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Bewertungen

Insgesamt 188 Bewertungen
Bewertung vom 14.07.2021
Inspektor Takeda und der leise Tod / Inspektor Takeda Bd.2
Siebold, Henrik

Inspektor Takeda und der leise Tod / Inspektor Takeda Bd.2


ausgezeichnet

Ich hatte ja schon mal einen Inspektor, der von Deutschland nach Japan gegangen ist, aber einen Japaner, der nach Deutschland gekommen ist, ist mir noch nicht untergekommen.
Der erste Schock, war eigentlich gleich das tote Baby, welches von einem Balkon auf die Erde geworfen wurde. Der Schuldige wurde recht schnell gefunden und legte auch schnell ein Geständnis ab. Er stand vollkommen unter Drogen, genauer gesagt unter Crystal Meth. Es wird recht einfach und klar geschildert, wie kaputt man durch diese Drogen werden kann. Wie Herr Siebold die Wohnung, der jungen Familie, die Mutter und besagten Täter beschrieben hat, war schon sehr erschreckend.
Dann kommt der vorher erwähnte Star der Internetszene ins Spiel. Dieser liegt vor seiner Wohnung auf der Straße und ist überfahren worden. Und man glaubt es kaum, es gibt etliche verdächtige, da er nicht nur im Berufsleben ein Ekel war, sondern auch im Privatleben. Dass dies einige Menschen auf den Plan ruft, die ihn lieber tot wie lebendig sehen wollten, kann man sich ja denken, zumal auch noch einiges darauf hindeutet, dass er auch noch mit Drogen dealte.
Dass Inspektor Takeda sich auch noch zu der Witwe des Opfers hingezogen fühlt, macht die ganze Konstellation nicht gerade einfacher, wobei ich auch immer wieder das Gefühl habe, dass es zwischen Ken und seiner Kollegin Claudia Harms ein wenig knistert, oder ist es ein wenig mehr?
Nebenbei wird noch ein Drogenring ausgehoben, da alle Spuren im ersten Moment auf das Drogenumfeld hindeuten. Auch der Fall des Babys kommt wieder in den Focus der Ermittlungen, da es doch eine Verstrickung der beiden Fälle gibt.
Es wird also einiges geboten auf den 352 Seiten, zumal Inspektor Takeda irgendwie seine eigene Art hat wie er ermittelt. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass ein japanischer Inspektor so ermitteln und auch so funktionieren, so ticken, könnte.
Es gibt einige Situationen, wo man zumindest schmunzeln kann. Da gibt es zum Beispiel die Szene, wo Takeda total übermüdet ist und bei der Besprechung schläft und jeder denkt, dass er konzentriert zu hört. Wie gesagt, man muss gelegentlich einmal schmunzeln, und man erkennt immer wieder, dass alles nicht immer so ist, wie es im ersten Moment zu sein scheint.
Egal ob dies nun die Täter sind, oder ob es das Geld ist, was einen im ersten Moment blendet, alles hat seinen Hintergrund. Kenjiro Takeda ist in meinen Augen ein Inspektor, welcher noch lange in Deutschland bleiben darf und der noch einiges an Potential hat, zumal die Geschichte der beiden Hauptakteure noch lange nicht am Ende ist. Der Krimi ist intelligent geschrieben, und angenehm zu lesen.
Für mich eine der Entdeckungen der letzten Monate und bitte behaltet dieses Niveau bei, möchte ich dem Verlag zurufen.

Bewertung vom 16.06.2021
Das Mädchen aus Apulien - Fool's Gold Novelle (MP3-Download)
Lorentz, Iny

Das Mädchen aus Apulien - Fool's Gold Novelle (MP3-Download)


