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Benutzername: Rezensentin aus BW
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Insgesamt 208 Bewertungen
Bewertung vom 17.12.2021
Die Verlorenen
Halls, Stacey

Die Verlorenen


ausgezeichnet

Mit Aufklappen des Buches wird der Leser in eine sehr bewegende Szene im Jahr 1747 hineingeworfen:
Die 18-jährige Bess bringt ihr Neugeborenes Ende November ins Londoner Findelhaus „Foundling Hospital“ (das es tatsächlich gab!) und hofft, dass es dort aufgenommen wird. Sicher ist das keineswegs, denn es gibt nicht Platz für alle Babies und wenn die nicht kerngesund sind, dürfen sie ohnehin nicht bleiben.
Bess hat Glück. Sie ergattert einen Platz für ihre Clara, die sie eigentlich am liebsten behalten würde, aber ihre Armut macht es schlicht unmöglich.
Stattdessen schwört Bess sich, dass sie ihr Mädchen eines Tages wieder abholen wird.

Bess lebt mit ihrem um drei Jahre älteren Bruder Ned, einem Straßenkehrer und mit ihrem Vater Abe, einem Krabbenhändler, in einer kärglichen Behausung.
Ihre Mutter verstarb, als sie 8 Jahre alt war.
Bess hilft ihrem Vater dabei, die Meeresfrüchte auf dem Londoner Fischmarkt und in der Stadt zu verkaufen. Sie ist das „Krabbenmädchen“.

Der Leser bekommt auf den nächsten Seiten einen wunderbaren Einblick in den Alltag der Protagonistin. Er spürt die Kälte über der Stadt, riecht denn Gestank auf dem Fischmarkt, hört die Marktschreier, sieht die Kutschen auf den matschigen oder steinigen Straßen vor seinem geistigen Auge und kann sich die jämmerliche Behausung vorstellen, in der Bess mit Vater und Bruder lebt.

Nach den ersten beiden Kapiteln, in denen man bereits durch die Eindrücklichkeit und Intensität der Beschreibungen gefesselt wird, machen wir einen Zeitsprung ins Jahr 1754.

Endlich ist es soweit:
Bess meint, genug gespart zu haben, um ihre Tochter Clara aus dem Findelhaus abzuholen und Platz gibt es in ihrer bescheidenen Unterkunft jetzt auch, weil ihr Bruder ausgezogen ist.

Bess ist voller Vorfreude, aber auch voller Angst.
Was, wenn Clara nicht mehr am Leben ist?
Ihre Freundin Keziah beruhigt sie: „Bess, sie wird dort sein, und du wirst wieder eine Mutter sein. Du hast so lange darauf gewartet, und sie ist jetzt außer Gefahr. Sie ist kein Baby mehr; sie ist bereit, nach Hause zu kommen, mit dir zu arbeiten und von Dir geliebt zu werden. Alles, was sie braucht, ist hier.“ (S. 48)

Im Findelhaus angekommen, erhält Bess eine schockierende Nachricht: „Das Kind mit der Nummer 627 wurde bereits vor vielen Jahren von seiner Mutter abgeholt.“ (S. 61)

Clara wurde anscheinend einen Tag nachdem sie damals abgegeben wurde, von einer Frau abgeholt, die sich als Bess ausgegeben hat… was für ein Schock!

In Rückblicken erfahren wir vom bereits verstorbenen Kindsvater Daniel, einem Walknochenhändler, in den sich das „Krabbenmädchen“ Bess unsterblich verliebt hatte.

Wir erleben mit, wie Bess sich als Eliza mit Hilfe von Dr. Mead, dem freundlichen Arzt des Findelhauses, auf die Suche nach ihrer Tochter macht und Erstaunliches entdeckt…

Nachdem wir im ersten Teil von Bess und ihrer Geschichte gelesen haben, lernen wir im zweiten Teil Alexandra kennen, die Frau, die sich als Mutter von Clara, inzwischen Charlotte genannt, bezeichnet.

Ich werde nun nichts mehr über den Inhalt verraten, um niemandem den Lesespaß zu verderben.
Nur so viel:
Wir tauchen in eine überraschende, originelle, packende, berührende und stimmige Geschichte ein, die nie kitschig, aber letztlich doch was fürs Herz ist.

Die bildliche und schöne Sprache hat neben der packenden Handlung die Lesefreude erhöht.

