sieht, was Gerhild alles für sie macht – kann man da wirklich glücklich sein?
Ist es Glück, wenn man einen Sohn hat, der nur vor dem PC sitzt und spielt? Man muss ja bedenken, dass die Geschichte 1999 spielt. Das war noch zu der Zeit, wo Internetanschlüsse selten mit Flatrate zu bekommen waren.
Dass der ältere Sohn von Gerhild nicht gerade die tollste Beziehung führt, wird einem auch recht schnell klar - spätestens dann, als besagte Freundin Gerhild wegen Geld anpumpt. Das sich dann besagter ältester Sohn im Fernsehen des Geldes wegen „outet“ ist dann das Tüpfelchen auf dem i. Es überrascht dann nicht wirklich, dass es auch in der Ehe der ältesten Tochter ein ewiges auf und nieder gibt.
Es ist ein 140 Seiten langes Buch, welches teilweise Situationen etwas überspitzt darstellt, aber nie plump daherkommt, sondern einen immer wieder zum Lachen anregt, oder zumindest ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert.
Ja, es ist vielleicht vorhersehbar, aber es zaubert eine gewisse Fröhlichkeit und Leichtigkeit ins Gesicht und ins Leben. Aber, und dies muss ich nun einfach mal so sagen, es sind 140 Seiten, die einfach zu schnell vorbeigehen. Man kann es leicht an den Strand, oder ins Schwimmbad mitnehmen und wird einfach gut unterhalten, und dies ist doch auch einiges Wert und kommt viel zu selten.

Bewertung vom 03.12.2021
Meister der Täuschung / Schwert und Krone Bd.1
Ebert, Sabine

Meister der Täuschung / Schwert und Krone Bd.1


ausgezeichnet

Rezension:
Dieses Buch lag nun etliche Wochen bei mir in meinem SUB, völlig zu Unrecht wie ich ja sagen muss und dies schon gleich zum Anfang. Aber bei Historischen Romanen da tue ich mir immer etwas schwer. Nicht wegen des Themas. Es ist vielmehr der zusätzliche Zeitaufwand durch meine Neugier. Ich setze mich hin, recherchiere noch ein wenig über die Personen, Burgen oder Liedern. Und will einfach noch mehr wissen. Eigentlich sehr positiv. Wenn das beim Geschichtsunterricht auch so wäre…
So auch diesmal. Da sitze ich also und lese ein Buch über Barbarossa, einem der berühmtesten Deutschen Kaiser und was mache ich? Ich lese noch mehr über diese Zeit. Und dabei schreibt Frau Ebert schon über fasst alles Erdenkliche. Sie beschreibt die Zeit immer wieder aus dem Blickwinkel der verschiedenen Personen.
Man lernt vieles über die Winkelzüge der einzelnen Grafen im Kampf um die Macht. Man erfährt, dass es völlig normal war, Kinder einfach an andere Höfe zu geben, wie z.B. bei Adela von Vohburg, die immer wieder im Buch in Erscheinung tritt. Ich muss sagen, sie war mir vorher nicht auch nur im Geringsten bekannt. Nun weiß ich, dass sie die Erbin des Egerlandes war, die erste Frau von Kaiser Friedrich, genannt Barbarossa, und noch einiges mehr.
Oder Kunigunde von Bayern, die den Grafen Bernhard von Plötzkau geheiratet hat, die obwohl sie erst 12 oder 13 Jahre alt war, Verantwortung für eine komplette Grafschaft übernommen hat. Einfach beeindruckend! Oder wie sich die Kaiserinwitwe Richenza für ihren Schwiegersohn eingesetzt hat. Es wurden auch einige Familien genannt, die ich vorher nicht kannte und wo ich dann doch erstmal die Suchmaschine befragen musste, um etwas über diese Familien zu lernen.
Sprich, Frau Ebert schafft es, mir die deutsche Geschichte etwas näher zu bringen. Und zwar eine Zeit, über die ich irgendwie nur wenig in der Schule gelernt habe. Klar kenne ich die Kaiserpfalzen und andere wichtige Burgen, aber irgendwie die Personen und wie die miteinander Verwandt waren, dies war mir nie so bekannt.
Mein Fazit ist eigentlich eines, Geschichte kann wirklich richtig interessant sein. Frau Ebert hat das Talent einem die Geschichte näherzubringen. Auch wenn das Buch in Romanform daherkommt, ist doch einiges darin enthalten, was sich eng an der realen Geschichte bewegt, wenn man dies überhaupt so sagen kann. Denn was kann man einige Jahrhunderte später noch mit Bestimmtheit sagen? Man kann nicht wissen, was bestimmte Fürsten gedacht haben, noch nicht einmal das Getane ist sicher! Die Chroniken wurden doch immer von den Siegern geschrieben, also für die Herrscher und wurden von diesen abgenickt. Selber schreiben und lesen konnten viele ja nicht mal.
Toll war auch, dass noch einmal darauf aufmerksam gemacht wurde, dass bestimmte Konflikte, wie mit den Juden und Moslems, schon ewig zu unserer Geschichte gehören, und dass es eigentlich am besten funktioniert, wenn wir von anderen Kulturen lernen, anstatt anderen Kulturen den Kopf einzuschlagen und sie nicht hineinzulassen.
Und was die katholische Kirche betrifft, die war schon immer Meister der Täuschung und hatte schon immer alles so gedreht, wie es für sie sein musste. Aber dies steht auf einem anderen Blatt.
Ich bin total gespannt, wie es weitergeht, zumal ich gerne mehr über Barbarossa, Kunigunde von Bayern und Adela von Vohburg erfahren möchte. Für mich ist es ein gelungener und wichtiger Auftakt zu einer Reihe, der ebenso zeigt, dass auch Frauen für unsere Geschichte wichtig waren. Gerne möchte ich darüber noch einiges lesen und lernen.

