Germana Fabiano
eBook, ePUB
Mattanza (eBook, ePUB)
Sofort per Download lieferbar
Statt: 23,00 €**
**Preis der gedruckten Ausgabe (Gebundenes Buch)
Weitere Ausgaben:
PAYBACK Punkte
0 °P sammeln!
Seit jeher bestimmen das Meer, der Wind und vor allem der Thunfisch das Leben auf der kleinen süditalienischen Insel Katria. Angeführt vom Raìs, gibt die Mattanza, der Höhepunkt des traditionellen Thunfischfangs, den Rhythmus der Insulaner vor. Doch nachdem der Enkel und letzte legitime Erbe des Raìs gegen alle Erwartungen als Mädchen geboren wird, muss Nora beweisen, dass sie auch als Frau die Traditionen ihrer Gemeinde wahren und ihrem Großvater nachfolgen kann. Während sich die Welt um Katria immer schneller dreht, erreichen die ersten Wellen des Tourismus die Insel und schließlich...
Seit jeher bestimmen das Meer, der Wind und vor allem der Thunfisch das Leben auf der kleinen süditalienischen Insel Katria. Angeführt vom Raìs, gibt die Mattanza, der Höhepunkt des traditionellen Thunfischfangs, den Rhythmus der Insulaner vor. Doch nachdem der Enkel und letzte legitime Erbe des Raìs gegen alle Erwartungen als Mädchen geboren wird, muss Nora beweisen, dass sie auch als Frau die Traditionen ihrer Gemeinde wahren und ihrem Großvater nachfolgen kann. Während sich die Welt um Katria immer schneller dreht, erreichen die ersten Wellen des Tourismus die Insel und schließlich auch der Strom an Menschen, für die dieses Stück Land das erste Stückchen Europa bedeutet. Der Wandel scheint unaufhaltsam und stellt Nora vor die Frage, wie weit sie zu gehen bereit ist, um ihre Traditionen zu schützen.
Dieser Download kann aus rechtlichen Gründen nur mit Rechnungsadresse in A, B, BG, CY, CZ, D, DK, EW, E, FIN, F, GR, H, IRL, I, LT, L, LR, M, NL, PL, P, R, S, SLO, SK ausgeliefert werden.
- Geräte: eReader
- ohne Kopierschutz
- eBook Hilfe
- Größe: 2.34MB
- FamilySharing(5)
- Text-to-Speech
- Keine oder unzureichende Informationen zur Barrierefreiheit
Germana Fabiano, geboren 1971 in Palermo, lebt heute auf Sizilien und in Tübingen, wo sie ihre Arbeit als Autorin mit einer Dozentur für Menschenrechte an der Universität verbindet. 2009 veröffentlichte sie ihren Debütroman »Balarm« und wurde für eine ihrer Kurzgeschichten mit dem Colonna d'Eroma ausgezeichnet. Nach weiteren Publikationen ist »Mattanza« ihr erstes Buch, das auf Deutsch erscheint.
Produktdetails
- Verlag: mareverlag
- Seitenzahl: 192
- Erscheinungstermin: 8. August 2023
- Deutsch
- ISBN-13: 9783866488267
- Artikelnr.: 68078606
Ein interessantes Buch, das die Veränderungen auf der italienischen Insel Katria im Laufe der Jahre von 1960 bis 2012 zeigt. Ist das Leben der Bewohner zu Anfang noch oder nur vom Thunfischfang geprägt - der sehr ausführlich und nicht für sensible Menschen beschrieben wird - …
Mehr
Ein interessantes Buch, das die Veränderungen auf der italienischen Insel Katria im Laufe der Jahre von 1960 bis 2012 zeigt. Ist das Leben der Bewohner zu Anfang noch oder nur vom Thunfischfang geprägt - der sehr ausführlich und nicht für sensible Menschen beschrieben wird - wandelt es sich während der Jahre. Der Leser erlebt die erste vorsichtige Öffnung gegenüber dem Fremdenverkehr und den damit verbundenen Reibereien innerhalb der Inselbevölkerung. Auch mit anderen alten Traditionen wird gebrochen, um das Überleben der Gemeinschaft zu sichern. Zwischen den Zeilen geht es nach und nach auch um die Umweltverschmutzung der Meere, industriellen Fischfang und die Flüchtlingskrise, die alle Auswirkungen auf die kleine Inselgemeinschaft haben. Der Schreibstil ist gut lesbar und die Autorin verbindet eine untergegangene Welt geschickt mit dem Heute. Lesenswert.