Einige Beispiele möchte ich erwähnen:
„Dann waren da noch die Ehefrauen mit ihren fleischigen roten Händen und ausladenden Brüsten, mit denen sie wie ein Schiffsbug durch das Gedränge pflügten und daher wie Möwen kreischten.“ (S. 36f.)

„Meine Welt war auf die Größe einer Nuss geschrumpft. Und dann kam Daniel … und knackte ihre Schale.“ (S. 168)

Ich habe den Eindruck, dass Stacey Halls gut recherchiert hat.
Sie hat eine glaubhafte Geschichte erfunden, die wunderbare Einblicke in die harten Lebensbedingungen, die verheerende Zustände der armen Leute der damaligen Zeit und die

Bewertung vom 01.12.2021
Enriettas Vermächtnis
Madsack, Sylvia

Enriettas Vermächtnis


sehr gut

Der gut betuchte plastische Chirurg Dr. Emilio Volpe ist gerade in Zürich gelandet. Er kommt aus Buenos Aires, um einen Termin bei dem Rechtsanwalt Dr. Andreas Leuthard wahrzunehmen.

Dr. Leuthard soll als Testamentsvollstrecker den letzten Willen der kürzlich mit 85 Jahren verstorbenen, international geschätzten und wohlhabenden argentinischen Schriftstellerin Enrietta da Silva vertreten.
Dazu muss er zunächst klären, warum Emilio als einer von zwei Erben eingesetzt wurde.
Die reiche alte Dame hatte ihn nämlich dem Anwalt gegenüber nie persönlich erwähnt.

Wir erfahren nun, dass Emilio deutsche Wurzeln hat.
Seine Großeltern wanderten gleich nach dem ersten Weltkrieg aus Deutschland nach Argentinien aus.
Emilio ist das einzige Kind ihres Sohnes. Seine argentinische Mutter kam früh bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Was der Anwalt Dr. Leuthard und wir zunächst aber nicht erfahren, ist, in welcher Beziehung die verstorbene Enrietta und Emilio zueinander standen.

Dann lernen Emilio und wir die andere Erbin kennen: die ca. 40-jährige schöne Jana Horwarth, eine körperlich behinderte Schauspielerin, die „so etwas wie eine Ziehtochter“ (S. 29) für die verstorbene Enrietta war.

Es ist interessant, zu erfahren, in welchem Verhältnis die beiden Erben zur Verstorbenen standen, es macht neugierig, dass die beiden erwägen, das umfangreiche Erbe auszuschlagen, es macht Spaß, das Kennenlernen von Emilio und Jana zu verfolgen, es ist fesselnd und bewegend, in Enriettas Geschichte einzutauchen und es wird spannend, als sich der zwielichtige Armando, Enriettas einziger leiblicher Sohn, plötzlich bei Emilio meldet…

„Enriettas Vermächtnis“ ist ein unterhaltsamer, kurzweiliger und interessanter Page Turner, der sich leicht liest und bei dem man es sich mit einer Tasse Tee auf dem Sofa gemütlich machen kann.

Der Roman hat etwas von einer Romanze und von einem Drama. Er ist insgesamt gesehen psychologisch stimmig und nachvollziehbar, auch wenn ich mir manchmal dachte: „Warum so kompliziert?“… aber das hängt vielleicht mit meiner Tendenz zu Nachsicht, Verständnis und Verzeihen sowie mit meinem Faible für Happy Ends zusammen ;-)

Außerdem bekommt man Lust, sich Zürich, Salzburg mit seiner Festung, den Fuschlsee, „ein sehr romantisches Kleinod“ (S. 211) in der Nähe von Salzburg, den Attersee mit seinem „speziellen kreativen Flair“ (S. 212) und den geheimnisvollen Toplitzsee mit seiner Legende um das Nazi-Gold anzuschauen.

Sylvia Madsack hat mit diesem Roman eine berührende und fesselnde Lektüre um ein Familiengeheimnis geschrieben.
Es ist ein gelungenes Buch für zwischendurch und zum Entspannen.
Ich fühlte mich gut unterhalten und konnte mich in die Geschichte fallen lassen, auch wenn sie sicherlich nicht zu den literarischen Highlights gehört.

