Der Übergang / Passage Trilogie Bd.1 - Cronin, Justin
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Justin Cronin 

Der Übergang / Passage Trilogie Bd.1

Roman

Übersetzung: Rainer Schmidt
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Der Übergang / Passage Trilogie Bd.1

Die Welt, wie Sie sie kennen, wird es nicht mehr geben!
Bevor sie das Mädchen von Nirgendwo wurde - das Mädchen, das plötzlich auftauchte, die Erste und Letzte und Einzige, die tausend Jahre lebte - war sie nur ein kleines Mädchen aus Iowa und hieß Amy. Amy Harper Bellafonte.
Das Mädchen Amy ist gerade einmal sechs Jahre alt, als es von zwei FBI-Agenten entführt und auf ein geheimes medizinisches Versuchsgelände verschleppt wird. Man hat lange nach Amy gesucht: der optimalen Versuchsperson für ein mysteriöses Experiment, das nichts Geringeres zum Ziel hat, als Menschen unsterblich zu machen. Doch dann geht irgendetwas schief - völlig schief. Von einem Tag auf den anderen rast die Welt dem Untergang entgegen. Und nur eine kann die Menschheit vielleicht noch retten: Amy Harper Bellafonte.

"...Kein hastig hingeschriebener Horror-Schocker, sondern ein ausgefeiltes Werk mit sensibel gezeichneten Charakteren. ...Wie der Zerfall unserer Welt hier erzählt wird, ist einfach großartig gruselig." -- Stern

"Vielleicht hat Cronin ihn wiedergefunden, den Dickens-Code. Sein Buch ist jedenfalls eines, das als Strandschmöker funktioniert und gleichzeitig erstaunliche literarische Qualität besitzt. Es ist eine gekonnte Kombination aus Cormac McCarthys preisgekrönter Apokalypse 'Die Straße' und dem Kino-Blockbuster 'Mad Max'. Eine, zugegeben, sehr schmackhafte Mischung." -- FOCUS

''Der Übergang' ist kein kleiner Roman, er ist mehr als tausend Seiten lang, er wurde glänzend besprochen und von Stephen King als 'fesselndes Epos' gelobt. Und er ist nur das erste Buch einer Trilogie um ein zivilisationsvernichtendes Vampir-Virus, die ein ganzes Millennium umspannt.' -- Berliner Zeitung


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2010
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 1019 S.
  • Seitenzahl: 1024
  • Passage-Trilogie Bd.1
  • Deutsch
  • Abmessung: 235mm x 167mm x 55mm
  • Gewicht: 1169g
  • ISBN-13: 9783442311705
  • ISBN-10: 3442311705
  • Best.Nr.: 29523901
"...Kein hastig hingeschriebener Horror-Schocker, sondern ein ausgefeiltes Werk mit sensibel gezeichneten Charakteren. ...Wie der Zerfall unserer Welt hier erzählt wird, ist einfach großartig gruselig." (Stern)

",Der Übergang' ist kein kleiner Roman, er ist mehr als tausend Seiten lang, er wurde glänzend besprochen und von Stephen King als ,fesselndes Epos' gelobt. Und er ist nur das erste Buch einer Trilogie um ein zivilisationsvernichtendes Vampir-Virus, die ein ganzes Millennium umspannt."

"Der Schreibstil ist einfach brillant." www.phantastik-couch.de

"...Kein hastig hingeschriebener Horror-Schocker, sondern ein ausgefeiltes Werk mit sensibel gezeichneten Charakteren. ...Wie der Zerfall unserer Welt hier erzählt wird, ist einfach großartig gruselig." (Stern)
Justin Cronin stammt aus New England und studierte in Harvard. Er besuchte den berühmten Iowa Writers Workshop und lebt heute mit seiner Frau und seinen Kindern in Houston, Texas, wo er an der Rice University Englische Literatur unterrichtet. Er veröffentlichte zwei Romane, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Übersetzungsrechte an seinem jüngsten Roman "Der Übergang", an dem er über vier Jahre arbeitete, wurden innerhalb kürzester Zeit in 23 Länder verkauft.

Leseprobe zu "Der Übergang / Passage Trilogie Bd.1" von Justin Cronin

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Leseprobe zu "Der Übergang / Passage Trilogie Bd.1" von Justin Cronin

Bevor sie "Das Mädchen Von Nirgendwo" wurde - das Mädchen, das plötzlich auftauchte, Die Erste Und Letzte Und Einzige, die tausend Jahre lebte -, war sie nur ein kleines Mädchen aus Iowa und hieß Amy. Amy Harper Bellafonte.

Als Amy geboren wurde, war ihre Mutter Jeanette neunzehn. Jeanette taufte das Baby Amy nach ihrer eigenen Mutter, die schon lange tot war, und den zweiten Vornamen, Harper, gab sie ihr nach Harper Lee, der Frau, die Wer die Nachtigall stört geschrieben hatte, Jeanettes Lieblingsbuch - und obendrein das einzige Buch, das sie auf der Highschool von Anfang bis Ende gelesen hatte. Sie hätte sie vielleicht auch Scout genannt, nach dem kleinen Mädchen in dem Buch, denn sie wollte, dass ihr kleines Mädchen genauso wurde, zäh und komisch und klug - so, wie sie selbst, Jeanette, nie hatte werden können. Aber Scout war ein Jungenname, und sie wollte nicht, dass ihre Tochter ihr Leben lang erklären musste, warum sie so hieß.

Amys Vater war ein Mann, der eines Tages in das Lokal hereingeschneit kam, in dem Jeanette schon seit ihrem sechzehnten Lebensjahr bediente; ein Diner, der bei allen nur The Box hieß, weil er genauso aussah: wie ein großer, verchromter Schuhkarton neben der Landstraße. Rechts und links nur Mais- und Bohnenfelder, und meilenweit sonst gar nichts außer einer Autowaschanlage mit Selbstbedienung, so einer, wo man Münzen einwerfen und dann die ganze Arbeit selbst tun musste. Der Mann, der Bill Reynolds hieß, verkaufte große Landmaschinen, Mähdrescher und solche Sachen, und er war ein Schmeichler und erzählte Jeanette, als sie ihm seinen Kaffee einschenkte und danach immer wieder, wie hübsch sie doch sei und wie gut ihm ihr kohlrabenschwarzes Haar und ihre nussbraunen Augen und ihre schlanken Handgelenke gefielen. Und es klang so, als meinte er es wirklich ernst, nicht wie die Jungs in der Schule, die so etwas nur sagten, um sie rumzukriegen. Er hatte ein großes Auto, einen neuen Pontiac mit einem Armaturenbrett, das glänzte wie ein Raumschiff, und mit Ledersitzen, so weich wie Butter. Sie hätte diesen Mann lieben können, dachte sie, ihn wirklich und wahrhaftig lieben können. Aber er blieb nur ein paar Tage in der Stadt und fuhr dann weiter. Als sie ihrem Vater erzählte, was passiert war, wollte er sich den Kerl schnappen und dafür sorgen, dass er für alles geradestand. Aber was Jeanette wusste und nicht sagte, war dies: Bill Reynolds war ein verheirateter Mann. Er hatte eine Familie in Lincoln, weit weg in Nebraska. Er hatte ihr sogar die Fotos seiner Kinder in seiner Brieftasche gezeigt, zwei kleine Jungs in Baseball-Trikots, Bobby und Billy. Und deshalb sagte sie ihrem Vater nicht, wer der Mann war, der ihr das angetan hatte, auch wenn er sie noch so oft fragte. Sie verriet ihm nicht einmal seinen Namen.

Und um ehrlich zu sein, machte ihr das alles nichts aus: nicht die Schwangerschaft, die bis zum Schluss problemlos verlief, nicht die Entbindung, die kurz, aber schwer war, und schon gar nicht das Baby, ihre kleine Amy. Um Jeanette zu zeigen, dass er ihr verziehen hatte, hatte ihr Vater das alte Zimmer ihres Bruders als Kinderzimmer hergerichtet, sogar das alte Kinderbett hatte er vom Speicher geholt, in dem Jeanette vor Jahren selbst noch geschlafen hatte. Gegen Ende der Schwangerschaft war er mit ihr zu Wal-Mart gefahren, um ein paar Sachen zu holen, die sie brauchen würde - Strampelanzüge und eine kleine Plastikwanne und ein Mobile zum Aufziehen, das über dem Bettchen hängen sollte. Er hatte in einem Buch gelesen, dass Babys solche Sachen bräuchten, Sachen zum Anschauen, damit ihr kleines Gehirn in Gang kam und anfing, ordentlich zu arbeiten. Von Anfang an dachte Jeanette bei dem Baby immer an "sie", denn im Grunde ihres Herzens wünschte sie sich ein Mädchen, aber sie wusste, dass man so etwas niemandem sagen durfte, nicht einmal sich selbst durfte man das eingestehen. Im Krankenhaus drüben in Cedar Falls hatte sie eine Ultraschalluntersuchung machen lassen. Als die Frau in dem geblümten Kittel mit dem kleinen Plastikpaddel über ihren Bauch strich, hatte sie sie gefragt, ob sie sehen könne, was es war. Aber die Frau hatte nur gelacht, auf den Monitor mit Jeanettes vor sich hinträumendem Baby geschaut und gemeint: Honey, dieses Baby ist schüchtern. Bei manchen kann man es sehen, bei andern wieder nicht, und das hier ist eins von den Letzteren. Deshalb wusste Jeanette es nicht, und es war ihr auch recht. Nachdem sie und ihr Vater das Zimmer ihres Bruders ausgeräumt und seine alten Wimpel und Poster von den Wänden genommen hatten - José Canseco, eine Band namens Killer Picnic, die Bud Girls -, sahen sie, wie verschossen und verschrammt die Wände waren, und sie strichen sie mit einer Farbe, die "Dreamtime" hieß und die irgendwie eine Mischung aus Rosa und Blau war - passend für Babys beiderlei Geschlechts. Ihr Vater klebte eine Tapetenbordüre oben an die Wand, ein gleichförmiges Muster aus Enten, die in einem Tümpel plantschten, und polierte den alten Schaukelstuhl aus Ahorn, den er bei einer Versteigerung ergattert hatte. Jeanette sollte schließlich auch etwas haben, wo sie sitzen und die Kleine im Arm halten konnte.

Das Baby kam im Sommer; es war ein Mädchen, wie sie es sich gewünscht hatte, und wurde Amy Harper Bellafonte genannt. Reynolds stand als Name nicht zur Debatte - der Nachname eines Mannes, den Jeanette vermutlich nie wiedersehen würde und den sie jetzt, da Amy da war, auch gar nicht mehr wiedersehen wollte. Und Bellafonte - einen besseren Namen konnte man gar nicht haben. Es bedeutete "schöne Quelle", und genau das war Amy auch. Jeanette fütterte und wiegte sie und wechselte ihre Windeln, und wenn Amy mitten in der Nacht weinte, weil sie nass oder hungrig war oder Angst vor der Dunkelheit hatte, dann stolperte Jeanette durch den Flur zum Kinderzimmer, ganz gleich, wie spät es war oder wie müde sie nach der Arbeit im Diner war. Und sie nahm die Kleine auf und sagte, sie sei da und sie werde immer für sie da sein: Wenn du weinst, komme ich gerannt, das ist der Deal zwischen uns beiden, zwischen dir und mir, für immer und ewig, meine kleine Amy Harper Bellafonte. Dann hielt sie sie auf dem Arm und wiegte sie, bis die Jalousien in der Morgendämmerung fahl wurden und sie in den Ästen der Bäume draußen die Vögel singen hörte.