Weniger
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Zum Inhalt:
Schon immer bestimmen Meer und Wind das Leben auf der süditalienischen Insel Katria, noch mehr wird aber das Leben durch den Thunfisch bestimmt. Und die Mattanza, die die Höhepunkt des Fangs bildet gibt den Rhythmus auf der Insel vor. Als der letzte legitime Erbe kein Junge …
Mehr
Zum Inhalt:
Schon immer bestimmen Meer und Wind das Leben auf der süditalienischen Insel Katria, noch mehr wird aber das Leben durch den Thunfisch bestimmt. Und die Mattanza, die die Höhepunkt des Fangs bildet gibt den Rhythmus auf der Insel vor. Als der letzte legitime Erbe kein Junge ist, muss diese beweisen, dass auch eine Frau die Traditionen fortsetzen kann. Doch die Welt ändert sich und Touristen und Flüchtlinge verändern alles.
Meine Meinung:
So richtig konnte ich mir der Geschichte nichts anfangen und gerade zum Ende hin, fand ich dann auch, dass alles sich viel zu schnell entwickelte, aber vielleicht war das ja so beabsichtigt, um den schnellen Wandel der Welt darzustellen. Insgesamt hat mir die Geschichte nicht viel gesagt, habe ich vermutlich schnell wieder vergessen, aber dennoch fand ich den Schreibstil an sich ganz gut und gut lesbar.
Fazit:
Ganz okay
Weniger
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Germana Fabiano entführt uns auf die kleine sizilianische Insel Katria. Sie ist so klein, dass es keine Straßen für Autos gibt, nur unbefestigte Wege für Motorräder.
Seit Jahrhunderten leben die Menschen vom Fischfang, genauer gesagt von den Thunfischen, die auf dem Weg …
Mehr
Germana Fabiano entführt uns auf die kleine sizilianische Insel Katria. Sie ist so klein, dass es keine Straßen für Autos gibt, nur unbefestigte Wege für Motorräder.
Seit Jahrhunderten leben die Menschen vom Fischfang, genauer gesagt von den Thunfischen, die auf dem Weg zu ihren Laichplätzen in die „Tonnara“, einem ausgeklügelten System von Netzen geraten und in der „Kammer des Todes“ von den Tonnaroti getötet werden. Das Kommando zum Beginn der „Mattanza“ gibt traditionell der Raís, der seit Jahrhunderten aus einer bestimmten Familie stammen muss.
Doch nun, im Jahr 1960 gibt es keinen männlichen Nachfolger, weder Neffe noch Cousin. Also bestimmt der regierende Raís, seine Enkelin Nora als seine Nachfolgerin. Nirgends, so argumentiert er, steht geschrieben, dass nicht eine Frau die verantwortungsvolle Aufgabe übernehmen kann. Nora widmet sich der Ausbildung, wird aber gleichzeitig von den Dorfbewohnern scheel angesehen. Sie lebt wie „hinter Glas“.
Als er 1979 einen Schlaganfall erleidet, muss Nora die schwere Arbeit übernehmen und sie meistert die Aufgabe mit Bravour. Der Fang ist überaus üppig. Doch langsam gehen die ertragreichen Jahre zu Ende, bis es 2003 nur mehr weniger als ein Dutzend Thunfische sind, die den Fischern ins Netz gehen. Denn die großen Fangflotten haben durch Überfischung den Thunfischbestand fast ausgerottet.
Meine Meinung:
Germana Fabianos Erzählstil ist fesselnd und ich konnte das Meer und die blutige Arbeit riechen. Die Menschen sind von Wind und Wetter gegerbt, tief in ihren Traditionen verwurzelt und nehmen dennoch ihr Schicksal in ihre eigenen Hände, als der Verkauf der Konservenfabrik droht. Leidenschaftlich und äußerst eindrucksvoll schildert die Autorin die Ereignisse vom Höhepunkt bis zum Niedergang des traditionellen Fischfangs.