Bewertung vom 26.11.2021
Toskana in meiner Küche
Vicenzino, Cettina

Toskana in meiner Küche


ausgezeichnet

Das Kochbuch „Toskana in meiner Küche“ von Cettina Vicenzino ist nicht nur eine stilvolle Augenweide, sondern verschafft auch außergewöhnliche Genüsse.

Das kräftige Rot und Grün des Buchdeckels, der ganz besondere Buchschnitt in Grün und passendes rotes Vorsatzpapier sowie das rote Lesebändchen sind wahre Hingucker.

Als ich dann neugierig das erste Mal durchs Buch blätterte wurden sofort meine Erinnerungen an unseren letztjährigen Toskanaurlaub geweckt.

Wunderschöne Fotos fangen das toskanische Flair ein und lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Lachende Menschen, die von ihrer Heimat oder ihrer Liebe zur Toskana erzählen, erwecken die Lust auf Reisen, Kochen und Schlemmen und Schritt für Schritt - Anleitungen in Bildern erleichtern das Verständnis einiger der über 70 klassischen und modernen Rezepte.

Ich habe inzwischen einige Rezepte nachgekocht und war von jedem begeistert.
Das erste war „Pappardelle mit Entenragout“. Wer wie ich Ente sowie Bandnudeln, die in leckerer Soße baden, liebt, sollte dieses Gericht, das durch Fenchelsamen und Orangenschale eine ganz besonders feine Note bekommt, unbedingt probieren. Einfach köstlich!

Noch ein paar andere Highlights möchte ich kurz erwähnen, um zu zeigen, dass sich dieses Kochbuch wirklich lohnt.

Den Tintenfisch in Gemüsesauce werde ich noch öfter zubereiten. Es ist ein raffiniertes Gericht, in dem auch Blattspinat und Venusmuscheln zu Wort kommen.

Die Brotfrikadellen in Tomatensauce sind weit mehr als nur eine Verwertung von altbackenem Brot. Pecorino, Knoblauch und Petersilie machen sie zu einer Gaumenfreude.

Eine äußerst leckere Nachspeise, die viel Beifall bei meiner Familie fand, ist das toskanische Tiramisu aus weißer Schokolade, einem besonderen Frischkäse (Raviggiolo), Espresso usw.

Ach ja! In meinem Toskanaurlaub lernte ich Pici kennen. Ich liebe diese Nudeln, die es bei uns leider nicht zu kaufen gibt. Gut, dass ich mehrere Packungen mit nach Hause genommen habe ;-)
Und noch besser, dass ich in diesem Kochbuch das Rezept und die Anleitung für ihre Herstellung entdeckt habe! Nicht einfach, nicht unaufwändig, aber definitiv Mühe und Zeit wert.
V. a., wenn man anschließend Pici mit Knoblauch-Tomaten-Sauce daraus zaubert. Himmlisch!

Ich freue mich schon darauf, die vielen anderen Köstlichkeiten zuzubereiten, die ich mit einem „post it“ markiert habe und möchte dieses liebevoll und hochwertig gestaltete Kochbuch sehr gerne weiterempfehlen.

Bewertung vom 08.09.2021
Licht zwischen den Bäumen
Mannion, Una

Licht zwischen den Bäumen


sehr gut

Der Roman spielt 1981 im Bundesstaat Pennsylvania.
Es geht um die 6-köpfige Familie Gallagher, die im Ort Valley Forge, der sich ca. 35 km von Philadelphia entfernt befindet, lebt.

Es ist der letzte Schultag vor den Sommerferien.
Eine alleinerziehende Mutter und ihre fünf Kinder sind abends im Auto unterwegs.
Die fünf Geschwister stehen im Mittelpunkt der Geschichte, die von Libby, der Mittleren im Bunde, erzählt wird:
Es geht um die fast 18-jährige Marie, den 17-jährigen Thomas, die 15-jährige Libby, die 12-jährige Ellen, und die 7-jährige Beatrice.

Jeder kennt wahrscheinlich aus eigener Erfahrung, was sich auf der Autofahrt abspielt:
Gerangel unter den Kindern.
Streit zwischen der Mutter und Ellen.
Tränen und Aggressionen, dicke Luft.

Aber dann folgt etwas Befremdliches.
Etwas, das so nicht üblich ist, auch wenn wohl viele Eltern den Gedanken kennen, das zu tun…

Die Mutter hält an und Ellen muß aussteigen… sie muss die acht oder neun Kilometer in der Dunkelheit nach Hause laufen.