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Bewertung vom 29.08.2021
Winter in Maine
Donovan, Gerard

Winter in Maine


ausgezeichnet

Ich bin seit neuestem im Liebigs Lesezirkel, ein Lesezirkel der Freeschool in Gießen. Sprich, ich weiß nicht was ich lesen möchte, also baue ich meinen SUB durch einen Lesezirkel noch ein wenig auf. Aber ansonsten kämme ich auch nicht auf die Idee, Winter in Maine am Anfang des Sommers zu lesen.
Scherz beiseite. Es geht mir darum, dass man sich real mal über Bücher austauscht und nicht nur virtuell. Also gesagt getan. Da ich gerade ein wenig Luft und Lust darauf hatte, dieses Buch zu lesen, habe ich mich an Winter in Maine gesetzt - ausnahmsweise mal als E-Book.
Und was soll ich sagen, es wurde richtig kalt. Wir sind im nördlichsten Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika außerhalb von Alaska, direkt an der Grenze zu Kanada. Dort lebt Julius Winsome in einer Jagdhütte mitten in den Wäldern - zusammen mit 3282 Büchern. Also ich kann mir schlechtere Mitbewohner vorstellen, wie so eine „kleine“ Bibliothek. Er hat seit seiner Geburt immer in dem Haus gelebt, zusammen mit seinem Vater und Großvater, bis diese beiden gestorben sind. Sein Vater war eher der schweigsame Mensch und Julius ist wohl die Steigerung von ihm, da er bis auf seine beiden Jobs im Sommer keinen richtigen Kontakt zu Menschen hatte.
Auf einmal steht Claire vor seiner Tür und er verliebt sich in sie. Sie ist ein paar Monate lang fast jeden Tag bei Julius und kommt auch auf die Idee den Hund Hobbes anzuschaffen. Nach ein paar Monaten verlässt Claire Julius wieder, der dann wieder alleine mit seinen Büchern und dem Hund Hobbes ist.
Als dieser in der Nähe der Hütte erschossen wird, beschließt Julius den Täter zu jagen und mit der Enfield, dem Gewehr seines Großvaters, zu erschießen. Er kann damit seit seiner Kindheit umgehen.
Alles in allem ist es ein Roman, der einem gelegentlich ganz schön nahe geht. Er handelt von Liebe, Einsamkeit und was das alles aus einem machen kann, die Kälte im Norden von Maine und noch einiges mehr. Ich selbst bin in einen Sog geraten, der mir teilweise echt Angst gemacht hat. Ich konnte mich wirklich gut in Julius hineinversetzen und gerade dies machte mir Angst, da ich den Gedanken hatte, wie dicht bin ich selbst an diesem Julius Winsome?
Was die Bücher betrifft, da kann ich sagen, da bin ich weit, weit weg. Shakespeare ist auch nicht mein Fall und was Waffen betrifft, da bin ich noch weiter weg wie bei den Büchern. Gespräche mit Menschen führe ich auch täglich - mal mehr, mal weniger, aber irgendwie doch regelmäßig. Aber trotzdem hatte ich den Gedanken, dass so etwas auch in mir stecken könnte.
Dieses Buch hat mich sehr berührt, ähnlich wie die Schachnovelle von Stefan Zweig oder der Steppenwolf von Hermann Hesse. Warum dies so ist? Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung, aber ich weiß eines, dieses Buch hat das Zeug zu einem Klassiker auch weil man so schön in die eigenen Abgründe schauen kann.