Das Buch kann einige Leser verstören, denn die „Mattanza“ ist eine blutige und archaische Angelegenheit, die mehrmals genau geschildert wird.
Fazit:
Ein grausames, aber eindrucksvolles Stück Zeitgeschichte, das es wert ist, gelesen zu werden.
Weniger
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Nora und die Fischer von Katria
Dieser nahezu verzaubernde Roman hat geringen Umfang und deckt doch einen Zeitraum von 1960 bis 2012 auf der Insel Katria ab.
Traditionell gibt es einen männlichen Anführer, der Rais genannt wird, doch jetzt blieb der männliche Nachwichs aus und …
Mehr
Nora und die Fischer von Katria
Dieser nahezu verzaubernde Roman hat geringen Umfang und deckt doch einen Zeitraum von 1960 bis 2012 auf der Insel Katria ab.
Traditionell gibt es einen männlichen Anführer, der Rais genannt wird, doch jetzt blieb der männliche Nachwichs aus und Nora wird von Geburt an zur neuen Rais vorgesehen. Ausgebildet wird sie vom strengen Großvater, den bisherigen Rais.
Ihre wichtigste Rolle dabei ist Mattanza, die traditionelle Thunfischjagd.
Die Insel wird so lange fortbestehen, wie jemand von ihrem Blut die Mattanza anführt, so der Glaube.
Noras Leben ist geprägt und vorgezeichnet durch die ihr zugewiesene Rolle, so sieht sie ihre Familie immer nur sonntags und verbleibt sonst beim Rais und ihren Aufgaben.
Dadurch wird sie aber auch zur entschlossenen Persönlichkeit. Das hat mich an dem Buch beeindruckt.
Germano Fabianos Beschreibungen sind detailreich, um Beispiel über den Thunfischfang und sehr interessant. Man kann sich kaum losreißen vom Buch. Ein Buch mit so einer Handlung gehört wirklich zum Mare-Verlag.
Weniger
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Gebundenes Buch
Entgegen allen Hoffnungen gebärt die Tochter des Anführers des traditionellen Thunfischfangs nicht den ersehnten Enkelsohn, eine dritte Tochter ist es geworden. Die Inselbewohner Katrias sind erstaunt, als der Raìs das Mädchen trotzdem zu seiner Nachfolgerin erwählt, zu …
Mehr
Entgegen allen Hoffnungen gebärt die Tochter des Anführers des traditionellen Thunfischfangs nicht den ersehnten Enkelsohn, eine dritte Tochter ist es geworden. Die Inselbewohner Katrias sind erstaunt, als der Raìs das Mädchen trotzdem zu seiner Nachfolgerin erwählt, zu sich nimmt und ausbildet. Nora weiß noch nicht, was für ein schweres Erbe auf sie wartet, abhängig von den Besitzern der Tonnara, beeinflusst durch den Lauf der Welt.
„Eleonora war eine Mogelpackung; sie war das Kind, das sich an die Stelle eines anderen geschoben und das niemand gerufen hatte. In jener Februarnacht, in der sie geboren wurde, hatten die Tonnaroti erkannt, dass selbst Gott nicht unfehlbar war, an Eleonora klebte der Fluch der Insel, und niemand konnte etwas dagegen tun.“ (Seite 10)
Alles begann im Jahr 1960, als der ersehnte Enkelsohn ausblieb und das abergläubische Inselvolk schlimme Auswirkungen befürchtete. Über fünfzig Jahre lang durfte ich ihnen über die Schulter schauen, nahm Anteil, hab getrauert, die Daumen gehalten, fühlte ihre Freude genauso wie ihren Schmerz. Die Bewohner der Insel mit ihren Ängsten und Sorgen, ihren Marotten und dem unerschütterlichen Glauben, dass alles gut wird, egal, was kommt, schlichen sich in mein Herz, nahmen dort Platz, machten sich breit und hielten es gefangen bis zuletzt. Das Beharren an einer Tradition, die sich im Laufe der Jahrzehnte auf Katria nicht verändert, aber irgendwann aus verschiedenen Gründen überholt hat, konnte ich verstehen, auch wenn der Thunfischfang auf eine blutige, um nicht zu sagen barbarische Art erfolgte. Die Beschreibungen faszinierten und stießen mich gleichermaßen ab.