Mit einem Mal war Amy drei, und Jeanette allein. Ihr Vater war gestorben, an einem Herzinfarkt, sagte man ihr, oder vielleicht an einem Schlaganfall. Niemand nahm das so genau. Was immer es war, es traf ihn eines Wintermorgens in aller Früh, als er zu seinem Truck ging, um zur Arbeit im Silo zu fahren; er hatte gerade noch Zeit, seinen Kaffee auf den Kotflügel zu stellen, bevor er tot umfiel. Er verschüttete keinen Tropfen. Sie arbeitete immer noch im Diner, aber plötzlich reichte das Geld nicht mehr, nicht für Amy und sie zusammen, und ihr Bruder, der irgendwo bei der Navy war, beantwortete ihre Briefe nicht. Gott hat den Staat Iowa geschaffen, hatte er immer gesagt, damit man wieder von dort abhauen kann. Sie wusste nicht, was sie tun sollte.

Da kam eines Tages ein Mann in das Lokal. Es war Bill Reynolds. Er war irgendwie verändert, aber nicht zum Besseren. Der Bill Reynolds, an den sie sich erinnerte - und sie musste zugeben, dass sie von Zeit zu Zeit immer noch an ihn dachte, an Kleinigkeiten hauptsächlich: wie sein aschblondes Haar beim Sprechen in die Stirn fiel, oder wie er über seinen Kaffee blies, bevor er einen Schluck trank, selbst wenn er gar nicht mehr heiß war -, dieser Bill Reynolds hatte etwas an sich, so etwas wie ein warmes Licht von innen heraus, in dessen Nähe man gern sein wollte. Es erinnerte sie an diese kleinen Plastikstäbe, die man knicken musste, damit die Flüssigkeit darin anfing zu leuchten. Dies war noch derselbe Mann, aber das Leuchten war nicht mehr da. Er sah älter aus, dünner. Sie sah, dass er unrasiert war, und sein Haar war nicht gekämmt; es war fettig und stand wirr vom Kopf ab, und er trug kein gebügeltes Poloshirt, sondern nur ein gewöhnliches kariertes Arbeitshemd, wie ihr Vater eins getragen hatte, und es hing aus der Hose und hatte Schweißflecken unter den Armen. Er sah aus, als habe er die Nacht im Freien verbracht oder irgendwo im Auto geschlafen. In der Tür suchte er ihren Blick, und sie folgte ihm nach hinten zu einem Tisch.

- Was machst du hier?

- Ich habe sie verlassen, sagte er, und als er sie ansah, wie sie vor seinem Tisch stand, roch sie Bierdunst in seinem Atem, und sie roch Schweiß und schmutzige Kleider. Ich hab's getan, Jeanette. Ich habe meine Frau verlassen. Ich bin ein freier Mann.

- Du bist den ganzen Weg hierhergefahren, um mir das zu sagen?

- Ich habe an dich gedacht. Er räusperte sich. Oft. Ich habe an uns gedacht.

- Wie, an uns? Uns gibt es nicht. Du kannst hier nicht einfach so aufkreuzen und sagen, du hast an uns gedacht.

Er richtete sich auf. - Es ist aber so.

- Hier ist viel Betrieb. Siehst du das nicht? Ich kann mich nicht ein - fach so mit dir unterhalten. Du musst etwas bestellen.

- Okay, antwortete er, aber er schaute nicht zur Speisentafel an der Wand hinüber. Er wandte den Blick nicht von ihr. Ich nehme einen Cheeseburger. Einen Cheeseburger und eine Coke.

Als sie seine Bestellung notierte und die Worte vor ihren Augen verschwammen, begriff sie, dass sie angefangen hatte zu weinen. Ihr war, als habe sie einen ganzen Monat nicht geschlafen, ein ganzes Jahr nicht. Mit allerletzter Willenskraft stemmte sie sich gegen die Last der Erschöpfung. Es hatte eine Zeit gegeben, da hatte sie mit ihrem Leben etwas anfangen wollen: Haareschneiden vielleicht, einen Gewerbeschein beantragen, einen kleinen Frisörsalon aufmachen, in eine richtige Stadt ziehen, nach Chicago oder Des Moines, ein Apartment mieten, Freunde haben. Aus irgendeinem Grund hatte sie immer ein ganz bestimmtes Bild von sich selbst im Kopf gehabt: Sie saß in einem Restaurant, einem Coffeeshop eigentlich, aber hübsch; es war Herbst und kalt draußen, und sie saß allein an einem kleinen Tisch am Fenster und las ein Buch. Vor ihr auf dem Tisch stand ein dampfender Becher Tee. Dann schaute sie aus dem Fenster auf die Straße der Stadt, in der sie war, und sah die Leute draußen vorbeihasten, in dicken Mänteln und Mützen, und sie sah auch ihr eigenes Gesicht, das sich in der Scheibe spiegelte, vor all den Leuten draußen. Aber als sie jetzt dastand, war es, als gehörten alle diese Gedanken zu einer ganz anderen Person. Jetzt war da Amy, die halbe Zeit krank - erkältet oder mit einem verdorbenen Magen, den sie sich in der miesen Tagesstätte geholt hatte, in die Jeanette sie brachte, wenn sie zur Arbeit musste. Ihr Vater war gestorben, so plötzlich, als sei er durch eine Falltür verschwunden, und Bill Reynolds saß hier am Tisch, als wäre er nur mal kurz hinausgegangen, nicht vier Jahre weggewesen.

- Warum tust du mir das an?

Er schaute ihr eine ganze Weile in die Augen und berührte ihren Handrücken. - Lass uns später reden. Bitte.

Am Ende zog er bei ihr und Amy ein. Sie hätte nicht mehr sagen können, ob sie es ihm angeboten hatte oder ob es einfach irgendwie passiert war. So oder so bereute sie es auf der Stelle. Dieser Bill Reynolds - wer war er wirklich? Er hatte seine Frau und seine Jungs, Bobby und Billy in ihren Baseball-Trikots, verlassen, hatte alles in Nebraska zurückgelassen. Der Pontiac war weg, und mit seinem Job war es auch vorbei. Angesichts der wirtschaftlichen Lage, erklärte er, kaufe kein Mensch irgendetwas. Er habe einen Plan, sagte er, aber der einzige Plan, den sie sehen konnte, bestand offenbar darin, zu Hause rumzusitzen. Er tat nichts, nicht mal das Frühstücksgeschirr räumte er ab, während Jeanette den ganzen Tag im Diner arbeitete.

Er schlug sie zum ersten Mal, als er drei Monate bei ihr wohnte; er war betrunken, und danach brach er sofort in Tränen aus und sagte immer wieder, es tue ihm so leid. Er lag auf den Knien und heulte, als wäre sie diejenige, die ihm etwas getan hätte. Sie müsse verstehen, sagte er, wie schwer das alles sei, all die Veränderungen in seinem Leben - das sei mehr, als ein Mann, jeder Mann, ertragen könne. Er liebe sie, es tue ihm leid, und so etwas werde nie wieder passieren, nie wieder. Er schwor es. Und am Ende hörte sie sich selbst sagen, dass es auch ihr leidtue.

Es war um Geld gegangen, als er sie geschlagen hatte. Als der Winter kam und sie nicht genug Geld auf dem Konto hatte, um den Heizöllieferanten zu bezahlen, schlug er sie wieder.

- Verdammt noch mal, Frau, sieht du denn nicht, dass ich fürchterlich in der Scheiße stecke?

Sie lag auf dem Boden in der Küche und hielt sich den Kopf. Er hatte sie so hart geschlagen, dass sie hingefallen war. Komisch - jetzt, als sie dalag, sah sie, wie schmutzig der Boden war, dreckig und fleckig, mit Staubflocken und Gott weiß, was da noch alles unten an den Schränken klebte, wo man es normalerweise nicht sehen konnte. Mit der einen Hälfte ihres Verstandes registrierte sie den Schmutz, während die andere Hälfte sagte, du tickst nicht mehr richtig, Jeanette: Bill hat dich geschlagen und dabei eine Schraube gelockert, und jetzt machst du dir Gedanken über den Staub. Irgendwie passierte in dem Moment auch etwas Komisches mit den Geräuschen. Amy saß oben vor dem kleinen Fernseher in ihrem Zimmer, aber Jeanette konnte alles ganz laut und deutlich hören, als liefe der Apparat in ihrem Kopf - Barney, den lila Dinosaurier, und ein Lied über das Zähneputzen. Und dann hörte sie, wie aus weiter Ferne, den Heizöllaster wegfahren; er bog aus der Einfahrt, und das Motorgeräusch verklang auf der Landstraße.

- Du hast hier nichts zu suchen, sagte sie.

- Da hast du recht. Bill nahm eine Flasche Old Crow von dem Bord über der Spüle und goss sich etwas in ein Marmeladenglas, obwohl es erst zehn Uhr morgens war. Er setzte sich an den Tisch, aber er schlug die Beine nicht übereinander wie einer, der es sich bequem machen will. Und das Heizöl geht mich auch nichts an.

Jeanette versuchte aufzustehen, aber sie konnte es nicht.

- Mach, dass du wegkommst.

Er lachte, schüttelte den Kopf und nahm einen Schluck Whiskey.

- Das ist witzig, sagte er. Das sagst du mir von dort unten.

- Ich mein's ernst. Mach, dass du wegkommst.

Amy kam herein. Sie hielt den Stoffhasen im Arm, den sie überallhin mitschleppte, und trug eine Latzhose - die gute, die Jeanette im outlet Center für sie gekauft hatte, bei OshKosh B'Gosh, mit den gestickten Erdbeeren auf dem Latz. Ein Träger baumelte an Amys Hüfte. Jeanette begriff, dass Amy wahrscheinlich selbst den Träger aufgemacht hatte, weil sie aufs Klo musste.

- Du liegst ja auf dem Boden, Mama.

- Alles okay, Süße. Jeanette stand auf, um es ihr zu beweisen. In ihrem linken Ohr war ein leises Pfeifen, wie in einem Zeichentrickfilm, als ob Vögel in ihrem Kopf herumschwirrten. Sie sah auch ein bisschen Blut an ihrer Hand; sie wusste aber nicht, woher es kam. Sie nahm Amy auf den Arm und lächelte, so gut es ging. Siehst du? Mama ist nur hingefallen, mehr nicht. Musst du mal, Süße? Musst du aufs Töpfchen?

- Sieh dich bloß an, sagte Bill. Sieh dich doch selber an! Wieder schüttelte er den Kopf und trank. Blöde Fotze. Wahrscheinlich ist das Kind nicht mal von mir.

- Mama, sagte die Kleine und streckte den Zeigefinger aus, du hast dir wehgetan. An der Nase.

Ob es daran lag oder an dem, was sie gehört hatte, jedenfalls fing das kleine Mädchen an zu weinen.

- Siehst du, was du angerichtet hast?, sagte Bill. Jetzt komm, sagte er zu Amy. Ist halb so schlimm. Manchmal streiten sich die Leute. Das ist einfach so.

- Ich sag's dir noch einmal: Verschwinde.

- Was willst du denn tun? Sag's mir. Du kannst ja nicht mal den Öltank füllen lassen.

- Glaubst du, das weiß ich nicht? Das brauchst du mir weiß Gott nicht zu sagen. Amy hatte angefangen zu heulen. Jeanette hielt sie auf dem Arm und fühlte die warme Feuchtigkeit durch die Hose, als das Mädchen seine Blase entleerte.

- Himmel noch mal, bring das Gör zum Schweigen.

