Benutzername: Wuz
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Bewertungen

Insgesamt 12 Bewertungen
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Bewertung vom 15.11.2016
Volkes Lied und Vater Staat
Leyn, Wolfgang

Volkes Lied und Vater Staat


ausgezeichnet

Ein großartiges, tiefgründiges, sehr sachliches Buch, das mit der "Folkszene" auch die DDR-Geschichte insgesamt in ihren letzten 15 Jahren eindringlich und sympatisch vor Augen führt. Ein wenig wehmütig macht es mich, dass von Engagement und Begeisterung der Musikanten wohl wenig in die Gegenwart zu retten war (vielleicht fehlt mir aber der Überblick). Vermisst habe ich in der sicherlich so gut wie vollständigen Darstellung übrigens (nur) die Gruppe "Ackerfolk", die mehrheitlich aus Hallenser Landwirtschaftsstudenten bestand, wenigstens fünf Jahre musizierte und (auch) als eine der seinerzeit besten der Zunft galt.

Bewertung vom 20.04.2016
Weit über das Land
Stamm, Peter

Weit über das Land


gut

Peter Stamm hat sich eine interessante, spannende Geschichte ausgedacht. Und da er für die Handlung mehrere Möglichkeiten gesehen (und vielleicht schon ausformuliert) hatte – und er sich nicht für eine davon entscheiden konnte oder wollte, lässt er alle nebeneinander bestehen (die Seitenzahl des Buches bestimmt ja auch das Honorar) und dem Leser die Qual der Wahl. Dadurch gibt er sich den Nimbus des Geheimnisvollen, Doppelbödigen. Der möglicherweise über den "Ausgang" verärgerte Leser (und mancher Rezensent) ersetzt seine berechtigte Ahnungslosigkeit vorsichtshalber durch Hochachtung vor der besonderen Raffinesse des Autors. Welch letzteres ja, wenigstens hinsichtlich des Honorars, auch zutrifft – - aber unterhaltsam war die Lektüre allemal.

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Bewertung vom 05.01.2016
Drei Irre unterm Flachdach, 2 Audio-CDs
Voss, Bastienne

Drei Irre unterm Flachdach, 2 Audio-CDs


gut

Der kindlich-naive Erzählton (in der Lesung des Buches durch die Autorin noch verstärkt) und die anmaßende ironisierende Beurteilung der Verhältnisse und handelnden Personen (die Ich-Erzählerin eingeschlossen) passen kaum zusammen und lassen den Leser/Hörer zwiespältig zurück. Wer die DDR nicht erlebt hat, wird den beschriebenen „realen Sozialismus“ womöglich putzig finden – wer sie erlebt hat, kann sich vielleicht über länger verdrängte/verschüttete Details des DDR-Alltags amüsieren (ich habe letzteres genossen). Als Mosaiksteinchen der „DDR-Aufarbeitung“ mag das Werk angehen, besseres findet man aber beispielsweise bei Lutz Seiler, Judith Schalansky oder Ingo Schulze.

Bewertung vom 10.06.2013
Drei Frauen, 3 Audio-CDs
Musil, Robert

Drei Frauen, 3 Audio-CDs


ausgezeichnet

Vielleicht muss man Robert Musil heute nicht (mehr) lesen (unter meinen Bekannten habe ich niemanden gefunden, der es je getan hat). Aber wie schade das wäre, kann man auch an diesen Erzählungen erkennen (zumal im Vergleich mit den deutschen Literatur-/Bücher-Preisträgern der letzten Jahre). Und wenn nun gar Otto Sander liest, ist der Genuss vollkommen (Christoph Waltz kann es nicht ganz so gut). Also: Wenn Ihnen Robert Musil (noch) nicht viel sagt - hören Sie sich diese CDs an! Gleich die erste Erzählung "Grigia" könnte Ihnen besonders gefallen.

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 10.06.2013
Die Heine Box, 1 MP3-CD (DAISY Edition)
Heine, Heinrich

Die Heine Box, 1 MP3-CD (DAISY Edition)


sehr gut

Das schönste an diesem Hörbuch ist die Harzreise-Lesung von Alexander Khuon - sie macht auch große Lust auf einen nächsten Harz-Besuch. Nicht zum ersten Mal wird "Deutschland. Ein Wintermärchen" vorgelesen - aber Jan Josef Liefers machts hier höchst hörenswert. Nicht sehr überzeugend - nicht "Heine"-gemäß - fand ich Katharina Thalbach in "ihren" Gedichten (die lese ich dann doch lieber selbst und still).