„Die Tonnara mit ihren vier Phasen hatte gerade begonnen: Cruciatu, das Spannen und Fixieren der Verankerungsseile, Calatu, das Ausbringen der Netze, Mattanza, das Töten, und Salpatu, das Einholen und Einlagern der Reusenanlage, wonach alles bis zum nächsten Jahr aus dem Kopf verbannt war.“ (Seite 55)
Die Geschichte konnte leise und melancholisch, aber auch stürmisch und ungezügelt sein, genauso wie das Meer, das die Insel umgab. Zu Beginn irritierten mich die vielen italienischen Begriffe, die zum Glück später immer wieder übersetzt worden sind. Die Sprache war schön, manchmal fast poetisch, ich fühlte mich wohl und wäre gerne geblieben, auch wenn der Zauber verging und die Tradition mit ihm. Ich fühle Sehnsucht nach Katria, würde gerne aufs Meer hinaus, zu den Wellen und zu dem Wind, bleibe dankbar dafür, dass ich dabei gewesen bin.
Weniger
Antworten 10 von 10 finden diese Rezension hilfreich
Antworten 10 von 10 finden diese Rezension hilfreich
Gebundenes Buch
Von Thunfischen und Menschen - Atmosphärisch dicht erzählt
In "Mattanza" begleitet man eine italienische Fischerinsel mitsamt Bewohnern, wie sie beide dem Wandel der Zeit ausgesetzt sind und den aufkommenden Veränderungen versuchen mehr oder weniger erfolgreich zu …
Mehr
Von Thunfischen und Menschen - Atmosphärisch dicht erzählt
In "Mattanza" begleitet man eine italienische Fischerinsel mitsamt Bewohnern, wie sie beide dem Wandel der Zeit ausgesetzt sind und den aufkommenden Veränderungen versuchen mehr oder weniger erfolgreich zu trotzen.
Auf Katria wird seit jeher der traditionelle Thunfischfang, der Tonnarra, betrieben, und zwar traditionell angeführt vom männlichen Erbe des Rais. Doch der bleibt diesmal aus, anstatt dem langersehnten männlichen Nachfolger wird Nora geboren. Nora wird gegen den Traditionen zur Erbin des Rais und somit im traditionellen Thunfischfang ausgebildet. Mit den Jahren wächst sie als Erbin des Rais in ihre Rolle und Aufgaben hinein und schafft es, die Zweifler zu überzeugen. Das Leben auf Katria könnte seinen ruhigen und gewohnten Bahnen verlaufen, wären da nicht die Veränderungen, die auch vor Katria nicht haltmachen. So landen bald nicht nur Thunfische an der Küste der italienischen Insel an, sondern anfangs Touristen und dann später Flüchtlinge.
Ein ständiger Kampf mit und gegen die Traditionen durchzieht den Roman.
Die Autorin schafft es hierbei fesselnd und stimmungsvoll ein umfassendes Porträt der Inselbewohner, von der Protagonistin Nora und vor allem vom Meer und vom Thunfischfang zu zeichnen. Unter ihrer Feder erwacht die Insel zum Leben und man wird beim Lesen Teil dieser. Gleiches gilt auch für die Fischergemeinschaft.
Anfangs hätte ich nicht gedacht, dass ein Roman über den Fischfang mich so in seinen Bann ziehen könnte, "Mattanza" hat dies aber dank seines ausdrucksstarken Schreibstils, der gut Stimmungen und Gefühle einfangen kann, geschafft.
Dank verschiedener Erzählperspektiven und der Aufteilung der Kapitel nach Jahreszahlen, beginnend im Jahr 1960 bis 2012, wird man direkt Zeuge des Wandels, der auf Katria einzieht und kann die verschiedenen Sichtweisen der Charaktere verstehen. Gerne hätte ich mir deswegen noch mehr Einblick in das traditionelle Leben auf Katria und wie es sich über die Jahre hinweg verändert, gewünscht. Teilweise war es mir nämlich zu episodenhaft erzählt, sodass leider etwas an Tiefe verloren gegangen ist. Insgesamt wurde zwar ein tolles umgreifendes Gesamtpanorama der Insel, seiner Bewohner und des Fischfangs erzeugt, aber verblieb manchmal nur an der Oberfläche. Im Gegensatz zum Meer, hat die Geschichte dadurch nicht ihre ganze erzählerische Kraft entfalten können, was schade ist, denn der bildhafte Schreibstil und die vielschichtige Handlung weiß zu begeistern. Ein paar mehr Seiten hätten dem Roman sicherlich gutgetan.