Sie drückte Amy fest an die Brust. - Du hast recht. Sie ist nicht dein Kind. Sie ist es nicht, und sie wird's auch nie sein. Jetzt verschwinde, oder ich rufe den Sheriff.

Tu mir das nicht an, Jean. Im Ernst.

Doch. Genau das tu ich.

Da war er auf den Beinen und polterte durch das Haus, raffte seine Sachen zusammen und warf sie in die Pappkartons, in denen er sie vor ein paar Monaten erst hereingeschleppt hatte. Warum hatte sie nicht sofort gesehen, wie merkwürdig es war, dass er nicht mal einen richtigen Koffer hatte? Sie saß am Küchentisch mit Amy auf dem Schoß, beobachtete die Uhr über dem Herd und zählte die Minuten, bis er in die Küche zurückkam und sie noch einmal schlug.

Aber dann hörte sie, wie die Haustür aufschwang. Seine schweren Schritte dröhnten auf der Veranda. Er ging ein paarmal ein und aus und trug die Kartons nach draußen und ließ dabei die Haustür offen, sodass kalte Luft ins Haus wehte.

Schließlich kam er wieder in die Küche und brachte eine Schneespur mit herein. Die Sohlen seiner Stiefel hinterließen kleine, waffelförmige Fladen.

- Schön. Schön. Ich soll also gehen? Pass nur auf. Er nahm die Flasche Old Crow vom Tisch. Deine letzte Chance, sagte er.

Jeanette sagte nichts, sah ihn nicht einmal an.

Das wär's wohl. Schön. Was dagegen, wenn ich noch einen Schluck zum Abschied nehme?

Da holte Jeanette aus und schlug das Glas mit der flachen Hand quer durch die Küche, wie man mit dem Schläger gegen einen Pingpongball klatscht. Sie wusste ungefähr eine halbe Sekunde, bevor sie es tat, dass sie es tun würde, und sie wusste auch, dass es nicht die beste Idee war, die sie je gehabt hatte, aber da war es zu spät. Das Glas prallte mit dumpfem Knall gegen die Wand und fiel auf den Boden, ohne zu zerbrechen. Sie schloss die Augen und drückte Amy fest an sich, und sie wusste, was kommen würde. Einen Augenblick lang war das Geräusch des rollenden Glases auf dem Boden das einzige in der Küche. Sie spürte Bills Wut wie heiße Wellen, die von ihm ausgingen.

- Du wirst schon sehen, was die Welt für dich in petto hat, Jeanette. Denk an meine Worte.

Dann verließen seine Schritte den Raum, und er war weg.

Sie gab dem Heizölmann das Geld, das sie noch hatte, und drehte den Thermostat auf zehn Grad herunter. Weißt du, Amy, wir tun einfach so, als wären wir auf einem großen Camping-Ausflug, sagte sie, während sie die Hände des kleinen Mädchens in Fausthandschuhe stopfte und ihr eine Mütze auf den Kopf zog. Siehst du, es ist eigentlich gar nicht so kalt. Es ist wie ein Abenteuer. Sie schliefen zusammen unter einem Berg von alten Steppdecken, und es war so eiskalt im Zimmer, dass ihr Atem die Luft über ihren Gesichtern vernebelte. Jeanette nahm einen Zusatzjob an und putzte abends in der Highschool. Amy ließ sie in dieser Zeit bei einer Nachbarin, aber als die Frau krank wurde und ins Krankenhaus musste, blieb ihr nichts anderes übrig, als die Kleine allein zu lassen. Sie erklärte ihr, was sie tun musste: Bleib im Bett, mach niemandem auf, mach einfach die Augen zu, und ich bin wieder da, ehe du dich versiehst. Sie achtete darauf, dass das Kind schlief, bevor sie sich zur Tür hinausschlich, und dann ging sie mit schnellen Schritten durch die Einfahrt hinunter zu ihrem Auto, das sie ein Stück weit vom Haus entfernt geparkt hatte, damit Amy den Motor nicht hörte.

Aber dann beging sie eines Abends den Fehler, jemandem davon zu erzählen, einer anderen Frau in der Putzkolonne, mit der sie kurz hinausgegangen war, um eine Zigarette zu rauchen. Jeanette hatte nie gern geraucht und wollte auch kein Geld dafür ausgeben, aber die Zigaretten halfen ihr, wach zu bleiben, und ohne eine Zigarettenpause gab es nichts, worauf man sich freuen konnte - nur noch mehr Toiletten schrubben und Flure wischen. Sie bat die Frau, die Alice hieß, es niemandem zu erzählen, denn sie wusste, sie konnte Ärger bekommen, wenn sie Amy so allein ließ, aber genau das tat Alice: Sie lief geradewegs zum Hausmeister, und der entließ Jeanette auf der Stelle. Ein Kind so allein zu lassen ist nicht in Ordnung, erläuterte er ihr in seinem Büro neben der Heizungsanlage, in einem Raum, nicht größer als drei Meter im Quadrat, mit einem verbeulten Metallschreibtisch, einem alten Sessel, aus dem die Polsterung hervorquoll, und einem Kalender an der Wand, der nicht mal aus diesem Jahr war. Die Luft dort drinnen war immer so heiß und stickig, dass Jeanette kaum atmen konnte. Er sagte: Sie können von Glück reden, dass ich die Behörden nicht informiere. Sie fragte sich, wann sie jemand geworden war, zu dem man so etwas mit Fug und Recht sagen konnte. Bis dahin war er durchaus nett zu ihr gewesen, und vielleicht hätte sie ihm die Situation begreiflich machen können - dass sie ohne das Geld, das sie mit dem Putzen verdiente, nicht wusste, was sie tun sollte, aber sie war zu müde, um die richtigen Worte zu finden. Sie nahm ihren letzten Scheck in Empfang und fuhr mit ihrem klapprigen alten Auto nach Hause, mit dem KIA, den sie noch auf der Highschool gekauft hatte. Der Wagen war damals schon sechs Jahre alt gewesen, und zwischenzeitlich konnte man im Rückspiegel die Schrauben und Nieten über den Asphalt kullern sehen.

Als sie wenige Tage später am Quick Mart anhielt, um eine Packung Capri zu kaufen, sprang der Motor nicht mehr an, und sie fing an zu weinen. Eine halbe Stunde lang saß sie da und weinte und konnte nicht mehr aufhören.

Das Problem war die Batterie. Eine neue kostete dreiundachtzig Dollar bei Sears. Inzwischen hatte sie eine Woche nicht gearbeitet und außerdem ihren Job im Diner verloren. Sie hatte gerade noch genug Geld, um ihre Sachen in ein paar Einkaufstüten und die Kartons zu packen, die Bill zurückgelassen hatte, und zu verschwinden.

Niemand erfuhr je, was aus ihnen geworden war. Das Haus stand leer; die Leitungen froren zu und platzten wie überreifes Obst. Als der Frühling kam, lief tagelang das Wasser heraus, bis die Wasserwerke merkten, dass niemand die Rechnung bezahlte, und zwei Männer schickten, die es abdrehten. Die Mäuse zogen ein, und als bei einem Sommergewitter ein Fenster im oberen Stockwerk zerbrach, auch die Schwalben. Sie bauten ihre Nester in dem Zimmer, in dem Jeanette und Amy in der Kälte geschlafen hatten, und bald war das Haus erfüllt vom Lärm und Geruch der Vögel.

In Dubuque arbeitete Jeanette in der Nachtschicht an einer Tankstelle. Amy schlief auf einem Sofa im Hinterzimmer, bis der Eigentümer es herausbekam und sie rauswarf. Es war Sommer; sie schliefen im KIA und wuschen sich in der Toilette hinter der Tankstelle, und so brauchten sie nur wegzufahren. Eine Zeitlang kamen sie bei einer Freundin in Rochester unter, die Jeanette aus der Schule kannte; sie war dort hinaufgezogen, um Krankenschwester zu werden. Jeanette bekam einen Job als Putzfrau in dem Krankenhaus, in dem die Freundin arbeitete, aber nur zum Mindestlohn, und das Apartment der Freundin war zu klein für sie alle. Sie zog in ein Motel, doch dort gab es niemanden, der sich um Amy kümmern konnte, und so schliefen sie schließlich wieder in dem KIA. Es war September, und es wurde kühl. Im Radio war die ganze Zeit die Rede vom Krieg. Sie fuhr nach Süden und kam bis Memphis, als der KIA endgültig den Geist aufgab.

Der Mann, der sie mit seinem Mercedes auflas, sagte, sein Name sei John, und die Art, wie er es sagte, ließ sie vermuten, dass er log wie ein Kind, das nicht zugeben wollte, wer die Lampe kaputt gemacht hatte - er taxierte sie einen Augenblick lang, bevor er sie ansprach. Ich heiße ^ John. Sie schätzte ihn auf fünfzig, aber sie hatte keinen guten Blick für so was. Er hatte einen sauber gestutzten Bart und trug einen dunklen Anzug, wie ein Bestattungsunternehmer. Beim Fahren warf er immer wieder einen Blick auf Amy im Rückspiegel, schob sich auf seinem Sitz zurecht und stellte Jeanette Fragen: wohin sie wolle, was sie gern tue, und was sie ins herrliche Tennessee geführt habe. Der Wagen erinnerte sie an Bill Reynolds' Pontiac Grand Prix; er war nur noch schöner: Bei geschlossenen Fenstern hörte man kaum etwas von draußen, und die Sitze waren so weich, dass es sich anfühlte, als säße sie in einer Schale Eiscreme. Am liebsten wäre sie eingeschlafen. Als sie vor dem Motel hielten, kümmerte es sie kaum noch, was passieren würde. Es erschien unausweichlich. Sie waren in der Nähe des Flughafens; das Land war flach wie in Iowa, und in der Dämmerung sah sie die Lichter der Flugzeuge, die in langsamen, verschlafenen Bögen darüber kreisten.

Amy, Süße, Mama wird mit diesem netten Mann kurz da hineingehen, okay? Schau dir doch so lange dein Bilderbuch an, Schätzchen.

Er war höflich, nannte sie Baby und so weiter, und bevor er ging, legte er fünfzig Dollar auf den Nachttisch - genug für Jeanette, um die Übernachtung für sie und Amy zu bezahlen.

Aber andere waren weniger nett.

Abends schloss sie Amy im Zimmer ein und ließ den Fernseher als Geräuschkulisse laufen, und dann stellte sie sich draußen vor dem Motel an den Highway, stand da einfach irgendwie herum, und es dauerte nie lange, bis jemand anhielt, immer ein Mann, und sobald sie sich geeinigt hatten, nahm sie ihn mit ins Motel. Bevor sie ihn ins Zimmer ließ, trug sie Amy schnell ins Bad, wo sie ihr aus ein paar Extradecken und Kissen ein Bett in der Badewanne gemacht hatte.