Bewertung vom 12.03.2013
Der LiederQuell

Der LiederQuell


ausgezeichnet

Die Produktbeschreibung übertreibt nicht. Das Liederbuch ist sicher die umfangreichste (und beste und handhabbarste) lieferbare Zusammenstellung deutscher (und auch internationaler) Volkslieder mit allen wünschenswerten Informationen dazu – ein Gebrauchs-Lieder- und Lesebuch im besten Sinne (die vielleicht etwas aufwendigere, gediegenere und jedenfalls teurere Ausgabe des gleichen Titels im Noetzel-Verlag müssen Sie nicht unbedingt kaufen) . In einem Punkt allerdings gilt der Untertitel („Die schönsten Volkslieder aus Vergangenheit und Gegenwart“) nur eingeschränkt (das gilt auch für die Noetzel-Ausgabe): Lieder aus den vierzig Jahren DDR-Musikschaffen, die sehr verbreitet und so eigentlich – wenigstens im Osten Deutschlands - auch Volkslieder geworden sind, kommen so gut wie nicht vor (im Gegensatz zu Liedgut aus der Bundesrepublik Deutschland). Da hätten die Verfasser bzw. ihre Nachfolger ein weites Feld für verbesserte Nachauflagen.

3 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 05.03.2013
Fünfzig Jahre im Auftrag des Kapitals
Most, Edgar

Fünfzig Jahre im Auftrag des Kapitals


gut

Was hat Herr Most mit Gert Fröbe und Manfred Krug zu tun? Lesen Sie es selbst, es gibt ein Personenverzeichnis. Sollten Sie dann enttäuscht sein, nehmen Sie wenigstens zur Kenntnis, dass dieser Teufelskerl „den Osten in die Deutsche Bank und die Dresdner Bank“ einbrachte (S. 237) und den staunenden LPG-Bauern der Ex-DDR nach der Wende endlich verriet: „Sandboden ist weniger wert als Schwarzerde.“(S. 213)
Ich jedenfalls empfehle das Buch als ehrlichen und spannenden Bericht über ein turbulentes Leben vor und nach der Wende in Ostdeutschland mit vielen, teils vergnüglichen Insider-Details - zeugend von entwaffnender Einfalt und Selbstüberschätzung.
Die grundsätzlichen Erkenntnisse Herrn Mosts über das sozialistische und das kapitalistische Finanz- und Bankensystem freilich könnten evtl. übriggebliebene Lehrkräfte der Fachschule für Finanzwirtschaft Gotha oder der Hochschule für Ökonomie Berlin-Karlshorst als nachträglich noch rufschädigend ansehen.
Und wenn Sie’s nicht weitersagen: Vielleicht hat Herr Most zu DDR-Zeiten doch nicht wirklich im Auftrage des Kapitals gearbeitet (kleiner Tipp: „führende Rolle...“) – und womöglich war es auch gar nicht die Werthaltigkeit des „Richtungskoeffizienten“(S. 150), die Herrn Most und seine Kreditbank für die Deutsche Bank zum attraktiven soliden Übernahmekandidaten machte.

Bewertung vom 26.02.2013
Heute wär ich mir lieber nicht begegnet
Müller, Herta

Heute wär ich mir lieber nicht begegnet


sehr gut

Eine Lektüre, die wirklich keinen Spaß macht. Die man aber gebannt, mit der größten Achtung vor der bildhaften unvergleichlichen Sprache und den Ein- und Ansichten der Schriftstellerin liest – und nicht beiseite legen kann. Ach, würde Frau Müller doch mal ein richtig „optimistisch-positives“ Buch schreiben! (Aber worüber eigentlich?)

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Bewertung vom 26.02.2013
Niederungen
Müller, Herta

Niederungen


ausgezeichnet

Bessere, treffendere, faszinierendere Beschreibungen alltäglicher Dinge lassen sich kaum denken - mit dem größtem Genuss zu lesen! Aber ein gerechtes Rumänien-Bild ist damit noch nicht gezeichnet (und kann von ausgewanderten Deutsch-Rumänen und Rumänen wohl auch nicht geliefert werden). Zu Rumänien gehören (neben beneidenswert schöner Landschaft, köstlicher Küche usw.) vor allem Menschen mit einer Musikalität im Blut und einer Volks-Musik, die in Europa nichts Gleichrangiges hat – was ja wohl viel über den Charakter eines Volkes aussagt! (Dies ist jedenfalls meine Erfahrung , und bei letzterem wird mir Frau Müller vielleicht sogar Recht geben.)

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.

Bewertung vom 26.02.2013
Leibhaftig
Wolf, Christa

Leibhaftig


gut

Christa Wolf hat wunderbare Bücher geschrieben. „Leibhaftig“ aber sollte sich nur antun, wer alle anderen schon gelesen hat, unbedingt noch ein weiteres braucht und dafür in Kauf nimmt, sich von der Autorin und ihrer Selbstbespiegelung nerven zu lassen.

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