ausgezeichnet

Es ist mir schon richtig peinlich, wie lange ich gebraucht habe, um endlich das Buch zu hören und etwas darüber zu schreiben. Bei einem kurzen Blick auf die Homepage war ich schon wirklich erleichtert, dass noch kein neues Buch von Iny Lorentz erschienen ist. Es ist schon heftig, wenn die Lieblingsautoren schneller schreiben, als man selber lesen kann. Nachdem ich nun in letzter Zeit viele Krimis und Thriller gehört hatte, war es einfach wieder Zeit für einen gut recherchierten historischen Roman, der einen aus der (g)rauen Wirklichkeit in eine noch viel rauere Vergangenheit bringt. Einfach mal wieder abschalten und in eine alternative Realität flüchten. Das geht mit den Romanen von Iny Lorentz ausgesprochen gut. Man kann sich wunderbar in der Vergangenheit verlieren.
Diesmal geht es zurück in die Zeit von Kaiser Friedrich II. (1194 – 1250). Und nein, es ist nicht Barbarossa. Das war Friedrich I., der Großvater. Gemeinsam hatten sie allerdings auch den ständigen Streit mit dem Papst, von dem beide auch exkommuniziert wurden. Zur damaligen Zeit eine echte Strafe. Dieser intensive Glaube der Zeit zeigt sich auch gleich zu Beginn des Romans als Pandolfina, Marquesa de Montcoeur, um ihren Vater trauert und in der Sorge um sein Seelenheil vergeht, da der Priester wie vom Erdboden verschluckt ist und nicht mit ihr in der Kapelle betet und bei seinem höchsten Herren ein gutes Wort für den Verstorbenen einlegt. Der geneigte Leser (oder Zuhörer) ahnt schon, dass es dieser Priester faustdick hinter den Ohren hat. Insgesamt kommt der Klerus in diesem Roman besonders schlecht weg. Passt aber auch zu den historischen Fakten. Da Friedrich II. mit vier Jahren zur Vollwaise wurde, übernahm Papst Innozenz II. die Vormundschaft, und nutzte dies genauso aus wie andere weltliche Berater. Diese Skepsis gegenüber anderen, die es vermeintlich gut mit einem meinen eint auch Pandolfina, die nun alles daran setzt ihren väterlichen Besitz zurück zu erhalten, und Kaiser Friedrich.
Pandolfina ist eigentlich eine typische Heldin bei Iny Lorentz – eine starke Frau mit herausragender Persönlichkeit, die sich gegen die strengen Regeln der damaligen Zeit auflehnt. Mal tut sie dies mit brachialer Gewalt, mal mit List und Tücke, aber wie auch immer sie kommt zu ihrem Ziel, auch wenn sich diese im Laufe der Erzählung verändert. Klingt jetzt ein wenig verwirrend? Ja, Verwirrungen gibt es auch im Roman und wenn ich mich deutlicher ausdrücke, nehme ich der Geschichte zu viel vorweg.
Insgesamt wieder eine sehr gelungene Erzählung aus der bewährten Feder von Iny Lorentz. Für mich hat der Roman die perfekte Mischung aus historischen Fakten, Phantasie und eine Prise Romantik. Als Mittelhessin habe ich mich auch sehr über die kleine Episode in Marburg zur Erhebung der Gebeine der Heiligen Elisabeth. Auch dies ein historisch belegter Fakt, der mich noch mal kurz zur eigenen schnellen Suche im Geschichtsbuch veranlasst hat. Die Burgruine Löwenstein werde ich mir mal anschauen. So wird ein historischer Roman auch zur Anregung für Ausflüge in die Umgebung..

Bewertung vom 26.05.2021
Der Moment, bevor du stirbst
Schiller, B. C.