Trotz kleiner Schwächen, wusste "Mattanza" mich zu fesseln und ich bin die Welt der Fischergemeinschaft von Katria eingetaucht.
Weniger
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Gebundenes Buch
Nora, der letzte Raìs - Dieses Buch ist ein kleines Juwel!
"Dies erzählt meine Geschichte. Sie erzählt, dass ich einen Fluch mitbrachte, der trotz aller Anstrengungen schließlich über die Insel gekommen ist. Denn Legenden lassen sich nicht durch Tricksereien und …
Mehr
Nora, der letzte Raìs - Dieses Buch ist ein kleines Juwel!
"Dies erzählt meine Geschichte. Sie erzählt, dass ich einen Fluch mitbrachte, der trotz aller Anstrengungen schließlich über die Insel gekommen ist. Denn Legenden lassen sich nicht durch Tricksereien und Kniffe beeinflussen. Sie erzählt, dass ich in einer Winternacht anstelle eines anderen kam und dass man das Schicksal erzwingen wollte, indem man mir eine Aufgabe übertrug, die nicht meine sein durfte."
Nora, der letzte Raìs von Katria
Diese Geschichte von Germana Fabiano beruht sowohl auf Fakten und ist zugleich fiktiv. Die Mattanza (wörtl.: Abschlachten der Thunfische), mit allem was dazugehört, gehört dabei auf die Seite der Fakten: Diese wurde über Jahrhunderte auf den Inseln vor der sizilianischen Küste zelebriert, hauptsächlich in der Region um Trapani, wo auch die vermutlich fiktive Insel Katria verortet ist (es könnte sich dabei um die tatsächlich bestehende Insel Favignana handeln, eine der Ägadischen Inseln vor der Westküste Siziliens). Die Geschichte von Nora ist fiktiv, doch durch sie lernt man das Leben der Fischer und Dorfbewohner etwas kennen. Die Geschichte Nora's hat mich wirklich berührt: ein Mädchen im Kindesalter aus ihrer Familie zu nehmen und sie unter die Obhut des Großvaters zu geben, um in der Zukunft über Wohl oder Leid der Inselbewohner zu entscheiden - was für eine große Last und Verantwortung! Misstrauisch beäugt und von den Dorfbewohnern als "Fehler Gottes" betrachtet, die ihr Schicksal in ihren kleinen Händen sehen, sowie distanziert von ihren Eltern und Schwestern erlebt Nora eine einsame Kindheit und Jugend, die sie maßgeblich prägen. Die Autorin hat mit Nora eine Figur geschaffen, mit der man einfach mitfühlen muss. Dennoch bleibt sie flüchtig wie ein Geist: geheimnisvoll und irgendwie nicht ganz zu greifen. Ihre wahren Gefühle blieben mir als Leser weitestgehend verschlossen, was der Faszination aber in keinster Weise abträglich war. Übrigens finde ich das Coverfoto hier sehr stimmig zur Beschreibung von Nora: still und nachdenklich, aber auch kraftvoll, willensstark und geheimnisumwittert.
Was mich wirklich begeistert, ist der Schreibstil der Autorin! Ruhig, bildstark und sehr filigran passt diese wunderbar in die Zeit der 60-er Jahre, in der die Geschichte beginnt. Doch es ist auch eine sehr poetische Sprache und beschreibt Personen und Geschehnisse zwar etwas distanziert-verträumt, aber trotzdem stets mit wenigen Sätzen punktgenau. Einfache, aber wahre Lebensweisheiten sind wunderbar eingewoben und ließen mich immer wieder innehalten. Häufige Perspektivwechsel und ein paar mysteriöse Todesfälle verleihen der Geschichte eine weitere interessante Facette. Auch die starke Liebe zum Meer, der Respekt vor der Natur, den Elementen und der unzähmbaren Gewalt des Ozeans spürt man auf jeder Seite. Man schmeckt fast schon das Salzwasser auf den Lippen und hört die Möwen über sich kreischen...