Amy war sechs. Sie war still und redete die meiste Zeit kaum ein Wort, aber sie hatte sich lesen selbst beigebracht, indem sie immer wieder dieselben Bücher angeschaut hatte, und sie konnte auch rechnen. Einmal schauten sie "Glücksrad", und als es so weit war, dass die Frau das Geld ausgeben durfte, das sie gewonnen hatte, wusste das Kind genau, was damit zu haben war: Den Urlaub in Cancun konnte sie sich nicht leisten, aber wenn sie die Wohnzimmergarnitur nähme, hätte sie noch genug übrig für die Golfschläger. Jeanette nahm an, dass Amy wohl ziemlich gescheit war, wenn sie so etwas ausrechnen konnte, und vermutlich sollte sie zur Schule gehen, aber sie wusste nicht, wo es hier eine gab. Überall waren nur Karosseriewerkstätten und Pfandleihen und Motels wie das, in dem sie wohnten, das SuperSix. Der Eigentümer hatte große Ähnlichkeit mit Elvis Presley, aber nicht mit dem hübschen jungen, sondern mit dem fetten alten mit den verschwitzten Haaren und der klobigen Goldbrille, hinter der seine Augen aussahen wie Fische in einem Aquarium. Er trug eine Satinjacke mit einem Blitz auf dem Rücken, genau wie Elvis. Meistens saß er einfach an seinem Schreibtisch hinter der Rezeption, spielte Solitaire und rauchte eine dünne Zigarre mit einem Plastikmundstück. Jeanette bezahlte die Zimmermiete wöchentlich in bar, und wenn sie einen Fünfziger drauflegte, ließ er sie in Ruhe. Eines Tages fragte er sie, ob sie vielleicht eine Waffe von ihm kaufen wolle, zu ihrer eigenen Sicherheit. Klar, sagte sie, was kostet so was, und er sagte: noch mal hundert. Er zeigte ihr einen rostig aussehenden kleinen Revolver, einen .22er. Als sie ihn da im Büro in die Hand nahm, sah er ziemlich mickrig aus, nicht wie etwas, womit man jemanden erschießen konnte. Aber er passte in die Handtasche, die sie mitnahm, wenn sie sich draußen an den Highway stellte, und vielleicht wäre es ja gar nicht so schlecht, ihn dabeizuhaben. Passen Sie auf, wohin Sie damit zielen, sagte der Manager, und Jeanette meinte: Okay, wenn Sie Angst davor haben, muss er ja funktionieren. Ich kauf Ihnen den Revolver ab.

Und sie war froh, dass sie ihn hatte. Jetzt erst erkannte sie, dass sie vorher Angst gehabt hatte und jetzt nicht mehr, jedenfalls nicht mehr so viel. Der Revolver war wie ein Geheimnis, das ihr ganz allein gehörte, das Geheimnis nämlich, wer sie war. Als trage sie das letzte Überbleibsel ihrer selbst in der Handtasche. Die andere Jeanette, die jetzt im Rock und engen Top am Highway stand, die Hüfte vorstreckte und lächelte und fragte: Was möchtest du, Baby? Kann ich heute Abend was für dich tun? -, diese Jeanette war eine erfundene Person, eine Frau in einer Geschichte, deren Ende sie vielleicht gar nicht erfahren wollte.

Der Mann, der an dem Abend, als es passierte, bei ihr anhielt, war nicht das, was sie erwartet hätte. Die Üblen erkannte sie meist auf den ersten Blick, und manchmal sagte sie, nein danke, und ging einfach weiter. Aber der hier sah nett aus, ein College-Boy vermutlich, zumindest noch jung genug für das College, und er war gut angezogen - eine frische, saubere Khakihose und eins von diesen Hemden mit dem kleinen hammerschwingenden Mann auf dem Pferd. Er sah aus wie jemand, der zu einem Date unterwegs war, und darüber musste sie innerlich lachen, als sie in den Wagen stieg, einen großen Ford Expo mit einem Gestell auf dem Dach, für ein Fahrrad oder so was.

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Bevor sie "Das Mädchen Von Nirgendwo" wurde - das Mädchen, das plötzlich auftauchte, Die Erste Und Letzte Und Einzige, die tausend Jahre lebte -, war sie nur ein kleines Mädchen aus Iowa und hieß Amy. Amy Harper Bellafonte.

Als Amy geboren wurde, war ihre Mutter Jeanette neunzehn. Jeanette taufte das Baby Amy nach ihrer eigenen Mutter, die schon lange tot war, und den zweiten Vornamen, Harper, gab sie ihr nach Harper Lee, der Frau, die Wer die Nachtigall stört geschrieben hatte, Jeanettes Lieblingsbuch - und obendrein das einzige Buch, das sie auf der Highschool von Anfang bis Ende gelesen hatte. Sie hätte sie vielleicht auch Scout genannt, nach dem kleinen Mädchen in dem Buch, denn sie wollte, dass ihr kleines Mädchen genauso wurde, zäh und komisch und klug - so, wie sie selbst, Jeanette, nie hatte werden können. Aber Scout war ein Jungenname, und sie wollte nicht, dass ihre Tochter ihr Leben lang erklären musste, warum sie so hieß.

Amys Vater war ein Mann, der eines Tages in das Lokal hereingeschneit kam, in dem Jeanette schon seit ihrem sechzehnten Lebensjahr bediente; ein Diner, der bei allen nur The Box hieß, weil er genauso aussah: wie ein großer, verchromter Schuhkarton neben der Landstraße. Rechts und links nur Mais- und Bohnenfelder, und meilenweit sonst gar nichts außer einer Autowaschanlage mit Selbstbedienung, so einer, wo man Münzen einwerfen und dann die ganze Arbeit selbst tun musste. Der Mann, der Bill Reynolds hieß, verkaufte große Landmaschinen, Mähdrescher und solche Sachen, und er war ein Schmeichler und erzählte Jeanette, als sie ihm seinen Kaffee einschenkte und danach immer wieder, wie hübsch sie doch sei und wie gut ihm ihr kohlrabenschwarzes Haar und ihre nussbraunen Augen und ihre schlanken Handgelenke gefielen. Und es klang so, als meinte er es wirklich ernst, nicht wie die Jungs in der Schule, die so etwas nur sagten, um sie rumzukriegen. Er hatte ein großes Auto, einen neuen Pontiac mit einem Armaturenbrett, das glänzte wie ein Raumschiff, und mit Ledersitzen, so weich wie Butter. Sie hätte diesen Mann lieben können, dachte sie, ihn wirklich und wahrhaftig lieben können. Aber er blieb nur ein paar Tage in der Stadt und fuhr dann weiter. Als sie ihrem Vater erzählte, was passiert war, wollte er sich den Kerl schnappen und dafür sorgen, dass er für alles geradestand. Aber was Jeanette wusste und nicht sagte, war dies: Bill Reynolds war ein verheirateter Mann. Er hatte eine Familie in Lincoln, weit weg in Nebraska. Er hatte ihr sogar die Fotos seiner Kinder in seiner Brieftasche gezeigt, zwei kleine Jungs in Baseball-Trikots, Bobby und Billy. Und deshalb sagte sie ihrem Vater nicht, wer der Mann war, der ihr das angetan hatte, auch wenn er sie noch so oft fragte. Sie verriet ihm nicht einmal seinen Namen.

Und um ehrlich zu sein, machte ihr das alles nichts aus: nicht die Schwangerschaft, die bis zum Schluss problemlos verlief, nicht die Entbindung, die kurz, aber schwer war, und schon gar nicht das Baby, ihre kleine Amy. Um Jeanette zu zeigen, dass er ihr verziehen hatte, hatte ihr Vater das alte Zimmer ihres Bruders als Kinderzimmer hergerichtet, sogar das alte Kinderbett hatte er vom Speicher geholt, in dem Jeanette vor Jahren selbst noch geschlafen hatte. Gegen Ende der Schwangerschaft war er mit ihr zu Wal-Mart gefahren, um ein paar Sachen zu holen, die sie brauchen würde - Strampelanzüge und eine kleine Plastikwanne und ein Mobile zum Aufziehen, das über dem Bettchen hängen sollte. Er hatte in einem Buch gelesen, dass Babys solche Sachen bräuchten, Sachen zum Anschauen, damit ihr kleines Gehirn in Gang kam und anfing, ordentlich zu arbeiten. Von Anfang an dachte Jeanette bei dem Baby immer an "sie", denn im Grunde ihres Herzens wünschte sie sich ein Mädchen, aber sie wusste, dass man so etwas niemandem sagen durfte, nicht einmal sich selbst durfte man das eingestehen. Im Krankenhaus drüben in Cedar Falls hatte sie eine Ultraschalluntersuchung machen lassen. Als die Frau in dem geblümten Kittel mit dem kleinen Plastikpaddel über ihren Bauch strich, hatte sie sie gefragt, ob sie sehen könne, was es war. Aber die Frau hatte nur gelacht, auf den Monitor mit Jeanettes vor sich hinträumendem Baby geschaut und gemeint: Honey, dieses Baby ist schüchtern. Bei manchen kann man es sehen, bei andern wieder nicht, und das hier ist eins von den Letzteren. Deshalb wusste Jeanette es nicht, und es war ihr auch recht. Nachdem sie und ihr Vater das Zimmer ihres Bruders ausgeräumt und seine alten Wimpel und Poster von den Wänden genommen hatten - José Canseco, eine Band namens Killer Picnic, die Bud Girls -, sahen sie, wie verschossen und verschrammt die Wände waren, und sie strichen sie mit einer Farbe, die "Dreamtime" hieß und die irgendwie eine Mischung aus Rosa und Blau war - passend für Babys beiderlei Geschlechts. Ihr Vater klebte eine Tapetenbordüre oben an die Wand, ein gleichförmiges Muster aus Enten, die in einem Tümpel plantschten, und polierte den alten Schaukelstuhl aus Ahorn, den er bei einer Versteigerung ergattert hatte. Jeanette sollte schließlich auch etwas haben, wo sie sitzen und die Kleine im Arm halten konnte.

Das Baby kam im Sommer; es war ein Mädchen, wie sie es sich gewünscht hatte, und wurde Amy Harper Bellafonte genannt. Reynolds stand als Name nicht zur Debatte - der Nachname eines Mannes, den Jeanette vermutlich nie wiedersehen würde und den sie jetzt, da Amy da war, auch gar nicht mehr wiedersehen wollte. Und Bellafonte - einen besseren Namen konnte man gar nicht haben. Es bedeutete "schöne Quelle", und genau das war Amy auch. Jeanette fütterte und wiegte sie und wechselte ihre Windeln, und wenn Amy mitten in der Nacht weinte, weil sie nass oder hungrig war oder Angst vor der Dunkelheit hatte, dann stolperte Jeanette durch den Flur zum Kinderzimmer, ganz gleich, wie spät es war oder wie müde sie nach der Arbeit im Diner war. Und sie nahm die Kleine auf und sagte, sie sei da und sie werde immer für sie da sein: Wenn du weinst, komme ich gerannt, das ist der Deal zwischen uns beiden, zwischen dir und mir, für immer und ewig, meine kleine Amy Harper Bellafonte. Dann hielt sie sie auf dem Arm und wiegte sie, bis die Jalousien in der Morgendämmerung fahl wurden und sie in den Ästen der Bäume draußen die Vögel singen hörte.

Mit einem Mal war Amy drei, und Jeanette allein. Ihr Vater war gestorben, an einem Herzinfarkt, sagte man ihr, oder vielleicht an einem Schlaganfall. Niemand nahm das so genau. Was immer es war, es traf ihn eines Wintermorgens in aller Früh, als er zu seinem Truck ging, um zur Arbeit im Silo zu fahren; er hatte gerade noch Zeit, seinen Kaffee auf den Kotflügel zu stellen, bevor er tot umfiel. Er verschüttete keinen Tropfen. Sie arbeitete immer noch im Diner, aber plötzlich reichte das Geld nicht mehr, nicht für Amy und sie zusammen, und ihr Bruder, der irgendwo bei der Navy war, beantwortete ihre Briefe nicht. Gott hat den Staat Iowa geschaffen, hatte er immer gesagt, damit man wieder von dort abhauen kann. Sie wusste nicht, was sie tun sollte.