Der Moment, bevor du stirbst


gut

Irgendwie komme ich mit dem Thriller noch nicht so ganz klar. Ich frage mich, warum ist das so ist. Ist es, weil der Böse gleich bekannt ist und somit die Suche entfällt, man sich stattdessen die Frage stellt, wie klopft sie ihn nun weich? Sprich, wie kommt es nun zum Showdown und welche der beiden Personen ist nun der dunklere Mensch? Ist es nun Targa oder doch Falk und was hat der Gefangene im Hochsicherheitsgefängnis irgendwo mitten auf der Nordsee mit dem ganzen zu tun?
Dies sind so die Fragen, welche ich mir auch nach dem Beenden des Buches immer wieder stelle. Wer war nun die dunklere Person – Targa, oder doch Falk Sandmann? So stellen es zumindest der Verlag und die Autoren im Teaser für das Buch dar. Für mich war der schlechtere Mensch eindeutig Falk. Targa wird als Autistin einfach missverstanden, wobei dies vom Autorenehepaar doch noch etwas mehr herausgearbeitet worden sein könnte. Sie kommt etwas kälter rüber als andere Menschen. Autisten wie Targa haben oft auch eine bestimmte Inselbegabung, sie nur auf das Sortieren von Büchern oder Gegenständen zu reduzieren, finde ich etwas schwach.
Da Targa ja nicht genau weiß, wer ihre Eltern waren oder sind, finde ich es etwas schade, dass der Mann im Hochsicherheitsgefängnis an Krebs stirbt, kurz nachdem er Targa gerettet hat. Ich hätte mir doch eine etwas längere Rolle gewünscht, zumal er ja wegen ihr ausgebrochen ist.
So bleibt es gelegentlich doch etwas langatmig. Da man ja weiß wer der Täter ist, ist einem diese Spannung genommen. Die Frage ist einfach, wann macht er den entscheidenden Fehler? Dies führt dazu, dass einiges doch recht konstruiert wirkt.
Aber es ist eine interessante Geschichte, die doch auch zu überzeugen weiß, zumal die Hauptperson einige interessante Punkte aufweist, die mich sicherlich dazu bewegen werden, weitere Bücher zu kaufen und zu lesen. Dafür müsste sie aber noch etwas Tiefe bekommen, denn alleine nur an dem etwas anderen Konzept, kann man keine neue Reihe aufbauen. Aber wie gesagt, Targa bietet einiges an Potenzial, welches im ersten Band leider noch nicht so ganz abgerufen wurde. Vieles wirkte noch etwas konstruiert, wobei ich denke, dass dies vielleicht auch ein Stück weit die Absicht der Autoren war, um nicht gleich das ganze Pulver im ersten Band zu verschießen. Ich bin gespannt, und werde meine Augen nach dem nächsten Band offenhalten.

Bewertung vom 13.03.2021
Ein Wollschwein im Wohnzimmer / Tildas Tierbande Bd.1
Lott, Anna

Ein Wollschwein im Wohnzimmer / Tildas Tierbande Bd.1


sehr gut

Kinderbücher von Anna Lott, da mache ich mittlerweile wirklich nur ein Check und ich lese sie. Aber dies hat sich die Autorin auch hart erarbeitet! Denn die beiden Bücher der Reihe Luzies verrückte Welt mit dem Nacktmeerschweinchen Hektor und Luzie sind in meinen Augen einfach schön gemacht und lustig.
Und jetzt kam Tildas Tierbande raus. Ein Wollschwein im Wohnzimmer und irgendwie ist es ein toller Start - vielleicht in eine neue Reihe? Ich hoffe es zumindest, dass noch mindestens ein Buch kommt. Denn irgendwie lernt man die Tierbande richtig angenehm kennen. Tilda zieht in die Reihenhaussiedlung und lernt dort als erstes Tomma kennen. Die wird innerhalb von wenigen Stunden zu Tildas bester Freundin.
Sie lernen den Bauern Hartmut kennen, der die Tiere Wollschwein Muffin, Wollhuhn Kasi und das Angorakaninchen Wühler in einem Stall hält. Vor allem Muffin sorgt immer wieder für lustige Begebenheiten. Am Anfang frisst es die Schnapspralinen von Tildas Mutter, wodurch es einen Rausch bekommt.
Wirklich eine lustige Situation, durch die Tilda und Tomma Freundinnen werden und den Bauern kennenlernen. Jetzt wollen sie die drei Tiere pflegen. Tilda sucht sich Muffin aus (oder ist es umgekehrt?) und Tomma nimmt Kasi. So brauchen sie dann noch eine Person für Wühler, also veranstalten sie ein Casting.
Es bewerben sich auch die Jungen Gregor, Gonzo und Gabriel, aber Wühler entscheidet sich für Tati. Was zu einer kleinen Störung im miteinander führt.
Wie das ganze ausgeht? Einfach selbst lesen! Ich kann nur eines sagen, es ist einfach schön, wobei die kleinen Zeichnungen von Verena Körting die ganze Atmosphäre etwas auflockern und alles noch wärmer machen.
Für mich ist es ein absoluter Kauf-Tipp, da mich Anna Lott wieder einmal nicht enttäuscht hat. Allerdings wünsche ich mir doch auch noch, dass die Luzie-Serie weitergeführt wird, aber so lange sie weiterhin solche Kinderbücher für Mädchen schreibt, kann ich ihr dies verzeihen und hoffe, dass viele Leserinnen gefunden werden.
Gehen sie doch einfach einmal in die nächste Buchhandlung, schauen sie mal in das Buch hinein, und sie werden wissen, was ich meine.