Bewertung vom 14.07.2021
Inspektor Takeda und der leise Tod / Inspektor Takeda Bd.2
Siebold, Henrik

Inspektor Takeda und der leise Tod / Inspektor Takeda Bd.2


ausgezeichnet

Ich hatte ja schon mal einen Inspektor, der von Deutschland nach Japan gegangen ist, aber einen Japaner, der nach Deutschland gekommen ist, ist mir noch nicht untergekommen.
Der erste Schock, war eigentlich gleich das tote Baby, welches von einem Balkon auf die Erde geworfen wurde. Der Schuldige wurde recht schnell gefunden und legte auch schnell ein Geständnis ab. Er stand vollkommen unter Drogen, genauer gesagt unter Crystal Meth. Es wird recht einfach und klar geschildert, wie kaputt man durch diese Drogen werden kann. Wie Herr Siebold die Wohnung, der jungen Familie, die Mutter und besagten Täter beschrieben hat, war schon sehr erschreckend.
Dann kommt der vorher erwähnte Star der Internetszene ins Spiel. Dieser liegt vor seiner Wohnung auf der Straße und ist überfahren worden. Und man glaubt es kaum, es gibt etliche verdächtige, da er nicht nur im Berufsleben ein Ekel war, sondern auch im Privatleben. Dass dies einige Menschen auf den Plan ruft, die ihn lieber tot wie lebendig sehen wollten, kann man sich ja denken, zumal auch noch einiges darauf hindeutet, dass er auch noch mit Drogen dealte.
Dass Inspektor Takeda sich auch noch zu der Witwe des Opfers hingezogen fühlt, macht die ganze Konstellation nicht gerade einfacher, wobei ich auch immer wieder das Gefühl habe, dass es zwischen Ken und seiner Kollegin Claudia Harms ein wenig knistert, oder ist es ein wenig mehr?
Nebenbei wird noch ein Drogenring ausgehoben, da alle Spuren im ersten Moment auf das Drogenumfeld hindeuten. Auch der Fall des Babys kommt wieder in den Focus der Ermittlungen, da es doch eine Verstrickung der beiden Fälle gibt.
Es wird also einiges geboten auf den 352 Seiten, zumal Inspektor Takeda irgendwie seine eigene Art hat wie er ermittelt. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass ein japanischer Inspektor so ermitteln und auch so funktionieren, so ticken, könnte.
Es gibt einige Situationen, wo man zumindest schmunzeln kann. Da gibt es zum Beispiel die Szene, wo Takeda total übermüdet ist und bei der Besprechung schläft und jeder denkt, dass er konzentriert zu hört. Wie gesagt, man muss gelegentlich einmal schmunzeln, und man erkennt immer wieder, dass alles nicht immer so ist, wie es im ersten Moment zu sein scheint.
Egal ob dies nun die Täter sind, oder ob es das Geld ist, was einen im ersten Moment blendet, alles hat seinen Hintergrund. Kenjiro Takeda ist in meinen Augen ein Inspektor, welcher noch lange in Deutschland bleiben darf und der noch einiges an Potential hat, zumal die Geschichte der beiden Hauptakteure noch lange nicht am Ende ist. Der Krimi ist intelligent geschrieben, und angenehm zu lesen.
Für mich eine der Entdeckungen der letzten Monate und bitte behaltet dieses Niveau bei, möchte ich dem Verlag zurufen.