Da kam eines Tages ein Mann in das Lokal. Es war Bill Reynolds. Er war irgendwie verändert, aber nicht zum Besseren. Der Bill Reynolds, an den sie sich erinnerte - und sie musste zugeben, dass sie von Zeit zu Zeit immer noch an ihn dachte, an Kleinigkeiten hauptsächlich: wie sein aschblondes Haar beim Sprechen in die Stirn fiel, oder wie er über seinen Kaffee blies, bevor er einen Schluck trank, selbst wenn er gar nicht mehr heiß war -, dieser Bill Reynolds hatte etwas an sich, so etwas wie ein warmes Licht von innen heraus, in dessen Nähe man gern sein wollte. Es erinnerte sie an diese kleinen Plastikstäbe, die man knicken musste, damit die Flüssigkeit darin anfing zu leuchten. Dies war noch derselbe Mann, aber das Leuchten war nicht mehr da. Er sah älter aus, dünner. Sie sah, dass er unrasiert war, und sein Haar war nicht gekämmt; es war fettig und stand wirr vom Kopf ab, und er trug kein gebügeltes Poloshirt, sondern nur ein gewöhnliches kariertes Arbeitshemd, wie ihr Vater eins getragen hatte, und es hing aus der Hose und hatte Schweißflecken unter den Armen. Er sah aus, als habe er die Nacht im Freien verbracht oder irgendwo im Auto geschlafen. In der Tür suchte er ihren Blick, und sie folgte ihm nach hinten zu einem Tisch.

- Was machst du hier?

- Ich habe sie verlassen, sagte er, und als er sie ansah, wie sie vor seinem Tisch stand, roch sie Bierdunst in seinem Atem, und sie roch Schweiß und schmutzige Kleider. Ich hab's getan, Jeanette. Ich habe meine Frau verlassen. Ich bin ein freier Mann.

- Du bist den ganzen Weg hierhergefahren, um mir das zu sagen?

- Ich habe an dich gedacht. Er räusperte sich. Oft. Ich habe an uns gedacht.

- Wie, an uns? Uns gibt es nicht. Du kannst hier nicht einfach so aufkreuzen und sagen, du hast an uns gedacht.

Er richtete sich auf. - Es ist aber so.

- Hier ist viel Betrieb. Siehst du das nicht? Ich kann mich nicht ein - fach so mit dir unterhalten. Du musst etwas bestellen.

- Okay, antwortete er, aber er schaute nicht zur Speisentafel an der Wand hinüber. Er wandte den Blick nicht von ihr. Ich nehme einen Cheeseburger. Einen Cheeseburger und eine Coke.

Als sie seine Bestellung notierte und die Worte vor ihren Augen verschwammen, begriff sie, dass sie angefangen hatte zu weinen. Ihr war, als habe sie einen ganzen Monat nicht geschlafen, ein ganzes Jahr nicht. Mit allerletzter Willenskraft stemmte sie sich gegen die Last der Erschöpfung. Es hatte eine Zeit gegeben, da hatte sie mit ihrem Leben etwas anfangen wollen: Haareschneiden vielleicht, einen Gewerbeschein beantragen, einen kleinen Frisörsalon aufmachen, in eine richtige Stadt ziehen, nach Chicago oder Des Moines, ein Apartment mieten, Freunde haben. Aus irgendeinem Grund hatte sie immer ein ganz bestimmtes Bild von sich selbst im Kopf gehabt: Sie saß in einem Restaurant, einem Coffeeshop eigentlich, aber hübsch; es war Herbst und kalt draußen, und sie saß allein an einem kleinen Tisch am Fenster und las ein Buch. Vor ihr auf dem Tisch stand ein dampfender Becher Tee. Dann schaute sie aus dem Fenster auf die Straße der Stadt, in der sie war, und sah die Leute draußen vorbeihasten, in dicken Mänteln und Mützen, und sie sah auch ihr eigenes Gesicht, das sich in der Scheibe spiegelte, vor all den Leuten draußen. Aber als sie jetzt dastand, war es, als gehörten alle diese Gedanken zu einer ganz anderen Person. Jetzt war da Amy, die halbe Zeit krank - erkältet oder mit einem verdorbenen Magen, den sie sich in der miesen Tagesstätte geholt hatte, in die Jeanette sie brachte, wenn sie zur Arbeit musste. Ihr Vater war gestorben, so plötzlich, als sei er durch eine Falltür verschwunden, und Bill Reynolds saß hier am Tisch, als wäre er nur mal kurz hinausgegangen, nicht vier Jahre weggewesen.

- Warum tust du mir das an?

Er schaute ihr eine ganze Weile in die Augen und berührte ihren Handrücken. - Lass uns später reden. Bitte.

Am Ende zog er bei ihr und Amy ein. Sie hätte nicht mehr sagen können, ob sie es ihm angeboten hatte oder ob es einfach irgendwie passiert war. So oder so bereute sie es auf der Stelle. Dieser Bill Reynolds - wer war er wirklich? Er hatte seine Frau und seine Jungs, Bobby und Billy in ihren Baseball-Trikots, verlassen, hatte alles in Nebraska zurückgelassen. Der Pontiac war weg, und mit seinem Job war es auch vorbei. Angesichts der wirtschaftlichen Lage, erklärte er, kaufe kein Mensch irgendetwas. Er habe einen Plan, sagte er, aber der einzige Plan, den sie sehen konnte, bestand offenbar darin, zu Hause rumzusitzen. Er tat nichts, nicht mal das Frühstücksgeschirr räumte er ab, während Jeanette den ganzen Tag im Diner arbeitete.

Er schlug sie zum ersten Mal, als er drei Monate bei ihr wohnte; er war betrunken, und danach brach er sofort in Tränen aus und sagte immer wieder, es tue ihm so leid. Er lag auf den Knien und heulte, als wäre sie diejenige, die ihm etwas getan hätte. Sie müsse verstehen, sagte er, wie schwer das alles sei, all die Veränderungen in seinem Leben - das sei mehr, als ein Mann, jeder Mann, ertragen könne. Er liebe sie, es tue ihm leid, und so etwas werde nie wieder passieren, nie wieder. Er schwor es. Und am Ende hörte sie sich selbst sagen, dass es auch ihr leidtue.

Es war um Geld gegangen, als er sie geschlagen hatte. Als der Winter kam und sie nicht genug Geld auf dem Konto hatte, um den Heizöllieferanten zu bezahlen, schlug er sie wieder.

- Verdammt noch mal, Frau, sieht du denn nicht, dass ich fürchterlich in der Scheiße stecke?

Sie lag auf dem Boden in der Küche und hielt sich den Kopf. Er hatte sie so hart geschlagen, dass sie hingefallen war. Komisch - jetzt, als sie dalag, sah sie, wie schmutzig der Boden war, dreckig und fleckig, mit Staubflocken und Gott weiß, was da noch alles unten an den Schränken klebte, wo man es normalerweise nicht sehen konnte. Mit der einen Hälfte ihres Verstandes registrierte sie den Schmutz, während die andere Hälfte sagte, du tickst nicht mehr richtig, Jeanette: Bill hat dich geschlagen und dabei eine Schraube gelockert, und jetzt machst du dir Gedanken über den Staub. Irgendwie passierte in dem Moment auch etwas Komisches mit den Geräuschen. Amy saß oben vor dem kleinen Fernseher in ihrem Zimmer, aber Jeanette konnte alles ganz laut und deutlich hören, als liefe der Apparat in ihrem Kopf - Barney, den lila Dinosaurier, und ein Lied über das Zähneputzen. Und dann hörte sie, wie aus weiter Ferne, den Heizöllaster wegfahren; er bog aus der Einfahrt, und das Motorgeräusch verklang auf der Landstraße.

- Du hast hier nichts zu suchen, sagte sie.

- Da hast du recht. Bill nahm eine Flasche Old Crow von dem Bord über der Spüle und goss sich etwas in ein Marmeladenglas, obwohl es erst zehn Uhr morgens war. Er setzte sich an den Tisch, aber er schlug die Beine nicht übereinander wie einer, der es sich bequem machen will. Und das Heizöl geht mich auch nichts an.

Jeanette versuchte aufzustehen, aber sie konnte es nicht.

- Mach, dass du wegkommst.

Er lachte, schüttelte den Kopf und nahm einen Schluck Whiskey.

- Das ist witzig, sagte er. Das sagst du mir von dort unten.

- Ich mein's ernst. Mach, dass du wegkommst.

Amy kam herein. Sie hielt den Stoffhasen im Arm, den sie überallhin mitschleppte, und trug eine Latzhose - die gute, die Jeanette im outlet Center für sie gekauft hatte, bei OshKosh B'Gosh, mit den gestickten Erdbeeren auf dem Latz. Ein Träger baumelte an Amys Hüfte. Jeanette begriff, dass Amy wahrscheinlich selbst den Träger aufgemacht hatte, weil sie aufs Klo musste.

- Du liegst ja auf dem Boden, Mama.

- Alles okay, Süße. Jeanette stand auf, um es ihr zu beweisen. In ihrem linken Ohr war ein leises Pfeifen, wie in einem Zeichentrickfilm, als ob Vögel in ihrem Kopf herumschwirrten. Sie sah auch ein bisschen Blut an ihrer Hand; sie wusste aber nicht, woher es kam. Sie nahm Amy auf den Arm und lächelte, so gut es ging. Siehst du? Mama ist nur hingefallen, mehr nicht. Musst du mal, Süße? Musst du aufs Töpfchen?

- Sieh dich bloß an, sagte Bill. Sieh dich doch selber an! Wieder schüttelte er den Kopf und trank. Blöde Fotze. Wahrscheinlich ist das Kind nicht mal von mir.

- Mama, sagte die Kleine und streckte den Zeigefinger aus, du hast dir wehgetan. An der Nase.

Ob es daran lag oder an dem, was sie gehört hatte, jedenfalls fing das kleine Mädchen an zu weinen.

- Siehst du, was du angerichtet hast?, sagte Bill. Jetzt komm, sagte er zu Amy. Ist halb so schlimm. Manchmal streiten sich die Leute. Das ist einfach so.

- Ich sag's dir noch einmal: Verschwinde.

- Was willst du denn tun? Sag's mir. Du kannst ja nicht mal den Öltank füllen lassen.

- Glaubst du, das weiß ich nicht? Das brauchst du mir weiß Gott nicht zu sagen. Amy hatte angefangen zu heulen. Jeanette hielt sie auf dem Arm und fühlte die warme Feuchtigkeit durch die Hose, als das Mädchen seine Blase entleerte.

- Himmel noch mal, bring das Gör zum Schweigen.

Sie drückte Amy fest an die Brust. - Du hast recht. Sie ist nicht dein Kind. Sie ist es nicht, und sie wird's auch nie sein. Jetzt verschwinde, oder ich rufe den Sheriff.

Tu mir das nicht an, Jean. Im Ernst.

Doch. Genau das tu ich.

Da war er auf den Beinen und polterte durch das Haus, raffte seine Sachen zusammen und warf sie in die Pappkartons, in denen er sie vor ein paar Monaten erst hereingeschleppt hatte. Warum hatte sie nicht sofort gesehen, wie merkwürdig es war, dass er nicht mal einen richtigen Koffer hatte? Sie saß am Küchentisch mit Amy auf dem Schoß, beobachtete die Uhr über dem Herd und zählte die Minuten, bis er in die Küche zurückkam und sie noch einmal schlug.

Aber dann hörte sie, wie die Haustür aufschwang. Seine schweren Schritte dröhnten auf der Veranda. Er ging ein paarmal ein und aus und trug die Kartons nach draußen und ließ dabei die Haustür offen, sodass kalte Luft ins Haus wehte.