Bewertung vom 08.03.2021
Dramatische Werke, 1 Audio-CD
Loriot

Dramatische Werke, 1 Audio-CD


gut

Ich liebe Loriot! Über seine kleinen Zeichentricksketche habe ich schon als Kind gelacht. Es war immer ein Kampf, donnerstags bis zum Schluss von „Der Große Preis“ aufbleiben zu dürfen, damit man nichts von Wum und Wendelin verpasst hat. Da habe ich auch das erste Mal den Sketch mit der Badeente gesehen. Natürlich wusste ich mit acht Jahren noch nicht wer Loriot ist, aber das Wissen zur Person kam dann im Nachgang.
Vor diesem Hintergrund habe ich mich riesig auf das Hörbuch gefreut. Leider muss ich sagen, dass ich ziemlich enttäuscht war. Ich bin gleich zu Track 15, den „Herren im Bad“ gesprungen. Dem Stück fehlt einfach der Pfiff. Mir war ja von Anfang an bewusst, dass jemand anderes liest und es somit anders klingen wird als gewohnt. Das kennt man ja von vielen Bunten Abenden, wo von die Dramatischen Werke von Loriot gerne nachgespielt werden. Da steht und fällt der Erfolg mit dem Stil der Darbietung und auch der sprachlichen Ausführung.
Außer dem eigentlichen Dialog werden auch die szenischen Aktionen erzählt, allerdings finde ich, dass die Unterscheidung oft etwas schwer fällt. Die beiden Sprecher erscheinen mir in den Rollen meist zu neutral. Mir fehlt in deren Stimmen im Streit um die Badeente einfach die Emotion. Der Funke springt nicht über.
Bei Track 2, der „Das Frühstücksei“, hingegen ist der Versuch der stimmlichen Interpretation für meine Begriffe über das Ziel hinausgeschossen. Die Frau klang so unangenehm schrill, dass ich mich tatsächlich etwas erschreckt habe. Eher ungewöhnlich für mich, da mich normaler Weise nicht mal ein Thriller aus dem Konzept bringt.
Das waren jetzt mal die Extreme. Stermann & Grissemann machen prinzipiell einen ordentlichen Job, allerdings haben sie einfach das Problem, dass sie mit einer ganz großen Person verglichen werden. Da hängt die Latte besonders hoch. Man vergleicht es unterbewusst immer wieder mit dem, was man früher im Fernsehen gesehen hat. Da kommen sie einfach nicht ran. Alles in allem kein Hörbuch für jemanden, der mit Loriot aufgewachsen ist und für den Weihnachten ohne die Hoppenstedts nicht komplett

Bewertung vom 25.02.2021
Der Krieg der Welten, 4 Audio-CDs
Wells, H. G.

Der Krieg der Welten, 4 Audio-CDs


gut

„Krieg der Welten“ – das ist doch der Film mit Tom Cruise. Ja, auch, aber zu erst war das Buch!

Diesen Satz habe ich leider wirklich gehört, als ich erzählte, welches Hörbuch ich gerade im Auto habe. Allerdings muss ich auch zugeben, dass mir zuerst das Hörspiel von Orson Wells ins Gedächtnis kam. Eine gelungene Adaption des Buches von H.G. Wells. Beim Hören schossen mir plötzlich Bilder einer alten Serie durch den Kopf. Die Maschinen sahen genau so aus, wie H.G. Wells sie beschreibt. Da musste ich erst mal recherchieren, was es mit den dreibeinigen Herrschern auf sich hat. Die Serie gab es tatsächlich in den 1980er Jahren unter dem Titel, allerdings basierte sie auf den Büchern eines ganz anderen Autors. Bei der Ähnlichkeit der beschriebenen Maschinen, würde ich jetzt fast behaupten, da wurde erfolgreich abgeschrieben. Jetzt habe ich hier aber eine andere Version vor mir liegen, die direkt auf dem Buch von H.G. Wells basiert ist.