Bewertung vom 16.06.2021
Das Mädchen aus Apulien (MP3-Download)
Lorentz, Iny

Das Mädchen aus Apulien (MP3-Download)


ausgezeichnet

Es ist mir schon richtig peinlich, wie lange ich gebraucht habe, um endlich das Buch zu hören und etwas darüber zu schreiben. Bei einem kurzen Blick auf die Homepage war ich schon wirklich erleichtert, dass noch kein neues Buch von Iny Lorentz erschienen ist. Es ist schon heftig, wenn die Lieblingsautoren schneller schreiben, als man selber lesen kann. Nachdem ich nun in letzter Zeit viele Krimis und Thriller gehört hatte, war es einfach wieder Zeit für einen gut recherchierten historischen Roman, der einen aus der (g)rauen Wirklichkeit in eine noch viel rauere Vergangenheit bringt. Einfach mal wieder abschalten und in eine alternative Realität flüchten. Das geht mit den Romanen von Iny Lorentz ausgesprochen gut. Man kann sich wunderbar in der Vergangenheit verlieren.
Diesmal geht es zurück in die Zeit von Kaiser Friedrich II. (1194 – 1250). Und nein, es ist nicht Barbarossa. Das war Friedrich I., der Großvater. Gemeinsam hatten sie allerdings auch den ständigen Streit mit dem Papst, von dem beide auch exkommuniziert wurden. Zur damaligen Zeit eine echte Strafe. Dieser intensive Glaube der Zeit zeigt sich auch gleich zu Beginn des Romans als Pandolfina, Marquesa de Montcoeur, um ihren Vater trauert und in der Sorge um sein Seelenheil vergeht, da der Priester wie vom Erdboden verschluckt ist und nicht mit ihr in der Kapelle betet und bei seinem höchsten Herren ein gutes Wort für den Verstorbenen einlegt. Der geneigte Leser (oder Zuhörer) ahnt schon, dass es dieser Priester faustdick hinter den Ohren hat. Insgesamt kommt der Klerus in diesem Roman besonders schlecht weg. Passt aber auch zu den historischen Fakten. Da Friedrich II. mit vier Jahren zur Vollwaise wurde, übernahm Papst Innozenz II. die Vormundschaft, und nutzte dies genauso aus wie andere weltliche Berater. Diese Skepsis gegenüber anderen, die es vermeintlich gut mit einem meinen eint auch Pandolfina, die nun alles daran setzt ihren väterlichen Besitz zurück zu erhalten, und Kaiser Friedrich.
Pandolfina ist eigentlich eine typische Heldin bei Iny Lorentz – eine starke Frau mit herausragender Persönlichkeit, die sich gegen die strengen Regeln der damaligen Zeit auflehnt. Mal tut sie dies mit brachialer Gewalt, mal mit List und Tücke, aber wie auch immer sie kommt zu ihrem Ziel, auch wenn sich diese im Laufe der Erzählung verändert. Klingt jetzt ein wenig verwirrend? Ja, Verwirrungen gibt es auch im Roman und wenn ich mich deutlicher ausdrücke, nehme ich der Geschichte zu viel vorweg.
Insgesamt wieder eine sehr gelungene Erzählung aus der bewährten Feder von Iny Lorentz. Für mich hat der Roman die perfekte Mischung aus historischen Fakten, Phantasie und eine Prise Romantik. Als Mittelhessin habe ich mich auch sehr über die kleine Episode in Marburg zur Erhebung der Gebeine der Heiligen Elisabeth. Auch dies ein historisch belegter Fakt, der mich noch mal kurz zur eigenen schnellen Suche im Geschichtsbuch veranlasst hat. Die Burgruine Löwenstein werde ich mir mal anschauen. So wird ein historischer Roman auch zur Anregung für Ausflüge in die Umgebung..