Schließlich kam er wieder in die Küche und brachte eine Schneespur mit herein. Die Sohlen seiner Stiefel hinterließen kleine, waffelförmige Fladen.

- Schön. Schön. Ich soll also gehen? Pass nur auf. Er nahm die Flasche Old Crow vom Tisch. Deine letzte Chance, sagte er.

Jeanette sagte nichts, sah ihn nicht einmal an.

Das wär's wohl. Schön. Was dagegen, wenn ich noch einen Schluck zum Abschied nehme?

Da holte Jeanette aus und schlug das Glas mit der flachen Hand quer durch die Küche, wie man mit dem Schläger gegen einen Pingpongball klatscht. Sie wusste ungefähr eine halbe Sekunde, bevor sie es tat, dass sie es tun würde, und sie wusste auch, dass es nicht die beste Idee war, die sie je gehabt hatte, aber da war es zu spät. Das Glas prallte mit dumpfem Knall gegen die Wand und fiel auf den Boden, ohne zu zerbrechen. Sie schloss die Augen und drückte Amy fest an sich, und sie wusste, was kommen würde. Einen Augenblick lang war das Geräusch des rollenden Glases auf dem Boden das einzige in der Küche. Sie spürte Bills Wut wie heiße Wellen, die von ihm ausgingen.

- Du wirst schon sehen, was die Welt für dich in petto hat, Jeanette. Denk an meine Worte.

Dann verließen seine Schritte den Raum, und er war weg.

Sie gab dem Heizölmann das Geld, das sie noch hatte, und drehte den Thermostat auf zehn Grad herunter. Weißt du, Amy, wir tun einfach so, als wären wir auf einem großen Camping-Ausflug, sagte sie, während sie die Hände des kleinen Mädchens in Fausthandschuhe stopfte und ihr eine Mütze auf den Kopf zog. Siehst du, es ist eigentlich gar nicht so kalt. Es ist wie ein Abenteuer. Sie schliefen zusammen unter einem Berg von alten Steppdecken, und es war so eiskalt im Zimmer, dass ihr Atem die Luft über ihren Gesichtern vernebelte. Jeanette nahm einen Zusatzjob an und putzte abends in der Highschool. Amy ließ sie in dieser Zeit bei einer Nachbarin, aber als die Frau krank wurde und ins Krankenhaus musste, blieb ihr nichts anderes übrig, als die Kleine allein zu lassen. Sie erklärte ihr, was sie tun musste: Bleib im Bett, mach niemandem auf, mach einfach die Augen zu, und ich bin wieder da, ehe du dich versiehst. Sie achtete darauf, dass das Kind schlief, bevor sie sich zur Tür hinausschlich, und dann ging sie mit schnellen Schritten durch die Einfahrt hinunter zu ihrem Auto, das sie ein Stück weit vom Haus entfernt geparkt hatte, damit Amy den Motor nicht hörte.

Aber dann beging sie eines Abends den Fehler, jemandem davon zu erzählen, einer anderen Frau in der Putzkolonne, mit der sie kurz hinausgegangen war, um eine Zigarette zu rauchen. Jeanette hatte nie gern geraucht und wollte auch kein Geld dafür ausgeben, aber die Zigaretten halfen ihr, wach zu bleiben, und ohne eine Zigarettenpause gab es nichts, worauf man sich freuen konnte - nur noch mehr Toiletten schrubben und Flure wischen. Sie bat die Frau, die Alice hieß, es niemandem zu erzählen, denn sie wusste, sie konnte Ärger bekommen, wenn sie Amy so allein ließ, aber genau das tat Alice: Sie lief geradewegs zum Hausmeister, und der entließ Jeanette auf der Stelle. Ein Kind so allein zu lassen ist nicht in Ordnung, erläuterte er ihr in seinem Büro neben der Heizungsanlage, in einem Raum, nicht größer als drei Meter im Quadrat, mit einem verbeulten Metallschreibtisch, einem alten Sessel, aus dem die Polsterung hervorquoll, und einem Kalender an der Wand, der nicht mal aus diesem Jahr war. Die Luft dort drinnen war immer so heiß und stickig, dass Jeanette kaum atmen konnte. Er sagte: Sie können von Glück reden, dass ich die Behörden nicht informiere. Sie fragte sich, wann sie jemand geworden war, zu dem man so etwas mit Fug und Recht sagen konnte. Bis dahin war er durchaus nett zu ihr gewesen, und vielleicht hätte sie ihm die Situation begreiflich machen können - dass sie ohne das Geld, das sie mit dem Putzen verdiente, nicht wusste, was sie tun sollte, aber sie war zu müde, um die richtigen Worte zu finden. Sie nahm ihren letzten Scheck in Empfang und fuhr mit ihrem klapprigen alten Auto nach Hause, mit dem KIA, den sie noch auf der Highschool gekauft hatte. Der Wagen war damals schon sechs Jahre alt gewesen, und zwischenzeitlich konnte man im Rückspiegel die Schrauben und Nieten über den Asphalt kullern sehen.

Als sie wenige Tage später am Quick Mart anhielt, um eine Packung Capri zu kaufen, sprang der Motor nicht mehr an, und sie fing an zu weinen. Eine halbe Stunde lang saß sie da und weinte und konnte nicht mehr aufhören.

Das Problem war die Batterie. Eine neue kostete dreiundachtzig Dollar bei Sears. Inzwischen hatte sie eine Woche nicht gearbeitet und außerdem ihren Job im Diner verloren. Sie hatte gerade noch genug Geld, um ihre Sachen in ein paar Einkaufstüten und die Kartons zu packen, die Bill zurückgelassen hatte, und zu verschwinden.

Niemand erfuhr je, was aus ihnen geworden war. Das Haus stand leer; die Leitungen froren zu und platzten wie überreifes Obst. Als der Frühling kam, lief tagelang das Wasser heraus, bis die Wasserwerke merkten, dass niemand die Rechnung bezahlte, und zwei Männer schickten, die es abdrehten. Die Mäuse zogen ein, und als bei einem Sommergewitter ein Fenster im oberen Stockwerk zerbrach, auch die Schwalben. Sie bauten ihre Nester in dem Zimmer, in dem Jeanette und Amy in der Kälte geschlafen hatten, und bald war das Haus erfüllt vom Lärm und Geruch der Vögel.

In Dubuque arbeitete Jeanette in der Nachtschicht an einer Tankstelle. Amy schlief auf einem Sofa im Hinterzimmer, bis der Eigentümer es herausbekam und sie rauswarf. Es war Sommer; sie schliefen im KIA und wuschen sich in der Toilette hinter der Tankstelle, und so brauchten sie nur wegzufahren. Eine Zeitlang kamen sie bei einer Freundin in Rochester unter, die Jeanette aus der Schule kannte; sie war dort hinaufgezogen, um Krankenschwester zu werden. Jeanette bekam einen Job als Putzfrau in dem Krankenhaus, in dem die Freundin arbeitete, aber nur zum Mindestlohn, und das Apartment der Freundin war zu klein für sie alle. Sie zog in ein Motel, doch dort gab es niemanden, der sich um Amy kümmern konnte, und so schliefen sie schließlich wieder in dem KIA. Es war September, und es wurde kühl. Im Radio war die ganze Zeit die Rede vom Krieg. Sie fuhr nach Süden und kam bis Memphis, als der KIA endgültig den Geist aufgab.

Der Mann, der sie mit seinem Mercedes auflas, sagte, sein Name sei John, und die Art, wie er es sagte, ließ sie vermuten, dass er log wie ein Kind, das nicht zugeben wollte, wer die Lampe kaputt gemacht hatte - er taxierte sie einen Augenblick lang, bevor er sie ansprach. Ich heiße ^ John. Sie schätzte ihn auf fünfzig, aber sie hatte keinen guten Blick für so was. Er hatte einen sauber gestutzten Bart und trug einen dunklen Anzug, wie ein Bestattungsunternehmer. Beim Fahren warf er immer wieder einen Blick auf Amy im Rückspiegel, schob sich auf seinem Sitz zurecht und stellte Jeanette Fragen: wohin sie wolle, was sie gern tue, und was sie ins herrliche Tennessee geführt habe. Der Wagen erinnerte sie an Bill Reynolds' Pontiac Grand Prix; er war nur noch schöner: Bei geschlossenen Fenstern hörte man kaum etwas von draußen, und die Sitze waren so weich, dass es sich anfühlte, als säße sie in einer Schale Eiscreme. Am liebsten wäre sie eingeschlafen. Als sie vor dem Motel hielten, kümmerte es sie kaum noch, was passieren würde. Es erschien unausweichlich. Sie waren in der Nähe des Flughafens; das Land war flach wie in Iowa, und in der Dämmerung sah sie die Lichter der Flugzeuge, die in langsamen, verschlafenen Bögen darüber kreisten.

Amy, Süße, Mama wird mit diesem netten Mann kurz da hineingehen, okay? Schau dir doch so lange dein Bilderbuch an, Schätzchen.

Er war höflich, nannte sie Baby und so weiter, und bevor er ging, legte er fünfzig Dollar auf den Nachttisch - genug für Jeanette, um die Übernachtung für sie und Amy zu bezahlen.

Aber andere waren weniger nett.

Abends schloss sie Amy im Zimmer ein und ließ den Fernseher als Geräuschkulisse laufen, und dann stellte sie sich draußen vor dem Motel an den Highway, stand da einfach irgendwie herum, und es dauerte nie lange, bis jemand anhielt, immer ein Mann, und sobald sie sich geeinigt hatten, nahm sie ihn mit ins Motel. Bevor sie ihn ins Zimmer ließ, trug sie Amy schnell ins Bad, wo sie ihr aus ein paar Extradecken und Kissen ein Bett in der Badewanne gemacht hatte.

Amy war sechs. Sie war still und redete die meiste Zeit kaum ein Wort, aber sie hatte sich lesen selbst beigebracht, indem sie immer wieder dieselben Bücher angeschaut hatte, und sie konnte auch rechnen. Einmal schauten sie "Glücksrad", und als es so weit war, dass die Frau das Geld ausgeben durfte, das sie gewonnen hatte, wusste das Kind genau, was damit zu haben war: Den Urlaub in Cancun konnte sie sich nicht leisten, aber wenn sie die Wohnzimmergarnitur nähme, hätte sie noch genug übrig für die Golfschläger. Jeanette nahm an, dass Amy wohl ziemlich gescheit war, wenn sie so etwas ausrechnen konnte, und vermutlich sollte sie zur Schule gehen, aber sie wusste nicht, wo es hier eine gab. Überall waren nur Karosseriewerkstätten und Pfandleihen und Motels wie das, in dem sie wohnten, das SuperSix. Der Eigentümer hatte große Ähnlichkeit mit Elvis Presley, aber nicht mit dem hübschen jungen, sondern mit dem fetten alten mit den verschwitzten Haaren und der klobigen Goldbrille, hinter der seine Augen aussahen wie Fische in einem Aquarium. Er trug eine Satinjacke mit einem Blitz auf dem Rücken, genau wie Elvis. Meistens saß er einfach an seinem Schreibtisch hinter der Rezeption, spielte Solitaire und rauchte eine dünne Zigarre mit einem Plastikmundstück. Jeanette bezahlte die Zimmermiete wöchentlich in bar, und wenn sie einen Fünfziger drauflegte, ließ er sie in Ruhe. Eines Tages fragte er sie, ob sie vielleicht eine Waffe von ihm kaufen wolle, zu ihrer eigenen Sicherheit. Klar, sagte sie, was kostet so was, und er sagte: noch mal hundert. Er zeigte ihr einen rostig aussehenden kleinen Revolver, einen .22er. Als sie ihn da im Büro in die Hand nahm, sah er ziemlich mickrig aus, nicht wie etwas, womit man jemanden erschießen konnte. Aber er passte in die Handtasche, die sie mitnahm, wenn sie sich draußen an den Highway stellte, und vielleicht wäre es ja gar nicht so schlecht, ihn dabeizuhaben. Passen Sie auf, wohin Sie damit zielen, sagte der Manager, und Jeanette meinte: Okay, wenn Sie Angst davor haben, muss er ja funktionieren. Ich kauf Ihnen den Revolver ab.