Zur Geschichte selber möchte ich nicht zu viel sagen, das nimmt immer die Spannung. Die Umsetzung als Hörspiel ist sehr gelungen. Die menschlichen und gesellschaftlichen Abgründe, die H.G. Wells beschrieben hat wurden sehr schön herausgearbeitet, ohne aufdringlich zu sein. Das Buch stammt aus dem Jahre 1898. Eine Zeit, in der Rassismus in Europa fast normal war. Die Möglichkeit, dass ein Farbiger überhaupt studieren könnte, war damals fast undenkbar. Obwohl 1865 die Sklaverei in den USA abgeschafft wurde, hieß das noch lange nicht, dass alle die gleichen Rechte hatten. Somit ist die Figur des Astronomen Charles Ogilvy schon etwas besonders der damaligen Zeit. Heute würde glücklicher Weise kein Hahn mehr danach krähen. Der Rassismus der Zeit zeigt sich deutlich während der Flucht von Norma Ogilvy und Cillian McBiggs vor den Invasoren aus dem Weltall.

Ein andere interessanter Aspekt ist die Karikatur der britischen Kolonialpolitik. Ende des 19. Jahrhunderts war das British Empire auf der Blüte seiner Größe. Queen Victoria feierte im Jahr vor der Erscheinung des Romans ihr Diamantenes Thronjubiläum. Das Empire herrschte über die halbe Welt, so war der Eindruck. Nun kommen aber diese Aliens auf die Erde und erobern sie – und damit fangen sie ausgerechnet in einem der größten und wichtigsten Staaten an. Sie verhalten sich wie jede Kolonialmacht. Sie beuten das eroberte Gebiet erbarmungslos aus. Allerdings wird dieses Verhalten nun als unmenschlich empfunden, da die sonst Herrschaftsverwöhnten nun auf der anderen Seite der Nahrungskette stehen. Keine irdische Militärmacht kann etwas gegen die Invasoren ausrichten. Das kleinste und vermeintlich unwichtigste Lebewesen gibt den Ausschlag. Mehr aber nun nicht zum Ende.

Die Hörspielumsetzung hat tolle Sprecher, auch die Musik und Geräuschkulisse ist passend – manchmal allerdings etwas unverhältnismäßig laut. Wenn man sich das Autoradio so eingestellt hat, dass man auch die leisen Passagen gut verstehen kann, haut es einem manchmal fast das Trommelfell raus, wenn es nahtlos brachial laut wird. Das ist aber auch wirklich der einzige, winzige Negativpunkt. Ein spannendes Hörspiel für Teenager und Erwachsene.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.01.2021
Der Näher / Martin Abel Bd.3
Löffler, Rainer