Um 22.30 Uhr ist Ellen immer noch nicht zu Hause.
Marie und Libby machen sich große Sorgen, v. a. weil Wilson McVay, der die ganze Strecke mit seinem Motorrad abgefahren ist, Ellen nicht gefunden hat.

…und dann taucht Ellen auf.

Verstört und verletzt.

Ein „blonder Riese mit Haaren bis zum Hintern“ (S. 64) hat sie in seinem schwarzen Camaro mitgenommen. Als er sie unsittlich angefasst hat, ist sie aus seinem Auto gesprungen…

Aus zunächst unerklärlichen Gründen setzt Wilson McVay alles daran, den Übeltäter zu finden und Ellen zu rächen.
…und dann kommt alles ins Rollen…

Una Mannion lässt sich Zeit beim Erzählen, was aber nicht zu Langeweile führt, sondern dazu, dass man das Gefühl hat hautnah dabei zu sein. Man taucht ein in das Leben und den Alltag von Libby und ihrer Familie, erfährt von ihren Erlebnissen, Gedanken und Sorgen.

Die ganze Zeit liegt dabei etwas in der Luft.
Etwas Bedrohliches.
Man hat ständig das Gefühl, dass gleich irgendetwas passiert.

Die Autorin schafft es wunderbar, diese Atmosphäre und einen Einblick in das schwierige Familienleben zu vermitteln.

Man hat das Gefühl, Libby zu begleiten, wenn sie mit ihrer Freundin unterwegs ist oder wenn sie sich mit ihr streitet.
Es ist, als wäre man dabei, wenn Libby mit ihrer Familie zum Essen zu den Amischen geht oder wenn Marie, die älteste Schwester verabschiedet wird, weil sie in Philadelphia ein neues Leben beginnen möchte.

Obwohl der aus Irland stammende Vater schon tot ist, wird er für den Leser zum Leben erweckt, weil Libby viel an ihn denkt.
Wir lernen auch ihn und seine Rolle in der Familie kennen und bekommen ein differenziertes Bild von ihm, obwohl er physisch nicht präsent ist.

Die Autorin fokussiert Monate, in denen sich in der Familie Gallagher ganz viel verändert.
Libby hat das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren, weil ihr Leben aus den Fugen gerät.
Sie, die noch um den verstorbenen Vater trauert, verspürt eine Bedrohlichkeit, die von Ellens Missetäter ausgeht und die mit Wilson zu tun hat.
Sie gerät in Streit mit ihrer besten Freundin Sage und sie muss den Abschied ihrer großen Schwester verdauen.
Ihre Mutter, die einen heimlichen Geliebten hat, erlebt sie dabei nicht als haltgebend und zuverlässig… sie ist eher ein weiterer Unsicherheitsfaktor.

Ich habe diese fesselnde, berührende und unterhaltsame Geschichte, in der sowohl äußere Ereignisse, als auch inneres Erleben und Landschaftsbeschreibungen ihren Raum haben, bis zu ihrem fulminanten und spannenden Finale gerne gelesen.

Bewertung vom 29.08.2021
Authentisch japanisch
Nishimura, Aya

Authentisch japanisch


ausgezeichnet

Ich bin sehr froh, „Authentisch japanisch“ von Aya Nishimura entdeckt zu haben.
Durch dieses Kochbuch bekam ich den Mut, mich an japanisches Kochen heranzuwagen.

Japanisch essen zu gehen war und ist für meinen Mann und mich inzwischen eine gleichzeitig selbstverständliche wie besondere Unternehmung… japanisch zu kochen war für uns bisher etwas, an das wir uns nicht so recht herangetraut haben.
Das ist jetzt, wie gesagt, anders.

Dieses erste Kochbuch der in London lebenden Japanerin Aya Nishimura, die sich vorgenommen hat, die allgegenwärtige Hemmung vor dem japanischen Kochen abzubauen, ist ein stilvoller Hingucker in Blautönen.

Bereits beim ersten Durchblättern entdeckt man kunstvolle, appetitanregende Fotos sowie interessante und ansprechende Rezepte.

In der Einleitung erklärt die sympathische Autorin, dass die japanische Alltagsküche grundsätzlich gesund und schlicht, aber auch unaufwändig und unkompliziert ist, sofern man einige frische Lebensmittel und einfache Würzzutaten wie Sojasoße, Miso, Reisessig, Zucker, Salz, Sake, Dashibrühe und Mirin im Vorratsschrank hat.