Und sie war froh, dass sie ihn hatte. Jetzt erst erkannte sie, dass sie vorher Angst gehabt hatte und jetzt nicht mehr, jedenfalls nicht mehr so viel. Der Revolver war wie ein Geheimnis, das ihr ganz allein gehörte, das Geheimnis nämlich, wer sie war. Als trage sie das letzte Überbleibsel ihrer selbst in der Handtasche. Die andere Jeanette, die jetzt im Rock und engen Top am Highway stand, die Hüfte vorstreckte und lächelte und fragte: Was möchtest du, Baby? Kann ich heute Abend was für dich tun? -, diese Jeanette war eine erfundene Person, eine Frau in einer Geschichte, deren Ende sie vielleicht gar nicht erfahren wollte.

Der Mann, der an dem Abend, als es passierte, bei ihr anhielt, war nicht das, was sie erwartet hätte. Die Üblen erkannte sie meist auf den ersten Blick, und manchmal sagte sie, nein danke, und ging einfach weiter. Aber der hier sah nett aus, ein College-Boy vermutlich, zumindest noch jung genug für das College, und er war gut angezogen - eine frische, saubere Khakihose und eins von diesen Hemden mit dem kleinen hammerschwingenden Mann auf dem Pferd. Er sah aus wie jemand, der zu einem Date unterwegs war, und darüber musste sie innerlich lachen, als sie in den Wagen stieg, einen großen Ford Expo mit einem Gestell auf dem Dach, für ein Fahrrad oder so was.

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Kundenbewertungen zu "Der Übergang / Passage Trilogie Bd.1" von "Justin Cronin"

12 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.3 von 5 Sterne bei 12 Bewertungen **** sehr gut)
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Bewertung von Sonja aus Hannover am 27.01.2013 ***** sehr gut
INHALT:
Die sechsjährige Amy wird von zwei FBI-Agenten auf ein militärisches medizinisches Testgelände gebracht. Hier wird nach Heilmitteln gegen Krebs und andere tödliche Krankheiten geforscht. Auch das ewige Leben scheint greifbar nah. Doch dann geht etwas schief und die Geschichte der Menschheit muss neu geschrieben werden. Amy scheint der einzige Ausweg zu sein, doch wer ist überhaupt noch in der Lage zu helfen?

FAZIT:
Aufgrund der hohen Seitenzahl und der gespaltenen Meinungen über das Buch (Hop oder Top - eine mittlere Bewertung gibt es kaum) habe ich mich vor diesem Buch wirklich gescheut.

Nachdem aber Leuenhagen und Paris, eine Buchhandlung in Hannover für den 09.04.2013 eine Lesung für den zweiten Band "Die Zwölf" im Programm hat, habe ich mich aufgerafft.

Anfänglich hatte ich das Taschenbuch in der Hand und das hätte mich fast erschlagen: extrem kleine Schrift, kaum Absätze und total schwer. Daher entschied ich mich für das ebook. Hier sind die Absatzformatierungen angenehm zu lesen. Gott sei Dank, denn das Buch erfordert ohnehin schon einen gewissen Grad an Aufmerksamkeit. Hier laufen verschiedene Zeitstränge und eine Vielzahl an Personen parallel und versetzt mit ihren Geschichten und fügen sich dann urplötzlich wieder zusammen. Ich fand dies zeitweise sehr anstrengend zu lesen, aber der einsetzende "Aha-Effekt" war irgendwie auch erfrischend.

Das Buch erklärt anschaulich, was aus unserer Welt werden kann, wenn der medizinische GAU (eine Mischung aus Vampiren und Zombies) eintritt und der technische Fortschritt schlicht weg nicht mehr genutzt werden kann. Einzig und allein das nackte Überleben mit den Grundbedürfnissen zählt. Wer hier jetzt einen blutrünstigen Thriller erwartet, liegt hier jedoch falsch. Es handelt sich um eine sehr gut ausformulierte und durchdachte Dystopie.

Ich habe das Buch u.a auch gemieden, da ich wusste, dass der zweite Teil erst 2013 erscheint. Der dritte Teil hat noch gar keinen Termin für eine Veröffentlichung, so dass ich schon ein bisschen Bedenken habe, dass ich die Handlungsstränge und Personen noch zusammen bekomme, wenn Band 3 in die Läden kommt.
Unter der Bibliografie des Autors auf unserem Blog sind auch die Verlinkungen zur deutschen und englischen Homepage zu finden, die auch eine Liste der Personen enthält. Sehr empfehlenswert für alle die Band 1 vielleicht schon vor einer Weile gelesen haben. Band 2 steht auf jeden Fall wieder auf meiner Wunschliste - auch wieder als ebook - und ich freue mich auf die Lesung (Bericht folgt).

Ich vergebe 4 von 5 Punkten, weil es an manchen Stellen gern auch ein bisschen weniger hätte sein können.

http://kleeblatts-buecherblog.blogspot.de/2013/01/justin-cronin-der-ubergang-von-sonja.html

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Jamila aus Bramsche am 10.06.2012 ***** weniger gut
Im Gegensatz zu meinen Vorrednern bin ich von dem Buch ganz und gar nicht begeistert. Nicht nur weil es ein ziemlicher Schinken ist sondern weil er einfach sowas von langatmig geschrieben wurde.
Die ersten 1-200 Seiten fand ich ihn genial, es war spannend und man war jedesmal überrascht was passieren würde. Aber dann ließ es doch ziemlich nach und die Geschichte wurde immer fader, man liest und liest und hat das Gefühl nicht weiter voran zu kommen. Ich kam langsam mit den ganzen Namen durcheinander, konnte mich nicht mehr konzentrieren und es gab einfach kein Voran. Es ist eins dieser Bücher wo man liest und wenn man dann gefragt wird was man grad gelesen hat kann man das nicht beantworten.
Die nächsten Seiten habe ich mich dann nur noch dadurch gequält, musste mich zwingen weiter zu lesen, aber irgendwann war es dann vorbei, da wollte und konnte ich nicht mehr weiter lesen.
Für mich einfach enttäuschend, wäre es nicht so langatmig wäre es ein ganz passables Buch geworden, aber so leider nichts für mich.
Meine Empfehlung also: die Geschichte an sich ist ganz gut als Ansatz, wer sowas mag ist hier an der richtigen Stelle, nur sollte man Zeit mit bringen viel viel Zeit und man sollte langgezogene Bücher mögen, wo man nicht weiter kommt.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von MKW aus Berlin am 24.04.2012 ***** ausgezeichnet
Eines der besten Bücher, die ich gelesen habe. Immer wenn es etwas fad wurde, wurde es auch schon gleich wieder spannend. Ich bin schon sehr auf den 2. und den 3. Teil gespannt.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Red Sonja aus Monheim am 09.02.2012 ***** ausgezeichnet
Ich kann nur sagen ich war begeistert und gefesselt von der ersten bis zur letzten Zeile!!
Warte schon sehnsüchtig auf den 2. Teil "The Twelve"! Hammerautor!
Man muß sich allerdings auch wirklich drauf einlassen, also sich sozusagen einlesen, ähnlich wie bei Frank Schätzings "Schwarm" oder "Limit ", auch super, aber sehr schwer zu lesen, trotzdem wahnsinnig informativ und fesselnd!
Ich bin jedenfalls total " infiziert " und freue mich auf die Fortsetzung, klasse wäre auch eine Verfilmung, aber man wird sehen......viel Spaß denen die es noch vor sich haben!

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Bewertung von horrorbiene am 17.05.2011 ***** sehr gut
Zu aller erst müsste vielleicht angemerkt werden, dass Der Übergang keineswegs ein Vampir-Thriller ist. Sicher ist der überlegende Gegner eine riesige Masse an animalischen Menschen-Dingern mit Vampirverhalten und –kräften, das Buch ist in erster Linie jedoch eine Dystopie. Die Menschheit ist am Ende. Der Anfang der Geschichte spielt schon in unserer Zukunft und im weiteren Verlauf des Buches und seiner Fortsetzungen wird die Zeit noch viel weiter in der Zukunft fortschreiten.

Dieses Buch ist ein wirklicher Wälzer: Über tausend Seiten und eine Seite ist eng beschrieben. Es zu lesen kam mir gerade zu Beginn vor, wie ein richtiges Stück Arbeit. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die Inhalte, die im Klappentext angekündigt werden relativ lange auf sich warten lassen. Das Buch besteht aus 74 Kapiteln, die wiederum in elf größere Sinnabschnitte aufgeteilt sind. Der erste Abschnitt allein ist knapp 300 Seiten lang und beschreibt die Vorgänge bis zur Katastrophe, nach der eine neue Zeitrechnung beginnt. Weitere 60 Seiten später begegnet der Leser, den Menschen aus dem Lager der Überlebenden und erst in Abschnitt fünf Das Mädchen von Nirgendwo, der auf Seite 485 beginnt ist Amy wieder mit von der Partie und endlich hat man das Gefühl, dass das Buch endlich richtig anfängt – nach beinahe 500 Seiten. An diesem Aufbau kann man erkennen, dass die Gesamthandlung auf mehr als ein Buch aufgeteilt werden soll und dieser Band den Einstieg in diese Trilogie markiert. Ich lese eigentlich wirklich gern ausführlich ausgearbeitete und ausformulierte Plots, doch hier dachte ich zwischendurch zwar nicht ans Aufgeben, aber daran, die Trilogie sicher nicht zu Ende zu lesen. Dabei schreibt Cronin gar nicht so ausführlich, er hat nur sehr viel zu erzählen und lässt Details dabei nicht unter den Tisch fallen. Sein Schreibstil ist flüssig und wirklich gut lesbar, weshalb Der Übergang mich dann doch zum Durchhalten bewegt hat. Und siehe da: Gegen Ende wird das Buch wirklich spannend und ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Meine Meinung bezüglich des Weiterlesens der Trilogie hat sich auch geändert, denn ich möchte nun doch wissen, wie es weitergeht mit den Helden der Geschichte. Doch bis man zu den Protagonisten eine Beziehung aufgebaut hatte, dauerte es leider zu lang und man wusste lange Zeit auch gar nicht, wer – außer Amy – ist einer der Hauptprotagonisten um die es gehen soll. Und genauer betrachtet ist Amy keine Hauptperson. Sicher, es dreht sich alles um sie und ihre Ankunft im Lager soll einiges ins Rollen bringen, doch meistens bleibt sie passiv und wird seitenweise kaum erwähnt, obwohl sie bei den Aktivitäten mit von der Partie ist. Im weiteren Verlauf ändert sich dies, da Amy sich verändert und das gibt Hoffnung für einen transparenteren zweiten Teil.
Die Handlung ist gut ausgearbeitet und detailverliebt und definitiv auf etwas Großes ausgelegt. Praktisch erst im Finale wird dem Leser klar, worum es in den Fortsetzungen gehen wird. Dies war der Spannung etwas undienlich, da man das Gefühl hatte, das Licht am Ende des Tunnels würde niemals kommen und dementsprechend ist die Stimmung beim Lesen: Man hat das Gefühl man beobachtet eine Gruppe Ameisen und sieht ihnen beim Sterben zu, während sie weiter ihrer Arbeit nachgehen.
Der Fließtext ist zwischendurch durch eine Vielzahl anderer Schnipsel unterbrochen, die die Geschichte zeitweise ergänzen oder gar weiter erzählen. Zu nennen wären dabei: Tagebucheinträge, Zeitungsartikel, E-Mails und ein gesetzesähnlicher Text.
Was mich auch etwas störte war der Titel. Sicher kam der Begriff Übergang mindestens zwei Mal in Verbindung einer Wandlungsphase der vom Virusbefallenen vor, doch dies stand in keiner Weise im Fokus des Geschehens oder markierte einen zentralen Wendepunkt.