Der Näher / Martin Abel Bd.3


sehr gut

Da bin ich wieder bei dem Thema: Ich will alles kennen, kann es aber eindeutig nicht. Rainer Löffler - noch nie gehört. Ich habe nur gesagt bekommen, lies den Mal, also gesagt getan.
Martin Abel wird zum Entspannen nach Gummersbach geschickt. Da er vom letzten Fall noch etwas angeschlagen ist, soll er sich jetzt um etwas Einfaches, Ruhiges kümmern. Da wäre wieder mein Problem: Ich steige mal wieder einfach blind in eine Reihe ein. Mir fehlen dann doch wieder zwei Teile. Aber nicht so tragisch. Man kann sich irgendwie alles ein wenig zusammenreimen, wenn man es schon gewohnt ist, in eine Reihe später einzusteigen. Wobei es der Autor auch immer wieder geschickt macht und kleine Fäden aus den anderen beiden Bänden in die Story einfließen lässt, damit man die Zusammenhänge versteht.
Einige Dinge haben mich dann doch etwas neugierig gemacht, was den Charakter von Martin Abel betrifft, und warum dies so ist, wie es ist.
Er kommt also nach Gummersbach, da dort zwei Frauen verschwunden sind. Vor Ort trifft er auf den Dienststellenleiter, Hauptkommissar Borchert, und seine beiden Untergebenen, Voß und Stange. Der Autor lässt die Stadt eigentlich außen vor. Er geht nur ein wenig auf die Umgebung ein, beschreibt das Winterliche einkaufen, aber irgendwie ist die Stadt ziemlich gesichtslos und was mich so im Nachgang ein wenig gestört hat, war, dass der Handball in den Beschreibungen der Stadt keine Rolle gespielt hat, obwohl der VfL Gummersbach einer der bekanntesten deutschen Handballvereine ist. In Städten wie Wetzlar oder Gummersbach ist Handball normaler Weise relativ schnell ein Thema. Das habe ich als Handball-Fan vermisst.
Was aber unwahrscheinlich toll ist, ist die Beschreibung der Psyche der Täter oder das wieso und warum. Ich hatte relativ schnell einen Verdacht, wer der Täter sein könnte, der Schwangere Frauen mit Kind in Beton gießt. Aber dann war immer wieder der Gedanke, dass kann nicht sein, so krank kann der dann doch nicht sein.
Also wie man auf den Gedanken kommt, einen Reißverschluss in eine schwangere Frau zu nähen, ist schon krank. Wenn man dann noch bedenkt, dass diese Frauen dann mit ihrem Kind zusammen in Beton gegossen werden, wird es richtig krank.
Als Begründung wird immer wieder die Mythologie zu Leda und der Schwan genannt und das Schlimme ist, es ergibt irgendwie auch noch einen Sinn. Warum der Täter das gemacht hat, also all das was der Autor beschreibt, gibt irgendwie einen eigenartigen Sinn. Und genau dies ist die absolute Stärke des Buches. Man bekommt den Täter nähergebracht, ohne dass man ihn liebt. Glaubt mir, für diesen Typen kann man keine Sympathie empfinden.
Allerdings erfährt man vieles über das warum und wieso, und man lernt, was Foetus in Foeto ist. Und nein, ich habe mir dies nicht aus den Fingern gesaugt, diesen Begriff gibt es wirklich.
Ich glaube, dieses Thema hatte ich das letzte Mal bei Stephen King in „Stark“. Ich habe dieses Buch schon vor langer Zeit gelesen, aber dies ist mir im Kopf geblieben.
Für mich war dieses Buch eine der Entdeckungen des Jahres, da ich es gelegentlich mal weglegen musste, damit ich keine Albträume bekomme. Ich wünsche mir noch ein paar Fälle mit Martin Abel, aber auch nur dann, wenn er es wieder schafft ein mir fast unbekanntes Thema etwas näher zu bringen. Und wenn es in mir wieder einen horrormäßigen Film erzeugt! Also Herr Löffler, übernehmen sie bitte.

Bewertung vom 04.01.2021
Die Toten von der Falkneralm / Nemec Bd.1 (MP3-Download)
Nemec, Miroslav

Die Toten von der Falkneralm / Nemec Bd.1 (MP3-Download)


