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Was für ein Leben! Geboren 1923 in der Bretagne, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher - wofür sie von Yad Vashem später den Ehrentitel "Gerechte unter den Völkern" erhalten wird -, nach dem Krieg Neurophysiologin in Marseille, 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements auf Seiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung... und noch heute an Schulen ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams. Anne Weber erzählt das unwahrscheinliche Leben der Anne…mehr

Produktbeschreibung
Was für ein Leben! Geboren 1923 in der Bretagne, aufgewachsen in einfachen Verhältnissen, schon als Jugendliche Mitglied der kommunistischen Résistance, Retterin zweier jüdischer Jugendlicher - wofür sie von Yad Vashem später den Ehrentitel "Gerechte unter den Völkern" erhalten wird -, nach dem Krieg Neurophysiologin in Marseille, 1959 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen ihres Engagements auf Seiten der algerischen Unabhängigkeitsbewegung... und noch heute an Schulen ein lebendiges Beispiel für die Wichtigkeit des Ungehorsams. Anne Weber erzählt das unwahrscheinliche Leben der Anne Beaumanoir in einem brillanten biografischen Heldinnenepos. Die mit großer Sprachkraft geschilderten Szenen werfen viele Fragen auf: Was treibt jemanden in den Widerstand? Was opfert er dafür? Wie weit darf er gehen? Was kann er erreichen? Annette, ein Heldinnenepos erzählt von einer wahren Heldin, die uns etwas angeht.
  • Produktdetails
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin
  • Seitenzahl: 208
  • Erscheinungstermin: März 2020
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 126mm x 25mm
  • Gewicht: 310g
  • ISBN-13: 9783957578457
  • ISBN-10: 3957578450
  • Artikelnr.: 58471622
Autorenporträt
Weber, Anne§Die Schriftstellerin und Übersetzerin Anne Weber wurde 1964 in Offenbach geboren und lebt seit 1983 in Paris. Sie hat sowohl aus dem Deutschen ins Französische übersetzt (u.a. Sibylle Lewitscharoff, Wilhelm Genazino) als auch umgekehrt (Pierre Michon, Marguerite Duras). Ihre eigenen Büchern schreibt sie sowohl in deutscher als auch in französischer Sprache. Ihre Werke wurden u. a. mit dem Heimito von Doderer-Literaturpreis, dem 3sat-Preis,
dem Kranichsteiner Literaturpreis und dem Johann-Heinrich-Voß-Preis ausgezeichnet. Beim S. Fischer Verlag sind u.a. erschienen: Luft und Liebe, Ahnen und Kirio. Bei Matthes & Seitz Berlin sind ihre Übersetzungen der Werke von Georges Perros erschienen: Luftschnappen
war sein Beruf und Klebebilder.
Rezensionen

Süddeutsche Zeitung - Rezension
Süddeutsche Zeitung | Besprechung von 18.07.2020

Die besten Seiten des Sommers
Lied für
eine Heldin
Anne Beaumanoir kam 1923 in einem bretonischen Fischerdorf zur Welt. In der Schule beobachtete sie zwei strebsame Mädchen, die nebeneinander in der ersten Reihe saßen. Immer wieder bestraften die Lehrer das Mädchen aus der armen Familie für die gleichen Vergehen härter als die Tochter aus gutem Hause. Anne Beaumanoir wurde Kommunistin, schloss sich während der deutschen Besatzung der Résistance an, schmuggelte Juden aus dem besetzten Paris und lebte nach Kriegsende einige Zeit in der Überzeugung, das Gute habe gewonnen. Zwanzig Jahre später dann die Ernüchterung, als sie merkt, wie Frankreich im Unabhängigkeitskrieg in Algerien auftritt. Auf einmal waren die Franzosen die Imperialisten. Beaumanoir wechselt die Seiten, geht wieder in den Untergrund, dieses Mal gegen ihr eigenes Land. Wieder führt sie den gerechten Kampf, wieder gewinnt sie und wieder folgt die Ernüchterung: Die sozialistische Utopie, die sie in Algerien mit aufbauen wollte, kippt schnell in eine Militärdiktatur. Heute ist Anne Beaumanoir 96 Jahre alt und lebt in einem südfranzösischen Dorf. Dort ist ihr die deutsche Schriftstellerin Anne Weber über den Weg gelaufen und hat ein Buch über dieses Leben geschrieben, das keine Biografie ist, sondern große Kunst.
FELIX STEPHAN
Anne Weber:
Annette, ein
Heldinnenepos.
Matthes & Seitz,
Berlin 2020.
208 Seiten, 22 Euro.
DIZdigital: Alle Rechte vorbehalten – Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de
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Frankfurter Allgemeine Zeitung - Rezension
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Besprechung von 10.06.2020