Auf die frischen Produkte, auf Saucen und Dressings sowie auf die Vorräte in der Speisekammer geht die Autorin kurz ein und mit der kulinarischen Landkarte liefert sie eine höchst interessante Übersicht über die Spezialitäten verschiedener Regionen.

Ja, und dann geht’s los mit den Rezepten, die nach „Die japanische Bar“, „Beilagen und Snacks“, „Nudeln und Reis“, „Fisch und Fleisch“, „Würzsaucen und Gewürzmischungen“ und „Desserts und Getränke“ geordnet sind.

Im Kapitel „Grundrezepte“ finden sich Anleitungen und Tipps zum Zubereiten von Dashibrühe, Sushireis und Teriyakisauce, die wunderbar zu gegrilltem Gemüse paßt.

Nach diesem kleinen Überblick möchte ich noch ein paar leckere Gerichte erwähnen, die ich schon ausprobiert habe und sicherlich nochmal kochen werde, weil sie uns so gut gemundet haben:

„Hähnchenteriyaki auf Reis“ ist rasch zubereitet und schmeckt köstlich.

Die „Ramen-Nudeln“ in Hühnerbrühe mit Frühlingszwiebeln, Schweinefleisch und Eiern sind ein absolutes Wohlfühlgericht.

Das „japanische Curry“ mit Hähnchen und Reis ist eine originelle und höchst schmackhafte Variante der indischen Currys und die „Keksrollen mit Matcha-Eis“ sind das I-Tüpfelchen nach jeder Hauptmahlzeit.

Ich empfehle dieses Kochbuch sehr gerne weiter.
Mit einer überschaubaren Liste an Zutaten, die unschwer im gut sortierten Supermarkt oder Asialaden zu bekommen sind, lassen sich recht schnell und unkompliziert japanische Köstlichkeiten zaubern.

Natürlich ist diese Art zu kochen zunächst etwas aufwändiger, als die bekannte Hausmannskost zuzubereiten.
Natürlich muss man sich darauf einstellen und einlassen, aber:
Es lohnt sich!

Bewertung vom 26.08.2021
Marrakesch - Das Marokko-Kochbuch
Rosenthal, Patrick

Marrakesch - Das Marokko-Kochbuch


ausgezeichnet

Dieses wunderbare Kochbuch ist viel mehr als eine bloße Rezeptesammlung.
Es ist auch eine Reisevorbereitung, ein Reiseführer und eine Reiseerinnerung.

Durch dieses Werk erhält man einen wirklich guten Eindruck von Land, Leuten, Küche und Kultur.

Schon beim ersten Durchblättern erwachten die Erinnerungen an meinen Urlaub in dem nordafrikanischen Land und an die Tage in Marrakesch, der ehemaligen Hauptstadt des marokkanischen Reiches, zum Leben.

Die zahlreichen Fotos, Erzählungen und Tipps ließen meine Eindrücke von dieser mittelalterlichen Stadt aus der Berberzeit mit ihrem Labyrinth an Gassen, Souks, Geräuschen und Gerüchen aufploppen und ich war im Nu in entspannter Urlaubsstimmung.

So manche Orte, Plätze und Gerichte waren mir bekannt und gleichzeitig bekam ich viele neue Ideen und Inspirationen.
Eines ist klar: Marokko und die Rote Stadt sind mehr als nur eine Reise wert!

Die Rezepte sind nach Vorspeisen, Hauptspeisen und Desserts gegliedert und im Kapitel „Marrakech Delights“ findet man Gaumenfreuden wie Mandel-Buttermilch, Halloumi-Sesamwürfel und Kichererbsen-Möhren-Salat.

Ich habe schon einige Rezepte nachgekocht und wurde nicht enttäuscht.
Meine bisherigen Highlights möchte ich nicht verschweigen:
Der überbackene Tomaten-Couscous mit Mangold und würzigem Bergkäse ist äußerst schmackhaft und ruckzuck zubereitet.
Der Zucchini-Walnuss-Salat mit Feta macht sich nicht nur farblich prima auf dem Buffet, sondern ist eine leckere Besonderheit zu Gegrilltem.
Die Rindfleisch-Dattel-Tajine ist ein aromatisches, fruchtiges und würziges Gericht, das ich sicher noch häufig kochen werden, weil es köstlich schmeckt und ohne großen Aufwand zuzubereiten ist.
Und last but not least möchte ich hier die Ghriba-Mandelkekse erwähnen, die ich auf den Märkten von Marrakesch kennengelernt habe.
Diese landestypische Knabberei jetzt selbst backen zu können, freut mich, denn sie sind vorzüglich.