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Bewertung von phoenix aus Kressberg am 18.03.2011 ***** sehr gut
Von Anfang an sehr spannend. Die Ereignisse klingen zwar sehr utopisch, aber nach all den unvorhersehbaren Folgen von Erdbeben, Tsunami, Vulkanausbrüchen etc. ist alles denkbar. Die Beschreibung und das Leben in diesem Lager fand ich etwas langatmig, sonst fand ich es fesseln und spannend. Hoffentlich bleibt es eine Geschichte.

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Bewertung von http://gottagivethembooks.wordpress.com am 25.01.2011 ***** ausgezeichnet
Amy, Nachname unbekannt. Sie ist das perfekte Testobjekt für eine streng geheime Forschungsreihe der Army. Als Amy vom FBI entführt wird und auf das geheime Armygelände irgendwo in Colorado gebracht wird, ist sie 6 Jahre alt. Das Experiment soll mit Hilfe eines Virus Menschen unsterblich machen. Aber Amy ist nicht die erste Testperson. 12 Infizierte gibt es bereits. Die haben jedoch alle Menschlichkeit verloren. Bei Amy aber erzielt der Virus die erhoffte Wirkung und das Experiment scheint die Menschheit in ein neues Zeitalter zu führen. Dann aber gibt es einen Zwischenfall und die 12 Infizierten brechen aus.

Das Ende der Menschheit und der Welt, wie wir sie kennen, ist eingeläutet und nur eine Person kann sie vielleicht noch retten: Amy!

Eine Kurzbeschreibung des Buches zu geben ist unheimlich schwer, denn ein Werk von über 1000 Seiten in ein paar Sätze zu quetschen, kann nur scheitern. Justin Cronin hat hier den Beginn eines Werkes von epischen Ausmaßen geschaffen. Sehr detailliert führt er seine Charaktere ein und was sich nach unglaublichen Längen anhört, ist es keinesfalls. Cronin ist in der Lage selbst Charakterbeschreibungen spannend einzuflechten und man kann das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen. Man merkt bei jeder Seite, die man liest, dass Cronin als Professor für Englische Literatur Kenntnis von Sprache und Stilmitteln hat und selbst in der deutschen Übersetzung kann man noch die Virtuosität erkennen, mit der er Sprache benutzt und mit ihr jongliert um diese großartige Story zu erzählen. Man fiebert der Fortsetzung entgegen und ich hoffe, dass sie nicht all zu lange auf sich warten lassen wird. Dieses Buch ist eines der packendsten, das ich je gelesen habe und ich bin zuversichtlich, dass Cronin mit seinem einzigartigem Stil dem Anspruch, den seine Leser nach diesem Buch an ihn haben, auch im nächsten gerecht werden kann.

Stephen King hat über dieses Buch gesagt:

„Lesen Sie dieses Buch, und die Welt, wie Sie sie kennen, wird es nicht mehr geben.“

Auch wenn das sehr pathetisch klingt und sicher ein bisschen überzogen ist, hat dieser Satz dennoch einen wahren Kern, denn man denkt schon noch lange über das Buch nach und unweigerlich kommen einem Gedanken daran, welche Experimente die Regierungen der Welt vielleicht vor den Augen und Ohren der Öffentlichkeit verbergen. Experimente, die vielleicht gerade jetzt, in diesem Augenblick aus dem Ruder laufen und die Existenz der gesamten Menschheit gefährden. Wer sagt uns, dass es nicht so ist?

Zitate:

Das hier war der Ort. Mehr als die Busse oder der abgestürzte Hubschrauber mit den toten Soldaten verriet es ihm die Stille. Es war mehr als das bloße Fehlen von Geräuschen. Es war die Stille, die kam, wenn etwas aufgehört hatte. (S. 688)

Wer immer diese Anlage gebaut hatte, dachte er, hatte sie für die Ewigkeit gebaut. Der Raum erinnerte ihn an eine Bibliothek, nur dass die Bücher hier Kisten waren, und die Kisten enthielten keine Wörter, sondern Waffen. Die Hinterlassenschaften des letzten, verlorenen Krieges, verpackt und eingelagert für den nächsten. (S. 690)

Denn wenn das Mädchen nicht gewesen wäre, hätte er es getan. Er hätte die Frau getötet. Er hätte jeden getötet. Er hätte alles getan, was sie wollten. Und wenn du das erst über dich weißt, sagte er, kannst du dieses Wissen nicht mehr abschütteln. Wer immer du zu sein glaubtest, jetzt bist du jemand anderes, ganz und gar. (S. 851)

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Bewertung von Bella von www.bellaswonderworld.de aus Karlsruhe am 24.11.2010 ***** ausgezeichnet
Amy Harper Bellafonte ist gerade einmal sechs Jahre alt, als sie von zwei FBI Agenten entführt und zu einem geheimen medizinischen Versuchslabor verschleppt wird. Schon vor Amy wurde mit einem mysteriösen Virus, dass den Menschen wieder jung und so gut wie unsterblich machen soll, an Sträflingen die die Todesstrafe erwartet herumexperementiert. Doch nun wird nach einer geeigneteren Versuchsperson gesucht und Amy scheint dafür genau die Richtige zu sein...

Als das Experiment jedoch aus dem Ruder läuft verwandelt sich die Welt in eine karge Landschaft in der es nur noch wenige Überlebende gibt die den Kampf gegen die Infizierten (Virals) aufnehmen. Amy scheint jedoch die einzige zu sein die den Untergang der Menschheit aufhalten kann...

Meine Meinung:

Justin Cronins neuster Roman "Der Übergang" erschien innerhalb der kürzesten Zeit in 23 Länder. Außerdem hat die gute Kritik mich zusätzlich neugierig auf das Buch gemacht. Eines kann ich schon einmal vorneweg verraten, auch wenn ich selbst keine 5 Sterne für diesen ausführlichen Roman vergebe ist die Story und die erzählerische Leistung von Justin Cronin beeindruckend.

"Der Übergang" ist kein gewöhnlicher Horror-Schocker in dem es übermäßig blutig und kämpferisch zugeht, ganz im Gegenteil der Autor geht mit seinen fein gezeichneten Charateren sehr emotional an seine Geschichte heran. Zuerst weiß man als Leser nicht so recht wer im Mittelpunkt der Geschichte steht, da es einfach zuviele Handlungsstränge gibt in denen gewisse Figuren herausgehoben und näheres über sie erzählt wird (genau dieser Umstand macht Justin Cronins Werk auch so umfangreich). Es kristallisiert sich jedoch nach geraumer Zeit heraus, dass die sechsjährige Amy im Mittelpunkt des Geschehens steht, sie ist der rote Faden von "Der Übergang" und hält alle Handlungsstränge zusammen.

Justin Cronin schildert sehr eindrucksvoll die Lebensumstände seiner Charaktere und webt schließlich das FBI mit seinem mysteriösen Versuchsgelände, in denen ein ganz spezielles Virus an unfreiwilligen Testpersonen erprobt wird, mit ein. Durch die Vielseitigkeit die "Der Übergang" schon früh entwickelt, kann mich Justin Cronin mit seiner Geschichte fesseln. Leider muss ich jedoch sagen, dass sich dieses Gefühl je weiter ich glesen habe verflüchtigt hat.

"Der Übergang" wird für mich zu einem langwierigen Leseerlebnis das zwar durch seine tolle anfängliche Story glänzen kann, mich dann aber mit seiner weiterführenden Endzeit-Geschichte wieder verkrault hat. An sich finde ich es eine tolle Sache die Welt in einer völlig andern Art und Weise nach so einem Experiment darzustellen, es fehlte hier jedoch einfach an Spannung. Cronin berichtet nachdem das Virenexperiment außer Kontrolle geraten ist von einer kahlen Landschaft mit wenigen menschlichen Überlebenden die sich zu einer Gemeinschaft mit völlig anderen Regeln, wie wir sie heute kennen, zusammen leben. Diese Gemeinschaft schützt sich mit einer Mauer und einem Lichtwall von den infizierten Virals und wartet auf die Rettung durch die Army. Diese weiterführende Geschichte ist zwar nicht schlecht aber Justin Cronin hat einfach zu ausschweifend von den ganzen Geschehnissen berichtet ohne das man eine Spannung oder einen gewissen Pepp vernehmen konnte. Eigentlich habe ich nur weitergelesen da mir die besonders schön gezeichneten Figuren ans Herz gewachsen waren, und ich wissen wollte was es für ein Ende mit ihnen nimmt.

Im ganzen gesehen ist Justin Cronins "Der Übergang" ein wirklich schön geschriebenes Buch, das meiner Meinung nach einfach durch zu viele Ausschweifungen (die dem Werk seine Spannung geraubt haben) die tolle Geschichte zunichte macht. Für Horror-Fans die einen blutigen Horror-Schocker erwarten ist dieser Roman nichts, denn es kommt nur bedingt zu blutigen und gruseligen Szenen. Im Vordergrund stehen menschliche Gefühle und wie dieses Endzeitszenario die Gesellschaft verändert hat.

Leider hat es "Der Übergang" nicht wirklich geschafft mich zu fesseln.

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Bewertung von Tonne aus Tonnenhausen am 13.10.2010 ***** sehr gut
"Sehr gut!!" Das Buch habe ich in nur fuenf Tagen verschlungen----sehr zu empfehlen!!!
Kritikpunkt: "Who is legend? Ahh, I know!- CRONIN is legend!"

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Bewertung von Sarah aus Aachen am 26.09.2010 ***** ausgezeichnet
Insgesamt ein wirklich super Buch. Es hat etwas gedauert, bis man richtig im Geschehen war, aber dann wars jedesmal wenn ich weitergelesen habe, wie ein Sprung in eine andere Welt. Zugegeben, eine eher düstere, teilweise furchterregende Welt, aber das Buch hat es irgendwann geschafft, mich ganz mitzureissen.
Ich gebe meinem Vorredner recht, das `Buch hätte durchaus eine Straffung vertragen können, an vielen Stellen, verliert es sich doch im Detail....aber auf der anderen Seite, bezweifel ich, das es anders möglich gewesen wäre, eine so ANDERE Welt zu schaffen, und sich restlos hineinzubegeben. Irgendwann habe ich die Länge des Buches genossen, da es, aufgrund der Länge, 1 Monat mein Begleiter geworden ist...diese andere Welt.
Das einzige was ich auszusetzen hätte, wären die viiiiiiiielen Namen die im Laufe des Lesens vorkommen, aber irgendwann hat mans kapiert ;-)
Also ein dickes AUSGEZEICHNET von MIR ***

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