Das Herz nicht in der Hose
Epos, zerschossen: Anne Weber widmet sich der modernen Heldin Annette Beaumanoir und geht ein Risiko ein

Gewitzt ist dieses Buch, nicht nur dort, wo es sein Gewitztsein vorzeigt und ausstellt. Gewitzt ist es schon im Titel, der nicht lautet "Annette - Ein Heldinnenepos", sondern "Annette, ein Heldinnenepos". Die in Frankreich lebende deutsche Schriftstellerin besingt das mutige Leben einer fast hundertjährigen Frau nicht in Form eines Epos - Annette ist das Heldinnenepos. Tintenfische kommen übrigens auch darin auch vor. Sie verbergen sich bei Gefahr in einer Wolke des reichlich ausgestoßenen Farbstoffs.

Annette heißt mit bürgerlichem Namen Annette Beaumanoir und lebt nichts weniger als die Überzeugung, dass die Welt ein gerechterer Ort sein sollte. Schon als Minderjährige kämpft sie in der Résistance gegen die deutschen Besatzer. Sie rettet Juden vor der Deportation, wird jedoch für diese Eigenmächtigkeit von der KP bestraft und wechselt zur gaullistischen Résistance. Nach dem Krieg heiratet Annette, studiert Medizin und bekommt drei Kinder, bevor sie als "Kofferträgerin" Geld für den Befreiungskampf der Algerier durch Frankreich transportiert. Sie wird verraten und zu zehn Jahren Haft verurteilt, kann jedoch nach Nordafrika fliehen, gehört der ersten Regierung des unabhängigen Algeriens an, gerät nach dem Putsch gegen den Präsidenten Ben Bella 1965 abermals in Lebensgefahr und entkommt mit knapper Not. Danach arbeitet sie in einer Genfer Klinik, bis das Gerichtsurteil aufgehoben wird und sie nach Frankreich zurückkehren kann.

In gleich zwei Befreiungskämpfe rutscht die aus einfachen Verhältnissen stammende Annette hinein aus Menschlichkeit. Die Jahre der bürgerlichen Ehe mit drei Kindern zwischen ihnen erwähnt Anne Weber knapp, die letzten fünfzig Lebensjahre Annettes fasst sie so zusammen: "Da kommt noch einiges / an Weltverbesserungsversuchen, doch ist es / weniger spektakulär . . ." Weber konzentriert sich auf Episoden aus einem gefährlichen, von Prinzipien der Humanität und Solidarität geleiteten Leben. Die 1,50 Meter große Frau wird beinahe zur Jeanne d'Arc der Zeitgeschichte.

Also doch ein Heldinnenepos? Nein, Weber unterläuft das Epos ebenso wie die Hagiographie und auch die Biographie, zu der ihrem Buch die Vollständigkeit und vor allem das Bemühen um psychologische Nachvollziehbarkeit fehlt. Sie stemmt sich gegen den enormen Sog dieser Lebensunbedingtheitsgeschichte, um nicht mitgerissen zu werden, mit Ironie und Scherzen sowie mit Verweisen auf das Erzählen, auf die Machart. Das Epos, an das vor allem Wortumstellungen und Zeilenbrüche in der nicht erkennbar rhythmisierten Prosa erinnern, wird vielfach zerschossen.