Eine außergewöhnliche und tolle Idee ist die Skizze „Marrakesch von oben“ am Ende des Buches.
Darauf sind all die Cafés, Plätze, Geschäfte und Orte markiert, von denen im Buch erzählt wird.

Blättert man um, dann wird man mit „Marrakesch von A-Z“ überrascht. Diese Auflistung lohnt sich zu lesen, denn man erfährt viel Wissenswertes und bekommt Geheimtipps für den nächsten Aufenthalt in dieser turbulenten und vielseitigen Stadt.

Ich empfehle dieses hochwertig gestaltete Kochbuch mit seiner Rezeptvielfalt, den appetitanregenden und geschmackvollen Fotos sowie seinen interessanten Texten und Tipps sehr gerne weiter.

Bewertung vom 26.07.2021
Indisch vegetarisch
Sodha, Meera

Indisch vegetarisch


ausgezeichnet

„130 schnelle und einfache Rezepte für jeden Tag“ werden uns auf dem äußerst ansprechend und hochwertig gestalteten Kochbuch versprochen.
Wenn man in der Küche etwas geübt ist, kann man die Rezepte tatsächlich schnell und einfach nachkochen.
Wenn man noch nicht so viel Erfahrung hat, dann ist es etwas aufwändiger, aber - es lohnt sich!

Zum herkömmlichen Inhaltsverzeichnis, das sich überwiegend an den Zutaten orientiert, gibt es zwei alternative Inhaltsverzeichnisse:
Eines, das die Anlässe und Gelegenheiten fokussiert, wie z. B. Alltagsrezepte, Wochenendrezepte, Lunchpaket-Rezepte und eines, das die Jahreszeiten berücksichtigt.
So wird man schnell fündig.

In der sympathischen Einführung erfahren wir so einiges von Meera Sodha, z. B., dass die Rezepte ihre Wurzeln in Gujarat, einem kleinen Bundesstaat an der Westküste Indiens haben.
Von dort stammt ihre Familie.
Sie selbst ist in einem kleinen Bauerndorf in England aufgewachsen und lebt seit einigen Jahren in London.

Meera Sodha präsentiert uns eine abwechslungsreiche Sammlung an geschmackvollen und gut ausbalancierten Gerichten.
Wir lernen traditionelle, überlieferte Familienrezepte kennen oder Rezepte, die sie auf ihren Reisen durch Indien entdeckt hat.
Einige Rezepte hat sie in ihrer Küche kreiert. Herausgekommen sind bei diesen Experimenten moderne und peppige Gerichte mit indischer Note.

Die Tipps für den Erfolg sind nützlich und die Menüvorschläge am Ende sind hilfreich.

Natürlich habe ich noch bei weitem nicht alle Rezepte ausprobiert, aber Einiges habe ich inzwischen nachgekocht.
Alle Versuche waren bisher ein Treffer und es kleben noch einige Notizzettel an Gerichten, die ich unbedingt auch ausprobieren möchte.

Ein paar Highlights möchte ich kurz vorstellen:
Die Champion-Walnuss-Samosas sind nicht nur originell, sondern auch sehr aromatisch.
Ein Leckerbissen!
Die Pilz-Kheema mit Erbsen sind für Pilzliebhaber ein Muß! Ein ganzes Kilo Champions wird hier verarbeitet und wer Koriander liebt, kommt überdies auf seine Kosten.
So lecker!
Ein krönender Abschluss ist der Pistazien-Mandel-Kuchen mit Safranglasur! Kardamom und Zimt geben ihm eine würzige Note, die Pistazien machen ihn knackig und der Quark saftig-frisch.
Ach ja! Nicht vergessen darf ich das Naan mit Knoblauchbutter.
Einfach köstlich!

Im gut sortierten Supermarkt, beim Inder oder Asiaten um die Ecke oder online bekommt man die Zutaten problemlos.

Ich empfehle dieses liebevoll gestaltete, vielseitige und moderne indische Kochbuch mit seinen stilvollen und appetitanregenden Fotos sehr gerne weiter!