ausgezeichnet

Geht es einem Schauspieler wohl auf die Nerven, immer wieder mit der Figur seiner Rolle identifiziert und angesprochen zu werden? Vermutlich schon. Daher finde ich es eine gelungene Idee, dies zur Grundlage des ersten Romans eines Schauspielers zu machen. Dass es ein Krimi ist, liegt schon fast auf der Hand.
Wie viel Kommissar Ivo Batic steckt im Schauspieler (und Autor) Miroslav Nemec? Diese Frage zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Hörbuch.
Ich finde es sehr gekonnt, wie Miroslav Nemec mit den Vorurteilen spielt. Wo hört der Schauspieler auf und wo fängt die Rolle an? Manchmal, scheint es fast fließend zu sein.
Das Szenario von Morden in einem abgeschotteten Hotel ist jetzt nicht ganz neu und wurde schon öfter verarbeitet, aber es ist immer die Frage wie es in Szene gesetzt wird. Hier ist es gut gelungen ohne abgedroschen zu wirken.
Der Schauspieler Miroslav Nemec fährt zu einem Krimi-Dinner, um seinen neuen Roman vorzustellen. Dort stolpert er in mehrere Todesfälle hinein. Erst will ja auch keiner an einen Mord glauben. So etwas passiert doch nicht bei uns! Irgendwie erwartet jeder, dass er nun als professioneller Kriminalist agiert und den Fall klärt. Allerdings ist es nicht Kommissar Batic, der dort weilt sondern eben der Schauspieler Nemec. Diese Abgrenzung wird anfangs klar gemacht, aber irgendwie reizt es ihn doch – zumindest im Roman – und er fängt an Dinge zu hinterfragen. Die Lösung des Falls ist vielleicht nicht völlig überraschend, aber schön gemacht. Dazu könnte ich noch einiges sagen und auf literarische Vorbilder verweisen, aber das habe ich schon in der Schule gehasst, wenn ein schönes Buch zu Tode geredet und zerpflückt wurde.
Wieder mal so ein Fall, wo ich sagen muss, bitte nur vom Autor selbst vorlesen lassen. Er ist einfach zu gut. Die Geschichte ist lebendig, man ist mitten drin, jederzeit mit dem Gefühl „Ja, das könnte passieren“. Die Romanfigur Nemec wirkt so authentisch, dass es manchmal schwerfällt daran zu denken, dass es sich um Fiktion handelt. Auf ein neues Hörbuch vom Autor gelesen würde ich mich freuen. Allerdings bind ich mir nicht sicher, ob es gut wäre, wenn Herr Nemec wieder selber auf Verbrecherjagd gehen würde. Aber wie so oft, es kommt auf einen Versuch an.
Der Roman ist spannend und lustig und Miroslav Nemec ist ein toller Vorleser. Ich kann es nur empfehlen.
Einen kleinen Negativpunkt muss ich dennoch anmerken. Die CDs kommen in einer Plastik-Box und ich finde es sehr schlecht, wenn diese kleinen Zähne, die die CDs festhalten, schon beim ersten Gebrauch gleich abbrechen. Hier sollte der Hörverlag vielleicht ein wenig mehr auf das Material achten.

Bewertung vom 25.12.2020
Wenn ich dich hole
Goerz, Anja

Wenn ich dich hole


sehr gut

Eine wilde Fahrt war dies gerade eben. Eigentlich ist das alles nicht gerade weit weg, nicht nur räumlich, es fühlt sich auch zeitlich so an. Das Buch ging auch nur 251 Seiten oder ca. 15 Stunden geschriebene Geschichte. Das heißt, dass alles was man dort liest, sich bis auf die Einschübe über Henrike, der Ex von Bendix, innerhalb noch nicht einmal eines Tages abspielt.
Dadurch nimmt man dran teil, wie sich der Vater von Lewe mit panischen Gefühlen von Heathrow nach Nordfriesland begibt. Dort sind Bendix’ Frau und seine Mutter in einen Autounfall verwickelt worden und finden sich in einem Stall wieder. Bendix Mutter ist aufgrund ihres Diabetes schnell sehr geschwächt. Da es einen Wintereinbruch in Nordfriesland gegeben hat, ist es nicht unbedingt leicht, sie in einem zugigen Stall zu versorgen.
Man zittert sich aber immer weiter mit dem Vater und der Mutter und hofft, dass sie bald bei ihrem Sohn sind. Man fiebert mit, wie der kleine Lewe sich vor Angst regelrecht in die Hosen macht – und das auch mit recht.
Man kann den örtlichen Polizisten verstehen, der sich im ersten Moment von der wohl recht attraktiven Henrike auf die falsche Fährte führen lässt, und dessen Frau auch seine Bedenken zerstreut. Aber trotz allem kämpft er sich durch das Schneetreiben mit dem Auto zu Bendix Mutter.
Wenn ich jetzt noch mehr erzähle, erzähle ich noch das komplette Ende, welches doch recht schnell kommt. Womit ich bei der Kritik an diesem Buch bin. Das Ende kommt sehr schnell. Ich habe in verschiedenen Foren gerade über das schnelle Ende die eine oder andere Meinung gelesen und es kam wohl nicht nur mir zu schnell. Ja, das Ende kommt schnell und heftig, aber dies mag vielleicht daran liegen, dass die Zeit in der die Geschichte erzählt wird (wie gesagt 15 Stunden) und die erzählte Zeit sich entsprechen. Dieses Buch hat ein recht offenes Ende. Ich habe noch immer das Gefühl, Henrike, Bendix, Lewe und Insa kommen wieder - und gerade da wäre ein langes Ende vielleicht kontraproduktiv. Da ist es dann vielleicht besser, noch etwas offen zu lassen. Was mich bei der Auflage, die ich hatte, wesentlich mehr störte, waren die Druckfehler, die sogar mir stark ins Auge gefallen sind.
Was ich gut fand, waren das Tempo im Buch und dass ich Anfang Mai doch ein wenig gefroren habe, da ich mir (auch aus eigener Erfahrung) gut vorstellen konnte, wie es ist im Winter bei einem Kälteeinbruch zu wandern, und sich gerade dafür falsch angezogen zu haben.
Auch waren die Ängste von Insa und Bendix für mich beim Lesen zu spüren. Man konnte sich auch gut in Henrike einfühlen, weswegen es mich freuen würde, noch einen weiteren Teil zu lesen.
Egal wie es nun weitergeht, dieser Thriller ist gut für das lockere Lesen zwischendurch. Man kann sich gut in die Figuren, in die Gegend und in die Story im Allgemeinen einfühlen und denken, und ich habe einen guten Film in meinem Kopf bekommen. Hier kann ich mein Licht ruhigen Gewissens ausmachen. Da ich aber richtig gut unterhalten wurde, bin ich nicht böse, dass ich dies noch ohne Alpträume konnte. Was ich nicht konnte, war das Buch weg zu legen bevor es fertig war.