Bewertung vom 26.05.2021
Der Moment, bevor du stirbst
Schiller, B. C.

Der Moment, bevor du stirbst


gut

Irgendwie komme ich mit dem Thriller noch nicht so ganz klar. Ich frage mich, warum ist das so ist. Ist es, weil der Böse gleich bekannt ist und somit die Suche entfällt, man sich stattdessen die Frage stellt, wie klopft sie ihn nun weich? Sprich, wie kommt es nun zum Showdown und welche der beiden Personen ist nun der dunklere Mensch? Ist es nun Targa oder doch Falk und was hat der Gefangene im Hochsicherheitsgefängnis irgendwo mitten auf der Nordsee mit dem ganzen zu tun?
Dies sind so die Fragen, welche ich mir auch nach dem Beenden des Buches immer wieder stelle. Wer war nun die dunklere Person – Targa, oder doch Falk Sandmann? So stellen es zumindest der Verlag und die Autoren im Teaser für das Buch dar. Für mich war der schlechtere Mensch eindeutig Falk. Targa wird als Autistin einfach missverstanden, wobei dies vom Autorenehepaar doch noch etwas mehr herausgearbeitet worden sein könnte. Sie kommt etwas kälter rüber als andere Menschen. Autisten wie Targa haben oft auch eine bestimmte Inselbegabung, sie nur auf das Sortieren von Büchern oder Gegenständen zu reduzieren, finde ich etwas schwach.
Da Targa ja nicht genau weiß, wer ihre Eltern waren oder sind, finde ich es etwas schade, dass der Mann im Hochsicherheitsgefängnis an Krebs stirbt, kurz nachdem er Targa gerettet hat. Ich hätte mir doch eine etwas längere Rolle gewünscht, zumal er ja wegen ihr ausgebrochen ist.
So bleibt es gelegentlich doch etwas langatmig. Da man ja weiß wer der Täter ist, ist einem diese Spannung genommen. Die Frage ist einfach, wann macht er den entscheidenden Fehler? Dies führt dazu, dass einiges doch recht konstruiert wirkt.
Aber es ist eine interessante Geschichte, die doch auch zu überzeugen weiß, zumal die Hauptperson einige interessante Punkte aufweist, die mich sicherlich dazu bewegen werden, weitere Bücher zu kaufen und zu lesen. Dafür müsste sie aber noch etwas Tiefe bekommen, denn alleine nur an dem etwas anderen Konzept, kann man keine neue Reihe aufbauen. Aber wie gesagt, Targa bietet einiges an Potenzial, welches im ersten Band leider noch nicht so ganz abgerufen wurde. Vieles wirkte noch etwas konstruiert, wobei ich denke, dass dies vielleicht auch ein Stück weit die Absicht der Autoren war, um nicht gleich das ganze Pulver im ersten Band zu verschießen. Ich bin gespannt, und werde meine Augen nach dem nächsten Band offenhalten.

Bewertung vom 13.03.2021
Ein Wollschwein im Wohnzimmer / Tildas Tierbande Bd.1
Lott, Anna