Schmackhafte Rezepte inspirieren die Sinne und laden dazu ein, seinen kulinarischen Horizont zu erweitern und über den altbewährten Tellerrand zu schauen.

Es ist genauso, wie Meera Sodha in der Einführung ankündigt:
Wir lernen eine Gemüseküche voll kräftiger Aromen kennen.

Bewertung vom 23.07.2021
Hasana
Gavin, Paola

Hasana


ausgezeichnet

Eine kulinarische Reise durch 22 Länder. Vegetarisch und jüdisch.

Paola Gavin präsentiert mit „Hasana: Vegetarisch kochen nach traditionellen jüdischen Rezepten“ ein ganz besonderes Kochbuch.

Sie stellt uns nicht nur eine bunte und abwechslungsreiche Auswahl an traditionellen und modernen vegetarischen Gerichten vor, sondern führt den Leser auch in die jüdische Kultur und Geschichte ein.

Sie erzählt von jüdischen Bräuchen, Festen, Feiertagen und von Lebens- und Essgewohnheiten in verschiedenen Ländern.

Außerdem vermittelt sie auf lebendige und interessante Art und Weise Geschichtliches und Kulturelles über das Judentum.

Wir lernen zahlreiche Rezepte kennen, die seit Generationen von Müttern an ihre Töchter weitergegeben werden.

Der Aufbau ihres Werkes und die Gliederung ihrer Rezeptsammlung sind logisch und übersichtlich.
Es gibt Kapitel über „Vorspeisen und Salate“, „Suppen“, „Nudeln und Knödel“, „Getreide“, „Hauptgerichte“, „Eier“, „Gemüse“ und „Desserts“.

Den Überblick, in dem die Autorin auf Fest- und Feiertagsgerichte eingeht, finde ich äußerst interessant, weil man hier erfährt, welche Speisen zu welchen Gelegenheiten bevorzugt angeboten werden.

Dass neben den Zutaten, der Zubereitung, der Anzahl der Portionen auch jeweils der deutsche Name des Gerichts, der Name in der Originalsprache und ein paar Informationen zum Gericht selbst angegeben werden ist eine interessante und informative Ergänzung.

Die Informationen, Sprichwörter oder Sinnsprüche zu Beginn der Kapitel gefallen mir, weil sie wunderbar und fliesend zum nächsten Thema überleiten.

Zahlreiche appetitanregende und stilvolle Fotos bereichern dieses außergewöhnliche und äußerst ansprechende Kochbuch, dessen Rezepte sehr gut beschrieben und deshalb recht einfach und unkompliziert nachzukochen sind. Die Zutaten bekommt man problemlos in gut sortierten Supermärkten und Feinkostläden.

Ich habe bisher einige Rezepte ausprobiert und möchte kurz ein paar Highlights vorstellen:

Der Bulgur-Pilaw mit Tomaten und Pinienkernen ist gleichermaßen schlicht wie köstlich.

Die Zubereitung des Pilzstrudels ist nicht besonders aufwändig, weil Filoteig verwendet wird, aber das, was am Ende herauskommt ist unglaublich schmackhaft.

Unser absoluter Favorit sind die Spinat-Ricotta-Ravioli mit Basilikum-Walnuss-Pesto.
Da steht man zwar eine zeitlang in der Küche, aber man wird mit einem Hochgenuss belohnt.
Das Pesto ist so fein, dass ich es schon mehrmals zu Nudeln gereicht habe.
Einmal in doppelter Menge gemacht und eingefroren, ist es zweimal die Grundlage für ein Ruckzuck-Mittagessen.

Und wenn es dann abschließend noch die Schoko-Walnuss-Bällchen gibt, kann man nur noch von einem gelungenen Mahl sprechen.

Ich empfehle diese hochwertige und schön gestaltete Rezeptsammlung sehr gerne.
Sie inspiriert, unterhält und veranschaulicht die Vielfältigkeit der jüdischen Küche.

Jeder, der offen ist für Neues, der Interesse an anderen Kulturen hat und der gern kocht und genießt, wird seine Freude daran haben.

Bewertung vom 20.07.2021
Frieda von Richthofen
Abbs, Annabel

Frieda von Richthofen


ausgezeichnet

Diese Romanbiographie, in der wir Frieda von Richthofen näher kennenlernen, ist nicht nur interessant und unterhaltsam, sondern auch literarisch ansprechend.