Ein Namensverzeichnis sowie ein Glossar für die Fischerei-Begriffe und italienischen Bezeichnungen wäre hilfreich gewesen, aber mit der Zeit fiel es leichter, die Dorfbewohner namentlich auseinanderzuhalten. Auch hätte ich mir ein Nachwort der Autorin zu diesem Buch gewünscht, um mehr über ihre Motivation und Hintergründe für das Schreiben dieser Geschichte von ihr zu erfahren.
Diese Geschichte umspannt auf nicht einmal 200 Seiten über fünf Jahrzehnte und endet im Jahr 2012. Ganz klar, dass bei diesem Umfang vieles nur an der Oberfläche kratzt. Dennoch ist die Entwicklung sowohl der Insel als auch der Bewohner von den frühen 60er Jahren bis ins Jahr 2012 sehr gut dargestellt. Bereits in den 90er Jahren ist das Mittelmeer tlw. überfischt und es kommen kaum mehr Thunfischschwärme in Katria an. Stattdessen Flüchtlinge auf maroden Booten, sowohl tot als auch lebendig, die das Leben Katrias für immer verändern. Ihre Insel wird zum Auffanglager, Touristen bleiben fern und Thunfische sowieso ... die Lebensgrundlage der Inselbewohner ist zerstört, doch niemand in der Welt draußen interessiert sich wirklich für ihre Sicht, für ihr Schicksal und wie es für sie weitergehen soll. All das erinnert - sicher nicht ungewollt - auch an Lampedusa.
Fazit:
Für mich ein echtes Lese-Highlight, sowohl inhaltlich wie auch besonders wegen der wunderbaren Sprache. Ein sehr lesenswertes Buch mit vielen Facetten, welches noch lange nachklingt. Daher eine absolute Leseempfehlung!
Weniger
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Gebundenes Buch
Das Thema ist absolut innovativ. Einen Roman über den Thunfischfang auf einer fiktiven Insel in Italien habe ich bis dato nicht in die Hände bekommen. Daher hat mich das Thema sehr interessiert, wie sich zum ersten Mal eine Frau in einer Reihe von Männern in einem …
Mehr
Das Thema ist absolut innovativ. Einen Roman über den Thunfischfang auf einer fiktiven Insel in Italien habe ich bis dato nicht in die Hände bekommen. Daher hat mich das Thema sehr interessiert, wie sich zum ersten Mal eine Frau in einer Reihe von Männern in einem männerdominierenden Beruf als Oberhaupt schlagen können wird.
Allerdings entwickelte sich der Roman recht schnell in eine politische Richtung. Es ging nicht um Nora und ihren Durchsetzungswillen, sondern vielmehr um die Ethik des Fischfangs, boomenden Tourismus und schließlich die Flüchtlingskrise. Eine Wendung, die ich nicht kommen haben sehe und daher etwas enttäuscht zurückbleibe.
Wer sich allerdings für einen solchen Roman interessiert, dem kann ich das Buch empfehlen. Stilistisch ist er allerdings sehr distanziert geschrieben. Darauf muss man sich einlassen können. Zudem gibt es extrem viele Charaktere, die ich mir nicht alle merken konnte. Eine Charakterliste im Anhang wäre hier hilfreich gewesen.