Ein Wollschwein im Wohnzimmer / Tildas Tierbande Bd.1


sehr gut

Kinderbücher von Anna Lott, da mache ich mittlerweile wirklich nur ein Check und ich lese sie. Aber dies hat sich die Autorin auch hart erarbeitet! Denn die beiden Bücher der Reihe Luzies verrückte Welt mit dem Nacktmeerschweinchen Hektor und Luzie sind in meinen Augen einfach schön gemacht und lustig.
Und jetzt kam Tildas Tierbande raus. Ein Wollschwein im Wohnzimmer und irgendwie ist es ein toller Start - vielleicht in eine neue Reihe? Ich hoffe es zumindest, dass noch mindestens ein Buch kommt. Denn irgendwie lernt man die Tierbande richtig angenehm kennen. Tilda zieht in die Reihenhaussiedlung und lernt dort als erstes Tomma kennen. Die wird innerhalb von wenigen Stunden zu Tildas bester Freundin.
Sie lernen den Bauern Hartmut kennen, der die Tiere Wollschwein Muffin, Wollhuhn Kasi und das Angorakaninchen Wühler in einem Stall hält. Vor allem Muffin sorgt immer wieder für lustige Begebenheiten. Am Anfang frisst es die Schnapspralinen von Tildas Mutter, wodurch es einen Rausch bekommt.
Wirklich eine lustige Situation, durch die Tilda und Tomma Freundinnen werden und den Bauern kennenlernen. Jetzt wollen sie die drei Tiere pflegen. Tilda sucht sich Muffin aus (oder ist es umgekehrt?) und Tomma nimmt Kasi. So brauchen sie dann noch eine Person für Wühler, also veranstalten sie ein Casting.
Es bewerben sich auch die Jungen Gregor, Gonzo und Gabriel, aber Wühler entscheidet sich für Tati. Was zu einer kleinen Störung im miteinander führt.
Wie das ganze ausgeht? Einfach selbst lesen! Ich kann nur eines sagen, es ist einfach schön, wobei die kleinen Zeichnungen von Verena Körting die ganze Atmosphäre etwas auflockern und alles noch wärmer machen.
Für mich ist es ein absoluter Kauf-Tipp, da mich Anna Lott wieder einmal nicht enttäuscht hat. Allerdings wünsche ich mir doch auch noch, dass die Luzie-Serie weitergeführt wird, aber so lange sie weiterhin solche Kinderbücher für Mädchen schreibt, kann ich ihr dies verzeihen und hoffe, dass viele Leserinnen gefunden werden.
Gehen sie doch einfach einmal in die nächste Buchhandlung, schauen sie mal in das Buch hinein, und sie werden wissen, was ich meine.

Bewertung vom 08.03.2021
Dramatische Werke
Loriot

Dramatische Werke


gut

Ich liebe Loriot! Über seine kleinen Zeichentricksketche habe ich schon als Kind gelacht. Es war immer ein Kampf, donnerstags bis zum Schluss von „Der Große Preis“ aufbleiben zu dürfen, damit man nichts von Wum und Wendelin verpasst hat. Da habe ich auch das erste Mal den Sketch mit der Badeente gesehen. Natürlich wusste ich mit acht Jahren noch nicht wer Loriot ist, aber das Wissen zur Person kam dann im Nachgang.
Vor diesem Hintergrund habe ich mich riesig auf das Hörbuch gefreut. Leider muss ich sagen, dass ich ziemlich enttäuscht war. Ich bin gleich zu Track 15, den „Herren im Bad“ gesprungen. Dem Stück fehlt einfach der Pfiff. Mir war ja von Anfang an bewusst, dass jemand anderes liest und es somit anders klingen wird als gewohnt. Das kennt man ja von vielen Bunten Abenden, wo von die Dramatischen Werke von Loriot gerne nachgespielt werden. Da steht und fällt der Erfolg mit dem Stil der Darbietung und auch der sprachlichen Ausführung.
Außer dem eigentlichen Dialog werden auch die szenischen Aktionen erzählt, allerdings finde ich, dass die Unterscheidung oft etwas schwer fällt. Die beiden Sprecher erscheinen mir in den Rollen meist zu neutral. Mir fehlt in deren Stimmen im Streit um die Badeente einfach die Emotion. Der Funke springt nicht über.
Bei Track 2, der „Das Frühstücksei“, hingegen ist der Versuch der stimmlichen Interpretation für meine Begriffe über das Ziel hinausgeschossen. Die Frau klang so unangenehm schrill, dass ich mich tatsächlich etwas erschreckt habe. Eher ungewöhnlich für mich, da mich normaler Weise nicht mal ein Thriller aus dem Konzept bringt.
Das waren jetzt mal die Extreme. Stermann & Grissemann machen prinzipiell einen ordentlichen Job, allerdings haben sie einfach das Problem, dass sie mit einer ganz großen Person verglichen werden. Da hängt die Latte besonders hoch. Man vergleicht es unterbewusst immer wieder mit dem, was man früher im Fernsehen gesehen hat. Da kommen sie einfach nicht ran. Alles in allem kein Hörbuch für jemanden, der mit Loriot aufgewachsen ist und für den Weihnachten ohne die Hoppenstedts nicht komplett