Frieda von Richthofen ist eine Frau, die sich nicht an Konventionen hält und Grenzen sprengt, weil sie mehr will, als das, was das beginnende 20. Jahrhundert ihr zugesteht.

Frieda von Richthofen ist die Frau, die den 1885 geborenen und 1930 verstorbenen englischen Schriftsteller D. H. Lawrence zu Werken wie „Lady Chatterley“ inspirierte.

Mit 20 Jahren heiratet sie 1899 den um 14 Jahre älteren britischen Philologen Ernest Weekley.
Das Paar wird in Nottingham sesshaft und bekommt drei Kinder.
Der Alltag mit dem rigiden Professor, die theatralische, gekünstelte und letztlich biedere und spröde Gesellschaft, ihre Rolle als Mutter und die ereignislose englische Provinz erfüllen diese außergewöhnliche junge Frau nicht und man fragt sich, was aus ihr geworden wäre, hätte sie nicht eines Tages im Jahr 1907 ihre ältere Schwester in München besucht.

In der Schwabinger Bohème fühlt sie sich erstmals frei und lebendig. Sie bekommt eine Ahnung davon, wer sie ist, was sie will und was alles sein könnte.

Ihre Begegnung mit dem Psychoanalytiker Otto Gross stellt einen weiteren Wendepunkt dar. Sie stürzt sich nicht nur in eine leidenschaftliche Affäre, sondern sie wird inspiriert von seinen Gedanken und Ideen.
Ihr inneres Korsett wird durch ihre Zeit in München und durch ihre Beziehung mit Otto Gross gesprengt.

Es ist nach diesen Erfahrungen eigentlich kaum anzunehmen, dass sie sich jemals wieder in ihr Leben in der englischen Provinz einfügen wird.

Zurück in England wird auch nichts mehr wie es war.
1912 begegnet sie dem unvermögenden und ambitiösen Schriftsteller D. H. Lawrence.
Ihre heftige Liebe ist aufsehenerregend und ungeheuerlich.
Sie erregt großen Unmut.

Wir erleben in dem lesenswerten Roman von Annabel Abbs die innere und äußere Veränderung einer bemerkenswerten Frau mit, die mit ihren inneren Ambivalenzen zu kämpfen hat und letztlich nicht anders kann, als sich zu emanzipieren.

Und wir erfahren sehr viel Wissenswertes über die Gepflogenheiten, Konventionen, Schwierigkeiten und Reformbewegungen der damaligen Zeit.

Es gefiel mir, auch andere Perspektiven, nämlich die ihres Ehemannes Ernest und ihres Sohnes Monty kennenzulernen.
Das brachte nicht nur Abwechslung, sondern erweiterte auch den Blickwinkel.

Ich empfehle diese gut recherchierte, unterhaltsam, interessant und feinfühlig geschriebene Romanbiographie sehr gerne weiter.

Bewertung vom 18.07.2021
Lady Churchill / Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte Bd.2
Benedict, Marie

Lady Churchill / Starke Frauen im Schatten der Weltgeschichte Bd.2


ausgezeichnet

Die 1973 geborene Marie Benedict erzählt in diesem Roman interessant und spannend aus dem Leben von Clementine Churchill, der klugen, emanzipierten und fortschrittlichen Ehefrau von Winston Churchill.

Clementine Hozier ist eine Französischlehrerin. 1906 lernt sie den ehrgeizigen Winston Churchill, einen Abgeordneten des britischen Unterhauses, kennen und zwei Jahre später heiratet das Paar, das schließlich fünf Kinder bekommt.

Clementine ist politisch interessiert und nimmt als Beraterin geschickt und diplomatisch Einfluss auf die Karriere ihres Mannes, der von 1940 bis 1945 sowie von 1951 bis 1955 Premierminister war und Großbritannien durch den Zweiten Weltkrieg geführt hat.

Man merkt, dass die Autorin, die bekannt ist für ihre ausgezeichneten Romanbiografien, exzellent recherchiert hat.
Was mich aber letztlich überzeugt hat, ist die Transformation ihrer Rechercheergebnisse in einen aufschlussreichen, kurzweiligen und packenden Roman, der v. a. den geschichtlich interessierten Lesern gefallen wird.
Ich empfehle „Lady Churchill“ sehr gerne weiter!