Gleich zu Beginn führt Weber dieses erzählerische Verfahren vor: Der erste Satz ("Anne Beaumanoir ist einer ihrer Namen") verweist auf die noms de guerre der Widerstandskämpferin und präsentiert sie zugleich als Exempel. Der zweite ("es gibt sie auch woanders als auf / diesen Seiten") behauptet die Eigenständigkeit der lebenden Person gegenüber der erzählten, und die Letztere kommt dann "auf einem weißen Blatt zur Welt - / in eine undurchdringliche Leere", die sich "nach und nach mit Formen und Farben / mit Vater Mutter Himmel Wasser Erde füllt". Annette wird aus dem Nichts geboren wie die Welt im Mythos. Sie ist "die Tochter, die aus Le Guildo, dem Weiler / an der Flussmündung des Arguenon auszog, die / Welt vor allen Übeln zu bewahren und zu heilen".

Zwischen Mythisierung und Ironisierung, Verehrung und Distanzierung pendelt Anne Weber hin und her. Leicht fällt es ihr offenbar nicht, denn nicht wenige Wendungen wirken verkrampft: die mündlichen Einsprengsel wie "mans", "dems" und "der Schwester ihren Mantel (ja, ja, / schon gut, das stimmt so sprachlich nicht)". die "Leichtsinnixten" und der "Gestapist", die Mahnung der Erzählerin an sich selbst, nicht so schnell vorzugehen, sonst kippe der Spannungsbogen, sowie das Staunen, welche Hauptspeise sie bei der ersten Begegnung mit der leibhaftigen 95 Jahre alten Annette wählt: Tintenfisch! "Ohne sich / was dabei zu denken"! Und schließlich ist da noch die Bemerkung, Annette habe das Herz auf dem rechten Fleck, "also zum Beispiel nicht in der Hose". Nun ja.

Anne Weber ist ein hohes Risiko eingegangen. Sie hätte auch nur auf die Autobiographie von Annette Beaumanoir hinweisen können, deren zweiter Band ("Wir wollen das Leben ändern", Verlag Contra-Bass) gerade erschienen ist. Doch die form- und sprachspielerische Autorin, am Ende des Buchs beim gemeinsamen Essen mit Annette sich selbst als "große ernste Deutsche" beschreibend, war der Französin bei der Vorführung eines Films von Malte Ludin über seine Nazi-Familie ("2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß") begegnet und erlebte etwas, "was wohl in anderen Zusammenhängen coup de foudre / oder: vom Liebesblitz getroffen hieße". "Annette" erklärt die Liebe zu einer faszinierenden Frau, die offenbar gegen erhebliche Widerstände der Schriftstellerin öffentlich und zum Buch geworden ist. Und es ist nicht zuletzt ein Gegenbuch zu "Ahnen" (2015), Anne Webers Zeitreise in die familiäre Vergangenheit und die der deutschen Todeslager.

JÖRG PLATH

Anne Weber: "Annette, ein Heldinnenepos".

Verlag Matthes & Seitz,

Berlin 2020.

208 S., geb., 22,- [Euro].

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Für Rezensent Moritz Baßler gelingt Anne Weber mit ihrem Text über die französische Résistance-Aktivistin Annette Beaumanoir etwas Besonderes. Indem Weber die Form des Epos wählt, aber auf Reimzwang, festes Metrum und "historischen Muff" verzichtet, lässt sie dem Leser laut Baßler die Freiheit des lockeren Lesens und der Heldenverehrung ohne "Zwangsintimität von Annettes Subjektposition" und sich selbst die Möglichkeit, Klassiker-Zitate und historische Sachinfos einzubauen und sogar Spannung zu erzeugen. Ein weises Epos, findet der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH
Das Epos, eine in erzählenden Versen verdichtete Biografie, ist genau die richtige Form der Hommage an eine Frau, die sich konsequent für das ihr richtig erscheinende entschieden hat. (...) Für alles das gebietet Anne Weber über eine Sprache und über Stilmittel, die bezaubern, überzeugen und der Heldin dieses modernen Epos so gerecht werden, wie es Worte überhaupt können. Harald Loch Die Rheinpfalz 20200612