Bewertung vom 20.12.2020
Heimliche Herrscher
Dönhoff, Friedrich

Heimliche Herrscher


gut

Irgendwie kommen manche Autoren ja schnell wieder, bei anderen dauert es irgendwie etwas länger - und dann mit einem überraschenden Buch. So wie diesmal bei Friedrich Dönhoff, der mich vor Jahren ja schon mit „Ein gutes Leben ist die beste Antwort“ überrascht hat.
Diesmal war es ein Krimi mit dem Kommissaren Sebastian Fink. Eigentlich will er mit seiner Freundin Marissa nach Neapel fahren, aber dann kommt ihm eine Mordserie dazwischen.
Sebastian Fink ist ein ganz normaler Kommissar, der nicht wie ein depressiver Mann daherkommt, sondern einfach ein Mann ist, der in seiner Arbeit aufgeht und sich darin wohlfühlt. Natürlich ist er auch froh, wenn er Feierabend hat, oder freut sich auf den Urlaub mit seiner neuen Freundin.
Also wie gesagt, so ganz herrlich normal, weil er auch gerne mal eine Rippe Schokolade isst und diese auch gerne mal, wenn sie offen herum liegt, von einer Kollegin stibitzt und ihr dafür irgendwann auch mal wieder eine neue Tafel mitbringt.
Wie es üblich ist, habe ich recht schnell angefangen und überlegt, wer könnte denn der Täter sein? Was soll ich sagen - ich habe es nach dem ersten Versuch mal ganz schnell sein gelassen, da der, den ich als erstes unter Verdacht hatte, auf einmal auch das Zeitliche gesegnet hat.
Einen zweiten Anlauf habe ich dann noch schnell genommen und, hach ja, wieder falsch. Das eigentliche Thema wurde mir erst recht spät so richtig bewusst. Auch wenn es irgendwie immer präsent ist, aber keine Angst es ist nicht die Flüchtlingsdebatte oder so, auch wenn dies auch immer wieder da ist. Nein, es ist viel subtiler und irgendwie hat es mich auch zum Nachdenken gebracht.
Komme ich mal zu meinem Fazit. Dass ich den Autoren mag und seine Schreibweise schätze, war mir ja bei seinem letzten Buch schon bewusst, dass dieser Autor dann auch noch einen intelligenten Krimi schreiben kann, der nicht nur spannend ist, sondern auch zum Nachdenken anregt und vielleicht eine oder zwei Finger in Wunden legt, dies hat mich dann doch sehr überrascht.
Für mich ist, auch wenn es schon einige Krimis mit Sebastian Fink gibt, genau dieser Kommissar einer, der mir zeigt, auch deutsche Kommissare können ein Privatleben haben und dabei auch gute Kommissar sein.
Wenn dann dazu noch ein flüssiger Schreibstil kommt, welchen man nicht so leicht zur Seite legen kann, dann, ja dann, wissen alle, da ist ein richtig genialer Kommissar am Werk, bei dem man noch bei ein paar Fällen dabei sein möchte.