Weniger
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Gebundenes Buch
Mattanza ist ein besonderes Buch, bei dem man nicht auf den ersten Blick erfassen kann, um was es der Autorin geht. Die Geschichte wird über einen großen Zeitabschnitt erzählt und umfasst die Jahre 1960-2012. Vordergründig geht es um die Bewohner der Insel Katria, die sich dem …
Mehr
Mattanza ist ein besonderes Buch, bei dem man nicht auf den ersten Blick erfassen kann, um was es der Autorin geht. Die Geschichte wird über einen großen Zeitabschnitt erzählt und umfasst die Jahre 1960-2012. Vordergründig geht es um die Bewohner der Insel Katria, die sich dem traditionellen Thunfischfang verschrieben haben. Damit verbunden sind viele Traditionen und Aberglaube, was nicht so leicht mit dem Wandel der Zeit zu vereinbaren ist. So fehlt zu Beginn der männliche Nachfolger für den Raìs, der die ganze Thunfischsaison der Chef ist. Nora übernimmt jedoch den Job und macht sich gar nicht schlecht. Zwar geht es viel um die Arbeit der Thunfischfänger, welche meiner Meinung nach sehr grausam war, jedoch beleuchtet das Buch auch ganz andere Themen. So geht es zwischen den Zeilen um die Flüchtlingskrise, um den Tourismus, um die Umweltverschmutzung im Meer und auch um den industriellen Fischfang. Die Bewohner der Insel werden von Jahr zu Jahr immer mehr gebeutelt. Wie schaffen sie es, so lange durchzuhalten? Der Schreibstil der Autorin ist leicht zu verstehen, so dass man das Buch recht zügig durchlesen kann. Ich war jedoch über die doch sehr tiefgehenden Themen überrascht. Eine klare Leseempfehlung von mir!
Weniger
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Gebundenes Buch
Geheimnisvoll, verträumt, sehnsüchtig, so lädt uns die junge hübsche Frau auf dem Cover ein, in Nora Lombardos Geschichte und die der Insel Katria einzutauchen. Sie spiegelt für mich viele der Gefühle Noras wider.
Als Fehler Gottes - es wurde sehnsüchtig ein Junge …
Mehr
Geheimnisvoll, verträumt, sehnsüchtig, so lädt uns die junge hübsche Frau auf dem Cover ein, in Nora Lombardos Geschichte und die der Insel Katria einzutauchen. Sie spiegelt für mich viele der Gefühle Noras wider.
Als Fehler Gottes - es wurde sehnsüchtig ein Junge als Nachfolger des Raís, der Führungspersönlichkeit im Thunfischfang, erwartet - wird Nora geboren und von ihrem Großvater, dem derzeitigen Raís auf ihre Rolle vorbereitet. Sie muss ihren Abscheu vor dem Meer ablegen und nimmt, von der Bevölkerung Katrias einerseits auf Abstand gehalten, andererseits wie ein Schatz behütet, ihre schicksalhafte Bestimmung an.
Wir begleiten Nora von 1960 bis 2012 auf ihren Wanderungen über die Insel, bei ihren wortkargen Begegnungen mit anderen, auf ihren Mattanzas und ihrem übrigen sich langsam wandelnden Lebensweg. Sie dirigiert wie einst ihr Großvater den Thunfischfang. Es ist faszinierend, wie jahrtausendealtes Wissen um die Lebensweise der Thunfische und Strömungen des Meeres sowie harte Arbeit einen erfolgreichen Fang garantieren und das Leben auf der Insel bestimmen. .
Die traditionellen Abläufe werden allerdings im letzten Drittel des Buches durch konkurrierende Fischfangflotten, Toruismus und Flüchtlingswellen erschüttert. Können Nora und die anderen Bewohner Katrias die sozialen und ökonomischen Krisen überwinden?
Germana Fabiano, in Palermo geboren und heute auch noch teilweise auf Sizilien lebend, lässt ihre Charaktere sehr authentisch agieren. Sie öffnet mit der vom Thunfischfang abhängigen Insel Katria einen kleinen Kosmos diverser Persönlichkeiten. Diese leben zwar meist einfach, sind aber sehr lebensklug und achten, ja schützen notfalls auch die Bedürfnisse dieser kleinen Gemeinschaft.
Ich war nach der Leseprobe sehr gespannt auf Nora und die Art und Weise, wie sie in eine von Mänern dominierte Welt hineinwächst und als starke Frau ihren Mann steht. Die Schilderung der Mattanza hat mich wider Erwarten auch sehr gefesselt, wenngleich ich die Abschlachtung der Thunfische grauenvoll fand - in Hinblick auf die Existenzsicherung allerdings notwendig. Nach Erhalt des Buches habe ich es regelrecht verschlungen, was neben der Zeichnung und Entwicklung der Charaktere auch der teils poetischen Sprache zu verdanken ist. Katria und seine Charaktere nahmen förmlich Gestalt an. Ich empfehle das Buch gerne auf jeden Fall weiter!
Weniger
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Antworten 0 von 0 finden diese Rezension hilfreich
Andere Kunden interessierten sich für
